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Das Wort „Ästhetik“ wurde von Alexander Gottlieb Baumgarten geprägt, der in seiner Dissertation ''Meditationes philosophicae de nonnullis ad poema pertinentibus'' (1735) das Programm einer Ästhetik als einer eigenen philosophischen Disziplin entwarf. Sein Fragment gebliebenes Hauptwerk ''Aesthetica'' ist der Versuch, dieses Programm systematisch auszuführen. Baumgarten wollte der Logik, die er als Lehre von der Verstandeserkenntnis begriff, eine Lehre von der sinnlichen Erkenntnis, der ''Aisthesis'' zur Seite stellen. Er war einer der ersten, die gegenüber der einseitigen Wertschätzung rationaler, begrifflicher Erkenntnis in der Aufklärung den Eigenwert und die besondere kognitive Leistung sinnlich anschaulichen Erlebens betonten. Zu einer solchen Ästhetik gehörte für ihn auch eine Theorie des Ausdrucks solcher sinnlicher Erkenntnis. Er betonte, dass für die Vermittlung sinnlicher Erkenntnis die Form ihres Ausdrucks sehr viel wichtiger sei als im Fall der Verstandeserkenntnis. | |||
Zweck der Ästhetik als Wissenschaft war für Baumgarten „die Vollkommenheit der sinnlichen Erkenntnis“ – gleichbedeutend mit der Schönheit.<ref>Liessmann 2009, S. 56.</ref> Baumgartens „ästhetische Wahrheit“ fasste, anders als die Vernunft, nicht alle Dinge unter möglichst allgemeine Begriffe. Stattdessen ging es dabei um die einzelnen Dinge sowie deren konkrete und vielfältige Bestimmungen. Die ästhetische Wahrheit im Sinne Baumgartens bringe auch die eigenen Ansprüche und die „Lebendigkeit“ der künstlerischen Darstellung in den Blick, hebt Arno Schubbach hervor. Als „glücklichen Ästhetiker“ (felix aestheticus) bezeichnete Baumgarten einen Menschen, der Wahrnehmung und Phantasie, künstlerische Gestaltung und vernünftige Einsicht in ein ausgewogenes Verhältnis zueinander zu bringen imstande ist. Einerseits durchaus Freund der logischen Wahrheit, ist er andererseits nicht ihr Sklave und bewahrt ihr gegenüber seine „poetische Freiheit“.<ref>Arno Schubbach: [https://www.nzz.ch/feuilleton/eine-philosophische-und-oft-dichterische-fackel-ld.822002 ''„Eine philosophische und oft dichterische Fackel.“ Auf ihn geht «Ästhetik» als philosophische Disziplin zurück: Alexander Gottlieb Baumgarten, vor 300 Jahren geboren, war wirkungsreich, wird aber selten zu den „Grossen“ der Geistesgeschichte gezählt.''] In: ''[[Neue Zürcher Zeitung]].'' 13. Juni 2014; abgerufen am 27. November 2022.</ref> | |||
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Version vom 9. Mai 2026, 21:15 Uhr
Ästhetik (von Vorlage:GrcS „Wahrnehmung, Empfindung“) ist im Allgemeinen die Lehre von der Wahrnehmung, von Gesetzmäßigkeiten und Harmonie in der Natur und Kunst.
In der Wissenschaft bezeichnet der Begriff in einem engeren Sinne die Eigenschaften, die einen Einfluss darauf haben, wie Menschen etwas unter Schönheitsgesichtspunkten bewerten. In einem weiteren Sinn bezeichnet ästhetisch die Eigenschaften, die beeinflussen, wie etwas auf uns wirkt.[1]
In der Philosophie wird das Wort oft abweichend gebraucht. Ästhetik bezeichnet dort entweder die Theorie der sinnlichen Wahrnehmung allgemein (nicht nur von Kunst) oder aber eine philosophische (oder etwa soziologische) Theorie von Kunst bzw. Design. Nach einigen (insbesondere Immanuel Kant folgenden) Auffassungen entscheiden über ästhetische Bewertungen nicht einfach rein subjektive Kategorien wie „schön“ und „hässlich“, die wegen bestimmter Eigenschaften dem Gegenstand beigelegt werden. Entscheidend sei vielmehr die Art und Weise der Sinnlichkeit oder Sinnhaftigkeit. Andere (semiotische) ästhetische Theorien betonen, dass gerade Letztere nur im Rahmen spezifischer Zeichensysteme verstehbar sei. Besonders in empirischen Studien (etwa in der experimentellen Ästhetik), aber auch in einigen philosophischen Theorien spricht man, wie im Alltagssprachgebrauch, von Ästhetik als Wissenschaft oder Theorie der Schönheit (und somit auch Hässlichkeit), die untersucht, wie ästhetische Urteile zustande kommen. Im angelsächsischen Raum wird aesthetics teilweise stärker in diesem Sinne verstanden. Einige, besonders jüngere, Ansätze versuchen auch, beide Aspekte zusammenzuführen.
Alltagssprachlich wiederum wird der Ausdruck ästhetisch häufig als Synonym für schön, geschmackvoll oder ansprechend verwendet. Jemand, der auf schöne und schöngeistige Dinge besonderen Wert legt, wird als Ästhet oder Feingeist bezeichnet.
Begriffsgeschichte
Der Begriff Ästhetik wurde erstmals von Alexander Gottlieb Baumgarten in seinem 1750 veröffentlichten Werk Aesthetica eingeführt, wo er Ästhetik als die „Wissenschaft von der sinnlichen Erkenntnis“ definierte.[2] Mit „sinnlicher Erkenntnis“ meinte Baumgarten die Erkenntnis durch die sinnliche Wahrnehmung. Baumgarten wird darum häufig als Begründer der „philosophischen Ästhetik“ angesehen, obwohl sich schon in der Antike Philosophen wie Platon und Aristoteles mit dem Thema beschäftigten.
Die heutige Ästhetik hat drei Wurzeln:[3] Seit Georg Wilhelm Friedrich Hegel versteht sie sich vor allem als Philosophie der Kunst. Nach einer zweiten Bestimmung ist sie Theorie des Schönen, und nachdem im 18. Jahrhundert zuerst das Erhabene und dann das Prächtige, Elegante, Anmutige sowie auch das Hässliche, Groteske etc.[4] als weitere Themen hinzukamen, allgemein eine Theorie ästhetischer Werte, ihrer Erfahrung und Beurteilung.
Das Wort „Ästhetik“ wurde von Alexander Gottlieb Baumgarten geprägt, der in seiner Dissertation Meditationes philosophicae de nonnullis ad poema pertinentibus (1735) das Programm einer Ästhetik als einer eigenen philosophischen Disziplin entwarf. Sein Fragment gebliebenes Hauptwerk Aesthetica ist der Versuch, dieses Programm systematisch auszuführen. Baumgarten wollte der Logik, die er als Lehre von der Verstandeserkenntnis begriff, eine Lehre von der sinnlichen Erkenntnis, der Aisthesis zur Seite stellen. Er war einer der ersten, die gegenüber der einseitigen Wertschätzung rationaler, begrifflicher Erkenntnis in der Aufklärung den Eigenwert und die besondere kognitive Leistung sinnlich anschaulichen Erlebens betonten. Zu einer solchen Ästhetik gehörte für ihn auch eine Theorie des Ausdrucks solcher sinnlicher Erkenntnis. Er betonte, dass für die Vermittlung sinnlicher Erkenntnis die Form ihres Ausdrucks sehr viel wichtiger sei als im Fall der Verstandeserkenntnis.
Zweck der Ästhetik als Wissenschaft war für Baumgarten „die Vollkommenheit der sinnlichen Erkenntnis“ – gleichbedeutend mit der Schönheit.[5] Baumgartens „ästhetische Wahrheit“ fasste, anders als die Vernunft, nicht alle Dinge unter möglichst allgemeine Begriffe. Stattdessen ging es dabei um die einzelnen Dinge sowie deren konkrete und vielfältige Bestimmungen. Die ästhetische Wahrheit im Sinne Baumgartens bringe auch die eigenen Ansprüche und die „Lebendigkeit“ der künstlerischen Darstellung in den Blick, hebt Arno Schubbach hervor. Als „glücklichen Ästhetiker“ (felix aestheticus) bezeichnete Baumgarten einen Menschen, der Wahrnehmung und Phantasie, künstlerische Gestaltung und vernünftige Einsicht in ein ausgewogenes Verhältnis zueinander zu bringen imstande ist. Einerseits durchaus Freund der logischen Wahrheit, ist er andererseits nicht ihr Sklave und bewahrt ihr gegenüber seine „poetische Freiheit“.[6]
Einzelnachweise
- ↑ Gábor Paál: Was ist schön? Die Ästhetik in allem. Königshausen & Neumann, Würzburg 2020, S. 20.
- ↑ Alexander Gottlieb Baumgarten: Aesthetica § 1.
- ↑ Vgl. Franz von Kutschera: Ästhetik, Berlin 1988, S. 1–3
- ↑ Vorlage:Literatur
- ↑ Liessmann 2009, S. 56.
- ↑ Arno Schubbach: „Eine philosophische und oft dichterische Fackel.“ Auf ihn geht «Ästhetik» als philosophische Disziplin zurück: Alexander Gottlieb Baumgarten, vor 300 Jahren geboren, war wirkungsreich, wird aber selten zu den „Grossen“ der Geistesgeschichte gezählt. In: Neue Zürcher Zeitung. 13. Juni 2014; abgerufen am 27. November 2022.
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