Mikrobiom: Unterschied zwischen den Versionen

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Das Mikrobiom ist zu einem der bedeutendsten Forschungsfelder der modernen Biologie und Medizin geworden. Es beschreibt die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die Menschen, Tiere, Pflanzen und sogar ganze Ökosysteme besiedeln. Weit über eine bloße Ansammlung von Bakterien hinaus bildet es beispielsweise beim Menschen ein komplexes, hochdynamisches Netzwerk, das unmittelbar mit Verdauung, Immunfunktion, Stoffwechsel, hormonellen Prozessen sowie dem emotionalen und mentalen Befinden des Menschen verknüpft ist. Der vorliegende Artikel bietet einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft, ergänzt durch naturheilkundliche und geisteswissenschaftliche Perspektiven.<ref>[https://www.tugraz.at/news/artikel/mikrobiom-der-winzige-motor-unseres-planeten/ ''Mikrobiom: Der winzige Motor unseres Planeten''] In: ''TU Graz News''. Artikel vom 5. November 2019, abgerufen am 22. November 2025.</ref>
[[Datei:Nature-2990060-Bild von Sofia Cristina Córdova Valladares auf Pixabay bild 1.jpg|alternativtext=Mikrobiom von Erde Gewässer und Luft|mini|340px|Das Mikrobiom der Erde umfasst alle Mikro-organismen, die in Erdkruste, Gewässern und Atmosphäre leben.]]
Der Begriff '''Mikrobiom''' bezeichnet die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die Menschen, Tiere, Pflanzen und sogar ganze Ökosysteme besiedeln. Weit über eine bloße Ansammlung von Bakterien hinaus bildet es beispielsweise beim Menschen ein komplexes, hochdynamisches Netzwerk, das unmittelbar mit Verdauung, Immunfunktion, Stoffwechsel, hormonellen Prozessen sowie dem emotionalen und mentalen Befinden des Menschen verknüpft ist.
 
Das Mikrobiom ist zu einem der bedeutendsten Forschungsfelder der modernen Biologie und Medizin geworden.


Verschiedene Aspekte, die seitens der Ernährung heilsam auf das Mikrobiom wirken, sind im wissenschaftlichen Konsens präbiotische und probiotische Nahrungsmittel. Um ein Ungleichgewicht der Bakterienstämme im Darm zu lösen, wird aus geisteswissenschaftlicher Sicht auch das Milieu mit in die Betrachtung einbezogen. Menschen um uns herum, ihre emotionalen Einflüsse sowie unsere Interaktionen und Willenshandlungen mit ihnen bilden oft die Ursache von Disharmonien im Darmtrakt.
Verschiedene Aspekte, die seitens der Ernährung heilsam auf das Mikrobiom wirken, sind im wissenschaftlichen Konsens präbiotische und probiotische Nahrungsmittel. Um ein Ungleichgewicht der Bakterienstämme im Darm zu lösen, wird aus geisteswissenschaftlicher Sicht auch das Milieu mit in die Betrachtung einbezogen. Menschen um uns herum, ihre emotionalen Einflüsse sowie unsere Interaktionen und Willenshandlungen mit ihnen bilden oft die Ursache von Disharmonien im Darmtrakt.


Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Darm-Hirn-Achse, welche belegen, dass das, was im Darm vor sich geht, wesentlich unsere Gefühle und unser Denken beeinflusst, werden durch die Sichtweise der umgekehrten Richtung ergänzt. Rudolf Steiner und Heinz Grill eröffnen, wie klares, bildhaftes Denken (Denken imaginativer Wahrheiten) Ordnung in das mikroorganische Leben des Darmes bringen kann.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Darm-Hirn-Achse belegen, dass die Vorgänge im Darm wesentlich unsere Gefühle und unser Denken beeinflussen. Ergebnisse aus geistiger Forschung zeigen auch eine Wirkung in umgekehrter Richtung: ein klares, bildhaftes, imaginatives<ref>„Das Wort Imagination bedeutet nicht Einbildung und hat auch nicht sehr viel mit Phantasie zu tun. Rudolf Steiner prägte den Begriff für eine Form des Denkens, das bildhaft ist und in lebendigem seelischen Zusammenhang steht. Dieses bildhafte Denken ist nicht nur typischerweise intellektuell, sondern beziehungsfreudig und schließt seelische und geistige Wahrheiten in die Betrachtung mit ein. Imaginationen stellen deshalb seelisch reale, inhaltliche Darstellungen zur Verfügung.“<br />Heinz Grill: ''Übungen für die Seele''. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S.&nbsp;182.</ref> Denken kann Ordnung in das mikroorganische Leben des Darms bringen und die Immunlage verbessern.


Heinz Grill beschreibt, dass durch Stagnation der natürlichen Weiterentwicklung unserer seelischen Möglichkeiten – sei es durch Traumen oder andere Einflüsse – sich in den dadurch verdunkelnden Regionen des Darmes Mykosen oder andere gesundheitsabträgliche Mikroorganismen leichter ansiedeln und Überhand nehmen. Sich wieder durch Erkenntnis mit jenen Lebenskräften zu verbinden, die auf Höhe des Darmes den Leib durchdringen, vermag eine bessere Immunlage hervorzurufen.
== Begriffsklärung ==
Der Begriff Mikrobiom (von griechisch μικρός ''mikrós'' „klein“ und βίος ''bíos'' „Leben“) bezeichnet im weitesten Sinne alle Mikroorganismen, die ein bestimmtes Habitat besiedeln. Ein solches Habitat kann sehr unterschiedliche Ausmaße haben – von kleinen, klar abgegrenzten Bereichen bis hin zu großräumigen Systemen.


== Begriffserklärung: Mikrobiom ==
So lässt sich etwa die gesamte Erde als ein einziges Habitat betrachten. In dieser Sichtweise umfasst das Mikrobiom der Erde sämtliche Mikroorganismen, die in Erdkruste, Gewässern und Atmosphäre leben.
Der Begriff '''Mikrobiom''' (von griechisch μικρός ''mikrós'' = „klein“ und βίος ''bíos'' = „Leben“) bezeichnet im weitesten Sinne alle Mikroorganismen, die ein bestimmtes Habitat besiedeln. Ein solches Habitat kann sehr unterschiedliche Ausmaße haben – von kleinen, klar abgegrenzten Bereichen bis hin zu großräumigen Systemen.<ref>[https://flexikon.doccheck.com/de/Mikrobiom ''Mikrobiom''] In: ''TU Graz''. Artikel vom 2. August 2023, abgerufen am 9. November 2025.</ref>


So lässt sich etwa die gesamte Erde als ein einziges Habitat betrachten. In dieser Sichtweise umfasst das Mikrobiom der Erde sämtliche Mikroorganismen, die in Erdkruste, Gewässern und Atmosphäre leben.<ref>[https://flexikon.doccheck.com/de/Mikrobiom ''Mikrobiom''] In: ''DocCheck Flexikon''. Artikel vom 2. August 2023, abgerufen am 23. November 2025.</ref>
Der Begriff Mikrobiom bezieht sich dabei auf die Gesamtheit aller Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Viren, [[w:Archaeen|Archaeen]], [[w:Protozoen|Protozoen]]), die einen Makroorganismus besiedeln.<ref>[https://flexikon.doccheck.com/de/Mikrobiom ''Mikrobiom.''] In: ''DocCheck Flexikon''. Abgerufen am 23.&nbsp;November 2025.</ref>


Der Begriff '''Mikrobiom''' bezieht sich dabei auf die Gesamtheit aller Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Viren, Archaeen, Protozoen), die einen Makroorganismus besiedeln.<ref>[https://flexikon.doccheck.com/de/Mikrobiom ''Mikrobiom''] In: ''DocCheck Flexikon''. Artikel vom 2. August 2023, abgerufen am 23. November 2025.</ref>
== Allgemeiner Begriffsgebrauch ==
[[Datei:8715541 Bild von Mircea Iancu auf pixabay.jpg|alternativtext=Zwei Personen sitzen in einem Restaurant|mini|Wechselwirkungen im Mikrobiom können zwischen Personen unsichtbar stattfinden.]]


== Allgemeiner Begriffsgebrauch ==
Häufig versteht man unter dem Begriff Mikrobiom die Gesamtheit jener Mikroorganismen, die ein vielzelliges Lebewesen auf natürliche Weise besiedeln, ohne dabei Krankheitssymptome hervorzurufen. Zudem werden auch Teil-Mikrobiome einzelner Körperregionen beschrieben, etwa das Hautmikrobiom oder das Mundmikrobiom.  
Häufig versteht man unter dem Begriff '''Mikrobiom''' die Gesamtheit jener Mikroorganismen, die ein vielzelliges Lebewesen auf natürliche Weise besiedeln, ohne dabei Krankheitssymptome hervorzurufen. Zudem werden auch '''Teil-Mikrobiome''' einzelner Körperregionen beschrieben, etwa das Hautmikrobiom oder das Mundmikrobiom.  


Ihre Zusammensetzung und die Wechselwirkungen zwischen diesen mikrobiellen Gemeinschaften innerhalb eines Organismus – ebenso wie zwischen verschiedenen Individuen – sind Gegenstand intensiver Forschung. Wechselwirkungen lassen sich nicht nur zwischen Menschen innerhalb desselben Haushalts nachweisen, sondern sogar zwischen Nachbarn und Bewohnern derselben Ortschaft.<ref>[https://www.aerzteblatt.de/news/familie-freunde-und-nachbarn-beeinflussen-mikrobiom-in-mundhoehle-und-darm-1b5721a2-814f-47ff-af37-61f2f48f6d81 ''Familie, Freunde und Nachbarn beeinflussen Mikrobiom in Mundhöhle und Darm.''] In: ''Deutsches Ärzteblatt.'' Artikel vom 2. Februar 2023, abgerufen am 21. November 2025.</ref>
Ihre Zusammensetzung und die Wechselwirkungen zwischen diesen mikrobiellen Gemeinschaften innerhalb eines Organismus – ebenso wie zwischen verschiedenen Individuen – sind Gegenstand intensiver Forschung. Wechselwirkungen lassen sich nicht nur zwischen Menschen innerhalb desselben Haushalts nachweisen, sondern sogar zwischen Nachbarn und Bewohnern derselben Ortschaft.<ref>[https://www.aerzteblatt.de/news/familie-freunde-und-nachbarn-beeinflussen-mikrobiom-in-mundhoehle-und-darm-1b5721a2-814f-47ff-af37-61f2f48f6d81 ''Familie, Freunde und Nachbarn beeinflussen Mikrobiom in Mundhöhle und Darm.''] In: ''Deutsches Ärzteblatt.'' Artikel vom 2.&nbsp;Februar 2023, abgerufen am 21. November 2025.</ref>


== Mutualismus im Mikrobiom ==
== Mutualismus im Mikrobiom ==
Für Lebewesen, die ein eigenes physiologisches Mikrobiom besitzen, gilt in der Regel das Prinzip des '''Mutualismus'''. Der Begriff leitet sich vom lateinischen ''mutuus'' („gegenseitig, wechselseitig“) ab und beschreibt eine Beziehung, von der sowohl der '''Wirt''' als auch die im oder auf ihm lebenden '''Mikroorganismen''' profitieren. Man spricht daher von einer typischen '''Wirt-Gast-Beziehung'''.
Für Lebewesen, die ein eigenes physiologisches Mikrobiom besitzen, gilt in der Regel das Prinzip des Mutualismus. Der Begriff leitet sich vom lateinischen ''mutuus'' („gegenseitig, wechselseitig“) ab und beschreibt eine Beziehung, von der sowohl der Wirt als auch die im oder auf ihm lebenden Mikroorganismen profitieren. Man spricht daher von einer typischen Wirt-Gast-Beziehung.<ref>[https://flexikon.doccheck.com/de/Mutualistisch ''Mutualistisch.''] In: ''DocCheck Flexikon.'' Abgerufen am 23.&nbsp;November 2025.</ref>
 
[[Datei: E. coli Bacteria (7316101966).jpg|mini|Kolibakterium ''([[w:Escherichia coli|Escherichia coli]])'']]


Für die Mikroorganismen bietet der Organismus des Wirts einen geschützten Lebensraum, der Nahrung, stabile Umweltbedingungen und Möglichkeiten zur Vermehrung bereitstellt. Umgekehrt ist ein gesundes und funktionsfähiges Mikrobiom für den Wirt von erheblicher Bedeutung, da zahlreiche Stoffwechselprozesse ohne die Unterstützung dieser Mikroben nicht stattfinden könnten. So findet beim Menschen beispielsweise die Verarbeitung des ständig anfallenden Bilirubins im Darm durch Bakterien statt, nachdem die roten Blutkörperchen in Milz, Leber oder Knochenmark abgebaut wurden. Das durch die Bakterien verarbeitete Produkt '''Urobilinogen''' wird zum größten Teil mit dem Stuhl ausgeschieden und verleiht ihm seine typische bräunliche Farbe.
Für die Mikroorganismen bietet der Organismus des Wirts einen geschützten Lebensraum, der Nahrung, stabile Umweltbedingungen und Möglichkeiten zur Vermehrung bereitstellt. Umgekehrt ist ein gesundes und funktionsfähiges Mikrobiom für den Wirt von erheblicher Bedeutung, da zahlreiche Stoffwechselprozesse ohne die Unterstützung dieser Mikroben nicht stattfinden könnten. So findet beim Menschen beispielsweise die Verarbeitung des ständig anfallenden [[w:Bilirubin|Bilirubins]] im Darm durch Bakterien statt, nachdem die roten Blutkörperchen in Milz, Leber oder Knochenmark abgebaut wurden. Das durch die Bakterien verarbeitete Produkt [[w:Urobilinogen|Urobilinogen]] wird zum größten Teil mit dem Stuhl ausgeschieden und verleiht ihm seine typische bräunliche Farbe.<ref>[https://flexikon.doccheck.com/de/Urobilinogen ''Urobilinogen.''] In: ''DocCheck Flexikon''. Abgerufen am 23.&nbsp;November 2025.</ref>


Auch Umwandlungsprozesse im Verdauungstrakt beruhen auf diesem Zusammenwirken: Die vom Menschen ausgeschiedenen Stoffwechselprodukte dienen den Mikroorganismen beispielsweise als Nährstoffquelle. Gleichzeitig verhindert dies, dass sich andere – potenziell schädliche – Keime ansiedeln können. Dieser Schutzmechanismus wird als '''Kolonisationsresistenz''' bezeichnet.
Auch Umwandlungsprozesse im Verdauungstrakt beruhen auf diesem Zusammenwirken: Die vom Menschen ausgeschiedenen Stoffwechselprodukte dienen den Mikroorganismen beispielsweise als Nährstoffquelle. Gleichzeitig verhindert dies, dass sich andere – potenziell schädliche – Keime ansiedeln können. Dieser Schutzmechanismus wird als [[w:Kolonisationsresistenz|Kolonisationsresistenz]] bezeichnet.


Darüber hinaus leisten Mikroorganismen weitere wesentliche Beiträge, etwa die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren (SCFAs) oder bestimmten Vitaminen. Die funktionale Einheit aus Wirt und Mikrobiom wird in der biologischen Forschung als '''Holobiont''' bezeichnet.<ref>[https://www.pflanzenforschung.de/de/pflanzenwissen/lexikon-a-z/holobiont ''Holobiont''] In: ''Pflanzenforschung.de – Lexikon A–Z''. Abgerufen am 23. November 2025.</ref>
Darüber hinaus leisten Mikroorganismen weitere wesentliche Beiträge, etwa die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren (SCFAs) oder bestimmten Vitaminen. Die funktionale Einheit aus Wirt und Mikrobiom wird in der biologischen Forschung als [[w:Holobiont|Holobiont]] bezeichnet.<ref>[https://www.pflanzenforschung.de/de/pflanzenwissen/lexikon-a-z/holobiont ''Holobiont.''] In: ''Pflanzenforschung.de – Lexikon A–Z''. Abgerufen am 23. November 2025.</ref>


== Mikrobiom von Pflanzen ==
== Mikrobiom von Pflanzen ==
Auch Pflanzen verfügen über ein eigenes Mikrobiom und werden von einer Vielzahl an Mikroorganismen besiedelt. Diese Kleinstlebewesen – etwa in den Wurzeln, an den Blättern oder sogar in den Samen – beeinflussen maßgeblich das Wachstum, die Entwicklung und die Gesundheit der Pflanze. Seit Langem bekannt ist beispielsweise die Bedeutung der Knöllchenbakterien, die mit Hülsenfrüchten eine Symbiose eingehen: Sie versorgen die Pflanze mit gebundenem Stickstoff und erhalten im Gegenzug Zucker aus dem pflanzlichen Stoffwechsel.<ref>[https://flexikon.doccheck.com/de/Mikrobiom ''Mikrobiom''] In: ''DocCheck Flexikon''. Artikel vom 2. August 2023, abgerufen am 23. November 2025.</ref>
Auch Pflanzen verfügen über ein eigenes Mikrobiom und werden von einer Vielzahl an Mikroorganismen besiedelt. Diese Kleinstlebewesen – etwa in den Wurzeln, an den Blättern oder sogar in den Samen – beeinflussen maßgeblich das Wachstum, die Entwicklung und die Gesundheit der Pflanze. Seit Langem bekannt ist beispielsweise die Bedeutung der Knöllchenbakterien, die mit Hülsenfrüchten eine Symbiose eingehen: Sie versorgen die Pflanze mit gebundenem Stickstoff und erhalten im Gegenzug Zucker aus dem pflanzlichen Stoffwechsel.<ref>''[https://www.pflanzenforschung.de/de/pflanzenwissen/lexikon-a-z/rhizobien-1562 Rhizobien.]'' In: ''Pflanzenforschung.de – Lexikon A–Z''. Abgerufen am 23. November 2025.</ref>


Die wissenschaftliche Erforschung und gezielte Optimierung des Mikrobioms von Nutzpflanzen soll künftig dazu beitragen, den Einsatz von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren und gleichzeitig Erträge sowie die Widerstandskraft der Pflanzen zu steigern. Zudem wirkt das Mikrobiom von Nutzpflanzen und Lebensmitteln auch auf das Mikrobiom und die Gesundheit von Menschen und Tieren ein.
Die wissenschaftliche Erforschung und gezielte Optimierung des Mikrobioms von Nutzpflanzen soll künftig dazu beitragen, den Einsatz von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren und gleichzeitig Erträge sowie die Widerstandskraft der Pflanzen zu steigern. Zudem wirkt das Mikrobiom von Nutzpflanzen und Lebensmitteln auch auf das Mikrobiom und die Gesundheit von Menschen und Tieren ein.<ref>''[https://www.transgen.de/forschung/2714.mikrobiom-boden-pflanzen.html Pflanze stärken.]'' In: ''Transparenz Gentechnik.'' Abgerufen am 13.&nbsp;November 2025.</ref>


Eine Studie der Universität Graz zeigte 2019, dass ein Apfel ein komplexes Mikrobiom mit rund 100 Millionen Bakterien beherbergt. Dieses Mikrobiom variiert je nach Teil des Apfels (Kerne, Fruchtfleisch, Schale), wobei das Fruchtfleisch und die Kerne stärker besiedelt sind als die Schale. Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass ein Teil dieser Mikroorganismen nach dem Verzehr schließlich im Mikrobiom des Menschen nachweisbar war.
[[Datei:Image by Pexels from Pixabay.jpg|alternativtext=Aufgeschnittener Apfel und ganzer Apfel|mini|Schale, Fruchtfleisch und Kerne sind beim Apfel in unterschiedlichen Graden von Bakterien besiedelt]]


Hygienische Maßnahmen wie Desinfektion oder Sterilisation, beispielsweise beim Lagern, können das pflanzliche oder lebensmittelbezogene Mikrobiom stark verändern oder sogar vollständig zerstören. Dadurch gehen bestimmte Mikroorganismen verloren, was sich wiederum auf das Mikrobiom höherer Lebewesen auswirken kann. Beim Menschen wird das vermehrte Auftreten verschiedener Zivilisationskrankheiten – etwa Allergien, Asthma oder Reizdarmsyndrom – unter anderem mit solchen Veränderungen der mikrobiellen Umwelt in Verbindung gebracht.
Eine Studie der Universität Graz zeigte 2019, dass ein Apfel ein komplexes Mikrobiom mit rund 100 Millionen Bakterien beherbergt. Dieses Mikrobiom variiert je nach Teil des Apfels (Kerne, Fruchtfleisch, Schale), wobei das Fruchtfleisch und die Kerne stärker besiedelt sind als die Schale. Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass ein Teil dieser Mikroorganismen nach dem Verzehr schließlich im Mikrobiom des Menschen nachweisbar war.<ref>''[https://mikrobenzirkus.com/2019/10/29/apfel-auf-rezept-100-millionen-bakterien/ 100 Millionen Bakterien.]'' In: ''Mikrobenzirkus.'' Artikel vom 29.&nbsp;Oktober 2019, abgerufen am 22. November 2025. </ref>
 
Hygienische Maßnahmen wie Desinfektion oder Sterilisation, beispielsweise beim Lagern, können das pflanzliche oder lebensmittelbezogene Mikrobiom stark verändern oder sogar vollständig zerstören. Dadurch gehen bestimmte Mikroorganismen verloren, was sich wiederum auf das Mikrobiom höherer Lebewesen auswirken kann. Beim Menschen wird das vermehrte Auftreten verschiedener Zivilisationskrankheiten – etwa Allergien, Asthma oder Reizdarmsyndrom – unter anderem mit solchen Veränderungen der mikrobiellen Umwelt in Verbindung gebracht.<ref>''[https://www.tugraz.at/news/artikel/mikrobiom-der-winzige-motor-unseres-planeten/ Mikrobiom: Der winzige Motor unseres Planeten.]'' In: ''TU Graz News''. Artikel vom 5. November 2019, abgerufen am 22.&nbsp;November 2025.</ref>


== Mikrobiom des Menschen ==
== Mikrobiom des Menschen ==
Der Mensch verfügt über mehrere individuelle Mikrobiome, die in verschiedenen Körperbereichen existieren, wie im Darm, auf der Haut, in der Lunge, im Mund- und Nasenrachenraum sowie im Urogenitaltrakt. Die größte Population des Mikrobioms des Menschen befindet sich im Darm, da er die idealen Bedingungen für eine große Vielfalt an Mikroorganismen bietet, beispielsweise durch die Zufuhr von Nährstoffen, die beständig von der Nahrung herkommen, oder durch das Vorhandensein zahlreicher Nischen.
Der Mensch verfügt über mehrere individuelle Mikrobiome, die in verschiedenen Körperbereichen existieren, wie im Darm, auf der Haut, in der Lunge, im Mund- und Nasenrachenraum sowie im Urogenitaltrakt. Die größte Population des Mikrobioms des Menschen befindet sich im Darm, da er die idealen Bedingungen für eine große Vielfalt an Mikroorganismen bietet, beispielsweise durch die Zufuhr von Nährstoffen, die beständig von der Nahrung herkommen, oder durch das Vorhandensein zahlreicher Nischen.


Der Darm ist der Hauptort, an dem das Immunsystem mit fremden Stoffen aus der Umwelt interagiert, weshalb eine große und vielfältige Gemeinschaft von Mikroben notwendig ist, um die Verdauung zu unterstützen. Die tägliche Nahrung ist eine kontinuierliche Quelle an Nährstoffen, die für die Bakterien, Pilze, Viren etc. unerlässlich ist. Des Weiteren bietet der Darm eine große Vielfalt von Lebensräumen, die den unterschiedlichsten Mikroorganismen das Überleben ermöglichen und eine Artenvielfalt fördern.
Der Darm ist der Hauptort, an dem das Immunsystem mit fremden Stoffen aus der Umwelt interagiert, weshalb eine große und vielfältige Gemeinschaft von Mikroben notwendig ist, um die Verdauung zu unterstützen. Die tägliche Nahrung ist eine kontinuierliche Quelle an Nährstoffen, die für die Bakterien, Pilze, Viren etc. unerlässlich ist. Des Weiteren bietet der Darm eine große Vielfalt von Lebensräumen, die den unterschiedlichsten Mikroorganismen das Überleben ermöglichen und eine Artenvielfalt fördern.<ref name=":0">Verena Stieglbauer, Lukas Grumet: [https://www.allergosan.com/de-ch/blog/wunderwerk-darm/ ''Wunderwerk Darm.''] In: ''Institut AllergoSan.'' Abgerufen am 23. November 2025.</ref>
 
[[Datei:The-new-york-public-library-gGsiyGRK3QE-unsplash(1)- klein.png|alternativtext=Dick- und Dünndarm|mini|Dick- und Dünndarm]]


Der Darm ist mit einer Fläche von 300 Quadratmetern nicht nur das größte Organ, sondern auch der Beherberger von ca. 1,5 bis 2 Kilogramm Mikroorganismen, die als Gast des «Makroorganismus Mensch» für diesen wichtige Funktionen innehaben.
Der Darm ist mit einer Fläche von 300 Quadratmetern nicht nur das größte Organ, sondern auch der Beherberger von ca. 1,5 bis 2 Kilogramm Mikroorganismen, die als Gast des „Makroorganismus Mensch“ für diesen wichtige Funktionen innehaben.<ref>[https://www.internisten-im-netz.de/fachgebiete/magen-darm/aufbau/dickdarm-aufbau-und-funktion.html ''Dickdarm – Aufbau und Funktion.''] In: ''Internisten im Netz.'' Abgerufen am 23. November 2025.</ref>


Eine wichtige Funktion hat das Darmmikrobiom für das Immunsystem. Der Darm ist der Ort, an dem das Immunsystem tagtäglich mit einer großen Menge an fremdem Material wie Bakterien aus der Nahrung und anderen Quellen konfrontiert wird. Unser enormes im Darm beheimatetes Immunsystem sieht sich also dauernd der schwierigen Aufgabe gegenüber, entweder eine Infektion abzuwehren oder sich abzuschalten, um nicht eine Entzündungsreaktion gegenüber harmlosen Bakterien oder der täglichen Nahrung auszulösen. Die ständige Interaktion zwischen dem Immunsystem und den Darmbakterien ist entscheidend für die Entwicklung und das Training des Immunsystems.
Eine wichtige Funktion hat das Darmmikrobiom für das Immunsystem. Der Darm ist der Ort, an dem das Immunsystem tagtäglich mit einer großen Menge an fremdem Material, wie Bakterien aus der Nahrung und anderen Quellen konfrontiert wird. Unser im Darm beheimatetes Immunsystem sieht sich also dauernd der schwierigen Aufgabe gegenüber, entweder eine Infektion abzuwehren oder sich abzuschalten, um nicht eine Entzündungsreaktion gegenüber harmlosen Bakterien oder der täglichen Nahrung auszulösen. Die ständige Interaktion zwischen dem Immunsystem und den Darmbakterien ist entscheidend für die Entwicklung und das Training des Immunsystems.<ref>[https://www.bechterew.ch/forschung/mikrobiom-die-versteckte-welt-in-uns-und-ihre-bedeutung-bei-der-spondyloarthritis/ ''Mikrobiom: Die versteckte Welt in uns und ihre Bedeutung bei der Spondyloarthritis.''] In: ''bechterew.ch.'' Artikel vom 6. Februar 2025, abgerufen am 23. November 2019.</ref>


Die große Gemeinschaft von unterschiedlichen Mikroorganismen, die alle Nischen des Darms besiedelt und ihren Lebensraum verteidigt, bietet außerdem einen guten Schutz gegen die Besiedelung durch andere, krankmachende Keime.
Die große Gemeinschaft von unterschiedlichen Mikroorganismen, die alle Nischen des Darms besiedelt und ihren Lebensraum verteidigt, bietet außerdem einen guten Schutz gegen die Besiedelung durch andere, krankmachende Keime.


Des Weiteren zerlegt das Mikrobiom durch Fermentierungsprozesse Ballaststoffe, die der Mensch nicht verdauen kann. Bei diesem Vorgang entstehen kurzkettige Fettsäuren, die Energie liefern und entzündungshemmende Eigenschaften besitzen, die zu einer antioxidativen Wirkung beitragen. Die im Mikrobiom enthaltenen Organismen produzieren bei den unterschiedlichsten Fermentierungsprozessen auch wichtige Vitamine, wie Vitamin K und verschiedene B-Vitamine.
Des Weiteren zerlegt das Mikrobiom durch Fermentierungsprozesse Ballaststoffe, die der Mensch nicht verdauen kann. Bei diesem Vorgang entstehen kurzkettige Fettsäuren, die Energie liefern und entzündungshemmende Eigenschaften besitzen, die zu einer antioxidativen Wirkung beitragen. Die im Mikrobiom enthaltenen Organismen produzieren bei den unterschiedlichsten Fermentierungsprozessen auch wichtige Vitamine wie Vitamin K und verschiedene B-Vitamine.<ref>[https://www.openscience.or.at/hungryforscienceblog/darmmikrobiom-warum-wir-mikroorganismen-im-verdauungstrakt-brauchen/ ''Darmmikrobiom: Warum wir Mikroorganismen im Verdauungstrakt brauchen.''] In: ''Hungry for Science''. Artikel vom 20. April 2025, abgerufen am 23. November 2025.</ref>


Wissenschaftlich wurde in neuester Zeit festgestellt, dass die Darmbakterien wesentlich die Serotoninsynthese in den neuroendokrinen Darmepithelzellen stimulieren.
Wissenschaftlich wurde in neuester Zeit festgestellt, dass die Darmbakterien wesentlich die Serotoninsynthese in den neuroendokrinen [[w:Darmschleimhaut#Aufbau|Darmepithelzellen]] stimulieren.<ref>[https://www.imd-berlin.de/fileadmin/user_upload/Infostand/Broschueren/IMD__Fachinformation_02_Mikrobiomdiagnostik.pdf#page=7&view=fit ''Mikrobiomdiagnostik.''] In: ''Fachinformation IMD Labor Berlin.'' Abgerufen am 22. November 2025.</ref>


95 Prozent des Serotonins befindet sich im Darm. Nebst anderen Funktionen beeinflusst Serotonin eine Vielzahl von emotionalen Prozessen, wie Aggression und Angst. Landläufig wird es als Glückshormon bezeichnet. Ein gestörtes Serotonin-Gleichgewicht findet sich u.a. bei psychischen Störungen wie Depressionen, Zwangserkrankungen und Angststörungen.
95&nbsp;% des [[w:Serotonin|Serotonins]] befindet sich im Darm. Nebst anderen Funktionen beeinflusst Serotonin eine Vielzahl von emotionalen Prozessen, wie Aggression und Angst. Landläufig wird es als Glückshormon bezeichnet. Ein gestörtes Serotonin-Gleichgewicht findet sich u.&nbsp;a. bei psychischen Störungen wie [[Depression|Depressionen]], Zwangserkrankungen und Angststörungen.<ref>[https://flexikon.doccheck.com/de/Serotonin ''Serotonin.''] In: ''DocCheck Flexikon.'' Abgerufen am 23.&nbsp;November 2025.</ref>


Damit genügend Serotonin produziert wird, benötigt der Körper die essentielle Aminosäure Tryptophan, die mit der Nahrung aufgenommen werden muss. Der Darm spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufnahme und bei der Verstoffwechselung von Tryptophan. Ein gesundes Mikrobiom ist aus diesen Gründen eine Voraussetzung, um eine effiziente Verarbeitung von Tryptophan sicherstellen zu können.
[[Datei: Juglans regia Echte Walnussfrucht 3.jpg|mini|[[Echte Walnuss|Walnüsse]] verfügen über viel Tryptophan|alternativtext=Foto einer Walnuss]]
Damit genügend Serotonin produziert wird, benötigt der Körper die essentielle Aminosäure Tryptophan, die mit der Nahrung aufgenommen werden muss. [[Echte Walnuss|Walnüsse]] beispielsweise verfügen über viel [[w:Tryptophan|Tryptophan]]. Der Darm spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufnahme und bei der Verstoffwechselung von Tryptophan. Ein gesundes Mikrobiom ist aus diesen Gründen eine Voraussetzung, um eine effiziente Verarbeitung von Tryptophan sicherstellen zu können.<ref>[https://www.basenfasten.de/fragen-und-tipps/der-darm-als-schlussel-zum-gluck/ ''Das Geheimnis glücklicher Menschen – Der Darm als Schlüssel zum Glück.''] In: ''Basenfasten.'' Artikel vom 23. Mai 2023, abgerufen am 23. November 2025.</ref>


Früher war der Fokus der Darmforschung vor allem auf Verdauung und Ernährung gerichtet. Inzwischen belegen zahlreiche Studien, dass das Darmmikrobiom - als Gast -nicht nur an der Verdauung beteiligt ist, sondern auch bei der Produktion von Vitaminen und kurzkettigen Fettsäuren, bei der Regulation des Immunsystems und sogar bei Prozessen beteiligt sein kann, welche das emotionale Befinden beeinflussen. Aus all diesen Gründen werden dem Mikrobiom umfassende Aufgaben zu gesundheitlichem Befinden zugeschrieben.  
Früher war der Fokus der Darmforschung vor allem auf Verdauung und Ernährung gerichtet. Inzwischen belegen zahlreiche Studien, dass das Darmmikrobiom als Gast nicht nur an der Verdauung beteiligt ist, sondern auch bei der Produktion von Vitaminen und kurzkettigen Fettsäuren, bei der Regulation des Immunsystems und sogar bei Prozessen beteiligt sein kann, welche das emotionale Befinden beeinflussen. Aus all diesen Gründen werden dem Mikrobiom umfassende Aufgaben zu gesundheitlichem Befinden zugeschrieben.<ref>[https://www.journalmed.de/gastroenterologie/darmachsen-einfluss-gesundheit ''Die Darm-Achsen und wie sie unsere Gesundheit von Kopf bis Fuß beeinflussen.'']  In: ''Journal Med.'' Artikel vom 3. Februar 2025, abgerufen am 23. November 2025.</ref>


== Die einzelnen Teile des Darms und deren Bakterienstämme ==
== Die einzelnen Teile des Darms und deren Bakterienstämme ==
Der Darm schließt an den Magenausgang an und besteht vereinfacht gesagt aus den beiden Hauptteilen, dem Dünndarm und dem Dickdarm. Ersterer lässt sich in Zwölffingerdarm (Duodenum), Leerdarm (Jejunum) und Krummdarm (Ileum) unterteilen. Der Dickdarm untergliedert sich in Blinddarm (Zökum) mit dem Wurmfortsatz (Appendix vermiformis), Grimmdarm (Kolon) und Mastdarm (Rektum).
[[Datei:Tractus intestinalis intestinum crassum.svg|mini|250px|Der Dickdarm des Menschen mit seinen Abschnitten:{{Farblegende|#c8e183|Blinddarm mit Wurmfortsatz}}
{{Farblegende|#f0e183|Aufsteigendes Colon}}
{{Farblegende|#f0b983|Quercolon}}
{{Farblegende|#f09183|Absteigendes Colon}}
{{Farblegende|#f06983|Colon sigmoideum}}
{{Farblegende|#d24183|Mastdarm|}}]]
Der Darm schließt an den Magenausgang an und besteht vereinfacht gesagt aus den beiden Hauptteilen, dem Dünndarm und dem Dickdarm. Ersterer lässt sich in Zwölffingerdarm (Duodenum), Leerdarm (Jejunum) und Krummdarm (Ileum) unterteilen. Der Dickdarm untergliedert sich in Blinddarm (Zökum) mit dem Wurmfortsatz (Appendix vermiformis) , Grimmdarm (Kolon) und Mastdarm (Rektum).


Genau genommen beherbergt der Darm eines gesunden Erwachsenen in etwa 100 Billionen Bakterien (eine Nennung reicht). Interessanterweise setzt sich diese enorme Zahl nach wissenschaftlichem Konsens aus nur 500–1000 verschiedenen Bakterienarten zusammen, die wiederum nur vier verschiedenen Abteilungen, sogenannten „Phyla“, zugeordnet werden: '''Firmicutes''', '''Bacteroidetes''', '''Proteobacteria''' und '''Actinobacteria'''.
Genau genommen beherbergt der Darm eines gesunden Erwachsenen in etwa 100 Billionen Bakterien. Interessanterweise setzt sich diese enorme Zahl nach wissenschaftlichem Konsens aus nur 500–1000 verschiedenen Bakterienarten zusammen, die wiederum nur vier verschiedenen Abteilungen, sogenannten [[w:Stamm (Biologie)|Phyla]], zugeordnet werden: Firmicutes, Bacteroidetes, Proteobacteria und Actinobacteria.


Entlang des Darmes findet man in den verschiedenen Darmabschnitten unterschiedliche Bakterienstämme.
Entlang des Darmes findet man in den verschiedenen Darmabschnitten unterschiedliche Bakterienstämme.


=== Dünndarm ===
=== Dünndarm ===
Obwohl im Dünndarm nur ein kleiner Teil der gesamten Bakterien des Mikrobioms lebt (über 90 % befinden sich im Dickdarm), findet man hier in wichtigen Funktionen die Lactobazillen, wie z. B. ''Lactobacillus acidophilus''. Sie sorgen durch die Produktion von Milchsäure für eine Stabilisierung des pH-Wertes. Kippt der pH-Wert im Dünndarm, kann dies einen Ausbruch von Pathogenen (beispielsweise von Darmpilzen) zur Folge haben.
Obwohl im Dünndarm nur ein kleiner Teil der gesamten Bakterien des Mikrobioms lebt (über 90&nbsp;% befinden sich im Dickdarm), findet man hier in wichtigen Funktionen die [[w:Milchsäurebakterien|Lactobazillen]], wie z.&nbsp;B. ''Lactobacillus acidophilus''. Sie sorgen durch die Produktion von Milchsäure für eine Stabilisierung des [[w:Übersäuerung_des_Bindegewebes#Grundlegendes_zum_Säure-Basen-Haushalt_des_Menschen|pH-Wertes]]. Kippt der pH-Wert im Dünndarm, kann dies einen Ausbruch von Pathogenen (beispielsweise von Darmpilzen) zur Folge haben.


Ein weiteres Merkmal vieler Lactobazillen ist deren Umwandlung von Tryptophan-Molekülen in immunologisch wirksame Elemente. Die kleinen Milchsäurebakterien stellen also einen festen Bestandteil eines funktionierenden Immunsystems dar – eine Verdrängung hat schwerwiegende Folgen.
Ein weiteres Merkmal vieler Lactobazillen ist deren Umwandlung von Tryptophan-Molekülen in immunologisch wirksame Elemente. Die kleinen Milchsäurebakterien stellen also einen festen Bestandteil eines funktionierenden Immunsystems dar – eine Verdrängung hat schwerwiegende Folgen.<ref name=":0" />


=== Dickdarm ===
=== Dickdarm ===
Der Dickdarm des Menschen kann als ein kleiner Bioreaktor gesehen werden. Billionen von Bakterien fermentieren hier Ballaststoffe zu essentiellen Mikronährstoffen. Bifidobacterium Bifidum ist im Grimmdarm ein wichtiges Bakterium. Qualitativ hochwertige Studien belegen eine Rolle von Bifidobacterium Bifidum bei der Prävention des Reizdarmsyndroms und chronisch entzündlicher Darmerkrankungen, bei der Stabilisierung des Cholesterinspiegels, der Linderung von allergischen Symptomen, der Verbesserung des Hautbildes, der Verminderung des psychischen Stressempfindens, als auch beim Schutz vor freien Radikalen. Bifidobacterium Bifidum gehört zusammen mit weiteren wichtigen probiotischen, colonassoziierten Keimen wie z. B. Bifidobacterium Breve, Lactobacillus Brevis, Enterococcus durans oder Lactobacillus Rhamnosus zu den sogenannten „Leitkeimstämmen“.  Diese Zuordnung bedeutet, dass sie essentiell am Aufbau einer gesunden und funktionierenden Darmflora beteiligt sind und dafür sorgen können, dass sich auch zahlreiche andere Keime, die für den Stoffwechsel wichtig sind im Darm vermehren.
Der Dickdarm des Menschen kann als ein kleiner Bioreaktor gesehen werden. Billionen von Bakterien fermentieren hier Ballaststoffe zu essentiellen Mikronährstoffen. Das [[w:Bifidobacterium bifidum|''Bifidobacterium Bifidum'']] ist im Grimmdarm ein wichtiges Bakterium. Qualitativ hochwertige Studien belegen eine Rolle von ''Bifidobacterium Bifidum'' bei der Prävention des Reizdarmsyndroms und chronisch entzündlicher Darmerkrankungen, bei der Stabilisierung des Cholesterinspiegels, der Linderung von allergischen Symptomen, der Verbesserung des Hautbildes, der Verminderung des psychischen Stressempfindens, als auch beim Schutz vor [[w:Radikal_(Chemie)#Radikale_in_der_Biologie|freien Radikalen]]. ''Bifidobacterium Bifidum'' gehört zusammen mit weiteren wichtigen probiotischen, colonassoziierten Keimen wie z.&nbsp;B. ''Bifidobacterium Breve'', [[w:Lactobacillus Brevis|''Levilactobacillus brevis'']], ''Enterococcus durans'' oder [[w:Lactobacillus rhamnosus|''Lactobacillus Rhamnosus'']] zu den sogenannten „Leitkeimstämmen“.  Diese Zuordnung bedeutet, dass sie essentiell am Aufbau einer gesunden und funktionierenden Darmflora beteiligt sind und dafür sorgen können, dass sich auch zahlreiche andere Keime, die für den Stoffwechsel wichtig sind, im Darm vermehren.<ref name=":0" />


== Heilsames Einwirken auf das Mikrobiom  ==
== Heilsames Einwirken auf das Mikrobiom  ==
Präventiv sowie bei bereits bestehendem Ungleichgewicht bezüglich der Art und Anzahl der Mikroorganismen des Darmes (Dysbiose) empfiehlt sowohl die Wissenschaft als auch die Naturheilkunde eine ballaststoffreiche Ernährung aus Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sowie fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Joghurt und Kefir. Ebenso wirken regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und die Vermeidung von Stress heilsam auf die Darmgesundheit.
Präventiv sowie bei bereits bestehendem Ungleichgewicht bezüglich der Art und Anzahl der Mikroorganismen des Darmes (Dysbiose) empfiehlt sowohl die Wissenschaft als auch die Naturheilkunde eine ballaststoffreiche Ernährung aus Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sowie fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Joghurt und Kefir. Ebenso wirken regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und die Vermeidung von Stress heilsam auf die Darmgesundheit.<ref>''[https://www.barmer.de/gesundheit-verstehen/leben/ernaehrung/mikrobiom-1294712#:~:text=Gesunde%20Darmflora%20aufbauen,ausreichend%20Schlaf%20und%20regelm%C3%A4%C3%9Fige%20Bewegung. Mikrobiom: In drei Schritten die Darmflora aufbauen]'' In: Barmer. Im Kapitel zur Ernährung, abgerufen am 23. November 2025 </ref>


Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte beinhalten nebst verwertbaren Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten auch unverdauliche Nahrungsbestandteile, sogenannte Ballaststoffe. Für diese Kohlenhydratketten fehlen dem Menschen die geeigneten Enzyme. In der Fachsprache werden diese unverdaulichen Fasern als Präbiotika bezeichnet. Sie unterstützen indirekt den Wirt, da sie die Aktivität und das Wachstum von nützlichen Bakterien fördern. Sie sind Nahrung für den Gast, der im Gegenzug – wie oben beschrieben – das Immunsystem unterstützt, Vitamine und kurzkettige Fettsäuren produziert und durch seine Population krankmachenden Mikroorganismen keinen Raum gewährt. Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass übermäßiger Verzehr von präbiotischen Nahrungsmitteln bei manchen Menschen Verdauungsbeschwerden wie Blähungen oder Durchfall verursachen kann.
=== Präbiotika ===
[[Datei:Präbiotisches Menü mit Ballaststoffen.png|alternativtext=Speise mit Getreidebratlingen, Karotten und Salat|mini|305px|Speise mit Getreidebratlingen, Karotten und Salat, reich an Ballaststoffen (präbiotisch)]]
Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte beinhalten nebst verwertbaren Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten auch unverdauliche Nahrungsbestandteile, sogenannte Ballaststoffe. Für diese Kohlenhydratketten fehlen dem Menschen die geeigneten Enzyme. In der Fachsprache werden diese unverdaulichen Fasern als [[w:Präbiotika|Präbiotika]] (unverdauliche Ballaststoffe) bezeichnet. Sie unterstützen indirekt den Wirt, da sie die Aktivität und das Wachstum von nützlichen Bakterien fördern. Sie sind Nahrung für den Gast, der im Gegenzug das Immunsystem unterstützt, Vitamine und kurzkettige Fettsäuren produziert und durch seine Population krankmachenden Mikroorganismen keinen Raum gewährt. Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass übermäßiger Verzehr von probiotischen Nahrungsmitteln bei manchen Menschen Verdauungsbeschwerden wie Blähungen oder Durchfall verursachen kann.


Fermentierte Milchprodukte wie Joghurt, Kefir, Buttermilch, Sauermilch, saure Molke, Skyr, Ayran, fermentiertes Gemüse wie Sauerkraut oder allgemein milchsauer eingelegtes Gemüse, Kimchi sowie die aus dem Osten bekannten fermentierten Sojaprodukte wie Miso und Tempeh enthalten lebende Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien. Sie bieten, wenn sie in ausreichenden Mengen konsumiert werden, Vorteile für den Wirt. Diese als probiotisch bezeichneten Lebensmittel sind heilsam für das Mikrobiom, da sie die Anzahl der nützlichen Bakterien im Darm erhöhen. Diese hinzugefügten Mikroorganismen können Ungleichgewichte korrigieren. Durch das Aufrechterhalten und Fördern eines gesunden Mikrobioms kann dieses besser alle oben beschriebenen Funktionen ausführen.
=== Fermentierte Produkte und Probiotika ===
[[Datei: Cavolo salato.jpg|mini|305px|Sauerkrautsalat mit Karotten]]
Fermentierte Milchprodukte wie Joghurt, Kefir, Buttermilch, Sauermilch, saure Molke, [[w:Skyr|Skyr]], [[w:Ayran|Ayran]], fermentiertes Gemüse wie Sauerkraut oder allgemein milchsauer eingelegtes Gemüse, [[w:Kimchi|Kimchi]] sowie die aus dem Osten bekannten [[w:Fermentation|fermentierten]] Sojaprodukte wie [[w:Miso|Miso]] und [[w:Tempeh|Tempeh]] enthalten lebende Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien. Sie bieten, wenn sie in ausreichenden Mengen konsumiert werden, Vorteile für den Wirt. Diese als [[w:Probiotikum|probiotisch]] bezeichneten Lebensmittel sind heilsam für das Mikrobiom, da sie die Anzahl der nützlichen Bakterien im Darm erhöhen. Diese hinzugefügten Mikroorganismen können Ungleichgewichte korrigieren und ein gesundes Mikrobiom aufrechterhalten bzw. fördern.<ref>[https://bitterliebe.com/pages/fermentierte-milchprodukte ''Fermentierte Milchprodukte.''] In: ''Bitterliebe.'' Abgerufen am 30.&nbsp;November 2025.</ref>


Auch naturtrüber Apfelessig, Kombucha und bestimmte Käsesorten wie Cheddar, Gruyère, Gouda, Mozzarella und Parmesan sind probiotisch, sofern sie nicht pasteurisiert wurden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Probiotika nicht immer vorteilhaft sind und in bestimmten Fällen – wie bei immungeschwächten Personen oder nach einer Antibiotikabehandlung – potenziell schädlich sein können.
Auch naturtrüber Apfelessig, [[w:Kombucha|Kombucha]] und bestimmte Käsesorten wie Cheddar, Gruyère, Gouda, Mozzarella und Parmesan sind probiotisch, sofern sie nicht pasteurisiert wurden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Probiotika nicht immer vorteilhaft sind und in bestimmten Fällen – wie bei immungeschwächten Personen oder nach einer Antibiotikabehandlung – potenziell schädlich sein können.<ref>[https://www.immunkraft.de/probiotika-und-prabiotika/ ''Probiotika und Präbiotika – Wobei helfen sie?''] In: ''Immunkraft.'' Abgerufen am 23. November 2025.</ref>


Betreffend probiotischer Nahrungsmittel und Nahrungsmittelergänzungen mit Probiotika bestehen in der Wissenschaft auch Zweifel. Zum einen sei der Nutzen nicht wissenschaftlich genug gesichert. Zum anderen belegt eine Studie von 2018 aus den USA an 42 Probanden, dass sogar das Gegenteil der Fall sei. Es wurde eine bakterielle Überwucherung im Dünndarm festgestellt, welche übermäßig D-Milchsäure produziere und eine sog. Laktatazidose fördern kann. Der Studie ist zu entnehmen, dass die Probanden Nahrungsmittelergänzung in Form von Probiotika zu sich genommen haben, nicht probiotische Nahrungsmittel.
==== Wissenschaftliche Studien zu Probiotika ====
Betreffend probiotischer Nahrungsmittel und Nahrungsmittelergänzungen mit Probiotika bestehen in der Wissenschaft auch Zweifel. Zum einen sei der Nutzen nicht wissenschaftlich genug gesichert. Zum anderen belegt eine Studie von 2018 aus den USA an 42 Probanden, dass sogar das Gegenteil der Fall sei. Es wurde eine bakterielle Überwucherung im Dünndarm festgestellt, welche übermäßig D-Milchsäure produziere und eine [[w:Laktatazidose|Laktatazidose]] fördern kann. Der Studie ist zu entnehmen, dass die Probanden Nahrungsmittelergänzung in Form von Probiotika zu sich genommen haben, nicht probiotische Nahrungsmittel.<ref>[https://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/probiotika-doch-nicht-gesund-forscher-kratzen-am-guten-ruf_id_9384262.html ''Forscher kratzen am Ruf der Bakterien. Die ernüchternde Wahrheit über Probiotika: Alles, was Sie über die Bakterien wissen müssen.''] In: ''Focus-online.'' Artikel vom 10. August 2018, abgerufen am 23. November 2025.</ref>


Aus wissenschaftlicher Sicht können bestimmte probiotische Bakterien im Rahmen einer Therapie von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen hilfreich sein. Dafür gibt es zugelassene probiotische Arzneimittel, die ihre Wirkbehauptungen in Studien belegen konnten.
Ein weiterer Zweifel gegenüber probiotischen Nahrungsmitteln besteht darin, ob die lebendigen Mikroorganismen die Magensäure passieren, ohne zu sterben. Das Ergebnis von vor allem englischsprachigen Studien belegten, dass ein Teil der Milchsäurebakterien aus fermentierten Milchprodukten (einschließlich der Buttermilch) in der Lage ist, die Magensäure unter Verdauungsbedingungen zu überstehen – das Ausmaß des Überlebens hängt aber stark vom Bakterienstamm und vom Produkt ab.<ref>[https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21839386/ ''Survival of probiotic lactobacilli in the upper gastrointestinal tract using an in vitro gastric model of digestion.''] In: ''Pubmed'' (Zusammenfassung). Abgerufen am 23. November 2025.</ref>


Ein weiterer Zweifel gegenüber probiotischen Nahrungsmitteln besteht darin, ob die lebendigen Mikroorganismen ohne zu sterben die Magensäure passieren. Um diesen Zweifel auszuräumen, haben vor allem englischsprachige Studien das Gegenteil bewiesen. Daraus geht hervor, dass ein Teil der Milchsäurebakterien aus fermentierten Milchprodukten (einschließlich der Buttermilch) in der Lage ist, die Magensäure unter Verdauungsbedingungen zu überstehen – das Ausmaß des Überlebens hängt aber stark vom Bakterienstamm und vom Produkt ab.
Eine andere Studie hält fest, dass einige Stämme die „Magenstrecke“ recht gut überleben, andere deutlich schlechter; der Nahrungsmatrix „fermentierte Milch“ kommt dabei eine schützende Rolle zu.<ref>[https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22281320/ ''Survival of lactic acid bacteria from fermented milks in an in vitro digestion model exploiting sequential incubation in human gastric and duodenum juice.''] In: ''Pubmed'' (Zusammenfassung). Abgerufen am 23. November 2025.</ref> Bei der Vereinigung für angewandte Mikrobiologie findet sich die Aussage: „Lactobazillen (Milchsäurebakterien) können den niedrigen pH-Wert im Magen tolerieren.“<ref>[https://vaam.de/infoportal-mikrobiologie/kurze-frage/was-machen-bakterien-im-probiotikum/ ''Was machen Bakterien im Probiotikum?''] In: ''VAAM.''Abgerufen am 23. November 2025.</ref>


Eine andere Studie hält fest: Einige Stämme überleben die „Magenstrecke“ recht gut, andere deutlich schlechter; der Nahrungsmatrix „fermentierte Milch“ kommt dabei eine schützende Rolle zu.
Zu erwähnen ist, dass bei probiotischen Nahrungsmitteln nicht nur von Bedeutung ist, ob nun die lebendigen Bakterien in den Darm gelangen oder nicht. Wesentlich ist vielmehr der Prozess der Milchsäuregärung und schließlich das Endergebnis, dass in diesen Nahrungsmitteln Milchsäure vorhanden ist. Das Nahrungsmittel ist nicht mehr das Gleiche wie zuvor.<ref>''[https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4844621/#:~:text=Functional%20microorganisms%20transform%20the%20chemical,safety%2C%20degrading%20toxic%20components%20and Functional Properties of Microorganisms in Fermented Foods.]'' In: ''National Library of Medicine.'' Abgerufen am 23. November 2025.</ref> Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um probiotische Milch-, Bohnen- oder Gemüseprodukte oder um nicht probiotische Nahrungsmittel wie Sauerteig-, Backferment- oder Honig-Salz-Brot handelt.


Bei der Vereinigung für angewandte Mikrobiologie findet sich die Aussage: „Lactobazillen (Milchsäurebakterien) können den niedrigen pH-Wert im Magen tolerieren.“
=== Michsauervergorene Nahrungsmittel ===
[[Datei:Backferment Brot.png|alternativtext=Schnitten von Brot auf dem Teller|mini|Backferment-Brot<br>Auch wenn nach dem Backvorgang keine Milchsäurebakterien mehr vorhanden sind, ist die entstandene Milchsäure von wesentlicher Bedeutung für den ph-Wert des Darms und das Acetat]]


Zu erwähnen ist, dass bei probiotischen Nahrungsmitteln nicht nur von Bedeutung ist, ob nun die lebendigen Bakterien in den Darm gelangen oder nicht. Wesentlich ist vielmehr der Prozess der Milchsäuregärung und schließlich das Endergebnis, dass in diesen Nahrungsmitteln Milchsäure vorhanden ist. Das Nahrungsmittel ist nicht mehr das Gleiche wie zuvor. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um probiotische Milch-, Bohnen- oder Gemüseprodukte oder um nicht probiotische Nahrungsmittel wie Sauerteig-, Backferment- oder Honig-Salz-Brot handelt.
Bei Bildung der Milchsäure wird das Lebensmittel gesäuert. Dies hemmt Verderbniserreger in ihrer Aktivität oder tötet sie ab. Beispielsweise sind bei [[w:Milchsäuregärung|milchsauervergorenen]] Gemüsen die produzierten Vitamine bedeutsam, bei Sauerteigbroten die nebst der Milchsäure produzierte Essigsäure ([[w:Acetat|Acetat]]). Studien zeigen, dass Acetat dazu beiträgt, dass der Blutzuckerspiegel nach dem Essen langsamer und weniger stark ansteigt.<ref>[https://www.pharmazeutische-zeitung.de/was-taugt-die-apfelessig-diaet-144690/ ''Was taugt die Apfelessig Diät?''] In: ''Pharmazeutische Zeitung.'' Artikel vom 17. Januar 2024, abgerufen am 23. November 2025. </ref>


Auf den Prozess bezogen sind bei milchsauervergorenen Gemüsen beispielsweise die produzierten Vitamine oder bei Sauerteigbroten die nebst der Milchsäure produzierte Essigsäure (Acetat) bedeutsam. Diese steht nach der Nahrungsaufnahme sogleich zur Verfügung. Studien zeigen, dass Acetat dazu beiträgt, dass der Blutzuckerspiegel nach dem Essen langsamer und weniger stark ansteigt.
Auch ist die entzündungshemmende Wirkung von Acetat hervorzuheben. Die Fermentation beispielsweise bei einem Backferment-Brot erzeugt zusätzlich andere bioaktive Verbindungen wie phenolische Verbindungen und bioaktive Peptide, die ebenfalls antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften haben. Diese synergistische Kombination bewirkt einen stärkeren Gesamteffekt auf die Hemmung von entzündlichen Reaktionen als reines Acetat, das beispielsweise durch Apfelessig einer Speise zugeführt wird.<ref>Morena Gabriele, Nafiou Arouna, Július Árvay, Vincenzo Longo, Laura Pucci: [https://www.mdpi.com/1422-0067/24/7/6283 ''Sourdough Fermentation Improves the Antioxidant, Antihypertensive, and Anti-Inflammatory Properties of Triticum dicoccum.''] In: ''MDPI.'' Artikel vom 27. März 2023, abgerufen am 23. November 2025.</ref>


Auch ist die entzündungshemmende Wirkung von Acetat hervorzuheben. Die Fermentation erzeugt zusätzlich andere bioaktive Verbindungen wie phenolische Verbindungen und bioaktive Peptide, die ebenfalls antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften haben. Diese synergistische Kombination bewirkt einen stärkeren Gesamteffekt auf die Hemmung von entzündlichen Reaktionen als reines Acetat, das beispielsweise durch Apfelessig einer Speise zugeführt wird.
Das Endergebnis, die Milchsäure, auch wenn in ihr keine lebenden Mikroorganismen mehr vorhanden sind, ist dennoch von zentraler Bedeutung. Neben dem, dass es eine Art von Vorverdauung ist, sorgt die von Bakterien produzierte Milchsäure für einen günstigen pH-Wert, regt die Darmbewegung an und stärkt die Darmschleimhaut. Die Milchsäure ist aus diesen Gründen für das Mikrobiom äußerst heilsam. Darüber hinaus dient sie der Energiegewinnung in Muskeln, Leber und roten Blutkörperchen.<ref>[https://medlexi.de/Milchs%C3%A4ure ''Was ist Milchsäure?''] In: ''Med Lexi.'' Letzte Aktualisierung März 2024, abgerufen am 23. November 2025.</ref>


Das Endergebnis, die Milchsäure, auch wenn in ihr keine lebenden Mikroorganismen mehr vorhanden sind, ist dennoch von zentraler Bedeutung. Neben dem, dass es eine Art von Vorverdauung ist, sorgt die von Bakterien produzierte Milchsäure für einen günstigen pH-Wert, regt die Darmbewegung an und stärkt die Darmschleimhaut. Die Milchsäure ist aus diesen Gründen für das Mikrobiom äußerst heilsam. Darüber hinaus dient sie der Energiegewinnung in Muskeln, Leber und roten Blutkörperchen.
==== Zur Milchsäure aus geistiger Sicht ====
Auch die geistige Forschung ordnet der Milchsäure eine bedeutsame Rolle im menschlichen Organismus zu. [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] legt von diesem Standpunkt dar, dass die Milchsäure im Dünndarm (Intestinum) ein sehr günstiges und gesundes Milieu vorbereitet, das umfangreiche förderliche Auswirkungen bringt:


Nicht nur das, was wir durch Nahrung zu uns nehmen, wirkt nach wissenschaftlicher und naturheilkundlicher Übereinstimmung heilsam auf das Mikrobiom. Auch ein gutes Maß an Bewegung in der Natur, in den Bergen oder allgemein Fitness hat einen förderlichen Einfluss auf die Verdauung und die Peristaltik des Darmes. Dieser muss ja die zu uns genommene Nahrung über ca. 6 Meter hinweg kontinuierlich bewegen, bis es schließlich zur Ausscheidung kommt.
:„Die Kieselsäure, die den Lichtstoffwechsel aktiviert, und die Milchsäure, die im inneren menschlichen Organismus eine bedeutsame Rolle einnimmt, gehören in einem gewissen Sinne nahe zusammen. Beide Stoffe besitzen, trotz ihrer großen chemischen Unterschiedlichkeit, eine Affinität oder zumindest eine Art Beziehung zueinander. Diese Beziehung kann auf den ersten Blick vielleicht dahingehend verstanden werden, dass die Milchsäure und die verschiedenen Milchsäurebakterien ein sehr günstiges und gesundes Milieu im Intestinum vorbereiten. Dieses günstige Milieu wirkt auf den ganzen Menschen gesundheitsfördernd und kann ihm eine, wie es der Gesundheit entspricht, schöne lichtvolle Ausstrahlung geben. Fehlt auf der anderen Seite dieses gesunde Niveau im unteren Bauchbereich, dort, wo sich die Verdauung mit einem intensiven Aufbauprozess befindet, so bilden sich die verschiedensten Fäulniserreger und verdunkeln in einer gewissen Weise den gesamten Organismus. Die Krankheit ist eine häufige Erscheinung eines bestehenden ungünstigen Niveaus in der Dünndarmflora. Durch diesen Zusammenhang lässt sich bereits erstmals erkennen, dass eine Beziehung zwischen der menschlichen Ausstrahlung, die normalerweise hell und kristallklar, das heißt kieselfreudig, sein sollte, und dem innersten Verdauungsniveau, das gesund, kräftig und von einem ausgeglichenen und nicht zu sauren oder gar toxikologischen Niveau getragen sein darf, besteht. Die Milchsäure, obwohl als Säure gegeben, bewirkt im gesamten Organismus nicht unbedingt ein saures Niveau, sondern wirkt im Allgemeinen sehr ausgleichend und antibakteriell.“<ref>Heinz Grill: ''Die Milchsäure und ihre Bedeutung für die Gesundheit.'' Stephan Wunderlich Verlag, ISBN 978-3-9817200-1-3, S.&nbsp;5–6.</ref>


Entspannt zu sein bzw. die Fähigkeit, sich entspannen zu können, hat ebenfalls einen Einfluss auf die autonom vor sich gehenden Leistungen im Verdauungsapparat. Von wissenschaftlicher und naturheilkundlicher Seite werden Meditation und Yoga sowie auch anderes mentales Training empfohlen.
[[Datei:Bewegen in der Natur.png|alternativtext=man beim Spaziergang|mini|240px|Bewegung in der Natur wirkt heilsam auf die Darmbewegung]]
=== Bewegung und Entspannung ===
Nicht nur das, was wir durch Nahrung zu uns nehmen, wirkt nach wissenschaftlicher und naturheilkundlicher Übereinstimmung heilsam auf das Mikrobiom. Auch ein gutes Maß an Bewegung in der Natur, in den Bergen oder allgemein Fitness hat einen förderlichen Einfluss auf die Verdauung und die Peristaltik des Darms, der die zu uns genommene Nahrung über ca. 6 m hinweg kontinuierlich bewegen muss, bis es schließlich zur Ausscheidung kommt.


== Darm-Hirn-Achse ==
Entspannt zu sein bzw. die Fähigkeit, sich entspannen zu können, hat ebenfalls einen Einfluss auf die autonom vor sich gehenden Leistungen im Verdauungsapparat. Von wissenschaftlicher und naturheilkundlicher Seite werden Meditation und Yoga sowie auch anderes mentales Training empfohlen.<ref name=":2">Debananda S.&nbsp;Ningthoujam, Nilkamal Singh, Saikat Mukherjee: [https://www.frontiersin.org/journals/psychology/articles/10.3389/fpsyg.2021.768031/full ''Possible Roles of Cyclic Meditation in Regulation of the Gut-Brain Axis.''] In: ''frontiers.'' Abgerufen am 23. November 2025.</ref>


Das Zusammenspiel zwischen Darm und Gehirn – die Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse – gilt heute als zentrale Brücke zwischen Verdauung, Immunsystem, Nerven- und Hormonsystemen. Aktiv beteiligt sind Mikroorganismen des Darmtrakts, deren Stoffwechselprodukte sowie Nervensignale über das enterische Nervensystem und den Vagusnerv eine Wirkung entfalten.
== Dysbiose und Krankheit ==
Besteht im Darm eine Dysbiose, kann in der Folge leichter ein Krankheitszustand eintreten. Eine Dysbiose ist ein Ungleichgewicht der Mikrobengemeinschaft im Mikrobiom, bei dem krankheitserregende Keime überhandnehmen, während nützliche Bakterien unterrepräsentiert sind.<ref name=":3">[https://gastroenterologie-berlin-mitte.de/dysbiose/ ''Dysbiose.''] in: ''City Praxen Berlin.'' Abgerufen am 23. November 2025.</ref>


Der Mechanismus ist wissenschaftlich wie folgt dargestellt: 
Wissenschaftliche Forschung hat über die letzten Jahrzehnte festgestellt, dass bei vielen Krankheiten, nicht nur bei Darmerkrankungen, auch immer eine mehr oder weniger deutliche Dysbiose vorliegt. Ob die Dysbiose die Krankheit auslöst oder umgekehrt, ist derzeit Gegenstand der Forschung.<ref name=":4">[https://www.aerztezeitung.de/Nachrichten/Dysbiose-des-Darmmikrobioms-Gesundheitsauswirkungen-besser-erforscht-453036.html ''Dysbiose des Darmmikrobioms – Gesundheitsauswirkungen besser erforscht.''] In: ''Ärzte Zeitung.'' Abgerufen am 23. November 2025.</ref><ref name=":5">[https://www.gesundheitsindustrie-bw.de/fachbeitrag/dossier/mikrobiom-menschliche-gesundheit-eng-mit-seiner-mikroben-wg-vernetzt ''Mikrobiom: Menschliche Gesundheit eng mit Mikroben-WG vernetzt.''] In: ''Gesundheitsindustrie BW.'' Abgerufen am 23.&nbsp;November 2025.</ref>
Darmmikroben produzieren Metabolite wie kurzkettige Fettsäuren (SCFAs), Neurotransmittervorläufer, Hormone und Immunmodulatoren, die in das Blut gelangen oder über Nervenbahnen wirken. Der Darm fungiert über das enterische Nervensystem und den Vagusnerv als „zweites Gehirn“. Das zentrale Nervensystem reguliert über Stressachsen (z. B. HPA-Achse) sowie über autonome Nerven auch die Darmfunktion, Peristaltik und Barrierefunktion, wodurch sich das Mikrobenumfeld verändert.


Der italienische Gastroenterologe Professor Antonio Gasbarrini (Universität Rom, Gemelli Hospital) beschreibt diese Erkenntnis anhand von Tierstudien: 
== Darm-Hirn-Achse ==
"Wenn man das Mikrobiom einer depressiven Person auf eine Maus überträgt, wird die Maus depressiv." 
=== Ergebnisse aus wissenschaftlicher Forschung ===
— Prof. Antonio Gasbarrini, Universität Rom (Gemelli Hospital)
[[Datei: Mikrobiota-Darm-Hirn-Achse A.png|mini|320px|Grafik zur Mikrobiom-Verbindung von Darm und Hirn (Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse)]]


Eine Kolonisation mit Candida albicans kann ebenfalls über Toxine und Entzündungen das Nervensystem beeinflussen. Tierstudien zeigen, dass betroffene Mäuse erhöhte Angstreaktionen aufweisen.
Das Zusammenspiel zwischen Darm und Gehirn – die Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse – gilt heute als zentrale Brücke zwischen Verdauung, Immunsystem, Nerven- und Hormonsystemen. Aktiv beteiligt sind Mikroorganismen des Darmtrakts, deren Stoffwechselprodukte sowie Nervensignale über das [[w:Enterisches Nervensystem|enterische Nervensystem]] und den [[w:Nervus vagus|Vagusnerv]] eine Wirkung entfalten.


Zusammenfassend kann im wissenschaftlichem Konsens festgehalten werden, dass das, was im Mikrobiom vor sich geht, auf unser emotionales Wohlbefinden einen großen Einfluss hat.
Der Mechanismus ist wissenschaftlich wie folgt dargestellt: Darmmikroben produzieren [[w:Metabolit|Metabolite]] wie kurzkettige Fettsäuren (SCFAs), Neurotransmittervorläufer, Hormone und Immunmodulatoren, die in das Blut gelangen oder über Nervenbahnen wirken. Der Darm fungiert über das enterische Nervensystem und den Vagusnerv als „zweites Gehirn“. Das zentrale Nervensystem reguliert über Stressachsen (z.&nbsp;B. [[w:Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse|HPA-Achse]]) sowie über autonome Nerven auch die Darmfunktion, [[w:Peristaltik|Peristaltik]] und Barrierefunktion, wodurch sich das Mikrobenumfeld verändert.<ref>[https://www.zentrum-der-gesundheit.de/bibliothek/koerper/gehirn/darm-hirn-achse ''Darm-Hirn-Achse beeinflusst die Gesundheit.''] In: ''Zentrum der Gesundheit.'' Stand 20. Oktober 2025, abgerufen am 23.&nbsp;November 2025.</ref>


== Dysbiose und Krankheit ==
Der italienische [[w:Gastroenterologie|Gastroenterologe]] Antonio Gasbarrini (Universität Rom, Gemelli Hospital) beschreibt diese Erkenntnis anhand von Tierstudien:


Besteht im Darm eine Dysbiose, kann in der Folge leichter ein Krankheitszustand eintreten. Eine Dysbiose ist ein Ungleichgewicht der Mikrobengemeinschaft im Mikrobiom, bei dem krankheitserregende Keime überhandnehmen, während nützliche Bakterien unterrepräsentiert sind.
:„Wenn man das Mikrobiom einer depressiven Person auf eine Maus überträgt, wird die Maus depressiv.“<ref>[https://www.juorno.it/gasbarrini-il-microbiota-e-la-rivoluzione-della-medicina/ ''Gasbarrini, il microbiota è la rivoluzione della medicina.''] In: ''juorno.it.'' Artikel vom 28. Mai 2025, abgerufen am 23. November 2025.</ref>


Wissenschaftliche Forschung hat über die letzten Jahrzehnte festgestellt, dass bei vielen Krankheiten, nicht nur bei Darmerkrankungen, auch immer eine mehr oder weniger deutliche Dysbiose vorliegt. Ob die Dysbiose die Krankheit auslöst oder umgekehrt, ist derzeit Gegenstand der Forschung.
Eine Kolonisation mit [[w:Candida albicans|''Candida albicans'']] kann ebenfalls über Toxine und Entzündungen das Nervensystem beeinflussen. Tierstudien zeigen, dass betroffene Mäuse erhöhte Angstreaktionen aufweisen.


== Sicht aus geistiger Forschung ==
Zusammenfassend kann im wissenschaftlichem Konsens festgehalten werden, dass das, was im Mikrobiom vor sich geht, auf unser emotionales Wohlbefinden einen großen Einfluss hat.<ref>[https://www.nature.com/articles/s41598-020-77673-z.pdf ''Emotional well-being and gut microbiome profiles by enterotype.''] In: ''nature/scientific reports.'' Veröffentlicht am 26.&nbsp;November 2020, abgerufen am 25.&nbsp;November 2025.</ref>


=== Heinz Grill ===
=== Ergebnisse aus geistiger Forschung ===
==== Zum Verdauungssystem ====
Nach [[Rudolf Steiner]], dem Begründer der Anthroposophie, beruhen alle sichtbaren Vorgänge in einem lebendigen Organismus, wie es beispielsweise beim Menschen der Fall ist, auf dem Kräftewirken, das aus dem so bezeichneten [[a:Ätherleib|Ätherleib]] herstammt. Dieser Ätherleib ist „durch und durch aus Gedanken bestehend“ und etwas „außerordentliches Gescheites“. Er ist „voller lichtvoller und widerspruchsloser Gedanken“.<ref>Rudolf Steiner: ''Die menschliche Seele in ihrem Zusammenhang mit göttlich-geistigen Individualitäten. Die Verinnerlichung der Jahresfeste.'' GA&nbsp;224. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1992, ISBN 3-7274-2240-8, S.&nbsp;98–99. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_224.pdf#page=98&view=Fit Online])</ref>
Heinz Grill sieht aus geisteswissenschaftlicher Sicht das gesamte Verdauungssystem als „feinstoffliches Kommunikationssystem“. Aus den Kräftewirkungen, die in der Tiefe des Bauchraumes ruhen, entwickelt sich – nach seinen Forschungen – „wohl immer ein zukünftiger vollkommenerer Mensch“.


:„In der Tiefe des Bauchraumes ruhen und arbeiten zugleich große, unfassbare Weltenprozesse, und es entwickelt sich aus allen Stoffwechselprozessen, dem Anabolismus und Metabolismus, wohl immer ein zukünftiger, vollkommenerer Mensch. Das tiefe Organsystem erscheint für den geübten Betrachter im Lichte von Planeten und Planetenprozessen, die eine zukunftsweisende Wirkung auf das Leben ausüben. Die menschliche Gestalt trägt in ihren Organen, wie bereits in den bisherigen Ausführungen erwähnt, die Planeten im Inneren. Mit diesen Planeten trägt aber der Mensch nicht materielle Himmelskörper im Inneren, sondern er trägt Kräfte, Kräfteströme oder noch besser gesagt geistige Wirkungsdimensionen, geistige, unsichtbare Energiefelder im Körper, die die sichtbare Manifestation in der Struktur erhalten und die dem Bewusstseinsleben eine präzise Form geben.
Das Mikrobiom, also auch das gesamte Zusammenspiel der Mikroorganismen (Gast) mit dem Menschen (Wirt) ist gemäß den Ausführungen von [[a:Thomas Hardtmuth|Thomas Hardtmuth]], der sich in seinem Buch ''Mikrobiom und Mensch'' auf verschiedene Aussagen von Rudolf Steiner bezieht, vom Ätherleib bestimmt.<ref>Thomas Hardtmuth: ''Mikrobiom und Mensch.'' Salumed Verlag, 2021, ISBN 978-3-928914-42-0, S.&nbsp;182&nbsp;ff.</ref>


In einem anderen Kontext wird erwähnt, was im äusseren Umfeld stattfindet, das „gleitet in die Tiefe des Bauchraumes hinein“. Der Bauchraum ist in diesem Sinne ein „wahrer Empfangsapparat“ des äusseren Milieus. Auf den Dünndarm bezogen weist Heinz Grill auf eine wichtige Zweiheit hin. Einerseits sind Kräfte da, die den Menschen in das karmische Dasein hinunterführen. Andererseits werden ihm aber auch Kräfte zur Verfügung gestellt, die ihn erheben und aus dem karmischen Schicksalsgefüge herausheben wollen.
Es besteht nun ein Zusammenhang zwischen dem Ätherleib mit einem anderen feinstofflichen Leib und das ist der [[a:Astralleib|Astralleib]], der in der Anthroposophie auch Empfindungsleib genannt wird. Rudolf Steiner beschreibt, wie Sorgen und Kümmernisse über eine längere Zeit hinweg schließlich bis in den physischen Leib gelangen und dort in den Stoffwechselorganismus hineinwirken:
:„Das, was in der Tiefe des Bauchraumes vor sich geht, das ist in gewisser Weise ein Ausdruck der Willenssphäre, die um uns herum gelagert ist. Durch die Art und Weise des gesamten moralischen Umgehens, durch die Kommunikation, durch die verschiedene Art der Bewegung, die Menschen zueinander machen, gibt es tatsächlich unter Menschen eine Willenssphäre. Diese Willenssphäre ist um uns herum gelagert. Sie spiegelt sich genau wider in das Verdauungssystem und bewirkt dort in der Tiefe die Bewegung, dass der Mensch auf der einen Seite Kräfte erhält, und das zeigt wieder die Polarität des Dünndarms an, die ihn zum Erdendasein führen, zum karmischen Dasein und ihm auf der anderen Seite aber auch Kräfte zur Verfügung stellen wollen, die ihn erheben, die ihn herausheben wollen.“


Hinsichtlich der Ernährung weist Heinz Grill auf die mit der Nahrung verbundenen Toxine hin. Dabei sind nicht die nachweisbaren Toxine gemeint, sondern metaphysisch gesehene Toxine, die mit den Nahrungsmitteln verbunden sind und die den Menschen als freies Individuum in der Folge ungünstig an die Tätigkeiten der irdischen Sphäre binden. Es können sich dann die notwendigen Willenskräfte zur Gesunderhaltung nicht entwickeln. In der Folge entsteht ein Milieu im Darm, in welchem sich krankmachende Mikroorganismen ansiedeln können.
:„Vor allen Dingen wird Ihnen die Erfahrung den merkwürdigen Zusammenhang des ätherischen Leibes mit dem Astralleib dann ergeben, wenn sie beobachten, wie im Menschen Sorge, Kümmernisse und so weiter fortwirken. Sie dürfen da nicht etwa bloß beobachten die Sorge und die Kümmernisse, die sich am letzten Tage oder in der letzten Woche abgespielt haben, die sind schließlich das allerwenigst Bedeutsame, sondern diejenigen, die weiter zurückliegen. Denn es muss immer eine gewisse Periode verfließen von der Zeit, wo Sorgen und Bekümmernisse auf einen Menschen wirken, bis zu der Zeit, wo sie gewissermaßen organisch geworden sind, wo sie in das Wirken des Organismus übergegangen sind. Sorgen und Kümmernisse, wenn sie einen gewissen Grad erreichen, sind immer so, dass sie in einer späteren Zeit erscheinen als Anomalien im organischen Wirken. Sie gehen bis zur Verunregelmäßigung des Rhythmusorganismus, und erst dann können sie weiter wirken auf den Stoffwechselorganismus und so weiter. Das müssen wir als eine Grundtatsache ins Auge fassen.“<ref>Rudolf Steiner: ''Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie.'' GA&nbsp;313. 5., neu durchgesehene Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-3132-6, S.&nbsp;53–54. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_313.pdf#page=53&view=Fit Online])</ref>


:„Gerade im Dünndarm findet diese geheimnisvolle, polare Alchemie statt, dass auf der einen Seite gerade in den Lymphwegen der Weg tiefer hinab in die Materie geschieht, aber durch gesunde und gute Resorptionsleistung, durch Nahrungsaufbereitung der Mensch sich erheben kann in seinem gesamten Selbstgefühl, in seinem Ich-Gefühl und er ein immer gesünderer, denkenderer, reiferer, fühlenderer, lebendigerer, freudigerer Bürger der verschiedensten Welten wird. Die Nahrung selbst muss den Menschen, obwohl sie ihm eine Willensanforderung gibt, erheben. Das, was aber an die Nahrung gebunden ist, was nicht nur nachweisbare Toxine sind, sondern was oftmals ganz geheimnisvolle, aus der fehlenden Moralität kommende Toxine, ganz geheimnisvolle Giftstoffe sind, wird ihm über den Lymphweg zum Verhängnis und über den Lymphweg bindet er sich schließlich an die irdische Sphäre. Die Enteropathie, die entzündliche Neigung des Dünndarms, spricht sich eigentlich geradewegs dahingehend aus, dass das Umfeld des Menschen ungünstigerweise in den Bauchraum hineingespiegelt ist und sich auf diese Weise die Willenskräfte zur wesentlichen Verlebendigung und Gesunderhaltung nicht entwickeln können. Viele Mykosen, die gerade dort auch den Angriffspunkt finden, zeigen an, dass die Seele nicht ausreichend lichterzeugend aktiviert werden kann und somit sich ein Milieu ergibt, das beständig belastende und schwächende Tendenzen auf das Immunsystem bildet.
Bei [[a:Sorge|Sorgen]] und Kümmernissen sei das Denken in negativen Kreisläufen verfangen. „Sorge-Gedanken“ haben die Eigenschaft, dass sie „immer wieder gedacht werden“ müssen.<ref>Rudolf Steiner: ''Aus den Inhalten der esoterischen Stunden. Band&nbsp;I: 1904 – 1909.'' GA&nbsp;266/1. 1. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-2661-6, S.&nbsp;434. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_266a.pdf#page=434&view=Fit Online])</ref> Therapeutisch gesehen hat der Mensch jedoch die Kapazität, aus dem Kreislauf der Sorge-Gedanken herauszutreten, indem er sein Denken schult. Rudolf Steiner erachtet hier die Unterscheidung zwischen einem aktiven und passiven Denken als wesentlich. Durch aktives Denken erkraftet Mensch in sich selber, er „kann in sich selber Gedanken prägen“. Wenn nun das Denken sich „nicht erkraften will, nicht in seiner Aktivität sich erfassen will“, dann würde das Denken nur Gedanken hervorbringen, die „mit dem Instrument des Gehirns erfaßt werden“ und „dann denkt der Mensch nicht aktiv, dann denkt er passiv“.<ref>Rudolf Steiner: ''Vorstufen zum Mysterium von Golgatha.'' GA&nbsp;152. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1990, ISBN 3-7274-1520-7, S.&nbsp;52. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_152.pdf#page=52&view=Fit Online])</ref>


==== Heilansatz für das Mikrobiom über die Ernährung ====
[[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] weist in diesem Zusammenhang darauf hin, wie die Aktivität einer gegenständlichen Konzentrationsübung auf einen Gedanken, dieser „bis hinein in die Stoffwechselregionen die Konturen, die Bewegung und Form dieses Gedankens“ entfaltet.<ref>Heinz Grill: ''Das Wesensgeheimnis der Seele.'' 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, 2014, ISBN 978-3-9815855-5-1, S.&nbsp;303&nbsp;ff.</ref>


Nicht nur das was wir an Nahrungsmitteln zu uns nehmen, vielmehr auch die Art der Zubereitung kann aus geisteswissenschaftlicher Sicht heilsam wirken. Ein Aspekt der weiter oben erwähnten Toxine, die als geheimnisvolle“ Toxine bezeichnet worden sind und das Ideal „frei von den eigenen Körperkräften seine Weisheit“ zu gebrauchen lernen werden näher umschrieben.
Diese Zusammenhänge aus geistiger Perspektive ergänzen die moderne wissenschaftliche Forschung, die vor allem die Wirkungen des Darms auf das Gehirn untersucht, um eine umgekehrte Perspektive – nämlich die, dass der Mensch durch bewusstes Denken, von Idealen ausgehend, heilend in seinen Stoffwechsel eingreifen kann.


:„Das Feuer des Gasherdes kocht den Reis, das Getreide oder das Gemüse. Das Brot geht durch den Sauerteig oder die Fermentierung auf. Das Aroma von Gewürzen führt die feine Abschmeckung der Speisen während des Kochprozesses oder auch an dessen Ende herbei. Nachdem das Getreide ausreichend das Wasser im Kochtopf aufgenommen hat, quillt es noch einmal und schlüsselt sich dadurch noch besser auf. Alle diese Prozesse laufen in einer geordneten Folge und fügen sich in einer entsprechenden natürlichen Ordnung zueinander. Sie werden durch die dienenden, führenden und gestaltenden Hände des Kochs zur rechten Zeit in Bewegung gesetzt. Die Aufmerksamkeit für die zu verrichtenden Arbeiten ist von gezielten Gedanken und idealen Vorstellungen begleitet. Das Kochen ist eine künstlerische, geführte und doch sehr freie produktive Tätigkeit. Es ist eine Arbeit aus dem Wissen und erfordert die Kraft, die Nahrung, die zubereitet wird, nicht mit den eigenen Emotionen oder einem persönlichen Ergreifen in Besitz zu nehmen. Man sollte frei von den eigenen Körperkräften seine Weisheit gebrauchen lernen. Die Nahrung wird durch die Weisheit gestaltet und im rechten Maße der Hitze und dem Wasser übergeben, so dass die Elemente, die mit den Ätherkräften in Verbindung stehen, für sich arbeiten können und das Essen nicht aus der persönlichen, sondern aus der höheren Weisheit zubereitet wird.»Das Feuer des Gasherdes kocht den Reis, das Getreide oder das Gemüse. Das Brot geht durch den Sauerteig oder die Fermentierung auf. Das Aroma von Gewürzen führt die feine Abschmeckung der Speisen während des Kochprozesses oder auch an dessen Ende herbei. Nachdem das Getreide ausreichend das Wasser im Kochtopf aufgenommen hat, quillt es noch einmal und schlüsselt sich dadurch noch besser auf. Alle diese Prozesse laufen in einer geordneten Folge und fügen sich in einer entsprechenden natürlichen Ordnung zueinander. Sie werden durch die dienenden, führenden und gestaltenden Hände des Kochs zur rechten Zeit in Bewegung gesetzt. Die Aufmerksamkeit für die zu verrichtenden Arbeiten ist von gezielten Gedanken und idealen Vorstellungen begleitet. Das Kochen ist eine künstlerische, geführte und doch sehr freie produktive Tätigkeit. Es ist eine Arbeit aus dem Wissen und erfordert die Kraft, die Nahrung, die zubereitet wird, nicht mit den eigenen Emotionen oder einem persönlichen Ergreifen in Besitz zu nehmen. Man sollte frei von den eigenen Körperkräften seine Weisheit gebrauchen lernen. Die Nahrung wird durch die Weisheit gestaltet und im rechten Maße der Hitze und dem Wasser übergeben, so dass die Elemente, die mit den Ätherkräften in Verbindung stehen, für sich arbeiten können und das Essen nicht aus der persönlichen, sondern aus der höheren Weisheit zubereitet wird.
Berücksichtigt man sowohl den wissenschaftlichen als auch den geistigen Standpunkt, entsteht ein ganzheitliches Bild. Neuere wissenschaftliche Studien belegen mittlerweile, dass geistige Übungen wie Achtsamkeit, Meditation oder imaginatives Vorstellungsvermögen tatsächlich neurovegetative und immunologische Prozesse beeinflussen können, etwa über den Vagusnerv und die Regulation der Darmbarriere.<ref name=":2" />


Wie oben bereits aus Sicht der Wissenschaft dargestellt wurde nimmt die Milchsäure im Darm eine zentrale Rolle hinsichtlich des ph-Wertes ein. Im Darm sind sowohl die Lactobazillen als auch das Bifidobacterium Bifidum stark vertreten. Beide produzieren Milchsäure. Der Milchsäure
Hinsichtlich der Toxine, die mit der Nahrung verbunden sein können, weist Heinz Grill darauf hin, dass diese auch in metaphysischer Hinsicht existieren und eine ungesehene Giftwirkung auf den Menschen ausüben. In der Folge tritt eine Schwächung des Immunsystems ein. Es entsteht ein Milieu im Darm, in dem sich krankmachende Mikroorganismen ansiedeln können:
räumt Heinz Grill aus geisteswissenschaftlicher Schau in vielerlei Hinsicht eine bedeutsame Rolle ein.


:„Die Kieselsäure, die den Lichtstoffwechsel aktiviert, und die Milchsäure, die im inneren menschlichen Organismus eine bedeutsame Rolle einnimmt, gehören in einem gewissen Sinne nahe zusammen. Beide Stoffe besitzen, trotz ihrer großen chemischen Unterschiedlichkeit, eine Affinität oder zumindest eine Art Beziehung zueinander. Diese Beziehung kann auf den ersten Blick vielleicht dahingehend verstanden werden, dass die Milchsäure und die verschiedenen Milchsäurebakterien ein sehr günstiges und gesundes Milieu im Intestinum vorbereiten. Dieses günstige Milieu wirkt auf den ganzen Menschen gesundheitsfördernd und kann ihm eine, wie es der Gesundheit entspricht, schöne lichtvolle Ausstrahlung geben. Fehlt auf der anderen Seite dieses gesunde Niveau im unteren Bauchbereich, dort, wo sich die Verdauung mit einem intensiven Aufbauprozess befindet, so bilden sich die verschiedensten Fäulniserreger und verdunkeln in einer gewissen Weise den gesamten Organismus. Die Krankheit ist eine häufige Erscheinung eines bestehenden ungünstigen Niveaus in der Dünndarmflora. Durch diesen Zusammenhang lässt sich bereits erstmals erkennen, dass eine Beziehung zwischen der menschlichen Ausstrahlung, die normalerweise hell und kristallklar, das heißt kieselfreudig, sein sollte, und dem innersten Verdauungsniveau, das gesund, kräftig und von einem ausgeglichenen und nicht zu sauren oder gar toxikologischen Niveau getragen sein darf, besteht. Die Milchsäure, obwohl als Säure gegeben, bewirkt im gesamten Organismus nicht unbedingt ein saures Niveau, sondern wirkt im Allgemeinen sehr ausgleichend und antibakteriell.
:„Gerade im Dünndarm findet diese geheimnisvolle, polare Alchemie statt, dass auf der einen Seite gerade in den Lymphwegen der Weg tiefer hinab in die Materie geschieht, aber durch gesunde und gute Resorptionsleistung, durch Nahrungsaufbereitung der Mensch sich erheben kann in seinem gesamten Selbstgefühl, in seinem Ich-Gefühl und er ein immer gesünderer, denkenderer, reiferer, fühlenderer, lebendigerer, freudigerer Bürger der verschiedensten Welten wird. […] Das, was aber an die Nahrung gebunden ist, was nicht nur nachweisbare Toxine sind, sondern was oftmals ganz geheimnisvolle, aus der fehlenden Moralität kommende Toxine, ganz geheimnisvolle Giftstoffe sind, wird ihm über den Lymphweg zum Verhängnis und über den Lymphweg bindet er sich schließlich an die irdische Sphäre. Die Enteropathie, die entzündliche Neigung des Dünndarms, spricht sich eigentlich geradewegs dahingehend aus, dass das Umfeld des Menschen ungünstigerweise in den Bauchraum hineingespiegelt ist und sich auf diese Weise die Willenskräfte zur wesentlichen Verlebendigung und Gesunderhaltung nicht entwickeln können. Viele Mykosen, die gerade dort auch den Angriffspunkt finden, zeigen an, dass die Seele nicht ausreichend lichterzeugend aktiviert werden kann und somit sich ein Milieu ergibt, das beständig belastende und schwächende Tendenzen auf das Immunsystem bildet.“<ref name=":1">Heinz Grill: ''Das Wesen der Erschöpfung.'' Lammers-Koll-Verlag, 2012, ISBN 978-3-941995-96-3, S.&nbsp;13–14.</ref>


Heinz Grill führt weiters aus, dass durch die Art und Weise des gesamten moralischen Umgehens, durch die Kommunikation, durch die verschiedene Art der Bewegung, die Menschen zueinander machen, eine „Willenssphäre“ entstehe. Diese Willenssphäre „spiegelt sich genau wider in das Verdauungssystem und bewirkt dort in der Tiefe die Bewegung, dass der Mensch auf der einen Seite Kräfte erhält, und das zeigt wieder die Polarität des Dünndarms an, die ihn zum Erdendasein führen, zum karmischen Dasein und ihm auf der anderen Seite aber auch Kräfte zur Verfügung stellen wollen, die ihn erheben, die ihn herausheben wollen.“<ref name=":1" />


== Siehe auch ==
* [[Ernährung aus ganzheitlicher Sicht]]
* [[:Kategorie:Heilkunst|Kategorie Heilkunst]]


== Literatur ==
* Andreas Stallmach, Maria Vehreschild (Hrsg.): ''Mikrobiom: Wissensstand und Perspektiven.'' De Gruyter, Berlin 2016, ISBN 978-3-11-045249-5.
* Sebastian Jutzi: ''Der bewohnte Mensch: Darm, Haut, Psyche; besser leben mit Mikroben.'' Band 60307. Heyne, München 2014, ISBN 978-3-453-60307-3.
* Hanno Charisius, Richard Friebe: ''Bund fürs Leben. Warum Bakterien unsere Freunde sind.'' Hanser, München 2014, ISBN 978-3-446-43879-8.
* Bernhard Kegel: ''Die Herrscher der Welt: wie Mikroben unser Leben bestimmen.'' DuMont, Köln 2015, ISBN 978-3-8321-9773-5.


„“
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== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==
<references />
<references />
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Aktuelle Version vom 31. Januar 2026, 16:04 Uhr

Mikrobiom von Erde Gewässer und Luft
Das Mikrobiom der Erde umfasst alle Mikro-organismen, die in Erdkruste, Gewässern und Atmosphäre leben.

Der Begriff Mikrobiom bezeichnet die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die Menschen, Tiere, Pflanzen und sogar ganze Ökosysteme besiedeln. Weit über eine bloße Ansammlung von Bakterien hinaus bildet es beispielsweise beim Menschen ein komplexes, hochdynamisches Netzwerk, das unmittelbar mit Verdauung, Immunfunktion, Stoffwechsel, hormonellen Prozessen sowie dem emotionalen und mentalen Befinden des Menschen verknüpft ist.

Das Mikrobiom ist zu einem der bedeutendsten Forschungsfelder der modernen Biologie und Medizin geworden.

Verschiedene Aspekte, die seitens der Ernährung heilsam auf das Mikrobiom wirken, sind im wissenschaftlichen Konsens präbiotische und probiotische Nahrungsmittel. Um ein Ungleichgewicht der Bakterienstämme im Darm zu lösen, wird aus geisteswissenschaftlicher Sicht auch das Milieu mit in die Betrachtung einbezogen. Menschen um uns herum, ihre emotionalen Einflüsse sowie unsere Interaktionen und Willenshandlungen mit ihnen bilden oft die Ursache von Disharmonien im Darmtrakt.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Darm-Hirn-Achse belegen, dass die Vorgänge im Darm wesentlich unsere Gefühle und unser Denken beeinflussen. Ergebnisse aus geistiger Forschung zeigen auch eine Wirkung in umgekehrter Richtung: ein klares, bildhaftes, imaginatives[1] Denken kann Ordnung in das mikroorganische Leben des Darms bringen und die Immunlage verbessern.

Begriffsklärung

Der Begriff Mikrobiom (von griechisch μικρός mikrós „klein“ und βίος bíos „Leben“) bezeichnet im weitesten Sinne alle Mikroorganismen, die ein bestimmtes Habitat besiedeln. Ein solches Habitat kann sehr unterschiedliche Ausmaße haben – von kleinen, klar abgegrenzten Bereichen bis hin zu großräumigen Systemen.

So lässt sich etwa die gesamte Erde als ein einziges Habitat betrachten. In dieser Sichtweise umfasst das Mikrobiom der Erde sämtliche Mikroorganismen, die in Erdkruste, Gewässern und Atmosphäre leben.

Der Begriff Mikrobiom bezieht sich dabei auf die Gesamtheit aller Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Viren, Archaeen, Protozoen), die einen Makroorganismus besiedeln.[2]

Allgemeiner Begriffsgebrauch

Zwei Personen sitzen in einem Restaurant
Wechselwirkungen im Mikrobiom können zwischen Personen unsichtbar stattfinden.

Häufig versteht man unter dem Begriff Mikrobiom die Gesamtheit jener Mikroorganismen, die ein vielzelliges Lebewesen auf natürliche Weise besiedeln, ohne dabei Krankheitssymptome hervorzurufen. Zudem werden auch Teil-Mikrobiome einzelner Körperregionen beschrieben, etwa das Hautmikrobiom oder das Mundmikrobiom.

Ihre Zusammensetzung und die Wechselwirkungen zwischen diesen mikrobiellen Gemeinschaften innerhalb eines Organismus – ebenso wie zwischen verschiedenen Individuen – sind Gegenstand intensiver Forschung. Wechselwirkungen lassen sich nicht nur zwischen Menschen innerhalb desselben Haushalts nachweisen, sondern sogar zwischen Nachbarn und Bewohnern derselben Ortschaft.[3]

Mutualismus im Mikrobiom

Für Lebewesen, die ein eigenes physiologisches Mikrobiom besitzen, gilt in der Regel das Prinzip des Mutualismus. Der Begriff leitet sich vom lateinischen mutuus („gegenseitig, wechselseitig“) ab und beschreibt eine Beziehung, von der sowohl der Wirt als auch die im oder auf ihm lebenden Mikroorganismen profitieren. Man spricht daher von einer typischen Wirt-Gast-Beziehung.[4]

Kolibakterium (Escherichia coli)

Für die Mikroorganismen bietet der Organismus des Wirts einen geschützten Lebensraum, der Nahrung, stabile Umweltbedingungen und Möglichkeiten zur Vermehrung bereitstellt. Umgekehrt ist ein gesundes und funktionsfähiges Mikrobiom für den Wirt von erheblicher Bedeutung, da zahlreiche Stoffwechselprozesse ohne die Unterstützung dieser Mikroben nicht stattfinden könnten. So findet beim Menschen beispielsweise die Verarbeitung des ständig anfallenden Bilirubins im Darm durch Bakterien statt, nachdem die roten Blutkörperchen in Milz, Leber oder Knochenmark abgebaut wurden. Das durch die Bakterien verarbeitete Produkt Urobilinogen wird zum größten Teil mit dem Stuhl ausgeschieden und verleiht ihm seine typische bräunliche Farbe.[5]

Auch Umwandlungsprozesse im Verdauungstrakt beruhen auf diesem Zusammenwirken: Die vom Menschen ausgeschiedenen Stoffwechselprodukte dienen den Mikroorganismen beispielsweise als Nährstoffquelle. Gleichzeitig verhindert dies, dass sich andere – potenziell schädliche – Keime ansiedeln können. Dieser Schutzmechanismus wird als Kolonisationsresistenz bezeichnet.

Darüber hinaus leisten Mikroorganismen weitere wesentliche Beiträge, etwa die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren (SCFAs) oder bestimmten Vitaminen. Die funktionale Einheit aus Wirt und Mikrobiom wird in der biologischen Forschung als Holobiont bezeichnet.[6]

Mikrobiom von Pflanzen

Auch Pflanzen verfügen über ein eigenes Mikrobiom und werden von einer Vielzahl an Mikroorganismen besiedelt. Diese Kleinstlebewesen – etwa in den Wurzeln, an den Blättern oder sogar in den Samen – beeinflussen maßgeblich das Wachstum, die Entwicklung und die Gesundheit der Pflanze. Seit Langem bekannt ist beispielsweise die Bedeutung der Knöllchenbakterien, die mit Hülsenfrüchten eine Symbiose eingehen: Sie versorgen die Pflanze mit gebundenem Stickstoff und erhalten im Gegenzug Zucker aus dem pflanzlichen Stoffwechsel.[7]

Die wissenschaftliche Erforschung und gezielte Optimierung des Mikrobioms von Nutzpflanzen soll künftig dazu beitragen, den Einsatz von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren und gleichzeitig Erträge sowie die Widerstandskraft der Pflanzen zu steigern. Zudem wirkt das Mikrobiom von Nutzpflanzen und Lebensmitteln auch auf das Mikrobiom und die Gesundheit von Menschen und Tieren ein.[8]

Aufgeschnittener Apfel und ganzer Apfel
Schale, Fruchtfleisch und Kerne sind beim Apfel in unterschiedlichen Graden von Bakterien besiedelt

Eine Studie der Universität Graz zeigte 2019, dass ein Apfel ein komplexes Mikrobiom mit rund 100 Millionen Bakterien beherbergt. Dieses Mikrobiom variiert je nach Teil des Apfels (Kerne, Fruchtfleisch, Schale), wobei das Fruchtfleisch und die Kerne stärker besiedelt sind als die Schale. Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass ein Teil dieser Mikroorganismen nach dem Verzehr schließlich im Mikrobiom des Menschen nachweisbar war.[9]

Hygienische Maßnahmen wie Desinfektion oder Sterilisation, beispielsweise beim Lagern, können das pflanzliche oder lebensmittelbezogene Mikrobiom stark verändern oder sogar vollständig zerstören. Dadurch gehen bestimmte Mikroorganismen verloren, was sich wiederum auf das Mikrobiom höherer Lebewesen auswirken kann. Beim Menschen wird das vermehrte Auftreten verschiedener Zivilisationskrankheiten – etwa Allergien, Asthma oder Reizdarmsyndrom – unter anderem mit solchen Veränderungen der mikrobiellen Umwelt in Verbindung gebracht.[10]

Mikrobiom des Menschen

Der Mensch verfügt über mehrere individuelle Mikrobiome, die in verschiedenen Körperbereichen existieren, wie im Darm, auf der Haut, in der Lunge, im Mund- und Nasenrachenraum sowie im Urogenitaltrakt. Die größte Population des Mikrobioms des Menschen befindet sich im Darm, da er die idealen Bedingungen für eine große Vielfalt an Mikroorganismen bietet, beispielsweise durch die Zufuhr von Nährstoffen, die beständig von der Nahrung herkommen, oder durch das Vorhandensein zahlreicher Nischen.

Der Darm ist der Hauptort, an dem das Immunsystem mit fremden Stoffen aus der Umwelt interagiert, weshalb eine große und vielfältige Gemeinschaft von Mikroben notwendig ist, um die Verdauung zu unterstützen. Die tägliche Nahrung ist eine kontinuierliche Quelle an Nährstoffen, die für die Bakterien, Pilze, Viren etc. unerlässlich ist. Des Weiteren bietet der Darm eine große Vielfalt von Lebensräumen, die den unterschiedlichsten Mikroorganismen das Überleben ermöglichen und eine Artenvielfalt fördern.[11]

Dick- und Dünndarm
Dick- und Dünndarm

Der Darm ist mit einer Fläche von 300 Quadratmetern nicht nur das größte Organ, sondern auch der Beherberger von ca. 1,5 bis 2 Kilogramm Mikroorganismen, die als Gast des „Makroorganismus Mensch“ für diesen wichtige Funktionen innehaben.[12]

Eine wichtige Funktion hat das Darmmikrobiom für das Immunsystem. Der Darm ist der Ort, an dem das Immunsystem tagtäglich mit einer großen Menge an fremdem Material, wie Bakterien aus der Nahrung und anderen Quellen konfrontiert wird. Unser im Darm beheimatetes Immunsystem sieht sich also dauernd der schwierigen Aufgabe gegenüber, entweder eine Infektion abzuwehren oder sich abzuschalten, um nicht eine Entzündungsreaktion gegenüber harmlosen Bakterien oder der täglichen Nahrung auszulösen. Die ständige Interaktion zwischen dem Immunsystem und den Darmbakterien ist entscheidend für die Entwicklung und das Training des Immunsystems.[13]

Die große Gemeinschaft von unterschiedlichen Mikroorganismen, die alle Nischen des Darms besiedelt und ihren Lebensraum verteidigt, bietet außerdem einen guten Schutz gegen die Besiedelung durch andere, krankmachende Keime.

Des Weiteren zerlegt das Mikrobiom durch Fermentierungsprozesse Ballaststoffe, die der Mensch nicht verdauen kann. Bei diesem Vorgang entstehen kurzkettige Fettsäuren, die Energie liefern und entzündungshemmende Eigenschaften besitzen, die zu einer antioxidativen Wirkung beitragen. Die im Mikrobiom enthaltenen Organismen produzieren bei den unterschiedlichsten Fermentierungsprozessen auch wichtige Vitamine wie Vitamin K und verschiedene B-Vitamine.[14]

Wissenschaftlich wurde in neuester Zeit festgestellt, dass die Darmbakterien wesentlich die Serotoninsynthese in den neuroendokrinen Darmepithelzellen stimulieren.[15]

95 % des Serotonins befindet sich im Darm. Nebst anderen Funktionen beeinflusst Serotonin eine Vielzahl von emotionalen Prozessen, wie Aggression und Angst. Landläufig wird es als Glückshormon bezeichnet. Ein gestörtes Serotonin-Gleichgewicht findet sich u. a. bei psychischen Störungen wie Depressionen, Zwangserkrankungen und Angststörungen.[16]

Foto einer Walnuss
Walnüsse verfügen über viel Tryptophan

Damit genügend Serotonin produziert wird, benötigt der Körper die essentielle Aminosäure Tryptophan, die mit der Nahrung aufgenommen werden muss. Walnüsse beispielsweise verfügen über viel Tryptophan. Der Darm spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufnahme und bei der Verstoffwechselung von Tryptophan. Ein gesundes Mikrobiom ist aus diesen Gründen eine Voraussetzung, um eine effiziente Verarbeitung von Tryptophan sicherstellen zu können.[17]

Früher war der Fokus der Darmforschung vor allem auf Verdauung und Ernährung gerichtet. Inzwischen belegen zahlreiche Studien, dass das Darmmikrobiom – als Gast – nicht nur an der Verdauung beteiligt ist, sondern auch bei der Produktion von Vitaminen und kurzkettigen Fettsäuren, bei der Regulation des Immunsystems und sogar bei Prozessen beteiligt sein kann, welche das emotionale Befinden beeinflussen. Aus all diesen Gründen werden dem Mikrobiom umfassende Aufgaben zu gesundheitlichem Befinden zugeschrieben.[18]

Die einzelnen Teile des Darms und deren Bakterienstämme

Der Dickdarm des Menschen mit seinen Abschnitten:
  • Blinddarm mit Wurmfortsatz
  • Aufsteigendes Colon
  • Quercolon
  • Absteigendes Colon
  • Colon sigmoideum
  • Mastdarm
  • Der Darm schließt an den Magenausgang an und besteht vereinfacht gesagt aus den beiden Hauptteilen, dem Dünndarm und dem Dickdarm. Ersterer lässt sich in Zwölffingerdarm (Duodenum), Leerdarm (Jejunum) und Krummdarm (Ileum) unterteilen. Der Dickdarm untergliedert sich in Blinddarm (Zökum) mit dem Wurmfortsatz (Appendix vermiformis) , Grimmdarm (Kolon) und Mastdarm (Rektum).

    Genau genommen beherbergt der Darm eines gesunden Erwachsenen in etwa 100 Billionen Bakterien. Interessanterweise setzt sich diese enorme Zahl nach wissenschaftlichem Konsens aus nur 500–1000 verschiedenen Bakterienarten zusammen, die wiederum nur vier verschiedenen Abteilungen, sogenannten Phyla, zugeordnet werden: Firmicutes, Bacteroidetes, Proteobacteria und Actinobacteria.

    Entlang des Darmes findet man in den verschiedenen Darmabschnitten unterschiedliche Bakterienstämme.

    Dünndarm

    Obwohl im Dünndarm nur ein kleiner Teil der gesamten Bakterien des Mikrobioms lebt (über 90 % befinden sich im Dickdarm), findet man hier in wichtigen Funktionen die Lactobazillen, wie z. B. Lactobacillus acidophilus. Sie sorgen durch die Produktion von Milchsäure für eine Stabilisierung des pH-Wertes. Kippt der pH-Wert im Dünndarm, kann dies einen Ausbruch von Pathogenen (beispielsweise von Darmpilzen) zur Folge haben.

    Ein weiteres Merkmal vieler Lactobazillen ist deren Umwandlung von Tryptophan-Molekülen in immunologisch wirksame Elemente. Die kleinen Milchsäurebakterien stellen also einen festen Bestandteil eines funktionierenden Immunsystems dar – eine Verdrängung hat schwerwiegende Folgen.[11]

    Dickdarm

    Der Dickdarm des Menschen kann als ein kleiner Bioreaktor gesehen werden. Billionen von Bakterien fermentieren hier Ballaststoffe zu essentiellen Mikronährstoffen. Das Bifidobacterium Bifidum ist im Grimmdarm ein wichtiges Bakterium. Qualitativ hochwertige Studien belegen eine Rolle von Bifidobacterium Bifidum bei der Prävention des Reizdarmsyndroms und chronisch entzündlicher Darmerkrankungen, bei der Stabilisierung des Cholesterinspiegels, der Linderung von allergischen Symptomen, der Verbesserung des Hautbildes, der Verminderung des psychischen Stressempfindens, als auch beim Schutz vor freien Radikalen. Bifidobacterium Bifidum gehört zusammen mit weiteren wichtigen probiotischen, colonassoziierten Keimen wie z. B. Bifidobacterium Breve, Levilactobacillus brevis, Enterococcus durans oder Lactobacillus Rhamnosus zu den sogenannten „Leitkeimstämmen“. Diese Zuordnung bedeutet, dass sie essentiell am Aufbau einer gesunden und funktionierenden Darmflora beteiligt sind und dafür sorgen können, dass sich auch zahlreiche andere Keime, die für den Stoffwechsel wichtig sind, im Darm vermehren.[11]

    Heilsames Einwirken auf das Mikrobiom

    Präventiv sowie bei bereits bestehendem Ungleichgewicht bezüglich der Art und Anzahl der Mikroorganismen des Darmes (Dysbiose) empfiehlt sowohl die Wissenschaft als auch die Naturheilkunde eine ballaststoffreiche Ernährung aus Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sowie fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Joghurt und Kefir. Ebenso wirken regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und die Vermeidung von Stress heilsam auf die Darmgesundheit.[19]

    Präbiotika

    Speise mit Getreidebratlingen, Karotten und Salat
    Speise mit Getreidebratlingen, Karotten und Salat, reich an Ballaststoffen (präbiotisch)

    Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte beinhalten nebst verwertbaren Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten auch unverdauliche Nahrungsbestandteile, sogenannte Ballaststoffe. Für diese Kohlenhydratketten fehlen dem Menschen die geeigneten Enzyme. In der Fachsprache werden diese unverdaulichen Fasern als Präbiotika (unverdauliche Ballaststoffe) bezeichnet. Sie unterstützen indirekt den Wirt, da sie die Aktivität und das Wachstum von nützlichen Bakterien fördern. Sie sind Nahrung für den Gast, der im Gegenzug das Immunsystem unterstützt, Vitamine und kurzkettige Fettsäuren produziert und durch seine Population krankmachenden Mikroorganismen keinen Raum gewährt. Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass übermäßiger Verzehr von probiotischen Nahrungsmitteln bei manchen Menschen Verdauungsbeschwerden wie Blähungen oder Durchfall verursachen kann.

    Fermentierte Produkte und Probiotika

    Sauerkrautsalat mit Karotten

    Fermentierte Milchprodukte wie Joghurt, Kefir, Buttermilch, Sauermilch, saure Molke, Skyr, Ayran, fermentiertes Gemüse wie Sauerkraut oder allgemein milchsauer eingelegtes Gemüse, Kimchi sowie die aus dem Osten bekannten fermentierten Sojaprodukte wie Miso und Tempeh enthalten lebende Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien. Sie bieten, wenn sie in ausreichenden Mengen konsumiert werden, Vorteile für den Wirt. Diese als probiotisch bezeichneten Lebensmittel sind heilsam für das Mikrobiom, da sie die Anzahl der nützlichen Bakterien im Darm erhöhen. Diese hinzugefügten Mikroorganismen können Ungleichgewichte korrigieren und ein gesundes Mikrobiom aufrechterhalten bzw. fördern.[20]

    Auch naturtrüber Apfelessig, Kombucha und bestimmte Käsesorten wie Cheddar, Gruyère, Gouda, Mozzarella und Parmesan sind probiotisch, sofern sie nicht pasteurisiert wurden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Probiotika nicht immer vorteilhaft sind und in bestimmten Fällen – wie bei immungeschwächten Personen oder nach einer Antibiotikabehandlung – potenziell schädlich sein können.[21]

    Wissenschaftliche Studien zu Probiotika

    Betreffend probiotischer Nahrungsmittel und Nahrungsmittelergänzungen mit Probiotika bestehen in der Wissenschaft auch Zweifel. Zum einen sei der Nutzen nicht wissenschaftlich genug gesichert. Zum anderen belegt eine Studie von 2018 aus den USA an 42 Probanden, dass sogar das Gegenteil der Fall sei. Es wurde eine bakterielle Überwucherung im Dünndarm festgestellt, welche übermäßig D-Milchsäure produziere und eine Laktatazidose fördern kann. Der Studie ist zu entnehmen, dass die Probanden Nahrungsmittelergänzung in Form von Probiotika zu sich genommen haben, nicht probiotische Nahrungsmittel.[22]

    Ein weiterer Zweifel gegenüber probiotischen Nahrungsmitteln besteht darin, ob die lebendigen Mikroorganismen die Magensäure passieren, ohne zu sterben. Das Ergebnis von vor allem englischsprachigen Studien belegten, dass ein Teil der Milchsäurebakterien aus fermentierten Milchprodukten (einschließlich der Buttermilch) in der Lage ist, die Magensäure unter Verdauungsbedingungen zu überstehen – das Ausmaß des Überlebens hängt aber stark vom Bakterienstamm und vom Produkt ab.[23]

    Eine andere Studie hält fest, dass einige Stämme die „Magenstrecke“ recht gut überleben, andere deutlich schlechter; der Nahrungsmatrix „fermentierte Milch“ kommt dabei eine schützende Rolle zu.[24] Bei der Vereinigung für angewandte Mikrobiologie findet sich die Aussage: „Lactobazillen (Milchsäurebakterien) können den niedrigen pH-Wert im Magen tolerieren.“[25]

    Zu erwähnen ist, dass bei probiotischen Nahrungsmitteln nicht nur von Bedeutung ist, ob nun die lebendigen Bakterien in den Darm gelangen oder nicht. Wesentlich ist vielmehr der Prozess der Milchsäuregärung und schließlich das Endergebnis, dass in diesen Nahrungsmitteln Milchsäure vorhanden ist. Das Nahrungsmittel ist nicht mehr das Gleiche wie zuvor.[26] Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um probiotische Milch-, Bohnen- oder Gemüseprodukte oder um nicht probiotische Nahrungsmittel wie Sauerteig-, Backferment- oder Honig-Salz-Brot handelt.

    Michsauervergorene Nahrungsmittel

    Schnitten von Brot auf dem Teller
    Backferment-Brot
    Auch wenn nach dem Backvorgang keine Milchsäurebakterien mehr vorhanden sind, ist die entstandene Milchsäure von wesentlicher Bedeutung für den ph-Wert des Darms und das Acetat

    Bei Bildung der Milchsäure wird das Lebensmittel gesäuert. Dies hemmt Verderbniserreger in ihrer Aktivität oder tötet sie ab. Beispielsweise sind bei milchsauervergorenen Gemüsen die produzierten Vitamine bedeutsam, bei Sauerteigbroten die nebst der Milchsäure produzierte Essigsäure (Acetat). Studien zeigen, dass Acetat dazu beiträgt, dass der Blutzuckerspiegel nach dem Essen langsamer und weniger stark ansteigt.[27]

    Auch ist die entzündungshemmende Wirkung von Acetat hervorzuheben. Die Fermentation beispielsweise bei einem Backferment-Brot erzeugt zusätzlich andere bioaktive Verbindungen wie phenolische Verbindungen und bioaktive Peptide, die ebenfalls antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften haben. Diese synergistische Kombination bewirkt einen stärkeren Gesamteffekt auf die Hemmung von entzündlichen Reaktionen als reines Acetat, das beispielsweise durch Apfelessig einer Speise zugeführt wird.[28]

    Das Endergebnis, die Milchsäure, auch wenn in ihr keine lebenden Mikroorganismen mehr vorhanden sind, ist dennoch von zentraler Bedeutung. Neben dem, dass es eine Art von Vorverdauung ist, sorgt die von Bakterien produzierte Milchsäure für einen günstigen pH-Wert, regt die Darmbewegung an und stärkt die Darmschleimhaut. Die Milchsäure ist aus diesen Gründen für das Mikrobiom äußerst heilsam. Darüber hinaus dient sie der Energiegewinnung in Muskeln, Leber und roten Blutkörperchen.[29]

    Zur Milchsäure aus geistiger Sicht

    Auch die geistige Forschung ordnet der Milchsäure eine bedeutsame Rolle im menschlichen Organismus zu. Heinz Grill legt von diesem Standpunkt dar, dass die Milchsäure im Dünndarm (Intestinum) ein sehr günstiges und gesundes Milieu vorbereitet, das umfangreiche förderliche Auswirkungen bringt:

    „Die Kieselsäure, die den Lichtstoffwechsel aktiviert, und die Milchsäure, die im inneren menschlichen Organismus eine bedeutsame Rolle einnimmt, gehören in einem gewissen Sinne nahe zusammen. Beide Stoffe besitzen, trotz ihrer großen chemischen Unterschiedlichkeit, eine Affinität oder zumindest eine Art Beziehung zueinander. Diese Beziehung kann auf den ersten Blick vielleicht dahingehend verstanden werden, dass die Milchsäure und die verschiedenen Milchsäurebakterien ein sehr günstiges und gesundes Milieu im Intestinum vorbereiten. Dieses günstige Milieu wirkt auf den ganzen Menschen gesundheitsfördernd und kann ihm eine, wie es der Gesundheit entspricht, schöne lichtvolle Ausstrahlung geben. Fehlt auf der anderen Seite dieses gesunde Niveau im unteren Bauchbereich, dort, wo sich die Verdauung mit einem intensiven Aufbauprozess befindet, so bilden sich die verschiedensten Fäulniserreger und verdunkeln in einer gewissen Weise den gesamten Organismus. Die Krankheit ist eine häufige Erscheinung eines bestehenden ungünstigen Niveaus in der Dünndarmflora. Durch diesen Zusammenhang lässt sich bereits erstmals erkennen, dass eine Beziehung zwischen der menschlichen Ausstrahlung, die normalerweise hell und kristallklar, das heißt kieselfreudig, sein sollte, und dem innersten Verdauungsniveau, das gesund, kräftig und von einem ausgeglichenen und nicht zu sauren oder gar toxikologischen Niveau getragen sein darf, besteht. Die Milchsäure, obwohl als Säure gegeben, bewirkt im gesamten Organismus nicht unbedingt ein saures Niveau, sondern wirkt im Allgemeinen sehr ausgleichend und antibakteriell.“[30]
    man beim Spaziergang
    Bewegung in der Natur wirkt heilsam auf die Darmbewegung

    Bewegung und Entspannung

    Nicht nur das, was wir durch Nahrung zu uns nehmen, wirkt nach wissenschaftlicher und naturheilkundlicher Übereinstimmung heilsam auf das Mikrobiom. Auch ein gutes Maß an Bewegung in der Natur, in den Bergen oder allgemein Fitness hat einen förderlichen Einfluss auf die Verdauung und die Peristaltik des Darms, der die zu uns genommene Nahrung über ca. 6 m hinweg kontinuierlich bewegen muss, bis es schließlich zur Ausscheidung kommt.

    Entspannt zu sein bzw. die Fähigkeit, sich entspannen zu können, hat ebenfalls einen Einfluss auf die autonom vor sich gehenden Leistungen im Verdauungsapparat. Von wissenschaftlicher und naturheilkundlicher Seite werden Meditation und Yoga sowie auch anderes mentales Training empfohlen.[31]

    Dysbiose und Krankheit

    Besteht im Darm eine Dysbiose, kann in der Folge leichter ein Krankheitszustand eintreten. Eine Dysbiose ist ein Ungleichgewicht der Mikrobengemeinschaft im Mikrobiom, bei dem krankheitserregende Keime überhandnehmen, während nützliche Bakterien unterrepräsentiert sind.[32]

    Wissenschaftliche Forschung hat über die letzten Jahrzehnte festgestellt, dass bei vielen Krankheiten, nicht nur bei Darmerkrankungen, auch immer eine mehr oder weniger deutliche Dysbiose vorliegt. Ob die Dysbiose die Krankheit auslöst oder umgekehrt, ist derzeit Gegenstand der Forschung.[33][34]

    Darm-Hirn-Achse

    Ergebnisse aus wissenschaftlicher Forschung

    Grafik zur Mikrobiom-Verbindung von Darm und Hirn (Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse)

    Das Zusammenspiel zwischen Darm und Gehirn – die Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse – gilt heute als zentrale Brücke zwischen Verdauung, Immunsystem, Nerven- und Hormonsystemen. Aktiv beteiligt sind Mikroorganismen des Darmtrakts, deren Stoffwechselprodukte sowie Nervensignale über das enterische Nervensystem und den Vagusnerv eine Wirkung entfalten.

    Der Mechanismus ist wissenschaftlich wie folgt dargestellt: Darmmikroben produzieren Metabolite wie kurzkettige Fettsäuren (SCFAs), Neurotransmittervorläufer, Hormone und Immunmodulatoren, die in das Blut gelangen oder über Nervenbahnen wirken. Der Darm fungiert über das enterische Nervensystem und den Vagusnerv als „zweites Gehirn“. Das zentrale Nervensystem reguliert über Stressachsen (z. B. HPA-Achse) sowie über autonome Nerven auch die Darmfunktion, Peristaltik und Barrierefunktion, wodurch sich das Mikrobenumfeld verändert.[35]

    Der italienische Gastroenterologe Antonio Gasbarrini (Universität Rom, Gemelli Hospital) beschreibt diese Erkenntnis anhand von Tierstudien:

    „Wenn man das Mikrobiom einer depressiven Person auf eine Maus überträgt, wird die Maus depressiv.“[36]

    Eine Kolonisation mit Candida albicans kann ebenfalls über Toxine und Entzündungen das Nervensystem beeinflussen. Tierstudien zeigen, dass betroffene Mäuse erhöhte Angstreaktionen aufweisen.

    Zusammenfassend kann im wissenschaftlichem Konsens festgehalten werden, dass das, was im Mikrobiom vor sich geht, auf unser emotionales Wohlbefinden einen großen Einfluss hat.[37]

    Ergebnisse aus geistiger Forschung

    Nach Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie, beruhen alle sichtbaren Vorgänge in einem lebendigen Organismus, wie es beispielsweise beim Menschen der Fall ist, auf dem Kräftewirken, das aus dem so bezeichneten Ätherleib herstammt. Dieser Ätherleib ist „durch und durch aus Gedanken bestehend“ und etwas „außerordentliches Gescheites“. Er ist „voller lichtvoller und widerspruchsloser Gedanken“.[38]

    Das Mikrobiom, also auch das gesamte Zusammenspiel der Mikroorganismen (Gast) mit dem Menschen (Wirt) ist gemäß den Ausführungen von Thomas Hardtmuth, der sich in seinem Buch Mikrobiom und Mensch auf verschiedene Aussagen von Rudolf Steiner bezieht, vom Ätherleib bestimmt.[39]

    Es besteht nun ein Zusammenhang zwischen dem Ätherleib mit einem anderen feinstofflichen Leib und das ist der Astralleib, der in der Anthroposophie auch Empfindungsleib genannt wird. Rudolf Steiner beschreibt, wie Sorgen und Kümmernisse über eine längere Zeit hinweg schließlich bis in den physischen Leib gelangen und dort in den Stoffwechselorganismus hineinwirken:

    „Vor allen Dingen wird Ihnen die Erfahrung den merkwürdigen Zusammenhang des ätherischen Leibes mit dem Astralleib dann ergeben, wenn sie beobachten, wie im Menschen Sorge, Kümmernisse und so weiter fortwirken. Sie dürfen da nicht etwa bloß beobachten die Sorge und die Kümmernisse, die sich am letzten Tage oder in der letzten Woche abgespielt haben, die sind schließlich das allerwenigst Bedeutsame, sondern diejenigen, die weiter zurückliegen. Denn es muss immer eine gewisse Periode verfließen von der Zeit, wo Sorgen und Bekümmernisse auf einen Menschen wirken, bis zu der Zeit, wo sie gewissermaßen organisch geworden sind, wo sie in das Wirken des Organismus übergegangen sind. Sorgen und Kümmernisse, wenn sie einen gewissen Grad erreichen, sind immer so, dass sie in einer späteren Zeit erscheinen als Anomalien im organischen Wirken. Sie gehen bis zur Verunregelmäßigung des Rhythmusorganismus, und erst dann können sie weiter wirken auf den Stoffwechselorganismus und so weiter. Das müssen wir als eine Grundtatsache ins Auge fassen.“[40]

    Bei Sorgen und Kümmernissen sei das Denken in negativen Kreisläufen verfangen. „Sorge-Gedanken“ haben die Eigenschaft, dass sie „immer wieder gedacht werden“ müssen.[41] Therapeutisch gesehen hat der Mensch jedoch die Kapazität, aus dem Kreislauf der Sorge-Gedanken herauszutreten, indem er sein Denken schult. Rudolf Steiner erachtet hier die Unterscheidung zwischen einem aktiven und passiven Denken als wesentlich. Durch aktives Denken erkraftet Mensch in sich selber, er „kann in sich selber Gedanken prägen“. Wenn nun das Denken sich „nicht erkraften will, nicht in seiner Aktivität sich erfassen will“, dann würde das Denken nur Gedanken hervorbringen, die „mit dem Instrument des Gehirns erfaßt werden“ und „dann denkt der Mensch nicht aktiv, dann denkt er passiv“.[42]

    Heinz Grill weist in diesem Zusammenhang darauf hin, wie die Aktivität einer gegenständlichen Konzentrationsübung auf einen Gedanken, dieser „bis hinein in die Stoffwechselregionen die Konturen, die Bewegung und Form dieses Gedankens“ entfaltet.[43]

    Diese Zusammenhänge aus geistiger Perspektive ergänzen die moderne wissenschaftliche Forschung, die vor allem die Wirkungen des Darms auf das Gehirn untersucht, um eine umgekehrte Perspektive – nämlich die, dass der Mensch durch bewusstes Denken, von Idealen ausgehend, heilend in seinen Stoffwechsel eingreifen kann.

    Berücksichtigt man sowohl den wissenschaftlichen als auch den geistigen Standpunkt, entsteht ein ganzheitliches Bild. Neuere wissenschaftliche Studien belegen mittlerweile, dass geistige Übungen wie Achtsamkeit, Meditation oder imaginatives Vorstellungsvermögen tatsächlich neurovegetative und immunologische Prozesse beeinflussen können, etwa über den Vagusnerv und die Regulation der Darmbarriere.[31]

    Hinsichtlich der Toxine, die mit der Nahrung verbunden sein können, weist Heinz Grill darauf hin, dass diese auch in metaphysischer Hinsicht existieren und eine ungesehene Giftwirkung auf den Menschen ausüben. In der Folge tritt eine Schwächung des Immunsystems ein. Es entsteht ein Milieu im Darm, in dem sich krankmachende Mikroorganismen ansiedeln können:

    „Gerade im Dünndarm findet diese geheimnisvolle, polare Alchemie statt, dass auf der einen Seite gerade in den Lymphwegen der Weg tiefer hinab in die Materie geschieht, aber durch gesunde und gute Resorptionsleistung, durch Nahrungsaufbereitung der Mensch sich erheben kann in seinem gesamten Selbstgefühl, in seinem Ich-Gefühl und er ein immer gesünderer, denkenderer, reiferer, fühlenderer, lebendigerer, freudigerer Bürger der verschiedensten Welten wird. […] Das, was aber an die Nahrung gebunden ist, was nicht nur nachweisbare Toxine sind, sondern was oftmals ganz geheimnisvolle, aus der fehlenden Moralität kommende Toxine, ganz geheimnisvolle Giftstoffe sind, wird ihm über den Lymphweg zum Verhängnis und über den Lymphweg bindet er sich schließlich an die irdische Sphäre. Die Enteropathie, die entzündliche Neigung des Dünndarms, spricht sich eigentlich geradewegs dahingehend aus, dass das Umfeld des Menschen ungünstigerweise in den Bauchraum hineingespiegelt ist und sich auf diese Weise die Willenskräfte zur wesentlichen Verlebendigung und Gesunderhaltung nicht entwickeln können. Viele Mykosen, die gerade dort auch den Angriffspunkt finden, zeigen an, dass die Seele nicht ausreichend lichterzeugend aktiviert werden kann und somit sich ein Milieu ergibt, das beständig belastende und schwächende Tendenzen auf das Immunsystem bildet.“[44]

    Heinz Grill führt weiters aus, dass durch die Art und Weise des gesamten moralischen Umgehens, durch die Kommunikation, durch die verschiedene Art der Bewegung, die Menschen zueinander machen, eine „Willenssphäre“ entstehe. Diese Willenssphäre „spiegelt sich genau wider in das Verdauungssystem und bewirkt dort in der Tiefe die Bewegung, dass der Mensch auf der einen Seite Kräfte erhält, und das zeigt wieder die Polarität des Dünndarms an, die ihn zum Erdendasein führen, zum karmischen Dasein und ihm auf der anderen Seite aber auch Kräfte zur Verfügung stellen wollen, die ihn erheben, die ihn herausheben wollen.“[44]

    Siehe auch

    Literatur

    • Andreas Stallmach, Maria Vehreschild (Hrsg.): Mikrobiom: Wissensstand und Perspektiven. De Gruyter, Berlin 2016, ISBN 978-3-11-045249-5.
    • Sebastian Jutzi: Der bewohnte Mensch: Darm, Haut, Psyche; besser leben mit Mikroben. Band 60307. Heyne, München 2014, ISBN 978-3-453-60307-3.
    • Hanno Charisius, Richard Friebe: Bund fürs Leben. Warum Bakterien unsere Freunde sind. Hanser, München 2014, ISBN 978-3-446-43879-8.
    • Bernhard Kegel: Die Herrscher der Welt: wie Mikroben unser Leben bestimmen. DuMont, Köln 2015, ISBN 978-3-8321-9773-5.
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    Einzelnachweise

    1. „Das Wort Imagination bedeutet nicht Einbildung und hat auch nicht sehr viel mit Phantasie zu tun. Rudolf Steiner prägte den Begriff für eine Form des Denkens, das bildhaft ist und in lebendigem seelischen Zusammenhang steht. Dieses bildhafte Denken ist nicht nur typischerweise intellektuell, sondern beziehungsfreudig und schließt seelische und geistige Wahrheiten in die Betrachtung mit ein. Imaginationen stellen deshalb seelisch reale, inhaltliche Darstellungen zur Verfügung.“
      Heinz Grill: Übungen für die Seele. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 182.
    2. Mikrobiom. In: DocCheck Flexikon. Abgerufen am 23. November 2025.
    3. Familie, Freunde und Nachbarn beeinflussen Mikrobiom in Mundhöhle und Darm. In: Deutsches Ärzteblatt. Artikel vom 2. Februar 2023, abgerufen am 21. November 2025.
    4. Mutualistisch. In: DocCheck Flexikon. Abgerufen am 23. November 2025.
    5. Urobilinogen. In: DocCheck Flexikon. Abgerufen am 23. November 2025.
    6. Holobiont. In: Pflanzenforschung.de – Lexikon A–Z. Abgerufen am 23. November 2025.
    7. Rhizobien. In: Pflanzenforschung.de – Lexikon A–Z. Abgerufen am 23. November 2025.
    8. Pflanze stärken. In: Transparenz Gentechnik. Abgerufen am 13. November 2025.
    9. 100 Millionen Bakterien. In: Mikrobenzirkus. Artikel vom 29. Oktober 2019, abgerufen am 22. November 2025.
    10. Mikrobiom: Der winzige Motor unseres Planeten. In: TU Graz News. Artikel vom 5. November 2019, abgerufen am 22. November 2025.
    11. 11,0 11,1 11,2 Verena Stieglbauer, Lukas Grumet: Wunderwerk Darm. In: Institut AllergoSan. Abgerufen am 23. November 2025.
    12. Dickdarm – Aufbau und Funktion. In: Internisten im Netz. Abgerufen am 23. November 2025.
    13. Mikrobiom: Die versteckte Welt in uns und ihre Bedeutung bei der Spondyloarthritis. In: bechterew.ch. Artikel vom 6. Februar 2025, abgerufen am 23. November 2019.
    14. Darmmikrobiom: Warum wir Mikroorganismen im Verdauungstrakt brauchen. In: Hungry for Science. Artikel vom 20. April 2025, abgerufen am 23. November 2025.
    15. Mikrobiomdiagnostik. In: Fachinformation IMD Labor Berlin. Abgerufen am 22. November 2025.
    16. Serotonin. In: DocCheck Flexikon. Abgerufen am 23. November 2025.
    17. Das Geheimnis glücklicher Menschen – Der Darm als Schlüssel zum Glück. In: Basenfasten. Artikel vom 23. Mai 2023, abgerufen am 23. November 2025.
    18. Die Darm-Achsen und wie sie unsere Gesundheit von Kopf bis Fuß beeinflussen. In: Journal Med. Artikel vom 3. Februar 2025, abgerufen am 23. November 2025.
    19. Mikrobiom: In drei Schritten die Darmflora aufbauen In: Barmer. Im Kapitel zur Ernährung, abgerufen am 23. November 2025
    20. Fermentierte Milchprodukte. In: Bitterliebe. Abgerufen am 30. November 2025.
    21. Probiotika und Präbiotika – Wobei helfen sie? In: Immunkraft. Abgerufen am 23. November 2025.
    22. Forscher kratzen am Ruf der Bakterien. Die ernüchternde Wahrheit über Probiotika: Alles, was Sie über die Bakterien wissen müssen. In: Focus-online. Artikel vom 10. August 2018, abgerufen am 23. November 2025.
    23. Survival of probiotic lactobacilli in the upper gastrointestinal tract using an in vitro gastric model of digestion. In: Pubmed (Zusammenfassung). Abgerufen am 23. November 2025.
    24. Survival of lactic acid bacteria from fermented milks in an in vitro digestion model exploiting sequential incubation in human gastric and duodenum juice. In: Pubmed (Zusammenfassung). Abgerufen am 23. November 2025.
    25. Was machen Bakterien im Probiotikum? In: VAAM.Abgerufen am 23. November 2025.
    26. Functional Properties of Microorganisms in Fermented Foods. In: National Library of Medicine. Abgerufen am 23. November 2025.
    27. Was taugt die Apfelessig Diät? In: Pharmazeutische Zeitung. Artikel vom 17. Januar 2024, abgerufen am 23. November 2025.
    28. Morena Gabriele, Nafiou Arouna, Július Árvay, Vincenzo Longo, Laura Pucci: Sourdough Fermentation Improves the Antioxidant, Antihypertensive, and Anti-Inflammatory Properties of Triticum dicoccum. In: MDPI. Artikel vom 27. März 2023, abgerufen am 23. November 2025.
    29. Was ist Milchsäure? In: Med Lexi. Letzte Aktualisierung März 2024, abgerufen am 23. November 2025.
    30. Heinz Grill: Die Milchsäure und ihre Bedeutung für die Gesundheit. Stephan Wunderlich Verlag, ISBN 978-3-9817200-1-3, S. 5–6.
    31. 31,0 31,1 Debananda S. Ningthoujam, Nilkamal Singh, Saikat Mukherjee: Possible Roles of Cyclic Meditation in Regulation of the Gut-Brain Axis. In: frontiers. Abgerufen am 23. November 2025.
    32. Dysbiose. in: City Praxen Berlin. Abgerufen am 23. November 2025.
    33. Dysbiose des Darmmikrobioms – Gesundheitsauswirkungen besser erforscht. In: Ärzte Zeitung. Abgerufen am 23. November 2025.
    34. Mikrobiom: Menschliche Gesundheit eng mit Mikroben-WG vernetzt. In: Gesundheitsindustrie BW. Abgerufen am 23. November 2025.
    35. Darm-Hirn-Achse beeinflusst die Gesundheit. In: Zentrum der Gesundheit. Stand 20. Oktober 2025, abgerufen am 23. November 2025.
    36. Gasbarrini, il microbiota è la rivoluzione della medicina. In: juorno.it. Artikel vom 28. Mai 2025, abgerufen am 23. November 2025.
    37. Emotional well-being and gut microbiome profiles by enterotype. In: nature/scientific reports. Veröffentlicht am 26. November 2020, abgerufen am 25. November 2025.
    38. Rudolf Steiner: Die menschliche Seele in ihrem Zusammenhang mit göttlich-geistigen Individualitäten. Die Verinnerlichung der Jahresfeste. GA 224. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1992, ISBN 3-7274-2240-8, S. 98–99. (Online)
    39. Thomas Hardtmuth: Mikrobiom und Mensch. Salumed Verlag, 2021, ISBN 978-3-928914-42-0, S. 182 ff.
    40. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Gesichtspunkte zur Therapie. GA 313. 5., neu durchgesehene Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 2001, ISBN 3-7274-3132-6, S. 53–54. (Online)
    41. Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden. Band I: 1904 – 1909. GA 266/1. 1. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1995, ISBN 3-7274-2661-6, S. 434. (Online)
    42. Rudolf Steiner: Vorstufen zum Mysterium von Golgatha. GA 152. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1990, ISBN 3-7274-1520-7, S. 52. (Online)
    43. Heinz Grill: Das Wesensgeheimnis der Seele. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, 2014, ISBN 978-3-9815855-5-1, S. 303 ff.
    44. 44,0 44,1 Heinz Grill: Das Wesen der Erschöpfung. Lammers-Koll-Verlag, 2012, ISBN 978-3-941995-96-3, S. 13–14.
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