Lavendel
Der Lavendel (Lavandula) ist eine Pflanzengattung mit rund 39 Arten, zahlreichen Hybriden und fast 400 Sorten. Er gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Im Schwerpunkt behandelt der Artikel den Echten Lavendel (Lavandula angustifolia), der als traditionelle Heil-, Kultur- und Speisepflanze die größte Bedeutung besitzt.
Neben dem Echten Lavendel (Lavandula angstifolia) sind die bekanntesten und am häufigsten verwendeten Arten der Schopflavendel (Lavandula stoechas), der Breitblättrige Lavendel bzw. Speiklavendel (Lavandula latifolia) sowie der Lavandin oder Provence-Lavendel (Lavandula × intermedia), der eine natürliche Kreuzung aus dem Echten Lavendel und dem Speiklavendel darstellt.[1]
Der Lavendel ist ein mehrjähriger, immergrüner, buschiger Halbstrauch mit einer Blütezeit zwischen Juni und September. Die Blütezeit hängt von Art und Lage ab und und liegt meist zwischen Mitte Juli und August.
Insbesondere der Echte Lavendel ist von alters her als Heilpflanze mit umfassenden Wirkungen bekannt. In der historischen Forschung wird vermutet, dass er unter der damaligen Bezeichnung „Narde“ bereits in der Bibel mehrfach erwähnt wird und rituelle Salbungen mit „kostbarem Nardenöl“ stattfanden.[2]
Auch heutzutage wird der Lavendel z. B. zur Pflege, als Duft und als Heilmittel eingesetzt, wobei sich seine Anwendungsgebiete stetig ausweiten. Seine Wirkung wurde umfassend wissenschaftlich untersucht. Die Datenlage gilt in manchen medizinischen Fachbereichen jedoch als unzureichend.[3][4]
Die Ergebnisse der Geistforschung benennen wärmebildende Eigenschaften sowie einen Bezug zum Luftorganismus. Der Lavendel und Lavendelfelder ziehen Kräfte aus dem Kosmos an und wirken sowohl auf die Witterung als auch auf die Gesundheit förderlich.
Name und Geschichte

Es wird in der Sprachforschung zumeist davon ausgegangen, dass der Ursprung des Namens vom lateinischen Verb lavare abgeleitet ist, was „waschen“ bedeutet. Bezug genommen wird auf die historische Verwendung zum Aromatisieren des Badewassers, wie es bereits die alten Römer und alten Griechen praktizierten.[5]
Vereinzelte Quellen beziehen sich auf das Verb levare, was „erleichtern oder abwehren“ bedeutet. Diese Herleitung wird mit der nervenberuhigenden, krampflösenden sowie der zugesprochenen geistvertreibenden Wirkung der Pflanze begründet.
Als Lavandula ist die Pflanze jedoch erst seit dem Hochmittelalter bekannt. Es wird davon ausgegangen, dass Lavendelessenzen zuvor mit Nardus spicata oder Spiconardus bezeichnet wurden.[2][6]
Roger Kalbermatten schreibt über den Echten Lavendel, dass die Reinigung, also die Bedeutung des „Waschens“, nicht stofflich, sondern seelisch zu verstehen sei. Sie werde durch den Duft bewirkt:
- „Er wirkt klärend und beseelend. Er reinigt das Seelengefäß und bereitet Raum für subtilere und höhere Werte. Klärung bringt Ruhe und Nervenstärke, die Aufnahmebereitschaft für Neues wächst.“[7]
Der Echte Lavendel wird bereits seit einigen Jahrhunderten gegen Schmerzen, Infektionen, zur Beruhigung und Entspannung angewandt. Bereits die alten Römer, Griechen und Araber nutzten die Pflanze als Antiseptikum. Sie desinfizierten Haut und Wunden, aber auch Oberflächen von Möbeln oder medizinische Utensilien. Mittels Lavendelbüscheln in Ställen und Wohnräumen wehrten sie Insekten wie Motten, Fliegen oder Mücken ab. In Europa diente der Echte Lavendel im Mittelalter sowohl als Aphrodisiakum als auch zur Bewahrung der Keuschheit. Im 16. Jahrhundert glaubte man, dass die Pflanze die Intelligenz steigern könne. Eine Aktivierung bestimmter Rezeptoren im Gehirn kann man heute nachweisen.[8]
Beschreibung und Vorkommen
Ursprünglich stammt der Lavendel aus dem Mittelmeergebiet, den kanarischen Inseln, Nordost-Afrika, Südwest-Asien und Indien. Er gedeiht in höheren und mittleren Lagen und auch in Meeresnähe. Durch seine Beliebtheit in Kombination mit der Winterhärte einiger Arten kommt er jedoch mittlerweile in vielen Regionen Mitteleuropas, sogar in England, vor.[9]
Der Lavendel erreicht eine Wuchshöhe von 10–50 cm (Schopflavendel), über 30–80 cm (Echter Lavendel) bis hin zu 80–100 cm (Speiklavendel, Lavandin). Die Blätter sind je nach Sorte 4–6 cm lang, schmal und blaugrün. Sie sind gegenständig angeordnet und verschmälern sich an beiden Enden. Die unteren Blätter sind behaart, weißlich, filzig und ihr Rand ist meist leicht eingerollt.[10]
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Lavendelsteckling mit graugrünen, behaarten, lanzettförmigen Blättern
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Das Bild zeigt die graugrünen Blätter der Vorjahre sowie neue Triebe, die sich im Frühjahr bilden. Diese sind nicht behaart und kräftiger in der grünen Farbe. Die neuen Triebe weisen eher nach oben und die unteren etwas mehr zur Seite.
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Die sich zumeist im späten Frühjahr bildenden Blütentriebe wachsen vergleichsweise hoch hinaus und weit weg von den sich zur Bodennähe neigenden Blättern.
Der Blütentrieb tritt aus den zu Beginn der Vegetationsperiode sich entwickelnden Blättern hervor. Die Zweige richten sich nicht alle in die Höhe auf, sondern auch teilweise wieder zum Boden hin. Neue Triebe können sich auch an den verholzten Pflanzenteilen entwickeln.[11]
Die Blüten bilden je nach Art eine etwas unterschiedlich aussehende Scheinähre und sitzen in Scheinquirlen, teilweise zunächst stufenförmig, zuletzt immer dicht am Ende eines Stängels. Beim Schopflavendel befinden sich oberhalb des Blütenstands ca. 5 cm lange violette Hochblätter, die ihm ein sehr charakteristisches Aussehen verleihen.
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Die fünfblättrige Lavendelblüte mit zweilippiger Oberlippe und dreilippiger Unterlippe
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Der Schopflavendel mit seinen charakteristischen Hochblättern
Die Blütenfarben variieren von schwarzviolett (Schopflavendel), blauviolett und violett bis seltener weiß und rosarot. Die Blüte besteht aus fünf Kronblättern und fünf grau-blauen Kelchblättern, die Krone aus einer zweilippigen Oberlippe und einer dreilippigen Unterlippe, die etwas kleiner ist. Sowohl Kelch- als auch Kronblätter sind vollständig bzw. in der unteren Hälfte zu einer Röhre verwachsen. Einer der fünf verwachsenen Kelchblattzähne ist erweitert und bildet eine herzförmige Lippe, die sich vor der Blüte über die Öffnung der eiförmigen Kelchröhre legt. Neben der Kelchröhre bilden die langen Stängel, an deren Ende die Blüten sitzen, im Vergleich zu anderen Lippenblütlern eine besondere Signatur.[7][11][12]
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Lavandula angustifolia 'Alba' mit weißen Blüten
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Lavandula angustifolia 'Rosea'
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Lavandula angustifolia in violetter Färbung
Der Lavendel benötigt einen warmen, vollsonnigen Standort mit frischem, gut durchlässigem und möglichst nährstoffarmem Boden. Er bevorzugt mineralische Böden. Zu viele Nährstoffe und zu viel Feuchtigkeit schaden der Gesundheit der Pflanze. Abgesehen von der sogenannten Stängelgrundfäule, die den Lavendel durch zu viel Feuchtigkeit befallen kann, ist er weitgehend frei von Pflanzenkrankheiten und Schädlingen. Dies liegt auch an den enthaltenen ätherischen Ölen, weswegen ihn Blattläuse und andere Schadinsekten meiden.[12]
Verwendung
Anbaugebiete und Produzenten

Der Lavendel wird als Basisprodukt für viele Anwendungen in Form von Öl oder als getrocknete Blüten verarbeitet. Die größten Produzenten von Lavendelöl sind Bulgarien, Frankreich und China. Sie gemeinsam tragen über 70 % der Produktion. Größter Exporteur ist seit 2014 durchgehend Bulgarien. Frankreich ist führend in der Produktion des Lavandinöls. Weitere Anbauländer im größeren Stil sind Indien und, mit Spezialisierung auf den Speiklavendel, Spanien. Die Anwendungen des Öls steigen stetig an. Im Jahr 2023 wurden 1000 neue Produktzusammensetzungen auf Lavendelbasis weltweit eingeführt.[13][14]
Eine Besonderheit ist der Zeitpunkt der Ernte. Während andere Blütendrogen aufgrund des maximalen Wirkstoffgehalts zum Zeitpunkt der vollen Blüte geerntet werden, ist dieser Höhepunkt beim Lavendel zu Beginn der Blüte. Die Ernte sollte nicht zu spät am Tag erfolgen, da die ätherischen Öle durch die Sonneneinstrahlung verdunsten. Das Öl wird durch Destillation gewonnen.[7][15]
Hauptsächlich werden das Öl des Echten Lavendels und des Lavandins verwendet, wobei etwas mehr als die Hälfte des weltweit produzierten Öls aus Lavandin hergestellt wird. Der Duft und die Zusammensetzung unterscheiden sich. Das Öl des Echten Lavendels wird im Duft als lieblich, blumig, besänftigend beschrieben. Das Lavandinöl ist intensiver, kampferartig. Während das Öl des Echten Lavendels einen hohen Gehalt an Estern aufweist und somit beruhigend und auch länger haltbar ist, enthält das Lavandinöl mehr Kampfer und Ketone, welche schleimlösende und antiseptische Eigenschaften haben. Ersteres wird mehr in Kosmetika oder zur Aromatherapie und zweiteres wird, da es auch einen kräftigeren Duft hat, häufiger in Haushaltsprodukten und Parfüms verwendet. Das Öl des Echten Lavendels vermischt sich gut mit anderen ätherischen Ölen.[16]
Ernährung

Die Blüten, frisch und getrocknet, sowie die jungen Blätter werden vor allem in der französischen, italienischen und spanischen Küche als Gewürz für herzhafte Speisen genutzt. Lavendel wird zu Salaten, Suppen und Eintöpfen, Fisch- oder Lammgerichten und zu Soßen beigefügt. Beliebt ist er auch als Zutat verschiedener Käsesorten wie Ziegenkäse oder Gorgonzola. Teilweise wird er der bekannten Mischung „Kräuter der Provence“ beigemischt, auch wenn dies nicht der traditionellen Rezeptur entspricht.
Außerdem wird Lavendel zur Verfeinerung von Desserts verwendet. Er gibt Kuchen, Eiscreme oder Mousse eine besondere Note. Bekannt ist unter anderem Vanilleeis, Aprikosenkuchen oder auch Schokoladenmousse mit Lavendelblüten. Aufgrund des starken Aromas der Blüten, sollten diese nur in geringen Mengen beigegeben werden.
Die Blätter sind im Aroma vergleichbar mit Rosmarin und schmecken herb-würzig und leicht bitter.[17][8]
Kosmetik, Pflege und Duft
Das Öl des Lavendels wird in großen Mengen in Kosmetikprodukten und in der Parfumindustrie verwendet. Üblich ist die Verwendung des Öls des Echten Lavendels, des Lavandin und des Speiklavendels. Hergestellt werden Shampoos, Seifen, Badeöle, Lotionen, Parfüms oder Waschmittel. Bekannt sind auch die Duftkissen für den Wäscheschrank oder zur Entspannung, bei denen die getrockneten Lavendel-Blüten genutzt werden. Neben dem angenehmen Duft im Kleiderschrank hält der Lavendel zusätzlich die Motten fern. Auch Läuse oder Mücken hält der Lavendel fern. Dafür wird aus Kostengründen vorzugsweise das Lavandinöl verwendet.[18][16]
Auch bei Potpourri-Mischungen und Duftsträußen ist der Lavendel ein häufiger Bestandteil. Diese werden ebenfalls aufgrund des angenehmen Dufts und zum vertreiben von Motten und Insekten genutzt.[19]
Im Garten

Der Lavendel ist während der Blüte sehr anziehend für Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten. Die Pflanze ist aufgrund der Blüte und der silbergrauen, lanzettförmigen Blätter attraktiv und wird daher in vielen Gärten angepflanzt. Häufig dient sie als Beeteinfassung. Gut geeignet ist sie auch als Topfpflanze.
Der Lavendel muss regelmäßig geschnitten werden, andernfalls wird die Pflanze blühfaul und fällt auseinander. Wichtig ist ein leichter Rückschnitt direkt nach der Blüte, außerdem ein Schnitt bis zu den verholzten Teilen im Frühjahr. So bleibt die Pflanze durch die angeregte Verzweigung an den Schnittstellen schön kompakt und buschig.[12]
Die Vermehrung durch Stecklinge gelingt gut. Die in die Erde gesteckten Zweige treiben nach oben hin weiter Blätter und Blüten, während sie nach unten hin Wurzeln entwickeln.[11]
Heilkunde
Aus der Volksmedizin ist die äußerliche Anwendung aus Abkochungen von Blüten bei Akne bekannt. Die Tinktur wird bei rheumatischen Beschwerden angewandt und Lavendeltee wird gegen Krämpfe eingesetzt. Die beruhigende Wirkung lässt sich bei volkstümlichen Namen wie Nervenkräutel oder Schwindelkraut wiedererkennen. In der traditionellen orientalischen Heilkunde wird der Lavendel als „Besen des Gehirns“ bezeichnet. In Indien und Tibet wird die Heilpflanze traditionellerweise zur Behandlung psychiatrischer Störungen verwendet.
In der ayurvedischen Medizin existieren zwei Standpunkte zur Verwendung des Lavendels: Während eine Strömung seinen Einsatz traditionell begründet sieht, wird er von anderer Seite erst als Bereicherung der modernen ayurvedischen Praxis betrachtet.[20][21] Es existieren zahlreiche Studien, die die Wirkung des Lavendels bzw. des Lavendelöls untersuchen. Lavendel ist eines der am umfassendsten untersuchten Heilkräuter.[12][8]
Inhaltsstoffe und Wirkungen
Mittlerweile sind ca. 160 Inhaltsstoffe des ätherischen Öls nachgewiesen, „die nur in ihrer Gesamtheit die erstaunliche Heilkraft des Lavendels hervorzubringen scheinen.“[12]
Hauptsächlich besteht das Öl aus Monoterpenen. Den größten Anteil bilden Linalylacetat (25–47 %) und Linalool (20–45 %). Die Wirkungen des Lavendels sind sehr vielfältig, unter anderem antibakteriell, antimykotisch, wundheilend, schmerzstillend, blähungstreibend, krampflösend, schlaffördernd, beruhigend, antidepressiv, angstlösend, antioxidativ, antirheumatisch und durchblutungsfördernd. Es werden Einsatzmöglichkeiten bei degenerativen Nervenkrankheiten, multipler Sklerose, Parkinson und Alzheimer beschrieben.[22]
Dem Echten Lavendel wurde vom Herbal Medicinal Products Committee (HMPC) der Status eines „traditionellen pflanzlichen Arzneimittels“ zuerkannt. Sowohl die Blüten als auch das ätherische Öl werden bei „Unruhezuständen, Stress, Erschöpfungssymptomen und Schlafstörungen empfohlen.“[23]
Die European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP) berichtet positiv über die innerliche Anwendung bei nervösem Reizmagen, dem Roemheld Syndrom, Blähungen und nervösen Darmbeschwerden. Sie empfiehlt Lavendelbäder im Falle von Kreislaufbeschwerden.[24]
Die antidepressive Wirkung sowie die Wirksamkeit gegen Angststörungen und bei Schlafstörungen konnte in Studien festgestellt werden.[25]
Die Aromatherapie gilt als geeignet, um Ängste vor einer Operation sowie postoperative Schmerzen zu reduzieren. Sie ist hochwirksam bei Schlafstörungen. Es konnte ein Trend zur gleichzeitigen Verbesserung der Wachheit am Tag festgestellt werden. Das Lavendelöl wirkte stärker bei Schlafstörungen als andere Öle und es wirkte außerdem besser in Reinform als in Mischung mit anderen ätherischen Ölen.[26][27]
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Ein Lavendelfeld vor der Blüte mit verschlossenen Blütenkelchen im Juni 2026
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Lavendel in der Blüte im Juli 2026
Die Wirkungen durch die Aromatherapie führen Forscher hauptsächlich auf das Linalool zurück. Die Substanz gelangt über die Atemwege in den Blutkreislauf und darüber ins Gehirn. Man vermutet, dass Linalool mit Rezeptoren wie GABA-A interagiert. Dies geschieht jedoch an anderer Stelle des Rezeptors, wie im Falle von angstlösenden Medikamenten aus der Klasse der Benzodiazepine. Der Lavendel wirkt daher nicht wie Benzodiazepine und der Duftstoff erzeugt daher keine Abhängigkeit. Der Tee in Kombination mit der Anregung den Duft bewusst zu genießen zeigte sich hilfreich in der frühen postpartalen Phase von Müttern, die an Schlafstörungen und Depressionen leiden. Die tägliche Einnahme von Lavendelölkapseln verbesserte Sexualstörungen in der Postmenopause.[28][29][30]
Produkte und Darreichungsform
Als Heilpflanze anerkannt mit Positivmonographien bei HMPC, ESCOP und der World Health Organization (WHO) ist ausschließlich der Echte Lavendel. Arzneiliche Verwendung finden die Blüten des Echten Lavendels (Lavandulae flos), die zuvor vom Stängel abgestreift und getrocknet werden. Hergestellt werden Tee, ätherisches Öl zur innerlichen und äußerlichen Anwendung (auch in Kapseln) sowie Tinktur. Bekannt sind Duft- oder Schlafkissen zur Entspannung, die mit den getrockneten Blüten gefüllt werden.[8] Andererseits werden in der Volksmedizin auch andere Lavendelarten angewandt.[31][1]
Lavendel aus Sicht der Geistforschung

Von Rudolf Steiner (1861–1925), dem Begründer der Anthroposophie, gibt es eine dokumentierte Aussage, die sich direkt auf den Lavendel bezieht:
- „Da werden Sie finden, daß auf der einen Seite dasjenige, was Sie in der Lavandula haben, eine starke heilende Kraft hat für all das, was, ich möchte sagen, negative Seelenschwäche ist, Ohnmächten, Nervenschwäche, Lähmungen, so daß also Lavandula nach der Peripherie des menschlichen Organismus hinwirkt so, daß es den astralischen Leib heraustreibt, daß der seine Macht verliert über den physischen Leib.“[32]
Heinz Grill (* 1960), Begründer des Schulungsweges Neuer Yogawille, vergleicht den Lavendel mit einem angenehmen, sanften Atemorgan im Garten. Diese Atembewegung werde, meist gegen Nachmittag, zu einem Ausatmen. Laut Heinz Grill „hat der Lavendel eine sehr extreme Kontaktwirkung zum Kosmos und er liebt die Berührung mit der Peripherie.“ Diese Berührung sei „eine Berührung zarter Art mit dem äußeren Lichtraum.“ Sie sei „sensibel, leicht verströmend und gleichzeitig aufnehmend.“[33] Die helle Bewegung zeige sich sowohl im Lichtäther, als auch im chemischen Äther. Die Pflanze sei offen, nicht abschirmend und nicht verschlossen. Metaphysisch beschreibt Heinz Grill eine Anziehung großer Kräfte in grünlichen Tönen während der Wachstumsphasen, die je nach Tageszeit variiere. Weiterhin zeige sich im Wachstum ein feiner rosafarbener Schimmer im Inneren des Strauches. Aus diesem Schimmer lasse sich die Anregung einer feinen Proteinbildung durch die Pflanzennatur ableiten.[33]
Die Atmung des Lavendels führt nach Heinz Grill zu folgenden Wirkungen auf die Lunge und auf die Seele:
- „Der Lavendelstrauch atmet und deshalb wirken seine duftreichen Produkte sehr angenehm unterstützend auf die Lunge. Ebenfalls wäre der Lavendel sehr heilsam und ausgleichend bei Melancholie und stark verschlossenen Tendenzen der Seele. Er gibt eine Art Erleichterung durch seinen natürlichen Atemprozess in der Natur, aber er kann nicht ausreichend eine manifestierte Lungenerkrankung heilen.“[33]
In Bezug auf das Lavendelfeld führt er die Kontaktwirkung zum Kosmos weiter aus. Es sind die aus dem Kosmos herangezogenen Kräfte die wiederum umfangreiche Wirkungen bis hin zur Lunge haben:
- „Ein Lavendelfeld zieht sehr schöne Wärme- und Lichtkräfte vom Kosmos zur Erde heran. Es ist ebenfalls ein Wirkungsfeld, das die Witterungseinflüsse günstig zu einer trockenen Sphäre fördert. Die feinduftende Komponente, die dann der Lavendel freisetzt, ist ein Ergebnis der vorhergehenden kosmischen, von oben nach unten wirkenden ätherischen Ströme. Fein und zart ist diese Berührung mit dem Kosmos, dem Licht, der Luft und sogar mit der ganzen Umgebung. Aus diesem Grunde atmet die Sinnessphäre und es erfolgt eine feine Anregung bis hinein in die Lunge, sodass die Luft leichter zum Zirkulieren findet.“[11]
Weitere Erkenntnisse aus dem Wesensstudium des Lavendels

Hildegard von Bingen erwähnt in ihrer Schrift Physika den Speiklavendel und den Echten Lavendel:
- „Cap. 25. Spica. (Lavandula Spica.) [Anm.: historisch für den Speiklavendel] Die Spike ist warm und trocken, die Wärme ist gesund. Mit Wein oder mit Honig und Wasser gekocht, beseitigt sie die Dempfigkeit in der Brust, den Leber- und Lungenschmerz, schafft reines Wissen und reinen Charakter.“[34]
- „Cap. 35. LavenduIa. (Lavandula vera.) [Anm.: historisch für den Echten Lavendel] Die Lavendel ist warm und trocken, weil sie wenig Saft hat. Sie ist sehr wohlriechend, nutzt dem Menschen nichts. Sie vertreibt Läuse; ihr Geruch macht die Augen klar.“[35]
Laut dem Naturheilarzt Jürg Reinhard, der in seiner Forschung an Gedanken Rudolf Steiners ansetzt, ist der Lavendel und auch ein Lavendelfeld „Pflanzen gewordener Himmel, der sich auf die Erde gesenkt hat und über dünne lange Stengel eine lockere Verbindung mit dem Leben der Pflanzenwelt eingegangen ist.“ Er ergänzt, dass mit der Berührung eines Lavendelfeldes auch eine Berührung mit dem Himmel erfolge.[36]
Weiterhin betont er die Besonderheit der großen Distanz von Blüte zur Staude. Ausgehend von der Annahme, dass die Pflanze im Bereich der Blüte vom Seelischen berührt wird, leitet er für den Lavendel als Heilpflanze eine lockernde Wirkung auf das Gefüge von Seele und Leib ab. Dies führe zur Schmerzlinderung, da Schmerzen auf eine zu starke Bindung der Seele an den physischen Leib zurückzuführen seien. Die Seele vermag den Schmerz wieder freizugeben.[36]
Aus der blauen Farbe der Blüte leitet er die beruhigende Wirkung und die Wirkung bei Einschlafstörungen ab. Das Blau gebe den Schmerzen einen Raum und führe laut Reinhard das Räumlich-Zeitliche in das Gegenräumlich-Gegenzeitliche über. Dieser Übergang finde beispielsweise beim Einschlafen oder Sterben statt. Im Gegenraum halten sich die unsichtbaren Wesenheiten der geistigen Welt auf.[36]
Wilhelm Pelikan, Chemiker und anthroposophischer Heilmittelforscher, hebt die sanfte, edle Ruhe, die der Lavendel ausstrahle hervor. „Etwas Reinliches, Besänftigendes weht uns in ihm an.“ Wie auch Jürg Reinhard erkennt er am Lavendel eine Ordnungsfunktion des seelischen bzw. astralischen auf den Körper. Er benennt die Anregung der Ich-Organisation und die Anwendungsmöglichkeiten ganz allgemein bei Krankheiten, die in einem vom Ich nicht beherrschten und darum der regellosen Abbautätigkeit des Astralleibes verfallenden Stoffwechsel eine ihrer Wurzeln habe.[37]
Jürg Reinhard sieht die Ordnungsfunktion in der Eigenschaft des Lavendels die Sonnenkräfte als Träger des Ichs vermitteln zu können.[36]
Der Chemiker Roger Kalbermatten, der sich mit dem Studium der Signaturen von Heilpflanzen auseinandersetzt, nimmt an, dass der Lavendel durch seinen Höhepunkt vor der vollen Blüte auf eine seelische Höherentwicklung hinweisen wolle. Soll diese zu echter Weisheit im Alter heranwachsen, müsse sie „zu einem Zeitpunkt beginnen, wo der Mensch noch über seine volle Vitalität verfügt.“[7]
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Zukunftsweisende Hypothese

Anhand der aktuellen Forschungslage in Wissenschaft und Geisteswissenschaft liegen einige wertvolle Kenntnisse zum Lavendel vor, die Anlass geben, sich noch ausführlicher mit der Pflanze, ihrem Wesen und ihren Wirkungen auseinanderzusetzen und ihr eine größere Bedeutung zuzusprechen.
Insbesondere die aktuellen Forschungsergebnisse von Heinz Grill können wegweisende Grundlagen für weitere Forschungsarbeit sowohl in der Geisteswissenschaft als auch für die Wissenschaft in den Bereichen Medizin und Ökologie geben.
Bislang medizinisch wenig beachtet ist die unterstützende Wirkung auf die Lunge, die Heilkraft und ausgleichende Wirkung bei Melancholie und stark verschlossenen Tendenzen der Seele sowie die zugesprochene Stärkung der Sinnessphäre.
Weiterhin sind anhand der Ausführungen zum Lavendelfeld viele wertvolle Potentiale der Pflanze beschrieben, die in Bereichen der Ökologie, Landschaftsgestaltung, im Gartenbau und auch übergeordnet in der Heilkunde, Philosophie und Psychologie erforscht und berücksichtigt werden können.
Medizinische Studien gibt es zahlreiche, jedoch ist die Datenlage nicht immer ausreichend und es bedarf in Bezug auf einzelne Krankheitsbilder wie Schlafstörungen oder auch zur Anwendung bei Demenzerkrankten ausführlicherer Untersuchungen. Im Zusammenhang mit Demenzerkrankungen wurde Lavendel unter anderem zur Anregung des sensiblen Nervensystems eingesetzt, es konnten weiterhin positive Auswirkungen im Hinblick auf Neuropsychiatrische Symptome festgestellt werden.[33][4]
Eine Synthese aus den Erkenntnissen der Geisteswissenschaft mit der Naturwissenschaft könnte Fragestellungen zur Wirksamkeit, die bislang hauptsächlich anhand der Inhaltsstoffe eruiert wurden, klären.
Siehe auch
Weblinks
- Lavendel (Lavandula angustifolia). In: kraeuter-buch.de
- Die Arzneipflanze des Jahres 2020: Echter Lavendel, Lavandula angustifolia Mill. In: uni-muenster.de
- Lavendel. In: lavendel.net
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Therapeutic Potential of Ustukhuddus (Lavandula stoechas L.): The ‘Broom of the Brain’ in Unani Medicine and Neuropharmacology. In: jddtonline.info. Abgerufen am 18. Juni 2026 (englisch).
- ↑ 2,0 2,1 Spiconardus – der geheimnisvolle Unbekannte. In: wissenausdemmittelalter.com. Abgerufen am 18. Juni 2026.
- ↑ A critical review on clinical evidence of the efficacy of lavender in sleep disorders. In: onlinelibrary.wiley.com. Abgerufen am 3. Juli 2026 (englisch).
- ↑ 4,0 4,1 Elisabeth Neger-Loibner: Die Wirkung von Aromapflege bei an Demenz erkrankten Personen – Ein Literaturreview. Bachelorarbeit 2020. In: Medizinische Uiversität Graz. Abgerufen am 11. Juli 2026.
- ↑ Unsere Lavendel Sorten im Überblick. In: kaiserstuhl-lavendel.de. Abgerufen am 18. Juni 2026.
- ↑ Der Duft des Südens beruhigt die Nerven. In: nabu.de. Abgerufen am 18. Juni 2026.
- ↑ 7,0 7,1 7,2 7,3 Roger Kalbermatten: Wesen und Signatur der Heilpflanzen. Die Gestalt als Schlüssel zur Heilkraft der Pflanzen. 2. Auflage. AT Verlag, Aarau 2002, ISBN 2-85502-744-7, S. 90 ff.
- ↑ 8,0 8,1 8,2 8,3 Lavendel - Wirkung und Anwendung. In: zentrum-der-gesundheit.de. Abgerufen am 27. Juni 2026.
- ↑ Lavandula. In: lavendel.net. Abgerufen am 18. Juni 2026.
- ↑ Lavendelarten in der Heilkunde. In: lavendel.net. Abgerufen am 30. Juni 2026.
- ↑ 11,0 11,1 11,2 11,3 11,4 Der Lavendel. Feine, zarte Berührung mit dem Kosmos. In: naone.it. Abgerufen am 18. Juni 2026.
- ↑ 12,0 12,1 12,2 12,3 12,4 Lavendel. In: mein-schöner-garten.de. Abgerufen am 18. Juni 2026.
- ↑ Who Produces Most Lavender Oil World. In: pureoilsindia.com. Abgerufen am 30. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Lavender Essential Oil Market. In: marketreportsworld.com. Abgerufen am 30. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Lavendel ernten: Tipps für ein volles Blütenaroma. In: mein-schoener-garten.de. Abgerufen am 14. Juni 2026.
- ↑ 16,0 16,1 Lavendel oder Lavandin? In: galimard.com. Abgerufen am 30. Juni 2026.
- ↑ Lavendel. In: kraeuter-buch.de. Abgerufen am 27. Juni 2026.
- ↑ Lavendel. In: netdoktor.de. Abgerufen am 14. Juni 2026.
- ↑ Geraldine Holt: Kräuter - In Garten und Küche - Für Gesundheit und Schönheit - Als Duft und Dekoration. ISBN 3-88472-388-X, S. 76.
- ↑ What is Lavender. In: deepayurveda.com. Abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Healing Powers of Lavender in Ayurveda. In: ayurved.dpu.edu.in. Abgerufen am 14. Juni 2026 (englisch).
- ↑ Markus Sommer: Heilpflanzen. Aethera-Verlag Stuttgart 2023, S. 224 ff.
- ↑ Community herbal monograph on Lavandula angustifolia. In: ema.europe.eu, S. 3. Abgerufen am 27. Juni 2026 (englisch).
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- ↑ Lavendelöl hilft bei Angststörung. In: meduniwien.ac.at. Abgerufen am 13. Juli 2026.
- ↑ A systematic literature review and meta-analysis of the clinical effects of aroma inhalation therapy on sleep problems. In: ovid.com. Abgerufen am 13. Juli 2026 (englisch).
- ↑ Aromatherapy in Treating Postoperative Pain: Pilot Study. In: onlinelibrary.wiley.com. Abgerufen am 13. Juli 2026 (englisch).
- ↑ Chen Shu-Lan, Chen Chung-Hey: Effects of Lavender Tea on Fatigue, Depression, and Maternal-Infant Attachment in Sleep-Disturbed Postnatal Women. In: sigmapubs.onlinelibrary.wiley.com. Abgerufen am 13. Juli 2026 (englisch).
- ↑ Morteza Haramshahi, Soraya Babaie, Mahnaz Shahnazi et al.:The efficacy of oral Lavandula angustifolia Mill. essential oil on menopausal symptoms, serum lipid profile, and cortisol concentration in postmenopausal women: A triple-blind, randomized, controlled trial. In: sciencedirect.com. Abgerufen am 13. Juli 2026 (englisch).
- ↑ H. Harada, H. Kashiwadani, Y. Kanmura, T. Kuwaki: Linalool Odor-Induced Anxiolytic Effects in Mice. In: frontiersin.org. Abgerufen am 13. Juli 2026 (englisch).
- ↑ Schopflavendel. In: bvonarburg.ch. Abgerufen am 12. Mai 2026.
- ↑ Rudolf Steiner: Geisteswissenschaft und Medizin. GA 312. 7. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1999, ISBN 3-7274-3120-2, S. 194. (Online)
- ↑ 33,0 33,1 33,2 33,3 2026 Mai Meditationsinhalt Lavendel. In: oekologie.xk-yoga.de. Abgerufen am 30. Juni 2026.
- ↑ Dr. J. Berendes: Die Physica der heiligen Hildegard. Sonder-Abdruck aus Pharm. Post, Goslar 1896 und 1897, S. 22: Cap. 25. Spica. (Lavandula Spica.) In: tu-braunschweig.de. Abgerufen am 12. Juli 2026.
- ↑ Dr. J. Berendes: Die Physica der heiligen Hildegard. Sonder-Abdruck aus Pharm. Post, Goslar 1896 und 1897, S. 23: Cap. 35. LavenduIa. (Lavandula vera.) In: tu-braunschweig.de. Abgerufen am 12. Juli 2026.
- ↑ 36,0 36,1 36,2 36,3 Jürg Reinhard: Sanfte Heilpraxis mit selbstgemachten Medikamenten. 4. Auflage. AT Verlag, Baden und München 2023, ISBN 978-3-03902-041-6, S. 60–61.
- ↑ Wilhelm Pelikan: Heilpflanzenkunde. Der Mensch und die Heilpflanzen. Band 1. 6. Auflage. Verlag am Goetheanum, Dornach 1999, ISBN 3-7235-1054-X, S. 51–52.
- ↑ Heinz Grill: Meditationsinhalt 345 vom 23. Mai 2026 (PDF). Über die E-Mail-Adresse meditationsinhalte@mail.de kann die PDF erbeten und eingesehen werden.
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