Rainer Maria Rilke: Unterschied zwischen den Versionen
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Sein umfangreicher Briefwechsel mit gleichfalls herausragenden Dichtern und Denkern seiner Zeit gilt als wichtiger Bestandteil seines literarischen Schaffens. Als Übersetzer französischer Lyrik, unter anderen von [[w:Paul Verlaine|Paul Verlaine]] und [[w:Paul Valéry|Paul Valéry]], leistete er einen wichtigen Beitrag zum deutsch-französischen Kulturtransfer. | Sein umfangreicher Briefwechsel mit gleichfalls herausragenden Dichtern und Denkern seiner Zeit gilt als wichtiger Bestandteil seines literarischen Schaffens. Als Übersetzer französischer Lyrik, unter anderen von [[w:Paul Verlaine|Paul Verlaine]] und [[w:Paul Valéry|Paul Valéry]], leistete er einen wichtigen Beitrag zum deutsch-französischen Kulturtransfer. | ||
Im Februar 1918 besuchte Rilke einen Vortrag von [[Rudolf Steiner]] und äußerte sich später seinem Dichterkollegen [[a:Albert Steffen|Albert Steffen]] gegenüber zurückhaltend. Obwohl er immer wieder in die Nähe von Rudolf Steiner, von Anthroposophen und anthroposophischen Inhalten gekommen ist, erhielt er eine Distanz und eigene Selbständigkeit aufrecht. | |||
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{{Zitat|Denken Sie nicht, dass es ein russisches Dorf gibt, elend genug, um meine Meinung und Empfindung zu Russland umzustürzen. Ich fürchte nicht, dass das russische Volk an Hunger sterben könnte, denn Gott selbst nährt es mit seiner ewigen Liebe.|Rainer Maria Rilke, am Ende seiner zweiten Russlandreise<ref>Roman Bucheli: [https://www.nzz.ch/feuilleton/vielleicht-war-es-nur-ein-missverstaendnis-ld.1316147 ''Rilke in Russland: Vielleicht war es nur ein Missverständnis.''] In: ''Neue Zürcher Zeitung.'' Abgerufen am 20. Oktober 2025.</ref>}} | {{Zitat|Denken Sie nicht, dass es ein russisches Dorf gibt, elend genug, um meine Meinung und Empfindung zu Russland umzustürzen. Ich fürchte nicht, dass das russische Volk an Hunger sterben könnte, denn Gott selbst nährt es mit seiner ewigen Liebe.|Rainer Maria Rilke, am Ende seiner zweiten Russlandreise<ref>Roman Bucheli: [https://www.nzz.ch/feuilleton/vielleicht-war-es-nur-ein-missverstaendnis-ld.1316147 ''Rilke in Russland: Vielleicht war es nur ein Missverständnis.''] In: ''Neue Zürcher Zeitung.'' Abgerufen am 20. Oktober 2025.</ref>}} | ||
In dem trinationalen Ausstellungsprojekt „Rilke und Russland“<ref>[https://www.dla-marbach.de/museen/wechselausstellungen/vorschau-wechselausstellungen/rilke-und-russland/ ''»Rilke und Russland«. Trinationales Forschungs- und Ausstellungsprojekt Marbach – Bern, Zürich – Moskau.''] In: dla-marbach.de.'' Abgerufen am 20. Oktober 2025.</ref> des [[w:Deutsches Literaturarchiv Marbach|DLA Marbach]] widmete man sich den Erlebnissen, Beziehungen und „russischen Dingen“ in seinem Werk.<ref>Stefan Kister: [https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.rilke-und-russland-in-marbach-pilgerfahrten-eines-russlandverstehers.57718c87-d3a4-474f-8eb8-27695ffc39ab.html ''„Rilke und Russland“ in Marbach. Pilgerfahrten eines Russlandverstehers.''] In: ''Stuttgarter Zeitung.'' Artikel vom 3. Mai 2017, abgerufen am 20. Oktober 2025.</ref> | In dem trinationalen Ausstellungsprojekt „Rilke und Russland“<ref>[https://www.dla-marbach.de/museen/wechselausstellungen/vorschau-wechselausstellungen/rilke-und-russland/ ''»Rilke und Russland«. Trinationales Forschungs- und Ausstellungsprojekt Marbach – Bern, Zürich – Moskau.''] In: dla-marbach.de.'' Abgerufen am 20. Oktober 2025.</ref> des [[w:Deutsches Literaturarchiv Marbach|DLA Marbach]] widmete man sich den Erlebnissen, Beziehungen und „russischen Dingen“ in seinem Werk.<ref>Stefan Kister: [https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.rilke-und-russland-in-marbach-pilgerfahrten-eines-russlandverstehers.57718c87-d3a4-474f-8eb8-27695ffc39ab.html ''„Rilke und Russland“ in Marbach. Pilgerfahrten eines Russlandverstehers.''] In: ''Stuttgarter Zeitung.'' Artikel vom 3. Mai 2017, abgerufen am 20. Oktober 2025.</ref> | ||
1898 kam es zu zwischen Rainer Maria Rilke und [[Rudolf Steiner]] im ''Magazin für Litteratur'' zu einem Austausch über das „Wort“. Rilke vertrat den folgenden Standpunkt: „Man wird fühlen, daß wir in Worten nie ganz aufrichtig sein können, weil sie viel zu grobe Zangen sind, welche an die zartesten Räder in dem großen Werke gar nicht rühren können, ohne sie nicht gleich zu zerdrücken.“<ref>Rudolf Steiner: ''Gesammelte Aufsätze zur Literatur 1884–1902.'' GA 32. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2004, ISBN 3-7274-0320-9, S. 540. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_032.pdf#page=540&view=Fit Online])</ref> Steiner antwortete: „Man darf es dem Worte nicht zum Vorwurfe machen, daß es von den meisten Menschen nicht tief genug genommen wird. Es ist nicht eigentlich selbst eine grobe Zange, sondern eine feine Zange, die zumeist von groben Händen gehandhabt wird.“<ref>Rudolf Steiner: ''Gesammelte Aufsätze zur Dramaturgie 1889–1900.'' GA 29. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2004, ISBN 3-7274-0290-3, S. 154. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_029.pdf#page=154&view=Fit Online])</ref> | |||
[[Datei:Rainer Maria Rilke und Clara Rilke-Westhoff 1901 (cropped).jpg|mini|315px|Rainer Maria Rilke und Clara Rilke-Westhoff kurz nach ihrer Hochzeit im Jahr 1901]] | [[Datei:Rainer Maria Rilke und Clara Rilke-Westhoff 1901 (cropped).jpg|mini|315px|Rainer Maria Rilke und Clara Rilke-Westhoff kurz nach ihrer Hochzeit im Jahr 1901]] | ||
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Ab 1906 intensivierte sich der Kontakt Rilkes zu Mathilde und [[w:Karl Vollmoeller|Karl Gustav Vollmoeller]]. Über Ostern 1908 war Rilke für mehrere Tage Gast in Vollmoellers Florentiner Domizil, der Renaissancevilla Gilli-Pozzino. Anwesend waren auch der Schriftsteller [[w:Felix Salten|Felix Salten]] sowie das Ehepaar Lepsius. In den folgenden Jahren trafen Rilke und Vollmoeller einander mehrmals in Paris. | Ab 1906 intensivierte sich der Kontakt Rilkes zu Mathilde und [[w:Karl Vollmoeller|Karl Gustav Vollmoeller]]. Über Ostern 1908 war Rilke für mehrere Tage Gast in Vollmoellers Florentiner Domizil, der Renaissancevilla Gilli-Pozzino. Anwesend waren auch der Schriftsteller [[w:Felix Salten|Felix Salten]] sowie das Ehepaar Lepsius. In den folgenden Jahren trafen Rilke und Vollmoeller einander mehrmals in Paris. | ||
Die wichtigsten dichterischen Erträge der Pariser Zeit waren die ''[[w:Neuen Gedichte | Die wichtigsten dichterischen Erträge der Pariser Zeit waren die ''[[w:Neue Gedichte (Rilke)|Neuen Gedichte]]'' (1907), ''Der neuen Gedichte anderer Teil'' (1908), die beiden ''Requiem''-Gedichte (1909) sowie der bereits 1904 begonnene und im Januar 1910 vollendete Roman ''Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge''. | ||
Für den Leipziger Insel Verlag, dessen Leitung [[w:Anton Kippenberg|Anton Kippenberg]] 1905 übernommen hatte, wurde Rilke zum wichtigsten zeitgenössischen Autor. Kippenberg erwarb für den Verlag bis 1913 die Rechte an allen bis dahin verfassten Werken Rilkes. | Für den Leipziger Insel Verlag, dessen Leitung [[w:Anton Kippenberg|Anton Kippenberg]] 1905 übernommen hatte, wurde Rilke zum wichtigsten zeitgenössischen Autor. Kippenberg erwarb für den Verlag bis 1913 die Rechte an allen bis dahin verfassten Werken Rilkes. | ||
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Nachdem er ''Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge'' 1910 in Leipzig vollendet hatte, begann für Rilke eine tiefe Schaffenskrise. Auf der Suche nach neuer Inspiration setzte er sich mit klassischen Schriftstellern, erstmals auch intensiver mit dem Werk Goethes und Shakespeares, auseinander. 1912 begann er die [[w:Duineser Elegien|Duineser Elegien]], die er jedoch erst im Februar 1922 abschließen konnte. Dieser Gedichtzyklus verdankt seinen Namen dem Aufenthalt Rilkes auf dem [[w:Duino-Aurisina#Schloss_Duino|Schloss Duino]] der Gräfin [[w:Marie von Thurn und Taxis|Marie von Thurn und Taxis]] bei Triest in der Zeit von Oktober 1911 bis Mai 1912 | Nachdem er ''Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge'' 1910 in Leipzig vollendet hatte, begann für Rilke eine tiefe Schaffenskrise. Auf der Suche nach neuer Inspiration setzte er sich mit klassischen Schriftstellern, erstmals auch intensiver mit dem Werk Goethes und Shakespeares, auseinander. 1912 begann er die [[w:Duineser Elegien|Duineser Elegien]], die er jedoch erst im Februar 1922 abschließen konnte. Dieser Gedichtzyklus verdankt seinen Namen dem Aufenthalt Rilkes auf dem [[w:Duino-Aurisina#Schloss_Duino|Schloss Duino]] der Gräfin [[w:Marie von Thurn und Taxis|Marie von Thurn und Taxis]] bei Triest in der Zeit von Oktober 1911 bis Mai 1912 | ||
1912 erschien eine Neuausgabe der lyrischen Erzählung ''[[w:Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke|Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke]]'' als Nummer 1 der Insel-Bücherei | 1912 erschien eine Neuausgabe der lyrischen Erzählung ''[[w:Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke|Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke]]'' als Nummer 1 der Insel-Bücherei, mit der das Werk hohe Auflagen und ungewöhnliche Popularität erlangen sollte, nachdem es zunächst 1906 von Rilkes erstem Verleger, [[w:Axel Juncker|Axel Juncker]], recht erfolglos als Liebhaberausgabe herausgebracht worden war. | ||
[[Datei:Gut böckel.jpg|mini|Gut Böckel]] | [[Datei:Gut böckel.jpg|mini|Gut Böckel]] | ||
Der Ausbruch des 1. Weltkriegs überraschte Rilke während eines Deutschlandaufenthaltes. Nach Paris konnte er nicht mehr zurückkehren; sein dort | Der Ausbruch des 1. Weltkriegs überraschte Rilke während eines Deutschlandaufenthaltes. Nach Paris konnte er, als Österreicher, nicht mehr zurückkehren; sein dort zurück­gelassener Besitz wurde beschlagnahmt und versteigert. | ||
Von den Kriegswirren, und vor allem von Vereinnahmung durch die eine oder andere Zugehörigkeit, distanzierte er sich. In Rilkes letzten Pariser Tagen gab er der Schriftstellerin Zsófia Dénes (1885–1987) ein Interview, das am 12. Juli 1914 im linksradikalen Tageblatt ''Világ'' (Die Welt) veröffentlicht wurde. In diesem Interview sagte er der Satz: „Ja, ich bin fast Ihr Landsmann, aber – verzeihen Sie mir, bitte, ich will Sie damit nicht beleidigen – ich gebe nicht viel auf mein Österreichertum. Ich entstamme einer slawischen Familie, und meine politischen Begriffe verwischen sich. Ich bin ein Prager, aber russischen Bluts, und es ist ein Zufall, daß meine Muttersprache das Deutsche ist.“<ref>Ferenc Szasz: [https://real-eod.mtak.hu/9552/1/01_971.pdf#page=48&view=fit ''Rainer Maria Rilke in Ungarn.''] In: ''Budapester Beiträge zur Germanistik, Nr. 26. Rilke, die Donaumonarchie und ihre Nachfolgestaaten.'' Budapest 1994, ISBN 963-462-900-8, S. 46. Abruf der PDF am 15. Januar 2025.</ref> | |||
Den größten Teil der Kriegszeit verbrachte Rilke in München. Von 1914 bis 1916 hatte er eine stürmische Affäre mit der Malerin [[w:Lou Albert-Lasard|Lou Albert-Lasard]]. | |||
Anfang 1916 wurde Rilke eingezogen und musste in Wien eine militärische Grundausbildung absolvieren, wo er in der [[w:Breitenseer Kaserne|Breitenseer Kaserne]] im Westen der Stadt Wien stationiert war. Auf Fürsprache einflussreicher Freunde wurde er zur Arbeit ins [[w:Österreichisches Staatsarchiv#Kriegsarchiv|Kriegsarchiv]] und ins [[w:k.u.k. Kriegspressequartier|k.u.k. Kriegspressequartier]] überstellt und am 9. Juni 1916 aus dem Militärdienst entlassen. | |||
Die Zeit danach, in der er auch – zum Teil gemeinsam mit [[w:Oskar Maria Graf|Oskar Maria Graf]] – die dortigen revolutionären Bewegungen erlebte<ref>Ralf Höller: ''„Aus ist’s! Revolution! Marsch!“ Einträchtig und doch auseinanderstrebend: Die beiden Schriftsteller Rainer Maria Rilke und Oskar Maria Graf erlebten in München die Novemberrevolution und die bayerische Räterepublik.'' In: ''Neues Deutschland.'' 29./30. Dezember 2018, S. 14–15.</ref> – verbrachte er wieder in München, unterbrochen durch einen Aufenthalt auf [[w:Hertha Koenig|Hertha Koenigs]] [[w:Gut Böckel|Gut Böckel]] in Westfalen. Das traumatische Erlebnis des Militärdienstes, empfunden auch als eine Wiederholung in der Militärschulzeit erfahrener Schrecken, ließ Rilke als Dichter eine Zeit lang nahezu völlig verstummen.<ref> Stefan Schank: ''Rainer Maria Rilke.'' Brief: ''An Kurt Wolf'' vom 28. März 1917. S. 119–121.</ref> | |||
==== Begegnung mit Rudolf Steiner (1918) ==== | |||
Rilke erlebte 1918 [[w:Elya Maria Nevar|Elya Maria Nevar]] als Darstellerin der Prinzessin Elya in Aufführungen eines mittelalterlichen Georgsspiels. Auch Elya Nevar kannte Rainer Maria Rilke und war eine Bewunderin von ihm. Zu einem Kontakt und Briefwechsel kam es aber erst, als sie zufällig Rilkes Adresse erfuhr und der erste Brief zu einer Einladung führte.<ref>Elya Maria Nevar: ''Freundschaft mit Rainer Maria Rilke. Begegnungen, Gespräche, Briefe und Aufzeichnungen.'' Züst, Bern-Bümpliz 1946, S. 11–17.</ref> Es entwickelte sich eine Freundschaft, die sieben Jahre dauerte und sich in 155 Briefen ausdrückte.<ref name=":0">[https://www.mynewsdesk.com/de/goetheanum/pressreleases/dichter-und-prinzessin-nun-zugaenglich-briefe-von-rainer-maria-rilke-und-elya-maria-nevar-2892861 ''Dichter und Prinzessin. Nun zugänglich: Briefe von Rainer Maria Rilke und Elya Maria Nevar.''] In: ''Goetheanum.'' Abgerufen am 30. August 2025.</ref> | |||
Im Februar 1918 hatten beide einen Vortrag von [[Rudolf Steiner]] über das „Sinnlich-Übersinnliche in seiner Verwirklichung durch die Kunst“ besucht. Elya war so begeistert, dass sie ihr Leben fortan der Anthroposophie widmete und über Jahrzehnte als Schauspielerin der Goetheanum-Bühne in Dornach wirkte. Rilke war in Bezug auf Rudolf Steiner zurückhaltend bis skeptisch, wie er sich später seinem Dichterkollegen [[a:Albert Steffen|Albert Steffen]] gegenüber äußerte.<ref name=":0" /> Rudolf Steiner war seinerseits mit [[w:Lou Andreas-Salomé|Lou Andreas-Salomé]], [[w:Paul Rée|Paul Rée]] und anderen Rilke-Vertrauten in Verbindung und in Korrespondenz.<ref>Johannes G. Klinkmüller: ''[https://wortbrunnen.wordpress.com/2019/03/21/rilkes-verhaeltnis-zu-rudolf-steiner-sein-engagement-als-schreibmedium-fuer-den-grafen-c-w/ Rilkes Verhältnis zu Rudolf Steiner. Sein Engagement als Schreibmedium für den Grafen C.W.]'' In: ''WortBrunnen.'' Abgerufen am 30. Oktober 2025.</ref> | |||
Ruedi Bind resümiert, dass Rainer Maria Rilke „immer wieder in die Nähe von Rudolf Steiner, von Anthroposophen und anthroposophischen Inhalten gekommen ist – und die Distanz und eigene Selbständigkeit aufrechterhielt“.<ref>Ruedi Bind: ''[https://dasgoetheanum.com/der-dichter-und-die-toten/ Der Dichter und die Toten.]'' In: ''Das Goetheanum.'' Abgerufen am 30. Oktober 2025.</ref> | |||
=== Die Vollendung (1919–1926) === | === Die Vollendung (1919–1926) === | ||
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Am 11. Juni 1919 reiste Rilke von München in die Schweiz. Äußerer Anlass war eine Vortragseinladung aus Zürich, eigentlicher Grund aber der Wunsch, den Nachkriegswirren zu entkommen und die so lange unterbrochene Arbeit an den ''Duineser Elegien'' wieder aufzunehmen. In Zürich lernte er Nanny Wunderly-[[w:Gebrüder Volkart|Volkart]] (1878–1962) kennen, eine großzügige Mäzenin, die ihn von 1919 an bis zu seinem Tod nicht nur finanziell unterstützte und für Rilke angenehme Aufenthaltsorte mit der gewünschten Bedienung bereitstellte. Ihr inniges und vertrauensvolles Verhältnis spiegelt sich in einem regen Briefwechsel wider, der 1977 teilweise veröffentlicht wurde.<ref>[https://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=tjb-002:2008:83#58 ''Die letzten Besitzerinnen der Seeburg in Kreulingen.''] In: ''Thurgauer Jahrbuch 2008/2009.'' Abgerufen am 30. Oktober 2025.</ref> Auf Rilkes Wunsch unterstützte sie auch seine Geliebte [[w:Baladine Klossowska|Baladine Klossowska]], die mittellose geschiedene Mutter zweier Kinder. Rilke reiste für eine Lesung nach Basel, wo er am 14. November 1919 ankam. Dort hatte er Kontakt zu Angehörigen des [[w:Daig|Basler Daig]] und Künstlern wie etwa [[w:Niklaus Stoecklin|Niklaus Stoecklin]] und dessen Schwester [[w:Franziska Stoecklin|Franziska Stoecklin]].<ref>Peter F. Kopp: [https://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=bbh-001%3A2005%3A70%3A%3A113#111 ''Rilke und Basel. Der Dichter auf dem Schönenberg–Freunde–Auswirkungen.''] In: ''Baselbieter Heimatblätter, 2005.'' Abgerufen am 30. Oktober 2025.</ref> | Am 11. Juni 1919 reiste Rilke von München in die Schweiz. Äußerer Anlass war eine Vortragseinladung aus Zürich, eigentlicher Grund aber der Wunsch, den Nachkriegswirren zu entkommen und die so lange unterbrochene Arbeit an den ''Duineser Elegien'' wieder aufzunehmen. In Zürich lernte er Nanny Wunderly-[[w:Gebrüder Volkart|Volkart]] (1878–1962) kennen, eine großzügige Mäzenin, die ihn von 1919 an bis zu seinem Tod nicht nur finanziell unterstützte und für Rilke angenehme Aufenthaltsorte mit der gewünschten Bedienung bereitstellte. Ihr inniges und vertrauensvolles Verhältnis spiegelt sich in einem regen Briefwechsel wider, der 1977 teilweise veröffentlicht wurde.<ref>[https://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=tjb-002:2008:83#58 ''Die letzten Besitzerinnen der Seeburg in Kreulingen.''] In: ''Thurgauer Jahrbuch 2008/2009.'' Abgerufen am 30. Oktober 2025.</ref> Auf Rilkes Wunsch unterstützte sie auch seine Geliebte [[w:Baladine Klossowska|Baladine Klossowska]], die mittellose geschiedene Mutter zweier Kinder. Rilke reiste für eine Lesung nach Basel, wo er am 14. November 1919 ankam. Dort hatte er Kontakt zu Angehörigen des [[w:Daig|Basler Daig]] und Künstlern wie etwa [[w:Niklaus Stoecklin|Niklaus Stoecklin]] und dessen Schwester [[w:Franziska Stoecklin|Franziska Stoecklin]].<ref>Peter F. Kopp: [https://www.e-periodica.ch/digbib/view?pid=bbh-001%3A2005%3A70%3A%3A113#111 ''Rilke und Basel. Der Dichter auf dem Schönenberg–Freunde–Auswirkungen.''] In: ''Baselbieter Heimatblätter, 2005.'' Abgerufen am 30. Oktober 2025.</ref> | ||
Die Suche nach einem geeigneten und bezahlbaren Wohnort erwies sich als sehr schwierig. Rilke lebte unter anderem in [[w:Soglio|Soglio]], [[w:Locarno|Locarno]] und [[w:Berg am Irchel|Berg am Irchel]]. Erst im Sommer 1921 fand er in dem Schlösschen Château de Muzot, das oberhalb von [[w:Siders|Siders]] im Kanton Wallis gelegen ist, eine dauerhafte Wohnstätte. Im Mai 1922 erwarb Rilkes Mäzen [[w:Werner Reinhart|Werner Reinhart]] (1884–1951) das Gebäude und überließ es dem Dichter mietfrei. | Die Suche nach einem geeigneten und bezahlbaren Wohnort erwies sich als sehr schwierig. Rilke lebte unter anderem in [[w:Soglio (Piemont)|Soglio]], [[w:Locarno|Locarno]] und [[w:Berg am Irchel|Berg am Irchel]]. Erst im Sommer 1921 fand er in dem Schlösschen Château de Muzot, das oberhalb von [[w:Siders|Siders]] im Kanton Wallis gelegen ist, eine dauerhafte Wohnstätte. Im Mai 1922 erwarb Rilkes Mäzen [[w:Werner Reinhart|Werner Reinhart]] (1884–1951) das Gebäude und überließ es dem Dichter mietfrei. | ||
In einer intensiven Schaffenszeit vollendete Rilke hier innerhalb weniger Wochen im Februar 1922 die ''Duineser Elegien''. In unmittelbarer zeitlicher Nähe entstanden auch die beiden Teile des Gedichtzyklus [[w:Sonette an Orpheus|''Sonette an Orpheus'']]. Beide Dichtungen zählen zu den Höhepunkten in Rilkes Werk. | In einer intensiven Schaffenszeit vollendete Rilke hier innerhalb weniger Wochen im Februar 1922 die ''Duineser Elegien''. In unmittelbarer zeitlicher Nähe entstanden auch die beiden Teile des Gedichtzyklus [[w:Sonette an Orpheus|''Sonette an Orpheus'']]. Beide Dichtungen zählen zu den Höhepunkten in Rilkes Werk. | ||
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Seit 1923 musste Rilke mit großen gesundheitlichen Beeinträchtigungen kämpfen, die mehrere lange Sanatoriumsaufenthalte nötig machten. Auch der lange Parisaufenthalt von Januar bis August 1925 war ein Versuch, der Krankheit durch Ortswechsel und Änderung der Lebensumstände zu entkommen. Dennoch entstanden auch in den letzten Jahren zwischen 1923 und 1926 noch zahlreiche wichtige Einzelgedichte (etwa ''Gong'' und ''Mausoleum'') und ein umfangreiches und in seiner Bedeutung noch immer nicht erschöpfend gewürdigtes lyrisches Werk in französischer Sprache. | Seit 1923 musste Rilke mit großen gesundheitlichen Beeinträchtigungen kämpfen, die mehrere lange Sanatoriumsaufenthalte nötig machten. Auch der lange Parisaufenthalt von Januar bis August 1925 war ein Versuch, der Krankheit durch Ortswechsel und Änderung der Lebensumstände zu entkommen. Dennoch entstanden auch in den letzten Jahren zwischen 1923 und 1926 noch zahlreiche wichtige Einzelgedichte (etwa ''Gong'' und ''Mausoleum'') und ein umfangreiches und in seiner Bedeutung noch immer nicht erschöpfend gewürdigtes lyrisches Werk in französischer Sprache. | ||
Im Januar und Februar 1926 schrieb Rilke der Mussolini-Gegnerin Aurelia Gallarati Scotti drei Briefe nach Mailand, in denen er die Herrschaft [[w:Benito Mussolini|Benito Mussolinis]] lobte. Über die Rolle der Gewalt war Rilke sich dabei nicht im Unklaren und er war bereit, eine gewisse, vorübergehende Gewaltanwendung und Freiheitsberaubung zu akzeptieren.<ref>Rainer Maria Rilke: ''Lettres Milanaises. 1921–1926.'' Paris 1956, S. | Im Januar und Februar 1926 schrieb Rilke der Mussolini-Gegnerin Aurelia Gallarati Scotti drei Briefe nach Mailand, in denen er die Herrschaft [[w:Benito Mussolini|Benito Mussolinis]] lobte. Über die Rolle der Gewalt war Rilke sich dabei nicht im Unklaren und er war bereit, eine gewisse, vorübergehende Gewaltanwendung und Freiheitsberaubung zu akzeptieren.<ref>Rainer Maria Rilke: ''Lettres Milanaises. 1921–1926.'' Paris 1956, S. 84 f. und 184–186.</ref> Der Literaturwissenschaftler und Rilke-Experte [[w:Joachim W. Storck|Joachim Wolfgang Storck]] stellte zu diesen Briefen fest, dass man ihre biographische und allgemeinhistorische Genese berücksichtigen müsse: | ||
:„Von dieser schieren Namensnennung [Anm.: Mussolinis] hat sich die erste Reaktion auf die Veröffentlichung dieser Briefe so blenden lassen, daß der übrige Kontext, oder gar die biographische wie die allgemeinhistorische Genese des hier angedeuteten politischen Struktur-Modells zunächst fast völlig außer Betracht blieben. Unter einer Leserschaft, die sich – wie es schien – überhaupt zum erstenmal mit politischen Äußerungen Rilkes konfrontiert sah, konnte sich damals der Eindruck verbreiten, daß erst jetzt der bis dahin verschwiegene oder verschleierte, der kryptopolitische, der konservative, wenn nicht gar der faschistoide Rilke sichtbar werde. Es sei also – dieser Schluß lag nahe – tatsächlich ein “''falsches Bewußtsein''”, welches im “elfenbeinernen Turm” der Poesie entwickelt werde; […]“ <ref>Joachim W. Storck: [https://www.persee.fr/doc/reger_0399-1989_1978_num_8_1_979 ''Politisches Bewusstsein beim späten Rilke.''] In: ''Recherches germaniques,'' N°8, 1978. S. 87–88.</ref> | :„Von dieser schieren Namensnennung [Anm.: Mussolinis] hat sich die erste Reaktion auf die Veröffentlichung dieser Briefe so blenden lassen, daß der übrige Kontext, oder gar die biographische wie die allgemeinhistorische Genese des hier angedeuteten politischen Struktur-Modells zunächst fast völlig außer Betracht blieben. Unter einer Leserschaft, die sich – wie es schien – überhaupt zum erstenmal mit politischen Äußerungen Rilkes konfrontiert sah, konnte sich damals der Eindruck verbreiten, daß erst jetzt der bis dahin verschwiegene oder verschleierte, der kryptopolitische, der konservative, wenn nicht gar der faschistoide Rilke sichtbar werde. Es sei also – dieser Schluß lag nahe – tatsächlich ein “''falsches Bewußtsein''”, welches im “elfenbeinernen Turm” der Poesie entwickelt werde; […]“ <ref>Joachim W. Storck: [https://www.persee.fr/doc/reger_0399-1989_1978_num_8_1_979 ''Politisches Bewusstsein beim späten Rilke.''] In: ''Recherches germaniques,'' N°8, 1978. S. 87–88.</ref> | ||
[[Datei:GrabRilke.JPG|mini|Rilkes Grab auf dem Friedhof in Raron]] | [[Datei:GrabRilke.JPG|mini|Rilkes Grab auf dem Friedhof in Raron]] | ||
Erst kurz vor Rilkes Tod wurde seine Krankheit als Leukämie diagnostiziert. Der Dichter starb am 29. Dezember 1926 im Sanatorium „Valmont sur Territet“ bei [[w:Montreux|Montreux]] und wurde am 2. Januar 1927 auf dem Bergfriedhof von [[w:Raron|Raron]] im Wallis westlich von Visp beigesetzt. Auf seinem Grabstein steht der selbst ausgewählte Spruch:<ref>[https://knerger.de/html/rilkeschriftsteller_8.html ''Rainer (René) Maria Rilke.''] In: ''knerger.de.'' Abgerufen am 21. Oktober 2025.</ref> | Erst kurz vor Rilkes Tod wurde seine Krankheit als Leukämie diagnostiziert. Der Dichter starb am 29. Dezember 1926 im Sanatorium „Valmont sur Territet“ bei [[w:Montreux|Montreux]] und wurde am 2. Januar 1927 auf dem Bergfriedhof von [[w:Raron|Raron]] im Wallis westlich von Visp beigesetzt. Auf seinem Grabstein steht der selbst ausgewählte Spruch:<ref>[https://knerger.de/html/rilkeschriftsteller_8.html ''Rainer (René) Maria Rilke.''] In: ''knerger.de.'' Abgerufen am 21. Oktober 2025.</ref> | ||
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== Das | == Das dichterische Werk == | ||
[[Datei:Rilke in Moscow by L.Pasternak (1928).jpg|mini|Ein Porträt von Rilke, gemalt zwei Jahre nach seinem Tod von [[w:Leonid Ossipowitsch Pasternak|Leonid Pasternak]]]] | |||
Rilke bewegt sich in seiner Dichtung ähnlich der zeitgenössischen Philosophie [[w:Arthur Schopenhauer|Arthur Schopenhauers]] und vor allem [[w:Friedrich Nietzsche|Friedrich Nietzsches]], die er früh kennengelernt hatte, auf dem Weg einer radikalen Abrechnung mit den Selbstverständlichkeiten des abendländischen Christentums einerseits und den modernen naturwissenschaftlichen Deutungsversuchen der Wirklichkeit andererseits. | |||
Rilke | Die Biografie des jungen Rilke ist geprägt von der Erfahrung der Heimatlosigkeit. So erscheint es als natürlich, dass seine ersten Gedichte vor allem um das Thema „Heimat“ kreisen. Dazu gehören Betrachtungen zu seiner Heimatstadt Prag, vor allem im Gedichtband ''Larenopfer'', der 1896 erschien. Das nach außen weltoffene Prag, Sitz der ersten im deutschen Reich gegründeten Universität, glich um 1900 einem Treibhaus für nachwachsende Literaten. Rainer Maria Rilke, [[w:Gustav Meyrink|Gustav Meyrink]], der beruflich in Prag zu tun hatte, und der junge [[w:Franz Werfel|Franz Werfel]] gehörten dem neuromantischen Kreis „Jung-Prag“ an. Der träumerische und schwermütige Ausdruck in Rilkes ersten Gedichten spiegelt den Widerspruch zwischen seinem melancholischen und unbehausten Lebensgefühl sowie der schäumenden Lebenslust der Stadt. | ||
[[Datei:Titelseite Wegwarten.jpg|mini|Titelblatt der ''Wegwarten'' (1. Band)]] | |||
Zu den frühen Werken Rilkes gehören die Gedichtbände ''[[w:Wegwarten. Lieder dem Volke geschenkt|Wegwarten]]'', ''[[w:Liste der Gedichte aus Traumgekrönt|Traumgekrönt]]'' und ''Advent''. Mit dem Band ''Mir zur Feier'' (1897/89) wendet sich Rilke zum ersten Mal systematisch einer Betrachtung der menschlichen Innenwelt zu, die vor allem Ort seiner eigenen im äußeren vermissten Heimat ist. Die Gedichtsammlung ''Dir zur Feier'' (1897/98) ist eine einzige Liebeserklärung an die verehrte Lou Andreas-Salomé. Das ''Stundenbuch'' (3 Teile, erschienen 1899–1903), so genannt nach dem traditionellen klerikalen Gebetbuch der Kirche, bildet den ersten Höhepunkt des Frühwerkes und ist nach Rilkes eigenem Zeugnis Ausdruck seiner unmittelbaren Gottesbeziehung, die auf kirchliche und traditionelle Bindung völlig verzichten kann. In ekstatischem Ausdruck zeigen sich hier bereits die Ansätze der für Rilke typischen Musikalität und Virtuosität der Sprache. Dieser Schaffensperiode ist auch die 1902 erschienene und 1906 um zahlreiche Gedichte erweiterte, im impressionistischen Stil gehaltene Gedichtsammlung [[w:Das Buch der Bilder|''Das Buch der Bilder'']] zuzurechnen. | |||
Nietzsches Philosophie – auch vermittelt durch beider intime Freundin Lou Andreas-Salomé – gewinnt in den Jahren um die Jahrhundertwende erheblichen Einfluss auf Rilke. Die radikale Anerkenntnis der Wirklichkeit ohne Jenseitsvertröstungen oder soziale Entwicklungsromantik prägt auch Rilkes Weltverständnis. Dafür stehen intensive Beobachtungen der Natur und des menschlichen Verhaltens und Gefühlslebens. Dies alles bildet Rilkes "Weltinnenraum", der allein die ganz und gar weltimmanente Wirklichkeit ausmacht. | |||
Aus Rilkes Werken der mittleren Phase zwischen 1910 und 1912 sind vor allem die ''[[w:Neue Gedichte (Rilke)|Neuen Gedichte]]'' und der Roman ''Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge'' prägend. Rilke wendet sich in diesen Werken der Welt menschlicher ''Erfahrungen'' zu. In diesen Erfahrungen versucht er, das Wesen der Dinge zu erfassen. So entstehen seine [[w:Dinggedicht|''Dinggedichte'']], zu denen die ''[[w:Blaue Hortensie (Rilke)|Blaue Hortensie]]'', ''[[w:Der Panther|Der Panther]]'' oder der ''[[w:Archaïscher Torso Apollos|Archaïsche Torso Apollos]]'' gehören und die in intensiver Beobachtung das Eigentliche und überzeitlich Gültige der beschriebenen Objekte offenbaren. Damit weisen sie über sich selbst hinaus und wirken im Leser bewusstseinsbildend. Insofern kann Rilkes Dichtung als ''symbolistisch'' bezeichnet werden. Dieses Welterfassen – Rilke nennt es ''Hiersein'' – bezieht ausdrücklich die schmerzvollen und fremden Aspekte des Lebens ein: Hässliches, Krankheit, Trieb und Tod. | |||
Diesen Stil vollendet Rilke schließlich nach der langen Schaffenspause zwischen 1912 und 1922 mit der Fertigstellung der ''[[w:Duineser Elegien|Duineser Elegien]]'' und von ''[[w:Die Sonette an Orpheus|Die Sonette an Orpheus]]''. Die späten Gedichte sind [[w:Apotheose|Apotheosen]] der Sinn- und Wirklichkeit, die von „den Liebenden“ und den „Jungverstorbenen“ in reiner Innerlichkeit erfasst werden kann. Damit kommt Rilkes Rühmen der Weltimmanenz und das Ausloten menschlicher Beschaffenheiten an ihr letztes Ziel. | |||
== Nachlass == | |||
Ein großer Teil von Rilkes schriftstellerischem Nachlass verblieb lange im Familienbesitz, wurde von seinen Nachkommen gepflegt und zusammen mit dem Insel Verlag ausgewertet und war darüber hinaus für die wissenschaftliche Bearbeitung eingeschränkt zugänglich. Rilkes Tochter Ruth Fritzsche-Rilke, verw. Sieber zog mit dem Erbe 1949 von Weimar nach Fischerhude um. Nach ihrem Tod brachte ihr Sohn das Archiv ab 1972 in seinem Privathaus in Gernsbach unter, seine Frau Hella Sieber-Rilke betreute es. Nach deren Tod verkauften die Urenkelinnen das ''Rilke-Archiv Gernsbach'', das seit Februar 2022 ins [[w:Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes|Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes]] aufgenommen ist,<ref>[https://www.kulturgutschutz-deutschland.de/DE/3_Datenbank/Kulturgut/BadenWuerttemberg/01052.html ''Rilke-Archiv in Gernsbach.''] In: ''Datenbank geschützter Kulturgüter.'' Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Abgerufen am 30. Oktober 2025.</ref> ans [[w:Deutsches Literaturarchiv Marbach|Deutsche Literaturarchiv Marbach]]. Dort lag zuvor bereits ein Teil des Nachlasses.<ref>[https://www.dla-marbach.de/presse/presse-details/news/pm-68-2022/ ''DLA erwirbt Nachlass von Rainer Maria Rilke.''] In: ''Deutsches Literaturarchiv Marbach.'' Abgerufen am 30. Oktober 2025.</ref> Kulturstaatsministerin [[w:Claudia Roth|Claudia Roth]] bezeichnete den aus öffentlichen und privaten Mitteln finanzierten Ankauf bei der Bekanntgabe am 1. Dezember 2022 als „vielleicht wichtigste Nachlass-Erwerbung in der deutschen Nachkriegsgeschichte“.<ref>DPA: [https://bnn.de/mittelbaden/gaggenau/gernsbach/claudia-roth-erbe-rainer-maria-rilke-gernsbach-ist-wichtigste-nachlass-erwerbung-der-nachkriegsgeschichte ''Claudia Roth: Rilke-Erbe aus Gernsbach ist „wichtigste Nachlass-Erwerbung der Nachkriegsgeschichte“.''] In: ''Badische Neueste Nachrichten.'' Abgerufen am 30. Oktober 2025.</ref> | |||
Weitere wichtige Rilke-Bestände besitzen das [[w:Schweizerisches Literaturarchiv|Schweizerische Literaturarchiv]] Bern mit dem ''Schweizerischen Rilke-Archiv'',<ref>[https://ead.nb.admin.ch/html/rilke.html ''Inventar des Schweizerischen Rilke-Archivs.''] In: ''ead.nb.admin.ch.'' Abgerufen am 30. Oktober 2025</ref> die ''[[w:Fondation Rilke|Fondation Rilke]]'' in Siders sowie die [[w:Harvard University|Harvard-Universität]].<ref>[https://hollisarchives.lib.harvard.edu/repositories/24/resources/2555 ''Rainer Maria Rilke papers.''] In: ''HOLLIS for Archival Discovery.'' Abgerufen am 30. Oktober 2025.</ref> | |||
== Zwei Gedichte im Zitat == | |||
[[Datei:Rainer Maria Rilke Wie die Vögel Autograph.jpg|mini|380px|Rainer Maria Rilke: ''Wie die Vögel'' (1914)]] | |||
<poem style="margin-left:31px"> | |||
'''Opfer''' | |||
„O wie blüht mein Leib aus jeder Ader | |||
duftender, seitdem ich dich erkenn; | |||
sieh, ich gehe schlanker und gerader, | |||
und du wartest nur –: wer bist du denn? | |||
Sieh: ich fühle, wie ich mich entferne, | |||
wie ich Altes, Blatt um Blatt, verlier. | |||
Nur dein Lächeln steht wie lauter Sterne | |||
über dir und bald auch über mir. | |||
Alles was durch meine Kinderjahre | |||
namenlos noch und wie Wasser glänzt, | |||
will ich nach dir nennen am Altare, | |||
der entzündet ist von deinem Haare | |||
und mit deinen Brüsten leicht bekränzt.“ | |||
– {{Kapitälchen|Rainer Maria Rilke, aus: ''Neue Gedichte''<ref>Rainer Maria Rilke: ''Sämtliche Werke.'' Band 1, Wiesbaden und Frankfurt a.M. 1955–1966, S. 485. ([http://www.zeno.org/Literatur/M/Rilke,+Rainer+Maria/Gedichte/Neue+Gedichte/Opfer Online] in zeno.org)</ref>}} | |||
</poem> | |||
= | <poem style="margin-left:31px"> | ||
„Wem sind wir nah? Dem Tode oder dem, | |||
was noch nicht ist? Was wäre Lehm an Lehm, | |||
formte der Gott nicht fühlend die Figur, | |||
die zwischen uns erwächst. Begreife nur: | |||
das ist mein Körper, welcher aufersteht. | |||
Nun hilf ihm leise aus dem heißen Grabe | |||
in jenen Himmel, den ich in dir habe: | |||
daß kühn aus ihm das Überleben geht. | |||
Du junger Ort, der tiefen Himmelfahrt. | |||
Du dunkle Luft voll sommerlicher Pollen. | |||
Wenn ihre tausend Geister in dir tollen, | |||
wird meine steife Leiche wieder zart.“ | |||
– {{Kapitälchen|Rainer Maria Rilke, Gedicht Nr. 7 aus: ''Gedichte''<ref>Rainer Maria Rilke: ''Sieben Gedichte'' aus: R. M. Rilke: ''Werke. Kommentierte Ausgabe in vier Bänden.'' Band. 2, Frankfurt/Main und Leipzig, 1996, S. 138. ([http://www.zeno.org/Literatur/M/Rilke,+Rainer+Maria/Gedichte/Sieben+Gedichte/6.+%5BWem+sind+wir+nah.+Dem+Tode+oder+dem%5D Online] in zeno.org)</ref>}} | |||
</poem> | |||
== | == Rezeption == | ||
Eine Aufzählung von Kompositionen, Filmen und weiteren Werken zum Leben und Schaffen des Dichters Rainer Maria Rilke bietet die [[w:Liste von Werken zu Rainer Maria Rilke|Liste von Werken zu Rainer Maria Rilke]] in Wikipedia. | |||
=== Urheberrecht === | |||
Seit einigen Jahren verbreitet sich Rilkes Werk auch außerhalb literarisch interessierter Kreise. Ein juristischer Grund für diese größere Aufmerksamkeit liegt im Wegfall der Urheberrechtsbindung seines Werkes an den Insel-Verlag im Jahr 1997, 70 Jahre nach Rilkes Tod. | |||
=== | === Gedenken === | ||
[[Datei:Rilke 02.jpg|mini|„Sentiero Rilke“ in Duino]] | |||
Im Marbacher [[w:Literaturmuseum der Moderne|Literaturmuseum der Moderne]] sind Manuskripte aus dem Nachlass in der Dauerausstellung zu sehen, so zum Beispiel vom ''[[w:Das Stunden-Buch|Stunden-Buch]]'' und von ''[[w:Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge|Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge]]''. | |||
Im deutschsprachigen Raum und den Nachbarländern sind zahlreiche Straßen nach Rilke (mit oder ohne Vornamen) benannt. Am 7. Dezember 2011 wurden eine Gedenktafel und eine Rilke-Büste in der Prager Straße [[w:Na příkopě|Na příkopě]] am Gebäude der früheren deutschen Schule enthüllt, gestaltet von der tschechischen Bildhauerin Vlasta Prachatická. Es gibt mindestens drei Schulen, die Rilke in ihrem Namen führen: die Rilke-Realschule in Stuttgart (seit 1960), das Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium in Icking (Oberbayern) (seit 2011) und in Alaska die ''Rilke School'' in Anchorage (seit 1997). Paris hat auch eine Médiathèque Rainer Maria Rilke im 5. Arrondissement eröffnet, in der heutigen [[w:Höhere Technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt St. Pölten|HTL St.Pölten]] (Niederösterreich) steht eine Gedenktafel wegen Rilkes Militär-Schullaufbahn. | |||
[[ | 1971 wurde die internationale [[w:Rilke-Gesellschaft|Rilke-Gesellschaft]] mit Sitz in Bern gegründet, die regelmäßig Tagungen und Arbeitstreffen veranstaltet sowie ein Jahrbuch (''Blätter der Rilke-Gesellschaft'') herausgibt. 1986 wurde auf Initiative der Schweizer Gemeinde Siders die ''[[w:Fondation Rilke|Fondation]]'' gegründet. Sie unterhält ein Museum und organisiert Ausstellungen, Kataloge, Vorträge, Lesungen und wissenschaftlichen Austausch.<ref>[https://fondationrilke.ch/de/die-stiftung/ ''Die Stiftung.''] In: ''fondationrilke.ch.'' Abgerufen am 30. Oktober 2025.</ref> | ||
Nach Marbach, Bern und Zürich wurde im Moskauer Literaturmuseum vom 7. Februar bis 31. März 2018 eine Rilke-Ausstellung gezeigt.<ref>[https://web.archive.org/web/20180525213000/http://www.rilke-russland.net/ ''Rilke und Russland. Eine internationale Ausstellung.''] In: ''rilke-russland.net.'' Archivlink, abgerufen am 30. Oktober 2025.</ref> Vom 21. September 2018 bis 6. Januar 2019 zeigte das Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen die Ausstellung „Rilke in Bremen“.<ref>[https://www.museen-boettcherstrasse.de/ausstellungen/rilke-in-bremen ''Rilke in Bremen.''] In: ''museen-boettcherstrasse.de.'' Abgerufen am 30. Oktober 2025.</ref> | |||
Im andalusischen [[w:Ronda|Ronda]], wo Rilke den Winter 1912/1913 verbrachte und die ''Spanische Trilogie'' schrieb, wird mit einer Statue und einer Schulaula des Dichters gedacht.<ref>[https://hemingwayswelt.de/rainer-maria-rilke-in-ronda/ ''Rainer Maria Rilke in Ronda.''] In: ''hemingwayswelt.de.'' Abgerufen am 30. Oktober 2025.</ref> | |||
=== | === Rudolf Steiner über Rilke === | ||
[[Rudolf Steiner]] hebt die zarte Empfänglichkeit und die Treffsicherheit im Ausdruck von Rainer Maria Rilke hervor: | |||
:„Von wunderbar zarter Empfänglichkeit für die intimen Beziehungen der Naturwesen und der Menschenerlebnisse ist die Phantasie Rainer Maria Rilkes. Und dabei hat er eine Treffsicherheit im Ausdrucke, die alle die feinen Verhältnisse zwischen den Dingen, die sich dem Dichter entdecken, mit vollen, satten Tönen vor uns hinzustellen vermag. Das ist nicht die Treffsicherheit des großen Charakteristikers, das ist diejenige des naturkundigen Wanderers, der die Dinge liebt, denen er auf seinen Wanderungen begegnet, und dem sie viel verplaudern von ihren stillen Geheimnissen, weil auch sie ihn lieben und Vertrauen zu ihm gewonnen haben.“<ref>Rudolf Steiner: ''Biographien und biographische Skizzen 1894–1905.'' GA 33. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1992, ISBN 3-7274-0330-6, S. 178. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_033.pdf#page=178&view=Fit Online])</ref> | |||
== | == Werke (Auswahl) == | ||
=== Gesamtausgaben === | |||
* ''Sämtliche Werke.'' Sieben Bände. Hrsg. vom Rilke-Archiv in Verbindung mit Ruth Sieber-Rilke, besorgt durch Ernst Zinn. Insel Verlag, Frankfurt am Main. Auf Basis der ersten sechs Bände der ''Sämtlichen Werke'' erschienen ab 1966 mehrere ''Gesamtausgaben'' in sechs bzw. zwölf Bänden; sowie (weniger umfangreiche) Werkausgaben in drei bzw. sechs Bänden. | |||
** Band 1: ''Gedichte – Teil 1.'' 1955. | |||
** Band 2: ''Gedichte – Teil 2.'' 1956. | |||
** Band 3: ''Jugendgedichte.'' 1959. | |||
** Band 4: ''Frühe Erzählungen und Dramen.'' 1961. | |||
** Band 5: ''Worpswede.'' 1965. | |||
** Band 6: ''Malte Laurids Brigge.'' 1966. | |||
** Band 7: ''Übertragungen.'' 1997. | |||
* ''Werke. Kommentierte Ausgabe.'' Vier Bände und ein Supplementband. Hrsg. von Manfred Engel, Ulrich Fülleborn, Dorothea Lauterbach, Horst Nalewski und August Stahl. Insel, Frankfurt am Main/Leipzig 1996 (Bd. 1–4), 2003 (Supplement), ISBN 978-3-458-06697-2. | |||
=== Lyrik – Gedichtbände === | |||
| | [[Datei:Stundenbuch.jpg|mini|Das Stunden-Buch (1899)]] | ||
''' | * ''Leben und Lieder. Bilder und Tagebuchblätter'' (1894) | ||
* ''Larenopfer'' (1895) ([[w:Liste der Gedichte aus Larenopfer|''Liste'']]) | |||
* ''[[w:Wegwarten. Lieder dem Volke geschenkt|Wegwarten. Lieder dem Volke geschenkt]]'' (1896) | |||
* ''Traumgekrönt. Neue Gedichte'' (1896) | |||
* ''Advent'' (1897) | |||
* ''Mir zur Feier'' (1899) | |||
* ''[[w:Das Stunden-Buch|Das Stunden-Buch]]'' (1905) | |||
** ''Das Buch vom mönchischen Leben'' (geschrieben 1899) | |||
** ''Das Buch von der Pilgerschaft'' (geschrieben 1901) | |||
** ''Das Buch von der Armut und vom Tode'' (geschrieben 1903) | |||
* ''[[w:Das Buch der Bilder|Das Buch der Bilder]]'' (1902; stark überarbeitete Zweitfassung 1906) | |||
* ''[[w:Neue Gedichte (Rilke)|Neue Gedichte]]'' (1907) | |||
und | * ''Der neuen Gedichte anderer Teil'' (1908; u. a. mit ''[[w:Die Liebende|Die Liebende]]'') | ||
* ''Requiem'' (1909) | |||
* ''Das Marien-Leben'' (1912) | |||
* ''Erste Gedichte'' (1913; enthält unveränderte Nachdrucke von ''Larenopfer'', ''Traumgekrönt'' und ''Advent'') | |||
* ''[[w:Duineser Elegien|Duineser Elegien]]'' (1923; geschrieben 1912–1922) | |||
* ''[[w:Die Sonette an Orpheus|Die Sonette an Orpheus]]'' (1923) | |||
'''Gedichte in französischer Sprache''' | |||
* ''Vergers'' (1926) | |||
* ''Les Quatrains Valaisans'' (1926) | |||
* ''Les Roses'' (1927) | |||
* ''Les Fenêtres'' (1927) | |||
* ''Tendres impôts à la France'' (1923–1924) | |||
* ''Exercices et évidences'' (1925–1926) | |||
* ''Poèmes et dédicaces'' (1920–1926) | |||
( | === Prosa === | ||
| | [[Datei:Kalligrafische Nachschrift zu Rilkes Cornet.jpg|mini|Kalligrafische Nachschrift zu Rilkes [[w:Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke|''Cornet]]'']] | ||
''' | [[Datei:Rainer Maria Rilke, 1913.jpg|mini|hochkant|Rainer Maria Rilke (1913)]] | ||
'' | * ''[[w:Ewald Tragy|Ewald Tragy]]'' (geschrieben 1898) | ||
* ''[[w:Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke|Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke]]'' (geschrieben 1899, zuerst erschienen 1904 in: ''Deutsche Arbeit.'' Jg. 4. 1904, H. 1, S. 59–65. Dieser „ersten Fassung“ lag ein Manuskript zu Grunde, dessen Faksimile später o. J. bei Insel/Leipzig in 525 nummerierten Stücken erschien; 1906 erste selbständige Ausgabe bei A. Juncker, Berlin/Leipzig/Stuttgart; Neuauflage als Band 1 der Insel-Bücherei, Leipzig 1912 ff.) | |||
* ''[[w:Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge|Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge]]'', Roman (1910) | |||
=== Briefe === | |||
* Gesamtausgaben: | |||
** ''Gesammelte Briefe in sechs Bänden.'' Hrsg. von Ruth Sieber-Rilke und Carl Sieber. Leipzig 1936–1939. | |||
und | ** ''Briefe.'' Hrsg. vom Rilke-Archiv in Weimar. 2 Bände. Wiesbaden 1950 (Neuauflage 1987 in einem Band – als Taschenbuchausgabe in drei Bänden: Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-458-32567-0). | ||
** ''Briefe in zwei Bänden.'' Hrsg. von Horst Nalewski. Frankfurt/Leipzig 1991. | |||
** ''Rainer Maria Rilke – Sidonie Nádherny von Borutin: Briefwechsel 1906–1926.'' Hrsg. Joachim W. Storck, Waltraud und Friedrich Pfäfflin. Wallstein Verlag, Göttingen 2005, ISBN 978-3-89244-983-6. | |||
** ''Rainer Maria Rilke – Briefe an Nanny Wunderly-Volkart'', zwei Bände; im Auftrag der Schweizerischen Landesbibliothek und unter Mitarbeit von Niklaus Bigler, besorgt durch Rätus Luck; Insel Verlag, Frankfurt am Main 1977. | |||
* Einzelausgaben: | |||
** ''Briefwechsel mit Benvenuta.'' Hrsg. von Magda von Hattingberg, Vorwort und Anmerkungen von Kurt Leonhard, Bechtle Verlag, Esslingen 1954. | |||
** ''[[w:Briefe an einen jungen Dichter|Briefe an einen jungen Dichter]]'' (1903–1908). | |||
** ''Briefe an die Mutter. 1896–1926.'' Herausgegeben von Hella Sieber-Rilke. Insel Verlag, Frankfurt am Main/Leipzig 2009, ISBN 978-3-458-17318-2. | |||
** ''Briefe an eine venezianische Freundin.'' Hrsg. und aus dem Französischen übersetzt von Margret Millischer. Leipziger Literaturverlag, 2010, ISBN 978-3-86660-117-8. (Nicht in den Gesamtausgaben enthalten.) | |||
** ''Briefwechsel mit [[w:Thankmar von Münchhausen (Herausgeber)|Thankmar von Münchhausen]] 1913 bis 1925.'' Herausgegeben von Joachim W. Storck. Insel, 2004. | |||
* ''Paris tut not – Briefwechsel Rilke – Mathilde Vollmoeller.'' Wallstein, Göttingen 2001. | |||
* ''Rainer Maria Rilke – Marie Gagarine-Obolenski. Transatlantischer Briefwechsel.'' Hrsg. von Rätus Luck. Futura Edition, Wolfenbüttel 2011. | |||
* Briefwechsel mit [[w:Ilse Blumenthal-Weiss|Ilse Blumenthal-Weiss]]: ''Und dennoch! Briefwechsel und Texte zum Judentum.'' Hrsg. von Torsten Hoffmann und Anna-Dorothea Ludewig, Wallstein, Göttingen 2024, ISBN 978-3-8353-5573-6. | |||
und | |||
( | == Literatur (Auswahl) == | ||
=== Biographien === | |||
[[Datei:Monumento a Rilke, Ronda.JPG|mini|Rilke-Statue in [[w:Ronda|Ronda]] (Spanien)]] | |||
''' | * Fritz Klatt: ''Rainer Maria Rilke.'' Wien 1948. | ||
* Peter Demetz: ''René Rilkes Prager Jahre.'' Düsseldorf 1953. | |||
* Donald A. Prater: ''Ein klingendes Glas. Das Leben Rainer Maria Rilkes.'' Carl Hanser, München/Wien 1986, ISBN 3-446-13362-3. | |||
* Wolfgang Leppmann: ''Rilke. Sein Leben, seine Welt, sein Werk.'' Scherz, Bern und München 1981. Taschenbuch: Heyne, München 1993, ISBN 3-492-22394-X. | |||
* Ralph Freedman: ''Rainer Maria Rilke.'' 2 Bände. Aus dem amerikanischen Englisch von Curdin Ebneter. Frankfurt am Main/Leipzig 2001, 2002, ISBN 3-458-17124-X. | |||
* Gunnar Decker: ''Rilkes Frauen oder Die Erfindung der Liebe.'' Reclam, Leipzig 2004, ISBN 978-3-379-00816-7. | |||
* Fritz J. Raddatz: ''Rainer Maria Rilke. Überzähliges Dasein. Eine Biographie.'' Arche Verlag, Zürich, Hamburg 2009, ISBN 978-3-7160-2606-9. | |||
* Gunna Wendt: ''Lou Andreas-Salomé und Rilke – eine amour fou.'' Insel-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-458-35352-2. | |||
* Heimo Schwilk: ''Rilke und die Frauen. Biografie eines Liebenden.'' Piper, München 2015, ISBN 978-3-492-05637-3. | |||
=== Gesamtdarstellungen === | |||
* Joseph-François Angelloz: ''Rainer Maria Rilke: Leben und Werk.'' Übertr. aus dem Franz. von Alfred Kuoni. Nymphenburger, München 1955. | |||
* Manfred Engel, Dorothea Lauterbach (Hrsg.): ''Rilke Handbuch. Leben – Werk – Wirkung.'' Metzler, Stuttgart/Weimar 2004, ISBN 3-476-01811-3; Sonderausgabe: Metzler, Stuttgart/Weimar 2013, ISBN 978-3-476-02526-5. [Mit ausführlichem Verzeichnis von Ausgaben und Forschungsliteratur.] | |||
* Karl Josef Hahn: ''Rainer Maria Rilke. Eine Studie.'' Josef Habbel, Regensburg 1949, ISBN 978-3-87729-036-1. | |||
* Käte Hamburger (Hrsg.): ''Rilke in neuer Sicht.'' Kohlhammer, Stuttgart 1971. | |||
* Hans Egon Holthusen: ''Rainer Maria Rilke. rororo Monographien.'' 35. Auflage. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2004, ISBN 978-3-499-50022-0. | |||
* Hermann Kunisch: ''Rainer Maria Rilke. Dasein und Dichtung.'' Zweite, neu gefasste und stark erweiterte Auflage. Duncker und Humblot, Berlin/München 1975, ISBN 3-428-03429-5. (Erstauflage 1944). | |||
* Charlie Louth: ''Rilke. The life of the work.'' Oxford University Press, Oxford, New York 2020, ISBN 978-0-19-881323-1. | |||
* Gunter Martens, Annemarie Post-Martens: ''Rainer Maria Rilke.'' Rowohlt, Reinbek 2008, ISBN 978-3-499-50698-7. | |||
( | * Gerhard Oberlin: ''Rilke verstehen – Text und Deutung''. Königshausen & Neumann, Würzburg 2022, ISBN 978-3-8260-7623-7. | ||
* Stefan Schank: ''Rainer Maria Rilke.'' dtv portrait, München 1998, ISBN 978-3-423-31005-5. | |||
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== Weblinks == | == Weblinks == | ||
{{Commonscat|Rainer Maria Rilke}} | |||
* | * [https://www.rilke.ch/ Internationale Rilke-Gesellschaft] | ||
* | * [https://www.rilke.de/ Rilke.de: Gesamtdarstellung.] Forum in Zusammenarbeit mit der Internationalen Rilke-Gesellschaft | ||
* | * [https://www.xlibris.de/Autoren/Rilke/Biographie/Seite1 ''Leben und Werk von Rilke.''] Biographie, Interpretationen, Kurzinhalte, Bibliographie in ''xlibris'' | ||
* | * [https://limam.upol.cz/Authors/Detail/84 ''Rainer (René) Maria Rilke''] in der Literarischen Landkarte der deutschmährischen Autoren (Palacký-Universität Olmütz) | ||
* | * [https://digital.blb-karlsruhe.de/Autographen/topic/view/5339974 ''<nowiki>15 Titel in Autographen → Rilke, Rainer Maria [1875-1926]</nowiki>''] in den Digitalen Sammlungen der Badischen Landesbibliothek | ||
* | * [https://portal.dnb.de/opac.htm?method=simpleSearch&query=118601024 Literatur von und über Rainer Maria Rilke] im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek | ||
* | * Werke von [http://www.zeno.org/Literatur/M/Rilke,+Rainer+Maria Rainer Maria Rilke] in: ''zeno.org'' | ||
* | * Werke von [https://www.projekt-gutenberg.org/autoren/namen/rilke.html Rainer Maria Rilke] in: ''Projekt Gutenberg DE'' | ||
* [http://rainer-maria-rilke.de/ ''Die Gedichte von Rainer Maria Rilke.''] In: ''rainer-maria-rilke.de'' | |||
* | * [https://www.sonett-archiv.com/r/rilke.htm Deutschsprachige Sonette] in: ''sonett-archiv.com'' | ||
* | * [https://www.sonett-central.de/rilke.htm Sonett-Übersetzungen] in: ''sonett-central.de'' | ||
* [https://www.e-manuscripta.ch/emanus/briefe/nav/classification/49?&facets=name.aut%3D%22Rilke,%20Rainer%20Maria%22 Briefe Rilkes] in: ''e-manuscripta.ch'' | |||
* | * ''[https://www.rilke.ch/forum/viewtopic.php?t=2058 Rilkes Verhältnis zu Steiner.]'' In: ''Rainer Maria Rilke Diskussionforum'' | ||
* ''[https://dasgoetheanum.com/der-dichter-und-die-toten/ Der Dichter und die Toten.]'' Zur Kulturtagung ‹Rilkes orphische Wege› der Sektion für Schöne Wissenschaften am Goetheanum | |||
* | * Maja Rehbein: ''[https://diedrei.org/files/media/hefte/2019/Heft1-2-2019/12-Rehbein-Rilke-DD190102.pdf#page=2&view=fit Rilkes poetischer Kosmos.]'' In: ''dieDrei'' (PDF) | ||
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== Einzelnachweise == | == Einzelnachweise == | ||
<references /> | <references /> | ||
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[[Kategorie:Person]] | |||
Aktuelle Version vom 15. Januar 2026, 08:44 Uhr

Rainer Maria Rilke (* 4. Dezember 1875 in Prag; † 29. Dezember 1926 im Sanatorium Valmont bei Montreux, Schweiz) war einer der bedeutendsten Lyriker deutscher Sprache. Daneben verfasste er Erzählungen, einen Roman und Aufsätze zur Kunst und Kultur.
Sein umfangreicher Briefwechsel mit gleichfalls herausragenden Dichtern und Denkern seiner Zeit gilt als wichtiger Bestandteil seines literarischen Schaffens. Als Übersetzer französischer Lyrik, unter anderen von Paul Verlaine und Paul Valéry, leistete er einen wichtigen Beitrag zum deutsch-französischen Kulturtransfer.
Im Februar 1918 besuchte Rilke einen Vortrag von Rudolf Steiner und äußerte sich später seinem Dichterkollegen Albert Steffen gegenüber zurückhaltend. Obwohl er immer wieder in die Nähe von Rudolf Steiner, von Anthroposophen und anthroposophischen Inhalten gekommen ist, erhielt er eine Distanz und eigene Selbständigkeit aufrecht.
Leben
Kindheit und Ausbildung (1875–1896)
Rainer Maria Rilke wurde als René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke in Prag am 4. Dezember 1875 geboren. Seine Kindheit und Jugend in Prag waren wenig glücklich. Der Vater, Josef Rilke (1838–1906), war nach misslungener militärischer Karriere Bahnbeamter. Seine Mutter, Sophie Entz (1851–1931), entstammte einer wohlhabenden Prager Fabrikantenfamilie. Ihre Träume von einem vornehmen Leben fand sie in ihrer Ehe nicht erfüllt und fühlte sich unter ihrem Stande verheiratet. Auch das Verhältnis zwischen der Mutter und dem einzigen Sohn war belastet, weil sie den frühen Tod der älteren Tochter nicht verkraftete. Sie drängte René – französisch für „der Wiedergeborene“ – in die Rolle seiner verstorbenen Schwester. Bis zu seinem sechsten Lebensjahr fand sich Rilke so als Mädchen erzogen, frühe Fotografien zeigen ihn mit langem Haar und im Kleidchen.
Mit sechs Jahren besuchte Rilke eine von Piaristen geleitete katholische Volksschule in der Prager Neustadt. Obgleich er eher kränklich war, waren seine Leistungen während der vier Jahre dauernden Schulzeit gut.[1] Im Jahr 1884 brach die Ehe der Eltern auseinander, die fortan ohne Scheidung getrennt lebten. Eine kurze Zeit wurde René von seiner Mutter allein erzogen, bevor seine Eltern ihn in die Militär-Unterrealschule St. Pölten gaben. Der Knabe war dichterisch und zeichnerisch begabt. Die Zumutungen militärischen Drills an der Schule und die Erfahrungen einer reinen Männergesellschaft setzten dem zarten Knaben zu. 1891 brach er wegen Krankheit seine militärische Ausbildung ab. Daran schloss sich ein Besuch der Handelsakademie Linz, Oberösterreich, an. Nach einem Jahr jedoch brach er seine Schullaufbahn endgültig ab, ging 1892 nach Prag zurück und bereitete sich – mit finanzieller Unterstützung seines Onkels – 3 Jahre auf die Matura vor, die er 1895 „mit Auszeichnung“ bestand. Im selben Jahr begann er an der Deutschen Universität in Prag Geschichte, Kunst und Literatur zu studieren. Auf Wunsch seiner Eltern belegt er auch ein Semester Rechtslehre. 1896 ging Rilke als Student der Philosophie nach München.[2]
Entwicklungsjahre (1897–1902)

Im März 1897 besuchte Rilke das erste Mal Venedig. Am 12. Mai 1897 traf er in München die weit gereiste Intellektuelle und Literatin Lou Andreas-Salomé (1861–1937) und verliebte sich in sie. Die folgende intensive Beziehung mit der 15 Jahre älteren und mit dem Orientalisten Friedrich Karl Andreas verheirateten Frau dauerte bis 1900 an. Unter ihrem Einfluß ändert er seinen Vornamen von „René“ zu „Rainer“. Auch nach der Trennung erwies sich Lou Andreas-Salomé bis an Rilkes Lebensende als seine wichtigste Freundin und Beraterin. Dabei werden ihre psychoanalytischen Kenntnisse und Erfahrungen, die sie sich 1912/13 bei Sigmund Freud angeeignet hatte, eine erhebliche Rolle gespielt haben.
„[…] wurde bekannt, daß sie dem großen, im Leben ziemlich hilflosen Dichter Rainer Maria Rilke zugleich Muse und sorgsame Mutter gewesen war […]“
Rilke folgte Lou Andreas-Salomé im Herbst 1897 nach Berlin und bezog eine Wohnung in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. 1898 unternahm er eine mehrwöchige Auslandsreise nach Italien. In den beiden Jahren darauf besuchte er zweimal Russland: 1899 reiste er mit dem Ehepaar Andreas nach Moskau, wo er Lew Tolstoi traf. Von Mai bis August des Jahres 1900 folgte eine zweite Russlandreise mit Lou Andreas-Salomé allein, nach Moskau und Sankt Petersburg, aber auch quer durch das Land und die Wolga stromauf. Die sich entwickelte Beziehung zu Russland sollte sein Leben lang halten:
„Denken Sie nicht, dass es ein russisches Dorf gibt, elend genug, um meine Meinung und Empfindung zu Russland umzustürzen. Ich fürchte nicht, dass das russische Volk an Hunger sterben könnte, denn Gott selbst nährt es mit seiner ewigen Liebe.“
In dem trinationalen Ausstellungsprojekt „Rilke und Russland“[4] des DLA Marbach widmete man sich den Erlebnissen, Beziehungen und „russischen Dingen“ in seinem Werk.[5]
1898 kam es zu zwischen Rainer Maria Rilke und Rudolf Steiner im Magazin für Litteratur zu einem Austausch über das „Wort“. Rilke vertrat den folgenden Standpunkt: „Man wird fühlen, daß wir in Worten nie ganz aufrichtig sein können, weil sie viel zu grobe Zangen sind, welche an die zartesten Räder in dem großen Werke gar nicht rühren können, ohne sie nicht gleich zu zerdrücken.“[6] Steiner antwortete: „Man darf es dem Worte nicht zum Vorwurfe machen, daß es von den meisten Menschen nicht tief genug genommen wird. Es ist nicht eigentlich selbst eine grobe Zange, sondern eine feine Zange, die zumeist von groben Händen gehandhabt wird.“[7]

Im Herbst 1900, unmittelbar nachdem Lou Andreas-Salomé den Entschluss gefasst hatte, sich von ihm zu trennen, hielt sich Rilke zu einem längeren Besuch bei Heinrich Vogeler in Worpswede auf. Vogeler veranstaltete im Weißen Saal seines Barkenhofs sonntägliche Treffen, wo neben Otto Modersohn, Paula Modersohn-Becker, Carl Hauptmann auch die Bildhauerin Clara Westhoff (1878–1954) verkehrte.
Clara Westhoff und Rainer Maria Rilke heirateten am 28. April 1901 in Bremen. Im Dezember 1901 wurde ihre Tochter Ruth (1901–1972) geboren.[8] Bereits im Sommer 1902 gab Rilke jedoch die gemeinsame Wohnung auf und reiste nach Paris, um dort eine Monografie über den Bildhauer Auguste Rodin (1840–1917) zu verfassen. Die Beziehung zwischen Rilke und Clara Westhoff blieb Zeit seines Lebens bestehen, doch war er nicht der Mensch für ein bürgerliches und ortsgebundenes Familienleben. Gleichzeitig drückten ihn finanzielle Sorgen, die durch Auftragsarbeiten nur mühsam gemildert werden konnten.
Die erste Schaffensperiode (1902–1910)

Die erste Pariser Zeit war für Rilke schwierig, da die fremde Großstadt viele Schrecken barg. Diese Erfahrungen hat Rilke später im ersten Teil seines einzigen Romans Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge gestaltet. Zugleich aber brachte die Begegnung mit der Moderne zahlreiche Anregungen: Rilke setzte sich intensiv zunächst mit den Plastiken Auguste Rodins, dann mit dem Werk des Malers Paul Cezanne (1839–1906) auseinander. Mehr und mehr wurde in diesen Jahren Paris zum Hauptwohnsitz des Dichters. Von 1905 bis 1906 wird Rilke als Sekretär bei Auguste Rodin angestellt, der ihm gleichzeitig eine idealisierte Vaterfigur ist. Das Dienstverhältnis beendete Rodin im Mai 1906 abrupt, kurz nachdem Rilkes leiblicher Vater gestorben war.
Ab 1906 intensivierte sich der Kontakt Rilkes zu Mathilde und Karl Gustav Vollmoeller. Über Ostern 1908 war Rilke für mehrere Tage Gast in Vollmoellers Florentiner Domizil, der Renaissancevilla Gilli-Pozzino. Anwesend waren auch der Schriftsteller Felix Salten sowie das Ehepaar Lepsius. In den folgenden Jahren trafen Rilke und Vollmoeller einander mehrmals in Paris.
Die wichtigsten dichterischen Erträge der Pariser Zeit waren die Neuen Gedichte (1907), Der neuen Gedichte anderer Teil (1908), die beiden Requiem-Gedichte (1909) sowie der bereits 1904 begonnene und im Januar 1910 vollendete Roman Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge.
Für den Leipziger Insel Verlag, dessen Leitung Anton Kippenberg 1905 übernommen hatte, wurde Rilke zum wichtigsten zeitgenössischen Autor. Kippenberg erwarb für den Verlag bis 1913 die Rechte an allen bis dahin verfassten Werken Rilkes.
Innere und äußere Umwälzungen (1910–1919)

Nachdem er Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge 1910 in Leipzig vollendet hatte, begann für Rilke eine tiefe Schaffenskrise. Auf der Suche nach neuer Inspiration setzte er sich mit klassischen Schriftstellern, erstmals auch intensiver mit dem Werk Goethes und Shakespeares, auseinander. 1912 begann er die Duineser Elegien, die er jedoch erst im Februar 1922 abschließen konnte. Dieser Gedichtzyklus verdankt seinen Namen dem Aufenthalt Rilkes auf dem Schloss Duino der Gräfin Marie von Thurn und Taxis bei Triest in der Zeit von Oktober 1911 bis Mai 1912
1912 erschien eine Neuausgabe der lyrischen Erzählung Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke als Nummer 1 der Insel-Bücherei, mit der das Werk hohe Auflagen und ungewöhnliche Popularität erlangen sollte, nachdem es zunächst 1906 von Rilkes erstem Verleger, Axel Juncker, recht erfolglos als Liebhaberausgabe herausgebracht worden war.

Der Ausbruch des 1. Weltkriegs überraschte Rilke während eines Deutschlandaufenthaltes. Nach Paris konnte er, als Österreicher, nicht mehr zurückkehren; sein dort zurückgelassener Besitz wurde beschlagnahmt und versteigert.
Von den Kriegswirren, und vor allem von Vereinnahmung durch die eine oder andere Zugehörigkeit, distanzierte er sich. In Rilkes letzten Pariser Tagen gab er der Schriftstellerin Zsófia Dénes (1885–1987) ein Interview, das am 12. Juli 1914 im linksradikalen Tageblatt Világ (Die Welt) veröffentlicht wurde. In diesem Interview sagte er der Satz: „Ja, ich bin fast Ihr Landsmann, aber – verzeihen Sie mir, bitte, ich will Sie damit nicht beleidigen – ich gebe nicht viel auf mein Österreichertum. Ich entstamme einer slawischen Familie, und meine politischen Begriffe verwischen sich. Ich bin ein Prager, aber russischen Bluts, und es ist ein Zufall, daß meine Muttersprache das Deutsche ist.“[9]
Den größten Teil der Kriegszeit verbrachte Rilke in München. Von 1914 bis 1916 hatte er eine stürmische Affäre mit der Malerin Lou Albert-Lasard.
Anfang 1916 wurde Rilke eingezogen und musste in Wien eine militärische Grundausbildung absolvieren, wo er in der Breitenseer Kaserne im Westen der Stadt Wien stationiert war. Auf Fürsprache einflussreicher Freunde wurde er zur Arbeit ins Kriegsarchiv und ins k.u.k. Kriegspressequartier überstellt und am 9. Juni 1916 aus dem Militärdienst entlassen.
Die Zeit danach, in der er auch – zum Teil gemeinsam mit Oskar Maria Graf – die dortigen revolutionären Bewegungen erlebte[10] – verbrachte er wieder in München, unterbrochen durch einen Aufenthalt auf Hertha Koenigs Gut Böckel in Westfalen. Das traumatische Erlebnis des Militärdienstes, empfunden auch als eine Wiederholung in der Militärschulzeit erfahrener Schrecken, ließ Rilke als Dichter eine Zeit lang nahezu völlig verstummen.[11]
Begegnung mit Rudolf Steiner (1918)
Rilke erlebte 1918 Elya Maria Nevar als Darstellerin der Prinzessin Elya in Aufführungen eines mittelalterlichen Georgsspiels. Auch Elya Nevar kannte Rainer Maria Rilke und war eine Bewunderin von ihm. Zu einem Kontakt und Briefwechsel kam es aber erst, als sie zufällig Rilkes Adresse erfuhr und der erste Brief zu einer Einladung führte.[12] Es entwickelte sich eine Freundschaft, die sieben Jahre dauerte und sich in 155 Briefen ausdrückte.[13]
Im Februar 1918 hatten beide einen Vortrag von Rudolf Steiner über das „Sinnlich-Übersinnliche in seiner Verwirklichung durch die Kunst“ besucht. Elya war so begeistert, dass sie ihr Leben fortan der Anthroposophie widmete und über Jahrzehnte als Schauspielerin der Goetheanum-Bühne in Dornach wirkte. Rilke war in Bezug auf Rudolf Steiner zurückhaltend bis skeptisch, wie er sich später seinem Dichterkollegen Albert Steffen gegenüber äußerte.[13] Rudolf Steiner war seinerseits mit Lou Andreas-Salomé, Paul Rée und anderen Rilke-Vertrauten in Verbindung und in Korrespondenz.[14]
Ruedi Bind resümiert, dass Rainer Maria Rilke „immer wieder in die Nähe von Rudolf Steiner, von Anthroposophen und anthroposophischen Inhalten gekommen ist – und die Distanz und eigene Selbständigkeit aufrechterhielt“.[15]
Die Vollendung (1919–1926)

Am 11. Juni 1919 reiste Rilke von München in die Schweiz. Äußerer Anlass war eine Vortragseinladung aus Zürich, eigentlicher Grund aber der Wunsch, den Nachkriegswirren zu entkommen und die so lange unterbrochene Arbeit an den Duineser Elegien wieder aufzunehmen. In Zürich lernte er Nanny Wunderly-Volkart (1878–1962) kennen, eine großzügige Mäzenin, die ihn von 1919 an bis zu seinem Tod nicht nur finanziell unterstützte und für Rilke angenehme Aufenthaltsorte mit der gewünschten Bedienung bereitstellte. Ihr inniges und vertrauensvolles Verhältnis spiegelt sich in einem regen Briefwechsel wider, der 1977 teilweise veröffentlicht wurde.[16] Auf Rilkes Wunsch unterstützte sie auch seine Geliebte Baladine Klossowska, die mittellose geschiedene Mutter zweier Kinder. Rilke reiste für eine Lesung nach Basel, wo er am 14. November 1919 ankam. Dort hatte er Kontakt zu Angehörigen des Basler Daig und Künstlern wie etwa Niklaus Stoecklin und dessen Schwester Franziska Stoecklin.[17]
Die Suche nach einem geeigneten und bezahlbaren Wohnort erwies sich als sehr schwierig. Rilke lebte unter anderem in Soglio, Locarno und Berg am Irchel. Erst im Sommer 1921 fand er in dem Schlösschen Château de Muzot, das oberhalb von Siders im Kanton Wallis gelegen ist, eine dauerhafte Wohnstätte. Im Mai 1922 erwarb Rilkes Mäzen Werner Reinhart (1884–1951) das Gebäude und überließ es dem Dichter mietfrei.
In einer intensiven Schaffenszeit vollendete Rilke hier innerhalb weniger Wochen im Februar 1922 die Duineser Elegien. In unmittelbarer zeitlicher Nähe entstanden auch die beiden Teile des Gedichtzyklus Sonette an Orpheus. Beide Dichtungen zählen zu den Höhepunkten in Rilkes Werk.
Seit 1923 musste Rilke mit großen gesundheitlichen Beeinträchtigungen kämpfen, die mehrere lange Sanatoriumsaufenthalte nötig machten. Auch der lange Parisaufenthalt von Januar bis August 1925 war ein Versuch, der Krankheit durch Ortswechsel und Änderung der Lebensumstände zu entkommen. Dennoch entstanden auch in den letzten Jahren zwischen 1923 und 1926 noch zahlreiche wichtige Einzelgedichte (etwa Gong und Mausoleum) und ein umfangreiches und in seiner Bedeutung noch immer nicht erschöpfend gewürdigtes lyrisches Werk in französischer Sprache.
Im Januar und Februar 1926 schrieb Rilke der Mussolini-Gegnerin Aurelia Gallarati Scotti drei Briefe nach Mailand, in denen er die Herrschaft Benito Mussolinis lobte. Über die Rolle der Gewalt war Rilke sich dabei nicht im Unklaren und er war bereit, eine gewisse, vorübergehende Gewaltanwendung und Freiheitsberaubung zu akzeptieren.[18] Der Literaturwissenschaftler und Rilke-Experte Joachim Wolfgang Storck stellte zu diesen Briefen fest, dass man ihre biographische und allgemeinhistorische Genese berücksichtigen müsse:
- „Von dieser schieren Namensnennung [Anm.: Mussolinis] hat sich die erste Reaktion auf die Veröffentlichung dieser Briefe so blenden lassen, daß der übrige Kontext, oder gar die biographische wie die allgemeinhistorische Genese des hier angedeuteten politischen Struktur-Modells zunächst fast völlig außer Betracht blieben. Unter einer Leserschaft, die sich – wie es schien – überhaupt zum erstenmal mit politischen Äußerungen Rilkes konfrontiert sah, konnte sich damals der Eindruck verbreiten, daß erst jetzt der bis dahin verschwiegene oder verschleierte, der kryptopolitische, der konservative, wenn nicht gar der faschistoide Rilke sichtbar werde. Es sei also – dieser Schluß lag nahe – tatsächlich ein “falsches Bewußtsein”, welches im “elfenbeinernen Turm” der Poesie entwickelt werde; […]“ [19]

Erst kurz vor Rilkes Tod wurde seine Krankheit als Leukämie diagnostiziert. Der Dichter starb am 29. Dezember 1926 im Sanatorium „Valmont sur Territet“ bei Montreux und wurde am 2. Januar 1927 auf dem Bergfriedhof von Raron im Wallis westlich von Visp beigesetzt. Auf seinem Grabstein steht der selbst ausgewählte Spruch:[20]
„Rose, oh reiner Widerspruch, Lust,
Niemandes Schlaf zu sein unter soviel
Lidern.“
Das dichterische Werk

Rilke bewegt sich in seiner Dichtung ähnlich der zeitgenössischen Philosophie Arthur Schopenhauers und vor allem Friedrich Nietzsches, die er früh kennengelernt hatte, auf dem Weg einer radikalen Abrechnung mit den Selbstverständlichkeiten des abendländischen Christentums einerseits und den modernen naturwissenschaftlichen Deutungsversuchen der Wirklichkeit andererseits.
Die Biografie des jungen Rilke ist geprägt von der Erfahrung der Heimatlosigkeit. So erscheint es als natürlich, dass seine ersten Gedichte vor allem um das Thema „Heimat“ kreisen. Dazu gehören Betrachtungen zu seiner Heimatstadt Prag, vor allem im Gedichtband Larenopfer, der 1896 erschien. Das nach außen weltoffene Prag, Sitz der ersten im deutschen Reich gegründeten Universität, glich um 1900 einem Treibhaus für nachwachsende Literaten. Rainer Maria Rilke, Gustav Meyrink, der beruflich in Prag zu tun hatte, und der junge Franz Werfel gehörten dem neuromantischen Kreis „Jung-Prag“ an. Der träumerische und schwermütige Ausdruck in Rilkes ersten Gedichten spiegelt den Widerspruch zwischen seinem melancholischen und unbehausten Lebensgefühl sowie der schäumenden Lebenslust der Stadt.

Zu den frühen Werken Rilkes gehören die Gedichtbände Wegwarten, Traumgekrönt und Advent. Mit dem Band Mir zur Feier (1897/89) wendet sich Rilke zum ersten Mal systematisch einer Betrachtung der menschlichen Innenwelt zu, die vor allem Ort seiner eigenen im äußeren vermissten Heimat ist. Die Gedichtsammlung Dir zur Feier (1897/98) ist eine einzige Liebeserklärung an die verehrte Lou Andreas-Salomé. Das Stundenbuch (3 Teile, erschienen 1899–1903), so genannt nach dem traditionellen klerikalen Gebetbuch der Kirche, bildet den ersten Höhepunkt des Frühwerkes und ist nach Rilkes eigenem Zeugnis Ausdruck seiner unmittelbaren Gottesbeziehung, die auf kirchliche und traditionelle Bindung völlig verzichten kann. In ekstatischem Ausdruck zeigen sich hier bereits die Ansätze der für Rilke typischen Musikalität und Virtuosität der Sprache. Dieser Schaffensperiode ist auch die 1902 erschienene und 1906 um zahlreiche Gedichte erweiterte, im impressionistischen Stil gehaltene Gedichtsammlung Das Buch der Bilder zuzurechnen.
Nietzsches Philosophie – auch vermittelt durch beider intime Freundin Lou Andreas-Salomé – gewinnt in den Jahren um die Jahrhundertwende erheblichen Einfluss auf Rilke. Die radikale Anerkenntnis der Wirklichkeit ohne Jenseitsvertröstungen oder soziale Entwicklungsromantik prägt auch Rilkes Weltverständnis. Dafür stehen intensive Beobachtungen der Natur und des menschlichen Verhaltens und Gefühlslebens. Dies alles bildet Rilkes "Weltinnenraum", der allein die ganz und gar weltimmanente Wirklichkeit ausmacht.
Aus Rilkes Werken der mittleren Phase zwischen 1910 und 1912 sind vor allem die Neuen Gedichte und der Roman Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge prägend. Rilke wendet sich in diesen Werken der Welt menschlicher Erfahrungen zu. In diesen Erfahrungen versucht er, das Wesen der Dinge zu erfassen. So entstehen seine Dinggedichte, zu denen die Blaue Hortensie, Der Panther oder der Archaïsche Torso Apollos gehören und die in intensiver Beobachtung das Eigentliche und überzeitlich Gültige der beschriebenen Objekte offenbaren. Damit weisen sie über sich selbst hinaus und wirken im Leser bewusstseinsbildend. Insofern kann Rilkes Dichtung als symbolistisch bezeichnet werden. Dieses Welterfassen – Rilke nennt es Hiersein – bezieht ausdrücklich die schmerzvollen und fremden Aspekte des Lebens ein: Hässliches, Krankheit, Trieb und Tod.
Diesen Stil vollendet Rilke schließlich nach der langen Schaffenspause zwischen 1912 und 1922 mit der Fertigstellung der Duineser Elegien und von Die Sonette an Orpheus. Die späten Gedichte sind Apotheosen der Sinn- und Wirklichkeit, die von „den Liebenden“ und den „Jungverstorbenen“ in reiner Innerlichkeit erfasst werden kann. Damit kommt Rilkes Rühmen der Weltimmanenz und das Ausloten menschlicher Beschaffenheiten an ihr letztes Ziel.
Nachlass
Ein großer Teil von Rilkes schriftstellerischem Nachlass verblieb lange im Familienbesitz, wurde von seinen Nachkommen gepflegt und zusammen mit dem Insel Verlag ausgewertet und war darüber hinaus für die wissenschaftliche Bearbeitung eingeschränkt zugänglich. Rilkes Tochter Ruth Fritzsche-Rilke, verw. Sieber zog mit dem Erbe 1949 von Weimar nach Fischerhude um. Nach ihrem Tod brachte ihr Sohn das Archiv ab 1972 in seinem Privathaus in Gernsbach unter, seine Frau Hella Sieber-Rilke betreute es. Nach deren Tod verkauften die Urenkelinnen das Rilke-Archiv Gernsbach, das seit Februar 2022 ins Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes aufgenommen ist,[21] ans Deutsche Literaturarchiv Marbach. Dort lag zuvor bereits ein Teil des Nachlasses.[22] Kulturstaatsministerin Claudia Roth bezeichnete den aus öffentlichen und privaten Mitteln finanzierten Ankauf bei der Bekanntgabe am 1. Dezember 2022 als „vielleicht wichtigste Nachlass-Erwerbung in der deutschen Nachkriegsgeschichte“.[23]
Weitere wichtige Rilke-Bestände besitzen das Schweizerische Literaturarchiv Bern mit dem Schweizerischen Rilke-Archiv,[24] die Fondation Rilke in Siders sowie die Harvard-Universität.[25]
Zwei Gedichte im Zitat

Opfer
„O wie blüht mein Leib aus jeder Ader
duftender, seitdem ich dich erkenn;
sieh, ich gehe schlanker und gerader,
und du wartest nur –: wer bist du denn?
Sieh: ich fühle, wie ich mich entferne,
wie ich Altes, Blatt um Blatt, verlier.
Nur dein Lächeln steht wie lauter Sterne
über dir und bald auch über mir.
Alles was durch meine Kinderjahre
namenlos noch und wie Wasser glänzt,
will ich nach dir nennen am Altare,
der entzündet ist von deinem Haare
und mit deinen Brüsten leicht bekränzt.“
– Rainer Maria Rilke, aus: Neue Gedichte[26]
„Wem sind wir nah? Dem Tode oder dem,
was noch nicht ist? Was wäre Lehm an Lehm,
formte der Gott nicht fühlend die Figur,
die zwischen uns erwächst. Begreife nur:
das ist mein Körper, welcher aufersteht.
Nun hilf ihm leise aus dem heißen Grabe
in jenen Himmel, den ich in dir habe:
daß kühn aus ihm das Überleben geht.
Du junger Ort, der tiefen Himmelfahrt.
Du dunkle Luft voll sommerlicher Pollen.
Wenn ihre tausend Geister in dir tollen,
wird meine steife Leiche wieder zart.“
– Rainer Maria Rilke, Gedicht Nr. 7 aus: Gedichte[27]
Rezeption
Eine Aufzählung von Kompositionen, Filmen und weiteren Werken zum Leben und Schaffen des Dichters Rainer Maria Rilke bietet die Liste von Werken zu Rainer Maria Rilke in Wikipedia.
Urheberrecht
Seit einigen Jahren verbreitet sich Rilkes Werk auch außerhalb literarisch interessierter Kreise. Ein juristischer Grund für diese größere Aufmerksamkeit liegt im Wegfall der Urheberrechtsbindung seines Werkes an den Insel-Verlag im Jahr 1997, 70 Jahre nach Rilkes Tod.
Gedenken

Im Marbacher Literaturmuseum der Moderne sind Manuskripte aus dem Nachlass in der Dauerausstellung zu sehen, so zum Beispiel vom Stunden-Buch und von Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge.
Im deutschsprachigen Raum und den Nachbarländern sind zahlreiche Straßen nach Rilke (mit oder ohne Vornamen) benannt. Am 7. Dezember 2011 wurden eine Gedenktafel und eine Rilke-Büste in der Prager Straße Na příkopě am Gebäude der früheren deutschen Schule enthüllt, gestaltet von der tschechischen Bildhauerin Vlasta Prachatická. Es gibt mindestens drei Schulen, die Rilke in ihrem Namen führen: die Rilke-Realschule in Stuttgart (seit 1960), das Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium in Icking (Oberbayern) (seit 2011) und in Alaska die Rilke School in Anchorage (seit 1997). Paris hat auch eine Médiathèque Rainer Maria Rilke im 5. Arrondissement eröffnet, in der heutigen HTL St.Pölten (Niederösterreich) steht eine Gedenktafel wegen Rilkes Militär-Schullaufbahn.
1971 wurde die internationale Rilke-Gesellschaft mit Sitz in Bern gegründet, die regelmäßig Tagungen und Arbeitstreffen veranstaltet sowie ein Jahrbuch (Blätter der Rilke-Gesellschaft) herausgibt. 1986 wurde auf Initiative der Schweizer Gemeinde Siders die Fondation gegründet. Sie unterhält ein Museum und organisiert Ausstellungen, Kataloge, Vorträge, Lesungen und wissenschaftlichen Austausch.[28]
Nach Marbach, Bern und Zürich wurde im Moskauer Literaturmuseum vom 7. Februar bis 31. März 2018 eine Rilke-Ausstellung gezeigt.[29] Vom 21. September 2018 bis 6. Januar 2019 zeigte das Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen die Ausstellung „Rilke in Bremen“.[30]
Im andalusischen Ronda, wo Rilke den Winter 1912/1913 verbrachte und die Spanische Trilogie schrieb, wird mit einer Statue und einer Schulaula des Dichters gedacht.[31]
Rudolf Steiner über Rilke
Rudolf Steiner hebt die zarte Empfänglichkeit und die Treffsicherheit im Ausdruck von Rainer Maria Rilke hervor:
- „Von wunderbar zarter Empfänglichkeit für die intimen Beziehungen der Naturwesen und der Menschenerlebnisse ist die Phantasie Rainer Maria Rilkes. Und dabei hat er eine Treffsicherheit im Ausdrucke, die alle die feinen Verhältnisse zwischen den Dingen, die sich dem Dichter entdecken, mit vollen, satten Tönen vor uns hinzustellen vermag. Das ist nicht die Treffsicherheit des großen Charakteristikers, das ist diejenige des naturkundigen Wanderers, der die Dinge liebt, denen er auf seinen Wanderungen begegnet, und dem sie viel verplaudern von ihren stillen Geheimnissen, weil auch sie ihn lieben und Vertrauen zu ihm gewonnen haben.“[32]
Werke (Auswahl)
Gesamtausgaben
- Sämtliche Werke. Sieben Bände. Hrsg. vom Rilke-Archiv in Verbindung mit Ruth Sieber-Rilke, besorgt durch Ernst Zinn. Insel Verlag, Frankfurt am Main. Auf Basis der ersten sechs Bände der Sämtlichen Werke erschienen ab 1966 mehrere Gesamtausgaben in sechs bzw. zwölf Bänden; sowie (weniger umfangreiche) Werkausgaben in drei bzw. sechs Bänden.
- Band 1: Gedichte – Teil 1. 1955.
- Band 2: Gedichte – Teil 2. 1956.
- Band 3: Jugendgedichte. 1959.
- Band 4: Frühe Erzählungen und Dramen. 1961.
- Band 5: Worpswede. 1965.
- Band 6: Malte Laurids Brigge. 1966.
- Band 7: Übertragungen. 1997.
- Werke. Kommentierte Ausgabe. Vier Bände und ein Supplementband. Hrsg. von Manfred Engel, Ulrich Fülleborn, Dorothea Lauterbach, Horst Nalewski und August Stahl. Insel, Frankfurt am Main/Leipzig 1996 (Bd. 1–4), 2003 (Supplement), ISBN 978-3-458-06697-2.
Lyrik – Gedichtbände

- Leben und Lieder. Bilder und Tagebuchblätter (1894)
- Larenopfer (1895) (Liste)
- Wegwarten. Lieder dem Volke geschenkt (1896)
- Traumgekrönt. Neue Gedichte (1896)
- Advent (1897)
- Mir zur Feier (1899)
- Das Stunden-Buch (1905)
- Das Buch vom mönchischen Leben (geschrieben 1899)
- Das Buch von der Pilgerschaft (geschrieben 1901)
- Das Buch von der Armut und vom Tode (geschrieben 1903)
- Das Buch der Bilder (1902; stark überarbeitete Zweitfassung 1906)
- Neue Gedichte (1907)
- Der neuen Gedichte anderer Teil (1908; u. a. mit Die Liebende)
- Requiem (1909)
- Das Marien-Leben (1912)
- Erste Gedichte (1913; enthält unveränderte Nachdrucke von Larenopfer, Traumgekrönt und Advent)
- Duineser Elegien (1923; geschrieben 1912–1922)
- Die Sonette an Orpheus (1923)
Gedichte in französischer Sprache
- Vergers (1926)
- Les Quatrains Valaisans (1926)
- Les Roses (1927)
- Les Fenêtres (1927)
- Tendres impôts à la France (1923–1924)
- Exercices et évidences (1925–1926)
- Poèmes et dédicaces (1920–1926)
Prosa


- Ewald Tragy (geschrieben 1898)
- Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke (geschrieben 1899, zuerst erschienen 1904 in: Deutsche Arbeit. Jg. 4. 1904, H. 1, S. 59–65. Dieser „ersten Fassung“ lag ein Manuskript zu Grunde, dessen Faksimile später o. J. bei Insel/Leipzig in 525 nummerierten Stücken erschien; 1906 erste selbständige Ausgabe bei A. Juncker, Berlin/Leipzig/Stuttgart; Neuauflage als Band 1 der Insel-Bücherei, Leipzig 1912 ff.)
- Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, Roman (1910)
Briefe
- Gesamtausgaben:
- Gesammelte Briefe in sechs Bänden. Hrsg. von Ruth Sieber-Rilke und Carl Sieber. Leipzig 1936–1939.
- Briefe. Hrsg. vom Rilke-Archiv in Weimar. 2 Bände. Wiesbaden 1950 (Neuauflage 1987 in einem Band – als Taschenbuchausgabe in drei Bänden: Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-458-32567-0).
- Briefe in zwei Bänden. Hrsg. von Horst Nalewski. Frankfurt/Leipzig 1991.
- Rainer Maria Rilke – Sidonie Nádherny von Borutin: Briefwechsel 1906–1926. Hrsg. Joachim W. Storck, Waltraud und Friedrich Pfäfflin. Wallstein Verlag, Göttingen 2005, ISBN 978-3-89244-983-6.
- Rainer Maria Rilke – Briefe an Nanny Wunderly-Volkart, zwei Bände; im Auftrag der Schweizerischen Landesbibliothek und unter Mitarbeit von Niklaus Bigler, besorgt durch Rätus Luck; Insel Verlag, Frankfurt am Main 1977.
- Einzelausgaben:
- Briefwechsel mit Benvenuta. Hrsg. von Magda von Hattingberg, Vorwort und Anmerkungen von Kurt Leonhard, Bechtle Verlag, Esslingen 1954.
- Briefe an einen jungen Dichter (1903–1908).
- Briefe an die Mutter. 1896–1926. Herausgegeben von Hella Sieber-Rilke. Insel Verlag, Frankfurt am Main/Leipzig 2009, ISBN 978-3-458-17318-2.
- Briefe an eine venezianische Freundin. Hrsg. und aus dem Französischen übersetzt von Margret Millischer. Leipziger Literaturverlag, 2010, ISBN 978-3-86660-117-8. (Nicht in den Gesamtausgaben enthalten.)
- Briefwechsel mit Thankmar von Münchhausen 1913 bis 1925. Herausgegeben von Joachim W. Storck. Insel, 2004.
- Paris tut not – Briefwechsel Rilke – Mathilde Vollmoeller. Wallstein, Göttingen 2001.
- Rainer Maria Rilke – Marie Gagarine-Obolenski. Transatlantischer Briefwechsel. Hrsg. von Rätus Luck. Futura Edition, Wolfenbüttel 2011.
- Briefwechsel mit Ilse Blumenthal-Weiss: Und dennoch! Briefwechsel und Texte zum Judentum. Hrsg. von Torsten Hoffmann und Anna-Dorothea Ludewig, Wallstein, Göttingen 2024, ISBN 978-3-8353-5573-6.
Literatur (Auswahl)
Biographien
- Fritz Klatt: Rainer Maria Rilke. Wien 1948.
- Peter Demetz: René Rilkes Prager Jahre. Düsseldorf 1953.
- Donald A. Prater: Ein klingendes Glas. Das Leben Rainer Maria Rilkes. Carl Hanser, München/Wien 1986, ISBN 3-446-13362-3.
- Wolfgang Leppmann: Rilke. Sein Leben, seine Welt, sein Werk. Scherz, Bern und München 1981. Taschenbuch: Heyne, München 1993, ISBN 3-492-22394-X.
- Ralph Freedman: Rainer Maria Rilke. 2 Bände. Aus dem amerikanischen Englisch von Curdin Ebneter. Frankfurt am Main/Leipzig 2001, 2002, ISBN 3-458-17124-X.
- Gunnar Decker: Rilkes Frauen oder Die Erfindung der Liebe. Reclam, Leipzig 2004, ISBN 978-3-379-00816-7.
- Fritz J. Raddatz: Rainer Maria Rilke. Überzähliges Dasein. Eine Biographie. Arche Verlag, Zürich, Hamburg 2009, ISBN 978-3-7160-2606-9.
- Gunna Wendt: Lou Andreas-Salomé und Rilke – eine amour fou. Insel-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-458-35352-2.
- Heimo Schwilk: Rilke und die Frauen. Biografie eines Liebenden. Piper, München 2015, ISBN 978-3-492-05637-3.
Gesamtdarstellungen
- Joseph-François Angelloz: Rainer Maria Rilke: Leben und Werk. Übertr. aus dem Franz. von Alfred Kuoni. Nymphenburger, München 1955.
- Manfred Engel, Dorothea Lauterbach (Hrsg.): Rilke Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Metzler, Stuttgart/Weimar 2004, ISBN 3-476-01811-3; Sonderausgabe: Metzler, Stuttgart/Weimar 2013, ISBN 978-3-476-02526-5. [Mit ausführlichem Verzeichnis von Ausgaben und Forschungsliteratur.]
- Karl Josef Hahn: Rainer Maria Rilke. Eine Studie. Josef Habbel, Regensburg 1949, ISBN 978-3-87729-036-1.
- Käte Hamburger (Hrsg.): Rilke in neuer Sicht. Kohlhammer, Stuttgart 1971.
- Hans Egon Holthusen: Rainer Maria Rilke. rororo Monographien. 35. Auflage. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2004, ISBN 978-3-499-50022-0.
- Hermann Kunisch: Rainer Maria Rilke. Dasein und Dichtung. Zweite, neu gefasste und stark erweiterte Auflage. Duncker und Humblot, Berlin/München 1975, ISBN 3-428-03429-5. (Erstauflage 1944).
- Charlie Louth: Rilke. The life of the work. Oxford University Press, Oxford, New York 2020, ISBN 978-0-19-881323-1.
- Gunter Martens, Annemarie Post-Martens: Rainer Maria Rilke. Rowohlt, Reinbek 2008, ISBN 978-3-499-50698-7.
- Gerhard Oberlin: Rilke verstehen – Text und Deutung. Königshausen & Neumann, Würzburg 2022, ISBN 978-3-8260-7623-7.
- Stefan Schank: Rainer Maria Rilke. dtv portrait, München 1998, ISBN 978-3-423-31005-5.
Weblinks
- Internationale Rilke-Gesellschaft
- Rilke.de: Gesamtdarstellung. Forum in Zusammenarbeit mit der Internationalen Rilke-Gesellschaft
- Leben und Werk von Rilke. Biographie, Interpretationen, Kurzinhalte, Bibliographie in xlibris
- Rainer (René) Maria Rilke in der Literarischen Landkarte der deutschmährischen Autoren (Palacký-Universität Olmütz)
- 15 Titel in Autographen → Rilke, Rainer Maria [1875-1926] in den Digitalen Sammlungen der Badischen Landesbibliothek
- Literatur von und über Rainer Maria Rilke im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Werke von Rainer Maria Rilke in: zeno.org
- Werke von Rainer Maria Rilke in: Projekt Gutenberg DE
- Die Gedichte von Rainer Maria Rilke. In: rainer-maria-rilke.de
- Deutschsprachige Sonette in: sonett-archiv.com
- Sonett-Übersetzungen in: sonett-central.de
- Briefe Rilkes in: e-manuscripta.ch
- Rilkes Verhältnis zu Steiner. In: Rainer Maria Rilke Diskussionforum
- Der Dichter und die Toten. Zur Kulturtagung ‹Rilkes orphische Wege› der Sektion für Schöne Wissenschaften am Goetheanum
- Maja Rehbein: Rilkes poetischer Kosmos. In: dieDrei (PDF)
Einzelnachweise
- ↑ Dr. Clarissa Höschel: Biographie Rainer Maria Rilke. In: xlibris.de. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Biografie. Schulzeit. In: rilke.de. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Roman Bucheli: Rilke in Russland: Vielleicht war es nur ein Missverständnis. In: Neue Zürcher Zeitung. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ »Rilke und Russland«. Trinationales Forschungs- und Ausstellungsprojekt Marbach – Bern, Zürich – Moskau. In: dla-marbach.de. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Stefan Kister: „Rilke und Russland“ in Marbach. Pilgerfahrten eines Russlandverstehers. In: Stuttgarter Zeitung. Artikel vom 3. Mai 2017, abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Rudolf Steiner: Gesammelte Aufsätze zur Literatur 1884–1902. GA 32. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2004, ISBN 3-7274-0320-9, S. 540. (Online)
- ↑ Rudolf Steiner: Gesammelte Aufsätze zur Dramaturgie 1889–1900. GA 29. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2004, ISBN 3-7274-0290-3, S. 154. (Online)
- ↑ Biografie. In: foundationrilke.ch. Abgerufen am 20. Oktober 2025.
- ↑ Ferenc Szasz: Rainer Maria Rilke in Ungarn. In: Budapester Beiträge zur Germanistik, Nr. 26. Rilke, die Donaumonarchie und ihre Nachfolgestaaten. Budapest 1994, ISBN 963-462-900-8, S. 46. Abruf der PDF am 15. Januar 2025.
- ↑ Ralf Höller: „Aus ist’s! Revolution! Marsch!“ Einträchtig und doch auseinanderstrebend: Die beiden Schriftsteller Rainer Maria Rilke und Oskar Maria Graf erlebten in München die Novemberrevolution und die bayerische Räterepublik. In: Neues Deutschland. 29./30. Dezember 2018, S. 14–15.
- ↑ Stefan Schank: Rainer Maria Rilke. Brief: An Kurt Wolf vom 28. März 1917. S. 119–121.
- ↑ Elya Maria Nevar: Freundschaft mit Rainer Maria Rilke. Begegnungen, Gespräche, Briefe und Aufzeichnungen. Züst, Bern-Bümpliz 1946, S. 11–17.
- ↑ 13,0 13,1 Dichter und Prinzessin. Nun zugänglich: Briefe von Rainer Maria Rilke und Elya Maria Nevar. In: Goetheanum. Abgerufen am 30. August 2025.
- ↑ Johannes G. Klinkmüller: Rilkes Verhältnis zu Rudolf Steiner. Sein Engagement als Schreibmedium für den Grafen C.W. In: WortBrunnen. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
- ↑ Ruedi Bind: Der Dichter und die Toten. In: Das Goetheanum. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
- ↑ Die letzten Besitzerinnen der Seeburg in Kreulingen. In: Thurgauer Jahrbuch 2008/2009. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
- ↑ Peter F. Kopp: Rilke und Basel. Der Dichter auf dem Schönenberg–Freunde–Auswirkungen. In: Baselbieter Heimatblätter, 2005. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
- ↑ Rainer Maria Rilke: Lettres Milanaises. 1921–1926. Paris 1956, S. 84 f. und 184–186.
- ↑ Joachim W. Storck: Politisches Bewusstsein beim späten Rilke. In: Recherches germaniques, N°8, 1978. S. 87–88.
- ↑ Rainer (René) Maria Rilke. In: knerger.de. Abgerufen am 21. Oktober 2025.
- ↑ Rilke-Archiv in Gernsbach. In: Datenbank geschützter Kulturgüter. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
- ↑ DLA erwirbt Nachlass von Rainer Maria Rilke. In: Deutsches Literaturarchiv Marbach. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
- ↑ DPA: Claudia Roth: Rilke-Erbe aus Gernsbach ist „wichtigste Nachlass-Erwerbung der Nachkriegsgeschichte“. In: Badische Neueste Nachrichten. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
- ↑ Inventar des Schweizerischen Rilke-Archivs. In: ead.nb.admin.ch. Abgerufen am 30. Oktober 2025
- ↑ Rainer Maria Rilke papers. In: HOLLIS for Archival Discovery. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
- ↑ Rainer Maria Rilke: Sämtliche Werke. Band 1, Wiesbaden und Frankfurt a.M. 1955–1966, S. 485. (Online in zeno.org)
- ↑ Rainer Maria Rilke: Sieben Gedichte aus: R. M. Rilke: Werke. Kommentierte Ausgabe in vier Bänden. Band. 2, Frankfurt/Main und Leipzig, 1996, S. 138. (Online in zeno.org)
- ↑ Die Stiftung. In: fondationrilke.ch. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
- ↑ Rilke und Russland. Eine internationale Ausstellung. In: rilke-russland.net. Archivlink, abgerufen am 30. Oktober 2025.
- ↑ Rilke in Bremen. In: museen-boettcherstrasse.de. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
- ↑ Rainer Maria Rilke in Ronda. In: hemingwayswelt.de. Abgerufen am 30. Oktober 2025.
- ↑ Rudolf Steiner: Biographien und biographische Skizzen 1894–1905. GA 33. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1992, ISBN 3-7274-0330-6, S. 178. (Online)
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