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	<title>AuroraWiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Surya_Namaskar&amp;diff=13598</id>
		<title>Surya Namaskar</title>
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		<updated>2026-05-02T10:52:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Die Sonnen-Tradition */ geschütztes Leerzeichen eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Surya_Namaskar_sculpture_at_IGIA_T3_(cropped).jpg|mini|350px|Surya Namaskar, Skulptur am Flughafen von Neu-Delhi]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Stamp_of_India_-_2016_-_Colnect_627074_-_Surya_Namaskar.jpeg|mini|Indische Briefmarke, Surya Namaskar]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Surya Namaskar&#039;&#039;&#039;, deutsch &#039;&#039;&#039;Sonnengruß&#039;&#039;&#039; oder &#039;&#039;&#039;Sonnengebet&#039;&#039;&#039;, ist ein Zyklus aus meistens zwölf einzelnen Positionen, die ineinander übergehen und eine Runde bilden. Es wird in der Yogapraxis am Anfang einer Übungsreihe praktiziert und dient mit seinen dynamischen zwölf Bewegungen der rhythmischen Erwärmung des Körpers, sodass sich dieser für die weiteren oftmals dehnkräftigen Übungen ausgleichend tonisiert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: [https://heinz-grill.de/surya-namaskara/ &#039;&#039;Das Sonnengebet – surya namaskara.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.&#039;&#039; Abgerufen am 26. Februar 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es stellt eine unerlässliche Aufwärmübung für jede Yogastunde dar und bereitet den Körper optimal auf die Asanapraxis vor.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Surya_Namaskar &#039;&#039;Surya Namaskar.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Name ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Surya%2C_Indian_Museum.jpg|mini|Surya (hinduistischer Sonnengott), Basaltstatue aus dem 10. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Surya Namaskara (Sanskrit सूर्यनमस्कार, IAST &#039;&#039;sūryanamaskāra&#039;&#039;) oder Surya Namaskar (Hindi, IAST &#039;&#039;sūryanamaskār&#039;&#039;) setzt sich aus den Wörtern Surya (Sanskrit सूर्य, IAST &#039;&#039;sūrya&#039;&#039;, „Sonne“)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=sUrya&amp;amp;dir=se Suchbegriffe für „sUrya“.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 30.&amp;amp;nbsp;April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und Namaskara (Sanskrit नमस्कार, IAST &#039;&#039;namaskāra&#039;&#039;, „Gruß“)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=namaskAra&amp;amp;dir=se Suchbegriffe für „namaskAra“.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 30. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Deutsch wird Surya Namaskar als „Sonnengruß“ oder „Sonnengebet“ bezeichnet. Es trägt diesen Namen, da es als eine meditativ-körperliche Übung am frühen Morgen mit dem Gesicht nach Osten zur aufgehenden Sonne ausgeführt wurde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt.&#039;&#039; Band 3 aus der Reihe: &#039;&#039;Initiatorische Schulung in Arco.&#039;&#039; 2. Auflage. Lammers-Koll-Verlag, Niefern-Öschelbronn 2008, ISBN 978-3-935925-70-9, S.&amp;amp;nbsp;38.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte und Entstehung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Ursprung des Sonnengebets gibt es unterschiedliche Sichtweisen. Diskutiert wird, ob es aus alter spiritueller Praxis, anderer Tradition oder aus sportlichen Disziplinen stammt. Nach anthropologischer Forschung findet das Sonnengebet vor dem 19. Jahrhundert keine Erwähnung in einer Hatha Yoga Schrift.&amp;lt;ref&amp;gt;Joseph S.&amp;amp;nbsp;Alter: &#039;&#039;Yoga in modern India: the body between science and philosophy.&#039;&#039; Princeton University Press, 2004, ISBN 978-0-691-11874-1, S.&amp;amp;nbsp;23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Angaben des Sivananda Yoga Zentrums wird in der Hindu-Mythologie der Sonnengott als Symbol der Gesundheit und eines langen Lebens verehrt. In der [[w:Rigveda|Rigveda]] heißt es: „Surya ist die Seele aller bewegten und unbewegten Dinge.“ Das Sonnengebet soll sich aus einer Reihe von Gebetshaltungen an die Sonne entwickelt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Sivananda Yoga Zentrum: &#039;&#039;Yoga.&#039;&#039; 7. Auflage. Mangalam Books, Lautersheim 2008, ISBN 978-3-922477-40-2, S.&amp;amp;nbsp;34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Vishnudevananda]] führt aus, dass die Sonne als Gottheit für Gesundheit und ein langes Leben angesehen wird. In alten Zeiten sei diese Übung täglicher Brauch der täglich vollzogenen spirituellen Praktiken gewesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;Swami Vishnudevananda: &#039;&#039;Das große illustrierte Yogabuch.&#039;&#039; 18. Auflage. Aurum Verlag, Kamphausen 2019, ISBN 978-3-89901-183-8, S.&amp;amp;nbsp;86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Sonnen-Tradition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Konark_Sun_Temple_on_a_October_morning_in_2024.png|mini|Sonnentempel von Konark in Odisha (Indien) aus dem 13. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Sonne anzubeten und zu verehren, war eine der ersten und natürlichsten geistigen Ausdrucksformen des Menschen.“ In der vedischen Tradition gibt es zahlreiche Verse, die sich auf die Sonne beziehen. So heißt es in der Rigveda:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die Tilgerin aller Schwachheit,&lt;br /&gt;
Heilerin aller Krankheit,&lt;br /&gt;
Herrin über alles, das geht und steht.&lt;br /&gt;
Sie erschlägt die Dämonen&lt;br /&gt;
Und behütet die Verehrer.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:SatSar&amp;quot;&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Surya Namaskara.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Ananda Verlag, Ratzeburg 2018, ISBN 978-3-947908-01-1, S.&amp;amp;nbsp;4–6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der [[w:Brihadaranyaka-Upanishad|Brihadaraanyaka Upanishad]] steht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„O Herr und Wesen des Lichtes,&lt;br /&gt;
führe mich vom Unwirklichen zum Wirklichen,&lt;br /&gt;
von der Dunkelheit ins Licht,&lt;br /&gt;
vom Tod zur Unsterblichkeit.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:SatSar&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sinnbild des Sonnengebets ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Trick_to_remember_Surya_Namaskar_Mantra.gif|mini|410px|Die 12 Positionen im Sonnengebet]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sonnengebet wird mit dem Sinnbild des Rhythmus in Zusammenhang gebracht. Seine gleichbleibende Ausführung, Runde für Runde, reflektiert den Rhythmus des Universums, der sich beispielsweise in den zweimal 12 Stunden des Tages, den 12 Monaten eines Jahres und den 12 Tierkreiszeichen, aber auch den Rhythmen des Körpers ausdrückt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:SatSar&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben diesem äußeren Rhythmus ist auch der innere Rhythmus des Menschen im Sinne seiner Entwicklung von Bedeutung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die seelisch-geistige Bedeutung des Sonnengebets können Sie am leichtesten erfassen, wenn Sie die Sonnenkraft, die im traditionellen Sinne angebetet und verehrt wird, mit der schöpferischen Gedanken&amp;amp;shy;kraft gleichsetzen. […] Wenn Sie heute einen hohen und edlen Gedanken mit Zielstrebigkeit und einem Bedürfnis nach Verwirklichung denken, so wird dieser Gedanke gemäß seines Wesenszustandes, &#039;&#039;bhāvan&#039;&#039;, einmal durch die Stufen der Entwicklung gleiten und zur Realisierung gelangen. […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In diesem zyklischen Reifen des Gedanken- und Erkenntnislebens liegt die Bedeutung des 12-teiligen Sonnengebets.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga. Praktische Grundlagen zu einem spirituellen Übungsweg.&#039;&#039; 7., unveränderte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2022, ISBN 978-3-948193-00-3, S.&amp;amp;nbsp;334–335.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Methode und Ausführungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleich von Anleitungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:11px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:7%;&amp;quot; |Position&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:31%;&amp;quot; |Sivananda Yoga&amp;lt;ref&amp;gt;Sivananda Yoga Zentrum: &#039;&#039;Yoga.&#039;&#039; 7. Auflage. Mangalam Books, Lautersheim 2008, ISBN 978-3-922477-40-2, S.&amp;amp;nbsp;34–35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:31%;&amp;quot; |Yoga Vidya&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Sonnengru%C3%9F#Sonnengru%C3%9F_Mittelstufe &#039;&#039;Sonnengruß Mittelstufe.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:31%;&amp;quot; |Heinz Grill&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=Rj23SH9BYyY &#039;&#039;Die Gliederung im Sonnengebet – surya namaskar.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yoga Heinz Grill&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 23. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |1&lt;br /&gt;
|Stehen Sie aufrecht, mit geschlossenen Füßen, die Hände in Gebetshaltung vor der Brust gefaltet. Achten Sie auf eine gleichmäßige Verteilung Ihres Gewichts. Ausatmen.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, dabei Hände vor dem Brustkorb zusammengeben.&lt;br /&gt;
|Anheben des Brustbeins, entspannte Sammlung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |2&lt;br /&gt;
|Einatmen, die Arme über den Kopf nach oben strecken, aus der Taille zurückbeugen, dabei die Hüften herausdrücken, die Beine gerade halten, Hals entspannen.&lt;br /&gt;
|Einatmen, dabei Arme heben und nach hinten führen, Schulterblätter zusammen.&lt;br /&gt;
|Gelöstes Hochgleiten, entspanntes Langwerden und leichtes Rückwärtswölben, Anheben des Brustbeins bei entspanntem Körper, starkes Durchwölben der Brustwirbelsäule.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |3&lt;br /&gt;
|Ausatmen, nach vorn beugen und die Handflächen auf den Boden legen, die Fingerspitzen sind in einer Linie mit den Zehen, notfalls die Knie beugen.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Oberkörper nach vorne beugen, Hände neben die Füße.&lt;br /&gt;
|Relativ gelöst und entspannt nach unten gleiten, Entwicklung der gezielten Spannung im Vorwärtsbeugen, Lösen der Spannung vor der nächsten Position.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |4&lt;br /&gt;
|Einatmen, das rechte (oder linke) Bein nach hinten strecken und mit dem Knie den Boden berühren. Zurückschauen und nach oben schauen, Kinn hoch.&lt;br /&gt;
|Einatmen, dabei rechtes Bein nach hinten geben.&lt;br /&gt;
|Weite und Entspannung im Halbmond, beginnende Längsstreckung und Aufbau der Spannung aus der Mitte der Wirbelsäule bei gelöstem Nacken und Arme, intensives Durchwölben der Brustwirbelsäule.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |5&lt;br /&gt;
|Atem anhalten und auch das andere Bein zurückstrecken, das Gewicht gleichmäßig auf Hände und Zehen stützen, Kopf und Körper in einer Linie halten, zwischen den Händen auf den Boden schauen.&lt;br /&gt;
|Atem anhalten, dabei beide Beine nach hinten geben.&lt;br /&gt;
|ohne Angabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |6&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Knie, Brust und Stirn nach unten senken, Hüften anheben, die Zehen nach innen.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Knie, Brust und Stirn auf den Boden&lt;br /&gt;
|Entspanntes Annähern zum Boden, gegliederte Haltung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |7&lt;br /&gt;
|Einatmen, Hüften senken, Zehen nach hinten ausstrecken und Oberkörper zurückbeugen. Beine geschlossen, Schultern nach unten halten. Nach oben und zurück schauen.&lt;br /&gt;
|Einatmen, dabei Brustkorb und Kopf heben.&lt;br /&gt;
|Entspanntes Aufrichten der Wirbelsäule zur Kobra, Entwicklung der Spannung, der Brustkorb wird weit nach vorne gezogen, das Gesicht bleibt entspannt, die Brustwirbelsäule bleibt in der Phase der Spannung hochaktiv, die Arme stützen nicht ab, weitere Dynamisierung aus der Brustwirbelsäule.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |8&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Zehen nach vorn, Hüften heben und den Körper in ein umgekehrtes „V“ drehen, die Fersen und den Kopf möglichst auf den Boden bringen und die Schultern zurückzunehmen.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, dabei Becken heben, Fersen in den Boden drücken.&lt;br /&gt;
|Sehr entspannte Dreiecksform, Aktivierung der Dynamik in Richtung unterer Rücken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |9&lt;br /&gt;
|Einatmen, den linken (oder rechten) Fuß nach vorn zwischen die Hände stellen, das andere Knie berührt den Boden, nach oben schauen wie in Position 4.&lt;br /&gt;
|Einatmen, dabei rechten Fuß nach vorne geben zwischen die Hände.&lt;br /&gt;
|Vorbereitende Entspannung im Halbmond, Aktivierung der Spannung in die Längsausdehnung und zur Durchwölbung des Brustkorbs&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |10&lt;br /&gt;
|Ausatmen, das andere Bein nach vorn bringen, aus der Taille heraus nach unten beugen, die Handflächen wie in Position 3.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, beide Beine nach vorne geben.&lt;br /&gt;
|Entspanntes Hinausgleiten nach vorne, die Arme, der Nacken und die Schultern bleiben durchlässig, während die Mitte des Rückens die Spannung aufzubauen beginnt, die Bewegung bleibt im Oberkörper stets entspannt und offen, Spannung im unteren und mittleren Rücken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |11&lt;br /&gt;
|Einatmen, die Arme nach vorn, dann hoch und über den Kopf nach hinten strecken und langsam aus der Taille heraus nach hinten beugen wie in Position 2.&lt;br /&gt;
|Einatmen, Arme und Brustkorb heben, Arme nach hinten, Schulterblätter zusammen.&lt;br /&gt;
|Entspannte Längsausdehnung, dynamische Wölbung der Brustwirbelsäule und des Brustkorbs.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |12&lt;br /&gt;
|Ausatmen, sacht in eine aufrechte Haltung zurückkommen, Arme neben den Körper bringen&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Arme senken, nächste Runde.&lt;br /&gt;
|ohne Angabe&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Yogameister und Yogarichtungen zum Surya Namaskar ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pant_Pratinidhi_1928_Surya_Namaskar_Sequence.jpg|mini|Surya Namaskar mit 10 Positionen&amp;lt;br&amp;gt;Raja von Aundh (Illustration von 1928)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Raja von Aundh ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[wen:Bhawanrao Shriniwasrao Pant Pratinidhi|Raja von Aundh]] sagt, dass Surya Namaskar von jedermann zu jeder Jahreszeit allein oder in Gruppen ausgeführt werden kann, weil es ebensogut im Zimmer als auch im Freien praktiziert werden kann. Es nimmt nur einige Minuten am Tage in Anspruch, also drei bis zehn Minuten.&amp;lt;ref&amp;gt;André van Lysebeth: &#039;&#039;Yoga für Menschen von heute.&#039;&#039; Mosaik Verlag, München 1982, 1990, ISBN 3-570-01784-2, S. 274.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der vermutlich älteste Film mit dem Titel &#039;&#039;Surya Namaskar&#039;&#039; wurde von ihm wahrscheinlich im Jahr 1928 in Aundh gedreht. Der Raja veröffentlichte Bücher über diese Yoga-Sequenz in vielen Sprachen und zeigte diesen Film während seiner Reisen durch Indien und Europa, um für die Vorteile des Surya Namaskar zu werben.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=aYcwS2ePkMw &amp;lt;nowiki&amp;gt;Surya Namaskar 1928 by Raja of Aundh [Kalé/Novetzke].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&#039;&#039; (0:01–0:40.) In: &#039;&#039;The Yoga of Power&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Swami Sivananda ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Sivananda.jpeg|mini|Sivananda, Wandzeichnung des Künstlers &#039;&#039;Josefo&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;© Das Foto unterliegt dem Copyright&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Sivananda]] schreibt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Im «Surya Namaskara» werden mehrere Yogastellungen mit rhythmischem (fließendem) Atem, zügiger Bewegungsabfolge, Sonnenbaden und andächtiger Kontemplation an die göttliche Kraft, die die Sonne darstellt, verbunden. Wir sind dazu eingeladen Surya Namaskar im Angesicht der Morgensonne zu praktizieren, indem wir unseren ganzen Körper in den lebensspendenden Sonnenstrahlen, den Spendern von Licht, Leben, Glück und Wärme für die ganze Welt baden. Surya Namaskar setzt sich aus zwölf Haltungen oder Phasen zusammen. Dabei fließt die eine Haltung geschmeidig und anmutig in die folgende. […] Wichtiger jedoch ist die innere Haltung, in der Surya Namaskara praktiziert wird. Nach innen gerichtet, beobachte jede noch so kleine im Körper vorgehende Bewegung, werde dir jeder körperlichen Veränderung, besonders der in der Wirbelsäule, bewusst. Damit dies möglich ist, ist es wichtig, dass der Geist ruhig und aufmerksam ist. Nachdem du über einige Monate hinweg praktiziert hast, wird diese Aufmerksamkeit, dieses Bewusstsein wachsen.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Surya_Namaskar#Swami_Sivananda_schreibt_%C3%BCber_Surya_Namaskar &#039;&#039;Swami Sivananda schreibt über Surya Namaskar.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bekannte Schüler von [[Swami Sivananda]] waren [[Swami Vishnudevananda]] und [[wen:Satyananda Saraswati|Swami Satyananda Saraswati]]. Eine mit Fotos bebilderte Anleitung der 12 Positionen des Sonnengebets der Sivananda Tradition findet sich auf der Seite der &#039;&#039;International Sivananda Yoga Vedanta Centres&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://sivananda.org/the-sun-salutation/ &#039;&#039;The Sun Salutation (Surya Namaskar).&#039;&#039;] In: &#039;&#039;International Sivananda Yoga Vedanta Centres.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Yoga Vidya ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Yoga Vidya ist das Sonnengebet eine dynamische Asanareihe des Hatha Yoga mit 12 Stellungen, die mit den zugehörigen 12 Mantren den hinduistischen Sonnengott Surya anrufen. Yoga Vidya versteht sich in der Tradition von Swami Sivananda. Das Sonnengebet ist Teil der Yoga Vidya Grundreihe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[y:Sonnengruß|&#039;&#039;Sonnengruß.&#039;&#039;]] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Yoga_Vidya_Reihe#Surya_Namaskar_-_der_Sonnengru%C3%9F &#039;&#039;Surya Namaskar – der Sonnengruß.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ashtanga Yoga ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Surya Namaskar A B AYI.PNG|mini|350px|Surya Namaskara A &amp;amp; B (Ashtanga Yoga)&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;© Dr. Ronald Steiner, [https://de.ashtangayoga.info AYI.info]&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Ashtanga Yoga wird der Sonnengruß mit Surya Namaskar A und B bezeichnet, die nacheinander zu Beginn der Yogapraxis geübt werden. Mit fünf Runden Sonnengruß A beginnt jede Praxis des Ashtanga Yoga. Er besteht aus 9 grundlegenden Bewegungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://de.ashtangayoga.info/ashtanga-yoga/surya-namaskara-a-sonnengruss/ &#039;&#039;Surya Namaskara A – der Sonnengruß des Ashtanga Yoga.&#039;&#039;] In:&amp;amp;nbsp;&#039;&#039;AYI.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sonnengruß B erweitert die Bewegungen von Sonnengruß A; die 17 Bewegungen des Sonnengrußes B werden fünfmal wiederholt.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://de.ashtangayoga.info/ashtanga-yoga/surya-namaskara-b-sonnengruss/ &#039;&#039;Surya Namaskara B – der zweite Sonnengruß und Schritt in das Yoga.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;AYI.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausführung erfolgt mit [[y:Ujjayi|Ujjayi]]-Atmung, Energielenkung und Konzentration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[y:Patthabi Jois|Patthabi Jois]] lässt im Vergleich zu Sivananda und Yoga Vidya Ausführungen beim Sonnengruß A die 6. Position ([[w:Adhomukha Shvanasana|Adho Mukha Shvanasana]]) acht Atemzüge halten. Diese entspricht beim Sonnengruß B der 6., 10. und 14. Position, wobei nur die letztere fünf Atemzüge gehalten wird.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=qNn9gQyQTGM &#039;&#039;Sun Salutation A tutorial by Pattabhi Jois.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Travel&amp;amp;Yoga&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=xI9rytach34 Surya Namaskara B Sri K Pattabhi Jois &amp;amp; 6 Students.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Yoga Asanas&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B. K. S.&amp;amp;nbsp;Iyengar ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Demonstration des Sonnengrußes mit Sprungvarianten zeigt [[w:B. K. S.&amp;amp;nbsp;Iyengar|B. K. S.&amp;amp;nbsp;Iyengar]]. Surya Namaskar ist seiner Ansicht nach nichts anderes als ein Teil von Yoga, denn jede Position hat einen Namen. Bei der 4. Position, Chaturanga Dandasana, betont Iyengar, dass der Körper auf den Zehenspitzen und den Handflächen balanciert wird ohne den Boden zu berühren.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=7wOce2c5NDk &#039;&#039;Guruji demonstrating Surya Namaskar at age 57 (1976) B.K.S.&amp;amp;nbsp;Iyengar.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;TS19 Media&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 27.&amp;amp;nbsp;März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Heinz Grill ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Anjaneyasana%2C_Heinz_Grill_1992.jpg|mini|Halbmond ([[Anjaneyasana]]) bei Position 4 und 9 im Sonnengebet]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sonnengebet hat [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]], Begründer des Schulungsweges &#039;&#039;Neuer Yogawille&#039;&#039;, mit verschiedenen Inhalten weiterentwickelt sowie heiltherapeutische Wirkungen und künstlerisch-ästhetische Bewegungsformen herausgearbeitet, die durch eine gedanklich orientierte Bewusstseinsaktivität des Übenden entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausführung erfolgt wie bei Sivananda mit 12 Positionen, jedoch mit dem Unterschied, dass die 4. und 9. Stellung – [[Ashva Sanchalanasana]] (Reiterposition) – weiterentwickelt und zum [[Anjaneyasana|Halbmond]] aufgerichtet wird.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga.&#039;&#039; S. 337 und 340.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anzahl der Runden, Geschwindigkeit, Tageszeit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Sivananda Tradition werden 3 bis 12 Runden empfohlen, in langsamerem Tempo für spirituelles Wachstum und in schnellerem Tempo, wenn der physische Aspekt im Vordergrund steht. Wenn ein Reinigungsprozess in Gang kommen soll, kann Surya Namaskar täglich mit 108 Runden geübt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Asana Pranayama Mudra Bandha.&#039;&#039; 4. Auflage. Ananda Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-928831-37-6, S.&amp;amp;nbsp;172.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Vishnudevananda]] empfiehlt, die volle Runde von Surya Namaskar zwölfmal täglich zu wiederholen.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Vishnudevananda: &#039;&#039;Das große illustrierte Yogabuch.&#039;&#039; 18.&amp;amp;nbsp;Auflage. Aurum Verlag, Kamphausen 2019, ISBN 978-3-89901-183-8, S.&amp;amp;nbsp;86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitliche Angaben finden sich mit langsameren und schnelleren Runden, aber auch mit konkreten Zeitangaben, die von 15 bis 45 Sekunden für eine Runde variieren können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Das Sonnengebet wird in der Regel im rhythmischen Aufbau von beginnenden langsameren Runden zu immer schneller werdenden Einsätzen der einzelnen Bewegungen praktiziert. Am Anfang dauern die zwölf Übungen etwa eine halbe Minute bis 45 Sekunden, schließlich aber kann der Übende die Geschwindigkeit steigern und seinen Kräfteeinsatz gezielt auf bestimmte Partien ausrichten. Er übt die zwölf Teilbewegungen manchmal sogar in einem rhythmischen Fluss des Wechsels von Entspannung und Anspannung innerhalb von fünfzehn Sekunden.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausführung kann von einigen Runden bis zu einer zwanzig- oder dreißigmaligen Wiederholung geschehen und je nach Kondition lässt sich der Zyklus schneller oder langsamer praktizieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Power Yoga wird der Sonnengruß auch 36-mal als „rituelle Herausforderung“ praktiziert.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=p2is7EnKuaE&amp;amp;t=387s &#039;&#039;Power Yoga 36 Sun Salutations with Trevis Eliot A Ritual Challenge.&#039;&#039;]. In: &#039;&#039;Travis Eliot&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 23.&amp;amp;nbsp;März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Anzahl von 108 Runden findet sich als bekannte Praxis des Sonnengebets.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=sw4hq8z5R_M &#039;&#039;108 Sonnengrüße, Warum-Wieso-Wann, meine Erlebnisse nach 108 Sonnengrüßen.&#039;&#039;]. In: &#039;&#039;Yoga mit Nicole Reiher&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 23. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=sw4hq8z5R_M &#039;&#039;Live Yogastunde 108 Sonnengrüße mit Vani Devi und Vishnu-Shakti – 09:15 Uhr 26.03.2020.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yoga Vidya - Live&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 23. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;Als ideale Zeit wird der Sonnenaufgang angesehen, da er als die friedvollste Zeit des Tages gilt. Auch die Zeit des Sonnenuntergangs ist geeignet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Asana Pranayama Mudra Bandha.&#039;&#039; 4. Auflage. Ananda Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-928831-37-6, S.&amp;amp;nbsp;163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Konzentration und Visualisierung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[w:André van Lysebeth|André van Lysebeth]] bezeichnet die Konzentration bei der Ausübung des Surya Namaskar als wesentlich, da jede Bewegung eine aktive Beteiligung des Bewusstseins erfordere. Er empfiehlt: „Denken Sie an die strahlende Sonne, konzentrieren Sie sich auf diesen Anreger des Lebens auf dieser Welt. Alle Energie, selbst jene, die Sie zur Ausübung dieser Asana brauchen, kommt von ihrer Strahlung. Denken Sie an die kosmische Kraft, welche sich in der Sonne manifestiert. Diese Einstellung gibt Ihrer Haltung und Übung einen höheren Sinn und wird Sie beflügeln.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;André van Lysebeth: &#039;&#039;Yoga für Menschen von heute.&#039;&#039; Mosaik Verlag, München 1982, 1990, ISBN 3-570-01784-2, S. 278.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Konzentration auf die Sonne im Sinne einer Visualisierung findet sich bei der Ausübung nach [[w:Satyananda|Satyananda]]: Vorbereitend kann der Körper in der stehenden Position wahrgenommen und gedanklich entspannt werden, indem die Aufmerksamkeit vom Scheitel systematisch durch den Körper gelenkt wird. Dann erfolgt die Wahrnehmung des Zentrums an der Stirn, wo eine leuchtend rote aufgehende Sonne visualisiert wird, die Körper und Geist mit belebenden und heilenden Strahlen durchströmt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Chakren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Chakras_Demostration.png|mini|Die sieben Chakren und ihre Lokalisation an der Wirbelsäule]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den einzelnen Positionen des Sonnengebets werden nach Angaben von Yoga Vidya und Swami Satyananda Wirkungen auf alle 7 Chakren zugeordnet, beginnend mit dem Anahata Chakra, dem 4. (Energie-) Zentrum oder Herzchakra in der 1. Position:&amp;lt;ref&amp;gt;[[y:Sonnengruß#Wirkungen|&#039;&#039;Wirkungen.&#039;&#039;]] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Asana Pranayama Mudra Bandha.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;164–173.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:11px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+&lt;br /&gt;
! Position&lt;br /&gt;
! Asana&lt;br /&gt;
! Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |1&lt;br /&gt;
|Pranamasana&lt;br /&gt;
|4. Zentrum – Anahata Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |2&lt;br /&gt;
|Hasta Uttanasana&lt;br /&gt;
|5. Zentrum – Vishuddha Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |3&lt;br /&gt;
|[[Uttanasana|Padahastasana]]&lt;br /&gt;
|2. Zentrum – Svadhisthana Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |4&lt;br /&gt;
|[[Ashva Sanchalanasana]]&lt;br /&gt;
|6. Zentrum – Ajna Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |5&lt;br /&gt;
|Dandasana&lt;br /&gt;
|1. Zentrum – Muladhara Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |6&lt;br /&gt;
|Ashtanga Namaskara&lt;br /&gt;
|3. Zentrum – Manipura Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |7&lt;br /&gt;
|[[Bhujangasana]]&lt;br /&gt;
|4. Zentrum – Anahata Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |8&lt;br /&gt;
|Parvatasana&lt;br /&gt;
|1. Zentrum – Muladhara Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |9&lt;br /&gt;
|Ashva Sanchalanasana&lt;br /&gt;
|6. Zentrum – Ajna Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |10&lt;br /&gt;
|Padahastasana&lt;br /&gt;
|2. Zentrum – Svadhisthana Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |11&lt;br /&gt;
|Hasta Uttanasana&lt;br /&gt;
|5. Zentrum – Vishuddha Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |12&lt;br /&gt;
|Tadasana&lt;br /&gt;
|7. Zentrum – Sahasrara Chakra&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Neuen Yogawillen wird der Bewegungsansatz aus dem 3. Zentrum betont:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Aus dem Manipura Chakra, der Mitte der Wirbelsäule, wird die Bewegung im Sonnengebet oder Sonnengruß, surya namaskar hier angesetzt und strömt von dort zentrifugal nach außen bis in die Gliedmaßen. Der Körper wird mit jeder Vorwärts- und Rückwärtsbewegung stetig länger und gewinnt einen ästhetischen Ausdruck.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=9IAWkAcEtLo Der Sonnengruß - surya namaskar.]&#039;&#039; Begleittext zum Video. In: &#039;&#039;Yoga Heinz Grill&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 30. April 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{#ev:youtube|9IAWkAcEtLo|530x310|center|Der Sonnengruß - surya namaskar}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Atmung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verbindung von Atmung und Bewegung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Üblicherweise wird beim Sonnengebet die Bewegung mit der Atmung verbunden. Bei der 12 Positionen umfassenden Variante beginnt Position 1 mit dem Ausatmen, dann folgt wechselweise Ein- und Ausatmen, jedoch wird bei der Position 5 – Dandasana oder Schiefe Ebene – der Atem eingeatmet angehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn du das Sonnengebet zum ersten Mal übst, ist es nicht notwendig, jede Bewegung gleichzeitig mit der entsprechenden Ein- oder Ausatmung auszuführen. Richte deine Aufmerksamkeit anfangs lieber auf langsame Bewegungen und Übergänge von einer Stellung zur nächsten. Nimm dabei so viele Atemzüge wie nötig.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Sonnengru%C3%9F#Was_ist_der_Yoga_Sonnengru%C3%9F? &#039;&#039;Was ist der Sonnengruß?&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
André van Lysebeth weist auf die Wichtigkeit hin, den Atem zu koordinieren, er müsse leicht gehen. Wenn Atmung und Bewegung koordiniert werden, kann Surya Namaskar ohne Ermüdung und ohne außer Atem zu kommen, praktiziert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;André van Lysebeth: &#039;&#039;Yoga für Menschen von heute.&#039;&#039; S. 280.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rhythmische Führung des Atems ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinz Grill beschreibt, dass man beim Sonnengebet den Zusammenhang von Atem und Bewegung unmittelbar erleben kann: „Alle Bewegungsformen sind wie der kommende und gehende Atem. Bewegung ist fortgesetzte Atemtätigkeit. Ein Zyklus, der in der Bewegung das zwar rhythmisch geführte, aber doch freie Wechselspiel des Atems offenbart.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Das Sonnengebet.&#039;&#039; Kapitel in: &#039;&#039;Kosmos und Mensch.&#039;&#039; 4.&amp;amp;nbsp;Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-6-8, S.&amp;amp;nbsp;200.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Freier Atem ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Neuen Yogawillen wird die Atmung auch frei nach individuellem Bedarf zugelassen, insbesondere wenn eine oder mehrere Stellungen intensiver ausgearbeitet werden.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mantren zum Sonnengebet ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sivananda ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Sivananda]] teilt in seinem Buch &#039;&#039;Das Sonnengebet&#039;&#039; ein Originalgebet mit dem Namen „Surya Namaskaram“ mit, wie es aus dem Sanskrit überliefert ist. Folgend seine deutsche Übersetzung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„OM. Ich verehre Surya, die geistige Sonne, den schönen Herrn der Welt, den Unsterblichen, von dem alle Heiligen Schriften sprechen, den Bezeuger aller Gunst, der Kenntnis ist in der Form von Brahman (das Absolute), den Herrn der Engel, den Unbefleckten, das eine wahre Bewußtsein der Welt, den Herrn der Geistwesen und der Menschen, den Lehrer der Engel, den Juwelen-Eckstein der drei Welten, den Einen in der Form der Dreifaltigkeit, den Geber des Lichts.&lt;br /&gt;
Das Gesicht der Wahrheit ist mit einer goldenen Schale überdeckt. Lüfte diese Schale der Materie, oh Sonne, damit ich hinter ihr Deine geistige Wahrheit erkennen kann.&lt;br /&gt;
O geistiger Ernährer, einzig-seiendes, alles-beherrschendes Wesen, Logos, Sohn des Schöpfers, sende deine Strahlen aus und sammle Dein brennendes Licht an; ich gewahre Deine glorreiche strahlende Form, ich bin Er, das Wesen in Dir.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Surya Namaskaram – Das Sonnengebet&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Das Sonnengebet. Eine Yogaübungsreihe für Jedermann.&#039;&#039; 4. Auflage. Humata Verlag, Bern, ISBN 3-7197-0424-6, S.&amp;amp;nbsp;21.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Gebet sind 12 Anrufungen der Sonne verbunden, die in der Tradition des Sivananda-Yoga mit den 12 Bewegungen der Übungsfolge des Sonnengebets verbunden werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ mitrāya namaḥ&#039;&#039; – der Du alle liebst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ ravaye namaḥ&#039;&#039; – der Du die Ursache aller Veränderung bist, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ sūryāya namaḥ&#039;&#039; – der Du der Beweggrund aller Tätigkeit bist, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ bhānave namaḥ&#039;&#039; – der Du Licht ausstrahlst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ kaghāya namaḥ&#039;&#039; – der Du himmlische Wonne erregst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ pūṣṇe namaḥ&#039;&#039; – der Du alles Leben nährst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ hiraṇyagarbhāya namaḥ&#039;&#039; – der Du alles in Dir selbst enthältst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ marīcaye namaḥ&#039;&#039; – der Du selbst-leuchtend bist, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ ādityāya namaḥ&#039;&#039; – der Du das höchste Wesen, Liebe, bist, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ savitre namaḥ&#039;&#039; – der Du alles Leben erzeugst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ ārkāya namaḥ&#039;&#039; – der du anbetungswürdig bis, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ bhāskarāya namaḥ&#039;&#039; – der Du die Ursache allen Lichtes und allen Glanzes bist, ich verneige mich vor Dir&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Das Sonnengebet.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;22–24.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strebt man „mit der Übungsreihe des Surya Namaskaram eine besondere geistige Erhebung an“, ist der Gebrauch des Originalgebets und der 12 Anrufungen empfehlenswert. Vor jeder Übungsstellung kann eine der 12 Anrufungen vorgenommen werden, „was aber nur in Gedanken und ohne Bewegung der Lippen und Stimmbänder geschieht“.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Das Sonnengebet.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neuer Yogawille ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Neuen Yogawillen finden die Surya-Mantren Erwähnung, dass diese „die Verehrung zu der Sonne und ihrem lebensspendenden Geist ausdrücken.“ Der intuitive Geist, der dem Mantra von Surya Namaskara zugrunde liege, trage eine verborgene Weisheit, die heute auf eine andere, detaillierte und konkrete Weise beleuchtet werden müsse. Heinz Grill gibt als Inhalt das folgende, von ihm komponierte Mantra, das in melodischer Form mit den Bewegungen und der Atmung kombiniert wird und auf eine rhythmische Entwicklung des individuellen und kollektiven Lebens hindeutet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aus dem Mutterboden wächst das Selbst&lt;br /&gt;
# in sprießender Energie,&lt;br /&gt;
# wie ein Knabe&lt;br /&gt;
# zum Schüler wird,&lt;br /&gt;
# den das Lernen&lt;br /&gt;
# zum Bitten führt,&lt;br /&gt;
# wachend&lt;br /&gt;
# zur großen Prüfung.&lt;br /&gt;
# Treue Ergebenheit&lt;br /&gt;
# im Dienst&lt;br /&gt;
# führt den Jüngling&lt;br /&gt;
# zum Vater.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt.&#039;&#039; 2. Auflage. Lammers-Koll-Verlag, 2008, ISBN 978-3-935925-70-9. S.&amp;amp;nbsp;42.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gesundheitliche Wirkungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Körperliche und psychische Wirkungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Yogaübungen überwiegend einen positiven gesundheitlichen Effekt haben, ist durch Studien belegt. Präventive und therapeutische Wirkungen wurden erforscht und angewendet. Akute Verletzungen treten demnach äußerst selten auf. Eine Verbesserung der allgemeinen Belastbarkeit und Regeneration konnte vielfach erzielt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0949328X10000566&#039;&#039;Yoga- Sportmedizinische Aspekte.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;ScienceDirect.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich wurde nachgewiesen, dass die Wirbelsäulenbeweglichkeit bei dynamischen Yoga-Formen signifikant steigt, und zwar bezogen auf das gesamte Bewegungsausmaß als auch auf die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule.&amp;lt;ref&amp;gt;S.&amp;amp;nbsp;Rudolph, S.&amp;amp;nbsp;Kruft, A. Göring, M. Jetzke: [https://www.germanjournalsportsmedicine.com/fileadmin/content/archiv2016/Heft_5/Kurzbeitrag_Rudolph_Wirbelsauelenbeweglichkeit_Yoga_2016-05.pdf &#039;&#039;Eine empirische Vergleichsstudie zu den Wirkungsweisen von Yoga auf die Wirbelsäulenbeweglichkeit.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;German Journal of Sports Medicine.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Praktizieren des Sonnengebets dehnen und kräftigen sich Muskeln und Gelenke. Die Atemkapazität und das Herz-Kreislaufsystem werden durch die Ausdauerleistung günstig angeregt.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Surya_Namaskar#Gebet_an_Surya&#039;&#039;Sukadev über Wirkung von Surya Namaskar auf den physischen Körper.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Körpersysteme – das Herz-Kreislauf-System sowie das Atem- und das Verdauungssystem – kommen ins Gleichgewicht, auch das Hormonsystem wird günstig beeinflusst. Es wird empfohlen mit leerem Magen zu praktizieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Angaben von [[Swami Vishnudevananda]] reduziert diese Übung – eine Kombination aus Yogaasana und Atmung – das Fett der Bauchregion, macht Rückgrat und Glieder biegsam und erhöht die Atemkapazität. Für steife oder steif gewordene Menschen sei Surya Namaskar eine wundervolle Hilfe, die verlorene Flexibilität wiederzuerlangen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Energetische Wirkungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 12 Haltungen sollen Prana, feinstoffliche Energie, erzeugen, die den physischen Körper aktiviert.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Surya Namaskara.&#039;&#039; 3. Auflage. Ananda Verlag, Ratzeburg 2018, ISBN 978-3-947908-01-1, S.&amp;amp;nbsp;3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Neuen Yogawillen wird beim Sonnengebet die Unterscheidung eingebracht, ob Energien aus dem Körper freigesetzt werden oder die Übung ausgehend von empfindsamen Vorstellungen durchgestaltet wird. Ersteres wird als Weg von unten nach oben, letzteres – die aktive Bewusstseinstätigkeit entsprechend dem Sinnbild der Übung – als Weg von oben nach unten bezeichnet. Durch diesen Ansatz aus dem Bewusstsein entsteht eine energetische Wirkung vom Bewusstsein zum Körper oder von oben nach unten und nicht nur eine Freisetzung der im Körper aufgespeicherten Energien.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;39–40.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Wirkung des Bewusstseins auf die Gesundheit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer gesundheitlicher Aspekt entsteht nach dem Neuen Yogawillen, wenn die Übung durch eine bewusste, mentale und wahrnehmende Tätigkeit gestaltet wird und nicht nur wie eine Fitnessübung funktional absolviert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Yogaübungen wirken gesundheitlich im allgemein günstig auf den Stoffwechsel, das Nervensystem und den Bewegungsapparat. Man kann Heilwirkungen dahin gehend unterscheiden, dass die Funktionalität des Körpers beeinflusst wird durch die Bewegung, die Lage des Körpers, Muskelanspannungen, Dehnungen und Massagewirkungen. Ein weiterer «heiltherapeutischer Wirkungskreis» eröffnet sich durch eine bewusstseinsorientierte mentale Aktivität, die das Leben mit neuen Perspektiven bereichert.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Das große Buch der Heilkraft durch Yogaaktivität.&#039;&#039; 4.&amp;amp;nbsp;Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2025, ISBN 978-3-948803-19-3, S.&amp;amp;nbsp;26.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wirkungen auf das Immunsystem ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aktivierung des Immunsystems und antidepressive Wirkungen entstehen durch einen Rhythmus von gezielter Anspannung und Entspannung bei der Ausführung der Übung. Das Immunsystem kann durch ein Beteiligtsein des gedanklichen Bewusstseins und damit verbundener Wahrnehmungsprozesse aktiviert und in seiner Abwehrfunktion gestärkt werden. Der aktive, gegliederte Krafteinsatz aus der Brustwirbelsäule bei gleichzeitiger Entspannung von Nacken, Gesicht und Schultergelenken führt zu einem Empfinden einer Gliederung des Körpers und einer aus der Mitte in die Peripherie ausgleitenden Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die günstige Wirkung auf das Immunsystem entsteht dadurch, dass durch diese Bewusstseinsaktivität unbelebte, nicht mehr spürbare Zonen des Körpers, z. B. die Brustwirbelsäule, wie neu durchlichtet und reintegriert werden. Diese selbst geschaffenen, gesunden Kräfte wirken auch einer Zelldegeneration entgegen. „Eine Immunstärkung entsteht immer, wenn der Übende seine Bewusstseinskräfte mit klaren Vorstellungsinhalten gebrauchen lernt und diese gegenüber einer Sache oder, in dem Fall wie es dem &#039;&#039;surya namaskara&#039;&#039; entspricht, anwenden lernt.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Antidepressive Wirkung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Psyche bezogen kann eine bewusst gestaltete Bewegung Freude erzeugen und Depressionen entgegenwirken.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Heilwirkung durch Entwicklung gesunder Gefühle ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin kann sich das Seelenleben bereichern, da der Übende beim Sonnengebet eine reale Empfindung, ein „Heilsempfinden“ in der Form ausprägen und erfahren kann, dass sich seine Seele näher mit der Körper- und Erdenwelt und der Atemtätigkeit verbindet. Dieses zu entwickelnde Empfinden wirkt wärmend, aufbauend und stoffwechselfördernd auf den Körper.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;40.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie: Asana]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Rajah von Aundh: &#039;&#039;Das Sonnengebet.&#039;&#039; 19. Auflage. Artha Verlag, Oy-Mittelberg 1994, ISBN 978-3-89575-096-0.&lt;br /&gt;
* Heinz Grill: &#039;&#039;Das große Buch der Heilkraft durch Yogaaktivität.&#039;&#039; 4. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2025, ISBN 978-3-948803-19-3.&lt;br /&gt;
* Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt. Initiatorische Schulung in Arco. Band 3.&#039;&#039; 2. Auflage. Lammers-Koll-Verlag, Niefern-Öschelbronn 2008, ISBN 978-3-935925-70-9.&lt;br /&gt;
* Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga. Praktische Grundlagen zu einem spirituellen Übungsweg.&#039;&#039; 5., erweiterte Auflage. Lammers-Koll-Verlag, Staufen 2018, ISBN 978-3-941995-48-2.&lt;br /&gt;
* André van Lysebeth: &#039;&#039;Yoga für Menschen von heute.&#039;&#039; Mosaik Verlag, München 1982, 1990, ISBN 3-570-01784-2.&lt;br /&gt;
* Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Asana Pranayama Mudra Bandha.&#039;&#039; 4. Auflage. Ananda Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-928831-37-6.&lt;br /&gt;
* Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Surya Namaskara.&#039;&#039; 3. Auflage. Ananda Verlag, Ratzeburg 2018, ISBN 978-3-947908-01-1.&lt;br /&gt;
* Sivananda Yoga Zentrum: &#039;&#039;Yoga.&#039;&#039; 7. Auflage. Mangalam Books, Lautersheim 2008, ISBN 978-3-922477-40-2.&lt;br /&gt;
* Swami Vishnudevananda: &#039;&#039;Das große illustrierte Yogabuch.&#039;&#039; 18. Auflage. Aurum Verlag, Kamphausen 2019, ISBN 978-3-89901-183-8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Asana]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten mit Sanskritbegriff]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Grundlagen_der_Meditation&amp;diff=13597</id>
		<title>Grundlagen der Meditation</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Grundlagen_der_Meditation&amp;diff=13597"/>
		<updated>2026-05-02T09:39:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Buddha anjali mudra.JPG|mini|Darstellung des Buddha mit Anjali Mudra &amp;lt;small&amp;gt;(Foto: Veit Zahlaus)&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;Der Sanskritbegriff &#039;&#039;añjali-mudrā&#039;&#039; oder &#039;&#039;ātmāñjali-mudrā&#039;&#039; bezeichnet eine Geste, bei der die Handflächen beider Hände vor dem Herzen zusammengeführt werden. Sie kennzeichnet das Herz als den Ort des Gleichgewichts zwischen links und rechts oder zwischen den vielen Polaritäten der Welt, und als Ort der Verbindung von oben und unten, des Geistigen mit dem Menschsein.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga.&#039;&#039; 7. unveränderte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2022, ISBN 978-3-948193-00-3, S.&amp;amp;nbsp;126&amp;amp;nbsp;ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Grundlagen der Meditation&#039;&#039;&#039; können bei der Fülle der bestehenden Meditationsformen nicht allgemein formuliert werden. Ist die Grundlage &#039;&#039;einer &#039;&#039;Meditationsart erfasst, dann hat sie für eine nächste schon wieder keine Gültigkeit. Hier trifft sich die geistige Forschung sehr gut mit der Vielfalt in der Welt, denn aus geistiger Sicht muss der Begriff „Meditation“ einen inhaltlichen Kern in sich tragen, gewissermaßen eine Uridee oder eine Seinsexistenz in der geistigen Welt. Wird diese Uridee erfasst, dann können daraus Grundlagen der Meditation abgeleitet werden, die universellen Gehalt haben. Schließlich kann der Mensch aus diesem Verständnis mit Unterscheidungskraft auf die verschiedenen Arten der Meditation blicken und sie einordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wikipedia zu Meditation ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meditation bezeichnet eine Gruppe von [[Übung|Geistesübungen]], die in verschiedenen Traditionen seit Jahrtausenden überliefert sind. Ein wesentliches Element meditativer Techniken ist das bewusste Steuern der [[a:Aufmerksamkeit|Aufmerksamkeit]]. Das Üben von Meditation soll nachhaltige positive Veränderungen im [[a:Denken|Denken]], [[a:Fühlen|Fühlen]] und [[a:Wahrnehmung|Wahrnehmen]] bewirken oder zu bestimmten religiös definierten Einsichten und Zuständen führen. Effekte von Meditationstraining auf [[w:Kognition|Kognition]], Emotionen, Hirnfunktion, [[a:Immunsystem|Immunsystem]], [[w:Epigenetik|Epigenetik]] sowie auf die psychische Gesundheit sind wissenschaftlich belegt. Meditation ist ein zentrales Element in verschiedenen Religionen, insbesondere dem Buddhismus, wie auch im Hinduismus, Konfuzianismus und Christentum. Seit dem 20.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert wird Meditation zunehmend auch in der westlichen Welt praktiziert und wissenschaftlich erforscht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Etymologie ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort Meditation stammt von lateinisch &#039;&#039;meditatio&#039;&#039;, zu &#039;&#039;meditari&#039;&#039; „nachdenken, nachsinnen, überlegen“, von altgriechisch &#039;&#039;medomai&#039;&#039; „denken, sinnen“. Es liegt ein etymologischer Bezug zum Stamm des lateinischen Adjektivs &#039;&#039;medius, -a, -um&#039;&#039; „mittlere[r, -s]“ vor.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff Meditation wurde als Übersetzung für östliche spirituelle Praktiken eingeführt, die im Hinduismus und Buddhismus als &#039;&#039;dhyāna&#039;&#039; bezeichnet werden. Dies leitet sich von der Sanskritwurzel &#039;&#039;dhyai&#039;&#039; ab, die sowohl einen meditativen Zustand als auch die Praxis, die zu einem solchen führt, bezeichnet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;Cynthia Vieira Sanches Sampaio, Manuela Garcia Lima, Ana Marice Ladeia: &#039;&#039;Meditation, Health and Scientific Investigations: Review of the Literature.&#039;&#039; In: &#039;&#039;Journal of Religion and Health.&#039;&#039; Band 56, Nr. 2, April 2017, ISSN 0022-4197, S.&amp;amp;nbsp;411–427.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Georg Feuerstein: &#039;&#039;[http://www.santosha.com/moksha/meditation1.html Yoga and Meditation (Dhyana).]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Moksha Journal.&#039;&#039; Vajra Press, Amityville, N.Y., 2006. Abgerufen am 26. Juli 2024 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Definition und Merkmale ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Meditation - Malmö-1983.jpg|mini|Meditation im Park (Malmö, 1983)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff Meditation wird für eine Vielfalt von Praktiken in verschiedenen Kontexten verwendet. Obwohl Definitionen vorgeschlagen wurden, existiert keine allgemein akzeptierte präzise Begriffsbestimmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der wissenschaftlichen Literatur wurden stattdessen Merkmale von Meditation identifiziert. Demnach zeichnet sich Meditation dadurch aus, dass [[a:Aufmerksamkeit|Aufmerksamkeit]] und [[a:Bewusstsein|Bewusstsein]] trainiert werden,&amp;lt;ref&amp;gt;B.&amp;amp;nbsp;K.&amp;amp;nbsp;S.&amp;amp;nbsp;Iyengar: &#039;&#039;Licht auf Yoga&#039;&#039;. 7. Auflage. Nikol Verlag, Hamburg 2017, ISBN 978-3-86820-175-8, S.&amp;amp;nbsp;25&amp;amp;nbsp;ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Almut-Barbara Renger, Christoph Wulf (Hrsg.): &#039;&#039;Meditation in Religion, Therapie, Ästhetik, Bildung, Paragrana. Internationale Zeitschrift für Historische Anthropologie.&#039;&#039; Band 22, Nr. 2, 2013.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;The Dalai Lama, Howard C. Cutler: &#039;&#039;The art of happiness: a handbook for living&#039;&#039; (= &#039;&#039;A Coronet paperback&#039;&#039;). Coronet, London 1999, ISBN 978-0-340-75015-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; dass eine definierte Technik angewendet wird, dass diskursives Denken in den Hintergrund tritt und dass der meditative Zustand durch den Meditierenden selbst und willkürlich herbeigeführt wird.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Weitere typische Charakteristika von Meditation sind, dass sie regelmäßig und wiederholt geübt wird, um einen Zustand zu erlangen, der häufig als sehr erholsam, still und von erhöhter Wachsamkeit sowie oft als glückselig bezeichnet wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im modernen Sprachgebrauch wird Meditation oft ungenau verwendet und beinahe jede Tätigkeit, der irgendein positiver Effekt auf den Geist attestiert werden soll, wird Meditation genannt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für weitere Informationen siehe den Artikel [[w:Meditation|Meditation]] in der deutschen Wikipedia.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Resümee ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesem ersten Teil des Artikels „Meditation“ in Wikipedia wird deutlich, dass es wissenschaftlich nicht möglich ist, eine allgemein akzeptierte präzise Begriffsbestimmung für Meditation zu definieren und dass sich der Begriff im modernen Sprachgebrauch immer mehr verwässert hat. Prof. Dr. Almut-Barbara Renger vom Institut für Religionswissenschaft an der FU Berlin bringt es wie folgt auf den Punkt: „Im 21.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert ist „Meditation“ zu einem Terminus geworden, der in vielen verschiedenen Kontexten gebraucht wird – für Theorien und Praktiken mit Transzendenzbezug ebenso wie für solche, die innerweltlich verstanden werden wollen.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.geschkult.fu-berlin.de/e/relwiss/lehrende/Sonstige/renger/Lehre/LV_SoSe2020_S_Meditation.pdf &#039;&#039;Was ist Meditation? Begriffe, Theorien, Praktiken.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Website der FU Berlin, Fachbereich Geschichts- und Kulturwissenschaften.&#039;&#039; Erstellt 2020. Abgerufen am 26. Juli 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Annäherung aus geistiger Forschung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Plato-raphael.jpg|mini|250px|Die Idee hat eine eigenständige Existenz. (Platon)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die moderne Wissenschaft sieht das Materielle am Anfang allen Seins. Das Materielle ist das Reale.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Artikel [[w:Stammesgeschichte_des_Menschen|&#039;&#039;Stammesgeschichte des Menschen&#039;&#039;]] in Wikipedia steht der Satz: „Die Stammesgeschichte des Menschen begann nach heutiger Auffassung mit der Aufspaltung der letzten gemeinsamen Vorfahrenpopulation der Schimpansen und des Menschen.“ Demnach ist der Mensch ein höherentwickeltes Tier.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedoch bereits [[Platon]] vertrat die Anschauung, dass Ideen das „Urbild“ (&#039;&#039;paradeigma&#039;&#039;) aller Dinge sind. Die Idee hat also eine eigenständige Existenz. Sie gewährleistet die Grundlage für alles, was auf Erden materiell existiert. Somit ist die Idee das Reale, das Allgemeine, das Universelle.&amp;lt;ref&amp;gt;Ludwig Meindl: [https://www.geistige-erkenntnis-entwickeln.de/deutsch/beitr%C3%A4ge/der-universalienstreit-wo-philosophie-und-geistiges-schauen-zusammentreffen/ &#039;&#039;Der Universalienstreit. Wo Philosophie und Geistiges Schauen zusammentreffen.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Geistiges Schauen. Wahrnehmungs- und Erkenntnisbildung&#039;&#039;. Abgerufen am 27. Juli 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ergebnisse aus geistiger Forschung bis in unsere Tage bestätigen die Erkenntnis von Platon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Mensch ist in der Lage, wenn er die entsprechende Fähigkeit dazu ausgebildet hat, das Urbild oder die Uridee beispielsweise eines Begriffes wie „Meditation“ zu erfassen und zu charakterisieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Innere Ruhe als Basis der Meditation ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bevor [[Rudolf Steiner]] auf das Wesen der Meditation eingeht, legt er Wert auf die Entwicklung der &#039;&#039;Inneren Ruhe&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er leitet die Beschreibung der praktischen Anleitung, die zur &#039;&#039;Inneren Ruhe&#039;&#039; führt, mit den Worten ein, dass die Regeln zur Entwicklung des inneren Lebens auf uralten Erfahrungen und uraltem Wissen beruhen und alle wahren Lehrer des geistigen Lebens in Bezug auf den Inhalt übereinstimmen würden, auch wenn sie diesen nicht immer in die gleichen Worte kleiden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;10. 24. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1993, S.&amp;amp;nbsp;28–36. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_010.pdf#page=28&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Herstellen einer &#039;&#039;Inneren Ruhe&#039;&#039; ist in der Tat vielen Meditationsformen gemeinsam, nur die Begriffe dafür sind verschieden und lauten beispielsweise&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Achtsamkeit üben (Vipassana Meditation),&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.dhamma.org/de/about/vipassana &#039;&#039;Vipassana-Meditation.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Vipassana Meditation wie gelehrt von S.N. Goenka in der Tradition von Sayagyi U Ba Khin.&#039;&#039; Abgerufen am 26. Juli 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Bodyscan ([[w:Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion|MBSR]])&lt;br /&gt;
* die Zeugenhaltung, &#039;&#039;sākṣī&#039;&#039;, einnehmen (Heinz Grill),&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga.&#039;&#039; 7. unveränderte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2022, ISBN 978-3-948193-00-3, S.&amp;amp;nbsp;109.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Mindfullness (Jon Kabat-Zinn und MBSR),&amp;lt;ref&amp;gt;siehe das Kapitel [[wen:Mindfulness#Jon_Kabat-Zinn_and_MBSR|&#039;&#039;Jon Kabat-Zinn and MBSR&#039;&#039;]] in der englischen Wikipedia.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* sich selbst wie ein Fremder gegenüberstehen (Rudolf Steiner).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Swami Shivananda Liebe.jpg|mini|Menschen mit tiefer Meditationserfahrung strahlen eine innere Ruhe aus.&amp;lt;br&amp;gt;[[Swami Sivananda]] (1887–1963)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung der &#039;&#039;Inneren Ruhe&#039;&#039; ist eine Gemeinsamkeit in der Vielfalt der Meditationsformen und wird entwickelt durch Beobachtung des Körpers, des Atems, der Gedanken, der Gefühle, durch Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand im Raum oder auf etwas anderes Konkretes.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Rudolf Steiner würden hierfür 5 Minuten am Tag genügen, in denen sich der Mensch aus dem Alltagsgeschehen aussondert und folgendermaßen übt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In dieser Zeit soll der Mensch sich vollständig herausreißen aus seinem Alltagsleben. Sein Gedanken-, sein Gefühlsleben soll da eine andere Färbung erhalten, als sie sonst haben. Er soll seine Freuden, seine Leiden, seine Sorgen, seine Erfahrungen, seine Taten vor seiner Seele vorbeiziehen lassen. Und er soll sich dabei so stellen, daß er alles das, was er sonst erlebt, von einem höheren Gesichtspunkte aus ansieht.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Übung, sich selbst wie ein Fremder gegenüberzustehen, bildet der Mensch den eigenen sogenannten „höheren Menschen“ aus und dieses höhere Leben wird seinen Einfluss auf das gewöhnliche Leben geltend machen:&lt;br /&gt;
:„Die Ruhe der ausgesonderten Augenblicke wird ihre Wirkung auch auf den Alltag haben. Der ganze Mensch wird ruhiger werden, wird Sicherheit bei all seinen Handlungen gewinnen, wird nicht mehr aus der Fassung gebracht werden können durch alle möglichen Zwischenfälle. Allmählich wird sich solch angehender Geheimschüler sozusagen immer mehr selbst leiten und weniger von den Umständen und äußeren Einflüssen leiten lassen. Ein solcher Mensch wird bald bemerken, was für eine Kraftquelle solche ausgesonderte Zeitabschnitte für ihn sind.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Zwischenbemerkung =====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wurde erwähnt, dass das Ziel der Inneren Ruhe eine Gemeinsamkeit in der Vielfalt der Meditationsformen darstellt. In Bezug auf die weiteren Schritte der Vertiefung bis zur Realisation des Höchsten lassen sich bei den Ansätzen zwei diametral unterschiedliche und gegensätzliche Bewegungen erkennen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Suche nach Verwirklichung richtet sich nach Innen (z.&amp;amp;nbsp;B. Vipassana).&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. [https://meditation-heilt.com/2022/08/24/achtsamkeit-in-der-vipassana-meditation-theoretische-grundlagen/ &#039;&#039;Achtsamkeit in der Vipassana Meditation: theoretische Grundlagen.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;meditation-heilt.com&#039;&#039;. Abgerufen am 27. Juli 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Suche nach Verwirklichung richtet sich nach Außen und dann rückwirkend oder korrespondierend nach Innen (z.&amp;amp;nbsp;B. [[a:Rosenkreuzer Schulungsweg|Rosenkreuzerweg]], [[a:Schulungsweg|Anthroposophischer Schulungsweg]]).&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Mensch muss über sich hinauskommen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Art Do.jpg|mini|Zur Entwicklung der Meditation muss der Mensch aus geistiger Sicht über sich hinauskommen und die Wirklichkeit eines größeren Ganzen studieren.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus geistiger Sicht ist es jedenfalls notwendig, die nächsten Schritte in der Meditationsentwicklung nach Außen zu richten. Nach der Entwicklung der &#039;&#039;Inneren Ruhe&#039;&#039;, jener ersten Führungskraft für das Leben, muss der Mensch über sich hinauskommen und ein größeres Ganzes kennenlernen. Hier sind die Aussagen geistiger Forscher und großer Philosophen im Kern übereinstimmend:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] formuliert dies in Bezug auf den Yogaweg mit Meditation folgendermaßen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Ein neues und größeres Bewusstsein kommt zu dem bisherigen hinzu. Die Seele weitet sich über die herkömmlichen genetischen Grenzen zu einem größeren Umfassungsvermögen. So steht am Anfang jener Mensch, der im &#039;&#039;karma&#039;&#039; oder im Fleisch geboren ist, und am Ende jener, der im Geist oder in &#039;&#039;puruṣa&#039;&#039; geboren ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Orientierung und Zielsetzung des »Yoga aus der Reinheit der Seele«&#039;&#039;. Verlag für Schriften von Heinz Grill, Soyen 1998, ISBN 3-9805742-8-8, S.&amp;amp;nbsp;12.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit anderen Worten spricht [[a:Sri Aurobindo|Sri Aurobindo]] davon, dass ein größeres Geistiges in das bisherige begrenzte Wesen des Menschen eintreten will und ihn so verwandelt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Das göttliche all-wissende und all-wirksame Wesen kommt in unser verdunkeltes und begrenztes Wesen hernieder. Es erleuchtet fortschreitend die ganze niedere Natur, es führt ihr immer neue Kraft zu und ersetzt schließlich alle Ausdrucksformen des niederen menschlichen Lichtes und des sterblichen Wirkens durch seine Aktivität.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Die Synthese des Yoga&#039;&#039;. Verlag hinder + deelmann, 1991, ISBN 3-87348-148-0, S.&amp;amp;nbsp;55&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch [[a:Johann Wolfgang von Goethe|Johann Wolfgang von Goethe]] spricht von einer Berührung tiefster Art mit einer Dimension, die außerhalb des Menschen ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Meditation bringt uns in Berührung mit dem, was die Welt im Innersten zusammenhält.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.facebook.com/yoga.mainz/posts/meditation-bringt-uns-in-ber%C3%BChrung-mit-dem-was-die-welt-im-innersten-zusammenh%C3%A4l/981191644016471/ &#039;&#039;Zitat von Goethe.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Facebook&#039;&#039; von YogaVidya Mainz.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie ist es in der Praxis der Meditation möglich, über sich hinauszukommen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Meditation auf Gedanken von Geistforschern ===&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner empfiehlt, als Ausgangspunkte hierfür die Schriften zu nehmen, die selbst solcher Offenbarung in der Meditation entsprossen sind. Diese sind von „Geistsuchern“ verfasst. Der „Stoff“ oder der Inhalt der Meditation bildet sich auf diese Weise aus den Gedanken der „göttlichen Wissenschaft“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Meditation Zitat Rudolf Steiner.png|mini|350px]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Diese Meditation ist das Mittel zu übersinnlicher Erkenntnis. – Aber nicht schwelgen in Gefühlen soll der Geheimschüler in solchen Augenblicken. Er soll nicht unbestimmte Empfindungen in seiner Seele haben. Das würde ihn nur hindern, zu wahrer geistiger Erkenntnis zu kommen. Klar, scharf, bestimmt sollen sich seine Gedanken gestalten. Dazu wird er einen Anhalt finden, wenn er sich nicht blind an die Gedanken hält, die ihm aufsteigen. Er soll sich vielmehr mit den hohen Gedanken durchdringen, welche vorgeschrittene, schon vom Geist erfaßte Menschen in solchen Augenblicken gedacht haben. Er soll zum Ausgangspunkte die Schriften nehmen, die selbst solcher Offenbarung in der Meditation entsprossen sind. In der mystischen, in der gnostischen, in der geisteswissenschaftlichen Literatur von heute findet der Geheimschüler solche Schriften. Da ergeben sich ihm die Stoffe zu seiner Meditation. Die Geistsucher haben selbst in solchen Schriften die Gedanken der göttlichen Wissenschaft niedergelegt; der Geist hat durch seine Boten sie der Welt verkündigen lassen. Durch solche Meditation geht eine völlige Verwandlung mit dem Geheimschüler vor.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;10. 24. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1993, S.&amp;amp;nbsp;38&amp;amp;nbsp;ff. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_010.pdf#page=38&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Meditation auf die Gedanken, niedergeschrieben von vom Geist erfassten Menschen, geschieht mit dem Menschen eine völlige Verwandlung, da die Inhalte eine befeuernde, verwandelnde geistige Kraft in sich tragen. Das Individuum lernt nun die geistigen Gesetze kennen und durch die Meditation in diesem Sinne wächst der Mensch über sich hinaus und findet gleichzeitig Erkenntnis über seinen ewigen Wesenskern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wer sich durch die Meditation erhebt zu dem, was den Menschen mit dem Geist verbindet, der beginnt in sich das zu beleben, was ewig in ihm ist, was nicht durch Geburt und Tod begrenzt ist. Nur diejenigen können zweifeln an einem solchen Ewigen, die es nicht selbst erlebt haben. So ist die Meditation der Weg, der den Menschen auch zur Erkenntnis, zur Anschauung seines ewigen, unzerstörbaren Wesenskernes führt.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Selbststudium durch Meditation auf inspirierte Gedanken ist Bestandteil des [[w:Raja Yoga|Raja Yoga]], einem klassischen Yogaweg. Raja Yoga heißt übersetzt „Königlicher Yoga“. Er wird auch als „achtgliedriger Yoga“ bezeichnet und wurde von Patanjali im Yogasutra beschrieben. In der 4. Regel (Niyama) ist die Disziplin Svadhyaya aufgeführt. [[Svadhyaya]] bedeutet &#039;&#039;Studium der Schriften&#039;&#039; und gleichzeitig &#039;&#039;Selbststudium&#039;&#039; im Sinne von &#039;&#039;Studium des Selbst&#039;&#039;. Mit dem Begriff „Schriften“ sind z.&amp;amp;nbsp;B. die Bhagavad-Gita, die Veden oder Texte mit spirituellem oder philosophischem Hintergrund gemeint – also Literatur mit tiefem geistigen Gehalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erlöschen der Gedanken und Gefühle? ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In traditionellen und modernen Meditationsanleitungen ist oft vom „Erlöschen der Gedanken“ die Rede.&amp;lt;ref&amp;gt;Peter Widmer: &#039;&#039;[https://zen-integral.com/versenkungsstufen-in-der-meditation/ Versenkungsstufen.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Zen integral.&#039;&#039; Abgerufen am 5. November 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die moderne geistige Forschung kommt zu einem anderen Ergebnis:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Sivananda]] sagt auf die Frage, was Meditation sei, dass die weltlichen Gedanken keine Rolle spielen dürfen, aber weisheitsvolle Gedanken des Geistes sehr wohl in der Mitte stehen sollen.{{Zitat|Alle weltlichen Gedanken sind ausgeschlossen. Der Geist ist erfüllt von göttlichen Gedanken, göttlicher Herrlichkeit, göttlicher Gegenwart. | Swami Sivananda&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Konzentration und Meditation.&#039;&#039; ([https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/sivananda/konzentration-und-meditation/ Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner weist darauf hin, dass in der Meditation keineswegs das Denken zu einem Erlöschen gebracht werden sollte.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt; Auch nach der Forschung von Heinz Grill bestätigt sich diese Aussage. Steht nämlich ein weisheitsvoller Gedanke in der Mitte der Konzentration und Meditation, dann beginnt ein „intensiviertes Denken im Lichte des Gedankens“. Der Mensch beginnt, sich selbst zu übersteigen und lernt, sich in einem größeren Ganzen aufzuhalten. Dies ist ein Grenzüberschreiten und kostet Wagemut:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Einerseits muss sich der Übende vom intellektuellen oder gewohnten Denken und von den leibinternen Gefühlen loslösen, auf der anderen Seite aber muss der Übende sogar intensiver das freie Bewusstsein des Denkens beginnen. In vielen Meditationen wird eine Leere als Zielvorstellung vorgenommen, das heißt ein Leerwerden von allen Gedanken- und Willensimpulsen. Bei dieser Art der Meditation wie ich sie schildere, geschieht durchaus auch dieser Prozess des Leerwerdens bzw. des Abstandnehmens von allen alten Gefühlen und emotionalen Bewegungen. Darüber hinaus wird aber mit besonderer Sorgfalt ein Inhalt zum Denken erhoben, der leibfrei ist, der nichts mit allen persönlichen Belangen zu tun hat. Diesen Weg des intensivierten Denkens im Lichte eines Gedankens einzuschlagen, kostet für den Übenden eine sorgfältige, disziplinierte und nach vorne, nach der freien Dimension des Hauptes gerichtete Haltung. Es muss der Einzelne bei dieser Übung eine Art seelischen Wagemut des Grenzüberschreitens leisten. Er muss gewissermaßen sich selbst zurücknehmen und etwas anderes im Lichte des Gedankens in den Vordergrund rücken. Er muss das Fremde, das Unbekannte oder dasjenige in den Vordergrund bringen, das ihm eigentlich nichts für das Persönliche sogleich ausschütten kann.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Meditation. Ein überirdischer Funke des Denkens&#039;&#039;. Broschüre. Lammers-Koll-Verlag, 2012, ISBN 978-3941995789, S.&amp;amp;nbsp;9.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folgerungen für die Praxis der Meditation ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter Berücksichtigung dieser geistigen Forschungsergebnisse lassen sich folgende Grundlagen der Meditation beispielhaft praktisch formulieren:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;notiz&amp;quot;&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
* {{Kapitälchen|Erlernen und Erzeugen von Innerer Ruhe}}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Beobachtung der Gedanken, der Gefühle, des Körpers oder eines anderen konkreten Gegenstands.&lt;br /&gt;
* {{Kapitälchen|Bewusste Wahl eines Gedankens}}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Entnommen aus einer weisheitsvollen, spirituellen Literatur, verfasst von Personen, die fähig waren oder sind, im Geistigen zu forschen.&lt;br /&gt;
* {{Kapitälchen|Nur dieser Gedanke steht im Zentrum der Konzentration und der Meditation}}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Ablenkungen oder Schläfrigkeiten werden bemerkt und die Aufmerksamkeit wieder zum Inhalt zurückgeführt. Der Körper ruht, das Bewusstsein ist hochaktiv. Der Gedankeninhalt wird in einer lebendigen Vorstellung geschaffen. Dabei kann das Wort Vor-Stellung ganz wörtlich genommen werden: Der Mensch &#039;&#039;stellt&#039;&#039; oder schafft den Gedankeninhalt räumlich gesehen &#039;&#039;vor&#039;&#039; sich in den Raum.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* {{Kapitälchen|Leben der Seele im Gedanken}}&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
:Der Gedanke, ausdauernd und [[Präsenz#Heinz_Grill_–_Von_der_subjektiven_zur_objektiven_Wahrnehmung|wach]] in der Konzentration gehaltenen, beginnt zu leben. Feine neue Empfindungen entstehen. Der Gedanke kommt dem Menschen entgegen. Es wird erlebt wie eine Bewegung vom Gedanken zum Menschen – von Außen nach Innen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gedicht zur Meditation ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rudolf Steiner. .jpg|center|mini|360px|&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:20px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Wesen folgt auf Wesen in den Zeitenläufen –&lt;br /&gt;
Willst du dringen aus der Vergänglichkeit Reich&lt;br /&gt;
In das Gebiet des Ewigen,&lt;br /&gt;
So schließe den Bund mit der Erkenntnis,&lt;br /&gt;
Denn nur so findest du das Ewige&lt;br /&gt;
In dir, das Ewige außer dir –&lt;br /&gt;
Jenseits aller Raumesweiten –&lt;br /&gt;
Jenseits aller Zeitenläufe – !“&lt;br /&gt;
– {{Kapitälchen|Rudolf Steiner, Wahrspruchworte&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Wahrspruchworte&#039;&#039;. GA&amp;amp;nbsp;40. 8. überarbeitete Auflage. Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung, Dornach 1998, ISBN&amp;amp;nbsp;3-7274-0401-9, S.&amp;amp;nbsp;86. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_040.pdf#page=86&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Frieden#Die Wandlung des Menschen zum_Friedensstifter|Die Wandlung des Menschen zum Friedensstifter]] – Kapitel im Artikel „Frieden“&lt;br /&gt;
* [[Halasana#Die_Verwandlung_des_Menschen_als_eine_Säule_der_Zukunft|Die Verwandlung des Menschen als eine Säule der Zukunft]] – Kapitel im Artikel „Halasana“&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften, Studium des Selbst&lt;br /&gt;
* [[Übung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Meditation}}&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4038241-2}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frieden]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Meditation]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten mit Sanskritbegriff]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schulungsweg]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Bhakti&amp;diff=13596</id>
		<title>Bhakti</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Bhakti&amp;diff=13596"/>
		<updated>2026-05-02T06:27:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: Verlinkungen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Devotion, by Piet Mondriaan.jpg|mini|&#039;&#039;Devotion&#039;&#039; (Hingabe)&amp;lt;br&amp;gt;Gemälde von [[wen:Piet Mondriaan|Piet Mondriaan]] (1872–1944)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bhakti&#039;&#039;&#039; bedeutet Hingabe, Liebe, Verehrung und beschreibt die spirituelle Form der liebevollen Verehrung zu einem persönlichen Gott, zu einer universalen Kraft, zu einem Lehrer, zu einem universalen Gedanken, einer Naturerscheinung oder einem irdischen Phänomen.&amp;lt;ref&amp;gt;Mahatma Gandhi: &#039;&#039;Die Kraft des Geistes&#039;&#039;, Diogenes, S.&amp;amp;nbsp;43.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine der frühesten Erwähnungen des Konzepts findet sich in den frühen buddhistischen [[wen:Theragatha|Theragatha]] („Verse der Ältesten“) durch den Begriff &#039;&#039;bhatti&#039;&#039;. Frühe Texte wie die [[wen:Shvetashvatara Upanishad|Shvetashvatara Upanishad]] und die [[a:Bhagavad Gita|Bhagavad Gita]] beschreiben Bhakti im Sinne von Kontemplation Gottes als eine Form des Yoga. Die Bhakti-Bewegung, die von den tamilischen Alvars und Nayanars begründet wurde, entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends n.&amp;amp;nbsp;Chr. und beeinflusste auch andere Religionen wie Sufismus, Islam, Buddhismus und andere. Bhakti als religiöse Form der liebevollen Hingabe kann deshalb nicht allein auf Indien beschränkt gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die spirituelle Entwicklung ist Bhakti auch in der gegenwärtigen Zeit eine wichtige Disziplin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bhakti ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] भक्ति, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;bhakti&#039;&#039;, [[w:Pali|Pali]] &#039;&#039;bhatti&#039;&#039;) ist ein in den indischen Religionen verbreiteter Begriff, der Zuneigung, Hingabe, Vertrauen, Verehrung, Anbetung, Frömmigkeit, Glauben oder Liebe bedeutet.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=bhakti&amp;amp;dir=au &#039;&#039;Suchergebnisse für „bhakti“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Sanskritwort &#039;&#039;bhakti&#039;&#039; leitet sich ab von den Verbwurzeln &#039;&#039;bhaj-&#039;&#039; ​​„verehren, sich zuwenden, sich hingeben“ oder &#039;&#039;bhañj-&#039;&#039; „brechen“.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe Monier Monier-Williams: &#039;&#039;Sanskrit-English Dictionary: Etymologically and Philologically Arranged with Special Reference to Cognate Indo-European languages.&#039;&#039; Überarbeitet von E. Leumann, C. Cappeller, et al. Clarendon Press, Oxford 1899.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung des Begriffs Bhakti ist analog zu Kama, aber nicht identisch. Kama (Sanskrit काम, IAST &#039;&#039;kāma&#039;&#039;), wörtlich „Wunsch, Verlangen, Begierde“&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Mittwede: &#039;&#039;Spirituelles Wörterbuch Sanskrit/Deutsch.&#039;&#039; Überarbeitete und erweiterte Fassung der früheren Ausgabe, ISBN 3-924739-56-0. Verlag Sathya Sai Vereinigung, Bonn 1992, S.&amp;amp;nbsp;106–107.&amp;lt;/ref&amp;gt; bezeichnet eine emotionale Verbundenheit, mitunter verbunden mit sinnlicher Hingabe und erotischer Liebe. Bhakti hingegen ist spirituell: eine Liebe und Hingabe an religiöse Konzepte oder Prinzipien, die sowohl Emotionen als auch den Verstand einbezieht. Karen Pechelis erklärt, dass Bhakti nicht als unkritische Emotion, sondern als engagierte Hingabe verstanden werden sollte.&amp;lt;ref&amp;gt;Karen Pechelis: &#039;&#039;The Embodiment of Bhakti.&#039;&#039; Oxford University Press, 2014, ISBN 978-0195351903, S.&amp;amp;nbsp;19–21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jemand, der Bhakti praktiziert, wird [[y:Bhakta|Bhakta]] (Sanskrit भक्त, IAST &#039;&#039;bhakta&#039;&#039;), deutsch „Gottesverehrer, Gottergebener“, genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bedeutung in verschiedenen Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vedische Literatur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bhakti hat in der vedischen Sanskrit-Literatur die allgemeine Bedeutung von „gegenseitiger Zuneigung, Hingabe, Verehrung“, wie sie in menschlichen Beziehungen, meist zwischen Geliebten, Freunden, König und Untertanen oder Eltern und Kindern vorkommt.&amp;lt;ref&amp;gt;Norman Cutler: &#039;&#039;Songs of Experience.&#039;&#039; Indiana University, 1987, ISBN 978-0-253-35334-4, S.&amp;amp;nbsp;1.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er kann sich auf die Verehrung eines spirituellen Lehrers (Guru) als Guru-Bhakti&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Guru Bhakti Yoga&#039;&#039;. Divine Life Society, 2004, ISBN 978-81-7052-168-6.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder auf einen persönlichen Gott, Saguna (Sanskrit सगुण, IAST &#039;&#039;saguṇa&#039;&#039;, „mit Eigenschaften“) oder auf eine formlose Spiritualität, Nirguna (Sanskrit निर्गुण, IAST &#039;&#039;nirguṇa&#039;&#039;, „ohne Eigenschaften“) beziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Karen Pechilis: &#039;&#039;The Embodiment of Bhakti.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Buddhistische Literatur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut dem srilankischen buddhistischen Gelehrten Sanath Nanayakkara beschreiben die Begriffe wie „Hingabe“, „Glaube“ oder „hingebungsvoller Glaube“ zwar bestimmte Aspekte von Bhakti, doch ist die Bedeutung viel umfassender. Das Konzept beinhaltet ein tiefes Gefühl der Zuneigung und Verbundenheit, jedoch kein Verlangen, denn „Verlangen ist egoistisch, Zuneigung ist selbstlos“. Einige Gelehrte, so Nanayakkara, assoziieren es mit Shraddha (Sanskrit श्रद्धा, IAST &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039;, Pali &#039;&#039;saddhā&#039;&#039;), was „Glaube, Vertrauen“ oder „Zuversicht“ bedeutet. Bhakti kann jedoch sowohl einen Zweck an sich als auch einen Weg zu spiritueller Weisheit bezeichnen.&amp;lt;ref&amp;gt;S.&amp;amp;nbsp;K. Nanayakkara: &#039;&#039;Bhakti.&#039;&#039; In: Malalasekera, Gunapala Piyasena (ed.): &#039;&#039;Encyclopaedia of Buddhism&#039;&#039;. Band II. Government of Ceylon, 1966, S.&amp;amp;nbsp;678–680.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hinduistische Literatur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:A Light of Devotion in Loknath Temple.jpg|mini|265px|Eine Frau entzündet ein Kerzenlicht als Ausdruck ihrer Hingabe&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;Loknath Tempel (Bangladesch)&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hinduismus bezeichnet Bhakti einen von mehreren alternativen spirituellen Wegen zu Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“) und wird als Bhakti-Marga oder Bhakti-Yoga bezeichnet. Die anderen Wege sind [[Jnana-Yoga|Jnana-Marga]] (Yogaweg des Wissens), Karma-Marga (Yogaweg der Taten) und Raja-Marga (Weg der Kontemplation und Meditation).&amp;lt;ref&amp;gt;John Martin Sahajananda: &#039;&#039;Fully Human Fully Divine&#039;&#039;. Partridge India, 2014, ISBN 978-1482819557, S.&amp;amp;nbsp;60.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bhakti ist ein wichtiger Begriff im Sikhismus und Hinduismus. Beide Religionen teilen zahlreiche Konzepte und zentrale spirituelle Ideen, doch die Nirguni-Bhakti (Hingabe an das Göttliche ohne Attribute) ist im Sikhismus von besonderer Bedeutung. Im Hinduismus gibt es weiterhin vielfältige Vorstellungen, wobei sowohl Saguni- als auch Nirguni-Bhakti (Hingabe an das Göttliche mit oder ohne Attribute) oder alternative Wege zur Spiritualität zu den Optionen gehören, die Hindus zur Wahl stehen.&amp;lt;ref&amp;gt;David N. Lorenzen: &#039;&#039;[https://books.google.de/books?id=rpSxJg_ehnIC&amp;amp;pg=PA1&amp;amp;redir_esc=y#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false Bhakti Religion in North India. Community Identity and Political Action.]&#039;&#039; SUNY Press. New York 1995, ISBN 978-0-7914-2025-6, S.&amp;amp;nbsp;1–2.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zeitgenössische Wissenschaft ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Moderne Wissenschaftler halten „Hingabe“ jedoch für eine irreführende und unvollständige Übersetzung von Bhakti. Viele zeitgenössische Gelehrte haben diese Terminologie in Frage gestellt und die meisten sehen den Begriff Bhakti heute als eine der verschiedenen spirituellen Perspektiven, die aus der Auseinandersetzung mit dem vedischen Kontext und der hindu&amp;amp;shy;istischen Lebensweise hervorgegangen sind. Bhakti ist in den indischen Religionen keine rituelle Verehrung eines Gottes oder einer Religion, sondern die Teilhabe an einem Weg, der Verhalten, Ethik, Sitten und Spiritualität umfasst. Dazu gehört unter anderem die Verfeinerung des Geisteszustandes, die Gotteserkenntnis, die Teilhabe an Gott und die Verinnerlichung Gottes. Zunehmend erscheint in der wissenschaftlichen Literatur anstelle von „Verehrung“ der Begriff „Teilhabe“ als Erläuterung für Bhakti.&amp;lt;ref&amp;gt;Karen Pechilis Prentiss: &#039;&#039;The Embodiment of Bhakti.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;23–24.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geisteswissenschaftliche Forschung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Albrecht Dürer - The Last Supper (NGA&amp;amp;nbsp;1941.1.23).jpg|mini|310px|&#039;&#039;Das letzte Abendmahl&#039;&#039;, [[w:Albrecht Dürer|Albrecht Dürer]] (1510)&amp;lt;br&amp;gt;Der „Lieblingsjünger“ Johannes,&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.cambridge.org/core/journals/new-testament-studies/article/abs/der-johanneische-lieblingsjunger-und-der-lehrer-der-gerechtigkeit/E92614A557C4124B5589AE8B1748D009 &#039;&#039;Der johanneische ‘Lieblingsjünger’ und der Lehrer der Gerechtigkeit.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;cambridge.org.&#039;&#039; Abgerufen am 31. Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; dessen Leben von Hingabe an Jesus Christus geprägt war, ruht an der Brust seines Herrn; gegenüber sitzt das Gegenbild, der Verräter Judas mit dem Geldbeutel]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aussage aus geisteswissenschaftlicher Forschung zu Bhakti gibt [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] (* 1960), der Begründer des Schulungsweges &#039;&#039;Neuer Yogawille&#039;&#039;. Er sieht Bhakti als ein großes Mysterium. Bhakti ist ein höchster Weltenwille, der zu einer bestimmten Zeit, bei ausdauernder Wahrheitssuche dem Menschen aus den geistigen Welten entgegenkommt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Hingabe trägt ebenso wie die Erkenntnis eine innere Verschlüsselung, sodass sie in ihrem wahren Gehalt und integralen Sinn nicht verstanden werden kann. […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Richtlinien des &#039;&#039;dharma&#039;&#039;, wie sie im Osten mit vielen Büchern aufgestellt sind, erbaut die Ethik der Gesellschaft. Wenn es jedoch um ein geistiges Werden geht, so lässt sich dieses nicht durch Richtlinien allein definieren, denn wenn der Lebensauftrag, der höchste schöpferische Yoga, beim Menschen einmal wirklich in die Ernsthaftigkeit seines Vollzuges kommt, wie es beispielsweise bei &#039;&#039;Arjuna&#039;&#039; der Fall war, dann ist das Wesentliche, dass sich das Bewusstsein dem Geheimnis des &#039;&#039;bhakti&#039;&#039; in der Weltenschöpfung gewahr wird, denn es ist ein höchster Weltenwille und eine innerste Feuerkraft mit einer unverfehlbaren Wirklichkeit. […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Nicht die Hinwendung zu einem erdachten, abstrakten Ideal wird die letzte Gültigkeit besitzen, sondern die Leistung der Wahrheitssuche in allem, und diese erwacht, indem der Übende das Selbst wie den Vater, die Mutter und den Ahnherrn dieser Welt erkennt (IX/17), denn die Lust und Freude an der Verwirklichung gewinnen ihre Maße von diesen geheimnisvollen Schöpfungswirklichkeiten, die dem Willen wie ein geistiges Schloss zugrunde liegen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S.&amp;amp;nbsp;336–337.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit dieses geistige Wirken eintreten kann und den Menschen aus seinen bisherigen persönlichen Anlagen erhebt, ist eine umfassende Selbsterziehung und Wahrheitssuche notwendig. Wie Heinz Grill folgend beschreibt, wird das Denken, das Empfinden und der Wille auf eine polaritätsfreie Wirklichkeit ausgerichtet und von dort bis in den Willen hinein durchgeistigt. Der Mensch erlebt sich geeint mit der irdischen und geistigen Welt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es ist ein Denken, das sich authentisch mit dem Geiste verbindet und aus dem Geiste bis hinein in den Willen erfüllt. Es ist ein höchstes geeintes Beziehungsfühlen im Lichte der Beschauung, unabhängig von Mein und Dein, in der polaritätsfreien Wirklichkeit der Universalität selbst. Das ganze Empfinden richtet sich zur Welt und gleichzeitig über sie hinaus und es richtet sich dadurch unmittelbar in dieses werdende, bevorstehende, geistige Leben hinein. Jener, der diese Wahrheit durch Studium, Geduld, Selbstanalyse, Disziplin, Übung und Verehrung in der Meditation erreicht hat, von dem darf man ohne Übertreibung sagen, dass er geeint ist […].“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gītā.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;341.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] (1861–1925), der Begründer der Anthroposophie, erwähnt ebenfalls aus geistiger Sicht, dass die Hingabe auf dem Weg der Entwicklung der Seele hin zur [[a:Inspiration|Inspiration]] nötig ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Früchte, die der Mensch aus solch unermeßlicher Steigerung der Hingabe und der Aufmerksamkeit schöpft, sind eben, daß er sein geistig-seelisches Leben heraussondert aus dem Physisch-Leiblichen. […] Wir tauchen unter in das Wesen der Dinge; wir hören ihr inneres Weben. Was Pythagoras die Sphärenmusik genannt hat, ist etwas, was der Geistesforscher wirklich erreichen kann. Er taucht unter in die Dinge und Wesen der geistigen Welt und hört, aber hört, indem er ausspricht. Ein sprechendes Hören, ein hörendes Sprechen im Untertauchen in das Wesen der Dinge ist das, was man erlebt. Die wahre Inspiration ist es, die sich also ergibt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;153. 6. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1997, ISBN 3-7274-1530-4, S.&amp;amp;nbsp;21–22. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_153.pdf#page=21&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte des Hindu-Bhakti ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Upanishaden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der letzte der drei Epilogverse (6,23) der [[wen:Shvetashvatara Upanishad|Shvetashvatara Upanishad]], die in das 1. Jahrtausend v. Chr. datiert wird, verwendet das Wort Bhakti wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
yasya deve parā bhaktiḥ yathā deve tathā gurau&lt;br /&gt;
tasyaite kathitā hyarthāḥ prakāśante mahātmanaḥ &amp;lt;ref&amp;gt;Ariel Glucklich: &#039;&#039;The strides of Vishnu. Hindu culture in historical perspective.&#039;&#039; Oxford University press, 2008, ISBN 978-0-19-531405-2, S.100.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Nur in einem Menschen, der die tiefste Liebe zu Gott hat und der die gleiche Liebe zu seinem Lehrer zeigt wie zu Gott,&lt;br /&gt;
leuchten diese Punkte, die vom Edlen (Mahatma) erklärt wurden, hervor.“&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Vers zählt zu den frühesten Belegen für das Wort Bhakti in der altindischen Literatur und wurde mit „Gottesliebe“ übersetzt.&amp;lt;ref&amp;gt;W. Norman Brown: &#039;&#039;Man in the Universe. Some Continuities in Indian Thought.&#039;&#039; University of California Press, 1970, ISBN 978-0520017498, S.&amp;amp;nbsp;38–39.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gelehrte diskutieren, ob diese Formulierung authentisch ist oder eine spätere Einfügung in die Upanishad darstellt und ob die Begriffe „Bhakti“ und „Deva“ in diesem alten Text dieselbe Bedeutung hatten wie heute. Max Müller führt aus, dass das Wort Bhakti in dieser Upanishad nur einmal vorkommt, und zwar im letzten Vers des Epilogs. Es könnte sich um eine spätere Hinzufügung handeln und muss nicht theistisch sein, da das Wort erst viel später in den Sandilya-Sutras verwendet wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Max Friedrich Müller: &#039;&#039;The Shvetashvatara Upanishad&#039;&#039;. Oxford University Press, S.&amp;amp;nbsp;34–37.&amp;lt;/ref&amp;gt; Grierson und Carus weisen darauf hin, dass der erste Epilogvers 6.21 der Shvetashvatara-Upanishad ebenfalls durch die Verwendung des Wortes Deva Prasada (देवप्रसाद, Gnade oder Gabe Gottes) bemerkenswert ist, fügen aber hinzu, dass Deva im Epilog der Shvetashvatara-Upanishad sich auf „pantheistisches Brahman“ bezieht und die abschließende Danksagung an den Weisen Shvetashvatara in Vers 6.21 „Gabe oder Gnade seiner Seele“ bedeuten kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Carus: &#039;&#039;The Monist.&#039;&#039; Verlag Open Court, 1913, S.&amp;amp;nbsp;514–515.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Nachvedische Bewegung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Forschung herrscht Konsens darüber, dass Bhakti eine nachvedische Bewegung ist, die sich vorwiegend während der Zeit der hinduistischen Epen und Puranas in der indischen Geschichte (spätes 1. Jahrtausend v.&amp;amp;nbsp;Chr. – frühes 1. Jahrtausend n.&amp;amp;nbsp;Chr.) entwickelte.&amp;lt;ref&amp;gt;Karen Pechilis: &#039;&#039;The Embodiment of Bhakti.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;17.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[a:Bhagavad Gita|Bhagavad Gita]] ist der erste Text, der das Wort Bhakti explizit zur Bezeichnung eines religiösen Weges verwendet, und zwar als Begriff für einen von drei möglichen religiösen Ansätzen oder Yogas (d.&amp;amp;nbsp;h. Bhakti-Yoga).&amp;lt;ref&amp;gt;Karen Pechilis: &#039;&#039;The Embodiment of Bhakti.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;5.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das [[wen:Bhagavata Purana|Bhagavata Purana]] (das sich auf Krishna-Bhakti konzentriert) entwickelt diesen Gedanken ausführlicher,&amp;lt;ref&amp;gt;Norman Cutler: &#039;&#039;Songs of Experience.&#039;&#039; Indiana University Press, 1987, ISBN 978-0-253-35334-4, S.&amp;amp;nbsp;1.&amp;lt;/ref&amp;gt; während die [[wen:Shvetashvatara Upanishad|Shvetashvatara Upanishad]] Belege für Guru-Bhakti (Hingabe an den spirituellen Lehrer) liefert.&amp;lt;ref&amp;gt;R. Raj Singh: &#039;&#039;Bhakti and philosophy.&#039;&#039; Lexington Books, 2006, ISBN 978-0-7391-1424-7, S.&amp;amp;nbsp;28.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bhakti-Bewegung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[wen:Bhakti movement|Bhakti-Bewegung]] war eine rasante Entwicklung des Bhakti-Glaubens, die im späten 1. Jahrtausend n.&amp;amp;nbsp;Chr. in Tamil Nadu in Südindien mit den Shaiva [[wen:Nayanars|Nayanars]] und den Vaishnava [[wen:Alvars|Alvars]] ihren Anfang nahm. Ihre Ideen und Praktiken inspirierten die Bhakti-Dichtung und Bhakti-Verehrung in ganz Indien vom 12. bis zum 18.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert n.&amp;amp;nbsp;Chr. Die Alvars („die in Gott Versunkenen“) waren Vaishnava-Dichterheilige, die von Tempel zu Tempel wanderten und Vishnu priesen. Sie priesen die göttlichen Wohnstätten Vishnus und bekehrten viele Menschen zum [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;Ainslie Thomas Embree, Stephen N. Hay, William Theodore De Bary: &#039;&#039;Sources of Indian Tradition.&#039;&#039; Columbia University, 1988, ISBN 978-0-231-06651-8, S.&amp;amp;nbsp;342.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie die Alvars waren auch die Shaiva-Nayanar-Dichter einflussreich. Das Tirumurai, eine Sammlung von Hymnen von 63 Nayanar-Dichtern, ist in Südindien noch immer von großer Bedeutung. Hymnen von drei der bedeutendsten Dichter, [[wen:Appar|Appar]] (7.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert n.&amp;amp;nbsp;Chr.), [[wen:Sambandar|Campantar]] (7.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert) und [[wen:Sundarar|Sundarar]] (9.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert), wurden im Tevaram, den ersten Bänden des Tirumurai, zusammengefasst. Der nomadische Lebensstil der Dichter trug zur Entstehung von Tempeln und Pilgerstätten bei und förderte die Verehrung Shivas. Frühe tamilische Shiva-Bhakti-Dichter zitierten den Krishna Yajurveda.&amp;lt;ref&amp;gt;Pechilis Karen: &#039;&#039;The Embodiment of Bhakti.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;17–18.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Alvars und Nayanars spielten eine entscheidende Rolle bei der Verbreitung der Bhakti-Tradition. Die Erwähnung südindischer Alvar-Heiliger im [[wen:Bhagavata Purana|Bhagavata Purana]] sowie dessen Betonung von Bhakti haben viele Gelehrte zu der Annahme geführt, dass es südindischen Ursprungs ist. Einige Gelehrte bezweifeln jedoch, ob diese Indizien die Möglichkeit ausschließen, dass die Bhakti-Bewegung parallele Entwicklungen in anderen Teilen Indiens durchlaufen hat.&amp;lt;ref&amp;gt;Daniel Sheridan: &#039;&#039;The Advaitic Theism of the Bhagavata Purana.&#039;&#039; Columbia, South Asia Books, 1986, ISBN 978-81-208-0179-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gelehrte geben an, dass die Bhakti-Bewegung, die sich auf [[a:Vishnu|Vishnu]], [[w:Shiva|Shiva]], [[a:Shakti|Shakti]] und andere Gottheiten konzentrierte und sich in Indien entwickelte und ausbreitete, eine Reaktion auf die Ankunft des Islams in Indien um das 8.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert n.&amp;amp;nbsp;Chr. und die darauffolgende religiöse Gewalt war. Diese Ansicht wird von anderen Gelehrten bestritten.&amp;lt;ref&amp;gt;John Stratton Hawley: &#039;&#039;A Storm of Songs. India and the Idea of the Bhakti Movement.&#039;&#039; Harvard University Press, 2015, ISBN 978-0674187467, S.&amp;amp;nbsp;39–61.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Meerabai painting.jpg|mini|310px|Mirabai (um 1498–1546), auch Meerabai genannt, verehrte Krishna und komponierte viele Lieder]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bhakti-Bewegung erfasste ab dem 15.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert Ost- und Nordindien und erreichte ihren Höhepunkt zwischen dem 15. und 17.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert n.&amp;amp;nbsp;Chr. Laut Patton Burchett waren die vier Hauptmerkmale dieser frühneuzeitlichen Bhakti-Bewegung in Nordindien:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Diese Gemeinschaften einte vor allem ein besonderer Fokus auf die persönliche Hingabe an das Göttliche, im Gegensatz zu anderen traditionellen Säulen indischer Religiosität wie Wissen, Ritualen oder der Praxis von Yoga oder Askese. Diese Hingabe fand im Kontext einer innigen, liebevollen Beziehung zum Göttlichen statt, in der Kaste, Klasse oder Geschlecht üblicherweise keine Rolle spielten. Diese bhakti fand ihren charakteristischsten Ausdruck in (a) der spirituellen Gemeinschaft (satsang) mit anderen Anhängern (bhaktas), (b) dem Gesang, (c) der Ausdrucksform leidenschaftlicher Liebe (śṛṅgāra/mādhurya) oder schmerzhafter Trennung (viraha) und (d) der Erinnerung an den Namen Gottes – in Meditation, Rezitation, Gesang und Rezitation. Zweitens ähnelten sich diese neuen Andachtsgemeinschaften im Mogulreich in der Produktion und Aufführung von Andachtswerken in den jeweiligen Volkssprachen, die an die Taten Gottes (insbesondere [[a:Krishna|Kṛṣṇas]] und [[w:Rama (Mythologie)|Rāmas]]) und vorbildlicher bhaktas erinnerten. Drittens war in all diesen Gemeinschaften die Aufführung und Sammlung von Liedern, die berühmten bhakti-Dichterheiligen wie Kabīr, Raidās und Sūrdās zugeschrieben werden, von Bedeutung. Schließlich artikulierten die meisten bhakti-Autoren und Sekten im frühneuzeitlichen Nordindien trotz ihrer vielen Unterschiede eine Andachtsempfindung, die sich von bestimmten tantrischen Religiositätsparadigmen unterschied und ihnen oft explizit entgegengesetzt war.“&amp;lt;ref&amp;gt;Patton Burchett: &#039;&#039;Genealogy of Devotion – Bhakti, Tantra, Yoga, and Sufism in North India.&#039;&#039; Columbia University, 2019, S.&amp;amp;nbsp;2–3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bhakti-Dichtung und ihre Ideen beeinflussten viele Aspekte der hinduistischen Kultur, sowohl religiöse als auch weltliche, und wurden zu einem integralen Bestandteil der indischen Gesellschaft.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Heilige wie [[wen:Mirabai|Mirabai]], [[wen:Surdas|Surdas]] und [[wen:Narsinh Mehta|Narsinh Mehta]] komponierten zahlreiche [[w:Bhajan|Bhajans]], die für viele einen Weg zur Bhakti ebneten und bis heute weltweit gesungen werden. Der Heilige der Neuzeit, Shri Devendra Ghia (Kaka), hat etwa 10.000 Hymnen verfasst. Diese Hymnen handeln von Bhakti, Wissen, Hingabe, Glauben, Selbstreflexion und Ehrlichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.kakabhajans.org/ &#039;&#039;Bhaav Samadhi Vichaar Samadhi – Kaka Bhajans.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;kakabhajans.org.&#039;&#039; Abgerufen am 29. Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bewegung wurde traditionell als einflussreiche soziale Reform im Hinduismus betrachtet und bot einen individuellen, alternativen Weg zur Spiritualität, unabhängig von Kaste oder Geschlecht. Postmoderne Wissenschaftler stellen diese traditionelle Sichtweise in Frage und bezweifeln, ob die Bhakti-Bewegung jemals eine soziale Reform oder gar eine Rebellion war. Sie argumentieren, dass die Bhakti-Bewegung eine Wiederbelebung, Überarbeitung und Rekontextualisierung alter vedischer Traditionen darstellte.&amp;lt;ref&amp;gt;Karen Pechilis Prentiss: &#039;&#039;The Embodiment of Bhakti.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;10–16.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Westen wurde die Hare-Krishna-Bewegung sehr bekannt. Der hinduistische Lehrer A. C. Bhativedanta Prabhupada gründete 1966 in New York die ISKCON. Diese Organisation hatte großen Einfluss auf den Hardcore Punk, der Straight-Edge-Bewegung und auf die Popkultur. In einigen Songs wie auch in dem Musical Hair ist das &#039;&#039;Hare-Krishna-Mantra&#039;&#039; ein Bestandteil des Textes.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://iskcon.org/about-us/what-is-iskcon.php &#039;&#039;What is ISKCON?&#039;&#039;] In: &#039;&#039;iskcon.org.&#039;&#039; Abgerufen am 31. Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Im Hinduismus ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bhakti-Yoga ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
→ Hauptartikel: [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Sozialer Prozess.png|mini|280px|Aus einem Zentrumskreis entfalten vier weitere Kreise eine neue harmonische Bewegung nach außen.&amp;lt;br&amp;gt;Gelingt dem Yogaübenden die Hingabe an einen hohen Gedanken, so dass er diesen bis in die Erkenntnis erfasst, wird sich eine neue Qualität authentisch durch den Menschen ausdrücken in allem, was er vollbringt. Die drei Yogawege [[Bhakti-Yoga|Bhakti-]], [[Jnana-Yoga|Jnana-]] und Karma-Yoga wirken nach Heinz Grill hier zusammen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[a:Bhagavad Gita|Bhagavad Gita]] führt Bhakti-Yoga in Kombination mit Karma-Yoga und [[Jnana-Yoga]] ein,&amp;lt;ref&amp;gt;Robert Neil Minor: &#039;&#039;Moderne indische Interpreten der Bhagavad Gita.&#039;&#039; SUNY Press, 1986, ISBN 978-0-88706-297-1, S.&amp;amp;nbsp;3.&amp;lt;/ref&amp;gt; während das [[wen:Bhagavata Purana|Bhagavata Purana]] Bhakti-Yoga weiter ausführt und neun spezifische Aktivitäten für den Bhakti-Yogi beschreibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Edwin F. Bryant: &#039;&#039;Bhakti Yoga. Tales and Teachings from the Bhagavata Purana.&#039;&#039; Farrar, Straus and Giroux 2017, ISBN 978-0-374-71439-0, S.&amp;amp;nbsp;9.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bhakti bot in der Bhagavad Gita eine Alternative zu zwei damals vorherrschenden religiösen Praktiken: der Abgeschiedenheit des [[w:Sannyasin|Sannyasin]] und der Ausübung religiöser Rituale.&amp;lt;ref&amp;gt;Karen Pechilis: &#039;&#039;The Embodiment of Bhakti.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;19.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[w:Vivekananda|Swami Vivekananda]] (1863–1902) beschreibt Bhakti-Yoga als „den Weg systematischer Hingabe zur Erlangung der Vereinigung mit dem Absoluten“.&amp;lt;ref&amp;gt;K. R. Sundararajan, Bithika Mukerji: &#039;&#039;Hindu Spirituality. Postclassical and Modern.&#039;&#039; Motilal Banarsidass Publishing House, 2003, ISBN 978-81-208-1937-5, S.&amp;amp;nbsp;306.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinz Grill hebt hervor, dass alle drei Yogawege in einem inneren Zusammenhang stehen und sich ergänzen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Der Yoga ist zunächst einmal &#039;&#039;karma&#039;&#039;-Yoga, der Yoga des unterscheidenden Tätigseins, er ist ebenso &#039;&#039;bhakti&#039;&#039;-Yoga, der Weg der vollendeten Hingabe, und gleichzeitig ist er der &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;-Yoga, der Weg der grazilen Erkenntnissuche. […] Aber es ist nicht nur das Handeln allein; immer ist die Erkenntnis mit dem Handeln verbunden und es ist gleichzeitig auch immer die Hingabe an ein höheres Gesetz oder einen reinen Gedanken gegeben. So sind &#039;&#039;bhakti&#039;&#039;-, &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;-, und &#039;&#039;karma&#039;&#039;-Yoga im Sinne des &#039;&#039;trimārga&#039;&#039; ein Ganzes im Selbst. &#039;&#039;Bhakti&#039;&#039;-, &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;- und &#039;&#039;karma&#039;&#039;-Yoga sind somit eine innerste Synthese des mentalen, vitalen und physischen Wesens und sie gehören zusammen.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;327.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Arjuna and His Charioteer Krishna Confront Karna, crop.jpg|mini|280px|Arjuna und sein Wagenlenker Krishna, die Hauptfiguren der Bhagavad Gita]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In verschiedenen Kapiteln der Bhagavad Gita, vor allem im 12. Kapitel, weist Krishna Arjuna in die Geheimnisse des Bhakti-Yoga als einen der Wege zu höchster spiritueller Verwirklichung ein. Der Vers 66 in Kapitel 12 lautet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;sarvadharmān parityajya mām ekaṁ śaraṇaṁ vraja,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;ahaṁ tvā sarvapāpebhyo mokṣayiṣyāmi mā śucaḥ&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Gib alle &#039;&#039;dharma&#039;&#039; auf und nimm deine Zuflucht allein zu Mir!&lt;br /&gt;
Ich werde dich von aller Sünde und allem Übel befreien, sei unbekümmert!“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad-Gita.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;403.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das [[wen:Shandilya Bhakti Sutra|Shandilya Bhakti Sutra]] und das [[wen:Narada Bhakti Sutra|Narada Bhakti Sutra]] definieren Hingabe, betonen ihre Bedeutung und Überlegenheit und klassifizieren ihre Formen.&amp;lt;ref&amp;gt;Georg Feuerstein: &#039;&#039;The Yoga Tradition. Its History, Literature, Philosophy and Practice.&#039;&#039; Motilal Banarsidass Publishers, 2002, ISBN 978-81-208-1923-8, S.&amp;amp;nbsp;55.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut [[w:Ramana Maharshi|Ramana Maharshi]] (1879–1950), indischer spiritueller Lehrer, ist Bhakti eine „Hingabe des Herzens an das Göttliche“. Sie kann als Ergänzung zur Selbsterforschung praktiziert werden, und zwar auf eine von vier Arten:&amp;lt;ref&amp;gt;David Frawley: &#039;&#039;Vedantic Meditation. Lighting the Flame of Awareness.&#039;&#039; North Atlantic Books, 2000, S.&amp;amp;nbsp;133.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Atma-Bhakti – Hingabe an das eigene Atma (Höchstes Selbst)&lt;br /&gt;
# Ishvara-Bhakti – Hingabe an ein formloses Wesen (Gott, kosmischer Herr)&lt;br /&gt;
# Ishta Devata-Bhakti – Hingabe an einen persönlichen Gott oder eine persönliche Göttin&lt;br /&gt;
# Guru-Bhakti – Hingabe an einen Guru&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Guru-Bhakti ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für [[a:Sri Aurobindo|Sri Aurobindo]] (1872-1950) ist der Guru je nach Ausmaß seiner Persönlichkeit der Verbindungsweg oder der Vertreter oder die Offenbarung des Göttlichen. Was er auch sei, „man öffnet sich dem Göttlichen, wenn man sich ihm öffnet.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Sri Aurobindo 1893-1993. Ein&amp;amp;nbsp;Jahrhundert des Lichts und des Wirkens.&#039;&#039; Sri Aurobindo Ashram, Pondicherry, ISBN 81-7058-371-3, S.&amp;amp;nbsp;42.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinz Grill sieht in Guru-Bhakti, der verehrungsvollen Hingabe zu einer geistig authentischen Person, das Kernstück jeder geistigen Bestrebung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Sie wird im indischen Geistleben exoterisch gesehen in der Regel dem Lehrer entgegengebracht und sollte normalerweise gegenüber allen großen Persönlichkeiten, wie Rudolf Steiner, Michelangelo, den großen Künstlern, Musikern, Goethe, Gandhi und zu vielen anderen bestehen. &#039;&#039;Iṣṭa-devata&#039;&#039;, die verehrungsvolle Hingabe zu einer authentischen Person, ist ein Kernstück des Yoga, und wenn sie im wahrheitsstrebenden Sinne besteht, schenkt sie eine universale Offenheit und es wird nicht nur eine Person verehrt, sondern alles Schöne, Wahre und Begehrenswerte. &#039;&#039;Bhakti&#039;&#039; signalisiert eine Bewegungsrichtung von der eigenen Individualität im Blick hinauf zu hohen Persönlichkeiten, meidet aber Unterwürfigkeit und sektiererisch persönliches Begehren.“&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: [https://heinz-grill.de/hingabe-spiritualitaet/ &#039;&#039;Vorsicht Sekte –Teil 3. Spirituelle Verfehlungen und Missbräuche.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.&#039;&#039; Artikel vom 23. September 2025, abgerufen am 29. Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neun Formen der Bhakti ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Indischer Maler um 1760 65 001.jpg|mini|310px|Krishna und die Gopis, Miniatur aus einem Manuskript der Bhagavata Purana (18.&amp;amp;nbsp;Jh.)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das [[wen:Bhagavata Purana|Bhagavata Purana]] beschreibt zahlreiche Beispiele für Bhakti, etwa jene, die [[wen:Prahlada|Prahlada]] oder die [[wen:Gopi|Gopis]] zeigten. Das Verhalten der Gopis veranschaulicht das Wesen der Bhakti. Als sie von Krishna getrennt waren, praktizierten sie Hingabe, indem sie seinen Geschichten lauschten (Shravana), seine glorreichen Taten priesen (Kirtan) und ihn auf andere Weise in ihren Gedanken bewahrten.&amp;lt;ref&amp;gt;David L. Haberman: &#039;&#039;Acting as a Way of Salvation.&#039;&#039; Motilal Banarsidass Publishers, 2001, ISBN 978-81-208-1794-4, S.&amp;amp;nbsp;133–134.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bhagavata Purana lehrt im Vers 7.5.23 insgesamt neun Formen der Bhakti:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Shravana (Sanskrit श्रवण, IAST &#039;&#039;śravaṇa&#039;&#039;, „Hören, Hören alter Texte“)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Kirtan (Sanskrit कीर्तन, IAST &#039;&#039;kīrtana&#039;&#039;, „wiederholen, Singen von Wechselgesängen“)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Smarana (Sanskrit स्मरण, IAST &#039;&#039;smaraṇa&#039;&#039;, „Erinnerung an Lehren in alten Texten“)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Padasevana (Sanskrit पादसेवन, IAST &#039;&#039;pādasevana&#039;&#039;, „Dienst zu den Füßen“)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Archana (Sanskritअर्चना, IAST &#039;&#039;arcanā&#039;&#039;, „Verehrung, Darbringung“)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Namaskar oder Vandana („Verehrung, Verbeugung vor dem Göttlichen“)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Dasya (Sanskrit दास्य, IAST &#039;&#039;dāsya&#039;&#039;, „Dienen, Dienst am Göttlichen“)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Sakhyatva, von Sakhya (Sanskrit साख्य, IAST &#039;&#039;sākhya&#039;&#039;, „Freund, Freundschaft mit dem Göttlichen“)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Atma Nivedana (Sanskrit अत्म निवेदन, IAST &#039;&#039;ātma nivedana&#039;&#039; „Selbsthingabe, Hingabe an das Göttliche“)&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bhavas ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Brooklyn Museum - Krishna and Radha - 2.jpg|mini|280px|Krishna und Radha]]&lt;br /&gt;
Der traditionelle Hinduismus spricht von fünf verschiedenen [[wen:Bhava|Bhavas]], von Sanskrit भाव, IAST &#039;&#039;bhāva&#039;&#039;, „Einstellung, Gefühl, Zustand, Haltung“. In diesem Sinne sind Bhavas unterschiedliche Haltungen, die Gläubige entsprechend ihrem individuellen Temperament einnehmen, um ihre Hingabe zu Gott in irgendeiner Form auszudrücken.&amp;lt;ref&amp;gt;Gayatri Chakravorty Spivak: &#039;&#039;Other Asias.&#039;&#039; Wiley-Blackwell, 2007, S.&amp;amp;nbsp;197.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Bhavas sind:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# [[y:Shanta|Shanta]] (IAST &#039;&#039;śānta&#039;&#039;) – Haltung der inneren Ruhe, der friedvollen Liebe zu Gott&lt;br /&gt;
# [[y:Dasya|Dasya]] (IAST &#039;&#039;dāsya&#039;&#039;) – Haltung eines Dieners&lt;br /&gt;
# [[y:Sakhya|Sakhya]] (IAST &#039;&#039;sakhya&#039;&#039;) – Haltung eines Freundes&lt;br /&gt;
# [[y:Vatsalya|Vatsalya]] (IAST &#039;&#039;vātsalya&#039;&#039;) – Haltung einer Mutter gegenüber ihrem Kind&lt;br /&gt;
# [[y:Madhurya|Madhurya]] (IAST &#039;&#039;mādhuryā&#039;&#039;) – Haltung einer Frau gegenüber ihrem Geliebten.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Akhilananda: &#039;&#039;Hindu Psychology. Its Meaning for the West.&#039;&#039; Routledge, ISBN 978-11380074132014, S. 180. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere Heilige praktizierten diese Bhavas. Der Mystiker [[w:Ramakrishna|Ramakrishna]], bedeutender hinduistischer Mystiker aus dem 19.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert, soll alle fünf Bhavas praktiziert haben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Christopher Isherwood: &#039;&#039;Ramakrishna and his disciples.&#039;&#039; Vedanta Press, 1980, ISBN 978-0-87481-037-0, S.&amp;amp;nbsp;111–112.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hanumans Hingabe zu [[w:Rama|Rama]] wird als Dasya Bhava betrachtet.&amp;lt;ref&amp;gt;Dittakavi Subrahmanya Sarma: &#039;&#039;Essence of Hinduism.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1971, S.&amp;amp;nbsp;68.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Beziehung zwischen Arjuna sowie den Kuhhirtenjungen von Vrindavan und Krishna wird als Sakhya Bhava angesehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Hari Datt Sharma: &#039;&#039;Glory of Spiritual India.&#039;&#039; Pustak Mahal, 1999, ISBN 978-81-223-0439-8, S.&amp;amp;nbsp;95–96.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[w:Radha|Radhas]] Liebe zu Krishna ist Madhurya Bhava.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Die Zuneigung von Krishnas Pflegemutter [[wen:Yashoda|Yashoda]] zu ihm veranschaulicht Vatsalya Bhava.&amp;lt;ref&amp;gt;G. K. Devanand: &#039;&#039;Teaching of Yoga.&#039;&#039; APH Publishing, 2008, ISBN&amp;amp;nbsp;978-8131301722, S. 74.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Murti ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Bhakti-Kult sind die Rituale primär auf physische Bilder ausgerichtet. Die Begriffe „Murti“ und „Vigraham“ werden im Hinduismus häufig verwendet, um diese Bilder zu beschreiben. Eine [[wen:Murti|Murti]] (Sanskrit मूर्ति, IAST &#039;&#039;mūrti&#039;&#039;, „Körper, Form, Gestalt“) bezeichnet ein Objekt mit einer ausgeprägten Form, das die Gestalt oder Manifestation einer bestimmten Gottheit, eines Gottes oder einer Göttin symbolisiert. Vor der Verehrung einer Murti wird ein Ritual namens [[wen:Prana pratishtha|Prana Pratishtha]] durchgeführt, bei dem Prana (Sanskrit प्राण, IAST &#039;&#039;prāṇa&#039;&#039;, „Atem, Leben, Lebenskraft“) in das Bild geleitet und der Gott oder die Göttin eingeladen wird, in der Murti zu wohnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Joyce Burkhalter Flueckiger: &#039;&#039;Everyday Hinduism.&#039;&#039; Wiley Blackwell, 2015, ISBN 978-1-4051-6021-6, S.&amp;amp;nbsp;77–86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bhakti in den Lehren der Jagadgurus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Kripalu Ji Maharaj Giving Lecture (cropped).jpg|mini|Jagadguru [[wen:Kripalu Maharaj|Kripalu Ji Maharaj]]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mehrere [[wen:Jagadguru|Jagadgurus]] legten großen Wert auf Bhakti als Weg zur spirituellen Verwirklichung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Jagadguru	[[wen:Nimbarka|Nimbarkacharya]] (12.&amp;amp;nbsp;Jh.) betonte die Hingabe an Radha und Krishna und führte [[wen:Dvaitadvaita Vedanta|Dvaitadvait Vad]] (dualistischer Nicht-Dualismus) ein, der göttliche Einheit und persönliche Hingabe in Einklang brachte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Jagadguru	[[wen:Ramanuja|Ramanujacharya]] (11. oder 12.&amp;amp;nbsp;Jh.) lehrte [[wen:Sharanagati|Prapatti]] (vollständige Hingabe) und präsentierte Vishishtadvait Vad (qualifizierter Nicht-Dualismus), der Vernunft und Hingabe	vereinte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Jagadguru	[[wen:Madhvacharya|Madhvacharya]] (13.&amp;amp;nbsp;Jh.) bekräftigte durch seinen [[wen:Dvaita Vedanta|Dvaita Vad]] (Dualismus) die Vorstellung, dass die Gnade eines persönlichen Gottes für die Befreiung unerlässlich sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Lehren von Jagadguru Madhvacharya beeinflussten direkt den Heiligen [[wen:Purandara Dasa|Purandara Dasa]] (1470–1564), eine Schlüsselfigur der Bhakti-Bewegung, und verbanden seine Philosophie mit der breiteren Welle der	Hingabe, die sich in Indien rasch ausbreitete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Jagadguru	[[wen:Kripalu Maharaj|Kripalu Ji Maharaj]] (1922–2013) gab der Bhakti-Praxis in der Neuzeit mit der Methode der Roopdhyan-Meditation eine neue Dimension. Diese Methode beinhaltet die Meditation über die göttlichen Formen und Eigenschaften von Radha und Krishna. Er erklärte, dass wahre Verehrung aus geistiger Hingabe und inniger	Liebe und nicht aus äußeren Ritualen entspringt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bhakti war ein einigender spiritueller Ansatz, der durch verschiedene Jagadguru-Philosophien hindurch das [[wen:Sanātana Dharma|Sanatana Dharma]] in verschiedenen Zeitaltern verjüngte.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.timesnownews.com/bizz-impact/jagadguru-tradition-difference-between-original-and-gaddi-dhaari-jagadgurus-article-151438264 &#039;&#039;Jagadguru Tradition: Difference between Original and ‘Gaddi-Dhaari’ Jagadgurus.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;timesnownews.com.&#039;&#039; Abgerufen am 29.&amp;amp;nbsp;Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in anderen Religionen wie im Buddhismus, im Islam, im Sufismus, Jainismus oder im Christentum u.&amp;amp;nbsp;a. ist die Hingabe ein wichtiger Bestandteil der spirituellen Praxis.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Honeymoon Bay Sunset 2.jpg|rahmenlos|rechts|]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch ausdauernde Beziehungsaufnahme, [[Interesse]] und inhaltliche Forschung zu den irdischen Phänomenen und den inneliegenden universalen Gesetzen wie auch zu den Mitmenschen, großen Persönlichkeiten und deren Werke, eröffnet sich Bhakti, der Weltenwille, in seiner freien universalen Dimension. Der Mensch steht nun selbstbewusst im freien inhaltlichen Gedanken zwischen der geistigen und irdischen Welt. Aus diesem freien Standpunkt und dem Mitwirken geistiger Kräfte kann er seine höheren Ideale, wie es die Beispiele im Kapitel von verwirklichtem Bhakti zeigen (siehe Hauptartikel [[Bhakti-Yoga]]) , schöpferisch umsetzen und aus einer universalen Wirklichkeit mit seinen Werken neue belebende Impulse für die gegenwärtige Kultur und die nachtodlichen Welten schaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie: Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie: Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Har Dayal: &#039;&#039;The Bodhisattva Doctrine in Buddhist Sanskrit Literature.&#039;&#039; Motilal Banarsidass 1970, ISBN 978-0-89684-032-4.&lt;br /&gt;
* David Frawley: &#039;&#039;Vedantic Meditation. Lighting the Flame of Awareness.&#039;&#039; North Atlantic Books.&lt;br /&gt;
* David N. Lorenzen: &#039;&#039;Bhakti Religion in North India. Community Identity and Political Action.&#039;&#039; SUNY Press, New York 1995, ISBN 978-0-7914-2025-6.&lt;br /&gt;
* S.&amp;amp;nbsp;K. Nanayakkara: &#039;&#039;Bhakti.&#039;&#039; In Malalasekera, Gunapala Piyasena (ed.), &#039;&#039;Encyclopaedia of Buddhism,&#039;&#039; Band II. Government of Ceylon.&lt;br /&gt;
* Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. Stephan Wunderlich Verlag, ISBN 978-3-948803-18-6.&lt;br /&gt;
* Sri Aurobindo: &#039;&#039;Die Synthese des Yoga&#039;&#039;. Verlag Hinder + Deelmann, ISBN 3-87348-082-4. ([https://sri-aurobindo.co.in/workings/sa/20-21/the_synthesis_of_yoga_g.pdf Online] PDF)&lt;br /&gt;
* Rudolf Steiner: &#039;&#039;Inneres Wesen des Menschen und Leben zwischen Tod und neuer Geburt&#039;&#039;. GA 153. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1997, ISBN&amp;amp;nbsp;3-7274-1530-4. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_153.pdf#view=Fit Online])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Bhakti|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13595</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13595"/>
		<updated>2026-05-02T06:24:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Einzelnachweise */ Kategorie hinzugefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rigveda MS2097.jpg|mini|Rigveda-Manuskript in Sanskrit]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Albert Einstein (Nobel).png|mini|Albert Einstein, Porträtfotografie von 1921]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein (1879–1955) verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Herz_190.gif|mini|Zusammenhang zwischen physischem und [[a:ätherisch|ätherischem]] Herzen, Skizze von Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aristotle Altemps Inv8575.jpg|mini|[[a:Aristoteles|Aristoteles]] begründete die klassische Logik]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigen&amp;amp;shy;tümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Eva Dora Cowdery Young Girl Reading a Book.jpg|mini|330px|Das Studium der Schriften ist im Yoga synonym mit dem Studium des [[Selbst]] und wird [[Svadhyaya]] genannt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig – so beschreibt es der Autor –, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren, um dann verschiedene Fragen nach der Logik des Textes hinzuzunehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik?“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Fragestellungen entsteht eine konkrete und vertiefende Beziehungsaufnahme zum Text. Dabei ist es günstig, mit einer sorgfältigen Innen- und Außenschau auf die Eindrücke zu horchen, die sich nun wie eine stille Kommunikation mit den Gedanken eröffnen. In der Weise, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind, zeigt sich das Motiv oder die Absicht des Autors. So kann man eine weitere Frage zum Motiv des Autors stellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen?“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser praktischen Methodik können anspruchsvolle und spirituelle Werke erforscht werden und auch – so wie sich der Empfindungseindruck zeigt – in ihrem Wert akzeptiert oder zurückgewiesen werden. Die Seelenübung fördert die Entwicklung von mehr Empathiefähigkeit sowie einer freieren Anschauungs- und Beurteilungskraft und es werden damit auch Ätherkräfte (Lebenskräfte) erzeugt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Raja Ravi Varma - Sankaracharya.jpg|mini|Adi Shankara (788-820), Gründer des Advaita Vedanta, mit Schülern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Flickr - dalbera - Shiva Natarâdja, Seigneur de la Danse (musée Guimet).jpg|mini|Shiva als [[w:Nataraja|Nataraja]], tanzend auf einem Dämon (um 1050)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des [[Bhakti-Yoga]]. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten mit Sanskritbegriff]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Marga&amp;diff=13594</id>
		<title>Jnana-Marga</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Marga&amp;diff=13594"/>
		<updated>2026-05-02T06:24:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: Weiterleitung erstellt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;#WEITERLEITUNG [[Jnana-Yoga]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten mit Sanskritbegriff]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Tat_Tvam_Asi&amp;diff=13593</id>
		<title>Tat Tvam Asi</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Tat_Tvam_Asi&amp;diff=13593"/>
		<updated>2026-05-02T06:22:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Einzelnachweise */ Verlinkung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Tat Tvam Asi.PNG|mini|350px|Tat Tvam Asi (Sanskrit)]]&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Tat Tvam Asi&#039;&#039;&#039; ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] तत् त्वम् असि, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;tat tvam asi&#039;&#039;, deutsch „&#039;&#039;&#039;Das bist du&#039;&#039;&#039;“, altenglisch “&#039;&#039;&#039;That Thou Art&#039;&#039;&#039;”) ist einer der großen Aussprüche ([[wen:Mahāvākyas|&#039;&#039;Mahavakyas&#039;&#039;]]) der indischen [[a:Vedanta|Vedantaphilosophie]]. Das Mantra verweist auf die ursprüngliche Identität des eigenen [[a:Selbst|Selbst]] mit dem Urgrund des Daseins – mit anderen Bezeichnungen: auf die Identität von [[a:Atma|Atman]] und [[W:Brahman|Brahman]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstmals erwähnt wird das &#039;&#039;Tat Tvam Asi&#039;&#039; im Vers 6.8.7 der [[wen:Chāndogya Upaniṣad|Chāndogya Upanishad]] (ca. 6.&amp;amp;nbsp;Jh. v.&amp;amp;nbsp;Chr.), und zwar im Dialog zwischen [[wen:Uddālaka Āruṇi|Uddālaka]] und seinem Sohn [[wen:Śvetaketu|Shvetaketu]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wortbedeutung ==&lt;br /&gt;
Die Übersetzung der drei Sanskritwörter &#039;&#039;tat tvam asi&#039;&#039; im Einzelnen:&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:11px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;text-align:left;| Sanskrit !! style=&amp;quot;text-align:left;| IAST !! style=&amp;quot;text-align:left;| Deutsch !! style=&amp;quot;text-align:left;| Bemerkung&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|तट्||&#039;&#039;tat&#039;&#039;&amp;lt;ref group=&amp;quot;Anm.&amp;quot; name=&amp;quot;L&amp;quot; /&amp;gt;||„das“, „dieses“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=%E0%A4%A4%E0%A4%9F%E0%A5%8D&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für तट्.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 13.&amp;amp;nbsp;September 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;||&#039;&#039;tat&#039;&#039; kann Pronomen oder Adverb sein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|त्वम्||&#039;&#039;tvam&#039;&#039;||„Du“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=%E0%A4%A4%E0%A5%8D%E0%A4%B5%E0%A4%AE%E0%A5%8D&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für त्वम्.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 13.&amp;amp;nbsp;September 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;||&#039;&#039;tvam&#039;&#039; ist der Nominativ von &#039;&#039;tvad&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ब्रह्मन्||&#039;&#039;asi&#039;&#039;||„Du bist“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://sanskritdictionary.org/asi &#039;&#039;Suchergebnisse für „asi“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;sanskritdictionary.org&#039;&#039;. Abgerufen am 13. September 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;||&#039;&#039;asi&#039;&#039; ist die 2. Person Singular von &#039;&#039;as&#039;&#039; „sein“&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Kapitel 6.8 aus Chandogya Upanishad ==&lt;br /&gt;
Im Schlaf, so erfährt Shvetaketu von seinem Vater [[wen:Uddālaka Āruṇi|Uddālaka]], vereinigt sich der Mensch mit dem Seienden, allerdings unbewusst, denn vom bewussten [[a:Manas|Manas]] tritt er hinüber in das unbewusste, aber lebendige [[a:Prana|Prana]] (IAST &#039;&#039;prāṇa&#039;&#039;). Mit dem Tod geht dann auch Prana über in die Glut und diese in die höchste Gottheit, in deren Feinheit und Unerkennbarkeit die wahre und fundamentalste Wirklichkeit gegründet ist: Brahman ist Atman – „Das bist du“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Chandogya Upanishad verses 1.1.1-1.1.9, Samaveda, Sanskrit, Devanagari script, 1849 CE manuscript.jpg|mini|350px|Verse aus &#039;&#039;[[wen:Chāndogya Upaniṣad|Chāndogya Upanishad]]&#039;&#039; in Sanskrit]]&lt;br /&gt;
# Uddâlaka Âruni sprach zu seinem Sohne Shvetaketu: „Laß dir von mir, o Teurer, den Zustand des Schlafes erklären. Wenn es heißt, daß der Mensch schlafe, dann ist er mit dem Seienden, o Teurer, zur Vereinigung gelangt. Zu sich selbst ist er eingegangen, darum sagt man von ihm «er schläft», denn zu sich selbst eingegangen ist er. –&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
# Gleichwie ein Vogel, der an einen Faden gebunden wurde, nach dieser und jener Seite fliegt, und nachdem er anderweit einen Stützpunkt nicht gefunden, sich an der Bindungsstelle niederläßt, so auch, o Teurer, fliegt das Manas nach dieser und jener Seite, und nachdem es anderweit einen […] Stützpunkt nicht gefunden, so läßt es sich in dem Prâna nieder, denn der Prâna, o Teurer, ist die Bindungsstelle des Manas.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
# Laß dir von mir, o Teurer, den Hunger und den Durst erklären. Wenn es heißt, ein Mensch hungert, so kommt das, weil die Wasser das von ihm Gegessene hinwegführen. Und wie man von einem Kuhführer, Roßführer, Menschenführer spricht, so bezeichnet man dann die Wasser als «Nahrungführer». Hierbei [beim Hinwegführen der Nahrung durch die Wasser zum Aufbau des Leibes] erkenne dieses [d.h. diesen Leib], o Teurer, als den daraus entsprungenen Schößling [als die Wirkung]; derselbe wird nicht ohne Wurzel [Ursache] sein;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
# aber wo anders könnte dessen Wurzel sein als in der Nahrung? Und in derselben Weise, o Teurer, gehe von der Nahrung als Schößling zurück zu dem Wasser als Wurzel, von dem Wasser, o Teurer, als Schößung gehe zurück zu der Glut als Wurzel, von der Glut, o Teurer, als Schößling gehe zurück zu dem Seienden als Wurzel; das Seiende, o Teurer, haben alle diese Geschöpfe als Wurzel, das Seiende als Stützpunkt, das Seiende als Grundlage.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
# Ferner, wenn es heißt, ein Mensch dürstet, so kommt das, weil die Glut das von ihm Getrunkene hinwegführt. Und wie man von einem Kuliführer, Roßführer, Menschenführer spricht, so bezeichnet man dann die Glut als „Wasserführer“. Hierbei [beim Hinwegführen des Wassers durch die Glut zum Aufbau des Leibes] erkenne dieses [diesen Leib], o Teurer, als den daraus entsprungenen Schößling [als die Wirkung]; derselbe wird nicht ohne Wurzel [Ursache] sein;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
# aber wo anders könnte dessen Wurzel sein als in dem Wasser? Von dem Wasser, o Teurer, als Schößling gehe zurück zu der Glut als Wurzel, von der Glut, o Teurer, als Schößling gehe zurück zu dem Seienden als Wurzel; das Seiende, o Teurer, haben alle diese Geschöpfe als Wurzel, das Seiende als Stützpunkt, das Seiende als Grundlage. Wie aber, o Teurer, von diesen drei Gottheiten, wenn sie in den Menschen gelangen, jede einzelne dreifach wird, das ist vorher auseinandergesetzt worden. Bei diesem Menschen, o Teurer, wenn er dahinscheidet, geht die Rede ein in das Manas, das Manas in den Prâna, der Prâna in die Glut, die Glut in die höchste Gottheit. –&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
# Was jene Feinheit [Unerkennbarkeit] ist, ein Bestehen aus dem ist dieses Weltall, das ist das Reale, das ist die Seele, &#039;&#039;&#039;das bist du&#039;&#039;&#039;, o Shvetaketu!“&amp;lt;br&amp;gt;– „Noch weiter, o Ehrwürdiger, belehre mich!“ sprach er. – „So sei es“, sprach er.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Deussen: [http://12koerbe.de/hanumans/cha-6.htm#Achter &#039;&#039;Chândogya-Upanishad. Sechster Prapâthaka „tat tvam asi“ – „das bist du“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;12koerbe.de.&#039;&#039; Abgerufen am 10.&amp;amp;nbsp;September 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Satz der 7. Strophe „Was jene Feinheit [Unerkennbarkeit] ist, ein Bestehen aus dem ist dieses Weltall, das ist das Reale, das ist die Seele, das bist du, o Shvetaketu!“ kehrt in den folgenden &#039;&#039;Khandas&#039;&#039; (Unterkapiteln) des sechsten &#039;&#039;Prapathaka&#039;&#039; (Hauptkapitels) zum Zweck der [[Grundlagen der Meditation|meditativen]] Vertiefung immer wieder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschiedliche Interpretation in den Schulen des Vedanta ==&lt;br /&gt;
In den feinen Details wird das &#039;&#039;Tat Tvam Asi&#039;&#039; von den drei großen Schulen des Vedanta unterschiedlich interpretiert:&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Nach der Schule des [[a:Vedanta#Advaita-Vedanta|Advaita-Vedanta]] bedeutet es die Identität des eigenen Selbst mit [[a:Brahman|Brahman]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Im [[a:Vedanta#Vishishtadvaita-Vedanta|Vishishtadvaita-Vedanta]] geht man davon aus, dass des Selbst des Menschen nur ein „Teil“ des umfassenden [[a:Sein|Seins]] ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die Schule des [[a:Vedanta#Dvaita-Vedanta|Dvaita-Vedanta]] behauptet, dass die ursprüngliche Bedeutung dieses Mantra &#039;&#039;Atat Tvam Asi&#039;&#039; – „Das bist nicht Du“ – gewesen sei. Sie erklärt dies mit den [[w:Euphonie|euphonischen]] Regeln des Sanskrit, aufgrund derer das erste &#039;&#039;a&#039;&#039; von &#039;&#039;tat&#039;&#039; ausgefallen sei, weil der Satz zuvor mit einem langen &#039;&#039;ā&#039;&#039; endet. Demnach müsste es heißen &#039;&#039;tat satyam sa ātmā, ’tat tvam asi&#039;&#039;, deutsch wörtlich „Nicht das bist du“.&amp;lt;ref&amp;gt;Lambert Schmithausen: &#039;&#039;[https://www.schwabeonline.ch/schwabe-xaveropp/elibrary/start.xav?start=%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27verw.tat.tvam.asi%27%20and%20%40outline_id%3D%27hwph_verw.tat.tvam.asi%27%5D#/text/verw.tat.tvam.asi?_ts=1757507744879 Tat tvam asi.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Historisches Wörterbuch der Philosophie.&#039;&#039; Abgerufen am 13. September 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Interpretationen aus Philosophie und geistiger Forschung ==&lt;br /&gt;
=== Swami Sivananda ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Swami Shivananda Liebe.jpg|mini|Swami Sivananda]]&lt;br /&gt;
[[Swami Sivananda]] benutzt in seinen Ausführungen zu &#039;&#039;Tat tvam asi&#039;&#039; das Wort &#039;&#039;Kutastha&#039;&#039;, welches das unbewegliche, ewige und unveränderliche Prinzip des Menschseins bedeutet. Die Transkription mit diakritischen Zeichen ist &#039;&#039;kūṭastha&#039;&#039;, deutsch „die höchste Seele“ oder „unveränderlich“:&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=kUTastha&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „kUTastha“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 13. September 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
:„In dem vedischen Satz «Das bist Du» bzw. «Du bist Das» ist die direkte Bedeutung des Wortes «Das» die Maya, in der sich Brahman spiegelt, einschließlich des reinen Brahmans, der die Basis von Maya ist. Die direkte Bedeutung des Wortes «Du» ist Avidya, einschließlich des Selbst, das sich in ihr spiegelt, sowie Kutashtha, der Basis von Avidya. Die wahre Bedeutung, auf die das Wort «Das» hinweist, ist reines Brahman. Die wahre Bedeutung, auf die das Wort «Du» hinweist, ist Kutashtha. Die widersprüchlichen Eigenschaften von Maya und Avidya müssen bei Seite gelassen werden und Kutashtha, dessen wahre Natur Sein, Wissen und Glückseligkeit (Satchidananda) ist, muss sich mit dem reinen Brahman identifizieren, dessen Natur auch Sein, Wissen und Glückseligkeit ist. Derjenige, der die Einheit mittels direkter, intuitiver Wahrnehmung verwirklicht, erlangt Moksha (Befreiung). Er ist ein Jivanmukta. Dies ist die ausdrückliche und einstimmige Aussage der Upanishaden.“&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;[[Jnana-Yoga|Jnana Yoga]].&#039;&#039; Divine Life Society, 2007, S.&amp;amp;nbsp;26–30. ([https://www.sivanandaonline.org/?cmd=displaysection&amp;amp;section_id=785 Online,] englisch)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Arthur Schopenhauer ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Arthur Schopenhauer by J Schäfer, 1859b.jpg|mini|Arthur Schopenhauer (1788–1860)]]&lt;br /&gt;
Der Philosoph [[w:Arthur Schopenhauer|Arthur Schopenhauer]] wertschätzte die Upanishaden,&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.arthur-schopenhauer-studienkreis.de/Schopenhauer-Upanishaden/schopenhauer-upanishaden.html &#039;&#039;Upanishaden ( Oupnekhat ) und Arthur Schopenhauer.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;arthur-schopenhauer-studienkreis.de.&#039;&#039; Abgerufen am 18.&amp;amp;nbsp;September 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; insbesondere das [[wen:Mahāvākyas|Mahavakya]] (IAST &#039;&#039;mahāvākya&#039;&#039;) &#039;&#039;Tat tvam asi.&#039;&#039; Er schreibt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Leser meiner Ethik wissen, daß bei mir das Fundament der Moral zuletzt auf jener Wahrheit beruht, welche im Veda und Vedanta ihren Ausdruck hat an der stehend gewordenen mystischen Formel &#039;&#039;Tat twam asi&#039;&#039; (dies bist du), welche mit Hindeutung auf jedes Lebende, sei es Mensch oder Tier, ausgesprochen wird […].&amp;lt;ref&amp;gt;Julius Frauenstädt (Hrsg.): &#039;&#039;Arthur Schopenhauer´s sämmtliche Werke&#039;&#039;. 2. Auflage. Band 6: &#039;&#039;Parerga und Paralipomena II.&#039;&#039; Kapitel VIII: &#039;&#039;Zur Ethik&#039;&#039;. Leipzig 1919, S.&amp;amp;nbsp;234.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seinem Verständnis von &#039;&#039;Tat tvam asi&#039;&#039; und gemäß seiner Philosophie sind Mensch und Tier sowie alles in der Natur Erscheinungsformen des metaphysischen Willens. Damit sind sie in ihrem innersten Wesen gleich. Für das Verständnis des Tieres bzw. die Tierethik leitet er daraus ab:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Erst, wenn jene einfache und über allen Zweifel erhabene Wahrheit, daß die Tiere in der Hauptsache und im Wesentlichen ganz das Selbe sind, wie wir, in´s Volk gedrungen sein wird, werden die Tiere nicht mehr als rechtlose Wesen dastehn.“&amp;lt;ref&amp;gt;Julius Frauenstädt (Hrsg.): &#039;&#039;Arthur Schopenhauer´s sämmtliche Werke&#039;&#039;. Band 6. S.&amp;amp;nbsp;403.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dieser Interpretation des Wortes „Das bist du“ konstatiert Schopenhauer dem Christentum einen Grundfehler, wenn es den Menschen über das Tier stellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Ein anderer, bei dieser Gelegenheit zu erwähnender, aber nicht weg zu erklärender und seine heillosen Folgen täglich manifestirender Grundfehler des Christenthums ist, daß es widernatürlicherweise den Menschen losgerissen hat von der Thierwelt, welcher er doch wesentlich angehört, und ihn nun ganz allein gelten lassen will, die Thiere geradezu als Sachen betrachtend; […].“&amp;lt;ref&amp;gt;Julius Frauenstädt (Hrsg.): &#039;&#039;Arthur Schopenhauer´s sämmtliche Werke&#039;&#039;. Band 10, Kapitel 15. Zürcher Ausgabe, 1977, S.&amp;amp;nbsp;408.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Schlussfolgerung Schopenhauers, das Mensch und Tier „im Wesentlichen ganz das Selbe sind“, steht der Standpunkt aus geistiger Forschung gegenüber, der einen innersten Unterschied zwischen Mensch und Tier konstatiert. Dieser besteht darin, dass der Mensch im Unterschied zum Tier mit dem Wesensglied des „Ich“ ausgestattet ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Natur- und Geistwesen – ihr Wirken in unserer sichtbaren Welt.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;98. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1996, ISBN 3-7274-0980-0, S.&amp;amp;nbsp;166. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_098.pdf#page=116&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele.&#039;&#039; 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S.&amp;amp;nbsp;72.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rudolf Steiner ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Steiner 1915.jpg|mini|305px|„Das höhere Selbst des Menschen ist nichts, was in uns lebt, sondern um uns herum. Das höhere Selbst sind die höherentwickelten Individualitäten. Der Mensch muß sich klar darüber sein, daß das höhere Selbst außer ihm ist. Wenn er es in sich suchte, würde er es nie finden.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Grundelemente der Esoterik.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;93a. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1987, ISBN 3-7274-0935-5, S.&amp;amp;nbsp;153. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_093a.pdf#page=153&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;Foto: [[w:Otto Rietmann|Otto Rietmann]]&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] (1861–1925) vergleicht bei einer Interpretation des &#039;&#039;Tat tvam asi&#039;&#039; ebenfalls den Menschen mit dem Tier im Sinne von: Das bist du. Dies bezieht er jedoch auf die, im (warmblütigen) Tierreich ausgebreiteten „kamarupischen“ Eigenschaften des Menschen. Das Sanskritwort Kamarupa (IAST &#039;&#039;kāmarūpa&#039;&#039;) setzt sich zusammen aus &#039;&#039;kāma&#039;&#039; „Wunsch, Verlangen, Begierde“&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Mittwede: &#039;&#039;Spirituelles Wörterbuch Sanskrit/Deutsch.&#039;&#039; Überarbeitete und erweiterte Fassung der früheren Ausgabe, ISBN 3-924739-56-0. Verlag Sathya Sai Vereinigung, Bonn 1992, S.&amp;amp;nbsp;106–107.&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;rūpa&#039;&#039; „Form, Aussehen, Gestalt“.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Mittwede: &#039;&#039;Spirituelles Wörterbuch Sanskrit/Deutsch.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;187.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Bezeichnung „Kamaeigenschaften“ – im Tierreich vorzufinden – beschreibt demnach „Begierdeeigenschaften“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Zuerst hatte der Mensch in sich die Wut des Löwen und die List des Fuchses. Die Wut wurde von ihm dann sozusagen im Löwen fixiert und die List im Fuchse. So ist also das warmblütige Tierreich ein Bilderbogen von Kamaeigenschaften. Heute ist vielfach die Ansicht verbreitet, daß das «Tat tvam asi», das «Das bist du», als etwas unbestimmt Allgemeines aufzufassen sei, aber man muß sich etwas Bestimmtes darunter denken. Zum Beispiel beim Löwen muß der Mensch sich sagen: Das bist du! – So haben wir im warmblütigen Tierreich den kamarupischen Menschen vor uns ausgebreitet. Vorher bestand nur der reine Mensch: [[a:Adam Kadmon|Adam Kadmon]].“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Grundelemente der Esoterik.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;93a. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1987, ISBN 3-7274-0935-5, S.&amp;amp;nbsp;53. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_093a.pdf#page=53&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An anderer Stelle beschreibt Steiner, wie der Mensch erst durch eine seelisch-geistige Entwicklung, die aktiv zu vollziehen ist, zu der Weisheitserkenntnis gelangt, dass er als Geistbegabter stündlich aus der geistig-göttlichen Welt heraus geboren wird:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Zunächst erlebt der Mensch seine Seele in seinem Inneren, indem er Lust und Leid, Freude und Schmerz erlebt. Dann aber gehen dieser Seele die Vorstellungen auf, welche wieder verschwinden. Es lebt da etwas auf, was den bloßen Sinnen verborgen ist. Was da in der Seele auflebt, hat der Mensch zunächst als den bloßen Gedanken in sich. Aber er verbindet im Laufe des Lebens diesen Gedanken mit seiner Seele. Er lernt fühlen und mitempfinden mit dem Geistigen und hat zuletzt das Geistige gern und liebt es, wie er vorher nur das Sinnliche gern und lieb gehabt hat. Die Begierde erstreckt sich schließlich über alles Geistige. Die Selbstsucht wird zu einer selbstlosen Liebe zum Unvergänglichen. In der Selbstsucht wird des Menschen Liebe in der Seele erfaßt. Aber indem wir sie tief im Inneren als Geist erfassen, wird uns klar, daß wir dieses Selbst in der ganzen übrigen Welt finden, daß wir verbunden sind mit der ganzen übrigen Welt und daß, wie wir aus dem Physischen geboren sind, es ebenso wahr ist, daß wir als Geist stündlich aus dem geistigen Universum, der geistig-göttlichen Welt heraus geboren werden. Suchen wir daher unser höheres Selbst, das wie ein Funke in uns vorhanden ist, dann werden wir das Geistige in der ganzen Umwelt sehen. Das ist die große Weisheitserkenntnis, welche die Vedantaphilosophie zusammengefaßt hat in dem Spruch: Tat tvam asi – Das bist du. – Wenn der Mensch seines Geistes sich bewußt ist und seine Entwickelung beginnt im Hinausschreiten in die Welt, dann erweitert sich sein Selbst zu dem Geiste des Universums, zu einem Geistselbst-Dasein, und wir sind dann unserer ureigenen Wesenheit nach überall. Dann wird für uns das, was bloßes Begreifen war, seelisch verwandter Inhalt, und das ist wirkliche Erhebung der Seele zum Geist, Erhebung in wirkliches geistiges Leben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Welträtsel und die Anthroposophie.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;54. 2.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1983, ISBN 3-7274-0540-6, S.&amp;amp;nbsp;76–77. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_054.pdf#page=76&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Heinz Grill ===&lt;br /&gt;
[[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] (* 1961) schreibt über &#039;&#039;Tat Tvam Asi&#039;&#039; anlässlich eines Vergleichs zwischen dem kosmozentrischen und dem anthropozentrischen Menschenbild. Das Ideal liegt aus seiner Sicht in einer Mitte, in der sich der Mensch sowohl im kosmischen Eingebundensein als auch in seiner Eigenwirklichkeit erleben lernt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Heinz Grill.png|mini|320px|&amp;lt;div style=&amp;quot;text-align:center;&amp;quot;&amp;gt;&#039;&#039;Tat tvam asi&#039;&#039;&amp;lt;/div&amp;gt;„Du bist nicht derjenige, der Du durch Askese oder Übung bei Dir selbst werden kannst, sondern Du bist so, wie Du auf die Mitmenschen wirkst, welche moralischen und edlen Beziehungen Du aufbaust, welche Formen der Schönheit und Ästhetik Du gestaltest und wie Du diese schließlich in das nächtliche Meer der Sterne hineinträgst.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga.&#039;&#039; 7.,&amp;amp;nbsp;unveränderte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2022, ISBN 978-3-948193-00-3, S.&amp;amp;nbsp;21.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
:„In den vedischen Schriften existiert das Mantra &#039;&#039;tat tvam asi&#039;&#039; und dieses will dem Menschen verdeutlichen, dass er, so wie er mit seinem physischen Leib auf der Erde steht, nicht der Wirklichkeit entspricht. &#039;&#039;Tat tvam asi&#039;&#039;, die mystisch-mantrische Formel, besagt in der Übersetzung: „Das bist du”. Aber der Hinweis „das bist du” sieht von dem irdischen Menschen ab und deutet hinauf zu den Sternen, zu dem Kosmos und sagt nun dem Menschen im Erdendasein, dass die Kräfte, die Impulse, die nun im Kosmos leben, sein wahres Selbst, seine wahre Wirklichkeit sind. Diese aus den Veden, dem älteren und umfassenden Schriftwerk des Hinduismus, geprägte kosmozentrische Anthropologie ist tatsächlich in Indien wie auch in östlichen Ländern noch mehr enthalten als beispielsweise im Okzident.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die europäische Philosophie hingegen brachte im Allgemeinen mehr den Satz hervor: „Ich denke und deshalb bin ich.” In der Erfahrung des Denkprozesses und in der Eigenständigkeit von diesem erfährt sich der Okzidentale in seiner eigenen Mitte und in seinem Zentrum. Dieser Standpunkt, der von [[w:René Descartes|Descartes]] beginnend über die verschiedenen Philosophen in die westliche Geschichte hineinfließt, gibt einen tendenziell anthropozentrischen Standpunkt vor. Nicht der Kosmos, sondern mehr der Mensch mit seiner Erfahrung des Denkprozesses rückt in die Mitte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Ein Bild über den idealen Menschen kann aber wohl nicht allein in einem anthropozentrischen oder kosmozentrischen Standpunkt liegen, sondern muss sich um der Harmonie und Ganzheit willen sowohl in der erfahrbaren Eigenwirklichkeit als auch in der Erfahrung des kosmischen Eingebundenseins erleben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Kosmos und Mensch.&#039;&#039; 4., vollkommen neu überarbeitete und erweiterte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, 2015, ISBN 978-3-9815855-6-8, S.&amp;amp;nbsp;12–13.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem anderen Zusammenhang drückt er aus, dass in früheren Zeiten der Yogakultur der Blick in den Weltenraum eine nennenswerte Erfahrung offenbarte. Der Inder sah dort zu diesen Zeiten das &#039;&#039;tat&#039;&#039;, das sogenannte „das“, und fühlte mit dem Blick seine wahre Identität. Ihm offenbarte sich eine große Kosmologie und eine körperliche [[Freiheit]]. Eine Askese war für die damalige Zeit natürlich und ohne Zwang, denn der Inder wollte sich mit Gefühlen und Emotionen nicht ganz im Leib eingeschlossen wissen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
:„Heute jedoch lernt der Einzelne diese große kosmische Dimension und das Ausgegossensein seiner Seele während der Nacht im Kosmos erst wieder langsam kennen. Der praktische Weg ist es, dass er die Seele nicht nur auf sich und seine Gefühle bezieht, sondern dass er sich den Mitmenschen und der Welt auf geeignete Weise hinwendet und langsam erkennen lernt, dass dieser Kosmos mit seinen Wirkungen in seinem sozialen Umfeld lebt.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga.&#039;&#039; 7.,&amp;amp;nbsp;unveränderte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2022, ISBN 978-3-948193-00-3, S.&amp;amp;nbsp;21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sri Aurobindo ===&lt;br /&gt;
[[Datei:Sri aurobindo (cropped).jpg|mini|Sri Aurobindo]]&lt;br /&gt;
Für [[a:Sri Aurobindo|Sri Aurobindo]] (1872–1950) geht die Verwirklichung von &#039;&#039;Tat tvam asi&#039;&#039; über ein Aufgehen des Individuums im kosmischen Bewusstsein oder die Zerstörung des Egos hinaus. Sein Ziel ist die umfassende Transformation des Menschen in all seinen Wesensgliedern. Er möchte ein göttliches Leben auf der Erde durch das Herabkommen eines höheren Bewusstseins schaffen:&amp;lt;ref&amp;gt;[https://philosophy.institute/philosophy-of-sri-aurobindo/aurobindo-interpretation-tat-tvam-asi/ &#039;&#039;Philosophy of Sri Aurobindo. Aurobindo’s Interpretation of “Tat-Tvam Asi”: Unifying Individual and Ultimate Reality.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Philosophy Institute.&#039;&#039; Abgerufen am 18. September 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
:„Keine spirituelle Disziplin zielt auf Läuterung oder Vergöttlichung durch die Zerstörung der Essenz – etwas Derartiges kann es nicht geben, und die Formulierung als solche ist sinnlos und widerspricht sich selbst. Die Essenz des Wesens ist unzerstörbar. Selbst die strengste Advaita-Disziplin zielt auf keine derartige Zerstörung; ihr Ziel ist die reinste Reinheit des essentiellen Selbstes. Umwandlung zielt auf diese essentielle Reinheit des reinen Spirits, doch fordert sie ebenfalls die Reinheit und Göttlichkeit der höchsten Natur; nicht die Essenz unseres Wesens, sondern die Zufälligkeiten unserer unentwickelten, unvollkommenen Natur werden zerstört und durch die Manifestation der göttlichen Natur ersetzt. Der [[a:Monismus|monistische]] Advaita hat die Auflösung des Ego zum Ziel und nicht die der Essenz der Person; er erreicht diese Auflösung durch Identität mit dem Einen, durch Auflösung des von der Natur geformten Ego in der Wirklichkeit des ewigen Selbstes, denn dieses und nicht das Ego – sagt er – ist die Essenz der Person, &#039;&#039;so-ham tat tvam asi&#039;&#039;. Auch in unserer Auffassung der Umwandlung gibt es die Zerstörung des Egos, seine Auflösung im kosmischen und göttlichen Bewusstsein, doch durch diese Zerstörung erlangen wir die wahre oder spirituelle Person, die ein ewiger Teil des Göttlichen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: [https://aurobindoru.auromaa.org/workings/sa/22/vol_01_g.pdf#page=127&amp;amp;view=fit &#039;&#039;Briefe über den Yoga.&#039;&#039;] Band 1, Kapitel 2. PDF, abgerufen am 18. September 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
* Paul Deussen: &#039;&#039;Sechzig Upanishad&#039;s des Veda.&#039;&#039; F. A. Brockhaus, Leipzig 1897.&lt;br /&gt;
* Julius Frauenstädt (Hrsg.): &#039;&#039;Arthur Schopenhauer´s sämmtliche Werke&#039;&#039;. 2. Auflage. Band 6: &#039;&#039;Parerga und Paralipomena II.&#039;&#039; Leipzig 1919.&lt;br /&gt;
* Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Welträtsel und die Anthroposophie.&#039;&#039; [[a:GA&amp;amp;nbsp;54|GA&amp;amp;nbsp;54]]. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1983. ISBN 3-7274-0540-6.&lt;br /&gt;
* Rudolf Steiner: &#039;&#039;Kosmogonie.&#039;&#039; [[a:GA&amp;amp;nbsp;94|GA&amp;amp;nbsp;94]]. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-0940-1.&lt;br /&gt;
* Sri Aurobindo: [https://aurobindoru.auromaa.org/workings/sa/22/vol_01_g.pdf#page=127&amp;amp;view=fit &#039;&#039;Briefe über den Yoga.&#039;&#039;] Band 1, Kapitel 2, (PDF).&lt;br /&gt;
* Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga.&#039;&#039; 7., unveränderte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2022, ISBN 978-3-948193-00-3.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
* [http://12koerbe.de/hanumans/cha-einl.htm &#039;&#039;Die Chândogya-Upanishad des Sâmaveda&#039;&#039;] – Übersetzung von [[wen:Paul Deussen|Paul Deussen]] (Kiel 1897/19052)&lt;br /&gt;
* [http://www.swamij.com/upanishad-chandogya.htm &#039;&#039;Chandogya Upanishad&#039;&#039;] – Übersetzung von [[w:Nikhilananda|Swami Nikhilananda]] (englisch)&lt;br /&gt;
* [https://philosophy.institute/philosophy-of-sri-aurobindo/aurobindo-interpretation-tat-tvam-asi/ &#039;&#039;Philosophy of Sri Aurobindo. Aurobindo’s Interpretation of “Tat-Tvam Asi”: Unifying Individual and Ultimate Reality.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Philosophy Institute.&#039;&#039; Abgerufen am 18. September 2025 (englisch)&lt;br /&gt;
* [https://web.archive.org/web/20210920224910/https://egyankosh.ac.in/bitstream/123456789/35731/1/Unit-4.pdf &#039;&#039;Tat-Tvam Asi And Aurobindo.&#039;&#039;] Unit 4. In: &#039;&#039;ignou. The Peoples University.&#039;&#039; Archivlink, abgerufen am 18. September 2025 (englisch).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkung ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references group=&amp;quot;Anm.&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref name=&amp;quot;L&amp;quot;&amp;gt;„In den vedischen Texten wird &#039;&#039;tat&#039;&#039; häufig benutzt, um auf das unausprechliche Seinsprinzip, das unergründliche Geheimnis des unendlichen Absoluten hinzuweisen. Es ist die wortlose Geste, die auf das Unbeschreibliche, das Namenlose zeigt und das Bewußtsein zu dieser Realität erhebt. Wenn Meister ihre Schüler in die letzten Erkenntnisse des &#039;&#039;Vedānta&#039;&#039; einweihen wollen, haben sie ihnen gesagt: „&#039;&#039;tat tvam asi&#039;&#039;“ („Das bist du“); d. h. das, was dieser unaussprechliche Urgrund allen Seins (&#039;&#039;brahman&#039;&#039;) ist, das ist deine wahre Natur, das ist identisch mit deinem Selbst (&#039;&#039;ātman&#039;&#039;).“&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;Martin Mittwede: &#039;&#039;Spirituelles Wörterbuch Sanskrit/Deutsch.&#039;&#039; Überarbeitete und erweiterte Fassung der früheren Ausgabe, ISBN 3-924739-56-0. Verlag Sathya Sai Vereinigung, Bonn 1992, S.&amp;amp;nbsp;233.&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{AnthroWiki|Tat Tvam Asi}}&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=7556419-1}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Mantra]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten mit Sanskritbegriff]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Bhakti-Yoga&amp;diff=13592</id>
		<title>Bhakti-Yoga</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Bhakti-Yoga&amp;diff=13592"/>
		<updated>2026-05-02T06:19:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: Verlinkungen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Zitat Bhakti-Yoga Grill.png|mini|365px|Bhakti-Yoga&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, ISBN 978-3-948803-18-6, S.&amp;amp;nbsp;211.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bhakti-Yoga&#039;&#039;&#039; ist einer der drei Yogawege (Bhakti-, [[Jnana-Yoga|Jnana]]- und Karma-Yoga), die in der Bhagavad Gita gelehrt werden. Daraus haben sich viele traditionelle Wege gegründet, vor allem im Osten. Die Dimension des Yoga in der Bhagavad Gita, die [[a:Krishna|Krishna]] in einem Gespräch mit [[w:Arjuna|Arjuna]] aufzeigt, ist universal, zeitlos und für die gesamte Menschheitsentwicklung gültig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die drei Yogawege werden Trimarga genannt, deutsch „Der dreigliedrige Yogapfad“. Diese drei spirituellen Pfade finden sich auch in den westlichen christlichen spirituellen Wegen wieder. Dort sind sie zwar nicht explizit so benannt, z.&amp;amp;nbsp;B. im Neuen Testament, aber im innersten Kern ihrer Bedeutung enthalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bhakti-Yoga ist somit bis in unsere Zeit auch im Westen aktuell und wurde immer wieder von spirituellen Persönlichkeiten vorgelebt und gelehrt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bhakti-Yoga ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] भक्तियोग, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;bhaktiyoga&#039;&#039;, „der Pfad der Bhakti“), auch [[y:Bahkti Marga|Bhakti-Marga]] (Sanskrit भक्तिमार्ग, IAST &#039;&#039;bhaktimārga&#039;&#039;) genannt,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=bhaktiyoga&amp;amp;dir=se Suchbegriff für „bhaktiyoga“.]&#039;&#039; In: learnsanskrit.cc. Abgerufen am 5. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; ist ein spiritueller Weg bzw. eine spirituelle Praxis, traditionell im Hinduismus, aber auch im Westen, die sich auf die liebevolle Verehrung (Bhakti) einer persönlichen Gottheit konzentriert.&amp;lt;ref&amp;gt;Karen Pechelis: &#039;&#039;The Embodiment of Bhakti&#039;&#039;. Oxford University Press, 2014, ISBN 978-0195351903, S.&amp;amp;nbsp;19–24.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er ist einer der drei klassischen Wege im Hinduismus, die zu Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“) führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bhakti ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
→ Hauptartikel: [[Bhakti]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sanskritwort &#039;&#039;Bhakti&#039;&#039; leitet sich von der Wurzel [[y:Bhaj|Bhaj]] (Sanskrit भज्, IAST &#039;&#039;bhaj)&#039;&#039; ab, was so viel wie „teilen, teilen, teilhaben, mitwirken, dazugehören“ bedeutet. Das Wort bedeutet auch „Hingabe, Verehrung, Zuneigung, Verehrung, Glaube oder Liebe, Anbetung, Frömmigkeit gegenüber etwas als spirituellem, religiösem Prinzip oder Mittel zur Erlösung“.&amp;lt;ref&amp;gt;Monier-Williams: &#039;&#039;Sanskrit Dictionary&#039;&#039;. 1899.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bhakti wird in der &#039;&#039;Shvetashvatara Upanishad&#039;&#039; erwähnt, wo es schlichtweg Teilnahme, Hingabe und Liebe für jedes Vorhaben bedeutet.&amp;lt;ref&amp;gt;Paul Deussen: &#039;&#039;Sixty Upanishads of the Veda&#039;&#039;. Band 1. Motilal Banarsidass, ISBN 978-8120814684, S.&amp;amp;nbsp;326.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bhakti Yoga als einer der drei spirituellen Wege zur Erlösung wird in der Bhagavad Gita ausführlich erörtert.&amp;lt;ref&amp;gt;John Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism.&#039;&#039; Rosen Publishing New York, 2014, ISBN 978-0823922871, S.&amp;amp;nbsp;98–100.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der persönliche Gott variiert je nach Gläubigem.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.britannica.com/topic/bhakti Bhakti.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Encyclopedia Britannica.&#039;&#039; 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er kann unter anderem einen Gott oder eine Göttin wie Krishna, Radha, Rama, Sita, Vishnu, Shiva, Shakti, Lakshmi, Saraswati, Ganesha, Parvati, Durga und Surya umfassen. In zeitgemäßerer Auffassung von Bhakti wird die Hingabe auch an eine große Persönlichkeit, an einen universalen Gedanken oder auf ein irdisches Phänomen ausgerichtet. &amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S.&amp;amp;nbsp;327.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bhakti-Pfad, der diese Gottheiten einbezieht, entwickelte sich mit der Bhakti-Bewegung, die etwa Mitte des 1. Jahrtausends n.&amp;amp;nbsp;Chr. in Tamil Nadu in Südindien ihren Ursprung hatte. Die Bewegung wurde von den Saiva Nayanars und den Vaishnava Alvars angeführt. Ihre Ideen und Praktiken inspirierten die Bhakti-Dichtung und &amp;amp;#8209;Verehrung in ganz Indien vom 12. bis zum 18.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert n.&amp;amp;nbsp;Chr.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen N. Hay, William Theodore De Bary: &#039;&#039;Sources of Indian Tradition.&#039;&#039; Columbia University Press, 1988, ISBN 978-0-231-06651-8, S.&amp;amp;nbsp;342.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Bhakti-Pfad ist Bestandteil der religiösen Praxis im Vaishnavismus, Shivaismus und Shaktismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Robin Rinehart: &#039;&#039;Contemporary Hinduism: ritual, culture, and practice.&#039;&#039; ABC-CLIO, 2004, ISBN 978-1-57607-905-8, S.&amp;amp;nbsp;45 und 51.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Yoga ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Shiva as the Lord of Dance LACMA edit.jpg|mini|Shiva, der „Herr des Yoga“&amp;lt;br&amp;gt;„Diese bekannte indische Figur zeigt den tanzenden &#039;&#039;Śiva&#039;&#039; im Kreise der Ewigkeit. Er ist der große Wandler und gleichzeitig Zerstörer. Der innere Aspekt des &#039;&#039;Śiva&#039;&#039; ist jener der Universalität, die sich in einer unnennbaren, immer fortschreitenden Schöpfung und einer gewaltigen Zerstörung um des Heilens willen zu ihrem Ziele bewegt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. Stephan Wunderlich Verlag, ISBN 978-3-948803-18-6, 2024, S.&amp;amp;nbsp;26.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff Yoga wird im Westen hauptsächlich mit den sehr bekannt gewordenen Körperübungen (Asana) des Hatha-Yoga in Verbindung gebracht. Traditionell wurde der Begriff Yoga in der [[a:Bhagavad Gita|Bhagavad Gita]] eingeführt und beschreibt eine spirituelle Disziplin, die in der Bhagavad Gita ausführlich beschrieben wird. Das Ziel im traditionellen Sinn ist die Befreiung (Moksha) von Bindungen und die Vereinigung mit dem höchsten Göttlichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Yoga bedeutet wörtlich „Vereinigung, Joch“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.dwds.de/wb/Yoga Yoga.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;DWDS.&#039;&#039; Abgerufen am 5. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; und bezeichnet in diesem Kontext einen Weg oder eine Praxis zur „Erlösung, Befreiung“. Das hier gemeinte Yoga ist die „Vereinigung“ des &#039;&#039;Atman&#039;&#039; (wahres Selbst) mit dem Konzept des Höchsten &#039;&#039;Brahman&#039;&#039; (wahre Wirklichkeit).&amp;lt;ref&amp;gt;Michael C. Brannigan: &#039;&#039;Striking a Balance: A Primer in Traditional Asian Values.&#039;&#039; Rowman &amp;amp; Littlefield, 2010, ISBN 978-0-7391-3846-5, S.&amp;amp;nbsp;18–22.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Prabhupada: [https://vedabase.io/en/library/bg/14/27/ &#039;&#039;Bg. 14.27.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;vedabase.io.&#039;&#039; Abgerufen am 5. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] (1861–1925), Begründer der Anthroposophie, spricht in seinem Vortrag &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039; über die drei Geistesströme, die als spirituelle Wege in der Bhagavad Gita aufgezeigt werden. Yoga bezeichnet er als einen aktiven seelischen Weg, der die seelische Entwicklung zu immer höheren Stufen führt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Anders wiederum ist jene Geistesströmung, die zu uns herüberspricht als der Yoga. Er geht auf das Seelische selbst, unmittelbar auf dieses Seelische und sucht Mittel und Wege, die Seele zu ergreifen im unmittelbaren geistigen Leben, so daß die Seele aufsteigt von dem Punkt, wo sie steht in der Welt, zu immer höheren und höheren Stufen seelischen Seins.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe.&#039;&#039; GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S.&amp;amp;nbsp;20–21. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=20&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In neueren zeitgemäßen spirituellen Yogawegen, wie z.&amp;amp;nbsp;B. &#039;&#039;Neuer Yogawille&#039;&#039;, Begründer [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] (* 1960), oder Integraler Yoga, Begründer [[a:Sri Aurobindo|Sri Aurobindo]] (1872–1950), wird der Begriff Yoga ebenfalls für eine spirituelle Disziplin verwendet. Die Zielsetzung allerdings hat sich im Laufe der Zeit erweitert, so dass vor allem die Bewusstseinsentwicklung zu universalen Werten und die soziale Integration dieser in das Leben angestrebt wird:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Der Yoga selbst ist vielmehr eine innere, wachsende Bewusstseinshaltung des Individuums; er ist im genauen Sinne sogar mehr der nach langer Erfahrung entwickelte Reifeschritt des Bewusstseins zur progressiven, spirituellen und universalen Entwicklung einer Weisheit und Liebe, die sich den höheren Welten zunehmend annähert und diese in das Leben integriert.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga.&#039;&#039; 7., unveränderte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2022, ISBN 978-3-948193-00-3, S.&amp;amp;nbsp;14–15.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Trimarga ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ursprung in der Bhagavad Gita ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Bhagavad Gita, 19th Century.jpg|mini|Die Bhagavad Gita (Ausgabe vom Anfang des 19.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts, Museum of Kangra Art Dharamshala)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[a:Bhagavad Gita|Bhagavad Gita]] ist eine spirituelle Schrift des Hinduismus. Die geistige Botschaft, die sich in ihr ausspricht, macht dieses Werk jedoch universal und zeitlos. Bhagavad Gita setzt sich aus den Worten Bhagavan „der Erhabene“ – in neueren Interpretationen auch mit „der Gedanke“ übersetzt&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;13.&amp;lt;/ref&amp;gt; – und Gita „der Gesang, das Lied“ zusammen. Somit lautet die wörtliche Übersetzung „Der Gesang des Erhabenen“. Sie ist in Versform geschrieben und berichtet, wie Krishna seinen Schüler Arjuna in den Yoga einweiht. Drei Yogawege Bhakti-, [[Jnana-Yoga|Jnana]]- und Karma-Yoga werden in der Bhagavad Gita ausführlich dargelegt. Da sie in einem inneren Zusammenhang stehen, werden sie auch als Trimarga (Sanskrit त्रिमार्ग, IAST &#039;&#039;trimārga&#039;&#039;) bezeichnet, was wörtlich übersetzt „drei Wege“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verständnis aus geistiger Forschung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner bezeichnet den dreigliedrigen Pfad als drei Ströme, die unabhängig von der Zeit immerfort auf die Seele wirken. Er überträgt sie in die Begriffe „Wort“, „Gesetz“ und „Andacht“. Diese sind auch im Christentum zu finden und wurden vor allem in den Paulusbriefen, im sogenannten paulinischen Christentum, neu verlebendigt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wort, Gesetz und Andacht, durch das die Seele ihre Entwicklung durchmachen kann. Diese drei Ströme, sie werden immerdar auf die menschliche Seele in irgendeiner Weise wirken. […] Aber die Zeitalter sind verschieden und in der verschiedensten Weise wird das, was also die dreigestaltige Weltauffassung ist, an die Menschenseele herangebracht. Der Krishna spricht vom Weltenwort, von dem Schöpfungswort, von der Gestaltung des Seins, von der andächtigen Vertiefung der Seele, von Yoga.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=20&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[a:Sri Aurobindo|Sri Aurobindo]] benennt die drei Pfade mit Werke, Anbetung und Erkenntnis:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„An diesen Gott in der Einheit all seiner Aspekte müssen wir unsere Werke, unsere Anbetung und unsere Erkenntnis als ein ständiges inneres Opfer richten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Essays über die Gita.&#039;&#039; ISBN 3-87348-153-7, S.&amp;amp;nbsp;387.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese drei Pfade sind nicht nur als einzeln getrennte Übungswege zu verstehen, sondern stehen für die individuelle spirituelle Entwicklung in einem inneren Zusammenwirken. Wie sich die drei Pfade differenzieren und wie sie auch für seelisch-geistige Entwicklung zusammenwirken, verdeutlicht Heinz Grill:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Bhakti-Yoga bedeutet Hingabe, Hinwendung in höchster Mühe um edelste Ideale. Er wurzelt in der Tiefe und Liebe zum Geiste, überschreitet durch sanfte und doch unermüdliche Willensaktivtät die Grenze aller Verhaftung und geht in die transzendente Wirklichkeit ein.&lt;br /&gt;
:[[Jnana-Yoga]] ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.&lt;br /&gt;
:Karma-Yoga bildet im besten Sinne die Ausarbeitung einer Idee zu einem praktischen Ideal. Es ist nicht nur die Arbeit im tätigen Sinne, sondern die Mühe um die Erhaltung, Bewahrung und Veredelung aller wertvollen Ziele des Menschseins.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Samrat Kumar ist Bhakti-Yoga eine indische Tradition der „göttlichen Liebesmystik“, ein spiritueller Weg, der „für ein tiefes Verständnis der Einheit und Harmonie des ewigen Individuums mit dem Göttlichen (dem universellen Sein) und allen Geschöpfen steht – eine beständige Freude“.&amp;lt;ref&amp;gt;Samrat S.&amp;amp;nbsp;Kumar: &#039;&#039;Bhakti – The Yoga of Love: Trans-Rational Approaches to Peace Studies.&#039;&#039; LIT Verlag Münster, 2010, ISBN 978-3-643-50130-1, S. 12–13.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Yoga-Gelehrte [[w:David Frawley|David Frawley]] beschreibt, dass Bhakti-Yoga darin besteht, „den Geist, die Gefühle und die Sinne auf das Göttliche zu konzentrieren“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://web.archive.org/web/20190824111356/https://www.yogajournal.com/yoga-101/bhakti-yoga-love-devotion-relationship &#039;&#039;What is Bhakti Yoga? Why You Should Try the Yoga of Devotion.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yoga Journal.&#039;&#039; Archivlink, abgerufen am 12. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nirguna- und Saguna-Meditation ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Mary Magdalene and Jesus mosaic in Amsterdam.jpg|mini|&#039;&#039;Maria Magdalena und Jesus Christus&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;„Im Lukasevangelium wird die Geschichte von Maria Magdalena erzählt, die dem Erlöser die Füße wusch. […] Sie lebte für ihn allein oder, wenn man es im Sinne der höchsten Willens- und Glaubensbestrebungen betrachtet, so gab sie dem Christus den Platz ihrer Mitte.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;329–330.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bhakti-Yoga kann in zwei verschiedenen Disziplinen, Nirguna- und Saguna-Meditation, praktiziert werden. Die Nirguna-Meditation richtet sich auf eine unfassbare, abstrakte höchste Wirklichkeit, die Saguna-Meditation ist auf ein konkretes Objekt, ausgerichtet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Hingabe an die persönliche Offenbarung des Göttlichen, in Form der Saguna-Meditation, hat in den östlichen spirituellen Wegen im sogenannten „Guru-Bhakti“, wie z.&amp;amp;nbsp;B. auf Krishna, auf Shiva oder auf einen spirituellen Lehrer, eine lange Tradition. Sie ist auch im Christentum durch die Person Jesu Christi gegeben, wie die Worte des Johannes-Evangeliums zeigen: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“ (Joh 14,6)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.csv-bibel.de/bibel/johannes-14 Joh 14.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Elberfelder Übersetzung. Edition CSV.&#039;&#039; Abgerufen am 12. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in unserer Zeit ist Guru-Bhakti, obwohl im Westen oftmals kritisch gesehen, für die spirituelle Entwicklung essentiell. Sie sollte aber nicht mit äußerlichen Emotionen und Schwärmereien verwechselt werden, denn sie ist hauptsächlich eine innere Angelegenheit zwischen Lehrer und Schüler. Diese wichtige Disziplin ist Bhakti-Yoga und erfordert vom Schüler, die Wirklichkeit und Dimension des Lehrers zu erkennen. Sri Aurobindo sieht in dem Guru einen Verbindungsweg des Menschen zum Göttlichen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Der Guru ist der Verbindungsweg oder Vertreter oder Offenbarung des Göttlichen, je nach Ausmaß seiner Persönlichkeit oder seiner Vollbringung; aber was er auch sei, man öffnet sich dem Göttlichen, wenn man sich ihm öffnet.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Sri Aurobindo. 1893–1993. Ein&amp;amp;nbsp;Jahrhundert des Lichts und des Wirkens.&#039;&#039; Sri Aurobindo Aschram, Pondicherry, ISBN 81-7058-371-3, S.&amp;amp;nbsp;42.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner hatte ebenfalls Lehrer, so Heinz Grill. Er wendete sich ausdauernd dem Geist des Evangeliums hin:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Das größte Beispiel, wie jemand wirkliche Lehrer gehabt hat, war für mich Rudolf Steiner. Er wendete sich so lange dem evangelischen Geist erkenntnismäßig zu, bis er selbst den inneren Mariengeist oder die sogenannte „Sophia“, wie diese in der esoterischen Sprache genannt wird, authentisch bei sich empfing. Der Lehrer ist deshalb im inneren Sinne derjenige, dem man sich auf seiner Suche nach Wahrheit, Erkenntnis und Einsicht mit tiefster Forschungsintention hinwendet.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Das Lehrer-Schüler-Verhältnis innerhalb der seelisch-geistigen Entwicklung&#039;&#039;. Lammers-Koll-Verlag, ISBN 978-3-935925-37-2, S.&amp;amp;nbsp;50.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Zitat von [[a:Johann Wolfgang von Goethe|Johann Wolfgang von Goethe]] weist auf die erhebende Wirkung, die die Verehrung auf die Seele bewirkt, hin:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nicht das macht frei, daß wir nichts über uns anerkennen wollen, sondern eben, daß wir etwas verehren, das über uns ist. Denn indem wir es verehren, heben wir uns zu ihm hinauf und legen durch unsere Anerkennung an den Tag, daß wir selber das Höhere in uns tragen und wert sind, seinesgleichen zu sein.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Goethes Gespräche mit Eckermann.&#039;&#039; Aufbau-Verlag, Wien 1955, S.&amp;amp;nbsp;267. ([https://imwerden.de/pdf/eckermann_gespraeche_mit_goethe_1955__ocr.pdf#page=268&amp;amp;view=fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beispiele von verwirklichtem Bhakti-Yoga (Auswahl) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Raffael-sixtinische-madonna-2.jpg|mini|330px|&#039;&#039;Sixtinische Madonna&#039;&#039; (Raffael)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Menschheitsgeschichte gibt es viele große Persönlichkeiten die durch ihre Opferbereitschaft und der Kraft zur Hingabe zu tieferen Einsichten in die geistigen Mysterien und in die Phänomene des irdischen Lebens gelangt sind. Durch ihr Leben und in ihren Werken brachten sie diese Erkenntnisse authentisch zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bhakti-Yoga in der Kunst ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Bildern von [[w:Raffael|Raffael]] (Raffaello Sanzio da Urbino), so Heinz Grill und Rudolf Steiner, drückt sich Liebe (Bhakti) aus. Damit steht den Menschen mit seinen Bildern die Möglichkeit der unmittelbaren Erfahrung eines geistigen Ausdrucks oder einer geistigen Wirksamkeit vor Augen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Seele von Raffael ist eine prophetische Seele, die den Geist Christi verkündet. In den Bildern lebt der Ausdruck einer Liebe, die nicht von dieser Erde ist und die dennoch in einer Art Einheit oder vollkommenen Harmonie die Figuren, Tönungen und Kompositionen offenbart. […] Sie wirken auf das Herz erhebend und auf den ästhetischen Sinn befeuernd.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Über die Einheit von Körper, Seele und Geist&#039;&#039;. Verlag für Schriften von Heinz Grill, Geert de Neve, ISBN 3-9805742-2-9, S.&amp;amp;nbsp;220.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner beschreibt in einem Vortrag über &#039;&#039;Isis und Madonna&#039;&#039;, wie sich in dem Bild &#039;&#039;Sixtinische Madonna&#039;&#039; von Raffael dem Betrachter eine geistige Botschaft verkündet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So haben wir in der Sixtinischen Madonna vor uns ein Bild der menschlichen Seele, herausgeboren aus dem geistigen Universum; entsprungen aus dieser Seele das Höchste, was der Mensch hervorbringen kann, seine geistige Geburt, das, was in ihm ist, eine Wiedererzeugung der Schöpfertätigkeit der Welt. Versuchen wir einmal, in uns zur Empfindung zu erheben, was hellseherisches Bewußtsein tut.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Wo und wie findet man den Geist?&#039;&#039; GA 57. 2.,&amp;amp;nbsp;durchgesehene und verbesserte Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1984, ISBN 3-7274-0570-8, S.&amp;amp;nbsp;388. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_057.pdf#page=388&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Asana als Bewegungskunst ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Taube - Kapotasana.jpg|mini|Taube (Kapotasana)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Neue Yogawille ist ein künstlerisch-spiritueller Yogaweg, der von Heinz Grill gegründet wurde. Ein übergeordneter Gedanke wird erforscht, konzentriert und über die Asana ausgedrückt. Somit werden alle drei Yogadisziplinen, Bhakti-, [[Jnana-Yoga|Jnana]]- und Karmayoga (Trimarga) in die Umsetzung geführt. Die Asana ist nach diesem Ansatz keine rein energetische Körperübung, sondern wird zu einem künstlerischen Ausdruck einer universalen Gesetzmäßigkeit. Die Körperübung wird Bewegungskunst. Myriam Bayer beschreibt diesen Zusammenhang folgendermaßen: „Es handelt sich hierbei nicht um eine neue Stilform, sondern um eine neue Art des Umgehens mit der Übung. Nicht der eigene Nutzwert steht im Vordergrund, sondern die Möglichkeit, anhand der Yogaübung einer seelisch-geistigen Idee einen konkreten Ausdruck zu geben.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.gesundheit-selbstaktiv.de/152-2/ &#039;&#039;Über uns. Wer hinter der Ausstellung steht.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;gesundheit-selbstaktiv.de.&#039;&#039; Abgerufen am 4. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Kapotasana (Taube) drückt sich im Idealfall folgendes geistiges Sinnbild durch den Körper aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Yogaübung der Taube mag die Ästhetik aus der geeinten Verbindung von Geist und Materie in die Gegenwart bringen, und sie mag im Bilde der Ausführung zu einem Sinnbild der Einheit des Außerirdischen und des Irdischen werden.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Vergeistigung des Leibes&#039;&#039;. Verlag für Schriften von Heinz Grill, ISBN 3-9802935-9-9, S.&amp;amp;nbsp;162.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Präzises Hineinversetzen in andere Menschen oder in Geheimnisse der Weltenschöpfung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Rudolf Steiner war die Fähigkeit der Hingabe und liebenden Verehrung, Bhakti, auf eine gleichzeitig praktische wie höchste Stufe entwickelt. Dies zeigte sich in der Fähigkeit, dass er sich tief und präzise in das Wesen einer Sache oder von Menschen hineinversetzen konnte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Rudolf Steiner besaß diese Fähigkeit der Hingabe in einem umfassenden Maße, denn er konnte sich auf feinfühligste, tiefe und präzisierte Weise in die Geheimnisse der Weltenschöpfung und ganz besonders in andere Menschen sowie in wissenschaftliche Gebiete hineinversetzen. Die besondere Gabe, sich selbst zu überwinden und den Wesensurgrund einer anderen Person oder einer Seele, die im Nachtodlichen lebt, wesenhaft und scharfsinnig zu beobachten, entwickelte er auf eine höchste Stufe. Es ist dies eine unmittelbare und reine Form des Bhakti-Yoga. Sie wird für die Zukunft von Bedeutung sein.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: [https://heinz-grill.de/2024-entwicklung-seele-persoenlichkeit-mut/ &#039;&#039;Jahresausblick auf 2024 – Teil 5. Ein Entwicklungssprung in der Menschheit wird sich erstmals kundtun.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.&#039;&#039; Artikel vom 30. Dezember 2023, abgerufen am 3. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklungsgeschichte der Erde ist ein Beispiel für eine Forschung von Rudolf Steiner, die sich tief und präzise in ein Weltengeheimnis hineinversetzen kann. Die folgende Tafelzeichnung zu den planetarischen Weltentwicklungsstufen entstand anlässlich eines Vortrags im Sommer 1924:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Planetarischen_Weltentwicklungsstufen,_Rudolf_Steiner.jpg|zentriert|mini|360px|&amp;lt;center&amp;gt;&#039;&#039;Alter Saturn – Alte Sonne – Alter Mond – Erde &#039;&#039;Planetarische Weltentwicklungsstufen&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Tafelbild zeigt auf, dass die Erde verschiedene planetarische Zustände durchgemacht hat und der Mensch am Anfang aller Entwicklung steht. Rudolf Steiner arbeitete mit diesen Entwicklungsstufen die menschlich-kosmische Evolution heraus. Diese Evolution ist ein sehr komplexer Vorgang, der sich über die Zeit von Äonen hinweg vollzogen hat. Innerhalb dieser Entwicklung sonderten sich die Tiere, Pflanzen und das Mineralreich aus dem Menschen heraus. Der Mensch steht nun diesen Reichen einerseits gegenüber (die Schöpfung), trägt aber weiterhin die Kräfte aus diesen Reichen in seinen verschiedenen Leibern ([[a:Astralleib|Astralleib]], [[a:Ätherleib|Ätherleib]], physischer Leib).&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Schöpfung der Welt und des Menschen.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;354. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1999, ISBN 3-7274-3540-2. S.&amp;amp;nbsp;12–29. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_354.pdf#page=12&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Verkörperung von Liebeskraft ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Bhagawan Sri Sathya Sai Baba Darshan.jpg|mini|280px|Sathya Sai Baba]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus geistiger Forschung kommt Heinz Grill zu dem Ergebnis, dass [[Sathya Sai Baba]] eine Verkörperung von Liebeskraft gewesen ist. Die Begegnung mit ihm spendete dem Menschen in seiner Seele Initiation:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Seine Verkörperung ist Liebeskraft und diese ist für die Seele wahrnehmbar. Derjenige, der an einem Darshan teilnimmt, weiß von nun an in seiner Seele, dass er diese Liebe einmal im Laufe dieses Lebens oder auch in einem nächsten Leben verwirklichen möchte. Sathya Sai Baba initiiert durch seine Präsenz die uranfänglichen Keime zur Liebe und vom Augenblick der Begegnung an verändert sich der Schüler. Er weiß von nun an, dass es diese Liebe in einer Verkörperung gibt, und da es seine Seele weiß, will er diese auch einmal selbst erringen.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://heinz-grill.de/veraenderung-persoenlichkeit-durch-spirituelle-initiation/ &#039;&#039;Umfassende Veränderungen in der Persönlichkeitsstruktur durch Initiation.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.&#039;&#039; Artikel vom 1. August 2023, abgerufen am 5. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== In der Politik ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Mohandas. K. Gandhi. 61 1.jpg|mini|280px|[[a:Mahatma Gandhi|Mahatma Gandhi]] trifft 1931 in London ein, um sich mit Politikern, Künstlern und Studenten zu treffen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[a:Mahatma Gandhi|Mahatma Gandhi]] (1869–1948), indischer Rechtsanwalt sowie geistiger und politischer Anführer der indischen Unabhängigkeitsbewegung und [[Frieden#Die_Wandlung_des_Menschen_zum_Friedensstifter|Friedensstifter]], schreibt über die Konsequenz seiner Hingabe (&#039;&#039;bhakti)&#039;&#039; an die Wahrheit, dass sie ihn in das Feld der Politik geführt hat:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Um den allgemeinen und alles durchdringenden Geist der Wahrheit von Angesicht zu Angesicht zu schauen, muss man fähig sein, das geringste Geschöpf zu lieben wie sich selbst. Und jemand, der danach strebt, kann es sich nicht leisten, sich aus allen Bereichen weltlichen Lebens herauszuhalten. Deshalb hat meine Hingabe an die Wahrheit mich ins Feld der Politik getrieben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Mahatma Gandhi: &#039;&#039;Die Kraft des Geistes.&#039;&#039; Diogenes, S.&amp;amp;nbsp;43.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== In der Medizin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Medizin wurde [[Edward Bach]] mit der nach ihn benannten [[Bach-Blütentherapie]] bekannt. Er besaß die Gabe der geistigen Wesensschau zu den Heilpflanzen. Dadurch konnte er die inneliegenden Tugendkräfte der Blüten beschreiben und sie als Heilmittel für die Menschen verfügbar machen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Blütentherapie mit den englischen Heilmitteln schenkt die Erinnerung über die einmal erschaute Idee des Zusammenhanges von einer Blüte, die in der Natur und im Lichte wächst, zu der menschlichen Seeleneigenschaft. Die Menschen nehmen gerne die Heilmittel zu sich und nehmen nicht nur den potenzierten Blütenextrakt auf, sie nehmen auch die Seele ihres Begründers in einem feinsten Lichtwesen wahr. Die Blütentherapie trägt eine Liebe herab in die irdische Welt und sie ist durch ihren Begründer und seine geistige Intuition und Heilsfähigkeit besonders wirksam. Edward Bach schenkt bis heute noch der Menschheit einen Strom der Heilkraft.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Der Hüter der Schwelle und der Lebensauftrag. Der Weinstock&#039;&#039;. Reihe: Initiatorische Schulung in Arco, Band IV. 2.&amp;amp;nbsp;Auflage. Lammers-Koll-Verlag, 2009, ISBN 978-3935925693, S.&amp;amp;nbsp;104.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Srimad Bhagavatam (Bhagavata Purana) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;Bhagavata Purana&#039;&#039; ist ein populärer und einflussreicher Text innerhalb der Vaishnavismus-Tradition. Es behandelt Ishvara Pranidhana (die Verehrung eines persönlichen Gottes).&amp;lt;ref&amp;gt;Edwin F. Bryant: &#039;&#039;Bhakti Yoga: Tales and Teachings from the Bhagavata Purana.&#039;&#039; Farrar, Straus and Giroux, 2017, ISBN 978-0-374-71439-0, S. 1–7.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Sanskrit-Text stellt verschiedene Formen der Bhakti dar, insbesondere in Bezug auf Inkarnationen Vishnus, vor allem Narayana und Krishna. Laut Edwin Bryant und anderen Gelehrten&amp;lt;ref&amp;gt;Knut A. Jacobsen (Hrsg.): &#039;&#039;[https://books.google.de/books?id=jPK2spNnwm4C&amp;amp;pg=PA36&amp;amp;redir_esc=y#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false Theory and Practice of Yoga. Essays in Honour of Gerald James Larson.]&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 2008, ISBN 978-81-208-3232-9, S.&amp;amp;nbsp;36–44.&amp;lt;/ref&amp;gt; ist das in diesem Text gelehrte Bhakti-Yoga von den Yoga Sutras des Patanjali sowie der Bhagavad Gita inspiriert und konzentriert sich auf „die höchsten Wahrheiten des individuellen Selbst und seine liebevolle Beziehung zu einem persönlichen Gott“. Die Darstellung im &#039;&#039;Bhagavata Purana&#039;&#039; erfolgt nicht abstrakt, sondern durch „bezaubernde und fesselnde Geschichten, die Herz und Verstand berühren“, das Ziel des Bhakti-Yoga, so Bryant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Uddhava Gita, das elfte Buch des Bhagavata Purana, behandelt Bhakti in einem Dialog zwischen Krishna und seinem Verehrer Uddhava. Dieser Text hebt die reine Hingabe und Bhakti hervor, die die [[w:Gopi (Mythologie)|Gopis]] von Vrindavan für Krishna empfanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Steven Rosen: &#039;&#039;Krishna&#039;s Other Song&#039;&#039;. ABC-Clio, Santa Barbara, Kalifornien 2010, ISBN 978-0-313-38326-7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Radha- Krishna, Kalighat Painting.jpg|mini|Krishna und Radha (Kalighat-Gemälde)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hinduismus unterscheidet in seinen Schriften, wie beispielsweise in der Bhagavad Gita (Kapitel 7), vier Arten von Praktizierenden des Bhakti-Yoga:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Manche praktizieren Bhakti-Yoga, weil sie unter Druck stehen, von Ängsten oder ihren Lebensumständen belastet sind und darin eine Form der Erleichterung sehen. Die zweite Gruppe praktiziert Bhakti-Yoga, um aus Neugier und intellektuellem Interesse mehr über Gott zu erfahren. Die dritte Gruppe sucht durch Bhakti-Yoga Belohnungen im Diesseits oder im Jenseits. Die vierte Gruppe besteht aus jenen, die Gott aus reiner Liebe lieben und nichts anderes kennen und suchen als diese Erfahrung der Liebesvereinigung.&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy: Sanskrit Terms Defined in English&#039;&#039;. State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;84.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Varghese Malpan: &#039;&#039;A Comparative Study of the Bhagavad-gītā and the Spiritual Exercises of Saint Ignatius of Loyola on the Process of Spiritual Liberation.&#039;&#039; 1992, ISBN 978-88-7652-648-0, S.&amp;amp;nbsp;147–152.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut diesen hinduistischen Texten ist die höchste spirituelle Stufe die vierte: jene, die sich aufgrund ihrer Liebeserkenntnis hingegeben haben. Die Bhagavad Gita besagt, dass alle vier Arten von Bhakti-Yogis edel sind, da ihr Streben nach Bhakti-Yoga früher oder später den Weg zur Spiritualität einleitet, sie von Negativität und schlechtem Karma fernhält und eine spirituelle Transformation hin zum Ziel des Bhakti-Yoga bewirkt: „Gott als das Wesen in sich selbst zu erkennen und das wahre Selbst stets mit Gott zu verbinden.“&amp;lt;ref&amp;gt;Christopher Key Chapple (Hrsg.): &#039;&#039;The Bhagavad Gita. Twenty-fifth–Anniversary Edition.&#039;&#039; State University of New York Press, 2009, ISBN 978-1-4384-2842-0, S.&amp;amp;nbsp;332–347.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den wichtigsten Traditionen gehören die Shaivas, die den Gott Shiva verehren, die Vaishnavas, die den Gott Vishnu (oder seine Avatare wie Krishna und Rama) verehren und die Shaktas, die die Göttin Shakti (oder ihre Avatare wie [[w:Durga|Durga]], [[w:Kali (Göttin)|Kali]], [[w:Lakshmi|Lakshmi]] und [[w:Parvati|Parvati]]) verehren. Sie alle werden als Manifestationen oder Aspekte derselben metaphysischen Realität betrachtet, die im Hinduismus [[w:Brahman (Philosophie)|Brahman]] genannt wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: &#039;&#039;Yoga, Karma und Wiedergeburt: Eine kurze Geschichte und Philosophie&#039;&#039;. Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14484-1, S.&amp;amp;nbsp;148–156.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Panchayatana Puja ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Panchayatana Puja ist eine Form der Bhakti, die in der Smarta-Tradition des Hinduismus beheimatet ist. Sie besteht aus der gleichzeitigen Verehrung mehrerer Gottheiten: Shiva, Vishnu, Shakti, Surya und einer Ishta Devata wie Ganesha oder Skanda oder einer anderen persönlichen Gottheit nach Wahl des Verehrers. &amp;lt;ref&amp;gt;Diana L. Eck: &#039;&#039;Darśan. Seeing the Divine Image in India.&#039;&#039; Columbia University Press, 1998, ISBN 978-0-231-11265-9, S.&amp;amp;nbsp;49.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Philosophisch betont die Smarta-Tradition, dass alle Bilder (Murtis) Ikonen des &#039;&#039;Saguna Brahman&#039;&#039; sind, ein Mittel, um über die abstrakte höchste Wirklichkeit, das &#039;&#039;Nirguna Brahman&#039;&#039; nachzudenken. Die fünf oder sechs Ikonen werden von den Smartas als vielfältige Darstellungen des einen &#039;&#039;Saguna Brahman&#039;&#039; (d.&amp;amp;nbsp;h. eines persönlichen Gottes mit Form) und nicht als eigenständige Wesen betrachtet. Das höchste Ziel dieser Praxis ist es, die Verwendung von Ikonen hinter sich zu lassen und einen philosophischen und meditativen Weg zu beschreiten, um die Einheit von [[a:Atman|Atman]] (Seele, Selbst) und Brahman – als „Das bist Du“ ([[Tat Tvam Asi|Tat tvam asi]]) – zu verstehen. &amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://web.archive.org/web/20170726075754/http://www.himalayanacademy.com/readlearn/basics/four-sects The Four Denominations of Hinduism.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Kauai’s Hindu Monastery.&#039;&#039;Archivlink, abgerufen am 12. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Saiva Siddhanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[wen:Shaiva Siddhanta|Śaivasiddhānta]]-Tradition bevorzugt Bhakti-Yoga und betont die liebevolle Hingabe an Shiva. Ihre Theologie stellt drei universelle Realitäten dar: die &#039;&#039;Pashu&#039;&#039; (individuelle Seele), den &#039;&#039;Pati&#039;&#039; (Herrn, Shiva) und die &#039;&#039;Pasha&#039;&#039; (Seelenbindung) durch Unwissenheit, [[a:Karma|Karma]] und [[a:Maya (Religion)|Maya]]. Die Tradition lehrt ethisches Leben, Dienst an der Gemeinschaft und durch die eigene Arbeit, liebevolle Verehrung, Yoga-Praxis und &amp;amp;#8209;Disziplin, kontinuierliches Lernen und Selbsterkenntnis als Mittel zur Befreiung der individuellen Seele von der Bindung. &amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/Shaiva-siddhanta &#039;&#039;Shaiva Siddhanta.&#039;&#039;] Encyclopedia Britannica, 2014.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die historische Shaiva-Siddhanta-Literatur umfasst einen umfangreichen Textkorpus. Die Shaiva-Siddhanta-Praktiken konzentrierten sich auf abstrakte spirituelle Vorstellungen, die Verehrung und liebevolle Hingabe an Shiva als SadaShiva und lehrten die Autorität der Veden und Shaiva-Agamas.&amp;lt;ref&amp;gt;Rohan A. Dunuwila: &#039;&#039;Śaiva Siddhānta Theology: A Context for Hindu-Christian Dialogue&#039;&#039;. Motilal Banarsidass, 1985, ISBN 978-0-89581-675-7, S.&amp;amp;nbsp;29–30, 66–73.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shakti Bhakti ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Durga Mahisasuramardini.JPG|mini|Göttin Durga im Kampf gegen Mahishasura, den Büffel-Dämon]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verehrung der Göttin ist eine weitere bedeutende Tradition des Shaktismus. Die Theologie der Einheit von „der göttlichen Göttin und dem Verehrer“, ihrer ewigen, furchtlosen Liebe zueinander, ist ein zentrales Thema der &#039;&#039;Devi Gita&#039;&#039;, eines Textes innerhalb des &#039;&#039;Devi-Bhagavata Purana.&#039;&#039; Die spezifischen Bhakti-Yoga-Praktiken der Shakta ähneln denen anderer hinduistischer Traditionen.&amp;lt;ref&amp;gt;C. Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devī Gītā. The Song of the Goddess. A Translation, Annotation, and Commentary&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-9773-9, S.&amp;amp;nbsp;208–210.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Shakta-Verehrung ist in den östlichen Bundesstaaten Indiens, insbesondere in Westbengalen, weit verbreitet. Die verehrten Gottheiten variieren und umfassen laut June McDaniel Durga, Tara Ma (buddhistischer Einfluss), Kali und in geringerem Maße Saraswati, Lakshmi und Bharat Mata (Erdgöttin).&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;[https://books.google.de/books?id=caeJpIj9SdkC&amp;amp;pg=PA11&amp;amp;redir_esc=y#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false Offering Flowers, Feeding Skulls. Popular Goddess Worship in West Bengal.]&#039;&#039; Oxford University Press, 2004, ISBN 978-0-19-534713-5, S.&amp;amp;nbsp;11–13, 209–221, 265–266.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnava Bhakti ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bhakti-Yoga-Tradition ist historisch eng mit dem Vishnuismus verbunden. Der persönliche Gott ist hier Vishnu oder einer seiner Avatare. In vielen Regionen gilt die liebevolle Verehrung entweder Vishnu und Lakshmi (Gott und Göttin) gemeinsam oder Lakshmi, die als Shakti Vishnus gilt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sabapathy Kulandran: [https://books.google.de/books?id=pujRGufjKBAC&amp;amp;pg=PA174&amp;amp;redir_esc=y#v=onepage&amp;amp;q&amp;amp;f=false &#039;&#039;Grace in Christianity and Hinduism.&#039;&#039;] James Clarke &amp;amp; Co, 2004, ISBN 978-0-227-17236-0, S.&amp;amp;nbsp;174–177.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der jeweilige &#039;&#039;Avatar&#039;&#039; variiert je nach Anhänger und Region, am häufigsten werden jedoch Krishna und Rama verehrt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;The Role of Yoga in Some Bengali Bhakti Traditions: Shaktism, Gaudiya Vaisnavism, Baul, and Sahajiya Dharma.&#039;&#039; Journal of Hindu Studies, Band 5, Ausgabe 1, 2012, S.&amp;amp;nbsp;53–74.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Chaitanya Mahaprabhu ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Krishna-orientierten Traditionen des Vaishnavismus interpretiert das &#039;&#039;Chaitanya Charitamrita&#039;&#039; von Krishnadasa Kaviraja den Abschnitt 7.5.23-24 des &#039;&#039;Bhagavata Purana&#039;&#039; als Lehre von neun Arten der &#039;&#039;Bhakti-&#039;&#039;Sadhana, in den Worten Prahladas. David Haberman übersetzt sie wie folgt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;śravaṇa&#039;&#039; (Hören der heiligen Schriften über Krishna und seine Gefährten)&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;kīrtana&#039;&#039; (Lobpreisung; bezieht sich üblicherweise auf ekstatischen Gruppengesang)&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;smaraṇa&#039;&#039; (Erinnerung oder Ausrichtung des Geistes auf Vishnu)&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;pāda-sevana&#039;&#039; (Dienst)&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;arcana&#039;&#039; (Verehrung eines Bildes)&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;vandana&#039;&#039; (Huldigung)&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;dāsya&#039;&#039; (Dienen)&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;sākhya&#039;&#039; (Freundschaft)&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;ātma-nivedana&#039;&#039; (vollständige Hingabe des Selbst)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese neun Prinzipien des hingebungsvollen Dienstes wurden von Rupa Goswami in Verbindung mit Chaitanya Mahaprabhu als integraler Bestandteil der auf Krishna ausgerichteten spirituellen Praxis aufgenommen. Die Gopis praktizierten diese Formen der Bhakti, als sie von Krishna getrennt waren.&amp;lt;ref&amp;gt;David L. Habermann: &#039;&#039;Acting as a Way of Salvation.&#039;&#039; Motilal Banarsidass. 2001, ISBN 978-81-208-1794-4, S.&amp;amp;nbsp;133–134.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rupa Goswami und Jiva Goswami haben bedeutende Kommentare zu Bhakti verfasst.&amp;lt;ref&amp;gt;Edwin F. Bryant: &#039;&#039;Bhakti Yoga. Tales and Teachings from the Bhagavata Purana.&#039;&#039; Farrar, Straus and Giroux, 2017, ISBN 978-0-374-71439-0, S.&amp;amp;nbsp;1–7.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Werk &#039;&#039;Bhakti Sandarbha&#039;&#039; analysiert [[wen:Jiva Goswami|Jiva Goswami]] Bhakti-Yoga, indem er zwischen Vaidhi-Bhakti und Raganuga-Bhakti unterscheidet. Vaidhi-Bhakti stellt eine geregelte Form der Hingabe dar, die durch die Befolgung der Schriften und traditioneller Praktiken geprägt ist. Raganuga-Bhakti hingegen repräsentiert eine außergewöhnlichere Form der Hingabe, die spontan aus einer natürlichen, angeborenen Anziehung zu &#039;&#039;Ishvara&#039;&#039; (Gott) entsteht, ohne auf formalisierte Praktiken zurückzugreifen. Mit ihrer ausschließlichen Ausrichtung auf &#039;&#039;Ishvara&#039;&#039; verkörpert Raganuga-Bhakti die höchste Stufe der yogischen Verwirklichung im Gaudiya-Vaishnavismus .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bedeutende spätere Heilige wie Bhaktisiddhanta Sarasvati und Jagadguru Kripalu Ji Maharaj bekräftigten die Kerninhalte des Raganuga-Bhakti und dessen Nutzen für die Gotteserkenntnis. Dies steht im Gegensatz zu anderen Yogawegen, wie dem von Patanjali beschriebenen, in denen weltliche Begierden als Hindernisse betrachtet werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Edwin F. Bryant: &#039;&#039;Bhakti Yoga: Tales and Teachings from the Bhagavata Purana.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;8–9.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Jagadguru Kripalu Ji Maharaj ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jagadguru Kripalu Bhaktiyog Tattvadarshan, die Essenz der spirituellen Philosophie von Jagadguru Shri Kripalu Ji Maharaj, besagt, dass das höchste Ziel jedes Lebewesens das Erreichen unendlicher göttlicher Glückseligkeit ist, die ausschließlich in Gott zu finden ist. Materielles Glück ist lediglich vorübergehend und führt unweigerlich zu Leid.&amp;lt;ref&amp;gt;Zainab Khanam: [https://news24online.com/information/jagadguru-kripalu-bhaktiyoga-tattvadarshan-the-practical-path-to-divine-bliss/579692/ &#039;&#039;Jagadguru Kripalu Bhaktiyoga Tattvadarshan: The Practical Path To Divine Bliss.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;News24.&#039;&#039; Abgerufen am 12.&amp;amp;nbsp;Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Seele, als ewiger Teil Gottes, strebt von Natur aus nach dieser Glückseligkeit. Um dieses höchste Ziel zu erreichen, bedarf es Gottes Gnade, die durch vollkommene Hingabe (Sharanagati) empfangen wird. Diese Hingabe beinhaltet vor allem die Überwindung des Geistes und erfordert die Loslösung von der materiellen Welt, die durch das Verständnis ihrer vergänglichen und illusorischen Natur erlangt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Prem Ras Siddhant&#039;&#039; erklärt er, dass neben den Wegen des Handelns (Karma) und des Wissens (Gyan) die Hingabe (Bhakti) das Wesentliche und der direkteste Weg zu Gott sei. Laut den Heiligen der Bhakti-Bewegung wird Bhakti als selbstlose Liebe zu Gott beschrieben und verleiht automatisch göttliches Wissen und Losgelöstheit.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.bhaskarhindi.com/dharm/vijaya-ekadashi-2026-upay-aasan-upayo-se-jiwan-ke-kasht-door-honge-1251690 &#039;&#039;मेरा 40 वर्षों का सफर: जिज्ञासा से भक्ति तक | My journey of 40 years: from curiosity to devotion.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;bhaskarhindi.com.&#039;&#039; Abgerufen am 12. Februar 2026 (Hindi).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Praktische Hingabe beinhaltet die ausschließliche, liebevolle Erinnerung an Gottes göttliche Gestalt, Namen und Spiele (Roopdhyan-Meditation), die oft neben der Ausübung weltlicher Pflichten (Karmayoga) praktiziert wird. &amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.bhaskarhindi.com/lifestyle/valentine-day-valentine-day-2026-how-to-celebrate-valentine-day-being-single-single-selflove-1251695 &#039;&#039;रूपध्यान: जानें मेडिटेशन का सबसे असरदार तरीका | Roopdhyan: Learn the most effective method of meditation.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;bhaskarhindi.com.&#039;&#039; Abgerufen am 12. Februar 2026 (Hindi).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Führung durch einen authentischen Heiligen (Guru) ist entscheidend für den spirituellen Weg, und die sorgfältige Vermeidung schlechter Gesellschaft (Kusanga) ist von größter Bedeutung, um spirituellen Niedergang zu verhindern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Meher Baba ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Baba-in-Kamli-coat-and-white-scarf-Ahmednagar-1926.jpg|mini|Meher Baba (Indien 1926)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine von [[w:Meher Baba|Meher Baba]] angeführte Bewegung erklärt: „Von den zahlreichen Praktiken, die zum höchsten Ziel der Menschheit – der Gotteserkenntnis – führen, ist Bhakti-Yoga eine der wichtigsten. Fast die gesamte Menschheit beschäftigt sich mit Bhakti-Yoga, was, einfach ausgedrückt, die Kunst der Verehrung bedeutet. Doch muss es in all seinen wahren Aspekten verstanden werden und nicht nur in dem engen und oberflächlichen Sinne, in dem der Begriff gemeinhin verwendet und interpretiert wird. Die tiefe Verehrung, die auf den hohen Idealen der Philosophie und Spiritualität beruht und von göttlicher Liebe getragen wird, stellt zweifellos wahres Bhakti-Yoga dar.“&amp;lt;ref&amp;gt;Meher Baba: &#039;&#039;The Path of Love.&#039;&#039; Sheriar Press, 2000, S.&amp;amp;nbsp;57–58.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Pashayan stimmt dem zu und sagt, dass man Bhakti-Yogis auf der Yogamatte, beim Pizzaausliefern, in der Wissenschaft sowie in Politik und internationalen Beziehungen findet. Wo man es am wenigsten erwartet, ist ein Bhakti-Yogi anwesend, mit dem man Gemeinsamkeiten finden und produktive Lösungen für die drängenden Probleme unserer Zeit entwickeln kann.&amp;lt;ref&amp;gt;A. R. Pashayan: &#039;&#039;Stories of a Bhakti Yogi.&#039;&#039; 2014, ISBN 978-1625635075.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Swami Sivananda und die 9 Stufen der Bhakti ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Sivananda|Swami Sivananda Saraswati]] (1887–1963), indischer Arzt, Yogin und spiritueller Meister, beschreibt zur Verwirklichung von Bhakti einen 9-Stufen-Weg, der Stufe für Stufe gegangen und bis zum sogenannten „lebenden Befreiten“ führt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Satsang, [[Svadhyaya]]&lt;br /&gt;
# Bewunderung&lt;br /&gt;
# Shraddha (Glaube)&lt;br /&gt;
# Hingabe (Sadhana Bhakti)&lt;br /&gt;
# Nishtha (Frömmigkeit)&lt;br /&gt;
# Ruchi (Geschmack)&lt;br /&gt;
# Rati (starke Bindung)&lt;br /&gt;
# Sthayi Bhava (Beständigkeit)&lt;br /&gt;
# Maha Bhava (Prem Maya)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Satsang und Svadhyaya (Studium spiritueller Schriften) entsteht Bewunderung für Gott. Aus Bewunderung entsteht Shraddha (Glaube), aus Shraddha entsteht Hingabe an Gott. Dann praktiziert der Bhakta Sadhana Bhakti, wie Japa, Smarana und Kirtan. Durch diese Praxis vernichtet er seine Sünden und überwindet Hindernisse, um Hingabe zu erlangen. Durch Sadhana Bhakti entwickelt der Bhakta sich Nishtha (Frömmigkeit), aus Nishtha entsteht Ruchi, Liebe zum Hören und Singen der Namen Gottes zu Seiner Herrlichkeit. Darauf folgt Rati (starke Bindung zu Gott). Rati erweicht das Herz. Wenn sich Rati verstärkt, wird sie Sthayi Bhava genannt (Beständigkeit oder permanente Form von Bhakti Rasa). Wenn sich Sthayi Bhava verstärkt, wird er Maha Bhava oder Prema Maya genannt. Nun trinkt der Bhakta den Prema Rasa und weilt in Gott. Für solch einen Bhakta sind die Welt und ihre Attraktionen gestorben. Er kümmert sich auch nicht um die Aktivitäten seines Körpers. Er hat den Zustand eines Jivanmukti erreicht, eines lebend Befreiten.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Bhakti und Sankirtan.&#039;&#039; The Divine Life Society, 2007.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Bhakti-Yoga entwickelt sich eine innigliche seelische Beziehung zum gewählten Objekt. Die Vereinzelung und Abspaltung zum Leben und zu den Mitmenschen, die viele Menschen gerade in unserer modernen Zeit erleben, wird mit der Beziehungsentwicklung durch ausdauernde Hinwendung (Hingabe) zum Objekt überwunden. Die entstehende Einheit und sich daraus eröffnende objektive Erkenntnis der Sache selbst ist eine Notwendigkeit, damit ein erneuernder, schöpferischer Prozess durch den Menschen für die Kultur entstehen kann. Der geeinte Mensch steht und wirkt als authentische Persönlichkeit im sozialen und allgemeinen äußeren Leben. Für Bhakti-Yoga können uns deshalb als Vorbilder heilige Personen, spirituelle Lehrer, große Künstler, Wissenschaftler und große Persönlichkeiten dienen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti]]&lt;br /&gt;
* [[Jnana-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Freiheit]]&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie: Yoga]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe.&#039;&#039; Rudolf Steiner Verlag, ISBN 3-7274-6260-4.&lt;br /&gt;
* Sri Aurobindo: &#039;&#039;Essays über die Gita.&#039;&#039; Verlag Hinder + Deelmann, ISBN 3-87348-153-7.&lt;br /&gt;
* Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, ISBN 978-3-948803-18-6.&lt;br /&gt;
* Swami Vivekananda: &#039;&#039;Bhakti-Yoga. Der Pfad der Liebe.&#039;&#039; Phänomen-Verlag 2009, ISBN 3-933321-59-X.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Bhakti yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Swami_Sivananda&amp;diff=13591</id>
		<title>Swami Sivananda</title>
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		<updated>2026-05-02T06:17:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Wirken */ Interne Verlinkungen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Swami Shivananda Liebe.jpg|mini|330px|Swami Sivananda (1887–1963)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Swami Sivananda Saraswati&#039;&#039;&#039; ([[w:International Alphabet of Sanskrit Transliteration|IAST]] &#039;&#039;Svāmī Śivānanda Sarasvatī&#039;&#039;; *&amp;amp;nbsp;8. September 1887 in Pattamadai, Tamil Nadu; † 14. Juli 1963 in Rishikesh, Indien), bürgerlicher Name &#039;&#039;Kuppuswami&#039;&#039;, war ein bekannter indischer Arzt, Yogin und spiritueller Meister. [[w:Swami|Swami]] ist ein hinduistischer Ehrentitel, der von Mönchen und Nonnen getragen wird und bedeutet „Meister“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute offenbart die geistige Person Sivananda eine sogenannte gute Art der Substanz&amp;amp;shy;kraft, der Urbildekraft. Seine Seele wirkt auf die gesundwerdende Substanz des Nervensystems, und möchte gleichzeitig den Menschen zu einem wahren Selbstwerdeprozess führen und dazu die nötigen Möglichkeiten aufzeigen und eröffnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Leben ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sivananda entstammte ursprünglich einer orthodoxen [[a:Brahmane|Brahmanenfamilie]]. Er besuchte das Medical College in Thanjavur. Nach jahrelanger Tätigkeit als Arzt in Malaya (Malaysia) widmete er sein Leben dem [[a:Yoga|Yoga]] und dessen Verbreitung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sivananda hatte in Malaysia mehrere Religionen kennengelernt, z.&amp;amp;nbsp;B. das Christentum, den Islam und den [[w:Buddhismus in China|chinesischen Buddhismus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1923 verließ er Malaysia, um eine ausgedehnte Pilgerreise in Indien zu unternehmen. Nach einem Aufenthalt in Varanasi brach er nach [[w:Rishikesh|Rishikesh]] auf, wo er seinen Guru Vishwananda Saraswati traf. Durch diesen erhielt Sivananda seine Initiation als [[w:Sannyasin|Sannyasin]] in den hinduistischen Orden und ebenso seinen monastischen Namen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wirken ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1936 gründete er den Sivananda-[[a:Ashram|Ashram]] in Rishikesh, die sogenannte [[y:Divine Life Society|Divine Life Society]]. 1948 rief er außerdem die „Yoga Vedanta Forest Academy“ ins Leben. In über 200 Büchern beschäftigte er sich mit den Lehren des Hinduismus, des Yoga und des [[a:Vedanta|Vedanta]]. Seine Lehren beziehen sich hauptsächlich auf Yoga und den [[a:Devotion|devotionalen]] Hinduismus, allerdings liegt ihnen der Gedanke der Einheit aller Religionen zugrunde. So verfasste er auch das &#039;&#039;universelle&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.sivananda.eu/de/meditation/die-vier-yogapfade/das-universelle-gebet.html &#039;&#039;Universelles Gebet.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Sivananda Yoga Europe.&#039;&#039; Abgerufen am 27. Juli 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; bzw. &#039;&#039;allumfassende Gebet,&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Karl Elberg: &#039;&#039;Swami Sivananda – Von einem, der auszog, das Glück zu verschenken&#039;&#039;, 2. Auflage. ISBN 3-935925-76-X, S.&amp;amp;nbsp;169.&amp;lt;/ref&amp;gt; das die in seiner Tradition Praktizierenden regelmäßig, vor allem beim [[a:Satsang|Satsang]], rezitieren.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/sivananda/goetter-und-goettinnen/15-gebete-des-sivananda-ashrams/ &#039;&#039;Gebete des Sivananda-Ashram.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;yoga-vidya.de&#039;&#039;. Abgerufen am 27. Juli 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sivananda lehrte den „Yoga der Synthese“, der die Heilswege [[a:Hatha Yoga|Hatha-Yoga]], [[a:Raja Yoga|Raja-Yoga]], [[Jnana-Yoga]], [[a:Karma-Yoga|Karma-Yoga]] und [[Bhakti-Yoga]] vereint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schüler ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Swami Chinmayananda on his day of Sannyas initiation, with Guru Swami Sivananda and other disciples, Feb 25, 1949, Maha Shivratri Day.jpg|mini|400px|Sivananda (Mitte) mit Schülern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu seinen Schülern zählen Krishnananda, [[w:Swami Chidananda|Chidananda]], Venkatesananda, [[w:Omkarananda|Omkarananda]], [[w:Satyananda|Satyananda]] und [[Swami Vishnudevananda|Vishnudevananda]]. Zu den europäischen Schülern Sivanandas, die durch eigene Schriften den Yoga in Europa zu verbreiten halfen, gehörten [[w:André van Lysebeth|André van Lysebeth]], [[w:Boris Sacharow|Boris Sacharow]] und die nach Kanada emigrierte Deutsche Sivananda Radha.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Schüler Vishnudevananda zählt zu den Pionieren des Yogas im [[Himmelsrichtungen|Westen]]. Die Internationalen Sivananda Yoga Vedanta Zentren wurden von Vishnudevananda in Kanada gegründet und nach Sivananda benannt. Im deutschsprachigen Raum gründete Vishnudevananda Yogazentren in Wien (1972), München (1974) und Berlin (1991). Der Begriff Sivananda bzw. [[w:Sivananda Yoga|Sivananda Yoga]] ist heute von den Internationalen Sivananda Yoga Vedanta Zentren als Wortmarke geschützt.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://register.dpma.de/DPMAregister/marke/registerHABM?AKZ=000194720&amp;amp;CURSOR=0 DPMAregister Marken – Auskunft zu einer Unionsmarke.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;register.dpma.de.&#039;&#039; Abgerufen am 27. Juli 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Zentren agieren unabhängig von der von Sivananda gegründeten Organisation Divine Life Society.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rezension und Zitate ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat| Das Leben des großen [[a:Rishi|Rishi]] Swami Sivananda ist ein vollkommenes Beispiel selbstlosen Handelns. Er segnet Indien und die Welt auch weiterhin durch seine Gegenwart.| [[a:Yogananda|Paramahansa Yogananda]]&amp;lt;ref&amp;gt;siehe [https://wiki.yoga-vidya.de/Sivananda#Mahasamadhi Zitat von Yogananda.] Abgerufen am 27. Juli 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat| Für den westlichen Menschen ist der Mensch bloß ein physisches Geschöpf, das mit einem Geist versehen ist und über eine Seele verfügt. Für den Hindu ist der Mensch im wesentlichen eine Seele, die sich durch Geist ausdrückt und als Gegenstück einen Körper hat, um auf der physischen Ebene funktionieren zu können.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Mensch ist eine Seele mit einem Körper. Der Mensch ist im wesentlichen ein spirituelles Wesen. Der Mensch lebt, weil er vom Wesen her eine Seele und einen Geist hat. Das innerste Wesen des Menschen ist Atman, der Göttliche Geist. Die wahre Natur des Menschen ist Gott. Der physische Körper und der Verstand hängen von der Seele im Inneren ab, von der der Mensch wenig oder nichts weiß. Wenn der Mensch den Geist erkennt, erlangt er Sicherheit, Gewißheit, Vollkommenheit, [[Freiheit]], Unabhängigkeit, Unsterblichkeit und ewige [[Anandoham|Wonne]].| Swami Sivananda&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Körper, Geist und Seele.&#039;&#039; In: &#039;&#039;Göttliche Erkenntnis. Mensch.&#039;&#039; ([https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/sivananda/goettliche-erkenntnis/mensch/ Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat| Jeder deiner Gedanken hat auf jede erdenkliche Weise einen tatsächlichen Wert für dich. Die Kraft deines Körpers, die Kraft deines Geistes, dein Erfolg im Leben und die Freude, die deine Gesellschaft anderen bereitet - alles hängt von der Natur und Eigenschaft deiner Gedanken ab. Du mußt wissen, wie Du mit den Gedanken umgehen mußt. Der Umgang mit den Gedanken ist eine exakte Wissenschaft.| Swami Sivananda&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Der Gedanke formt den Charakter.&#039;&#039; In: &#039;&#039;Göttliche Erkenntnis. Gedanke.&#039;&#039; ([https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/sivananda/goettliche-erkenntnis/gedanke/#c113449 Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat| [[Svadhyaya]] ist das Studium von Schriften wie Bhagavad Gita, Upanishaden, Ramayana, Bhagavata, usw. Das Studium muß konzentriert sein. Das Gelesene muß verstanden werden, und man muß versuchen, alles Gelernte im täglichen Leben anzuwenden. Das Studium ist nutzlos, wenn man sich nicht die Mühe macht, nach den Lehren der Schriften zu leben. Svadhyaya schließt auch Japa ein, die Wiederholung des Mantras. Ständiges Studium und die Anwendung im täglichen Leben führen den Menschen zur Verbindung mit Gott.| Swami Sivananda&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Was ist Svadhyaya.&#039;&#039; In: &#039;&#039;Göttliche Erkenntnis. Svadhyaya.&#039;&#039; ([https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/sivananda/goettliche-erkenntnis/svadhyaya/ Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{#ev:youtube|3F3ZxDC6Lho|530x310|center|Video mit Fotos, originalen Filmaufnahmen und Vortrag von Swami Sivananda (englisch).}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Über die Seele von Sivananda ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der überraschenden Aussage, dass Sivananda ein Yogin gewesen sei, der „Gott sei Dank an seinen eigenen Yoga nicht geglaubt“ habe, leitet [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] seine Betrachtung über die nachtodliche Wirkung der Seele von Sivananda ein. Obwohl er Yoga lehrte, blieb er frei vom Yoga:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Krishnananda and Sivananda 1945 (Ausschnitt).jpg|mini|„Für ihn war bereits ein Freiheits-zustand im Leben möglich, der sich dann auch im Nachtodlichen in überdeutlicher Weise zeigte.“&amp;lt;br /&amp;gt;(Heinz Grill)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Man kann sagen, dass er [Sivananda] den Yoga lehrte, aber gleichzeitig das Gefühl initiierte, dass man frei vom Yoga bleiben sollte. Śivānanda bekräftigte zu jeder Yogaart, sei es &#039;&#039;[[Bhakti-Yoga|bhakti]]&#039;&#039;-, &#039;&#039;[[Jnana-Yoga|jñāna]]&#039;&#039;- oder &#039;&#039;karma&#039;&#039;-Yoga, sei es Patanjali oder eine strenge &#039;&#039;sādhanā&#039;&#039;-Disziplin, sie sei die Beste und wer sie praktiziert, der erreiche Selbstverwirklichung. Man könnte fast meinen, dass Śivānanda hinter jeder dieser Aussagen ein heimliches Lächeln verbergen musste. Zutiefst wusste Śivānanda bereits schon zu seinen Lebzeiten, dass es eigentlich gar keinen Sinn habe, sich lange mit diesem irdischen Leben und Körper zu plagen, sondern dass es viel mehr Sinn erfülle, diese höchsten Seinsprinzipien zu erforschen und das Leben ganz in einen Dienst des Gesamten zu stellen. Er litt ebenfalls wie [[Swami Vishnudevananda‏‎|Vishnu Devananda]] sehr viel und doch wusste er um die Geheimnisse des Leidens und die Relativität dieser vielen Begriffe, Übungen, Rituale und Mühen. Er kannte auch die verschiedenen Gesetzmäßig&amp;amp;shy;keiten und dennoch reichte naturgemäß auch wieder dieses Leben nicht aus, damit es tatsächlich die wirklichen Wahrheiten, die Sivanānda in der Seele schon erfühlte, zum Ausdruck brachte. Die Traditionen des Yoga gaben selbst nicht die ausreichenden Begriffe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Die Seele von Śivānanda, nachdem sie sich vom irdischen Leben verabschiedet hatte, ging nicht lange durch die Seelenwelten, sondern ging unmittelbar in die geistigen Welten hinein. Sie legte den [[a:Geistselbst|&#039;&#039;manas&#039;&#039;]]-Leib ab und konnte somit einen &#039;&#039;[[a:Nirmanakaya|nirmāṇakāya]]&#039;&#039; für die ganze Welt des &#039;&#039;[[a:Akasha|ākāśa]]&#039;&#039; hinterlassen. Für ihn war bereits ein [[Freiheit|Freiheitszustand]] im Leben möglich, der sich dann auch im Nachtodlichen in überdeutlicher Weise zeigte. Heute offenbart die geistige Person Śivānanda eine sogenannte gute Art der Substanzkraft, der Urbildekraft. So wirkt diese Seele heute und schon seit einiger Zeit auf die gesundwerdende Substanz des Nervensystems. Gleichzeitig will diese Seele den Menschen mehr zu einem wahren Selbstwerdeprozess führen und dazu die nötigen Möglichkeiten aufzeigen und eröffnen. Wer sich also wirklich diesem Geiste hinwendet und ihn erforscht, der wird bemerken, dass es gar nicht so sehr vordergründig um die kleinliche, eng auf den Körper bezogene und sehr autoritätsgehorsame Dienstleistung des Ego im Leben geht, sondern dass es sich um eine unmittelbare, klare Gedanken-, Gefühls- und Willenserkraftung handelt, die nur der Mensch selbst, mutig aus sich selbst oder aus seiner unerschrockenen Klarheit heraus entwickeln kann.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Der Yoga und das Reich der Verstorbenen. Einige maßgebliche Inkarnationen des Yoga und ihr Weiterwirken nach dem Tode.&#039;&#039; 2. Auflage. Lammers-Koll-Verlag, 2017, ISBN 978-3-941995-93-2, S.&amp;amp;nbsp;14–15.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Werke (Auswahl) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Die Kraft der Gedanken.&#039;&#039; Mangalam Books, ISBN 3-922477-94-1&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Shrimad Bhagavad Gita.&#039;&#039; Erläuternder Text und Kommentar von Swami Sivananda. Mangalam Books, ISBN 3-922477-06-2&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Hatha-Yoga. Der sichere Weg zu guter Gesundheit, langem Leben und Erweckung der höheren Kräfte.&#039;&#039; Heinrich Schwab Verlag, ISBN 3-7964-0097-3&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Göttliche Erkenntnis.&#039;&#039; Mangalam Books, ISBN 3-922477-00-3&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Sadhana. Ein Lehrbuch mit Techniken zur spirituellen Vollkommenheit.&#039;&#039; Mangalam Books, 1998, ISBN 3-922477-07-0&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;Sivananda – ein moderner Heiliger.&#039;&#039; Erzählt und gesammelt von seinen engsten Schülern. Yoga Vidya Verlag. Horn-Bad Meinberg 2007, ISBN 3-931854-63-9&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* {{DNB-Portal|118765655}}&lt;br /&gt;
* [https://www.sivananda.eu/de.html Website von Sivananda Yoga Europe] (deutsch)&lt;br /&gt;
* [https://www.yoga-vidya.de/goetter-und-meister/meister-heilige-und-avatare/swami-sivananda/ Swami Sivananda], eine Beschreibung seines Lebens mit Bildern und Videos auf der Website von Yoga Vidya&lt;br /&gt;
* [https://www.sivananda.eu/de.html Website von International Sivananda Yoga Vedanta Centres] (englisch)&lt;br /&gt;
* [https://www.dlshq.org/ The Divine Life Society] (englisch)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Sivananda}}&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=118765655|LCCN=n80036679|VIAF=8183481}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Eingeweihter]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Person]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Spiritueller Lehrer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten mit Sanskritbegriff]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten, die EmbedVideo verwenden]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Hauptseite&amp;diff=13585</id>
		<title>Hauptseite</title>
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		<updated>2026-05-01T10:56:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Neueste Artikel */ Neuen Artikel eingetragen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Morgenröte Müritz.JPG|mini|350px|Morgenröte über der [[w:Müritz|Müritz]]&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;Foto: Frank Liebig&amp;lt;/small&amp;gt;|alt=Morgenröte an der Müritz mit tiefrotem Himmel, der sich in der Müritz mit orangenen und bläulichen Farben spiegelt.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;AuroraWiki&#039;&#039;&#039; möchte die Idee einer Enzyklopädie umsetzen, die das Wissen der Welt und Gedanken aus geistiger Forschung zusammenführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Idee zur Namensgebung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Aurora“ kommt aus dem Lateinischen und bezeichnet (poetisch) die Morgenröte, die durch die aufgehende Sonne hervorgerufen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Jakob Böhme]] (1575–1624), geistig tief gegründeter deutscher Mystiker und Philosoph, nannte seine Erstveröffentlichung und Hauptwerk &#039;&#039;Aurora&#039;&#039; &#039;&#039;oder&#039;&#039; &#039;&#039;Morgenröte im Aufgang&#039;&#039; und bezeichnete mit dem Titel die Qualität, wenn geistige Gedanken in die irdische Welt hineinfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist bekannt, dass sein Buch &#039;&#039;Aurora&#039;&#039; durch den Sprachausdruck und die Tiefe der Worte über Jahrhunderte auf andere Personen und große Geister wie [[a:Johann Wolfgang von Goethe|Goethe]] oder [[a:Novalis|Novalis]] eine inspirierende innere Wirkung entfaltete. Treffend charakterisieren dies die folgenden Worte über Jakob Böhme:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Im beständigen Ringen um Versinnlichung des Übersinnlichen und um Ausdruck für das Unerhörte gewinnt er eine energische Plastizität, eine kraftvolle Originalität […]. Vor allem aber vermag diese Sprache den Leser selbst zu entzünden, zu begeistern, den dort gestalteten, sich ringend immer neu gestaltenden Geburtsprozess in ihm selbst auszulösen, zu erwecken, zu verwirklichen.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[[w:Aurora_oder_Morgenröte_im_Aufgang|Aurora oder Morgenröte im Aufgang.]]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Wikipedia&#039;&#039; (letzter Absatz im Kapitel „Inhalt“). Abgerufen am 2. Juli 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Wert solcher Worte und Schriften für die Entwicklung anderer Menschen ist also groß und bedeutsam. Bereits vor Jakob Böhme gab es Personen, die zu einer geistigen Schau und zu einem inspirierten Wahrheits-Wort fähig waren, sie traten nach seiner Zeit in die Erscheinung – bis hinein in unsere Gegenwart – und es wird sie auch in Zukunft geben. AuroraWiki bringt ihre Gedanken und Forschungsergebnisse zur Darstellung, immer bezogen auf das jeweilige Artikelthema.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Rudolf Steiner ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rudolf Steiner. .jpg|mini|Rudolf Steiner|alt=Porträt des Geistforschers Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer dieser Persönlichkeiten war [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), bekannt als Begründer der Anthroposophie. AuroraWiki möchte bewusst von seiner Person und seinem Werk ausgehen und es in Synthese zu anderen spirituellen Persönlichkeiten des Westens und Ostens wie beispielsweise [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]], [[a:Sri Aurobindo|Sri Aurobindo]], [[Sathya Sai Baba]] oder [[Swami Sivananda]] sowie zu den großen Philosophen und zur wissenschaftlichen Forschung bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AuroraWiki ist jedoch kein anthroposophisches Projekt und ordnet sich sogar distanziert von der anthroposophischen Bewegung ein. Die Gedanken von Rudolf Steiner scheinen heute noch nicht jene verwandelnde und den Menschen transformierende Kraft entfalten zu können, die eigentlich in ihnen angelegt ist. Seriöse, spirituelle Persönlichkeiten werden von der Anthroposophie angegriffen und ausgeschlossen. Das ist schmerzhafte Realität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt viele anthroposophische Projekte, Zweige und Bemühungen und doch sind in Kreisen der Anthroposophie Stagnation und Zersplitterung zu beobachten. Viele Anthroposophen „wissen“, was Rudolf Steiner zu diesem oder jenem Thema gesagt hat. War sein tiefstes Anliegen aber nicht vor allem die Verwandlung des Menschen? Beispielsweise sollte ein Lehrer nicht nur „gelernt“ haben, sondern bis zu einem gewissen Grade auch eine innere Entwicklung durchgemacht haben. Der Pädagoge „muss sich innerlich verwandelt haben“.&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Erkenntnis des Übersinnlichen in unserer Zeit und deren Bedeutung für das heutige Leben.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;55. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, S.&amp;amp;nbsp;136–137. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_055.pdf#page=136&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner gibt darüber Auskunft, was für diese Verwandlung notwendig ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun, wir mögen noch so schöne Ideen aufnehmen aus der Anthroposophie, aus dieser Kunde von einer geistigen Welt, wir mögen theoretisch durchdringen alles dasjenige, was von uns vom Äther-, Astralleib und so weiter gesagt werden kann, wir verstehen dadurch noch nicht die geistige Welt. Wir beginnen das erste Verständnis für die geistige Welt erst zu entwickeln, wenn wir am Seelisch-Geistigen des andern Menschen erwachen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Anthroposophische Gemeinschaftsbildung.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;257. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, S.&amp;amp;nbsp;116. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_257.pdf#page=117&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Teil dieses Zitats gibt Rudolf Steiner den Hinweis, dass seine Inhalte, wenn sie intellektuell theoretisch aufgenommen werden, noch kein Verständnis der geistigen Welt hervorrufen. Ein erstes Verständnis für die geistige Welt entwickle sich hingegen durch das Erwachen am Seelisch-Geistigen des Gegenübers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz direkt und einfach gelesen muss das auch für ihn gelten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinter all den Schilderungen und Weisheiten der umfangreichen Gesamtausgabe seiner Werke ([[a:Rudolf Steiner Gesamtausgabe|GA]]) steht die Person Rudolf Steiner selbst. Er hat diese errungen und verfügbar gemacht. Ohne ihn und sein Lebenswerk gäbe es keinen einzigen seiner Gedanken und auch keine Kraft, die jetzt aus den geistigen Welten weiter inspirierend wirkt. Das Werk ist ohne seine Person nicht zu denken. Schließt man seine Person aus, raubt man gewissermaßen dem Werk seinen Kern oder seine Kraft. Nimmt man seine Gedanken rein intellektuell als Wissen, wird der Mensch ebenfalls nicht am Seelisch-Geistigen des andern Menschen erwachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intellektuell aufgenommene Gedanken aus seinen Schriften und Vorträgen – das gilt auch für die Gedanken anderer Geistforscher – beinhalten im Dialog naturgemäß immer einen mehr oder minder großen Wahrheitsanspruch. „Steiner hat gesagt!“, „Sivananda hat gesagt!“, „Jesus hat gesagt!“, es ist egal, auf welche Quelle man sich bezieht. Für den Dialogpartner ist dies unangenehm und es ist auch unangemessen, denn er erlebt ein unangebrachtes Willenselement, das auf ihn einwirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht trennend, sondern verbindend wirkt diese Qualität von Gedanken hingegen, wenn der Menschen durch sie eine Verwandlung erfahren hat, wenn eine seelische Empfindung zum Inhalt geboren wurde und er nun fähig ist, im Gespräch lebendig und sensibel für das Gegenüber die Worte zu formulieren. Er ist in der Lage, ein Bild zum Inhalt zu erschaffen, das frei, nicht bedrängend und nicht missionierend vor dem Anderen steht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vergleiche dazu das Kapitel [[Halasana#Die Verwandlung des Menschen als eine Säule der Zukunft|&#039;&#039;Die Verwandlung des Menschen als eine Säule der Zukunft&#039;&#039;]] im Artikel Halasana.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Am Seelisch-Geistigen des andern Menschen erwachen“ bedeutet also auch, mit einer verwandelnden Kraft in den Gedanken Rudolf Steiners, bzw. in den Gedanken fundierter geistiger Forschung zu rechnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Charakteristik inspirativer Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kraft zur Verwandlung und Entwicklung des Menschen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Textbox|&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Dem Stoff sich verschreiben,&lt;br /&gt;
Heißt Seelen zerreiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Geiste sich finden,&lt;br /&gt;
Heißt Menschen verbinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Menschen sich schauen,&lt;br /&gt;
Heißt Welten erbauen.“&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;|Rudolf Steiner&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Wahrspruchworte.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;40. 8., überarbeitete Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1998, ISBN 3-7274-0401-9, S.&amp;amp;nbsp;156. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_040.pdf#page=156&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;|250px}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Erwachen“ ist in diesem Zusammenhang nicht im heute üblichen Sinn zu verstehen, sondern im Sinne einer inneren Aktivität, einer Initiative des seelischen Lebens, die diesen Gedanken aktiv entgegengeht, die Denkgewohnheiten auch auflösen und durch bessere Ideale gemäß bestehender geistiger Gesetzmäßigkeiten ersetzen kann. Erwachen in diesem Sinne erfordert Kraft zur Konzentration auf einen Gedanken, Mut zu Neuem und die Aufgabe mancher Bequemlichkeiten des Gemüts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Artikelthemen werden in Verbindung gebracht zu einer möglichst großen Fülle an Aussagen von Philosophen, Eingeweihten und weisheitsvollen Geistforschern der Vergangenheit und der Gegenwart. Auf diese Weise möchte AuroraWiki interessierten Menschen gute Grundlagen zur eigenen Erkenntnisentwicklung und Wahrheitsannäherung zur Verfügung stellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei fachlich fundiertem Umgang mit geistig inspirierten Gedanken erfolgen vielfältigste aufbauende und die Gesundheit verbessernde Prozesse. Die individuelle Zukunftshoffnung erfährt eine Morgen&amp;amp;shy;röte und da eine geistige Verwandlung immer authentisch ist, wird sie aufbauend auf das persönliche Umfeld und sogar auf unsere gegenwärtige Kultur wirken. Sie wird Friedensprozesse stärken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der entwicklungsfreudige Umgang mit inspirativen Gedanken erfordert einige Sorgfalt, Methodik und Schulung. Die Versuchung ist nicht gering, mit diesen Gedanken so umgehen, wie wir es in der Schule oder an der Universität gelernt haben: Lesen, auswendig lernen und „wissen“. Auf diese Weise würden die Inhalte lediglich intellektuell eingegliedert werden in unser bisheriges Wissen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Gedanken fordern den Menschen aber auf neue Weise heraus, denn sie benötigen zur Entfaltung ihres inneliegenden verwandelnden Potentials einen aktiven [[Grundlagen der Meditation|meditativen Umgang]]. Der Mensch muss sie bewusst denken, mit [[Interesse]] erforschen und ihnen „entgegengehen“. Er muss sie regelrecht „gedanklich erschaffen“, bis sie ihn wie eine Melodie begleiten. Das wäre ein erster Schritt, dem weitere folgen können. Es ist deswegen ratsam, sich mit einem Artikel der AuroraWiki über einen längeren Zeitraum zu beschäftigen und die Inhalte auch in der Praxis zu erproben, beispielsweise die Gedanken zu den unterschiedlichen Lichtwirkungen der vier [[Himmelsrichtungen#Himmelsrichtung und spezifische Lichtqualität|Himmelsrichtungen]] selbst zu prüfen durch Beobachtung und Kontemplation.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AuroraWiki widmet dem Umgang mit geistigen Gedanken entsprechende Artikel – siehe z.&amp;amp;nbsp;B. [[Svadhyaya]] (Studium der Schriften) – und bietet auch Kurse an. Diese sind zu finden unter „Angebote“ in der linken Spalte unter dem Navigationsmenü.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Notwendigkeit der Verbindung zu Erkenntnissen der Wissenschaft ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Bad Kleinen Eiertunnel innen 2008-06-13 007.jpg|mini|Die Verbindung der Erkenntnisse aus Wissenschaft und geistiger Forschung ist wichtig für den Menschen.|alt=Fußgängertunnel mit rundem Backsteingewölbe. Man sieht den Ausgang. Dies ist ein Symbol für die Notwendigkeit, dass sich die Erkenntnisse aus Wissenschaft und geistiger Forschung treffen.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AuroraWiki möchte die Aussagen von geistigen Forschern in Verbindung bringen zu den Erkenntnissen der Wissenschaft. Rudolf Steiner vertrat beispielsweise die Ansicht, dass sich Geistesforschung und Naturwissenschaft begegnen müssen und zwar beide jeweils von ihrer spezifischen Seite her. Dabei gebrauchte er das eindrückliche Bild, dass sie sich treffen werden wie Arbeiter, die einen Tunnel graben und bei guter Orientierung von beiden Seiten kommend in der Mitte zusammentreffen. Die wahre Wirklichkeit würde man finden, indem man von der Natur und vom Geiste her in entgegengesetzter Linie zusammen&amp;amp;shy;arbeitet, bis die zwei Richtungen zusammenkommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Wahrheiten und Irrtümer der Geistforschung.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;69a. 1. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2007. ISBN 978-3-7274-0691-1, S.&amp;amp;nbsp;268&amp;amp;nbsp;f. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_069a.pdf#page=268&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner: &#039;&#039;Freiheit. Unsterblichkeit. Soziales Leben.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;72. 1. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1990, ISBN 3-7274-0720-4, S.&amp;amp;nbsp;130. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_072.pdf#page=130&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Beispiele für diese Notwendigkeit:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Die Wahrnehmung und Einschätzung des Lebenswerks eines Menschen kann sich unterscheiden von dem, wie die Seele dieser Person nun in den nachtodlichen geistigen Welten fühlt. Es kann z.&amp;amp;nbsp;B. sein, dass sich die Seele durch die Sichtweise der Hinterbliebenen behindert oder gebunden fühlt und sich nichts sehnlicher wünscht, als dass sie in ihrem wahren Anliegen gesehen wird. Ein Beispiel hierfür ist [[Tirumalai Krishnamacharya]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Die genaue Untersuchung und sinnliche Wahrnehmung irgendeines Phänomens in der Welt, sei es ein Berg, eine Pflanze oder ein Tier, ist wichtig. Wenn auf dieser Basis nun Gedanken aus geistiger Forschung, die das angeschaute Objekt betreffen, hinzugenommen werden, entwickelt der Mensch mit der Zeit eine universellere Sicht auf das Objekt. Es entsteht eine tiefere wahrere eigene Beziehung zur Sache. In der [[:Kategorie: Pflanzenreich]] finden Sie beispielsweise Artikel mit geistigen Gedanken zu einzelnen [[Alpenflora|Bergblumen]], Pflanzen oder Bäumen. Interessieren Sie Berge, können Sie geistige Imaginationen&amp;lt;ref&amp;gt;„Das Wort Imagination bedeutet nicht Einbildung und hat auch nicht sehr viel mit Phantasie zu tun. Rudolf Steiner prägte den Begriff für eine Form des Denkens, das bildhaft ist und in lebendigem seelischen Zusammenhang steht. Dieses bildhafte Denken ist nicht nur typischerweise intellektuell, sondern beziehungsfreudig und schließt seelische und geistige Wahrheiten in die Betrachtung mit ein. Imaginationen stellen deshalb seelisch reale, inhaltliche Darstellungen zur Verfügung.“&amp;lt;br /&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S.&amp;amp;nbsp;182.&amp;lt;/ref&amp;gt; im Artikel [[Berg]] studieren, bevorzugen Sie [[See|Seen]] oder das [[Meer]], finden Sie in den dortigen Artikeln Inhalte zur Meditation.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Geistige Gedanken offenbaren natürliche Gesetzmäßigkeiten des Lebens ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Umgekehrte Sonne.png|mini|330px|&#039;&#039;Umgekehrte Sonne&#039;&#039; – Strahlen, von einzelnen Menschen generiert, gehen auf die Sonne zu.&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;Wandbild im [https://casa-della-bellezza-trentino.it/de/das-haus/ Casa della bellezza] (Tenno/Italien)&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus dem Geistigen mit ganzer Wachheit und vollbewusstem Ich herausgearbeitete Gedanken sind universell, da sie die „Uridee“ ([[Platon]]) oder das Wesen einer Sache beschreiben. AuroraWiki vertritt den Standpunkt, dass sie eine grundlegende Gültigkeit für alle Menschen haben können. Geht das einzelne Individuum diesen Gedanken entgegen, können sie ihre verwandelnde Kraft entfalten. Hierin wurzeln Qualitäten der Versöhnung, der Verbindung und damit die Überwindung von Meinungsverschiedenheiten, von Streitigkeiten unter Konfessionen, Glaubens&amp;amp;shy;richtungen, Religionen oder zwischen verschiedenen Stilformen in der [[Grundlagen der Meditation|Meditation]] und im Yoga.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geistige Gedanken offenbaren natürliche Gesetzmäßigkeiten des Lebens, in die alle Menschen eingebunden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
AuroraWiki möchte in diesem Sinne zu einer „Morgenröte“ beitragen, die bei jedem interessierten Menschen anbrechen kann. Wie die Sonne nach Anbruch des Tages weiter zum Zenit aufsteigt, so ist es möglich, dass der Mensch selbst zu einer Sonne wird und wärmend, Leben gebend und gestaltend auf andere Menschen und Lebewesen, auf die Natur, auf die Verstorbenen und auf die geistigen Welten ausstrahlt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [[AuroraWiki:Über AuroraWiki|Über AuroraWiki]]&lt;br /&gt;
* [[AuroraWiki:Mitarbeiten|Mitarbeiten]]&lt;br /&gt;
* [[Benutzer:Robert_Lindermayr|Benutzerseite von Robert Lindermayr]] – mit kurzer Schilderung zur Entstehung der AuroraWiki&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Neueste Artikel ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 25 neuesten von bisher insgesamt {{NUMBEROFARTICLES}} Artikel (seit 2. Juli 2024) in AuroraWiki:&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Bild von Erich Westendarp auf Pixabay hpgruesen-rye-in-barley-field-2366271 1920.jpg|mini|&amp;lt;center&amp;gt;[[Roggen]]&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Ahrimankopf.png|mini|&amp;lt;center&amp;gt;[[Ahriman]]&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
[[Datei:KonasanaYA.png|mini|&amp;lt;center&amp;gt;[[Konasana]]&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Harmony Community, Putnam County, Georgia.... The grain in this small field was cradled by hand. Her . . . - NARA - 521326.jpg|mini|&amp;lt;center&amp;gt;[[Hafer]]&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jnana-Yoga]] – Der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“ ist ein Pfad zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt; das so erworbene Wissen unterscheidet sich von dem bekannten intellektuellen Wissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Surya Namaskar]] – Der Sonnengruß oder das Sonnengebet ist ein Zyklus aus meistens zwölf einzelnen Asana, die ineinander übergehen und eine Runde bilden; alte und neu geschaffene Mantren zum Sonnengebet drücken die Verehrung zur Sonne und ihrem lebensspendenden Geist aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Suggestion]] – Die Psychologie versteht unter Suggestion eine Beeinflussungsform des Fühlens, Denkens und Handelns; logische, freilassende Darstellungen hingegen sprechen das Gedankenleben des Anderen an und lassen somit die Gefühle sowie den Willen frei&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Gleichnis vom Haus auf dem Felsen oder auf Sand|&#039;&#039;Gleichnis vom Haus auf dem Felsen oder auf Sand&#039;&#039;]] (Mt 7,24–29) – Entfaltete eine Wirkung bis zur deutschen Redewendung „auf Sand gebaut haben“; aus geistiger Forschung ist das Haus auf dem Felsen die Gründung des Bewusstseins in wahrheitsvollen Gedanken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Roggen]] – Ein Getreide, das neben dem Weizen den Menschen am meisten kräftigt; Roggen hat von allen Getreidearten die längsten Halme (bis über 2 Meter hoch) und die stärkste Verwurzelung in der Erde&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Freiheit]] – Zentraler Begriff der Ideengeschichte der Menschheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Kreuzblütler]] – Die Gattung umfasst neben bedeutenden Nahrungsmitteln wie Kohlgewächsen auch würzintensive Pflanzen wie Senf und Meerrettich; die Fähigkeit der Kreuzblütler, an kargen oder lebensfeindlichen Orten zu gedeihen, spiegelt ihr heilendes Prinzip wider&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Prognose]] – Grundsätzlich unterscheidet man zwischen wissenschaftlich begründeten Prognosen und anderen Vorhersagen, die auch als Botschaften oder Prophezeiungen bezeichnet werden, und die den Bereichen der Esoterik, der Religion oder Astrologie zugeordnet werden&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Selbst]] – Die Ansichten über den Begriff „Selbst” unterscheiden sich sehr; aus der Psychologie, Philosophie, Theologie, Soziologie, Pädagogik und geistiger Forschung kommen verschiedene Sichtweisen und Gedanken zur Darstellung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Resilienz (Psychologie)]] – Widerstandsfähigkeit eines Individuums, sich trotz ungünstiger Lebensumstände und kritischer Lebensereignisse erfolgreich zu entwickeln und schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]] – „Bhakti-Yoga bedeutet Hingabe, Hinwendung in höchster Mühe um edelste Ideale.“ (Heinz Grill)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Gerste]] – Kommt als Spelzgerste sowie als Nacktgerste vor und ist weltweit das am meisten verbreitete Getreide; durch ihren Gehalt an Beta-Glucanen und Kieselsäure ist sie für die physische Gesundheit bis hin zur Bewusstseins- und spirituellen Entwicklung bedeutend&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Ökologische Projekte]] – Mit beispielhafter Darstellung von 10 größeren und kleineren Projekten sowie Initiativen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Schilddrüse]] – Zentrale endokrine Drüse des Menschen, deren Hormone grundlegende Steuerungsfunktionen für Stoffwechsel, Wachstum, Regeneration und Umbauprozesse im Organismus übernehmen; aus Sicht der Geistforschung ein Organ der Verwandlung und Erneuerung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Ahriman]] – Der Name wurzelt im mittelpersischen Angra Mainyu „zerstörerischer Geist“ und wurde von Rudolf Steiner in der Tragweite der Bedeutung für jeden einzelnen Menschen weiter erforscht; demnach bewirkt Ahriman die Bindung des Menschen an die sterblichen Sinne und die physische Wirklichkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Präsenz]] – Ein Begriff, der im Leben eine vielfältige Bedeutung hat; aus geisteswissenschaftlicher Sicht wird der Mensch präsent und löst sich von Vergangenem und Schweregefühlen ab, wenn er sich inhaltliche Gedanken bildet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Depression]] – Eine ernste, oft folgenreiche, weltweit verbreitete Erkrankung; ausführliche Beschreibung, begonnen bei den Symptomen bis zur Therapie mit Darstellung von wissenschaftlichen und geistigen Forschungsergebnissen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Konasana]] – Diese Asana heißt übersetzt „Weite Dehnung“ und wird im Iyengar-Yoga und Ananda-Yoga Upavishtha-Konāsana genannt, Swami Vishnudevananda gab ihr den Namen Hastha Padasan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti]] – Bhakti oder Hingabe beschreibt die spirituelle Form der liebevollen Verehrung – als Ergebnis einer intensiven Hinwendung – zu einem persönlichen Gott, einem Lehrer, einem universalen Gedanken, zu einer Naturerscheinung oder einem irdischen Phänomen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hüter der Schwelle]] – Er bewacht die Schwelle zur geistigen Welt und steht mit der seelisch-geistigen Entwicklung des einzelnen Menschen und der ganzen Menschheit in Zusammenhang, die aus geistiger Forschung derzeit an dieser Schwelle angekommen ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;[[An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen]]&#039;&#039; (Mt 7,16) – An was erkennt man die wirklichen Früchte der Taten oder Worte eines Lehrers oder allgemein eines Menschen? Der äußere Schein kann trügen ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Pratyahara]] – 5. Stufe des Raja Yoga, die den Rückzug der Sinne beschreibt; der Artikel bringt das Verständnis aus den alten Yogaschriften in Bezug zur modernen geistigen Forschung und kann dem Leser ein praktisches Verständnis über die Bedeutung von Pratyahara eröffnen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Heilwirkungen des Gemüsekohls]] – Früher galt Gemüsekohl als das sogenannte „Arme-Leute-Essen“, heute sind vielfältige Heilwirkungen bekannt und erforscht&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hafer]] – Ernährungsphysiologisch eine der gesündesten Getreidearten mit vielen aufbauenden körperlichen Wirkungen und einer seelisch aktivierenden Kraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Eiweiß]] – Muss von allem Anfang an für den Menschen die Grundlage geben: Es ist bereits im Ei vorhanden, bevor das menschliche Wesen im Mutterleib entsteht (Rudolf Steiner); Eiweiß ist für den Menschen lebensnotwendig&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:AuroraWiki]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13584</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13584"/>
		<updated>2026-05-01T10:47:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Shivaismus */ Interne Verlinkung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rigveda MS2097.jpg|mini|Rigveda-Manuskript in Sanskrit]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Albert Einstein (Nobel).png|mini|Albert Einstein, Porträtfotografie von 1921]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein (1879–1955) verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Herz_190.gif|mini|Zusammenhang zwischen physischem und [[a:ätherisch|ätherischem]] Herzen, Skizze von Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aristotle Altemps Inv8575.jpg|mini|[[a:Aristoteles|Aristoteles]] begründete die klassische Logik]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigen&amp;amp;shy;tümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Eva Dora Cowdery Young Girl Reading a Book.jpg|mini|330px|Das Studium der Schriften ist im Yoga synonym mit dem Studium des [[Selbst]] und wird [[Svadhyaya]] genannt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig – so beschreibt es der Autor –, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren, um dann verschiedene Fragen nach der Logik des Textes hinzuzunehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik?“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Fragestellungen entsteht eine konkrete und vertiefende Beziehungsaufnahme zum Text. Dabei ist es günstig, mit einer sorgfältigen Innen- und Außenschau auf die Eindrücke zu horchen, die sich nun wie eine stille Kommunikation mit den Gedanken eröffnen. In der Weise, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind, zeigt sich das Motiv oder die Absicht des Autors. So kann man eine weitere Frage zum Motiv des Autors stellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen?“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser praktischen Methodik können anspruchsvolle und spirituelle Werke erforscht werden und auch – so wie sich der Empfindungseindruck zeigt – in ihrem Wert akzeptiert oder zurückgewiesen werden. Die Seelenübung fördert die Entwicklung von mehr Empathiefähigkeit sowie einer freieren Anschauungs- und Beurteilungskraft und es werden damit auch Ätherkräfte (Lebenskräfte) erzeugt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Raja Ravi Varma - Sankaracharya.jpg|mini|Adi Shankara (788-820), Gründer des Advaita Vedanta, mit Schülern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Flickr - dalbera - Shiva Natarâdja, Seigneur de la Danse (musée Guimet).jpg|mini|Shiva als [[w:Nataraja|Nataraja]], tanzend auf einem Dämon (um 1050)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des [[Bhakti-Yoga]]. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13583</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13583"/>
		<updated>2026-05-01T10:44:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: Robert Lindermayr verschob die Seite Benutzer:Herbstzeitlose/Jnana-Yoga nach Jnana-Yoga, ohne dabei eine Weiterleitung anzulegen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rigveda MS2097.jpg|mini|Rigveda-Manuskript in Sanskrit]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Albert Einstein (Nobel).png|mini|Albert Einstein, Porträtfotografie von 1921]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein (1879–1955) verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Herz_190.gif|mini|Zusammenhang zwischen physischem und [[a:ätherisch|ätherischem]] Herzen, Skizze von Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aristotle Altemps Inv8575.jpg|mini|[[a:Aristoteles|Aristoteles]] begründete die klassische Logik]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigen&amp;amp;shy;tümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Eva Dora Cowdery Young Girl Reading a Book.jpg|mini|330px|Das Studium der Schriften ist im Yoga synonym mit dem Studium des [[Selbst]] und wird [[Svadhyaya]] genannt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig – so beschreibt es der Autor –, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren, um dann verschiedene Fragen nach der Logik des Textes hinzuzunehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik?“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Fragestellungen entsteht eine konkrete und vertiefende Beziehungsaufnahme zum Text. Dabei ist es günstig, mit einer sorgfältigen Innen- und Außenschau auf die Eindrücke zu horchen, die sich nun wie eine stille Kommunikation mit den Gedanken eröffnen. In der Weise, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind, zeigt sich das Motiv oder die Absicht des Autors. So kann man eine weitere Frage zum Motiv des Autors stellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen?“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser praktischen Methodik können anspruchsvolle und spirituelle Werke erforscht werden und auch – so wie sich der Empfindungseindruck zeigt – in ihrem Wert akzeptiert oder zurückgewiesen werden. Die Seelenübung fördert die Entwicklung von mehr Empathiefähigkeit sowie einer freieren Anschauungs- und Beurteilungskraft und es werden damit auch Ätherkräfte (Lebenskräfte) erzeugt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Raja Ravi Varma - Sankaracharya.jpg|mini|Adi Shankara (788-820), Gründer des Advaita Vedanta, mit Schülern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Flickr - dalbera - Shiva Natarâdja, Seigneur de la Danse (musée Guimet).jpg|mini|Shiva als [[w:Nataraja|Nataraja]], tanzend auf einem Dämon (um 1050)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des Bhakti-Yoga. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13582</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13582"/>
		<updated>2026-05-01T10:43:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan */ Verlinkung ätherisch&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rigveda MS2097.jpg|mini|Rigveda-Manuskript in Sanskrit]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Albert Einstein (Nobel).png|mini|Albert Einstein, Porträtfotografie von 1921]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein (1879–1955) verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Herz_190.gif|mini|Zusammenhang zwischen physischem und [[a:ätherisch|ätherischem]] Herzen, Skizze von Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aristotle Altemps Inv8575.jpg|mini|[[a:Aristoteles|Aristoteles]] begründete die klassische Logik]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigen&amp;amp;shy;tümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Eva Dora Cowdery Young Girl Reading a Book.jpg|mini|330px|Das Studium der Schriften ist im Yoga synonym mit dem Studium des [[Selbst]] und wird [[Svadhyaya]] genannt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig – so beschreibt es der Autor –, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren, um dann verschiedene Fragen nach der Logik des Textes hinzuzunehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik?“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Fragestellungen entsteht eine konkrete und vertiefende Beziehungsaufnahme zum Text. Dabei ist es günstig, mit einer sorgfältigen Innen- und Außenschau auf die Eindrücke zu horchen, die sich nun wie eine stille Kommunikation mit den Gedanken eröffnen. In der Weise, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind, zeigt sich das Motiv oder die Absicht des Autors. So kann man eine weitere Frage zum Motiv des Autors stellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen?“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser praktischen Methodik können anspruchsvolle und spirituelle Werke erforscht werden und auch – so wie sich der Empfindungseindruck zeigt – in ihrem Wert akzeptiert oder zurückgewiesen werden. Die Seelenübung fördert die Entwicklung von mehr Empathiefähigkeit sowie einer freieren Anschauungs- und Beurteilungskraft und es werden damit auch Ätherkräfte (Lebenskräfte) erzeugt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Raja Ravi Varma - Sankaracharya.jpg|mini|Adi Shankara (788-820), Gründer des Advaita Vedanta, mit Schülern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Flickr - dalbera - Shiva Natarâdja, Seigneur de la Danse (musée Guimet).jpg|mini|Shiva als [[w:Nataraja|Nataraja]], tanzend auf einem Dämon (um 1050)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des Bhakti-Yoga. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13581</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13581"/>
		<updated>2026-05-01T09:08:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Praktische Hinweise */ Titel braucht keine Anführungszeichen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rigveda MS2097.jpg|mini|Rigveda-Manuskript in Sanskrit]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Albert Einstein (Nobel).png|mini|Albert Einstein, Porträtfotografie von 1921]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein (1879–1955) verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Herz_190.gif|mini|Zusammenhang zwischen physischem und ätherischem Herzen, Skizze von Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aristotle Altemps Inv8575.jpg|mini|[[a:Aristoteles|Aristoteles]] begründete die klassische Logik]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigen&amp;amp;shy;tümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Eva Dora Cowdery Young Girl Reading a Book.jpg|mini|330px|Das Studium der Schriften ist im Yoga synonym mit dem Studium des [[Selbst]] und wird [[Svadhyaya]] genannt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig – so beschreibt es der Autor –, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren, um dann verschiedene Fragen nach der Logik des Textes hinzuzunehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik?“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Fragestellungen entsteht eine konkrete und vertiefende Beziehungsaufnahme zum Text. Dabei ist es günstig, mit einer sorgfältigen Innen- und Außenschau auf die Eindrücke zu horchen, die sich nun wie eine stille Kommunikation mit den Gedanken eröffnen. In der Weise, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind, zeigt sich das Motiv oder die Absicht des Autors. So kann man eine weitere Frage zum Motiv des Autors stellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen?“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser praktischen Methodik können anspruchsvolle und spirituelle Werke erforscht werden und auch – so wie sich der Empfindungseindruck zeigt – in ihrem Wert akzeptiert oder zurückgewiesen werden. Die Seelenübung fördert die Entwicklung von mehr Empathiefähigkeit sowie einer freieren Anschauungs- und Beurteilungskraft und es werden damit auch Ätherkräfte (Lebenskräfte) erzeugt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Raja Ravi Varma - Sankaracharya.jpg|mini|Adi Shankara (788-820), Gründer des Advaita Vedanta, mit Schülern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Flickr - dalbera - Shiva Natarâdja, Seigneur de la Danse (musée Guimet).jpg|mini|Shiva als [[w:Nataraja|Nataraja]], tanzend auf einem Dämon (um 1050)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des Bhakti-Yoga. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13580</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13580"/>
		<updated>2026-05-01T09:07:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Praktische Hinweise */ Formatierung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rigveda MS2097.jpg|mini|Rigveda-Manuskript in Sanskrit]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Albert Einstein (Nobel).png|mini|Albert Einstein, Porträtfotografie von 1921]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein (1879–1955) verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Herz_190.gif|mini|Zusammenhang zwischen physischem und ätherischem Herzen, Skizze von Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aristotle Altemps Inv8575.jpg|mini|[[a:Aristoteles|Aristoteles]] begründete die klassische Logik]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigen&amp;amp;shy;tümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Eva Dora Cowdery Young Girl Reading a Book.jpg|mini|330px|Das Studium der Schriften ist im Yoga synonym mit dem Studium des [[Selbst]] und wird [[Svadhyaya]] genannt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;&amp;quot;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&amp;quot;&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig – so beschreibt es der Autor –, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren, um dann verschiedene Fragen nach der Logik des Textes hinzuzunehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik?“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesen Fragestellungen entsteht eine konkrete und vertiefende Beziehungsaufnahme zum Text. Dabei ist es günstig, mit einer sorgfältigen Innen- und Außenschau auf die Eindrücke zu horchen, die sich nun wie eine stille Kommunikation mit den Gedanken eröffnen. In der Weise, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind, zeigt sich das Motiv oder die Absicht des Autors. So kann man eine weitere Frage zum Motiv des Autors stellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen?“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dieser praktischen Methodik können anspruchsvolle und spirituelle Werke erforscht werden und auch – so wie sich der Empfindungseindruck zeigt – in ihrem Wert akzeptiert oder zurückgewiesen werden. Die Seelenübung fördert die Entwicklung von mehr Empathiefähigkeit sowie einer freieren Anschauungs- und Beurteilungskraft und es werden damit auch Ätherkräfte (Lebenskräfte) erzeugt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Raja Ravi Varma - Sankaracharya.jpg|mini|Adi Shankara (788-820), Gründer des Advaita Vedanta, mit Schülern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Flickr - dalbera - Shiva Natarâdja, Seigneur de la Danse (musée Guimet).jpg|mini|Shiva als [[w:Nataraja|Nataraja]], tanzend auf einem Dämon (um 1050)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des Bhakti-Yoga. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Datei:Anantasana,_stehende_Variation.jpg&amp;diff=13579</id>
		<title>Datei:Anantasana, stehende Variation.jpg</title>
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		<updated>2026-05-01T08:52:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: Daten eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
[[Anantasana]], stehende Variation&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Urheber ==&lt;br /&gt;
Eigenes Werk von [[:Benutzer: Moniyogika]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lizenz ==&lt;br /&gt;
{{Bild-CC-by-sa/4.0}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Asana]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Datei:Surya_Namaskar_A_B_AYI.PNG&amp;diff=13578</id>
		<title>Datei:Surya Namaskar A B AYI.PNG</title>
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		<updated>2026-05-01T08:49:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: Korrektur&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Sonnengruß A &amp;amp; B&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Gruß an die Sonne (Sūrya Namaskāra) bildet das Fundament der Aṣṭāṅga Yoga Übungspraxis. Hier etablieren sich das gleichmäßige Rauschen des Atems (Ujjāyī), Energielenkung (Bandha) und Konzentration (Ḍṛṣti). So entsteht der kraftvolle Fluss einer dynamischen Meditation.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://de.ashtangayoga.info/ashtanga-yoga/cheat-sheets-pdf/ &#039;&#039;Spickzettel für Ashtanga Yoga (PDF)&#039;&#039;] In: &#039;&#039;de.ashtangayoga.info.&#039;&#039; Abgerufen am 1. Mai 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quelle ==&lt;br /&gt;
[https://de.ashtangayoga.info/ashtanga-yoga/cheat-sheets-pdf/ &#039;&#039;Spickzettel für Ashtanga Yoga (PDF)&#039;&#039;]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Urheber ==&lt;br /&gt;
Dr. Ronald Steiner, AYI®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lizenz ==&lt;br /&gt;
© Dr. Ronald Steiner, [https://de.ashtangayoga.info AYI.info]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Asana]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Datei:Surya_Namaskar_A_B_AYI.PNG&amp;diff=13577</id>
		<title>Datei:Surya Namaskar A B AYI.PNG</title>
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		<updated>2026-05-01T08:48:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Beschreibung */ Beleg&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Sonnengruß A &amp;amp; B&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Der Gruß an die Sonne (Sūrya Namaskāra) bildet das Fundament der Aṣṭāṅga Yoga Übungspraxis. Hier etablieren sich das gleichmäßige Rauschen des Atems (Ujjāyī), Energielenkung (Bandha) und Konzentration (Ḍṛṣti). So entsteht der kraftvolle Fluss einer dynamischen Meditation.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quelle ==&lt;br /&gt;
[https://de.ashtangayoga.info/ashtanga-yoga/cheat-sheets-pdf/ &#039;&#039;Spickzettel für Ashtanga Yoga (PDF)&#039;&#039;]&amp;lt;ref&amp;gt;[https://de.ashtangayoga.info/ashtanga-yoga/cheat-sheets-pdf/ &#039;&#039;Spickzettel für Ashtanga Yoga (PDF)&#039;&#039;] In: &#039;&#039;de.ashtangayoga.info.&#039;&#039; Abgerufen am 1. Mai 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Urheber ==&lt;br /&gt;
Dr. Ronald Steiner, AYI®&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lizenz ==&lt;br /&gt;
© Dr. Ronald Steiner, [https://de.ashtangayoga.info AYI.info]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Asana]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13570</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13570"/>
		<updated>2026-05-01T08:03:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Praktische Hinweise */ Ergänzung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rigveda MS2097.jpg|mini|Rigveda-Manuskript in Sanskrit]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Albert Einstein (Nobel).png|mini|Albert Einstein, Porträtfotografie von 1921]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein (1879–1955) verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Herz_190.gif|mini|Zusammenhang zwischen physischem und ätherischem Herzen, Skizze von Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aristotle Altemps Inv8575.jpg|mini|[[a:Aristoteles|Aristoteles]] begründete die klassische Logik]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigen&amp;amp;shy;tümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Eva Dora Cowdery Young Girl Reading a Book.jpg|mini|330px|Das Studium der Schriften ist im Yoga synonym mit dem Studium des [[Selbst]] und wird [[Svadhyaya]] genannt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig, so beschreibt es der Autor, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren um dann die Frage nach der Logik des Textes hinzuzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;!!! &#039;&#039;&#039;Anmerkung&#039;&#039;&#039;: Wir haben nun insgesamt eine große Anzahl von Zitaten (auch von Heinz Grill). Deswegen plädiere ich dafür, deinen ursprünglichen Plan umzusetzen, die Gedanken mit eigenen Worten darzustellen. Bitte zusammenhängender Text ohne ... !!!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nehmen Sie die wesentlichen Gedanken sehr sorgfältig in die vorstellende Bewusstheit. … Lesen Sie erneut die gleichen Absätze und überprüfen Sie ihre Erinnerung nach der Richtigkeit. Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? … Bilden Sie sich eine Vorstellung in möglichst genauer Anlehnung an die zentralen Gedanken des Textes und stellen Sie sich die Frage: Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik? … Überprüfen Sie durch sorgfältige Innen- und Außenschau Ihre Eindrücke und horchen Sie bewusst auf die stille Kommunikation, die mit den Gedanken entsteht. … Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen? … Die Absicht, die den Worten zugrunde liegt, spricht sich meist in jener Art aus, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind. … Auf diese Weise können Sie ein anspruchsvolles Werk abschnittweise erarbeiten, die Motive des Autors ergründen, sie in ihrem Wert akzeptieren oder sie im Bedarfsfall, wenn nötig, zurückweisen. … Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Raja Ravi Varma - Sankaracharya.jpg|mini|Adi Shankara (788-820), Gründer des Advaita Vedanta, mit Schülern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Flickr - dalbera - Shiva Natarâdja, Seigneur de la Danse (musée Guimet).jpg|mini|Shiva als [[w:Nataraja|Nataraja]], tanzend auf einem Dämon (um 1050)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des Bhakti-Yoga. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
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		<updated>2026-05-01T06:12:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Beschreibung */ Verlinkung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Der Zusammenhang zwischen physischem und [[a:ätherisch|ätherischem]] Herzen (Skizze von [[Rudolf Steiner]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quelle ==&lt;br /&gt;
[https://anthrowiki.at/Datei:Herz_190.gif AnthroWiki]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lizenz ==&lt;br /&gt;
{{Bild-AnthroWiki}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rudolf Steiner]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
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		<updated>2026-05-01T06:10:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: Daten eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
Der Zusammenhang zwischen physischem und ätherischem Herzen (Skizze von [[Rudolf Steiner]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quelle ==&lt;br /&gt;
[https://anthrowiki.at/Datei:Herz_190.gif AnthroWiki]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lizenz ==&lt;br /&gt;
{{Bild-AnthroWiki}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Rudolf Steiner]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
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		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13567</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
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		<updated>2026-05-01T06:06:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan */ Verlinkung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rigveda MS2097.jpg|mini|Rigveda-Manuskript in Sanskrit]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Albert Einstein (Nobel).png|mini|Albert Einstein, Porträtfotografie von 1921]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein (1879–1955) verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Herz_190.gif|mini|Zusammenhang zwischen physischem und ätherischem Herzen, Skizze von Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aristotle Altemps Inv8575.jpg|mini|[[a:Aristoteles|Aristoteles]] begründete die klassische Logik]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigen&amp;amp;shy;tümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Eva Dora Cowdery Young Girl Reading a Book.jpg|mini|330px|Das Studium der Schriften ist im Yoga das Studium des [[Selbst]] und wird [[Svadhyaya]] genannt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig, so beschreibt es der Autor, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren um dann die Frage nach der Logik des Textes hinzuzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;!!! &#039;&#039;&#039;Anmerkung&#039;&#039;&#039;: Wir haben nun insgesamt eine große Anzahl von Zitaten (auch von Heinz Grill). Deswegen plädiere ich dafür, deinen ursprünglichen Plan umzusetzen, die Gedanken mit eigenen Worten darzustellen. Bitte zusammenhängender Text ohne ... !!!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nehmen Sie die wesentlichen Gedanken sehr sorgfältig in die vorstellende Bewusstheit. … Lesen Sie erneut die gleichen Absätze und überprüfen Sie ihre Erinnerung nach der Richtigkeit. Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? … Bilden Sie sich eine Vorstellung in möglichst genauer Anlehnung an die zentralen Gedanken des Textes und stellen Sie sich die Frage: Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik? … Überprüfen Sie durch sorgfältige Innen- und Außenschau Ihre Eindrücke und horchen Sie bewusst auf die stille Kommunikation, die mit den Gedanken entsteht. … Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen? … Die Absicht, die den Worten zugrunde liegt, spricht sich meist in jener Art aus, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind. … Auf diese Weise können Sie ein anspruchsvolles Werk abschnittweise erarbeiten, die Motive des Autors ergründen, sie in ihrem Wert akzeptieren oder sie im Bedarfsfall, wenn nötig, zurückweisen. … Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Raja Ravi Varma - Sankaracharya.jpg|mini|Adi Shankara (788-820), Gründer des Advaita Vedanta, mit Schülern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Flickr - dalbera - Shiva Natarâdja, Seigneur de la Danse (musée Guimet).jpg|mini|Shiva als [[w:Nataraja|Nataraja]], tanzend auf einem Dämon (um 1050)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des Bhakti-Yoga. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13566</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13566"/>
		<updated>2026-05-01T06:04:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan */ Trennmöglichkeit eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rigveda MS2097.jpg|mini|Rigveda-Manuskript in Sanskrit]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Albert Einstein (Nobel).png|mini|Albert Einstein, Porträtfotografie von 1921]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein (1879–1955) verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Herz_190.gif|mini|Zusammenhang zwischen physischem und ätherischem Herzen, Skizze von Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Aristotle Altemps Inv8575.jpg|mini|Aristoteles begründete die klassische Logik]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigen&amp;amp;shy;tümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Eva Dora Cowdery Young Girl Reading a Book.jpg|mini|330px|Das Studium der Schriften ist im Yoga das Studium des [[Selbst]] und wird [[Svadhyaya]] genannt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig, so beschreibt es der Autor, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren um dann die Frage nach der Logik des Textes hinzuzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;!!! &#039;&#039;&#039;Anmerkung&#039;&#039;&#039;: Wir haben nun insgesamt eine große Anzahl von Zitaten (auch von Heinz Grill). Deswegen plädiere ich dafür, deinen ursprünglichen Plan umzusetzen, die Gedanken mit eigenen Worten darzustellen. Bitte zusammenhängender Text ohne ... !!!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nehmen Sie die wesentlichen Gedanken sehr sorgfältig in die vorstellende Bewusstheit. … Lesen Sie erneut die gleichen Absätze und überprüfen Sie ihre Erinnerung nach der Richtigkeit. Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? … Bilden Sie sich eine Vorstellung in möglichst genauer Anlehnung an die zentralen Gedanken des Textes und stellen Sie sich die Frage: Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik? … Überprüfen Sie durch sorgfältige Innen- und Außenschau Ihre Eindrücke und horchen Sie bewusst auf die stille Kommunikation, die mit den Gedanken entsteht. … Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen? … Die Absicht, die den Worten zugrunde liegt, spricht sich meist in jener Art aus, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind. … Auf diese Weise können Sie ein anspruchsvolles Werk abschnittweise erarbeiten, die Motive des Autors ergründen, sie in ihrem Wert akzeptieren oder sie im Bedarfsfall, wenn nötig, zurückweisen. … Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Raja Ravi Varma - Sankaracharya.jpg|mini|Adi Shankara (788-820), Gründer des Advaita Vedanta, mit Schülern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Flickr - dalbera - Shiva Natarâdja, Seigneur de la Danse (musée Guimet).jpg|mini|Shiva als [[w:Nataraja|Nataraja]], tanzend auf einem Dämon (um 1050)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des Bhakti-Yoga. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13565</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13565"/>
		<updated>2026-05-01T05:59:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Praktische Hinweise */ Interne Verlinkung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rigveda MS2097.jpg|mini|Rigveda-Manuskript in Sanskrit]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Albert Einstein (Nobel).png|mini|Albert Einstein, Porträtfotografie von 1921]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein (1879–1955) verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Herz_190.gif|mini|Zusammenhang zwischen physischem und ätherischem Herzen, Skizze von Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigentümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Eva Dora Cowdery Young Girl Reading a Book.jpg|mini|330px|Das Studium der Schriften ist im Yoga das Studium des [[Selbst]] und wird [[Svadhyaya]] genannt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig, so beschreibt es der Autor, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren um dann die Frage nach der Logik des Textes hinzuzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;!!! &#039;&#039;&#039;Anmerkung&#039;&#039;&#039;: Wir haben nun insgesamt eine große Anzahl von Zitaten (auch von Heinz Grill). Deswegen plädiere ich dafür, deinen ursprünglichen Plan umzusetzen, die Gedanken mit eigenen Worten darzustellen. Bitte zusammenhängender Text ohne ... !!!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nehmen Sie die wesentlichen Gedanken sehr sorgfältig in die vorstellende Bewusstheit. … Lesen Sie erneut die gleichen Absätze und überprüfen Sie ihre Erinnerung nach der Richtigkeit. Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? … Bilden Sie sich eine Vorstellung in möglichst genauer Anlehnung an die zentralen Gedanken des Textes und stellen Sie sich die Frage: Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik? … Überprüfen Sie durch sorgfältige Innen- und Außenschau Ihre Eindrücke und horchen Sie bewusst auf die stille Kommunikation, die mit den Gedanken entsteht. … Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen? … Die Absicht, die den Worten zugrunde liegt, spricht sich meist in jener Art aus, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind. … Auf diese Weise können Sie ein anspruchsvolles Werk abschnittweise erarbeiten, die Motive des Autors ergründen, sie in ihrem Wert akzeptieren oder sie im Bedarfsfall, wenn nötig, zurückweisen. … Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Raja Ravi Varma - Sankaracharya.jpg|mini|Adi Shankara (788-820), Gründer des Advaita Vedanta, mit Schülern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Flickr - dalbera - Shiva Natarâdja, Seigneur de la Danse (musée Guimet).jpg|mini|Shiva als [[w:Nataraja|Nataraja]], tanzend auf einem Dämon (um 1050)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des Bhakti-Yoga. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13564</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13564"/>
		<updated>2026-05-01T05:56:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Shivaismus */ Foto&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rigveda MS2097.jpg|mini|Rigveda-Manuskript in Sanskrit]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Albert Einstein (Nobel).png|mini|Albert Einstein, Porträtfotografie von 1921]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein (1879–1955) verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Herz_190.gif|mini|Zusammenhang zwischen physischem und ätherischem Herzen, Skizze von Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigentümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Eva Dora Cowdery Young Girl Reading a Book.jpg|mini|330px|Das Studium der Schriften ist im Yoga das Studium des Selbst und wird [[Svadhyaya]] genannt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig, so beschreibt es der Autor, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren um dann die Frage nach der Logik des Textes hinzuzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;!!! &#039;&#039;&#039;Anmerkung&#039;&#039;&#039;: Wir haben nun insgesamt eine große Anzahl von Zitaten (auch von Heinz Grill). Deswegen plädiere ich dafür, deinen ursprünglichen Plan umzusetzen, die Gedanken mit eigenen Worten darzustellen. Bitte zusammenhängender Text ohne ... !!!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nehmen Sie die wesentlichen Gedanken sehr sorgfältig in die vorstellende Bewusstheit. … Lesen Sie erneut die gleichen Absätze und überprüfen Sie ihre Erinnerung nach der Richtigkeit. Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? … Bilden Sie sich eine Vorstellung in möglichst genauer Anlehnung an die zentralen Gedanken des Textes und stellen Sie sich die Frage: Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik? … Überprüfen Sie durch sorgfältige Innen- und Außenschau Ihre Eindrücke und horchen Sie bewusst auf die stille Kommunikation, die mit den Gedanken entsteht. … Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen? … Die Absicht, die den Worten zugrunde liegt, spricht sich meist in jener Art aus, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind. … Auf diese Weise können Sie ein anspruchsvolles Werk abschnittweise erarbeiten, die Motive des Autors ergründen, sie in ihrem Wert akzeptieren oder sie im Bedarfsfall, wenn nötig, zurückweisen. … Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Raja Ravi Varma - Sankaracharya.jpg|mini|Adi Shankara (788-820), Gründer des Advaita Vedanta, mit Schülern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Flickr - dalbera - Shiva Natarâdja, Seigneur de la Danse (musée Guimet).jpg|mini|Shiva als [[w:Nataraja|Nataraja]], tanzend auf einem Dämon (um 1050)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des Bhakti-Yoga. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13563</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
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		<updated>2026-05-01T05:53:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Traditionen */ Weiteres Foto&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rigveda MS2097.jpg|mini|Rigveda-Manuskript in Sanskrit]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Albert Einstein (Nobel).png|mini|Albert Einstein, Porträtfotografie von 1921]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein (1879–1955) verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Herz_190.gif|mini|Zusammenhang zwischen physischem und ätherischem Herzen, Skizze von Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigentümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Eva Dora Cowdery Young Girl Reading a Book.jpg|mini|330px|Das Studium der Schriften ist im Yoga das Studium des Selbst und wird [[Svadhyaya]] genannt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig, so beschreibt es der Autor, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren um dann die Frage nach der Logik des Textes hinzuzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;!!! &#039;&#039;&#039;Anmerkung&#039;&#039;&#039;: Wir haben nun insgesamt eine große Anzahl von Zitaten (auch von Heinz Grill). Deswegen plädiere ich dafür, deinen ursprünglichen Plan umzusetzen, die Gedanken mit eigenen Worten darzustellen. Bitte zusammenhängender Text ohne ... !!!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nehmen Sie die wesentlichen Gedanken sehr sorgfältig in die vorstellende Bewusstheit. … Lesen Sie erneut die gleichen Absätze und überprüfen Sie ihre Erinnerung nach der Richtigkeit. Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? … Bilden Sie sich eine Vorstellung in möglichst genauer Anlehnung an die zentralen Gedanken des Textes und stellen Sie sich die Frage: Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik? … Überprüfen Sie durch sorgfältige Innen- und Außenschau Ihre Eindrücke und horchen Sie bewusst auf die stille Kommunikation, die mit den Gedanken entsteht. … Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen? … Die Absicht, die den Worten zugrunde liegt, spricht sich meist in jener Art aus, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind. … Auf diese Weise können Sie ein anspruchsvolles Werk abschnittweise erarbeiten, die Motive des Autors ergründen, sie in ihrem Wert akzeptieren oder sie im Bedarfsfall, wenn nötig, zurückweisen. … Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Raja Ravi Varma - Sankaracharya.jpg|mini|Adi Shankara (788-820), Gründer des Advaita Vedanta, mit Schülern]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des Bhakti-Yoga. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13562</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13562"/>
		<updated>2026-05-01T05:47:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Praktische Hinweise */ Foto eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rigveda MS2097.jpg|mini|Rigveda-Manuskript in Sanskrit]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Albert Einstein (Nobel).png|mini|Albert Einstein, Porträtfotografie von 1921]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein (1879–1955) verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Herz_190.gif|mini|Zusammenhang zwischen physischem und ätherischem Herzen, Skizze von Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigentümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Eva Dora Cowdery Young Girl Reading a Book.jpg|mini|330px|Das Studium der Schriften ist im Yoga das Studium des Selbst und wird [[Svadhyaya]] genannt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig, so beschreibt es der Autor, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren um dann die Frage nach der Logik des Textes hinzuzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;!!! &#039;&#039;&#039;Anmerkung&#039;&#039;&#039;: Wir haben nun insgesamt eine große Anzahl von Zitaten (auch von Heinz Grill). Deswegen plädiere ich dafür, deinen ursprünglichen Plan umzusetzen, die Gedanken mit eigenen Worten darzustellen. Bitte zusammenhängender Text ohne ... !!!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nehmen Sie die wesentlichen Gedanken sehr sorgfältig in die vorstellende Bewusstheit. … Lesen Sie erneut die gleichen Absätze und überprüfen Sie ihre Erinnerung nach der Richtigkeit. Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? … Bilden Sie sich eine Vorstellung in möglichst genauer Anlehnung an die zentralen Gedanken des Textes und stellen Sie sich die Frage: Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik? … Überprüfen Sie durch sorgfältige Innen- und Außenschau Ihre Eindrücke und horchen Sie bewusst auf die stille Kommunikation, die mit den Gedanken entsteht. … Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen? … Die Absicht, die den Worten zugrunde liegt, spricht sich meist in jener Art aus, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind. … Auf diese Weise können Sie ein anspruchsvolles Werk abschnittweise erarbeiten, die Motive des Autors ergründen, sie in ihrem Wert akzeptieren oder sie im Bedarfsfall, wenn nötig, zurückweisen. … Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des Bhakti-Yoga. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13561</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13561"/>
		<updated>2026-05-01T05:43:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan */ Text gekürzt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rigveda MS2097.jpg|mini|Rigveda-Manuskript in Sanskrit]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Albert Einstein (Nobel).png|mini|Albert Einstein, Porträtfotografie von 1921]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein (1879–1955) verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Herz_190.gif|mini|Zusammenhang zwischen physischem und ätherischem Herzen, Skizze von Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigentümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig, so beschreibt es der Autor, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren um dann die Frage nach der Logik des Textes hinzuzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;!!! &#039;&#039;&#039;Anmerkung&#039;&#039;&#039;: Wir haben nun insgesamt eine große Anzahl von Zitaten (auch von Heinz Grill). Deswegen plädiere ich dafür, deinen ursprünglichen Plan umzusetzen, die Gedanken mit eigenen Worten darzustellen. Bitte zusammenhängender Text ohne ... !!!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nehmen Sie die wesentlichen Gedanken sehr sorgfältig in die vorstellende Bewusstheit. … Lesen Sie erneut die gleichen Absätze und überprüfen Sie ihre Erinnerung nach der Richtigkeit. Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? … Bilden Sie sich eine Vorstellung in möglichst genauer Anlehnung an die zentralen Gedanken des Textes und stellen Sie sich die Frage: Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik? … Überprüfen Sie durch sorgfältige Innen- und Außenschau Ihre Eindrücke und horchen Sie bewusst auf die stille Kommunikation, die mit den Gedanken entsteht. … Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen? … Die Absicht, die den Worten zugrunde liegt, spricht sich meist in jener Art aus, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind. … Auf diese Weise können Sie ein anspruchsvolles Werk abschnittweise erarbeiten, die Motive des Autors ergründen, sie in ihrem Wert akzeptieren oder sie im Bedarfsfall, wenn nötig, zurückweisen. … Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des Bhakti-Yoga. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13560</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13560"/>
		<updated>2026-05-01T05:42:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan */ Foto eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rigveda MS2097.jpg|mini|Rigveda-Manuskript in Sanskrit]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Albert Einstein (Nobel).png|mini|Albert Einstein, Porträtfotografie von 1921]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein (1879–1955) verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Herz_190.gif|mini|Der Zusammenhang zwischen physischem und ätherischem Herzen&amp;lt;br&amp;gt;Skizze von Rudolf Steiner]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigentümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig, so beschreibt es der Autor, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren um dann die Frage nach der Logik des Textes hinzuzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;!!! &#039;&#039;&#039;Anmerkung&#039;&#039;&#039;: Wir haben nun insgesamt eine große Anzahl von Zitaten (auch von Heinz Grill). Deswegen plädiere ich dafür, deinen ursprünglichen Plan umzusetzen, die Gedanken mit eigenen Worten darzustellen. Bitte zusammenhängender Text ohne ... !!!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nehmen Sie die wesentlichen Gedanken sehr sorgfältig in die vorstellende Bewusstheit. … Lesen Sie erneut die gleichen Absätze und überprüfen Sie ihre Erinnerung nach der Richtigkeit. Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? … Bilden Sie sich eine Vorstellung in möglichst genauer Anlehnung an die zentralen Gedanken des Textes und stellen Sie sich die Frage: Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik? … Überprüfen Sie durch sorgfältige Innen- und Außenschau Ihre Eindrücke und horchen Sie bewusst auf die stille Kommunikation, die mit den Gedanken entsteht. … Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen? … Die Absicht, die den Worten zugrunde liegt, spricht sich meist in jener Art aus, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind. … Auf diese Weise können Sie ein anspruchsvolles Werk abschnittweise erarbeiten, die Motive des Autors ergründen, sie in ihrem Wert akzeptieren oder sie im Bedarfsfall, wenn nötig, zurückweisen. … Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des Bhakti-Yoga. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Datei:Herz_190.gif&amp;diff=13559</id>
		<title>Datei:Herz 190.gif</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Datei:Herz_190.gif&amp;diff=13559"/>
		<updated>2026-05-01T05:40:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13558</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13558"/>
		<updated>2026-05-01T05:36:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen */ Foto von Einstein eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rigveda MS2097.jpg|mini|Rigveda-Manuskript in Sanskrit]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Albert Einstein (Nobel).png|mini|Albert Einstein, Porträtfotografie von 1921]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein (1879–1955) verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigentümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig, so beschreibt es der Autor, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren um dann die Frage nach der Logik des Textes hinzuzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;!!! &#039;&#039;&#039;Anmerkung&#039;&#039;&#039;: Wir haben nun insgesamt eine große Anzahl von Zitaten (auch von Heinz Grill). Deswegen plädiere ich dafür, deinen ursprünglichen Plan umzusetzen, die Gedanken mit eigenen Worten darzustellen. Bitte zusammenhängender Text ohne ... !!!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nehmen Sie die wesentlichen Gedanken sehr sorgfältig in die vorstellende Bewusstheit. … Lesen Sie erneut die gleichen Absätze und überprüfen Sie ihre Erinnerung nach der Richtigkeit. Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? … Bilden Sie sich eine Vorstellung in möglichst genauer Anlehnung an die zentralen Gedanken des Textes und stellen Sie sich die Frage: Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik? … Überprüfen Sie durch sorgfältige Innen- und Außenschau Ihre Eindrücke und horchen Sie bewusst auf die stille Kommunikation, die mit den Gedanken entsteht. … Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen? … Die Absicht, die den Worten zugrunde liegt, spricht sich meist in jener Art aus, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind. … Auf diese Weise können Sie ein anspruchsvolles Werk abschnittweise erarbeiten, die Motive des Autors ergründen, sie in ihrem Wert akzeptieren oder sie im Bedarfsfall, wenn nötig, zurückweisen. … Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des Bhakti-Yoga. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13557</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13557"/>
		<updated>2026-05-01T05:30:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Intuitives Wissen in der Zeit der Veden */ Foto eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rigveda MS2097.jpg|mini|Rigveda-Manuskript in Sanskrit]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigentümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig, so beschreibt es der Autor, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren um dann die Frage nach der Logik des Textes hinzuzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;!!! &#039;&#039;&#039;Anmerkung&#039;&#039;&#039;: Wir haben nun insgesamt eine große Anzahl von Zitaten (auch von Heinz Grill). Deswegen plädiere ich dafür, deinen ursprünglichen Plan umzusetzen, die Gedanken mit eigenen Worten darzustellen. Bitte zusammenhängender Text ohne ... !!!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nehmen Sie die wesentlichen Gedanken sehr sorgfältig in die vorstellende Bewusstheit. … Lesen Sie erneut die gleichen Absätze und überprüfen Sie ihre Erinnerung nach der Richtigkeit. Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? … Bilden Sie sich eine Vorstellung in möglichst genauer Anlehnung an die zentralen Gedanken des Textes und stellen Sie sich die Frage: Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik? … Überprüfen Sie durch sorgfältige Innen- und Außenschau Ihre Eindrücke und horchen Sie bewusst auf die stille Kommunikation, die mit den Gedanken entsteht. … Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen? … Die Absicht, die den Worten zugrunde liegt, spricht sich meist in jener Art aus, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind. … Auf diese Weise können Sie ein anspruchsvolles Werk abschnittweise erarbeiten, die Motive des Autors ergründen, sie in ihrem Wert akzeptieren oder sie im Bedarfsfall, wenn nötig, zurückweisen. … Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des Bhakti-Yoga. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=%C3%84pfel&amp;diff=13556</id>
		<title>Äpfel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=%C3%84pfel&amp;diff=13556"/>
		<updated>2026-05-01T05:02:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: Korrektur&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Apples 8120.jpg|mini|330px|Äpfel am Baum]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;&#039;Äpfel&#039;&#039;&#039; (&#039;&#039;Malus&#039;&#039;) bilden eine Pflanzengattung der [[w:Kernobstgewächse|Kernobstgewächse]] (&#039;&#039;Pyrinae&#039;&#039;) aus der Familie der [[w:Rosengewächse|Rosengewächse]] (&#039;&#039;Rosaceae&#039;&#039;). Die Gattung umfasst etwa 42 bis 55 Arten laubwerfender Bäume und Sträucher aus Wäldern und Dickichten der nördlichen gemäßigten Zone in Europa, Asien und Nordamerika, aus denen auch eine große Anzahl an oft schwer unterscheidbaren [[w:Hybride|Hybriden]] hervorgegangen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die weltweit mit Abstand bekannteste und wirtschaftlich sehr bedeutende Art ist der [[w:Kulturapfel|Kulturapfel]] (&#039;&#039;Malus domestica&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Daneben werden manche aus Ostasien stammende Arten mit nur etwa kirschgroßen Früchten, wie etwa der [[w:Japanischer Apfel|Japanische Apfel]] (&#039;&#039;Malus floribunda&#039;&#039;) oder der [[w:Kirschapfel|Kirschapfel]] (&#039;&#039;Malus baccata&#039;&#039;) in gemäßigten Klimagebieten als Ziersträucher und -bäume angepflanzt. Nicht zu verwechseln mit den Äpfeln sind die nicht näher verwandten [[w:Granatapfel|Granatäpfel]] (&#039;&#039;Punica granatum&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus geistiger Sicht macht der Apfel den Menschen tauglich, dass er sich mehr „in der Erde aufhalten will“ und mehr [[Interesse]] entwickelt für irdische Begebenheiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wortherkunft ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort &#039;&#039;Apfel&#039;&#039; wird auf die [[w:Indogermanische Ursprache|indogermanische]] Grundform *&#039;&#039;h₂ébōl&#039;&#039; zurückgeführt, die nur Fortsetzungen im Nordwestindogermanischen (Germanisch, Keltisch, Baltisch und Slawisch) hat und dort in allen Formen den Apfel bezeichnet. In der Forschung herrscht Uneinigkeit darüber, wie die Form genau anzusetzen ist und ob es sich um das indogermanische Apfelwort handelt oder eine Entlehnung aus einer nicht-indogermanischen Sprache (vgl. kasachisch &#039;&#039;alma&#039;&#039;, [[w:Burushaski|burushaski]] &#039;&#039;báalt&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Hermann Berger: &#039;&#039;Mittelmeerische Kulturpflanzennamen aus dem Burušaski.&#039;&#039; In: &#039;&#039;Münchener Studien zur Sprachwissenschaft.&#039;&#039; 9,&amp;amp;nbsp;1956, S.&amp;amp;nbsp;4–33.&amp;lt;/ref&amp;gt;).&amp;lt;ref&amp;gt;Eric P. Hamp: &#039;&#039;The North European Word for »Apple«.&#039;&#039; In: &#039;&#039;Zeitschrift für Keltische Philologie.&#039;&#039; 37, 1979, S.&amp;amp;nbsp;158–166.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Thomas L. Markey: &#039;&#039;Eurasian »apple« as arboreal unit and item of culture.&#039;&#039; In: &#039;&#039;The Journal of Indo-European Studies.&#039;&#039; 16, 1988, S.&amp;amp;nbsp;49–68.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus der idg. Genitivform *&#039;&#039;h₂eb-l-ós&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;appel.&#039;&#039; In: Marlies Philippa u.&amp;amp;nbsp;a.: &#039;&#039;Etymologisch Woordenboek van het Nederlands&#039;&#039;. Amsterdam University Press, Amsterdam 2003–2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; entwickelt sich das [[w:Urgermanisch|urgermanische]] Apfelwort *&#039;&#039;aplaz&#039;&#039;, aus dem (mit [[w:Westgermanisch|westgermanischer]] [[w:Gemination (Sprache)|Gemination]] vor -&#039;&#039;l&#039;&#039;-) althochdeutsch &#039;&#039;apful&#039;&#039;, &#039;&#039;afful&#039;&#039; &amp;gt; &#039;&#039;Apfel&#039;&#039; (Mehrzahl &#039;&#039;epfili&#039;&#039; &amp;gt; &#039;&#039;Äpfel&#039;&#039;), englisch &#039;&#039;apple&#039;&#039; und niederländisch &#039;&#039;appel&#039;&#039; hervorgehen.&amp;lt;ref&amp;gt;(1) Karl Heinz Mottausch: &#039;&#039;Der Nominalakzent im Frühurgermanischen.&#039;&#039; Hamburg 2011, S.&amp;amp;nbsp;77. — (2) Dagmar S.&amp;amp;nbsp;Wodtko, Britta Irslinger, Carolin Schneider: &#039;&#039;Nomina im Indogermanischen Lexikon.&#039;&#039; Heidelberg 2008, S.&amp;amp;nbsp;262&amp;amp;nbsp;ff. — (3) F.&amp;amp;nbsp;Kluge, E. Seebold: &#039;&#039;Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der wissenschaftliche Gattungsname &#039;&#039;Malus&#039;&#039; ist abgeleitet von dem lateinischen Wort &#039;&#039;malum&#039;&#039;, das auf Deutsch sowohl „Apfel“ als auch „Übel“, „Unheil“ oder „böse“ bedeutet.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.navigium.de/latein-woerterbuch/malum?nr=null &#039;&#039;malum – Übersetzung und Redewendungen Latein/Deutsch.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Navigum.&#039;&#039; Abgerufen am 27. Oktober 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weiterführende Gedanken zur Wortherkunft ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Jeu d&#039;Adam.jpg|mini|&#039;&#039;Le Jeu d&#039;Adam&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Anonyme Buchmalerei zur Versuchungsszene (11.&amp;amp;nbsp;Jhd.)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[a:Wilhelm Pelikan|Wilhelm Pelikan]] (1893–1981), Chemiker und anthroposophischer Heilmittelforscher, wies darauf hin, dass zu der Familie der &#039;&#039;Rosaceae&#039;&#039; auch die Rosen gehören. Den Apfel erscheint als Frucht in der Versuchungsgeschichte von Adam und Eva, wohingegen die [[Kulturrose|Rose]] mit ihrer Blütenwirkung die Liebeszierde darstelle.&amp;lt;ref&amp;gt;Wilhelm Pelikan: &#039;&#039;Heilpflanzenkunde I.&#039;&#039; 6. Auflage. Verlag am Goetheanum, Dornach 1999, S.&amp;amp;nbsp;227.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] (1861–1925), Begründer der Anthroposophie, kommt in Untersuchungen über das [[a:Ich|Ich]], das er als das höchste Wesensglied des Menschen bezeichnet, auf das Ergebnis, dass mit dem Begriff „Übel“ (&#039;&#039;malus&#039;&#039;) aus dem [[a:Vaterunser|Vaterunser]] die Fehlung des Menschen aus Egoismus gemeint sei. Dies sei das Sinnbild des Apfels und seine Bedeutung in der Versuchungsszene von Adam und Eva:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Das Ich ist die Quelle der Selbständigkeit im Menschen und zugleich die Quelle des Egoismus, der Selbstsucht Das Ich ist in diesem Sinne das Übel, das Symbolum dafür. Malum heißt «Apfel» und «Übel». Der Sündenfall ist das Übel, das Fehlen aus Egoismus.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Das christliche Mysterium.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;97. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1998, ISBN 3-7274-0970-3, S.&amp;amp;nbsp;122. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_097.pdf#page=122&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beschreibung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Habitus und Belaubung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Ruhland, Grenzstr. 3, Apfelbaum (Malus domestica), Blatt, 01.jpg|mini|&amp;lt;center&amp;gt;Apfelbaum (&#039;&#039;Malus domestica&#039;&#039;), Blatt&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Arten der Gattung Äpfel (&#039;&#039;Malus&#039;&#039;) sind sommergrüne Bäume oder Sträucher. Sie sind meist unbewehrt. Die wechselständig angeordneten Laubblätter sind gestielt. Die einfache [[w:Blatt_(Pflanze)#Blattspreite|Blattspreite]] ist oval bis eiförmig oder elliptisch. Die Blattränder sind meist gesägt, selten glatt und manchmal gelappt. Einige Arten bzw. Sorten werden wegen ihres purpurnen Laubes im Herbst geschätzt. [[w:Nebenblatt|Nebenblätter]] sind vorhanden, verwelken aber oft früh.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Blütenstände und Blüten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Malus domestica a1.jpg|mini|&amp;lt;center&amp;gt;Apfelblüte&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die gestielten Blüten der Apfelbäume stehen einzeln oder in [[w:Dolde|doldigen]] [[w:Schirmrispe|schirmrispigen]] Blütenständen. Die fünfzähligen, zwittrigen, [[w:Radiärsymmetrie|radiärsymmetrischen]] Blüten sind meist flach becherförmig und weisen meist einen Durchmesser von 2 bis 5&amp;amp;nbsp;cm auf. Häufig duften die Blüten. Die Blütenachse ist krugförmig. Die fünf grünen [[w:Kelchblatt|Kelchblätter]] sind auch noch an den Früchten erhalten. Die fünf freien [[w:Kronblatt|Kronblätter]] sind weiß, rosa oder rot. In jeder Blüte sind viele (15 bis 50) [[w:Staubblatt|Staubblätter]] vorhanden, mit weißen Staubfäden und gelben Staubbeuteln. Aus drei bis fünf [[w:Fruchtblatt|Fruchtblättern]] besteht der unterständige [[w:Fruchtknoten|Fruchtknoten]]. Die drei bis fünf Griffel sind nur an ihrer Basis verwachsen. Bei einigen Züchtungen sind die Blüten, durch Umwandlung der Staubblätter in kronblattähnliche Blütenblätter, halbgefüllt oder gefüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Früchte und Samen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Sterappel dwarsdrsn.jpg|mini|&amp;lt;center&amp;gt;Querschnitt durch einen Apfel&amp;lt;/center&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gemeinhin bekannt sind die mehr oder minder rundlichen, essbaren Früchte. Bei einigen Arten sind sie roh ungenießbar. Das fleischige Gewebe, das normalerweise als Frucht bezeichnet wird, entsteht nicht aus dem Fruchtknoten, sondern aus der Blütenachse; der Biologe spricht daher von [[w:Scheinfrucht|Scheinfrüchten]]. Genauer ist die Apfelfrucht eine Sonderform der [[w:Sammelbalgfrucht|Sammelbalgfrucht]]. Ein [[w:Balgfrucht|Balg]] besteht aus einem Fruchtblatt, das mit sich selbst verwächst. Innerhalb des Fruchtfleisches entsteht aus dem balgähnlichen Fruchtblatt ein pergamentartiges Gehäuse. Im Fruchtfleisch selbst sind höchstens noch vereinzelt Steinzellennester enthalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Samen sind braun oder schwarz; sie enthalten geringe Mengen an giftigen [[w:Cyanid|Cyaniden]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
→ Zur Systematik der Arten siehe gleichnamiges Kapitel im Artikel [[w:Äpfel#Systematik_der_Arten|Äpfel]] in Wikipedia.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Nährstoffe ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Angaben des Bundeszentrums für Ernährung befinden sich die meisten Vitamine und sekundären Pflanzeninhaltsstoffe „direkt in oder unter der Schale“. Deshalb sei es wichtig, das Obst mit Schale zu genießen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.bzfe.de/lebensmittel/vom-acker-bis-zum-teller/aepfel/aepfel-gesund-essen/ &#039;&#039;Äpfel: Gesund essen. Die Inhaltsstoffe des Apfels.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Bundeszentrums für Ernährung.&#039;&#039; Abgerufen am 27. Oktober 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durchschnittlicher Nährstoffgehalt eines Apfels:&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Red Apple.jpg|mini|Die meisten Vitamine und sekundären Pflanzeninhaltsstoffe befinden sich direkt in oder unter der Schale des Apfels.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:11px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot; style=&amp;quot;color:green; background-color:#ffffcc;&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:17em&amp;quot;| Nährstoff !! style=&amp;quot;width:6em&amp;quot;| Gehalt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Energie || 57 kcal&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Kohlenhydrate || 11,4 g&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ballaststoffe || 2,0 g&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [[Eiweiß]] || 0,3 g&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Fett || 0,6 g&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wasser || 85 g&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Vitamin C || 12 mg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Vitamin A in Retinoläquivalent (RÄ) || 6 µg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Kalium || 120 mg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Kalzium || 5 mg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Eisen || 0,25 mg&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kohlenhydrate stellen nach dem Wasser den größten Bestandteil des Apfels dar. Sie bestehen hauptsächlich aus verschiedenen Zuckern und nur 2&amp;amp;nbsp;% davon sind Ballaststoffe und Stärke. Der Anteil von [[w:Pektin|Pektin]] beträgt etwa 0,55&amp;amp;nbsp;%. Pektine dienen den gesundheitsfördernden [[w:Darmbakterien|Darmbakterien]] als Nahrungsquelle.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://infothek-gesundheit.de/apfel-inhaltsstoffe-kalorien-und-naehrwert/ &#039;&#039;Apfel: Inhaltsstoffe, Kalorien und Nährwert.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;infothek-gesundheit.de.&#039;&#039; Abgerufen am 27. Oktober 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aphorismen und Redewendungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Appels - s0131V1962 - Van Gogh Museum.jpg|mini|&#039;&#039;Stilleben mit Äpfeln&#039;&#039; (1887)&amp;lt;br&amp;gt;[[w:Vincent van Gogh|Vincent van Gogh]]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat-en|An apple a day keeps the doctor away.}}&lt;br /&gt;
{{Zitat|Ein Apfel am Tag hält dir den Arzt vom Leib.|Englische Redewendung&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.geo.de/geolino/redewendungen/7158-rtkl-englische-redewendung-apple-day-keeps-doctor-away &#039;&#039;Redewendungen.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;geo.de.&#039;&#039; Abgerufen am 28. Oktober 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Über Rosen läßt sich dichten,&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
In die Äpfel muß man beißen.|[[a:Johann Wolfgang von Goethe|Johann Wolfgang von Goethe]] (1749–1832)&amp;lt;ref&amp;gt;Johann Wolfgang von Goethe: &#039;&#039;Faust.&#039;&#039; Der Tragödie zweiter Teil, 1832. 1. Akt. ([https://www.aphorismen.de/zitat/120764 Online] in: &#039;&#039;aphorismen.de.&#039;&#039;)&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Wenn ich aber tot sein werde, so tut mir die Liebe und kratzt nicht alles hervor, was ich je gesagt, geschrieben oder getan. Glaubet nicht, daß in der Breite meines Lebens das liegt, was euch wahrhaft dienlich sein kann.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ißt man denn an einem Apfel auch alles mit: die Kerne, das Kerngehäuse, die Schale, den Stengel? Also lernt auch mich essen und schlingt mich nicht hinunter mit alledem, was nun zwar zu mir gehört und gehörte, aber von dem ich selbst so wenig wissen will, wie ihr davon sollt wissen wollen. Laßt mein allzuvergänglich Teil ruhen und zerfallen: Dann erst liebt ihr mich wirklich, habt ihr mich wirklich verstanden.|[[a:Christian Morgenstern|Christian Morgenstern]] (1871–1914)&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.gutenberg.org/cache/epub/15898/pg15898-images.html &#039;&#039;Stufen: Eine Entwickelung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Gutenberg Projekt.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;35. Abgerufen am 28. Oktober 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geistige Gedanken zum Apfel ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] beschreibt aus geistiger Forschung, dass der Apfel den Menschen näher mit dem Element der Erde verbinde und darin eine gesundheitsfördernde und reinigende Wirkung bestehe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Apples 8116.jpg|mini|330px|„Mit dem Apfel ernähren wir uns tendenziell mehr mit etwas Erdverbundenerem.“]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Gibt man beispielsweise zum [[Getreide]], zu Erbsen oder Linsen einen Apfel, so wird nicht nur die Bekömmlichkeit gefördert, sondern die [[Eiweiß|Eiweißumsetzung]] erhöht sich; der Apfel verbessert die gesamte Nahrungsverwertung. Diese Faktoren sind jedoch nicht durch eine wissenschaftliche Forschungsmethode nachweisbar. Jeder Einzelne kann sich durch die Entwicklung seiner tieferen Sinne ein Wissen dafür aneignen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. Die geistige Bedeutung der Nahrung.&#039;&#039; 9. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-2-0, S.&amp;amp;nbsp;29.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir sehen beim Apfel, was nicht ganz unbedeutend ist, eine Art Herzform. Es ist wirklich wahr, aber der Apfel wirkt auf das Herz des Menschen sehr günstig. Gleichzeitig wirkt der Apfel durch seine Pektine auf die [[Mikrobiom|Darmflora]], indem er Toxine aufnimmt. Indem der Apfel diese Toxine aufnimmt, die sich in der Darmflora bilden, gewinnt derjenige, der sich auf diese Weise ausreichend ernährt, eine besondere und bessere Vorliebe für die Erde. Er fühlt sich mit der Zeit wohler in der Erde. Dadurch ist auch der Ausspruch gerechtfertigt, dass der Apfel den Arzt erspart. Die gesundheitsfördernde und reinigende Wirkung des Apfels, die das Erdenelement begünstigt, die den Menschen tauglich macht, dass er sich mehr in der Erde aufhalten will und kann, ist vordergründig. Er wird mehr [[Interesse]] entwickeln für irdische Begebenheiten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die geistige Bedeutung des Zitrusbaumes sowie des Lorbeer- und Olivenbaums.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, Broschüre, ISBN 978-3-941995-90-1, S.&amp;amp;nbsp;6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Vortrag über [[a:Paracelsus|Paracelsus]] drückt [[Rudolf Steiner]] aus, dass der Apfelkern Kraft für das Wachstum aus der Umgebung zieht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was Paracelsus auszeichnet, ist der einheitliche Blick in das Geistige. Der Mensch ist für ihn daher nicht der Mensch, in den man bei der Untersuchung sinnlich hineinschlüpft, sondern er steht für ihn im Zusammenhang mit der ganzen Natur. Er sagt: Schaut euch einmal den Apfel an und dann den Apfelkern. Ihr könnt nicht begreifen, wie der Apfelkern wächst, wenn ihr nicht den ganzen Apfel betrachtet. Der Kern zieht aus der Umgebung, dem Apfel, die Kraft, und so ist es mit dem Menschen und der ganzen Welt wie mit dem Apfel und dem Apfelkern. – Derjenige versteht nicht – im Sinne des Paracelsus – den Apfelkern, der nur den Kern untersucht und nicht den Apfel. Daher gibt es für ihn keine Medizin und keine Naturwissenschaft, die nicht zugleich Astronomie und Gotteserkenntnis ist. In diesem Zusammenhang muss man den Menschen verstehen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Welträtsel und die Anthroposophie.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;54. 2.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1983, ISBN 3-7274-0540-6, S.&amp;amp;nbsp;477. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_054.pdf#page=477&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner tätigt im Verlauf seines Vortrags zum Thema „Die Kräfte der Erde und des Kosmos“ die Aussage, dass für die Beurteilung des Pflanzenwachstums die Erkenntnis Grundlage ist, was an einer Pflanze kosmisch ist und was terrestrisch bzw. irdisch. Er findet es für eine zukünftige Landwirtschaft wichtig, an der Wurzel und dem Blatt das Kosmische mehr zu erhalten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Denn wenn Sie Aprikosen oder Pflaumen mit feinem [[Geschmackssinn|Geschmack]] haben, so ist dieser feine Geschmack, ebenso wie die Farbe der Blüten, das bis in die Frucht heraufgekommene Kosmische. Im Apfel essen Sie tatsächlich den Jupiter, in der Pflaume essen Sie tatsächlich den Saturn. Und wenn die Menschheit mit ihrer heutigen Kenntnis vor die Notwendigkeit versetzt wäre, aus mancherlei, aber wenigen Pflanzen der irdischen Urzeit die Mannigfaltigkeit unserer Obstsorten zu erzeugen, sie würde nicht weit kommen, wenn die Formen unserer Obstsorten nicht schon vererbt wären und erzeugt worden wären in einer Zeit, wo man aus einer instinktiven Urweisheit in der Menschheit noch etwas gewußt hat über die Erzeugung der Obstsorten aus primitiven Sorten, die da waren. […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Wie in alten Zeiten es notwendig war, daß man Kenntnisse hatte, die wirklich hineingingen in das Gefüge der Natur, so brauchen auch wir heute wieder Kenntnisse, die wirklich hineingehen in das Gefüge der Natur.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. Landwirtschaftlicher Kurs.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;327. 8.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1999, ISBN 3-7274-3270-5, S.&amp;amp;nbsp;58–59. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_327.pdf#page=58&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Adrian Diel: &#039;&#039;Versuch einer systematischen Beschreibung in Deutschland vorhandener Kernobstsorten&#039;&#039;. 26 Bände, 1799–1832. ([https://pomologie.ub.tu-berlin.de/A__Diel_Kernobstsorten/body_a__diel_kernobstsorten.html Digitalisat])&lt;br /&gt;
* J. P. Robinson, S.&amp;amp;nbsp;A. Harris, B. E. Juniper: &#039;&#039;Taxonomy of the genus Malus Mill. (Rosaceae) with emphasis on the cultivated apple, Malus domestica Borkh.&#039;&#039; In: &#039;&#039;Plant Systematics and Evolution.&#039;&#039; Volume 226, 2001, S.&amp;amp;nbsp;35–58.&lt;br /&gt;
* Verena und Markus Füllemann, Alex Baenninger: &#039;&#039;Faites vos pommes! Eine Art Kulturgeschichte des Apfels.&#039;&#039; Benteli, Wabern/Bern 1997, ISBN 3-7165-1070-X.&lt;br /&gt;
* Gu Cuizhi (Ku Tsue-chih), Stephen A. Spongberg: &#039;&#039;Malus.&#039;&#039; In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): &#039;&#039;Flora of China&#039;&#039;, Volume 9 - &#039;&#039;Pittosporaceae through Connaraceae&#039;&#039;, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2003, ISBN 1-930723-14-8, S 179. ([http://www.efloras.org/florataxon.aspx?flora_id=2&amp;amp;taxon_id=119570 Online], Abschnitte Beschreibung und Systematik)&lt;br /&gt;
* Rolf Bühl et al.: &#039;&#039;Mehr Freude am Garten. Zier- und Nutzpflanzen für drinnen und draußen.&#039;&#039; Verlag &#039;&#039;Das Beste&#039;&#039;, Stuttgart 1978. (div. Abschnitte zu Schädlingen)&lt;br /&gt;
* Caty Schernus: &#039;&#039;Das Apfelbuch Berlin-Brandenburg. Alte Sorten wiederentdeckt.&#039;&#039; be.bra verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-86124-676-3.&lt;br /&gt;
* Barrie E. Juniper und David J. Mabberley: &#039;&#039;Die Geschichte des Apfels. Von der Wildfrucht zum Kulturgut&#039;&#039;. Aus dem Englischen von Claudia Huber. Haupt, Bern 2022, ISBN 978-3-258-08264-6.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie:Pflanzenreich|Kategorie: Pflanzenreich]] mit weiteren Artikeln zu Pflanzen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia}}&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4002405-2}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Pflanzenreich]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heilsame Ernährung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Frieden&amp;diff=13555</id>
		<title>Frieden</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Frieden&amp;diff=13555"/>
		<updated>2026-05-01T05:00:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:The Shanti Stupa at sunrise.png|mini|Die Shanti Stupa (Anadu-Berg in Nepal), ein buddhistisches Bauwerk, wird auch als &#039;&#039;Weltfriedenspagode&#039;&#039; bezeichnet. Shanti (Sanskrit: शान्ति &#039;&#039;śānti&#039;&#039;) bedeutet übersetzt „Frieden“.&amp;lt;ref&amp;gt;siehe den Artikel [[y:Shanti|&#039;&#039;Shanti&#039;&#039;]] in der Yogawiki.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Peace symbol.svg|mini|Häufig verwendetes Friedenszeichen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Frieden&#039;&#039;&#039; (älterer Nominativ &#039;&#039;&#039;Friede&#039;&#039;&#039;, von althochdeutsch &#039;&#039;fridu&#039;&#039; „Schonung“, „Freundschaft“) ist allgemein definiert als ein heilsamer Zustand der Stille oder Ruhe, als die Abwesenheit von Störung oder Beunruhigung und besonders von Krieg. Frieden ist das Ergebnis der Tugend der „Friedfertigkeit“ und damit verbundener Friedensbemühungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Frieden&#039;&#039; ist im heutigen Sprachgebrauch der allgemeine Zustand zwischen Menschen, sozialen Gruppen oder Staaten, in dem bestehende Konflikte in rechtlich festgelegten Normen ohne Gewalt ausgetragen werden. Der Begriff bezeichnet einen Zustand in der Beziehung zwischen Völkern und Staaten, der den Krieg zur Durchsetzung von Politik ausschließt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Sprache deutschsprachiger Juristen ist von &#039;&#039;Frieden&#039;&#039; auch im Zusammenhang mit innenpolitischen Auseinandersetzungen (Straftatbestand des &#039;&#039;Landfriedensbruchs&#039;&#039;), mit dem Arbeitsleben (Störung des &#039;&#039;Betriebsfriedens als Kategorie des Betriebsverfassungsgesetzes&#039;&#039;) und mit dem Schutz des Privateigentums (Straftatbestand des&#039;&#039; &#039;&#039;Hausfrieden&#039;&#039;sbruchs&#039;&#039;) die Rede. Zur Kennzeichnung von Grundstücken, die gegen Hausfriedensbrüche geschützt werden sollen, werden diese oft &#039;&#039;eingefriedet&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Friedensforschung als Teilbereich der Konfliktforschung untersucht die notwendigen Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden zwischen Staaten, Völkern und Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Sprache der Psychologie und der Theologie gibt es den Begriff &#039;&#039;Seelenfrieden&#039;&#039; (vgl. den englischen Begriff „peace of mind“ oder „inner peace“); diesen sollen Lebende anstreben und Verstorbene auf dem Friedhof bzw. im Jenseits finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus geistiger Sicht kommt eine friedensstiftende Herzenskraft im Menschen zur Entfaltung, „wenn eine Idee ganz zum Ideal des Individuums wird.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Friedensbegriffe ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Standardsprache ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der deutschen Standardsprache hat das Wort &#039;&#039;Frieden&#039;&#039; drei Hauptbedeutungen: Es bezeichnet einmal einen „Zustand des inner- oder zwischenstaatlichen Zusammenlebens in Ruhe und Sicherheit“, zum anderen einen „Zustand der Eintracht und Ruhe“, außerdem, im religiösen Sinn, „die Geborgenheit in Gott“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.duden.de/rechtschreibung/Friede &#039;&#039;Friede.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;www.duden.de.&#039;&#039; Abgerufen am 7. Juli 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Häufig wird mit dem Begriff &#039;&#039;Frieden&#039;&#039; die Abwesenheit von Gewalt oder Krieg gemeint.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.bmz.de/de/service/lexikon/frieden-14384 Frieden.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;bmz.de.&#039;&#039; Abgerufen am 12. Januar 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesem Sinne wird Frieden zwischen und innerhalb von Nationalstaaten, Religionen und Bevölkerungsgruppen als Ziel vieler Personen und Organisationen, besonders der Vereinten Nationen verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Positiver und negativer Frieden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der wissenschaftlichen Diskussion unterscheidet man zwischen dem oben genannten &#039;&#039;engen Friedensbegriff&#039;&#039; („&#039;&#039;negativer Frieden&#039;&#039;“), der die Abwesenheit von Konflikten beinhaltet, und einem &#039;&#039;weiter gefassten Friedensbegriff&#039;&#039; („&#039;&#039;positiver Frieden&#039;&#039;“). Letzterer umfasst neben dem Fehlen kriegerischer Gewalt, bei Johan Galtung &#039;&#039;direkte Gewalt&#039;&#039; genannt, auch das &#039;&#039;Fehlen kultureller und struktureller Gewalt&#039;&#039;. Nach dieser Definition bedeutet Frieden also zusätzlich das &#039;&#039;Fehlen einer „auf Gewalt basierenden Kultur“&#039;&#039; sowie das &#039;&#039;Fehlen repressiver oder ausbeuterischer Strukturen&#039;&#039;. Ein struktureller Frieden wäre die konkrete Utopie eines sozialen Zusammenlebens in Harmonie und ohne Statuskämpfe und „Reibungsverluste“. Frieden wird hier positiv definiert als „die Fähigkeit […], Konflikte mit Empathie (= der Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellung und Mentalität anderer Menschen einzufühlen), mit Gewaltlosigkeit und mit Kreativität oder spielerisch zu klären und zu lösen.“ Dies erfordert neben kommunikativer Friedensarbeit das Erkennen der Bedeutung von „Rechtskommunikation“ und eine intensivere Beschäftigung mit den Ursachen streitlegenden Verhaltens, das mit „Machtkommunikation“ Streiteskalationen provoziert und begünstigt. Ein Beispiel für ein „Friedensdorf“ ist Neve Schalom / Wahat as-Salam.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Mathias Albert, Bernhard Moltmann, Bruno Schoch (Hrsg.): &#039;&#039;Die Entgrenzung der Politik. Internationale Beziehungen und Friedensforschung.&#039;&#039; Campus Verlag, 2004, ISBN 978-3-593-37458-1, S.&amp;amp;nbsp;17. ([https://books.google.de/books?id=w5vuYshrHooC&amp;amp;pg=PA17&amp;amp;dq=johan+galtung+friedensprozess&amp;amp;hl=de&amp;amp;newbks=1&amp;amp;newbks_redir=0&amp;amp;source=gb_mobile_search&amp;amp;sa=X&amp;amp;ved=2ahUKEwi58bKlne2MAxWp9wIHHUdWKaAQ6AF6BAgFEAM#v=onepage&amp;amp;q=johan%20galtung%20friedensprozess&amp;amp;f=false Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Friedensprozess ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Textbox|&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Friede kommt von unten“&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;|Ernst-Otto Czempiel&amp;lt;ref&amp;gt;Sarina Märschel: [https://www.sueddeutsche.de/politik/portraet-ernst-otto-czempiel-ein-mann-des-weltfriedens-1.794748 &#039;&#039;Ein Mann des Weltfriedens.&#039;&#039;] sueddeutsche.de, 17. Mai 2010, abgerufen am 12. Januar 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;|230px}}&lt;br /&gt;
Fließen in den Friedensbegriff auch das Beseitigen von Kriegsdrohungen, Kriegsgefahren und Kriegsursachen ein, so ist Frieden als historischer Prozess zu verstehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Christiane Lemke: &#039;&#039;Internationale Beziehungen: Grundkonzepte, Theorien und Problemfelder.&#039;&#039; Oldenbourg Verlag, 2011, ISBN 978-3-486-71124-0, S.&amp;amp;nbsp;84.&amp;lt;/ref&amp;gt; Einen in der Politikwissenschaft vielfach übernommenen Friedensbegriff schlug 1986 [[w:Ernst-Otto Czempiel|Ernst-Otto Czempiel]] vor, indem er Frieden als Prozessmuster des internationalen Systems definierte, das durch abnehmende Gewalt und zunehmende Gerechtigkeitsverteilung gekennzeichnet sei.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Friedensgedanke in der Geschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Prähistorisches China ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Natürlich gewachsenes yin-yang-.jpg|mini|Holz in natürlich gewachsener Yin-Yang-Form]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Anfänge der bis heute überlieferten chinesischen Geistesgeschichte reichen bis ins 3. Jahrtausend v.&amp;amp;nbsp;Chr. zurück und sind dem taoistischen Klassiker „[[w:I Ging|I Ging – Das Buch der Wandlungen]]“ zu entnehmen. Darin wird eine strukturell dualistische Naturphilosophie zugrunde gelegt, in welcher alle Erscheinungen aus den sich immer wieder wandelnden Beziehungen zwischen den beiden Urprinzipien „Yin“ (auch das Empfangende, Weibliche, die Erde), und „Yang“ (auch das Schöpferische, Männliche, der Himmel) zu verstehen sind. Der Begriff „Frieden“ wird in diesem System symbolisch dargestellt durch die Anordnung: Yang unten, Yin oben. Das Empfangende, dessen Bewegung sich nach unten senkt, ist oben; das Schöpferische, dessen Bewegung nach oben steigt, ist unten. Ihre Einflüsse begegnen daher einander und sind in Harmonie, sodass alle Wesen blühen und gedeihen. Das Zeichen deutet in der Natur auf eine Zeit, da sozusagen der Himmel auf Erden ist. Der Himmel hat sich unter die Erde gestellt. So vereinigen sich ihre Kräfte in inniger Harmonie. Dadurch entstehen Friede und Segen für alle Wesen. Dieser Kraftstrom muss vom Herrscher der Menschen geregelt werden. Das geschieht durch Einteilung. So wird die unterschiedslose Zeit entsprechend der Folge ihrer Erscheinungen vom Menschen in Jahreszeiten eingeteilt und der allumgebende Raum durch menschliche Festsetzungen in Himmelsrichtungen unterschieden. Auf diese Weise wird die Natur mit ihrer überwältigenden Fülle der Erscheinungen beschränkt und gebändigt. Auf der andern Seite muss die Natur in ihren Hervorbringungen gefördert werden. Das geschieht, wenn man die Erzeugnisse der richtigen Zeit und dem richtigen Ort anpasst. Dadurch wird der natürliche Ertrag gesteigert. Diese bändigende und fördernde Tätigkeit der Natur gegenüber ist die Arbeit an der Natur, die dem Menschen zugutekommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Menschenwelt ist es eine Zeit gesellschaftlicher Eintracht. Die Hohen neigen sich zu den Niedrigen herab, und die Niedrigen und Geringen sind den Hohen freundlich gesinnt, sodass alle Fehde ein Ende hat. Wenn die Guten in der Gesellschaft in zentraler Stellung sind und die Herrschaft in Händen haben, so kommen auch die Schlechten unter ihren Einfluss und bessern sich. Wenn im Menschen der vom Himmel kommende Geist herrscht, kommt auch die Sinnlichkeit unter seinen Einfluss und findet den ihr gebührenden Platz. Himmel und Erde stehen im Verkehr und vereinigen ihre Wirkungen. Das gibt eine allgemeine – tendenziell allerdings vorübergehende – Zeit des Blühens und Gedeihens.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein Teil dieses Textes wurde direkt vom antiken Kommentar aus dem &#039;&#039;I Ging – Das Buch der Wandlungen&#039;&#039; übernommen. In der verwendeten Ausgabe (siehe Literatur) Seiten 62–63.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Europäische Antike ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ursprünglich scheint der &#039;&#039;Friede&#039;&#039; nirgends als Normalzustand angesehen worden zu sein. Er musste „gestiftet“ werden (vergleiche den germanischen Rechtsbegriff der „Einfriedung“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der griechischen Antike bezeichnete der Begriff &#039;&#039;„eirene“&#039;&#039; (ειρήνη) bis ins 5.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert v. Chr. einen statischen Zustand von Ordnung, Wohlstand und Ruhe. Die Göttin Eirene als personifizierter Friede wurde mit dem Füllhorn, dem Symbol des Reichtums dargestellt. Der Krieg galt als Normalzustand in den Beziehungen zwischen den griechischen [[w:Polis|Poleis]]. Entsprechend wurden Friedenszeiten meist mit Begriffen wie &#039;&#039;„spondai“&#039;&#039; (σπονδαι), &#039;&#039;„synthekai“&#039;&#039; (συνθῆκαι) oder &#039;&#039;„dialysis polemon“&#039;&#039; (διάλυσις πολέμων) umschrieben, die in etwa die Bedeutung von „Waffenstillstand“ hatten. Erst gegen Ende des [[w:Peloponnesischer Krieg|Peloponnesischen Krieges]] wurde &#039;&#039;„eirene“&#039;&#039; zunehmend im heutigen Sinne des Worts „Friede“ gebraucht. Auch Friedensverträge wurden jetzt als &#039;&#039;„eirene“&#039;&#039; bezeichnet. Beides ist ein Hinweis darauf, dass sich nach Jahrzehnten des Krieges die Einsicht durchsetzte, dass der Friede der anstrebenswerte Normalzustand sei. In der ersten Hälfte des 4.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts v. Chr. kam die Idee des Allgemeinen Friedens, der &#039;&#039;„koiné eiréne“&#039;&#039; (κοινή ειρήνη), auf, die eine dauerhafte Friedensordnung auf der Basis von Autonomie und Gleichberechtigung der griechischen Staaten vertraglich begründen sollte. Es erwies sich aber, dass eine solche Ordnung letztlich nur durch eine starke Hegemonialmacht garantiert werden konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Römer benutzten als Friedensbegriff die lateinische Bezeichnung &#039;&#039;„pax“&#039;&#039; (aus &#039;&#039;pangere&#039;&#039; einen Vertrag schließen). Man unterschied dabei den häuslichen, familiären Frieden, den zwischenstaatlichen Frieden, sowie den religiösen Frieden mit den Göttern. Nur der Friede auf allen drei Ebenen konnte ein ausgewogenes Leben garantieren. Zum Leitbild eines ausgreifenden Friedens wurde die [[w:Pax Romana|Pax Romana]] bzw. Pax Augusta der römischen Kaiserzeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Judentum ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Peace dove noredblobs.svg|mini|Eine Taube mit einem Olivenzweig im Schnabel, im Judentum weitverbreitetes Symbol für den Frieden]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Judentum hat der hebräische Begriff Schalom in der Bibel (dem [[w:Tanach|Tanach]]) die Bedeutungen „Unversehrtheit“, „wohlbehalten sein“, „sicher sein“, „Glück“, „freundlich miteinander“, „im Frieden“. Er wurde zu einem zentralen Wort im Judentum und ist der gängigste Gruß unter Juden und im heutigen Israel. Das Wort ist mit dem arabischen „[[w:Salam|Salam]]“ auf das engste verwandt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Christentum ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Friede.jpg|mini|Friede auf der Erde (Gemälde von 1896)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liegt im Alten Testament (AT) des hebr. „schalom“ v.&amp;amp;nbsp;a. das Moment des Wohlbefindens, setzte sich das griech. „eiränä“ als meistgebrauchte Übersetzung von „Friede“ durch mit dem hauptsächlichen Moment der Ruhe. Mit Jesus Christus ist der im AT verheißene &#039;&#039;Friedensfürst&#039;&#039; (Jesaja 9,5) erschienen, welcher die Feindschaft zwischen Gott und Mensch beendet, indem Jesus Christus die Strafe für die Sünde, den Tod, stellvertretend auf sich genommen hat. Dieser Friede kann für &#039;&#039;den&#039;&#039; Menschen Wirklichkeit werden, welcher sich als Sünder weiß und Jesus Christus als seinen Retter und somit persönlichen Friedensbringer annimmt. Erst dieser Friede mit Gott ermöglicht auch den Frieden unter Menschen. Frieden kommt also nicht ohne Zutun der Menschen über die ganze Menschheit (etwa zum Weihnachtsfest), sondern er muss von Menschen gestiftet werden. Wenn Jesus wiederkommt, wird er das Friedensreich aufrichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Neuen Testament nutzt Jesus Christus den Gruß &#039;&#039;Schalom&#039;&#039;, um seine Jünger zu begrüßen, und gibt ihnen diesen Gruß auf die Reise mit. Die Tugend der „Friedfertigkeit“ im Sinne der Fähigkeit und Bereitschaft, Frieden zu stiften, ist schon in den Seligpreisungen der [[a:Bergpredigt|Bergpredigt]] zu finden. Ein Friedensgruß oder -kuss ist Bestandteil aller klassischen christlichen Liturgien. Frieden hat für Christen die Bedeutung des „Schaloms“ aus der Bibel, das Wohlergehen an Leib, Seele und Geist. In der Bibel ist der Friede auch eine Frucht des [[a:Heiliger Geist|Heiligen Geistes]], der von Gott auf die Menschen herabkommt (Pfingsten).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[a:Augustinus von Hippo|Augustinus]] entwarf das heilsgeschichtliche Modell zweier parallel existierender Reiche, eines göttlichen „[[w:De civitate Dei|civitas Dei]]“ sowie eines irdischen Staates, der „civitas terrena“, wobei Letzterer am Ende der Zeit zum ewigen Frieden gelangen sollte. Für die Gegenwart übernahm er jedoch den antiken Gedanken des gerechten Krieges. Im Mittelalter konkurrierte der Gedanke der [[w:Fehde|Fehde]] als Mittel der Rechtsdurchsetzung mit verschiedenen Friedensidealen: dem Gottesfrieden, Landfrieden und Königsfrieden. Marsilius von Padua entwickelte im [[w:Defensor pacis|defensor pacis]] die Notwendigkeit einer eigenständigen politischen Friedensaufgabe. Mit dem Ewigen Landfrieden von 1495 wurde unter [[w:Maximilian I.|Maximilian I.]] die Abschaffung des mittelalterlichen Fehderechts verkündet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als einer der entschiedensten Verfechter gegen Krieg und für Frieden gilt der Humanist [[w:Erasmus von Rotterdam|Erasmus von Rotterdam]], der 1517 dem Frieden mit seiner Schrift &#039;&#039;Die Klage des Friedens&#039;&#039; eine „Stimme“ gab und sich vor allem in der Adagia 3001 (Süß erscheint der Krieg den Unerfahrenen) vehement gegen den Kriegs-Wahnsinn äußerte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Islam ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in der semitischen Schwestersprache Hebräisch, lässt sich die Bedeutung des Wortes Frieden aus drei Radikalen herleiten. Die Radikalen Sin Lam Mim (S, L, M) bilden den Wortstamm. salâm: Sicherheit, Unversehrtheit, Ganzheit, Frieden (vgl. hebr. Schalom) Salima: sicher sein, heil sein, vollständig sein, frei sein; bewahren, von Schaden fernhalten, unversehrt übergeben, unterwerfen, zustimmen, grüßen; Frieden halten, (mit jem.), Frieden schließen; verlassen, aufgeben, sich hingeben; sich miteinander versöhnen, miteinander Frieden schließen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der arabische Begriff Salām ist auch in die Umgangssprache als Gruß eingegangen: &#039;&#039;as-salāmu ʿalaikum&#039;&#039; (dt. „Friede sei mit Euch“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neuzeit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Friedenskuss.jpg|mini|Friedenskuss-Darstellung auf Schloss Friedenstein, 1650:&amp;lt;br /&amp;gt;&#039;&#039;Friede ernehret, Unfriede verzehret]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke des Friedens in der Neuzeit wurde maßgeblich durch den [[w:Westfälischer Friede|Westfälischen Frieden]] von 1648 geprägt, der den [[w:Dreißigjähriger Krieg|Dreißigjährigen Krieg]] beendete. Dabei prägte Hugo Grotius († 1645) als maßgebliche Voraussetzung den Gedanken eines Völkerrechts innerhalb Europas, das die Anwendung von Gewalt zwischen den verschiedenen Konfessionen ausschließen sollte. Die rechtlichen und moralischen Prinzipien sollten prinzipielle und allgemein respektierte Gültigkeit erlangen, ohne Rücksicht auf die jeweilige Glaubensüberzeugung („Vom Recht des Krieges und des Friedens“ 1625).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[w:Thomas Hobbes|Thomas Hobbes]] forderte 1651 mit dem „[[w:Leviathan (Thomas Hobbes)|Leviathan]]“ innerstaatlich für alle Bürger gleiches Recht. Der Staat brauche eine entsprechende Autorität, um dieses Recht gegen Privilegien Mächtiger (zum Beispiel des Adels) und vor der Gewalt von Fanatikern zu schützen. Die Grundlage dafür sah er in dem menschlichen Streben nach Sicherheit, Selbsterhaltung und Unabhängigkeit von fremder Willkür. Damit bereitete Hobbes dem neuzeitlichen [[w:Zentralstaat|Zentralstaat]] ideologisch den Boden; die darin auch angelegten Gefahren staatlichen Machtmissbrauchs zeigten sich dann am deutlichsten in den totalitären Exzessen der faschistischen und kommunistischen Regime.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 18.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert formulierte der Philosoph [[a:Immanuel Kant|Immanuel Kant]] mit dem kategorischen Imperativ&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die Grundlage zu seiner Schrift „[[w:Zum ewigen Frieden|Zum ewigen Frieden]]“ (1795), aus der sich einmal der Völkerbund (1919) und schließlich die Vereinten Nationen (1947) entwickeln sollten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Brief an Herder schreibt [[a:Johann Wolfgang von Goethe|Johann Wolfgang von Goethe]] (1787):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Ich bin ein Kind des Friedens und will Friede halten für und für mit der ganzen Welt, da ich ihn einmal mit mir selbst geschlossen habe.“&amp;lt;ref&amp;gt;Johann Wolfgang von Goethe: &#039;&#039;Italienische Reise 1786-88.&#039;&#039; In: &#039;&#039;Brief an Herder.&#039;&#039; 2. römischer Aufenthalt 1787/88. ([https://www.projekt-gutenberg.org/goethe/italien/ital2512.html Online] auf der Website &#039;&#039;Projekt Gutenberg&#039;&#039;)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er drückt damit aus, dass der Mensch selbst der Schlüssel für Frieden im Außen ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach marxistischer Auffassung kann nur die Arbeiterklasse die Ursachen des Krieges beseitigen und eine Gesellschaftsordnung herbeiführen, „deren internationales Prinzip der Friede sein wird, weil bei jeder Nation dasselbe Prinzip herrscht – die Arbeit“ (Marx/Engels-Gesamtausgabe, Bd.&amp;amp;nbsp;17, S.&amp;amp;nbsp;7). Der Frieden sei somit eine notwendige Folge des gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln und der damit einhergehenden gesellschaftlichen Verhältnisse, während der Krieg ebenso gesetzmäßig der Klassengesellschaft anhafte und von den herrschenden Klassen benutzt werde, um ihre Macht zu festigen und auszubauen. In der Klassengesellschaft sei daher der Frieden für den Marxisten lediglich eine Pause zwischen den Kriegen, die – vor allem im [[w:Imperialismus|Imperialismus]] – lediglich dazu diene, auf dem Weg zur Weltherrschaft den nächsten Krieg nicht nur militärisch, sondern auch moralisch und propagandistisch, politisch und wirtschaftlich vorzubereiten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [[w:Briand-Kellogg-Pakt|Briand-Kellogg-Pakt]] 1928 kam es zu einer ersten völkerrechtlich verbindlichen Ächtung des (Angriffs-) Krieges als Mittel internationaler Politik. Hatte der Erste Weltkrieg mit vielfältiger intellektueller Unterstützung noch als Reinigungs- und Veredelungsprojekt der Individuen und Nationen propagandistisch unterfüttert werden können, so führte der Zweite Weltkrieg – neben dem NS-Holocaust – mit der Entwicklung und Erprobung der Atombombe (Hiroshima, Nagasaki) bereits die mögliche Selbstvernichtung der Menschheit in einem Atomkrieg drastisch vor Augen. Damit hat sich der Krieg als „Vater aller Dinge“ ([[a:Heraklit|Heraklit]]) in der Geschichte des 20.&amp;amp;nbsp;Jahrhunderts wohl endgültig als Verderber menschlicher Gesittung und Lebensqualität erwiesen, was auch die fortdauernden Auseinandersetzungen um den Einsatz von Atomwaffen bezeugen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Goldenstedt Friedensmal.JPG|mini|hochkant|Friedensmahnmal in Goldenstedt, 2009 von Schülern mit Unterstützung von Uwe Oswald angefertigt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Friedensbewegung unserer Zeit beruht nicht allein auf religiösen Quellen, sondern versammelt auch ökologisch und philosophisch motivierte Atheisten unter dem Banner des Pazifismus und hinter dem Projekt: „Schwerter zu Pflugscharen!“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[w:Bertrand Russell|Bertrand Russell]] (1872–1970), Philosoph, Mathematiker, agnostischer Autor und Nobelpreisträger, griff 1962 durch Telegramme an John F. Kennedy, Nikita Chruschtschow, den UN Generalsekretär U Thant und den britischen Premier Harold Macmillan in die Kuba-Krise ein, in der die Welt am Rand eines Atomkrieges stand. Chruschtschow schrieb Russell einen langen Antwortbrief, der durch die Nachrichtenagentur TASS veröffentlicht wurde und eigentlich an Kennedy und die westliche Welt gerichtet war. Und er lenkte ein, wodurch ein Atomkrieg abgewendet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich entstand in der Zeit des [[w:Kalter Krieg|Kalten Kriegs]] die Idee eines „atomaren Friedens“ als Ergebnis eines Gleichgewichts des Schreckens: „Dieser Frieden beruht auf einem extremen Widerspruch. Die absolute Waffe erhält ihn aufrecht kraft der Antizipation ihres Schreckens. Zugleich aber bedeutet die dieser Waffe implizite Allesvernichtung die absolute Negation von Frieden. Der atomare Frieden besteht in der Einheit dieser Gegensätze, und seine notwendige Bedingung ist die Aufrechterhaltung dieser äußerst fragilen Einheit. Anders ausgedrückt, versagt die atomare Selbstabschreckung, die diesen Frieden trägt, dann werden die Bedingungen jeglichen Friedens zerstört. Die herbeigeführte Allesvernichtung schließt eine Rückkehr zum Frieden absolut aus. Das ist die Neuheit dieser spezifischen Form des Friedens. Der bisherige Zyklus Frieden – Krieg – Frieden wird aufgehoben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfgang Scheler: [http://www.sicherheitspolitik-dss.de/ap/ap093000.pdf &#039;&#039;Der atomar bewaffnete Frieden als eine Form des Militarismus.&#039;&#039;] &#039;&#039;Dresdner Studiengemeinschaft Sicherheitspolitik (DSS)&#039;&#039;. &#039;&#039;Atomwaffen und Menschheitszukunft. Beiträge zum 13. Dresdner Symposium „Für eine globale Friedensordnung“&#039;&#039;. 15. November 2008, S.&amp;amp;nbsp;35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Dimensionen des Friedens ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Abwesenheit von Krieg zwischen Staaten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frieden als Zustand des Nicht-Verwickelt-Seins in kriegerische Auseinandersetzungen ist in der Geschichte der Staaten und Völker eher die Ausnahme als die Regel. Die Idee des &#039;&#039;Weltfriedens&#039;&#039; gilt als Utopie. Dennoch gibt es Staaten, die seit dem 19.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert nicht mehr an Kriegen teilgenommen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispiele:&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Schweden (1815 bis heute): Schweden ist bis zum heutigen Tag das Land mit dem am längsten andauernden Frieden. Seit seiner Invasion Norwegens zur Durchsetzung der Personalunion entsprechend dem Kieler Vertrag konnte es den Frieden aufrechterhalten.&lt;br /&gt;
* Schweiz (1848 bis heute): Durch Bestehen auf Neutralität hat sich die Schweiz einen lang andauernden Frieden erhalten können.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Rappbode-Talsperre Inschrift 1.JPG|mini|Bezugnahme der DDR auf den „Tag des Friedens“: Grundsteinlegung für den Bau der Rappbode-Talsperre am 1. September 1952]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Erinnerung an den Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 wird in der Bundesrepublik Deutschland seit 1966 auf Initiative des DGB der &#039;&#039;Weltfriedenstag&#039;&#039; (auch &#039;&#039;Antikriegstag&#039;&#039; genannt) begangen; in der DDR gab es diesen Tag bereits in den 1950er Jahren. Für die katholische Kirche erklärte 1968 Papst Paul der VI den 1. Januar zum „Weltfriedenstag“, die Vereinten Nationen begehen seit 1981 am 21. September den &#039;&#039;Internationalen Friedenstag&#039;&#039; (&#039;&#039;International Day of Peace&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Cyberpeace&#039;&#039; wird die Abwesenheit jeder Form von Cyberkrieg bezeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt;Markus Beckedahl: [https://netzpolitik.org/2013/fiff-zwoelf-forderungen-zum-cyberpeace-frieden-gestalten-mit-informatik/ &#039;&#039;Zwölf Forderungen zum Cyberpeace – Frieden gestalten mit Informatik.&#039;&#039;] Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF). Oktober 2013.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Begriff &#039;&#039;Cyberpeace&#039;&#039; berücksichtigt die relativ neue Möglichkeit, nicht nur zu Wasser, zu Lande, in der Luft sowie im Weltraum, sondern auch im Cyberspace Kriege zu führen.&amp;lt;ref&amp;gt;Dietrich Meyer-Ebrecht: [http://cyberpeace.fiff.de/Kampagne/WuFdossier79#hn_Kriegfhrung_im_Cyberspace &#039;&#039;Kriegführung im Cyberspace.&#039;&#039;] FIiF 2015.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Abwesenheit von Aufruhr, Fehden und Selbstjustiz in einem Land ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits in der heidnischen Zeit gab es unter germanischen Völkern und Stämmen die Sitte des &#039;&#039;Thingfriedens&#039;&#039;. Der Thingfrieden gebot allen Anwesenden, „aus Respekt vor den Göttern, den Geistern und den Ahnen“, während des Things keine Streitigkeiten offen auszutragen, sondern entweder eine Entscheidung vom Thing zu erbitten oder aber den Streit bis nach dem Thing ruhen zu lassen.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://web.archive.org/web/20160625130718/http://liberpaganum.org/wiki2/index.php5?title=Thingfrieden &#039;&#039;Thingfrieden.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Liberpaganum.&#039;&#039; Archivlink, abgerufen am 23. Oktober 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Aus dem Thingfrieden entwickelte sich der &#039;&#039;Marktfrieden&#039;&#039; von Märkten wie dem Send in Münster, einer Kirmes, die früher aus Anlass des Tagens des Sendgerichts veranstaltet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im christlichen Mittelalter gab es die Institutionen des Landfriedens, des Gottesfriedens und des Königsfriedens. Im heutigen Straftatbestand des &#039;&#039;[[w:Landfriedensbruch|Landfriedensbruchs]]&#039;&#039; (in Deutschland strafbar nach Strafgesetzbuch) ist die Vorstellung eines Landfriedens, den es zu schützen gelte, lebendig geblieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gewaltmonopol des Staates ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Frieden im Inneren eines Staates soll nach herrschender Lehre durch das [[w:Gewaltmonopol des Staates|Gewaltmonopol des Staates]] geschützt werden. Dieser ist demnach berechtigt, jeden durch Strafandrohung und Bestrafung an der Androhung und Anwendung von Gewalt zu hindern. Nur in Fällen der Notwehr und der Nothilfe darf Gewalt von jedem rechtmäßig ausgeübt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als legitim erscheint das Gewaltmonopol des Staates nur dann, wenn der Staat ein Rechtsstaat ist, in dem es eine Gewaltenteilung gibt, in dem der Verfassung gemäße Gesetze vom Volk selbst oder von einer gewählten Volksvertretung beschlossen werden und in dem die Exekutive und die Judikative an Recht und Gesetz gebunden sind. Zudem haben die Staatsorgane ein [[Interesse]] daran, Akten der Selbstjustiz dadurch vorzubeugen, dass der Rechtsfrieden im Land gewahrt bleibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Praxis ist es allerdings nicht möglich, Gewaltakte, die durch Privatpersonen ausgeübt werden, sicher zu verhindern, selbst in Gerichtssälen und Flugzeugen kann es sogar den Einsatz von Schusswaffen durch Privatpersonen geben.&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Kotynek: [http://www.sueddeutsche.de/panorama/70/494407/text/ &#039;&#039;Gewalt im Gerichtssaal. Die Justiz rüstet auf&#039;&#039;.] In: &#039;&#039;Süddeutsche Zeitung.&#039;&#039; Abgerufen am 13. November 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/Sicherheitspanne-am-Frankfurter-Flughafen_aid_19186.html &#039;&#039;Pistole in Flugzeug mitgenommen. Sicherheitspanne am Frankfurter Flughafen&#039;&#039;.] In: &#039;&#039;Rheinische Post.&#039;&#039; Artikel vom 6. September 2003, abgerufen am 5 September 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Instrument der Friedensbürgschaft ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Schweiz gibt es gemäß Art.&amp;amp;nbsp;66 des Schweizerischen Strafgesetzbuches&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.admin.ch/ch/d/sr/311_0/a66.html Art.&amp;amp;nbsp;66 Schweizerisches Strafgesetzbuch.]&amp;lt;/ref&amp;gt; die Möglichkeit, einer Person, die mit der Begehung eines Vergehens oder eines Verbrechens gedroht hat, auf Antrag des Bedrohten das Versprechen abzunehmen, dass sie die Tat nicht ausführen wird, und sie dafür zur Leistung angemessener Sicherheit anzuhalten. Dieses Versprechen wird in der Schweiz &#039;&#039;Friedensbürgschaft&#039;&#039; genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Religionsfrieden, Kirchenfrieden und Frieden zwischen den Religionen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Religionsfrieden ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Augsburg Kinderfriedensfest Botanischer Garten.JPG|mini|Kinder-Friedensfest im Botanischen Garten Augsburg]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Begriff &#039;&#039;Religionsfrieden&#039;&#039; wird in aller Regel nicht der Zustand des Friedens zwischen den Weltreligionen bezeichnet. &#039;&#039;Religionsfrieden&#039;&#039; ist vielmehr ein Fachausdruck der Geschichtswissenschaft zur Bezeichnung historischer Friedensschlüsse zwischen dem katholischen und dem protestantischen Lager im ersten Jahrhundert nach der Reformation. Konkret ist zumeist vom Nürnberger Religionsfrieden vom 23. Juli 1532 und vom Augsburger Reichs- und Religionsfrieden vom 25. September 1555 die Rede. An die Tradition des Augsburger Reichs- und Religionsfriedens knüpft das Augsburger Hohe Friedensfest an, das seit 1650 am 8. August ausschließlich in der Stadt Augsburg (im Rahmen eines Gesetzlichen Feiertages) begangen wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Stadt Augsburg: &#039;&#039;[https://web.archive.org/web/20140921030201/http://www.augsburg.de/kultur/kulturthemen/frieden-und-religionen Frieden und Religionen.]&#039;&#039; Memento vom 21. September 2014, abgerufen am 7. Juli 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Kirchenfrieden ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff &#039;&#039;Kirchenfrieden&#039;&#039; hat mehrere Bedeutungen. Er bezeichnet&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* die Einigkeit der Glieder oder Lehrer einer Kirche in gottesdienstlichen Angelegenheiten,&amp;lt;ref&amp;gt;Johann Christoph Adelung: [http://www.zeno.org/Adelung-1793 &#039;&#039;Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart&#039;&#039;.] Leipzig, 1793.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
* die öffentliche Sicherheit gottesdienstlicher Orte, Personen und Sachen (dieser Friede war ein Friede des Ortes, der deshalb nicht bloß durch Verletzung der Kirche und der zu ihr gehörenden Gegenstände selbst, sondern auch durch einen Frevel an Personen verletzt wurde, welche sich an der heiligen, Schutz verleihenden Stätte befanden; als räumliche Grenze der befriedeten Stätte galt die Kirche, der Kirchhof und dazu noch ein gefriedeter Umkreis von einer gewissen Anzahl, z.&amp;amp;nbsp;B. 30 oder 40 Schritt; je nach der Größe und Bedeutung der Kirche wurde ihr ein mehr oder wenig hoher Friede beigelegt, der in der Höhe der Friedensstrafe Ausdruck fand)&amp;lt;ref&amp;gt;Ernst Götzinger: [http://www.zeno.org/Goetzinger-1885/A/Friede &#039;&#039;Reallexicon der Deutschen Altertümer.&#039;&#039;] Leipzig 1885.&amp;lt;/ref&amp;gt; und&lt;br /&gt;
* eine päpstliche Regel, die vorschrieb, wann und wie von christlichen Rittern gekämpft werden durfte.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Frieden zwischen den Religionen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reaktion auf die Anschläge vom 11. September 2001 stellte der kritische katholische Theologe [[w:Hans Küng|Hans Küng]] die folgenden vier Thesen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:24px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Kein Frieden unter den Nationen ohne Frieden unter den Religionen.&lt;br /&gt;
Kein Frieden unter den Religionen ohne Dialog zwischen den Religionen.&lt;br /&gt;
Kein Dialog zwischen den Religionen ohne globale ethische Maßstäbe.&lt;br /&gt;
Kein Überleben unseres Globus ohne ein globales Ethos, ein Weltethos.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://web.archive.org/web/20111216044619/http://www.muz-online.de/religion/frieden.html Hans Küng: &#039;&#039;Kein Frieden ohne Frieden der Religionen. Über die Rolle der Religionen nach den Anschlägen in den USA vom 11. September&#039;&#039;.] Memento vom 16. Dezember 2011, abgerufen am 07. Juli 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für [[Swami Sivananda]] ist die gelebte Religion der Schlüssel zum Frieden. Er drückt aus, dass sich das Herz des Menschen wandeln und Habsucht und Selbstsucht verschwinden müsse. Für ihn ist die Verwandlung und Entwicklung des Menschen der Ausgangspunkt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Ein Christ denkt: »Es wird Frieden herrschen, wenn alle Menschen Christen werden«. Ein Moslem denkt: »Es wird Frieden herrschen, wenn sich alle Menschen zum Islam bekehren.« Dieser Gedanke ist ein Irrtum. Warum kämpfen die Menschen auf der Welt? Warum kämpfen Katholiken gegen Protestanten? Warum kämpfen Shivaiten gegen Visnuiten? Warum kämpfen Brüder untereinander? Das Herz muß sich ändern. Habsucht und Selbstsucht müssen verschwinden. Nur dann wird auf der Erde Frieden herrschen.&lt;br /&gt;
:Die Menschen sprechen nur von Religion. Sie sind nicht daran interessiert, sie zu praktizieren oder zu leben. Wenn die Christen nach der Bergpredigt lebten, die Buddhisten dem edlen achtfachen Pfad folgten, die Moslems wirklich den Lehren des Propheten folgten und die Hindus ihr Leben nach der Lehre des Herrn, und der Heiligen und Weisen ausrichteten, würde überall Frieden herrschen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Göttliche Erkenntnis.&#039;&#039; Kapitel: &#039;&#039;Die Rolle der Religion.&#039;&#039; Yoga Vidya, 2010, ISBN 978-3922477006. ([https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/sivananda/goettliche-erkenntnis/friede/#c113423 Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beginnt der Mensch, seine Religion nicht nur zu befolgen, sondern aktiv zu erforschen und zu verstehen, dann wird er den „Wesenskern“ seiner Religion entdecken. Für einen Frieden unter Religionen ist dies nach [[Rudolf Steiner]] essentiell. Versteht ein Mensch den Wesenskern seiner Religion, wird er ihr gegenüber freier. Die Abgrenzung von einer anderen Religion oder deren „Verhöhnen“ weicht einem Eindringen und Verstehen des Wesenskerns dieser anderen Religion:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was wird kommen, wenn sich so die einzelnen Bekenner der verschiedenen Religionssysteme verstehen werden, wenn der Christ zum Buddhisten sagen wird: Ich glaube an deinen Buddha, wie du an deinen Buddha glaubst, – und wenn der Buddhist zum Christen sagen wird: Ich kann das Mysterium von Golgatha verstehen, wie du selbst es verstehst, – was wird kommen über die Menschheit, wenn so etwas allgemein werden wird? Friede wird kommen über die Menschen, gegenseitige Anerkennung der Religionen. Und die muß kommen. Und die anthroposophische Bewegung muß sein ein solches gegenseitiges wahrhaftes Erfassen der Religionen. Und gegen den Geist der Anthroposophie wäre es, wenn ein Christ, der Anthroposoph geworden wäre, zum Buddhisten sagen würde: Es ist nichts mit dem, daß der Gotama, nachdem er ein Buddha geworden ist, sich nicht wieder verkörpern sollte; er muß im zwanzigsten Jahrhundert wiedererscheinen als physischer Mensch. Da würde der Buddhist sagen: Hast du deine Anthroposophie nur dazu, um meine Religion zu verhöhnen? Und an Stelle des Friedens würde der Unfriede unter den Religionen gezüchtet. So aber müßte auch ein Christ zu einem Buddhisten, der von einem zu verbessernden Christentum sprechen wollte, sagen: Wenn du behaupten kannst, daß das Mysterium von Golgatha ein Fehler sei und daß der Christus wiederkommen sollte in einem physischen Leibe, damit es ihm jetzt besser ergehe, dann bemühst du dich nicht, meine Religion zu verstehen, dann verhöhnst du meine Religion. – Anthroposophie aber ist nicht dazu da, daß ein Religionsbekenntnis, ob altes oder neugestiftetes, das sich Geltung verschafft, verhöhnt werde; denn sonst würde man eine Gesellschaft gründen auf gegenseitiges Verhöhnen und nicht auf gegenseitigen Ausgleich der Religionen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Das Markus-Evangelium.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;139. 6. Auflage. Rudolf Steiner Verlag Dornach, 1985, ISBN 3-7274-1390-5, S.&amp;amp;nbsp;72. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_139.pdf#page=71&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sozialer Frieden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;sozialer Frieden&#039;&#039; werden heute überwiegend Verhältnisse bezeichnet, die verhindern, dass es in einem Staat zu einem „Aufstand der Unterschicht“&amp;lt;ref&amp;gt;Inge Kloepfer: &#039;&#039;Aufstand der Unterschicht – was auf uns zukommt.&#039;&#039; Hoffmann und Campe, Hamburg 2008, ISBN 3-455-50052-8.&amp;lt;/ref&amp;gt; kommt, weil deren Angehörigen mehrheitlich das Ausmaß der Verteilungsungerechtigkeit in dem betreffenden Staat für unerträglich halten. Die Wahrung des „sozialen Friedens“ ist eine Hauptaufgabe des Sozialstaats. Stefan Dietrich bezweifelt allerdings, dass eine dauerhafte „Alimentierung der Ausgemusterten“ durch den Sozialstaat dem sozialen Frieden diene.&amp;lt;ref&amp;gt;Stefan Dietrich: [http://www.faz.net/aktuell/politik/kommentar-gefangen-im-sozialstaat-1379725.html &#039;&#039;Gefangen im Sozialstaat&#039;&#039;.] In: &#039;&#039;Frankfurter Allgemeine Zeitung&#039;&#039;. Artikel vom 19. Oktober 2006, abgerufen am 5. September 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Betriebsfrieden, Arbeitsfrieden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Abwesenheit von Arbeitskämpfen zwischen Sozialpartnern, insbesondere von Streiks und Aussperrungen, wird als &#039;&#039;Betriebsfrieden&#039;&#039; bzw. (vor allem in der Schweiz) als &#039;&#039;Arbeitsfrieden&#039;&#039; bezeichnet. Das Betriebsverfassungsgesetz stellt in Deutschland Regeln auf, nach denen sich die Rechtmäßigkeit von Arbeitskämpfen bemisst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu den Verhaltensweisen, die als „Störungen des Betriebsfriedens“ gelten, sind auch die parteipolitische Betätigung von Beschäftigten oder Unternehmern im Betrieb, Mobbing und andere Formen sozial unerwünschten Verhaltens zu zählen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine „Störung des Betriebsfriedens“ durch einen Arbeitnehmer führt als „verhaltensbedingter Kündigungsgrund“ regelmäßig zur Entlassung des Störers.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://archive.ph/20100603220339/http://www.kuendigung.de/rechtslexikon-kuendigung/glossar/betriebsfrieden/index.html &#039;&#039;Stichwort: Betriebsfrieden&#039;&#039;.] In: &#039;&#039;www.kuendigung.de&#039;&#039;. Memento vom 3. Juni 2010 im Webarchiv &#039;&#039;archive.today&#039;&#039;, abgerufen am 7. Juli 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schulfrieden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff &#039;&#039;Schulfrieden&#039;&#039; hat drei verschiedene Bedeutungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Erstens bezeichnet er die Abwesenheit von Gewalt und andauernden gravierenden Konflikten &#039;&#039;in einer bestimmten Schule&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
* Zweitens bezieht er sich auf einen Zustand &#039;&#039;in einem bestimmten Land&#039;&#039;, der dadurch gekennzeichnet ist, dass der lang andauernde bildungspolitische Streit über die angemessene Schulstruktur und angemessenen Unterricht in den Schulen beigelegt ist.&lt;br /&gt;
* Drittens ist dann von &#039;&#039;Schulfrieden&#039;&#039; die Rede, wenn die Beziehung zwischen dem Schulträger und den von Schule und Unterricht Betroffenen nicht gestört ist.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hausfrieden, Frieden im Haus und häuslicher Frieden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Respektierung des Menschenrechts auf Unverletzlichkeit der Wohnung (in Deutschland geschützt durch Art.&amp;amp;nbsp;13 GG) wird auch &#039;&#039;Hausfrieden&#039;&#039; genannt. Die Verletzung des &#039;&#039;Hausfriedens&#039;&#039; erfüllt den Straftatbestand des &#039;&#039;Hausfriedensbruchs&#039;&#039;. Einen Hausfriedensbruch kann man nicht nur dadurch begehen, dass man in private Wohnungen oder Wohnhäuser unbefugt eindringt, sondern auch durch das unbefugte Betreten fremder Grundstücke und das Betreten öffentlich zugänglicher Einrichtungen trotz eines Hausverbots oder dadurch, dass man eine Einrichtung nicht verlässt, obwohl man dazu aufgefordert worden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit &#039;&#039;häuslicher Frieden&#039;&#039; wird das gedeihliche Zusammenleben in einem Haushalt bezeichnet. Als solcher gilt unter Umständen auch eine Wohngemeinschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Familienfrieden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eng mit dem &#039;&#039;häuslichen Frieden&#039;&#039;, dem Frieden im Haushalt bzw. in der Wohn- und Lebensgemeinschaft, verwandt ist der &#039;&#039;Familienfrieden&#039;&#039;, der Frieden zwischen Eheleuten bzw. Lebensgefährten und zwischen Verwandten. Der Familienfrieden kann von innen, d.&amp;amp;nbsp;h. von Mitgliedern der betreffenden Familie, aber auch von außen gestört werden. Insbesondere eine Inanspruchnahme von Unterhaltspflichtigen durch Personen, die nicht ihrem Haushalt angehören, oder durch den Staat wird oftmals von Beklagten und deren Anwälten als „Störung des Familienfriedens“, d.&amp;amp;nbsp;h. hier konkret als finanzielle Untergrabung der aktuellen Lebensgemeinschaft bewertet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Frieden zwischen den Geschlechtern ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits 1250 führte [[w:Birger Jarl|Birger Jarl]] in Schweden ein Gesetz über den &#039;&#039;Frauenfrieden&#039;&#039; (schwedisch: &#039;&#039;kvinnofrid&#039;&#039;) ein, durch das Vergewaltigungen und Frauenraub schwer bestraft wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit dem 1. September 1999 gibt es in Schweden den Straftatbestand des &#039;&#039;schweren Frauensfriedensbruchs&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;Elke Wittich: [http://jungle-world.com/artikel/2003/36/11318.html &#039;&#039;Friede den Frauen! Vergewaltigung in Schweden&#039;&#039;.] In: &#039;&#039;jungle world.&#039;&#039; Artikel vom 3. September 2003, abgerufen am 5. September 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die neue rechtliche Norm des Frauenfriedensbruchs wurde entsprechend den Begriffen des Haus- und Landfriedensbruchs gebildet. Sie wurde bei ihrer Einführung als erforderlich gesehen, um z.&amp;amp;nbsp;B. die Strafverfolgung von anhaltender häuslicher Gewalt zu erleichtern. Demzufolge umschreibt der Rechtsbegriff „grobe Verletzung der Integrität einer Frau“, kurz „Frauenfriedensbruch“, im schwedischen Strafrecht wiederholte Straftaten, die von Männern an Frauen begangen werden, zu denen sie eine enge Beziehung haben. Die einzelnen Taten würden, für sich allein genommen, möglicherweise nicht verfolgt, insgesamt dagegen wiegen sie schwer genug für eine Bestrafung.&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.zeit.de/2004/15/Andere_L_8ander &#039;&#039;Von Österreich lernen&#039;&#039;.] In: &#039;&#039;Die Zeit&#039;&#039;. Artikel vom 1. April 2004, abgerufen am 5. September 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Bewertungen von Streit und Konflikt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:BadWaldsee Peace Memorial.jpg|mini|Gedenktafel in Bad Waldsee]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hans Grothe plädierte 2008 in der Zeitschrift &#039;&#039;Eltern&#039;&#039; für eine Erziehung zur Friedfertigkeit: „Kinder müssen erleben bzw. vorgelebt bekommen, dass Konflikte auch ohne Zorn und ohne Gewalt bewältigt werden können […]. Dazu gehören Geduld und Selbstbeherrschung. Und wenn es erst einmal zur Routine geworden ist, Konflikte am Familientisch gemeinsam zu lösen, denkt bald keiner mehr an Streit und Wutausbrüche.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[http://web.archive.org/web/20230606030628/https://www.presseportal.de/pm/17951/1139226 Wie Erziehung zur Friedfertigkeit gelingen kann. Die Thesen des Experten Hans Grothe in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift ELTERN.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Presseportal.&#039;&#039; Archivlink, abgerufen am 5. September 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesem Beitrag werden „Frieden“ und Affekte wie Zorn als unvereinbare Gegensätze empfunden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Jahr 1922 wehrte sich der „revolutionäre Pazifist“ [[w:Kurt Hiller|Kurt Hiller]] heftig gegen das Ziel, Menschen zur Friedfertigkeit zu erziehen. Er vertrat die Auffassung, ein Friedfertiger sei „ein friedlicher, sanftmütiger, durchaus nachgiebiger, toleranter Mensch […], ein niemals opponierendes, sich auflehnendes, aggressives, gar zornentbrantes, vielmehr vom Honig der Eintracht und von allen Salben bedingungsloser Menschenliebe triefendes Demutsgeschöpf“, gekennzeichnet durch „Lammesgesinnung“ und „Betschwestertugend“.&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfram Beyer: &#039;&#039;[https://web.archive.org/web/20140702132308/http://www.dfg-vk.de/thematisches/pazifismus/2011/589 Was ist eigentlich Pazifismus? Zur Klärung eines politischen Begriffs.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Deutsche Friedensgesellschaft / Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK)&#039;&#039;. Artikel vom 4. Februar 2011, abgerufen am 7. Juli 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch im Kontext der Aktivitäten der deutschen Friedensbewegung wurde in den 1980er Jahren kritisiert, dass das Wortfeld „Frieden“ im Deutschen viele bedenkliche Konnotationen aufweise, die eher zur Resignation beitrügen als dazu, den Prozess der Stiftung von Frieden zu befördern.&amp;lt;ref&amp;gt;Fritz Pasierbsky: &#039;&#039;Krieg und Frieden in der Sprache. Eine sprachwissenschaftliche Textanalyse.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;Fischer. Frankfurt am Main 1983, S.&amp;amp;nbsp;11–27. ISBN 3-596-26409-X.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits Martin Luther habe bei der deutschen Übersetzung der Bibel in den Seligpreisungen der Bergpredigt nicht von &#039;&#039;Friedensstiftern&#039;&#039;, sondern von &#039;&#039;Friedfertigen&#039;&#039; gesprochen,&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.bibel-online.net/buch/40.matthaeus/5.html Matthäus 5,9.] Lutherbibel 1912.&amp;lt;/ref&amp;gt; einem Begriff, bei dem man laut Fritz Pasierbsky weniger an Kämpfer für den Frieden als an Menschen denke, die „in Frieden gelassen werden“ wollen, also an Konfliktscheue. Friedensstiftung setze aber (auch konfliktbehaftete) Tätigkeit und nicht Untätigkeit („Ruhe“) voraus. Es gehe nicht um Konfliktvermeidung, sondern um gewaltfreie Konfliktaustragung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ansicht, dass es kein Leben ohne Konflikte geben könne, wird durch Philosophen wie [[a:Georg Wilhelm Friedrich Hegel|Georg Wilhelm Friedrich Hegel]] bestätigt. Ihm zufolge seien das Leben oder Veränderungen im Allgemeinen nur durch das Aushalten von Widersprüchen, durch widerstreitende Momente möglich:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„[…] Etwas ist also lebendig, nur insofern es den Widerspruch in sich enthält, und zwar diese Kraft ist, den Widerspruch in sich zu fassen und auszuhalten. Wenn aber ein Existierendes nicht in seiner positiven Bestimmung zugleich über seine negative überzugreifen vermag, so ist es nicht die lebendige Einheit selbst, nicht Grund, sondern geht in dem Widerspruch zugrunde.“&amp;lt;ref&amp;gt;G.&amp;amp;nbsp;W.&amp;amp;nbsp;F. Hegel: &#039;&#039;Wissenschaft der Logik – Die Lehre vom Wesen.&#039;&#039; (1813) S.&amp;amp;nbsp;61, Meiner Verlag, 2. Auflage.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Wandlung des Menschen zum Friedensstifter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Sivananda]] vertritt mit urbildlich starkem Wort, dass zu einem Frieden in der Gesellschaft die Besserung des Menschen an erster Stelle erfolgen müsse:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Bessere Dich selbst. Dann wird sich die Gesellschaft bessern. Beseitige Weltlichkeit aus deinem Herzen. Die Welt wird sich um sich selbst kümmern. Beseitige die Welt aus deinem Geist. Die Welt wird friedvoll sein. Das ist die einzige Lösung. Das ist nicht Pessimismus. Das ist herrlicher Optimismus. Das ist nicht Ausflucht. Es ist die einzige Möglichkeit, der Situation zu begegnen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Göttliche Erkenntnis.&#039;&#039; Yoga Vidya, 2010, ISBN 978-3922477006. ([https://www.yoga-vidya.de/yoga-buch/sivananda/goettliche-erkenntnis/friede/#c113422 Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es stellt sich die Frage, wie die Beseitigung der Weltlichkeit aus dem Herzen praktisch umzusetzen ist?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von [[Sri Chinmoy]], dessen Philosophie vom inneren Frieden als Grundlage für das harmonische Zusammenleben der Menschen in mehreren Ländern vor allem durch seine Konzerte, seine Kunst und spektakulären Kraftakte bekannt wurde, ist der folgende Satz bekannt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Friede ist die Rückkehr zum Ursprung.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Chinmoy: &#039;&#039;The God of the Mind.&#039;&#039; Agni Press, New York 1989. ([https://www.aphorismen.de/zitat/217618 Online] auf der Website &#039;&#039;Aphorismen&#039;&#039;)&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sri Chinmoy hatte ein zutiefst geistiges Verständnis dieses „Ursprungs“. Seine vielen Friedensaktivitäten waren getragen von einem errungenen inneren Frieden. Der aktive Weg zu diesem Ursprung könnte die Weltlichkeit im Herzen des Menschen durch eine Liebe zum Geistigen austauschen. Doch ist dieser Weg zum Ursprung ein Weg nach innen oder nach außen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[a:Sri Aurobindo|Sri Aurobindo]] gebrauchte für das Geistige das Wort „Übergeist“. Er gebrauchte auch das Verb „herabbringen“– er wollte den Übergeist in sein Leben herabbringen. Im folgenden Zitat wird deutlich, dass er ihn räumlich außerhalb von sich oder oben sieht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es ist nicht um meiner persönlichen Größe willen, daß ich den Übergeist herabzubringen bestrebt bin. Groß oder klein im menschli­chen Sinne kümmert mich nicht. Ich suche ein Prinzip innerer Wahr­heit, des Lichtes, der Harmonie und des Friedens in das Erdbewußt­sein einzuführen. Ich sehe es oben und weiß, was es ist. Ich fühle es ständig von oben her auf mein Bewußtsein herableuchten, und ich strebe danach, es ihm zu ermöglichen, das ganze Sein in seine eigene, eingeborene Kraft aufzunehmen, statt daß die Natur des Menschen fortfährt, halb im Licht und halb in der Dunkelheit zu verharren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Der integrale Yoga.&#039;&#039; Rowohlt, 1957, ISBN 3-499-45024-0, S.&amp;amp;nbsp;21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Geistige will vom Menschen aktiv in das Leben integriert sein. Die menschliche Entwicklung zum Friedensstifter geschieht in diesem Sinne durch die Eingliederung von Neuem. Es ist ein Lernen und kann durchaus mit dem Erwerb der Fertigkeiten für einen Beruf verglichen werden. Ein Mensch wird beispielsweise das Handwerk des Schreiners nicht dadurch erlernen, indem er die Fähigkeit als bereits schon vorhanden in sich sucht, sondern er wird das Handwerk in der Regel in einem Schreinerei-Meisterbetrieb erlernen. Er wird im Bild gesprochen nach außen blicken und den Schreinermeister beobachten, Holzarten und Werkzeug kennenlernen sowie die Berufsschule besuchen müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Aspekt erscheint unter dem Hintergrund, dass heute viele Meditations-, Friedens- und Yogabemühungen die Selbstverwirklichung nur im Inneren suchen, beachtenswert. Auch die Spiritualität unterliegt diesem Gesetz des Lernens durch Eingliederung von Neuem. Die spirituelle Qualität eines Friedensstifters kann demnach nicht errungen werden, indem der Mensch diese ausschließlich in sich sucht und beginnt, Schicht für Schicht zu durchdringen, bis er sie in seinem Inneren findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab für Sri Aurobindo keinen Zweifel, dass die Synthese von Geist und Mensch möglich ist. Für ihn war es eine unbedingte Sicherheit, dass dieses Übergeistige eine Wahrheit ist und dass „seine Ankunft recht eigentlich von der Natur unausbleiblicher Dinge ist“.&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Ein Jahrhundert des Lichts und des Wirkens.&#039;&#039; Sri Aurobindo Aschram, Pondicherry, S.&amp;amp;nbsp;41.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für [[Rudolf Steiner]] ist die geistige Welt auch eine Ebene der Wahrheit. Ihre Realisation bringt Friede, Eintracht und Harmonie unter Menschen in den praktischen Vollzug:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Menschen würden in Bezug auf die höchsten Wahrheiten zur Einigkeit kommen, wenn sie in Bezug auf diese höchsten Wahrheiten soweit wären, wie sie in Bezug auf diese Wahrheit auf dem Gebiete der Mathematik schon sind. Aber diese Wahrheiten sind etwas, was wir in der innersten Seele erfassen, und dadurch, daß wir sie so erfassen, haben wir sie. Wenn hundert oder gar tausend und mehr Menschen uns widersprechen, wir haben sie doch und wissen, daß drei mal drei gleich neun ist, weil wir sie in unserem Innersten erfaßt haben. Würden die hundert und tausend Menschen, welche anderer Meinung sind, sich unabhängig machen von sich selber, so würden sie zu derselben Wahrheit kommen. Was ist also der Weg zum gegenseitigen Verständnis und zur menschlichen Einigkeit? Wir verstehen uns auf dem Gebiete des Rechnens und Zählens, weil wir das Geforderte hier erreicht haben; in demselben Maße, wie wir die Wahrheit finden, herrscht Friede, Eintracht und Harmonie unter den Menschen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Metamorphosen des Seelenlebens. Pfade der Seelenerlebnisse I.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;59. 1. Auflage. Rudolf Steiner Verlag Dornach, 1984, ISBN 3-7274-0585-6, S.&amp;amp;nbsp;89&amp;amp;nbsp;f. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_058.pdf#page=89&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie kann der Mensch ansetzen, um diese geschilderten Prozesse in Gang zu setzen? Wie kann er eine geistige Dimension in seinem Herzen verankern oder, anders ausgedrückt, wie kann er sein [[a:Zwölfblättrige Lotosblume|Herzzentrum]] entwickeln?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Aussage von [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] kann diese friedensstiftende Herzenskraft zur Entfaltung kommen, „wenn eine Idee ganz zum Ideal des Individuums wird.“ Der Gedanke bildet dann einen Schatz im Herzen und es erwachen neue sensible Empfindungen. Nicht nur wärmende und lichte Kräfte, sondern die tiefsten zentrierenden sogenannten [[a:Lebensäther|Lebensätherkräfte]] werden gesammelt. Der Mensch wird so zum authentischen Friedensstifter und es erstrahlt aus seiner neuen Mitte eine friedvolle Besänftigung für andere Menschen aus.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=pfbid02Gm9RuhKKmuHzrMQLjY8gwBQuhjTdirB5NEeNpk1ZhJWaQv7cQcu3n8AM1Ygbbvwal&amp;amp;id=100094563113890 &#039;&#039;Lebensäther erschafft Frieden.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Freie spirituelle Hochschule Lundo – Trentino (Facebook).&#039;&#039; Meditationsbrief 221 von Heinz Grill. Abgerufen am 8. Juli 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die folgende Poesie von Heinz Grill drückt diesen Zusammenhang auf meditative Weise aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:15px;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Lebensäther erschafft Frieden&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Frieden ist der Fluss an Herzenstiefe,&lt;br /&gt;
wenn der Gedanke werde zu ganzer Liebe.&lt;br /&gt;
Denn es mündet im Herzen tiefste Lebenskraft,&lt;br /&gt;
um Frieden auszustrahlen in hoher Gestalt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wintergesicht mit Frost dem Boden geneigt,&lt;br /&gt;
die Erde ruht, das Begierdefeuer schweigt.&lt;br /&gt;
Dies ist das Bild der glorreichen Lebenssubstanz,&lt;br /&gt;
die den Frieden spendet als unsichtbare Instanz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kern des Lebensäthers atmet Weltenfriede,&lt;br /&gt;
schön ist der Gedanke frei von Begierde.&lt;br /&gt;
Aus Herzens Urgründen erstrahlt die Mitte&lt;br /&gt;
erfüllend die nach Frieden sehnende Menschheitsbitte.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{#ev:youtube|LkAAaHSr0KE|480x300|center|Die Worte dieser Poesie in Musik gekleidet, dargeboten von Stephan Wunderlich (Musik und Klavier) und Aline Roüast (Gesang)}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Grundlagen der Meditation]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]]&lt;br /&gt;
* [[Halasana#Die_Verwandlung_des_Menschen_als_eine_Säule_der_Zukunft|Die Verwandlung des Menschen als eine Säule der Zukunft]] – Kapitel im Artikel „Halasana“&lt;br /&gt;
* [[Omar Mukhtar]] – Anführer des libyschen Widerstands gegen die italienischen Besatzer, Friedensstifter&lt;br /&gt;
* [[Swami_Vishnudevananda#Einsatz_für_den_Weltfrieden|Swami Vishnudevananda]] und seinen Einsatz für den Weltfrieden&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie: Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Wikipedia:de:Frieden|Frieden]], Artikel in der Wikipedia mit weiteren Informationen und diversen Links&lt;br /&gt;
* [https://anthrowiki.at/Friedensforschung Friedensforschung], Artikel in der AnthroWiki&lt;br /&gt;
* [https://ithf.de/bibliothek/zugang-nutzung/ Online-Bibliographie Theologie und Frieden des IThF] – Die Online-Bibliographie Theologie und Frieden des Instituts für Theologie und Frieden (IThF), Hamburg, enthält ca. 148.000 durch detaillierte Deskriptoren sacherschlossene Titel. Berücksichtigung findet dabei für friedensethische Forschung relevante Literatur aus einzelnen Disziplinen der Theologie und anderen Wissenschaften&lt;br /&gt;
* [https://www.afk-web.de/ Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung (AFK)]&lt;br /&gt;
* [http://www.uni-klu.ac.at/frieden/inhalt/1.htm Zentrum für Friedensforschung und Friedensbildung an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Klassiker&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Jeremy Bentham: &#039;&#039;Grundsätze für Völkerrecht und Frieden&#039;&#039;, (1786/1789) übers. Kurt von Raumer, 1953, S.&amp;amp;nbsp;379–417.&lt;br /&gt;
* Émeric Crucé, &#039;&#039;Der Neue Kineas oder Abhandlung über die Gelegenheiten und Mittel, einen allge meinen Frieden des Handels auf dem ganzen Erdkreise zu begründen&#039;&#039;, Übertragung von „Thomas Willing Balch, Le Nouveau Cynée de Émeric Crucé. Réimpression du texte original de 1623 avec introduction et traduction anglaise, Philadelphia 1909“ von Walther Neft in: K. v. Raumer, 1953, S.&amp;amp;nbsp;289–320.&lt;br /&gt;
* Johanna J. Danis: &#039;&#039;Krieg und durchkreuzter Frieden, Triangulierung der Gegensätze&#039;&#039;, Edition Psychosymbolik, München 1996, ISBN 3-925350-70-5.&lt;br /&gt;
* Erasmus von Rotterdam: &#039;&#039;Die Klage des Friedens, der bei allen Völkern verworfen und niedergeschlagen wurde&#039;&#039; (&#039;&#039;Querela Pacis undique gentium ejectae profligataeque&#039;&#039;), 1517, erste Herausgabe von Georg Spalatin, erste deutsche Ausgabe 1622.&lt;br /&gt;
* Sebastian Franck: &#039;&#039;Das Krieg Büchlin des frides. Ein krieg des frides, wider alle lermen, aufrur und unsinnigkait zu kriegen, mit gründlicher anzaigung, auß wichtigen eehafften ursachen, auß gründtlichen argumenten der Hailigen Schrifft, alten Leeren, Concilien, Decreten, der Hayden schrifft und vernunfft widerlegt&#039;&#039;, 1539 und 1. Nachdruck von Cyriacus Jacob zum Bock, Frankfurt am Main 1550.&lt;br /&gt;
* Friedrich Gentz: &#039;&#039;Über den ewigen Frieden&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Historisches Journal&#039;&#039;, S.&amp;amp;nbsp;709–790, 1800.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;I Ging – Das Buch der Wandlungen&#039;&#039;. Hier verwendete Ausgabe 1974, Eugen Diederichs Verlag Düsseldorf; Köln. ISBN 3-424-00061-2.&lt;br /&gt;
* Immanuel Kant: &#039;&#039;Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf.&#039;&#039; Verlag Friedrich Nicolovius, Königsberg 1795 und als vermehrte Auflage ebenda, Königsberg 1796.&lt;br /&gt;
* William Penn: Ein Essay zum gegenwärtigen und zukünftigen Frieden von Europa durch Schaffung eines europäischen Reichstags, Parlaments oder Staatenhauses, 1693 in: von Raumer, 1953, S.&amp;amp;nbsp;321–342.&lt;br /&gt;
* Jean-Jacques Rousseau: Auszug aus dem Plan des Ewigen Friedens des Herrn Abbé de Saint-Pierre (1756 bis 1761) übers. v. Gertrud von Raumer in: K. v. Raumer, 1953, S.&amp;amp;nbsp;343–368.&lt;br /&gt;
* Kurt von Raumer: &#039;&#039;Ewiger Friede. Friedensrufe und Friedenpläne seit der Renaissance.&#039;&#039; Karl Alber Verlag, Freiburg 1953.&lt;br /&gt;
* Carl Friedrich von Weizsäcker: &#039;&#039;Bedingungen des Friedens&#039;&#039;. Göttingen 1964.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Neuere Darstellungen&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Andrea Cagan: &#039;&#039;Frieden ist möglich. Prem Rawat – Sein Leben, sein Weg.&#039;&#039; Albatros, Wien 2007, ISBN 978-3-85219-031-0.&lt;br /&gt;
* Wolfgang Dietrich, Josefina Echavarría Alvarez, Norbert Koppensteiner (Hrsg.): &#039;&#039;Schlüsseltexte der Friedensforschung&#039;&#039;, Lit, Münster / Wien 2006, ISBN 3-8258-9731-1 (Lit, Münster) / ISBN 3-7000-0502-4 (Lit, Wien).&lt;br /&gt;
* Wolfgang Dietrich: &#039;&#039;Variationen über die vielen Frieden.&#039;&#039; Schriften des UNESCO Chair for Peace Studies der Universität Innsbruck.&lt;br /&gt;
** Band 1: &#039;&#039;Deutungen&#039;&#039;, VS-Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-16253-9.&lt;br /&gt;
** Band 2: &#039;&#039;Elicitive Konflikttransformation und die transrationale Wende der Friedenspolitik&#039;&#039;. VS-Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-18123-3.&lt;br /&gt;
* Johan Galtung u.&amp;amp;nbsp;a.: &#039;&#039;Neue Wege zum Frieden. Konflikte aus 45 Jahren: Diagnose, Prognose, Therapie&#039;&#039;. Bund für Soziale Verteidigung, 2003, ISBN 3-00-011703-2.&lt;br /&gt;
* Hans-Werner Gensichen: &#039;&#039;Weltreligionen und Weltfrieden. &#039;&#039; Göttingen 1985.&lt;br /&gt;
* Friedrich Glasl: &#039;&#039;Konflikt, Krise, Katharsis: und die Verwandlung des Doppelgängers&#039;&#039;, Vlg. Freies Geistesleben, Stuttgart 2008&lt;br /&gt;
* Alfred Hirsch, Pascal Delhom (Hrsg.): &#039;&#039;Denkwege des Friedens. Aporien und Perspektiven. &#039;&#039; Alber, Freiburg / München 2007, ISBN 978-3-495-48204-9.&lt;br /&gt;
* Anton Kimpfler: &#039;&#039;Friedensgespräch&#039;&#039;. Meditative Annäherungen im Umgang mit Konflikten, Anders Leben Vlg., Wies 1986&lt;br /&gt;
* Karlheinz Koppe: &#039;&#039;Der vergessene Frieden. Friedensvorstellungen von der Antike bis zur Gegenwart&#039;&#039;. Opladen 2001, ISBN 3-8100-3099-6.&lt;br /&gt;
* Norbert Koppensteiner: &#039;&#039;The Art of the Transpersonal Self; Transformation as Aesthetic and Energetic Practice.&#039;&#039; ATROPOS New York/Dresden 2009.&lt;br /&gt;
* Samrat Schmiem Kumar: &#039;&#039;Bhakti – the yoga of love. Trans-rational approaches tp Peace Studies&#039;&#039;; (= Masters of Peace/1) Lit, Münster/Wien 2010.&lt;br /&gt;
* Terry Nardin: &#039;&#039;The Ethics of War and Peace&#039;&#039;: Religious and Secular Perspectives. The Ethikon Series in Comparative Ethics, Princeton University Press, 1996.&lt;br /&gt;
* Terry Nardin: &#039;&#039;The Philosophy of War and Peace.&#039;&#039; in: &#039;&#039;Routledge Encyclopedia of Philosophy.&#039;&#039; 9 (1998), S.&amp;amp;nbsp;684–691.&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Nachschlagewerke&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* Wolfgang Dietrich, Josefina Echavarría Alvarez, Gustavo Esteva, Daniela Ingruber, Norbert Koppensteiner (Hrsg.): &#039;&#039;The Palgrave International Handbook of Peace Studies. A Cultural Perspective&#039;&#039;. London, Palgrave MacMillan, 2011.&lt;br /&gt;
* Nigel Young (Hrsg.): &#039;&#039;The Oxford International Encyclopedia of Peace.&#039;&#039; Oxford University Press, 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia}}&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=s|GND=4071465-2|LCCN=sh85098940}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frieden]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Schulungsweg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Tugend]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten mit Sanskritbegriff]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten, die EmbedVideo verwenden]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=An_ihren_Fr%C3%BCchten_werdet_ihr_sie_erkennen&amp;diff=13554</id>
		<title>An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen</title>
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		<updated>2026-05-01T04:56:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{DISPLAYTITLE:&#039;&#039;An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen&#039;&#039;}}&lt;br /&gt;
[[Datei:Weintrauben Melissa Winter.jpg|mini|355px|Weintrauben sind immer die Früchte des Rebstocks]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort Jesu Christi „&#039;&#039;&#039;An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen&#039;&#039;&#039;“ steht im Gleichnis vom &#039;&#039;Baum und seinen Früchten&#039;&#039; in der Bergpredigt im [[w:Evangelium nach Matthäus|Evangelium nach Matthäus]] (Mt 7,15–20). Ein ähnliche Passage findet sich in der Feldpredigt des [[w:Evangelium nach Lukas|Evangeliums nach Lukas]] (Lk 6,43–45).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Theologische Interpretationen geben zu erkennen, dass die Früchte sowohl in Taten als auch in Worten des Menschen zu erkennen sind. In Bezug auf Joh 7,24 besteht für die Beurteilung der „Früchte“ die Anforderung, nicht nach dem (äußeren) Schein zu urteilen, sondern ein „gerechtes Gericht“ zu erringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus geistiger Forschung ist der innere Seelenzustand bzw. der authentisch gewordene Wesenszustand des Menschen für die Frucht, die er erbringt, entscheidend.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textstellen und Kontext im Neuen Testament ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Evangelium nach Matthäus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Weinstock ohne Früchte.jpg|mini|325px|Im Herbst trägt dieser Weinstock süße Trauben. Jetzt ist noch nicht erkennbar, dass er gute Früchte hervorbringen wird.]]&lt;br /&gt;
Das Gleichnis vom &#039;&#039;Baum und seinen Früchten&#039;&#039; ist Teil der [[w:Bergpredigt|Bergpredigt]] (Mt 5,1–7,29) und steht dort vor dem abschließenden Gleichnis vom Hausbau auf Felsen oder auf Sand.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jesus Christus spricht in Mt 7 verschiedene ernste Worte aus und warnt in diesem Gleichnis vor falschen Propheten. Er vergleicht einen falschen Propheten mit einem faulen Baum, der schlechte Früchte bringt. Der Satz „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ steht in Vers 16:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen! Inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Liest man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Feigen? So bringt jeder gute Baum gute Früchte, aber der faule Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, noch kann ein fauler Baum gute Früchte bringen. Jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Deshalb, an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“&amp;lt;br&amp;gt;(Mt 7,15–20)&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.csv-bibel.de/bibel/matthaeus-7 &#039;&#039;Matthäus 7.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Elberfelder Übersetzung. Edition CSV.&#039;&#039; Abgerufen am 21. Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Parallelstelle im Evangelium nach Lukas ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Bild vom Baum mit den Früchten ist auch Teil des Lukasevangeliums. Im dritten Teil der Feldrede finden sich verschiedene Gleichnisse, darunter jenes vom unfruchtbaren Baum, das deutliche, teils wörtliche Parallelen zum Gleichnis in der Bergpredigt aufweist:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Denn es gibt keinen guten Baum, der faule Frucht bringt, noch andererseits einen faulen Baum, der gute Frucht bringt; denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt; denn von Dornen sammelt man keine Feigen noch liest man von einem Dornbusch eine Traube. Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz des Herzens das Gute hervor, und der böse bringt aus dem bösen das Böse hervor; denn aus der Fülle des Herzens redet sein Mund.“ (Lk 6,43–45)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.csv-bibel.de/bibel/lukas-6 Lukas 6.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Elberfelder Übersetzung. Edition CSV.&#039;&#039; Abgerufen am 21. Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Matthäusevangelium bezieht sich der Kontext auf die Prüfung eines Propheten, wohingegen Lukas das Gleichnis auf das Erkennen von Menschen ausweitet, die „böse“ sind.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.logo-buch.de/logo-aktiv/wissensbibliothek/christliches-lexikon/jemanden-oder-etwas-an-seinen-fruechten-erkennen Jemanden oder etwas an seinen Früchten erkennen.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;logo-buch.de.&#039;&#039; Abgerufen am 21. Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der schottische Minister [[wen:William Robertson Nicoll|William Robertson Nicoll]] legt nahe, dass „der Schlüssel wahrscheinlich in dem Wort ὑποκριτά [Anm.: &#039;&#039;hypokrita&#039;&#039; „heuchlerisch, Heuchler“] zu finden ist, das auf jemanden angewendet wird, der durch seine Tadelsucht behauptet, heilig zu sein, aber in Wirklichkeit ein größerer Sünder ist als diejenigen, die er beschuldigt. Diese Kombination aus Heiliger und Sünder wird durch diese Aussprüche als unmöglich erklärt.“&amp;lt;ref&amp;gt;William Robertson Nicoll: &#039;&#039;[https://biblehub.com/commentaries/egt/luke/6.htm Expositor&#039;s Greek Testament on Luke&amp;amp;nbsp;6.]&#039;&#039; 1897, siehe Vers 6,43. In: &#039;&#039;biblehub.com.&#039;&#039; Abgerufen am 21.&amp;amp;nbsp;Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Theologische Interpretationen (Auswahl) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:AmbroseOfMilan.jpg|mini|Ambrosius von Mailand&amp;lt;br&amp;gt;Mosaik in [[w:Sant’Ambrogio (Mailand)|Sant’Ambrogio]] (Mailand), womöglich noch zu Lebzeiten entstanden]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[w:Ambrosius von Mailand|Ambrosius von Mailand]] (339–397), einer der vier lateinischen Kirchenlehrer der Spätantike der Westkirche, lehrt bei der Auslegung des Psalms 118 (Bezug nehmend auf Mt 7,16), dass es für ein vollkommenes Bekenntnis sowohl einer [[Bhakti|Hingabe]] der Seele als auch einem Bekenntnis der Lippen bedürfe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:[…] perfecta enim confessio et aninii io quaerit deuotionem et uocis professionem; corde enira crediturad iustitiani, ore autem confessio fit ad salutem.&lt;br /&gt;
:„[…] denn vollkommenes Bekenntnis erfordern sowohl Hingabe der Seele als auch Bekenntnis der Lippen; denn mit dem Herzen glaubt man zur Gerechtigkeit, aber mit dem Mund bekennt man sich zur Erlösung.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://archive.org/details/CSEL62/page/469/mode/2up Corpus scriptorum ecclesisticorum latinorum.]&#039;&#039; Vol. LXII. Pars V: &#039;&#039;Expositio psalmi CXVIII&#039;&#039;. 49, S.&amp;amp;nbsp;469. In: &#039;&#039;archive.org.&#039;&#039; Abgerufen am 26. Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heutigen theologischen Interpretationen des Satzes aus dem Matthäusevangelium, was nun die „Früchte“ im menschlichen Leben offenbart, beziehen sich sowohl auf das Handeln, die Taten oder die Werke des Menschen als auch auf seine Worte oder Botschaft. Unter Bezugnahme auf Joh 7,24 besteht die Anforderung, nicht nach dem (äußeren) Schein zu urteilen, sondern ein „gerechtes Gericht“ zu erringen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der katholische Steyler Missionar P. Michael Kreuzer SVD weist darauf hin, dass falsche Propheten schwer zu erkennen seien, da sie äußerlich harmlos auftreten können. Da Innere eines Menschen sei schwer einsichtig, jedoch kehre sich das Innere im Handeln nach außen und „daran können wir sehr wohl ablesen, ob es Gutes oder Schlechtes bewirkt“. Er nennt als Beispiel das Verhältnis von Eltern zu ihrem Kind. Man könne ein Kind herzen und liebkosen und es kann dabei sowohl aufblühen als auch sich erdrückt fühlen. Gleichermaßen kann das Kind ermahnt und gescholten werden und wieder werde sich beim Kind das Ergebnis, die Frucht, zeigen: es kann wachsen und bewusster werden oder sich erschlagen und eingeschüchtert fühlen. Er kommt aus diesen Überlegungen zu dem Schluss: „Ob ich dir guttue oder nicht, kannst nur du wissen, und ich muss es mir von dir sagen lassen: in deinen Worten, in deiner Gestik, in deiner Mimik, in deiner Körpersprache.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.lebenjetzt.eu/gott-die-welt/detail/an-ihren-fruechten-werdet-ihr-sie-erkennen.html Pater Kreuzer erklärt die Bibel: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Leben jetzt.&#039;&#039; Abgerufen am 22. Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zane Hodges, amerikanischer evangelikaler Theologe, geht von der Frage aus, woran man einen falschen Propheten wirklich erkenne. Er kommt zu dem Ergebnis, dass es die Botschaft sei, die er bringt: „Ein falscher Prophet wird nicht durch seine Werke, sondern durch seine Worte entlarvt.“ Dabei ist es ihm wichtig festzustellen, dass Jesus nicht über bekennende Christen spreche, sondern es ihm um die Beantwortung der Frage gehe, wie wir einen falschen Propheten erkennen können. „Gute Propheten und falsche Propheten werden durch die Botschaft, die sie bringen, geprüft. Der gute Prophet bringt keine falsche Botschaft und der falsche Prophet bringt keine gute Botschaft.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://faithalone.org/freie-gnade-im-brennpunkt/an-ihren-fruchten-sollt-ihr-sie-erkennen-matthaus-715-20/ &#039;&#039;An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen (Matthäus 7:15-20).&#039;&#039;] In:&amp;amp;nbsp;&#039;&#039;GES.&amp;amp;nbsp;Grace Evangelical Society.&#039;&#039; Abgerufen am 22. Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein anderer Kommentar nimmt den Ausgangspunkt in Vers 15, in dem steht, dass falsche Propheten sich als Schafe verkleiden, in Wahrheit aber reißende Wölfe sind. Da Qualitäten wie Klugheit, Autorität, Moral oder Freundlichkeit eines Menschen nicht automatisch den Schluss zulassen, dass dessen Worte wahr sind, erinnert der Kommentar an eine Aussage von Jesus im Evangelium nach Johannes 7,24: „Richtet nicht nach dem Schein, sondern richtet ein gerechtes Gericht!“ Bei selbsternannten Lehrern oder Propheten würde dies bedeuteten, auf ihre Lehre und ihr Leben zu achten und beispielsweise die Frage zu stellen, ob ihre Taten mit ihren Lehren übereinstimmen. „Wenn die Pflanze keine Trauben trägt, ist sie kein Weinstock.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www-bibleref-com.translate.goog/biblepassage/Printer?section=Matthew_7:16&amp;amp;lang=en&amp;amp;_x_tr_sl=en&amp;amp;_x_tr_tl=de&amp;amp;_x_tr_hl=de&amp;amp;_x_tr_pto=sge Was bedeutet Matthäus 7,16? Verskommentar.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;bibleref.com.&#039;&#039; Abgerufen am 23. Dezember 2025 (deutsche Übersetzung durch Google).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[w:Franz Zeilinger|Dr. Franz Zeilinger]] (1934–2021), Universitätsprofessor für Neutestamentliche Bibelwissenschaft in Graz, spezifizierte zu der Symbolik des Schafes, des Wolfes und des Wolfes im Schafpelz: „Das Schaf symbolisiert Friedfertigkeit und Wehrlosigkeit, der Wolf ist hingegen Sinnbild des Zerstörerischen. Wölfe im Schafspelz erscheinen friedlich, sprengen und zerstören aber die Gemeinde(n) innerlich. Was sie im Namen Christi bewirken, ist Unfrieden, Polarisierung und Spaltung.“&amp;lt;ref&amp;gt;Franz Zeilinger: &#039;&#039;Zwischen Himmel und Erde: Ein Kommentar zur &amp;quot;Bergpredigt&amp;quot; Matthäus 5-7.&#039;&#039; Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 978-3170172685, S.&amp;amp;nbsp;213–214.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verwendung des Gleichnisbilds der Früchte in der Anthroposophie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Emil Molt.jpg|mini|„Die praktische Frucht einer guten Idee“ nannte [[a:Emil Molt|Emil Molt]] die Gründung der ersten Waldorfschule]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] (1861–1925), Begründer der Anthroposophie, gebraucht das Bildnis der Früchte für die Beurteilung und den Wert einer Kultur oder Geistesströmung:&lt;br /&gt;
:„Denn mehr als auf irgendeinem anderen Gebiete scheint mir hier das Wort wahr zu sein: «An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!» Mitteleuropäisches Kulturleben, die deutsche Kultur, an ihren Früchten muß man sie erkennen – und an ihrer reifsten Frucht, an Goethe.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Aus schicksaltragender Zeit.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;64. 1. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1959, ISBN 3-7274-0640-2, S.&amp;amp;nbsp;17. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_064.pdf#page=17&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin erschien eine Sammlung von Vorträgen von Rudolf Steiner unter dem Titel &#039;&#039;Anthroposophie, ihre Erkenntniswurzeln und Lebensfrüchte&#039;&#039;, die aufzeigt, wie die anthroposophische Geisteswissenschaft konkrete, positive Auswirkungen auf das Leben und auf verschiedene Fachgebiete wie Pädagogik, Medizin oder Landwirtschaft haben kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Anthroposophie, ihre Erkenntniswurzeln und Lebensfrüchte. Mit einer Einleitung über den Agnostizismus als Verderber echten Menschentums.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;78. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1986, ISBN 3-7274-0780-8. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_078.pdf#view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marc Desaules, Vorstand der Anthroposophischen Gesellschaft Schweiz, weist darauf hin, dass in der Anthroposophie die Möglichkeit enthalten ist, Früchte hervorzubringen, Anthroposophen ihr aber die Möglichkeit geben müssten, sich zu manifestieren.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.anthroposophie.ch/files/anthroposophie.ch/content/docs/mitteilungen/mitteilungen_2020_7-8.pdf#page=10&amp;amp;view=fit Mitteilung VII/VIII – 2020.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Anthroposophie Schweiz.&#039;&#039; Abgerufen am 23. Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[a:Emil Molt|Emil Molt]] (1876–1936), zusammen mit Rudolf Steiner Gründer der ersten Waldorfschule, sagte in Anspielung auf den Gleichnisspruch der Früchte anlässlich eines Diskussionsabends der Arbeiterausschüsse in Stuttgart:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„An ihren Taten sollt ihr sie erkennen! Früher sagte man: – An ihren Früchten. – Wenn man eine Schule begründet, damit der wahre Sozialismus durchgeführt wird, wenn man das, was man erspart hat durch saure Arbeit – wirklich durch Arbeit, nicht durch Kapitalismus –, wenn man das dazu verwendet, daß die heranwachsende Generation auch andere Dinge kennenlernt, als was wir kennengelernt haben, so würde ich eben das die praktische Frucht einer guten Idee nennen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Betriebsräte und Sozialisierung.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;331. 1.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, ISBN 3-7274-3310-8. S.&amp;amp;nbsp;259 ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_331.pdf#page=259&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der innere Wille des Menschen offenbart seine Früchte im Umfeld ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:1. Buchstaben von yad und tad.PNG|mini|310px|Der erste Buchstabe des Sanskritworts &#039;&#039;yad&#039;&#039; (links) ist oben geöffnet, jener von &#039;&#039;tad&#039;&#039; hat eine Öffnung nach unten. Sie drücken durch diese äußere Form ein Sinnbild für sich aus:&amp;lt;br&amp;gt;Das, was oben hineinkommt, das wird auch unten herauskommen.&amp;lt;br&amp;gt;(&#039;&#039;yad&#039;&#039; – &#039;&#039;tad&#039;&#039; heißt übersetzt „wenn – dann“)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus geistiger Sicht ist der innere Seelenzustand bzw. der authentisch gewordene Wesenszustand des Menschen für das Ergebnis oder die Frucht im seelisch-geistigen Sinn entscheidend. Nach den Forschungen von [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]], spiritueller Lehrer und Begründer des Schulungsweges &#039;&#039;Neuer Yogawille&#039;&#039;, kann der Mensch einen Sinn für die inhaltliche Gestaltungskraft entwickeln, die innerhalb des Aufmerksamwerdens für die Objekte und Betrachtungen der Welt besteht. Ein Individuum realisiere damit die Möglichkeit, „die das geführte Bewusstsein bietet“ und fördere so auf allen Ebenen des Lebens einen seelischen Aufstieg. Bald wird es „selbst zum Zeugnis eines produktiven Seelenlebens werden.“ Heinz Grill erwähnt und interpretiert in diesem Zusammenhang ein Mantra des Yoga:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„&#039;&#039;Yad bhāvan tad bhāvati&#039;&#039; besagt die Weisheit des Yoga: «Dasjenige, was in Gedanken und Gefühlen in der Seele lebt oder was diese hinzubildet, was sie über die normalen Gewohnheiten hinzufördert, wird zum authentischen Wesenszustand des Daseins werden.» Das Seelenleben mit der geformten Aufmerksamkeit schenkt eine aufsteigende und sympathische Entwicklung.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga.&#039;&#039; 7., unveränderte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2022, ISBN 978-3-948193-00-3, S.&amp;amp;nbsp;76–77.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ – so stellt Heinz Grill aus geistiger Sicht den Bezug zu dem Satz im Evangelium her – bedeutet, „dass der innere Wille, der im Menschen lebt, sich an den Mitmenschen und in den umliegenden hinaustragenden Erscheinungsformen offenbart.“ Wenn jemand in seiner inneren Motivation Gewalt trage, so werde sich diese im Umfeld dort, wo sich die Person aufhält, zeigen. Zeigten sich hingegen nach dem Auftreten einer Person günstige Entwicklungsschritte im Umfeld, „kann und darf man sich fragen, ob nicht das Innere der lauteren Motive sich wiederum im Äußeren an Früchten verkündet.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://heinz-grill.de/2026-gelebte-spiritualitaet/ &#039;&#039;Jahresausblick – Teil 8. Eine Charakteristik für das Jahr 2026.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.&#039;&#039; Abgerufen am 9.&amp;amp;nbsp;Januar 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verwendung außerhalb des biblischen Kontextes ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Cox orange renette.JPG|mini|285px|Apfel der Sorte &#039;&#039;Cox orange&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der englische Schriftsteller [[w:George Orwell|George Orwell]] (1903–1950) verwendete den Satz in Bezug auf die für England repräsentative und besonders hochwertige Apfelsorte [[w:Cox Orange|Cox Orange]]. In den 1930er-Jahren pflanzte er einen Cox-Baum in seinem Garten und sagte später: „Ich hatte noch nie einen Apfel von diesem Baum. Aber jemand anderes wird dort eines Tages ernten. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen, und Cox ist eine gute Frucht, um daran erkannt zu werden.“&amp;lt;ref&amp;gt;David Ehrenfeld: &#039;&#039;Beginning Again: People and Nature in the New Millennium.&#039;&#039; Oxford University Press, 1995, ISBN 0-19-509637-1, S.&amp;amp;nbsp;17&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der biblische Ausspruch wird auch in der Politik,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.zu.de/info-de/institute/togi/assets/pdf/eGov_Mueller_AnIhrenFruechtenWerdetIhrSieErkennen.pdf „ An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. “]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Stadt Wien. ADV e-Government Konferenz 2019.&#039;&#039; Abgerufen am 26. Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; in der Rechtsprechung für unrechtmäßig erlangte Beweise,&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.fukurolegal.com/de/blog/fruit-poisonous-tree Lehre vom vergifteten Baum: unrechtmäßig erlangte Beweise.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;fukurolegal.com.&#039;&#039; Abgerufen am 26. Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; im Management&amp;lt;ref&amp;gt;Christoph Rüdesheim: &#039;&#039;[https://www.futur2.org/article/an-ihren-fruechten-werdet-ihr-sie-erkennen-mt-716/ „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ (Mt 7,16).]&#039;&#039; In: &#039;&#039;futur2.&#039;&#039; Abgerufen am 26. Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder in der Ethik verwendet. Die „Früchte“ stehen bildlich für die Ergebnisse und diese gelten als entscheidendes Kriterium für die Bewertung von Charakter, Kompetenz oder Absichten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die philosophische Strömung des [[w:Pragmatismus|Pragmatismus]] bewertet Ergebnisse höher als Absichten und Theorien. [[w:William James|William James]] (1842–1910), amerikanischer Psychologe und Philosoph sowie einer der wichtigsten Vertreter philosophischen Pragmatismus, argumentiert in seiner Schrift &#039;&#039;The Varieties of Religious Experience&#039;&#039;, dass die Herkunft (Wurzeln) einer religiösen Erfahrung weniger wichtig sind als die praktischen Auswirkungen und moralischen Ergebnisse (Früchte): “By their fruits ye shall know them, not by their roots.”&amp;lt;ref&amp;gt;[http://www.wright-house.com/psychology/varieties-religious-experience-william-james.html#lecture1:~:text=By%20their%20fruits%20ye%20shall%20know%20them,%20not%20by%20their%20roots. &#039;&#039;The Varieties of Religious Experience.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;wright-house.com.&#039;&#039; Abgerufen am 26. Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie: Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|The Tree and Its Fruits|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Neues Testament]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Surya_Namaskar&amp;diff=13553</id>
		<title>Surya Namaskar</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Surya_Namaskar&amp;diff=13553"/>
		<updated>2026-04-30T21:16:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Einzelnachweise */ Weitere Kategorie hinzugefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Surya_Namaskar_sculpture_at_IGIA_T3_(cropped).jpg|mini|350px|Surya Namaskar, Skulptur am Flughafen von Neu-Delhi]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Stamp_of_India_-_2016_-_Colnect_627074_-_Surya_Namaskar.jpeg|mini|Indische Briefmarke, Surya Namaskar]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Surya Namaskar&#039;&#039;&#039;, deutsch &#039;&#039;&#039;Sonnengruß&#039;&#039;&#039; oder &#039;&#039;&#039;Sonnengebet&#039;&#039;&#039;, ist ein Zyklus aus meistens zwölf einzelnen Positionen, die ineinander übergehen und eine Runde bilden. Es wird in der Yogapraxis am Anfang einer Übungsreihe praktiziert und dient mit seinen dynamischen zwölf Bewegungen der rhythmischen Erwärmung des Körpers, sodass sich dieser für die weiteren oftmals dehnkräftigen Übungen ausgleichend tonisiert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: [https://heinz-grill.de/surya-namaskara/ &#039;&#039;Das Sonnengebet – surya namaskara.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.&#039;&#039; Abgerufen am 26. Februar 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es stellt eine unerlässliche Aufwärmübung für jede Yogastunde dar und bereitet den Körper optimal auf die Asanapraxis vor.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Surya_Namaskar &#039;&#039;Surya Namaskar.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Name ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Surya%2C_Indian_Museum.jpg|mini|Surya (hinduistischer Sonnengott), Basaltstatue aus dem 10. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Surya Namaskara (Sanskrit सूर्यनमस्कार, IAST &#039;&#039;sūryanamaskāra&#039;&#039;) oder Surya Namaskar (Hindi, IAST &#039;&#039;sūryanamaskār&#039;&#039;) setzt sich aus den Wörtern Surya (Sanskrit सूर्य, IAST &#039;&#039;sūrya&#039;&#039;, „Sonne“)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=sUrya&amp;amp;dir=se Suchbegriffe für „sUrya“.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 30.&amp;amp;nbsp;April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und Namaskara (Sanskrit नमस्कार, IAST &#039;&#039;namaskāra&#039;&#039;, „Gruß“)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=namaskAra&amp;amp;dir=se Suchbegriffe für „namaskAra“.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 30. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Deutsch wird Surya Namaskar als „Sonnengruß“ oder „Sonnengebet“ bezeichnet. Es trägt diesen Namen, da es als eine meditativ-körperliche Übung am frühen Morgen mit dem Gesicht nach Osten zur aufgehenden Sonne ausgeführt wurde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt.&#039;&#039; Band 3 aus der Reihe: &#039;&#039;Initiatorische Schulung in Arco.&#039;&#039; 2. Auflage. Lammers-Koll-Verlag, Niefern-Öschelbronn 2008, ISBN 978-3-935925-70-9, S.&amp;amp;nbsp;38.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte und Entstehung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Ursprung des Sonnengebets gibt es unterschiedliche Sichtweisen. Diskutiert wird, ob es aus alter spiritueller Praxis, anderer Tradition oder aus sportlichen Disziplinen stammt. Nach anthropologischer Forschung findet das Sonnengebet vor dem 19. Jahrhundert keine Erwähnung in einer Hatha Yoga Schrift.&amp;lt;ref&amp;gt;Joseph S.&amp;amp;nbsp;Alter: &#039;&#039;Yoga in modern India: the body between science and philosophy.&#039;&#039; Princeton University Press, 2004, ISBN 978-0-691-11874-1, S.&amp;amp;nbsp;23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Angaben des Sivananda Yoga Zentrums wird in der Hindu-Mythologie der Sonnengott als Symbol der Gesundheit und eines langen Lebens verehrt. In der [[w:Rigveda|Rigveda]] heißt es: „Surya ist die Seele aller bewegten und unbewegten Dinge.“ Das Sonnengebet soll sich aus einer Reihe von Gebetshaltungen an die Sonne entwickelt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Sivananda Yoga Zentrum: &#039;&#039;Yoga.&#039;&#039; 7. Auflage. Mangalam Books, Lautersheim 2008, ISBN 978-3-922477-40-2, S.&amp;amp;nbsp;34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Vishnudevananda]] führt aus, dass die Sonne als Gottheit für Gesundheit und ein langes Leben angesehen wird. In alten Zeiten sei diese Übung täglicher Brauch der täglich vollzogenen spirituellen Praktiken gewesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;Swami Vishnudevananda: &#039;&#039;Das große illustrierte Yogabuch.&#039;&#039; 18. Auflage. Aurum Verlag, Kamphausen 2019, ISBN 978-3-89901-183-8, S.&amp;amp;nbsp;86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Sonnen-Tradition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Konark_Sun_Temple_on_a_October_morning_in_2024.png|mini|Sonnentempel von Konark in Odisha (Indien) aus dem 13. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Sonne anzubeten und zu verehren, war eine der ersten und natürlichsten geistigen Ausdrucksformen des Menschen.“ In der vedischen Tradition gibt es zahlreiche Verse, die sich auf die Sonne beziehen. So heißt es in der Rigveda:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die Tilgerin aller Schwachheit,&lt;br /&gt;
Heilerin aller Krankheit,&lt;br /&gt;
Herrin über alles, das geht und steht.&lt;br /&gt;
Sie erschlägt die Dämonen&lt;br /&gt;
Und behütet die Verehrer.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:SatSar&amp;quot;&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Surya Namaskara.&#039;&#039; 3. Auflage. Ananda Verlag, Ratzeburg 2018, ISBN 978-3-947908-01-1, S.&amp;amp;nbsp;4–6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der [[w:Brihadaranyaka-Upanishad|Brihadaraanyaka Upanishad]] steht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„O Herr und Wesen des Lichtes,&lt;br /&gt;
führe mich vom Unwirklichen zum Wirklichen,&lt;br /&gt;
von der Dunkelheit ins Licht,&lt;br /&gt;
vom Tod zur Unsterblichkeit.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:SatSar&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sinnbild des Sonnengebets ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Trick_to_remember_Surya_Namaskar_Mantra.gif|mini|410px|Die 12 Positionen im Sonnengebet]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sonnengebet wird mit dem Sinnbild des Rhythmus in Zusammenhang gebracht. Seine gleichbleibende Ausführung, Runde für Runde, reflektiert den Rhythmus des Universums, der sich beispielsweise in den zweimal 12 Stunden des Tages, den 12 Monaten eines Jahres und den 12 Tierkreiszeichen, aber auch den Rhythmen des Körpers ausdrückt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:SatSar&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben diesem äußeren Rhythmus ist auch der innere Rhythmus des Menschen im Sinne seiner Entwicklung von Bedeutung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die seelisch-geistige Bedeutung des Sonnengebets können Sie am leichtesten erfassen, wenn Sie die Sonnenkraft, die im traditionellen Sinne angebetet und verehrt wird, mit der schöpferischen Gedanken&amp;amp;shy;kraft gleichsetzen. […] Wenn Sie heute einen hohen und edlen Gedanken mit Zielstrebigkeit und einem Bedürfnis nach Verwirklichung denken, so wird dieser Gedanke gemäß seines Wesenszustandes, &#039;&#039;bhāvan&#039;&#039;, einmal durch die Stufen der Entwicklung gleiten und zur Realisierung gelangen. […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In diesem zyklischen Reifen des Gedanken- und Erkenntnislebens liegt die Bedeutung des 12-teiligen Sonnengebets.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga. Praktische Grundlagen zu einem spirituellen Übungsweg.&#039;&#039; 7., unveränderte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2022, ISBN 978-3-948193-00-3, S.&amp;amp;nbsp;334–335.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Methode und Ausführungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleich von Anleitungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:11px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:7%;&amp;quot; |Position&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:31%;&amp;quot; |Sivananda Yoga&amp;lt;ref&amp;gt;Sivananda Yoga Zentrum: &#039;&#039;Yoga.&#039;&#039; 7. Auflage. Mangalam Books, Lautersheim 2008, ISBN 978-3-922477-40-2, S.&amp;amp;nbsp;34–35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:31%;&amp;quot; |Yoga Vidya&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Sonnengru%C3%9F#Sonnengru%C3%9F_Mittelstufe &#039;&#039;Sonnengruß Mittelstufe.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:31%;&amp;quot; |Heinz Grill&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=Rj23SH9BYyY &#039;&#039;Die Gliederung im Sonnengebet – surya namaskar.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yoga Heinz Grill&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 23. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |1&lt;br /&gt;
|Stehen Sie aufrecht, mit geschlossenen Füßen, die Hände in Gebetshaltung vor der Brust gefaltet. Achten Sie auf eine gleichmäßige Verteilung Ihres Gewichts. Ausatmen.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, dabei Hände vor dem Brustkorb zusammengeben.&lt;br /&gt;
|Anheben des Brustbeins, entspannte Sammlung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |2&lt;br /&gt;
|Einatmen, die Arme über den Kopf nach oben strecken, aus der Taille zurückbeugen, dabei die Hüften herausdrücken, die Beine gerade halten, Hals entspannen.&lt;br /&gt;
|Einatmen, dabei Arme heben und nach hinten führen, Schulterblätter zusammen.&lt;br /&gt;
|Gelöstes Hochgleiten, entspanntes Langwerden und leichtes Rückwärtswölben, Anheben des Brustbeins bei entspanntem Körper, starkes Durchwölben der Brustwirbelsäule.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |3&lt;br /&gt;
|Ausatmen, nach vorn beugen und die Handflächen auf den Boden legen, die Fingerspitzen sind in einer Linie mit den Zehen, notfalls die Knie beugen.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Oberkörper nach vorne beugen, Hände neben die Füße.&lt;br /&gt;
|Relativ gelöst und entspannt nach unten gleiten, Entwicklung der gezielten Spannung im Vorwärtsbeugen, Lösen der Spannung vor der nächsten Position.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |4&lt;br /&gt;
|Einatmen, das rechte (oder linke) Bein nach hinten strecken und mit dem Knie den Boden berühren. Zurückschauen und nach oben schauen, Kinn hoch.&lt;br /&gt;
|Einatmen, dabei rechtes Bein nach hinten geben.&lt;br /&gt;
|Weite und Entspannung im Halbmond, beginnende Längsstreckung und Aufbau der Spannung aus der Mitte der Wirbelsäule bei gelöstem Nacken und Arme, intensives Durchwölben der Brustwirbelsäule.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |5&lt;br /&gt;
|Atem anhalten und auch das andere Bein zurückstrecken, das Gewicht gleichmäßig auf Hände und Zehen stützen, Kopf und Körper in einer Linie halten, zwischen den Händen auf den Boden schauen.&lt;br /&gt;
|Atem anhalten, dabei beide Beine nach hinten geben.&lt;br /&gt;
|ohne Angabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |6&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Knie, Brust und Stirn nach unten senken, Hüften anheben, die Zehen nach innen.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Knie, Brust und Stirn auf den Boden&lt;br /&gt;
|Entspanntes Annähern zum Boden, gegliederte Haltung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |7&lt;br /&gt;
|Einatmen, Hüften senken, Zehen nach hinten ausstrecken und Oberkörper zurückbeugen. Beine geschlossen, Schultern nach unten halten. Nach oben und zurück schauen.&lt;br /&gt;
|Einatmen, dabei Brustkorb und Kopf heben.&lt;br /&gt;
|Entspanntes Aufrichten der Wirbelsäule zur Kobra, Entwicklung der Spannung, der Brustkorb wird weit nach vorne gezogen, das Gesicht bleibt entspannt, die Brustwirbelsäule bleibt in der Phase der Spannung hochaktiv, die Arme stützen nicht ab, weitere Dynamisierung aus der Brustwirbelsäule.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |8&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Zehen nach vorn, Hüften heben und den Körper in ein umgekehrtes „V“ drehen, die Fersen und den Kopf möglichst auf den Boden bringen und die Schultern zurückzunehmen.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, dabei Becken heben, Fersen in den Boden drücken.&lt;br /&gt;
|Sehr entspannte Dreiecksform, Aktivierung der Dynamik in Richtung unterer Rücken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |9&lt;br /&gt;
|Einatmen, den linken (oder rechten) Fuß nach vorn zwischen die Hände stellen, das andere Knie berührt den Boden, nach oben schauen wie in Position 4.&lt;br /&gt;
|Einatmen, dabei rechten Fuß nach vorne geben zwischen die Hände.&lt;br /&gt;
|Vorbereitende Entspannung im Halbmond, Aktivierung der Spannung in die Längsausdehnung und zur Durchwölbung des Brustkorbs&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |10&lt;br /&gt;
|Ausatmen, das andere Bein nach vorn bringen, aus der Taille heraus nach unten beugen, die Handflächen wie in Position 3.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, beide Beine nach vorne geben.&lt;br /&gt;
|Entspanntes Hinausgleiten nach vorne, die Arme, der Nacken und die Schultern bleiben durchlässig, während die Mitte des Rückens die Spannung aufzubauen beginnt, die Bewegung bleibt im Oberkörper stets entspannt und offen, Spannung im unteren und mittleren Rücken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |11&lt;br /&gt;
|Einatmen, die Arme nach vorn, dann hoch und über den Kopf nach hinten strecken und langsam aus der Taille heraus nach hinten beugen wie in Position 2.&lt;br /&gt;
|Einatmen, Arme und Brustkorb heben, Arme nach hinten, Schulterblätter zusammen.&lt;br /&gt;
|Entspannte Längsausdehnung, dynamische Wölbung der Brustwirbelsäule und des Brustkorbs.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |12&lt;br /&gt;
|Ausatmen, sacht in eine aufrechte Haltung zurückkommen, Arme neben den Körper bringen&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Arme senken, nächste Runde.&lt;br /&gt;
|ohne Angabe&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Yogameister und Yogarichtungen zum Surya Namaskar ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pant_Pratinidhi_1928_Surya_Namaskar_Sequence.jpg|mini|Surya Namaskar mit 10 Positionen&amp;lt;br&amp;gt;Raja von Aundh (Illustration von 1928)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Raja von Aundh ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[wen:Bhawanrao Shriniwasrao Pant Pratinidhi|Raja von Aundh]] sagt, dass Surya Namaskar von jedermann zu jeder Jahreszeit allein oder in Gruppen ausgeführt werden kann, weil es ebensogut im Zimmer als auch im Freien praktiziert werden kann. Es nimmt nur einige Minuten am Tage in Anspruch, also drei bis zehn Minuten.&amp;lt;ref&amp;gt;André van Lysebeth: &#039;&#039;Yoga für Menschen von heute.&#039;&#039; Mosaik Verlag, München 1982, 1990, ISBN 3-570-01784-2, S. 274.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der vermutlich älteste Film mit dem Titel &#039;&#039;Surya Namaskar&#039;&#039; wurde von ihm wahrscheinlich im Jahr 1928 in Aundh gedreht. Der Raja veröffentlichte Bücher über diese Yoga-Sequenz in vielen Sprachen und zeigte diesen Film während seiner Reisen durch Indien und Europa, um für die Vorteile des Surya Namaskar zu werben.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=aYcwS2ePkMw &amp;lt;nowiki&amp;gt;Surya Namaskar 1928 by Raja of Aundh [Kalé/Novetzke].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&#039;&#039; (0:01–0:40.) In: &#039;&#039;The Yoga of Power&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Swami Sivananda ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Sivananda.jpeg|mini|Sivananda, Wandzeichnung des Künstlers &#039;&#039;Josefo&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;© Das Foto unterliegt dem Copyright&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Sivananda]] schreibt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Im «Surya Namaskara» werden mehrere Yogastellungen mit rhythmischem (fließendem) Atem, zügiger Bewegungsabfolge, Sonnenbaden und andächtiger Kontemplation an die göttliche Kraft, die die Sonne darstellt, verbunden. Wir sind dazu eingeladen Surya Namaskar im Angesicht der Morgensonne zu praktizieren, indem wir unseren ganzen Körper in den lebensspendenden Sonnenstrahlen, den Spendern von Licht, Leben, Glück und Wärme für die ganze Welt baden. Surya Namaskar setzt sich aus zwölf Haltungen oder Phasen zusammen. Dabei fließt die eine Haltung geschmeidig und anmutig in die folgende. […] Wichtiger jedoch ist die innere Haltung, in der Surya Namaskara praktiziert wird. Nach innen gerichtet, beobachte jede noch so kleine im Körper vorgehende Bewegung, werde dir jeder körperlichen Veränderung, besonders der in der Wirbelsäule, bewusst. Damit dies möglich ist, ist es wichtig, dass der Geist ruhig und aufmerksam ist. Nachdem du über einige Monate hinweg praktiziert hast, wird diese Aufmerksamkeit, dieses Bewusstsein wachsen.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Surya_Namaskar#Swami_Sivananda_schreibt_%C3%BCber_Surya_Namaskar &#039;&#039;Swami Sivananda schreibt über Surya Namaskar.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bekannte Schüler von [[Swami Sivananda]] waren [[Swami Vishnudevananda]] und [[wen:Satyananda Saraswati|Swami Satyananda Saraswati]]. Eine mit Fotos bebilderte Anleitung der 12 Positionen des Sonnengebets der Sivananda Tradition findet sich auf der Seite der &#039;&#039;International Sivananda Yoga Vedanta Centres&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://sivananda.org/the-sun-salutation/ &#039;&#039;The Sun Salutation (Surya Namaskar).&#039;&#039;] In: &#039;&#039;International Sivananda Yoga Vedanta Centres.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Yoga Vidya ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Yoga Vidya ist das Sonnengebet eine dynamische Asanareihe des Hatha Yoga mit 12 Stellungen, die mit den zugehörigen 12 Mantren den hinduistischen Sonnengott Surya anrufen. Yoga Vidya versteht sich in der Tradition von Swami Sivananda. Das Sonnengebet ist Teil der Yoga Vidya Grundreihe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[y:Sonnengruß|&#039;&#039;Sonnengruß.&#039;&#039;]] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Yoga_Vidya_Reihe#Surya_Namaskar_-_der_Sonnengru%C3%9F &#039;&#039;Surya Namaskar – der Sonnengruß.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ashtanga Yoga ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Surya Namaskar A B AYI.PNG|mini|350px|Surya Namaskara A &amp;amp; B (Ashtanga Yoga)&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;© Dr. Ronald Steiner, [https://de.ashtangayoga.info AYI.info]&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Ashtanga Yoga wird der Sonnengruß mit Surya Namaskar A und B bezeichnet, die nacheinander zu Beginn der Yogapraxis geübt werden. Mit fünf Runden Sonnengruß A beginnt jede Praxis des Ashtanga Yoga. Er besteht aus 9 grundlegenden Bewegungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://de.ashtangayoga.info/ashtanga-yoga/surya-namaskara-a-sonnengruss/ &#039;&#039;Surya Namaskara A – der Sonnengruß des Ashtanga Yoga.&#039;&#039;] In:&amp;amp;nbsp;&#039;&#039;AYI.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sonnengruß B erweitert die Bewegungen von Sonnengruß A; die 17 Bewegungen des Sonnengrußes B werden fünfmal wiederholt.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://de.ashtangayoga.info/ashtanga-yoga/surya-namaskara-b-sonnengruss/ &#039;&#039;Surya Namaskara B – der zweite Sonnengruß und Schritt in das Yoga.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;AYI.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausführung erfolgt mit [[y:Ujjayi|Ujjayi]]-Atmung, Energielenkung und Konzentration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[y:Patthabi Jois|Patthabi Jois]] lässt im Vergleich zu Sivananda und Yoga Vidya Ausführungen beim Sonnengruß A die 6. Position ([[w:Adhomukha Shvanasana|Adho Mukha Shvanasana]]) acht Atemzüge halten. Diese entspricht beim Sonnengruß B der 6., 10. und 14. Position, wobei nur die letztere fünf Atemzüge gehalten wird.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=qNn9gQyQTGM &#039;&#039;Sun Salutation A tutorial by Pattabhi Jois.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Travel&amp;amp;Yoga&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=xI9rytach34 Surya Namaskara B Sri K Pattabhi Jois &amp;amp; 6 Students.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Yoga Asanas&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B. K. S.&amp;amp;nbsp;Iyengar ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Demonstration des Sonnengrußes mit Sprungvarianten zeigt [[w:B. K. S.&amp;amp;nbsp;Iyengar|B. K. S.&amp;amp;nbsp;Iyengar]]. Surya Namaskar ist seiner Ansicht nach nichts anderes als ein Teil von Yoga, denn jede Position hat einen Namen. Bei der 4. Position, Chaturanga Dandasana, betont Iyengar, dass der Körper auf den Zehenspitzen und den Handflächen balanciert wird ohne den Boden zu berühren.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=7wOce2c5NDk &#039;&#039;Guruji demonstrating Surya Namaskar at age 57 (1976) B.K.S.&amp;amp;nbsp;Iyengar.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;TS19 Media&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 27.&amp;amp;nbsp;März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Heinz Grill ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Anjaneyasana%2C_Heinz_Grill_1992.jpg|mini|Halbmond ([[Anjaneyasana]]) bei Position 4 und 9 im Sonnengebet]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sonnengebet hat [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]], Begründer des Schulungsweges &#039;&#039;Neuer Yogawille&#039;&#039;, mit verschiedenen Inhalten weiterentwickelt sowie heiltherapeutische Wirkungen und künstlerisch-ästhetische Bewegungsformen herausgearbeitet, die durch eine gedanklich orientierte Bewusstseinsaktivität des Übenden entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausführung erfolgt wie bei Sivananda mit 12 Positionen, jedoch mit dem Unterschied, dass die 4. und 9. Stellung – [[Ashva Sanchalanasana]] (Reiterposition) – weiterentwickelt und zum [[Anjaneyasana|Halbmond]] aufgerichtet wird.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga.&#039;&#039; S. 337 und 340.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anzahl der Runden, Geschwindigkeit, Tageszeit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Sivananda Tradition werden 3 bis 12 Runden empfohlen, in langsamerem Tempo für spirituelles Wachstum und in schnellerem Tempo, wenn der physische Aspekt im Vordergrund steht. Wenn ein Reinigungsprozess in Gang kommen soll, kann Surya Namaskar täglich mit 108 Runden geübt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Asana Pranayama Mudra Bandha.&#039;&#039; 4. Auflage. Ananda Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-928831-37-6, S.&amp;amp;nbsp;172.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Vishnudevananda]] empfiehlt, die volle Runde von Surya Namaskar zwölfmal täglich zu wiederholen.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Vishnudevananda: &#039;&#039;Das große illustrierte Yogabuch.&#039;&#039; 18.&amp;amp;nbsp;Auflage. Aurum Verlag, Kamphausen 2019, ISBN 978-3-89901-183-8, S.&amp;amp;nbsp;86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitliche Angaben finden sich mit langsameren und schnelleren Runden, aber auch mit konkreten Zeitangaben, die von 15 bis 45 Sekunden für eine Runde variieren können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Das Sonnengebet wird in der Regel im rhythmischen Aufbau von beginnenden langsameren Runden zu immer schneller werdenden Einsätzen der einzelnen Bewegungen praktiziert. Am Anfang dauern die zwölf Übungen etwa eine halbe Minute bis 45 Sekunden, schließlich aber kann der Übende die Geschwindigkeit steigern und seinen Kräfteeinsatz gezielt auf bestimmte Partien ausrichten. Er übt die zwölf Teilbewegungen manchmal sogar in einem rhythmischen Fluss des Wechsels von Entspannung und Anspannung innerhalb von fünfzehn Sekunden.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausführung kann von einigen Runden bis zu einer zwanzig- oder dreißigmaligen Wiederholung geschehen und je nach Kondition lässt sich der Zyklus schneller oder langsamer praktizieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Power Yoga wird der Sonnengruß auch 36-mal als „rituelle Herausforderung“ praktiziert.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=p2is7EnKuaE&amp;amp;t=387s &#039;&#039;Power Yoga 36 Sun Salutations with Trevis Eliot A Ritual Challenge.&#039;&#039;]. In: &#039;&#039;Travis Eliot&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 23.&amp;amp;nbsp;März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Anzahl von 108 Runden findet sich als bekannte Praxis des Sonnengebets.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=sw4hq8z5R_M &#039;&#039;108 Sonnengrüße, Warum-Wieso-Wann, meine Erlebnisse nach 108 Sonnengrüßen.&#039;&#039;]. In: &#039;&#039;Yoga mit Nicole Reiher&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 23. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=sw4hq8z5R_M &#039;&#039;Live Yogastunde 108 Sonnengrüße mit Vani Devi und Vishnu-Shakti – 09:15 Uhr 26.03.2020.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yoga Vidya - Live&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 23. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;Als ideale Zeit wird der Sonnenaufgang angesehen, da er als die friedvollste Zeit des Tages gilt. Auch die Zeit des Sonnenuntergangs ist geeignet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Asana Pranayama Mudra Bandha.&#039;&#039; 4. Auflage. Ananda Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-928831-37-6, S.&amp;amp;nbsp;163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Konzentration und Visualisierung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[w:André van Lysebeth|André van Lysebeth]] bezeichnet die Konzentration bei der Ausübung des Surya Namaskar als wesentlich, da jede Bewegung eine aktive Beteiligung des Bewusstseins erfordere. Er empfiehlt: „Denken Sie an die strahlende Sonne, konzentrieren Sie sich auf diesen Anreger des Lebens auf dieser Welt. Alle Energie, selbst jene, die Sie zur Ausübung dieser Asana brauchen, kommt von ihrer Strahlung. Denken Sie an die kosmische Kraft, welche sich in der Sonne manifestiert. Diese Einstellung gibt Ihrer Haltung und Übung einen höheren Sinn und wird Sie beflügeln.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;André van Lysebeth: &#039;&#039;Yoga für Menschen von heute.&#039;&#039; Mosaik Verlag, München 1982, 1990, ISBN 3-570-01784-2, S. 278.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Konzentration auf die Sonne im Sinne einer Visualisierung findet sich bei der Ausübung nach [[w:Satyananda|Satyananda]]: Vorbereitend kann der Körper in der stehenden Position wahrgenommen und gedanklich entspannt werden, indem die Aufmerksamkeit vom Scheitel systematisch durch den Körper gelenkt wird. Dann erfolgt die Wahrnehmung des Zentrums an der Stirn, wo eine leuchtend rote aufgehende Sonne visualisiert wird, die Körper und Geist mit belebenden und heilenden Strahlen durchströmt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Chakren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Chakras_Demostration.png|mini|Die sieben Chakren und ihre Lokalisation an der Wirbelsäule]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den einzelnen Positionen des Sonnengebets werden nach Angaben von Yoga Vidya und Swami Satyananda Wirkungen auf alle 7 Chakren zugeordnet, beginnend mit dem Anahata Chakra, dem 4. (Energie-) Zentrum oder Herzchakra in der 1. Position:&amp;lt;ref&amp;gt;[[y:Sonnengruß#Wirkungen|&#039;&#039;Wirkungen.&#039;&#039;]] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Asana Pranayama Mudra Bandha.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;164–173.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:11px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+&lt;br /&gt;
! Position&lt;br /&gt;
! Asana&lt;br /&gt;
! Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |1&lt;br /&gt;
|Pranamasana&lt;br /&gt;
|4. Zentrum – Anahata Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |2&lt;br /&gt;
|Hasta Uttanasana&lt;br /&gt;
|5. Zentrum – Vishuddha Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |3&lt;br /&gt;
|[[Uttanasana|Padahastasana]]&lt;br /&gt;
|2. Zentrum – Svadhisthana Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |4&lt;br /&gt;
|[[Ashva Sanchalanasana]]&lt;br /&gt;
|6. Zentrum – Ajna Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |5&lt;br /&gt;
|Dandasana&lt;br /&gt;
|1. Zentrum – Muladhara Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |6&lt;br /&gt;
|Ashtanga Namaskara&lt;br /&gt;
|3. Zentrum – Manipura Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |7&lt;br /&gt;
|[[Bhujangasana]]&lt;br /&gt;
|4. Zentrum – Anahata Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |8&lt;br /&gt;
|Parvatasana&lt;br /&gt;
|1. Zentrum – Muladhara Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |9&lt;br /&gt;
|Ashva Sanchalanasana&lt;br /&gt;
|6. Zentrum – Ajna Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |10&lt;br /&gt;
|Padahastasana&lt;br /&gt;
|2. Zentrum – Svadhisthana Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |11&lt;br /&gt;
|Hasta Uttanasana&lt;br /&gt;
|5. Zentrum – Vishuddha Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |12&lt;br /&gt;
|Tadasana&lt;br /&gt;
|7. Zentrum – Sahasrara Chakra&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Neuen Yogawillen wird der Bewegungsansatz aus dem 3. Zentrum betont:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Aus dem Manipura Chakra, der Mitte der Wirbelsäule, wird die Bewegung im Sonnengebet oder Sonnengruß, surya namaskar hier angesetzt und strömt von dort zentrifugal nach außen bis in die Gliedmaßen. Der Körper wird mit jeder Vorwärts- und Rückwärtsbewegung stetig länger und gewinnt einen ästhetischen Ausdruck.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=9IAWkAcEtLo Der Sonnengruß - surya namaskar.]&#039;&#039; Begleittext zum Video. In: &#039;&#039;Yoga Heinz Grill&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 30. April 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{#ev:youtube|9IAWkAcEtLo|530x310|center|Der Sonnengruß - surya namaskar}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Atmung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verbindung von Atmung und Bewegung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Üblicherweise wird beim Sonnengebet die Bewegung mit der Atmung verbunden. Bei der 12 Positionen umfassenden Variante beginnt Position 1 mit dem Ausatmen, dann folgt wechselweise Ein- und Ausatmen, jedoch wird bei der Position 5 – Dandasana oder Schiefe Ebene – der Atem eingeatmet angehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn du das Sonnengebet zum ersten Mal übst, ist es nicht notwendig, jede Bewegung gleichzeitig mit der entsprechenden Ein- oder Ausatmung auszuführen. Richte deine Aufmerksamkeit anfangs lieber auf langsame Bewegungen und Übergänge von einer Stellung zur nächsten. Nimm dabei so viele Atemzüge wie nötig.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Sonnengru%C3%9F#Was_ist_der_Yoga_Sonnengru%C3%9F? &#039;&#039;Was ist der Sonnengruß?&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
André van Lysebeth weist auf die Wichtigkeit hin, den Atem zu koordinieren, er müsse leicht gehen. Wenn Atmung und Bewegung koordiniert werden, kann Surya Namaskar ohne Ermüdung und ohne außer Atem zu kommen, praktiziert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;André van Lysebeth: &#039;&#039;Yoga für Menschen von heute.&#039;&#039; S. 280.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rhythmische Führung des Atems ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinz Grill beschreibt, dass man beim Sonnengebet den Zusammenhang von Atem und Bewegung unmittelbar erleben kann: „Alle Bewegungsformen sind wie der kommende und gehende Atem. Bewegung ist fortgesetzte Atemtätigkeit. Ein Zyklus, der in der Bewegung das zwar rhythmisch geführte, aber doch freie Wechselspiel des Atems offenbart.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Das Sonnengebet.&#039;&#039; Kapitel in: &#039;&#039;Kosmos und Mensch.&#039;&#039; 4.&amp;amp;nbsp;Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-6-8, S.&amp;amp;nbsp;200.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Freier Atem ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Neuen Yogawillen wird die Atmung auch frei nach individuellem Bedarf zugelassen, insbesondere wenn eine oder mehrere Stellungen intensiver ausgearbeitet werden.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mantren zum Sonnengebet ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sivananda ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Sivananda]] teilt in seinem Buch &#039;&#039;Das Sonnengebet&#039;&#039; ein Originalgebet mit dem Namen „Surya Namaskaram“ mit, wie es aus dem Sanskrit überliefert ist. Folgend seine deutsche Übersetzung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„OM. Ich verehre Surya, die geistige Sonne, den schönen Herrn der Welt, den Unsterblichen, von dem alle Heiligen Schriften sprechen, den Bezeuger aller Gunst, der Kenntnis ist in der Form von Brahman (das Absolute), den Herrn der Engel, den Unbefleckten, das eine wahre Bewußtsein der Welt, den Herrn der Geistwesen und der Menschen, den Lehrer der Engel, den Juwelen-Eckstein der drei Welten, den Einen in der Form der Dreifaltigkeit, den Geber des Lichts.&lt;br /&gt;
Das Gesicht der Wahrheit ist mit einer goldenen Schale überdeckt. Lüfte diese Schale der Materie, oh Sonne, damit ich hinter ihr Deine geistige Wahrheit erkennen kann.&lt;br /&gt;
O geistiger Ernährer, einzig-seiendes, alles-beherrschendes Wesen, Logos, Sohn des Schöpfers, sende deine Strahlen aus und sammle Dein brennendes Licht an; ich gewahre Deine glorreiche strahlende Form, ich bin Er, das Wesen in Dir.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Surya Namaskaram – Das Sonnengebet&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Das Sonnengebet. Eine Yogaübungsreihe für Jedermann.&#039;&#039; 4. Auflage. Humata Verlag, Bern, ISBN 3-7197-0424-6, S.&amp;amp;nbsp;21.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Gebet sind 12 Anrufungen der Sonne verbunden, die in der Tradition des Sivananda-Yoga mit den 12 Bewegungen der Übungsfolge des Sonnengebets verbunden werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ mitrāya namaḥ&#039;&#039; – der Du alle liebst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ ravaye namaḥ&#039;&#039; – der Du die Ursache aller Veränderung bist, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ sūryāya namaḥ&#039;&#039; – der Du der Beweggrund aller Tätigkeit bist, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ bhānave namaḥ&#039;&#039; – der Du Licht ausstrahlst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ kaghāya namaḥ&#039;&#039; – der Du himmlische Wonne erregst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ pūṣṇe namaḥ&#039;&#039; – der Du alles Leben nährst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ hiraṇyagarbhāya namaḥ&#039;&#039; – der Du alles in Dir selbst enthältst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ marīcaye namaḥ&#039;&#039; – der Du selbst-leuchtend bist, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ ādityāya namaḥ&#039;&#039; – der Du das höchste Wesen, Liebe, bist, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ savitre namaḥ&#039;&#039; – der Du alles Leben erzeugst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ ārkāya namaḥ&#039;&#039; – der du anbetungswürdig bis, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ bhāskarāya namaḥ&#039;&#039; – der Du die Ursache allen Lichtes und allen Glanzes bist, ich verneige mich vor Dir&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Das Sonnengebet.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;22–24.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strebt man „mit der Übungsreihe des Surya Namaskaram eine besondere geistige Erhebung an“, ist der Gebrauch des Originalgebets und der 12 Anrufungen empfehlenswert. Vor jeder Übungsstellung kann eine der 12 Anrufungen vorgenommen werden, „was aber nur in Gedanken und ohne Bewegung der Lippen und Stimmbänder geschieht“.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Das Sonnengebet.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neuer Yogawille ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Neuen Yogawillen finden die Surya-Mantren Erwähnung, dass diese „die Verehrung zu der Sonne und ihrem lebensspendenden Geist ausdrücken.“ Der intuitive Geist, der dem Mantra von Surya Namaskara zugrunde liege, trage eine verborgene Weisheit, die heute auf eine andere, detaillierte und konkrete Weise beleuchtet werden müsse. Heinz Grill gibt als Inhalt das folgende, von ihm komponierte Mantra, das in melodischer Form mit den Bewegungen und der Atmung kombiniert wird und auf eine rhythmische Entwicklung des individuellen und kollektiven Lebens hindeutet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aus dem Mutterboden wächst das Selbst&lt;br /&gt;
# in sprießender Energie,&lt;br /&gt;
# wie ein Knabe&lt;br /&gt;
# zum Schüler wird,&lt;br /&gt;
# den das Lernen&lt;br /&gt;
# zum Bitten führt,&lt;br /&gt;
# wachend&lt;br /&gt;
# zur großen Prüfung.&lt;br /&gt;
# Treue Ergebenheit&lt;br /&gt;
# im Dienst&lt;br /&gt;
# führt den Jüngling&lt;br /&gt;
# zum Vater.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt.&#039;&#039; 2. Auflage. Lammers-Koll-Verlag, 2008, ISBN 978-3-935925-70-9. S.&amp;amp;nbsp;42.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gesundheitliche Wirkungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Körperliche und psychische Wirkungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Yogaübungen überwiegend einen positiven gesundheitlichen Effekt haben, ist durch Studien belegt. Präventive und therapeutische Wirkungen wurden erforscht und angewendet. Akute Verletzungen treten demnach äußerst selten auf. Eine Verbesserung der allgemeinen Belastbarkeit und Regeneration konnte vielfach erzielt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0949328X10000566&#039;&#039;Yoga- Sportmedizinische Aspekte.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;ScienceDirect.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich wurde nachgewiesen, dass die Wirbelsäulenbeweglichkeit bei dynamischen Yoga-Formen signifikant steigt, und zwar bezogen auf das gesamte Bewegungsausmaß als auch auf die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule.&amp;lt;ref&amp;gt;S.&amp;amp;nbsp;Rudolph, S.&amp;amp;nbsp;Kruft, A. Göring, M. Jetzke: [https://www.germanjournalsportsmedicine.com/fileadmin/content/archiv2016/Heft_5/Kurzbeitrag_Rudolph_Wirbelsauelenbeweglichkeit_Yoga_2016-05.pdf &#039;&#039;Eine empirische Vergleichsstudie zu den Wirkungsweisen von Yoga auf die Wirbelsäulenbeweglichkeit.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;German Journal of Sports Medicine.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Praktizieren des Sonnengebets dehnen und kräftigen sich Muskeln und Gelenke. Die Atemkapazität und das Herz-Kreislaufsystem werden durch die Ausdauerleistung günstig angeregt.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Surya_Namaskar#Gebet_an_Surya&#039;&#039;Sukadev über Wirkung von Surya Namaskar auf den physischen Körper.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Körpersysteme – das Herz-Kreislauf-System sowie das Atem- und das Verdauungssystem – kommen ins Gleichgewicht, auch das Hormonsystem wird günstig beeinflusst. Es wird empfohlen mit leerem Magen zu praktizieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Angaben von [[Swami Vishnudevananda]] reduziert diese Übung – eine Kombination aus Yogaasana und Atmung – das Fett der Bauchregion, macht Rückgrat und Glieder biegsam und erhöht die Atemkapazität. Für steife oder steif gewordene Menschen sei Surya Namaskar eine wundervolle Hilfe, die verlorene Flexibilität wiederzuerlangen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Energetische Wirkungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 12 Haltungen sollen Prana, feinstoffliche Energie, erzeugen, die den physischen Körper aktiviert.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Surya Namaskara.&#039;&#039; 3. Auflage. Ananda Verlag, Ratzeburg 2018, ISBN 978-3-947908-01-1, S.&amp;amp;nbsp;3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Neuen Yogawillen wird beim Sonnengebet die Unterscheidung eingebracht, ob Energien aus dem Körper freigesetzt werden oder die Übung ausgehend von empfindsamen Vorstellungen durchgestaltet wird. Ersteres wird als Weg von unten nach oben, letzteres – die aktive Bewusstseinstätigkeit entsprechend dem Sinnbild der Übung – als Weg von oben nach unten bezeichnet. Durch diesen Ansatz aus dem Bewusstsein entsteht eine energetische Wirkung vom Bewusstsein zum Körper oder von oben nach unten und nicht nur eine Freisetzung der im Körper aufgespeicherten Energien.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;39–40.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Wirkung des Bewusstseins auf die Gesundheit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer gesundheitlicher Aspekt entsteht nach dem Neuen Yogawillen, wenn die Übung durch eine bewusste, mentale und wahrnehmende Tätigkeit gestaltet wird und nicht nur wie eine Fitnessübung funktional absolviert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Yogaübungen wirken gesundheitlich im allgemein günstig auf den Stoffwechsel, das Nervensystem und den Bewegungsapparat. Man kann Heilwirkungen dahin gehend unterscheiden, dass die Funktionalität des Körpers beeinflusst wird durch die Bewegung, die Lage des Körpers, Muskelanspannungen, Dehnungen und Massagewirkungen. Ein weiterer «heiltherapeutischer Wirkungskreis» eröffnet sich durch eine bewusstseinsorientierte mentale Aktivität, die das Leben mit neuen Perspektiven bereichert.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Das große Buch der Heilkraft durch Yogaaktivität.&#039;&#039; 4.&amp;amp;nbsp;Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2025, ISBN 978-3-948803-19-3, S.&amp;amp;nbsp;26.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wirkungen auf das Immunsystem ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aktivierung des Immunsystems und antidepressive Wirkungen entstehen durch einen Rhythmus von gezielter Anspannung und Entspannung bei der Ausführung der Übung. Das Immunsystem kann durch ein Beteiligtsein des gedanklichen Bewusstseins und damit verbundener Wahrnehmungsprozesse aktiviert und in seiner Abwehrfunktion gestärkt werden. Der aktive, gegliederte Krafteinsatz aus der Brustwirbelsäule bei gleichzeitiger Entspannung von Nacken, Gesicht und Schultergelenken führt zu einem Empfinden einer Gliederung des Körpers und einer aus der Mitte in die Peripherie ausgleitenden Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die günstige Wirkung auf das Immunsystem entsteht dadurch, dass durch diese Bewusstseinsaktivität unbelebte, nicht mehr spürbare Zonen des Körpers, z. B. die Brustwirbelsäule, wie neu durchlichtet und reintegriert werden. Diese selbst geschaffenen, gesunden Kräfte wirken auch einer Zelldegeneration entgegen. „Eine Immunstärkung entsteht immer, wenn der Übende seine Bewusstseinskräfte mit klaren Vorstellungsinhalten gebrauchen lernt und diese gegenüber einer Sache oder, in dem Fall wie es dem &#039;&#039;surya namaskara&#039;&#039; entspricht, anwenden lernt.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Antidepressive Wirkung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Psyche bezogen kann eine bewusst gestaltete Bewegung Freude erzeugen und Depressionen entgegenwirken.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Heilwirkung durch Entwicklung gesunder Gefühle ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin kann sich das Seelenleben bereichern, da der Übende beim Sonnengebet eine reale Empfindung, ein „Heilsempfinden“ in der Form ausprägen und erfahren kann, dass sich seine Seele näher mit der Körper- und Erdenwelt und der Atemtätigkeit verbindet. Dieses zu entwickelnde Empfinden wirkt wärmend, aufbauend und stoffwechselfördernd auf den Körper.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;40.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie: Asana]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Rajah von Aundh: &#039;&#039;Das Sonnengebet.&#039;&#039; 19. Auflage. Artha Verlag, Oy-Mittelberg 1994, ISBN 978-3-89575-096-0.&lt;br /&gt;
* Heinz Grill: &#039;&#039;Das große Buch der Heilkraft durch Yogaaktivität.&#039;&#039; 4. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2025, ISBN 978-3-948803-19-3.&lt;br /&gt;
* Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt. Initiatorische Schulung in Arco. Band 3.&#039;&#039; 2. Auflage. Lammers-Koll-Verlag, Niefern-Öschelbronn 2008, ISBN 978-3-935925-70-9.&lt;br /&gt;
* Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga. Praktische Grundlagen zu einem spirituellen Übungsweg.&#039;&#039; 5., erweiterte Auflage. Lammers-Koll-Verlag, Staufen 2018, ISBN 978-3-941995-48-2.&lt;br /&gt;
* André van Lysebeth: &#039;&#039;Yoga für Menschen von heute.&#039;&#039; Mosaik Verlag, München 1982, 1990, ISBN 3-570-01784-2.&lt;br /&gt;
* Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Asana Pranayama Mudra Bandha.&#039;&#039; 4. Auflage. Ananda Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-928831-37-6.&lt;br /&gt;
* Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Surya Namaskara.&#039;&#039; 3. Auflage. Ananda Verlag, Ratzeburg 2018, ISBN 978-3-947908-01-1.&lt;br /&gt;
* Sivananda Yoga Zentrum: &#039;&#039;Yoga.&#039;&#039; 7. Auflage. Mangalam Books, Lautersheim 2008, ISBN 978-3-922477-40-2.&lt;br /&gt;
* Swami Vishnudevananda: &#039;&#039;Das große illustrierte Yogabuch.&#039;&#039; 18. Auflage. Aurum Verlag, Kamphausen 2019, ISBN 978-3-89901-183-8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Asana]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten mit Sanskritbegriff]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Selbst&amp;diff=13552</id>
		<title>Selbst</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Selbst&amp;diff=13552"/>
		<updated>2026-04-30T20:34:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: Check unnötige Leerzeichen, Übersicht Quelltext&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{{Textbox|&amp;lt;poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
Inwendig lernt kein Mensch sein Innerstes&lt;br /&gt;
Erkennen. Denn er mißt nach eignem Maß&lt;br /&gt;
Sich bald zu klein und leider oft zu groß.&lt;br /&gt;
Der Mensch erkennt sich nur im Menschen, nur&lt;br /&gt;
Das Leben lehret jedem was er sey.&amp;lt;/poem&amp;gt;|aus dem Schauspiel &#039;&#039;Torquato Tasso.&#039;&#039; von [[w:Johann Wolfgang von Goethe|Goethe]]&amp;lt;ref&amp;gt;Johann Wolfgang von Goethe: &#039;&#039;Torquato Tasso&#039;&#039;, [https://projekt-gutenberg.org/authors/johann-wolfgang-von-goethe/books/torquato-tasso/chapter/4/ &#039;&#039;Torquato Tasso. Dritter Auftritt.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Projekt Gutenberg.&#039;&#039; Deutscher Taschenbuch Verlag 1998, Abgerufen am 14. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Selbst&#039;&#039;&#039; ist ein Begriff mit unterschiedlichen Bedeutungen zwischen den und innerhalb der Anschauungen der [[w: Psychologie|Psychologie]], [[w:Philosophie|Philosophie]], [[w:Theologie|Theologie]], [[w:Soziologie|Soziologie]] und [[w:Pädagogik|Pädagogik]]. An ein allgemeinsprachliches Verständnis von „selbst-“ als rückbezüglich, [[w:Reflexion (Philosophie)|reflektierend]] oder selbstbezogen anknüpfend, bezeichnet man das zur [[w:Selbstbeobachtung|Selbstbeobachtung]] fähige, scheinbar konsistent fühlende, denkende und handelnde [[w:Wesen (Philosophie)|Wesen]] des [[a:Ich|Ich]]s als Selbst. In der Psychologie und zum Teil der [[w:Religionswissenschaft|Religionswissenschaft]] und Theologie wird das Selbst oft substanziell oder funktional als Zentrum der menschlichen Persönlichkeit verstanden.&amp;lt;ref&amp;gt;Roland Asanger, Thomas Bliesener, F. A. Brockhaus: &#039;&#039;Der Brockhaus Psychologie. Fühlen, Denken und Verhalten verstehen&#039;&#039; (= &#039;&#039;Brockhaus-Sachlexika.&#039;&#039;) 2., vollständig überarbeitete Auflage, Brockhaus, Mannheim/Leipzig 2009, ISBN 978-3-7653-0592-4, S.&amp;amp;nbsp;541.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ansichten über den Begriff „Selbst” unterscheiden sich zum Teil stark. Beispielsweise wird oftmals in der modernen Esoterik das höhere Selbst als im Menschen inne liegend bezeichnet und dementsprechend wird unter der Selbstverwirklichung ein „Re-Aktivieren“ des bereits vorhandenen Potentials verstanden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus einer geisteswissenschaftlichen Sichtweise hingegen ist das Selbst des Menschen zwar in diesem keimhaft angelegt, jedoch im Werden begriffen und muss durch aktive Entwicklungsschritte zur Entfaltung gebracht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsherkunft ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wort „Selbst“ hat sich aus dem althochdeutschen „selb“ entwickelt, welches in der Funktion eines [[w:Pronomen|Pronomen]]s einen Bezug auf ein Individuum herstellte. Das substantivierte und auch psychologisch und ethisch verstandene „Selbst“ hat sich zunächst im Englischen als “the self“ im Sinne von “a person’s essential being” und “object of introspection“ (New Oxford Dictionary) entwickelt. Daran angelehnt entstanden dann wiederum im Deutschen im 18.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert das Substantiv „Selbst“ und in der Folge dessen zahlreiche Ableitungen und Komposita.&amp;lt;ref&amp;gt;Duden: &#039;&#039;Herkunftswörterbuch.&#039;&#039; Ausgabe 1989; &#039;&#039;The New Oxford Dictionary of English&#039;&#039;, 1998.&amp;lt;/ref&amp;gt; Laut dem Wörterbuch der deutschen Mundart stammt der Begriff „Selbst“ von der Ableitungssilbe „sal“ ab, ebenso wie der Begriff „Seele“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://woerterbuchnetz.de/?sigle=Adelung&amp;amp;lemid=S03981 &#039;&#039;Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart (Ausgabe letzter Hand, Leipzig 1793–1801).&#039;&#039;] In&#039;&#039;: woerterbuchnetz.de.&#039;&#039; Abgerufen am 25. Januar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Selbst, Ich und Ego ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die sehr umfassende Bezeichnung des Selbst beinhaltet verschiedene Stufen des menschlichen Individuums und wird oftmals synonym mit dem Begriff des „Ich“ benannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Ego (lateinisch „Ich“) wird meist der niedere Anteil des Ich bezeichnet, der aus spiritueller Sicht zu überwinden ist. Der Egoismus wird als die Wurzel allen Leidens gesehen und erst wenn dieser beseitigt ist, strahlt das höchste Selbst, das Göttliche im und durch den Menschen.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=yLvG5PUTb6Q&amp;amp;t=52s &#039;&#039;Die Überwindung des Ego.&#039;&#039;] (0:52–1:35). Sukadev Bretz zitiert Swami Chidananda. In: &#039;&#039;Yogavortrag – Yoga Vidya.&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 25. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner verwendet für das Ich das Bild des zweischneidigen Schwertes. Zum Einen ist es Ursache für die Ich-Bezogenheit (Egoismus), die sich auf die Befriedigung aller persönlichen Wünsche ausrichtet und den Menschen von seinen Mitmenschen trennt. Zum Anderen kann der Mensch durch sein Ich zu einer Unabhängigkeit und inneren Freiheit gelangen, was ihn in seinem Menschsein erhöht. Es liegt in ihm die Anlage zum Göttlichen, die es zu entfalten gilt und die mit einer wachsenden Liebesfähigkeit einhergeht.&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Apokalypse des Johannes.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;104. 7.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1985, ISBN 3-7274-1040-X, S.&amp;amp;nbsp;156–157. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_104.pdf#page=156&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinz Grill spricht von einem werdenden Ich oder Selbst, das nichts mit physischen oder psychischen Bedingungen zu tun hat und sich unabhängig von diesen in jedem Augenblick auf souveräne Weise im geistigen Sein des Menschen bildet. Es ist im Geistigen tätig und zugleich ist es reine Geistigkeit.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Signaturen der Planeten und die seelisch-geistige Entwicklung in der Pädagogik.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, Vaihingen/Enz 2012, ISBN 978-3-935925-38-9, S.&amp;amp;nbsp;52.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Sinne beschreiben sowohl der Begriff Ich als auch der Begriff Selbst eine höhere Instanz des Menschen, die es ihm ermöglicht, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Das Ego kann hierbei als Motivator gesehen werden, wenn es durch Selbstreflexion die persönlichen Schwächen offenbart und dazu anregt, eine bewusste Führungskraft zu entwickeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Asim Bayrak: [https://www.az-human-mastery.com/inspiration/blog-post-title-one-z9ene &#039;&#039;Das Ego – Der Weg von der Illusion zur wahren Freiheit.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;AZ Human Mastery.&#039;&#039; Abgerufen am 25. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte des Selbst ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das biologische Selbst ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Fingerprint detail on male finger in Třebíč, Třebíč District.jpg|mini|334px|Jeder Mensch besitzt einen individuellen Fingerabdruck, der beispielsweise in der Spurensicherung der Kriminalistik eine wichtige Rolle spielt.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Biologie definiert aus naturwissenschaftlicher Sicht das Ich oder Selbst mit drei Erklärungsansätzen, durch die sich der individuelle Mensch in seiner Einzigartigkeit von seiner Umgebung abgrenzen lässt: sein Gehirn, sein Immunsystem und seine Erbinformationen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispielsweise bildet sich durch Immunreaktionen in ständiger Auseinandersetzung und Unterscheidungsbildung von Körperfremdem und Körpereigenem ein sogenanntes „biologisches Selbst“ heraus.&amp;lt;ref&amp;gt; [https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/identifizierung &#039;&#039;Identifizierung.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Dorsch: Lexikon der Psychologie&#039;&#039;. Abgerufen am 27. Januar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das dadurch entstehende Bild eines klar abgrenzbaren und individuellen Ichs wird jedoch durch das relativ neue wissenschaftliche Forschungsfeld zu Metaorganismen, das das Zusammenwirken des menschlichen Organismus mit [[w:Mikroorganismus|Mikroorganismen]] erforscht, in Frage gestellt. Der menschliche Organismus besteht ca. 50&amp;amp;nbsp;% aus bakteriellen Zellen, sodass das, was ursprünglich als ein Teil des menschlichen Selbst angesehen wurde, größtenteils „Nicht-Selbst“, also bakteriellen Ursprungs ist. Dies gilt sowohl für das Immunsystem, als auch für Prozesse im Gehirn und die menschlichen Erbinformationen, auf welche Mikroorganismen direkt oder indirekt Einfluss nehmen.&amp;lt;ref&amp;gt; [https://idw-online.de/de/news689748 &#039;&#039;Selbst oder Nicht-Selbst?&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Informationsdienst Wissenschaft&#039;&#039;. Abgerufen am 27. Januar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das zerebrale Selbst ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Color Brain MRI 0284 13.jpg|mini|250px|Gehirnscans als „moderne Ikonen des Menschseins“&amp;lt;ref&amp;gt; [https://www.mpg.de/319972/forschungsSchwerpunkt &#039;&#039;Das zerebrale Subjekt: Gehirn und Selbst in Geschichte und zeitgenössischer Kultur.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Max-Planck-Gesellschaft&#039;&#039;, Abgerufen am 13. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Neurowissenschaft existiert die Vorstellung, dass das Gehirn das einzige körperliche Organ wäre, das der Mensch benötigt, um er selbst zu sein. Lange Zeit ging man davon aus, dass bei einer Hirntransplantation nicht Person A ein neues Gehirn von Person B bekäme, sondern das Gehirn von Person B mit Person A einen neuen Körper.&amp;lt;ref&amp;gt; [https://www.mpg.de/319972/forschungsSchwerpunkt &#039;&#039;Das zerebrale Subjekt: Gehirn und Selbst in Geschichte und zeitgenössischer Kultur.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Max-Planck-Gesellschaft&#039;&#039;. Abgerufen am 13. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seit der Möglichkeit, das Gehirn und seine Aktivitäten im Zusammenhang mit Denk-, Gefühls- und Handlungsprozessen detailliert zu beobachten, wird das Bewusstsein und die Persönlichkeit des Menschen zunehmend neurobiologisch erklärt. Psychische Erkrankungen werden beispielsweise damit vermehrt zu Gehirnfunktionsstörungen und können, so die Annahme, wirksam pharmakologisch behandelt werden.&amp;lt;ref&amp;gt; [https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/zpm/psychatrie/fuchs/oekologie.pdf &#039;&#039;Ökologie des Gehirns. Eine systemische Sichtweise für Psychiatrie und Psychotherapie&#039;&#039;.] In: &#039;&#039;klinikum.uni-heidelberg.de.&#039;&#039; Abgerufen am 14. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für das Abrufen von Selbsterkenntnis erscheinen zwei Bereiche im Gehirn wichtig: der mediale präfrontale Kortex und der mediale hintere parietale Kortex.&amp;lt;ref&amp;gt;J. H. Pfeifer, M. D. Lieberman, M Dapretto: &#039;&#039;I know you are but what am I?!&#039;&#039;: Neural bases of self and social knowledge retrieval in children and adults. Journal of Cognitive Neuroscience, 2007, 19(8), 1323–1337.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es wird angenommen, dass der hintere cinguläre Kortex, der vordere cinguläre Kortex und der mediale präfrontale Kortex zusammenwirken, um dem Menschen die Fähigkeit zur Selbstreflexion zu verleihen. Auch der insuläre Kortex soll an diesem Prozess der Selbstreferenz beteiligt sein.&amp;lt;ref&amp;gt; G. Modinos, R. Renken, J. Ormel, A. Aleman: &#039;&#039;Self-reflection and the psychosis-prone brain: an fMRI study. Neuropsychology&#039;&#039; [serial online]. May 2011;25(3):295-305. Available from: MEDLINE with Full Text, Ipswich, MA. Accessed November 7, 2011.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Idee eines „zerebralen Subjekts“ besitzt derzeit eine große Wirkungsmacht, sodass Behauptungen aus den Neurowissenschaften, sie könnten unsere Auffassung vom menschlichen Selbst neu definieren, widerspruchslos hingenommen werden, obwohl nur wenige, meist zweifelhafte Belege hierfür vorliegen.&amp;lt;ref&amp;gt; [https://www.mpg.de/319972/forschungsSchwerpunkt &#039;&#039;Das zerebrale Subjekt: Gehirn und Selbst in Geschichte und zeitgenössischer Kultur.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Max-Planck-Gesellschaft&#039;&#039;. Abgerufen am 13. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das äußere Selbst ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Leo Reise Jr in 1951.jpg|mini|207x207px| In der Kindheit identifiziert sich das Kind mit den Eltern und anderen primären Bezugspersonen.|links]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Selbst, mit dem der Mensch sich gewöhnlich identifiziert, wird geprägt durch gesellschaftliche, kulturelle, epochale, familiäre u.&amp;amp;nbsp;a. Elemente.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Adoleszenz, in der die Identitätsentwicklung eine zentrale Rolle spielt, ist aus medizinisch-psychiatrischer Sicht dieser [[w:Identifikation (Psychologie|Identifikation]]s-Mechanismus sehr wichtig. Er beschreibt eine Art Rollenübernahme als Resultat einer Suche nach „psychosozialen Experimentierfeldern, Handlungsanleitungen und Idealen.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt; [https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/kinder-jugendpsychiatrie-psychosomatik-und-psychotherapie/warnzeichen/adoleszenz-adoleszenzkrisen/identitaetsentwicklung-und-identitaetskrisen/ &#039;&#039;Adoleszenz: Identitätsentwicklung und Identitätskrisen.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Neurologen und Psychiater im Netz&#039;&#039;. Abgerufen am 27. Januar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:DIRECTV NOW Super Saturday Night featuring Taylor Swift (32314205674).jpg|mini|334px|Die US-amerikanische Sängerin Taylor Swift hat eine beeindruckende Fangemeinde, die sich selbst als „Swifties“ bezeichnen und eine ganz eigene Fankultur pflegen&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.sueddeutsche.de/meinung/lexikon-swiftie-taylor-swift-fans-lux.FBwYMJ4CcfNBNvq9rimkD6 &#039;&#039;Swifties.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Süddeutsche Zeitung&#039;&#039;. Abgerufen am 11. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist der Jugendliche von einer bestimmten Person fasziniert, so verbindet er sich emotional mit dieser und möchte die gleiche Rolle, das gleiche Verhalten oder Ähnliches annehmen. Die meisten wichtigen Lebensentscheidungen werden aufgrund solcher Identifikationen vorbereitet und weniger durch ein abwägendes, rationales Planen getroffen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Identifikationsprozesse dienen also einem Entwicklungsprozess des Selbst, bei welchem externe Normen, Verhaltensweisen und Werte in das eigene Selbstbild integriert werden ([[w:Internalisierung (Sozialwissenschaften|Internalisierung]]).&amp;lt;ref&amp;gt; [https://www.awork.com/de/glossary/identifikation &#039;&#039;Identifikation.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Neurologen und Psychiater im Netz&#039;&#039;. Abgerufen am 27. Januar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das niedere Selbst ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das niedere Selbst, auch Ego oder niedere Natur des Menschen genannt, bezeichnet die Ebene im Menschen, in der das Streben nach Befriedigung der eigenen Bedürfnisse und nach weltlichem Genuss eine zentrale Stellung einnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Instanzenmodell.svg|mini|334px|Der psychische Apparat nach Freuds Strukturmodell]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[w:Sigmund Freud|Sigmund Freud]] benennt diese Instanz in seinem [[w:Strukturmodell der Psyche|Strukturmodell der Psyche]] als „Es“. Dieses sei das archaische Erbe jedes Menschen, das einen unzugänglichen Teil seiner Persönlichkeit darstellt, der nur indirekt, beispielsweise über das Studieren der Traumarbeit erschlossen werden kann. Es handelt sich dabei um eine Instanz, die dem eigentlichen Ich fremd ist und daher von Freud als „Es“ bezeichnet wird.&amp;lt;ref name=&amp;quot;Nitzschke&amp;quot;&amp;gt;Bernd Nitzschke: &#039;&#039;Es&#039;&#039;. In: Wolfgang Mertens; Bruno Waldvogel: &#039;&#039;Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe.&#039;&#039; 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Verlag Kohlhammer, Stuttgart 2008, S.&amp;amp;nbsp;181–186.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser fremde Anteil gilt in der indischen Yoga-Lehre als der größte Feind des Menschen. So beschreibt [[Swami Sivananda]] in seinem Werk &#039;&#039;Sadhana&#039;&#039; den Egoismus als verhängnisvolle Illusion, der aus Unwissenheit entsteht und allerlei Ängste und Sorgen produziert. Durch ihn entstehen falsche Handlungen, die wiederum Leid verursachen. Der Egoismus erniedrige den Menschen auf die Stufe des Tieres. Diese niedere Natur gilt es, durch spirituelle Übungen zu überwinden.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: [https://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/Art-Artikel/art_Sadhana_zur_Bezwingung_der_niederen_Natur.html#Sadhana%20zur%20Beseitigung%20von%20Egoismus &#039;&#039;Sadhana zur Bezwingung der niederen Natur.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yoga Vidya&#039;&#039;. Abgerufen am 28. Januar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] beschreibt, ähnlich wie Freud, dass der Mensch gewöhnlich seine niedere Natur nicht wahrnehmen kann, da er in dieser „drinnensteckt“. Erst wenn er durch Entwicklungsschritte in seine höhere Natur hinaufsteigt, tritt er aus der niederen Natur heraus und diese löst sich als eigenständige Wesenheit von ihm. Dieses vom Menschen selbst geschaffene Wesen nennt er den [[Hüter der Schwelle]], der ab diesem Zeitpunkt der Entwicklung einer aktiven Verwandlung bedarf.&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Welträtsel und die Anthroposophie.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;54. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1983, ISBN 3-7274-0540-6, S.&amp;amp;nbsp;377. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_054.pdf#page=379&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das falsche Selbst ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[w:Donald Winnicott|Donald Winnicott]] (1960) prägte den Ausdruck „[[w:falsches Selbst|falsches Selbst]]“ und beschreibt damit eine innerpsychische Konstellation, die das Ziel hat, das „wahre Selbst” zu schützen.&amp;lt;ref&amp;gt;Donald Winnicott: &#039;&#039;Ego Distorsion in Terms of True and false Self.&#039;&#039; In: &#039;&#039;The Maturational Processes and th Facilitating Enviroment. Studies in the Theory of emotional Development.&#039;&#039; In: &#039;&#039;The International Psycho-Analytical Library.&#039;&#039; Band 64. The Hogarth Press and the Institute of Psycho-Analysis, London 1965, S.&amp;amp;nbsp;1–276. ([http://doctorabedin.org/wp-content/uploads/2015/07/Donald-Winnicott-The-Maturational-Process-and-the-Facilitating-Environment-1965.pdf Volltext als PDF])&amp;lt;/ref&amp;gt; Es handelt sich um das Ergebnis einer erhöhten Anpassungsbereitschaft, die unterschiedliche Ausprägungen annehmen kann. Dies kann bis zu einer Persönlichkeitsstörung führen, die die Betroffenen schon in ihrer frühen Kindheitsphase als Abwehr und Schutz ihres „wahren Selbst“ entwickeln und nutzen.&amp;lt;ref&amp;gt;Elisabeth Roudinesco, Michel Plon: &#039;&#039;Wörterbuch der Psychoanalyse. Namen, Länder, Werke, Begriffe.&#039;&#039; Springer, Wien / New York 2004, ISBN 3-211-83748-5, S.&amp;amp;nbsp;918–919.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Winnicott beschrieb die Folgen einer überstarken Wirkung dieses Abwehrkonzeptes anhand einer Fallgeschichte. Ein „falsches Selbst“ werde vom „wahren Selbst“ gebildet, um sich zu tarnen und zu schützen. Jedoch werde das „falsche Selbst“ zu der die (psychische) Realität beherrschenden Form. Auf diese Weise sei das „wahre Selbst“ nicht mehr an den Interaktionen mit der Realität beteiligt und könnte gerade deshalb die Kontinuität des seelischen Seins (seinen Ist-Zustand) bewahren. Ein verborgenes wahres Selbst litte jedoch unter einer Verarmung, die auf mangelnder Erfahrung beruhe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie stark gesellschaftliche Normen an einer Entfremdung beteiligt sind, zeigt [[a:Erich Fromm |Erich Fromm]] auf, indem er feststellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Normalsten sind die Kränkesten. Und die Kranken sind die Gesündesten. […] Der Mensch, der krank ist, zeigt, daß bei ihm gewisse menschliche Dinge noch nicht so unterdrückt sind, daß sie nicht in Konflikt kommen können mit den Mustern der Kultur[.] […] Aber sehr viele Menschen, das heißt: die Normalen, sind so angepaßt, die haben so alles, was ihnen eigen ist, verlassen, die sind so entfremdet, sind so zum Instrument, sind so roboterhaft geworden, daß sie schon gar keinen Konflikt mehr empfinden.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=sVd4dKH3vng&amp;amp;t=1305s Erich Fromm – Ein Gespräch 1977.]&#039;&#039; (21:45–23:05). In: &#039;&#039;PhilosophieKanal&#039;&#039; (YouTube). Abgerufen am 24. Januar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das exekutive Selbst ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[w:Vilaynur S.&amp;amp;nbsp;Ramachandran|Vilaynur S.&amp;amp;nbsp;Ramachandran]] und Sandra Blakeslee sprechen von einem &#039;&#039;exekutiven Selbst&#039;&#039; (entsprechend dem englischen Wort &#039;&#039;executive&#039;&#039; = ausführend), das die Handlungsplanung und Differenzierung der [[w:Interaktion|Interaktion]] mit der Welt je nach [[w:Realität|Realitätskonstellation]] verantworte.&amp;lt;ref&amp;gt;Vilaynur S.&amp;amp;nbsp;Ramachandran, Sandra Blakesleein: &#039;&#039;Die blinde Frau, die sehen kann. Rätselhafte Phänomene unseres Bewusstseins.&#039;&#039; 1.&amp;amp;nbsp;Auflage, Rowohlt, Reinbek 2001, ISBN 3-498-05750-2, S.&amp;amp;nbsp;397&amp;amp;nbsp;ff.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es zeichne sich durch eine gewisse [[w:Souveränität|Souveränität]] aus, denn ein Selbst, das von Trieben gedrängt werde, sei kein Selbst (also kein souveränes Ich). Es müsse so etwas wie einen freien [[a:Wollen|Willen]] besitzen. Um diese Koordination leisten zu können, müsse das Selbst nach Ramachandran sowohl eine Repräsentation der Welt als auch eigener Strukturen (also ein Selbst- und Weltbild) besitzen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vilaynur S.&amp;amp;nbsp;Ramachandran, Sandra Blakesleein: &#039;&#039;Die blinde Frau, die sehen kann.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;398.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch [[w:Jaques Lusseyran|Jaques Lusseyran]] beschreibt das Tätigsein als grundlegend und sogar existenziell für das menschliche Selbst (bzw. Ich) das bei fehlender Aktivität eine Schwächung erlebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Unser Ich ist leicht vergänglich, weil es jedesmal abnimmt, wenn es nicht tätig ist.“&amp;lt;ref&amp;gt; Jacques Lusseyran: &#039;&#039;Gegen die Verschmutzung des Ich.&#039;&#039; Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1987, ISBN 3-7725-0617-8, S.&amp;amp;nbsp;25.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das soziale Selbst ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Johari2.svg|mini|270px|Das Johari-Fenster&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;(Darstellung und Bezeichnung der Felder weichen je nach Literatur ab)&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Soziologe [[w:Charles Cooley |Charles Cooley]] entwickelte um 1900 herum das &#039;&#039;[[w:Looking-glass self|Looking-glass self]]&#039;&#039;: Der Mensch erkenne sich selbst „im Spiegel seines Gegenübers“, also durch soziale Reaktionen.&amp;lt;ref&amp;gt;George Herbert Mead: &#039;&#039;Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus.&#039;&#039; Suhrkamp, Frankfurt am Main 1968, ISBN 0-226-51668-7, S.&amp;amp;nbsp;218&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine in der Sozialpsychologie bekannte, gruppendynamische Methode ist das sogenannte [[w:Johari-Fenster|Johari-Fenster]]. Dieses Verfahren veranschaulicht die Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung und zeigt insbesondere den „blinden Fleck“ auf. Es geht davon aus, dass durch das Lernen innerhalb gruppendynamischer Prozesse sich der Handlungs&amp;amp;shy;spielraum einer Person vergrößert, je mehr sie einerseits Erkenntnisse über sich durch das Feedback Anderer gewinnt und andererseits sich den Anderen öffnet. Bisher Unbewusstes wird dadurch bewusst und handhabbar.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://human-factors-hamburg.de/lexikon/johari-fenster/ &#039;&#039;Johari-Fenster.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Human Factors Hamburg&#039;&#039;. Abgerufen am 1.&amp;amp;nbsp;Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch für die Völkerverständigung hat dieser Bewusstmachungsprozess eine große Bedeutung. So besitzt jeder Mensch ein meist unbewusstes, nicht hinterfragtes Selbstverständnis, das die eigene Lebenseinstellung und kollektive Haltung zur Kultur umfasst und in jedem Handlungs&amp;amp;shy;zusammenhang zum Ausdruck kommt. Laut [[w:Hans Köchler|Hans Köchler]] wächst das Bewusstsein gerade auch im Vergleich und in der Abhebung von Anderem und je vielfältiger die Bezüge gesetzt werden, desto reifer und differenzierter wird das Selbstverständnis. Davon ausgehend plädiert Köchler dafür, das Konzept der humanistischen Bildung ganz neu zu überdenken und auch im Bereich der Außenpolitik eine „Kulturdiplomatie“ zu entwickeln, die dabei hilft, durch eine Position der Vermittlung zwischen ideologischen Blöcken einzunehmen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Indem das kulturelle Selbstverständnis einer Nation sich in Wechselwirkung mit den „transzendenten“ kulturellen Traditionen herausbildet, ist die Bemühung um die Standortbestimmung einer Kultur immer schon ein Beitrag zu einem globalen Dialog. Die Verschiedenheiten sind dann nicht mehr Grund zu chauvinistischer Profilierung (Selbstdarstellung), sondern Voraussetzung für ein vertieftes Verständnis der eigenen Position und somit Hinweis auf die Möglichkeit der Begegnung mit einem neuen Aspekt kultureller Selbstverwirklichung. Dies schließt den Abbau einer aggressiven Haltung ein. Es ist ein nicht zu unterschätzender Beitrag zu einer universalen Friedenspolitik.“&amp;lt;ref&amp;gt;Hans Köchler: &#039;&#039;Kulturelles Selbstverständnis und Koexistenz. Voraussetzungen für einen fundamentalen Dialog,&#039;&#039; 1972. Abgerufen am 14. Februar 2026. ([http://hanskoechler.com/koechler_online-papers-subjects.htm Online papers])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Martin Buber portrait.jpg|mini|Martin Buber]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der Religionsphilosoph [[w:Martin Buber|Martin Buber]] beschreibt das Gegenüber als grundlegend für die Ich-Entwicklung. Das Ich wird erst am Du wirklich zum Ich. Für diese Begegnung ist es notwendig, jegliches zweckmäßige Denken zu überwinden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Beziehung zum Du ist unmittelbar. Zwischen Ich und Du steht keine Begrifflichkeit, kein Vorwissen und keine Phantasie; und das Gedächtnis selber verwandelt sich, da es aus der Ein-zelung in die Ganzheit stürzt. Zwischen Ich und Du steht kein Zweck, keine Gier und keine Vorwegnahme; und die Sehnsucht selber verwandelt sich, da sie aus dem Traum in die Erscheinung stürzt. Alles Mittel ist Hindernis. Nur wo alles Mittel zerfallen ist, geschieht die Begegnung.”&amp;lt;ref&amp;gt;Martin Buber: &#039;&#039;[https://jochenteuffel.com/wp-content/uploads/2022/10/buber-ich-und-du.pdfpdf#page=5&amp;amp;view=fit Ich und Du.]&#039;&#039; (PDF; 343&amp;amp;nbsp;KB), 2022, S.&amp;amp;nbsp;5. Abgerufen am 21. Januar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Überwindung der egoistischen Gier, des vereinnahmenden, zweckgebundenen Denkens überwindet der Mensch gewissermaßen sich selbst, wie es in der Bhagavadgita III,43 heißt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;evaṁ buddheḥ paraṁ buddhvā saṁstabhyātmānam ātmanā jahi śatruṁ mahā-bāho kāma-rūpaṁ durāsadam&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:„Indem du zu dem Höchsten erwachst durch jenes Verstehen, das noch über dem urteilenden Verstand steht, und Macht ausübst auf das Ich durch das Selbst, um es fest und still zu machen, erschlage, o Starkarmiger, diesen Feind in Gestalt des Begehrens, den man so schwer zu fassen bekommt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S.&amp;amp;nbsp;29.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gelingt die Selbstüberwindung, so wird es laut [[Rudolf Steiner]] möglich, in das Wesen des anderen „unterzutauchen“ und dabei nicht sich selbst mit den eigenen Interessen zu suchen, sondern den Anderen bedeutungsvoller als sich selbst zu finden. Es ist wie eine Art erweiterter Egoismus, bei dem die Weltinteressen zu den eigenen Interessen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Welche Bedeutung hat die okkulte Entwicklung des Menschen für seine Hüllen und für sein Selbst?&#039;&#039; GA 145. 5.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung, Dornach 1976, ISBN 3-7274-1450-2, S.&amp;amp;nbsp;149–150. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_145.pdf#view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das höhere Selbst ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff „Höheres Selbst“ (auch „höheres Bewusstsein“ genannt) wird meist verwendet, um einen Zustand der Befreiung von den Beschränkungen des Egos zu beschreiben sowie einen Zustand mystischer Erfahrung, in dem die empfundene Trennung zwischen dem isolierten Selbst und der Welt oder Gott überwunden wird. Er kann sich auch auf einen Zustand erhöhter Wachsamkeit oder des Eröffnens einer neuen Perspektive beziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Harold L. Miller: &#039;&#039;The SAGE Encyclopedia of Theory in Psychology.&#039;&#039; 1. Auflage. Sage Publications, Thousand Oaks, California 2016, ISBN 978-1452256719, S.&amp;amp;nbsp;409–411.&amp;lt;/ref&amp;gt; Obwohl der Ursprung des Konzeptes und seiner verschiedenen Praktiken weit in der Zeit zurückliegt, wurde es als zentraler Begriff in der zeitgenössischen populären Spiritualität, einschließlich der New-Age-Bewegung, erheblich weiterentwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[w:Friedrich Schleiermacher|Friedrich Schleiermacher]] (1768–1834) unterschied zwischen einem niedrigen und einem höheren Selbstbewusstsein. Das niedere Selbstbewusstsein ist für ihn „der tierische Teil des Menschen“, der grundlegende Empfindungen wie Hunger, Durst, Schmerz und Lust sowie basale Triebe umfasst, während das höhere Selbstbewusstsein nach den Worten der Theologin Dawn DeVries „der Teil des Menschen ist, der in der Lage ist, tierische Instinkte zu überwinden“ und als „Berührungspunkt mit Gott“ bezeichnet werden kann. Bunge beschreibt dies als „das Wesen des Menschseins”.&amp;lt;ref&amp;gt;Marcia JoAnn Bunge (Hrsg.): &#039;&#039;The Child in Christian Thought.&#039;&#039; Eerdmans Publishing Company 2001, ISBN 978-0802846938, S.&amp;amp;nbsp;341.&amp;lt;/ref&amp;gt; Wenn dieses Bewusstsein vorhanden ist, „sind die Menschen nicht durch ihre Instinkte von Gott entfremdet”. Die Beziehung zwischen dem niederen und dem höheren Bewusstsein ähnelt „Paulus&#039; Kampf des Geistes, das Fleisch zu überwinden” oder der Unterscheidung zwischen der natürlichen und der spirituellen Seite des Menschen.&amp;lt;ref&amp;gt;Philip M. Merklinger: &#039;&#039;Philosophy, Theology, and Hegel&#039;s Berlin Philosophy of Religion, 1821-1827.&#039;&#039; State University of New York Press 1993, ISBN 0-7914-1492-2, S.&amp;amp;nbsp;65–68.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[a:Helena_Petrovna_Blavatsky|Helena Petrovna Blavatsky]], die Begründerin der theosophischen Bewegung, definierte das höhere Selbst offiziell als „Atma, den untrennbaren Strahl des Universums und das eine Selbst. Es ist der Gott über uns, mehr als in uns“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Durch diese höhere Intuition, die durch Theosophia – oder Gotteserkenntnis – erworben wurde und den Geist von der Welt der Formen in die Welt des formlosen Geistes führte, war der Mensch in jedem Zeitalter und in jedem Land manchmal in der Lage, Dinge in der inneren oder unsichtbaren Welt wahrzunehmen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Helena Petrovna Blavatsky: &#039;&#039;The key to theosophy, section 9&#039;&#039;. Quest Books 1972, ISBN 0-8356-0427-6, S.&amp;amp;nbsp;175. ([https://www.theosociety.org/pasadena/key/key-9.htm Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Hellseher [[w:Edgar Cayce|Edgar Cayce]] bezeichnete das höhere Bewusstsein als „das Christus-Muster”. Es beschreibt die Überzeugung, dass ein gewöhnlicher Mensch sich darauf einstimmen kann, das gleiche spirituelle Niveau zu erreichen wie der historische Jesus.&amp;lt;ref&amp;gt;Tom Rapsas: [https://idw-online.de/de/news689748 &#039;&#039;6 Steps to Realizing the Christ Consciousness Within You.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;patheos.&#039;&#039; Abgerufen am 20. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Idee des „niederen“ und „höheren“ Bewusstseins hat in der modernen Spiritualität an Popularität gewonnen.&amp;lt;ref&amp;gt;Wouter J. Hanegraaff: &#039;&#039;New Age Religion and Western Culture. Esotericism in the mirror of Secular Thought.&#039;&#039; E.J. Brill, Leiden/New York/Koln 1996, ISBN 90-04-10696-0, S.&amp;amp;nbsp;59.&amp;lt;/ref&amp;gt; Hierbei gilt das Höhere Selbst oftmals als etwas, das tief im einzelnen Menschen ruht und mit dem man sich durch Versenkung in die eigene Innenwelt verbinden kann. Das rationale Denken gilt als störend für diesen Prozess und soll zum Schweigen gelangen.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=rJtYSLOSr2o &#039;&#039;Verbindung zum Höheren Selbst | Einschlafmeditation &amp;amp; Traumreise.&#039;&#039;] Siehe Videobeschreibung. In: &#039;&#039;ChakraTunes – Raphael Kempermann&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 7. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz anders beschreibt [[Rudolf Steiner]] die Entwicklung zum Höheren Selbst. Dies habe nichts mit einem „In-sich-Hineinbrüten“ zu tun, denn da würde man nur den „kleinen Menschen finden, den Sie selbst zum Gott aufbauschen“. Vielmehr ginge es darum, sich in die Welt und ihre Erscheinungen zu vertiefen, was ein zunächst unbequemes und konkretes Arbeiten erfordere.&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Theosophie des Rosenkreuzers.&#039;&#039; GA 99. 7.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1985, ISBN 3-7274-0990-8, S.&amp;amp;nbsp;164. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_099.pdf#view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach [[a:Sri_Aurobindo|Sri Aurobindo]] ist es nur durch die Überwindung des Ego und durch das Streben nach tieferer Erkenntnis möglich, zu einer neuen Einheit mit dem Göttlichen zu gelangen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jenes neue Leben und jene neue Macht des integralen menschlichen Selbsts muß notwendigerweise auf wirklicher Einsicht in die großen Wahrheiten beruhen, die eine Übersetzung der Natur des göttlichen Seins in unsere Art des Erfassens der Dinge sind. Das muß dadurch geschehen, daß das Ich auf seinen falschen Standpunkt und seine falschen Gewißheiten verzichtet, in die richtige Beziehung und Harmonie zu den Totalitäten eintritt, deren Teil es bildet, und zu den Transzendenzen, denen es entstammt.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:GöLeben&amp;quot;&amp;gt;Sri Aurobindo: [https://aurobindoru.auromaa.org/workings/sa/18-19/0007_g.htm &#039;&#039;Das Göttliche Leben. Buch 1.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Site of Sri Aurobindo and the mother&#039;&#039;. Abgerufen am 6. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Hugo van der Goes - The Fall of Man and The Lamentation - Google Art Project.jpg|mini|334px|&#039;&#039;Der Sündenfall und die Klage&#039;&#039; von [[w:Hugo van der Goes|Hugo van der Goes]]. Mit dem Sündenfall&lt;br /&gt;
ist der Mensch aus der ursprünglichen Einheit mit Gott herausgefallen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:GöLeben&amp;quot; /&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sri Aurobindo spricht davon, dass wir eine „falsche Buchhaltung“ führen. Einen ersten Schritt, die Abrechnung zu korrigieren, sieht er darin, dass der Ich-Anspruch des Menschen zurückweicht, er selbst seine Unwissenheit akzeptiert und anerkennt, dass er nur eine Teilbewegung einer unendlichen Bewegung ist. Gleichzeitig jedoch ist es notwendig einzusehen, dass er in seinem wahren Selbst eins ist mit dieser Gesamtbewegung und keinen untergeordneten Wert ihr gegenüber darstellt. Überall, wo der Mensch eine abgesonderte Stellung einnimmt und versucht, zu unabhängigen Harmonien zu kommen, entstehe Disharmonie. Jedes Instrument müsse sich von selbst in die Gesamtheit des Orchesters einfügen, so Aurobindo.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:GöLeben&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese aktiven Entwicklungsschritte, die der Mensch für die Entwicklung seines höheren Selbst leisten muss, gliedert [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] gemäß der indischen Lehre in drei Stufen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# [[a:Geistselbst|Manas]] beschreibt die Entwicklung eines erweiterten logischen Denkens gemäß geistiger Gesetzmäßigkeiten. In dieser Art des Denkens erbaut der Mensch bewusste Vorstellungsbilder, die in einem logischen Zusammenhang stehen. Dieses Denken unterscheidet sich von dem rein intellektuellen Denken, das sich noch in einem reflektierenden, gewohnten Ablauf befindet. Manas bedeutet einen schöpferisch-aktiven Denkprozess.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die 7 Lebensjahrsiebte und die 7 Chakren. Ein praktischer Weg zur übersinnlichen Erkenntnisentwicklung.&#039;&#039; 5.&amp;amp;nbsp;Auflage. Synergia Verlag, Basel / Zürich / Roßdorf 2019, ISBN 978-3-907246-05-4, S.&amp;amp;nbsp;191.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
# Mit [[a:Lebensgeist|Buddhi]] ist ein fundiertes Urteilsvermögen gemeint, für das der Mensch nicht nur den Intellekt gebraucht, sondern durch ein unterscheidendes Denken ein tieferes Wahrheitsempfinden ausprägen muss. Dieses Wahrheitsfühlen bezieht sich nicht nur auf spirituelle Themen, sondern ist in jeder Berufsfachkunde ein Ideal, das der Mensch anstreben kann.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die 7 Lebensjahrsiebte und die 7 Chakren. S.&amp;amp;nbsp;197.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
# [[a:Atma|Atman]] beschreibt die höchste Stufe der Selbstverwirklichung, das realisierte Selbst. In den frühen indischen Schriften der Upanishaden meint Atman die einzelne Seele, die jedoch nicht getrennt ist von der Weltenseele (Brahman). Der individuelle Wille wird zum Weltenwille, wenn der Mensch nicht mehr in kleinlichem Egoismus tätig ist, sondern mutig höchste Moralität erstrebt und nach dieser handelt.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die 7 Lebensjahrsiebte und die 7 Chakren. S.&amp;amp;nbsp;203.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Selbst in der Religion ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Buddhismus ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [[w:Buddhismus|Buddhismus]]gilt die [[w:Anatta|Anatta]]-Lehre – die Lehre vom Nicht-Selbst – als unverzichtbare Grundlage und wird als eines der [[w:drei Daseinsmerkmale|drei Daseinsmerkmale]] bezeichnet.&amp;lt;ref&amp;gt;Thích Nhất Hạnh: &#039;&#039;Das Herz von Buddhas Lehre. Leiden verwandeln – die Praxis des glücklichen Lebens.&#039;&#039; Verlag Herder, Freiburg im Breisgau u.&amp;amp;nbsp;a. 1999, ISBN 3-451-26739-X, S.&amp;amp;nbsp;24.&amp;lt;/ref&amp;gt; „Der Begriff «Selbst» bezeichnet eine beständige, unwandelbare Identität, doch da es, wie der Buddhismus sagt, nichts gibt, das beständig ist, und da das, was wir üblicherweise als Selbst bezeichnen, vollkommen aus Nicht-Selbst-Elementen besteht, gibt es in Wirklichkeit keine [[w:Entität|Entität]], die Selbst genannt werden könnte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Thích Nhất Hạnh: &#039;&#039;Das Diamant Sutra. Kommentare zum Prajnaparamita-Diamant-Sutra.&#039;&#039; Theseus-Verlag, München/Zürich 1993, ISBN 3-89620-066-6, S.&amp;amp;nbsp;48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Glaube an eine beständige Ich- oder Selbstheit gilt im Buddhismus als eines der [[w:Drei Geistesgifte|Geistesgifte]], unter dessen Einfluss das menschliche Bewusstsein einer grundlegenden Täuschung unterliege.&amp;lt;ref&amp;gt;Raoul von Muralt (Hrsg.): &#039;&#039;Meditations-Sutras des Mahâyâna-Buddhismus.&#039;&#039; Band 1, 3. Auflage. Origo-Verlag, Bern 1988, ISBN 3-282-00075-8, S.&amp;amp;nbsp;31.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ziel der buddhistischen [[w:Meditation#Meditation in religiösen Traditionen|Meditation]] ist es, diese Täuschung zu durchschauen und dadurch zur [[w:Kensho|Erfahrung der wahren menschlichen Natur]] zu gelangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Hinduismus ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:An Oberoi Hotel employee doing Namaste, New Delhi.jpg|mini|Beim indischen Gruß Namasté werden die Hände vor dem Herzen zusammengeführt. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet Namasté „Der Gott in mir grüßt den Gott in dir.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.exoticindiaart.com/article/namaste/ &#039;&#039;Philosophy of Namaste and Comparison with the Handshake.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;exotic india&#039;&#039;. Abgerufen am 11. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach hinduistischer Auffassung gibt es einen Makrokosmos und einen Mikrokosmos, die nach dem gleichen Plan aufgebaut sind. Der Urgrund, [[y:Brahman|Brahman]], gilt als das höchste Wesen und wird oftmals auch als Seele von Mikro- und Makrokosmos bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Upanishaden sprechen von zwei Seelen, die im Menschen leben: [[a:Atma|Atman]] (auch Paramatman genannt), die „wirkliche Seele“, die Brahman entspricht und die „scheinbare Seele“, [[y:Jivatman|Jivatman]]. Jivatman ist die verkörperte Seele, das Ego-Selbst, auch beschrieben als Nicht-Selbst, während Atman als wahres Selbst gilt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Hinduismus wird der Mensch anhand von drei Körpern charakterisiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* der sterblichen, physischen Hülle (auch genannt [[y:Sthula Sharira|Sthula Sharira]]),&lt;br /&gt;
* dem feinstofflichen Körper ([[y:Sukshma Sharira|Sukshma Sharira]]), in dem auch alle Erinnerungen gespeichert sind und der nach dem Tod weiterexistiert,&lt;br /&gt;
* dem Kausalkörper ([[y:Karana Sharira|Karana Sharira]]), der durch das Ego-Bewusstsein gekennzeichnet ist.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle drei Körper dienen der Erfüllung von grobstofflichen und feinstofflichen Wünschen. Atman als das ewige, unzerstörbare Selbst unterscheidet sich von diesen drei Körpern. Die hinduistische Reinkarnationslehre besagt, dass beim Tode lediglich der Atman, gemeinsam mit der feinstofflichen Hülle, den physischen Körper verlässt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt; [https://ramakrishna.org/humanindividual.html &#039;&#039;Hinduism: The Human Individual.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Ramakrishna-Vivekananda Center of New York.&#039;&#039; Abgerufen am 21. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[a:Bhagavad Gita|Bhagavad Gita]] wird mit dem Kampffeld bildhaft geschildert, wie der Mensch an eine Schwelle herankommt, bei der es nun um die Realisierung einer höheren Verpflichtung geht, die mit der irdischen Welt scheinbar im Widerspruch steht. Diese Schwellensituation ist oftmals verbunden mit einem Aufwallen von Emotionen und Zweifeln, die das Gemüt des Menschen vereinnahmen.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S.&amp;amp;nbsp;84–85.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das, was dem Menschen gefühlsmäßig nahe ist, offenbart sich als Feind und dasjenige, was seinem Gemüt am Schwersten anmutet, im Sinne seines höheren Selbst zu handeln, ist sein Freund, wie es im 6. Vers des 6. Kapitels heißt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Arjuna and His Charioteer Krishna Confront Karna.jpg|mini|350px|Arjuna und sein Wagenlenker Krishna auf dem Schlachtfeld [[w:Schlacht zu kurukshetra|Kurukshetra]]]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;bandhur ātmātmanas tasya yenātmaivātmanā jitaḥ anātmanas tu śatrutve vartetātmaiva śatruvat&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:„Sein Selbst ist für den Menschen sein Freund, indem das Selbst durch das Selbst bezwungen worden ist. Wenn aber jemand nicht in Besitz seines (höheren) Selbstes ist, dann ist das (niedere) Selbst gleichsam ein Feind und handelt wie dieser.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;176.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im 6. Kapitel, Vers 29 beschreibt die Bhagavad Gita, wie das Selbst in allen Wesen vorhanden ist und der Mensch, wenn er in seinem höheren Selbst gegründet ist, dies erkennen kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;sarva-bhūta-stham ātmānaṁ sarva-bhūtāni cātmani īkṣate yoga-yukta-ātmā sarvatra sama-darśanaḥ&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:„Der Mensch, dessen Selbst im Yoga gegründet ist, erkennt das Selbst in allen Wesen und alle Wesen im Selbst. Er erkennt überall mit gleichgeartetem Blick.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;46.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Christentum ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum gilt Christus als großes Vorbild ([[w:Nachfolge Jesu|Nachfolge Jesu]]). Gläubige beziehen sich auf verschiedene Aussagen Jesu, die eine entsprechende Aufforderung enthalten, ihm nachzufolgen. Damit verbunden ist immer eine Art Aufgabe des bisherigen Selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Dann sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach! Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden. Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, aber sein Leben einbüßte?“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.bibleserver.com/ELB/Matth%C3%A4us16 Mt 16,24–26.] Elberfelder Übersetzung. In: &#039;&#039;bibleserver.com.&#039;&#039; Abgerufen am 12. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Nachahmung der Lebensweise Jesu Christi bis in die äußeren Umstände wurde im Besonderen im Mittelalter gepflegt. Ein bekanntes Beispiel ist [[a:Franz von Assisi|Franz von Assisi]], der sein Erbe ausschlug und ein Leben als Bettelmönch wählte. Aus dieser Zeit stammt auch das bekannte Werk [[w:Nachfolge Christi|Nachfolge Christi]] des Augustinermönches [[w:Thomas von Kempen|Thomas von Kempen]] (1380–1471), das nach der Bibel als meist verbreitetes und übersetztes Buch des Christentums gilt.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://intellectualtakeout.org/2018/04/the-imitation-of-christ-the-most-influential-book-after-the-bible/ &#039;&#039;The Imitation of Christ: The Most Influential Book After the Bible.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;intellectualtakeout.org.&#039;&#039; Abgerufen am 13. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Caravaggio-The Conversion on the Way to Damascus.jpg|mini|330px|&#039;&#039;Die Bekehrung des Paulus&#039;&#039;, [[w:Michelangelo Merisi da Caravaggio|Caravaggio]] (1600)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner unterscheidet hierbei die Nachfolge Jesu von der Nachfolge Christi. Man könne in seinen menschlichen Eigenschaften dem Jesus ähnlich werden; will man jedoch dem Christus ähnlich werden, so gehe das nur im Sinne des paulinischen Ausspruches „[[a:Christus in mir|Christus in mir]]“.&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken II.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;343a. 1. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1993, ISBN 3-7274-3430-9, S.&amp;amp;nbsp;450–451. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_343.pdf#page=450&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Übersetzung [[a:Martin Luther|Martin Luthers]] lautet dieser Bibelvers:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.bibleserver.com/LUT/Galater2%2C20 Gal 2,20.] Lutherbibel 2017. In: &#039;&#039;bibleserver.com.&#039;&#039; Abgerufen am 12. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christus wird hier laut Rudolf Steiner als das wirkliche Ich des Menschen charakterisiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Kein äußerer Name kann «mich», dieses Wesen, benennen; ein ganz anderer Name nur kann das ausdrücken: «Ich bin der Ich-bin!» Es gibt keine Möglichkeit, woanders den Namen zu finden des Sonnengeistes als in dem Menschen. Das, was als Ich im Menschen lebt, das ist das Christus-Wesen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;109. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2000, ISBN 3-7274-1090-6, S.&amp;amp;nbsp;154 ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_109.pdf#page=154&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Neugeburt, für die der Mensch alles, was ihn bisher in seiner Persönlichkeit geprägt hat (genetische Anlagen, sozial-gesellschaftliche Einflüsse und daraus resultierende Denk- und Verhaltensweisen etc.) überwinden muss, ist nach Heinz Grill in folgendem biblischen Ausspruch beschrieben:&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die 7 Lebensjahrsiebte und die 7 Chakren. S.&amp;amp;nbsp;188.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen. Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist.“ &amp;lt;br&amp;gt;(Joh 3,5–6)&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.csv-bibel.de/bibel/johannes-3 &#039;&#039;Joh 3.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Elberfelder Übersetzung. Edition CSV.&#039;&#039; Abgerufen am 21. Januar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Entwicklung des Selbst ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== In der Psychologie ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es existieren innerhalb der Psychologie zahlreiche Modelle und Ansichten zum Thema der Selbst- und Persönlichkeitsentwicklung, diese zu beschreiben in diesem Rahmen nicht gerecht werden kann. Generell wird das Selbst in der Psychologie als flexibles und dynamisches System aufgefasst, das sich sowohl aktualgenetisch, also beeinflusst vom situativen Kontext entwickelt als auch ontogenetisch über den gesamten Lebenslauf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein markanter Punkt in der Selbstentwicklung stellt für die Psychologie die Selbstwahrnehmung im Sinne eines physischen Selbstkonzepts dar, beispielsweise das sich selbst Erkennen im Spiegel ([[w:Spiegeltest|Spiegeltest]]). Mit der Sprachentwicklung erfolgen vermehrt sprachliche Selbstbeschreibungen. Im Übergang zur Adoleszenz wird der Mensch fähig, abstrakte selbstbezogene Konzepte zu bilden, die sich in den Folgejahren kontextbedingt und rollenspezifisch ausdifferenzieren.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/selbst &#039;&#039;Selbst.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Dorsch. Lexikon der Psychologie.&#039;&#039; Abgerufen am 15.&amp;amp;nbsp;Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:ETH-BIB-Jung, Carl Gustav (1875-1961)-Portrait-Portr 14163 (cropped).tif|mini|Carl Gustav Jung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[w:Analytische Psychologie|Analytischen Psychologie]] nach [[w:Carl Gustav Jung|Carl Gustav Jung]] (1875–1961) stellt das Selbst das Zentrum der menschlichen [[w:Psyche|Psyche]] dar, die das menschliche [[a:Bewusstsein|Bewusstsein]] und [[w:Das Unbewusste|Unbewusstes]] umfasst. Die Selbst-Erkenntnis des Ichs war für Jung die [[w:Selbstverwirklichung|Selbstverwirklichung]]&amp;lt;ref&amp;gt;C. G. Jung: &#039;&#039;Gesammelte Werke.&#039;&#039; Band 7: § 266; Band 11: § 233.&amp;lt;/ref&amp;gt; im Laufe der [[w:Individuation|Individuation]] des einzelnen Menschen.&amp;lt;ref&amp;gt;C. G. Jung: &#039;&#039;Gesammelte Werke.&#039;&#039; Band 7: § 266; Band 9/1: § 78, §&amp;amp;nbsp;689; Band 9/2: § 418; Band 11: § 401; Band 14/1: §211; Band 15: § 531.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bleibt hingegen das Selbst dem Ich ganz unbewusst, so hält sich dieses bereits selbst für das Ganze, was Jung als Gefahr für die psychische Gesundheit ansieht.&amp;lt;ref&amp;gt;C. G. Jung: &#039;&#039;Gesammelte Werke.&#039;&#039; Band 10: § 721&#039;&#039;f.&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine besondere Gefahr in der Beziehung zwischen Ich und Selbst bestehe darin, dass „das Ich vom Selbst assimiliert wird“ und somit das Bewusstsein wieder unbewusst, von unbewussten Kräften der Psyche verschlungen wird.&amp;lt;ref&amp;gt;C. G. Jung: &#039;&#039;Gesammelte Werke.&#039;&#039; Band 9/2: § 44; vergleiche Band 13 § 422.&amp;lt;/ref&amp;gt; Zwischen diesen beiden Gefahren von Abgeschnittenheit von und Überwältigtsein durch das Selbst müsse das Ich balancieren, denn „es ist in Wirklichkeit immer beides vorhanden: die Übermacht des Selbst und die Hybris des Bewußtseins.“&amp;lt;ref&amp;gt;C. G. Jung: &#039;&#039;Gesammelte Werke.&#039;&#039; Band 11: § 391.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Drang des Selbst, sich im Menschen zu verwirklichen, wird von Jung auch als dessen „[[w:Entelechie|Entelechie]] im Individuationsprozess“ bezeichnet:&amp;lt;ref&amp;gt;C. G. Jung: &#039;&#039;Gesammelte Werke.&#039;&#039; Band 9/1: § 278; vergleiche Band 11: § 755.&amp;lt;/ref&amp;gt; auch „jenseits der Wünsche und Befürchtungen des Bewußtseins“&amp;lt;ref&amp;gt;C. G. Jung: &#039;&#039;Gesammelte Werke.&#039;&#039; Band 11: § 745; vergleiche ebenda § 960.&amp;lt;/ref&amp;gt; und mit großer Durchsetzungskraft, der zu folgen dem Bewusstsein größte Anstrengungen abverlange,&amp;lt;ref&amp;gt;C. G. Jung: &#039;&#039;Gesammelte Werke.&#039;&#039; Band 12: § 248.&amp;lt;/ref&amp;gt; einschließlich moralischer Konflikte.&amp;lt;ref&amp;gt;C. G. Jung: &#039;&#039;Gesammelte Werke.&#039;&#039; Band 14/2: § 433.&amp;lt;/ref&amp;gt; Jung betonte, dass Selbsterkenntnis notwendigerweise auch eine zutiefst soziale Angelegenheit sei: Im Gegensatz zur „Verhärtung des Massenmenschen“ schließe bewusste Individuation „den Mitmenschen ein“.&amp;lt;ref&amp;gt;C. G. Jung: &#039;&#039;Gesammelte Werke.&#039;&#039; Band 16: § 444.&amp;lt;/ref&amp;gt; Außerdem sei das Selbst aufgrund seiner zugleich persönlichen und überpersönlichen Eigenschaften „paradoxerweise Quintessenz des Individuums und doch zugleich ein Kollektivum“.&amp;lt;ref&amp;gt;C. G. Jung: &#039;&#039;Gesammelte Werke.&#039;&#039; Band 13: § 226, vergleiche ebenda § 287 und Band 15: § 474.&amp;lt;/ref&amp;gt; Bezüglich dieser paradoxen Eigenschaft des Selbst zog Jung oft Parallelen zu dem indischen [[w:Atman|Atman]].&amp;lt;ref&amp;gt;C. G. Jung: &#039;&#039;Gesammelte Werke.&#039;&#039; Band 5: § 550; Band 18/2: §&amp;amp;nbsp;1567; vergleiche Band 10: § 873; Band 6: § 189; Band 11: § 433.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Umgang mit dem (eigenen) Unbewussten hat sich laut Erich Fromm mit Freud und seinen diesbezüglichen Forschungen verändert. Der Mensch werde nun damit konfrontiert, dass er selbst für sein Unbewusstes verantwortlich sei. Was zähle, seien die Handlungen, die für sich sprechen und etwas über die tiefer liegenden, wirklichen Motive aussagen und weniger die Worte.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=E38YE7aXZ1o&amp;amp;t=300s Erich Fromm – Menschliches Wachstum.]&#039;&#039; (5:00–6:27). In: &#039;&#039;Erich Fromm Study Center Berlin – EFSC&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 15. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Generell sieht Fromm eine große Gefahr im Passivsein des Menschen. Dieses werde durch die Konsumgesellschaft maßgeblich gefördert, indem Bedürfnisse produziert werden, die die Gier im Menschen nähren. Er beschreibt die Notwendigkeit, Arbeit und Freizeit so zu organisieren, dass es dem menschlichen Wachstum zugutekommt und nicht der Mensch der Industrie hin dient und im Ausgleich dazu in der Freizeit seinen egoistischen Neigungen nachgeht. Es müssten die Bedürfnisse gesteigert werden, die den Menschen freier machen, ihn zur Selbstaktivität anregen und ihn lebendig halten.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=E38YE7aXZ1o&amp;amp;t=825s Erich Fromm – Menschliches Wachstum.]&#039;&#039; (13:45–19:57).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich stelle sich die Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Welche Entscheidung trifft der Mensch? Trifft er die Entscheidung, wenn Sie biblisch reden wollen, für Gott oder für Cäsar? Das klingt vielleicht sehr dramatisch, aber […] wenn man ernsthaft über das Leben spricht, wenn man damit sich ernsthaft beschäftigt, dann sind die Dinge sehr dramatisch. Nicht nur Tod und Leben im physischen Sinn; das nehmen wir alles als Drama auf, sondern das Lebendiger werden oder das Toter werden des Menschen in seinem Leben.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=E38YE7aXZ1o&amp;amp;t=1199s Erich Fromm – Menschliches Wachstum.]&#039;&#039; (19:59–20:32).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== In der Pädagogik ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den verschiedenen pädagogischen Ansätzen spielt das zu entwickelnde Selbst des Menschen eine zentrale Rolle. Der Staatsmann und Bildungsreformer [[w:Wilhelm von Humboldt|Wilhelm von Humboldt]] (1767–1835) benennt das Einlassen auf etwas Fremdes als eine Voraussetzung, möchte der Mensch seine Individualität in eine wachsende Vollendung führen. Hierfür sei es notwendig, dass der Mensch die ganze äußere Welt auf sich als wahrnehmenden Mittelpunkt bezieht, wodurch sich die „Betrachtung aus der Unendlichkeit der Gegenstände in den engeren Kreis unsrer Fähigkeiten und ihres mannigfaltigen Zusammenwirkens“ flüchte.&amp;lt;ref&amp;gt;Wilhelm von Humboldt: &#039;&#039;[http://www.marcus-steinbrenner.info/docs/texte/Humboldt%20-%20Theorie%20der%20Bildung%20des%20Menschen.pdf#page=4&amp;amp;view=fit Theorie der Bildung des Menschen.]&#039;&#039; (PDF, S.&amp;amp;nbsp;4.) In: &#039;&#039;marcus-steinbrenner.info.&#039;&#039; Abgerufen am 24. Januar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bildung ist nach Humboldt eine rege und freie Wechselwirkung des Individuums mit der Welt, die niemals bewirkt, sondern nur angestoßen werden kann und die immer eine freie Eigenleistung darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;Wilhelm von Humboldt: &#039;&#039;[https://www.mises.ch/library/Humboldt_Grenzen_des_Staates.pdf#page=11&amp;amp;view=fit Ideen zu einem Versuchs, die Grenzen der Wirksamkeit des Staats zu bestimmen.]&#039;&#039; (PDF, S.&amp;amp;nbsp;11–12). In: &#039;&#039;mises.ch.&#039;&#039; Abgerufen am 24. Januar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch [[w:Novalis|Novalis]] äußerte sich in wenigen Zeilen zum Thema Bildung und spricht von einer indirekten Erziehung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Erziehung von Kindern, wie Bildung eines Lehrlings – nicht durch directe Erziehung – sondern durch allmäliches Theilnehmen lassen an Beschäftigungen etc. der Erwachsenen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Novalis: [https://www.projekt-gutenberg.org/novalis/fragmen1/chap013.html &#039;&#039;Fragmente über den Menschen. Kosmologische Menschenlehre.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Projekt Gutenberg.&#039;&#039; Aus seinem Werk: &#039;&#039;Fragmente I.&#039;&#039; Jess Verlag, 1929. Abgerufen am 24. Januar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[w:Maria Montessori |Maria Montessori]] prägte den in verschiedenen Versionen bekannt gewordenen Leitsatz an den Erziehenden: „Hilf mir, es selbst zu tun.“&amp;lt;ref&amp;gt;P. Oswald, G. Schulz-Bennesch (Hrsg.): &#039;&#039;Maria Montessori. Die Entdeckung des Kindes. Selbsttätige Erziehung im frühen Kindesalter.&#039;&#039; 11. Auflage. Freiburg i. Br. 1994.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner, Begründer der Waldorfpädagogik spricht davon, dass jede Erziehung Selbsterziehung sei. So ist der Erziehende gefordert, sich selbst so zu erziehen, dass er im günstigsten Maße auf das Kind wirke, denn „Sie glauben gar nicht, wie gleichgültig es im Grunde genommen ist, was man als Erzieher oberflächlich redet oder nicht redet, und wie stark es von Belang ist, wie man als Erzieher selbst ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Heilpädagogischer Kurs.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;317. 8. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-3171-7, S.&amp;amp;nbsp;35. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_317.pdf#page=35&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gehe darum, eine möglichst adäquate Umgebung für das sich selbst erziehende Kind zu schaffen und zu dieser Umgebung gehören in erster Linie die Menschen um das Kind herum:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jede Erziehung ist Selbsterziehung, und wir sind eigentlich als Lehrer und Erzieher nur die Umgebung des sich selbst erziehenden Kindes. Wir müssen die günstigste Umgebung abgeben, damit an uns das Kind sich so erzieht, wie es sich durch sein inneres Schicksal erziehen muß.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die pädagogische Praxis vom Gesichtspunkte geisteswissenschaftlicher Menschenerkenntnis.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;306. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, ISBN 3-7274-3060-5, S.&amp;amp;nbsp;131. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_306.pdf#page=131&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== In der Philosophie ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Gnothi sauton.jpg|mini|334px|&#039;&#039;Gnothi sautón&#039;&#039; (deutsch: „Erkenne dich selbst“) als Gravur mit einem stilisierten Auge auf Schloss Buonconsiglio in Trient]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits in der Antike setzten sich Menschen intensiv mit Fragestellungen zur Selbsterkenntnis auseinander, die als Grundlage für die Entwicklung des Selbst gilt. Davon zeugt die Inschrift am Apollontempel von Delphi: &#039;&#039;Gnothi Seautón&#039;&#039;, deutsch „Erkenne dich selbst“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für [[w:Sokrates|Sokrates]] (469 v. Chr. – 399 v. Chr.) ist Selbsterkenntnis die Bedingung für Sittlichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Eisler: [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Selbsterkenntnis?hl=sokrates+selbsterkenntnis &#039;&#039;Wörterbuch der philosophischen Begriffe.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Zeno.org.&#039;&#039; Band 2. Berlin 1904, S.&amp;amp;nbsp;354. Abgerufen am 15. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; So fordert er dazu auf, nicht den Fehler zu begehen, vor den Türen Anderer zu kehren und das Kehren vor der eigenen Tür zu vernachlässigen, wie es die meisten Menschen tun. Sowohl auf sich selbst als auch auf den Staat solle man achten und, wo möglich, etwas zu seiner Besserung beitragen.&amp;lt;ref&amp;gt; [https://projekt-gutenberg.org/authors/xenophon/books/xenophons-erinnerungen-an-sokrates/chapter/26/ &#039;&#039;Xenophons Erinnerungen an Sokrates. Buch 3, Kapitel 7.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Projekt Gutenberg.&#039;&#039; Verlag von Philipp Reclam jun. Abgerufen am 15. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[w:Immanuel Kant|Immanuael Kant]] sieht die moralische Selbsterkenntnis als oberste Pflicht gegenüber sich selbst, die er wegen der erforderlichen Anstrengungen auch als „Höllenfahrt“ bezeichnet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nur die Höllenfahrt des Selbsterkenntnisses bahnt den Weg zur Vergötterung.“&amp;lt;ref&amp;gt; Immanuel Kant: [http://www.zeno.org/Philosophie/M/Kant,+Immanuel/Die+Metaphysik+der+Sitten/Zweiter+Teil.+Metaphysische+Anfangsgr%C3%BCnde+der+Tugendlehre/I.+Ethische+Elementarlehre/I.+Teil.+Von+den+Pflichten+gegen+sich+selbst+%C3%BCberhaupt/Erstes+Buch.+Von+den+vollkommenen+Pflichten+gegen+sich+selbst/Zweites+Hauptst%C3%BCck.+Die+Pflicht+des+Menschen+gegen+sich+selbst,+blo%C3%9F+als+einem+moralischen+Wesen/2.+Abschnitt.+Von+dem+ersten+Gebot+aller+Pflichten+gegen+sich+selbst &#039;&#039;Die Metaphysik der Sitten. Zweiter Teil. Metaphysische Anfangsgründe der Tugendlehre.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Zeno.org.&#039;&#039; Band 8. Frankfurt am Main 1977, S.&amp;amp;nbsp;576–577. Abgerufen am 15. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Entwicklung der Mitmenschen beschreibt Goethe, wie essentiell die Haltung ist, die der Mensch zu seinem Gegenüber einnimmt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
: „Wenn wir […] die Menschen nur nehmen, wie sie sind, so machen wir sie schlechter; wenn wir sie behandeln, als wären sie, was sie sein sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind.“&amp;lt;ref&amp;gt; Johann Wolfgang von Goethe: [https://projekt-gutenberg.org/authors/johann-wolfgang-von-goethe/books/johann-wolfgang-von-goethe-wilhelm-meisters-lehrjahre/chapter/108/ &#039;&#039;Wilhelm Meisters Lehrjahre.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Projekt Gutenberg.&#039;&#039; Kapitel 108, 4. Goldmann Verlag 1990. Abgerufen am 15. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gesundheitliche Aspekte des Selbst ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Selbstheilungskräfte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Satz „[[w:Medicus curat, natura sanat|Medicus curat, natura sanat]]“ (Der Arzt behandelt, die Natur heilt), der [[a:Hippokrates|Hippokrates]] zugeschrieben wird, wurde noch im Mittelalter als wichtiger Grundsatz gesehen. Laut [[a:Rüdiger Dahlke|Rüdiger Dahlke]] habe sich an dieser Wahrheit auch bis heute nichts geändert, auch wenn die moderne Medizin häufig meine, dass sie diejenige sei, die den Menschen heilen könne. Hingegen wäre die richtige Aufgabe der Ärzte, „die Weichen zu stellen“ durch die verschiedenen medizinischen Maßnahmen und den Patienten Mut zu machen.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=C200d_IMkc0&amp;amp;t=96s Heilung ist immer Selbstheilung.]&#039;&#039; (1:36–3:00). In: &#039;&#039;tvberlin&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 12. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er plädiert dafür, den für seine große Wirkung bekannten Placebo-Effekt viel mehr einzusetzen, so gäbe es auch größere Heilserfolge.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=C200d_IMkc0&amp;amp;t=215s Heilung ist immer Selbstheilung.]&#039;&#039; (3:35-4:26).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass der menschliche Organismus nicht definitiv bestimmt ist von Seiten der genetischen Anlagen, zeigt der Fachbereich der [[w:Epigenetik|Epigenetik]] auf und eröffnet damit ein großes Feld der Möglichkeiten, wie der Mensch beispielsweise durch Veränderung seines Lebensstiles Einfluss auf seine Genetik nehmen kann.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=C200d_IMkc0&amp;amp;t=960s Heilung ist immer Selbstheilung.]&#039;&#039; (16:00–16:20).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neustrukturierung der Persönlichkeit durch Perspektivwechsel ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Kreis und Mittelpunkt (2).png|mini|290px|Es ist nicht unbedeutend, aus welcher Perspektive der Betrachter den Kreis wahrnimmt: ausgehend vom Mittelpunkt zur Peripherie oder von außen nach innen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinz Grill beschreibt, wie die Persönlichkeitsstruktur bei einem Großteil der Menschen geschwächt ist und er gewissermaßen sein Zentrum, seine gesunde Mitte verloren hat. Um diese wieder zu gewinnen, bzw. neu auszuformen, ist es laut Grill notwendig, nicht bei sich selbst, sondern in einer größeren, außenstehenden Perspektive anzusetzen. Durch Traumen fixiert sich der Mensch wie automatisch ängstlich an sein bisheriges Selbst. Jedoch könne die Mitte nicht „durch ein Suchen nach dem eigenen Vorteil und einer sicheren Stellung wiederentdeckt werden. Sie ist fast für alle Menschen verloren, so verloren wie noch nie in einer Zeitenperiode zuvor. Deshalb braucht die Menschheit durch geistige Disziplin eine Neuorientierung. Die geistige Aufrichtekraft, unabhängig von der traumatischen Situation, frei gewählt und ohne Beeinflussung durch Druckbelastungen von außen, wäre das Heilmittel der Zeit.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;[https://heinz-grill.de/willen-geist-gesundheit/ Geistschulung kann den Willen und die Gesundheit erbauen.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.&#039;&#039; Abgerufen am 12. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So empfiehlt Heinz Grill als Grundlage für einen wirklichen Neubeginn eine fundierte Meditations- und Konzentrationsarbeit, die nicht in einer persönlichen Innenversenkung haften bleibt, sondern geistig wertvolle Gedanken bis in eine konkrete Umsetzung führen lernt und damit maßgeblich zu einer Kulturerkraftung in der Zukunft beiträgt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schwächung des Selbst ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Depersonalisation ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sind die normalen Identifikationsprozesse beispielsweise durch Traumata gestört, kann es zu [[w:Identität|Identität]]skrisen kommen. Der Begriff [[w:Depersonalisation|Depersonalisation]] beschreibt das sich fremd Fühlen gegenüber der eigenen Person. Gedanken, Gefühle, Handlungen, Wahrnehmung, Erinnerung und der Körper oder Körperteile werden subjektiv als unwirklich und fremd erlebt. Die eigene Person nimmt man nicht als Einheit wahr. Damit verbunden ist meist die [[w:Derealisation|Derealisation]], ein Fremd- und Unwirklichkeitserleben gegenüber der äußeren Welt.&amp;lt;ref&amp;gt; [https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/glossar/?tx_dpnglossary_glossary%5Baction%5D=show&amp;amp;tx_dpnglossary_glossary%5Bcontroller%5D=Term&amp;amp;tx_dpnglossary_glossary%5Bterm%5D=24&amp;amp;cHash=e593305eda8944c8f1a17943d05d7069 &#039;&#039;Glossar: Detailansicht für den Begriff Depersonalisation.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Neurologen und Psychiater im Netz&#039;&#039;. Abgerufen am 27. Januar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Entselbstung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine systematische Vernichtung des Selbstes wurde beispielsweise während des Nationalsozialismus in den Konzentrationslagern betrieben. Die schrittweise stattfindende Dehumanisierung begann mit der Ankunft im Lager: den Einzelnen wurde ihre letzte Habe und Bekleidung genommen, sie wurden enthaart, ihres Namens beraubt und bekamen stattdessen eine Nummer eintätowiert. Viele der auszuführenden Arbeiten waren sinnlos und dienten somit ebenfalls der Selbstzerstörung. Dabei wird beschrieben, wie nicht nur von außen die selbstvernichtenden Maßnahmen auf die Gefangenen einwirkten, sondern in vielen Fällen die Vernichtung die Einzelnen auch von innen ergriff. Wie ausgehöhlt, apathisch, weder lebendig noch tot hatte der sogenannte „[[w:Muselmann (KZ)|Muselmann]]“ sein Mensch-sein aufgegeben.&amp;lt;ref&amp;gt; Kathrin Solhdju, Ulrike Vedder (Hrsg.): &#039;&#039;Das Leben vom Tode her. Zur Kulturgeschichte einer Grenzziehung.&#039;&#039; Wilhelm Fink, Paderborn 2015, ISBN 978-3-7705-5746-2, S.&amp;amp;nbsp;64–67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Perspektive ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklung des höheren Selbst stellt sich als Aufgabe für jeden Menschen. Das gewordene Selbst steht dem werdenden Selbst oftmals als Hindernis im Weg, da sich der Mensch mit seinen bisherigen Prägungen, Charaktereigenschaften und angeeignetem Wissen identifiziert und diese immer wieder neu hinterfragen und zugunsten neuer Lernschritte überwinden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Regel besitzt der Mensch ein Selbstbild, das entweder sehr kleinlich angesetzt ist oder zu einer Hybris tendiert. Dementsprechend existiert ein häufig zu beobachtendes Phänomen der Polarisierung, dass ein Mensch auf Kosten Anderer aufbaut oder aber von Anderen unterdrückt wird und Kräfte an diese abgibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entwickelt der Mensch eine gute berufliche Fachkunde oder gründet sich in einem Thema, stärkt dies sein gesundes Selbstgefühl. Kompensationen, wie beispielsweise die Suche nach Bestätigung oder emotionaler Verbindung aufgrund von Unsicherheiten weichen zurück und es können die Beziehungen über den Themenbezug sachlich und bewusst geführt werden. Konflikte in ihrer polaren und spaltenden Charakteristik verlieren an Schärfe und es eröffnet sich ein Raum für neue Perspektiven. So wird ein inhaltlich gut gegründeter Mensch zum Friedensstifter, der in seinem Umfeld und darüber hinaus verbindend wirkt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft.&#039;&#039; 44. Auflage. dtv, München 2017, ISBN 978-3-423-34234-6.&lt;br /&gt;
* Heinz Grill: &#039;&#039;Die Signaturen der Planeten und die seelisch-geistige Entwicklung in der Pädagogik.&#039;&#039; 1. Auflage, Lammers-Koll-Verlag, Radolfzell/Bodensee 2012, ISBN 978-3-935925-38-9.&lt;br /&gt;
* Hubertus Mynarek: &#039;&#039;Werte und Humanität. Ihre Bedeutung für das Werden der Persönlichkeit.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2021, ISBN: 978-9-488030-4-9.&lt;br /&gt;
* Ludwig Meindl: &#039;&#039;Der Mensch am Scheideweg.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2018, ISBN 978-3-9819041-4-7.&lt;br /&gt;
* Peter Selg: &#039;&#039;Die Kultur der Selbstlosigkeit.&#039;&#039; 3. Auflage. Verlag am Goetheanum, Dornach 2010, ISBN 978-3-7235-1419-1.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen|&#039;&#039;An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
* [[Hüter der Schwelle]]&lt;br /&gt;
* [[a:Ich|Ich]] in AnthroWiki&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie: Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:30px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;small&amp;gt;Dieser Artikel basiert teilweise auf den Artikeln [https://de.wikipedia.org/wiki/Selbst Selbst] aus [https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite Wikipedia DE] sowie [https://en.wikipedia.org/wiki/Self Self] aus [https://en.wikipedia.org/wiki/Main_Page Wikipedia EN] und steht unter der Lizenz [https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/ Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International.] Es ist jeweils eine Liste der Autoren in [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Selbst&amp;amp;action=history Wikipedia DE] und [https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Self&amp;amp;action=history Wikipedia EN] einsehbar.&amp;lt;/small&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=11886114X|LCCN=n/87/150769|VIAF=97867670}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Ahriman&amp;diff=13551</id>
		<title>Ahriman</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Ahriman&amp;diff=13551"/>
		<updated>2026-04-30T20:27:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Ahrimankopf.png|mini|310px|Der Kopf Ahrimans nach einer von [[Rudolf Steiner]] geschaffenen Skulptur]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Ahriman&#039;&#039;&#039; ist die mittelpersische Wortform des [[a:avestisch|avestischen]] Namens &#039;&#039;&#039;Angra Mainyu&#039;&#039;&#039;, „zerstörerischer Geist, böser Geist.“ Nach der [[a:Urperser|urpersischen]] Überlieferung ist Angra Manyu der Zerstörer, der sich als Widersacher dem lichten Gott [[a:Ahura Mazdao|Ahura Mazdao]] (Ormuzd) entgegenstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Goethesche [[a:Mephistopheles|Mephistopheles]] (von hebräisch &#039;&#039;mephiz&#039;&#039; „der Verderber“ und &#039;&#039;tophel&#039;&#039; „der Lügner“) ist die Gestalt des Ahrimans,&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Menschenkunde.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;107. 5. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1070-1, S.&amp;amp;nbsp;172. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_107.pdf#page=172&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt; ebenso der [[a:Satan|Satan]] der Bibel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] (1861–1925) entwickelte die Bedeutung des Begriffs in Bezug auf die Entwicklung des Menschen weiter und brachte Ahriman mit der Bindung an die sterblichen Sinne und die physische Wirklichkeit in Verbindung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://heinz-grill.de/ahriman-inkarnation-angst/ &#039;&#039;Die Verkörperung Ahrimans – Teil 1.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.&#039;&#039; Abgerufen am 28. Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen des Ahriman zeigt sich in verschiedenen Formen. Er wirkt im Menschen auf den Verstand mit schädlicher Überspitzung, sodass dieser sich im mehr materialistisch-technischen Denken fixiert und sich immer mehr in seine Leiblichkeit bindet. Sein Wesen der Versuchung zur Weltanhaftung und triebhaften Begierde verstrickt den Menschen in ein Spinnennetzwerk von Lügen in der Welt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Geisteswissenschaftliche Forschungen erwarten eine Inkarnation Ahrimans in der gegenwärtigen [[a:Germanisch-Angelsächsische Kultur|Kulturepoche]]. Dies könnte auf eine einzelne Person bezogen geschehen oder in einer Vereinnahmung ganzer Scharen von Menschen eintreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wortbedeutung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Angra Mainyu als Gegenteil von Spenta Mainyu ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Text-pal-Ahlmn&#039;-ahreman.png|mini|Das mittelpersische Wort &#039;&#039;ʾhlmn&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;Ahreman&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Angra&#039;&#039; ist das Gegenteil von &#039;&#039;Spenta&#039;&#039; (auch &#039;&#039;Sepanta&#039;&#039;), weshalb die Übersetzung von Angra Mainyu stark abhängig von der Übersetzung von [[w:Spenta Mainyu|Spenta Mainyu]] ist. &#039;&#039;Mainyu&#039;&#039; bedeutet in etwa „Geist, Gedanke, Vorstellung“; &#039;&#039;Spenta&#039;&#039; wird unter anderem als „aufbauend, freigebig, heilig“ übersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spenta Mainyu ist somit der Geist der Vermehrung und Angra Mainyu der Geist des Widerstands. Diese Ur-Geister (als Vergegenwärtigung der freien Entscheidungskraft des Gewissens und des Gedankens ansehbar) wählen gemäß &#039;&#039;[[w:Yasna|Yasna]]&#039;&#039; (30,3-5) frei zwischen einander entgegengesetzten Prinzipien, so zwischen &#039;&#039;Ascha&#039;&#039; (&#039;&#039;asha-&#039;&#039;) und &#039;&#039;Drudsch&#039;&#039; (&#039;&#039;druj-&#039;&#039;), Ordnung und Nicht-Ordnung, Leben und Nicht-Leben. Ursprünglich stand Angra Mainyu dem Spenta Mainyu gegenüber.&amp;lt;ref&amp;gt;Antonio Panaino: &#039;&#039;Religionen im antiken Iran.&#039;&#039; In: Wilfried Seipel (Hrsg.): &#039;&#039;7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran.&#039;&#039; Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S.&amp;amp;nbsp;22–29, hier: S.&amp;amp;nbsp;26&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Antonym könnte Angra Mainyu somit als „zerstörerischer Geist“ übersetzt werden. Dies ist auch häufig der Fall, denn die Idee des Zerstörerischen steht stellvertretend für einen Aspekt der Kernphilosophie des Zoroastrismus: die Verwicklung des Universums in einen Kampf zwischen &#039;&#039;ascha&#039;&#039; („Wahrheit, Ordnung, Sein, Existenz“) und &#039;&#039;drudsch&#039;&#039; („Lüge, Chaos, Zerstörung des Seins“).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprachentwicklungsbedingt wandelte sich das avestische Angra Mainyu zu mittelpersisch Ahriman (mittelpersisch &#039;&#039;ʾhlmn&#039;, Ahreman&#039;&#039;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Im Avesta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Ahura mazda representación.gif|mini|345px|[[w:Faravahar|Faravahar]] symbolisiert die drei Grundprinzipien des [[w:Zoroastrismus|Zoroastrismus]]: Gutes Denken, gutes Sprechen und gutes Tun.&amp;lt;br&amp;gt;Die beiden Schleifen symbolisieren Spenta Mainyu (zum Gesicht gerichtet) und Angra Mainyu (zum Rücken gerichtet).]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[w:Gathas|Gathas]] umfassen fünf Hymnen aus der [[w:Zoroastrismus|zoroastrischen]] mündlichen Tradition der [[w:Avesta|Avesta]]. Das älteste erhaltene Textfragment der Gathas stammt aus dem Jahre 1323. Der Begriff Angra Mainyu kommt in den Gathas nur ein einziges Mal vor. In &#039;&#039;Yasna&#039;&#039; 45.2 ist der Begriff, wie die meisten anderen Begriffe der Gathas auch, nur ein reguläres Adjektiv-Nomen-Paar. Hier wird Angra Mainyu vom „Freigiebigen der beiden“ (Spenta Mainyu) als Widersacher in allen Belangen deklariert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein ähnlicher Ausdruck erscheint auch an anderer Stelle in den Gathas, aber dort ist nicht Angra Mainyu, sondern Aka Mainyu („böser Geist“) der Widersacher Spenta Mainyus. An weiteren Stellen wird vom &#039;&#039;akem manah&#039;&#039; „böses Denken“ und vom &#039;&#039;daebaaman&#039;&#039; „Betrüger“ gesprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erst im jüngeren Avesta ist Angra Mainyu eindeutig Stellvertreter des Zerstörerischen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während in den älteren Texten des jüngeren Avesta noch Angra Mainyu und Spenta Mainyu sich bekriegen, wandelt sich die Situation schlagartig in der [[w:Avesta#Der_Vendidâd|&#039;&#039;Vendidâd&#039;&#039;]]. In diesen sehr späten Texten der &#039;&#039;Vendidâd&#039;&#039; 1 (4.&amp;amp;nbsp;Jahrhundert v.&amp;amp;nbsp;Chr.) wird der Kampf nicht mehr von Angra Mainyu und Spenta Mainyu ausgetragen, sondern von Angra Mainyu und lichten Gott [[a:Ahura Mazdao|Ahura Mazdao]] (Ormuzd).&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. auch Antonio Panaino: &#039;&#039;Religionen im antiken Iran.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;27&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies belegt ein Zitat des [[a:Aristoteles|Aristoteles]] bei [[w:Diogenes Laertios|Diogenes Laertios]] (1.6), in dem die Widersacher Ariemanios und Oromazdes genannt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ahriman im Schāhnāme ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Shah Namah, the Persian Epic of the Kings Wellcome L0035183.jpg|mini|[[w:Faramarz|Faramarz]] tötet einen ahrimanischen [[w:Diw|Diw]]. Persische Miniaturmalerei aus &#039;&#039;Schāhnāme&#039;&#039;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [[w:Schāhnāme|&#039;&#039;Schāhnāme&#039;&#039;]], Lebenswerk des persischen Dichters [[w:Firdausi|Firdausī]] (940/41–1020) und gleichzeitig Nationalepos der persischsprachigen Welt, bildet Ahriman den Gegenspieler und Feind der Könige und Helden. Er gebietet über eine Schar dienstbarer Geister, Dewen oder [[w:Diw|Diws]] genannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der zentralen Bedeutung Ahrimans als dem Repräsentanten des Bösen entsprechend, führt Firdausi ihn bereits in der ersten Sage von &#039;&#039;Schāhnāme&#039;&#039; über [[w:Gayomarth|Gayomarth]] ein:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Kein Feind lebt’ ihm auf der Erdenflur&lt;br /&gt;
Als heimlich ein arger Ahriman nur.“&amp;lt;ref&amp;gt;Friedrich Rückert (Übersetzer): &#039;&#039;Firdosi’s Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII.&#039;&#039; Georg Reimer, Berlin 1890, [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n60/mode/2up S.&amp;amp;nbsp;4.]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Firdausi spricht ohne Umschweife den Grundkonflikt der iranischen Mythologie zwischen Gut und Böse an, vertreten durch den Schah und Ahriman. Ahrimans Sohn will den Sohn des Schahs, [[w:Sijamak (Mythologie)|Sijamak]], töten, um sich so der Herrschaft über die Welt zu bemächtigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Schwarz war die Welt vor des Dewsohns Blick&lt;br /&gt;
Über des Schahs und Sijamek&#039;s Glück.&lt;br /&gt;
[…]&lt;br /&gt;
Des Schahsohns Leib warf er auf den Grund,&lt;br /&gt;
Und macht ihm mit Klauen die Weichen wund.&lt;br /&gt;
Vom grimmigen Feind war des Lebens beraubt&lt;br /&gt;
Sijamek, und das Volk ohne Haupt.“&amp;lt;ref&amp;gt;Friedrich Rückert: &#039;&#039;Firdosi&#039;s Königsbuch.&#039;&#039; [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n60/mode/2up S.&amp;amp;nbsp;4&amp;amp;nbsp;f.]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Ende gelingt es [[w:Huschang Schah|Huschang]], dem Sohn von Sijamak, den Vater zu rächen, den Sohn Ahrimans zu töten und sich Herrschaft und Thron in Iran zu sichern:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die Hand schwang wie ein Löw Hoscheng,&lt;br /&gt;
Die Welt macht&#039; er dem Dewen eng.&lt;br /&gt;
Er zog ihm von Kopf zu Fuß in den Riem,&lt;br /&gt;
Abschnitt er das Haupt ohn&#039; gleichen ihm;&lt;br /&gt;
Warf ihn zu Boden und trat in kraus,&lt;br /&gt;
Sein Fell war zerrissen, mit ihm war&#039;s aus.&amp;lt;ref&amp;gt;Friedrich Rückert: &#039;&#039;Firdosi&#039;s Königsbuch.&#039;&#039; [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n62/mode/2up S.&amp;amp;nbsp;7.]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dieser Niederlage Ahrimans verschwindet das Böse allerdings nicht aus der Welt. Auch in den folgenden Sagen wird Ahriman seine niederträchtigen Pläne umzusetzen versuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wesensmerkmale ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Menschheitsrepräsentant.jpg|mini|&#039;&#039;Menschheitsrepräsentant&#039;&#039; (Rudolf Steiner)&amp;lt;br&amp;gt;Christus in der Mitte zwischen Luzifer und Ahriman (unten)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[a:Anthroposophie|Anthroposophie]] sieht in Ahriman ein Wesen, das in schädlicher Überspitzung des materialistisch-technischen Verstandes den Gegenpol zum rauschhaft schwelgenden, weltflüchtigen [[a:Luzifer|Luzifer]] bildet. Der Mensch müsse in sich mit der Hilfe des Christus die Mitte zwischen den beiden Wesen und deren Qualitäten halten. [[Rudolf Steiner]], der Begründer der Anthroposophie, drückte dies in seiner Holzplastik [[a:Menschheitsrepräsentant|&#039;&#039;Menschheitsrepräsentant&#039;&#039;]] aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman ist ein Geist, der begabt ist mit einer die menschliche Fassungskraft übersteigenden, durchdringenden aber kalten [[a:Intelligenz|Intelligenz]], die er jedoch begierig in sich verschließt. Im Gegensatz zu Luzifer erscheint er daher als der Geist der Finsternis und der Widermächte, welcher der Menschenseele den Zugang zur seelisch-geistigen Welt verdunkeln und versperren möchte, um ihr Bewußtsein immer mehr an die physische Leiblichkeit zu ketten und einzuschränken.&amp;lt;ref&amp;gt;Walter Bühler: &#039;&#039;Anthroposophie als Forderung unserer Zeit.&#039;&#039; Kapitel 10: &#039;&#039;Das Rätsel des Bösen. Luzifer und Ahriman.&#039;&#039; Oratio Verlag, 2003, ISBN 978-3-7214-0589-7, S.&amp;amp;nbsp;137&amp;amp;nbsp;ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Form der verführerischen Kräfte des Ahriman wirkt auf die bereits sehr verbreitete Stimmung unter den Menschen, dass es genügt, wenn im öffentlichen Leben dafür gesorgt wird, dass die Menschen wirtschaftlich zufriedengestellt werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Je mehr es gelingen würde, die Menschen aufzurütteln, daß sie nicht bloß wirtschaften im materiellen Sinne, sondern ebenso wie das Wirtschaftsleben auch das selbständige freie Geistesleben, das den wirklichen Geist hat, als ein Glied des sozialen Organismus betrachten, in demselben Maße würden die Menschen die Inkarnation Ahrimans so erwarten, daß sie eine menschheitsgemäße Stellung zu dieser Inkarnation würden einnehmen können.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. &#039;&#039;GA 191. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, ISBN 3-7274-1910-5, S.&amp;amp;nbsp;202. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_191.pdf#page=202&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die heutige offizielle Wissenschaft bietet nichts für eine wirkliche Erkenntnis des Geistes und der Seele. Sie ist allein darauf ausgerichtet, die äußere sichtbare Natur der Dinge aufzufassen. Es steht das Nutz- und Gewinnprinzip in der Mitte und eine Auseinandersetzung mit dem Geistigen und der Seele erscheint unsinnig oder unnütz für den Menschen. Dies bietet eine Nährboden für die Absichten Ahrimans.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ahriman arbeitet darauf hin, dass der Mensch durch den ausschließlichen Gebrauch des Intellekts das Wissen verliert, dass er als geistig-seelisches Wesen nicht trennbar ist von seinem Leib:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn man menschliche Ausdrücke auf göttliches Wollen anwenden möchte, so möchte man sagen: Ahriman wartete mit Sehnsucht auf den Augenblick, wo er in das menschliche Bewußtsein mit seiner Macht eindringen konnte. Nun wurde er überrascht davon, daß er früher nicht gewußt hat, daß ein göttlicher Entschluß vorlag, ein Wesen auf die Erde zu senden, den Christus, der durch den Tod ging. Dadurch war zwar das Eingreifen des Ahriman möglich, aber seiner eigentlichen Herrschaft war die Spitze abgebrochen. Seit jener Zeit benützt Ahriman jede Gelegenheit, um die Menschen zum bloßen Gebrauche des Intellektes zubringen; Ahriman hat noch heute die Hoffnung nicht aufgegeben, daß es ihm gelingen werde, die Menschen zum bloßen Gebrauch ihres Intellektes zu bringen. Was würde das bedeuten? Wenn es Ahriman gelingen könnte, den Menschen die Überzeugung restlos beizubringen, so daß jede andere Überzeugung von der Erde hinschwinden würde, daß der Mensch nur in seinem Leibe leben kann, daß er nicht trennbar ist als geistig-seelisches Wesen von seinem Leibe, so würde die menschliche Seele so ergriffen werden von der Todesidee, daß Ahriman leicht seine Pläne verwirklichen könnte. Darauf hofft Ahriman immer.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung. &#039;&#039;GA 211. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1986, ISBN 3-7274-2110-X, S.&amp;amp;nbsp;111. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_211.pdf#page=111&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiner beobachtete 1915, dass man das ahrimanische Element am stärksten in Amerika finde. Er sah auch die Tendenz in der Entwicklung dieser Kultur, dass die Sehnsucht immer mehr wächst, die Geister sichtbar zu machen, selbst da, wo nach Spiritualität, nach Geistigem gestrebt wird. Nach und nach werde das ahrimanische Element auch den Westen Europas ergreifen und seine Mission erfüllen, sich in die Kultur einzuführen.&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Das Geheimnis des Todes. Wesen und Bedeutung Mitteleuropas und die europäischen Volksgeister. &#039;&#039;GA 159. 2.&amp;amp;nbsp;durchgesehene Auflage, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1980, ISBN 3-7274-1590-8, S.&amp;amp;nbsp;236. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_159.pdf#page=236&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;[[Datei:Industrial Cobweb 5676.jpg|mini|Die Anhaftung an Ahriman zeigt sich in einem Spinnennetz von Lügen. (Heinz Grill)]]&lt;br /&gt;
[[a:Heinz Grill|Heinz Grill]], Begründer des geistigen Schulungsweges &#039;&#039;Neuer Yogawille&#039;&#039;, arbeitet heraus, dass sich die Anhaftung an Ahriman in einem Spinnennetz von Lügen zeige, das den Menschen in ein klebriges Gefesseltsein bringe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Esoterisch und gemäß der anthroposophischen Lehre würde man sagen, dass die Wesenheit der Versuchung zur Weltanhaftung und triebhaften Begierde mit Ahriman benannt wird. So sprechen viele Personen in anthroposophischen Zweigen von der Inkarnation Ahrimans. Die Anhaftung in diese Sphäre, die die dunkle Wesensgestalt gibt und die sie schließlich wie ein Spinnennetzwerk von Lügen immer weiter auf den Menschen wirft, den sie in ihr klebriges Gefesseltsein bringt, ist typisch für die Wesenheit Ahrimans.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;[https://heinz-grill.de/2022-gedanke-geist-vernunft-prognose/ &#039;&#039;Der Abstieg der Dunkelheit bis in das Innere des Menschen.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.&#039;&#039; Abgerufen am 29. Januar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Goethe-Wörterbuch&#039;&#039; wird Ahriman mit der ewigen geistigen Finsternis gleichgesetzt. Trotzdem soll er die Farben, die aus der Finsternis entsprungen sind, selbst ausgeströmt haben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es sind aus der Finsterniß, mit der weißen Farbe der Kälte, alle Farben des Lichts und des Feuers entsprungen, und selbst der böse Ariman, die ewige geistige Finsterniß, soll die Farben ausgeströmt haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://woerterbuchnetz.de/?sigle=GWB&amp;amp;lemid=A01445 Ahriman.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Goethe Wörterbuch.&#039;&#039; Abgerufen am 15. Januar 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Wesen von Ahriman wird im &#039;&#039;Herders Conversations-Lexikon&#039;&#039; als der Schöpfer aller schädlichen Pflanzen und Tiere beschrieben. Er verführte auch die Menschen zum Abfall von Ormuzd, dem Schöpfergott in der Religion der Perser. „Am Ende der Zeit aber wird er sammt den Dews besiegt und mit Ormudzd versöhnt und verschwindet mit demselben im allgemeinen Weltuntergange, wo nur das Urwesen, aus dem alles hervorgegangen, Zeruane Akarene, übrig bleibt.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://woerterbuchnetz.de/?sigle=Herder&amp;amp;lemid=A00890 Ahriman.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Herders Konversations-Lexikon.&#039;&#039; 1. Auflage, 1854–1857. Abgerufen am 15. Januar 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Überwindung bzw. Nutzung von Ahriman ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Ahriman Mysteriendrama.jpg|mini|Ahriman in einer Inszenierung von [[Rudolf Steiner]]s Mysteriendrama [[a:Die Pforte der Einweihung|&#039;&#039;Die Pforte der Einweihung&#039;&#039;]] am Goetheanum in Dornach]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Zitat|Die Erlösung des Ahriman geschieht durch das Denken.|Rudolf Steiner&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Aus den Inhalten der esoterischen Stunden.&#039;&#039; GA&amp;amp;nbsp;266c. 1. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1998, ISBN 3-7274-2663-4, S.&amp;amp;nbsp;168–169. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_266c.pdf#page=168&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Fehlt das Vertrauen, Solidität,&lt;br /&gt;
in die Blüte des Gedankens,&lt;br /&gt;
stört Ahriman, die zersetzende Angst,&lt;br /&gt;
bald schnell, dramatisch, leidvoll klagend&lt;br /&gt;
den friedvollen Glanz unschätzbarer Reinheit,&lt;br /&gt;
verdunkelt das Sternlein am blassen Horizont,&lt;br /&gt;
nimmt hinweg den lichten Wagemut,&lt;br /&gt;
des Denkens Blüte kreative Kraft.&lt;br /&gt;
Oh! Wie leicht ist der Erfolg zerstört.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Heinz Grill&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die goldene Lichtgestalt im Kosmos.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, ISBN 978-3-941995-54-3, S.&amp;amp;nbsp;3.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parteimeinungen und Parteilebensauffassungen müssen überwunden werden, da sie die Absichten Ahrimans fördern. Rudolf Steiner drückt aus, dass bei sich gegenüberstehenden parteilichen Standpunkten immer die eine so gut bewiesen werden kann wie die andere. „Sie können ebensogut beweisen dasjenige, was irgendeine sozialistische Partei vertritt, wie das, was eine antisozialistische Partei vertritt, mit gleich guten Gründen, die dann die Menschen in Anspruch nehmen.“ Es sei für den Menschen nicht einzusehen, dass diese Beweisart so weit an der Oberfläche liege, dass sie für eine tiefere Erkenntnis, was geistiges Leben ist, unbrauchbar ist.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt; Die Folgen spielen den Absichten Ahrimans in die Karten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Dann werden sie das Entgegengesetzte beweisen, der eine dieses, der andere jenes, die eine Gruppe dieses, die andere Gruppe jenes; und da man beides beweisen kann, so werden die Menschen übergehen zu Haß und Erbitterung, die wir ja genügend in unserer Zeit finden. Das alles sind wiederum Dinge, die Ahriman fördern will zur Förderung seiner eigenen Erdeninkarnation.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;202–203. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_191.pdf#page=202&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinz Grill regt eine wirklichkeitsgemäße und sachliche Auseinandersetzung mit dem Bösen an, denn sie dient dem Menschen, um hoffnungsvolle Perspektiven zu entwickeln. Richtet sich der Mensch intensiv auf Ideale aus und studiert er gleichzeitig die Widersachermächte bis in die Tiefe des Keimgrundes ihres untergründigen Weltendaseins, so kann er ein gewisses Gegengewicht zu den Untergangsstimmungen legen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:4&amp;quot; /&amp;gt; Dies drückt das Bemühen aus, Ahriman zu erkennen. Nach den Forschungen von Heinz Grill ist es ratsam, Ahriman zu beobachten und zu erkennen, keinesfalls aber gegen ihn anzukämpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wer Ahriman kennt, wird ihn deshalb aus Weisheit niemals angreifen, wer ihn aber nicht kennt, konfrontiert ihn und verbindet sich auf unsolide Weise mit ihm. Das geeignete Mittel gegenüber Ahriman ist, ihn zu beobachten und zu erkennen, aber nicht gegen ihn anzukämpfen.&amp;quot;&amp;lt;ref name=&amp;quot;:4&amp;quot;&amp;gt;[https://heinz-grill.de/ahriman-inkarnation-mensch/ &#039;&#039;Die Verkörperung Ahrimans – Teil 2.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.&#039;&#039; Abgerufen am 28. Dezember 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Faust I (Goethe) 086.jpg|mini|Seite 86 aus Faust I]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[a:Faust|&#039;&#039;Faust, der Tragödie erster Teil&#039;&#039;]] lässt Johann Wolfgang von Goethe den [[a:Mephistopheles|Mephistopheles]] ausdrücken, dass er ein Teil jener Kraft sei, die das Böse will, aber das Gute schafft. Das drückt indirekt aus, dass der Mensch die böse Kraft nutzen kann:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„[Ich bin] ein Theil von jener Kraft,&lt;br /&gt;
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft. […]&lt;br /&gt;
Ich bin der Geist der stets verneint!&lt;br /&gt;
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht&lt;br /&gt;
Ist werth, daß es zugrunde geht;&lt;br /&gt;
Drum besser wär’s, daß nichts entstünde.&lt;br /&gt;
So ist denn alles was ihr Sünde,&lt;br /&gt;
Zerstörung, kurz das Böse nennt,&lt;br /&gt;
Mein eigentliches Element.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|[[a:Johann Wolfgang von Goethe|Johann Wolfgang von Goethe]]&amp;lt;ref&amp;gt;[https://de.wikisource.org/wiki/Faust_-_Der_Tragödie_erster_Teil &#039;&#039;Faust - Der Tragödie erster Teil.&#039;&#039;] Nr. 1335–1340. In: &#039;&#039;Wikisource.&#039;&#039; Abgerufen am 31. Januar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus geistiger Sicht wird es nach den Forschungen von Heinz Grill für die Menschen in der Zukunft keinen Führer, keinen Lehrer, keinen Meister oder eine besondere Autoritäts&amp;amp;shy;person geben, der sie in einer neuen religiösen Bewegung oder in der Politik anführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt; Seine Worte drücken eine ernste Situation aus, die Ahriman herbeiführt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die ahrimanische Kraft zerstört den Menschen bis in die Tiefe hinein und, wenn sich der Mensch aus dieser Zerstörung aufrichten möchte, bedarf es seiner ganzen Eigen&amp;amp;shy;ständigkeit und seiner mutigen Bewusstseinserkraftung.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Inkarnation Ahrimans ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Ahriman Modell.jpg|mini|310px|Abguss des Modells für Ahriman der Statue &#039;&#039;Menschheitsrepräsentant&#039;&#039; (Rudolf Steiner)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf Steiners arbeitete heraus, dass vor dem Ablauf des 3. Jahrtausends der nach&amp;amp;shy;christlichen Zeit Ahriman im Westen zu einer wirklichen Inkarnation kommen wird. Ahriman sie diejenige Macht, die den Menschen nüchtern, prosaisch, philiströs mache, den Menschen verknöchere und den Menschen zum Aberglauben des Materialismus bringe.&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Der innere Aspekt des sozialen Rätsels. Luziferische Vergangenheit und ahrimanische Zukunft.&#039;&#039; GA 193. 4.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1889, ISBN 3-7274-1930-X, S.&amp;amp;nbsp;165. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_193.pdf#page=165&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um erfolgreich auf der Erde inkarnieren zu können, lenkt die Wesenheit Ahriman seine Kräfte in der menschlichen Entwicklung so, dass die Menschen zu seinem Vorteil auf sein Wirken eingestimmt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Und schlimm wäre es, wenn die Menschen schlafend dahinleben würden und gewisse Erscheinungen, die im Menschenleben vor sich gehen, nicht so nehmen würden, daß sie in ihnen erkennen können eine Vorbereitung für die fleischliche Inkarnation des Ahriman. Nur dadurch werden die Menschen die rechte Stellung finden, daß sie erkennen: In dieser oder jener Tatsachenreihe, die der menschheit&amp;amp;shy;lichen Entwickelung angehört, muß man erkennen, wie Ahriman vorbereitet sein irdisches Dasein. Und heute ist es an der Zeit, daß einzelne Menschen wissen, welche von den Vorgängen, die um sie herum sich abspielen, Machinationen Ahrimans sind, die – ihm zum Vorteil – seine demnächstige irdische Inkarnation womöglich vorbereiten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;199. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_191.pdf#page=199&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus seinen Forschungen zur Inkarnation Ahrimans bezieht Heinz Grill, der aus bestimmten anthroposophischen Kreisen selbst als Inkarnation Ahrimans bezeichnet wird, den Standpunkt, dass es sich nicht mit Gewissheit sagen lasse, „ob die Inkarnation Ahrimans eine einzelne Person betreffe oder ob sie ganze Scharen von Menschen vereinnahme. Manche behaupten, dass die künstliche Intelligenz eine unmittelbare Offenbarung Ahrimans sei und andere wieder definieren Personen, die die Physiognomie Ahrimans und das Charakterverhalten mit allen amoralischen Offenbarungen, die es nur gibt, erfüllen.“ Aus seiner Sicht setze die Anthroposophie mit Spekulationen über die Inkarnation Ahrimans mehr Angst frei, als wirkliche Aufklärung der tieferen Umstände und deren logischen Zusammenhänge zu geben. „Die Angst, die sich bei den Anthroposophen und bei vielen anderen bereits bis in die Glieder hineingesetzt hat, generiert nach außen hin eine ganze Reihe von irrationalen Handlungsinitiativen, die zuletzt in ihrer gesamten Folgewirkung einen Umstand erzeugen, der jede Türe zu einer wesenhaften Erkenntnis und geistigen Wahrheit verschließt.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel [[a:Ahriman|Ahriman]] in AnthroWiki&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften&lt;br /&gt;
* [[Grundlagen der Meditation]]&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie: Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ulrich Hannemann (Hrsg.): &#039;&#039;Das Zend-Avesta.&#039;&#039; Band 1: &#039;&#039;Allgemeiner Teil.&#039;&#039; Überarbeitete Neuauflage der Ausgabe von 1776. Weißensee-Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-89998-199-5.&lt;br /&gt;
* Firdausi: &#039;&#039;Geschichten aus dem Schahnameh&#039;&#039; (= &#039;&#039;Diederichs Taschenausgaben.&#039;&#039; 21.) Ausgewählt und übertragen von Uta von Witzleben. Eugen Diederichs, Düsseldorf 1960, S.&amp;amp;nbsp;13&amp;amp;nbsp;ff.&lt;br /&gt;
* Rudolf Steiner: &#039;&#039;Geisteswissenschaftliche Menschenkunde.&#039;&#039; GA 107. 5. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1070-1.&lt;br /&gt;
* Rudolf Steiner: &#039;&#039;Der innere Aspekt des sozialen Rätsels. Luziferische Vergangenheit und ahrimanische Zukunft.&#039;&#039; GA 193. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1889, ISBN 3-7274-1930-X.&lt;br /&gt;
* Walter Bühler: &#039;&#039;Anthroposophie als Forderung unserer Zeit.&#039;&#039; Kapitel 10: &#039;&#039;Das Rätsel des Bösen. Luzifer und Ahriman.&#039;&#039; Oratio Verlag, 2003, ISBN 978-3-7214-0589-7.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Ahriman}}&lt;br /&gt;
{{Normdaten|TYP=p|GND=118898418|VIAF=13105906}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Surya_Namaskar&amp;diff=13550</id>
		<title>Surya Namaskar</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Surya_Namaskar&amp;diff=13550"/>
		<updated>2026-04-30T18:21:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Methode und Ausführungen des Sonnengebets */ Kürzung der Überschrift&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Surya_Namaskar_sculpture_at_IGIA_T3_(cropped).jpg|mini|350px|Surya Namaskar, Skulptur am Flughafen von Neu-Delhi]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Stamp_of_India_-_2016_-_Colnect_627074_-_Surya_Namaskar.jpeg|mini|Indische Briefmarke, Surya Namaskar]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Surya Namaskar&#039;&#039;&#039;, deutsch &#039;&#039;&#039;Sonnengruß&#039;&#039;&#039; oder &#039;&#039;&#039;Sonnengebet&#039;&#039;&#039;, ist ein Zyklus aus meistens zwölf einzelnen Positionen, die ineinander übergehen und eine Runde bilden. Es wird in der Yogapraxis am Anfang einer Übungsreihe praktiziert und dient mit seinen dynamischen zwölf Bewegungen der rhythmischen Erwärmung des Körpers, sodass sich dieser für die weiteren oftmals dehnkräftigen Übungen ausgleichend tonisiert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: [https://heinz-grill.de/surya-namaskara/ &#039;&#039;Das Sonnengebet – surya namaskara.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.&#039;&#039; Abgerufen am 26. Februar 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es stellt eine unerlässliche Aufwärmübung für jede Yogastunde dar und bereitet den Körper optimal auf die Asanapraxis vor.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Surya_Namaskar &#039;&#039;Surya Namaskar.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Name ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Surya%2C_Indian_Museum.jpg|mini|Surya (hinduistischer Sonnengott), Basaltstatue aus dem 10. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Surya Namaskara (Sanskrit सूर्यनमस्कार, IAST &#039;&#039;sūryanamaskāra&#039;&#039;) oder Surya Namaskar (Hindi, IAST &#039;&#039;sūryanamaskār&#039;&#039;) setzt sich aus den Wörtern Surya (Sanskrit सूर्य, IAST &#039;&#039;sūrya&#039;&#039;, „Sonne“)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=sUrya&amp;amp;dir=se Suchbegriffe für „sUrya“.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 30.&amp;amp;nbsp;April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und Namaskara (Sanskrit नमस्कार, IAST &#039;&#039;namaskāra&#039;&#039;, „Gruß“)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=namaskAra&amp;amp;dir=se Suchbegriffe für „namaskAra“.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 30. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Deutsch wird Surya Namaskar als „Sonnengruß“ oder „Sonnengebet“ bezeichnet. Es trägt diesen Namen, da es als eine meditativ-körperliche Übung am frühen Morgen mit dem Gesicht nach Osten zur aufgehenden Sonne ausgeführt wurde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt.&#039;&#039; Band 3 aus der Reihe: &#039;&#039;Initiatorische Schulung in Arco.&#039;&#039; 2. Auflage. Lammers-Koll-Verlag, Niefern-Öschelbronn 2008, ISBN 978-3-935925-70-9, S.&amp;amp;nbsp;38.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte und Entstehung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Ursprung des Sonnengebets gibt es unterschiedliche Sichtweisen. Diskutiert wird, ob es aus alter spiritueller Praxis, anderer Tradition oder aus sportlichen Disziplinen stammt. Nach anthropologischer Forschung findet das Sonnengebet vor dem 19. Jahrhundert keine Erwähnung in einer Hatha Yoga Schrift.&amp;lt;ref&amp;gt;Joseph S.&amp;amp;nbsp;Alter: &#039;&#039;Yoga in modern India: the body between science and philosophy.&#039;&#039; Princeton University Press, 2004, ISBN 978-0-691-11874-1, S.&amp;amp;nbsp;23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Angaben des Sivananda Yoga Zentrums wird in der Hindu-Mythologie der Sonnengott als Symbol der Gesundheit und eines langen Lebens verehrt. In der [[w:Rigveda|Rigveda]] heißt es: „Surya ist die Seele aller bewegten und unbewegten Dinge.“ Das Sonnengebet soll sich aus einer Reihe von Gebetshaltungen an die Sonne entwickelt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Sivananda Yoga Zentrum: &#039;&#039;Yoga.&#039;&#039; 7. Auflage. Mangalam Books, Lautersheim 2008, ISBN 978-3-922477-40-2, S.&amp;amp;nbsp;34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Vishnudevananda]] führt aus, dass die Sonne als Gottheit für Gesundheit und ein langes Leben angesehen wird. In alten Zeiten sei diese Übung täglicher Brauch der täglich vollzogenen spirituellen Praktiken gewesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;Swami Vishnudevananda: &#039;&#039;Das große illustrierte Yogabuch.&#039;&#039; 18. Auflage. Aurum Verlag, Kamphausen 2019, ISBN 978-3-89901-183-8, S.&amp;amp;nbsp;86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Sonnen-Tradition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Konark_Sun_Temple_on_a_October_morning_in_2024.png|mini|Sonnentempel von Konark in Odisha (Indien) aus dem 13. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Sonne anzubeten und zu verehren, war eine der ersten und natürlichsten geistigen Ausdrucksformen des Menschen.“ In der vedischen Tradition gibt es zahlreiche Verse, die sich auf die Sonne beziehen. So heißt es in der Rigveda:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die Tilgerin aller Schwachheit,&lt;br /&gt;
Heilerin aller Krankheit,&lt;br /&gt;
Herrin über alles, das geht und steht.&lt;br /&gt;
Sie erschlägt die Dämonen&lt;br /&gt;
Und behütet die Verehrer.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:SatSar&amp;quot;&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Surya Namaskara.&#039;&#039; 3. Auflage. Ananda Verlag, Ratzeburg 2018, ISBN 978-3-947908-01-1, S.&amp;amp;nbsp;4–6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der [[w:Brihadaranyaka-Upanishad|Brihadaraanyaka Upanishad]] steht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„O Herr und Wesen des Lichtes,&lt;br /&gt;
führe mich vom Unwirklichen zum Wirklichen,&lt;br /&gt;
von der Dunkelheit ins Licht,&lt;br /&gt;
vom Tod zur Unsterblichkeit.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:SatSar&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sinnbild des Sonnengebets ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Trick_to_remember_Surya_Namaskar_Mantra.gif|mini|410px|Die 12 Positionen im Sonnengebet]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sonnengebet wird mit dem Sinnbild des Rhythmus in Zusammenhang gebracht. Seine gleichbleibende Ausführung, Runde für Runde, reflektiert den Rhythmus des Universums, der sich beispielsweise in den zweimal 12 Stunden des Tages, den 12 Monaten eines Jahres und den 12 Tierkreiszeichen, aber auch den Rhythmen des Körpers ausdrückt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:SatSar&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben diesem äußeren Rhythmus ist auch der innere Rhythmus des Menschen im Sinne seiner Entwicklung von Bedeutung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die seelisch-geistige Bedeutung des Sonnengebets können Sie am leichtesten erfassen, wenn Sie die Sonnenkraft, die im traditionellen Sinne angebetet und verehrt wird, mit der schöpferischen Gedanken&amp;amp;shy;kraft gleichsetzen. […] Wenn Sie heute einen hohen und edlen Gedanken mit Zielstrebigkeit und einem Bedürfnis nach Verwirklichung denken, so wird dieser Gedanke gemäß seines Wesenszustandes, &#039;&#039;bhāvan&#039;&#039;, einmal durch die Stufen der Entwicklung gleiten und zur Realisierung gelangen. […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In diesem zyklischen Reifen des Gedanken- und Erkenntnislebens liegt die Bedeutung des 12-teiligen Sonnengebets.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga. Praktische Grundlagen zu einem spirituellen Übungsweg.&#039;&#039; 7., unveränderte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2022, ISBN 978-3-948193-00-3, S.&amp;amp;nbsp;334–335.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Methode und Ausführungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleich von Anleitungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:11px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:7%;&amp;quot; |Position&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:31%;&amp;quot; |Sivananda Yoga&amp;lt;ref&amp;gt;Sivananda Yoga Zentrum: &#039;&#039;Yoga.&#039;&#039; 7. Auflage. Mangalam Books, Lautersheim 2008, ISBN 978-3-922477-40-2, S.&amp;amp;nbsp;34–35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:31%;&amp;quot; |Yoga Vidya&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Sonnengru%C3%9F#Sonnengru%C3%9F_Mittelstufe &#039;&#039;Sonnengruß Mittelstufe.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:31%;&amp;quot; |Heinz Grill&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=Rj23SH9BYyY &#039;&#039;Die Gliederung im Sonnengebet – surya namaskar.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yoga Heinz Grill&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 23. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |1&lt;br /&gt;
|Stehen Sie aufrecht, mit geschlossenen Füßen, die Hände in Gebetshaltung vor der Brust gefaltet. Achten Sie auf eine gleichmäßige Verteilung Ihres Gewichts. Ausatmen.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, dabei Hände vor dem Brustkorb zusammengeben.&lt;br /&gt;
|Anheben des Brustbeins, entspannte Sammlung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |2&lt;br /&gt;
|Einatmen, die Arme über den Kopf nach oben strecken, aus der Taille zurückbeugen, dabei die Hüften herausdrücken, die Beine gerade halten, Hals entspannen.&lt;br /&gt;
|Einatmen, dabei Arme heben und nach hinten führen, Schulterblätter zusammen.&lt;br /&gt;
|Gelöstes Hochgleiten, entspanntes Langwerden und leichtes Rückwärtswölben, Anheben des Brustbeins bei entspanntem Körper, starkes Durchwölben der Brustwirbelsäule.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |3&lt;br /&gt;
|Ausatmen, nach vorn beugen und die Handflächen auf den Boden legen, die Fingerspitzen sind in einer Linie mit den Zehen, notfalls die Knie beugen.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Oberkörper nach vorne beugen, Hände neben die Füße.&lt;br /&gt;
|Relativ gelöst und entspannt nach unten gleiten, Entwicklung der gezielten Spannung im Vorwärtsbeugen, Lösen der Spannung vor der nächsten Position.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |4&lt;br /&gt;
|Einatmen, das rechte (oder linke) Bein nach hinten strecken und mit dem Knie den Boden berühren. Zurückschauen und nach oben schauen, Kinn hoch.&lt;br /&gt;
|Einatmen, dabei rechtes Bein nach hinten geben.&lt;br /&gt;
|Weite und Entspannung im Halbmond, beginnende Längsstreckung und Aufbau der Spannung aus der Mitte der Wirbelsäule bei gelöstem Nacken und Arme, intensives Durchwölben der Brustwirbelsäule.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |5&lt;br /&gt;
|Atem anhalten und auch das andere Bein zurückstrecken, das Gewicht gleichmäßig auf Hände und Zehen stützen, Kopf und Körper in einer Linie halten, zwischen den Händen auf den Boden schauen.&lt;br /&gt;
|Atem anhalten, dabei beide Beine nach hinten geben.&lt;br /&gt;
|ohne Angabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |6&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Knie, Brust und Stirn nach unten senken, Hüften anheben, die Zehen nach innen.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Knie, Brust und Stirn auf den Boden&lt;br /&gt;
|Entspanntes Annähern zum Boden, gegliederte Haltung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |7&lt;br /&gt;
|Einatmen, Hüften senken, Zehen nach hinten ausstrecken und Oberkörper zurückbeugen. Beine geschlossen, Schultern nach unten halten. Nach oben und zurück schauen.&lt;br /&gt;
|Einatmen, dabei Brustkorb und Kopf heben.&lt;br /&gt;
|Entspanntes Aufrichten der Wirbelsäule zur Kobra, Entwicklung der Spannung, der Brustkorb wird weit nach vorne gezogen, das Gesicht bleibt entspannt, die Brustwirbelsäule bleibt in der Phase der Spannung hochaktiv, die Arme stützen nicht ab, weitere Dynamisierung aus der Brustwirbelsäule.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |8&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Zehen nach vorn, Hüften heben und den Körper in ein umgekehrtes „V“ drehen, die Fersen und den Kopf möglichst auf den Boden bringen und die Schultern zurückzunehmen.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, dabei Becken heben, Fersen in den Boden drücken.&lt;br /&gt;
|Sehr entspannte Dreiecksform, Aktivierung der Dynamik in Richtung unterer Rücken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |9&lt;br /&gt;
|Einatmen, den linken (oder rechten) Fuß nach vorn zwischen die Hände stellen, das andere Knie berührt den Boden, nach oben schauen wie in Position 4.&lt;br /&gt;
|Einatmen, dabei rechten Fuß nach vorne geben zwischen die Hände.&lt;br /&gt;
|Vorbereitende Entspannung im Halbmond, Aktivierung der Spannung in die Längsausdehnung und zur Durchwölbung des Brustkorbs&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |10&lt;br /&gt;
|Ausatmen, das andere Bein nach vorn bringen, aus der Taille heraus nach unten beugen, die Handflächen wie in Position 3.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, beide Beine nach vorne geben.&lt;br /&gt;
|Entspanntes Hinausgleiten nach vorne, die Arme, der Nacken und die Schultern bleiben durchlässig, während die Mitte des Rückens die Spannung aufzubauen beginnt, die Bewegung bleibt im Oberkörper stets entspannt und offen, Spannung im unteren und mittleren Rücken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |11&lt;br /&gt;
|Einatmen, die Arme nach vorn, dann hoch und über den Kopf nach hinten strecken und langsam aus der Taille heraus nach hinten beugen wie in Position 2.&lt;br /&gt;
|Einatmen, Arme und Brustkorb heben, Arme nach hinten, Schulterblätter zusammen.&lt;br /&gt;
|Entspannte Längsausdehnung, dynamische Wölbung der Brustwirbelsäule und des Brustkorbs.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |12&lt;br /&gt;
|Ausatmen, sacht in eine aufrechte Haltung zurückkommen, Arme neben den Körper bringen&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Arme senken, nächste Runde.&lt;br /&gt;
|ohne Angabe&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Yogameister und Yogarichtungen zum Surya Namaskar ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pant_Pratinidhi_1928_Surya_Namaskar_Sequence.jpg|mini|Surya Namaskar mit 10 Positionen&amp;lt;br&amp;gt;Raja von Aundh (Illustration von 1928)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Raja von Aundh ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[wen:Bhawanrao Shriniwasrao Pant Pratinidhi|Raja von Aundh]] sagt, dass Surya Namaskar von jedermann zu jeder Jahreszeit allein oder in Gruppen ausgeführt werden kann, weil es ebensogut im Zimmer als auch im Freien praktiziert werden kann. Es nimmt nur einige Minuten am Tage in Anspruch, also drei bis zehn Minuten.&amp;lt;ref&amp;gt;André van Lysebeth: &#039;&#039;Yoga für Menschen von heute.&#039;&#039; Mosaik Verlag, München 1982, 1990, ISBN 3-570-01784-2, S. 274.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der vermutlich älteste Film mit dem Titel &#039;&#039;Surya Namaskar&#039;&#039; wurde von ihm wahrscheinlich im Jahr 1928 in Aundh gedreht. Der Raja veröffentlichte Bücher über diese Yoga-Sequenz in vielen Sprachen und zeigte diesen Film während seiner Reisen durch Indien und Europa, um für die Vorteile des Surya Namaskar zu werben.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=aYcwS2ePkMw &amp;lt;nowiki&amp;gt;Surya Namaskar 1928 by Raja of Aundh [Kalé/Novetzke].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&#039;&#039; (0:01–0:40.) In: &#039;&#039;The Yoga of Power&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Swami Sivananda ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Sivananda.jpeg|mini|Sivananda, Wandzeichnung des Künstlers &#039;&#039;Josefo&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;© Das Foto unterliegt dem Copyright&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Sivananda]] schreibt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Im «Surya Namaskara» werden mehrere Yogastellungen mit rhythmischem (fließendem) Atem, zügiger Bewegungsabfolge, Sonnenbaden und andächtiger Kontemplation an die göttliche Kraft, die die Sonne darstellt, verbunden. Wir sind dazu eingeladen Surya Namaskar im Angesicht der Morgensonne zu praktizieren, indem wir unseren ganzen Körper in den lebensspendenden Sonnenstrahlen, den Spendern von Licht, Leben, Glück und Wärme für die ganze Welt baden. Surya Namaskar setzt sich aus zwölf Haltungen oder Phasen zusammen. Dabei fließt die eine Haltung geschmeidig und anmutig in die folgende. […] Wichtiger jedoch ist die innere Haltung, in der Surya Namaskara praktiziert wird. Nach innen gerichtet, beobachte jede noch so kleine im Körper vorgehende Bewegung, werde dir jeder körperlichen Veränderung, besonders der in der Wirbelsäule, bewusst. Damit dies möglich ist, ist es wichtig, dass der Geist ruhig und aufmerksam ist. Nachdem du über einige Monate hinweg praktiziert hast, wird diese Aufmerksamkeit, dieses Bewusstsein wachsen.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Surya_Namaskar#Swami_Sivananda_schreibt_%C3%BCber_Surya_Namaskar &#039;&#039;Swami Sivananda schreibt über Surya Namaskar.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bekannte Schüler von [[Swami Sivananda]] waren [[Swami Vishnudevananda]] und [[wen:Satyananda Saraswati|Swami Satyananda Saraswati]]. Eine mit Fotos bebilderte Anleitung der 12 Positionen des Sonnengebets der Sivananda Tradition findet sich auf der Seite der &#039;&#039;International Sivananda Yoga Vedanta Centres&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://sivananda.org/the-sun-salutation/ &#039;&#039;The Sun Salutation (Surya Namaskar).&#039;&#039;] In: &#039;&#039;International Sivananda Yoga Vedanta Centres.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Yoga Vidya ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Yoga Vidya ist das Sonnengebet eine dynamische Asanareihe des Hatha Yoga mit 12 Stellungen, die mit den zugehörigen 12 Mantren den hinduistischen Sonnengott Surya anrufen. Yoga Vidya versteht sich in der Tradition von Swami Sivananda. Das Sonnengebet ist Teil der Yoga Vidya Grundreihe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[y:Sonnengruß|&#039;&#039;Sonnengruß.&#039;&#039;]] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Yoga_Vidya_Reihe#Surya_Namaskar_-_der_Sonnengru%C3%9F &#039;&#039;Surya Namaskar – der Sonnengruß.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ashtanga Yoga ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Surya Namaskar A B AYI.PNG|mini|350px|Surya Namaskara A &amp;amp; B (Ashtanga Yoga)&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;© Dr. Ronald Steiner, [https://de.ashtangayoga.info AYI.info]&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Ashtanga Yoga wird der Sonnengruß mit Surya Namaskar A und B bezeichnet, die nacheinander zu Beginn der Yogapraxis geübt werden. Mit fünf Runden Sonnengruß A beginnt jede Praxis des Ashtanga Yoga. Er besteht aus 9 grundlegenden Bewegungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://de.ashtangayoga.info/ashtanga-yoga/surya-namaskara-a-sonnengruss/ &#039;&#039;Surya Namaskara A – der Sonnengruß des Ashtanga Yoga.&#039;&#039;] In:&amp;amp;nbsp;&#039;&#039;AYI.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sonnengruß B erweitert die Bewegungen von Sonnengruß A; die 17 Bewegungen des Sonnengrußes B werden fünfmal wiederholt.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://de.ashtangayoga.info/ashtanga-yoga/surya-namaskara-b-sonnengruss/ &#039;&#039;Surya Namaskara B – der zweite Sonnengruß und Schritt in das Yoga.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;AYI.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausführung erfolgt mit [[y:Ujjayi|Ujjayi]]-Atmung, Energielenkung und Konzentration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[y:Patthabi Jois|Patthabi Jois]] lässt im Vergleich zu Sivananda und Yoga Vidya Ausführungen beim Sonnengruß A die 6. Position ([[w:Adhomukha Shvanasana|Adho Mukha Shvanasana]]) acht Atemzüge halten. Diese entspricht beim Sonnengruß B der 6., 10. und 14. Position, wobei nur die letztere fünf Atemzüge gehalten wird.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=qNn9gQyQTGM &#039;&#039;Sun Salutation A tutorial by Pattabhi Jois.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Travel&amp;amp;Yoga&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=xI9rytach34 Surya Namaskara B Sri K Pattabhi Jois &amp;amp; 6 Students.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Yoga Asanas&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B. K. S.&amp;amp;nbsp;Iyengar ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Demonstration des Sonnengrußes mit Sprungvarianten zeigt [[w:B. K. S.&amp;amp;nbsp;Iyengar|B. K. S.&amp;amp;nbsp;Iyengar]]. Surya Namaskar ist seiner Ansicht nach nichts anderes als ein Teil von Yoga, denn jede Position hat einen Namen. Bei der 4. Position, Chaturanga Dandasana, betont Iyengar, dass der Körper auf den Zehenspitzen und den Handflächen balanciert wird ohne den Boden zu berühren.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=7wOce2c5NDk &#039;&#039;Guruji demonstrating Surya Namaskar at age 57 (1976) B.K.S.&amp;amp;nbsp;Iyengar.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;TS19 Media&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 27.&amp;amp;nbsp;März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Heinz Grill ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Anjaneyasana%2C_Heinz_Grill_1992.jpg|mini|Halbmond ([[Anjaneyasana]]) bei Position 4 und 9 im Sonnengebet]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sonnengebet hat [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]], Begründer des Schulungsweges &#039;&#039;Neuer Yogawille&#039;&#039;, mit verschiedenen Inhalten weiterentwickelt sowie heiltherapeutische Wirkungen und künstlerisch-ästhetische Bewegungsformen herausgearbeitet, die durch eine gedanklich orientierte Bewusstseinsaktivität des Übenden entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausführung erfolgt wie bei Sivananda mit 12 Positionen, jedoch mit dem Unterschied, dass die 4. und 9. Stellung – [[Ashva Sanchalanasana]] (Reiterposition) – weiterentwickelt und zum [[Anjaneyasana|Halbmond]] aufgerichtet wird.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga.&#039;&#039; S. 337 und 340.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anzahl der Runden, Geschwindigkeit, Tageszeit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Sivananda Tradition werden 3 bis 12 Runden empfohlen, in langsamerem Tempo für spirituelles Wachstum und in schnellerem Tempo, wenn der physische Aspekt im Vordergrund steht. Wenn ein Reinigungsprozess in Gang kommen soll, kann Surya Namaskar täglich mit 108 Runden geübt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Asana Pranayama Mudra Bandha.&#039;&#039; 4. Auflage. Ananda Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-928831-37-6, S.&amp;amp;nbsp;172.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Vishnudevananda]] empfiehlt, die volle Runde von Surya Namaskar zwölfmal täglich zu wiederholen.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Vishnudevananda: &#039;&#039;Das große illustrierte Yogabuch.&#039;&#039; 18.&amp;amp;nbsp;Auflage. Aurum Verlag, Kamphausen 2019, ISBN 978-3-89901-183-8, S.&amp;amp;nbsp;86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitliche Angaben finden sich mit langsameren und schnelleren Runden, aber auch mit konkreten Zeitangaben, die von 15 bis 45 Sekunden für eine Runde variieren können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Das Sonnengebet wird in der Regel im rhythmischen Aufbau von beginnenden langsameren Runden zu immer schneller werdenden Einsätzen der einzelnen Bewegungen praktiziert. Am Anfang dauern die zwölf Übungen etwa eine halbe Minute bis 45 Sekunden, schließlich aber kann der Übende die Geschwindigkeit steigern und seinen Kräfteeinsatz gezielt auf bestimmte Partien ausrichten. Er übt die zwölf Teilbewegungen manchmal sogar in einem rhythmischen Fluss des Wechsels von Entspannung und Anspannung innerhalb von fünfzehn Sekunden.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausführung kann von einigen Runden bis zu einer zwanzig- oder dreißigmaligen Wiederholung geschehen und je nach Kondition lässt sich der Zyklus schneller oder langsamer praktizieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Power Yoga wird der Sonnengruß auch 36-mal als „rituelle Herausforderung“ praktiziert.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=p2is7EnKuaE&amp;amp;t=387s &#039;&#039;Power Yoga 36 Sun Salutations with Trevis Eliot A Ritual Challenge.&#039;&#039;]. In: &#039;&#039;Travis Eliot&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 23.&amp;amp;nbsp;März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Anzahl von 108 Runden findet sich als bekannte Praxis des Sonnengebets.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=sw4hq8z5R_M &#039;&#039;108 Sonnengrüße, Warum-Wieso-Wann, meine Erlebnisse nach 108 Sonnengrüßen.&#039;&#039;]. In: &#039;&#039;Yoga mit Nicole Reiher&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 23. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=sw4hq8z5R_M &#039;&#039;Live Yogastunde 108 Sonnengrüße mit Vani Devi und Vishnu-Shakti – 09:15 Uhr 26.03.2020.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yoga Vidya - Live&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 23. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;Als ideale Zeit wird der Sonnenaufgang angesehen, da er als die friedvollste Zeit des Tages gilt. Auch die Zeit des Sonnenuntergangs ist geeignet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Asana Pranayama Mudra Bandha.&#039;&#039; 4. Auflage. Ananda Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-928831-37-6, S.&amp;amp;nbsp;163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Konzentration und Visualisierung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[w:André van Lysebeth|André van Lysebeth]] bezeichnet die Konzentration bei der Ausübung des Surya Namaskar als wesentlich, da jede Bewegung eine aktive Beteiligung des Bewusstseins erfordere. Er empfiehlt: „Denken Sie an die strahlende Sonne, konzentrieren Sie sich auf diesen Anreger des Lebens auf dieser Welt. Alle Energie, selbst jene, die Sie zur Ausübung dieser Asana brauchen, kommt von ihrer Strahlung. Denken Sie an die kosmische Kraft, welche sich in der Sonne manifestiert. Diese Einstellung gibt Ihrer Haltung und Übung einen höheren Sinn und wird Sie beflügeln.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;André van Lysebeth: &#039;&#039;Yoga für Menschen von heute.&#039;&#039; Mosaik Verlag, München 1982, 1990, ISBN 3-570-01784-2, S. 278.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Konzentration auf die Sonne im Sinne einer Visualisierung findet sich bei der Ausübung nach [[w:Satyananda|Satyananda]]: Vorbereitend kann der Körper in der stehenden Position wahrgenommen und gedanklich entspannt werden, indem die Aufmerksamkeit vom Scheitel systematisch durch den Körper gelenkt wird. Dann erfolgt die Wahrnehmung des Zentrums an der Stirn, wo eine leuchtend rote aufgehende Sonne visualisiert wird, die Körper und Geist mit belebenden und heilenden Strahlen durchströmt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Chakren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Chakras_Demostration.png|mini|Die sieben Chakren und ihre Lokalisation an der Wirbelsäule]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den einzelnen Positionen des Sonnengebets werden nach Angaben von Yoga Vidya und Swami Satyananda Wirkungen auf alle 7 Chakren zugeordnet, beginnend mit dem Anahata Chakra, dem 4. (Energie-) Zentrum oder Herzchakra in der 1. Position:&amp;lt;ref&amp;gt;[[y:Sonnengruß#Wirkungen|&#039;&#039;Wirkungen.&#039;&#039;]] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Asana Pranayama Mudra Bandha.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;164–173.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:11px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+&lt;br /&gt;
! Position&lt;br /&gt;
! Asana&lt;br /&gt;
! Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |1&lt;br /&gt;
|Pranamasana&lt;br /&gt;
|4. Zentrum – Anahata Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |2&lt;br /&gt;
|Hasta Uttanasana&lt;br /&gt;
|5. Zentrum – Vishuddha Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |3&lt;br /&gt;
|[[Uttanasana|Padahastasana]]&lt;br /&gt;
|2. Zentrum – Svadhisthana Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |4&lt;br /&gt;
|[[Ashva Sanchalanasana]]&lt;br /&gt;
|6. Zentrum – Ajna Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |5&lt;br /&gt;
|Dandasana&lt;br /&gt;
|1. Zentrum – Muladhara Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |6&lt;br /&gt;
|Ashtanga Namaskara&lt;br /&gt;
|3. Zentrum – Manipura Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |7&lt;br /&gt;
|[[Bhujangasana]]&lt;br /&gt;
|4. Zentrum – Anahata Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |8&lt;br /&gt;
|Parvatasana&lt;br /&gt;
|1. Zentrum – Muladhara Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |9&lt;br /&gt;
|Ashva Sanchalanasana&lt;br /&gt;
|6. Zentrum – Ajna Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |10&lt;br /&gt;
|Padahastasana&lt;br /&gt;
|2. Zentrum – Svadhisthana Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |11&lt;br /&gt;
|Hasta Uttanasana&lt;br /&gt;
|5. Zentrum – Vishuddha Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |12&lt;br /&gt;
|Tadasana&lt;br /&gt;
|7. Zentrum – Sahasrara Chakra&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Neuen Yogawillen wird der Bewegungsansatz aus dem 3. Zentrum betont:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Aus dem Manipura Chakra, der Mitte der Wirbelsäule, wird die Bewegung im Sonnengebet oder Sonnengruß, surya namaskar hier angesetzt und strömt von dort zentrifugal nach außen bis in die Gliedmaßen. Der Körper wird mit jeder Vorwärts- und Rückwärtsbewegung stetig länger und gewinnt einen ästhetischen Ausdruck.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=9IAWkAcEtLo Der Sonnengruß - surya namaskar.]&#039;&#039; Begleittext zum Video. In: &#039;&#039;Yoga Heinz Grill&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 30. April 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{#ev:youtube|9IAWkAcEtLo|530x310|center|Der Sonnengruß - surya namaskar}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Atmung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verbindung von Atmung und Bewegung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Üblicherweise wird beim Sonnengebet die Bewegung mit der Atmung verbunden. Bei der 12 Positionen umfassenden Variante beginnt Position 1 mit dem Ausatmen, dann folgt wechselweise Ein- und Ausatmen, jedoch wird bei der Position 5 – Dandasana oder Schiefe Ebene – der Atem eingeatmet angehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn du das Sonnengebet zum ersten Mal übst, ist es nicht notwendig, jede Bewegung gleichzeitig mit der entsprechenden Ein- oder Ausatmung auszuführen. Richte deine Aufmerksamkeit anfangs lieber auf langsame Bewegungen und Übergänge von einer Stellung zur nächsten. Nimm dabei so viele Atemzüge wie nötig.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Sonnengru%C3%9F#Was_ist_der_Yoga_Sonnengru%C3%9F? &#039;&#039;Was ist der Sonnengruß?&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
André van Lysebeth weist auf die Wichtigkeit hin, den Atem zu koordinieren, er müsse leicht gehen. Wenn Atmung und Bewegung koordiniert werden, kann Surya Namaskar ohne Ermüdung und ohne außer Atem zu kommen, praktiziert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;André van Lysebeth: &#039;&#039;Yoga für Menschen von heute.&#039;&#039; S. 280.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rhythmische Führung des Atems ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinz Grill beschreibt, dass man beim Sonnengebet den Zusammenhang von Atem und Bewegung unmittelbar erleben kann: „Alle Bewegungsformen sind wie der kommende und gehende Atem. Bewegung ist fortgesetzte Atemtätigkeit. Ein Zyklus, der in der Bewegung das zwar rhythmisch geführte, aber doch freie Wechselspiel des Atems offenbart.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Das Sonnengebet.&#039;&#039; Kapitel in: &#039;&#039;Kosmos und Mensch.&#039;&#039; 4.&amp;amp;nbsp;Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-6-8, S.&amp;amp;nbsp;200.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Freier Atem ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Neuen Yogawillen wird die Atmung auch frei nach individuellem Bedarf zugelassen, insbesondere wenn eine oder mehrere Stellungen intensiver ausgearbeitet werden.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mantren zum Sonnengebet ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sivananda ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Sivananda]] teilt in seinem Buch &#039;&#039;Das Sonnengebet&#039;&#039; ein Originalgebet mit dem Namen „Surya Namaskaram“ mit, wie es aus dem Sanskrit überliefert ist. Folgend seine deutsche Übersetzung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„OM. Ich verehre Surya, die geistige Sonne, den schönen Herrn der Welt, den Unsterblichen, von dem alle Heiligen Schriften sprechen, den Bezeuger aller Gunst, der Kenntnis ist in der Form von Brahman (das Absolute), den Herrn der Engel, den Unbefleckten, das eine wahre Bewußtsein der Welt, den Herrn der Geistwesen und der Menschen, den Lehrer der Engel, den Juwelen-Eckstein der drei Welten, den Einen in der Form der Dreifaltigkeit, den Geber des Lichts.&lt;br /&gt;
Das Gesicht der Wahrheit ist mit einer goldenen Schale überdeckt. Lüfte diese Schale der Materie, oh Sonne, damit ich hinter ihr Deine geistige Wahrheit erkennen kann.&lt;br /&gt;
O geistiger Ernährer, einzig-seiendes, alles-beherrschendes Wesen, Logos, Sohn des Schöpfers, sende deine Strahlen aus und sammle Dein brennendes Licht an; ich gewahre Deine glorreiche strahlende Form, ich bin Er, das Wesen in Dir.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Surya Namaskaram – Das Sonnengebet&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Das Sonnengebet. Eine Yogaübungsreihe für Jedermann.&#039;&#039; 4. Auflage. Humata Verlag, Bern, ISBN 3-7197-0424-6, S.&amp;amp;nbsp;21.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Gebet sind 12 Anrufungen der Sonne verbunden, die in der Tradition des Sivananda-Yoga mit den 12 Bewegungen der Übungsfolge des Sonnengebets verbunden werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ mitrāya namaḥ&#039;&#039; – der Du alle liebst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ ravaye namaḥ&#039;&#039; – der Du die Ursache aller Veränderung bist, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ sūryāya namaḥ&#039;&#039; – der Du der Beweggrund aller Tätigkeit bist, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ bhānave namaḥ&#039;&#039; – der Du Licht ausstrahlst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ kaghāya namaḥ&#039;&#039; – der Du himmlische Wonne erregst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ pūṣṇe namaḥ&#039;&#039; – der Du alles Leben nährst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ hiraṇyagarbhāya namaḥ&#039;&#039; – der Du alles in Dir selbst enthältst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ marīcaye namaḥ&#039;&#039; – der Du selbst-leuchtend bist, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ ādityāya namaḥ&#039;&#039; – der Du das höchste Wesen, Liebe, bist, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ savitre namaḥ&#039;&#039; – der Du alles Leben erzeugst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ ārkāya namaḥ&#039;&#039; – der du anbetungswürdig bis, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ bhāskarāya namaḥ&#039;&#039; – der Du die Ursache allen Lichtes und allen Glanzes bist, ich verneige mich vor Dir&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Das Sonnengebet.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;22–24.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strebt man „mit der Übungsreihe des Surya Namaskaram eine besondere geistige Erhebung an“, ist der Gebrauch des Originalgebets und der 12 Anrufungen empfehlenswert. Vor jeder Übungsstellung kann eine der 12 Anrufungen vorgenommen werden, „was aber nur in Gedanken und ohne Bewegung der Lippen und Stimmbänder geschieht“.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Das Sonnengebet.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neuer Yogawille ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Neuen Yogawillen finden die Surya-Mantren Erwähnung, dass diese „die Verehrung zu der Sonne und ihrem lebensspendenden Geist ausdrücken.“ Der intuitive Geist, der dem Mantra von Surya Namaskara zugrunde liege, trage eine verborgene Weisheit, die heute auf eine andere, detaillierte und konkrete Weise beleuchtet werden müsse. Heinz Grill gibt als Inhalt das folgende, von ihm komponierte Mantra, das in melodischer Form mit den Bewegungen und der Atmung kombiniert wird und auf eine rhythmische Entwicklung des individuellen und kollektiven Lebens hindeutet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aus dem Mutterboden wächst das Selbst&lt;br /&gt;
# in sprießender Energie,&lt;br /&gt;
# wie ein Knabe&lt;br /&gt;
# zum Schüler wird,&lt;br /&gt;
# den das Lernen&lt;br /&gt;
# zum Bitten führt,&lt;br /&gt;
# wachend&lt;br /&gt;
# zur großen Prüfung.&lt;br /&gt;
# Treue Ergebenheit&lt;br /&gt;
# im Dienst&lt;br /&gt;
# führt den Jüngling&lt;br /&gt;
# zum Vater.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt.&#039;&#039; 2. Auflage. Lammers-Koll-Verlag, 2008, ISBN 978-3-935925-70-9. S.&amp;amp;nbsp;42.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gesundheitliche Wirkungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Körperliche und psychische Wirkungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Yogaübungen überwiegend einen positiven gesundheitlichen Effekt haben, ist durch Studien belegt. Präventive und therapeutische Wirkungen wurden erforscht und angewendet. Akute Verletzungen treten demnach äußerst selten auf. Eine Verbesserung der allgemeinen Belastbarkeit und Regeneration konnte vielfach erzielt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0949328X10000566&#039;&#039;Yoga- Sportmedizinische Aspekte.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;ScienceDirect.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich wurde nachgewiesen, dass die Wirbelsäulenbeweglichkeit bei dynamischen Yoga-Formen signifikant steigt, und zwar bezogen auf das gesamte Bewegungsausmaß als auch auf die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule.&amp;lt;ref&amp;gt;S.&amp;amp;nbsp;Rudolph, S.&amp;amp;nbsp;Kruft, A. Göring, M. Jetzke: [https://www.germanjournalsportsmedicine.com/fileadmin/content/archiv2016/Heft_5/Kurzbeitrag_Rudolph_Wirbelsauelenbeweglichkeit_Yoga_2016-05.pdf &#039;&#039;Eine empirische Vergleichsstudie zu den Wirkungsweisen von Yoga auf die Wirbelsäulenbeweglichkeit.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;German Journal of Sports Medicine.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Praktizieren des Sonnengebets dehnen und kräftigen sich Muskeln und Gelenke. Die Atemkapazität und das Herz-Kreislaufsystem werden durch die Ausdauerleistung günstig angeregt.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Surya_Namaskar#Gebet_an_Surya&#039;&#039;Sukadev über Wirkung von Surya Namaskar auf den physischen Körper.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Körpersysteme – das Herz-Kreislauf-System sowie das Atem- und das Verdauungssystem – kommen ins Gleichgewicht, auch das Hormonsystem wird günstig beeinflusst. Es wird empfohlen mit leerem Magen zu praktizieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Angaben von [[Swami Vishnudevananda]] reduziert diese Übung – eine Kombination aus Yogaasana und Atmung – das Fett der Bauchregion, macht Rückgrat und Glieder biegsam und erhöht die Atemkapazität. Für steife oder steif gewordene Menschen sei Surya Namaskar eine wundervolle Hilfe, die verlorene Flexibilität wiederzuerlangen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Energetische Wirkungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 12 Haltungen sollen Prana, feinstoffliche Energie, erzeugen, die den physischen Körper aktiviert.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Surya Namaskara.&#039;&#039; 3. Auflage. Ananda Verlag, Ratzeburg 2018, ISBN 978-3-947908-01-1, S.&amp;amp;nbsp;3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Neuen Yogawillen wird beim Sonnengebet die Unterscheidung eingebracht, ob Energien aus dem Körper freigesetzt werden oder die Übung ausgehend von empfindsamen Vorstellungen durchgestaltet wird. Ersteres wird als Weg von unten nach oben, letzteres – die aktive Bewusstseinstätigkeit entsprechend dem Sinnbild der Übung – als Weg von oben nach unten bezeichnet. Durch diesen Ansatz aus dem Bewusstsein entsteht eine energetische Wirkung vom Bewusstsein zum Körper oder von oben nach unten und nicht nur eine Freisetzung der im Körper aufgespeicherten Energien.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;39–40.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Wirkung des Bewusstseins auf die Gesundheit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer gesundheitlicher Aspekt entsteht nach dem Neuen Yogawillen, wenn die Übung durch eine bewusste, mentale und wahrnehmende Tätigkeit gestaltet wird und nicht nur wie eine Fitnessübung funktional absolviert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Yogaübungen wirken gesundheitlich im allgemein günstig auf den Stoffwechsel, das Nervensystem und den Bewegungsapparat. Man kann Heilwirkungen dahin gehend unterscheiden, dass die Funktionalität des Körpers beeinflusst wird durch die Bewegung, die Lage des Körpers, Muskelanspannungen, Dehnungen und Massagewirkungen. Ein weiterer «heiltherapeutischer Wirkungskreis» eröffnet sich durch eine bewusstseinsorientierte mentale Aktivität, die das Leben mit neuen Perspektiven bereichert.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Das große Buch der Heilkraft durch Yogaaktivität.&#039;&#039; 4.&amp;amp;nbsp;Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2025, ISBN 978-3-948803-19-3, S.&amp;amp;nbsp;26.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wirkungen auf das Immunsystem ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aktivierung des Immunsystems und antidepressive Wirkungen entstehen durch einen Rhythmus von gezielter Anspannung und Entspannung bei der Ausführung der Übung. Das Immunsystem kann durch ein Beteiligtsein des gedanklichen Bewusstseins und damit verbundener Wahrnehmungsprozesse aktiviert und in seiner Abwehrfunktion gestärkt werden. Der aktive, gegliederte Krafteinsatz aus der Brustwirbelsäule bei gleichzeitiger Entspannung von Nacken, Gesicht und Schultergelenken führt zu einem Empfinden einer Gliederung des Körpers und einer aus der Mitte in die Peripherie ausgleitenden Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die günstige Wirkung auf das Immunsystem entsteht dadurch, dass durch diese Bewusstseinsaktivität unbelebte, nicht mehr spürbare Zonen des Körpers, z. B. die Brustwirbelsäule, wie neu durchlichtet und reintegriert werden. Diese selbst geschaffenen, gesunden Kräfte wirken auch einer Zelldegeneration entgegen. „Eine Immunstärkung entsteht immer, wenn der Übende seine Bewusstseinskräfte mit klaren Vorstellungsinhalten gebrauchen lernt und diese gegenüber einer Sache oder, in dem Fall wie es dem &#039;&#039;surya namaskara&#039;&#039; entspricht, anwenden lernt.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Antidepressive Wirkung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Psyche bezogen kann eine bewusst gestaltete Bewegung Freude erzeugen und Depressionen entgegenwirken.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Heilwirkung durch Entwicklung gesunder Gefühle ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin kann sich das Seelenleben bereichern, da der Übende beim Sonnengebet eine reale Empfindung, ein „Heilsempfinden“ in der Form ausprägen und erfahren kann, dass sich seine Seele näher mit der Körper- und Erdenwelt und der Atemtätigkeit verbindet. Dieses zu entwickelnde Empfinden wirkt wärmend, aufbauend und stoffwechselfördernd auf den Körper.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;40.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie: Asana]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Rajah von Aundh: &#039;&#039;Das Sonnengebet.&#039;&#039; 19. Auflage. Artha Verlag, Oy-Mittelberg 1994, ISBN 978-3-89575-096-0.&lt;br /&gt;
* Heinz Grill: &#039;&#039;Das große Buch der Heilkraft durch Yogaaktivität.&#039;&#039; 4. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2025, ISBN 978-3-948803-19-3.&lt;br /&gt;
* Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt. Initiatorische Schulung in Arco. Band 3.&#039;&#039; 2. Auflage. Lammers-Koll-Verlag, Niefern-Öschelbronn 2008, ISBN 978-3-935925-70-9.&lt;br /&gt;
* Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga. Praktische Grundlagen zu einem spirituellen Übungsweg.&#039;&#039; 5., erweiterte Auflage. Lammers-Koll-Verlag, Staufen 2018, ISBN 978-3-941995-48-2.&lt;br /&gt;
* André van Lysebeth: &#039;&#039;Yoga für Menschen von heute.&#039;&#039; Mosaik Verlag, München 1982, 1990, ISBN 3-570-01784-2.&lt;br /&gt;
* Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Asana Pranayama Mudra Bandha.&#039;&#039; 4. Auflage. Ananda Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-928831-37-6.&lt;br /&gt;
* Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Surya Namaskara.&#039;&#039; 3. Auflage. Ananda Verlag, Ratzeburg 2018, ISBN 978-3-947908-01-1.&lt;br /&gt;
* Sivananda Yoga Zentrum: &#039;&#039;Yoga.&#039;&#039; 7. Auflage. Mangalam Books, Lautersheim 2008, ISBN 978-3-922477-40-2.&lt;br /&gt;
* Swami Vishnudevananda: &#039;&#039;Das große illustrierte Yogabuch.&#039;&#039; 18. Auflage. Aurum Verlag, Kamphausen 2019, ISBN 978-3-89901-183-8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Asana]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten mit Sanskritbegriff]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Surya_Namaskar&amp;diff=13549</id>
		<title>Surya Namaskar</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Surya_Namaskar&amp;diff=13549"/>
		<updated>2026-04-30T18:20:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Sinnbild des Sonnengebets */ kleine Korrektur&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Surya_Namaskar_sculpture_at_IGIA_T3_(cropped).jpg|mini|350px|Surya Namaskar, Skulptur am Flughafen von Neu-Delhi]]&lt;br /&gt;
[[Datei:Stamp_of_India_-_2016_-_Colnect_627074_-_Surya_Namaskar.jpeg|mini|Indische Briefmarke, Surya Namaskar]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Surya Namaskar&#039;&#039;&#039;, deutsch &#039;&#039;&#039;Sonnengruß&#039;&#039;&#039; oder &#039;&#039;&#039;Sonnengebet&#039;&#039;&#039;, ist ein Zyklus aus meistens zwölf einzelnen Positionen, die ineinander übergehen und eine Runde bilden. Es wird in der Yogapraxis am Anfang einer Übungsreihe praktiziert und dient mit seinen dynamischen zwölf Bewegungen der rhythmischen Erwärmung des Körpers, sodass sich dieser für die weiteren oftmals dehnkräftigen Übungen ausgleichend tonisiert.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: [https://heinz-grill.de/surya-namaskara/ &#039;&#039;Das Sonnengebet – surya namaskara.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.&#039;&#039; Abgerufen am 26. Februar 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es stellt eine unerlässliche Aufwärmübung für jede Yogastunde dar und bereitet den Körper optimal auf die Asanapraxis vor.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Surya_Namaskar &#039;&#039;Surya Namaskar.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Name ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Surya%2C_Indian_Museum.jpg|mini|Surya (hinduistischer Sonnengott), Basaltstatue aus dem 10. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Surya Namaskara (Sanskrit सूर्यनमस्कार, IAST &#039;&#039;sūryanamaskāra&#039;&#039;) oder Surya Namaskar (Hindi, IAST &#039;&#039;sūryanamaskār&#039;&#039;) setzt sich aus den Wörtern Surya (Sanskrit सूर्य, IAST &#039;&#039;sūrya&#039;&#039;, „Sonne“)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=sUrya&amp;amp;dir=se Suchbegriffe für „sUrya“.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 30.&amp;amp;nbsp;April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und Namaskara (Sanskrit नमस्कार, IAST &#039;&#039;namaskāra&#039;&#039;, „Gruß“)&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=namaskAra&amp;amp;dir=se Suchbegriffe für „namaskAra“.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 30. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Deutsch wird Surya Namaskar als „Sonnengruß“ oder „Sonnengebet“ bezeichnet. Es trägt diesen Namen, da es als eine meditativ-körperliche Übung am frühen Morgen mit dem Gesicht nach Osten zur aufgehenden Sonne ausgeführt wurde.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt.&#039;&#039; Band 3 aus der Reihe: &#039;&#039;Initiatorische Schulung in Arco.&#039;&#039; 2. Auflage. Lammers-Koll-Verlag, Niefern-Öschelbronn 2008, ISBN 978-3-935925-70-9, S.&amp;amp;nbsp;38.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Geschichte und Entstehung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den Ursprung des Sonnengebets gibt es unterschiedliche Sichtweisen. Diskutiert wird, ob es aus alter spiritueller Praxis, anderer Tradition oder aus sportlichen Disziplinen stammt. Nach anthropologischer Forschung findet das Sonnengebet vor dem 19. Jahrhundert keine Erwähnung in einer Hatha Yoga Schrift.&amp;lt;ref&amp;gt;Joseph S.&amp;amp;nbsp;Alter: &#039;&#039;Yoga in modern India: the body between science and philosophy.&#039;&#039; Princeton University Press, 2004, ISBN 978-0-691-11874-1, S.&amp;amp;nbsp;23.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Angaben des Sivananda Yoga Zentrums wird in der Hindu-Mythologie der Sonnengott als Symbol der Gesundheit und eines langen Lebens verehrt. In der [[w:Rigveda|Rigveda]] heißt es: „Surya ist die Seele aller bewegten und unbewegten Dinge.“ Das Sonnengebet soll sich aus einer Reihe von Gebetshaltungen an die Sonne entwickelt haben.&amp;lt;ref&amp;gt;Sivananda Yoga Zentrum: &#039;&#039;Yoga.&#039;&#039; 7. Auflage. Mangalam Books, Lautersheim 2008, ISBN 978-3-922477-40-2, S.&amp;amp;nbsp;34.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Vishnudevananda]] führt aus, dass die Sonne als Gottheit für Gesundheit und ein langes Leben angesehen wird. In alten Zeiten sei diese Übung täglicher Brauch der täglich vollzogenen spirituellen Praktiken gewesen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;Swami Vishnudevananda: &#039;&#039;Das große illustrierte Yogabuch.&#039;&#039; 18. Auflage. Aurum Verlag, Kamphausen 2019, ISBN 978-3-89901-183-8, S.&amp;amp;nbsp;86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Sonnen-Tradition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Konark_Sun_Temple_on_a_October_morning_in_2024.png|mini|Sonnentempel von Konark in Odisha (Indien) aus dem 13. Jahrhundert]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Die Sonne anzubeten und zu verehren, war eine der ersten und natürlichsten geistigen Ausdrucksformen des Menschen.“ In der vedischen Tradition gibt es zahlreiche Verse, die sich auf die Sonne beziehen. So heißt es in der Rigveda:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Die Tilgerin aller Schwachheit,&lt;br /&gt;
Heilerin aller Krankheit,&lt;br /&gt;
Herrin über alles, das geht und steht.&lt;br /&gt;
Sie erschlägt die Dämonen&lt;br /&gt;
Und behütet die Verehrer.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:SatSar&amp;quot;&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Surya Namaskara.&#039;&#039; 3. Auflage. Ananda Verlag, Ratzeburg 2018, ISBN 978-3-947908-01-1, S.&amp;amp;nbsp;4–6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und in der [[w:Brihadaranyaka-Upanishad|Brihadaraanyaka Upanishad]] steht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„O Herr und Wesen des Lichtes,&lt;br /&gt;
führe mich vom Unwirklichen zum Wirklichen,&lt;br /&gt;
von der Dunkelheit ins Licht,&lt;br /&gt;
vom Tod zur Unsterblichkeit.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:SatSar&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sinnbild des Sonnengebets ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Trick_to_remember_Surya_Namaskar_Mantra.gif|mini|410px|Die 12 Positionen im Sonnengebet]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sonnengebet wird mit dem Sinnbild des Rhythmus in Zusammenhang gebracht. Seine gleichbleibende Ausführung, Runde für Runde, reflektiert den Rhythmus des Universums, der sich beispielsweise in den zweimal 12 Stunden des Tages, den 12 Monaten eines Jahres und den 12 Tierkreiszeichen, aber auch den Rhythmen des Körpers ausdrückt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:SatSar&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben diesem äußeren Rhythmus ist auch der innere Rhythmus des Menschen im Sinne seiner Entwicklung von Bedeutung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die seelisch-geistige Bedeutung des Sonnengebets können Sie am leichtesten erfassen, wenn Sie die Sonnenkraft, die im traditionellen Sinne angebetet und verehrt wird, mit der schöpferischen Gedanken&amp;amp;shy;kraft gleichsetzen. […] Wenn Sie heute einen hohen und edlen Gedanken mit Zielstrebigkeit und einem Bedürfnis nach Verwirklichung denken, so wird dieser Gedanke gemäß seines Wesenszustandes, &#039;&#039;bhāvan&#039;&#039;, einmal durch die Stufen der Entwicklung gleiten und zur Realisierung gelangen. […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:In diesem zyklischen Reifen des Gedanken- und Erkenntnislebens liegt die Bedeutung des 12-teiligen Sonnengebets.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga. Praktische Grundlagen zu einem spirituellen Übungsweg.&#039;&#039; 7., unveränderte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2022, ISBN 978-3-948193-00-3, S.&amp;amp;nbsp;334–335.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Methode und Ausführungen des Sonnengebets ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleich von Anleitungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:11px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:7%;&amp;quot; |Position&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:31%;&amp;quot; |Sivananda Yoga&amp;lt;ref&amp;gt;Sivananda Yoga Zentrum: &#039;&#039;Yoga.&#039;&#039; 7. Auflage. Mangalam Books, Lautersheim 2008, ISBN 978-3-922477-40-2, S.&amp;amp;nbsp;34–35.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:31%;&amp;quot; |Yoga Vidya&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Sonnengru%C3%9F#Sonnengru%C3%9F_Mittelstufe &#039;&#039;Sonnengruß Mittelstufe.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:31%;&amp;quot; |Heinz Grill&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=Rj23SH9BYyY &#039;&#039;Die Gliederung im Sonnengebet – surya namaskar.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yoga Heinz Grill&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 23. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |1&lt;br /&gt;
|Stehen Sie aufrecht, mit geschlossenen Füßen, die Hände in Gebetshaltung vor der Brust gefaltet. Achten Sie auf eine gleichmäßige Verteilung Ihres Gewichts. Ausatmen.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, dabei Hände vor dem Brustkorb zusammengeben.&lt;br /&gt;
|Anheben des Brustbeins, entspannte Sammlung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |2&lt;br /&gt;
|Einatmen, die Arme über den Kopf nach oben strecken, aus der Taille zurückbeugen, dabei die Hüften herausdrücken, die Beine gerade halten, Hals entspannen.&lt;br /&gt;
|Einatmen, dabei Arme heben und nach hinten führen, Schulterblätter zusammen.&lt;br /&gt;
|Gelöstes Hochgleiten, entspanntes Langwerden und leichtes Rückwärtswölben, Anheben des Brustbeins bei entspanntem Körper, starkes Durchwölben der Brustwirbelsäule.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |3&lt;br /&gt;
|Ausatmen, nach vorn beugen und die Handflächen auf den Boden legen, die Fingerspitzen sind in einer Linie mit den Zehen, notfalls die Knie beugen.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Oberkörper nach vorne beugen, Hände neben die Füße.&lt;br /&gt;
|Relativ gelöst und entspannt nach unten gleiten, Entwicklung der gezielten Spannung im Vorwärtsbeugen, Lösen der Spannung vor der nächsten Position.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |4&lt;br /&gt;
|Einatmen, das rechte (oder linke) Bein nach hinten strecken und mit dem Knie den Boden berühren. Zurückschauen und nach oben schauen, Kinn hoch.&lt;br /&gt;
|Einatmen, dabei rechtes Bein nach hinten geben.&lt;br /&gt;
|Weite und Entspannung im Halbmond, beginnende Längsstreckung und Aufbau der Spannung aus der Mitte der Wirbelsäule bei gelöstem Nacken und Arme, intensives Durchwölben der Brustwirbelsäule.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |5&lt;br /&gt;
|Atem anhalten und auch das andere Bein zurückstrecken, das Gewicht gleichmäßig auf Hände und Zehen stützen, Kopf und Körper in einer Linie halten, zwischen den Händen auf den Boden schauen.&lt;br /&gt;
|Atem anhalten, dabei beide Beine nach hinten geben.&lt;br /&gt;
|ohne Angabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |6&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Knie, Brust und Stirn nach unten senken, Hüften anheben, die Zehen nach innen.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Knie, Brust und Stirn auf den Boden&lt;br /&gt;
|Entspanntes Annähern zum Boden, gegliederte Haltung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |7&lt;br /&gt;
|Einatmen, Hüften senken, Zehen nach hinten ausstrecken und Oberkörper zurückbeugen. Beine geschlossen, Schultern nach unten halten. Nach oben und zurück schauen.&lt;br /&gt;
|Einatmen, dabei Brustkorb und Kopf heben.&lt;br /&gt;
|Entspanntes Aufrichten der Wirbelsäule zur Kobra, Entwicklung der Spannung, der Brustkorb wird weit nach vorne gezogen, das Gesicht bleibt entspannt, die Brustwirbelsäule bleibt in der Phase der Spannung hochaktiv, die Arme stützen nicht ab, weitere Dynamisierung aus der Brustwirbelsäule.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |8&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Zehen nach vorn, Hüften heben und den Körper in ein umgekehrtes „V“ drehen, die Fersen und den Kopf möglichst auf den Boden bringen und die Schultern zurückzunehmen.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, dabei Becken heben, Fersen in den Boden drücken.&lt;br /&gt;
|Sehr entspannte Dreiecksform, Aktivierung der Dynamik in Richtung unterer Rücken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |9&lt;br /&gt;
|Einatmen, den linken (oder rechten) Fuß nach vorn zwischen die Hände stellen, das andere Knie berührt den Boden, nach oben schauen wie in Position 4.&lt;br /&gt;
|Einatmen, dabei rechten Fuß nach vorne geben zwischen die Hände.&lt;br /&gt;
|Vorbereitende Entspannung im Halbmond, Aktivierung der Spannung in die Längsausdehnung und zur Durchwölbung des Brustkorbs&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |10&lt;br /&gt;
|Ausatmen, das andere Bein nach vorn bringen, aus der Taille heraus nach unten beugen, die Handflächen wie in Position 3.&lt;br /&gt;
|Ausatmen, beide Beine nach vorne geben.&lt;br /&gt;
|Entspanntes Hinausgleiten nach vorne, die Arme, der Nacken und die Schultern bleiben durchlässig, während die Mitte des Rückens die Spannung aufzubauen beginnt, die Bewegung bleibt im Oberkörper stets entspannt und offen, Spannung im unteren und mittleren Rücken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |11&lt;br /&gt;
|Einatmen, die Arme nach vorn, dann hoch und über den Kopf nach hinten strecken und langsam aus der Taille heraus nach hinten beugen wie in Position 2.&lt;br /&gt;
|Einatmen, Arme und Brustkorb heben, Arme nach hinten, Schulterblätter zusammen.&lt;br /&gt;
|Entspannte Längsausdehnung, dynamische Wölbung der Brustwirbelsäule und des Brustkorbs.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |12&lt;br /&gt;
|Ausatmen, sacht in eine aufrechte Haltung zurückkommen, Arme neben den Körper bringen&lt;br /&gt;
|Ausatmen, Arme senken, nächste Runde.&lt;br /&gt;
|ohne Angabe&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Yogameister und Yogarichtungen zum Surya Namaskar ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Pant_Pratinidhi_1928_Surya_Namaskar_Sequence.jpg|mini|Surya Namaskar mit 10 Positionen&amp;lt;br&amp;gt;Raja von Aundh (Illustration von 1928)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Raja von Aundh ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[wen:Bhawanrao Shriniwasrao Pant Pratinidhi|Raja von Aundh]] sagt, dass Surya Namaskar von jedermann zu jeder Jahreszeit allein oder in Gruppen ausgeführt werden kann, weil es ebensogut im Zimmer als auch im Freien praktiziert werden kann. Es nimmt nur einige Minuten am Tage in Anspruch, also drei bis zehn Minuten.&amp;lt;ref&amp;gt;André van Lysebeth: &#039;&#039;Yoga für Menschen von heute.&#039;&#039; Mosaik Verlag, München 1982, 1990, ISBN 3-570-01784-2, S. 274.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der vermutlich älteste Film mit dem Titel &#039;&#039;Surya Namaskar&#039;&#039; wurde von ihm wahrscheinlich im Jahr 1928 in Aundh gedreht. Der Raja veröffentlichte Bücher über diese Yoga-Sequenz in vielen Sprachen und zeigte diesen Film während seiner Reisen durch Indien und Europa, um für die Vorteile des Surya Namaskar zu werben.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=aYcwS2ePkMw &amp;lt;nowiki&amp;gt;Surya Namaskar 1928 by Raja of Aundh [Kalé/Novetzke].&amp;lt;/nowiki&amp;gt;]&#039;&#039; (0:01–0:40.) In: &#039;&#039;The Yoga of Power&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Swami Sivananda ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Sivananda.jpeg|mini|Sivananda, Wandzeichnung des Künstlers &#039;&#039;Josefo&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;© Das Foto unterliegt dem Copyright&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Sivananda]] schreibt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Im «Surya Namaskara» werden mehrere Yogastellungen mit rhythmischem (fließendem) Atem, zügiger Bewegungsabfolge, Sonnenbaden und andächtiger Kontemplation an die göttliche Kraft, die die Sonne darstellt, verbunden. Wir sind dazu eingeladen Surya Namaskar im Angesicht der Morgensonne zu praktizieren, indem wir unseren ganzen Körper in den lebensspendenden Sonnenstrahlen, den Spendern von Licht, Leben, Glück und Wärme für die ganze Welt baden. Surya Namaskar setzt sich aus zwölf Haltungen oder Phasen zusammen. Dabei fließt die eine Haltung geschmeidig und anmutig in die folgende. […] Wichtiger jedoch ist die innere Haltung, in der Surya Namaskara praktiziert wird. Nach innen gerichtet, beobachte jede noch so kleine im Körper vorgehende Bewegung, werde dir jeder körperlichen Veränderung, besonders der in der Wirbelsäule, bewusst. Damit dies möglich ist, ist es wichtig, dass der Geist ruhig und aufmerksam ist. Nachdem du über einige Monate hinweg praktiziert hast, wird diese Aufmerksamkeit, dieses Bewusstsein wachsen.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Surya_Namaskar#Swami_Sivananda_schreibt_%C3%BCber_Surya_Namaskar &#039;&#039;Swami Sivananda schreibt über Surya Namaskar.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bekannte Schüler von [[Swami Sivananda]] waren [[Swami Vishnudevananda]] und [[wen:Satyananda Saraswati|Swami Satyananda Saraswati]]. Eine mit Fotos bebilderte Anleitung der 12 Positionen des Sonnengebets der Sivananda Tradition findet sich auf der Seite der &#039;&#039;International Sivananda Yoga Vedanta Centres&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://sivananda.org/the-sun-salutation/ &#039;&#039;The Sun Salutation (Surya Namaskar).&#039;&#039;] In: &#039;&#039;International Sivananda Yoga Vedanta Centres.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Yoga Vidya ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Yoga Vidya ist das Sonnengebet eine dynamische Asanareihe des Hatha Yoga mit 12 Stellungen, die mit den zugehörigen 12 Mantren den hinduistischen Sonnengott Surya anrufen. Yoga Vidya versteht sich in der Tradition von Swami Sivananda. Das Sonnengebet ist Teil der Yoga Vidya Grundreihe.&amp;lt;ref&amp;gt;[[y:Sonnengruß|&#039;&#039;Sonnengruß.&#039;&#039;]] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Yoga_Vidya_Reihe#Surya_Namaskar_-_der_Sonnengru%C3%9F &#039;&#039;Surya Namaskar – der Sonnengruß.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ashtanga Yoga ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Surya Namaskar A B AYI.PNG|mini|350px|Surya Namaskara A &amp;amp; B (Ashtanga Yoga)&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;© Dr. Ronald Steiner, [https://de.ashtangayoga.info AYI.info]&amp;lt;/small&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Ashtanga Yoga wird der Sonnengruß mit Surya Namaskar A und B bezeichnet, die nacheinander zu Beginn der Yogapraxis geübt werden. Mit fünf Runden Sonnengruß A beginnt jede Praxis des Ashtanga Yoga. Er besteht aus 9 grundlegenden Bewegungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://de.ashtangayoga.info/ashtanga-yoga/surya-namaskara-a-sonnengruss/ &#039;&#039;Surya Namaskara A – der Sonnengruß des Ashtanga Yoga.&#039;&#039;] In:&amp;amp;nbsp;&#039;&#039;AYI.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Sonnengruß B erweitert die Bewegungen von Sonnengruß A; die 17 Bewegungen des Sonnengrußes B werden fünfmal wiederholt.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://de.ashtangayoga.info/ashtanga-yoga/surya-namaskara-b-sonnengruss/ &#039;&#039;Surya Namaskara B – der zweite Sonnengruß und Schritt in das Yoga.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;AYI.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausführung erfolgt mit [[y:Ujjayi|Ujjayi]]-Atmung, Energielenkung und Konzentration.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[y:Patthabi Jois|Patthabi Jois]] lässt im Vergleich zu Sivananda und Yoga Vidya Ausführungen beim Sonnengruß A die 6. Position ([[w:Adhomukha Shvanasana|Adho Mukha Shvanasana]]) acht Atemzüge halten. Diese entspricht beim Sonnengruß B der 6., 10. und 14. Position, wobei nur die letztere fünf Atemzüge gehalten wird.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=qNn9gQyQTGM &#039;&#039;Sun Salutation A tutorial by Pattabhi Jois.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Travel&amp;amp;Yoga&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=xI9rytach34 Surya Namaskara B Sri K Pattabhi Jois &amp;amp; 6 Students.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;Yoga Asanas&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== B. K. S.&amp;amp;nbsp;Iyengar ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Demonstration des Sonnengrußes mit Sprungvarianten zeigt [[w:B. K. S.&amp;amp;nbsp;Iyengar|B. K. S.&amp;amp;nbsp;Iyengar]]. Surya Namaskar ist seiner Ansicht nach nichts anderes als ein Teil von Yoga, denn jede Position hat einen Namen. Bei der 4. Position, Chaturanga Dandasana, betont Iyengar, dass der Körper auf den Zehenspitzen und den Handflächen balanciert wird ohne den Boden zu berühren.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=7wOce2c5NDk &#039;&#039;Guruji demonstrating Surya Namaskar at age 57 (1976) B.K.S.&amp;amp;nbsp;Iyengar.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;TS19 Media&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 27.&amp;amp;nbsp;März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Heinz Grill ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Anjaneyasana%2C_Heinz_Grill_1992.jpg|mini|Halbmond ([[Anjaneyasana]]) bei Position 4 und 9 im Sonnengebet]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sonnengebet hat [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]], Begründer des Schulungsweges &#039;&#039;Neuer Yogawille&#039;&#039;, mit verschiedenen Inhalten weiterentwickelt sowie heiltherapeutische Wirkungen und künstlerisch-ästhetische Bewegungsformen herausgearbeitet, die durch eine gedanklich orientierte Bewusstseinsaktivität des Übenden entstehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausführung erfolgt wie bei Sivananda mit 12 Positionen, jedoch mit dem Unterschied, dass die 4. und 9. Stellung – [[Ashva Sanchalanasana]] (Reiterposition) – weiterentwickelt und zum [[Anjaneyasana|Halbmond]] aufgerichtet wird.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga.&#039;&#039; S. 337 und 340.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anzahl der Runden, Geschwindigkeit, Tageszeit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Sivananda Tradition werden 3 bis 12 Runden empfohlen, in langsamerem Tempo für spirituelles Wachstum und in schnellerem Tempo, wenn der physische Aspekt im Vordergrund steht. Wenn ein Reinigungsprozess in Gang kommen soll, kann Surya Namaskar täglich mit 108 Runden geübt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Asana Pranayama Mudra Bandha.&#039;&#039; 4. Auflage. Ananda Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-928831-37-6, S.&amp;amp;nbsp;172.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Vishnudevananda]] empfiehlt, die volle Runde von Surya Namaskar zwölfmal täglich zu wiederholen.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Vishnudevananda: &#039;&#039;Das große illustrierte Yogabuch.&#039;&#039; 18.&amp;amp;nbsp;Auflage. Aurum Verlag, Kamphausen 2019, ISBN 978-3-89901-183-8, S.&amp;amp;nbsp;86.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zeitliche Angaben finden sich mit langsameren und schnelleren Runden, aber auch mit konkreten Zeitangaben, die von 15 bis 45 Sekunden für eine Runde variieren können:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Das Sonnengebet wird in der Regel im rhythmischen Aufbau von beginnenden langsameren Runden zu immer schneller werdenden Einsätzen der einzelnen Bewegungen praktiziert. Am Anfang dauern die zwölf Übungen etwa eine halbe Minute bis 45 Sekunden, schließlich aber kann der Übende die Geschwindigkeit steigern und seinen Kräfteeinsatz gezielt auf bestimmte Partien ausrichten. Er übt die zwölf Teilbewegungen manchmal sogar in einem rhythmischen Fluss des Wechsels von Entspannung und Anspannung innerhalb von fünfzehn Sekunden.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausführung kann von einigen Runden bis zu einer zwanzig- oder dreißigmaligen Wiederholung geschehen und je nach Kondition lässt sich der Zyklus schneller oder langsamer praktizieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Power Yoga wird der Sonnengruß auch 36-mal als „rituelle Herausforderung“ praktiziert.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=p2is7EnKuaE&amp;amp;t=387s &#039;&#039;Power Yoga 36 Sun Salutations with Trevis Eliot A Ritual Challenge.&#039;&#039;]. In: &#039;&#039;Travis Eliot&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 23.&amp;amp;nbsp;März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch die Anzahl von 108 Runden findet sich als bekannte Praxis des Sonnengebets.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=sw4hq8z5R_M &#039;&#039;108 Sonnengrüße, Warum-Wieso-Wann, meine Erlebnisse nach 108 Sonnengrüßen.&#039;&#039;]. In: &#039;&#039;Yoga mit Nicole Reiher&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 23. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.youtube.com/watch?v=sw4hq8z5R_M &#039;&#039;Live Yogastunde 108 Sonnengrüße mit Vani Devi und Vishnu-Shakti – 09:15 Uhr 26.03.2020.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yoga Vidya - Live&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 23. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;Als ideale Zeit wird der Sonnenaufgang angesehen, da er als die friedvollste Zeit des Tages gilt. Auch die Zeit des Sonnenuntergangs ist geeignet.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Asana Pranayama Mudra Bandha.&#039;&#039; 4. Auflage. Ananda Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-928831-37-6, S.&amp;amp;nbsp;163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Konzentration und Visualisierung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[w:André van Lysebeth|André van Lysebeth]] bezeichnet die Konzentration bei der Ausübung des Surya Namaskar als wesentlich, da jede Bewegung eine aktive Beteiligung des Bewusstseins erfordere. Er empfiehlt: „Denken Sie an die strahlende Sonne, konzentrieren Sie sich auf diesen Anreger des Lebens auf dieser Welt. Alle Energie, selbst jene, die Sie zur Ausübung dieser Asana brauchen, kommt von ihrer Strahlung. Denken Sie an die kosmische Kraft, welche sich in der Sonne manifestiert. Diese Einstellung gibt Ihrer Haltung und Übung einen höheren Sinn und wird Sie beflügeln.&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;André van Lysebeth: &#039;&#039;Yoga für Menschen von heute.&#039;&#039; Mosaik Verlag, München 1982, 1990, ISBN 3-570-01784-2, S. 278.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Konzentration auf die Sonne im Sinne einer Visualisierung findet sich bei der Ausübung nach [[w:Satyananda|Satyananda]]: Vorbereitend kann der Körper in der stehenden Position wahrgenommen und gedanklich entspannt werden, indem die Aufmerksamkeit vom Scheitel systematisch durch den Körper gelenkt wird. Dann erfolgt die Wahrnehmung des Zentrums an der Stirn, wo eine leuchtend rote aufgehende Sonne visualisiert wird, die Körper und Geist mit belebenden und heilenden Strahlen durchströmt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Chakren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Chakras_Demostration.png|mini|Die sieben Chakren und ihre Lokalisation an der Wirbelsäule]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Den einzelnen Positionen des Sonnengebets werden nach Angaben von Yoga Vidya und Swami Satyananda Wirkungen auf alle 7 Chakren zugeordnet, beginnend mit dem Anahata Chakra, dem 4. (Energie-) Zentrum oder Herzchakra in der 1. Position:&amp;lt;ref&amp;gt;[[y:Sonnengruß#Wirkungen|&#039;&#039;Wirkungen.&#039;&#039;]] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Asana Pranayama Mudra Bandha.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;164–173.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:11px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|+&lt;br /&gt;
! Position&lt;br /&gt;
! Asana&lt;br /&gt;
! Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |1&lt;br /&gt;
|Pranamasana&lt;br /&gt;
|4. Zentrum – Anahata Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |2&lt;br /&gt;
|Hasta Uttanasana&lt;br /&gt;
|5. Zentrum – Vishuddha Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |3&lt;br /&gt;
|[[Uttanasana|Padahastasana]]&lt;br /&gt;
|2. Zentrum – Svadhisthana Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |4&lt;br /&gt;
|[[Ashva Sanchalanasana]]&lt;br /&gt;
|6. Zentrum – Ajna Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |5&lt;br /&gt;
|Dandasana&lt;br /&gt;
|1. Zentrum – Muladhara Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |6&lt;br /&gt;
|Ashtanga Namaskara&lt;br /&gt;
|3. Zentrum – Manipura Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |7&lt;br /&gt;
|[[Bhujangasana]]&lt;br /&gt;
|4. Zentrum – Anahata Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |8&lt;br /&gt;
|Parvatasana&lt;br /&gt;
|1. Zentrum – Muladhara Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |9&lt;br /&gt;
|Ashva Sanchalanasana&lt;br /&gt;
|6. Zentrum – Ajna Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |10&lt;br /&gt;
|Padahastasana&lt;br /&gt;
|2. Zentrum – Svadhisthana Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |11&lt;br /&gt;
|Hasta Uttanasana&lt;br /&gt;
|5. Zentrum – Vishuddha Chakra&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| align=&amp;quot;center&amp;quot; |12&lt;br /&gt;
|Tadasana&lt;br /&gt;
|7. Zentrum – Sahasrara Chakra&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Neuen Yogawillen wird der Bewegungsansatz aus dem 3. Zentrum betont:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Aus dem Manipura Chakra, der Mitte der Wirbelsäule, wird die Bewegung im Sonnengebet oder Sonnengruß, surya namaskar hier angesetzt und strömt von dort zentrifugal nach außen bis in die Gliedmaßen. Der Körper wird mit jeder Vorwärts- und Rückwärtsbewegung stetig länger und gewinnt einen ästhetischen Ausdruck.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://www.youtube.com/watch?v=9IAWkAcEtLo Der Sonnengruß - surya namaskar.]&#039;&#039; Begleittext zum Video. In: &#039;&#039;Yoga Heinz Grill&#039;&#039; (YouTube-Kanal). Abgerufen am 30. April 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{#ev:youtube|9IAWkAcEtLo|530x310|center|Der Sonnengruß - surya namaskar}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Atmung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verbindung von Atmung und Bewegung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Üblicherweise wird beim Sonnengebet die Bewegung mit der Atmung verbunden. Bei der 12 Positionen umfassenden Variante beginnt Position 1 mit dem Ausatmen, dann folgt wechselweise Ein- und Ausatmen, jedoch wird bei der Position 5 – Dandasana oder Schiefe Ebene – der Atem eingeatmet angehalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn du das Sonnengebet zum ersten Mal übst, ist es nicht notwendig, jede Bewegung gleichzeitig mit der entsprechenden Ein- oder Ausatmung auszuführen. Richte deine Aufmerksamkeit anfangs lieber auf langsame Bewegungen und Übergänge von einer Stellung zur nächsten. Nimm dabei so viele Atemzüge wie nötig.“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Sonnengru%C3%9F#Was_ist_der_Yoga_Sonnengru%C3%9F? &#039;&#039;Was ist der Sonnengruß?&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
André van Lysebeth weist auf die Wichtigkeit hin, den Atem zu koordinieren, er müsse leicht gehen. Wenn Atmung und Bewegung koordiniert werden, kann Surya Namaskar ohne Ermüdung und ohne außer Atem zu kommen, praktiziert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;André van Lysebeth: &#039;&#039;Yoga für Menschen von heute.&#039;&#039; S. 280.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rhythmische Führung des Atems ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinz Grill beschreibt, dass man beim Sonnengebet den Zusammenhang von Atem und Bewegung unmittelbar erleben kann: „Alle Bewegungsformen sind wie der kommende und gehende Atem. Bewegung ist fortgesetzte Atemtätigkeit. Ein Zyklus, der in der Bewegung das zwar rhythmisch geführte, aber doch freie Wechselspiel des Atems offenbart.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Das Sonnengebet.&#039;&#039; Kapitel in: &#039;&#039;Kosmos und Mensch.&#039;&#039; 4.&amp;amp;nbsp;Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-6-8, S.&amp;amp;nbsp;200.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Freier Atem ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Neuen Yogawillen wird die Atmung auch frei nach individuellem Bedarf zugelassen, insbesondere wenn eine oder mehrere Stellungen intensiver ausgearbeitet werden.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mantren zum Sonnengebet ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sivananda ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Sivananda]] teilt in seinem Buch &#039;&#039;Das Sonnengebet&#039;&#039; ein Originalgebet mit dem Namen „Surya Namaskaram“ mit, wie es aus dem Sanskrit überliefert ist. Folgend seine deutsche Übersetzung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„OM. Ich verehre Surya, die geistige Sonne, den schönen Herrn der Welt, den Unsterblichen, von dem alle Heiligen Schriften sprechen, den Bezeuger aller Gunst, der Kenntnis ist in der Form von Brahman (das Absolute), den Herrn der Engel, den Unbefleckten, das eine wahre Bewußtsein der Welt, den Herrn der Geistwesen und der Menschen, den Lehrer der Engel, den Juwelen-Eckstein der drei Welten, den Einen in der Form der Dreifaltigkeit, den Geber des Lichts.&lt;br /&gt;
Das Gesicht der Wahrheit ist mit einer goldenen Schale überdeckt. Lüfte diese Schale der Materie, oh Sonne, damit ich hinter ihr Deine geistige Wahrheit erkennen kann.&lt;br /&gt;
O geistiger Ernährer, einzig-seiendes, alles-beherrschendes Wesen, Logos, Sohn des Schöpfers, sende deine Strahlen aus und sammle Dein brennendes Licht an; ich gewahre Deine glorreiche strahlende Form, ich bin Er, das Wesen in Dir.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Surya Namaskaram – Das Sonnengebet&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Das Sonnengebet. Eine Yogaübungsreihe für Jedermann.&#039;&#039; 4. Auflage. Humata Verlag, Bern, ISBN 3-7197-0424-6, S.&amp;amp;nbsp;21.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit diesem Gebet sind 12 Anrufungen der Sonne verbunden, die in der Tradition des Sivananda-Yoga mit den 12 Bewegungen der Übungsfolge des Sonnengebets verbunden werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ mitrāya namaḥ&#039;&#039; – der Du alle liebst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ ravaye namaḥ&#039;&#039; – der Du die Ursache aller Veränderung bist, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ sūryāya namaḥ&#039;&#039; – der Du der Beweggrund aller Tätigkeit bist, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ bhānave namaḥ&#039;&#039; – der Du Licht ausstrahlst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ kaghāya namaḥ&#039;&#039; – der Du himmlische Wonne erregst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ pūṣṇe namaḥ&#039;&#039; – der Du alles Leben nährst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ hiraṇyagarbhāya namaḥ&#039;&#039; – der Du alles in Dir selbst enthältst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ marīcaye namaḥ&#039;&#039; – der Du selbst-leuchtend bist, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ ādityāya namaḥ&#039;&#039; – der Du das höchste Wesen, Liebe, bist, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ savitre namaḥ&#039;&#039; – der Du alles Leben erzeugst, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ ārkāya namaḥ&#039;&#039; – der du anbetungswürdig bis, ich verneige mich vor Dir&lt;br /&gt;
# &#039;&#039;oṃ bhāskarāya namaḥ&#039;&#039; – der Du die Ursache allen Lichtes und allen Glanzes bist, ich verneige mich vor Dir&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Das Sonnengebet.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;22–24.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Strebt man „mit der Übungsreihe des Surya Namaskaram eine besondere geistige Erhebung an“, ist der Gebrauch des Originalgebets und der 12 Anrufungen empfehlenswert. Vor jeder Übungsstellung kann eine der 12 Anrufungen vorgenommen werden, „was aber nur in Gedanken und ohne Bewegung der Lippen und Stimmbänder geschieht“.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Das Sonnengebet.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;19.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Neuer Yogawille ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Neuen Yogawillen finden die Surya-Mantren Erwähnung, dass diese „die Verehrung zu der Sonne und ihrem lebensspendenden Geist ausdrücken.“ Der intuitive Geist, der dem Mantra von Surya Namaskara zugrunde liege, trage eine verborgene Weisheit, die heute auf eine andere, detaillierte und konkrete Weise beleuchtet werden müsse. Heinz Grill gibt als Inhalt das folgende, von ihm komponierte Mantra, das in melodischer Form mit den Bewegungen und der Atmung kombiniert wird und auf eine rhythmische Entwicklung des individuellen und kollektiven Lebens hindeutet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Aus dem Mutterboden wächst das Selbst&lt;br /&gt;
# in sprießender Energie,&lt;br /&gt;
# wie ein Knabe&lt;br /&gt;
# zum Schüler wird,&lt;br /&gt;
# den das Lernen&lt;br /&gt;
# zum Bitten führt,&lt;br /&gt;
# wachend&lt;br /&gt;
# zur großen Prüfung.&lt;br /&gt;
# Treue Ergebenheit&lt;br /&gt;
# im Dienst&lt;br /&gt;
# führt den Jüngling&lt;br /&gt;
# zum Vater.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt.&#039;&#039; 2. Auflage. Lammers-Koll-Verlag, 2008, ISBN 978-3-935925-70-9. S.&amp;amp;nbsp;42.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gesundheitliche Wirkungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Körperliche und psychische Wirkungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Yogaübungen überwiegend einen positiven gesundheitlichen Effekt haben, ist durch Studien belegt. Präventive und therapeutische Wirkungen wurden erforscht und angewendet. Akute Verletzungen treten demnach äußerst selten auf. Eine Verbesserung der allgemeinen Belastbarkeit und Regeneration konnte vielfach erzielt werden.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0949328X10000566&#039;&#039;Yoga- Sportmedizinische Aspekte.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;ScienceDirect.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissenschaftlich wurde nachgewiesen, dass die Wirbelsäulenbeweglichkeit bei dynamischen Yoga-Formen signifikant steigt, und zwar bezogen auf das gesamte Bewegungsausmaß als auch auf die Beweglichkeit der Brustwirbelsäule.&amp;lt;ref&amp;gt;S.&amp;amp;nbsp;Rudolph, S.&amp;amp;nbsp;Kruft, A. Göring, M. Jetzke: [https://www.germanjournalsportsmedicine.com/fileadmin/content/archiv2016/Heft_5/Kurzbeitrag_Rudolph_Wirbelsauelenbeweglichkeit_Yoga_2016-05.pdf &#039;&#039;Eine empirische Vergleichsstudie zu den Wirkungsweisen von Yoga auf die Wirbelsäulenbeweglichkeit.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;German Journal of Sports Medicine.&#039;&#039; Abgerufen am 26. März 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Praktizieren des Sonnengebets dehnen und kräftigen sich Muskeln und Gelenke. Die Atemkapazität und das Herz-Kreislaufsystem werden durch die Ausdauerleistung günstig angeregt.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://wiki.yoga-vidya.de/Surya_Namaskar#Gebet_an_Surya&#039;&#039;Sukadev über Wirkung von Surya Namaskar auf den physischen Körper.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Yogawiki.&#039;&#039; Abgerufen am 27. Februar 2026.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Körpersysteme – das Herz-Kreislauf-System sowie das Atem- und das Verdauungssystem – kommen ins Gleichgewicht, auch das Hormonsystem wird günstig beeinflusst. Es wird empfohlen mit leerem Magen zu praktizieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Angaben von [[Swami Vishnudevananda]] reduziert diese Übung – eine Kombination aus Yogaasana und Atmung – das Fett der Bauchregion, macht Rückgrat und Glieder biegsam und erhöht die Atemkapazität. Für steife oder steif gewordene Menschen sei Surya Namaskar eine wundervolle Hilfe, die verlorene Flexibilität wiederzuerlangen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Energetische Wirkungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die 12 Haltungen sollen Prana, feinstoffliche Energie, erzeugen, die den physischen Körper aktiviert.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Surya Namaskara.&#039;&#039; 3. Auflage. Ananda Verlag, Ratzeburg 2018, ISBN 978-3-947908-01-1, S.&amp;amp;nbsp;3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Neuen Yogawillen wird beim Sonnengebet die Unterscheidung eingebracht, ob Energien aus dem Körper freigesetzt werden oder die Übung ausgehend von empfindsamen Vorstellungen durchgestaltet wird. Ersteres wird als Weg von unten nach oben, letzteres – die aktive Bewusstseinstätigkeit entsprechend dem Sinnbild der Übung – als Weg von oben nach unten bezeichnet. Durch diesen Ansatz aus dem Bewusstsein entsteht eine energetische Wirkung vom Bewusstsein zum Körper oder von oben nach unten und nicht nur eine Freisetzung der im Körper aufgespeicherten Energien.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;39–40.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Wirkung des Bewusstseins auf die Gesundheit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer gesundheitlicher Aspekt entsteht nach dem Neuen Yogawillen, wenn die Übung durch eine bewusste, mentale und wahrnehmende Tätigkeit gestaltet wird und nicht nur wie eine Fitnessübung funktional absolviert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Yogaübungen wirken gesundheitlich im allgemein günstig auf den Stoffwechsel, das Nervensystem und den Bewegungsapparat. Man kann Heilwirkungen dahin gehend unterscheiden, dass die Funktionalität des Körpers beeinflusst wird durch die Bewegung, die Lage des Körpers, Muskelanspannungen, Dehnungen und Massagewirkungen. Ein weiterer «heiltherapeutischer Wirkungskreis» eröffnet sich durch eine bewusstseinsorientierte mentale Aktivität, die das Leben mit neuen Perspektiven bereichert.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Das große Buch der Heilkraft durch Yogaaktivität.&#039;&#039; 4.&amp;amp;nbsp;Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2025, ISBN 978-3-948803-19-3, S.&amp;amp;nbsp;26.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Wirkungen auf das Immunsystem ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Aktivierung des Immunsystems und antidepressive Wirkungen entstehen durch einen Rhythmus von gezielter Anspannung und Entspannung bei der Ausführung der Übung. Das Immunsystem kann durch ein Beteiligtsein des gedanklichen Bewusstseins und damit verbundener Wahrnehmungsprozesse aktiviert und in seiner Abwehrfunktion gestärkt werden. Der aktive, gegliederte Krafteinsatz aus der Brustwirbelsäule bei gleichzeitiger Entspannung von Nacken, Gesicht und Schultergelenken führt zu einem Empfinden einer Gliederung des Körpers und einer aus der Mitte in die Peripherie ausgleitenden Bewegung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die günstige Wirkung auf das Immunsystem entsteht dadurch, dass durch diese Bewusstseinsaktivität unbelebte, nicht mehr spürbare Zonen des Körpers, z. B. die Brustwirbelsäule, wie neu durchlichtet und reintegriert werden. Diese selbst geschaffenen, gesunden Kräfte wirken auch einer Zelldegeneration entgegen. „Eine Immunstärkung entsteht immer, wenn der Übende seine Bewusstseinskräfte mit klaren Vorstellungsinhalten gebrauchen lernt und diese gegenüber einer Sache oder, in dem Fall wie es dem &#039;&#039;surya namaskara&#039;&#039; entspricht, anwenden lernt.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Antidepressive Wirkung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf die Psyche bezogen kann eine bewusst gestaltete Bewegung Freude erzeugen und Depressionen entgegenwirken.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Heilwirkung durch Entwicklung gesunder Gefühle ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin kann sich das Seelenleben bereichern, da der Übende beim Sonnengebet eine reale Empfindung, ein „Heilsempfinden“ in der Form ausprägen und erfahren kann, dass sich seine Seele näher mit der Körper- und Erdenwelt und der Atemtätigkeit verbindet. Dieses zu entwickelnde Empfinden wirkt wärmend, aufbauend und stoffwechselfördernd auf den Körper.&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;40.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[:Kategorie: Asana]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Rajah von Aundh: &#039;&#039;Das Sonnengebet.&#039;&#039; 19. Auflage. Artha Verlag, Oy-Mittelberg 1994, ISBN 978-3-89575-096-0.&lt;br /&gt;
* Heinz Grill: &#039;&#039;Das große Buch der Heilkraft durch Yogaaktivität.&#039;&#039; 4. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2025, ISBN 978-3-948803-19-3.&lt;br /&gt;
* Heinz Grill: &#039;&#039;Ein neuer Yogawille für ein integratives Bewusstsein in Geist und Welt. Initiatorische Schulung in Arco. Band 3.&#039;&#039; 2. Auflage. Lammers-Koll-Verlag, Niefern-Öschelbronn 2008, ISBN 978-3-935925-70-9.&lt;br /&gt;
* Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga. Praktische Grundlagen zu einem spirituellen Übungsweg.&#039;&#039; 5., erweiterte Auflage. Lammers-Koll-Verlag, Staufen 2018, ISBN 978-3-941995-48-2.&lt;br /&gt;
* André van Lysebeth: &#039;&#039;Yoga für Menschen von heute.&#039;&#039; Mosaik Verlag, München 1982, 1990, ISBN 3-570-01784-2.&lt;br /&gt;
* Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Asana Pranayama Mudra Bandha.&#039;&#039; 4. Auflage. Ananda Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-928831-37-6.&lt;br /&gt;
* Swami Satyananda Saraswati: &#039;&#039;Surya Namaskara.&#039;&#039; 3. Auflage. Ananda Verlag, Ratzeburg 2018, ISBN 978-3-947908-01-1.&lt;br /&gt;
* Sivananda Yoga Zentrum: &#039;&#039;Yoga.&#039;&#039; 7. Auflage. Mangalam Books, Lautersheim 2008, ISBN 978-3-922477-40-2.&lt;br /&gt;
* Swami Vishnudevananda: &#039;&#039;Das große illustrierte Yogabuch.&#039;&#039; 18. Auflage. Aurum Verlag, Kamphausen 2019, ISBN 978-3-89901-183-8.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Asana]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten mit Sanskritbegriff]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Surya_Namaskara&amp;diff=13545</id>
		<title>Surya Namaskara</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Surya_Namaskara&amp;diff=13545"/>
		<updated>2026-04-30T15:30:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: Korrektur&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;#WEITERLEITUNG [[Surya Namaskar]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Surya_Namaskara&amp;diff=13544</id>
		<title>Surya Namaskara</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Surya_Namaskara&amp;diff=13544"/>
		<updated>2026-04-30T15:30:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: Weiterleitung erstellt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;#WEITERLEITUNG [[Surya Namaskara]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Anjaneyasana&amp;diff=13543</id>
		<title>Anjaneyasana</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Anjaneyasana&amp;diff=13543"/>
		<updated>2026-04-30T15:29:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Anjaneyasana als Übung im Sonnengruß */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Āñjaneyāsana, Julija Zora Mazover, 2022.jpg|mini|330px|Anjaneyasana (Halbmond)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Anjaneyasana&#039;&#039;&#039; ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] आञ्जनेयासन, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;āñjaneyāsana&#039;&#039;), deutsch &#039;&#039;&#039;Halbmond&#039;&#039;&#039;, ist eine Übung des Yoga. Sie gehört zur Kategorie der Rückwärtsbeugen. Der Sanskritname &#039;&#039;āñjaneyāsana&#039;&#039; setzt sich aus den Wörtern &#039;&#039;āñjaneya&#039;&#039;, ein Name für „[[w:Hanuman|Hanuman]]“, dem indischen Gott der Affen,&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=AJjaneya&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „AJjaneya“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 31. August 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;āsana&#039;&#039; „Sitz“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=Asana&amp;amp;dir=au &#039;&#039;Suchergebnisse für „Asana“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 31. August 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; oder allgemeiner übersetzt „Körperhaltung“ zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei manchen Yogarichtungen bzw. Yogaautoren, z.&amp;amp;nbsp;B. Yoga Vidya oder Sivananda Yoga ist mit der Bezeichnung Anjaneyasana die Asana „Spagat“ gemeint&amp;lt;ref&amp;gt;Sivananda Yoga Zentrum (Hrsg.): &#039;&#039;Yoga für alle Lebensstufen.&#039;&#039; 11.&amp;amp;nbsp;Auflage. Gräfe und Unzer Verlag, 1997, ISBN 3-7742-6200-4, S.&amp;amp;nbsp;140.&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Swami Vishnudevananda]] nennt sowohl den Halbmond als auch den Spagat Anjaneyasana.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Swami Vishnu-Devananda: &#039;&#039;Das große illustrierte Yoga-Buch.&#039;&#039; 6. Auflage. Aurum Verlag, 1997, ISBN 3-591-08183-3, S.&amp;amp;nbsp;162 und 189.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Name für den Spagat ist jedoch in den meisten Yogastilen [[wen:Hanumanasana|Hanumanasana]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorbemerkungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den alten Hatha-Yoga-Schriften, beispielsweise in der [[w:Hathapradipika|Hathapradipika]] (verfasst im 14.&amp;amp;nbsp;Jhd.) und der [[w:Gherandasamhita|Gherandasamhita]] (wahrscheinlich verfasst im 17.&amp;amp;nbsp;Jhd.) ist Anjaneyasana nicht erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anjaneyasana wird immer zweimal, d. h. mit einem Wechsel der Beine ausgeführt. Im Folgenden ist die Übung mit dem zurückgestreckten rechten Fuß beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Unterschied in den verschiedenen Ausführungsarten ergibt sich aus der Position des gebeugten vorderen Knies, das in der Endposition vertikal gesehen entweder hinter,&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; genau über&amp;lt;ref name=&amp;quot;:6&amp;quot;&amp;gt;Dr. Ronald Steiner: &#039;&#039;[https://de.ashtangayoga.info/ashtanga-yoga/inspirationen-fuer-die-praxis/anjaneya%CC%84sana-ronald/ Anjaneyāsana – Vom Affengott Hingabe lernen.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;ashtangayoga.info.&#039;&#039; Abgerufen am 7.&amp;amp;nbsp;September 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder vor&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt; dem Fuß platziert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Ananda-Yoga trägt Anjaneyasana den Namen &#039;&#039;&#039;Banarasana&#039;&#039;&#039; und wird mit der deutschen Übersetzung „Der Affe“ angegeben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Jayadev Jaerschky: &#039;&#039;Yoga des Yogananda. Klassische Texte und Übungen für heute.&#039;&#039; 1. Auflage. Verlag Via Nova, 2019, ISBN 978-3-86616-442-0, S.&amp;amp;nbsp;230&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings gibt es für das Wort „Affe“ kein Sanskritwort, das entsprechend &#039;&#039;banara&#039;&#039; lauten würde. Ein bis auf den Anfangsbuchstaben identisches Wort für Affe ist hingegen &#039;&#039;vānara&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=vAnara&amp;amp;dir=se Suchergebnisse für „vAnara“.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 2. September 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&#039;Vanarasana&#039;&#039;&#039; beschreibt Yoga Vidya als [[y:Vanarasana|Variation von Anjaneyasana]]. Die Hände der gestreckten Arme werden im Unterschied zu Anjaneyasana nicht zusammengeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Körperliche Ausführung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Vishnudevananda]], Schüler von [[Swami Sivananda]], lässt bei der Anleitung zu Anjaneyasana den rechten Fuß so weit wie möglich zurückstrecken und den linken Fuß mit nur leicht leicht gebeugtem Knie (das Knie ist vertikal gesehen hinter dem Fuß) am Boden platzieren. Dann werden die Hände über den Kopf geführt. Sie berühren sich. Langsam beginnt die Beugung des Oberkörpers nach hinten, bis Hände, Kopf, Rücken und Beine einen Halbkreis bilden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Āñjaneyāsana Vorbereitung Beindynamik, Julija Zora Mazover, 2022.jpg|mini|Vorbereitungsphase bei der Ausführung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erling Petersen, ein Schüler von [[wen:Swami Narayanananda|Swami Narayanananda]], behandelt Anjaneyasana nicht als für sich stehende Asana, sondern integriert sie in einen Zyklus von 6 Übungen zum Training des Rückens. Ausgehend vom Kniestand wird der linke Fuß so nach vorne gestellt, dass sich der linke Unterschenkel senkrecht über dem Fuß befindet. Nun wird der Körper nach vorne geschoben und in den Stand eingesunken. Das Fußgelenk wird stark gebeugt, wobei die Ferse in Kontakt zum Boden bleibt. Das linke Knie ist nun vertikal betrachtet vor dem linken Fuß. Der Oberkörper ist zunächst aufrecht und die Arme hängen entspannt nach unten. Dann werden die Arme gestreckt nach oben geführt und die Rückwärtsbeuge ausgeführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;Erling Petersen: &#039;&#039;Das Yoga Übungsbuch.&#039;&#039; 4. Auflage. Heyne Ratgeber 08/9299, ISBN 3-453-04104-6, S.&amp;amp;nbsp;78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] gibt den Hinweis, in den Beinstand weich und weit nach vorne einzusinken und die Hüfte möglichst tief in die Bodennähe zu führen. Das linke Knie ist vertikal gesehen vor den Zehenspitzen. Die Arme und Schultern bleiben in dieser Anfangsphase entspannt und unterstützen das immer tiefere Einsinken in den Stand. Er gebraucht das Bild einer Schale: „Wie eine Schale, die sich aufnahmefähig nach oben öffnet, so sollten Sie sich in dieser Ausgangslage empfinden.“ Dann werden die Arme gehoben und die Brustwirbelsäule dehnt sich in den Halbmond zurück. Der Oberkörper bleibt weiter entspannt, der Atem fließt frei und die Formung der Wirbelsäule nach hinten geschieht in der Brustwirbelsäule, die sich Wirbel für Wirbel löst.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:4&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga.&#039;&#039; 7.,&amp;amp;nbsp;unveränderte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2022, ISBN 978-3-948193-00-3, S.&amp;amp;nbsp;202&amp;amp;nbsp;ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Vorübungen aufbauend wird im Ashtanga Yoga das gestreckte rechte Bein gebeugt und mit der rechten Hand von außen die Fußaußenkante gefasst. Nun wird der Ellbogen nach oben geklappt, der so ergriffene Fuß zur Schädeldecke geführt und und schließlich auch mit der zweiten Hand der Fuß ergriffen. Dr. Ronald Steiner gibt den Hinweis, dass eine ausgeglichene und harmonische Beweglichkeit in der Rückbeuge nicht durch rohe Gewalt entstehe, sondern durch sanfte [[Bhakti|Hingabe]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;:6&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Führung der Aufmerksamkeit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Sinne des Ananda-Yoga kann die Aufmerksamkeit einerseits auf die Kraft des untersten Chakra, Muladhara-Chakra, und andererseits auf die erhobenen Arme, die eine weise Offenheit für eine höhere Quelle symbolisieren, gelenkt werden. In der Endstellung wird vorgeschlagen, den folgenden Satz zu affirmieren: „Ich stimme meinen Willen auf den Urquell aller Kraft ein.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufmerksamkeit kann auch auf die seelische Bedeutung von Anjaneyasana gerichtet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Seelische Bedeutung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Anjaneyasana, Heinz Grill 1992.jpg|mini|330px|Anjaneyasana mit weiter Ausdehnung des Rückens (Heinz Grill 1992)&amp;lt;br&amp;gt;„Ein weiches Einsinken mit der Hüfte zum Boden erlaubt eine freie Bewegung nach oben. Dieses vorbildliche Einsinken erleichtert schließlich die Ausdehnung im Rücken.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:5&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Das große Buch der Heilkraft durch Yogaaktivität.&#039;&#039; 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Neuauflage 2025. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2025, ISBN 978-3-948803-19-3, S.&amp;amp;nbsp;142.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Imagination&amp;lt;ref&amp;gt;„Das Wort Imagination bedeutet nicht Einbildung und hat auch nicht sehr viel mit Phantasie zu tun. Rudolf Steiner prägte den Begriff für eine Form des Denkens, das bildhaft ist und in lebendigem seelischen Zusammenhang steht. Dieses bildhafte Denken ist nicht nur typischerweise intellektuell, sondern beziehungsfreudig und schließt seelische und geistige Wahrheiten in die Betrachtung mit ein. Imaginationen stellen deshalb seelisch reale, inhaltliche Darstellungen zur Verfügung.“&amp;lt;br /&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S.&amp;amp;nbsp;182.&amp;lt;/ref&amp;gt; zur seelischen Bedeutung von Anjaneyasana formuliert [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] aus geistiger Forschung mit folgenden Worten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Diese hervorragende Stellung beschreibt die beiden Bewegungsrichtungen, die das Bewusstsein oder mit dem Fachbegriff der „[[a:Astralleib|Astralleib]]“, einnimmt. Diese beiden Bewegungen sind einerseits zur Weite und Offenheit in die Welt und in den kosmischen Raum und andererseits zur Erde und Integration in die Erde gerichtet. Diese beiden Bewegungsrichtungen drücken sich in der Übung aus. Der Astralleib sucht immerfort eine Ausdehnung, er ist gleichsam wie das Licht des [[a:Kosmos|Kosmos]], das sowohl zur Erde als auch zu den Weltenräumen ausstrahlend und sehnsüchtig nach empfindsamer Berührung tätig ist. […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Übende spürt den Zusammenhang von Entspannung, Einsinken in den Stand, in die Nähe zur Erde und der möglichen Durchstreckung der Wirbelsäule in die Offenheit zum Kosmos. Die Bewegungsrichtungen sind tatsächlich voneinander abhängig, der Weg zu der Erde und der Weg in das Licht des Kosmos. Je weiter das Einsinken in den Stand gelingt, um so leichter lässt sich die Brustwirbelsäule durchstrecken und in die Offenheit führen. In der Erkenntnis dieser beiden Bewegungsrichtungen und in der Entwicklung einer Erfahrung des Hingegebenseins an die inneren, verborgenen, profunden Ziele, die das Bewusstsein finden möchte, liegt der Sinn dieser sehr wichtigen &#039;&#039;āsana&#039;&#039;.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:4&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gesundheitliche Aspekte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erling Petersen gibt an, dass die Übung die Hüftgelenke und die Knie trainieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt; Der Ananda-Yoga weist auf die Öffnung von Brust, Bauch und Hüften hin, die die Ausführung der Übung mit sich bringt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt; Yoga Vidya erwähnt das Training und die Dehnung des [[w:Musculus psoas major|Psoa Muskels]].&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[[y:Anjaneyasana#K%C3%B6rperliche_Wirkung_von_Anjaneyasana|Anjaneyasana.]]&#039;&#039; In: &#039;&#039;yoga-vidya.de.&#039;&#039; Abgerufen am 7. September 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Muskel befindet sich jeweils halb seitlich am oberen Oberschenkel und am unteren Rücken. Er ist für die Hüftbeweglichkeit verantwortlich und maßgeblich für das Heben der Beine, z.&amp;amp;nbsp;B. in der Fortbewegung zuständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indem bei der Praxis das zusammenwirkende Wechselspiel von [[Morning_Has_Broken#Loslösung_und_Neubeginn|Loslassen]] und Anspannen kennengelernt wird, kann dieses auch im Leben entdeckt werden, z.&amp;amp;nbsp;B. in der Kommunikation.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:5&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anjaneyasana als Übung im Sonnengruß ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anjaneyasana ist die 4. und 9. Stellung des Sonnengrußes oder Sonnengebetes ([[Surya Namaskar]]). Je nach Yogatradition werden die Hände bei der Übung in Kontakt zum Boden gelassen und die Arme nicht in die Rückwärtsbeuge integriert. Als Übung im 12-teiligen Zyklus des Surya Namaskara, IAST &#039;&#039;sūrya namaskāra&#039;&#039;, trägt sie einen eigenen Namen und wird &#039;&#039;&#039;Ashva Sanchalanasana&#039;&#039;&#039; genannt, Sanskrit अश्वसञ्चालनासन, IAST &#039;&#039;aśva-sañcālanāsana&#039;&#039;, von &#039;&#039;aśva&#039;&#039; „Pferd“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=ashva&amp;amp;dir=se Suchergebnisse für „ashva“.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 31. August 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;sañcālana&#039;&#039; „Bewegung, Schütteln, Zittern“.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=saJcalana&amp;amp;dir=se Suchergebnisse für „saJcalana“.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 31. August 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die deutsche Bezeichnung für die Asana ist „Reiter“. Nach Yoga Vidya ist sie eine Variation von Anjaneyasana.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[[y:Ashva_Sanchalanasana|Ashva Sanchalanasana.]]&#039;&#039; In: &#039;&#039;yoga-vidya.de.&#039;&#039; Abgerufen am 2.&amp;amp;nbsp;September 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery class=&amp;quot;center&amp;quot; widths=&amp;quot;270px&amp;quot; heights=&amp;quot;215px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
 ASHWA SANCHALANASANA.jpg|mini|Ashva Sanchalanasana&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Halbmond – weitere Asana mit diesem Namen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der deutschen Übersetzung von Anjaneyasana – Halbmond – sind in einigen Yogastilen Übungen bezeichnet, die den Sanskritnamen &#039;&#039;&#039;Ardha Chandrasana&#039;&#039;&#039; tragen, Sanskrit अर्धचन्द्रासन, IAST &#039;&#039;ardha-candrāsana&#039;&#039;, von &#039;&#039;ardha&#039;&#039; „halb“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=ardha&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „ardha“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 31. August 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;candra&#039;&#039; „Mond“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=candra&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „candra“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 31. August 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Asana unterscheiden sich von Anjaneyasana, obwohl sie ebenfalls den deutschen Namen Halbmond tragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:5px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery widths=&amp;quot;270&amp;quot; heights=&amp;quot;250&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ardha-Chandrasana Yoga-Asana Nina-Mel.jpg|Ardha Chandrasana in der Ausführung nach Iyengar und Yoga Vidya.&amp;lt;ref&amp;gt;[[y:Ardha_Chandrasana|&#039;&#039;Ardha Chandrasana.&#039;&#039;]] In: &#039;&#039;yoga-vidya.de.&#039;&#039; Abgerufen am 31.&amp;amp;nbsp;August 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[w:B.&amp;amp;nbsp;K.&amp;amp;nbsp;S.&amp;amp;nbsp;Iyengar|B.&amp;amp;nbsp;K.&amp;amp;nbsp;S.&amp;amp;nbsp;Iyengar]] legt bei dieser Asana den oberen Arm auf den Körper, so dass die Handfläche den Ober&amp;amp;shy;schenkel berührt.&amp;lt;ref&amp;gt;B.&amp;amp;nbsp;K.&amp;amp;nbsp;S.&amp;amp;nbsp;Iyengar: &#039;&#039;Licht auf Yoga.&#039;&#039; 7. Auflage. Nikol Verlag, 2017, ISBN 978-3-86820-175-8, S.&amp;amp;nbsp;66–67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:CrescentMoon2.JPG|Ardha Chandrasana in der Ausführung nach [[w:Selvarajan Yesudian|Selvarajan Yesudian]] (Ardha-chandrasana I),&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;Selvarajan Yesudian: &#039;&#039;Hatha-Yoga Übungsbuch.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Drei Eichen Verlag, München – Engelberg/Schweiz, ISBN 3-7699-0363-3, S.&amp;amp;nbsp;98.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach dem von [[w:Kriyananda|Swami Kriyananda]] begründeten Ananda-Yoga,&amp;lt;ref&amp;gt;Jayadev Jaerschky: &#039;&#039;Yoga des Yogananda.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach [[w:André Van Lysebeth|André Van Lysebeth]]&amp;lt;ref&amp;gt;Denise und André van Lysebeth: &#039;&#039;Meine tägliche Yogastunde.&#039;&#039; Hippokrates-Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 978-3-7773-0538-7, S.&amp;amp;nbsp;211.&amp;lt;/ref&amp;gt; und dem Bikram-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Bikram Choudhury &amp;amp; Bonnie Jones Reynolds: &#039;&#039;Bikram Yoga. Das Praxisbuch.&#039;&#039; 1. Auflage. Lotos Verlag (TB), 2005, ISBN 3-7787-8179-0, S.&amp;amp;nbsp;27–28.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Oberkörper wird im Stehen mit erhobenen Armen nach links und rechts gebeugt.&lt;br /&gt;
Datei:Ardha Chakrasana.jpg|Ardha Chandrasana in der Ausführung nach Selvarajan Yesudian (Ardha-chandrasana II),&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; nach André Van Lysebeth&amp;lt;ref&amp;gt;Denise und André van Lysebeth: &#039;&#039;Meine tägliche Yogastunde.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;214.&amp;lt;/ref&amp;gt; und dem Bikram-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Bikram Choudhury &amp;amp; Bonnie Jones Reynolds: &#039;&#039;Bikram Yoga.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;29–30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Stehen wird der Körper nach rückwärts gebeugt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Präsenz#Heinz_Grill_–_Gesteigerte_Präsenz|Gesteigerte Präsenz]], dargestellt am Beispiel der Praxis von Anjaneyasana&lt;br /&gt;
* Liste aller Asana in AuroraWiki in der [[:Kategorie:Asana|Kategorie: Asana]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Asana]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten mit Sanskritbegriff]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Bhujangasana&amp;diff=13542</id>
		<title>Bhujangasana</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Bhujangasana&amp;diff=13542"/>
		<updated>2026-04-30T15:28:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: Interne Verlinkung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Stickney Brook Yoga 56.jpg|mini|330px|Bhujangasana (Kobra)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Bhujangasana&#039;&#039;&#039; ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] भुजङ्गासन, [[w:International Alphabet of Sanskrit Transliteration|IAST]] &#039;&#039;bhujaṅgāsana&#039;&#039;), deutsch &#039;&#039;&#039;Kobra&#039;&#039;&#039;, ist eine klassische [[Übung]] des Yoga und Teil der [[a:Rishikesh-Reihe|Rishikesh-Reihe]]. Sie ist auch die 7. Stellung des Sonnengrußes oder Sonnengebetes ([[Surya Namaskar]]). Der Sanskritname &#039;&#039;bhujaṅgāsana&#039;&#039; bildet sich aus den Wörtern &#039;&#039;bhujaṅga&#039;&#039; „Schlange, Kobra“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=bhujaGga&amp;amp;dir=au &#039;&#039;Suchergebnisse für „bhujaGga“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 12. Oktober 2024 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;āsana&#039;&#039; „Sitz“ oder allgemeiner übersetzt „Körperhaltung“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=Asana&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „Asana“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 12. Oktober 2024 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Körperliche Ausführung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Konsultation der [[w:Hathapradipika|Hathapradipika]], die im 14.&amp;amp;nbsp;Jhd. verfasst wurde, zeigt, dass Bhujangasana dort nicht aufgenommen ist. Die [[w:Gherandasamhita|Gherandasamhita]] (wahrscheinlich verfasst im 17.&amp;amp;nbsp;Jhd.) beschreibt die Asana folgendermaßen: „Lassen Sie den Körper vom Nabel abwärts bis zu den Zehen den Boden berühren, legen Sie die Handflächen auf den Boden und heben Sie den Kopf (den oberen Teil des Körpers) wie eine Kobra an. Dies nennt man die Kobrahaltung.“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;Gheranda Samhita. Sanskrit-English.&#039;&#039; Sri Satguru Publications, SSP Edition, Delhi 1979.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[w:André Van Lysebeth|André van Lysebeth]] differenziert den Bewegungsablauf weiter aus. Er lässt den ganzen Körper zu Beginn flach ablegen. Die Stirn berührt den Boden. Langsam bewegt sich das Kinn möglichst weit nach vorne. Dies führt zu einer Dehnung des Halses. Nun hebt sich der Kopf durch Kontraktion der Nackenmuskulatur und weiter durch die Arbeit der Rückenmuskulatur. Diese dynamische Phase geschieht ohne unterstützende Arbeit der Arme. Diese kommen nach Lysebeth erst in der statischen Phase zum Einsatz, bemerkenswerter Weise in einer vollständigen Umkehrung der Muskelarbeit: „Von jetzt an arbeiten die Arme allein.“ Der Rücken wird passiv.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;André van Lysebeth: &#039;&#039;Yoga für Menschen von heute.&#039;&#039; Mosaik Verlag, TB Ausgabe Nr. 1690, ISBN 3-442-16164-9, S.&amp;amp;nbsp;184&amp;amp;nbsp;ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Urdva-muka-shvanasana.jpg|mini|Bei &#039;&#039;Urdhva Mukha Shvanasana&#039;&#039; stützen die Arme, das Becken hebt sich von Boden ab.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [[w:Ashtanga (Vinyasa) Yoga|Ashtanga Vinyasa Yoga]] ist Bhujangasana nicht Teil einer der Übungsreihen. Diese Yogarichtung übt hingegen eine ähnlich aussehende Asana mit dem Namen [[w:Urdhva Mukha Shvanasana|Urdhva Mukha Shvanasana]], deutsch „Hinaufschauender Hund“. Bei dieser Yogaübung wird das Becken im Unterschied zur Kobra vom Boden abgehoben und nur die Arme generieren die Dynamik.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[w:B.&amp;amp;nbsp;K.&amp;amp;nbsp;S.&amp;amp;nbsp;Iyengar|B.&amp;amp;nbsp;K.&amp;amp;nbsp;S.&amp;amp;nbsp;Iyengar]] legt beide Hände neben dem Becken flach auf dem Boden ab. Unter Einsatz der Arme wird der Rumpf nach oben gezogen. Er gibt den Hinweis, das Gesäß zusammenzuziehen und die Oberschenkel anzuspannen, um die Dynamik des Rückwärtsbeugens zu unterstützen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;B.&amp;amp;nbsp;K.&amp;amp;nbsp;S.&amp;amp;nbsp;Iyengar: &#039;&#039;Licht auf Yoga.&#039;&#039; 7. Auflage. Nikol Verlag, 2017, ISBN 978-3-86820-175-8, S.&amp;amp;nbsp;95&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Mrs Manekar - Bhujangasana - International Day of Yoga Celebration - NCSM - Kolkata 2015-06-21 7391.JPG|mini|Bei &#039;&#039;Bhujangasana&#039;&#039; baut sich die Dynamik aus dem Rücken auf und das Becken bleibt in Kontakt zum Boden.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Sivananda]] positioniert die Handflächen unter der jeweiligen Schulter. Er rät, bei der Rückwölbung des Oberkörpers, „die Bewegung jedes einzelnen Rückenwirbels“ zu fühlen und den Druck zu beobachten, der „vom Nacken über Rücken und Lenden abwärts bis ins Kreuzbein wandert.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Swami Sivananda: &#039;&#039;Hatha Yoga.&#039;&#039; 2. Auflage. Heinrich Schwab Verlag, Gelnhausen, S.&amp;amp;nbsp;38&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Sivananda Yoga Vedanta Zentrum bezeichnet die Aufrichtung des Körpers als „anmutig“ und erinnert an die geschmeidige und gewandte Bewegung einer Schlange. Die Ellbogen bleiben immer nah am Körper. Auch hier sind die Arme zunächst passiv, um dann aber für das Anheben des Oberkörpers in die Endstellung eingesetzt zu werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Sivananda Yoga Zentrum (Hrsg.): &#039;&#039;Yoga für alle Lebensstufen.&#039;&#039; 11. Auflage. Gräfe und Unzer Verlag, 1997, ISBN 3-7742-6200-4, S.&amp;amp;nbsp;50.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im [[w:Bikram-Yoga|Bikram-Yoga]] wird die Bewegung allein aus der Kraft des Rückens so weit wie möglich nach oben geführt. In der Ausgangsposition ragen die Fingerspitzen jeweils nicht über die Schultern hinaus.&amp;lt;ref&amp;gt;Bikram Choudhury &amp;amp; Bonnie Jones Reynolds: &#039;&#039;Bikram Yoga. Das Praxisbuch.&#039;&#039; 1. Auflage. Lotos Verlag (TB), 2005, ISBN 3-7787-8179-0, S.&amp;amp;nbsp;126&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] sollte die Kraft zum aktiven Einsatz hauptsächlich aus der Wirbelsäule kommen. „Die Arme geben dem Körper nur eine begleitende Führung.“ Nicht das Hochrichten, sondern das Durchstrecken der Wirbelsäule und damit die Durchgestaltung der Bewegung ist ihm von „wichtigster Bedeutung“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga.&#039;&#039; 7.&amp;amp;nbsp;unveränderte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2022, ISBN 978-3-948193-00-3, S.&amp;amp;nbsp;260&amp;amp;nbsp;ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erling Petersen, ein Schüler von [[wen:Swami Narayanananda|Swami Narayanananda]], leitet im Hinblick auf die Schultern an, diese gesenkt zu lassen und die Schulterblätter zusammenzuziehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Erling Petersen: &#039;&#039;Das Yoga Übungsbuch.&#039;&#039; 4. Auflage. Heyne Ratgeber 08/9299, ISBN 3-453-04104-6, S.&amp;amp;nbsp;145.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Variationen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery class=&amp;quot;center&amp;quot; widths=&amp;quot;250px&amp;quot; heights=&amp;quot;250px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
 Padma bhujangasana 1.jpg|&#039;&#039;Padma Bhujangasana&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Kobra im Lotus&lt;br /&gt;
 Yoga Girl.jpg|&#039;&#039;Raja Bhujangasana&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;Königskobra&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Führung der Aufmerksamkeit in der Übung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der dynamischen Phase folgen die Gedanken entlang dem sich über Wirbel für Wirbel entwickelnden Druck der Wirbelsäule. „Während der statischen Phase muss man sich auf die ganze Wirbelsäule konzentrieren.“ (André van Lysebeth)&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Swami [[w:Kriyananda|Kriyananda]], einem direkten Schüler von [[a:Paramahansa Yogananda|Paramahansa Yogananda]], kann in der Endstellung folgende Affirmation gedacht werden: „Mi alzo allegramente per incontrare ogni nuova occasione“, was übersetzt bedeutet: „Fröhlich erhebe ich mich, um jeder neuen Möglichkeit zu begegnen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Kriyananda: &#039;&#039;Raja-Yoga. Il manuale completo di yoga e meditazione.&#039;&#039; Ananda Edizioni, Lezione 2, Copyright 2011.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufmerksamkeit kann auch auf die seelische Bedeutung der Kobra gerichtet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Seelische Bedeutung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Bhujangasana, Heinz Grill 1992.jpg|mini|Bhujangasana, ausgeführt von Heinz Grill 1992]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Bild und der seelischen Bedeutung der Kobra führt Heinz Grill aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Die Kobra ist vergleichbar mit einer Blüte der Selbstvergessenheit, die unaufdringlich erscheint, da sie sich aus den Schöpferkräften von freien Gedanken erbaut. Der Körper erhebt sich tatsächlich nicht zu einer mächtigen Geste des Aufgerichtetseins aus dem bloßen Willen, er rundet sich, wölbt und erbaut sich in anmutiger Rückwärtsbeuge und ruht schließlich in stiller kontrollierter Offenheit im sensiblen Raum. Die [[Bhakti|Hingabe]] und Selbstvergessenheit, die durch ein bewusstes, kontrolliertes und erschaffenes Gedankenleben entsteht, bezeichnet die Übung. Sie ist die Selbstvergessenheit in einem wohlerwogenen Selbst des Gedankens.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gesundheitliche Aspekte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Wirkungen auf die Gesundheit werden in den verschiedenen Yogastilen sehr übereinstimmend angegeben. Swami Sivananda fasst sie so zusammen: „Die Kobra lindert die Rückenschmerzen, die von Überarbeitung herrühren. Die Bauchmuskeln werden angespannt und dadurch gekräftigt, Der Druck innerhalb des Unterleibs wird sehr gesteigert, sodass Verstopfung verschwindet. Jeder Rückenwirbel und dessen Bänder werden rückwärts angespannt und dabei reichlich durchblutet. Die Körperwärme wird erhöht und dadurch eine Fülle von Leiden beseitigt. […] Bhujangasana ist besonders für Frauen geeignet, weil es Eierstöcke und Gebärmutter kräftigt.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iyengar sagt, dass die Stellung Bandscheiben, die sich verschoben haben, wieder in ihre ursprüngliche Lage zurückbringt&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt; und André van Lysebeth berichtet, dass einige Fälle bekannt sind, wo dank der Ausübung der Kobra kleine Gallensteine ausgetrieben wurden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Pashchimottanasana]] – Kopf-Knie-Stellung&lt;br /&gt;
* [[Shalabhasana]] – Heuschrecke&lt;br /&gt;
* Liste aller Asana in AuroraWiki in der [[:Kategorie:Asana|Kategorie: Asana]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Weblinks ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [https://www.yoga-vidya.de/yoga-uebungen/asana/kobra-17/ &#039;&#039;Kobra – Bhujangasana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;yoga-vidya.de.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
* [https://www.yogaeasy.de/videos/kobra-bhujangasana-jivamukti &#039;&#039;Kobra – Bhujangasana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;yogaeasy.de.&#039;&#039; Eine Anleitung von Petros Haffenrichter im Stil des Jivamukti Yoga.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Asana]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten mit Sanskritbegriff]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Uttanasana&amp;diff=13541</id>
		<title>Uttanasana</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Uttanasana&amp;diff=13541"/>
		<updated>2026-04-30T15:27:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: Interne Verlinkung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:3Uttanasana.JPG|mini|Uttanasana (Stehende Kopf-Knie-Stellung)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Uttanasana&#039;&#039;&#039; ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] उत्तानासन, [[w:International Alphabet of Sanskrit Transliteration|IAST]] &#039;&#039;uttānāsana&#039;&#039;), deutsch &#039;&#039;&#039;Stehende Kopf-Knie-Stellung&#039;&#039;&#039; oder &#039;&#039;&#039;Stehende Vorwärtsbeuge&#039;&#039;&#039;, ist eine klassische [[Übung]] des [[w:Yoga|Yoga]]. Der Sanskritname bildet sich aus den Wörtern &#039;&#039;uttāna&#039;&#039; „intensiv ausdehnen“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=uttAna&amp;amp;dir=au &#039;&#039;Suchergebnisse für „uttAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 28. September 2024 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;āsana&#039;&#039; „Sitz“ oder „Körperhaltung“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=Asana&amp;amp;dir=au &#039;&#039;Suchergebnisse für „Asana”.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 28. September 2024 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Je nach Yogatradition wird sie auch &#039;&#039;&#039;Hand-Fuß-Stellung&#039;&#039;&#039;, &#039;&#039;&#039;Padahastasana&#039;&#039;&#039; (Sanskrit पादहस्तासन, IAST &#039;&#039;pādahastāsana),&#039;&#039; genannt, wobei &#039;&#039;pāda&#039;&#039; „Fuß“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=pAda&amp;amp;dir=au &#039;&#039;Suchergebnisse für „pAda”.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 28. September 2024 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;hasta&#039;&#039; „Hand“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=hasta&amp;amp;dir=au &#039;&#039;Suchergebnisse für „hasta”.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 28. September 2024 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; bedeutet. Die älteste uns bekannte Beschreibung der Haltung befindet sich in [[Tirumalai Krishnamacharya|Tirumalai Krishnamacharyas]] Buch Yoga Makaranda (1934).&amp;lt;ref&amp;gt;Tirumalai Krishnamacharya: &#039;&#039;Yoga Makaranda.&#039;&#039; 2006, S.&amp;amp;nbsp;51 und 55–56.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Uttanasana ist die dritte und die zehnte Übung des Sonnengrußes, des [[Surya Namaskar]]. Im [[w:Ashtanga (Vinyasa) Yoga|Ashtanga Vinyasa Yoga]] ist sie eine der grundlegenden stehenden Stellungen.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://de.ashtangayoga.info/ashtanga-yoga/fundamentals/ &#039;&#039;Fundamentals: Sechs stehende Basis-Haltungen im Ashtanga Yoga.&#039;&#039;] Abgerufen am 28. September 2024.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Körperliche Ausführung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Uttanasana, Heinz Grill 1992.jpg|mini|Uttanasana oder Padahastasana, ausgeführt von Heinz Grill (1992)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Sivananda Yoga Vedanta Zentrum beginnt die Stellung im Stehen mit geschlossenen Beinen und erhobenen Armen. Dann wird der Oberkörper im rechten Winkel gebeugt: „[…] falten Sie sich aus dem Becken heraus nach vorn und greifen mit Ihren Händen nach vorn.“ So weit es geht wird die Vorwärtsbeuge nach unten geführt und die Knöchel oder die großen Zehen gefasst.&amp;lt;ref&amp;gt;Sivananda Yoga Zentrum (Hrsg.): &#039;&#039;Yoga für alle Lebensstufen.&#039;&#039; 11.&amp;amp;nbsp;Auflage. Gräfe und Unzer Verlag, 1997, ISBN 3-7742-6200-4, S.&amp;amp;nbsp;62.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swami [[Sivananda]] gibt den Hinweis, dass man auch die Handflächen auf den Boden geben kann.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;Sivananda Yoga Zentrum (Hrsg.): &#039;&#039;Yoga für alle Lebensstufen.&#039;&#039; 11. Auflage. Gräfe und Unzer Verlag, 1997, ISBN 3-7742-6200-4, S.&amp;amp;nbsp;36.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[w:Bikram-Yoga|Bikram-Yoga]] lehrt, die größte Dehnung im Steißbeinbereich an der Basis der Wirbelsäule zu spüren. Man solle „sich lieber auf das Heben der Hüften als auf das Strecken“ konzentrieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;Bikram Choudhury &amp;amp; Bonnie Jones Reynolds: &#039;&#039;Bikram Yoga. Das Praxisbuch.&#039;&#039; 1. Auflage. Lotos Verlag (TB), 2005, ISBN 3-7787-8179-0, S.&amp;amp;nbsp;32&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinz Grill leitet an, den Bauch in Richtung Oberschenkel zu drücken. „Die Wirbelsäule sollte dynamisch nach vorne gleiten und sich gleichzeitig im unteren Teil kontrahieren. Entspannen Sie den Nacken und lassen Sie die Bewegung mit Leichtigkeit und gleichzeitiger Intensität der Dynamik geschehen.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga.&#039;&#039; 7.,&amp;amp;nbsp;unveränderte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2022, ISBN 978-3-948193-00-3, S.&amp;amp;nbsp;220–225.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[w:B.&amp;amp;nbsp;K.&amp;amp;nbsp;S.&amp;amp;nbsp;Iyengar|B.&amp;amp;nbsp;K.&amp;amp;nbsp;S.&amp;amp;nbsp;Iyengar]] unterscheidet Padahastasana von Uttanasana. Bei Padahastasana lässt er die Hände unter die Füße führen, so dass die Handflächen die Fußsohlen berühren.&amp;lt;ref&amp;gt;B.&amp;amp;nbsp;K.&amp;amp;nbsp;S.&amp;amp;nbsp;Iyengar: &#039;&#039;Licht auf Yoga.&#039;&#039; 7. Auflage. Nikol Verlag, 2017, ISBN 978-3-86820-175-8, S.&amp;amp;nbsp;80&amp;amp;nbsp;ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Seelische Bedeutung der Übung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Bild und der seelischen Bedeutung der Stehenden Kopf-Knie-Stellung schreibt [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Während in der klassischen Kopf-Knie-Stellung der Übende mit einer intensiven Bewegung immer näher in eine geschlossene Form hineinarbeitet und das Erleben von einem In-die-Materie-Hineingehen findet, so beschreibt nun die stehende Kopf-Knie-Stellung das Erleben wie ein Aus-sich-selbst-Herausgehen. Es ist im besonderen Maße ein auf Polarität beruhender Spannungsaufbau, der in dieser Stellung in das Erleben rückt. Das energetisch angesprochene Zentrum dieser Stellung liegt tiefer als das &#039;&#039;maṇipūra-cakra&#039;&#039;, es ist das &#039;&#039;[[y:Svadhishthana Chakra|svādhiṣṭhāna-cakra]]&#039;&#039; im unteren Bauchraum. Durch die besondere Kontraktion in diesem Zentrum erlebt der Übende eine Zweiheit mit dem Hinausgleiten der Arme. Er erlebt diese befreiend und wie einen Schritt aus sich selbst heraus, gleichsam wie wenn durch die ausgleitende, nach vorne fließende Bewegung eine Empfindungsschwelle durchschritten und eine neue Erlebenstiefe ergriffen werden könnte.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Dies ist das Bewegungselement des seelisch-empfindsamen Hinausgleitens der Gliedmaßen mit dem Gefühl des freien Aus-sich-selbst-Herausgehens, während auf kontrahierende Weise der Halt und eine Zusammenziehung in der untersten Wirbelsäule bewahrt wird. Es ist ein intensives Erleben der Spannung durch die Polarität von Zentrierung und Ausgleiten.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Berichte zu Heilwirkungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Swami Sivananda berichtet, dass die Übung, wohl durch die intensive Dehnung, eine ausgezeichnete Übung sei, um größer zu werden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Bikram-Yoga wird die Erfahrung mitgeteilt, dass diese Asana die Flexibilität der [[w:Wirbelsäule|Wirbelsäule]] und der Ischiasnerven sowie der meisten Sehnen und Bänder der Beine erhöhe.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Vishnudevananda]] sagt, dass das Fettgewebe am Bauch verschwinden werde.&amp;lt;ref&amp;gt;Swami Vishnu-Devananda: &#039;&#039;Das große illustrierte Yoga-Buch.&#039;&#039; 6.&amp;amp;nbsp;Auflage. Aurum Verlag, 1997, ISBN 3-591-08183-3, S.&amp;amp;nbsp;198.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Demonstration von Sammlung und Ausgleiten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das intensive Heranziehen der Beine zum Kreuzbein (Sammlung) bewirkt das weite Hinausgleiten des Oberkörpers.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{#ev:youtube|D_I4vcMkxTc|500x280|center|&#039;&#039;Standing Head Knee Position&#039;&#039; – Stehende Kopf-Knie-Stellung}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Kakasana]] – Krähe&lt;br /&gt;
* [[Trikonasana]] – Dreieck&lt;br /&gt;
* Liste aller Asana in AuroraWiki in der [[:Kategorie:Asana|Kategorie: Asana]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Asana]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten mit Sanskritbegriff]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten, die EmbedVideo verwenden]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Anjaneyasana&amp;diff=13540</id>
		<title>Anjaneyasana</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Anjaneyasana&amp;diff=13540"/>
		<updated>2026-04-30T15:24:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Anjaneyasana als Übung im Sonnengruß */ Ergänzung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Āñjaneyāsana, Julija Zora Mazover, 2022.jpg|mini|330px|Anjaneyasana (Halbmond)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Anjaneyasana&#039;&#039;&#039; ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] आञ्जनेयासन, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;āñjaneyāsana&#039;&#039;), deutsch &#039;&#039;&#039;Halbmond&#039;&#039;&#039;, ist eine Übung des Yoga. Sie gehört zur Kategorie der Rückwärtsbeugen. Der Sanskritname &#039;&#039;āñjaneyāsana&#039;&#039; setzt sich aus den Wörtern &#039;&#039;āñjaneya&#039;&#039;, ein Name für „[[w:Hanuman|Hanuman]]“, dem indischen Gott der Affen,&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=AJjaneya&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „AJjaneya“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 31. August 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;āsana&#039;&#039; „Sitz“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=Asana&amp;amp;dir=au &#039;&#039;Suchergebnisse für „Asana“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 31. August 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; oder allgemeiner übersetzt „Körperhaltung“ zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei manchen Yogarichtungen bzw. Yogaautoren, z.&amp;amp;nbsp;B. Yoga Vidya oder Sivananda Yoga ist mit der Bezeichnung Anjaneyasana die Asana „Spagat“ gemeint&amp;lt;ref&amp;gt;Sivananda Yoga Zentrum (Hrsg.): &#039;&#039;Yoga für alle Lebensstufen.&#039;&#039; 11.&amp;amp;nbsp;Auflage. Gräfe und Unzer Verlag, 1997, ISBN 3-7742-6200-4, S.&amp;amp;nbsp;140.&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Swami Vishnudevananda]] nennt sowohl den Halbmond als auch den Spagat Anjaneyasana.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Swami Vishnu-Devananda: &#039;&#039;Das große illustrierte Yoga-Buch.&#039;&#039; 6. Auflage. Aurum Verlag, 1997, ISBN 3-591-08183-3, S.&amp;amp;nbsp;162 und 189.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Name für den Spagat ist jedoch in den meisten Yogastilen [[wen:Hanumanasana|Hanumanasana]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorbemerkungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den alten Hatha-Yoga-Schriften, beispielsweise in der [[w:Hathapradipika|Hathapradipika]] (verfasst im 14.&amp;amp;nbsp;Jhd.) und der [[w:Gherandasamhita|Gherandasamhita]] (wahrscheinlich verfasst im 17.&amp;amp;nbsp;Jhd.) ist Anjaneyasana nicht erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anjaneyasana wird immer zweimal, d. h. mit einem Wechsel der Beine ausgeführt. Im Folgenden ist die Übung mit dem zurückgestreckten rechten Fuß beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Unterschied in den verschiedenen Ausführungsarten ergibt sich aus der Position des gebeugten vorderen Knies, das in der Endposition vertikal gesehen entweder hinter,&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; genau über&amp;lt;ref name=&amp;quot;:6&amp;quot;&amp;gt;Dr. Ronald Steiner: &#039;&#039;[https://de.ashtangayoga.info/ashtanga-yoga/inspirationen-fuer-die-praxis/anjaneya%CC%84sana-ronald/ Anjaneyāsana – Vom Affengott Hingabe lernen.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;ashtangayoga.info.&#039;&#039; Abgerufen am 7.&amp;amp;nbsp;September 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder vor&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt; dem Fuß platziert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Ananda-Yoga trägt Anjaneyasana den Namen &#039;&#039;&#039;Banarasana&#039;&#039;&#039; und wird mit der deutschen Übersetzung „Der Affe“ angegeben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Jayadev Jaerschky: &#039;&#039;Yoga des Yogananda. Klassische Texte und Übungen für heute.&#039;&#039; 1. Auflage. Verlag Via Nova, 2019, ISBN 978-3-86616-442-0, S.&amp;amp;nbsp;230&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings gibt es für das Wort „Affe“ kein Sanskritwort, das entsprechend &#039;&#039;banara&#039;&#039; lauten würde. Ein bis auf den Anfangsbuchstaben identisches Wort für Affe ist hingegen &#039;&#039;vānara&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=vAnara&amp;amp;dir=se Suchergebnisse für „vAnara“.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 2. September 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&#039;Vanarasana&#039;&#039;&#039; beschreibt Yoga Vidya als [[y:Vanarasana|Variation von Anjaneyasana]]. Die Hände der gestreckten Arme werden im Unterschied zu Anjaneyasana nicht zusammengeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Körperliche Ausführung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Vishnudevananda]], Schüler von [[Swami Sivananda]], lässt bei der Anleitung zu Anjaneyasana den rechten Fuß so weit wie möglich zurückstrecken und den linken Fuß mit nur leicht leicht gebeugtem Knie (das Knie ist vertikal gesehen hinter dem Fuß) am Boden platzieren. Dann werden die Hände über den Kopf geführt. Sie berühren sich. Langsam beginnt die Beugung des Oberkörpers nach hinten, bis Hände, Kopf, Rücken und Beine einen Halbkreis bilden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Āñjaneyāsana Vorbereitung Beindynamik, Julija Zora Mazover, 2022.jpg|mini|Vorbereitungsphase bei der Ausführung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erling Petersen, ein Schüler von [[wen:Swami Narayanananda|Swami Narayanananda]], behandelt Anjaneyasana nicht als für sich stehende Asana, sondern integriert sie in einen Zyklus von 6 Übungen zum Training des Rückens. Ausgehend vom Kniestand wird der linke Fuß so nach vorne gestellt, dass sich der linke Unterschenkel senkrecht über dem Fuß befindet. Nun wird der Körper nach vorne geschoben und in den Stand eingesunken. Das Fußgelenk wird stark gebeugt, wobei die Ferse in Kontakt zum Boden bleibt. Das linke Knie ist nun vertikal betrachtet vor dem linken Fuß. Der Oberkörper ist zunächst aufrecht und die Arme hängen entspannt nach unten. Dann werden die Arme gestreckt nach oben geführt und die Rückwärtsbeuge ausgeführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;Erling Petersen: &#039;&#039;Das Yoga Übungsbuch.&#039;&#039; 4. Auflage. Heyne Ratgeber 08/9299, ISBN 3-453-04104-6, S.&amp;amp;nbsp;78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] gibt den Hinweis, in den Beinstand weich und weit nach vorne einzusinken und die Hüfte möglichst tief in die Bodennähe zu führen. Das linke Knie ist vertikal gesehen vor den Zehenspitzen. Die Arme und Schultern bleiben in dieser Anfangsphase entspannt und unterstützen das immer tiefere Einsinken in den Stand. Er gebraucht das Bild einer Schale: „Wie eine Schale, die sich aufnahmefähig nach oben öffnet, so sollten Sie sich in dieser Ausgangslage empfinden.“ Dann werden die Arme gehoben und die Brustwirbelsäule dehnt sich in den Halbmond zurück. Der Oberkörper bleibt weiter entspannt, der Atem fließt frei und die Formung der Wirbelsäule nach hinten geschieht in der Brustwirbelsäule, die sich Wirbel für Wirbel löst.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:4&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga.&#039;&#039; 7.,&amp;amp;nbsp;unveränderte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2022, ISBN 978-3-948193-00-3, S.&amp;amp;nbsp;202&amp;amp;nbsp;ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Vorübungen aufbauend wird im Ashtanga Yoga das gestreckte rechte Bein gebeugt und mit der rechten Hand von außen die Fußaußenkante gefasst. Nun wird der Ellbogen nach oben geklappt, der so ergriffene Fuß zur Schädeldecke geführt und und schließlich auch mit der zweiten Hand der Fuß ergriffen. Dr. Ronald Steiner gibt den Hinweis, dass eine ausgeglichene und harmonische Beweglichkeit in der Rückbeuge nicht durch rohe Gewalt entstehe, sondern durch sanfte [[Bhakti|Hingabe]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;:6&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Führung der Aufmerksamkeit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Sinne des Ananda-Yoga kann die Aufmerksamkeit einerseits auf die Kraft des untersten Chakra, Muladhara-Chakra, und andererseits auf die erhobenen Arme, die eine weise Offenheit für eine höhere Quelle symbolisieren, gelenkt werden. In der Endstellung wird vorgeschlagen, den folgenden Satz zu affirmieren: „Ich stimme meinen Willen auf den Urquell aller Kraft ein.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufmerksamkeit kann auch auf die seelische Bedeutung von Anjaneyasana gerichtet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Seelische Bedeutung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Anjaneyasana, Heinz Grill 1992.jpg|mini|330px|Anjaneyasana mit weiter Ausdehnung des Rückens (Heinz Grill 1992)&amp;lt;br&amp;gt;„Ein weiches Einsinken mit der Hüfte zum Boden erlaubt eine freie Bewegung nach oben. Dieses vorbildliche Einsinken erleichtert schließlich die Ausdehnung im Rücken.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:5&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Das große Buch der Heilkraft durch Yogaaktivität.&#039;&#039; 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Neuauflage 2025. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2025, ISBN 978-3-948803-19-3, S.&amp;amp;nbsp;142.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Imagination&amp;lt;ref&amp;gt;„Das Wort Imagination bedeutet nicht Einbildung und hat auch nicht sehr viel mit Phantasie zu tun. Rudolf Steiner prägte den Begriff für eine Form des Denkens, das bildhaft ist und in lebendigem seelischen Zusammenhang steht. Dieses bildhafte Denken ist nicht nur typischerweise intellektuell, sondern beziehungsfreudig und schließt seelische und geistige Wahrheiten in die Betrachtung mit ein. Imaginationen stellen deshalb seelisch reale, inhaltliche Darstellungen zur Verfügung.“&amp;lt;br /&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S.&amp;amp;nbsp;182.&amp;lt;/ref&amp;gt; zur seelischen Bedeutung von Anjaneyasana formuliert [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] aus geistiger Forschung mit folgenden Worten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Diese hervorragende Stellung beschreibt die beiden Bewegungsrichtungen, die das Bewusstsein oder mit dem Fachbegriff der „[[a:Astralleib|Astralleib]]“, einnimmt. Diese beiden Bewegungen sind einerseits zur Weite und Offenheit in die Welt und in den kosmischen Raum und andererseits zur Erde und Integration in die Erde gerichtet. Diese beiden Bewegungsrichtungen drücken sich in der Übung aus. Der Astralleib sucht immerfort eine Ausdehnung, er ist gleichsam wie das Licht des [[a:Kosmos|Kosmos]], das sowohl zur Erde als auch zu den Weltenräumen ausstrahlend und sehnsüchtig nach empfindsamer Berührung tätig ist. […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Übende spürt den Zusammenhang von Entspannung, Einsinken in den Stand, in die Nähe zur Erde und der möglichen Durchstreckung der Wirbelsäule in die Offenheit zum Kosmos. Die Bewegungsrichtungen sind tatsächlich voneinander abhängig, der Weg zu der Erde und der Weg in das Licht des Kosmos. Je weiter das Einsinken in den Stand gelingt, um so leichter lässt sich die Brustwirbelsäule durchstrecken und in die Offenheit führen. In der Erkenntnis dieser beiden Bewegungsrichtungen und in der Entwicklung einer Erfahrung des Hingegebenseins an die inneren, verborgenen, profunden Ziele, die das Bewusstsein finden möchte, liegt der Sinn dieser sehr wichtigen &#039;&#039;āsana&#039;&#039;.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:4&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gesundheitliche Aspekte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erling Petersen gibt an, dass die Übung die Hüftgelenke und die Knie trainieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt; Der Ananda-Yoga weist auf die Öffnung von Brust, Bauch und Hüften hin, die die Ausführung der Übung mit sich bringt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt; Yoga Vidya erwähnt das Training und die Dehnung des [[w:Musculus psoas major|Psoa Muskels]].&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[[y:Anjaneyasana#K%C3%B6rperliche_Wirkung_von_Anjaneyasana|Anjaneyasana.]]&#039;&#039; In: &#039;&#039;yoga-vidya.de.&#039;&#039; Abgerufen am 7. September 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Muskel befindet sich jeweils halb seitlich am oberen Oberschenkel und am unteren Rücken. Er ist für die Hüftbeweglichkeit verantwortlich und maßgeblich für das Heben der Beine, z.&amp;amp;nbsp;B. in der Fortbewegung zuständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indem bei der Praxis das zusammenwirkende Wechselspiel von [[Morning_Has_Broken#Loslösung_und_Neubeginn|Loslassen]] und Anspannen kennengelernt wird, kann dieses auch im Leben entdeckt werden, z.&amp;amp;nbsp;B. in der Kommunikation.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:5&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anjaneyasana als Übung im Sonnengruß ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anjaneyasana ist die 4. und 9. Stellung des Sonnengrußes oder Sonnengebetes ([[Surya Namaskar|Surya Namaskara]]). Je nach Yogatradition werden die Hände bei der Übung in Kontakt zum Boden gelassen und die Arme nicht in die Rückwärtsbeuge integriert. Als Übung im 12-teiligen Zyklus des Surya Namaskara, IAST &#039;&#039;sūrya namaskāra&#039;&#039;, trägt sie einen eigenen Namen und wird &#039;&#039;&#039;Ashva Sanchalanasana&#039;&#039;&#039; genannt, Sanskrit अश्वसञ्चालनासन, IAST &#039;&#039;aśva-sañcālanāsana&#039;&#039;, von &#039;&#039;aśva&#039;&#039; „Pferd“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=ashva&amp;amp;dir=se Suchergebnisse für „ashva“.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 31. August 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;sañcālana&#039;&#039; „Bewegung, Schütteln, Zittern“.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=saJcalana&amp;amp;dir=se Suchergebnisse für „saJcalana“.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 31. August 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die deutsche Bezeichnung für die Asana ist „Reiter“. Nach Yoga Vidya ist sie eine Variation von Anjaneyasana.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[[y:Ashva_Sanchalanasana|Ashva Sanchalanasana.]]&#039;&#039; In: &#039;&#039;yoga-vidya.de.&#039;&#039; Abgerufen am 2.&amp;amp;nbsp;September 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery class=&amp;quot;center&amp;quot; widths=&amp;quot;270px&amp;quot; heights=&amp;quot;215px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
 ASHWA SANCHALANASANA.jpg|mini|Ashva Sanchalanasana&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Halbmond – weitere Asana mit diesem Namen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der deutschen Übersetzung von Anjaneyasana – Halbmond – sind in einigen Yogastilen Übungen bezeichnet, die den Sanskritnamen &#039;&#039;&#039;Ardha Chandrasana&#039;&#039;&#039; tragen, Sanskrit अर्धचन्द्रासन, IAST &#039;&#039;ardha-candrāsana&#039;&#039;, von &#039;&#039;ardha&#039;&#039; „halb“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=ardha&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „ardha“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 31. August 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;candra&#039;&#039; „Mond“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=candra&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „candra“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 31. August 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Asana unterscheiden sich von Anjaneyasana, obwohl sie ebenfalls den deutschen Namen Halbmond tragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:5px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery widths=&amp;quot;270&amp;quot; heights=&amp;quot;250&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ardha-Chandrasana Yoga-Asana Nina-Mel.jpg|Ardha Chandrasana in der Ausführung nach Iyengar und Yoga Vidya.&amp;lt;ref&amp;gt;[[y:Ardha_Chandrasana|&#039;&#039;Ardha Chandrasana.&#039;&#039;]] In: &#039;&#039;yoga-vidya.de.&#039;&#039; Abgerufen am 31.&amp;amp;nbsp;August 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[w:B.&amp;amp;nbsp;K.&amp;amp;nbsp;S.&amp;amp;nbsp;Iyengar|B.&amp;amp;nbsp;K.&amp;amp;nbsp;S.&amp;amp;nbsp;Iyengar]] legt bei dieser Asana den oberen Arm auf den Körper, so dass die Handfläche den Ober&amp;amp;shy;schenkel berührt.&amp;lt;ref&amp;gt;B.&amp;amp;nbsp;K.&amp;amp;nbsp;S.&amp;amp;nbsp;Iyengar: &#039;&#039;Licht auf Yoga.&#039;&#039; 7. Auflage. Nikol Verlag, 2017, ISBN 978-3-86820-175-8, S.&amp;amp;nbsp;66–67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:CrescentMoon2.JPG|Ardha Chandrasana in der Ausführung nach [[w:Selvarajan Yesudian|Selvarajan Yesudian]] (Ardha-chandrasana I),&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;Selvarajan Yesudian: &#039;&#039;Hatha-Yoga Übungsbuch.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Drei Eichen Verlag, München – Engelberg/Schweiz, ISBN 3-7699-0363-3, S.&amp;amp;nbsp;98.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach dem von [[w:Kriyananda|Swami Kriyananda]] begründeten Ananda-Yoga,&amp;lt;ref&amp;gt;Jayadev Jaerschky: &#039;&#039;Yoga des Yogananda.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach [[w:André Van Lysebeth|André Van Lysebeth]]&amp;lt;ref&amp;gt;Denise und André van Lysebeth: &#039;&#039;Meine tägliche Yogastunde.&#039;&#039; Hippokrates-Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 978-3-7773-0538-7, S.&amp;amp;nbsp;211.&amp;lt;/ref&amp;gt; und dem Bikram-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Bikram Choudhury &amp;amp; Bonnie Jones Reynolds: &#039;&#039;Bikram Yoga. Das Praxisbuch.&#039;&#039; 1. Auflage. Lotos Verlag (TB), 2005, ISBN 3-7787-8179-0, S.&amp;amp;nbsp;27–28.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Oberkörper wird im Stehen mit erhobenen Armen nach links und rechts gebeugt.&lt;br /&gt;
Datei:Ardha Chakrasana.jpg|Ardha Chandrasana in der Ausführung nach Selvarajan Yesudian (Ardha-chandrasana II),&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; nach André Van Lysebeth&amp;lt;ref&amp;gt;Denise und André van Lysebeth: &#039;&#039;Meine tägliche Yogastunde.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;214.&amp;lt;/ref&amp;gt; und dem Bikram-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Bikram Choudhury &amp;amp; Bonnie Jones Reynolds: &#039;&#039;Bikram Yoga.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;29–30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Stehen wird der Körper nach rückwärts gebeugt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Präsenz#Heinz_Grill_–_Gesteigerte_Präsenz|Gesteigerte Präsenz]], dargestellt am Beispiel der Praxis von Anjaneyasana&lt;br /&gt;
* Liste aller Asana in AuroraWiki in der [[:Kategorie:Asana|Kategorie: Asana]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Asana]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten mit Sanskritbegriff]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Anjaneyasana&amp;diff=13539</id>
		<title>Anjaneyasana</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Anjaneyasana&amp;diff=13539"/>
		<updated>2026-04-30T15:24:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Anjaneyasana als Übung im Sonnengruß */ Interne Verlinkung&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Āñjaneyāsana, Julija Zora Mazover, 2022.jpg|mini|330px|Anjaneyasana (Halbmond)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Anjaneyasana&#039;&#039;&#039; ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] आञ्जनेयासन, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;āñjaneyāsana&#039;&#039;), deutsch &#039;&#039;&#039;Halbmond&#039;&#039;&#039;, ist eine Übung des Yoga. Sie gehört zur Kategorie der Rückwärtsbeugen. Der Sanskritname &#039;&#039;āñjaneyāsana&#039;&#039; setzt sich aus den Wörtern &#039;&#039;āñjaneya&#039;&#039;, ein Name für „[[w:Hanuman|Hanuman]]“, dem indischen Gott der Affen,&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=AJjaneya&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „AJjaneya“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 31. August 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;āsana&#039;&#039; „Sitz“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=Asana&amp;amp;dir=au &#039;&#039;Suchergebnisse für „Asana“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 31. August 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; oder allgemeiner übersetzt „Körperhaltung“ zusammen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei manchen Yogarichtungen bzw. Yogaautoren, z.&amp;amp;nbsp;B. Yoga Vidya oder Sivananda Yoga ist mit der Bezeichnung Anjaneyasana die Asana „Spagat“ gemeint&amp;lt;ref&amp;gt;Sivananda Yoga Zentrum (Hrsg.): &#039;&#039;Yoga für alle Lebensstufen.&#039;&#039; 11.&amp;amp;nbsp;Auflage. Gräfe und Unzer Verlag, 1997, ISBN 3-7742-6200-4, S.&amp;amp;nbsp;140.&amp;lt;/ref&amp;gt; und [[Swami Vishnudevananda]] nennt sowohl den Halbmond als auch den Spagat Anjaneyasana.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Swami Vishnu-Devananda: &#039;&#039;Das große illustrierte Yoga-Buch.&#039;&#039; 6. Auflage. Aurum Verlag, 1997, ISBN 3-591-08183-3, S.&amp;amp;nbsp;162 und 189.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Name für den Spagat ist jedoch in den meisten Yogastilen [[wen:Hanumanasana|Hanumanasana]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vorbemerkungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den alten Hatha-Yoga-Schriften, beispielsweise in der [[w:Hathapradipika|Hathapradipika]] (verfasst im 14.&amp;amp;nbsp;Jhd.) und der [[w:Gherandasamhita|Gherandasamhita]] (wahrscheinlich verfasst im 17.&amp;amp;nbsp;Jhd.) ist Anjaneyasana nicht erwähnt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anjaneyasana wird immer zweimal, d. h. mit einem Wechsel der Beine ausgeführt. Im Folgenden ist die Übung mit dem zurückgestreckten rechten Fuß beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Unterschied in den verschiedenen Ausführungsarten ergibt sich aus der Position des gebeugten vorderen Knies, das in der Endposition vertikal gesehen entweder hinter,&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; genau über&amp;lt;ref name=&amp;quot;:6&amp;quot;&amp;gt;Dr. Ronald Steiner: &#039;&#039;[https://de.ashtangayoga.info/ashtanga-yoga/inspirationen-fuer-die-praxis/anjaneya%CC%84sana-ronald/ Anjaneyāsana – Vom Affengott Hingabe lernen.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;ashtangayoga.info.&#039;&#039; Abgerufen am 7.&amp;amp;nbsp;September 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder vor&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt; dem Fuß platziert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Ananda-Yoga trägt Anjaneyasana den Namen &#039;&#039;&#039;Banarasana&#039;&#039;&#039; und wird mit der deutschen Übersetzung „Der Affe“ angegeben.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Jayadev Jaerschky: &#039;&#039;Yoga des Yogananda. Klassische Texte und Übungen für heute.&#039;&#039; 1. Auflage. Verlag Via Nova, 2019, ISBN 978-3-86616-442-0, S.&amp;amp;nbsp;230&amp;amp;nbsp;f.&amp;lt;/ref&amp;gt; Allerdings gibt es für das Wort „Affe“ kein Sanskritwort, das entsprechend &#039;&#039;banara&#039;&#039; lauten würde. Ein bis auf den Anfangsbuchstaben identisches Wort für Affe ist hingegen &#039;&#039;vānara&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=vAnara&amp;amp;dir=se Suchergebnisse für „vAnara“.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 2. September 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; &#039;&#039;&#039;Vanarasana&#039;&#039;&#039; beschreibt Yoga Vidya als [[y:Vanarasana|Variation von Anjaneyasana]]. Die Hände der gestreckten Arme werden im Unterschied zu Anjaneyasana nicht zusammengeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Körperliche Ausführung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Swami Vishnudevananda]], Schüler von [[Swami Sivananda]], lässt bei der Anleitung zu Anjaneyasana den rechten Fuß so weit wie möglich zurückstrecken und den linken Fuß mit nur leicht leicht gebeugtem Knie (das Knie ist vertikal gesehen hinter dem Fuß) am Boden platzieren. Dann werden die Hände über den Kopf geführt. Sie berühren sich. Langsam beginnt die Beugung des Oberkörpers nach hinten, bis Hände, Kopf, Rücken und Beine einen Halbkreis bilden.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Āñjaneyāsana Vorbereitung Beindynamik, Julija Zora Mazover, 2022.jpg|mini|Vorbereitungsphase bei der Ausführung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erling Petersen, ein Schüler von [[wen:Swami Narayanananda|Swami Narayanananda]], behandelt Anjaneyasana nicht als für sich stehende Asana, sondern integriert sie in einen Zyklus von 6 Übungen zum Training des Rückens. Ausgehend vom Kniestand wird der linke Fuß so nach vorne gestellt, dass sich der linke Unterschenkel senkrecht über dem Fuß befindet. Nun wird der Körper nach vorne geschoben und in den Stand eingesunken. Das Fußgelenk wird stark gebeugt, wobei die Ferse in Kontakt zum Boden bleibt. Das linke Knie ist nun vertikal betrachtet vor dem linken Fuß. Der Oberkörper ist zunächst aufrecht und die Arme hängen entspannt nach unten. Dann werden die Arme gestreckt nach oben geführt und die Rückwärtsbeuge ausgeführt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot;&amp;gt;Erling Petersen: &#039;&#039;Das Yoga Übungsbuch.&#039;&#039; 4. Auflage. Heyne Ratgeber 08/9299, ISBN 3-453-04104-6, S.&amp;amp;nbsp;78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] gibt den Hinweis, in den Beinstand weich und weit nach vorne einzusinken und die Hüfte möglichst tief in die Bodennähe zu führen. Das linke Knie ist vertikal gesehen vor den Zehenspitzen. Die Arme und Schultern bleiben in dieser Anfangsphase entspannt und unterstützen das immer tiefere Einsinken in den Stand. Er gebraucht das Bild einer Schale: „Wie eine Schale, die sich aufnahmefähig nach oben öffnet, so sollten Sie sich in dieser Ausgangslage empfinden.“ Dann werden die Arme gehoben und die Brustwirbelsäule dehnt sich in den Halbmond zurück. Der Oberkörper bleibt weiter entspannt, der Atem fließt frei und die Formung der Wirbelsäule nach hinten geschieht in der Brustwirbelsäule, die sich Wirbel für Wirbel löst.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:4&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seelendimension des Yoga.&#039;&#039; 7.,&amp;amp;nbsp;unveränderte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2022, ISBN 978-3-948193-00-3, S.&amp;amp;nbsp;202&amp;amp;nbsp;ff.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf Vorübungen aufbauend wird im Ashtanga Yoga das gestreckte rechte Bein gebeugt und mit der rechten Hand von außen die Fußaußenkante gefasst. Nun wird der Ellbogen nach oben geklappt, der so ergriffene Fuß zur Schädeldecke geführt und und schließlich auch mit der zweiten Hand der Fuß ergriffen. Dr. Ronald Steiner gibt den Hinweis, dass eine ausgeglichene und harmonische Beweglichkeit in der Rückbeuge nicht durch rohe Gewalt entstehe, sondern durch sanfte [[Bhakti|Hingabe]].&amp;lt;ref name=&amp;quot;:6&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Führung der Aufmerksamkeit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Sinne des Ananda-Yoga kann die Aufmerksamkeit einerseits auf die Kraft des untersten Chakra, Muladhara-Chakra, und andererseits auf die erhobenen Arme, die eine weise Offenheit für eine höhere Quelle symbolisieren, gelenkt werden. In der Endstellung wird vorgeschlagen, den folgenden Satz zu affirmieren: „Ich stimme meinen Willen auf den Urquell aller Kraft ein.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Aufmerksamkeit kann auch auf die seelische Bedeutung von Anjaneyasana gerichtet werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Seelische Bedeutung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Anjaneyasana, Heinz Grill 1992.jpg|mini|330px|Anjaneyasana mit weiter Ausdehnung des Rückens (Heinz Grill 1992)&amp;lt;br&amp;gt;„Ein weiches Einsinken mit der Hüfte zum Boden erlaubt eine freie Bewegung nach oben. Dieses vorbildliche Einsinken erleichtert schließlich die Ausdehnung im Rücken.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:5&amp;quot;&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Das große Buch der Heilkraft durch Yogaaktivität.&#039;&#039; 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Neuauflage 2025. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2025, ISBN 978-3-948803-19-3, S.&amp;amp;nbsp;142.&amp;lt;/ref&amp;gt;]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Imagination&amp;lt;ref&amp;gt;„Das Wort Imagination bedeutet nicht Einbildung und hat auch nicht sehr viel mit Phantasie zu tun. Rudolf Steiner prägte den Begriff für eine Form des Denkens, das bildhaft ist und in lebendigem seelischen Zusammenhang steht. Dieses bildhafte Denken ist nicht nur typischerweise intellektuell, sondern beziehungsfreudig und schließt seelische und geistige Wahrheiten in die Betrachtung mit ein. Imaginationen stellen deshalb seelisch reale, inhaltliche Darstellungen zur Verfügung.“&amp;lt;br /&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S.&amp;amp;nbsp;182.&amp;lt;/ref&amp;gt; zur seelischen Bedeutung von Anjaneyasana formuliert [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] aus geistiger Forschung mit folgenden Worten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Diese hervorragende Stellung beschreibt die beiden Bewegungsrichtungen, die das Bewusstsein oder mit dem Fachbegriff der „[[a:Astralleib|Astralleib]]“, einnimmt. Diese beiden Bewegungen sind einerseits zur Weite und Offenheit in die Welt und in den kosmischen Raum und andererseits zur Erde und Integration in die Erde gerichtet. Diese beiden Bewegungsrichtungen drücken sich in der Übung aus. Der Astralleib sucht immerfort eine Ausdehnung, er ist gleichsam wie das Licht des [[a:Kosmos|Kosmos]], das sowohl zur Erde als auch zu den Weltenräumen ausstrahlend und sehnsüchtig nach empfindsamer Berührung tätig ist. […]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Der Übende spürt den Zusammenhang von Entspannung, Einsinken in den Stand, in die Nähe zur Erde und der möglichen Durchstreckung der Wirbelsäule in die Offenheit zum Kosmos. Die Bewegungsrichtungen sind tatsächlich voneinander abhängig, der Weg zu der Erde und der Weg in das Licht des Kosmos. Je weiter das Einsinken in den Stand gelingt, um so leichter lässt sich die Brustwirbelsäule durchstrecken und in die Offenheit führen. In der Erkenntnis dieser beiden Bewegungsrichtungen und in der Entwicklung einer Erfahrung des Hingegebenseins an die inneren, verborgenen, profunden Ziele, die das Bewusstsein finden möchte, liegt der Sinn dieser sehr wichtigen &#039;&#039;āsana&#039;&#039;.“&amp;lt;ref name=&amp;quot;:4&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gesundheitliche Aspekte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erling Petersen gibt an, dass die Übung die Hüftgelenke und die Knie trainieren.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:2&amp;quot; /&amp;gt; Der Ananda-Yoga weist auf die Öffnung von Brust, Bauch und Hüften hin, die die Ausführung der Übung mit sich bringt.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt; Yoga Vidya erwähnt das Training und die Dehnung des [[w:Musculus psoas major|Psoa Muskels]].&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[[y:Anjaneyasana#K%C3%B6rperliche_Wirkung_von_Anjaneyasana|Anjaneyasana.]]&#039;&#039; In: &#039;&#039;yoga-vidya.de.&#039;&#039; Abgerufen am 7. September 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dieser Muskel befindet sich jeweils halb seitlich am oberen Oberschenkel und am unteren Rücken. Er ist für die Hüftbeweglichkeit verantwortlich und maßgeblich für das Heben der Beine, z.&amp;amp;nbsp;B. in der Fortbewegung zuständig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Indem bei der Praxis das zusammenwirkende Wechselspiel von [[Morning_Has_Broken#Loslösung_und_Neubeginn|Loslassen]] und Anspannen kennengelernt wird, kann dieses auch im Leben entdeckt werden, z.&amp;amp;nbsp;B. in der Kommunikation.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:5&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anjaneyasana als Übung im Sonnengruß ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anjaneyasana ist die 4. und 9. Stellung des Sonnengrußes oder Sonnengebetes ([[Surya Namaskar]]). Je nach Yogatradition werden die Hände bei der Übung in Kontakt zum Boden gelassen und die Arme nicht in die Rückwärtsbeuge integriert. Als Übung im 12-teiligen Zyklus des Surya Namaskara, IAST &#039;&#039;sūrya namaskāra&#039;&#039;, trägt sie einen eigenen Namen und wird &#039;&#039;&#039;Ashva Sanchalanasana&#039;&#039;&#039; genannt, Sanskrit अश्वसञ्चालनासन, IAST &#039;&#039;aśva-sañcālanāsana&#039;&#039;, von &#039;&#039;aśva&#039;&#039; „Pferd“&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=ashva&amp;amp;dir=se Suchergebnisse für „ashva“.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 31. August 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;sañcālana&#039;&#039; „Bewegung, Schütteln, Zittern“.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=saJcalana&amp;amp;dir=se Suchergebnisse für „saJcalana“.]&#039;&#039; In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 31. August 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die deutsche Bezeichnung für die Asana ist „Reiter“. Nach Yoga Vidya ist sie eine Variation von Anjaneyasana.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;[[y:Ashva_Sanchalanasana|Ashva Sanchalanasana.]]&#039;&#039; In: &#039;&#039;yoga-vidya.de.&#039;&#039; Abgerufen am 2.&amp;amp;nbsp;September 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery class=&amp;quot;center&amp;quot; widths=&amp;quot;270px&amp;quot; heights=&amp;quot;215px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
 ASHWA SANCHALANASANA.jpg|mini|Ashva Sanchalanasana&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Halbmond – weitere Asana mit diesem Namen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der deutschen Übersetzung von Anjaneyasana – Halbmond – sind in einigen Yogastilen Übungen bezeichnet, die den Sanskritnamen &#039;&#039;&#039;Ardha Chandrasana&#039;&#039;&#039; tragen, Sanskrit अर्धचन्द्रासन, IAST &#039;&#039;ardha-candrāsana&#039;&#039;, von &#039;&#039;ardha&#039;&#039; „halb“&amp;lt;ref&amp;gt;[https://www.learnsanskrit.cc/translate?search=ardha&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „ardha“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 31. August 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; und &#039;&#039;candra&#039;&#039; „Mond“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=candra&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „candra“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc&#039;&#039;. Abgerufen am 31. August 2025 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Asana unterscheiden sich von Anjaneyasana, obwohl sie ebenfalls den deutschen Namen Halbmond tragen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:5px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;gallery widths=&amp;quot;270&amp;quot; heights=&amp;quot;250&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:Ardha-Chandrasana Yoga-Asana Nina-Mel.jpg|Ardha Chandrasana in der Ausführung nach Iyengar und Yoga Vidya.&amp;lt;ref&amp;gt;[[y:Ardha_Chandrasana|&#039;&#039;Ardha Chandrasana.&#039;&#039;]] In: &#039;&#039;yoga-vidya.de.&#039;&#039; Abgerufen am 31.&amp;amp;nbsp;August 2025.&amp;lt;/ref&amp;gt; [[w:B.&amp;amp;nbsp;K.&amp;amp;nbsp;S.&amp;amp;nbsp;Iyengar|B.&amp;amp;nbsp;K.&amp;amp;nbsp;S.&amp;amp;nbsp;Iyengar]] legt bei dieser Asana den oberen Arm auf den Körper, so dass die Handfläche den Ober&amp;amp;shy;schenkel berührt.&amp;lt;ref&amp;gt;B.&amp;amp;nbsp;K.&amp;amp;nbsp;S.&amp;amp;nbsp;Iyengar: &#039;&#039;Licht auf Yoga.&#039;&#039; 7. Auflage. Nikol Verlag, 2017, ISBN 978-3-86820-175-8, S.&amp;amp;nbsp;66–67.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Datei:CrescentMoon2.JPG|Ardha Chandrasana in der Ausführung nach [[w:Selvarajan Yesudian|Selvarajan Yesudian]] (Ardha-chandrasana I),&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;Selvarajan Yesudian: &#039;&#039;Hatha-Yoga Übungsbuch.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Drei Eichen Verlag, München – Engelberg/Schweiz, ISBN 3-7699-0363-3, S.&amp;amp;nbsp;98.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach dem von [[w:Kriyananda|Swami Kriyananda]] begründeten Ananda-Yoga,&amp;lt;ref&amp;gt;Jayadev Jaerschky: &#039;&#039;Yoga des Yogananda.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt; nach [[w:André Van Lysebeth|André Van Lysebeth]]&amp;lt;ref&amp;gt;Denise und André van Lysebeth: &#039;&#039;Meine tägliche Yogastunde.&#039;&#039; Hippokrates-Verlag, Stuttgart 1981, ISBN 978-3-7773-0538-7, S.&amp;amp;nbsp;211.&amp;lt;/ref&amp;gt; und dem Bikram-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Bikram Choudhury &amp;amp; Bonnie Jones Reynolds: &#039;&#039;Bikram Yoga. Das Praxisbuch.&#039;&#039; 1. Auflage. Lotos Verlag (TB), 2005, ISBN 3-7787-8179-0, S.&amp;amp;nbsp;27–28.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Oberkörper wird im Stehen mit erhobenen Armen nach links und rechts gebeugt.&lt;br /&gt;
Datei:Ardha Chakrasana.jpg|Ardha Chandrasana in der Ausführung nach Selvarajan Yesudian (Ardha-chandrasana II),&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; nach André Van Lysebeth&amp;lt;ref&amp;gt;Denise und André van Lysebeth: &#039;&#039;Meine tägliche Yogastunde.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;214.&amp;lt;/ref&amp;gt; und dem Bikram-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Bikram Choudhury &amp;amp; Bonnie Jones Reynolds: &#039;&#039;Bikram Yoga.&#039;&#039; S.&amp;amp;nbsp;29–30.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im Stehen wird der Körper nach rückwärts gebeugt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/gallery&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Präsenz#Heinz_Grill_–_Gesteigerte_Präsenz|Gesteigerte Präsenz]], dargestellt am Beispiel der Praxis von Anjaneyasana&lt;br /&gt;
* Liste aller Asana in AuroraWiki in der [[:Kategorie:Asana|Kategorie: Asana]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Asana]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten mit Sanskritbegriff]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Sonnengru%C3%9F&amp;diff=13538</id>
		<title>Sonnengruß</title>
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		<updated>2026-04-30T15:23:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: Weiterleitung erstellt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;#WEITERLEITUNG [[Surya Namaskar]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Asana]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten mit Sanskritbegriff]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
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	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Sonnengebet&amp;diff=13537</id>
		<title>Sonnengebet</title>
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&lt;div&gt;#WEITERLEITUNG [[Surya Namaskar]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Asana]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Seiten mit Sanskritbegriff]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
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		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13536</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
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		<updated>2026-04-30T15:19:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Einzelnachweise */ Kategorien eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigentümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig, so beschreibt es der Autor, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren um dann die Frage nach der Logik des Textes hinzuzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;!!! &#039;&#039;&#039;Anmerkung&#039;&#039;&#039;: Wir haben nun insgesamt eine große Anzahl von Zitaten (auch von Heinz Grill). Deswegen plädiere ich dafür, deinen ursprünglichen Plan umzusetzen, die Gedanken mit eigenen Worten darzustellen. Bitte zusammenhängender Text ohne ... !!!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nehmen Sie die wesentlichen Gedanken sehr sorgfältig in die vorstellende Bewusstheit. … Lesen Sie erneut die gleichen Absätze und überprüfen Sie ihre Erinnerung nach der Richtigkeit. Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? … Bilden Sie sich eine Vorstellung in möglichst genauer Anlehnung an die zentralen Gedanken des Textes und stellen Sie sich die Frage: Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik? … Überprüfen Sie durch sorgfältige Innen- und Außenschau Ihre Eindrücke und horchen Sie bewusst auf die stille Kommunikation, die mit den Gedanken entsteht. … Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen? … Die Absicht, die den Worten zugrunde liegt, spricht sich meist in jener Art aus, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind. … Auf diese Weise können Sie ein anspruchsvolles Werk abschnittweise erarbeiten, die Motive des Autors ergründen, sie in ihrem Wert akzeptieren oder sie im Bedarfsfall, wenn nötig, zurückweisen. … Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des Bhakti-Yoga. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Yoga]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sanskrit-Lexikon]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13535</id>
		<title>Jnana-Yoga</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://www.aurorawiki.de/index.php?title=Jnana-Yoga&amp;diff=13535"/>
		<updated>2026-04-30T15:16:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Robert Lindermayr: /* Upanishaden */ Formatierungen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Der Mensch im Geiste.png|mini|330px|&#039;&#039;Der Mensch im Geiste&#039;&#039;&amp;lt;br&amp;gt;(Zeichnung von [[Rudolf Steiner]])]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Jnana-Yoga&#039;&#039;&#039;, auch bekannt als &#039;&#039;&#039;Jnana-Marga&#039;&#039;&#039;, ist der „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, der durch die Aktivität von Hingabe ([[Bhakti]]) und Studium zu einem ausgewählten Objekt realisiert wird. Jnana-Yoga ist einer der drei klassischen Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen. Jnana-Yoga ist eine spirituelle Disziplin, die nach universaler Erkenntnis strebt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist der Weg zur Erkenntnis des geistigen Kräftewirkens, das hinter allen Sinneserscheinungen liegt. Dieses Wissen, das sich aus dem Erkenntnisvorgang dem Übenden erschließt, gründet sich auf eine eigenständige und bewusste Erfahrung und unterscheidet sich von dem sogenannten intellektuellen Wissen, das vielfach aus Informationen oder bereits vorgefertigten Ergebnissen und Begriffen besteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Jnana-Yoga eröffnet sich zunehmend die Bewusstheit und das Wissen von der Verbindung zwischen der kosmisch-geistigen und irdischen Welt. Der Studierende erlebt sich dabei wach, konzentriert und in Beziehung zu beiden Welten. Diese Entwicklung wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als „Herzdenken“ bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Etymologie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ([[w:Sanskrit|Sanskrit]] ज्ञान, [[w:IAST|IAST]] &#039;&#039;jñāna&#039;&#039;), manchmal auch als &#039;&#039;gyaan&#039;&#039; oder &#039;&#039;gnan&#039;&#039; transkribiert, bedeutet übersetzt „(höheres) Wissen“.&amp;lt;ref&amp;gt;[https://learnsanskrit.cc/translate?search=jJAna&amp;amp;dir=se &#039;&#039;Suchergebnisse für „jJAna“.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;learnsanskrit.cc.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Wurzel &#039;&#039;jna-&#039;&#039; ist verwandt mit dem englischen Wort &#039;&#039;know&#039;&#039; sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις &#039;&#039;gnosis&#039;&#039;). Ihr Antonym ist Ajnana, deutsch „Unwissenheit“.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot;&amp;gt;[https://www.britannica.com/topic/jnana &#039;&#039;jnana.&#039;&#039;] In: &#039;&#039;Britannica.&#039;&#039; Abgerufen am 29. April 2026 (englisch).&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Etymologie des Begriffs Yoga siehe das entsprechende Kapitel im Artikel [[Bhakti-Yoga#Yoga|Bhakti-Yoga]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Definition ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:0&amp;quot; /&amp;gt; Im Hinduismus ist es das Wissen, das die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot;&amp;gt;Bimal Krishna Matilal: &#039;&#039;Jnana.&#039;&#039; In: Lindsay Jones (Hrsg.): &#039;&#039;MacMillan Encyclopedia of Religions&#039;&#039;. MacMillan, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga (Sanskrit ज्ञानयोग, IAST &#039;&#039;jñānayoga&#039;&#039;), auch bekannt als Jnana-Marga (Sanskrit ज्ञानमार्ग, IAST &#039;&#039;jñānamārga&#039;&#039;), ist einer der drei klassischen Wege für Moksha (Sanskrit मोक्ष, IAST &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039;, „Befreiung, [[Freiheit]], Erlösung“), beschrieben in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont.&amp;lt;ref&amp;gt;James G. Lochtefeld: &#039;&#039;The Illustrated Encyclopedia of Hinduism. A–M.&#039;&#039; The Rosen Publishing Group, 2002, ISBN 978-0-8239-3179-8, S. 93–94.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die beiden anderen Wege sind Karma-Yoga (Weg des Handelns) und [[Bhakti-Yoga]] (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott).&amp;lt;ref&amp;gt;Klaus K. Klostermaier: &#039;&#039;Eine Übersicht über den Hinduismus.&#039;&#039; 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. 2007, State University of New York Press, ISBN 978-0-7914-7082-4, S. 119–120.&amp;lt;/ref&amp;gt; In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als „Klassischer Yoga“ bezeichnet wird, als vierte Art aufgeführt. Diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.&amp;lt;ref&amp;gt;Elizabeth De Michelis: &#039;&#039;A History of Modern Yoga&#039;&#039;. Continuum, 2005.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt.&amp;lt;ref&amp;gt;Richard Dewey Mann: &#039;&#039;The Light of Consciousness: Explorations in Transpersonal Psychology&#039;&#039;. State University of New York Press,1984, ISBN 978-0-87395-905-6, S. 21–25.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Stephen Phillips: Y&#039;&#039;oga, Karma, and Rebirth: A Brief History and Philosophy.&#039;&#039; Columbia University Press, 2009, ISBN 978-0-231-14485-8, S. 178–182.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita.&amp;lt;ref&amp;gt;Constance Jones, James D. Ryan: &#039;&#039;Encyclopedia of Hinduism&#039;&#039;. Infobase Publishing, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinn.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:1&amp;quot; /&amp;gt; Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. Die Mahavakyas sind die „Großen Aussagen“ der Upanishaden, wobei &#039;&#039;mahā&#039;&#039; „groß“ und &#039;&#039;vākya&#039;&#039; „Satz“ bedeutet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von diesen drei Wegen zur Befreiung sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;Perspectives of Reality. An Introduction to the Philosophy of Hinduism&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2002, ISBN 978-1-898723-93-6, S. 48.&amp;lt;/ref&amp;gt; Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen und die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy&#039;&#039;. Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 45–46.&amp;lt;/ref&amp;gt; Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students&#039;&#039;. Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. xxvii, xl-xliv.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen. Er erfordert Studium und [[Grundlagen der Meditation|Meditation]].&amp;lt;ref&amp;gt;Yuvraj Krishan: &#039;&#039;The Doctrine of Karma: Its Origin and Development in Brāhmaṇical, Buddhist, and Jaina Traditions.&#039;&#039; Bharatiya Vidya Bhavan, 1997, ISBN 978-81-208-1233-8, S. 112–114.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verschiedene Aspekte zum Begriff Wissen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intuitives Wissen in der Zeit der Veden ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus.&amp;lt;ref&amp;gt;Jai Krishna Ponnappan, Kiran Atma: &#039;&#039;Die Veden. Eine Einführung in die alten Schriften des Hinduismus.&#039;&#039; Amazon Digital Services LLC, Kdp, 2023, ISBN 9798859779604. ([https://books.google.de/books/about/Die_Veden.html?id=U3wl0AEACAAJ Online] bei Google Books)&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (&#039;&#039;sruti&#039;&#039;) weitergegeben wurde.&amp;lt;ref&amp;gt;Vaman Shivaram Apte: &#039;&#039;The Practical Sanskrit-English Dictionary&#039;&#039;. 4. durchgesehene und erweiterte Ausgabe. Motilal Banarsidass, Delhi 1965, ISBN 978-81-208-0567-5.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Veden wurden erst nach 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. schriftlich festgehalten,&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell Companion to Hinduism.&#039;&#039; Malden, Massachusetts 2003, ISBN 978-1-4051-3251-0, S. 69.&amp;lt;/ref&amp;gt; doch gelten aufgrund der Betonung der exakten Aussprache nur die mündlich überlieferten Texte als autoritativ.&amp;lt;ref&amp;gt;Barbara A. Holdrege: &#039;&#039;Veda and Torah: Transcending the Textuality of Scripture.&#039;&#039; SUNY Press, 1996, ISBN 978-0-7914-1639-6, S. 345.&amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt vier Veden: den [[w:Rigveda|Rigveda]], den [[wen:Yajurveda|Yajurveda]], den [[wen:Samaveda|Samaveda]] und den [[wen:Atharvaveda|Atharvaveda]].&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;Einführung in den Hinduismus.&#039;&#039; 1996, Cambridge University Press, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 35–39.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (* 1960), der Begründer des Neuen Yogawillens, dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen noch das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos natürlich erleben ließ:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Widerspiegelung eines kosmischen Einflusses. […] Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. […] Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von &#039;&#039;vid&#039;&#039;, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.&#039;&#039; Stephan Wunderlich Verlag, 2024, ISBN 978-3-948803-18-6, S. 21.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rudolf Steiner]] benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wir müssen uns klar sein darüber, daß so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigstens bis zu einem gewissen Grade. […] Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne daß sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als daß er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 19. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=19&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wissen in unserer heutigen Zeit unterscheidet sich von diesem intuitiven Wissen zur Zeit der Veden. Allgemein erhalten wir unser Wissen aus den Lehrbüchern oder von Informationen, die übernommen und gelernt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Intellektuelles Wissen – Tieferes Wissen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet [[w:Erich Fromm|Erich Fromm]] (1900–1980) das von ihm so genannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich als Habenwissen auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach ihm ein tieferes Wissen durch die eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. […] Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existenzweise des Habens jedoch mehr Wissen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Erich Fromm: &#039;&#039;Haben oder Sein.&#039;&#039; dtv, München, ISBN 978-3-423-34234-6, S. 59.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das nur aus dem Erforschen der äußeren Erscheinungen entsteht, trügerisch:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Das Abenteuer des Denkens&#039;&#039;, Patmos Verlag Düsseldorf, ISBN 3-491-72158-X, S. 6.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Albert Einstein verweist darauf, dass sich die Gebiete von Religion und Wissenschaft ergänzen und sogar gegenseitig brauchen. Das Religiöse zeige sich im Streben nach Wahrheiten und Begreifen, die Wissenschaft zeigt Methoden und Mittel für das Forschen auf:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“&amp;lt;ref&amp;gt;Albert Einstein: &#039;&#039;Worte in Zeit und Raum&#039;&#039;. Herder, Freiburg im Breisgau, 1991, ISBN 3-451-22398-8, S. 88–89.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für ein tieferes Wissen, das selbstständig errungenen wurde (Jnana), lebte in Thomas von Aquin. Mit seiner methodisch-dialektischen Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.–14.&amp;amp;nbsp;Jh.) üblich war, wusste er tief und lebendig von der Einheit des Menschen mit den geistigen Welten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philosophischen Argumentation. […] Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch-dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 36. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen um die Weltengesetze durch die Weiterentwicklung des Herzens zum Erkenntnisorgan ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach den Forschungen von [[Rudolf Steiner]] (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, trägt das heutige Herz die Anlage in sich, in der Menschheitsentwicklung ein Erkenntnisorgan zu werden und hierin den Kopf mit dem Gehirn zu ersetzen. Es wird dadurch nach seinen Worten eine Erkenntnis möglich sein, die warm und innig ist. Im heutigen Herzen liegt die Anlage, tiefe und zugleich machtvolle Blicke in die Welt zu tun:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; in dem gegenwärtigen &#039;&#039;Herzen&#039;&#039;. Aber wohlgemerkt: die &#039;&#039;Anlage&#039;&#039; zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur &#039;&#039;tasten&#039;&#039;, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Seelenübungen I.&#039;&#039; GA 267. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-2670-5, S. 90. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_267.pdf#page=90&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Buch &#039;&#039;Die Philosophie der Freiheit&#039;&#039; macht Rudolf Steiner deutlich, dass mit dem „Herzdenken“ nicht ein emotionales Denken gemeint ist, da „der Gedanke der Vater des Gefühls“ ist. „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Philosophie der Freiheit&#039;&#039;. GA 4. 16. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-0040-3, S. 25. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_004.pdf#page=25&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation ([[Bhakti]]), von Rudolf Steiner mit dem „andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Die Bhagavad Gita und die Paulusbriefe&#039;&#039;. GA 142. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1982, ISBN 3-7274-1420-0, S. 49. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_142.pdf#page=47&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Rudolf Steiner ist einerseits die Ausprägung des verstandesmäßigen Denkens in der physischen Welt wichtig, andererseits ist aber eine weitere Entwicklung des Denkens notwendig, das sich im unmittelbaren Erfassen der höheren Welten zeigt. Dazu muss der Mensch die gewohnte irdische Logik übersteigen. Trotzdem solle man sich der gewöhnlichen Logik nicht „entschlagen“, da diese die Entwicklung eines Verantwortungsgefühls gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ausbildet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„So notwendig es ist – das ist ja schon betont worden –, daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigentümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. – Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“&amp;lt;ref&amp;gt;Rudolf Steiner: &#039;&#039;Makrokosmos und Mikrokosmos.&#039;&#039; GA 119. 3.&amp;amp;nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1192-9, S. 220. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_119.pdf#page=220&amp;amp;view=Fit Online])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wissen im Sinne von universalen Empfindungen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga ist nach Heinz Grill ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita&#039;&#039;. S. 211.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Mensch Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, so dass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus liegt nach Heinz Grill diesem seelischen Vorgang inne:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Die Monade des Gedankens&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Gedanke wird gedacht&lt;br /&gt;
im Glauben inniglich bewahrt&lt;br /&gt;
in konsequentem Rhythmus zart&lt;br /&gt;
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen&lt;br /&gt;
Nach sechs Tagen erstrahlt&lt;br /&gt;
eine verstehende Sonnenliebe&lt;br /&gt;
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Ich bin nun der Gedanke selbst«&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Die Seligkeit in der āsana.&#039;&#039; Lammers-Koll-Verlag, 2006, ISBN 978-3-941995-50-5, S. 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Praktische Hinweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein wesentlicher Bereich, um Jnana zu realisieren, ist das Studium von universalen Gesetzmäßigkeiten. In der Seelenübung &#039;&#039;Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften&#039;&#039; von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und über die methodische Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Der Leser wird zur „Kunst des Lesens“ geführt, die lebenskräfteerbauend ist:&lt;br /&gt;
:„Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 82.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für die praktische Vorgehensweise ist es günstig, so beschreibt es der Autor, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren um dann die Frage nach der Logik des Textes hinzuzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;!!! &#039;&#039;&#039;Anmerkung&#039;&#039;&#039;: Wir haben nun insgesamt eine große Anzahl von Zitaten (auch von Heinz Grill). Deswegen plädiere ich dafür, deinen ursprünglichen Plan umzusetzen, die Gedanken mit eigenen Worten darzustellen. Bitte zusammenhängender Text ohne ... !!!&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:„Nehmen Sie die wesentlichen Gedanken sehr sorgfältig in die vorstellende Bewusstheit. … Lesen Sie erneut die gleichen Absätze und überprüfen Sie ihre Erinnerung nach der Richtigkeit. Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? … Bilden Sie sich eine Vorstellung in möglichst genauer Anlehnung an die zentralen Gedanken des Textes und stellen Sie sich die Frage: Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik? … Überprüfen Sie durch sorgfältige Innen- und Außenschau Ihre Eindrücke und horchen Sie bewusst auf die stille Kommunikation, die mit den Gedanken entsteht. … Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen? … Die Absicht, die den Worten zugrunde liegt, spricht sich meist in jener Art aus, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind. … Auf diese Weise können Sie ein anspruchsvolles Werk abschnittweise erarbeiten, die Motive des Autors ergründen, sie in ihrem Wert akzeptieren oder sie im Bedarfsfall, wenn nötig, zurückweisen. … Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”&amp;lt;ref&amp;gt;Heinz Grill: &#039;&#039;Übungen für die Seele&#039;&#039;. S. 88.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bhagavad Gita ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bhagavad Gita wird Jnana-Yoga auch als „Buddhi-Yoga“ bezeichnet und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis.&amp;lt;ref&amp;gt;M. V. Nadkarni: &#039;&#039;The Bhagavad-Gita for the Modern Reader: History, interpretations and philosophy.&#039;&#039; Taylor &amp;amp; Francis, 2016, ISBN 978-1-315-43898-6, S. 266.&amp;lt;/ref&amp;gt; Der Text betrachtet &#039;&#039;Jnana Marga&#039;&#039; als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eknath Easwaran: &#039;&#039;Essence of the Bhagavad Gita: A Contemporary Guide to Yoga, Meditation, and Indian Philosophy.&#039;&#039; Nilgiri Press, 2011, ISBN 978-1-58638-068-7, S. 118 und 281.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das 4. Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln.&amp;lt;ref&amp;gt;Jeaneane D. Fowler: &#039;&#039;The Bhagavad Gita: A Text and Commentary for Students.&#039;&#039; Sussex Academic Press, 2012, ISBN 978-1-84519-346-1, S. 72–90.&amp;lt;/ref&amp;gt; Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;poem style=&amp;quot;margin-left:31px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.“&lt;br /&gt;
&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;&amp;amp;nbsp;– {{Kapitälchen|Bhagavad Gita 4,38&amp;lt;ref&amp;gt;Sri Aurobindo: &#039;&#039;Bhagavadgita.&#039;&#039; 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 35.&amp;lt;/ref&amp;gt;}}&lt;br /&gt;
&amp;lt;/poem&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Upanishaden ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den [[w:Upanishaden|Upanishaden]] zielt Jnana-Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Einheit, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch aifeinander bezogen sind.&amp;lt;ref&amp;gt;J. J. Chambliss: &#039;&#039;Philosophy of Education: An Encyclopedia.&#039;&#039; Routledge, 2013, ISBN 978-1-136-51168-4, S. 271.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis (Jnana) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein „Jnana-Yogi“ kann auch Karma-Yoga oder [[Bhakti-Yoga]] oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen. &amp;lt;ref&amp;gt;Tad Clements Horosz: &#039;&#039;Religion and Human Purpose: A Cross Disciplinary Approach&#039;&#039;. Springer Science, 2012, ISBN 978-94-009-3483-2, S. 257–258.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana-Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v.&amp;amp;nbsp;Chr. systematisiert, also früher als Karma-Yoga und Bhakti-Yoga.&amp;lt;ref&amp;gt;Robert W. Roeser: &#039;&#039;An introduction to Hindu Indiaís contemplative psychological perspectives on motivation, self, and development.&#039;&#039; In: M. L. Maehr, S. Karabenick (Hrsg.): &#039;&#039;Advances in Motivation and Achievement.&#039;&#039; Band 14: &#039;&#039;Religion and Motivation.&#039;&#039; Elsevier, Amsterdam 2005, ISBN 978-07623-12-597, S. 305–308.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Traditionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Advaita-Philosoph [[wen:Adi Shankara|Adi Shankara]] maß dem Jnana-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ (Brahman) höchste Bedeutung bei, während der [[wen:Vishishtadvaita|Vishishtadvaita]]-Kommentator [[wen:Ramanujar|Ramanujar]] Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 0-521-43878-0.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Klassisches Advaita Vedanta ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Verhaltensweisen ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana-Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:&amp;lt;ref&amp;gt;M. Heim: &#039;&#039;Differentiations in Hindu ethics.&#039;&#039; In: William Schweiker (Hrsg.): &#039;&#039;The Blackwell companion to religious ethic.&#039;&#039; Kapitel 35. 2005, ISBN 0-631-21634-0, S. 341–354.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
# Unterscheidung (&#039;&#039;nityānitya vastu viveka&#039;&#039;, नित्यानित्य वस्तु विवेकम् oder einfach &#039;&#039;viveka&#039;&#039;) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (&#039;&#039;nitya&#039;&#039;) und dem Veränderlichen, Vergänglichen, Vorübergehenden (&#039;&#039;anitya&#039;&#039;) zu unterscheiden.&lt;br /&gt;
# Leidenschaftslosigkeit der Früchte (&#039;&#039;ihāmutrārtha phala bhoga virāga&#039;&#039;, इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम् oder einfach &#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) – Die leidenschaftslose Gleichgültigkeit (&#039;&#039;vairagya&#039;&#039;) gegenüber den Früchten oder dem Genuss von Objekten (&#039;&#039;artha phala bhoga&#039;&#039;) oder gegenüber den anderen Welten (&#039;&#039;amutra&#039;&#039;) nach der Wiedergeburt.&lt;br /&gt;
# Sechs Tugenden (&#039;&#039;śamādi ṣatka sampatti&#039;&#039;, शमादि षट्क सम्पत्ति) oder einfach &#039;&#039;satsampat&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śama&#039;&#039; – Mäßigung des Geistes&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;dama&#039;&#039; – Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;uparati&#039;&#039; – Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;titikṣa&#039;&#039; – Nachsicht&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;śraddhā&#039;&#039; – Glaube&lt;br /&gt;
## &#039;&#039;samādhāna&#039;&#039; – Konzentration des Geistes&lt;br /&gt;
# Antrieb, Sehnsucht (&#039;&#039;mumukṣutva&#039;&#039;, मुमुक्षुत्वम्) – intensive Sehnsucht nach &#039;&#039;mokṣa&#039;&#039; aus dem Zustand der Unwissenheit&amp;lt;ref&amp;gt;A. Maharaj: &#039;&#039;Śrī Harṣa contra Hegel: Monism, Skeptical Method, and the Limits of Reason.&#039;&#039; &#039;&#039;Philosophy East and West.&#039;&#039; Johns Hopkins University Press, 2014, 64 (1). Kontext: S. 82–108. ([https://muse.jhu.edu/article/536159 doi:10.1353/pew.2014.0010])&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Praktiken ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jnana-Yoga für Advaitins besteht aus drei Übungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; – Hören&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; – Denken&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; – Meditation&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der [[wen:Brihadaranyaka Upanishad|Brihadaranyaka Upanishad]]:&amp;lt;ref&amp;gt;John A. Grimes: &#039;&#039;A Concise Dictionary of Indian Philosophy.&#039;&#039; State University of New York Press, 1996, ISBN 978-0-7914-3067-5, S.&amp;amp;nbsp;98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin-left:15px&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;sravana&#039;&#039; bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer (Guru) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;manana&#039;&#039; bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf [[Svadhyaya|&#039;&#039;svādhyāya&#039;&#039;]]&#039;&#039; und &#039;&#039;sravana&#039;&#039; basieren.&lt;br /&gt;
* &#039;&#039;nididhyāsana&#039;&#039; bezeichnet [[Grundlagen der Meditation|Meditation]], die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man glaubt, dass diese Praktiken – unter Anleitung eines Gurus – zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.&amp;lt;ref&amp;gt;Sengaku Mayeda Śaṅkarācārya: &#039;&#039;A Thousand Teachings: The Upadeśasāhasrī of Śaṅkara.&#039;&#039; SUNY Press. 2006, ISBN 978-8120827714, S. 78–79.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shivaismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des [[w:Shivaismus|Shivaismus]] beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des Bhakti-Yoga. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben (Karma) praktiziert werden und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.&amp;lt;ref&amp;gt;K. Sivaraman: &#039;&#039;Śaivism in Philosophical Perspective: A Study of the Formative Concepts, Problems, and Methods of Śaiva Siddhānta.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1973, ISBN 978-81-208-1771-5, S.&amp;amp;nbsp;371, 392–397.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal &#039;&#039;nistha&#039;&#039; oder &#039;&#039;samadhi&#039;&#039; hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna-Form der Höchsten Realität (Shiva).&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot;&amp;gt;Karine Schomer, W. H. McLeod: &#039;&#039;The Sants: Studies in a Devotional Tradition of India.&#039;&#039; Motilal Banarsidass, 1987, ISBN 978-81-208-0277-3, S. 57, 42–43, 140–141.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Vaishnavismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &#039;&#039;Pancharatra-&#039;&#039;Texte ([[wen:Agama (Hinduism)|&#039;&#039;agama&#039;&#039;]]) des [[w:Vishnuismus|Vishnuismus]] sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga-Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.&amp;lt;ref name=&amp;quot;:3&amp;quot; /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ziel des Jnana-Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana-Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zu Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.&amp;lt;ref&amp;gt;Gavin D. Flood: &#039;&#039;An Introduction to Hinduism.&#039;&#039; Cambridge University Press, 1996, ISBN 978-0-521-43878-0, S. 127.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Shaktismus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das &#039;&#039;Kularnava Tantra&#039;&#039;, hebt den Weg des Jnana (Erkenntnisweg) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und &#039;&#039;viveka&#039;&#039; (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang (&#039;&#039;shabdabrahman&#039;&#039;) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (&#039;&#039;parabrahman&#039;&#039;) darstellt.&amp;lt;ref&amp;gt;June McDaniel: &#039;&#039;Offering Flowers, Feeding Skulls: Popular Goddess Worship in West Bengal.&#039;&#039; Oxford University Press, 2004 ISBN 978-0-19-534713-5. S. 98–99.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einige Shakta-Texte, wie die [[wen:Sita Upanishad|Sita Upanishad]], verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die [[wen:Devi Gita|Devi Gita]], ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana-Yoga und erklärt, dass ein Jnana-Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt.&amp;lt;ref&amp;gt;Cheever Mackenzie Brown: &#039;&#039;The Devi Gita: The Song of the Goddess: A Translation, Annotation, and Commentary.&#039;&#039; State University of New York Press, 1998, ISBN 978-0-7914-3939-5, S.&amp;amp;nbsp;161–162; ganzer Kontext und Übersetzungen: S.&amp;amp;nbsp;150–163.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zukunftsweisende Hypothese ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hingabe ([[Bhakti-Yoga]]) und Studium führen zu Jnana-Yoga, dem tiefen erfahrenen Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Siehe auch ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Bhakti-Yoga]]&lt;br /&gt;
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften bzw. Studium des Selbst&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
{{Wikipedia|Jñāna yoga|en}}&lt;br /&gt;
{{Button &#039;zurück nach oben&#039;}}&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Robert Lindermayr</name></author>
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