Ahriman: Unterschied zwischen den Versionen

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'''Ahriman'''  ([[a:Wikipedia:Mittelpersische Sprache|mittelpersisch]] „arger Geist“), auch '''Angra Manyu''' (bzw. '''Angra Mainyu''') ([[a:avestisch|avestisch]]) oder [[a:Mephistopheles|Mephistopheles]] (von {{HeS|מֵפִיץ}} ''mephiz'' „der Verderber“ und {{He|ט֫פֶל}} ''tophel'' „der Lügner“) genannt und in der [[a:Bibel|Bibel]] als [[a:Satan|Satan]] bezeichnet, ist nach der [[a:Urperser|urpersischen]] Überlieferung die Macht der [[a:Finsternis|Finsternis]], der [[a:Geist der Finsternis|Geist der Finsternis]]<ref name="Asuras">In einem noch tieferen Sinn werden allerdings auch die [[a:Asuras|Asuras]], die vom rechten Weg abgewichenen [[a:Geister der Persönlichkeit|Geister der Persönlichkeit]], als [[a:Geister der Finsternis|Geister der Finsternis]] bezeichnet. Ihre verdunkelnde Macht überragt die Ahrimans noch bei weitem.</ref>, der sich als Widersacher dem lichten Gott [[Ormuzd]] ([[a:Ahura Mazdao|Ahura Mazdao]]) entgegenstellt. Er trägt den Beinamen '''Peetiare''' („Quell des Bösen“), der oft auch alleinstehend gebraucht wird<ref>vgl. U. Hannemann: ''Das Zend-Avesta'', S. 154 [https://books.google.at/books?id=t_H_5ej-bE0C&pg=PA154 google]</ref>. Nach [[Rudolf Steiner]] ist noch in der gegenwärtigen [[a:Germanisch-Angelsächsische Kultur|Kulturepoche]] eine [[a:irdisch|irdisch]]e [[a:Inkarnation Ahrimans|Inkarnation Ahrimans]] „im Westen“ zu erwarten. Ahriman hat sich in der [[a:Verstandesseele|Verstandesseele]] festgesetzt, die durch unbewusste Umwandlung von Teilen des [[a:Ätherleib|Ätherleib]]s entstanden ist.


Die Erkenntnis über die Wirkung des Ahriman und seine Bedeutung für die individuelle spirituelle Entwicklung des Menschen ist von großer Bedeutung in der heutigen Zeit.
'''Ahriman''' ist die mittelpersische Wortform des [[a:avestisch|avestischen]] Namens '''Angra Mainyu''', „zerstörerischer Geist, böser Geist.“ Nach der [[a:Urperser|urpersischen]] Überlieferung ist Angra Manyu der Zerstörer, der sich als Widersacher dem lichten Gott [[a:Ahura Mazdao|Ahura Mazdao]] (Ormuzd) entgegenstellt.


== Wortbedeutung ==
Der Goethesche [[a:Mephistopheles|Mephistopheles]] (von hebräisch ''mephiz'' „der Verderber“ und ''tophel'' „der Lügner“) ist die Gestalt des Ahrimans,<ref>Rudolf Steiner: ''Geisteswissenschaftliche Menschenkunde.'' GA&nbsp;107. 5. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1070-1, S.&nbsp;172. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_107.pdf#page=172&view=Fit Online])</ref> ebenso der [[a:Satan|Satan]] der Bibel.


''Angra'' ist das Gegenteil von ''Spenta'' (auch ''Sepanta''), weshalb die Übersetzung von Angra Mainyu stark abhängig von der Übersetzung von ''[[w:Spenta Mainyu|Spenta Mainyu]]'' ist. ''Mainyu'' bedeutet in etwa „Geist, Gedanke, Vorstellung“; ''Spenta'' wird unter anderem als „aufbauend, freigebig, heilig“ übersetzt.
[[Rudolf Steiner]] (1861–1925) entwickelte die Bedeutung des Begriffs in Bezug auf die Entwicklung des Menschen weiter und brachte Ahriman mit der Bindung an die sterblichen Sinne und die physische Wirklichkeit in Verbindung.<ref name=":0">[https://heinz-grill.de/ahriman-inkarnation-angst/ ''Die Verkörperung Ahrimans – Teil 1.''] In: ''Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.'' Abgerufen am 28. Dezember 2025.</ref>


''Spenta Mainyu'' ist somit der Geist der Vermehrung und ''Angra Mainyu'' der Geist des Widerstands. Diese Ur-Geister (als Vergegenwärtigung der freien Entscheidungskraft des Gewissens und des Gedankens ansehbar) wählen gemäß ''[[w:Yasna|Yasna]]'' (30,3-5) frei zwischen einander entgegengesetzten Prinzipien, so zwischen ''Ascha'' (''asha-'') und ''Drudsch'' (''druj-''), Ordnung und Nicht-Ordnung, Leben und Nicht-Leben. Ursprünglich stand Angra Mainyu dem Spenta Mainyu gegenüber.<ref>Antonio Panaino: ''Religionen im antiken Iran.'' In: Wilfried Seipel (Hrsg.): ''7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran.'' Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 26 f.</ref>
Das Wesen des Ahriman zeigt sich in verschiedenen Formen. Er wirkt im Menschen auf den Verstand mit schädlicher Überspitzung, sodass dieser sich im mehr materialistisch-technischen Denken fixiert und sich immer mehr in seine Leiblichkeit bindet. Sein Wesen der Versuchung zur Weltanhaftung und triebhaften Begierde verstrickt den Menschen in ein Spinnennetzwerk von Lügen in der Welt.


Als Antonym könnte ''Angra Mainyu'' somit als „zerstörerischer Geist“ übersetzt werden. Dies ist auch häufig der Fall, denn die Idee des Zerstörerischen steht stellvertretend für einen Aspekt der Kernphilosophie des Zoroastrismus: die Verwicklung des Universums in einen Kampf zwischen ''ascha'' („Wahrheit, Ordnung, Sein, Existenz“) und ''drudsch'' („Lüge, Chaos, Zerstörung des Seins“).
Geisteswissenschaftliche Forschungen erwarten eine Inkarnation Ahrimans in der gegenwärtigen [[a:Germanisch-Angelsächsische Kultur|Kulturepoche]]. Dies könnte auf eine einzelne Person bezogen geschehen oder in einer Vereinnahmung ganzer Scharen von Menschen eintreten.


Sprachentwicklungsbedingt wandelte sich das avestische ''Angra Mainyu'' zu mittelpersisch ''Ahriman'' (mittelpersisch ''ʾhlmn' Ahreman'').
== Wortbedeutung ==


== Wesensmerkmale ==
=== Angra Mainyu als Gegenteil von Spenta Mainyu ===


Ahriman setzt jeder Schöpfung eine negative Gegenschöpfung entgegen. Er ist die Verkörperung alles [[a:Böse|Böse]]n und Erreger der 9999 [[a:Krankheit|Krankheit]]en. Sein Wohnort ist die [[a:Unterwelt|Unterwelt]], aus der er [[a:Finsternis|Finsternis]], [[a:Tod|Tod]] und Unheil in die Welt bringt. Durch Ahrimans Wirken verdunkelt sich dem [[a:Mensch|Mensch]]en der Einblick in die [[a:Geistige Welt|geistige Welt]], so dass er nur mehr die materielle Außenwelt sieht. Die [[a:Materie|Materie]] ist das Reich Ahrimans. Er bringt die [[a:Todeskräfte|Todeskräfte]] in die Welt. [[a:Ahriman|Ahriman]] verführt den Menschen zu [[a:Irrtum|Irrtum]] und [[a:Lüge|Lüge]], die zum Keim für [[a:Krankheit|Krankheit]]sursachen in späteren [[a:Inkarnation|Inkarnation]]en werden - und er ist der Herr des [[a:Intellekt|Intellekt]]s.
[[Datei:Text-pal-Ahlmn'-ahreman.png|mini|Das mittelpersische Wort ''ʾhlmn''', ''Ahreman'']]


Hier die Beschreibung von Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie, über das Wesen Ahriman:
''Angra'' ist das Gegenteil von ''Spenta'' (auch ''Sepanta''), weshalb die Übersetzung von Angra Mainyu stark abhängig von der Übersetzung von [[w:Spenta Mainyu|Spenta Mainyu]] ist. ''Mainyu'' bedeutet in etwa „Geist, Gedanke, Vorstellung“; ''Spenta'' wird unter anderem als „aufbauend, freigebig, heilig“ übersetzt.


:„Wenn man menschliche Ausdrücke auf göttliches Wollen anwenden möchte, so möchte man sagen: Ahriman wartete mit Sehnsucht auf den Augenblick, wo er in das menschliche Bewußtsein mit seiner Macht eindringen konnte. Nun wurde er überrascht davon, daß er früher nicht gewußt hat, daß ein göttlicher Entschluß vorlag, ein Wesen auf die Erde zu senden, den Christus, der durch den Tod ging. Dadurch war zwar das Eingreifen des Ahriman möglich, aber seiner eigentlichen Herrschaft war die Spitze abgebrochen. Seit jener Zeit benützt Ahriman jede Gelegenheit, um die Menschen zum bloßen Gebrauche des Intellektes zubringen; Ahriman hat noch heute die Hoffnung nicht aufgegeben, daß es ihm gelingen werde, die Menschen zum bloßen Gebrauch ihres Intellektes zu bringen.Was würde das bedeuten? Wenn es Ahriman gelingen könnte, den Menschen die Überzeugung restlos beizubringen, so daß jede andere Überzeugung von der Erde hinschwinden würde, daß der Mensch nur in seinem Leibe leben kann, daß er nicht trennbar ist als geistig-seelisches Wesen von seinem Leibe, so würde die menschliche Seele so ergriffen werden von der Todesidee, daß Ahriman leicht seine Pläne verwirklichen könnte. Darauf hofft Ahriman immer.<ref>Rudolf Steiner: ''Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung. ''GA 211. 2. Auflage (photomechanischer Nachdruck, Gesamtausgabe Dornach 1986, alle Rechte bei der Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung, Dornach/Schweiz, ISBN 3-7274-2110-X, S. 111.
Spenta Mainyu ist somit der Geist der Vermehrung und Angra Mainyu der Geist des Widerstands. Diese Ur-Geister (als Vergegenwärtigung der freien Entscheidungskraft des Gewissens und des Gedankens ansehbar) wählen gemäß ''[[w:Yasna|Yasna]]'' (30,3-5) frei zwischen einander entgegengesetzten Prinzipien, so zwischen ''Ascha'' (''asha-'') und ''Drudsch'' (''druj-''), Ordnung und Nicht-Ordnung, Leben und Nicht-Leben. Ursprünglich stand Angra Mainyu dem Spenta Mainyu gegenüber.<ref>Antonio Panaino: ''Religionen im antiken Iran.'' In: Wilfried Seipel (Hrsg.): ''7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran.'' Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S.&nbsp;22–29, hier: S.&nbsp;26&nbsp;f.</ref>
([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_211.pdf#page=111&view=Fit Online])</ref>


Als Antonym könnte Angra Mainyu somit als „zerstörerischer Geist“ übersetzt werden. Dies ist auch häufig der Fall, denn die Idee des Zerstörerischen steht stellvertretend für einen Aspekt der Kernphilosophie des Zoroastrismus: die Verwicklung des Universums in einen Kampf zwischen ''ascha'' („Wahrheit, Ordnung, Sein, Existenz“) und ''drudsch'' („Lüge, Chaos, Zerstörung des Seins“).


Im Goethe Wörterbuch wird Ahriman beschrieben :„als aus der Finsterniß, mit der weißen Farbe der Kälte, alle Farben des Lichts und des Feuers entsprungen, und selbst der böse Ariman, die ewige geistige Finsterniß, soll die Farben ausgeströmt haben.“<ref>Goethe Wörterbuch, WA N51,393,8 Fl Nachtr [Kanne], abgerufen am 11.12.25 über https://woerterbuchnetz.de/</ref>
Sprachentwicklungsbedingt wandelte sich das avestische Angra Mainyu zu mittelpersisch Ahriman (mittelpersisch ''ʾhlmn', Ahreman'').


Im Conversations-Lexikon von Herders wird das Wesen von Ahriman als der Schöpfer aller schädlichen Pflanzen und Tiere beschrieben. Er verführte auch die Menschen zum Abfall von Ormuzd, dem Schöpfergott in der Religion der Perser. :„ Am Ende der Zeit aber wird er sammt den Dews besiegt und mit Ormudzd versöhnt und verschwindet mit demselben im allgemeinen Weltuntergange, wo nur das Urwesen, aus dem alles hervorgegangen, Zeruane Akarene, übrig bleibt.“<ref>Herders Konversations-Lexikon (1. Auflage, 1854-1857), abgerufen am 11.12.25 über https://woerterbuchnetz.de/</ref>
=== Im Avesta ===


[[Datei:Ahura mazda representación.gif|mini|345px|[[w:Faravahar|Faravahar]] symbolisiert die drei Grundprinzipien des [[w:Zoroastrismus|Zoroastrismus]]: Gutes Denken, gutes Sprechen und gutes Tun.<br>Die beiden Schleifen symbolisieren Spenta Mainyu (zum Gesicht gerichtet) und Angra Mainyu (zum Rücken gerichtet).]]


== Im Avesta ==
Die [[w:Gathas|Gathas]] umfassen fünf Hymnen aus der [[w:Zoroastrismus|zoroastrischen]] mündlichen Tradition der [[w:Avesta|Avesta]]. Das älteste erhaltene Textfragment der Gathas stammt aus dem Jahre 1323. Der Begriff Angra Mainyu kommt in den Gathas nur ein einziges Mal vor. In ''Yasna'' 45.2 ist der Begriff, wie die meisten anderen Begriffe der Gathas auch, nur ein reguläres Adjektiv-Nomen-Paar. Hier wird Angra Mainyu vom „Freigiebigen der beiden“ (Spenta Mainyu) als Widersacher in allen Belangen deklariert.


Das '''Avesta''' oder '''Awesta''' ([[W:Mittelpersische Sprache|mittelpersisch]] [[w:Transliteration|transliteriert]]: ’p(y)st’k, [[w:Transkription (Schreibung)|transkribiert]]: ''abestāg'') ist die heilige Schrift bzw. Schriften-
Ein ähnlicher Ausdruck erscheint auch an anderer Stelle in den Gathas, aber dort ist nicht Angra Mainyu, sondern Aka Mainyu („böser Geist“) der Widersacher Spenta Mainyus. An weiteren Stellen wird vom ''akem manah'' „böses Denken“ und vom ''daebaaman'' „Betrüger“ gesprochen.
sammlung der [[w:Zoroastrismus|zoroastrischen Religion]]. Es handelt sich bei dem ''avestischen Kanon'' um eine Sammlung verschiedener Texte unterschiedlicher sprachlicher und stilistischer Art, die demgemäß unterschiedlichen Zeitperioden und Orten zugeordnet werden können. Die schriftliche Aufzeichnung der Texte erfolgte etwa ab dem 5. Jahrhundert n.&nbsp;Chr. Erhaltene handschriftliche Quellen sind erst ab dem 13. Jahrhundert n.&nbsp;Chr. vorhanden.


=== In den Gathas ===
Erst im jüngeren Avesta ist Angra Mainyu eindeutig Stellvertreter des Zerstörerischen.


In den [[w:Gathas|Gathas]], dem ältesten Teil des [[w:Avesta|Avesta]], kommt der Begriff ''Angra Mainyu'' nur ein einziges Mal vor. An dieser Stelle, in ''Yasna'' 45.2, ist der Begriff, wie die meisten anderen Begriffe der Gathas auch, nur ein reguläres Adjektiv-Nomen-Paar. Hier wird „angra mainyu“ vom „Freigiebigen der beiden“ (Spenta Mainyu) als Widersacher in allen Belangen deklariert.
Während in den älteren Texten des jüngeren Avesta noch Angra Mainyu und Spenta Mainyu sich bekriegen, wandelt sich die Situation schlagartig in der [[w:Avesta#Der_Vendidâd|''Vendidâd'']]. In diesen sehr späten Texten der ''Vendidâd'' 1 (4.&nbsp;Jahrhundert v.&nbsp;Chr.) wird der Kampf nicht mehr von Angra Mainyu und Spenta Mainyu ausgetragen, sondern von Angra Mainyu und lichten Gott [[a:Ahura Mazdao|Ahura Mazdao]] (Ormuzd).<ref>Vgl. auch Antonio Panaino: ''Religionen im antiken Iran.'' S.&nbsp;27&nbsp;f.</ref> Dies belegt ein Zitat des [[a:Aristoteles|Aristoteles]] bei [[w:Diogenes Laertios|Diogenes Laertios]] (1.6), in dem die Widersacher Ariemanios und Oromazdes genannt werden.


Ein ähnlicher Ausdruck erscheint auch an anderer Stelle in den Gathas, aber dort ist nicht ''angra mainyu'', sondern ''aka mainyu'' („böser Geist“) der Widersacher Spenta Mainyus. An weiteren Stellen wird vom ''akem manah'' „böses Denken“ und vom ''daebaaman'' „Betrüger“ gesprochen.
== Ahriman im Schāhnāme ==


=== Im jüngeren Avesta ===
[[Datei:Shah Namah, the Persian Epic of the Kings Wellcome L0035183.jpg|mini|[[w:Faramarz|Faramarz]] tötet einen ahrimanischen [[w:Diw|Diw]]. Persische Miniaturmalerei aus ''Schāhnāme'']]


Erst im jüngeren Avesta ist Angra Mainyu eindeutig Stellvertreter des Zerstörerischen.
Im [[w:Schāhnāme|''Schāhnāme'']], Lebenswerk des persischen Dichters [[w:Firdausi|Firdausī]] (940/41–1020) und gleichzeitig Nationalepos der persischsprachigen Welt, bildet Ahriman den Gegenspieler und Feind der Könige und Helden. Er gebietet über eine Schar dienstbarer Geister, Dewen oder [[w:Diw|Diws]] genannt.


Während in den älteren Texten des jüngeren Avesta noch Angra Mainyu und Spenta Mainyu sich bekriegen, wandelt sich die Situation schlagartig in der [[w:Avesta#Der_Vendidâd|Vendidâd]]. In diesen sehr späten Texten der ''Vendidâd'' 1 (4. Jahrhundert v.&nbsp;Chr. wird allgemein angenommen) wird der Kampf nicht mehr von Angra Mainyu und Spenta Mainyu ausgetragen, sondern von Angra Mainyu und lichten Gott Ormuzd ([[w:Ahura Mazdao|Ahura Mazdao]]).<ref>Vgl. auch Antonio Panaino: ''Religionen im antiken Iran.'' In: Wilfried Seipel (Hrsg.): ''7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran.'' Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 27 f.</ref> Dies belegt ein Zitat des [[a:Aristoteles|Aristoteles]] bei [[w:Diogenes Laertios|Diogenes Laertios]] (1.6), in dem die Widersacher ''Ariemanios'' und ''Oromazdes'' genannt werden.
Der zentralen Bedeutung Ahrimans als dem Repräsentanten des Bösen entsprechend, führt Firdausi ihn bereits in der ersten Sage von ''Schāhnāme'' über [[w:Gayomarth|Gayomarth]] ein:


<poem style="margin-left:31px">
„Kein Feind lebt’ ihm auf der Erdenflur
Als heimlich ein arger Ahriman nur.“<ref>Friedrich Rückert (Übersetzer): ''Firdosi’s Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII.'' Georg Reimer, Berlin 1890, [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n60/mode/2up S.&nbsp;4.]</ref>
</poem>


== Ahriman in der mythologischen Überlieferung ==
Firdausi spricht ohne Umschweife den Grundkonflikt der iranischen Mythologie zwischen Gut und Böse an, vertreten durch den Schah und Ahriman. Ahrimans Sohn will den Sohn des Schahs, [[w:Sijamak (Mythologie)|Sijamak]], töten, um sich so der Herrschaft über die Welt zu bemächtigen:
[[File:Leontocefalo dal Mitreo Fagan (Ostia).jpg|thumb|The lion-headed god]]
Bild von Ahriman mit Löwenkopf und Schlange
Gemäß der späteren persischen Mythologie, wie sie besonders im [[a:Zurvanismus]] überliefert wurde, sind [[a:Ahura Mazdao]] und Ahriman Zwillinge und Kinder [[a:Zurvan]]s, der unerschaffenen Zeit, auch [[a:Zaruana Akarana]] genannt. Ahriman, der meinte, dass dem Erstgeborenen die Herrschaft zufallen würde, erzwang seine vorzeitige Geburt, doch Zurvan wies sein Opfer zurück (vgl. [[a:Kain und Abel]]) und Ahura Mazdao wurde zum König des Himmels erhoben. Ahriman aber wurde gemeinsam mit [[a:Luzifer]] in die [[a:Unterwelt]] verbannt, wo sie als die '''Große Schlange''', die vereinigte [[a:diabolisch]]e und [[a:satan]]ische Macht, für 9000 Jahre herrschen sollten {{Bibel|Off|20|1-3|LUT}}.


Die griechischen Schriftsteller kannten den bösen Geist ihrer persischen Nachbarn unter dem Namen ''Areimanios''; in der [[a:Avesta]] kommt noch die vollere Namensform ''Anromainyus'' vor, was den „Angst verursachenden Geist“, nach einer anderen Ableitung den „schlagenden oder todbringenden Geist“, bedeutet.
<poem style="margin-left:31px">
„Schwarz war die Welt vor des Dewsohns Blick
Über des Schahs und Sijamek's Glück.
[]
Des Schahsohns Leib warf er auf den Grund,
Und macht ihm mit Klauen die Weichen wund.
Vom grimmigen Feind war des Lebens beraubt
Sijamek, und das Volk ohne Haupt.“<ref>Friedrich Rückert: ''Firdosi's Königsbuch.'' [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n60/mode/2up S.&nbsp;4&nbsp;f.]</ref>
</poem>


Nach den Angaben der späteren Religionsbücher, wozu aber die Grundlagen schon im Zendavesta und in den Berichten der Griechen gegeben sind, verläuft die Weltgeschichte in vier Zyklen von je 3000 Jahren. Mit dem dritten Zyklus beginnt der Kampf zwischen Ahriman und den Geschöpfen des guten Geistes, der 6000 Jahre andauert. Dann wird Ahriman vernichtet und eine neue unvergängliche und glanzvolle Welt geschaffen werden.
Am Ende gelingt es [[w:Huschang Schah|Huschang]], dem Sohn von Sijamak, den Vater zu rächen, den Sohn Ahrimans zu töten und sich Herrschaft und Thron in Iran zu sichern:


In der [[a:Mithra]]religion und im [[a:Zervanismus]] wird Ahriman als [[a:Gott]] verehrt. Ihm werden Tiere [[a:Opfer (Religion)|geopfert]], die der bösen Macht angehören. Auf [[a:Relief (Kunst)|Reliefs]] der Mithra wird Ahriman löwenköpfig mit umwundener Schlange dargestellt, manchmal mit zwei Schlüsseln.
<poem style="margin-left:31px">
„Die Hand schwang wie ein Löw Hoscheng,
Die Welt macht' er dem Dewen eng.
Er zog ihm von Kopf zu Fuß in den Riem,
Abschnitt er das Haupt ohn' gleichen ihm;
Warf ihn zu Boden und trat in kraus,
Sein Fell war zerrissen, mit ihm war's aus.<ref>Friedrich Rückert: ''Firdosi's Königsbuch.'' [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n62/mode/2up S.&nbsp;7.]</ref>
</poem>


Nach dieser Niederlage Ahrimans verschwindet das Böse allerdings nicht aus der Welt. Auch in den folgenden Sagen wird Ahriman seine niederträchtigen Pläne umzusetzen versuchen.


== In der Anthroposophie ==
== Wesensmerkmale ==


[[Datei:Ahriman Mysteriendrama.jpg|mini|Ahriman in einer Inszenierung von [[Rudolf Steiner]]s Mysteriendrama „[[a:Die Pforte der Einweihung|Die Pforte der Einweihung]]“ am Goetheanum in Dornach]]
[[Datei:Menschheitsrepräsentant.jpg|mini|''Menschheitsrepräsentant'' (Rudolf Steiner)<br>Christus in der Mitte zwischen Luzifer und Ahriman (unten)]]
Die [[a:Anthroposophie]] sieht in Ahriman ein Wesen, das in schädlicher Überspitzung des materialistisch-technischen Verstandes den Gegenpol zum rauschhaft schwelgenden, weltflüchtigen [[a:Luzifer]] bildet. Der Mensch müsse in sich mit Christus Hilfe die Mitte zwischen den beiden Wesen und deren Qualitäten halten.


Ahriman ist ein Geist, der begabt ist mit einer die menschliche Fassungskraft übersteigenden, durchdringenden aber kalten [[a:Intelligenz]], die er jedoch begierig in sich verschließt. Im Gegensatz zu Luzifer erscheint er daher als der Geist der Finsternis und der Widermächte, welcher der Menschenseele den Zugang zur seelisch-geistigen Welt verdunkeln und versperren möchte, um ihr Bewußtsein immer mehr an die physische Leiblichkeit zu ketten und einzuschränken..“<ref>Walter Bühler: ''Anthroposophie als Forderung unserer Zeit.''  
Die [[a:Anthroposophie|Anthroposophie]] sieht in Ahriman ein Wesen, das in schädlicher Überspitzung des materialistisch-technischen Verstandes den Gegenpol zum rauschhaft schwelgenden, weltflüchtigen [[a:Luzifer|Luzifer]] bildet. Der Mensch müsse in sich mit der Hilfe des Christus die Mitte zwischen den beiden Wesen und deren Qualitäten halten. [[Rudolf Steiner]], der Begründer der Anthroposophie, drückte dies in seiner Holzplastik [[a:Menschheitsrepräsentant|''Menschheitsrepräsentant'']] aus.
Oratio Verlag GmbH, 31.08.2003, ISBN 978-3-7214-0589-7, Kap 10 - Das Rätsel des Bösen: Luzifer und Ahriman.</ref>


Ahriman ist ein Geist, der begabt ist mit einer die menschliche Fassungskraft übersteigenden, durchdringenden aber kalten [[a:Intelligenz|Intelligenz]], die er jedoch begierig in sich verschließt. Im Gegensatz zu Luzifer erscheint er daher als der Geist der Finsternis und der Widermächte, welcher der Menschenseele den Zugang zur seelisch-geistigen Welt verdunkeln und versperren möchte, um ihr Bewußtsein immer mehr an die physische Leiblichkeit zu ketten und einzuschränken.<ref>Walter Bühler: ''Anthroposophie als Forderung unserer Zeit.'' Kapitel 10: ''Das Rätsel des Bösen. Luzifer und Ahriman.'' Oratio Verlag, 2003, ISBN 978-3-7214-0589-7, S.&nbsp;137&nbsp;ff.</ref>


Eine andere Form der verführerischen Kräfte des Ahriman wirkt auf die bereits sehr verbreitete Stimmung unter den Menschen, dass es genügt, wenn im öffentlichen Leben dafür gesorgt wird, dass die Menschen wirtschaftlich zufriedengestellt werden:


Genauer besehen bezeichnet der Name '''Ahriman''' nicht eine einzelne Wesenheit, sondern eine ganze Reihe von Wesenheiten, die auf der [[a:Alte Sonne|alten Sonne]], nicht ihre volle Entwicklungshöhe erreicht haben, also zurückgeblieben sind. Auf dem [[a:Alter Mond|alten Mond]] werden sie dadurch zu Versuchern der [[a:Angeloi]].
:„Je mehr es gelingen würde, die Menschen aufzurütteln, daß sie nicht bloß wirtschaften im materiellen Sinne, sondern ebenso wie das Wirtschaftsleben auch das selbständige freie Geistesleben, das den wirklichen Geist hat, als ein Glied des sozialen Organismus betrachten, in demselben Maße würden die Menschen die Inkarnation Ahrimans so erwarten, daß sie eine menschheitsgemäße Stellung zu dieser Inkarnation würden einnehmen können.“<ref name=":1">Rudolf Steiner: ''Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. ''GA 191. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, ISBN 3-7274-1910-5, S.&nbsp;202. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_191.pdf#page=202&view=Fit Online])</ref>


Ahriman ist aber nicht als [[a:Das Böse|böse]] im absoluten Sinn zu bezeichnen. Sein Zurückbleiben auf der alten Sonne kann auch als [[a:Opfer]]tat verstanden werden, die einen wertvollen Beitrag für die gesamte [[a:Weltentwicklung]] leistet. So ist Ahrimans Beitrag wesentlich dafür, dass der Mensch die [[a:Freiheit]] erringen kann, die er später einmal durch die Entfaltung überschüssiger [[a:Liebe]] entgelten kann.
Die heutige offizielle Wissenschaft bietet nichts für eine wirkliche Erkenntnis des Geistes und der Seele. Sie ist allein darauf ausgerichtet, die äußere sichtbare Natur der Dinge aufzufassen. Es steht das Nutz- und Gewinnprinzip in der Mitte und eine Auseinandersetzung mit dem Geistigen und der Seele erscheint unsinnig oder unnütz für den Menschen. Dies bietet eine Nährboden für die Absichten Ahrimans.<ref name=":1" />


In einer allgemeinen Begriffsbestimmung zu Ahriman wird von dem Geistforscher Heinz Grill ausgeführt, dass [[Rudolf Steiner]] das Wort ­„Ahriman“ in der Anthroposophie neu hervor gebracht habe. Rudolf Steiner :"...bezeichnet den Widersacher im Allgemeinen mit der Bindung an die sterblichen Sinne und die physische Wirklichkeit."<ref>>[[https://heinz-grill.de/ahriman-inkarnation-angst/]]Abgerufen am 28.Dezember 2025</ref>
Ahriman arbeitet darauf hin, dass der Mensch durch den ausschließlichen Gebrauch des Intellekts das Wissen verliert, dass er als geistig-seelisches Wesen nicht trennbar ist von seinem Leib:


1919 sprach [[Rudolf Steiner]] in einem Vortrag davon, dass sich Ahriman im dritten Jahrtausend nach der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus in einem Menschen inkarnieren müsse.<ref>''11. Vortrag vom 1. November 1919.'' In: Rudolf Steiner: ''Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. Fünfzehn Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 3. Oktober und 15. November 1919.'' 3. Auflage, photomechanischer Nachdruck. Rudolf-Steiner-Verlag, Dornach 1989, ISBN 3-7274-1910-5.</ref>
:„Wenn man menschliche Ausdrücke auf göttliches Wollen anwenden möchte, so möchte man sagen: Ahriman wartete mit Sehnsucht auf den Augenblick, wo er in das menschliche Bewußtsein mit seiner Macht eindringen konnte. Nun wurde er überrascht davon, daß er früher nicht gewußt hat, daß ein göttlicher Entschluß vorlag, ein Wesen auf die Erde zu senden, den Christus, der durch den Tod ging. Dadurch war zwar das Eingreifen des Ahriman möglich, aber seiner eigentlichen Herrschaft war die Spitze abgebrochen. Seit jener Zeit benützt Ahriman jede Gelegenheit, um die Menschen zum bloßen Gebrauche des Intellektes zubringen; Ahriman hat noch heute die Hoffnung nicht aufgegeben, daß es ihm gelingen werde, die Menschen zum bloßen Gebrauch ihres Intellektes zu bringen. Was würde das bedeuten? Wenn es Ahriman gelingen könnte, den Menschen die Überzeugung restlos beizubringen, so daß jede andere Überzeugung von der Erde hinschwinden würde, daß der Mensch nur in seinem Leibe leben kann, daß er nicht trennbar ist als geistig-seelisches Wesen von seinem Leibe, so würde die menschliche Seele so ergriffen werden von der Todesidee, daß Ahriman leicht seine Pläne verwirklichen könnte. Darauf hofft Ahriman immer.<ref>Rudolf Steiner: ''Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung. ''GA 211. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1986, ISBN 3-7274-2110-X, S.&nbsp;111. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_211.pdf#page=111&view=Fit Online])</ref>


Hier stellt der Geistforscher Heinz Grill fest, dass es sich nicht mit Gewissheit sagen lässt, :"...ob die Inkarnation Ahrimans eine einzelne Person betreffe oder ob sie ganze Scharen von Menschen vereinnahme. Manche behaupten, dass die künstliche Intelligenz eine unmittelbare Offenbarung Ahrimans sei und andere wieder definieren Personen, die die Physiognomie Ahrimans und das Charakterverhalten mit allen amoralischen Offenbarungen, die es nur gibt, erfüllen."<ref>>([https://heinz-grill.de/ahriman-inkarnation-angst/])Abgerufen am 28.Dezember 2025</ref>
Rudolf Steiner beobachtete 1915, dass man das ahrimanische Element am stärksten in Amerika finde. Er sah auch die Tendenz in der Entwicklung dieser Kultur, dass die Sehnsucht immer mehr wächst, die Geister sichtbar zu machen, selbst da, wo nach Spiritualität, nach Geistigem gestrebt wird. Nach und nach werde das ahrimanische Element auch den Westen Europas ergreifen und seine Mission erfüllen, sich in die Kultur einzuführen.<ref>Rudolf Steiner: ''Das Geheimnis des Todes. Wesen und Bedeutung Mitteleuropas und die europäischen Volksgeister. ''GA 159. 2.&nbsp;durchgesehene Auflage, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1980, ISBN 3-7274-1590-8, S.&nbsp;236. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_159.pdf#page=236&view=Fit Online])</ref>[[Datei:Industrial Cobweb 5676.jpg|mini|Die Anhaftung an Ahriman zeigt sich in einem Spinnennetz von Lügen. (Heinz Grill)]]
[[a:Heinz Grill|Heinz Grill]], Begründer des geistigen Schulungsweges ''Neuer Yogawille'', arbeitet heraus, dass sich die Anhaftung an Ahriman in einem Spinnennetz von Lügen zeige, das den Menschen in ein klebriges Gefesseltsein bringe:


An der Freien Hochschule für Spiritualität Lundo lernen die Geistschüler im Umgang mit den Wesensmächte der Widersacher-
:„Esoterisch und gemäß der anthroposophischen Lehre würde man sagen, dass die Wesenheit der Versuchung zur Weltanhaftung und triebhaften Begierde mit Ahriman benannt wird. So sprechen viele Personen in anthroposophischen Zweigen von der Inkarnation Ahrimans. Die Anhaftung in diese Sphäre, die die dunkle Wesensgestalt gibt und die sie schließlich wie ein Spinnennetzwerk von Lügen immer weiter auf den Menschen wirft, den sie in ihr klebriges Gefesseltsein bringt, ist typisch für die Wesenheit Ahrimans.“<ref name=":2">[https://heinz-grill.de/2022-gedanke-geist-vernunft-prognose/ ''Der Abstieg der Dunkelheit bis in das Innere des Menschen.''] In: ''Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.'' Abgerufen am 29. Januar 2026.</ref>
kräfte, sie wirklichkeitsgemäß und fachlich, bis in den tiefsten Keimgrund ihrer untergründigen Wirkungsweise zu studieren. Gleichzeitig richten sie sich konkret zu den Idealen aus, sodass aus dieser Arbeit hoffnungsvolle Perspektiven entwickelt werden können. Mit dieser Arbeit schafften sie ein Gegengewicht zu den Untergangsstimmungen in der Welt. Im Umgang mit dem Wesen des Ahriman wird an der Hochschule von folgendem Gedanken des dort wirkenden spirituellen Lehrers Heinz Grill ausgegangen:


"Wer Ahriman kennt, wird ihn deshalb aus Weisheit niemals angreifen, wer ihn aber nicht kennt, konfrontiert ihn und verbindet sich auf unsolide Weise mit ihm. Das geeignete Mittel gegenüber Ahriman ist, ihn zu beobachten und zu erkennen, aber nicht gegen ihn anzukämpfen."<ref>>([https://heinz-grill.de/ahriman-inkarnation-mensch/])Abgerufen am 28.Dezember 2025</ref>
Im ''Goethe-Wörterbuch'' wird Ahriman mit der ewigen geistigen Finsternis gleichgesetzt. Trotzdem soll er die Farben, die aus der Finsternis entsprungen sind, selbst ausgeströmt haben:


:„Es sind aus der Finsterniß, mit der weißen Farbe der Kälte, alle Farben des Lichts und des Feuers entsprungen, und selbst der böse Ariman, die ewige geistige Finsterniß, soll die Farben ausgeströmt haben.“<ref>''[https://woerterbuchnetz.de/?sigle=GWB&lemid=A01445 Ahriman.]'' In: ''Goethe Wörterbuch.'' Abgerufen am 15. Januar 2025.</ref>


Das Wesen von Ahriman wird im ''Herders Conversations-Lexikon'' als der Schöpfer aller schädlichen Pflanzen und Tiere beschrieben. Er verführte auch die Menschen zum Abfall von Ormuzd, dem Schöpfergott in der Religion der Perser. „Am Ende der Zeit aber wird er sammt den Dews besiegt und mit Ormudzd versöhnt und verschwindet mit demselben im allgemeinen Weltuntergange, wo nur das Urwesen, aus dem alles hervorgegangen, Zeruane Akarene, übrig bleibt.“<ref>''[https://woerterbuchnetz.de/?sigle=Herder&lemid=A00890 Ahriman.]'' In: ''Herders Konversations-Lexikon.'' 1. Auflage, 1854–1857. Abgerufen am 15. Januar 2025.</ref>


== Ahriman im Schāhnāme ==
== Überwindung bzw. Nutzung von Ahriman ==


[[Datei:Shah Namah, the Persian Epic of the Kings Wellcome L0035183.jpg|mini|[[w:Faramarz|Faramarz]] tötet einen ahrimanischen Div. Persische Miniaturmalerei aus ''Schahname'']]
[[Datei:Ahriman Mysteriendrama.jpg|mini|Ahriman in einer Inszenierung von [[Rudolf Steiner]]s Mysteriendrama [[a:Die Pforte der Einweihung|''Die Pforte der Einweihung'']] am Goetheanum in Dornach]]
Im [[w:Schāhnāme|Schāhnāme]], dem Lebenswerk des persischen Dichters [[w:Firdausi|Abū ʾl-Qāsim Firdausī]] (940/41–1020) und gleichzeitig dem Nationalepos der persischsprachigen Welt, bildet Ahriman den Gegenspieler und Feind der Könige und Helden. Er gebietet über eine Schar dienstbarer Geister, Dewen oder [[w:Diw|Diws]] genannt.


Der zentralen Bedeutung Ahrimans als dem Repräsentanten des Bösen entsprechend führt Firdausi ihn bereits in der ersten Sage von Schahname über [[w:Gayomarth]] ein:
{{Zitat|Die Erlösung des Ahriman geschieht durch das Denken.|Rudolf Steiner<ref>Rudolf Steiner: ''Aus den Inhalten der esoterischen Stunden.'' GA&nbsp;266c. 1. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1998, ISBN 3-7274-2663-4, S.&nbsp;168–169. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_266c.pdf#page=168&view=Fit Online])</ref>}}


<poem style="margin-left:31px">
<poem style="margin-left:31px">
„Kein Feind lebt’ ihm auf der Erdenflur
„Fehlt das Vertrauen, Solidität,
Als heimlich ein arger Ahriman nur.“<ref>Friedrich Rückert (Übersetzer): ''Firdosi’s Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII.'' Georg Reimer, Berlin 1890, [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n60/mode/2up S. 4.]</ref>
in die Blüte des Gedankens,
stört Ahriman, die zersetzende Angst,
bald schnell, dramatisch, leidvoll klagend
den friedvollen Glanz unschätzbarer Reinheit,
verdunkelt das Sternlein am blassen Horizont,
nimmt hinweg den lichten Wagemut,
des Denkens Blüte kreative Kraft.
Oh! Wie leicht ist der Erfolg zerstört.“
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;– {{Kapitälchen|Heinz Grill<ref>Heinz Grill: ''Die goldene Lichtgestalt im Kosmos.'' Lammers-Koll-Verlag, ISBN 978-3-941995-54-3, S.&nbsp;3.</ref>}}
</poem>
</poem>


Firdausi spricht ohne Umschweife den Grundkonflikt der iranischen Mythologie zwischen Gut und Böse an, vertreten durch den Schah und Ahriman. Ahrimans Sohn will den Sohn des Schahs, [[w:Sijamak (Mythologie)|Sijamak]], töten, um sich so der Herrschaft über die Welt zu bemächtigen:
Parteimeinungen und Parteilebensauffassungen müssen überwunden werden, da sie die Absichten Ahrimans fördern. Rudolf Steiner drückt aus, dass bei sich gegenüberstehenden parteilichen Standpunkten immer die eine so gut bewiesen werden kann wie die andere. „Sie können ebensogut beweisen dasjenige, was irgendeine sozialistische Partei vertritt, wie das, was eine antisozialistische Partei vertritt, mit gleich guten Gründen, die dann die Menschen in Anspruch nehmen.“ Es sei für den Menschen nicht einzusehen, dass diese Beweisart so weit an der Oberfläche liege, dass sie für eine tiefere Erkenntnis, was geistiges Leben ist, unbrauchbar ist.<ref name=":3" /> Die Folgen spielen den Absichten Ahrimans in die Karten:
 
:„Dann werden sie das Entgegengesetzte beweisen, der eine dieses, der andere jenes, die eine Gruppe dieses, die andere Gruppe jenes; und da man beides beweisen kann, so werden die Menschen übergehen zu Haß und Erbitterung, die wir ja genügend in unserer Zeit finden. Das alles sind wiederum Dinge, die Ahriman fördern will zur Förderung seiner eigenen Erdeninkarnation.“<ref name=":3">Rudolf Steiner: ''Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis.'' S.&nbsp;202–203. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_191.pdf#page=202&view=Fit Online])</ref>
 
Heinz Grill regt eine wirklichkeitsgemäße und sachliche Auseinandersetzung mit dem Bösen an, denn sie dient dem Menschen, um hoffnungsvolle Perspektiven zu entwickeln. Richtet sich der Mensch intensiv auf Ideale aus und studiert er gleichzeitig die Widersachermächte bis in die Tiefe des Keimgrundes ihres untergründigen Weltendaseins, so kann er ein gewisses Gegengewicht zu den Untergangsstimmungen legen.<ref name=":4" /> Dies drückt das Bemühen aus, Ahriman zu erkennen. Nach den Forschungen von Heinz Grill ist es ratsam, Ahriman zu beobachten und zu erkennen, keinesfalls aber gegen ihn anzukämpfen:
 
:„Wer Ahriman kennt, wird ihn deshalb aus Weisheit niemals angreifen, wer ihn aber nicht kennt, konfrontiert ihn und verbindet sich auf unsolide Weise mit ihm. Das geeignete Mittel gegenüber Ahriman ist, ihn zu beobachten und zu erkennen, aber nicht gegen ihn anzukämpfen."<ref name=":4">[https://heinz-grill.de/ahriman-inkarnation-mensch/ ''Die Verkörperung Ahrimans – Teil 2.''] In: ''Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.'' Abgerufen am 28. Dezember 2025.</ref>
 
[[Datei:Faust I (Goethe) 086.jpg|mini|Seite 86 aus Faust I]]
 
In [[a:Faust|''Faust, der Tragödie erster Teil'']] lässt Johann Wolfgang von Goethe den [[a:Mephistopheles|Mephistopheles]] ausdrücken, dass er ein Teil jener Kraft sei, die das Böse will, aber das Gute schafft. Das drückt indirekt aus, dass der Mensch die böse Kraft nutzen kann:


<poem style="margin-left:31px">
<poem style="margin-left:31px">
„Schwarz war die Welt vor des Dewsohns Blick
„[Ich bin] ein Theil von jener Kraft,
Über des Schahs und Sijamak's Glück.
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft. […]
...
Ich bin der Geist der stets verneint!
Des Schahsohns Leib warf er auf den Grund,
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht
Und macht ihm mit Klauen die Weichen wund.
Ist werth, daß es zugrunde geht;
Vom grimmigen Feind war des Lebens beraubt
Drum besser wär’s, daß nichts entstünde.
Sijamek, und das Volk ohne Haupt.“<ref>Friedrich Rückert (Übersetzer): ''Firdosi's Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII.'' Georg Reimer, Berlin 1890, [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n60/mode/2up S. 4 f.]</ref>
So ist denn alles was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.“
&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;– {{Kapitälchen|[[a:Johann Wolfgang von Goethe|Johann Wolfgang von Goethe]]<ref>[https://de.wikisource.org/wiki/Faust_-_Der_Tragödie_erster_Teil ''Faust - Der Tragödie erster Teil.''] Nr. 1335–1340. In: ''Wikisource.'' Abgerufen am 31. Januar 2026.</ref>}}
</poem>
</poem>


Am Ende gelingt es [[w:Huschang Schah|Huschang]], dem Sohn von Sijamak, den Vater zu rächen, den Sohn Ahrimans zu töten und sich Herrschaft und Thron in Iran zu sichern:
Aus geistiger Sicht wird es nach den Forschungen von Heinz Grill für die Menschen in der Zukunft keinen Führer, keinen Lehrer, keinen Meister oder eine besondere Autoritäts&shy;person geben, der sie in einer neuen religiösen Bewegung oder in der Politik anführt.<ref name=":2" /> Seine Worte drücken eine ernste Situation aus, die Ahriman herbeiführt:
 
:„Die ahrimanische Kraft zerstört den Menschen bis in die Tiefe hinein und, wenn sich der Mensch aus dieser Zerstörung aufrichten möchte, bedarf es seiner ganzen Eigen&shy;ständigkeit und seiner mutigen Bewusstseinserkraftung.<ref name=":2" />
 
== Inkarnation Ahrimans ==
 
[[Datei:Ahriman Modell.jpg|mini|310px|Abguss des Modells für Ahriman der Statue ''Menschheitsrepräsentant'' (Rudolf Steiner)]]
 
Rudolf Steiners arbeitete heraus, dass vor dem Ablauf des 3. Jahrtausends der nach&shy;christlichen Zeit Ahriman im Westen zu einer wirklichen Inkarnation kommen wird. Ahriman sie diejenige Macht, die den Menschen nüchtern, prosaisch, philiströs mache, den Menschen verknöchere und den Menschen zum Aberglauben des Materialismus bringe.<ref>Rudolf Steiner: ''Der innere Aspekt des sozialen Rätsels. Luziferische Vergangenheit und ahrimanische Zukunft.'' GA 193. 4.&nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1889, ISBN 3-7274-1930-X, S.&nbsp;165. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_193.pdf#page=165&view=Fit Online])</ref>


<poem style="margin-left:31px">
Um erfolgreich auf der Erde inkarnieren zu können, lenkt die Wesenheit Ahriman seine Kräfte in der menschlichen Entwicklung so, dass die Menschen zu seinem Vorteil auf sein Wirken eingestimmt sind.
„Die Hand schwang wie ein Löw Hoscheng,
Die Welt macht' er dem Dewen eng.
Er zog ihm von Kopf zu Fuß in den Riem,
Abschnitt er das Haupt ohn' gleichen ihm;
Warf ihn zu Boden und trat in kraus,
Sein Fell war zerrissen, mit ihm war's aus.<ref>Friedrich Rückert (Übersetzer): ''Firdosi's Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII.'' Georg Reimer, Berlin 1890, [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n62/mode/2up S. 7.]</ref>
</poem>


Nach dieser Niederlage Ahrimans verschwindet das Böse allerdings nicht aus der Welt. Auch in den folgenden Sagen wird Ahriman seine niederträchtigen Pläne umzusetzen versuchen.
:„Und schlimm wäre es, wenn die Menschen schlafend dahinleben würden und gewisse Erscheinungen, die im Menschenleben vor sich gehen, nicht so nehmen würden, daß sie in ihnen erkennen können eine Vorbereitung für die fleischliche Inkarnation des Ahriman. Nur dadurch werden die Menschen die rechte Stellung finden, daß sie erkennen: In dieser oder jener Tatsachenreihe, die der menschheit&shy;lichen Entwickelung angehört, muß man erkennen, wie Ahriman vorbereitet sein irdisches Dasein. Und heute ist es an der Zeit, daß einzelne Menschen wissen, welche von den Vorgängen, die um sie herum sich abspielen, Machinationen Ahrimans sind, die – ihm zum Vorteil – seine demnächstige irdische Inkarnation womöglich vorbereiten.“<ref>Rudolf Steiner: ''Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis.'' S.&nbsp;199. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_191.pdf#page=199&view=Fit Online])</ref>


Aus seinen Forschungen zur Inkarnation Ahrimans bezieht Heinz Grill, der aus bestimmten anthroposophischen Kreisen selbst als Inkarnation Ahrimans bezeichnet wird, den Standpunkt, dass es sich nicht mit Gewissheit sagen lasse, „ob die Inkarnation Ahrimans eine einzelne Person betreffe oder ob sie ganze Scharen von Menschen vereinnahme. Manche behaupten, dass die künstliche Intelligenz eine unmittelbare Offenbarung Ahrimans sei und andere wieder definieren Personen, die die Physiognomie Ahrimans und das Charakterverhalten mit allen amoralischen Offenbarungen, die es nur gibt, erfüllen.“ Aus seiner Sicht setze die Anthroposophie mit Spekulationen über die Inkarnation Ahrimans mehr Angst frei, als wirkliche Aufklärung der tieferen Umstände und deren logischen Zusammenhänge zu geben. „Die Angst, die sich bei den Anthroposophen und bei vielen anderen bereits bis in die Glieder hineingesetzt hat, generiert nach außen hin eine ganze Reihe von irrationalen Handlungsinitiativen, die zuletzt in ihrer gesamten Folgewirkung einen Umstand erzeugen, der jede Türe zu einer wesenhaften Erkenntnis und geistigen Wahrheit verschließt.“<ref name=":0" />


== Siehe auch ==
== Siehe auch ==
* ...
 
* Artikel [[a:Ahriman|Ahriman]] in AnthroWiki
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften
* [[Grundlagen der Meditation]]
* [[:Kategorie: Entwicklung des Menschen]]


== Literatur ==
== Literatur ==


* Ulrich Hannemann (Hrsg.): ''Das Zend-Avesta.'' Band 1: ''Allgemeiner Teil.'' Überarbeitete Neuauflage der Ausgabe von 1776. Weißensee-Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-89998-199-5.
* Ulrich Hannemann (Hrsg.): ''Das Zend-Avesta.'' Band 1: ''Allgemeiner Teil.'' Überarbeitete Neuauflage der Ausgabe von 1776. Weißensee-Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-89998-199-5.
* Firdausi: ''Geschichten aus dem Schahnameh'' (= ''Diederichs Taschenausgaben.'' 21.) Ausgewählt und übertragen von Uta von Witzleben]. Eugen Diederichs, Düsseldorf u. a. 1960, S. 13 ff. (zu Ahriman).
* Firdausi: ''Geschichten aus dem Schahnameh'' (= ''Diederichs Taschenausgaben.'' 21.) Ausgewählt und übertragen von Uta von Witzleben. Eugen Diederichs, Düsseldorf 1960, S.&nbsp;13&nbsp;ff.
* Rudolf Steiner: ''Geisteswissenschaftliche Menschenkunde.'' GA 107. 5. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1070-1.
* Rudolf Steiner: ''Der innere Aspekt des sozialen Rätsels. Luziferische Vergangenheit und ahrimanische Zukunft.'' GA 193. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1889, ISBN 3-7274-1930-X.
* Walter Bühler: ''Anthroposophie als Forderung unserer Zeit.'' Kapitel 10: ''Das Rätsel des Bösen. Luzifer und Ahriman.'' Oratio Verlag, 2003, ISBN 978-3-7214-0589-7.


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
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[[Kategorie:Entwicklung des Menschen]]

Aktuelle Version vom 30. April 2026, 22:27 Uhr

Der Kopf Ahrimans nach einer von Rudolf Steiner geschaffenen Skulptur

Ahriman ist die mittelpersische Wortform des avestischen Namens Angra Mainyu, „zerstörerischer Geist, böser Geist.“ Nach der urpersischen Überlieferung ist Angra Manyu der Zerstörer, der sich als Widersacher dem lichten Gott Ahura Mazdao (Ormuzd) entgegenstellt.

Der Goethesche Mephistopheles (von hebräisch mephiz „der Verderber“ und tophel „der Lügner“) ist die Gestalt des Ahrimans,[1] ebenso der Satan der Bibel.

Rudolf Steiner (1861–1925) entwickelte die Bedeutung des Begriffs in Bezug auf die Entwicklung des Menschen weiter und brachte Ahriman mit der Bindung an die sterblichen Sinne und die physische Wirklichkeit in Verbindung.[2]

Das Wesen des Ahriman zeigt sich in verschiedenen Formen. Er wirkt im Menschen auf den Verstand mit schädlicher Überspitzung, sodass dieser sich im mehr materialistisch-technischen Denken fixiert und sich immer mehr in seine Leiblichkeit bindet. Sein Wesen der Versuchung zur Weltanhaftung und triebhaften Begierde verstrickt den Menschen in ein Spinnennetzwerk von Lügen in der Welt.

Geisteswissenschaftliche Forschungen erwarten eine Inkarnation Ahrimans in der gegenwärtigen Kulturepoche. Dies könnte auf eine einzelne Person bezogen geschehen oder in einer Vereinnahmung ganzer Scharen von Menschen eintreten.

Wortbedeutung

Angra Mainyu als Gegenteil von Spenta Mainyu

Datei:Text-pal-Ahlmn'-ahreman.png
Das mittelpersische Wort ʾhlmn', Ahreman

Angra ist das Gegenteil von Spenta (auch Sepanta), weshalb die Übersetzung von Angra Mainyu stark abhängig von der Übersetzung von Spenta Mainyu ist. Mainyu bedeutet in etwa „Geist, Gedanke, Vorstellung“; Spenta wird unter anderem als „aufbauend, freigebig, heilig“ übersetzt.

Spenta Mainyu ist somit der Geist der Vermehrung und Angra Mainyu der Geist des Widerstands. Diese Ur-Geister (als Vergegenwärtigung der freien Entscheidungskraft des Gewissens und des Gedankens ansehbar) wählen gemäß Yasna (30,3-5) frei zwischen einander entgegengesetzten Prinzipien, so zwischen Ascha (asha-) und Drudsch (druj-), Ordnung und Nicht-Ordnung, Leben und Nicht-Leben. Ursprünglich stand Angra Mainyu dem Spenta Mainyu gegenüber.[3]

Als Antonym könnte Angra Mainyu somit als „zerstörerischer Geist“ übersetzt werden. Dies ist auch häufig der Fall, denn die Idee des Zerstörerischen steht stellvertretend für einen Aspekt der Kernphilosophie des Zoroastrismus: die Verwicklung des Universums in einen Kampf zwischen ascha („Wahrheit, Ordnung, Sein, Existenz“) und drudsch („Lüge, Chaos, Zerstörung des Seins“).

Sprachentwicklungsbedingt wandelte sich das avestische Angra Mainyu zu mittelpersisch Ahriman (mittelpersisch ʾhlmn', Ahreman).

Im Avesta

Datei:Ahura mazda representación.gif
Faravahar symbolisiert die drei Grundprinzipien des Zoroastrismus: Gutes Denken, gutes Sprechen und gutes Tun.
Die beiden Schleifen symbolisieren Spenta Mainyu (zum Gesicht gerichtet) und Angra Mainyu (zum Rücken gerichtet).

Die Gathas umfassen fünf Hymnen aus der zoroastrischen mündlichen Tradition der Avesta. Das älteste erhaltene Textfragment der Gathas stammt aus dem Jahre 1323. Der Begriff Angra Mainyu kommt in den Gathas nur ein einziges Mal vor. In Yasna 45.2 ist der Begriff, wie die meisten anderen Begriffe der Gathas auch, nur ein reguläres Adjektiv-Nomen-Paar. Hier wird Angra Mainyu vom „Freigiebigen der beiden“ (Spenta Mainyu) als Widersacher in allen Belangen deklariert.

Ein ähnlicher Ausdruck erscheint auch an anderer Stelle in den Gathas, aber dort ist nicht Angra Mainyu, sondern Aka Mainyu („böser Geist“) der Widersacher Spenta Mainyus. An weiteren Stellen wird vom akem manah „böses Denken“ und vom daebaaman „Betrüger“ gesprochen.

Erst im jüngeren Avesta ist Angra Mainyu eindeutig Stellvertreter des Zerstörerischen.

Während in den älteren Texten des jüngeren Avesta noch Angra Mainyu und Spenta Mainyu sich bekriegen, wandelt sich die Situation schlagartig in der Vendidâd. In diesen sehr späten Texten der Vendidâd 1 (4. Jahrhundert v. Chr.) wird der Kampf nicht mehr von Angra Mainyu und Spenta Mainyu ausgetragen, sondern von Angra Mainyu und lichten Gott Ahura Mazdao (Ormuzd).[4] Dies belegt ein Zitat des Aristoteles bei Diogenes Laertios (1.6), in dem die Widersacher Ariemanios und Oromazdes genannt werden.

Ahriman im Schāhnāme

Datei:Shah Namah, the Persian Epic of the Kings Wellcome L0035183.jpg
Faramarz tötet einen ahrimanischen Diw. Persische Miniaturmalerei aus Schāhnāme

Im Schāhnāme, Lebenswerk des persischen Dichters Firdausī (940/41–1020) und gleichzeitig Nationalepos der persischsprachigen Welt, bildet Ahriman den Gegenspieler und Feind der Könige und Helden. Er gebietet über eine Schar dienstbarer Geister, Dewen oder Diws genannt.

Der zentralen Bedeutung Ahrimans als dem Repräsentanten des Bösen entsprechend, führt Firdausi ihn bereits in der ersten Sage von Schāhnāme über Gayomarth ein:

„Kein Feind lebt’ ihm auf der Erdenflur
Als heimlich ein arger Ahriman nur.“[5]

Firdausi spricht ohne Umschweife den Grundkonflikt der iranischen Mythologie zwischen Gut und Böse an, vertreten durch den Schah und Ahriman. Ahrimans Sohn will den Sohn des Schahs, Sijamak, töten, um sich so der Herrschaft über die Welt zu bemächtigen:

„Schwarz war die Welt vor des Dewsohns Blick
Über des Schahs und Sijamek's Glück.
[…]
Des Schahsohns Leib warf er auf den Grund,
Und macht ihm mit Klauen die Weichen wund.
Vom grimmigen Feind war des Lebens beraubt
Sijamek, und das Volk ohne Haupt.“[6]

Am Ende gelingt es Huschang, dem Sohn von Sijamak, den Vater zu rächen, den Sohn Ahrimans zu töten und sich Herrschaft und Thron in Iran zu sichern:

„Die Hand schwang wie ein Löw Hoscheng,
Die Welt macht' er dem Dewen eng.
Er zog ihm von Kopf zu Fuß in den Riem,
Abschnitt er das Haupt ohn' gleichen ihm;
Warf ihn zu Boden und trat in kraus,
Sein Fell war zerrissen, mit ihm war's aus.[7]

Nach dieser Niederlage Ahrimans verschwindet das Böse allerdings nicht aus der Welt. Auch in den folgenden Sagen wird Ahriman seine niederträchtigen Pläne umzusetzen versuchen.

Wesensmerkmale

Menschheitsrepräsentant (Rudolf Steiner)
Christus in der Mitte zwischen Luzifer und Ahriman (unten)

Die Anthroposophie sieht in Ahriman ein Wesen, das in schädlicher Überspitzung des materialistisch-technischen Verstandes den Gegenpol zum rauschhaft schwelgenden, weltflüchtigen Luzifer bildet. Der Mensch müsse in sich mit der Hilfe des Christus die Mitte zwischen den beiden Wesen und deren Qualitäten halten. Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, drückte dies in seiner Holzplastik Menschheitsrepräsentant aus.

Ahriman ist ein Geist, der begabt ist mit einer die menschliche Fassungskraft übersteigenden, durchdringenden aber kalten Intelligenz, die er jedoch begierig in sich verschließt. Im Gegensatz zu Luzifer erscheint er daher als der Geist der Finsternis und der Widermächte, welcher der Menschenseele den Zugang zur seelisch-geistigen Welt verdunkeln und versperren möchte, um ihr Bewußtsein immer mehr an die physische Leiblichkeit zu ketten und einzuschränken.[8]

Eine andere Form der verführerischen Kräfte des Ahriman wirkt auf die bereits sehr verbreitete Stimmung unter den Menschen, dass es genügt, wenn im öffentlichen Leben dafür gesorgt wird, dass die Menschen wirtschaftlich zufriedengestellt werden:

„Je mehr es gelingen würde, die Menschen aufzurütteln, daß sie nicht bloß wirtschaften im materiellen Sinne, sondern ebenso wie das Wirtschaftsleben auch das selbständige freie Geistesleben, das den wirklichen Geist hat, als ein Glied des sozialen Organismus betrachten, in demselben Maße würden die Menschen die Inkarnation Ahrimans so erwarten, daß sie eine menschheitsgemäße Stellung zu dieser Inkarnation würden einnehmen können.“[9]

Die heutige offizielle Wissenschaft bietet nichts für eine wirkliche Erkenntnis des Geistes und der Seele. Sie ist allein darauf ausgerichtet, die äußere sichtbare Natur der Dinge aufzufassen. Es steht das Nutz- und Gewinnprinzip in der Mitte und eine Auseinandersetzung mit dem Geistigen und der Seele erscheint unsinnig oder unnütz für den Menschen. Dies bietet eine Nährboden für die Absichten Ahrimans.[9]

Ahriman arbeitet darauf hin, dass der Mensch durch den ausschließlichen Gebrauch des Intellekts das Wissen verliert, dass er als geistig-seelisches Wesen nicht trennbar ist von seinem Leib:

„Wenn man menschliche Ausdrücke auf göttliches Wollen anwenden möchte, so möchte man sagen: Ahriman wartete mit Sehnsucht auf den Augenblick, wo er in das menschliche Bewußtsein mit seiner Macht eindringen konnte. Nun wurde er überrascht davon, daß er früher nicht gewußt hat, daß ein göttlicher Entschluß vorlag, ein Wesen auf die Erde zu senden, den Christus, der durch den Tod ging. Dadurch war zwar das Eingreifen des Ahriman möglich, aber seiner eigentlichen Herrschaft war die Spitze abgebrochen. Seit jener Zeit benützt Ahriman jede Gelegenheit, um die Menschen zum bloßen Gebrauche des Intellektes zubringen; Ahriman hat noch heute die Hoffnung nicht aufgegeben, daß es ihm gelingen werde, die Menschen zum bloßen Gebrauch ihres Intellektes zu bringen. Was würde das bedeuten? Wenn es Ahriman gelingen könnte, den Menschen die Überzeugung restlos beizubringen, so daß jede andere Überzeugung von der Erde hinschwinden würde, daß der Mensch nur in seinem Leibe leben kann, daß er nicht trennbar ist als geistig-seelisches Wesen von seinem Leibe, so würde die menschliche Seele so ergriffen werden von der Todesidee, daß Ahriman leicht seine Pläne verwirklichen könnte. Darauf hofft Ahriman immer.“[10]

Rudolf Steiner beobachtete 1915, dass man das ahrimanische Element am stärksten in Amerika finde. Er sah auch die Tendenz in der Entwicklung dieser Kultur, dass die Sehnsucht immer mehr wächst, die Geister sichtbar zu machen, selbst da, wo nach Spiritualität, nach Geistigem gestrebt wird. Nach und nach werde das ahrimanische Element auch den Westen Europas ergreifen und seine Mission erfüllen, sich in die Kultur einzuführen.[11]

Datei:Industrial Cobweb 5676.jpg
Die Anhaftung an Ahriman zeigt sich in einem Spinnennetz von Lügen. (Heinz Grill)

Heinz Grill, Begründer des geistigen Schulungsweges Neuer Yogawille, arbeitet heraus, dass sich die Anhaftung an Ahriman in einem Spinnennetz von Lügen zeige, das den Menschen in ein klebriges Gefesseltsein bringe:

„Esoterisch und gemäß der anthroposophischen Lehre würde man sagen, dass die Wesenheit der Versuchung zur Weltanhaftung und triebhaften Begierde mit Ahriman benannt wird. So sprechen viele Personen in anthroposophischen Zweigen von der Inkarnation Ahrimans. Die Anhaftung in diese Sphäre, die die dunkle Wesensgestalt gibt und die sie schließlich wie ein Spinnennetzwerk von Lügen immer weiter auf den Menschen wirft, den sie in ihr klebriges Gefesseltsein bringt, ist typisch für die Wesenheit Ahrimans.“[12]

Im Goethe-Wörterbuch wird Ahriman mit der ewigen geistigen Finsternis gleichgesetzt. Trotzdem soll er die Farben, die aus der Finsternis entsprungen sind, selbst ausgeströmt haben:

„Es sind aus der Finsterniß, mit der weißen Farbe der Kälte, alle Farben des Lichts und des Feuers entsprungen, und selbst der böse Ariman, die ewige geistige Finsterniß, soll die Farben ausgeströmt haben.“[13]

Das Wesen von Ahriman wird im Herders Conversations-Lexikon als der Schöpfer aller schädlichen Pflanzen und Tiere beschrieben. Er verführte auch die Menschen zum Abfall von Ormuzd, dem Schöpfergott in der Religion der Perser. „Am Ende der Zeit aber wird er sammt den Dews besiegt und mit Ormudzd versöhnt und verschwindet mit demselben im allgemeinen Weltuntergange, wo nur das Urwesen, aus dem alles hervorgegangen, Zeruane Akarene, übrig bleibt.“[14]

Überwindung bzw. Nutzung von Ahriman

Ahriman in einer Inszenierung von Rudolf Steiners Mysteriendrama Die Pforte der Einweihung am Goetheanum in Dornach

„Die Erlösung des Ahriman geschieht durch das Denken.“

Rudolf Steiner[15]

„Fehlt das Vertrauen, Solidität,
in die Blüte des Gedankens,
stört Ahriman, die zersetzende Angst,
bald schnell, dramatisch, leidvoll klagend
den friedvollen Glanz unschätzbarer Reinheit,
verdunkelt das Sternlein am blassen Horizont,
nimmt hinweg den lichten Wagemut,
des Denkens Blüte kreative Kraft.
Oh! Wie leicht ist der Erfolg zerstört.“
    – Heinz Grill[16]

Parteimeinungen und Parteilebensauffassungen müssen überwunden werden, da sie die Absichten Ahrimans fördern. Rudolf Steiner drückt aus, dass bei sich gegenüberstehenden parteilichen Standpunkten immer die eine so gut bewiesen werden kann wie die andere. „Sie können ebensogut beweisen dasjenige, was irgendeine sozialistische Partei vertritt, wie das, was eine antisozialistische Partei vertritt, mit gleich guten Gründen, die dann die Menschen in Anspruch nehmen.“ Es sei für den Menschen nicht einzusehen, dass diese Beweisart so weit an der Oberfläche liege, dass sie für eine tiefere Erkenntnis, was geistiges Leben ist, unbrauchbar ist.[17] Die Folgen spielen den Absichten Ahrimans in die Karten:

„Dann werden sie das Entgegengesetzte beweisen, der eine dieses, der andere jenes, die eine Gruppe dieses, die andere Gruppe jenes; und da man beides beweisen kann, so werden die Menschen übergehen zu Haß und Erbitterung, die wir ja genügend in unserer Zeit finden. Das alles sind wiederum Dinge, die Ahriman fördern will zur Förderung seiner eigenen Erdeninkarnation.“[17]

Heinz Grill regt eine wirklichkeitsgemäße und sachliche Auseinandersetzung mit dem Bösen an, denn sie dient dem Menschen, um hoffnungsvolle Perspektiven zu entwickeln. Richtet sich der Mensch intensiv auf Ideale aus und studiert er gleichzeitig die Widersachermächte bis in die Tiefe des Keimgrundes ihres untergründigen Weltendaseins, so kann er ein gewisses Gegengewicht zu den Untergangsstimmungen legen.[18] Dies drückt das Bemühen aus, Ahriman zu erkennen. Nach den Forschungen von Heinz Grill ist es ratsam, Ahriman zu beobachten und zu erkennen, keinesfalls aber gegen ihn anzukämpfen:

„Wer Ahriman kennt, wird ihn deshalb aus Weisheit niemals angreifen, wer ihn aber nicht kennt, konfrontiert ihn und verbindet sich auf unsolide Weise mit ihm. Das geeignete Mittel gegenüber Ahriman ist, ihn zu beobachten und zu erkennen, aber nicht gegen ihn anzukämpfen."[18]
Datei:Faust I (Goethe) 086.jpg
Seite 86 aus Faust I

In Faust, der Tragödie erster Teil lässt Johann Wolfgang von Goethe den Mephistopheles ausdrücken, dass er ein Teil jener Kraft sei, die das Böse will, aber das Gute schafft. Das drückt indirekt aus, dass der Mensch die böse Kraft nutzen kann:

„[Ich bin] ein Theil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft. […]
Ich bin der Geist der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht
Ist werth, daß es zugrunde geht;
Drum besser wär’s, daß nichts entstünde.
So ist denn alles was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.“
    – Johann Wolfgang von Goethe[19]

Aus geistiger Sicht wird es nach den Forschungen von Heinz Grill für die Menschen in der Zukunft keinen Führer, keinen Lehrer, keinen Meister oder eine besondere Autoritäts­person geben, der sie in einer neuen religiösen Bewegung oder in der Politik anführt.[12] Seine Worte drücken eine ernste Situation aus, die Ahriman herbeiführt:

„Die ahrimanische Kraft zerstört den Menschen bis in die Tiefe hinein und, wenn sich der Mensch aus dieser Zerstörung aufrichten möchte, bedarf es seiner ganzen Eigen­ständigkeit und seiner mutigen Bewusstseinserkraftung.[12]

Inkarnation Ahrimans

Abguss des Modells für Ahriman der Statue Menschheitsrepräsentant (Rudolf Steiner)

Rudolf Steiners arbeitete heraus, dass vor dem Ablauf des 3. Jahrtausends der nach­christlichen Zeit Ahriman im Westen zu einer wirklichen Inkarnation kommen wird. Ahriman sie diejenige Macht, die den Menschen nüchtern, prosaisch, philiströs mache, den Menschen verknöchere und den Menschen zum Aberglauben des Materialismus bringe.[20]

Um erfolgreich auf der Erde inkarnieren zu können, lenkt die Wesenheit Ahriman seine Kräfte in der menschlichen Entwicklung so, dass die Menschen zu seinem Vorteil auf sein Wirken eingestimmt sind.

„Und schlimm wäre es, wenn die Menschen schlafend dahinleben würden und gewisse Erscheinungen, die im Menschenleben vor sich gehen, nicht so nehmen würden, daß sie in ihnen erkennen können eine Vorbereitung für die fleischliche Inkarnation des Ahriman. Nur dadurch werden die Menschen die rechte Stellung finden, daß sie erkennen: In dieser oder jener Tatsachenreihe, die der menschheit­lichen Entwickelung angehört, muß man erkennen, wie Ahriman vorbereitet sein irdisches Dasein. Und heute ist es an der Zeit, daß einzelne Menschen wissen, welche von den Vorgängen, die um sie herum sich abspielen, Machinationen Ahrimans sind, die – ihm zum Vorteil – seine demnächstige irdische Inkarnation womöglich vorbereiten.“[21]

Aus seinen Forschungen zur Inkarnation Ahrimans bezieht Heinz Grill, der aus bestimmten anthroposophischen Kreisen selbst als Inkarnation Ahrimans bezeichnet wird, den Standpunkt, dass es sich nicht mit Gewissheit sagen lasse, „ob die Inkarnation Ahrimans eine einzelne Person betreffe oder ob sie ganze Scharen von Menschen vereinnahme. Manche behaupten, dass die künstliche Intelligenz eine unmittelbare Offenbarung Ahrimans sei und andere wieder definieren Personen, die die Physiognomie Ahrimans und das Charakterverhalten mit allen amoralischen Offenbarungen, die es nur gibt, erfüllen.“ Aus seiner Sicht setze die Anthroposophie mit Spekulationen über die Inkarnation Ahrimans mehr Angst frei, als wirkliche Aufklärung der tieferen Umstände und deren logischen Zusammenhänge zu geben. „Die Angst, die sich bei den Anthroposophen und bei vielen anderen bereits bis in die Glieder hineingesetzt hat, generiert nach außen hin eine ganze Reihe von irrationalen Handlungsinitiativen, die zuletzt in ihrer gesamten Folgewirkung einen Umstand erzeugen, der jede Türe zu einer wesenhaften Erkenntnis und geistigen Wahrheit verschließt.“[2]

Siehe auch

Literatur

  • Ulrich Hannemann (Hrsg.): Das Zend-Avesta. Band 1: Allgemeiner Teil. Überarbeitete Neuauflage der Ausgabe von 1776. Weißensee-Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-89998-199-5.
  • Firdausi: Geschichten aus dem Schahnameh (= Diederichs Taschenausgaben. 21.) Ausgewählt und übertragen von Uta von Witzleben. Eugen Diederichs, Düsseldorf 1960, S. 13 ff.
  • Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Menschenkunde. GA 107. 5. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1070-1.
  • Rudolf Steiner: Der innere Aspekt des sozialen Rätsels. Luziferische Vergangenheit und ahrimanische Zukunft. GA 193. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1889, ISBN 3-7274-1930-X.
  • Walter Bühler: Anthroposophie als Forderung unserer Zeit. Kapitel 10: Das Rätsel des Bösen. Luzifer und Ahriman. Oratio Verlag, 2003, ISBN 978-3-7214-0589-7.

Einzelnachweise

  1. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Menschenkunde. GA 107. 5. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1070-1, S. 172. (Online)
  2. 2,0 2,1 Die Verkörperung Ahrimans – Teil 1. In: Beiträge zu einem Neuen Yogawillen. Abgerufen am 28. Dezember 2025.
  3. Antonio Panaino: Religionen im antiken Iran. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 26 f.
  4. Vgl. auch Antonio Panaino: Religionen im antiken Iran. S. 27 f.
  5. Friedrich Rückert (Übersetzer): Firdosi’s Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII. Georg Reimer, Berlin 1890, S. 4.
  6. Friedrich Rückert: Firdosi's Königsbuch. S. 4 f.
  7. Friedrich Rückert: Firdosi's Königsbuch. S. 7.
  8. Walter Bühler: Anthroposophie als Forderung unserer Zeit. Kapitel 10: Das Rätsel des Bösen. Luzifer und Ahriman. Oratio Verlag, 2003, ISBN 978-3-7214-0589-7, S. 137 ff.
  9. 9,0 9,1 Rudolf Steiner: Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. GA 191. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, ISBN 3-7274-1910-5, S. 202. (Online)
  10. Rudolf Steiner: Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung. GA 211. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1986, ISBN 3-7274-2110-X, S. 111. (Online)
  11. Rudolf Steiner: Das Geheimnis des Todes. Wesen und Bedeutung Mitteleuropas und die europäischen Volksgeister. GA 159. 2. durchgesehene Auflage, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1980, ISBN 3-7274-1590-8, S. 236. (Online)
  12. 12,0 12,1 12,2 Der Abstieg der Dunkelheit bis in das Innere des Menschen. In: Beiträge zu einem Neuen Yogawillen. Abgerufen am 29. Januar 2026.
  13. Ahriman. In: Goethe Wörterbuch. Abgerufen am 15. Januar 2025.
  14. Ahriman. In: Herders Konversations-Lexikon. 1. Auflage, 1854–1857. Abgerufen am 15. Januar 2025.
  15. Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden. GA 266c. 1. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1998, ISBN 3-7274-2663-4, S. 168–169. (Online)
  16. Heinz Grill: Die goldene Lichtgestalt im Kosmos. Lammers-Koll-Verlag, ISBN 978-3-941995-54-3, S. 3.
  17. 17,0 17,1 Rudolf Steiner: Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. S. 202–203. (Online)
  18. 18,0 18,1 Die Verkörperung Ahrimans – Teil 2. In: Beiträge zu einem Neuen Yogawillen. Abgerufen am 28. Dezember 2025.
  19. Faust - Der Tragödie erster Teil. Nr. 1335–1340. In: Wikisource. Abgerufen am 31. Januar 2026.
  20. Rudolf Steiner: Der innere Aspekt des sozialen Rätsels. Luziferische Vergangenheit und ahrimanische Zukunft. GA 193. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1889, ISBN 3-7274-1930-X, S. 165. (Online)
  21. Rudolf Steiner: Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. S. 199. (Online)
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