Selbst: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Selbst''' ist ein Begriff mit unterschiedlichen Bedeutungen zwischen den und innerhalb der Anschauungen der [[w: Psychologie|Psychologie]], [[w:Philosophie|Philosophie]], [[w:Theologie|Theologie]], [[w:Soziologie|Soziologie]] und [[w:Pädagogik|Pädagogik]]. An ein allgemeinsprachliches Verständnis von „selbst-“ als rückbezüglich, [[w:Reflexion (Philosophie)|reflektierend]] oder selbstbezogen anknüpfend, bezeichnet man das zur [[w:Selbstbeobachtung|Selbstbeobachtung]] fähige, scheinbar konsistent fühlende, denkende und handelnde [[w:Wesen (Philosophie)|Wesen]] des [[a:Ich|Ich]]s als Selbst. In der Psychologie und zum Teil der [[w:Religionswissenschaft|Religionswissenschaft]] und Theologie wird das Selbst oft substanziell oder funktional als Zentrum der menschlichen Persönlichkeit verstanden.<ref>Roland Asanger, Thomas Bliesener, F. A. Brockhaus: ''Der Brockhaus Psychologie. Fühlen, Denken und Verhalten verstehen'' (= ''Brockhaus-Sachlexika.'') 2., vollständig überarbeitete Auflage, Brockhaus, Mannheim/Leipzig 2009, ISBN 978-3-7653-0592-4, S. 541.</ref> | '''Selbst''' ist ein Begriff mit unterschiedlichen Bedeutungen zwischen den und innerhalb der Anschauungen der [[w: Psychologie|Psychologie]], [[w:Philosophie|Philosophie]], [[w:Theologie|Theologie]], [[w:Soziologie|Soziologie]] und [[w:Pädagogik|Pädagogik]]. An ein allgemeinsprachliches Verständnis von „selbst-“ als rückbezüglich, [[w:Reflexion (Philosophie)|reflektierend]] oder selbstbezogen anknüpfend, bezeichnet man das zur [[w:Selbstbeobachtung|Selbstbeobachtung]] fähige, scheinbar konsistent fühlende, denkende und handelnde [[w:Wesen (Philosophie)|Wesen]] des [[a:Ich|Ich]]s als Selbst. In der Psychologie und zum Teil der [[w:Religionswissenschaft|Religionswissenschaft]] und Theologie wird das Selbst oft substanziell oder funktional als Zentrum der menschlichen Persönlichkeit verstanden.<ref>Roland Asanger, Thomas Bliesener, F. A. Brockhaus: ''Der Brockhaus Psychologie. Fühlen, Denken und Verhalten verstehen'' (= ''Brockhaus-Sachlexika.'') 2., vollständig überarbeitete Auflage, Brockhaus, Mannheim/Leipzig 2009, ISBN 978-3-7653-0592-4, S. 541.</ref> | ||
Die Ansichten über den Begriff „Selbst” unterscheiden sich zum Teil stark. Beispielsweise wird oftmals in der modernen Esoterik das höhere Selbst als im Menschen inne liegend bezeichnet und dementsprechend wird unter der Selbstverwirklichung ein „Re-Aktivieren“ des bereits vorhandenen Potentials verstanden. | Die Ansichten über den Begriff „Selbst” unterscheiden sich zum Teil stark. Beispielsweise wird oftmals in der modernen Esoterik das höhere Selbst als im Menschen inne liegend bezeichnet und dementsprechend wird unter der Selbstverwirklichung ein „Re-Aktivieren“ des bereits vorhandenen Potentials verstanden. | ||
Aus einer geisteswissenschaftlichen Sichtweise hingegen ist das Selbst des Menschen zwar in diesem keimhaft angelegt, jedoch im Werden begriffen und muss durch aktive Entwicklungsschritte zur Entfaltung gebracht werden. | Aus einer geisteswissenschaftlichen Sichtweise hingegen ist das Selbst des Menschen zwar in diesem keimhaft angelegt, jedoch im Werden begriffen und muss durch aktive Entwicklungsschritte zur Entfaltung gebracht werden. | ||
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== Selbst, Ich und Ego == | == Selbst, Ich und Ego == | ||
Die sehr umfassende Bezeichnung des Selbst beinhaltet verschiedene Stufen des menschlichen Individuums und wird | Die sehr umfassende Bezeichnung des Selbst beinhaltet verschiedene Stufen des menschlichen Individuums und wird oftmals synonym mit dem Begriff des „Ich“ benannt. | ||
Als Ego (lateinisch „Ich“) wird meist der niedere Anteil des Ich bezeichnet, der aus spiritueller Sicht zu überwinden ist. Der Egoismus wird als die Wurzel allen Leidens gesehen und erst wenn dieser beseitigt ist, strahlt das höchste Selbst, das Göttliche im und durch den Menschen.<ref>[https://www.youtube.com/watch?v=yLvG5PUTb6Q&t=52s ''Die Überwindung des Ego.''] (0:52–1:35). Sukadev Bretz zitiert Swami Chidananda. In: ''Yogavortrag – Yoga Vidya.'' (YouTube-Kanal). Abgerufen am 25. März 2026.</ref> | Als Ego (lateinisch „Ich“) wird meist der niedere Anteil des Ich bezeichnet, der aus spiritueller Sicht zu überwinden ist. Der Egoismus wird als die Wurzel allen Leidens gesehen und erst wenn dieser beseitigt ist, strahlt das höchste Selbst, das Göttliche im und durch den Menschen.<ref>[https://www.youtube.com/watch?v=yLvG5PUTb6Q&t=52s ''Die Überwindung des Ego.''] (0:52–1:35). Sukadev Bretz zitiert Swami Chidananda. In: ''Yogavortrag – Yoga Vidya.'' (YouTube-Kanal). Abgerufen am 25. März 2026.</ref> | ||
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[[Datei:Fingerprint detail on male finger in Třebíč, Třebíč District.jpg|mini|334px|Jeder Mensch besitzt einen individuellen Fingerabdruck, der beispielsweise in der Spurensicherung der Kriminalistik eine wichtige Rolle spielt.]] | [[Datei:Fingerprint detail on male finger in Třebíč, Třebíč District.jpg|mini|334px|Jeder Mensch besitzt einen individuellen Fingerabdruck, der beispielsweise in der Spurensicherung der Kriminalistik eine wichtige Rolle spielt.]] | ||
Die Biologie definiert aus naturwissenschaftlicher Sicht das Ich oder Selbst mit drei Erklärungsansätzen, durch die sich der individuelle Mensch in seiner Einzigartigkeit von seiner Umgebung abgrenzen lässt: sein Gehirn, sein Immunsystem und seine Erbinformationen. | Die Biologie definiert aus naturwissenschaftlicher Sicht das Ich oder Selbst mit drei Erklärungsansätzen, durch die sich der individuelle Mensch in seiner Einzigartigkeit von seiner Umgebung abgrenzen lässt: sein Gehirn, sein Immunsystem und seine Erbinformationen. | ||
Beispielsweise bildet sich durch Immunreaktionen in ständiger Auseinandersetzung und Unterscheidungsbildung von Körperfremdem und Körpereigenem ein sogenanntes „biologisches Selbst“ heraus.<ref> [https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/identifizierung ''Identifizierung.''] In: ''Dorsch: Lexikon der Psychologie''. Abgerufen am 27. Januar 2026.</ref> | Beispielsweise bildet sich durch Immunreaktionen in ständiger Auseinandersetzung und Unterscheidungsbildung von Körperfremdem und Körpereigenem ein sogenanntes „biologisches Selbst“ heraus.<ref> [https://dorsch.hogrefe.com/stichwort/identifizierung ''Identifizierung.''] In: ''Dorsch: Lexikon der Psychologie''. Abgerufen am 27. Januar 2026.</ref> | ||
Das dadurch entstehende Bild eines klar abgrenzbaren und individuellen Ichs wird jedoch durch das relativ neue wissenschaftliche Forschungsfeld zu Metaorganismen, das das Zusammenwirken des menschlichen Organismus mit [[w:Mikroorganismus|Mikroorganismen]] erforscht, in Frage gestellt. Der menschliche Organismus besteht ca. 50 % aus bakteriellen Zellen, sodass das, was ursprünglich als ein Teil des menschlichen Selbst angesehen wurde, größtenteils „Nicht-Selbst“, also bakteriellen Ursprungs ist. Dies gilt sowohl für das Immunsystem, als auch für Prozesse im Gehirn und die menschlichen Erbinformationen, auf welche Mikroorganismen direkt oder indirekt Einfluss nehmen.<ref> [https://idw-online.de/de/news689748 ''Selbst oder Nicht-Selbst?''] In: ''Informationsdienst Wissenschaft''. Abgerufen am 27. Januar 2026.</ref> | Das dadurch entstehende Bild eines klar abgrenzbaren und individuellen Ichs wird jedoch durch das relativ neue wissenschaftliche Forschungsfeld zu Metaorganismen, das das Zusammenwirken des menschlichen Organismus mit [[w:Mikroorganismus|Mikroorganismen]] erforscht, in Frage gestellt. Der menschliche Organismus besteht ca. 50 % aus bakteriellen Zellen, sodass das, was ursprünglich als ein Teil des menschlichen Selbst angesehen wurde, größtenteils „Nicht-Selbst“, also bakteriellen Ursprungs ist. Dies gilt sowohl für das Immunsystem, als auch für Prozesse im Gehirn und die menschlichen Erbinformationen, auf welche Mikroorganismen direkt oder indirekt Einfluss nehmen.<ref> [https://idw-online.de/de/news689748 ''Selbst oder Nicht-Selbst?''] In: ''Informationsdienst Wissenschaft''. Abgerufen am 27. Januar 2026.</ref> | ||
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=== Das zerebrale Selbst === | === Das zerebrale Selbst === | ||
[[Datei:Color Brain MRI 0284 13.jpg|mini|250px|Gehirnscans als „moderne Ikonen des Menschseins“<ref> [https://www.mpg.de/319972/forschungsSchwerpunkt ''Das zerebrale Subjekt: Gehirn und Selbst in Geschichte und zeitgenössischer Kultur.''] In: ''Max-Planck-Gesellschaft'', Abgerufen am 13. Februar 2026.</ref>]] | [[Datei:Color Brain MRI 0284 13.jpg|mini|250px|Gehirnscans als „moderne Ikonen des Menschseins“<ref> [https://www.mpg.de/319972/forschungsSchwerpunkt ''Das zerebrale Subjekt: Gehirn und Selbst in Geschichte und zeitgenössischer Kultur.''] In: ''Max-Planck-Gesellschaft'', Abgerufen am 13. Februar 2026.</ref>]] | ||
In der Neurowissenschaft existiert die Vorstellung, dass das Gehirn das einzige körperliche Organ wäre, das der Mensch benötigt, um er selbst zu sein. Lange Zeit ging man davon aus, dass bei einer Hirntransplantation nicht Person A ein neues Gehirn von Person B bekäme, sondern das Gehirn von Person B mit Person A einen neuen Körper.<ref> [https://www.mpg.de/319972/forschungsSchwerpunkt ''Das zerebrale Subjekt: Gehirn und Selbst in Geschichte und zeitgenössischer Kultur.''] In: ''Max-Planck-Gesellschaft''. Abgerufen am 13. Februar 2026.</ref> | |||
In der Neurowissenschaft existiert die Vorstellung, dass das Gehirn das einzige körperliche Organ wäre, das der Mensch benötigt, um er selbst zu sein. Lange Zeit ging man davon aus, dass bei einer Hirntransplantation nicht Person A ein neues Gehirn von Person B bekäme, sondern das Gehirn von Person B mit Person A einen neuen Körper.<ref> [https://www.mpg.de/319972/forschungsSchwerpunkt ''Das zerebrale Subjekt: Gehirn und Selbst in Geschichte und zeitgenössischer Kultur.''] In: ''Max-Planck-Gesellschaft''. Abgerufen am 13. Februar 2026.</ref> | |||
Seit der Möglichkeit, das Gehirn und seine Aktivitäten im Zusammenhang mit Denk-, Gefühls- und Handlungsprozessen detailliert zu beobachten, wird das Bewusstsein und die Persönlichkeit des Menschen zunehmend neurobiologisch erklärt. Psychische Erkrankungen werden beispielsweise damit vermehrt zu Gehirnfunktionsstörungen und können, so die Annahme, wirksam pharmakologisch behandelt werden.<ref> [https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/zpm/psychatrie/fuchs/oekologie.pdf ''Ökologie des Gehirns. Eine systemische Sichtweise für Psychiatrie und Psychotherapie''.] In: ''klinikum.uni-heidelberg.de.'' Abgerufen am 14. Februar 2026.</ref> | Seit der Möglichkeit, das Gehirn und seine Aktivitäten im Zusammenhang mit Denk-, Gefühls- und Handlungsprozessen detailliert zu beobachten, wird das Bewusstsein und die Persönlichkeit des Menschen zunehmend neurobiologisch erklärt. Psychische Erkrankungen werden beispielsweise damit vermehrt zu Gehirnfunktionsstörungen und können, so die Annahme, wirksam pharmakologisch behandelt werden.<ref> [https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/zpm/psychatrie/fuchs/oekologie.pdf ''Ökologie des Gehirns. Eine systemische Sichtweise für Psychiatrie und Psychotherapie''.] In: ''klinikum.uni-heidelberg.de.'' Abgerufen am 14. Februar 2026.</ref> | ||
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[[Datei:Leo Reise Jr in 1951.jpg|mini|207x207px| In der Kindheit identifiziert sich das Kind mit den Eltern und anderen primären Bezugspersonen.|links]] | [[Datei:Leo Reise Jr in 1951.jpg|mini|207x207px| In der Kindheit identifiziert sich das Kind mit den Eltern und anderen primären Bezugspersonen.|links]] | ||
Das Selbst, mit dem der Mensch sich gewöhnlich identifiziert, wird geprägt durch gesellschaftliche, kulturelle, epochale, familiäre u. a. Elemente. | |||
Das Selbst, mit dem der Mensch sich gewöhnlich identifiziert, wird geprägt durch gesellschaftliche, kulturelle, epochale, familiäre u. a. Elemente. | |||
In der Adoleszenz, in der die Identitätsentwicklung eine zentrale Rolle spielt, ist aus medizinisch-psychiatrischer Sicht dieser [[w:Identifikation (Psychologie|Identifikation]]s-Mechanismus sehr wichtig. Er beschreibt eine Art Rollenübernahme als Resultat einer Suche nach „psychosozialen Experimentierfeldern, Handlungsanleitungen und Idealen.“<ref name=":0"> [https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/kinder-jugendpsychiatrie-psychosomatik-und-psychotherapie/warnzeichen/adoleszenz-adoleszenzkrisen/identitaetsentwicklung-und-identitaetskrisen/ ''Adoleszenz: Identitätsentwicklung und Identitätskrisen.''] In: ''Neurologen und Psychiater im Netz''. Abgerufen am 27. Januar 2026.</ref> | In der Adoleszenz, in der die Identitätsentwicklung eine zentrale Rolle spielt, ist aus medizinisch-psychiatrischer Sicht dieser [[w:Identifikation (Psychologie|Identifikation]]s-Mechanismus sehr wichtig. Er beschreibt eine Art Rollenübernahme als Resultat einer Suche nach „psychosozialen Experimentierfeldern, Handlungsanleitungen und Idealen.“<ref name=":0"> [https://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/kinder-jugendpsychiatrie-psychosomatik-und-psychotherapie/warnzeichen/adoleszenz-adoleszenzkrisen/identitaetsentwicklung-und-identitaetskrisen/ ''Adoleszenz: Identitätsentwicklung und Identitätskrisen.''] In: ''Neurologen und Psychiater im Netz''. Abgerufen am 27. Januar 2026.</ref> | ||
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[[w:Sigmund Freud|Sigmund Freud]] benennt diese Instanz in seinem [[w:Strukturmodell der Psyche|Strukturmodell der Psyche]] als „Es“. Dieses sei das archaische Erbe jedes Menschen, das einen unzugänglichen Teil seiner Persönlichkeit darstellt, der nur indirekt, beispielsweise über das Studieren der Traumarbeit erschlossen werden kann. Es handelt sich dabei um eine Instanz, die dem eigentlichen Ich fremd ist und daher von Freud als „Es“ bezeichnet wird.<ref name="Nitzschke">Bernd Nitzschke: ''Es''. In: Wolfgang Mertens; Bruno Waldvogel: ''Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe.'' 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Verlag Kohlhammer, Stuttgart 2008, S. 181–186.</ref> | [[w:Sigmund Freud|Sigmund Freud]] benennt diese Instanz in seinem [[w:Strukturmodell der Psyche|Strukturmodell der Psyche]] als „Es“. Dieses sei das archaische Erbe jedes Menschen, das einen unzugänglichen Teil seiner Persönlichkeit darstellt, der nur indirekt, beispielsweise über das Studieren der Traumarbeit erschlossen werden kann. Es handelt sich dabei um eine Instanz, die dem eigentlichen Ich fremd ist und daher von Freud als „Es“ bezeichnet wird.<ref name="Nitzschke">Bernd Nitzschke: ''Es''. In: Wolfgang Mertens; Bruno Waldvogel: ''Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe.'' 3. überarbeitete und erweiterte Auflage. Verlag Kohlhammer, Stuttgart 2008, S. 181–186.</ref> | ||
Dieser fremde Anteil gilt in der indischen Yoga-Lehre als der größte Feind des Menschen. So beschreibt [[Swami Sivananda]] in seinem Werk ''Sadhana'' den Egoismus als verhängnisvolle Illusion, der aus Unwissenheit entsteht und allerlei Ängste und Sorgen produziert. Durch ihn entstehen falsche Handlungen, die wiederum Leid verursachen. Der Egoismus erniedrige den Menschen auf die Stufe des Tieres. Diese niedere Natur gilt es, durch spirituelle Übungen zu überwinden.<ref>Swami Sivananda: [https://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/Art-Artikel/art_Sadhana_zur_Bezwingung_der_niederen_Natur.html#Sadhana%20zur%20Beseitigung%20von%20Egoismus ''Sadhana zur Bezwingung der niederen Natur.''] In: ''Yoga Vidya''. Abgerufen am 28. Januar 2026.</ref> | Dieser fremde Anteil gilt in der indischen Yoga-Lehre als der größte Feind des Menschen. So beschreibt [[Swami Sivananda]] in seinem Werk ''Sadhana'' den Egoismus als verhängnisvolle Illusion, der aus Unwissenheit entsteht und allerlei Ängste und Sorgen produziert. Durch ihn entstehen falsche Handlungen, die wiederum Leid verursachen. Der Egoismus erniedrige den Menschen auf die Stufe des Tieres. Diese niedere Natur gilt es, durch spirituelle Übungen zu überwinden.<ref>Swami Sivananda: [https://www.yoga-vidya.de/Yoga--Artikel/Art-Artikel/art_Sadhana_zur_Bezwingung_der_niederen_Natur.html#Sadhana%20zur%20Beseitigung%20von%20Egoismus ''Sadhana zur Bezwingung der niederen Natur.''] In: ''Yoga Vidya''. Abgerufen am 28. Januar 2026.</ref> | ||
[[Rudolf Steiner]] beschreibt, ähnlich wie Freud, dass der Mensch gewöhnlich seine niedere Natur nicht wahrnehmen kann, da er in dieser „drinnensteckt“. Erst wenn er durch Entwicklungsschritte in seine höhere Natur hinaufsteigt, tritt er aus der niederen Natur heraus und diese löst sich als eigenständige Wesenheit von ihm. Dieses vom Menschen selbst geschaffene Wesen nennt er den [[Hüter der Schwelle]], der ab diesem Zeitpunkt der Entwicklung einer aktiven Verwandlung bedarf.<ref>Rudolf Steiner: ''Die Welträtsel und die Anthroposophie.'' GA 54. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1983, ISBN 3-7274-0540-6, S. 377. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_054.pdf#page=379&view=Fit Online])</ref> | [[Rudolf Steiner]] beschreibt, ähnlich wie Freud, dass der Mensch gewöhnlich seine niedere Natur nicht wahrnehmen kann, da er in dieser „drinnensteckt“. Erst wenn er durch Entwicklungsschritte in seine höhere Natur hinaufsteigt, tritt er aus der niederen Natur heraus und diese löst sich als eigenständige Wesenheit von ihm. Dieses vom Menschen selbst geschaffene Wesen nennt er den [[Hüter der Schwelle]], der ab diesem Zeitpunkt der Entwicklung einer aktiven Verwandlung bedarf.<ref>Rudolf Steiner: ''Die Welträtsel und die Anthroposophie.'' GA 54. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1983, ISBN 3-7274-0540-6, S. 377. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_054.pdf#page=379&view=Fit Online])</ref> | ||
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Der Soziologe [[w:Charles Cooley |Charles Cooley]] entwickelte um 1900 herum das ''[[w:Looking-glass self|Looking-glass self]]'': Der Mensch erkenne sich selbst „im Spiegel seines Gegenübers“, also durch soziale Reaktionen.<ref>George Herbert Mead: ''Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus.'' Suhrkamp, Frankfurt am Main 1968, ISBN 0-226-51668-7, S. 218 f.</ref> | Der Soziologe [[w:Charles Cooley |Charles Cooley]] entwickelte um 1900 herum das ''[[w:Looking-glass self|Looking-glass self]]'': Der Mensch erkenne sich selbst „im Spiegel seines Gegenübers“, also durch soziale Reaktionen.<ref>George Herbert Mead: ''Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus.'' Suhrkamp, Frankfurt am Main 1968, ISBN 0-226-51668-7, S. 218 f.</ref> | ||
Eine in der Sozialpsychologie bekannte, gruppendynamische Methode ist das sogenannte [[w:Johari-Fenster|Johari-Fenster]]. Dieses Verfahren veranschaulicht die Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung und zeigt insbesondere den „blinden Fleck“ auf. Es geht davon aus, dass durch das Lernen innerhalb gruppendynamischer Prozesse sich der Handlungs­spielraum einer Person vergrößert, je mehr sie einerseits Erkenntnisse über sich durch das Feedback Anderer gewinnt und andererseits sich den Anderen öffnet. Bisher Unbewusstes wird dadurch bewusst und handhabbar.<ref>[https://human-factors-hamburg.de/lexikon/johari-fenster/ ''Johari-Fenster.''] In: ''Human Factors Hamburg''. Abgerufen am 1. Februar 2026.</ref> | Eine in der Sozialpsychologie bekannte, gruppendynamische Methode ist das sogenannte [[w:Johari-Fenster|Johari-Fenster]]. Dieses Verfahren veranschaulicht die Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung und zeigt insbesondere den „blinden Fleck“ auf. Es geht davon aus, dass durch das Lernen innerhalb gruppendynamischer Prozesse sich der Handlungs­spielraum einer Person vergrößert, je mehr sie einerseits Erkenntnisse über sich durch das Feedback Anderer gewinnt und andererseits sich den Anderen öffnet. Bisher Unbewusstes wird dadurch bewusst und handhabbar.<ref>[https://human-factors-hamburg.de/lexikon/johari-fenster/ ''Johari-Fenster.''] In: ''Human Factors Hamburg''. Abgerufen am 1. Februar 2026.</ref> | ||
Auch für die Völkerverständigung hat dieser Bewusstmachungsprozess eine große Bedeutung. So besitzt jeder Mensch ein meist unbewusstes, nicht hinterfragtes Selbstverständnis, das die eigene Lebenseinstellung und kollektive Haltung zur Kultur umfasst und in jedem Handlungs­zusammenhang zum Ausdruck kommt. Laut [[w:Hans Köchler|Hans Köchler]] wächst das Bewusstsein gerade auch im Vergleich und in der Abhebung von Anderem und je vielfältiger die Bezüge gesetzt werden, desto reifer und differenzierter wird das Selbstverständnis. Davon ausgehend plädiert Köchler dafür, das Konzept der humanistischen Bildung ganz neu zu überdenken und auch im Bereich der Außenpolitik eine „Kulturdiplomatie“ zu entwickeln, die dabei hilft, durch eine Position der Vermittlung zwischen ideologischen Blöcken einzunehmen: | Auch für die Völkerverständigung hat dieser Bewusstmachungsprozess eine große Bedeutung. So besitzt jeder Mensch ein meist unbewusstes, nicht hinterfragtes Selbstverständnis, das die eigene Lebenseinstellung und kollektive Haltung zur Kultur umfasst und in jedem Handlungs­zusammenhang zum Ausdruck kommt. Laut [[w:Hans Köchler|Hans Köchler]] wächst das Bewusstsein gerade auch im Vergleich und in der Abhebung von Anderem und je vielfältiger die Bezüge gesetzt werden, desto reifer und differenzierter wird das Selbstverständnis. Davon ausgehend plädiert Köchler dafür, das Konzept der humanistischen Bildung ganz neu zu überdenken und auch im Bereich der Außenpolitik eine „Kulturdiplomatie“ zu entwickeln, die dabei hilft, durch eine Position der Vermittlung zwischen ideologischen Blöcken einzunehmen: | ||
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Mit der Überwindung der egoistischen Gier, des vereinnahmenden, zweckgebundenen Denkens überwindet der Mensch gewissermaßen sich selbst, wie es in der Bhagavadgita III,43 heißt: | Mit der Überwindung der egoistischen Gier, des vereinnahmenden, zweckgebundenen Denkens überwindet der Mensch gewissermaßen sich selbst, wie es in der Bhagavadgita III,43 heißt: | ||
:''evaṁ buddheḥ paraṁ buddhvā saṁstabhyātmānam ātmanā jahi śatruṁ mahā-bāho kāma-rūpaṁ durāsadam'' | :''evaṁ buddheḥ paraṁ buddhvā saṁstabhyātmānam ātmanā jahi śatruṁ mahā-bāho kāma-rūpaṁ durāsadam'' | ||
:„Indem du zu dem Höchsten erwachst durch jenes Verstehen, das noch über dem urteilenden Verstand steht, und Macht ausübst auf das Ich durch das Selbst, um es fest und still zu machen, erschlage, o Starkarmiger, diesen Feind in Gestalt des Begehrens, den man so schwer zu fassen bekommt.“<ref>Sri Aurobindo: ''Bhagavadgita.'' 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 29.</ref> | :„Indem du zu dem Höchsten erwachst durch jenes Verstehen, das noch über dem urteilenden Verstand steht, und Macht ausübst auf das Ich durch das Selbst, um es fest und still zu machen, erschlage, o Starkarmiger, diesen Feind in Gestalt des Begehrens, den man so schwer zu fassen bekommt.“<ref>Sri Aurobindo: ''Bhagavadgita.'' 2., unveränderte Auflage. Hinder + Deelmann, Gladenbach 1988, ISBN 3-87348-127-8, S. 29.</ref> | ||
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=== Das höhere Selbst === | === Das höhere Selbst === | ||
Der Begriff „Höheres Selbst“ (auch „höheres Bewusstsein“ genannt) wird meist verwendet, um einen Zustand der Befreiung von den Beschränkungen des Egos zu beschreiben sowie einen Zustand mystischer Erfahrung, in dem die empfundene Trennung zwischen dem isolierten Selbst und der Welt oder Gott überwunden wird. Er kann sich auch auf einen Zustand erhöhter Wachsamkeit oder des Eröffnens einer neuen Perspektive beziehen.<ref>Harold L. Miller: ''The SAGE Encyclopedia of Theory in Psychology.'' 1. Auflage. Sage Publications, Thousand Oaks, California 2016, ISBN 978-1452256719, S. 409–411.</ref> Obwohl der Ursprung des Konzeptes und seiner verschiedenen Praktiken weit in der Zeit zurückliegt, wurde es als zentraler Begriff in der zeitgenössischen populären Spiritualität, einschließlich der New-Age-Bewegung, erheblich weiterentwickelt. | Der Begriff „Höheres Selbst“ (auch „höheres Bewusstsein“ genannt) wird meist verwendet, um einen Zustand der Befreiung von den Beschränkungen des Egos zu beschreiben sowie einen Zustand mystischer Erfahrung, in dem die empfundene Trennung zwischen dem isolierten Selbst und der Welt oder Gott überwunden wird. Er kann sich auch auf einen Zustand erhöhter Wachsamkeit oder des Eröffnens einer neuen Perspektive beziehen.<ref>Harold L. Miller: ''The SAGE Encyclopedia of Theory in Psychology.'' 1. Auflage. Sage Publications, Thousand Oaks, California 2016, ISBN 978-1452256719, S. 409–411.</ref> Obwohl der Ursprung des Konzeptes und seiner verschiedenen Praktiken weit in der Zeit zurückliegt, wurde es als zentraler Begriff in der zeitgenössischen populären Spiritualität, einschließlich der New-Age-Bewegung, erheblich weiterentwickelt. | ||
[[w:Friedrich Schleiermacher|Friedrich Schleiermacher]] (1768–1834) unterschied zwischen einem niedrigen und einem höheren Selbstbewusstsein. Das niedere Selbstbewusstsein ist für ihn „der tierische Teil des Menschen“, der grundlegende Empfindungen wie Hunger, Durst, Schmerz und Lust sowie basale Triebe umfasst, während das höhere Selbstbewusstsein nach den Worten der Theologin Dawn DeVries „der Teil des Menschen ist, der in der Lage ist, tierische Instinkte zu überwinden“ und als „Berührungspunkt mit Gott“ bezeichnet werden kann. Bunge beschreibt dies als „das Wesen des Menschseins”.<ref>Marcia JoAnn Bunge (Hrsg.): ''The Child in Christian Thought.'' Eerdmans Publishing Company 2001, ISBN 978-0802846938, S. 341.</ref> Wenn dieses Bewusstsein vorhanden ist, „sind die Menschen nicht durch ihre Instinkte von Gott entfremdet”. Die Beziehung zwischen dem niederen und dem höheren Bewusstsein ähnelt „Paulus' Kampf des Geistes, das Fleisch zu überwinden” oder der Unterscheidung zwischen der natürlichen und der spirituellen Seite des Menschen.<ref>Philip M. Merklinger: ''Philosophy, Theology, and Hegel's Berlin Philosophy of Religion, 1821-1827.'' State University of New York Press 1993, ISBN 0-7914-1492-2, S. 65–68.</ref> | [[w:Friedrich Schleiermacher|Friedrich Schleiermacher]] (1768–1834) unterschied zwischen einem niedrigen und einem höheren Selbstbewusstsein. Das niedere Selbstbewusstsein ist für ihn „der tierische Teil des Menschen“, der grundlegende Empfindungen wie Hunger, Durst, Schmerz und Lust sowie basale Triebe umfasst, während das höhere Selbstbewusstsein nach den Worten der Theologin Dawn DeVries „der Teil des Menschen ist, der in der Lage ist, tierische Instinkte zu überwinden“ und als „Berührungspunkt mit Gott“ bezeichnet werden kann. Bunge beschreibt dies als „das Wesen des Menschseins”.<ref>Marcia JoAnn Bunge (Hrsg.): ''The Child in Christian Thought.'' Eerdmans Publishing Company 2001, ISBN 978-0802846938, S. 341.</ref> Wenn dieses Bewusstsein vorhanden ist, „sind die Menschen nicht durch ihre Instinkte von Gott entfremdet”. Die Beziehung zwischen dem niederen und dem höheren Bewusstsein ähnelt „Paulus' Kampf des Geistes, das Fleisch zu überwinden” oder der Unterscheidung zwischen der natürlichen und der spirituellen Seite des Menschen.<ref>Philip M. Merklinger: ''Philosophy, Theology, and Hegel's Berlin Philosophy of Religion, 1821-1827.'' State University of New York Press 1993, ISBN 0-7914-1492-2, S. 65–68.</ref> | ||
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:„Durch diese höhere Intuition, die durch Theosophia – oder Gotteserkenntnis – erworben wurde und den Geist von der Welt der Formen in die Welt des formlosen Geistes führte, war der Mensch in jedem Zeitalter und in jedem Land manchmal in der Lage, Dinge in der inneren oder unsichtbaren Welt wahrzunehmen.“<ref>Helena Petrovna Blavatsky: ''The key to theosophy, section 9''. Quest Books 1972, ISBN 0-8356-0427-6, S. 175. ([https://www.theosociety.org/pasadena/key/key-9.htm Online])</ref> | :„Durch diese höhere Intuition, die durch Theosophia – oder Gotteserkenntnis – erworben wurde und den Geist von der Welt der Formen in die Welt des formlosen Geistes führte, war der Mensch in jedem Zeitalter und in jedem Land manchmal in der Lage, Dinge in der inneren oder unsichtbaren Welt wahrzunehmen.“<ref>Helena Petrovna Blavatsky: ''The key to theosophy, section 9''. Quest Books 1972, ISBN 0-8356-0427-6, S. 175. ([https://www.theosociety.org/pasadena/key/key-9.htm Online])</ref> | ||
Der Hellseher [[w:Edgar Cayce|Edgar Cayce]] bezeichnete das höhere Bewusstsein als „das Christus-Muster”. Es beschreibt die Überzeugung, dass ein gewöhnlicher Mensch sich darauf einstimmen kann, das gleiche spirituelle Niveau zu erreichen wie der historische Jesus.<ref>Tom Rapsas: [https://idw-online.de/de/news689748 ''6 Steps to Realizing the Christ Consciousness Within You.''] In: ''patheos.'' Abgerufen am 20. Februar 2026.</ref> | Der Hellseher [[w:Edgar Cayce|Edgar Cayce]] bezeichnete das höhere Bewusstsein als „das Christus-Muster”. Es beschreibt die Überzeugung, dass ein gewöhnlicher Mensch sich darauf einstimmen kann, das gleiche spirituelle Niveau zu erreichen wie der historische Jesus.<ref>Tom Rapsas: [https://idw-online.de/de/news689748 ''6 Steps to Realizing the Christ Consciousness Within You.''] In: ''patheos.'' Abgerufen am 20. Februar 2026.</ref> | ||
Die Idee des „niederen“ und „höheren“ Bewusstseins hat in der modernen Spiritualität an Popularität gewonnen.<ref>Wouter J. Hanegraaff: ''New Age Religion and Western Culture. Esotericism in the mirror of Secular Thought.'' E.J. Brill, Leiden/New York/Koln 1996, ISBN 90-04-10696-0, S. 59.</ref> Hierbei gilt das Höhere Selbst oftmals als etwas, das tief im einzelnen Menschen ruht und mit dem man sich durch Versenkung in die eigene Innenwelt verbinden kann. Das rationale Denken gilt als störend für diesen Prozess und soll zum Schweigen gelangen.<ref>[https://www.youtube.com/watch?v=rJtYSLOSr2o ''Verbindung zum Höheren Selbst | Einschlafmeditation & Traumreise.''] Siehe Videobeschreibung. In: ''ChakraTunes – Raphael Kempermann'' (YouTube-Kanal). Abgerufen am 7. Februar 2026.</ref> | Die Idee des „niederen“ und „höheren“ Bewusstseins hat in der modernen Spiritualität an Popularität gewonnen.<ref>Wouter J. Hanegraaff: ''New Age Religion and Western Culture. Esotericism in the mirror of Secular Thought.'' E.J. Brill, Leiden/New York/Koln 1996, ISBN 90-04-10696-0, S. 59.</ref> Hierbei gilt das Höhere Selbst oftmals als etwas, das tief im einzelnen Menschen ruht und mit dem man sich durch Versenkung in die eigene Innenwelt verbinden kann. Das rationale Denken gilt als störend für diesen Prozess und soll zum Schweigen gelangen.<ref>[https://www.youtube.com/watch?v=rJtYSLOSr2o ''Verbindung zum Höheren Selbst | Einschlafmeditation & Traumreise.''] Siehe Videobeschreibung. In: ''ChakraTunes – Raphael Kempermann'' (YouTube-Kanal). Abgerufen am 7. Februar 2026.</ref> | ||
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Nach hinduistischer Auffassung gibt es einen Makrokosmos und einen Mikrokosmos, die nach dem gleichen Plan aufgebaut sind. Der Urgrund, [[y:Brahman|Brahman]], gilt als das höchste Wesen und wird oftmals auch als Seele von Mikro- und Makrokosmos bezeichnet. | Nach hinduistischer Auffassung gibt es einen Makrokosmos und einen Mikrokosmos, die nach dem gleichen Plan aufgebaut sind. Der Urgrund, [[y:Brahman|Brahman]], gilt als das höchste Wesen und wird oftmals auch als Seele von Mikro- und Makrokosmos bezeichnet. | ||
Die Upanishaden sprechen von zwei Seelen, die im Menschen leben: [[a:Atma|Atman]] (auch Paramatman genannt), die „wirkliche Seele“, die Brahman entspricht und die „scheinbare Seele“, [[y:Jivatman|Jivatman]]. Jivatman ist die verkörperte Seele, das Ego-Selbst, auch beschrieben als Nicht-Selbst, während Atman als wahres Selbst gilt.<ref name=":2" /> | Die Upanishaden sprechen von zwei Seelen, die im Menschen leben: [[a:Atma|Atman]] (auch Paramatman genannt), die „wirkliche Seele“, die Brahman entspricht und die „scheinbare Seele“, [[y:Jivatman|Jivatman]]. Jivatman ist die verkörperte Seele, das Ego-Selbst, auch beschrieben als Nicht-Selbst, während Atman als wahres Selbst gilt.<ref name=":2" /> | ||
Im Hinduismus wird der Mensch anhand von drei Körpern charakterisiert: | Im Hinduismus wird der Mensch anhand von drei Körpern charakterisiert: | ||
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[[Datei:Arjuna and His Charioteer Krishna Confront Karna.jpg|mini|350px|Arjuna und sein Wagenlenker Krishna auf dem Schlachtfeld [[w:Schlacht zu kurukshetra|Kurukshetra]]]] | [[Datei:Arjuna and His Charioteer Krishna Confront Karna.jpg|mini|350px|Arjuna und sein Wagenlenker Krishna auf dem Schlachtfeld [[w:Schlacht zu kurukshetra|Kurukshetra]]]] | ||
:''bandhur ātmātmanas tasya yenātmaivātmanā jitaḥ anātmanas tu śatrutve vartetātmaiva śatruvat'' | |||
:''bandhur ātmātmanas tasya yenātmaivātmanā jitaḥ anātmanas tu śatrutve vartetātmaiva śatruvat'' | |||
:„Sein Selbst ist für den Menschen sein Freund, indem das Selbst durch das Selbst bezwungen worden ist. Wenn aber jemand nicht in Besitz seines (höheren) Selbstes ist, dann ist das (niedere) Selbst gleichsam ein Feind und handelt wie dieser.“<ref>Heinz Grill: ''Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.'' S. 176.</ref> | :„Sein Selbst ist für den Menschen sein Freund, indem das Selbst durch das Selbst bezwungen worden ist. Wenn aber jemand nicht in Besitz seines (höheren) Selbstes ist, dann ist das (niedere) Selbst gleichsam ein Feind und handelt wie dieser.“<ref>Heinz Grill: ''Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita.'' S. 176.</ref> | ||
Im 6. Kapitel, Vers 29 beschreibt die Bhagavad Gita, wie das Selbst in allen Wesen vorhanden ist und der Mensch, wenn er in seinem höheren Selbst gegründet ist, dies erkennen kann: | Im 6. Kapitel, Vers 29 beschreibt die Bhagavad Gita, wie das Selbst in allen Wesen vorhanden ist und der Mensch, wenn er in seinem höheren Selbst gegründet ist, dies erkennen kann: | ||
:''sarva-bhūta-stham ātmānaṁ sarva-bhūtāni cātmani īkṣate yoga-yukta-ātmā sarvatra sama-darśanaḥ'' | :''sarva-bhūta-stham ātmānaṁ sarva-bhūtāni cātmani īkṣate yoga-yukta-ātmā sarvatra sama-darśanaḥ'' | ||
:„Der Mensch, dessen Selbst im Yoga gegründet ist, erkennt das Selbst in allen Wesen und alle Wesen im Selbst. Er erkennt überall mit gleichgeartetem Blick.“<ref>Sri Aurobindo: ''Bhagavadgita.'' S. 46.</ref> | :„Der Mensch, dessen Selbst im Yoga gegründet ist, erkennt das Selbst in allen Wesen und alle Wesen im Selbst. Er erkennt überall mit gleichgeartetem Blick.“<ref>Sri Aurobindo: ''Bhagavadgita.'' S. 46.</ref> | ||
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[[Datei:Caravaggio-The Conversion on the Way to Damascus.jpg|mini|330px|''Die Bekehrung des Paulus'', [[w:Michelangelo Merisi da Caravaggio|Caravaggio]] (1600)]] | [[Datei:Caravaggio-The Conversion on the Way to Damascus.jpg|mini|330px|''Die Bekehrung des Paulus'', [[w:Michelangelo Merisi da Caravaggio|Caravaggio]] (1600)]] | ||
Rudolf Steiner unterscheidet hierbei die Nachfolge Jesu von der Nachfolge Christi. Man könne in seinen menschlichen Eigenschaften dem Jesus ähnlich werden; will man jedoch dem Christus ähnlich werden, so gehe das nur im Sinne des paulinischen Ausspruches „[[a:Christus in mir|Christus in mir]]“.<ref>Rudolf Steiner: ''Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken II.'' GA 343a. 1. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1993, ISBN 3-7274-3430-9, S. 450–451. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_343.pdf#page=450&view=Fit Online])</ref> | Rudolf Steiner unterscheidet hierbei die Nachfolge Jesu von der Nachfolge Christi. Man könne in seinen menschlichen Eigenschaften dem Jesus ähnlich werden; will man jedoch dem Christus ähnlich werden, so gehe das nur im Sinne des paulinischen Ausspruches „[[a:Christus in mir|Christus in mir]]“.<ref>Rudolf Steiner: ''Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken II.'' GA 343a. 1. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1993, ISBN 3-7274-3430-9, S. 450–451. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_343.pdf#page=450&view=Fit Online])</ref> | ||
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[[Datei:ETH-BIB-Jung, Carl Gustav (1875-1961)-Portrait-Portr 14163 (cropped).tif|mini|Carl Gustav Jung]] | [[Datei:ETH-BIB-Jung, Carl Gustav (1875-1961)-Portrait-Portr 14163 (cropped).tif|mini|Carl Gustav Jung]] | ||
In der [[w:Analytische Psychologie|Analytischen Psychologie]] nach [[w:Carl Gustav Jung|Carl Gustav Jung]] (1875–1961) stellt das Selbst das Zentrum der menschlichen [[w:Psyche|Psyche]] dar, die das menschliche [[a:Bewusstsein|Bewusstsein]] und [[w:Das Unbewusste|Unbewusstes]] umfasst. Die Selbst-Erkenntnis des Ichs war für Jung die [[w:Selbstverwirklichung|Selbstverwirklichung]]<ref>C. G. Jung: ''Gesammelte Werke.'' Band 7: § 266; Band 11: § 233.</ref> im Laufe der [[w:Individuation|Individuation]] des einzelnen Menschen.<ref>C. G. Jung: ''Gesammelte Werke.'' Band 7: § 266; Band 9/1: § 78, § 689; Band 9/2: § 418; Band 11: § 401; Band 14/1: §211; Band 15: § 531.</ref> | In der [[w:Analytische Psychologie|Analytischen Psychologie]] nach [[w:Carl Gustav Jung|Carl Gustav Jung]] (1875–1961) stellt das Selbst das Zentrum der menschlichen [[w:Psyche|Psyche]] dar, die das menschliche [[a:Bewusstsein|Bewusstsein]] und [[w:Das Unbewusste|Unbewusstes]] umfasst. Die Selbst-Erkenntnis des Ichs war für Jung die [[w:Selbstverwirklichung|Selbstverwirklichung]]<ref>C. G. Jung: ''Gesammelte Werke.'' Band 7: § 266; Band 11: § 233.</ref> im Laufe der [[w:Individuation|Individuation]] des einzelnen Menschen.<ref>C. G. Jung: ''Gesammelte Werke.'' Band 7: § 266; Band 9/1: § 78, § 689; Band 9/2: § 418; Band 11: § 401; Band 14/1: §211; Band 15: § 531.</ref> | ||
Bleibt hingegen das Selbst dem Ich ganz unbewusst, so hält sich dieses bereits selbst für das Ganze, was Jung als Gefahr für die psychische Gesundheit ansieht.<ref>C. G. Jung: ''Gesammelte Werke.'' Band 10: § 721''f.''</ref> Eine besondere Gefahr in der Beziehung zwischen Ich und Selbst bestehe darin, dass „das Ich vom Selbst assimiliert wird“ und somit das Bewusstsein wieder unbewusst, von unbewussten Kräften der Psyche verschlungen wird.<ref>C. G. Jung: ''Gesammelte Werke.'' Band 9/2: § 44; vergleiche Band 13 § 422.</ref> Zwischen diesen beiden Gefahren von Abgeschnittenheit von und Überwältigtsein durch das Selbst müsse das Ich balancieren, denn „es ist in Wirklichkeit immer beides vorhanden: die Übermacht des Selbst und die Hybris des Bewußtseins.“<ref>C. G. Jung: ''Gesammelte Werke.'' Band 11: § 391.</ref> | Bleibt hingegen das Selbst dem Ich ganz unbewusst, so hält sich dieses bereits selbst für das Ganze, was Jung als Gefahr für die psychische Gesundheit ansieht.<ref>C. G. Jung: ''Gesammelte Werke.'' Band 10: § 721''f.''</ref> Eine besondere Gefahr in der Beziehung zwischen Ich und Selbst bestehe darin, dass „das Ich vom Selbst assimiliert wird“ und somit das Bewusstsein wieder unbewusst, von unbewussten Kräften der Psyche verschlungen wird.<ref>C. G. Jung: ''Gesammelte Werke.'' Band 9/2: § 44; vergleiche Band 13 § 422.</ref> Zwischen diesen beiden Gefahren von Abgeschnittenheit von und Überwältigtsein durch das Selbst müsse das Ich balancieren, denn „es ist in Wirklichkeit immer beides vorhanden: die Übermacht des Selbst und die Hybris des Bewußtseins.“<ref>C. G. Jung: ''Gesammelte Werke.'' Band 11: § 391.</ref> | ||
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Der Umgang mit dem (eigenen) Unbewussten hat sich laut Erich Fromm mit Freud und seinen diesbezüglichen Forschungen verändert. Der Mensch werde nun damit konfrontiert, dass er selbst für sein Unbewusstes verantwortlich sei. Was zähle, seien die Handlungen, die für sich sprechen und etwas über die tiefer liegenden, wirklichen Motive aussagen und weniger die Worte.<ref>''[https://www.youtube.com/watch?v=E38YE7aXZ1o&t=300s Erich Fromm – Menschliches Wachstum.]'' (5:00–6:27). In: ''Erich Fromm Study Center Berlin – EFSC'' (YouTube-Kanal). Abgerufen am 15. Februar 2026.</ref> | Der Umgang mit dem (eigenen) Unbewussten hat sich laut Erich Fromm mit Freud und seinen diesbezüglichen Forschungen verändert. Der Mensch werde nun damit konfrontiert, dass er selbst für sein Unbewusstes verantwortlich sei. Was zähle, seien die Handlungen, die für sich sprechen und etwas über die tiefer liegenden, wirklichen Motive aussagen und weniger die Worte.<ref>''[https://www.youtube.com/watch?v=E38YE7aXZ1o&t=300s Erich Fromm – Menschliches Wachstum.]'' (5:00–6:27). In: ''Erich Fromm Study Center Berlin – EFSC'' (YouTube-Kanal). Abgerufen am 15. Februar 2026.</ref> | ||
Generell sieht Fromm eine große Gefahr im Passivsein des Menschen. Dieses werde durch die Konsumgesellschaft maßgeblich gefördert, indem Bedürfnisse produziert werden, die die Gier im Menschen nähren. Er beschreibt die Notwendigkeit, Arbeit und Freizeit so zu organisieren, dass es dem menschlichen Wachstum zugutekommt und nicht der Mensch der Industrie hin dient und im Ausgleich dazu in der Freizeit seinen egoistischen Neigungen nachgeht. Es müssten die Bedürfnisse gesteigert werden, die den Menschen freier machen, ihn zur Selbstaktivität anregen und ihn lebendig halten.<ref>''[https://www.youtube.com/watch?v=E38YE7aXZ1o&t=825s Erich Fromm – Menschliches Wachstum.]'' (13:45–19:57).</ref> | Generell sieht Fromm eine große Gefahr im Passivsein des Menschen. Dieses werde durch die Konsumgesellschaft maßgeblich gefördert, indem Bedürfnisse produziert werden, die die Gier im Menschen nähren. Er beschreibt die Notwendigkeit, Arbeit und Freizeit so zu organisieren, dass es dem menschlichen Wachstum zugutekommt und nicht der Mensch der Industrie hin dient und im Ausgleich dazu in der Freizeit seinen egoistischen Neigungen nachgeht. Es müssten die Bedürfnisse gesteigert werden, die den Menschen freier machen, ihn zur Selbstaktivität anregen und ihn lebendig halten.<ref>''[https://www.youtube.com/watch?v=E38YE7aXZ1o&t=825s Erich Fromm – Menschliches Wachstum.]'' (13:45–19:57).</ref> | ||
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[[w:Maria Montessori |Maria Montessori]] prägte den in verschiedenen Versionen bekannt gewordenen Leitsatz an den Erziehenden: „Hilf mir, es selbst zu tun.“<ref>P. Oswald, G. Schulz-Bennesch (Hrsg.): ''Maria Montessori. Die Entdeckung des Kindes. Selbsttätige Erziehung im frühen Kindesalter.'' 11. Auflage. Freiburg i. Br. 1994.</ref> | [[w:Maria Montessori |Maria Montessori]] prägte den in verschiedenen Versionen bekannt gewordenen Leitsatz an den Erziehenden: „Hilf mir, es selbst zu tun.“<ref>P. Oswald, G. Schulz-Bennesch (Hrsg.): ''Maria Montessori. Die Entdeckung des Kindes. Selbsttätige Erziehung im frühen Kindesalter.'' 11. Auflage. Freiburg i. Br. 1994.</ref> | ||
Rudolf Steiner, Begründer der Waldorfpädagogik spricht davon, dass jede Erziehung Selbsterziehung sei. So ist der Erziehende gefordert, sich selbst so zu erziehen, dass er im günstigsten Maße auf das Kind wirke, denn „Sie glauben gar nicht, wie gleichgültig es im Grunde genommen ist, was man als Erzieher oberflächlich redet oder nicht redet, und wie stark es von Belang ist, wie man als Erzieher selbst ist.“<ref>Rudolf Steiner: ''Heilpädagogischer Kurs.'' GA 317. 8. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-3171-7, S. 35. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_317.pdf#page=35&view=Fit Online])</ref> Es gehe darum, eine möglichst adäquate Umgebung für das sich selbst erziehende Kind zu schaffen und zu dieser Umgebung gehören in erster Linie die Menschen um das Kind herum: | Rudolf Steiner, Begründer der Waldorfpädagogik spricht davon, dass jede Erziehung Selbsterziehung sei. So ist der Erziehende gefordert, sich selbst so zu erziehen, dass er im günstigsten Maße auf das Kind wirke, denn „Sie glauben gar nicht, wie gleichgültig es im Grunde genommen ist, was man als Erzieher oberflächlich redet oder nicht redet, und wie stark es von Belang ist, wie man als Erzieher selbst ist.“<ref>Rudolf Steiner: ''Heilpädagogischer Kurs.'' GA 317. 8. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-3171-7, S. 35. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_317.pdf#page=35&view=Fit Online])</ref> Es gehe darum, eine möglichst adäquate Umgebung für das sich selbst erziehende Kind zu schaffen und zu dieser Umgebung gehören in erster Linie die Menschen um das Kind herum: | ||
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Bereits in der Antike setzten sich Menschen intensiv mit Fragestellungen zur Selbsterkenntnis auseinander, die als Grundlage für die Entwicklung des Selbst gilt. Davon zeugt die Inschrift am Apollontempel von Delphi: ''Gnothi Seautón'', deutsch „Erkenne dich selbst“. | Bereits in der Antike setzten sich Menschen intensiv mit Fragestellungen zur Selbsterkenntnis auseinander, die als Grundlage für die Entwicklung des Selbst gilt. Davon zeugt die Inschrift am Apollontempel von Delphi: ''Gnothi Seautón'', deutsch „Erkenne dich selbst“. | ||
Für [[w:Sokrates|Sokrates]] (469 v. Chr. – 399 v. Chr.) ist Selbsterkenntnis die Bedingung für Sittlichkeit.<ref> | Für [[w:Sokrates|Sokrates]] (469 v. Chr. – 399 v. Chr.) ist Selbsterkenntnis die Bedingung für Sittlichkeit.<ref>Rudolf Eisler: [http://www.zeno.org/Eisler-1904/A/Selbsterkenntnis?hl=sokrates+selbsterkenntnis ''Wörterbuch der philosophischen Begriffe.''] In: ''Zeno.org.'' Band 2. Berlin 1904, S. 354. Abgerufen am 15. Februar 2026.</ref> So fordert er dazu auf, nicht den Fehler zu begehen, vor den Türen Anderer zu kehren und das Kehren vor der eigenen Tür zu vernachlässigen, wie es die meisten Menschen tun. Sowohl auf sich selbst als auch auf den Staat solle man achten und, wo möglich, etwas zu seiner Besserung beitragen.<ref> [https://projekt-gutenberg.org/authors/xenophon/books/xenophons-erinnerungen-an-sokrates/chapter/26/ ''Xenophons Erinnerungen an Sokrates. Buch 3, Kapitel 7.''] In: ''Projekt Gutenberg.'' Verlag von Philipp Reclam jun. Abgerufen am 15. Februar 2026.</ref> | ||
[[w:Immanuel Kant|Immanuael Kant]] sieht die moralische Selbsterkenntnis als oberste Pflicht gegenüber sich selbst, die er wegen der erforderlichen Anstrengungen auch als „Höllenfahrt“ bezeichnet: | [[w:Immanuel Kant|Immanuael Kant]] sieht die moralische Selbsterkenntnis als oberste Pflicht gegenüber sich selbst, die er wegen der erforderlichen Anstrengungen auch als „Höllenfahrt“ bezeichnet: | ||
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* Erich Fromm: ''Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft.'' 44. Auflage. dtv, München 2017, ISBN 978-3-423-34234-6. | * Erich Fromm: ''Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft.'' 44. Auflage. dtv, München 2017, ISBN 978-3-423-34234-6. | ||
* Heinz Grill: ''Die Signaturen der Planeten und die seelisch-geistige Entwicklung in der Pädagogik.'' 1. Auflage, Lammers-Koll-Verlag, Radolfzell/Bodensee 2012, ISBN 978-3-935925-38-9. | * Heinz Grill: ''Die Signaturen der Planeten und die seelisch-geistige Entwicklung in der Pädagogik.'' 1. Auflage, Lammers-Koll-Verlag, Radolfzell/Bodensee 2012, ISBN 978-3-935925-38-9. | ||
* Hubertus Mynarek: ''Werte und Humanität. Ihre Bedeutung für das Werden der Persönlichkeit.'' Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2021, ISBN: 978-9-488030-4-9. | * Hubertus Mynarek: ''Werte und Humanität. Ihre Bedeutung für das Werden der Persönlichkeit.'' Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2021, ISBN: 978-9-488030-4-9. | ||
* Ludwig Meindl: ''Der Mensch am Scheideweg.'' Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2018, ISBN 978-3-9819041-4-7. | * Ludwig Meindl: ''Der Mensch am Scheideweg.'' Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2018, ISBN 978-3-9819041-4-7. | ||
* Peter Selg: ''Die Kultur der Selbstlosigkeit.'' 3. Auflage. Verlag am Goetheanum, Dornach 2010, ISBN 978-3-7235-1419-1. | * Peter Selg: ''Die Kultur der Selbstlosigkeit.'' 3. Auflage. Verlag am Goetheanum, Dornach 2010, ISBN 978-3-7235-1419-1. | ||
Aktuelle Version vom 30. April 2026, 22:34 Uhr
Inwendig lernt kein Mensch sein Innerstes |
Selbst ist ein Begriff mit unterschiedlichen Bedeutungen zwischen den und innerhalb der Anschauungen der Psychologie, Philosophie, Theologie, Soziologie und Pädagogik. An ein allgemeinsprachliches Verständnis von „selbst-“ als rückbezüglich, reflektierend oder selbstbezogen anknüpfend, bezeichnet man das zur Selbstbeobachtung fähige, scheinbar konsistent fühlende, denkende und handelnde Wesen des Ichs als Selbst. In der Psychologie und zum Teil der Religionswissenschaft und Theologie wird das Selbst oft substanziell oder funktional als Zentrum der menschlichen Persönlichkeit verstanden.[2]
Die Ansichten über den Begriff „Selbst” unterscheiden sich zum Teil stark. Beispielsweise wird oftmals in der modernen Esoterik das höhere Selbst als im Menschen inne liegend bezeichnet und dementsprechend wird unter der Selbstverwirklichung ein „Re-Aktivieren“ des bereits vorhandenen Potentials verstanden.
Aus einer geisteswissenschaftlichen Sichtweise hingegen ist das Selbst des Menschen zwar in diesem keimhaft angelegt, jedoch im Werden begriffen und muss durch aktive Entwicklungsschritte zur Entfaltung gebracht werden.
Begriffsherkunft
Das Wort „Selbst“ hat sich aus dem althochdeutschen „selb“ entwickelt, welches in der Funktion eines Pronomens einen Bezug auf ein Individuum herstellte. Das substantivierte und auch psychologisch und ethisch verstandene „Selbst“ hat sich zunächst im Englischen als “the self“ im Sinne von “a person’s essential being” und “object of introspection“ (New Oxford Dictionary) entwickelt. Daran angelehnt entstanden dann wiederum im Deutschen im 18. Jahrhundert das Substantiv „Selbst“ und in der Folge dessen zahlreiche Ableitungen und Komposita.[3] Laut dem Wörterbuch der deutschen Mundart stammt der Begriff „Selbst“ von der Ableitungssilbe „sal“ ab, ebenso wie der Begriff „Seele“.[4]
Selbst, Ich und Ego
Die sehr umfassende Bezeichnung des Selbst beinhaltet verschiedene Stufen des menschlichen Individuums und wird oftmals synonym mit dem Begriff des „Ich“ benannt.
Als Ego (lateinisch „Ich“) wird meist der niedere Anteil des Ich bezeichnet, der aus spiritueller Sicht zu überwinden ist. Der Egoismus wird als die Wurzel allen Leidens gesehen und erst wenn dieser beseitigt ist, strahlt das höchste Selbst, das Göttliche im und durch den Menschen.[5]
Rudolf Steiner verwendet für das Ich das Bild des zweischneidigen Schwertes. Zum Einen ist es Ursache für die Ich-Bezogenheit (Egoismus), die sich auf die Befriedigung aller persönlichen Wünsche ausrichtet und den Menschen von seinen Mitmenschen trennt. Zum Anderen kann der Mensch durch sein Ich zu einer Unabhängigkeit und inneren Freiheit gelangen, was ihn in seinem Menschsein erhöht. Es liegt in ihm die Anlage zum Göttlichen, die es zu entfalten gilt und die mit einer wachsenden Liebesfähigkeit einhergeht.[6]
Heinz Grill spricht von einem werdenden Ich oder Selbst, das nichts mit physischen oder psychischen Bedingungen zu tun hat und sich unabhängig von diesen in jedem Augenblick auf souveräne Weise im geistigen Sein des Menschen bildet. Es ist im Geistigen tätig und zugleich ist es reine Geistigkeit.[7]
In diesem Sinne beschreiben sowohl der Begriff Ich als auch der Begriff Selbst eine höhere Instanz des Menschen, die es ihm ermöglicht, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Das Ego kann hierbei als Motivator gesehen werden, wenn es durch Selbstreflexion die persönlichen Schwächen offenbart und dazu anregt, eine bewusste Führungskraft zu entwickeln.[8]
Verschiedene Aspekte des Selbst
Das biologische Selbst

Die Biologie definiert aus naturwissenschaftlicher Sicht das Ich oder Selbst mit drei Erklärungsansätzen, durch die sich der individuelle Mensch in seiner Einzigartigkeit von seiner Umgebung abgrenzen lässt: sein Gehirn, sein Immunsystem und seine Erbinformationen.
Beispielsweise bildet sich durch Immunreaktionen in ständiger Auseinandersetzung und Unterscheidungsbildung von Körperfremdem und Körpereigenem ein sogenanntes „biologisches Selbst“ heraus.[9]
Das dadurch entstehende Bild eines klar abgrenzbaren und individuellen Ichs wird jedoch durch das relativ neue wissenschaftliche Forschungsfeld zu Metaorganismen, das das Zusammenwirken des menschlichen Organismus mit Mikroorganismen erforscht, in Frage gestellt. Der menschliche Organismus besteht ca. 50 % aus bakteriellen Zellen, sodass das, was ursprünglich als ein Teil des menschlichen Selbst angesehen wurde, größtenteils „Nicht-Selbst“, also bakteriellen Ursprungs ist. Dies gilt sowohl für das Immunsystem, als auch für Prozesse im Gehirn und die menschlichen Erbinformationen, auf welche Mikroorganismen direkt oder indirekt Einfluss nehmen.[10]
Das zerebrale Selbst

In der Neurowissenschaft existiert die Vorstellung, dass das Gehirn das einzige körperliche Organ wäre, das der Mensch benötigt, um er selbst zu sein. Lange Zeit ging man davon aus, dass bei einer Hirntransplantation nicht Person A ein neues Gehirn von Person B bekäme, sondern das Gehirn von Person B mit Person A einen neuen Körper.[12]
Seit der Möglichkeit, das Gehirn und seine Aktivitäten im Zusammenhang mit Denk-, Gefühls- und Handlungsprozessen detailliert zu beobachten, wird das Bewusstsein und die Persönlichkeit des Menschen zunehmend neurobiologisch erklärt. Psychische Erkrankungen werden beispielsweise damit vermehrt zu Gehirnfunktionsstörungen und können, so die Annahme, wirksam pharmakologisch behandelt werden.[13]
Für das Abrufen von Selbsterkenntnis erscheinen zwei Bereiche im Gehirn wichtig: der mediale präfrontale Kortex und der mediale hintere parietale Kortex.[14] Es wird angenommen, dass der hintere cinguläre Kortex, der vordere cinguläre Kortex und der mediale präfrontale Kortex zusammenwirken, um dem Menschen die Fähigkeit zur Selbstreflexion zu verleihen. Auch der insuläre Kortex soll an diesem Prozess der Selbstreferenz beteiligt sein.[15]
Die Idee eines „zerebralen Subjekts“ besitzt derzeit eine große Wirkungsmacht, sodass Behauptungen aus den Neurowissenschaften, sie könnten unsere Auffassung vom menschlichen Selbst neu definieren, widerspruchslos hingenommen werden, obwohl nur wenige, meist zweifelhafte Belege hierfür vorliegen.[16]
Das äußere Selbst
Das Selbst, mit dem der Mensch sich gewöhnlich identifiziert, wird geprägt durch gesellschaftliche, kulturelle, epochale, familiäre u. a. Elemente.
In der Adoleszenz, in der die Identitätsentwicklung eine zentrale Rolle spielt, ist aus medizinisch-psychiatrischer Sicht dieser Identifikations-Mechanismus sehr wichtig. Er beschreibt eine Art Rollenübernahme als Resultat einer Suche nach „psychosozialen Experimentierfeldern, Handlungsanleitungen und Idealen.“[17]
Ist der Jugendliche von einer bestimmten Person fasziniert, so verbindet er sich emotional mit dieser und möchte die gleiche Rolle, das gleiche Verhalten oder Ähnliches annehmen. Die meisten wichtigen Lebensentscheidungen werden aufgrund solcher Identifikationen vorbereitet und weniger durch ein abwägendes, rationales Planen getroffen.[17]
Identifikationsprozesse dienen also einem Entwicklungsprozess des Selbst, bei welchem externe Normen, Verhaltensweisen und Werte in das eigene Selbstbild integriert werden (Internalisierung).[19]
Das niedere Selbst
Das niedere Selbst, auch Ego oder niedere Natur des Menschen genannt, bezeichnet die Ebene im Menschen, in der das Streben nach Befriedigung der eigenen Bedürfnisse und nach weltlichem Genuss eine zentrale Stellung einnimmt.
Sigmund Freud benennt diese Instanz in seinem Strukturmodell der Psyche als „Es“. Dieses sei das archaische Erbe jedes Menschen, das einen unzugänglichen Teil seiner Persönlichkeit darstellt, der nur indirekt, beispielsweise über das Studieren der Traumarbeit erschlossen werden kann. Es handelt sich dabei um eine Instanz, die dem eigentlichen Ich fremd ist und daher von Freud als „Es“ bezeichnet wird.[20]
Dieser fremde Anteil gilt in der indischen Yoga-Lehre als der größte Feind des Menschen. So beschreibt Swami Sivananda in seinem Werk Sadhana den Egoismus als verhängnisvolle Illusion, der aus Unwissenheit entsteht und allerlei Ängste und Sorgen produziert. Durch ihn entstehen falsche Handlungen, die wiederum Leid verursachen. Der Egoismus erniedrige den Menschen auf die Stufe des Tieres. Diese niedere Natur gilt es, durch spirituelle Übungen zu überwinden.[21]
Rudolf Steiner beschreibt, ähnlich wie Freud, dass der Mensch gewöhnlich seine niedere Natur nicht wahrnehmen kann, da er in dieser „drinnensteckt“. Erst wenn er durch Entwicklungsschritte in seine höhere Natur hinaufsteigt, tritt er aus der niederen Natur heraus und diese löst sich als eigenständige Wesenheit von ihm. Dieses vom Menschen selbst geschaffene Wesen nennt er den Hüter der Schwelle, der ab diesem Zeitpunkt der Entwicklung einer aktiven Verwandlung bedarf.[22]
Das falsche Selbst
Donald Winnicott (1960) prägte den Ausdruck „falsches Selbst“ und beschreibt damit eine innerpsychische Konstellation, die das Ziel hat, das „wahre Selbst” zu schützen.[23] Es handelt sich um das Ergebnis einer erhöhten Anpassungsbereitschaft, die unterschiedliche Ausprägungen annehmen kann. Dies kann bis zu einer Persönlichkeitsstörung führen, die die Betroffenen schon in ihrer frühen Kindheitsphase als Abwehr und Schutz ihres „wahren Selbst“ entwickeln und nutzen.[24]
Winnicott beschrieb die Folgen einer überstarken Wirkung dieses Abwehrkonzeptes anhand einer Fallgeschichte. Ein „falsches Selbst“ werde vom „wahren Selbst“ gebildet, um sich zu tarnen und zu schützen. Jedoch werde das „falsche Selbst“ zu der die (psychische) Realität beherrschenden Form. Auf diese Weise sei das „wahre Selbst“ nicht mehr an den Interaktionen mit der Realität beteiligt und könnte gerade deshalb die Kontinuität des seelischen Seins (seinen Ist-Zustand) bewahren. Ein verborgenes wahres Selbst litte jedoch unter einer Verarmung, die auf mangelnder Erfahrung beruhe.
Wie stark gesellschaftliche Normen an einer Entfremdung beteiligt sind, zeigt Erich Fromm auf, indem er feststellt:
- „Die Normalsten sind die Kränkesten. Und die Kranken sind die Gesündesten. […] Der Mensch, der krank ist, zeigt, daß bei ihm gewisse menschliche Dinge noch nicht so unterdrückt sind, daß sie nicht in Konflikt kommen können mit den Mustern der Kultur[.] […] Aber sehr viele Menschen, das heißt: die Normalen, sind so angepaßt, die haben so alles, was ihnen eigen ist, verlassen, die sind so entfremdet, sind so zum Instrument, sind so roboterhaft geworden, daß sie schon gar keinen Konflikt mehr empfinden.“[25]
Das exekutive Selbst
Vilaynur S. Ramachandran und Sandra Blakeslee sprechen von einem exekutiven Selbst (entsprechend dem englischen Wort executive = ausführend), das die Handlungsplanung und Differenzierung der Interaktion mit der Welt je nach Realitätskonstellation verantworte.[26] Es zeichne sich durch eine gewisse Souveränität aus, denn ein Selbst, das von Trieben gedrängt werde, sei kein Selbst (also kein souveränes Ich). Es müsse so etwas wie einen freien Willen besitzen. Um diese Koordination leisten zu können, müsse das Selbst nach Ramachandran sowohl eine Repräsentation der Welt als auch eigener Strukturen (also ein Selbst- und Weltbild) besitzen.[27]
Auch Jaques Lusseyran beschreibt das Tätigsein als grundlegend und sogar existenziell für das menschliche Selbst (bzw. Ich) das bei fehlender Aktivität eine Schwächung erlebt:
- „Unser Ich ist leicht vergänglich, weil es jedesmal abnimmt, wenn es nicht tätig ist.“[28]
Das soziale Selbst
(Darstellung und Bezeichnung der Felder weichen je nach Literatur ab)
Der Soziologe Charles Cooley entwickelte um 1900 herum das Looking-glass self: Der Mensch erkenne sich selbst „im Spiegel seines Gegenübers“, also durch soziale Reaktionen.[29]
Eine in der Sozialpsychologie bekannte, gruppendynamische Methode ist das sogenannte Johari-Fenster. Dieses Verfahren veranschaulicht die Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung und zeigt insbesondere den „blinden Fleck“ auf. Es geht davon aus, dass durch das Lernen innerhalb gruppendynamischer Prozesse sich der Handlungsspielraum einer Person vergrößert, je mehr sie einerseits Erkenntnisse über sich durch das Feedback Anderer gewinnt und andererseits sich den Anderen öffnet. Bisher Unbewusstes wird dadurch bewusst und handhabbar.[30]
Auch für die Völkerverständigung hat dieser Bewusstmachungsprozess eine große Bedeutung. So besitzt jeder Mensch ein meist unbewusstes, nicht hinterfragtes Selbstverständnis, das die eigene Lebenseinstellung und kollektive Haltung zur Kultur umfasst und in jedem Handlungszusammenhang zum Ausdruck kommt. Laut Hans Köchler wächst das Bewusstsein gerade auch im Vergleich und in der Abhebung von Anderem und je vielfältiger die Bezüge gesetzt werden, desto reifer und differenzierter wird das Selbstverständnis. Davon ausgehend plädiert Köchler dafür, das Konzept der humanistischen Bildung ganz neu zu überdenken und auch im Bereich der Außenpolitik eine „Kulturdiplomatie“ zu entwickeln, die dabei hilft, durch eine Position der Vermittlung zwischen ideologischen Blöcken einzunehmen:
- „Indem das kulturelle Selbstverständnis einer Nation sich in Wechselwirkung mit den „transzendenten“ kulturellen Traditionen herausbildet, ist die Bemühung um die Standortbestimmung einer Kultur immer schon ein Beitrag zu einem globalen Dialog. Die Verschiedenheiten sind dann nicht mehr Grund zu chauvinistischer Profilierung (Selbstdarstellung), sondern Voraussetzung für ein vertieftes Verständnis der eigenen Position und somit Hinweis auf die Möglichkeit der Begegnung mit einem neuen Aspekt kultureller Selbstverwirklichung. Dies schließt den Abbau einer aggressiven Haltung ein. Es ist ein nicht zu unterschätzender Beitrag zu einer universalen Friedenspolitik.“[31]
Auch der Religionsphilosoph Martin Buber beschreibt das Gegenüber als grundlegend für die Ich-Entwicklung. Das Ich wird erst am Du wirklich zum Ich. Für diese Begegnung ist es notwendig, jegliches zweckmäßige Denken zu überwinden:
- „Die Beziehung zum Du ist unmittelbar. Zwischen Ich und Du steht keine Begrifflichkeit, kein Vorwissen und keine Phantasie; und das Gedächtnis selber verwandelt sich, da es aus der Ein-zelung in die Ganzheit stürzt. Zwischen Ich und Du steht kein Zweck, keine Gier und keine Vorwegnahme; und die Sehnsucht selber verwandelt sich, da sie aus dem Traum in die Erscheinung stürzt. Alles Mittel ist Hindernis. Nur wo alles Mittel zerfallen ist, geschieht die Begegnung.”[32]
Mit der Überwindung der egoistischen Gier, des vereinnahmenden, zweckgebundenen Denkens überwindet der Mensch gewissermaßen sich selbst, wie es in der Bhagavadgita III,43 heißt:
- evaṁ buddheḥ paraṁ buddhvā saṁstabhyātmānam ātmanā jahi śatruṁ mahā-bāho kāma-rūpaṁ durāsadam
- „Indem du zu dem Höchsten erwachst durch jenes Verstehen, das noch über dem urteilenden Verstand steht, und Macht ausübst auf das Ich durch das Selbst, um es fest und still zu machen, erschlage, o Starkarmiger, diesen Feind in Gestalt des Begehrens, den man so schwer zu fassen bekommt.“[33]
Gelingt die Selbstüberwindung, so wird es laut Rudolf Steiner möglich, in das Wesen des anderen „unterzutauchen“ und dabei nicht sich selbst mit den eigenen Interessen zu suchen, sondern den Anderen bedeutungsvoller als sich selbst zu finden. Es ist wie eine Art erweiterter Egoismus, bei dem die Weltinteressen zu den eigenen Interessen werden.[34]
Das höhere Selbst
Der Begriff „Höheres Selbst“ (auch „höheres Bewusstsein“ genannt) wird meist verwendet, um einen Zustand der Befreiung von den Beschränkungen des Egos zu beschreiben sowie einen Zustand mystischer Erfahrung, in dem die empfundene Trennung zwischen dem isolierten Selbst und der Welt oder Gott überwunden wird. Er kann sich auch auf einen Zustand erhöhter Wachsamkeit oder des Eröffnens einer neuen Perspektive beziehen.[35] Obwohl der Ursprung des Konzeptes und seiner verschiedenen Praktiken weit in der Zeit zurückliegt, wurde es als zentraler Begriff in der zeitgenössischen populären Spiritualität, einschließlich der New-Age-Bewegung, erheblich weiterentwickelt.
Friedrich Schleiermacher (1768–1834) unterschied zwischen einem niedrigen und einem höheren Selbstbewusstsein. Das niedere Selbstbewusstsein ist für ihn „der tierische Teil des Menschen“, der grundlegende Empfindungen wie Hunger, Durst, Schmerz und Lust sowie basale Triebe umfasst, während das höhere Selbstbewusstsein nach den Worten der Theologin Dawn DeVries „der Teil des Menschen ist, der in der Lage ist, tierische Instinkte zu überwinden“ und als „Berührungspunkt mit Gott“ bezeichnet werden kann. Bunge beschreibt dies als „das Wesen des Menschseins”.[36] Wenn dieses Bewusstsein vorhanden ist, „sind die Menschen nicht durch ihre Instinkte von Gott entfremdet”. Die Beziehung zwischen dem niederen und dem höheren Bewusstsein ähnelt „Paulus' Kampf des Geistes, das Fleisch zu überwinden” oder der Unterscheidung zwischen der natürlichen und der spirituellen Seite des Menschen.[37]
Helena Petrovna Blavatsky, die Begründerin der theosophischen Bewegung, definierte das höhere Selbst offiziell als „Atma, den untrennbaren Strahl des Universums und das eine Selbst. Es ist der Gott über uns, mehr als in uns“:
- „Durch diese höhere Intuition, die durch Theosophia – oder Gotteserkenntnis – erworben wurde und den Geist von der Welt der Formen in die Welt des formlosen Geistes führte, war der Mensch in jedem Zeitalter und in jedem Land manchmal in der Lage, Dinge in der inneren oder unsichtbaren Welt wahrzunehmen.“[38]
Der Hellseher Edgar Cayce bezeichnete das höhere Bewusstsein als „das Christus-Muster”. Es beschreibt die Überzeugung, dass ein gewöhnlicher Mensch sich darauf einstimmen kann, das gleiche spirituelle Niveau zu erreichen wie der historische Jesus.[39]
Die Idee des „niederen“ und „höheren“ Bewusstseins hat in der modernen Spiritualität an Popularität gewonnen.[40] Hierbei gilt das Höhere Selbst oftmals als etwas, das tief im einzelnen Menschen ruht und mit dem man sich durch Versenkung in die eigene Innenwelt verbinden kann. Das rationale Denken gilt als störend für diesen Prozess und soll zum Schweigen gelangen.[41]
Ganz anders beschreibt Rudolf Steiner die Entwicklung zum Höheren Selbst. Dies habe nichts mit einem „In-sich-Hineinbrüten“ zu tun, denn da würde man nur den „kleinen Menschen finden, den Sie selbst zum Gott aufbauschen“. Vielmehr ginge es darum, sich in die Welt und ihre Erscheinungen zu vertiefen, was ein zunächst unbequemes und konkretes Arbeiten erfordere.[42]
Auch nach Sri Aurobindo ist es nur durch die Überwindung des Ego und durch das Streben nach tieferer Erkenntnis möglich, zu einer neuen Einheit mit dem Göttlichen zu gelangen:
- „Jenes neue Leben und jene neue Macht des integralen menschlichen Selbsts muß notwendigerweise auf wirklicher Einsicht in die großen Wahrheiten beruhen, die eine Übersetzung der Natur des göttlichen Seins in unsere Art des Erfassens der Dinge sind. Das muß dadurch geschehen, daß das Ich auf seinen falschen Standpunkt und seine falschen Gewißheiten verzichtet, in die richtige Beziehung und Harmonie zu den Totalitäten eintritt, deren Teil es bildet, und zu den Transzendenzen, denen es entstammt.“[43]
Sri Aurobindo spricht davon, dass wir eine „falsche Buchhaltung“ führen. Einen ersten Schritt, die Abrechnung zu korrigieren, sieht er darin, dass der Ich-Anspruch des Menschen zurückweicht, er selbst seine Unwissenheit akzeptiert und anerkennt, dass er nur eine Teilbewegung einer unendlichen Bewegung ist. Gleichzeitig jedoch ist es notwendig einzusehen, dass er in seinem wahren Selbst eins ist mit dieser Gesamtbewegung und keinen untergeordneten Wert ihr gegenüber darstellt. Überall, wo der Mensch eine abgesonderte Stellung einnimmt und versucht, zu unabhängigen Harmonien zu kommen, entstehe Disharmonie. Jedes Instrument müsse sich von selbst in die Gesamtheit des Orchesters einfügen, so Aurobindo.[43]
Diese aktiven Entwicklungsschritte, die der Mensch für die Entwicklung seines höheren Selbst leisten muss, gliedert Heinz Grill gemäß der indischen Lehre in drei Stufen:
- Manas beschreibt die Entwicklung eines erweiterten logischen Denkens gemäß geistiger Gesetzmäßigkeiten. In dieser Art des Denkens erbaut der Mensch bewusste Vorstellungsbilder, die in einem logischen Zusammenhang stehen. Dieses Denken unterscheidet sich von dem rein intellektuellen Denken, das sich noch in einem reflektierenden, gewohnten Ablauf befindet. Manas bedeutet einen schöpferisch-aktiven Denkprozess.[44]
- Mit Buddhi ist ein fundiertes Urteilsvermögen gemeint, für das der Mensch nicht nur den Intellekt gebraucht, sondern durch ein unterscheidendes Denken ein tieferes Wahrheitsempfinden ausprägen muss. Dieses Wahrheitsfühlen bezieht sich nicht nur auf spirituelle Themen, sondern ist in jeder Berufsfachkunde ein Ideal, das der Mensch anstreben kann.[45]
- Atman beschreibt die höchste Stufe der Selbstverwirklichung, das realisierte Selbst. In den frühen indischen Schriften der Upanishaden meint Atman die einzelne Seele, die jedoch nicht getrennt ist von der Weltenseele (Brahman). Der individuelle Wille wird zum Weltenwille, wenn der Mensch nicht mehr in kleinlichem Egoismus tätig ist, sondern mutig höchste Moralität erstrebt und nach dieser handelt.[46]
Das Selbst in der Religion
Buddhismus
Im Buddhismusgilt die Anatta-Lehre – die Lehre vom Nicht-Selbst – als unverzichtbare Grundlage und wird als eines der drei Daseinsmerkmale bezeichnet.[47] „Der Begriff «Selbst» bezeichnet eine beständige, unwandelbare Identität, doch da es, wie der Buddhismus sagt, nichts gibt, das beständig ist, und da das, was wir üblicherweise als Selbst bezeichnen, vollkommen aus Nicht-Selbst-Elementen besteht, gibt es in Wirklichkeit keine Entität, die Selbst genannt werden könnte.“[48] Der Glaube an eine beständige Ich- oder Selbstheit gilt im Buddhismus als eines der Geistesgifte, unter dessen Einfluss das menschliche Bewusstsein einer grundlegenden Täuschung unterliege.[49] Ziel der buddhistischen Meditation ist es, diese Täuschung zu durchschauen und dadurch zur Erfahrung der wahren menschlichen Natur zu gelangen.
Hinduismus
Nach hinduistischer Auffassung gibt es einen Makrokosmos und einen Mikrokosmos, die nach dem gleichen Plan aufgebaut sind. Der Urgrund, Brahman, gilt als das höchste Wesen und wird oftmals auch als Seele von Mikro- und Makrokosmos bezeichnet.
Die Upanishaden sprechen von zwei Seelen, die im Menschen leben: Atman (auch Paramatman genannt), die „wirkliche Seele“, die Brahman entspricht und die „scheinbare Seele“, Jivatman. Jivatman ist die verkörperte Seele, das Ego-Selbst, auch beschrieben als Nicht-Selbst, während Atman als wahres Selbst gilt.[51]
Im Hinduismus wird der Mensch anhand von drei Körpern charakterisiert:
- der sterblichen, physischen Hülle (auch genannt Sthula Sharira),
- dem feinstofflichen Körper (Sukshma Sharira), in dem auch alle Erinnerungen gespeichert sind und der nach dem Tod weiterexistiert,
- dem Kausalkörper (Karana Sharira), der durch das Ego-Bewusstsein gekennzeichnet ist.
Alle drei Körper dienen der Erfüllung von grobstofflichen und feinstofflichen Wünschen. Atman als das ewige, unzerstörbare Selbst unterscheidet sich von diesen drei Körpern. Die hinduistische Reinkarnationslehre besagt, dass beim Tode lediglich der Atman, gemeinsam mit der feinstofflichen Hülle, den physischen Körper verlässt.[51]
In der Bhagavad Gita wird mit dem Kampffeld bildhaft geschildert, wie der Mensch an eine Schwelle herankommt, bei der es nun um die Realisierung einer höheren Verpflichtung geht, die mit der irdischen Welt scheinbar im Widerspruch steht. Diese Schwellensituation ist oftmals verbunden mit einem Aufwallen von Emotionen und Zweifeln, die das Gemüt des Menschen vereinnahmen.[52] Das, was dem Menschen gefühlsmäßig nahe ist, offenbart sich als Feind und dasjenige, was seinem Gemüt am Schwersten anmutet, im Sinne seines höheren Selbst zu handeln, ist sein Freund, wie es im 6. Vers des 6. Kapitels heißt:
- bandhur ātmātmanas tasya yenātmaivātmanā jitaḥ anātmanas tu śatrutve vartetātmaiva śatruvat
- „Sein Selbst ist für den Menschen sein Freund, indem das Selbst durch das Selbst bezwungen worden ist. Wenn aber jemand nicht in Besitz seines (höheren) Selbstes ist, dann ist das (niedere) Selbst gleichsam ein Feind und handelt wie dieser.“[53]
Im 6. Kapitel, Vers 29 beschreibt die Bhagavad Gita, wie das Selbst in allen Wesen vorhanden ist und der Mensch, wenn er in seinem höheren Selbst gegründet ist, dies erkennen kann:
- sarva-bhūta-stham ātmānaṁ sarva-bhūtāni cātmani īkṣate yoga-yukta-ātmā sarvatra sama-darśanaḥ
- „Der Mensch, dessen Selbst im Yoga gegründet ist, erkennt das Selbst in allen Wesen und alle Wesen im Selbst. Er erkennt überall mit gleichgeartetem Blick.“[54]
Christentum
Im Christentum gilt Christus als großes Vorbild (Nachfolge Jesu). Gläubige beziehen sich auf verschiedene Aussagen Jesu, die eine entsprechende Aufforderung enthalten, ihm nachzufolgen. Damit verbunden ist immer eine Art Aufgabe des bisherigen Selbst:
- „Dann sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir nach! Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden. Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, aber sein Leben einbüßte?“[55]
Diese Nachahmung der Lebensweise Jesu Christi bis in die äußeren Umstände wurde im Besonderen im Mittelalter gepflegt. Ein bekanntes Beispiel ist Franz von Assisi, der sein Erbe ausschlug und ein Leben als Bettelmönch wählte. Aus dieser Zeit stammt auch das bekannte Werk Nachfolge Christi des Augustinermönches Thomas von Kempen (1380–1471), das nach der Bibel als meist verbreitetes und übersetztes Buch des Christentums gilt.[56]
Rudolf Steiner unterscheidet hierbei die Nachfolge Jesu von der Nachfolge Christi. Man könne in seinen menschlichen Eigenschaften dem Jesus ähnlich werden; will man jedoch dem Christus ähnlich werden, so gehe das nur im Sinne des paulinischen Ausspruches „Christus in mir“.[57]
In der Übersetzung Martin Luthers lautet dieser Bibelvers:
- „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir.“[58]
Christus wird hier laut Rudolf Steiner als das wirkliche Ich des Menschen charakterisiert:
- „Kein äußerer Name kann «mich», dieses Wesen, benennen; ein ganz anderer Name nur kann das ausdrücken: «Ich bin der Ich-bin!» Es gibt keine Möglichkeit, woanders den Namen zu finden des Sonnengeistes als in dem Menschen. Das, was als Ich im Menschen lebt, das ist das Christus-Wesen.“[59]
Diese Neugeburt, für die der Mensch alles, was ihn bisher in seiner Persönlichkeit geprägt hat (genetische Anlagen, sozial-gesellschaftliche Einflüsse und daraus resultierende Denk- und Verhaltensweisen etc.) überwinden muss, ist nach Heinz Grill in folgendem biblischen Ausspruch beschrieben:[60]
- „Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen. Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist.“
(Joh 3,5–6)[61]
Entwicklung des Selbst
In der Psychologie
Es existieren innerhalb der Psychologie zahlreiche Modelle und Ansichten zum Thema der Selbst- und Persönlichkeitsentwicklung, diese zu beschreiben in diesem Rahmen nicht gerecht werden kann. Generell wird das Selbst in der Psychologie als flexibles und dynamisches System aufgefasst, das sich sowohl aktualgenetisch, also beeinflusst vom situativen Kontext entwickelt als auch ontogenetisch über den gesamten Lebenslauf.
Ein markanter Punkt in der Selbstentwicklung stellt für die Psychologie die Selbstwahrnehmung im Sinne eines physischen Selbstkonzepts dar, beispielsweise das sich selbst Erkennen im Spiegel (Spiegeltest). Mit der Sprachentwicklung erfolgen vermehrt sprachliche Selbstbeschreibungen. Im Übergang zur Adoleszenz wird der Mensch fähig, abstrakte selbstbezogene Konzepte zu bilden, die sich in den Folgejahren kontextbedingt und rollenspezifisch ausdifferenzieren.[62]
In der Analytischen Psychologie nach Carl Gustav Jung (1875–1961) stellt das Selbst das Zentrum der menschlichen Psyche dar, die das menschliche Bewusstsein und Unbewusstes umfasst. Die Selbst-Erkenntnis des Ichs war für Jung die Selbstverwirklichung[63] im Laufe der Individuation des einzelnen Menschen.[64]
Bleibt hingegen das Selbst dem Ich ganz unbewusst, so hält sich dieses bereits selbst für das Ganze, was Jung als Gefahr für die psychische Gesundheit ansieht.[65] Eine besondere Gefahr in der Beziehung zwischen Ich und Selbst bestehe darin, dass „das Ich vom Selbst assimiliert wird“ und somit das Bewusstsein wieder unbewusst, von unbewussten Kräften der Psyche verschlungen wird.[66] Zwischen diesen beiden Gefahren von Abgeschnittenheit von und Überwältigtsein durch das Selbst müsse das Ich balancieren, denn „es ist in Wirklichkeit immer beides vorhanden: die Übermacht des Selbst und die Hybris des Bewußtseins.“[67]
Der Drang des Selbst, sich im Menschen zu verwirklichen, wird von Jung auch als dessen „Entelechie im Individuationsprozess“ bezeichnet:[68] auch „jenseits der Wünsche und Befürchtungen des Bewußtseins“[69] und mit großer Durchsetzungskraft, der zu folgen dem Bewusstsein größte Anstrengungen abverlange,[70] einschließlich moralischer Konflikte.[71] Jung betonte, dass Selbsterkenntnis notwendigerweise auch eine zutiefst soziale Angelegenheit sei: Im Gegensatz zur „Verhärtung des Massenmenschen“ schließe bewusste Individuation „den Mitmenschen ein“.[72] Außerdem sei das Selbst aufgrund seiner zugleich persönlichen und überpersönlichen Eigenschaften „paradoxerweise Quintessenz des Individuums und doch zugleich ein Kollektivum“.[73] Bezüglich dieser paradoxen Eigenschaft des Selbst zog Jung oft Parallelen zu dem indischen Atman.[74]
Der Umgang mit dem (eigenen) Unbewussten hat sich laut Erich Fromm mit Freud und seinen diesbezüglichen Forschungen verändert. Der Mensch werde nun damit konfrontiert, dass er selbst für sein Unbewusstes verantwortlich sei. Was zähle, seien die Handlungen, die für sich sprechen und etwas über die tiefer liegenden, wirklichen Motive aussagen und weniger die Worte.[75]
Generell sieht Fromm eine große Gefahr im Passivsein des Menschen. Dieses werde durch die Konsumgesellschaft maßgeblich gefördert, indem Bedürfnisse produziert werden, die die Gier im Menschen nähren. Er beschreibt die Notwendigkeit, Arbeit und Freizeit so zu organisieren, dass es dem menschlichen Wachstum zugutekommt und nicht der Mensch der Industrie hin dient und im Ausgleich dazu in der Freizeit seinen egoistischen Neigungen nachgeht. Es müssten die Bedürfnisse gesteigert werden, die den Menschen freier machen, ihn zur Selbstaktivität anregen und ihn lebendig halten.[76]
Letztendlich stelle sich die Frage:
- „Welche Entscheidung trifft der Mensch? Trifft er die Entscheidung, wenn Sie biblisch reden wollen, für Gott oder für Cäsar? Das klingt vielleicht sehr dramatisch, aber […] wenn man ernsthaft über das Leben spricht, wenn man damit sich ernsthaft beschäftigt, dann sind die Dinge sehr dramatisch. Nicht nur Tod und Leben im physischen Sinn; das nehmen wir alles als Drama auf, sondern das Lebendiger werden oder das Toter werden des Menschen in seinem Leben.“[77]
In der Pädagogik
In den verschiedenen pädagogischen Ansätzen spielt das zu entwickelnde Selbst des Menschen eine zentrale Rolle. Der Staatsmann und Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt (1767–1835) benennt das Einlassen auf etwas Fremdes als eine Voraussetzung, möchte der Mensch seine Individualität in eine wachsende Vollendung führen. Hierfür sei es notwendig, dass der Mensch die ganze äußere Welt auf sich als wahrnehmenden Mittelpunkt bezieht, wodurch sich die „Betrachtung aus der Unendlichkeit der Gegenstände in den engeren Kreis unsrer Fähigkeiten und ihres mannigfaltigen Zusammenwirkens“ flüchte.[78]
Bildung ist nach Humboldt eine rege und freie Wechselwirkung des Individuums mit der Welt, die niemals bewirkt, sondern nur angestoßen werden kann und die immer eine freie Eigenleistung darstellt.[79]
Auch Novalis äußerte sich in wenigen Zeilen zum Thema Bildung und spricht von einer indirekten Erziehung:
- „Erziehung von Kindern, wie Bildung eines Lehrlings – nicht durch directe Erziehung – sondern durch allmäliches Theilnehmen lassen an Beschäftigungen etc. der Erwachsenen.“[80]
Maria Montessori prägte den in verschiedenen Versionen bekannt gewordenen Leitsatz an den Erziehenden: „Hilf mir, es selbst zu tun.“[81]
Rudolf Steiner, Begründer der Waldorfpädagogik spricht davon, dass jede Erziehung Selbsterziehung sei. So ist der Erziehende gefordert, sich selbst so zu erziehen, dass er im günstigsten Maße auf das Kind wirke, denn „Sie glauben gar nicht, wie gleichgültig es im Grunde genommen ist, was man als Erzieher oberflächlich redet oder nicht redet, und wie stark es von Belang ist, wie man als Erzieher selbst ist.“[82] Es gehe darum, eine möglichst adäquate Umgebung für das sich selbst erziehende Kind zu schaffen und zu dieser Umgebung gehören in erster Linie die Menschen um das Kind herum:
- „Jede Erziehung ist Selbsterziehung, und wir sind eigentlich als Lehrer und Erzieher nur die Umgebung des sich selbst erziehenden Kindes. Wir müssen die günstigste Umgebung abgeben, damit an uns das Kind sich so erzieht, wie es sich durch sein inneres Schicksal erziehen muß."[83]
In der Philosophie
Bereits in der Antike setzten sich Menschen intensiv mit Fragestellungen zur Selbsterkenntnis auseinander, die als Grundlage für die Entwicklung des Selbst gilt. Davon zeugt die Inschrift am Apollontempel von Delphi: Gnothi Seautón, deutsch „Erkenne dich selbst“.
Für Sokrates (469 v. Chr. – 399 v. Chr.) ist Selbsterkenntnis die Bedingung für Sittlichkeit.[84] So fordert er dazu auf, nicht den Fehler zu begehen, vor den Türen Anderer zu kehren und das Kehren vor der eigenen Tür zu vernachlässigen, wie es die meisten Menschen tun. Sowohl auf sich selbst als auch auf den Staat solle man achten und, wo möglich, etwas zu seiner Besserung beitragen.[85]
Immanuael Kant sieht die moralische Selbsterkenntnis als oberste Pflicht gegenüber sich selbst, die er wegen der erforderlichen Anstrengungen auch als „Höllenfahrt“ bezeichnet:
- „Nur die Höllenfahrt des Selbsterkenntnisses bahnt den Weg zur Vergötterung.“[86]
In Bezug auf die Entwicklung der Mitmenschen beschreibt Goethe, wie essentiell die Haltung ist, die der Mensch zu seinem Gegenüber einnimmt:
- „Wenn wir […] die Menschen nur nehmen, wie sie sind, so machen wir sie schlechter; wenn wir sie behandeln, als wären sie, was sie sein sollten, so bringen wir sie dahin, wohin sie zu bringen sind.“[87]
Gesundheitliche Aspekte des Selbst
Selbstheilungskräfte
Der Satz „Medicus curat, natura sanat“ (Der Arzt behandelt, die Natur heilt), der Hippokrates zugeschrieben wird, wurde noch im Mittelalter als wichtiger Grundsatz gesehen. Laut Rüdiger Dahlke habe sich an dieser Wahrheit auch bis heute nichts geändert, auch wenn die moderne Medizin häufig meine, dass sie diejenige sei, die den Menschen heilen könne. Hingegen wäre die richtige Aufgabe der Ärzte, „die Weichen zu stellen“ durch die verschiedenen medizinischen Maßnahmen und den Patienten Mut zu machen.[88] Er plädiert dafür, den für seine große Wirkung bekannten Placebo-Effekt viel mehr einzusetzen, so gäbe es auch größere Heilserfolge.[89]
Dass der menschliche Organismus nicht definitiv bestimmt ist von Seiten der genetischen Anlagen, zeigt der Fachbereich der Epigenetik auf und eröffnet damit ein großes Feld der Möglichkeiten, wie der Mensch beispielsweise durch Veränderung seines Lebensstiles Einfluss auf seine Genetik nehmen kann.[90]
Neustrukturierung der Persönlichkeit durch Perspektivwechsel

Heinz Grill beschreibt, wie die Persönlichkeitsstruktur bei einem Großteil der Menschen geschwächt ist und er gewissermaßen sein Zentrum, seine gesunde Mitte verloren hat. Um diese wieder zu gewinnen, bzw. neu auszuformen, ist es laut Grill notwendig, nicht bei sich selbst, sondern in einer größeren, außenstehenden Perspektive anzusetzen. Durch Traumen fixiert sich der Mensch wie automatisch ängstlich an sein bisheriges Selbst. Jedoch könne die Mitte nicht „durch ein Suchen nach dem eigenen Vorteil und einer sicheren Stellung wiederentdeckt werden. Sie ist fast für alle Menschen verloren, so verloren wie noch nie in einer Zeitenperiode zuvor. Deshalb braucht die Menschheit durch geistige Disziplin eine Neuorientierung. Die geistige Aufrichtekraft, unabhängig von der traumatischen Situation, frei gewählt und ohne Beeinflussung durch Druckbelastungen von außen, wäre das Heilmittel der Zeit.“[91]
So empfiehlt Heinz Grill als Grundlage für einen wirklichen Neubeginn eine fundierte Meditations- und Konzentrationsarbeit, die nicht in einer persönlichen Innenversenkung haften bleibt, sondern geistig wertvolle Gedanken bis in eine konkrete Umsetzung führen lernt und damit maßgeblich zu einer Kulturerkraftung in der Zukunft beiträgt.[91]
Schwächung des Selbst
Depersonalisation
Sind die normalen Identifikationsprozesse beispielsweise durch Traumata gestört, kann es zu Identitätskrisen kommen. Der Begriff Depersonalisation beschreibt das sich fremd Fühlen gegenüber der eigenen Person. Gedanken, Gefühle, Handlungen, Wahrnehmung, Erinnerung und der Körper oder Körperteile werden subjektiv als unwirklich und fremd erlebt. Die eigene Person nimmt man nicht als Einheit wahr. Damit verbunden ist meist die Derealisation, ein Fremd- und Unwirklichkeitserleben gegenüber der äußeren Welt.[92]
Entselbstung
Eine systematische Vernichtung des Selbstes wurde beispielsweise während des Nationalsozialismus in den Konzentrationslagern betrieben. Die schrittweise stattfindende Dehumanisierung begann mit der Ankunft im Lager: den Einzelnen wurde ihre letzte Habe und Bekleidung genommen, sie wurden enthaart, ihres Namens beraubt und bekamen stattdessen eine Nummer eintätowiert. Viele der auszuführenden Arbeiten waren sinnlos und dienten somit ebenfalls der Selbstzerstörung. Dabei wird beschrieben, wie nicht nur von außen die selbstvernichtenden Maßnahmen auf die Gefangenen einwirkten, sondern in vielen Fällen die Vernichtung die Einzelnen auch von innen ergriff. Wie ausgehöhlt, apathisch, weder lebendig noch tot hatte der sogenannte „Muselmann“ sein Mensch-sein aufgegeben.[93]
Zukunftsweisende Perspektive
Die Entwicklung des höheren Selbst stellt sich als Aufgabe für jeden Menschen. Das gewordene Selbst steht dem werdenden Selbst oftmals als Hindernis im Weg, da sich der Mensch mit seinen bisherigen Prägungen, Charaktereigenschaften und angeeignetem Wissen identifiziert und diese immer wieder neu hinterfragen und zugunsten neuer Lernschritte überwinden muss.
In der Regel besitzt der Mensch ein Selbstbild, das entweder sehr kleinlich angesetzt ist oder zu einer Hybris tendiert. Dementsprechend existiert ein häufig zu beobachtendes Phänomen der Polarisierung, dass ein Mensch auf Kosten Anderer aufbaut oder aber von Anderen unterdrückt wird und Kräfte an diese abgibt.
Entwickelt der Mensch eine gute berufliche Fachkunde oder gründet sich in einem Thema, stärkt dies sein gesundes Selbstgefühl. Kompensationen, wie beispielsweise die Suche nach Bestätigung oder emotionaler Verbindung aufgrund von Unsicherheiten weichen zurück und es können die Beziehungen über den Themenbezug sachlich und bewusst geführt werden. Konflikte in ihrer polaren und spaltenden Charakteristik verlieren an Schärfe und es eröffnet sich ein Raum für neue Perspektiven. So wird ein inhaltlich gut gegründeter Mensch zum Friedensstifter, der in seinem Umfeld und darüber hinaus verbindend wirkt.
Literatur
- Erich Fromm: Haben oder Sein. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. 44. Auflage. dtv, München 2017, ISBN 978-3-423-34234-6.
- Heinz Grill: Die Signaturen der Planeten und die seelisch-geistige Entwicklung in der Pädagogik. 1. Auflage, Lammers-Koll-Verlag, Radolfzell/Bodensee 2012, ISBN 978-3-935925-38-9.
- Hubertus Mynarek: Werte und Humanität. Ihre Bedeutung für das Werden der Persönlichkeit. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2021, ISBN: 978-9-488030-4-9.
- Ludwig Meindl: Der Mensch am Scheideweg. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2018, ISBN 978-3-9819041-4-7.
- Peter Selg: Die Kultur der Selbstlosigkeit. 3. Auflage. Verlag am Goetheanum, Dornach 2010, ISBN 978-3-7235-1419-1.
Siehe auch
- An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen
- Hüter der Schwelle
- Ich in AnthroWiki
- Kategorie: Entwicklung des Menschen
Einzelnachweise
- ↑ Johann Wolfgang von Goethe: Torquato Tasso, Torquato Tasso. Dritter Auftritt. In: Projekt Gutenberg. Deutscher Taschenbuch Verlag 1998, Abgerufen am 14. Februar 2026.
- ↑ Roland Asanger, Thomas Bliesener, F. A. Brockhaus: Der Brockhaus Psychologie. Fühlen, Denken und Verhalten verstehen (= Brockhaus-Sachlexika.) 2., vollständig überarbeitete Auflage, Brockhaus, Mannheim/Leipzig 2009, ISBN 978-3-7653-0592-4, S. 541.
- ↑ Duden: Herkunftswörterbuch. Ausgabe 1989; The New Oxford Dictionary of English, 1998.
- ↑ Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart (Ausgabe letzter Hand, Leipzig 1793–1801). In: woerterbuchnetz.de. Abgerufen am 25. Januar 2026.
- ↑ Die Überwindung des Ego. (0:52–1:35). Sukadev Bretz zitiert Swami Chidananda. In: Yogavortrag – Yoga Vidya. (YouTube-Kanal). Abgerufen am 25. März 2026.
- ↑ Rudolf Steiner: Die Apokalypse des Johannes. GA 104. 7. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1985, ISBN 3-7274-1040-X, S. 156–157. (Online)
- ↑ Heinz Grill: Die Signaturen der Planeten und die seelisch-geistige Entwicklung in der Pädagogik. Lammers-Koll-Verlag, Vaihingen/Enz 2012, ISBN 978-3-935925-38-9, S. 52.
- ↑ Asim Bayrak: Das Ego – Der Weg von der Illusion zur wahren Freiheit. In: AZ Human Mastery. Abgerufen am 25. März 2026.
- ↑ Identifizierung. In: Dorsch: Lexikon der Psychologie. Abgerufen am 27. Januar 2026.
- ↑ Selbst oder Nicht-Selbst? In: Informationsdienst Wissenschaft. Abgerufen am 27. Januar 2026.
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