Ahriman: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Angra Mainyu''' („böser, destruktiver Geist“<ref>[https://www.britannica.com/topic/Ahriman ''Angra Mainyu.''] In: ''Britannica.'' Abgerufen am 12, Dezember 2025.</ref>) ist ein [[w:Avestische Sprache|avestischer]] Begriff, der in der [[w:Zoroastrismus|zoroastrischen]] Theologie die Zerstörung bzw. das Zerstörerische repräsentiert.
'''Ahriman''' ist die mittelpersische Wortform des [[a:avestisch|avestischen]] Namens '''Angra Mainyu''', „zerstörerischer Geist, böser Geist.“  Nach der [[a:Urperser|urpersischen]] Überlieferung ist Angra Manyu der Zerstörer, der sich als Widersacher dem lichten Gott [[a:Ahura Mazdao|Ahura Mazdao]] (Ormuzd) entgegenstellt.


In den mittelpersischen Texten der zoroastrischen Tradition erscheint der Name erstmals als '''Ahriman'''. Als Personifikation des mit Hilfe des weiblichen Dämons [[w:Iranische Mythologie|Dschahi]] (mittelpersisch ''Dschēh'')<ref>Antonio Panaino: ''Religionen im antiken Iran.'' In: Wilfried Seipel (Hrsg.): ''7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran.'' Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 27.</ref> erweckten Ahriman findet sich auch die Bezeichnung ''Schwarzer [[w:Diw|Diw]]''.
Der Goethesche [[a:Mephistopheles|Mephistopheles]] (von hebräisch ''mephiz'' „der Verderber“ und ''tophel'' „der Lügner“) ist die Gestalt des Ahrimans,<ref>Rudolf Steiner: ''Geisteswissenschaftliche Menschenkunde.'' GA 107. 5. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1070-1, S.&nbsp;172. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_107.pdf#page=172&view=Fit Online])</ref> ebenso der [[a:Satan|Satan]] der Bibel.  


== Wortbedeutung ==
[[Rudolf Steiner]] (1861–1925) entwickelte die Bedeutung des Begriffs in Bezug auf die Entwicklung des Menschen weiter und brachte Ahriman mit der Bindung an die sterblichen Sinne und die physische Wirklichkeit in Verbindung.<ref name=":0">[https://heinz-grill.de/ahriman-inkarnation-angst/ ''Die Verkörperung Ahrimans – Teil 1.''] In: ''Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.'' Abgerufen am 28. Dezember 2025.</ref>


''Angra'' ist das Gegenteil von ''Spenta'' (auch ''Sepanta''), weshalb die Übersetzung von Angra Mainyu stark abhängig von der Übersetzung von ''[[w:Spenta Mainyu|Spenta Mainyu]]'' ist. ''Mainyu'' bedeutet in etwa „Geist, Gedanke, Vorstellung“; ''Spenta'' wird unter anderem als „aufbauend, freigebig, heilig“ übersetzt.
Das Wesen des Ahriman zeigt sich in verschiedenen Formen. Er wirkt im Menschen auf den Verstand mit schädlicher Überspitzung, sodass dieser sich im mehr materialistisch-technischen Denken fixiert und sich immer mehr in seine Leiblichkeit bindet. Sein Wesen der Versuchung zur Weltanhaftung und triebhaften Begierde verstrickt den Menschen in ein Spinnennetzwerk von Lügen in der Welt.  


''Spenta Mainyu'' ist somit der Geist der Vermehrung und ''Angra Mainyu'' der Geist des Widerstands. Diese Ur-Geister (als Vergegenwärtigung der freien Entscheidungskraft des Gewissens und des Gedankens ansehbar) wählen gemäß ''[[w:Yasna|Yasna]]'' (30,3-5) frei zwischen einander entgegengesetzten Prinzipien, so zwischen ''Ascha'' (''asha-'') und ''Drudsch'' (''druj-''), Ordnung und Nicht-Ordnung, Leben und Nicht-Leben. Ursprünglich stand Angra Mainyu dem Spenta Mainyu gegenüber.<ref>Antonio Panaino: ''Religionen im antiken Iran.'' In: Wilfried Seipel (Hrsg.): ''7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran.'' Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 26 f.</ref>
Geisteswissenschaftliche Forschungen erwarten eine Inkarnation Ahrimans in der gegenwärtigen [[a:Germanisch-Angelsächsische Kultur|Kulturepoche]]. Dies könnte auf eine einzelne Person bezogen geschehen ([[Rudolf Steiner]]) oder in einer Vereinnahmung ganzer Scharen von Menschen eintreten ([[a:Heinz Grill|Heinz Grill]]).


Als Antonym könnte ''Angra Mainyu'' somit als „zerstörerischer Geist“ übersetzt werden. Dies ist auch häufig der Fall, denn die Idee des Zerstörerischen steht stellvertretend für einen Aspekt der Kernphilosophie des Zoroastrismus: die Verwicklung des Universums in einen Kampf zwischen ''ascha'' („Wahrheit, Ordnung, Sein, Existenz“) und ''drudsch'' („Lüge, Chaos, Zerstörung des Seins“).
== Wortbedeutung ==
 
Sprachentwicklungsbedingt wandelte sich das avestische ''Angra Mainyu'' zu mittelpersisch ''Ahriman'' (mittelpersisch ''ʾhlmn' Ahreman'').
 
== Wesensmerkmale ==
 
Ahriman setzt jeder Schöpfung eine negative Gegenschöpfung entgegen. Er ist die Verkörperung alles [[a:Böse|Böse]]n und Erreger der 9999 [[a:Krankheit|Krankheit]]en. Sein Wohnort ist die [[a:Unterwelt|Unterwelt]], aus der er [[a:Finsternis|Finsternis]], [[a:Tod|Tod]] und Unheil in die Welt bringt. Durch Ahrimans Wirken verdunkelt sich dem [[a:Mensch|Mensch]]en der Einblick in die [[a:Geistige Welt|geistige Welt]], so dass er nur mehr die materielle Außenwelt sieht. Die [[a:Materie|Materie]] ist das Reich Ahrimans. Er bringt die [[a:Todeskräfte|Todeskräfte]] in die Welt. [[a:Ahriman|Ahriman]] verführt den Menschen zu [[a:Irrtum|Irrtum]] und [[a:Lüge|Lüge]], die zum Keim für [[a:Krankheit|Krankheit]]sursachen in späteren [[a:Inkarnation|Inkarnation]]en werden - und er ist der Herr des [[a:Intellekt|Intellekt]]s.


{{GZ|Er ist ein Wissender, ein Weiser des Todes. Er ist daher auch der Herr des Intellektes.|211|111}}
=== Angra Mainyu als Gegenteil von Spenta Mainyu ===


Ahriman - Es sind aus der Finsterniß, mit der weißen Farbe der Kälte, alle Farben des Lichts und des Feuers entsprungen, und selbst der böse Ariman, die ewige geistige Finsterniß, soll die Farben ausgeströmt haben.<ref>Goethe Wörterbuch, WA N51,393,8 Fl Nachtr [Kanne], abgerufen am 11.12.25 über https://woerterbuchnetz.de/</ref>
[[Datei:Text-pal-Ahlmn'-ahreman.png|mini|Das mittelpersische Wort ''ʾhlmn''', ''Ahreman'']]
''Angra'' ist das Gegenteil von ''Spenta'' (auch ''Sepanta''), weshalb die Übersetzung von Angra Mainyu stark abhängig von der Übersetzung von [[w:Spenta Mainyu|Spenta Mainyu]] ist. ''Mainyu'' bedeutet in etwa „Geist, Gedanke, Vorstellung“; ''Spenta'' wird unter anderem als „aufbauend, freigebig, heilig“ übersetzt.


Ahriman, das böse Wesen in der Religion der Perser, der Gegner des guten, Ormuzd, dem er mit seinen dienenden Geistern, den Dews, feindselig entgegenwirkt; er schuf alle schädlichen Pflanzen und Thiere und verführte auch die Menschen zum Abfalle von Ormuzd. Am Ende der Zeit aber wird er sammt den Dews besiegt und mit Ormudzd versöhnt und verschwindet mit demselben im allgemeinen Weltuntergange, wo nur das Urwesen, aus dem alles hervorgegangen, Zeruane Akarene, übrig bleibt.<ref>Herders Konversations-Lexikon (1. Auflage, 1854-1857), abgerufen am 11.12.25 über https://woerterbuchnetz.de/</ref>
Spenta Mainyu ist somit der Geist der Vermehrung und Angra Mainyu der Geist des Widerstands. Diese Ur-Geister (als Vergegenwärtigung der freien Entscheidungskraft des Gewissens und des Gedankens ansehbar) wählen gemäß ''[[w:Yasna|Yasna]]'' (30,3-5) frei zwischen einander entgegengesetzten Prinzipien, so zwischen ''Ascha'' (''asha-'') und ''Drudsch'' (''druj-''), Ordnung und Nicht-Ordnung, Leben und Nicht-Leben. Ursprünglich stand Angra Mainyu dem Spenta Mainyu gegenüber.<ref>Antonio Panaino: ''Religionen im antiken Iran.'' In: Wilfried Seipel (Hrsg.): ''7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran.'' Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S.&nbsp;22–29, hier: S.&nbsp;26 f.</ref>


== Im Avesta ==
Als Antonym könnte Angra Mainyu somit als „zerstörerischer Geist“ übersetzt werden. Dies ist auch häufig der Fall, denn die Idee des Zerstörerischen steht stellvertretend für einen Aspekt der Kernphilosophie des Zoroastrismus: die Verwicklung des Universums in einen Kampf zwischen ''ascha'' („Wahrheit, Ordnung, Sein, Existenz“) und ''drudsch'' („Lüge, Chaos, Zerstörung des Seins“).


=== In den Gathas ===
Sprachentwicklungsbedingt wandelte sich das avestische Angra Mainyu zu mittelpersisch Ahriman (mittelpersisch ''ʾhlmn', Ahreman'').


In den [[w:Gathas|Gathas]], dem ältesten Teil des [[w:Avesta|Avesta]], kommt der Begriff ''Angra Mainyu'' nur ein einziges Mal vor. An dieser Stelle, in ''Yasna'' 45.2, ist der Begriff, wie die meisten anderen Begriffe der Gathas auch, nur ein reguläres Adjektiv-Nomen-Paar. Hier wird „angra mainyu“ vom „Freigiebigen der beiden“ (Spenta Mainyu) als Widersacher in allen Belangen deklariert.
=== Im Avesta ===


Ein ähnlicher Ausdruck erscheint auch an anderer Stelle in den Gathas, aber dort ist nicht ''angra mainyu'', sondern ''aka mainyu'' („böser Geist“) der Widersacher Spenta Mainyus. An weiteren Stellen wird vom ''akem manah'' „böses Denken“ und vom ''daebaaman'' „Betrüger“ gesprochen.
[[Datei:Ahura mazda representación.gif|mini|Faravahar, symbolosiert die drei Grund&shy;prinzipien des [[w:Zoroastrismus|Zoroastrismus]]:<br>Gutes Denken, gutes Sprechen und gutes Tun]]
Die [[w:Gathas|Gathas]] umfassen fünf Hymnen aus der [[w:Zoroastrismus|zoroastrischen]] mündlichen Tradition der [[w:Avesta|Avesta]]. Das älteste erhaltene Textfragment der Gathas stammt aus dem Jahre 1323. Der Begriff Angra Mainyu kommt in den Gathas nur ein einziges Mal vor. In ''Yasna'' 45.2 ist der Begriff, wie die meisten anderen Begriffe der Gathas auch, nur ein reguläres Adjektiv-Nomen-Paar. Hier wird Angra Mainyu vom „Freigiebigen der beiden“ (Spenta Mainyu) als Widersacher in allen Belangen deklariert.


=== Im jüngeren Avesta ===
Ein ähnlicher Ausdruck erscheint auch an anderer Stelle in den Gathas, aber dort ist nicht Angra Mainyu, sondern Aka Mainyu („böser Geist“) der Widersacher Spenta Mainyus. An weiteren Stellen wird vom ''akem manah'' „böses Denken“ und vom ''daebaaman'' „Betrüger“ gesprochen.


Erst im jüngeren Avesta ist Angra Mainyu eindeutig Stellvertreter des Zerstörerischen.
Erst im jüngeren Avesta ist Angra Mainyu eindeutig Stellvertreter des Zerstörerischen.


Während in den älteren Texten des jüngeren Avesta noch Angra Mainyu und Spenta Mainyu sich bekriegen, wandelt sich die Situation schlagartig in der [[w:Avesta#Der_Vendidâd|Vendidâd]]. In diesen sehr späten Texten der ''Vendidâd'' 1 (4. Jahrhundert v.&nbsp;Chr. wird allgemein angenommen) wird der Kampf nicht mehr von Angra Mainyu und Spenta Mainyu ausgetragen, sondern von Angra Mainyu und lichten Gott Ormuzd ([[w:Ahura Mazdao|Ahura Mazdao]]).<ref>Vgl. auch Antonio Panaino: ''Religionen im antiken Iran.'' In: Wilfried Seipel (Hrsg.): ''7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran.'' Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 27 f.</ref> Dies belegt ein Zitat des [[a:Aristoteles|Aristoteles]] bei [[w:Diogenes Laertios|Diogenes Laertios]] (1.6), in dem die Widersacher ''Ariemanios'' und ''Oromazdes'' genannt werden.
Während in den älteren Texten des jüngeren Avesta noch Angra Mainyu und Spenta Mainyu sich bekriegen, wandelt sich die Situation schlagartig in der [[w:Avesta#Der_Vendidâd|''Vendidâd'']]. In diesen sehr späten Texten der ''Vendidâd'' 1 (4. Jahrhundert v.&nbsp;Chr.) wird der Kampf nicht mehr von Angra Mainyu und Spenta Mainyu ausgetragen, sondern von Angra Mainyu und lichten Gott [[a:Ahura Mazdao|Ahura Mazdao]] (Ormuzd).<ref>Vgl. auch Antonio Panaino: ''Religionen im antiken Iran.'' In: Wilfried Seipel (Hrsg.): ''7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran.'' Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S.&nbsp;22–29, hier: S.&nbsp;27 f.</ref> Dies belegt ein Zitat des [[a:Aristoteles|Aristoteles]] bei [[w:Diogenes Laertios|Diogenes Laertios]] (1.6), in dem die Widersacher Ariemanios und Oromazdes genannt werden.
 
== In der Tradition ==
 
=== Im Zurvanismus ===
 
[[Datei:Islamic demon (div) capturing an angel or a peri.jpg|mini|Diw, Dämon aus der Hölle, entführt eine [[w:Peri (Mythologie)|Peri]] oder einen Engel. Persische Zeichnung aus dem 16. Jahrhundert]]
Der [[w:Zurvanismus|Zurvanismus]], eine ausgestorbene Form des Zoroastrismus, basierte auf einer Zwillingsbrüder-Doktrin, nach der Ahura Mazdao und Angra Mainyu tatsächliche Zwillingssöhne des „Vaters“ [[w:Zurvan|Zurvan]] („Zeit“) waren.
 
Obwohl der Zurvanismus spätestens im 10. Jahrhundert ausstarb, waren die anti-zurvanistischen Polemiken die ersten, die den Westen erreichten, und prägten somit maßgeblich das Verständnis des Zoroastrismus. Dieser Zustand setzte sich fort, und obwohl akademisch längst überholt, prägt er bis heute das Allgemeinbild des Zoroastrismus, unter anderem die fixe Idee, dass der Zoroastrismus zwei Götter habe oder dass Ahura Mazdao und Angra Mainyu direkte Widersacher seien.
 
Dem Gebot des Ahriman sind alle anderen [[w:Daeva|bösen Geister]] untertan und die „schlechten Geschöpfe“ –&nbsp;Giftschlangen, Raubtiere, Ratten, Mäuse, Ungeziefer&nbsp;– wurden von ihm geschaffen.
 
=== In den Religionsbüchern des 9./10. Jh. ===
 
Nach den Angaben der mittelpersischen Religionsbücher des 9./10. Jh., wozu aber die Grundlagen schon im Avesta und in den Berichten der Griechen gegeben sind, verläuft die Weltgeschichte in vier Zyklen von je 3000 Jahren. Mit dem dritten Zyklus beginnt der Kampf zwischen Ahriman und den Geschöpfen des guten Geistes, der 6000 Jahre andauert. Dann wird Ahriman vernichtet und eine neue unvergängliche und glanzvolle Welt geschaffen werden.
 
=== Islamisch-persische Periode ===
 
In der persischen Literatur der [[w:Islam|islamischen Epoche]] fungiert Ahriman als Personifikation des (absoluten) Bösen. Seine Existenz wird jedoch seitens der Muslime abgesprochen.<ref>Irfan Asghar: ''The Notion of Evil in the Qur'an and Islamic Mystical Thought.'' Dissertation, The University of Western Ontario (Canada), 2021.</ref> Das Böse könne nicht ohne das Gute existieren und erfülle deshalb immer einen höheren Zweck. Wenn es Ahriman gebe, so müsse er noch immer einem höheren Prinzip, was für die Muslime Allah ist, unterstehen, der schlussendlich Gut und Böse erschaffen habe.<ref>Rustom, Mohammed. "Devil’s advocate: ʿAyn al-Quḍāt’s defence of Iblis in context." Studia Islamica 115.1 (2020): 65-100</ref> Manche Muslime halten zwar die Existenz der bösen Geister ([[w:Diw|Diw]]) für möglich, doch seien sie ebenfalls von Allah erschaffen und vor der Erschaffung der Welt der Menschen verbannt worden, damit sie ihnen kein Übel tun.<ref>Abedinifard, Mostafa; Azadibougar, Omid; Vafa, Amirhossein, eds. (2021). ''Persian Literature as World Literature''. Literatures as World Literature. USA: Bloomsbury Publishing. S. 40–43.</ref>
 
== In der Anthroposophie ==
 
[[Datei:Ahriman Mysteriendrama.jpg|mini|Ahriman in einer Inszenierung von [[Rudolf Steiner]]s Mysteriendrama „[[a:Die Pforte der Einweihung|Die Pforte der Einweihung]]“ am Goetheanum in Dornach]]
Die [[a:Anthroposophie|Anthroposophie]] sieht in Ahriman ein Geistwesen, das dem Menschen strukturierende, materialisierende Kräfte verleiht, als Gegenpol zu den auflösenden, bewegenden Kräften [[a:Luzifer|Luzifers]]. Ahriman sei von einer durchdringenden, kalten Intelligenz, die er jedoch begierig in sich verschließe. Im Gegensatz zu Luzifer erscheine er daher als „Fürst der Finsternis“, welcher der Menschenseele den Zugang zur geistigen Welt verunmöglichen wolle.<ref>Walther Bühler: ''Anthroposophie als Forderung unserer Zeit. Eine Einführung auf der Grundlage einer spirituellen Naturanschauung.'' Novalis-Verlag, Schaffhausen 1987, ISBN 3-7214-0589-7, Kapitel 10: ''Das Rätsel des Bösen: Luzifer und Ahriman.'', S. 137 ff.</ref>
 
1919 sprach [[Rudolf Steiner]] in einem Vortrag davon, dass sich Ahriman im dritten Jahrtausend nach der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus in einem Menschen inkarnieren müsse.<ref>''11. Vortrag vom 1. November 1919.'' In: Rudolf Steiner: ''Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. Fünfzehn Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 3. Oktober und 15. November 1919.'' 3. Auflage, photomechanischer Nachdruck. Rudolf-Steiner-Verlag, Dornach 1989, ISBN 3-7274-1910-5.</ref>
 
Aus der esoterischen Betrachtungen von Rudolf Steiner, die in einem Manuskript in drei Vorträgen vom November 1914 festgehalten wurde, geht hervor, dass der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman ist. Er beschreibt, dass fortwährend ein notwendiger Kampf zwischen Luzifer und Ahriman stattfindet. Luzifer kommt von links her an den Körper heran, und Ahriman von der rechten Seite, wodurch die räumliche Gestalt des Menschen zustande kommt. Denn dazwischen muss der Mensch das rechte Gleichgewicht finden, was er unbewusst in der Wahrnehmung tut. Die Fläche, wo der Mensch sein eigenes seelisches Leben entwickeln kann, ist da, wo Luzifer und Ahriman gegeneinander abprallen. Das rechte Gleichgewicht zu finden ist oben im Kopfe am ehesten möglich, denn weiter unten gelingt es nur sehr schwer.<ref>''II. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz).</ref>
 
Der Mensch hat überhaupt nur die Möglichkeit zwischen diesen beiden Kräften in der Mitte zu Sein. „[…] Und unsere Lebenskunst besteht darin, daß wir das rechte Gleichgewicht finden.“<ref>''II. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz), S. 21.</ref>
 
Wenn Luzifer und Ahrmian in der Richtung links-rechts kämpfen, dann tun sie es vorzugsweise durch die Gedanken. Wenn die Gedanken von links und von rechts herüber schwirren, dann berühren sie sich in dieser Fläche. «Es sind kosmische Gedankenbildungen, die da aneinanderstoßen und sich in der menschlichen Mittenfläche berühren".<ref>''II. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz), S. 24.</ref>
 
Die von links und rechts kommenden Wirkungen bezeichnet Rudolf Steiner als Gedankengeschosse.<ref>''II. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz), S. 25.</ref>
 
ZEICHNUNG VON MIR vom Rechts-Links-Menschen
 
Gleichzeitig ist der Mensch auch in dem Feld von vorn und hinten in ein Kampffeld hineingestellt. Ahriman stößt von rückwärts und von vorne entsendet Luzifer seine „Pfeile“. Allerdings berühren sie sich gegenseitig nicht in einer Fläche, „sondern es bleibt zwischen ihnen in der Mitte ein Zwischenraum, in welchem hin und her des Menschen Gefühlsleben wogt. Denn Ahriman kommt von hinten nur bis zum Rückgrat mit seiner Tätigkeit und Luzifer von vorne nur bis dahin, wo die Rippen an das Brustbein anstoßen. Der Mensch steht zwischen diesem Kampf von Luzifer und Ahriman drinnen. Sie führen den Kampf mehr durch die Gefühle.“ Die von vorne und hinten kommenden Wirkungen bezeichnet Rudolf Steine als „Gefühlsgeschosse“.<ref>''II. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz). </ref>
 
ZEICHNUNG VON MIR von vorne und hinten
 
Es gibt noch eine dritte Richtung, aus der sich Luzifer und Ahriman am Menschen wirksam zeigen. Luzifer spielt von oben herunter und Ahriman von unten herauf. Auch hier wurden von guten Göttern Barrieren errichtet. Die luziferischen Wirkungen von oben nach unten werden von einer unsichtbaren horizontalen Fläche aufgehalten, wenn der Mensch sich in die Mitte hineinstellt. Diese horizontale Linie liegt auf der Höhe, wo der Schädel auf der Halswirbelsäule aufsitzt.<ref>''II. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz). </ref>
 
ZEICHNUNG VON MIR von oben und unten
 
Aber auch hier hat der Mensch einen eigenen Spielraum in der Mitte. Denn gegen den von unten nach oben dringenden Ahriman wird das Zwerchfell als Barrikade gesetzt. Die von oben nach unten und von unten herauf kommenden Wirkungen bezeichnet Rudolf Steiner als „Willensgeschosse“.
 
Die Götter haben hier Verschanzungen gegen die Geschosse Luzifers und Ahrimans aufgerichtet. „[…] Dazwischen ist der Raum, in dem Luzifer und Ahriman gegeneinander stoßen, aber in dem auch die Ursprungsgottheit wirken kann. So ist also der Mensch ein Erzeugnis widerstrebender und ausgleichender Kräfte. Sein eigentliches Wesen liegt an den Grenzen der Fläche und dem Raume, der sich in der Mitte ergibt. Jahves Zauberhauch im Menschen.“
 
Wird der Blick auf die gesamte menschliche Natur gerichtet, sieht man eben den physischen Menschen, zu dem auch das durchdrungen sein mit Atemluft gehört. Denn der Mensch besteht nicht bloß aus Muskeln und Knochen, als ein Fleisch- und Knochenmensch, sondern er ist auch über das Ein- und Ausströmen des Atems, von außen nach innen und wieder nach außen, ein Atemmensch. Dieser steht fortwährend mit dem zirkulierenden Blut in einem Zusammenhang. Der andere Pol ist der Nervenmensch, der wie getrennte vom Atemmenschen liegt. Es ist nur eine Art äußeres Zusammenkommen zwischen dem Nervenmenschen und dem Blutmenschen. Nun gibt es diejenigen Ätherkräfte, die nach dem Luziferischen hintendieren und durch das Atmen leicht an das Blutsystem und so an den Menschen herankommen können. Es gibt aber auch Ätherkräfte, die zu dem Ahrimanischen hintendieren und über das Nervensystem an den Menschen herankommen können. „Ahriman ist es versagt in das Blut unterzutauchen, weil er nicht an die Wärme des Blutes heran kann. Will er aber eine Beziehung zur Menschennatur hin entwickeln, dann wird er lechzen müssen nach einem Tröpfchen Blut, weil er so schwer herankommen kann an das Blut. […] Will er an den Menschen herankommen, an das, was im Menschen lebt, will er mit dem Menschen in Verbindung treten, dann wird er gewahr, dass das Menschliche in dem Blute lebt. Er muss nach dem Blute trachten.“<ref>''I. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz), S. 8.</ref>
 
Das ahrimanische Motiv besteht darin, dass wir fortwährend der Gefahr ausgesetzt sind, ihm zu verfallen und uns nicht mehr losreißen können von ihm. Da empfindet der Mensch etwas, das er sich verschreiben muss, etwas, dem er verfallen muss. Je nachdem in welchem Prozess der Mensch lebt, sei es im Atmungs- und Blutprozess oder im Nervenprozess, wird der andere Prozess für einen gesunden Ausgleich sorgen. Deshalb zeigt es sich hier im Grunde, dass Luzifer und Ahriman, wenn sie an ihrem richtigen Orte segensreich wirken, für ein Gleichgewicht im Menschen sorgen.<ref>''I. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz), S. 11–12.</ref>
 
Die luziferische Tätigkeit macht das Wollen im Menschen jung. Wenn dieses luziferische in unserer Seelentätigkeit überwiegt und Luzifer seine Kräfte geltend macht, dann überwiegt das Wollen. Dieser wirkt auf den Gesamtstrom der Seelentätigkeit des Menschen verjüngend. Die ahrimanische Tätigkeit äußert sich in unserer Seelentätigkeit verhärtend und alternd auf das Denken. Dieses Denken – das Gedanken-haben – ist eine Äußerung der Kräfte des Ahriman. Es ist im gewöhnlichen Leben kein Auskommen ohne das Wirken von Ahriman und Luzifer im Ätherleib. Denn würde Luzifer sich ganz zurückziehen, dann würde dem Menschen das luziferische Feuer zum Wollen fehlen. Würde Ahrmian sich ganz zurückziehen aus dem Seelenleben, dann würde der Mensch niemals die Kühle des Denkens entwickeln können.
 
Es gibt eine Region in der Mitte, zwischen den beiden spielenden Tätigkeiten von Luzifer und Ahriman, in der sie sich durch das Kämpfen durchdringen. Diese Region, ist die Region des Fühlens. Der menschliche Ätherleib erscheint tatsächlich so, dass man in ihm das luziferische Licht und die ahrimanische Härte wahrnehmen kann.
Es wird also nicht nur die Form des physischen Leibes gestört durch das Ineinanderspielen der ahrimanischen und luziferischen Kräfte, sondern sie spielen auch im ganz Ätherleib ineinander. Es drückt sich das Denken aus, wenn die ahrimanischen Kräfte die Überhand haben. Haben die luziferischen Kräfte die Überhand, dann ist das ein Ausdruck des Wollens. Wenn sie sich gegenseitig raufen, so könnte man sagen, dann ist das ein Ausdruck des Fühlens. Diese Kräfte müssen also da sein, denn durch das hinzukommen von ahrimanischen und luziferischen Kräften in der fortschreitenden Weltevolution, kam der Mensch über die Wahrnehmungen in seinem physischen Leibe hinaus. Er kann Gedanken haben, durch den ahrimanischen Einfluss auf seinen Ätherleib. Die Willensimpulse hat der Mensch dadurch, dass die luziferischen Kräfte auf seinen Ätherleib Einfluss gewinnen können.<ref>''III. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz), S.34–35.</ref>
 
Im Wachzustand sind wir gewöhnlich zu stark an die äußere Welt hingegeben, weil wir unter dem starken Einfluss, unter der Übermacht des Ahriman leben. Im Schlafzustand tun wir alles für unsere Entwicklung, für uns selbst und sind so stark in uns, dass alles Bewusstsein ausgelöscht wird. „Im Schlafbewußtsein hat Luzifer die Oberhand.“ Sie halten das Gleichgewicht nur, wenn wir träumen. Da werden die Vorstellungen, die von Ahriman im Tagesbewußtesein hervorgerufen sind, durch den Einfluss von Luzifer aufgelöst und wieder zum Verschwinden gebracht. Es wird alles zu Bildern, indem Luzifer diese nicht zu festen Vorstellungen erstarren lässt. Es ist so wie bei einer Waage, bei der durch die gleichmäßige Belastung beider Seiten ein Gleichgewicht entsteht, „so haben wir es auch im Menschenleben nicht mit einer Ruhe, sondern mit einem Gleichgewichte zu tun. Und die beiden Kräfte, die sich da die Wage halten, von denen die eine oder die andere zeitweise das Übergewicht hat, sind Luzifer und Ahriman.“<ref>''III. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz),S. 40-41.</ref>


== Ahriman im Schāhnāme ==
== Ahriman im Schāhnāme ==


[[Datei:Shah Namah, the Persian Epic of the Kings Wellcome L0035183.jpg|mini|[[w:Faramarz|Faramarz]] tötet einen ahrimanischen Div. Persische Miniaturmalerei aus ''Schahname'']]
[[Datei:Shah Namah, the Persian Epic of the Kings Wellcome L0035183.jpg|mini|[[w:Faramarz|Faramarz]] tötet einen ahrimanischen [[w:Diw|Diw]]. Persische Miniaturmalerei aus ''Schāhnāme'']]
Im [[w:Schāhnāme|Schāhnāme]], dem Lebenswerk des persischen Dichters [[w:Firdausi|Abū ʾl-Qāsim Firdausī]] (940/41–1020) und gleichzeitig dem Nationalepos der persischsprachigen Welt, bildet Ahriman den Gegenspieler und Feind der Könige und Helden. Er gebietet über eine Schar dienstbarer Geister, Dewen oder [[w:Diw|Diws]] genannt.
Im [[w:Schāhnāme|''Schāhnāme'']], Lebenswerk des persischen Dichters [[w:Firdausi|Firdausī]] (940/41–1020) und gleichzeitig Nationalepos der persischsprachigen Welt, bildet Ahriman den Gegenspieler und Feind der Könige und Helden. Er gebietet über eine Schar dienstbarer Geister, Dewen oder [[w:Diw|Diws]] genannt.


Der zentralen Bedeutung Ahrimans als dem Repräsentanten des Bösen entsprechend führt Firdausi ihn bereits in der ersten Sage von Schahname über [[w:Gayomarth]] ein:
Der zentralen Bedeutung Ahrimans als dem Repräsentanten des Bösen entsprechend, führt Firdausi ihn bereits in der ersten Sage von ''Schāhnāme'' über [[w:Gayomarth|Gayomarth]] ein:


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„Kein Feind lebt’ ihm auf der Erdenflur
„Kein Feind lebt’ ihm auf der Erdenflur
Als heimlich ein arger Ahriman nur.“<ref>Friedrich Rückert (Übersetzer): ''Firdosi’s Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII.'' Georg Reimer, Berlin 1890, [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n60/mode/2up S. 4.]</ref>
Als heimlich ein arger Ahriman nur.“<ref>Friedrich Rückert (Übersetzer): ''Firdosi’s Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII.'' Georg Reimer, Berlin 1890, [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n60/mode/2up S.&nbsp;4.]</ref>
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„Schwarz war die Welt vor des Dewsohns Blick
„Schwarz war die Welt vor des Dewsohns Blick
Über des Schahs und Sijamak's Glück.
Über des Schahs und Sijamak's Glück.
...
[…]
Des Schahsohns Leib warf er auf den Grund,
Des Schahsohns Leib warf er auf den Grund,
Und macht ihm mit Klauen die Weichen wund.
Und macht ihm mit Klauen die Weichen wund.
Vom grimmigen Feind war des Lebens beraubt
Vom grimmigen Feind war des Lebens beraubt
Sijamek, und das Volk ohne Haupt.“<ref>Friedrich Rückert (Übersetzer): ''Firdosi's Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII.'' Georg Reimer, Berlin 1890, [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n60/mode/2up S. 4 f.]</ref>
Sijamek, und das Volk ohne Haupt.“<ref>Friedrich Rückert: ''Firdosi's Königsbuch.'' [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n60/mode/2up S.&nbsp;4 f.]</ref>
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Abschnitt er das Haupt ohn' gleichen ihm;
Abschnitt er das Haupt ohn' gleichen ihm;
Warf ihn zu Boden und trat in kraus,
Warf ihn zu Boden und trat in kraus,
Sein Fell war zerrissen, mit ihm war's aus.<ref>Friedrich Rückert (Übersetzer): ''Firdosi's Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII.'' Georg Reimer, Berlin 1890, [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n62/mode/2up S. 7.]</ref>
Sein Fell war zerrissen, mit ihm war's aus.<ref>Friedrich Rückert: ''Firdosi's Königsbuch. [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n62/mode/2up S.&nbsp;7.]</ref>
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Nach dieser Niederlage Ahrimans verschwindet das Böse allerdings nicht aus der Welt. Auch in den folgenden Sagen wird Ahriman seine niederträchtigen Pläne umzusetzen versuchen.
Nach dieser Niederlage Ahrimans verschwindet das Böse allerdings nicht aus der Welt. Auch in den folgenden Sagen wird Ahriman seine niederträchtigen Pläne umzusetzen versuchen.


[[Datei:Gargoyle Wasserspeier Teufel Dämon.jpg|thumb| Ahriman   - erläutert vom [https://www.yoga-vidya.de/yoga/ Yoga] Standpunkt aus]]
== Wesensmerkmale ==
 
[[Datei:Menschheitsrepräsentant.jpg|mini|''Menschheitsrepräsentant'' (Rudolf Steiner)<br>Christus in der Mitte zwischen Luzifer und Ahriman (unten)]]
Die [[a:Anthroposophie|Anthroposophie]] sieht in Ahriman ein Wesen, das in schädlicher Überspitzung des materialistisch-technischen Verstandes den Gegenpol zum rauschhaft schwelgenden, weltflüchtigen [[a:Luzifer|Luzifer]] bildet. Der Mensch müsse in sich mit der Hilfe des Christus die Mitte zwischen den beiden Wesen und deren Qualitäten halten. Rudolf Steiner drückte dies in seiner Holzplastik [[a:Menschheitsrepräsentant|Menschheitsrepräsentant]] aus.
 
Ahriman ist ein Geist, der begabt ist mit einer die menschliche Fassungskraft übersteigenden, durchdringenden aber kalten [[a:Intelligenz|Intelligenz]], die er jedoch begierig in sich verschließt. Im Gegensatz zu Luzifer erscheint er daher als der Geist der Finsternis und der Widermächte, welcher der Menschenseele den Zugang zur seelisch-geistigen Welt verdunkeln und versperren möchte, um ihr Bewußtsein immer mehr an die physische Leiblichkeit zu ketten und einzuschränken.<ref>Walter Bühler: ''Anthroposophie als Forderung unserer Zeit.'' Kapitel 10: ''Das Rätsel des Bösen. Luzifer und Ahriman.'' Oratio Verlag, 2003, ISBN 978-3-7214-0589-7, S.&nbsp;137 ff.</ref>


== Ahriman aus yogischer Sicht ==
:„Esoterisch und gemäß der anthroposophischen Lehre würde man sagen, dass die Wesenheit der Versuchung zur Weltanhaftung und triebhaften Begierde mit Ahriman benannt wird. So sprechen viele Personen in anthroposophischen Zweigen von der Inkarnation Ahrimans. Die Anhaftung in diese Sphäre, die die dunkle Wesensgestalt gibt und die sie schließlich wie ein Spinnennetzwerk von Lügen immer weiter auf den Menschen wirft, den sie in ihr klebriges Gefesseltsein bringt, ist typisch für die Wesenheit Ahrimans.“<ref>>([https://heinz-grill.de/2022-gedanke-geist-vernunft-prognose/])Abgerufen am 29. Januar 2026</ref>


Ahriman ist das, was in der [[y:Bibel|Bibel]] als [[y:Satan|Satan]] bezeichnet wird. In der Parsi-Mythologie, dem Zoroastrismus, ist es der [[y:Geist|Geist]] der Finsternis, der sich als Widersacher dem Licht-Gott Ahura Mazda entgegenstellt. Ahriman und Ahura Mazda sind eines der großen Gegensatzpaare, das Schlechte gegen das Gute. Dieser Dualismus zwischen gut und schlecht hat sich vom Parsismus, vom Zoroastrismus weiter ausgebreitet, wurde dann im [[y:Judentum|Judentum]] stark, später auch im [[y:Christentum|Christentum]] und im Islam. Dieser Dualismus von gut gegen böse hat viel Schlimmes bewirkt in dieser Welt. Es führte zu dem Glauben, dass die ganze Welt ein Kampf des Guten gegen das Böse ist und dass das Gute gegen das Böse, gegen die Manifestation von Ahriman, kämpfen und es vernichten muss. Aus dem Wunsch, den Ahriman zu vernichten ist soviel Schlimmes getan worden. Kein Mensch würde sagen, dass er des [[y:Teufel|Teufel]]s ist, er das Böse will und grundlegend böse ist. Auch die Evolutionsbiologie sagt, jeder Mensch hat grundsätzlich gute Anliegen. Damit jemand Schlimmes tut, muss er selbst Schlimmes erlebt haben. In diesem Sinne hat die Vorstellung von dem ewig guten Ahura Mazda und dem ewig schlechten Ahriman viel [[y:Leid|Leid]] über die [[y:Menschheit|Menscheit]] gebracht. Glücklicherweise gibt es heute große Strömungen in allen Weltreligionen und insbesondere auch in der liberalen Philosophie und der Aufklärung, dass es Böse an sich gar nicht gibt.
Eine andere Form der verführerischen Kräfte des Ahriman wirkt auf die bereits sehr verbreitete Stimmung unter den Menschen, dass es genügt, wenn im öffentlichen Leben dafür gesorgt wird, dass die Menschen wirtschaftlich zufriedengestellt werden:


=== Vermeintlicher Kampf zwischen Gut und Böse === 
:„Je mehr es gelingen würde, die Menschen aufzurütteln, daß sie nicht bloß wirtschaften im materiellen Sinne, sondern ebenso wie das Wirtschaftsleben auch das selbständige freie Geistesleben, das den wirklichen Geist hat, als ein Glied des sozialen Organismus betrachten, in demselben Maße würden die Menschen die Inkarnation Ahrimans so erwarten, daß sie eine menschheitsgemäße Stellung zu dieser Inkarnation würden einnehmen können.“<ref name=":1">Rudolf Steiner: ''Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis.'' S. 201. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_159.pdf#page=236&view=Fit Online])</ref>


[[Datei:Krishna Arjuna Bhagavad Gita.jpg|thumb| In der [[Bhagavad Gita]] wird der Kampf zwischen Gut und Böse auf einem Schlachtfeld ausgetragen]]
Die heutige offizielle Wissenschaft bietet nichts für eine wirkliche Erkenntnis des Geistes und der Seele. Sie ist allein darauf ausgerichtet, die äußere sichtbare Natur der Dinge aufzufassen. Es steht das Nutz- und Gewinnprinzip in der Mitte und eine Auseinandersetzung mit dem Geistigen und der Seele erscheint unsinnig oder unnütz für den Menschen.<ref name=":1" />
 
Ahriman arbeitet darauf hin, dass der Mensch durch den ausschließlichen Gebrauch des Intellekts sein Wissen verliert, dass er in seinem Körper ein seelisch-geistiges Wesen ist:
 
:„Wenn man menschliche Ausdrücke auf göttliches Wollen anwenden möchte, so möchte man sagen: Ahriman wartete mit Sehnsucht auf den Augenblick, wo er in das menschliche Bewußtsein mit seiner Macht eindringen konnte. Nun wurde er überrascht davon, daß er früher nicht gewußt hat, daß ein göttlicher Entschluß vorlag, ein Wesen auf die Erde zu senden, den Christus, der durch den Tod ging. Dadurch war zwar das Eingreifen des Ahriman möglich, aber seiner eigentlichen Herrschaft war die Spitze abgebrochen. Seit jener Zeit benützt Ahriman jede Gelegenheit, um die Menschen zum bloßen Gebrauche des Intellektes zubringen; Ahriman hat noch heute die Hoffnung nicht aufgegeben, daß es ihm gelingen werde, die Menschen zum bloßen Gebrauch ihres Intellektes zu bringen. Was würde das bedeuten? Wenn es Ahriman gelingen könnte, den Menschen die Überzeugung restlos beizubringen, so daß jede andere Überzeugung von der Erde hinschwinden würde, daß der Mensch nur in seinem Leibe leben kann, daß er nicht trennbar ist als geistig-seelisches Wesen von seinem Leibe, so würde die menschliche Seele so ergriffen werden von der Todesidee, daß Ahriman leicht seine Pläne verwirklichen könnte. Darauf hofft Ahriman immer.“<ref>Rudolf Steiner: ''Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung. ''GA 211. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1986, ISBN 3-7274-2110-X, S.&nbsp;111. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_211.pdf#page=111&view=Fit Online])</ref>
 
Im ''Goethe-Wörterbuch'' wird Ahriman mit der ewigen geistigen Finsternis gleichgesetzt. Trotzdem soll er die Farben, die aus der Finsternis entsprungen sind, selbst ausgeströmt haben:
 
:„Es sind aus der Finsterniß, mit der weißen Farbe der Kälte, alle Farben des Lichts und des Feuers entsprungen, und selbst der böse Ariman, die ewige geistige Finsterniß, soll die Farben ausgeströmt haben.“<ref>''[https://woerterbuchnetz.de/?sigle=GWB&lemid=A01445 Ahriman.]'' In: ''Goethe Wörterbuch.'' Abgerufen am 15. Januar 2025.</ref>
 
Das Wesen von Ahriman wird im ''Herders Conversations-Lexikon'' als der Schöpfer aller schädlichen Pflanzen und Tiere beschrieben. Er verführte auch die Menschen zum Abfall von Ormuzd, dem Schöpfergott in der Religion der Perser. „Am Ende der Zeit aber wird er sammt den Dews besiegt und mit Ormudzd versöhnt und verschwindet mit demselben im allgemeinen Weltuntergange, wo nur das Urwesen, aus dem alles hervorgegangen, Zeruane Akarene, übrig bleibt.“<ref>''[https://woerterbuchnetz.de/?sigle=Herder&lemid=A00890 Ahriman.]'' In: ''Herders Konversations-Lexikon.'' 1. Auflage, 1854-1857. Abgerufen am 15. Januar 2025.</ref>
 
== In der Anthroposophie ==


Aber kein Mensch empfindet sich selbst als jemand, der dem Bösen dient. Jeder denkt, er dient dem Guten und will andere bekämpfen, die eben das [[y:Böse|Böse]] sind. Und im Namen der Bekämpfung des Bösen ist dann so viel Schlimmes getan worden. Die Christen haben im Namen der Bekämpfung des Bösen ganze Religionen und Völker ausgerottet. Sie haben die Inquisition entwickelt und haben die Religionskriege überhaupt erst entwickelt. Auch hat das Böse in sich selbst zu bekämpfen dazu geführt, dass sich [[y:Generation|Generation]]en von Aspiranten selbst bekämpft haben. Letztlich führt das Böse in sich zu bekämpfen, nicht wirklich zum Guten. Denn Kampf selbst führt eben nicht zum Aufhören des Kampfes.  
[[Datei:Ahriman Mysteriendrama.jpg|mini|Ahriman in einer Inszenierung von [[Rudolf Steiner]]s Mysteriendrama „[[a:Die Pforte der Einweihung|Die Pforte der Einweihung]]“ am Goetheanum in Dornach]]Rudolf Steiner beobachtete 1915, dass man das ahrimanische Element am stärksten in Amerika findet. Er sah auch die Tendenz in der Entwicklung dieser Kultur, dass die Sehnsucht immer mehr wächst, die Geister sichtbar zu machen, selbst da, wo nach Spiritualität, nach Geistigem gestrebt wird. Nach und nach werde das ahrimanische Element auch den Westen Europas ergreifen und es seine Mission erfüllen, sich in die Kultur einzuführen.<ref>Rudolf Steiner: ''Das Geheimnis des Todes. Wesen und Bedeutung Mitteleuropas und die europäischen Volksgeister. ''GA 159. 2. durchgesehene Auflage, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1980, ISBN 3-7274-1590-8, S. 236. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_159.pdf#page=236&view=Fit Online])</ref>
Man kann es der modernen Psychoanalyse, der modernen [[y:Psychotherapie|Psychotherapie]] und Psychologie und vielleicht auch der Evolutionsbiologie verdanken, erkannt zu haben, dass es eben nicht '''DAS Böse''' gibt. Sondern alles was man als Böse bezeichnen kann, hat ursprünglich eine gute Seite. Eifersucht beispielsweise ist nicht notwendigerweise böse, sondern wirkt stabilisierend in der Beziehung. Aggression ist nicht notwendigerweise böse, sondern der Mensch muss sich auch manchmal zur Wehr setzen und sich verteidigen. Auch [[y:Hass|Hass]] ist nicht nur böse, sondern war evolutionsbiologisch sinnvoll in manchen Kontexten.


=== Evolutionsbiologische Sicht ===
Ahriman ist nicht als [[a:Das Böse|böse]] im absoluten Sinn zu bezeichnen. Sein Zurückbleiben bzw. Ausscheiden aus der Menschheitsentwicklung kann auch als [[a:Opfer|Opfer]]tat verstanden werden, die einen wertvollen Beitrag für die gesamte [[a:Weltentwicklung|Weltentwicklung]] leistet. So ist Ahrimans Beitrag wesentlich dafür, dass der Mensch die [[a:Freiheit|Freiheit]] erringen kann, die er später einmal durch die Entfaltung überschüssiger [[a:Liebe|Liebe]] entgelten kann.


Die Evolutionsbiologie hat eben gezeigt, dass alles menschliche [[y:Verhalten|Verhalten]] in irgendeinem Kontext sinnvoll ist und dass es nicht DAS Böse gibt. Und dass es nicht Ahriman und Ahrimanische Wesen gibt, die mit irgendwelchen guten Wesen um die [[y:Seele|Seele]] des Menschen ringen und um die Herrschaft auf diesem Planeten. So sind die älteren Legenden zum Beispiel auch um die Asuras in Indien ja nicht geprägt davon, dass da etwas ewig Böses ist, dass gegen die Guten, die Davas kämpft, wie es in moderner Interpretation oft gedeutet wird. Sondern die [[y:Asura|Asura]]s sind zum Teil andere Herrscher Geschlechte. Solche, die spirituelle Praktiken gemacht haben, aber dann Versuchungen zum [[y:Opfer|Opfer]] gefallen und vorübergehend auf Abwege gekommen sind. Vorübergehend der Gier nach Macht und Reichtum zugeneigt waren, bis sie schließlich auch wieder zur Gottverwirklichung kommen.
In seinem 11. Vortrag in Dornach am 1. November 1919 charakterisiert Rudolf Steiner weiter, was Ahriman in der Entwicklung des Menschen gefördert haben will. Es sind die Menschen mit den verschiedensten Parteimeinungen und Parteilebensauffassungen, von denen dieser mit seiner gegenwärtigen Intelligenz, eben das Nein und das Ja zugleich beweisen kann. Deshalb können sie aus gleich guten Gründen, dann beides in Anspruch nehmen und "ihres" gegenüber dem Anderen vertreten. Es ist für den Menschen nicht einzusehen, dass diese Beweisart so weit an der Oberfläche liegt, dass sie für eine tiefere Erkenntnis, was geistiges Leben ist, unbrauchbar ist.  
Man könnte auch sagen, Asuras sind nicht böse an sich, sondern solche, die auf Abwege gekommen sind, um dann wieder zurück auf den spirituellen Weg zu kommen. In den indischen Schriften werden die Asuras auch meistens beschrieben als solche, die auch die Gottverwirklichung erreichen. So sollte man vorsichtig sein mit dem Begriff „das Böse“ an sich und „Kampf zwischen Gut und Böse“ oder auch den „Kampf zwischen [[y:Ahriman|Ahriman]] und Ahura Mazda“


=== Klare Ethik aus yogischer Sicht ===
:„Dann werden sie das Entgegengesetzte beweisen, der eine dieses, der andere jenes, die eine Gruppe dieses, die andere Gruppe jenes; und da man beides beweisen kann, so werden die Menschen übergehen zu Haß und Erbitterung, die wir ja genügend in unserer Zeit finden. Das alles sind wiederum Dinge, die Ahriman fördern will zur Förderung seiner eigenen Erdeninkarnation.“<ref>Rudolf Steiner: ''Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. ''GA 191. 3. Gesamtausgabe, Dornach 1989, Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung, Dornach/Schweiz, ISBN 3-7274-1910-5, S.&nbsp;194 ff. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_191.pdf#page=194&view=Fit Online])</ref>


Natürlich kann man das Ganze auch anders begreifen und der Zoroastrismus war ja eben nicht gekennzeichnet durch Religionskriege. Man könnte schon sagen, in bestimmten Kontexten sind bestimmte Vorgehensweisen nicht gut und andere sind gut. Daher gibt es auch im [[y:Yoga|Yoga]] eine klare Ethik, wie es sie in den fünf Yamas oder auch in den Sattwa Regeln, gibt. [[y:Ahimsa|Ahimsa]], bedeutet nicht verletzen. [[y:Satya|Satya]], Wahrhaftigkeit, [[y:Astea|Astea]] nicht stehlen, [[y:Bramacharya|Bramacharya]] ist die Vermeidung sexuellen Fehlverhaltens und auch Aparigraha, Unbestechlichkeit zählen dazu. All dies sind wichtige ethische Prinzipien. Zusammen gefasst könnte man die inneren Kräfte, die einen davon abhalten, die Ethik zu beachten als Ahriman beschreiben. Dennoch sind sie nicht grundsätzlich etwas Schlechtes, sondern sind evolutionsbiologisch sinnvoll. Es sind Anteile in uns, die in anderen Zusammenhängen vielleicht sogar gut wären. Entscheidet man sich für Ethik, dann gibt es diese Gegenkräfte. Die es eigentlich gut meinen, jedoch eher Versuchungen darstellen, jedoch nicht Anfechtungen des Bösen. Letztlich steht hinter allem eine einzige göttliche [[y:Wirklichkeit|Wirklichkeit]].
Der Geistforscher Heinz Grill regt eine wirklichkeitsgemäße und sachliche Auseinandersetzung mit dem Bösen an, denn sie dient dem Menschen, um hoffnungsvolle Perspektiven zu entwickeln. Richtet sich der Geistschüler intensiv auf Ideale aus und studiert er gleichzeitig die Widersachermächte bis in die Tiefe des Keimgrundes ihres untergründigen Weltendaseins, so kann er ein gewisses Gegengewicht zu den Untergangsstimmungen legen.  


=== Ahrimanische Kultur im Westen ===
:„Wer Ahriman kennt, wird ihn deshalb aus Weisheit niemals angreifen, wer ihn aber nicht kennt, konfrontiert ihn und verbindet sich auf unsolide Weise mit ihm. Das geeignete Mittel gegenüber Ahriman ist, ihn zu beobachten und zu erkennen, aber nicht gegen ihn anzukämpfen."<ref>[https://heinz-grill.de/ahriman-inkarnation-mensch/ ''Die Verkörperung Ahrimans – Teil 2.''] In: ''Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.'' Abgerufen am 28. Dezember 2025.</ref>


{{Hauptartikel|Inkarnation Ahrimans}}
Aus geistiger Sicht wird es nach den Forschungen von Heinz Grill für die Menschen in der Zukunft keinen Führer, keinen Lehrer, keinen Meister oder eine besondere Autoritätsperson geben, der sie in einer neuen religiösen Bewegung oder in der Politik anführt. Der Mensch wird von der ahrimanischen Kraft bis in die Tiefe hinein zerstört. Um sich aus dieser Zerstörung wieder aufzurichten, bedarf es einer mutigen freien Entscheidung zur Eigenständigkeit und Bewusstseinserkraftung. Diese eigene individuelle Selbstrealisation wird sich in verschiedenen Beziehungsverhältnissen zeigen, die in den kommenden Jahren besonders gefördert werden."<ref>>([https://heinz-grill.de/2022-gedanke-geist-vernunft-prognose/])Abgerufen am 29. Januar 2026</ref>


[[Datei:Justen - Die bevorstehende Inkarnation Ahrimans.jpg|mini|[[Josef F. Justen]]: ''Die bevorstehende Inkarnation Ahrimans 2030 ???'', BoD, Norderstedt 2025, ISBN 978-3-7693-5013-5]]
In der Vergangenheit spielte [[a:Luzifer|Luzifer]] eine wichtige, der weisen Weltenlenkung entsprechende und heute immer noch nachwirkende Rolle bei der Entwicklung der [[a:Kultur|Kultur]]. Eine ebenso wichtige Aufgabe kommt jetzt und in der weiteren Zukunft Ahriman zu. Dieses ahrimanische Element in die Kultur einzuführen, ist die Aufgabe des [[a:Westliche Welt|Westlichen Welt]], namentlich [[a:Amerika|Amerikas]].{{GZ|Und im Westen finden wir nach der weisen Weltenlenkung überall die Seelen eingetaucht in das ahrimanische Element. Am stärksten finden wir das in Amerika. In Amerika besteht die Tendenz, eine Kultur zu entwickeln, die ganz untertaucht in das materialistische, das ahrimanische Element, die ganz durchsetzt wird - selbst da, wo nach
Spiritualismus gestrebt wird - von rein materiellen Anschauungen. Selbst da, wo man nach Geistigem strebt, will man dort die Geister handgreiflich nach spiritistischer Art vor sich haben. Das wird immer stärker werden, und die Sehnsucht nach dem Handgreiflichen wird immer größer werden. Sie wird auch den Westen Europas nach und nach ergreifen. Da wird die Mission erfüllt werden, das ahrimanische Element einzuführen in die Kultur.|159|236}}


=== Schutz vor Ahriman ===
== Inkarnation Ahrimans ==
Die Ankündigung Rudolf Steiners, 11. Vortrag in Dornach am 1. November 1919, dass vor dem Ablauf des 3. Jahrtausends der nachchristlichen Zeit, Ahriman im Fleische im Westen zu einer wirklichen Inkarnation kommen wird, zeigt sich seine Vorbereitung dafür in der Entwicklung verschiedener Wesensanteilen in der Menschheit. Aus der geisteswissenschaftlichen Sicht, dient die Inkarnation Ahriman, der Menschheitsentwicklung dahingehend, dass “die Erdenmenschheit ihre richtige Stellung finden muss, zu dieser ahrmanischen Erdeninkarnation.“<ref>Rudolf Steiner: ''Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. ''GA 191. 3. Gesamtausgabe, Dornach 1989, Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung, Dornach/Schweiz, ISBN 3-7274-1910-5, S.&nbsp;194ff. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_191.pdf#page=194&view=Fit Online])</ref>
Um erfolgreich auf der Erde inkarnieren zu können, lenkt die Wesenheit Ahriman seine Kräfte in der menschlichen Entwicklung so, dass die Menschen zu seinem Vorteil auf sein Wirken eingestimmt sind.
:“Und schlimm wäre es, wenn die Menschen schlafend dahinleben würden und gewisse Erscheinungen, die im Menschenleben vor sich gehen, nicht so nehmen würden, daß sie in ihnen erkennen können eine Vorbereitung für die fleischliche Inkarnation des Ahriman. Nur dadurch werden die Menschen die rechte Stellung finden, daß sie erkennen: In dieser oder jener Tatsachenreihe, die der menschheitlichen Entwickelung angehört, muß man erkennen, wie Ahriman vorbereitet sein irdisches Dasein. Und heute ist es an der Zeit, daß einzelne Menschen wissen, welche von den Vorgängen, die um sie herum sich abspielen, Machinationen Ahrimans sind, die - ihm zum Vorteil - seine demnächstige irdische Inkarnation womöglich vorbereiten.“<ref>Rudolf Steiner: ''Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis.''GA 191. 3. Gesamtausgabe, Dornach 1989, Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung, Dornach/Schweiz, ISBN 3-7274-1910-5, S.&nbsp;194ff. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_191.pdf#page=194&view=Fit Online])</ref>


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1919 teilte [[Rudolf Steiner]] in einem Vortrag mit, dass sich Ahriman im dritten Jahrtausend nach der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus in einem Menschen inkarnieren müsse.<ref>Rudolf Steiner: ''Der innere Aspekt des sozialen Rätsels. Luziferische Vergangenheit und ahrimanische Zukunft.'' GA 193. 4.&nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, ISBN 3-7274-1930-X. S.&nbsp;165. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_193.pdf#page=165&view=Fit Online])</ref>
„Auf welche Weise kann man sich vor Ahriman schützen? Indem man zufrieden ist mit dem, was einem beschieden ist:


Hierzu stellt der Geistforscher Heinz Grill fest, dass es sich nicht mit Gewissheit sagen lässt, „ob die Inkarnation Ahrimans eine einzelne Person betreffe oder ob sie ganze Scharen von Menschen vereinnahme. Manche behaupten, dass die künstliche Intelligenz eine unmittelbare Offenbarung Ahrimans sei und andere wieder definieren Personen, die die Physiognomie Ahrimans und das Charakterverhalten mit allen amoralischen Offenbarungen, die es nur gibt, erfüllen.“<ref name=":0" />


== Siehe auch ==
== Siehe auch ==
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* Ulrich Hannemann (Hrsg.): ''Das Zend-Avesta.'' Band 1: ''Allgemeiner Teil.'' Überarbeitete Neuauflage der Ausgabe von 1776. Weißensee-Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-89998-199-5.
* Ulrich Hannemann (Hrsg.): ''Das Zend-Avesta.'' Band 1: ''Allgemeiner Teil.'' Überarbeitete Neuauflage der Ausgabe von 1776. Weißensee-Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-89998-199-5.
* Firdausi: ''Geschichten aus dem Schahnameh'' (= ''Diederichs Taschenausgaben.'' 21.) Ausgewählt und übertragen von Uta von Witzleben]. Eugen Diederichs, Düsseldorf u. a. 1960, S. 13 ff. (zu Ahriman).
* Firdausi: ''Geschichten aus dem Schahnameh'' (= ''Diederichs Taschenausgaben.'' 21.) Ausgewählt und übertragen von Uta von Witzleben. Eugen Diederichs, Düsseldorf 1960, S.&nbsp;13 ff.


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==

Version vom 31. Januar 2026, 12:35 Uhr

Der Kopf Ahrimans nach einer von Rudolf Steiner geschaffenen Skulptur

Ahriman ist die mittelpersische Wortform des avestischen Namens Angra Mainyu, „zerstörerischer Geist, böser Geist.“ Nach der urpersischen Überlieferung ist Angra Manyu der Zerstörer, der sich als Widersacher dem lichten Gott Ahura Mazdao (Ormuzd) entgegenstellt.

Der Goethesche Mephistopheles (von hebräisch mephiz „der Verderber“ und tophel „der Lügner“) ist die Gestalt des Ahrimans,[1] ebenso der Satan der Bibel.

Rudolf Steiner (1861–1925) entwickelte die Bedeutung des Begriffs in Bezug auf die Entwicklung des Menschen weiter und brachte Ahriman mit der Bindung an die sterblichen Sinne und die physische Wirklichkeit in Verbindung.[2]

Das Wesen des Ahriman zeigt sich in verschiedenen Formen. Er wirkt im Menschen auf den Verstand mit schädlicher Überspitzung, sodass dieser sich im mehr materialistisch-technischen Denken fixiert und sich immer mehr in seine Leiblichkeit bindet. Sein Wesen der Versuchung zur Weltanhaftung und triebhaften Begierde verstrickt den Menschen in ein Spinnennetzwerk von Lügen in der Welt.

Geisteswissenschaftliche Forschungen erwarten eine Inkarnation Ahrimans in der gegenwärtigen Kulturepoche. Dies könnte auf eine einzelne Person bezogen geschehen (Rudolf Steiner) oder in einer Vereinnahmung ganzer Scharen von Menschen eintreten (Heinz Grill).

Wortbedeutung

Angra Mainyu als Gegenteil von Spenta Mainyu

Das mittelpersische Wort ʾhlmn', Ahreman

Angra ist das Gegenteil von Spenta (auch Sepanta), weshalb die Übersetzung von Angra Mainyu stark abhängig von der Übersetzung von Spenta Mainyu ist. Mainyu bedeutet in etwa „Geist, Gedanke, Vorstellung“; Spenta wird unter anderem als „aufbauend, freigebig, heilig“ übersetzt.

Spenta Mainyu ist somit der Geist der Vermehrung und Angra Mainyu der Geist des Widerstands. Diese Ur-Geister (als Vergegenwärtigung der freien Entscheidungskraft des Gewissens und des Gedankens ansehbar) wählen gemäß Yasna (30,3-5) frei zwischen einander entgegengesetzten Prinzipien, so zwischen Ascha (asha-) und Drudsch (druj-), Ordnung und Nicht-Ordnung, Leben und Nicht-Leben. Ursprünglich stand Angra Mainyu dem Spenta Mainyu gegenüber.[3]

Als Antonym könnte Angra Mainyu somit als „zerstörerischer Geist“ übersetzt werden. Dies ist auch häufig der Fall, denn die Idee des Zerstörerischen steht stellvertretend für einen Aspekt der Kernphilosophie des Zoroastrismus: die Verwicklung des Universums in einen Kampf zwischen ascha („Wahrheit, Ordnung, Sein, Existenz“) und drudsch („Lüge, Chaos, Zerstörung des Seins“).

Sprachentwicklungsbedingt wandelte sich das avestische Angra Mainyu zu mittelpersisch Ahriman (mittelpersisch ʾhlmn', Ahreman).

Im Avesta

Faravahar, symbolosiert die drei Grund­prinzipien des Zoroastrismus:
Gutes Denken, gutes Sprechen und gutes Tun

Die Gathas umfassen fünf Hymnen aus der zoroastrischen mündlichen Tradition der Avesta. Das älteste erhaltene Textfragment der Gathas stammt aus dem Jahre 1323. Der Begriff Angra Mainyu kommt in den Gathas nur ein einziges Mal vor. In Yasna 45.2 ist der Begriff, wie die meisten anderen Begriffe der Gathas auch, nur ein reguläres Adjektiv-Nomen-Paar. Hier wird Angra Mainyu vom „Freigiebigen der beiden“ (Spenta Mainyu) als Widersacher in allen Belangen deklariert.

Ein ähnlicher Ausdruck erscheint auch an anderer Stelle in den Gathas, aber dort ist nicht Angra Mainyu, sondern Aka Mainyu („böser Geist“) der Widersacher Spenta Mainyus. An weiteren Stellen wird vom akem manah „böses Denken“ und vom daebaaman „Betrüger“ gesprochen.

Erst im jüngeren Avesta ist Angra Mainyu eindeutig Stellvertreter des Zerstörerischen.

Während in den älteren Texten des jüngeren Avesta noch Angra Mainyu und Spenta Mainyu sich bekriegen, wandelt sich die Situation schlagartig in der Vendidâd. In diesen sehr späten Texten der Vendidâd 1 (4. Jahrhundert v. Chr.) wird der Kampf nicht mehr von Angra Mainyu und Spenta Mainyu ausgetragen, sondern von Angra Mainyu und lichten Gott Ahura Mazdao (Ormuzd).[4] Dies belegt ein Zitat des Aristoteles bei Diogenes Laertios (1.6), in dem die Widersacher Ariemanios und Oromazdes genannt werden.

Ahriman im Schāhnāme

Faramarz tötet einen ahrimanischen Diw. Persische Miniaturmalerei aus Schāhnāme

Im Schāhnāme, Lebenswerk des persischen Dichters Firdausī (940/41–1020) und gleichzeitig Nationalepos der persischsprachigen Welt, bildet Ahriman den Gegenspieler und Feind der Könige und Helden. Er gebietet über eine Schar dienstbarer Geister, Dewen oder Diws genannt.

Der zentralen Bedeutung Ahrimans als dem Repräsentanten des Bösen entsprechend, führt Firdausi ihn bereits in der ersten Sage von Schāhnāme über Gayomarth ein:

„Kein Feind lebt’ ihm auf der Erdenflur
Als heimlich ein arger Ahriman nur.“[5]

Firdausi spricht ohne Umschweife den Grundkonflikt der iranischen Mythologie zwischen Gut und Böse an, vertreten durch den Schah und Ahriman. Ahrimans Sohn will den Sohn des Schahs, Sijamak, töten, um sich so der Herrschaft über die Welt zu bemächtigen:

„Schwarz war die Welt vor des Dewsohns Blick
Über des Schahs und Sijamak's Glück.
[…]
Des Schahsohns Leib warf er auf den Grund,
Und macht ihm mit Klauen die Weichen wund.
Vom grimmigen Feind war des Lebens beraubt
Sijamek, und das Volk ohne Haupt.“[6]

Am Ende gelingt es Huschang, dem Sohn von Sijamak, den Vater zu rächen, den Sohn Ahrimans zu töten und sich Herrschaft und Thron in Iran zu sichern:

„Die Hand schwang wie ein Löw Hoscheng,
Die Welt macht' er dem Dewen eng.
Er zog ihm von Kopf zu Fuß in den Riem,
Abschnitt er das Haupt ohn' gleichen ihm;
Warf ihn zu Boden und trat in kraus,
Sein Fell war zerrissen, mit ihm war's aus.[7]

Nach dieser Niederlage Ahrimans verschwindet das Böse allerdings nicht aus der Welt. Auch in den folgenden Sagen wird Ahriman seine niederträchtigen Pläne umzusetzen versuchen.

Wesensmerkmale

Menschheitsrepräsentant (Rudolf Steiner)
Christus in der Mitte zwischen Luzifer und Ahriman (unten)

Die Anthroposophie sieht in Ahriman ein Wesen, das in schädlicher Überspitzung des materialistisch-technischen Verstandes den Gegenpol zum rauschhaft schwelgenden, weltflüchtigen Luzifer bildet. Der Mensch müsse in sich mit der Hilfe des Christus die Mitte zwischen den beiden Wesen und deren Qualitäten halten. Rudolf Steiner drückte dies in seiner Holzplastik Menschheitsrepräsentant aus.

Ahriman ist ein Geist, der begabt ist mit einer die menschliche Fassungskraft übersteigenden, durchdringenden aber kalten Intelligenz, die er jedoch begierig in sich verschließt. Im Gegensatz zu Luzifer erscheint er daher als der Geist der Finsternis und der Widermächte, welcher der Menschenseele den Zugang zur seelisch-geistigen Welt verdunkeln und versperren möchte, um ihr Bewußtsein immer mehr an die physische Leiblichkeit zu ketten und einzuschränken.[8]

„Esoterisch und gemäß der anthroposophischen Lehre würde man sagen, dass die Wesenheit der Versuchung zur Weltanhaftung und triebhaften Begierde mit Ahriman benannt wird. So sprechen viele Personen in anthroposophischen Zweigen von der Inkarnation Ahrimans. Die Anhaftung in diese Sphäre, die die dunkle Wesensgestalt gibt und die sie schließlich wie ein Spinnennetzwerk von Lügen immer weiter auf den Menschen wirft, den sie in ihr klebriges Gefesseltsein bringt, ist typisch für die Wesenheit Ahrimans.“[9]

Eine andere Form der verführerischen Kräfte des Ahriman wirkt auf die bereits sehr verbreitete Stimmung unter den Menschen, dass es genügt, wenn im öffentlichen Leben dafür gesorgt wird, dass die Menschen wirtschaftlich zufriedengestellt werden:

„Je mehr es gelingen würde, die Menschen aufzurütteln, daß sie nicht bloß wirtschaften im materiellen Sinne, sondern ebenso wie das Wirtschaftsleben auch das selbständige freie Geistesleben, das den wirklichen Geist hat, als ein Glied des sozialen Organismus betrachten, in demselben Maße würden die Menschen die Inkarnation Ahrimans so erwarten, daß sie eine menschheitsgemäße Stellung zu dieser Inkarnation würden einnehmen können.“[10]

Die heutige offizielle Wissenschaft bietet nichts für eine wirkliche Erkenntnis des Geistes und der Seele. Sie ist allein darauf ausgerichtet, die äußere sichtbare Natur der Dinge aufzufassen. Es steht das Nutz- und Gewinnprinzip in der Mitte und eine Auseinandersetzung mit dem Geistigen und der Seele erscheint unsinnig oder unnütz für den Menschen.[10]

Ahriman arbeitet darauf hin, dass der Mensch durch den ausschließlichen Gebrauch des Intellekts sein Wissen verliert, dass er in seinem Körper ein seelisch-geistiges Wesen ist:

„Wenn man menschliche Ausdrücke auf göttliches Wollen anwenden möchte, so möchte man sagen: Ahriman wartete mit Sehnsucht auf den Augenblick, wo er in das menschliche Bewußtsein mit seiner Macht eindringen konnte. Nun wurde er überrascht davon, daß er früher nicht gewußt hat, daß ein göttlicher Entschluß vorlag, ein Wesen auf die Erde zu senden, den Christus, der durch den Tod ging. Dadurch war zwar das Eingreifen des Ahriman möglich, aber seiner eigentlichen Herrschaft war die Spitze abgebrochen. Seit jener Zeit benützt Ahriman jede Gelegenheit, um die Menschen zum bloßen Gebrauche des Intellektes zubringen; Ahriman hat noch heute die Hoffnung nicht aufgegeben, daß es ihm gelingen werde, die Menschen zum bloßen Gebrauch ihres Intellektes zu bringen. Was würde das bedeuten? Wenn es Ahriman gelingen könnte, den Menschen die Überzeugung restlos beizubringen, so daß jede andere Überzeugung von der Erde hinschwinden würde, daß der Mensch nur in seinem Leibe leben kann, daß er nicht trennbar ist als geistig-seelisches Wesen von seinem Leibe, so würde die menschliche Seele so ergriffen werden von der Todesidee, daß Ahriman leicht seine Pläne verwirklichen könnte. Darauf hofft Ahriman immer.“[11]

Im Goethe-Wörterbuch wird Ahriman mit der ewigen geistigen Finsternis gleichgesetzt. Trotzdem soll er die Farben, die aus der Finsternis entsprungen sind, selbst ausgeströmt haben:

„Es sind aus der Finsterniß, mit der weißen Farbe der Kälte, alle Farben des Lichts und des Feuers entsprungen, und selbst der böse Ariman, die ewige geistige Finsterniß, soll die Farben ausgeströmt haben.“[12]

Das Wesen von Ahriman wird im Herders Conversations-Lexikon als der Schöpfer aller schädlichen Pflanzen und Tiere beschrieben. Er verführte auch die Menschen zum Abfall von Ormuzd, dem Schöpfergott in der Religion der Perser. „Am Ende der Zeit aber wird er sammt den Dews besiegt und mit Ormudzd versöhnt und verschwindet mit demselben im allgemeinen Weltuntergange, wo nur das Urwesen, aus dem alles hervorgegangen, Zeruane Akarene, übrig bleibt.“[13]

In der Anthroposophie

Ahriman in einer Inszenierung von Rudolf Steiners Mysteriendrama „Die Pforte der Einweihung“ am Goetheanum in Dornach

Rudolf Steiner beobachtete 1915, dass man das ahrimanische Element am stärksten in Amerika findet. Er sah auch die Tendenz in der Entwicklung dieser Kultur, dass die Sehnsucht immer mehr wächst, die Geister sichtbar zu machen, selbst da, wo nach Spiritualität, nach Geistigem gestrebt wird. Nach und nach werde das ahrimanische Element auch den Westen Europas ergreifen und es seine Mission erfüllen, sich in die Kultur einzuführen.[14]

Ahriman ist nicht als böse im absoluten Sinn zu bezeichnen. Sein Zurückbleiben bzw. Ausscheiden aus der Menschheitsentwicklung kann auch als Opfertat verstanden werden, die einen wertvollen Beitrag für die gesamte Weltentwicklung leistet. So ist Ahrimans Beitrag wesentlich dafür, dass der Mensch die Freiheit erringen kann, die er später einmal durch die Entfaltung überschüssiger Liebe entgelten kann.

In seinem 11. Vortrag in Dornach am 1. November 1919 charakterisiert Rudolf Steiner weiter, was Ahriman in der Entwicklung des Menschen gefördert haben will. Es sind die Menschen mit den verschiedensten Parteimeinungen und Parteilebensauffassungen, von denen dieser mit seiner gegenwärtigen Intelligenz, eben das Nein und das Ja zugleich beweisen kann. Deshalb können sie aus gleich guten Gründen, dann beides in Anspruch nehmen und "ihres" gegenüber dem Anderen vertreten. Es ist für den Menschen nicht einzusehen, dass diese Beweisart so weit an der Oberfläche liegt, dass sie für eine tiefere Erkenntnis, was geistiges Leben ist, unbrauchbar ist.

„Dann werden sie das Entgegengesetzte beweisen, der eine dieses, der andere jenes, die eine Gruppe dieses, die andere Gruppe jenes; und da man beides beweisen kann, so werden die Menschen übergehen zu Haß und Erbitterung, die wir ja genügend in unserer Zeit finden. Das alles sind wiederum Dinge, die Ahriman fördern will zur Förderung seiner eigenen Erdeninkarnation.“[15]

Der Geistforscher Heinz Grill regt eine wirklichkeitsgemäße und sachliche Auseinandersetzung mit dem Bösen an, denn sie dient dem Menschen, um hoffnungsvolle Perspektiven zu entwickeln. Richtet sich der Geistschüler intensiv auf Ideale aus und studiert er gleichzeitig die Widersachermächte bis in die Tiefe des Keimgrundes ihres untergründigen Weltendaseins, so kann er ein gewisses Gegengewicht zu den Untergangsstimmungen legen.

„Wer Ahriman kennt, wird ihn deshalb aus Weisheit niemals angreifen, wer ihn aber nicht kennt, konfrontiert ihn und verbindet sich auf unsolide Weise mit ihm. Das geeignete Mittel gegenüber Ahriman ist, ihn zu beobachten und zu erkennen, aber nicht gegen ihn anzukämpfen."[16]

Aus geistiger Sicht wird es nach den Forschungen von Heinz Grill für die Menschen in der Zukunft keinen Führer, keinen Lehrer, keinen Meister oder eine besondere Autoritätsperson geben, der sie in einer neuen religiösen Bewegung oder in der Politik anführt. Der Mensch wird von der ahrimanischen Kraft bis in die Tiefe hinein zerstört. Um sich aus dieser Zerstörung wieder aufzurichten, bedarf es einer mutigen freien Entscheidung zur Eigenständigkeit und Bewusstseinserkraftung. Diese eigene individuelle Selbstrealisation wird sich in verschiedenen Beziehungsverhältnissen zeigen, die in den kommenden Jahren besonders gefördert werden."[17]


Inkarnation Ahrimans

Die Ankündigung Rudolf Steiners, 11. Vortrag in Dornach am 1. November 1919, dass vor dem Ablauf des 3. Jahrtausends der nachchristlichen Zeit, Ahriman im Fleische im Westen zu einer wirklichen Inkarnation kommen wird, zeigt sich seine Vorbereitung dafür in der Entwicklung verschiedener Wesensanteilen in der Menschheit. Aus der geisteswissenschaftlichen Sicht, dient die Inkarnation Ahriman, der Menschheitsentwicklung dahingehend, dass “die Erdenmenschheit ihre richtige Stellung finden muss, zu dieser ahrmanischen Erdeninkarnation.“[18] Um erfolgreich auf der Erde inkarnieren zu können, lenkt die Wesenheit Ahriman seine Kräfte in der menschlichen Entwicklung so, dass die Menschen zu seinem Vorteil auf sein Wirken eingestimmt sind.

“Und schlimm wäre es, wenn die Menschen schlafend dahinleben würden und gewisse Erscheinungen, die im Menschenleben vor sich gehen, nicht so nehmen würden, daß sie in ihnen erkennen können eine Vorbereitung für die fleischliche Inkarnation des Ahriman. Nur dadurch werden die Menschen die rechte Stellung finden, daß sie erkennen: In dieser oder jener Tatsachenreihe, die der menschheitlichen Entwickelung angehört, muß man erkennen, wie Ahriman vorbereitet sein irdisches Dasein. Und heute ist es an der Zeit, daß einzelne Menschen wissen, welche von den Vorgängen, die um sie herum sich abspielen, Machinationen Ahrimans sind, die - ihm zum Vorteil - seine demnächstige irdische Inkarnation womöglich vorbereiten.“[19]

1919 teilte Rudolf Steiner in einem Vortrag mit, dass sich Ahriman im dritten Jahrtausend nach der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus in einem Menschen inkarnieren müsse.[20]

Hierzu stellt der Geistforscher Heinz Grill fest, dass es sich nicht mit Gewissheit sagen lässt, „ob die Inkarnation Ahrimans eine einzelne Person betreffe oder ob sie ganze Scharen von Menschen vereinnahme. Manche behaupten, dass die künstliche Intelligenz eine unmittelbare Offenbarung Ahrimans sei und andere wieder definieren Personen, die die Physiognomie Ahrimans und das Charakterverhalten mit allen amoralischen Offenbarungen, die es nur gibt, erfüllen.“[2]

Siehe auch

  • ...

Literatur

  • Ulrich Hannemann (Hrsg.): Das Zend-Avesta. Band 1: Allgemeiner Teil. Überarbeitete Neuauflage der Ausgabe von 1776. Weißensee-Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-89998-199-5.
  • Firdausi: Geschichten aus dem Schahnameh (= Diederichs Taschenausgaben. 21.) Ausgewählt und übertragen von Uta von Witzleben. Eugen Diederichs, Düsseldorf 1960, S. 13 ff.

Einzelnachweise

  1. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Menschenkunde. GA 107. 5. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1070-1, S. 172. (Online)
  2. 2,0 2,1 Die Verkörperung Ahrimans – Teil 1. In: Beiträge zu einem Neuen Yogawillen. Abgerufen am 28. Dezember 2025.
  3. Antonio Panaino: Religionen im antiken Iran. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 26 f.
  4. Vgl. auch Antonio Panaino: Religionen im antiken Iran. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 27 f.
  5. Friedrich Rückert (Übersetzer): Firdosi’s Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII. Georg Reimer, Berlin 1890, S. 4.
  6. Friedrich Rückert: Firdosi's Königsbuch. S. 4 f.
  7. Friedrich Rückert: Firdosi's Königsbuch. S. 7.
  8. Walter Bühler: Anthroposophie als Forderung unserer Zeit. Kapitel 10: Das Rätsel des Bösen. Luzifer und Ahriman. Oratio Verlag, 2003, ISBN 978-3-7214-0589-7, S. 137 ff.
  9. >([1])Abgerufen am 29. Januar 2026
  10. 10,0 10,1 Rudolf Steiner: Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. S. 201. (Online)
  11. Rudolf Steiner: Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung. GA 211. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1986, ISBN 3-7274-2110-X, S. 111. (Online)
  12. Ahriman. In: Goethe Wörterbuch. Abgerufen am 15. Januar 2025.
  13. Ahriman. In: Herders Konversations-Lexikon. 1. Auflage, 1854-1857. Abgerufen am 15. Januar 2025.
  14. Rudolf Steiner: Das Geheimnis des Todes. Wesen und Bedeutung Mitteleuropas und die europäischen Volksgeister. GA 159. 2. durchgesehene Auflage, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1980, ISBN 3-7274-1590-8, S. 236. (Online)
  15. Rudolf Steiner: Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. GA 191. 3. Gesamtausgabe, Dornach 1989, Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung, Dornach/Schweiz, ISBN 3-7274-1910-5, S. 194 ff. (Online)
  16. Die Verkörperung Ahrimans – Teil 2. In: Beiträge zu einem Neuen Yogawillen. Abgerufen am 28. Dezember 2025.
  17. >([2])Abgerufen am 29. Januar 2026
  18. Rudolf Steiner: Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. GA 191. 3. Gesamtausgabe, Dornach 1989, Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung, Dornach/Schweiz, ISBN 3-7274-1910-5, S. 194ff. (Online)
  19. Rudolf Steiner: Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis.GA 191. 3. Gesamtausgabe, Dornach 1989, Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung, Dornach/Schweiz, ISBN 3-7274-1910-5, S. 194ff. (Online)
  20. Rudolf Steiner: Der innere Aspekt des sozialen Rätsels. Luziferische Vergangenheit und ahrimanische Zukunft. GA 193. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, ISBN 3-7274-1930-X. S. 165. (Online)
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