Ahriman: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Datei:Ahrimankopf.gif|mini|330px|Der Kopf Ahrimans nach einer von [[Rudolf Steiner]] geschaffenen Skulptur]]
'''Ahriman''' ist die mittelpersische Wortform des [[a:avestisch|avestischen]] Namens '''Angra Mainyu''', „zerstörerischer Geist, böser Geist.“  Nach der [[a:Urperser|urpersischen]] Überlieferung ist Angra Manyu der Zerstörer, der sich als Widersacher dem lichten Gott [[a:Ahura Mazdao|Ahura Mazdao]] (Ormuzd) entgegenstellt.


Der Goethesche [[a:Mephistopheles|Mephistopheles]] (von hebräisch ''mephiz'' „der Verderber“ und ''tophel'' „der Lügner“) ist die Gestalt des Ahrimans,<ref>Rudolf Steiner: ''Geisteswissenschaftliche Menschenkunde.'' GA&nbsp;107. 5. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1070-1, S.&nbsp;172. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_107.pdf#page=172&view=Fit Online])</ref> ebenso der [[a:Satan|Satan]] der Bibel.


[[Rudolf Steiner]] (1861–1925) entwickelte die Bedeutung des Begriffs in Bezug auf die Entwicklung des Menschen weiter und brachte Ahriman mit der Bindung an die sterblichen Sinne und die physische Wirklichkeit in Verbindung.<ref name=":0">[https://heinz-grill.de/ahriman-inkarnation-angst/ ''Die Verkörperung Ahrimans – Teil 1.''] In: ''Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.'' Abgerufen am 28. Dezember 2025.</ref>


Das Wesen des Ahriman zeigt sich in verschiedenen Formen. Er wirkt im Menschen auf den Verstand mit schädlicher Überspitzung, sodass dieser sich im mehr materialistisch-technischen Denken fixiert und sich immer mehr in seine Leiblichkeit bindet. Sein Wesen der Versuchung zur Weltanhaftung und triebhaften Begierde verstrickt den Menschen in ein Spinnennetzwerk von Lügen in der Welt.


'''Angra Mainyu''' („arger Geist, böser Geist, feindseliger Geist“<ref>P. Stanford (2011): ''Gut und Böse.'' In: ''50 Schlüsselideen Religion.'' Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2011 ({{DOI|10.1007/978-3-8274-2639-0_4}}).</ref>) ist ein [[w:Avestische Sprache|avestischer]] Begriff, der in der [[w:Zoroastrismus|zoroastrischen]] Theologie die Zerstörung bzw. das Zerstörerische repräsentiert. In den [[w:mittelpersisch]]en Texten der zoroastrischen Tradition erscheint der Name erstmals als '''Ahriman'''. Als Personifikation des mit Hilfe des weiblichen Dämons [[w:Iranische Mythologie|Dschahi]] (mittelpersisch ''Dschēh'')<ref>Antonio Panaino: ''Religionen im antiken Iran.'' In: Wilfried Seipel (Hrsg.): ''7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran.'' Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 27.</ref> erweckten Ahriman findet sich auch die Bezeichnung ''Schwarzer [[w:Diw]]''.
Geisteswissenschaftliche Forschungen erwarten eine Inkarnation Ahrimans in der gegenwärtigen [[a:Germanisch-Angelsächsische Kultur|Kulturepoche]]. Dies könnte auf eine einzelne Person bezogen geschehen oder in einer Vereinnahmung ganzer Scharen von Menschen eintreten.
 


== Wortbedeutung ==
== Wortbedeutung ==


=== Angra Mainyu als Gegenteil von Spenta Mainyu ===


''Angra'' ist das Gegenteil von ''Spenta'' (auch ''Sepanta''), weshalb die Übersetzung von Angra Mainyu stark abhängig von der Übersetzung von ''[[w:Spenta Mainyu]]'' ist. ''Mainyu'' bedeutet in etwa „Geist, Gedanke, Vorstellung“; ''Spenta'' wird unter anderem als „aufbauend, freigebig, heilig“ übersetzt.
[[Datei:Text-pal-Ahlmn'-ahreman.png|mini|Das mittelpersische Wort ''ʾhlmn''', ''Ahreman'']]
 
''Angra'' ist das Gegenteil von ''Spenta'' (auch ''Sepanta''), weshalb die Übersetzung von Angra Mainyu stark abhängig von der Übersetzung von [[w:Spenta Mainyu|Spenta Mainyu]] ist. ''Mainyu'' bedeutet in etwa „Geist, Gedanke, Vorstellung“; ''Spenta'' wird unter anderem als „aufbauend, freigebig, heilig“ übersetzt.
 
'''Spenta Mainyu''' ist somit der Geist der Vermehrung und '''Angra Mainyu''' der Geist des Widerstands. Diese Ur-Geister (als Vergegenwärtigung der freien Entscheidungskraft des Gewissens und des Gedankens ansehbar) wählen gemäß ''[[w:Yasna]]'' (30,3-5) frei zwischen einander entgegengesetzten Prinzipien, so zwischen ''Ascha'' (''asha-'') und ''Drudsch'' (''druj-''), Ordnung und Nicht-Ordnung, Leben und Nicht-Leben. Ursprünglich stand Angra Mainyu dem Spenta Mainyu gegenüber.<ref>Antonio Panaino: ''Religionen im antiken Iran.'' In: Wilfried Seipel (Hrsg.): ''7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran.'' Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 26 f.</ref>
 
 
Als Antonym könnte ''Angra Mainyu'' somit als „zerstörerischer Geist“ übersetzt werden. Dies ist auch häufig der Fall, denn die Idee des Zerstörerischen steht stellvertretend für einen Aspekt der Kernphilosophie des Zoroastrismus: die Verwicklung des Universums in einen Kampf zwischen ''ascha'' („Wahrheit, Ordnung, Sein, Existenz“) und ''drudsch'' („Lüge, Chaos, Zerstörung des Seins“).
 
 
Diese wortgetreue Übersetzung gilt jedoch nur für die ältesten Instanzen des Begriffs. Mit der Zeit wandelte sich die Abstraktion zu einem Eigennamen, stellvertretend als [[w:Allegorie]] für die Zerstörung.
 
 
Sprachentwicklungsbedingt wandelte sich das avestische ''Angra Mainyu'' zu mittelpersisch ''Ahriman'' ({{palS|Phlv=[[Datei:Text-pal-Ahlmn'-ahreman.png|40x40px|alt=]]|PhlvTl=ʾhlmn'|PhlvTk=Ahreman|Phli=𐭠𐭧𐭫𐭬𐭭𐭩|PhliTl=ʾhlmny|Mani=𐫀𐫍𐫡𐫖𐫗|ManiTl=ʾhrmn|ManiTk=Ahreman|Avst=𐬁𐬵𐬭𐬆𐬨𐬀𐬥|AvstTl=Āhrəman}})<ref>Das Wort ist immer traditionsgemäß in der Schrift [[w:Buch-Pahlavi]] um 180° Winkel gedreht.</ref> und verlor damit die wortgetreue Bedeutung des Namens endgültig.
 
 
== Im Avesta ==
 
 
=== In den Gathas ===
 


In den [[w:Gathas]], dem ältesten Teil des [[w:Avesta]], kommt der Begriff ''Angra Mainyu'' nur ein einziges Mal vor. An dieser Stelle, in ''Yasna'' 45.2, ist der Begriff, wie die meisten anderen Begriffe der Gathas auch, nur ein reguläres Adjektiv-Nomen-Paar. Hier wird „angra mainyu“ vom „Freigiebigen der beiden“ (Spenta Mainyu) als Widersacher in allen Belangen deklariert.
Spenta Mainyu ist somit der Geist der Vermehrung und Angra Mainyu der Geist des Widerstands. Diese Ur-Geister (als Vergegenwärtigung der freien Entscheidungskraft des Gewissens und des Gedankens ansehbar) wählen gemäß ''[[w:Yasna|Yasna]]'' (30,3-5) frei zwischen einander entgegengesetzten Prinzipien, so zwischen ''Ascha'' (''asha-'') und ''Drudsch'' (''druj-''), Ordnung und Nicht-Ordnung, Leben und Nicht-Leben. Ursprünglich stand Angra Mainyu dem Spenta Mainyu gegenüber.<ref>Antonio Panaino: ''Religionen im antiken Iran.'' In: Wilfried Seipel (Hrsg.): ''7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran.'' Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S.&nbsp;22–29, hier: S.&nbsp;26&nbsp;f.</ref>


Als Antonym könnte Angra Mainyu somit als „zerstörerischer Geist“ übersetzt werden. Dies ist auch häufig der Fall, denn die Idee des Zerstörerischen steht stellvertretend für einen Aspekt der Kernphilosophie des Zoroastrismus: die Verwicklung des Universums in einen Kampf zwischen ''ascha'' („Wahrheit, Ordnung, Sein, Existenz“) und ''drudsch'' („Lüge, Chaos, Zerstörung des Seins“).


Ein ähnlicher Ausdruck erscheint auch an anderer Stelle in den Gathas, aber dort ist nicht ''angra mainyu'', sondern ''aka mainyu'' („böser Geist“) der Widersacher Spenta Mainyus. An weiteren Stellen wird vom ''akem manah'' „böses Denken“ und vom ''daebaaman'' „Betrüger“ gesprochen.
Sprachentwicklungsbedingt wandelte sich das avestische Angra Mainyu zu mittelpersisch Ahriman (mittelpersisch ''ʾhlmn', Ahreman'').


=== Im Avesta ===


=== Im jüngeren Avesta ===
[[Datei:Ahura mazda representación.gif|mini|345px|[[w:Faravahar|Faravahar]] symbolisiert die drei Grundprinzipien des [[w:Zoroastrismus|Zoroastrismus]]: Gutes Denken, gutes Sprechen und gutes Tun.<br>Die beiden Schleifen symbolisieren Spenta Mainyu (zum Gesicht gerichtet) und Angra Mainyu (zum Rücken gerichtet).]]
Die [[w:Gathas|Gathas]] umfassen fünf Hymnen aus der [[w:Zoroastrismus|zoroastrischen]] mündlichen Tradition der [[w:Avesta|Avesta]]. Das älteste erhaltene Textfragment der Gathas stammt aus dem Jahre 1323. Der Begriff Angra Mainyu kommt in den Gathas nur ein einziges Mal vor. In ''Yasna'' 45.2 ist der Begriff, wie die meisten anderen Begriffe der Gathas auch, nur ein reguläres Adjektiv-Nomen-Paar. Hier wird Angra Mainyu vom „Freigiebigen der beiden“ (Spenta Mainyu) als Widersacher in allen Belangen deklariert.


Ein ähnlicher Ausdruck erscheint auch an anderer Stelle in den Gathas, aber dort ist nicht Angra Mainyu, sondern Aka Mainyu („böser Geist“) der Widersacher Spenta Mainyus. An weiteren Stellen wird vom ''akem manah'' „böses Denken“ und vom ''daebaaman'' „Betrüger“ gesprochen.


Erst im jüngeren Avesta ist Angra Mainyu eindeutig Stellvertreter des Zerstörerischen.
Erst im jüngeren Avesta ist Angra Mainyu eindeutig Stellvertreter des Zerstörerischen.


Während in den älteren Texten des jüngeren Avesta noch Angra Mainyu und Spenta Mainyu sich bekriegen, wandelt sich die Situation schlagartig in der [[w:Avesta#Der_Vendidâd|''Vendidâd'']]. In diesen sehr späten Texten der ''Vendidâd'' 1 (4. Jahrhundert v.&nbsp;Chr.) wird der Kampf nicht mehr von Angra Mainyu und Spenta Mainyu ausgetragen, sondern von Angra Mainyu und lichten Gott [[a:Ahura Mazdao|Ahura Mazdao]] (Ormuzd).<ref>Vgl. auch Antonio Panaino: ''Religionen im antiken Iran.'' S.&nbsp;27&nbsp;f.</ref> Dies belegt ein Zitat des [[a:Aristoteles|Aristoteles]] bei [[w:Diogenes Laertios|Diogenes Laertios]] (1.6), in dem die Widersacher Ariemanios und Oromazdes genannt werden.


Während in den älteren Texten des jüngeren Avesta noch Angra Mainyu und Spenta Mainyu sich bekriegen, wandelt sich die Situation schlagartig in der Vendidad. In diesen sehr späten Texten der ''Vendidad'' 1 (4. Jahrhundert v.&nbsp;Chr. wird allgemein angenommen) wird der Kampf nicht mehr von Angra Mainyu und Spenta Mainyu ausgetragen, sondern von Angra Mainyu und [[w:Ahura Mazda]] selbst.<ref>Vgl. auch Antonio Panaino: ''Religionen im antiken Iran.'' In: Wilfried Seipel (Hrsg.): ''7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran.'' Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 27 f.</ref> Hier hat die Figur des Mazda die des Spenta Mainyu vollkommen assimiliert. Diese Wandlung wird durch ein [[w:Aristoteles]]-Zitat bei [[w:Diogenes Laertios]] (1.6) belegt, in dem die Widersacher ''Ariemanios'' und ''Oromazdes'' genannt werden.
== Ahriman im Schāhnāme ==


[[Datei:Shah Namah, the Persian Epic of the Kings Wellcome L0035183.jpg|mini|[[w:Faramarz|Faramarz]] tötet einen ahrimanischen [[w:Diw|Diw]]. Persische Miniaturmalerei aus ''Schāhnāme'']]
Im [[w:Schāhnāme|''Schāhnāme'']], Lebenswerk des persischen Dichters [[w:Firdausi|Firdausī]] (940/41–1020) und gleichzeitig Nationalepos der persischsprachigen Welt, bildet Ahriman den Gegenspieler und Feind der Könige und Helden. Er gebietet über eine Schar dienstbarer Geister, Dewen oder [[w:Diw|Diws]] genannt.


== In der Tradition ==
Der zentralen Bedeutung Ahrimans als dem Repräsentanten des Bösen entsprechend, führt Firdausi ihn bereits in der ersten Sage von ''Schāhnāme'' über [[w:Gayomarth|Gayomarth]] ein:


<poem style="margin-left:31px">
„Kein Feind lebt’ ihm auf der Erdenflur
Als heimlich ein arger Ahriman nur.“<ref>Friedrich Rückert (Übersetzer): ''Firdosi’s Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII.'' Georg Reimer, Berlin 1890, [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n60/mode/2up S.&nbsp;4.]</ref>
</poem>


=== Im Zurvanismus ===
Firdausi spricht ohne Umschweife den Grundkonflikt der iranischen Mythologie zwischen Gut und Böse an, vertreten durch den Schah und Ahriman. Ahrimans Sohn will den Sohn des Schahs, [[w:Sijamak (Mythologie)|Sijamak]], töten, um sich so der Herrschaft über die Welt zu bemächtigen:


Der [[w:Zurvanismus]], eine ausgestorbene Form des Zoroastrismus, basierte auf einer Zwillingsbrüder-Doktrin, nach der Ahura Mazda und Angra Mainyu tatsächliche Zwillingssöhne des „Vaters“ [[w:Zurvan]] („Zeit“) waren.
<poem style="margin-left:31px">
„Schwarz war die Welt vor des Dewsohns Blick
Über des Schahs und Sijamek's Glück.
[]
Des Schahsohns Leib warf er auf den Grund,
Und macht ihm mit Klauen die Weichen wund.
Vom grimmigen Feind war des Lebens beraubt
Sijamek, und das Volk ohne Haupt.“<ref>Friedrich Rückert: ''Firdosi's Königsbuch.'' [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n60/mode/2up S.&nbsp;4&nbsp;f.]</ref>
</poem>


Obwohl der Zurvanismus spätestens im 10. Jahrhundert ausstarb, waren die anti-zurvanistischen Polemiken die ersten, die den Westen erreichten, und prägten somit maßgeblich das Verständnis des Zoroastrismus. Dieser Zustand setzte sich fort, und obwohl akademisch längst überholt, prägt er bis heute das Allgemeinbild des Zoroastrismus, unter anderem die fixe Idee, dass der Zoroastrismus zwei Götter habe oder dass Ahura Mazda und Angra Mainyu direkte Widersacher seien.
Am Ende gelingt es [[w:Huschang Schah|Huschang]], dem Sohn von Sijamak, den Vater zu rächen, den Sohn Ahrimans zu töten und sich Herrschaft und Thron in Iran zu sichern:


Dem Gebot des Ahriman sind alle anderen [[w:Daeva|bösen Geister]] untertan und die „schlechten Geschöpfe“ –&nbsp;Giftschlangen, Raubtiere, Ratten, Mäuse, Ungeziefer&nbsp;– wurden von ihm ''geschaffen''.
<poem style="margin-left:31px">
„Die Hand schwang wie ein Löw Hoscheng,
Die Welt macht' er dem Dewen eng.
Er zog ihm von Kopf zu Fuß in den Riem,
Abschnitt er das Haupt ohn' gleichen ihm;
Warf ihn zu Boden und trat in kraus,
Sein Fell war zerrissen, mit ihm war's aus.<ref>Friedrich Rückert: ''Firdosi's Königsbuch.'' [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n62/mode/2up S.&nbsp;7.]</ref>
</poem>


Nach dieser Niederlage Ahrimans verschwindet das Böse allerdings nicht aus der Welt. Auch in den folgenden Sagen wird Ahriman seine niederträchtigen Pläne umzusetzen versuchen.


=== In den Religionsbüchern des 9./10. Jh. ===
== Wesensmerkmale ==
 
 
Nach den Angaben der mittelpersischen Religionsbücher des 9./10. Jh., wozu aber die Grundlagen schon im Avesta und in den Berichten der Griechen gegeben sind, verläuft die Weltgeschichte in vier Zyklen von je 3000 Jahren. Mit dem dritten Zyklus beginnt der Kampf zwischen Ahriman und den Geschöpfen des guten Geistes, der 6000 Jahre andauert. Dann wird Ahriman vernichtet und eine neue unvergängliche und glanzvolle Welt geschaffen werden.
 
 
=== Islamisch-persische Periode ===
 
 
In der persischen Literatur der [[w:Islam|islamischen Epoche]] fungiert Ahriman als [[w:Personifikation]] des (absoluten) Bösen. Seine Existenz wird jedoch seitens der [[w:Muslim|Muslime]] abgesprochen.<ref>Irfan Asghar: ''The Notion of Evil in the Qur'an and Islamic Mystical Thought.'' Dissertation, The University of Western Ontario (Canada), 2021.</ref> Das Böse könne nicht ohne [[w:das Gute]] existieren und erfülle deshalb immer einen höheren Zweck. Wenn es Ahriman gebe, so müsse er noch immer einem höheren Prinzip, was für die Muslime [[w:Allah]] ist, unterstehen, der schlussendlich Gut und Böse erschaffen habe.<ref>Rustom, Mohammed. "Devil’s advocate: ʿAyn al-Quḍāt’s defence of Iblis in context." Studia Islamica 115.1 (2020): 65-100</ref> Manche Muslime halten zwar die Existenz der bösen Geister ([[w:Diw]]) für möglich, doch seien sie ebenfalls von Allah erschaffen und vor der Erschaffung der Welt der Menschen verbannt worden, damit sie ihnen kein Übel tun.<ref>Abedinifard, Mostafa; Azadibougar, Omid; Vafa, Amirhossein, eds. (2021). ''Persian Literature as World Literature''. Literatures as World Literature. USA: Bloomsbury Publishing. pp. 40–43</ref>
 
 
== In der Anthroposophie ==
 
 
Die [[w:Anthroposophie]] sieht in Ahriman ein Geistwesen, das dem Menschen strukturierende, materialisierende Kräfte verleiht, als Gegenpol zu den auflösenden, bewegenden Kräften [[w:Luzifer]]s. Ahriman sei von einer durchdringenden, kalten Intelligenz, die er jedoch begierig in sich verschließe. Im Gegensatz zu Luzifer erscheine er daher als „Fürst der Finsternis“, welcher der Menschenseele den Zugang zur geistigen Welt verunmöglichen wolle.<ref>[[w:Walther Bühler]]: ''Anthroposophie als Forderung unserer Zeit. Eine Einführung auf der Grundlage einer spirituellen Naturanschauung.'' Novalis-Verlag, Schaffhausen 1987, ISBN 3-7214-0589-7, Kapitel 10: ''Das Rätsel des Bösen: Luzifer und Ahriman.'', S. 137 ff.</ref> 1919 sprach [[w:Rudolf Steiner]] in einem Vortrag davon, dass sich Ahriman im dritten Jahrtausend nach der [[w:Menschwerdung Gottes]] in [[w:Jesus Christus]] in einem Menschen [[w:Inkarnation|inkarnieren]] müsse.<ref>''11. Vortrag vom 1. November 1919.'' In: Rudolf Steiner: ''Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. Fünfzehn Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 3. Oktober und 15. November 1919.'' 3. Auflage, photomechanischer Nachdruck. Rudolf-Steiner-Verlag, Dornach 1989, ISBN 3-7274-1910-5.</ref>
 
 
Aus der Esoterischen Betrachtungen von Rudolf Steiner, die in einem Manuskript in drei Vorträgen vom November 1914 festgehalten wurde, geht hervor, dass der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman ist. Er beschreibt, dass fortwährend ein notwendiger Kampf zwischen Luzifer und Ahriman stattfindet. Luzifer kommt von links her an den Körper heran, und Ahriman von der rechten Seite, wodurch die räumliche Gestalt des Menschen zustande kommt. Denn dazwischen muss der Mensch das rechte Gleichgewicht finden, was er unbewusst in der Wahrnehmung tut. Die Fläche, wo der Mensch sein eigenes seelisches Leben entwickeln kann, ist da, wo Luzifer und Ahriman gegeneinander abprallen. Das rechte Gleichgewicht zu finden ist oben im Kopfe am ehesten möglich, denn weiter unten gelingt es nur sehr schwer.<ref>''II. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz).ref>
 
 
Der Mensch hat überhaupt nur die Möglichkeit zwischen diesen beiden Kräften in der Mitte zu Sein. [..] «Und unsere Lebenskunst besteht darin, daß wir das rechte Gleichgewicht finden.» .<nowiki><ref></nowiki>''II. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz).S. 21.ref>
 


Wenn Luzifer und Ahrmian in der Richtung links-rechts kämpfen, dann tun sie es vorzugsweise durch die Gedanken. Wenn die Gedanken von links und von rechts herüber schwirren, dann berühren sie sich in dieser Fläche. «Es sind kosmische Gedankenbildungen, die da aneinanderstoßen und sich in der menschlichen Mittenfläche berühren.»<nowiki><ref></nowiki>''II. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz).S. 24.ref>
[[Datei:Menschheitsrepräsentant.jpg|mini|''Menschheitsrepräsentant'' (Rudolf Steiner)<br>Christus in der Mitte zwischen Luzifer und Ahriman (unten)]]
Die [[a:Anthroposophie|Anthroposophie]] sieht in Ahriman ein Wesen, das in schädlicher Überspitzung des materialistisch-technischen Verstandes den Gegenpol zum rauschhaft schwelgenden, weltflüchtigen [[a:Luzifer|Luzifer]] bildet. Der Mensch müsse in sich mit der Hilfe des Christus die Mitte zwischen den beiden Wesen und deren Qualitäten halten. [[Rudolf Steiner]], der Begründer der Anthroposophie, drückte dies in seiner Holzplastik [[a:Menschheitsrepräsentant|''Menschheitsrepräsentant'']] aus.


Ahriman ist ein Geist, der begabt ist mit einer die menschliche Fassungskraft übersteigenden, durchdringenden aber kalten [[a:Intelligenz|Intelligenz]], die er jedoch begierig in sich verschließt. Im Gegensatz zu Luzifer erscheint er daher als der Geist der Finsternis und der Widermächte, welcher der Menschenseele den Zugang zur seelisch-geistigen Welt verdunkeln und versperren möchte, um ihr Bewußtsein immer mehr an die physische Leiblichkeit zu ketten und einzuschränken.<ref>Walter Bühler: ''Anthroposophie als Forderung unserer Zeit.'' Kapitel 10: ''Das Rätsel des Bösen. Luzifer und Ahriman.'' Oratio Verlag, 2003, ISBN 978-3-7214-0589-7, S.&nbsp;137&nbsp;ff.</ref>


Die von links und rechts kommenden Wirkungen bezeichnet Rudolf Steiner als Gedankengeschosse.<nowiki><ref></nowiki>''II. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz).S. 25.ref>
Eine andere Form der verführerischen Kräfte des Ahriman wirkt auf die bereits sehr verbreitete Stimmung unter den Menschen, dass es genügt, wenn im öffentlichen Leben dafür gesorgt wird, dass die Menschen wirtschaftlich zufriedengestellt werden:


ZEICHNUNG VON MIR vom Rechts-Links-Menschen
:„Je mehr es gelingen würde, die Menschen aufzurütteln, daß sie nicht bloß wirtschaften im materiellen Sinne, sondern ebenso wie das Wirtschaftsleben auch das selbständige freie Geistesleben, das den wirklichen Geist hat, als ein Glied des sozialen Organismus betrachten, in demselben Maße würden die Menschen die Inkarnation Ahrimans so erwarten, daß sie eine menschheitsgemäße Stellung zu dieser Inkarnation würden einnehmen können.“<ref name=":1">Rudolf Steiner: ''Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. ''GA 191. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, ISBN 3-7274-1910-5, S.&nbsp;202. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_191.pdf#page=202&view=Fit Online])</ref>


Die heutige offizielle Wissenschaft bietet nichts für eine wirkliche Erkenntnis des Geistes und der Seele. Sie ist allein darauf ausgerichtet, die äußere sichtbare Natur der Dinge aufzufassen. Es steht das Nutz- und Gewinnprinzip in der Mitte und eine Auseinandersetzung mit dem Geistigen und der Seele erscheint unsinnig oder unnütz für den Menschen. Dies bietet eine Nährboden für die Absichten Ahrimans.<ref name=":1" />


Gleichzeitig ist der Mensch auch in dem Feld von vorn und hinten in ein Kampffeld hineingestellt. Ahriman stößt von rückwärts und von vorne entsendet Luzifer seine «Pfeile». Allerdings berühren sie sich gegenseitig nicht in einer Fläche, «sondern es bleibt zwischen ihnen in der Mitte ein Zwischenraum, in welchem hin und her des Menschen Gefühlsleben wogt. Denn Ahriman kommt von hinten nur bis zum Rückgrat mit seiner Tätigkeit und Luzifer von vorne nur bis dahin, wo die Rippen an das Brustbein anstoßen. Der Mensch steht zwischen diesem Kampf von Luzifer und Ahriman drinnen. Sie führen den Kampf mehr durch die Gefühle. Die von vorne und hinten kommenden Wirkungen bezeichnet Rudolf Steine als Gefühlsgeschosse.<nowiki><ref></nowiki>''II. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz).ref>
Ahriman arbeitet darauf hin, dass der Mensch durch den ausschließlichen Gebrauch des Intellekts das Wissen verliert, dass er als geistig-seelisches Wesen nicht trennbar ist von seinem Leib:


:„Wenn man menschliche Ausdrücke auf göttliches Wollen anwenden möchte, so möchte man sagen: Ahriman wartete mit Sehnsucht auf den Augenblick, wo er in das menschliche Bewußtsein mit seiner Macht eindringen konnte. Nun wurde er überrascht davon, daß er früher nicht gewußt hat, daß ein göttlicher Entschluß vorlag, ein Wesen auf die Erde zu senden, den Christus, der durch den Tod ging. Dadurch war zwar das Eingreifen des Ahriman möglich, aber seiner eigentlichen Herrschaft war die Spitze abgebrochen. Seit jener Zeit benützt Ahriman jede Gelegenheit, um die Menschen zum bloßen Gebrauche des Intellektes zubringen; Ahriman hat noch heute die Hoffnung nicht aufgegeben, daß es ihm gelingen werde, die Menschen zum bloßen Gebrauch ihres Intellektes zu bringen. Was würde das bedeuten? Wenn es Ahriman gelingen könnte, den Menschen die Überzeugung restlos beizubringen, so daß jede andere Überzeugung von der Erde hinschwinden würde, daß der Mensch nur in seinem Leibe leben kann, daß er nicht trennbar ist als geistig-seelisches Wesen von seinem Leibe, so würde die menschliche Seele so ergriffen werden von der Todesidee, daß Ahriman leicht seine Pläne verwirklichen könnte. Darauf hofft Ahriman immer.“<ref>Rudolf Steiner: ''Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung. ''GA 211. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1986, ISBN 3-7274-2110-X, S.&nbsp;111. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_211.pdf#page=111&view=Fit Online])</ref>
Rudolf Steiner beobachtete 1915, dass man das ahrimanische Element am stärksten in Amerika finde. Er sah auch die Tendenz in der Entwicklung dieser Kultur, dass die Sehnsucht immer mehr wächst, die Geister sichtbar zu machen, selbst da, wo nach Spiritualität, nach Geistigem gestrebt wird. Nach und nach werde das ahrimanische Element auch den Westen Europas ergreifen und seine Mission erfüllen, sich in die Kultur einzuführen.<ref>Rudolf Steiner: ''Das Geheimnis des Todes. Wesen und Bedeutung Mitteleuropas und die europäischen Volksgeister. ''GA 159. 2.&nbsp;durchgesehene Auflage, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1980, ISBN 3-7274-1590-8, S.&nbsp;236. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_159.pdf#page=236&view=Fit Online])</ref>[[Datei:Industrial Cobweb 5676.jpg|mini|Die Anhaftung an Ahriman zeigt sich in einem Spinnennetz von Lügen. (Heinz Grill)]]
[[a:Heinz Grill|Heinz Grill]], Begründer des geistigen Schulungsweges ''Neuer Yogawille'', arbeitet heraus, dass sich die Anhaftung an Ahriman in einem Spinnennetz von Lügen zeige, das den Menschen in ein klebriges Gefesseltsein bringe:


ZEICHNUNG VON MIR von vorne und hinten
:„Esoterisch und gemäß der anthroposophischen Lehre würde man sagen, dass die Wesenheit der Versuchung zur Weltanhaftung und triebhaften Begierde mit Ahriman benannt wird. So sprechen viele Personen in anthroposophischen Zweigen von der Inkarnation Ahrimans. Die Anhaftung in diese Sphäre, die die dunkle Wesensgestalt gibt und die sie schließlich wie ein Spinnennetzwerk von Lügen immer weiter auf den Menschen wirft, den sie in ihr klebriges Gefesseltsein bringt, ist typisch für die Wesenheit Ahrimans.“<ref name=":2">[https://heinz-grill.de/2022-gedanke-geist-vernunft-prognose/ ''Der Abstieg der Dunkelheit bis in das Innere des Menschen.''] In: ''Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.'' Abgerufen am 29. Januar 2026.</ref>


Im ''Goethe-Wörterbuch'' wird Ahriman mit der ewigen geistigen Finsternis gleichgesetzt. Trotzdem soll er die Farben, die aus der Finsternis entsprungen sind, selbst ausgeströmt haben:


Es gibt noch eine dritte Richtung, aus der sich Luzifer und Ahriman am Menschen wirksam zeigen. Luzifer spielt von oben herunter und Ahriman von unten herauf. Auch hier wurden von guten Göttern Barrieren errichtet. Die luziferischen Wirkungen von oben nach unten werden von einer unsichtbaren horizontalen Fläche aufgehalten, wenn der Mensch sich in die Mitte hineinstellt. Diese horizontale Linie liegt auf der Höhe, wo der Schädelt auf der Halswirbelsäule aufsitzt.<nowiki><ref></nowiki>''II. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz).ref>
:„Es sind aus der Finsterniß, mit der weißen Farbe der Kälte, alle Farben des Lichts und des Feuers entsprungen, und selbst der böse Ariman, die ewige geistige Finsterniß, soll die Farben ausgeströmt haben.<ref>''[https://woerterbuchnetz.de/?sigle=GWB&lemid=A01445 Ahriman.]'' In: ''Goethe Wörterbuch.'' Abgerufen am 15. Januar 2025.</ref>


Das Wesen von Ahriman wird im ''Herders Conversations-Lexikon'' als der Schöpfer aller schädlichen Pflanzen und Tiere beschrieben. Er verführte auch die Menschen zum Abfall von Ormuzd, dem Schöpfergott in der Religion der Perser. „Am Ende der Zeit aber wird er sammt den Dews besiegt und mit Ormudzd versöhnt und verschwindet mit demselben im allgemeinen Weltuntergange, wo nur das Urwesen, aus dem alles hervorgegangen, Zeruane Akarene, übrig bleibt.“<ref>''[https://woerterbuchnetz.de/?sigle=Herder&lemid=A00890 Ahriman.]'' In: ''Herders Konversations-Lexikon.'' 1. Auflage, 1854–1857. Abgerufen am 15. Januar 2025.</ref>


ZEICHNUNG VON MIR von oben und unten
== Überwindung bzw. Nutzung von Ahriman ==


[[Datei:Ahriman Mysteriendrama.jpg|mini|Ahriman in einer Inszenierung von [[Rudolf Steiner]]s Mysteriendrama [[a:Die Pforte der Einweihung|''Die Pforte der Einweihung'']] am Goetheanum in Dornach]]


{{Zitat|Die Erlösung des Ahriman geschieht durch das Denken.|Rudolf Steiner<ref>Rudolf Steiner: ''Aus den Inhalten der esoterischen Stunden.'' GA&nbsp;266c. 1. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1998, ISBN 3-7274-2663-4, S.&nbsp;168–169. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_266c.pdf#page=168&view=Fit Online])</ref>}}


Aber auch hier hat der Mensch einen eigenen Spielraum in der Mitte. Denn gegen den von unten nach oben dringenden Ahriman wird das Zwerchfell als Barrikade gesetzt.  
<poem style="margin-left:31px">
Die von oben nach unten und von unten herauf kommenden Wirkungen bezeichnet Rudolf Steiner als Willensgeschosse.
„Fehlt das Vertrauen, Solidität,
in die Blüte des Gedankens,
stört Ahriman, die zersetzende Angst,
bald schnell, dramatisch, leidvoll klagend
den friedvollen Glanz unschätzbarer Reinheit,
verdunkelt das Sternlein am blassen Horizont,
nimmt hinweg den lichten Wagemut,
des Denkens Blüte kreative Kraft.
Oh! Wie leicht ist der Erfolg zerstört.
    – {{Kapitälchen|Heinz Grill<ref>Heinz Grill: ''Die goldene Lichtgestalt im Kosmos.'' Lammers-Koll-Verlag, ISBN 978-3-941995-54-3, S.&nbsp;3.</ref>}}
</poem>


Parteimeinungen und Parteilebensauffassungen müssen überwunden werden, da sie die Absichten Ahrimans fördern. Rudolf Steiner drückt aus, dass bei sich gegenüberstehenden parteilichen Standpunkten immer die eine so gut bewiesen werden kann wie die andere. „Sie können ebensogut beweisen dasjenige, was irgendeine sozialistische Partei vertritt, wie das, was eine antisozialistische Partei vertritt, mit gleich guten Gründen, die dann die Menschen in Anspruch nehmen.“ Es sei für den Menschen nicht einzusehen, dass diese Beweisart so weit an der Oberfläche liege, dass sie für eine tiefere Erkenntnis, was geistiges Leben ist, unbrauchbar ist.<ref name=":3" /> Die Folgen spielen den Absichten Ahrimans in die Karten:


Die Götter haben hier Verschanzungen gegen die Geschosse Luzifers und Ahrimans aufgerichtet. [...] «Dazwischen ist der Raum, in dem Luzifer und Ahriman gegeneinander stoßen, aber in dem auch die Ursprungsgottheit wirken kann. So ist also der Mensch ein Erzeugnis widerstrebender und ausgleichender Kräfte. Sein eigentliches Wesen liegt an den Grenzen der Fläche und dem Raume, der sich in der Mitte ergibt. Jahves Zauberhauch im Menschen.»
:„Dann werden sie das Entgegengesetzte beweisen, der eine dieses, der andere jenes, die eine Gruppe dieses, die andere Gruppe jenes; und da man beides beweisen kann, so werden die Menschen übergehen zu Haß und Erbitterung, die wir ja genügend in unserer Zeit finden. Das alles sind wiederum Dinge, die Ahriman fördern will zur Förderung seiner eigenen Erdeninkarnation.“<ref name=":3">Rudolf Steiner: ''Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis.'' S.&nbsp;202–203. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_191.pdf#page=202&view=Fit Online])</ref>


Heinz Grill regt eine wirklichkeitsgemäße und sachliche Auseinandersetzung mit dem Bösen an, denn sie dient dem Menschen, um hoffnungsvolle Perspektiven zu entwickeln. Richtet sich der Mensch intensiv auf Ideale aus und studiert er gleichzeitig die Widersachermächte bis in die Tiefe des Keimgrundes ihres untergründigen Weltendaseins, so kann er ein gewisses Gegengewicht zu den Untergangsstimmungen legen.<ref name=":4" /> Dies drückt das Bemühen aus, Ahriman zu erkennen. Nach den Forschungen von Heinz Grill ist es ratsam, Ahriman zu beobachten und zu erkennen, keinesfalls aber gegen ihn anzukämpfen:


Wird der Blick auf die gesamte menschliche Natur gerichtet, sieht man eben den physischen Menschen, zu dem auch das durchdrungen sein mit Atemluft gehört. Denn der Mensch besteht nicht bloß aus Muskeln und Knochen, als ein Fleisch- und Knochenmensch, sondern er ist auch über das Ein- und Ausströmen des Atems, von außen nach innen und wieder nach außen, ein Atemmensch. Dieser steht fortwährend mit dem zirkulierenden Blut in einem Zusammenhang. Der andere Pol ist der Nervenmensch, der wie getrennte vom Atemmenschen liegt. Es ist nur eine Art äußeres Zusammenkommen zwischen dem Nervenmenschen und dem Blutmenschen. Nun gibt es diejenigen Ätherkräfte, die nach dem Luziferischen hintendieren und durch das Atmen leicht an das Blutsystem und so an den Menschen herankommen können. Es gibt aber auch Ätherkräfte, die zu dem Ahrimanischen hintendieren und über das Nervensystem an den Menschen herankommen können. «Ahriman ist es versagt in das Blut unterzutauchen, weil er nicht an die Wärme des Blutes heran kann. Will er aber eine Beziehung zur Menschennatur hin entwickeln, dann wird er lechzen müssen nach einem Tröpfchen Blut, weil er so schwer herankommen kann an das Blut. [...] Will er an den Menschen herankommen, an das, was im Menschen lebt, will er mit dem Menschen in Verbindung treten, dann wird er gewahr, dass das Menschliche in dem Blute lebt. Er muss nach dem Blute trachten.»<nowiki><ref></nowiki>''I. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz).S. 8.ref>
:„Wer Ahriman kennt, wird ihn deshalb aus Weisheit niemals angreifen, wer ihn aber nicht kennt, konfrontiert ihn und verbindet sich auf unsolide Weise mit ihm. Das geeignete Mittel gegenüber Ahriman ist, ihn zu beobachten und zu erkennen, aber nicht gegen ihn anzukämpfen."<ref name=":4">[https://heinz-grill.de/ahriman-inkarnation-mensch/ ''Die Verkörperung Ahrimans – Teil 2.''] In: ''Beiträge zu einem Neuen Yogawillen.'' Abgerufen am 28. Dezember 2025.</ref>


[[Datei:Faust I (Goethe) 086.jpg|mini|Seite 86 aus Faust I]]
In [[a:Faust|''Faust, der Tragödie erster Teil'']] lässt Johann Wolfgang von Goethe den [[a:Mephistopheles|Mephistopheles]] ausdrücken, dass er ein Teil jener Kraft sei, die das Böse will, aber das Gute schafft. Das drückt indirekt aus, dass der Mensch die böse Kraft nutzen kann:


Das ahrimanische Motiv besteht darin, dass wir fortwährend der Gefahr ausgesetzt sind ihm zu verfallen und uns nicht mehr losreissen können von ihm. Da empfindet der Mensch etwas, das er sich verschreiben muss, etwas, dem er verfallen muss. Je nachdem in welchem Prozess der Mensch lebt, sei es im Atmungs- und Blutprozess oder im Nervenprozess, wird der andere Prozess für einen gesunden Ausgleich sorgen. Deshalb zeigt es sich hier im Grunde, dass Luzifer und Ahriman, wenn sie an ihrem richtigen Orte segensreich wirken, für ein Gleichgewicht im Menschen sorgen.<nowiki><ref></nowiki>''I. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz). S. 11-12.ref>
<poem style="margin-left:31px">
„[Ich bin] ein Theil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft. […]
Ich bin der Geist der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht
Ist werth, daß es zugrunde geht; 
Drum besser wär’s, daß nichts entstünde.
So ist denn alles was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.
    – {{Kapitälchen|[[a:Johann Wolfgang von Goethe|Johann Wolfgang von Goethe]]<ref>[https://de.wikisource.org/wiki/Faust_-_Der_Tragödie_erster_Teil ''Faust - Der Tragödie erster Teil.''] Nr. 1335–1340. In: ''Wikisource.'' Abgerufen am 31. Januar 2026.</ref>}}
</poem>


Aus geistiger Sicht wird es nach den Forschungen von Heinz Grill für die Menschen in der Zukunft keinen Führer, keinen Lehrer, keinen Meister oder eine besondere Autoritäts&shy;person geben, der sie in einer neuen religiösen Bewegung oder in der Politik anführt.<ref name=":2" /> Seine Worte drücken eine ernste Situation aus, die Ahriman herbeiführt:


Die luziferische Tätigkeit macht das Wollen im Menschen jung. Wenn dieses luziferische in unserer Seelentätigkeit überwiegt und Luzifer seine Kräfte geltend macht, dann überwiegt das Wollen. Dieser wirkt auf den Gesamtstrom der Seelentätigkeit des Menschen verjüngend. Die ahrimanische Tätigkeit äußert sich in unserer Seelentätigkeit verhärtend und alternd auf das Denken. Dieses Denken – das Gedanken-haben – ist eine Äußerung der Kräfte des Ahriman. Es ist im gewöhnlichen Leben kein Auskommen ohne das Wirken von Ahriman und Luzifer im Ätherleib. Denn würde Luzifer sich ganz zurückziehen, dann würde dem Menschen das luziferische Feuer zum Wollen fehlen. Würde Ahrmian sich ganz zurückziehen aus dem Seelenleben, dann würde der Mensch niemals die Kühle des Denkens entwickeln können.
:„Die ahrimanische Kraft zerstört den Menschen bis in die Tiefe hinein und, wenn sich der Mensch aus dieser Zerstörung aufrichten möchte, bedarf es seiner ganzen Eigen&shy;ständigkeit und seiner mutigen Bewusstseinserkraftung.<ref name=":2" />
Es gibt eine Region in der Mitte, zwischen den beiden spielenden Tätigkeiten von Luzifer und Ahriman, in der sie sich durch das Kämpfen durchdringen. Diese Region, ist die Region des Fühlens. Der menschliche Ätherleib erscheint tatsächlich so, dass man in ihm das luziferische Licht und die ahrimanische Härte wahrnehmen kann.
Es wird also nicht nur die Form des physischen Leibes gestört durch das Ineinanderspielen der ahrimanischen und luziferischen Kräfte, sondern sie spielen auch im ganz Ätherleib ineinander. Es drückt sich das Denken aus, wenn die ahrimanischen Kräfte die Überhand haben. Haben die luziferischen Kräfte die Überhand, dann ist das ein Ausdruck des Wollens. Wenn sie sich gegenseitig raufen, so könnte man sagen, dann ist das ein Ausdruck des Fühlens. Diese Kräfte müssen also da sein, denn durch das hinzukommen von ahrimanischen und luziferischen Kräften in der fortschreitenden Weltevolution, kam der Mensch über die Wahrnehmungen in seinem physischen Leibe hinaus. Er kann Gedanken haben, durch den ahrimanischen Einfluss auf seinen Ätherleib. Die Willensimpulse hat der Mensch dadurch, dass die luziferischen Kräfte auf seinen Ätherleib Einfluss gewinnen können.<nowiki><ref></nowiki>''III. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz).S. 34-35.ref>


== Inkarnation Ahrimans ==


Im Wachzustand sind wir gewöhnlich zu stark an die äußere Welt hingegeben, weil wir unter dem starken Einfluss, unter der Übermacht des Ahriman leben. Im Schlafzustand tun wir alles für unsere Entwicklung, für uns selbst und sind so stark in uns, dass alles Bewusstsein ausgelöscht wird. «Im Schlafbewußtsein hat Luzifer die Oberhand.» Sie halten das Gleichgewicht nur, wenn wir träumen. Da werden die Vorstellungen, die von Ahriman im Tagesbewußtesein hervorgerufen sind, durch den Einfluß von Luzifer aufgelöst und wieder zum Verschwinden gebracht. Es wird alles zu Bildern, indem Luzifer diese nicht zu festen Vorstellungen erstarren läßt. Es ist so wie bei einer Waage, bei der durch die gleichmässige Belastung beider Seiten ein Gleichgewicht entsteht, «so haben wir es auch im Menschenleben nicht mit einer Ruhe, sondern mit einem Gleichgewichte zu tun. Und die beiden Kräfte, die sich da die Wage halten, von denen die eine oder die andere zeitweise das Uebergewicht hat, sind Luzifer und Ahriman.» .<nowiki><ref></nowiki>''III. Vortrag im November 1914.'' In: Rudolf Steiner: ''Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.''Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz).S. 40-41.ref>
[[Datei:Ahriman Modell.jpg|mini|310px|Abguss des Modells für Ahriman der Statue ''Menschheitsrepräsentant'' (Rudolf Steiner)]]
Rudolf Steiners arbeitete heraus, dass vor dem Ablauf des 3. Jahrtausends der nach&shy;christlichen Zeit Ahriman im Westen zu einer wirklichen Inkarnation kommen wird. Ahriman sie diejenige Macht, die den Menschen nüchtern, prosaisch, philiströs mache, den Menschen verknöchere und den Menschen zum Aberglauben des Materialismus bringe.<ref>Rudolf Steiner: ''Der innere Aspekt des sozialen Rätsels. Luziferische Vergangenheit und ahrimanische Zukunft.'' GA 193. 4.&nbsp;Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1889, ISBN 3-7274-1930-X, S.&nbsp;165. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_193.pdf#page=165&view=Fit Online])</ref>


== Ahriman in ''Schahname'' ==
Um erfolgreich auf der Erde inkarnieren zu können, lenkt die Wesenheit Ahriman seine Kräfte in der menschlichen Entwicklung so, dass die Menschen zu seinem Vorteil auf sein Wirken eingestimmt sind.


[[w:Datei:Shah Namah, the Persian Epic of the Kings Wellcome L0035183.jpg|mini|[[w:Faramarz]] tötet einen ahrimanischen Div. [[w:Persische Miniaturmalerei]] aus ''Schahname'']]
:„Und schlimm wäre es, wenn die Menschen schlafend dahinleben würden und gewisse Erscheinungen, die im Menschenleben vor sich gehen, nicht so nehmen würden, daß sie in ihnen erkennen können eine Vorbereitung für die fleischliche Inkarnation des Ahriman. Nur dadurch werden die Menschen die rechte Stellung finden, daß sie erkennen: In dieser oder jener Tatsachenreihe, die der menschheit&shy;lichen Entwickelung angehört, muß man erkennen, wie Ahriman vorbereitet sein irdisches Dasein. Und heute ist es an der Zeit, daß einzelne Menschen wissen, welche von den Vorgängen, die um sie herum sich abspielen, Machinationen Ahrimans sind, die ihm zum Vorteil – seine demnächstige irdische Inkarnation womöglich vorbereiten.<ref>Rudolf Steiner: ''Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis.'' S.&nbsp;199. ([https://odysseetheater.org/GA/Buecher/GA_191.pdf#page=199&view=Fit Online])</ref>
Im [[w:Schāhnāme]], dem Lebenswerk des persischen Dichters [[w:Firdausi|Abū ʾl-Qāsim Firdausī]] (940/41–1020) und gleichzeitig dem [[w:Nationalepos]] der [[w:Persische Sprache|persischsprachigen Welt]], bildet Ahriman den Gegenspieler und Feind der Könige und Helden. Er gebietet über eine Schar dienstbarer Geister, Dewen oder [[w:Diw|Divs]] genannt.
 
 
Der zentralen Bedeutung Ahrimans als dem Repräsentanten des Bösen entsprechend führt Firdausi ihn bereits in der ersten Sage von Schahname über [[w:Gayomarth]] ein:
{{Zitat
<nowiki> </nowiki><nowiki>|</nowiki>Text=Kein Feind lebt’ ihm auf der Erdenflur<br />Als heimlich ein arger Ahriman nur.
|ref=<nowiki><ref></nowiki>[[Friedrich Rückert]] (Übersetzer): ''Firdosi’s Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII.'' Georg Reimer, Berlin 1890, [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n60/mode/2up S. 4].</ref>}}
 
Firdausi spricht ohne Umschweife den Grundkonflikt der [[w:iran]]ischen Mythologie zwischen Gut und Böse an, vertreten durch den Schah und Ahriman. Ahrimans Sohn will den Sohn des Schahs, [[w:Sijamak (Mythologie)|Sijamak]], töten, um sich so der Herrschaft über die Welt zu bemächtigen:
{{Zitat
|Text=Schwarz war die Welt vor des Dewsohns Blick<br />Über des Schahs und Sijamak's Glück.<br /> ...<br />Des Schahsohns Leib warf er auf den Grund,<br />Und macht ihm mit Klauen die Weichen wund.<br />Vom grimmigen Feind war des Lebens beraubt<br />Sijamek, und das Volk ohne Haupt.
|ref=<ref>Friedrich Rückert (Übersetzer): ''Firdosi's Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII.'' Georg Reimer, Berlin 1890, [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n60/mode/2up S. 4 f.]</ref>}}
 
Am Ende gelingt es [[w:Huschang Schah|Huschang]], dem Sohn von Sijamak, den Vater zu rächen, den Sohn Ahrimans zu töten und sich Herrschaft und Thron in Iran zu sichern:
{{Zitat
|Text=Die Hand schwang wie ein Löw Hoscheng,<br />Die Welt macht' er dem Dewen eng.<br />Er zog ihm von Kopf zu Fuß in den Riem,<br />Abschnitt er das Haupt ohn' gleichen ihm;<br />Warf ihn zu Boden und trat in kraus,<br />Sein Fell war zerrissen, mit ihm war's aus.
|ref=<ref>Friedrich Rückert (Übersetzer): ''Firdosi's Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII.'' Georg Reimer, Berlin 1890, [https://archive.org/stream/firdosisknigsbu00bayegoog#page/n62/mode/2up S. 7].</ref>}}
 
Nach dieser Niederlage Ahrimans verschwindet das Böse allerdings nicht aus der Welt. Auch in den folgenden Sagen wird Ahriman seine niederträchtigen Pläne umzusetzen versuchen.
 
 
== Rezeption ==
 
 
[[w:Datei:Skulpturenufer 04 Ahriman.jpg|mini|Ahriman im [[w:Skulpturenufer]]]]
 
* In Byrons dramatischem Gedicht ''Manfred'' tritt Ahriman als Fürst der Dämonen und Geister auf.
* ''Der Blick des Ahriman'' ist ein Werk von Paul Klee aus dem Jahr 1920.
* Ahriman bildet einen [[Topos (Geisteswissenschaft)|Topos]] in [[Karl May]]s Alterswerk ''[[Im Reiche des silbernen Löwen III|Im Reiche des silbernen Löwen]]''.
* In der Hörspiel-[[Trilogie]] ''The Undead Life'' versucht Ahriman, die Welt zu vernichten.
* Im [[Action-Adventure]] ''[[Prince of Persia#Prince of Persia (2008)|Prince of Persia (2008)]]'' für [[Personal Computer|PC]], [[PlayStation 3]], [[Xbox 360]] kämpft der Titelheld zusammen mit seiner Begleiterin Elika und der Hilfe von Ormazd, wie Ahura Mazda hier genannt wird, gegen die Schergen von Ahriman, um dessen Ausbruch aus dem Gefängnis, das Ormazd erschaffen hat, zu verhindern.
* Ahriman ist eine Figur im [[Tabletop]]-Spiel ''[[Warhammer 40.000]]'', der dem Chaos angehört.
* Ahriman tritt als „Gott der Stille“ in den [[Shin Megami Tensei|Shin-Megami-Tensei]]-Games ''Nocturne'' und ''Lucifers Call'' auf.
* Ahriman tritt ebenfalls als Monster in den [[Square Enix|Square-Enix]]-Games der Serie ''Final Fantasy'' auf.
* Ahriman tritt als böse Figur (Soldat der Dunkelheit) im Film ''[[Gabriel – Die Rache ist mein]]'' (2007) über den Erzengel Gabriel auf.


Aus seinen Forschungen zur Inkarnation Ahrimans bezieht Heinz Grill, der aus bestimmten anthroposophischen Kreisen selbst als Inkarnation Ahrimans bezeichnet wird, den Standpunkt, dass es sich nicht mit Gewissheit sagen lasse, „ob die Inkarnation Ahrimans eine einzelne Person betreffe oder ob sie ganze Scharen von Menschen vereinnahme. Manche behaupten, dass die künstliche Intelligenz eine unmittelbare Offenbarung Ahrimans sei und andere wieder definieren Personen, die die Physiognomie Ahrimans und das Charakterverhalten mit allen amoralischen Offenbarungen, die es nur gibt, erfüllen.“ Aus seiner Sicht setze die Anthroposophie mit Spekulationen über die Inkarnation Ahrimans mehr Angst frei, als wirkliche Aufklärung der tieferen Umstände und deren logischen Zusammenhänge zu geben. „Die Angst, die sich bei den Anthroposophen und bei vielen anderen bereits bis in die Glieder hineingesetzt hat, generiert nach außen hin eine ganze Reihe von irrationalen Handlungsinitiativen, die zuletzt in ihrer gesamten Folgewirkung einen Umstand erzeugen, der jede Türe zu einer wesenhaften Erkenntnis und geistigen Wahrheit verschließt.“<ref name=":0" />


== Siehe auch ==
== Siehe auch ==


 
* Artikel [[a:Ahriman|Ahriman]] in AnthroWiki
{{Commonscat}}
* [[Svadhyaya]] – Studium der Schriften
* [[Daeva]]
* [[Grundlagen der Meditation]]
 
* [[:Kategorie: Entwicklung des Menschen]]


== Literatur ==
== Literatur ==


* Ulrich Hannemann (Hrsg.): ''Das Zend-Avesta.'' Band 1: ''Allgemeiner Teil.'' Überarbeitete Neuauflage der Ausgabe von 1776. Weißensee-Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-89998-199-5.
* Ulrich Hannemann (Hrsg.): ''Das Zend-Avesta.'' Band 1: ''Allgemeiner Teil.'' Überarbeitete Neuauflage der Ausgabe von 1776. Weißensee-Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-89998-199-5.
* Firdausi: ''Geschichten aus dem Schahnameh'' (= ''Diederichs Taschenausgaben.'' 21, {{ZDB|255192-5}}). Ausgewählt und übertragen von [[Uta von Kardorff|Uta von Witzleben]]. Eugen Diederichs, Düsseldorf u. a. 1960, S. 13 ff. (zu Ahriman).
* Firdausi: ''Geschichten aus dem Schahnameh'' (= ''Diederichs Taschenausgaben.'' 21.) Ausgewählt und übertragen von Uta von Witzleben. Eugen Diederichs, Düsseldorf 1960, S.&nbsp;13&nbsp;ff.
 
* Rudolf Steiner: ''Geisteswissenschaftliche Menschenkunde.'' GA 107. 5. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1070-1.
* Rudolf Steiner: ''Der innere Aspekt des sozialen Rätsels. Luziferische Vergangenheit und ahrimanische Zukunft.'' GA 193. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1889, ISBN 3-7274-1930-X.
* Walter Bühler: ''Anthroposophie als Forderung unserer Zeit.'' Kapitel 10: ''Das Rätsel des Bösen. Luzifer und Ahriman.'' Oratio Verlag, 2003, ISBN 978-3-7214-0589-7.


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==


<references />
<references />
 
{{Wikipedia|Ahriman}}
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[[Kategorie:Altiranische Religion]]
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== Einzelnachweise ==
<references />
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Aktuelle Version vom 26. Februar 2026, 10:22 Uhr

Der Kopf Ahrimans nach einer von Rudolf Steiner geschaffenen Skulptur

Ahriman ist die mittelpersische Wortform des avestischen Namens Angra Mainyu, „zerstörerischer Geist, böser Geist.“ Nach der urpersischen Überlieferung ist Angra Manyu der Zerstörer, der sich als Widersacher dem lichten Gott Ahura Mazdao (Ormuzd) entgegenstellt.

Der Goethesche Mephistopheles (von hebräisch mephiz „der Verderber“ und tophel „der Lügner“) ist die Gestalt des Ahrimans,[1] ebenso der Satan der Bibel.

Rudolf Steiner (1861–1925) entwickelte die Bedeutung des Begriffs in Bezug auf die Entwicklung des Menschen weiter und brachte Ahriman mit der Bindung an die sterblichen Sinne und die physische Wirklichkeit in Verbindung.[2]

Das Wesen des Ahriman zeigt sich in verschiedenen Formen. Er wirkt im Menschen auf den Verstand mit schädlicher Überspitzung, sodass dieser sich im mehr materialistisch-technischen Denken fixiert und sich immer mehr in seine Leiblichkeit bindet. Sein Wesen der Versuchung zur Weltanhaftung und triebhaften Begierde verstrickt den Menschen in ein Spinnennetzwerk von Lügen in der Welt.

Geisteswissenschaftliche Forschungen erwarten eine Inkarnation Ahrimans in der gegenwärtigen Kulturepoche. Dies könnte auf eine einzelne Person bezogen geschehen oder in einer Vereinnahmung ganzer Scharen von Menschen eintreten.

Wortbedeutung

Angra Mainyu als Gegenteil von Spenta Mainyu

Das mittelpersische Wort ʾhlmn', Ahreman

Angra ist das Gegenteil von Spenta (auch Sepanta), weshalb die Übersetzung von Angra Mainyu stark abhängig von der Übersetzung von Spenta Mainyu ist. Mainyu bedeutet in etwa „Geist, Gedanke, Vorstellung“; Spenta wird unter anderem als „aufbauend, freigebig, heilig“ übersetzt.

Spenta Mainyu ist somit der Geist der Vermehrung und Angra Mainyu der Geist des Widerstands. Diese Ur-Geister (als Vergegenwärtigung der freien Entscheidungskraft des Gewissens und des Gedankens ansehbar) wählen gemäß Yasna (30,3-5) frei zwischen einander entgegengesetzten Prinzipien, so zwischen Ascha (asha-) und Drudsch (druj-), Ordnung und Nicht-Ordnung, Leben und Nicht-Leben. Ursprünglich stand Angra Mainyu dem Spenta Mainyu gegenüber.[3]

Als Antonym könnte Angra Mainyu somit als „zerstörerischer Geist“ übersetzt werden. Dies ist auch häufig der Fall, denn die Idee des Zerstörerischen steht stellvertretend für einen Aspekt der Kernphilosophie des Zoroastrismus: die Verwicklung des Universums in einen Kampf zwischen ascha („Wahrheit, Ordnung, Sein, Existenz“) und drudsch („Lüge, Chaos, Zerstörung des Seins“).

Sprachentwicklungsbedingt wandelte sich das avestische Angra Mainyu zu mittelpersisch Ahriman (mittelpersisch ʾhlmn', Ahreman).

Im Avesta

Faravahar symbolisiert die drei Grundprinzipien des Zoroastrismus: Gutes Denken, gutes Sprechen und gutes Tun.
Die beiden Schleifen symbolisieren Spenta Mainyu (zum Gesicht gerichtet) und Angra Mainyu (zum Rücken gerichtet).

Die Gathas umfassen fünf Hymnen aus der zoroastrischen mündlichen Tradition der Avesta. Das älteste erhaltene Textfragment der Gathas stammt aus dem Jahre 1323. Der Begriff Angra Mainyu kommt in den Gathas nur ein einziges Mal vor. In Yasna 45.2 ist der Begriff, wie die meisten anderen Begriffe der Gathas auch, nur ein reguläres Adjektiv-Nomen-Paar. Hier wird Angra Mainyu vom „Freigiebigen der beiden“ (Spenta Mainyu) als Widersacher in allen Belangen deklariert.

Ein ähnlicher Ausdruck erscheint auch an anderer Stelle in den Gathas, aber dort ist nicht Angra Mainyu, sondern Aka Mainyu („böser Geist“) der Widersacher Spenta Mainyus. An weiteren Stellen wird vom akem manah „böses Denken“ und vom daebaaman „Betrüger“ gesprochen.

Erst im jüngeren Avesta ist Angra Mainyu eindeutig Stellvertreter des Zerstörerischen.

Während in den älteren Texten des jüngeren Avesta noch Angra Mainyu und Spenta Mainyu sich bekriegen, wandelt sich die Situation schlagartig in der Vendidâd. In diesen sehr späten Texten der Vendidâd 1 (4. Jahrhundert v. Chr.) wird der Kampf nicht mehr von Angra Mainyu und Spenta Mainyu ausgetragen, sondern von Angra Mainyu und lichten Gott Ahura Mazdao (Ormuzd).[4] Dies belegt ein Zitat des Aristoteles bei Diogenes Laertios (1.6), in dem die Widersacher Ariemanios und Oromazdes genannt werden.

Ahriman im Schāhnāme

Faramarz tötet einen ahrimanischen Diw. Persische Miniaturmalerei aus Schāhnāme

Im Schāhnāme, Lebenswerk des persischen Dichters Firdausī (940/41–1020) und gleichzeitig Nationalepos der persischsprachigen Welt, bildet Ahriman den Gegenspieler und Feind der Könige und Helden. Er gebietet über eine Schar dienstbarer Geister, Dewen oder Diws genannt.

Der zentralen Bedeutung Ahrimans als dem Repräsentanten des Bösen entsprechend, führt Firdausi ihn bereits in der ersten Sage von Schāhnāme über Gayomarth ein:

„Kein Feind lebt’ ihm auf der Erdenflur
Als heimlich ein arger Ahriman nur.“[5]

Firdausi spricht ohne Umschweife den Grundkonflikt der iranischen Mythologie zwischen Gut und Böse an, vertreten durch den Schah und Ahriman. Ahrimans Sohn will den Sohn des Schahs, Sijamak, töten, um sich so der Herrschaft über die Welt zu bemächtigen:

„Schwarz war die Welt vor des Dewsohns Blick
Über des Schahs und Sijamek's Glück.
[…]
Des Schahsohns Leib warf er auf den Grund,
Und macht ihm mit Klauen die Weichen wund.
Vom grimmigen Feind war des Lebens beraubt
Sijamek, und das Volk ohne Haupt.“[6]

Am Ende gelingt es Huschang, dem Sohn von Sijamak, den Vater zu rächen, den Sohn Ahrimans zu töten und sich Herrschaft und Thron in Iran zu sichern:

„Die Hand schwang wie ein Löw Hoscheng,
Die Welt macht' er dem Dewen eng.
Er zog ihm von Kopf zu Fuß in den Riem,
Abschnitt er das Haupt ohn' gleichen ihm;
Warf ihn zu Boden und trat in kraus,
Sein Fell war zerrissen, mit ihm war's aus.[7]

Nach dieser Niederlage Ahrimans verschwindet das Böse allerdings nicht aus der Welt. Auch in den folgenden Sagen wird Ahriman seine niederträchtigen Pläne umzusetzen versuchen.

Wesensmerkmale

Menschheitsrepräsentant (Rudolf Steiner)
Christus in der Mitte zwischen Luzifer und Ahriman (unten)

Die Anthroposophie sieht in Ahriman ein Wesen, das in schädlicher Überspitzung des materialistisch-technischen Verstandes den Gegenpol zum rauschhaft schwelgenden, weltflüchtigen Luzifer bildet. Der Mensch müsse in sich mit der Hilfe des Christus die Mitte zwischen den beiden Wesen und deren Qualitäten halten. Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, drückte dies in seiner Holzplastik Menschheitsrepräsentant aus.

Ahriman ist ein Geist, der begabt ist mit einer die menschliche Fassungskraft übersteigenden, durchdringenden aber kalten Intelligenz, die er jedoch begierig in sich verschließt. Im Gegensatz zu Luzifer erscheint er daher als der Geist der Finsternis und der Widermächte, welcher der Menschenseele den Zugang zur seelisch-geistigen Welt verdunkeln und versperren möchte, um ihr Bewußtsein immer mehr an die physische Leiblichkeit zu ketten und einzuschränken.[8]

Eine andere Form der verführerischen Kräfte des Ahriman wirkt auf die bereits sehr verbreitete Stimmung unter den Menschen, dass es genügt, wenn im öffentlichen Leben dafür gesorgt wird, dass die Menschen wirtschaftlich zufriedengestellt werden:

„Je mehr es gelingen würde, die Menschen aufzurütteln, daß sie nicht bloß wirtschaften im materiellen Sinne, sondern ebenso wie das Wirtschaftsleben auch das selbständige freie Geistesleben, das den wirklichen Geist hat, als ein Glied des sozialen Organismus betrachten, in demselben Maße würden die Menschen die Inkarnation Ahrimans so erwarten, daß sie eine menschheitsgemäße Stellung zu dieser Inkarnation würden einnehmen können.“[9]

Die heutige offizielle Wissenschaft bietet nichts für eine wirkliche Erkenntnis des Geistes und der Seele. Sie ist allein darauf ausgerichtet, die äußere sichtbare Natur der Dinge aufzufassen. Es steht das Nutz- und Gewinnprinzip in der Mitte und eine Auseinandersetzung mit dem Geistigen und der Seele erscheint unsinnig oder unnütz für den Menschen. Dies bietet eine Nährboden für die Absichten Ahrimans.[9]

Ahriman arbeitet darauf hin, dass der Mensch durch den ausschließlichen Gebrauch des Intellekts das Wissen verliert, dass er als geistig-seelisches Wesen nicht trennbar ist von seinem Leib:

„Wenn man menschliche Ausdrücke auf göttliches Wollen anwenden möchte, so möchte man sagen: Ahriman wartete mit Sehnsucht auf den Augenblick, wo er in das menschliche Bewußtsein mit seiner Macht eindringen konnte. Nun wurde er überrascht davon, daß er früher nicht gewußt hat, daß ein göttlicher Entschluß vorlag, ein Wesen auf die Erde zu senden, den Christus, der durch den Tod ging. Dadurch war zwar das Eingreifen des Ahriman möglich, aber seiner eigentlichen Herrschaft war die Spitze abgebrochen. Seit jener Zeit benützt Ahriman jede Gelegenheit, um die Menschen zum bloßen Gebrauche des Intellektes zubringen; Ahriman hat noch heute die Hoffnung nicht aufgegeben, daß es ihm gelingen werde, die Menschen zum bloßen Gebrauch ihres Intellektes zu bringen. Was würde das bedeuten? Wenn es Ahriman gelingen könnte, den Menschen die Überzeugung restlos beizubringen, so daß jede andere Überzeugung von der Erde hinschwinden würde, daß der Mensch nur in seinem Leibe leben kann, daß er nicht trennbar ist als geistig-seelisches Wesen von seinem Leibe, so würde die menschliche Seele so ergriffen werden von der Todesidee, daß Ahriman leicht seine Pläne verwirklichen könnte. Darauf hofft Ahriman immer.“[10]

Rudolf Steiner beobachtete 1915, dass man das ahrimanische Element am stärksten in Amerika finde. Er sah auch die Tendenz in der Entwicklung dieser Kultur, dass die Sehnsucht immer mehr wächst, die Geister sichtbar zu machen, selbst da, wo nach Spiritualität, nach Geistigem gestrebt wird. Nach und nach werde das ahrimanische Element auch den Westen Europas ergreifen und seine Mission erfüllen, sich in die Kultur einzuführen.[11]

Die Anhaftung an Ahriman zeigt sich in einem Spinnennetz von Lügen. (Heinz Grill)

Heinz Grill, Begründer des geistigen Schulungsweges Neuer Yogawille, arbeitet heraus, dass sich die Anhaftung an Ahriman in einem Spinnennetz von Lügen zeige, das den Menschen in ein klebriges Gefesseltsein bringe:

„Esoterisch und gemäß der anthroposophischen Lehre würde man sagen, dass die Wesenheit der Versuchung zur Weltanhaftung und triebhaften Begierde mit Ahriman benannt wird. So sprechen viele Personen in anthroposophischen Zweigen von der Inkarnation Ahrimans. Die Anhaftung in diese Sphäre, die die dunkle Wesensgestalt gibt und die sie schließlich wie ein Spinnennetzwerk von Lügen immer weiter auf den Menschen wirft, den sie in ihr klebriges Gefesseltsein bringt, ist typisch für die Wesenheit Ahrimans.“[12]

Im Goethe-Wörterbuch wird Ahriman mit der ewigen geistigen Finsternis gleichgesetzt. Trotzdem soll er die Farben, die aus der Finsternis entsprungen sind, selbst ausgeströmt haben:

„Es sind aus der Finsterniß, mit der weißen Farbe der Kälte, alle Farben des Lichts und des Feuers entsprungen, und selbst der böse Ariman, die ewige geistige Finsterniß, soll die Farben ausgeströmt haben.“[13]

Das Wesen von Ahriman wird im Herders Conversations-Lexikon als der Schöpfer aller schädlichen Pflanzen und Tiere beschrieben. Er verführte auch die Menschen zum Abfall von Ormuzd, dem Schöpfergott in der Religion der Perser. „Am Ende der Zeit aber wird er sammt den Dews besiegt und mit Ormudzd versöhnt und verschwindet mit demselben im allgemeinen Weltuntergange, wo nur das Urwesen, aus dem alles hervorgegangen, Zeruane Akarene, übrig bleibt.“[14]

Überwindung bzw. Nutzung von Ahriman

Ahriman in einer Inszenierung von Rudolf Steiners Mysteriendrama Die Pforte der Einweihung am Goetheanum in Dornach

„Die Erlösung des Ahriman geschieht durch das Denken.“

Rudolf Steiner[15]

„Fehlt das Vertrauen, Solidität,
in die Blüte des Gedankens,
stört Ahriman, die zersetzende Angst,
bald schnell, dramatisch, leidvoll klagend
den friedvollen Glanz unschätzbarer Reinheit,
verdunkelt das Sternlein am blassen Horizont,
nimmt hinweg den lichten Wagemut,
des Denkens Blüte kreative Kraft.
Oh! Wie leicht ist der Erfolg zerstört.“
    – Heinz Grill[16]

Parteimeinungen und Parteilebensauffassungen müssen überwunden werden, da sie die Absichten Ahrimans fördern. Rudolf Steiner drückt aus, dass bei sich gegenüberstehenden parteilichen Standpunkten immer die eine so gut bewiesen werden kann wie die andere. „Sie können ebensogut beweisen dasjenige, was irgendeine sozialistische Partei vertritt, wie das, was eine antisozialistische Partei vertritt, mit gleich guten Gründen, die dann die Menschen in Anspruch nehmen.“ Es sei für den Menschen nicht einzusehen, dass diese Beweisart so weit an der Oberfläche liege, dass sie für eine tiefere Erkenntnis, was geistiges Leben ist, unbrauchbar ist.[17] Die Folgen spielen den Absichten Ahrimans in die Karten:

„Dann werden sie das Entgegengesetzte beweisen, der eine dieses, der andere jenes, die eine Gruppe dieses, die andere Gruppe jenes; und da man beides beweisen kann, so werden die Menschen übergehen zu Haß und Erbitterung, die wir ja genügend in unserer Zeit finden. Das alles sind wiederum Dinge, die Ahriman fördern will zur Förderung seiner eigenen Erdeninkarnation.“[17]

Heinz Grill regt eine wirklichkeitsgemäße und sachliche Auseinandersetzung mit dem Bösen an, denn sie dient dem Menschen, um hoffnungsvolle Perspektiven zu entwickeln. Richtet sich der Mensch intensiv auf Ideale aus und studiert er gleichzeitig die Widersachermächte bis in die Tiefe des Keimgrundes ihres untergründigen Weltendaseins, so kann er ein gewisses Gegengewicht zu den Untergangsstimmungen legen.[18] Dies drückt das Bemühen aus, Ahriman zu erkennen. Nach den Forschungen von Heinz Grill ist es ratsam, Ahriman zu beobachten und zu erkennen, keinesfalls aber gegen ihn anzukämpfen:

„Wer Ahriman kennt, wird ihn deshalb aus Weisheit niemals angreifen, wer ihn aber nicht kennt, konfrontiert ihn und verbindet sich auf unsolide Weise mit ihm. Das geeignete Mittel gegenüber Ahriman ist, ihn zu beobachten und zu erkennen, aber nicht gegen ihn anzukämpfen."[18]
Seite 86 aus Faust I

In Faust, der Tragödie erster Teil lässt Johann Wolfgang von Goethe den Mephistopheles ausdrücken, dass er ein Teil jener Kraft sei, die das Böse will, aber das Gute schafft. Das drückt indirekt aus, dass der Mensch die böse Kraft nutzen kann:

„[Ich bin] ein Theil von jener Kraft,
Die stets das Böse will und stets das Gute schafft. […]
Ich bin der Geist der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht
Ist werth, daß es zugrunde geht;
Drum besser wär’s, daß nichts entstünde.
So ist denn alles was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.“
    – Johann Wolfgang von Goethe[19]

Aus geistiger Sicht wird es nach den Forschungen von Heinz Grill für die Menschen in der Zukunft keinen Führer, keinen Lehrer, keinen Meister oder eine besondere Autoritäts­person geben, der sie in einer neuen religiösen Bewegung oder in der Politik anführt.[12] Seine Worte drücken eine ernste Situation aus, die Ahriman herbeiführt:

„Die ahrimanische Kraft zerstört den Menschen bis in die Tiefe hinein und, wenn sich der Mensch aus dieser Zerstörung aufrichten möchte, bedarf es seiner ganzen Eigen­ständigkeit und seiner mutigen Bewusstseinserkraftung.[12]

Inkarnation Ahrimans

Abguss des Modells für Ahriman der Statue Menschheitsrepräsentant (Rudolf Steiner)

Rudolf Steiners arbeitete heraus, dass vor dem Ablauf des 3. Jahrtausends der nach­christlichen Zeit Ahriman im Westen zu einer wirklichen Inkarnation kommen wird. Ahriman sie diejenige Macht, die den Menschen nüchtern, prosaisch, philiströs mache, den Menschen verknöchere und den Menschen zum Aberglauben des Materialismus bringe.[20]

Um erfolgreich auf der Erde inkarnieren zu können, lenkt die Wesenheit Ahriman seine Kräfte in der menschlichen Entwicklung so, dass die Menschen zu seinem Vorteil auf sein Wirken eingestimmt sind.

„Und schlimm wäre es, wenn die Menschen schlafend dahinleben würden und gewisse Erscheinungen, die im Menschenleben vor sich gehen, nicht so nehmen würden, daß sie in ihnen erkennen können eine Vorbereitung für die fleischliche Inkarnation des Ahriman. Nur dadurch werden die Menschen die rechte Stellung finden, daß sie erkennen: In dieser oder jener Tatsachenreihe, die der menschheit­lichen Entwickelung angehört, muß man erkennen, wie Ahriman vorbereitet sein irdisches Dasein. Und heute ist es an der Zeit, daß einzelne Menschen wissen, welche von den Vorgängen, die um sie herum sich abspielen, Machinationen Ahrimans sind, die – ihm zum Vorteil – seine demnächstige irdische Inkarnation womöglich vorbereiten.“[21]

Aus seinen Forschungen zur Inkarnation Ahrimans bezieht Heinz Grill, der aus bestimmten anthroposophischen Kreisen selbst als Inkarnation Ahrimans bezeichnet wird, den Standpunkt, dass es sich nicht mit Gewissheit sagen lasse, „ob die Inkarnation Ahrimans eine einzelne Person betreffe oder ob sie ganze Scharen von Menschen vereinnahme. Manche behaupten, dass die künstliche Intelligenz eine unmittelbare Offenbarung Ahrimans sei und andere wieder definieren Personen, die die Physiognomie Ahrimans und das Charakterverhalten mit allen amoralischen Offenbarungen, die es nur gibt, erfüllen.“ Aus seiner Sicht setze die Anthroposophie mit Spekulationen über die Inkarnation Ahrimans mehr Angst frei, als wirkliche Aufklärung der tieferen Umstände und deren logischen Zusammenhänge zu geben. „Die Angst, die sich bei den Anthroposophen und bei vielen anderen bereits bis in die Glieder hineingesetzt hat, generiert nach außen hin eine ganze Reihe von irrationalen Handlungsinitiativen, die zuletzt in ihrer gesamten Folgewirkung einen Umstand erzeugen, der jede Türe zu einer wesenhaften Erkenntnis und geistigen Wahrheit verschließt.“[2]

Siehe auch

Literatur

  • Ulrich Hannemann (Hrsg.): Das Zend-Avesta. Band 1: Allgemeiner Teil. Überarbeitete Neuauflage der Ausgabe von 1776. Weißensee-Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-89998-199-5.
  • Firdausi: Geschichten aus dem Schahnameh (= Diederichs Taschenausgaben. 21.) Ausgewählt und übertragen von Uta von Witzleben. Eugen Diederichs, Düsseldorf 1960, S. 13 ff.
  • Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Menschenkunde. GA 107. 5. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1070-1.
  • Rudolf Steiner: Der innere Aspekt des sozialen Rätsels. Luziferische Vergangenheit und ahrimanische Zukunft. GA 193. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1889, ISBN 3-7274-1930-X.
  • Walter Bühler: Anthroposophie als Forderung unserer Zeit. Kapitel 10: Das Rätsel des Bösen. Luzifer und Ahriman. Oratio Verlag, 2003, ISBN 978-3-7214-0589-7.

Einzelnachweise

  1. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Menschenkunde. GA 107. 5. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, ISBN 3-7274-1070-1, S. 172. (Online)
  2. 2,0 2,1 Die Verkörperung Ahrimans – Teil 1. In: Beiträge zu einem Neuen Yogawillen. Abgerufen am 28. Dezember 2025.
  3. Antonio Panaino: Religionen im antiken Iran. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 26 f.
  4. Vgl. auch Antonio Panaino: Religionen im antiken Iran. S. 27 f.
  5. Friedrich Rückert (Übersetzer): Firdosi’s Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII. Georg Reimer, Berlin 1890, S. 4.
  6. Friedrich Rückert: Firdosi's Königsbuch. S. 4 f.
  7. Friedrich Rückert: Firdosi's Königsbuch. S. 7.
  8. Walter Bühler: Anthroposophie als Forderung unserer Zeit. Kapitel 10: Das Rätsel des Bösen. Luzifer und Ahriman. Oratio Verlag, 2003, ISBN 978-3-7214-0589-7, S. 137 ff.
  9. 9,0 9,1 Rudolf Steiner: Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. GA 191. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, ISBN 3-7274-1910-5, S. 202. (Online)
  10. Rudolf Steiner: Das Sonnenmysterium und das Mysterium von Tod und Auferstehung. GA 211. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1986, ISBN 3-7274-2110-X, S. 111. (Online)
  11. Rudolf Steiner: Das Geheimnis des Todes. Wesen und Bedeutung Mitteleuropas und die europäischen Volksgeister. GA 159. 2. durchgesehene Auflage, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1980, ISBN 3-7274-1590-8, S. 236. (Online)
  12. 12,0 12,1 12,2 Der Abstieg der Dunkelheit bis in das Innere des Menschen. In: Beiträge zu einem Neuen Yogawillen. Abgerufen am 29. Januar 2026.
  13. Ahriman. In: Goethe Wörterbuch. Abgerufen am 15. Januar 2025.
  14. Ahriman. In: Herders Konversations-Lexikon. 1. Auflage, 1854–1857. Abgerufen am 15. Januar 2025.
  15. Rudolf Steiner: Aus den Inhalten der esoterischen Stunden. GA 266c. 1. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1998, ISBN 3-7274-2663-4, S. 168–169. (Online)
  16. Heinz Grill: Die goldene Lichtgestalt im Kosmos. Lammers-Koll-Verlag, ISBN 978-3-941995-54-3, S. 3.
  17. 17,0 17,1 Rudolf Steiner: Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. S. 202–203. (Online)
  18. 18,0 18,1 Die Verkörperung Ahrimans – Teil 2. In: Beiträge zu einem Neuen Yogawillen. Abgerufen am 28. Dezember 2025.
  19. Faust - Der Tragödie erster Teil. Nr. 1335–1340. In: Wikisource. Abgerufen am 31. Januar 2026.
  20. Rudolf Steiner: Der innere Aspekt des sozialen Rätsels. Luziferische Vergangenheit und ahrimanische Zukunft. GA 193. 4. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1889, ISBN 3-7274-1930-X, S. 165. (Online)
  21. Rudolf Steiner: Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. S. 199. (Online)
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