Kapotasana: Unterschied zwischen den Versionen

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== Führung der Aufmerksamkeit ==
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Üblicherweise wird die Aufmerksamkeit auf die Dehnung der Hüfte und Gesäßmuskulatur gelenkt. Dabei kann auch auf eine symmetrische Ausrichtung des Beckens geachtet werden, sodass dieses gerade nach vorne zeigt.<ref>''[https://www.yogajournal.com/poses/anatomy/hips/ways-to-practice-pigeon-pose/ 5 Ways to Practice Pigeon Pose.]'' In: ''yogajournal.com.'' Abgerufen am 21. Mai 2026.</ref> Darüber hinaus kann die Aufmerksamkeit auf das Loslassen von Spannungen und bewusster Entspannung gelenkt werden<ref>[https://www.yogaclassplan.com/yoga-pose/pigeon-pose/ ''One legged pigeon pose.''] In: ''Yoga class plan.'' Abgerufen am 21.&nbsp;Mai 2026.</ref> sowie auf eine ruhige Atmung. Da sich die Brust in einer starken Ausdehnung befindet, während der Bauch zusammengezogen ist, beschleunigt sich die Atmung und soll laut Iyengar normal weiter fließen.<ref name=":1" />
Üblicherweise wird die Aufmerksamkeit auf die Dehnung der Hüfte und Gesäßmuskulatur gelenkt. Dabei kann auch auf eine symmetrische Ausrichtung des Beckens geachtet werden, sodass dieses gerade nach vorne zeigt.<ref>''[https://www.yogajournal.com/poses/anatomy/hips/ways-to-practice-pigeon-pose/ 5 Ways to Practice Pigeon Pose.]'' In: ''yogajournal.com.'' Abgerufen am 21. Mai 2026 (englisch).</ref> Darüber hinaus kann die Aufmerksamkeit auf das Loslassen von Spannungen und bewusster Entspannung gelenkt werden<ref>[https://www.yogaclassplan.com/yoga-pose/pigeon-pose/ ''One legged pigeon pose.''] In: ''Yoga class plan.'' Abgerufen am 21.&nbsp;Mai 2026 (englisch).</ref> sowie auf eine ruhige Atmung. Da sich die Brust in einer starken Ausdehnung befindet, während der Bauch zusammengezogen ist, beschleunigt sich die Atmung und soll laut Iyengar normal weiter fließen.<ref name=":1" />


Neben dem Fokus auf die körperlichen Bereiche, kann die Aufmerksamkeit auch auf die seelische Bedeutung der Übung gerichtet werden:
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[[Datei:Rom, Vatikan, Basilika St. Peter, Die Taube des Heiligen Geistes (Cathedra Petri, Bernini).jpg|mini|240px|Darstellung des Heiligen Geistes als Taube. (Gian Lorenzo Bernini, Glasmalerei, Cathedra Petri, Petersdom, Vatikanstadt, ca. 1660)]]
[[Datei:Rom, Vatikan, Basilika St. Peter, Die Taube des Heiligen Geistes (Cathedra Petri, Bernini).jpg|mini|240px|Darstellung des Heiligen Geistes als Taube. (Gian Lorenzo Bernini, Glasmalerei, Cathedra Petri, Petersdom, Vatikanstadt, ca. 1660)]]


Weil die antike Naturwissenschaft annahm, dass die Taube keine Gallenblase hat und daher frei von allem Bitteren und Bösen ist,<ref>Charles Victor Daremberg und Friedrich Anton Reuß (1810–1868): ''S. Hildegardis Abbatissae Subtilitatum Diversarum Naturarum Creaturarum Libri Novem.'' Physica, Buch VI (De avibus), Kapitel 30: Columba. Kapitel 31: Turtur. Migne, Paris 1855. Sp. 1299. Übersetzung: Marie-Louise-Portmann, Basel 1991: Von der Taube.(…) Und weil sie Feuchtigkeit nicht hat und ihre Lebensweise nicht nach verschiedenen (Richtungen) (ab)stellt, kann Galle in ihr nicht wachsen, wie das im Menschen der Fall ist. Wer guten Willen hat, in dem kann die Galle nicht wachsen, sondern sie nimmt in ihm ab. Und wenn er einen verbrecherischen Sinn hat, nimmt die Galle in ihm zu.</ref> gilt sie als Symbol des Friedens ([[w:Friedenstaube|Friedenstaube]]), auch der Unschuld, der Liebe (vgl. Turteltaube), Treue (vergl. [[w:Brieftaube|Hochzeitstaube, Auflasstaube]]) und Mutterschaft, der Seele und christlich gedeutet, des Heiligen Geistes.<ref>[https://katholisch.de/artikel/8952-taube-feuer-wind ''Taube, Feuer, Wind.''] In: ''katholisch.de.''14. Mai 2016, abgerufen am 4. Juni 2020.</ref>
Weil die antike Naturwissenschaft annahm, dass die Taube keine Gallenblase hat und daher frei von allem Bitteren und Bösen ist,<ref>Charles Victor Daremberg und Friedrich Anton Reuß (1810–1868): ''S. Hildegardis Abbatissae Subtilitatum Diversarum Naturarum Creaturarum Libri Novem.'' Physica, Buch VI (De avibus), Kapitel 30: Columba. Kapitel 31: Turtur. Migne, Paris 1855. Sp. 1299. Übersetzung: Marie-Louise-Portmann, Basel 1991: Von der Taube.(…) Und weil sie Feuchtigkeit nicht hat und ihre Lebensweise nicht nach verschiedenen (Richtungen) (ab)stellt, kann Galle in ihr nicht wachsen, wie das im Menschen der Fall ist. Wer guten Willen hat, in dem kann die Galle nicht wachsen, sondern sie nimmt in ihm ab. Und wenn er einen verbrecherischen Sinn hat, nimmt die Galle in ihm zu.</ref> gilt sie als Symbol des Friedens ([[w:Friedenstaube|Friedenstaube]]), auch der Unschuld, der Liebe (vgl. Turteltaube), Treue (vergl. [[w:Brieftaube|Hochzeitstaube, Auflasstaube]]) und Mutterschaft, der Seele und christlich gedeutet, des Heiligen Geistes.<ref>[https://katholisch.de/artikel/8952-taube-feuer-wind ''Taube, Feuer, Wind.''] In: ''katholisch.de.'' Artikel vom 14. Mai 2016, abgerufen am 26. Mai 2026.</ref>


Ihren Ursprung als Friedenssymbol findet die Deutung der Taube im Alten Testament. In der [[w:Sintflut|Sintflut-Erzählung]] kehrt die von Noah ausgelassene Taube mit einem frischen Olivenzweig zurück und signalisiert somit das Ende der Flut (1 Mose 8,11). Im Christentum ist die Taube vor allem als Symbol für den Heiligen Geist bekannt. Dies beruht auf der biblischen Erzählung der Taufe Jesu in Mt 3,13-17, in der sich der Himmel öffnet und Jesus den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube sieht.<ref>[https://www.vivat.de/magazin/christliches-leben/symbole-devotionalien/taube-symbol-bedeutung/ ''Die Taube - Symbolik und Bedeutung.''] In: ''Vivat Magazin.'' Abgerufen am 26. Mai 2026.</ref>
Ihren Ursprung als Friedenssymbol findet die Deutung der Taube im Alten Testament. In der [[w:Sintflut|Sintflut-Erzählung]] kehrt die von Noah ausgelassene Taube mit einem frischen Olivenzweig zurück und signalisiert somit das Ende der Flut (1 Mose 8,11). Im Christentum ist die Taube vor allem als Symbol für den Heiligen Geist bekannt. Dies beruht auf der biblischen Erzählung der Taufe Jesu in Mt 3,13-17, in der sich der Himmel öffnet und Jesus den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube sieht.<ref>[https://www.vivat.de/magazin/christliches-leben/symbole-devotionalien/taube-symbol-bedeutung/ ''Die Taube - Symbolik und Bedeutung.''] In: ''Vivat Magazin.'' Abgerufen am 26. Mai 2026.</ref>

Version vom 27. Mai 2026, 00:15 Uhr

Kapotasana (Taube)

Kapotasana (Sanskrit कपोतासन, IAST kapotāsana), deutsch Taube, ist eine Übung des Hatha Yoga und gehört zu der Gruppe der Rückwärtsbeugen des Yoga. Der Sanskritname kapotāsana setzt sich aus den Wörtern kapota „Taube“[1] und āsana „Sitz“[2] oder allgemeiner übersetzt „Körperhaltung“ zusammen.

Die Stellung wird ebenfalls mit Eka Pada Rajakapotasana bezeichnet, wobei ekam „eins“,[3] pāda „Fuß“[4] und rājakapotāsana „Königstaube“[5] bedeutet.

Die deutsche Namensgebung „Taube“ hat damit zu tun, dass die Brust in der Stellung wie bei einer Kropftaube nach vorne geschoben wird.[6]

Vorbemerkung

Kapotasana A (Ashtanga Yoga)

Kapotasana gehört zu den wichtigsten 84 Asana des Yoga-Vidya-Stils.[7]

Nicht zu verwechseln ist die Stellung mit Kapotāsana A und Kapotāsana B in der traditionellen Abfolge nach K. Pattabhi Jois in der zweiten Serie des Ashtanga Vinyasa Yoga.[8] Als Kapotasana wird dort eine vom hohen Kniestand ausgehende Rückwärtsbeuge bezeichnet.

Körperliche Ausführung

Nach Swami Vishnudevananda winkelt man das rechte Bein soweit ab, dass der Fuß das linke Hüftgelenk erreicht. Das linke Bein wird nun zurückgezogen und im Knie „hochgebogen“. Anschließend „zieht man den linken Fuß mit den Händen zum Kopf, wobei Brust und Kopf so weit wie möglich zurückgebogen“ werden sollen. Er empfiehlt, diese Übung mit jeder Seite mehrmals auszuführen.[9]

Das Sivananda Yoga Zentrum gibt Anfängern, damit sie leichter in die Stellung zu kommen, den Hinweis auf den „Rückwärtsbeugenden Handgriff“, den sie anwenden können. Hierbei zeigt die Handfläche der nach hinten greifenden Hand nach oben und der Daumen ist nach hinten gerichtet. Zusätzlich wird der Körper zunächst etwas nach der Seite des erhobenen hinteren Beines gedreht, der Fuß mit der gleichseitigen Hand gegriffen und hochgezogen. Anschließend erfolgt die Rückwärtsbeuge, indem der Kopf zur Fußsohle geführt wird. Die andere Hand bliebt für das Gleichgewicht zunächst am Boden und wird erst am Ende, wenn das Gleichgewicht gefunden wurde, zum hinteren Fuß geführt und die Brust wieder nach vorne ausgerichtet. Diese erleichterte Form soll aber aufgegeben werden, wenn die Beweglichkeit zunimmt. Dann soll der hintere Fuß sofort mit beiden Händen gefasst werden. Dafür gibt die Beinstellung die stabile Grundlage.[10]

Vorbereitende Phase, bei der die Rückwärtsbeuge eingeleitet wird

B. K. S. Iyengar nennt die Stellung Eka-Pāda-Rājakapotāsana und beginnt in der Ausgangsstellung des Langsitzes dandasana. Wenn im nächsten Schritt das rechte Knie gebeugt wird, ist zu beachten, dass dieses am Boden bleibt. Das nach hinten gestreckte linke Bein soll in seiner ganzen Länge auf den Boden gelegt werden, wobei die Vorderseite des linken Oberschenkels, das Knie, das Schienbein, sowie der obere Teil der Zehen des linken Fußes den Boden berühren. Die anschließende vorbereitende Stellung mit den Händen an der Taille, der Brust nach vorne gestoßen bei gleichzeitiger Ausdehnung des Nackens soll einige Zeit zugunsten des Gleichgewichtes gehalten werden. Anschließend werden die Hände zunächst auf den Boden geführt, das linke Knie gebogen und zum Kopf hinauf gehoben, wobei der Unterschenkel senkrecht zum Boden stehen soll. Dafür müssen die Muskeln des linken Oberschenkels angespannt sein. Zuerst greift im nächsten Schritt der gegenüberliegende rechte Arm mit einer Ausatmung den linken Fuß, schließlich auch die linke Hand und der Kopf wird an den Fuß geführt. In der Stellung wird die Brust erneut nach vorne geschoben und die Hände greifen weiter herunter zum Fußgelenk, bis die Oberlippe die Ferse berührt.[6]

Im Ashtanga Yoga beginnt die Position der Taube aus Adho Mukha Śvānāsana, dem Herabschauenden Hund. Aus dieser Position wird ein Knie mit der Einatmung nach vorne zwischen die Arme geschoben und das Becken mit der Ausatmung abgelegt. Die weitere Ausführung der Taube erfolgt in Kombination von Aus- und Einatmung.[11]

Heinz Grill betont bei der Ausführung vor allem die horizontale Linie mit den Beinen und die vertikale Linie, die mit dem Oberkörper eingenommen wird, bevor die weite Rückwärtsbeuge erfolgt. Zur Vorbereitung lässt er den Unterschenkel des gestreckten hinteren Beines hochführen und zunächst mit einem Arm nach vorne ziehen, bevor das Bein wieder abgelegt und die Übung weiter geformt wird. Dadurch finden die Beine weiter in die Ausdehnung und die Sitzhaltung kann besser in die Bodennähe gleiten.[12]

Demonstration

Kapotasana

Die Ausführung der Taube in fortgeschrittener Form, bei der der Fuß mit beiden Händen von oben gegriffen wird.

Variationen

Für Personen, die nicht in die weite Rückwärtsbeuge kommen, empfiehlt Heinz Grill, die Stellung in den einzelnen vorbereitenden Phasen zu halten und dabei bewusst das erste Aufrichten in die Vertikale und das Ausgleiten der Beine in die Horizontale zu üben.[12] Zur Erleichterung der Beinhaltung kann ein Kissen unter die Gesäßhälfte des angewinkelten Beines gelegt werden. Dies erhöht den Körper, wodurch das Gleichgewicht leichter gehalten werden kann.[12]

Eine anspruchsvolle Variation der Taube erfolgt, wenn das vordere Bein nicht angewinkelt nach innen, sondern mit der Fußsohle nach vorne aufgestellt wird, wie in Anjaneyasana. Sie trägt den Namen Halbmondtaube.[10] Bei Iyengar heißt sie Eka-Pāda-Rājakapotāsana II.[13]

Eine andere fortgeschrittene Variation, die Spagattaube, wird mit gestreckten Bein nach vorne aus Hanumanasana, dem Spagat, eingenommen.[10]

Bei einer weiteren anspruchsvollen Variation wird das vordere Bein nicht nach innen zur Leiste bewegt, sondern so gebeugt, dass die Zehen nach hinten zeigen, die Innenseite der Wade die Außenseite des Oberschenkels berührt, wobei das Knie am Boden bleibt. Iyengar nennt diese Asana Eka-Pāda-Rājakapotāsana III.[14]

Gesundheitliche Aspekte

Swami Vishnudevananda sieht diese Übung als besonders geeignet an, um die Muskulatur der Beine, der Oberschenkel und des Rückens zu strecken.[9]

André Van Lysebeth beschreibt Kapotasana als intensive Rückbeuge mit kräftigender Wirkung auf die Wirbelsäule und öffnender Wirkung auf den Brustraum. [15]

Laut Iyengar wirkt die Taube sowie die Variationen verjüngend auf die Wirbelsäule im Lenden- und Rückenbereich. Darüber hinaus werden die Nacken- und Schultermuskulatur vollkommen durchgearbeitet und die Oberschenkel und Fußgelenke aufgrund der verschiedenen Stellungen der Beine gestärkt. Aufgrund der verstärkten Blutzufuhr in der Schilddrüse, den Nebenschilddrüsen, Nebennieren und Geschlechtsdrüsen können diese besser arbeiten und die Vitalität erhöht sich. Da ebenfalls mehr Blut um den Bereich des Schambeines kreist, wird dieses gesund erhalten. Er empfiehlt die Stellung bei Funktionsstörungen der Harnwege und zur Beherrschung sexueller Begierde.[16]

Führung der Aufmerksamkeit

Üblicherweise wird die Aufmerksamkeit auf die Dehnung der Hüfte und Gesäßmuskulatur gelenkt. Dabei kann auch auf eine symmetrische Ausrichtung des Beckens geachtet werden, sodass dieses gerade nach vorne zeigt.[17] Darüber hinaus kann die Aufmerksamkeit auf das Loslassen von Spannungen und bewusster Entspannung gelenkt werden[18] sowie auf eine ruhige Atmung. Da sich die Brust in einer starken Ausdehnung befindet, während der Bauch zusammengezogen ist, beschleunigt sich die Atmung und soll laut Iyengar normal weiter fließen.[6]

Neben dem Fokus auf die körperlichen Bereiche, kann die Aufmerksamkeit auch auf die seelische Bedeutung der Übung gerichtet werden:

Seelische Bedeutung

Heinz Grill weist darauf hin, dass sich im ersten Teil der Ausführung von Kapotasana zwei große gegensätzliche Bewegungsdimensionen finden: die horizontale, fließende Bewegung, bei der die Beine in die bodennahe Linie gleiten, und die vertikale Dynamik, die durch das kraftvolle Aufrichten des gesamten Rückens nach oben in Richtung Himmel oder Kosmos strebt, auf der Suche nach einer neuen, freieren und erhabeneren Realität. Im weiteren Verlauf der Ausführung vollendet sich die Stellung durch die rückwärtsbeugende Bewegung der Brustwirbelsäule und den angehobenen Fuß, der auf dem Hinterkopf aufliegt. Schließlich beschreibt die kreisförmige Bewegung des gesamten Körpers eine Öffnung zum Kosmos sowie eine Beziehung zur Erde. So ist auch das menschliche Leben sowohl nach oben, zum Geistleben, zum Streben nach Fortschritt und Entwicklung, als auch zur Erde hin, zur Verbindung mit den irdischen Elementen ausgerichtet. Dies bedeutet, dass der Mensch sowohl Erfahrungen über die höheren Welten erringen, als auch die verschiedenen Interessensgebiete und Phänomene, die die Welt bietet, durchdringen möchte.[12]

„Irdische und geistige Wissenschaften motivieren das menschliche Gemüt und tragen es einmal mehr in die Himmelsregionen empor und ein anderes Mal in die irdischen Reiche hinab. Die beiden großen Gegensätze von der horizontalen und der vertikalen Linie finden ihre Versöhnung im Seelen- und Geistleben des Menschen. Nicht die Flucht in die höheren Welten noch die Bindung an die Erdenprinzipien geben der Seele eine ausreichende Zufriedenheit, sondern ein Streben, das die geistigen Wirklichkeiten erfasst und von diesen ausgehend auf freie Weise in die irdischen Verhältnisse einzudringen vermag. Die Harmonie dieser beiden Bewegungsrichtungen in einer geeigneten Form der Synthese kann durch einen Kreise ihren schönen und bildhaften Ausdruck erhalten.“[12]

Symbolik und Mythologie

Darstellung des Heiligen Geistes als Taube. (Gian Lorenzo Bernini, Glasmalerei, Cathedra Petri, Petersdom, Vatikanstadt, ca. 1660)

Weil die antike Naturwissenschaft annahm, dass die Taube keine Gallenblase hat und daher frei von allem Bitteren und Bösen ist,[19] gilt sie als Symbol des Friedens (Friedenstaube), auch der Unschuld, der Liebe (vgl. Turteltaube), Treue (vergl. Hochzeitstaube, Auflasstaube) und Mutterschaft, der Seele und christlich gedeutet, des Heiligen Geistes.[20]

Ihren Ursprung als Friedenssymbol findet die Deutung der Taube im Alten Testament. In der Sintflut-Erzählung kehrt die von Noah ausgelassene Taube mit einem frischen Olivenzweig zurück und signalisiert somit das Ende der Flut (1 Mose 8,11). Im Christentum ist die Taube vor allem als Symbol für den Heiligen Geist bekannt. Dies beruht auf der biblischen Erzählung der Taufe Jesu in Mt 3,13-17, in der sich der Himmel öffnet und Jesus den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube sieht.[21]

In den Forschungen von Heinz Grill wird die Kraft des heiligen Geistes in Analogie zum Yoga als das ewige Selbst benannt. Dieses ewige, nicht greifbare Selbst ist identisch mit der heiligen Dimension des Geistes. Die Taube beschreibt er unter anderem als die Liebe aus dem Himmel, als eine Existenz ohne greifbare Manifestation. Das Gegenteil dieser ewigen und nicht manifestierten Dimension des Geistes besteht in der sichtbaren und greifbaren Schöpfung der Welt. Obwohl diese beiden Dimensionen so gegensätzlich sind, nämlich die Spiritualität (als vertikale Linie) und das Leben auf der Erde (als horizontale Linie), gehören beide zu einer Einheit wiederum zusammen. Im Leben kann man die spirituelle Dimension z. B. durch eine wahre Ästhetik und Harmonie in der Yoga-Haltung zum Ausdruck bringen.[22]

Siehe auch

Weblinks

Commons: Eka Pada Rajakapotasana – Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema

Einzelnachweise

  1. Suchergebnisse für „kapota“. In: learnsanskrit.cc. Abgerufen am 28. Februar 2026 (englisch).
  2. Suchergebnisse für „Asana“. In: learnsanskrit.cc. Abgerufen am 28. Februar 2026 (englisch).
  3. Suchergebnisse für „ekam“. In: learnsanskrit.cc. Abgerufen am 28. Februar 2026 (englisch).
  4. Suchergebnisse für „pAda“. In: learnsanskrit.cc. Abgerufen am 28. Februar 2026 (englisch).
  5. Suchergebnisse für „rAjakapotAsana“. In: learnsanskrit.cc. Abgerufen am 28. Februar 2026 (englisch).
  6. 6,0 6,1 6,2 B. K. S. Iyengar: Licht auf Yoga. 7. Auflage. Nikol Verlag, Hamburg 2013, ISBN 978-3-86820-175-8, S. 356–358.
  7. Asana Lexikon von Yoga Vidya. In: yoga-vidya.de. Abgerufen am 28. Februar 2026.
  8. Nāḍi Śodhana: Die zweite Serie des Aṣṭāṅga Yoga. In: AYI. Abgerufen am 28. Februar 2026.
  9. 9,0 9,1 Swami Vishnu-Devananda: Das große illustrierte Yoga-Buch. 2. Auflage. Aurum Verlag, 1982, ISBN 3-591-08183-3, S. 153.
  10. 10,0 10,1 10,2 Sivananda Yoga Zentrum (Hrsg.): Yoga für alle Lebensstufen. 4. Auflage. Gräfe und Unzer Verlag, 1989, ISBN 3-7742-6200-4, S. 132.
  11. Eka Pāda Rāja Kapotāsana: Die königliche Taube mit einem Bein. In: AYI. Abgerufen am 20. Mai 2026.
  12. 12,0 12,1 12,2 12,3 12,4 Heinz Grill: Die Seelendimension des Yoga. 7., unveränderte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2022, ISBN 978-3-948193-00-3, S. 320–323.
  13. B. K. S. Iyengar: Licht auf Yoga. S. 360.
  14. B. K. S. Iyengar: Licht auf Yoga. S. 361.
  15. André Van Lysebeth: Yoga Self-Taught. Barnes & Noble, London 1973, ISBN 0064633608
  16. B. K. S. Iyengar: Licht auf Yoga. 7., genehmigte Lizenzausgabe. Nikol Verlag, Hamburg 2013, ISBN 978-3-86820-175-8, S. 363.
  17. 5 Ways to Practice Pigeon Pose. In: yogajournal.com. Abgerufen am 21. Mai 2026 (englisch).
  18. One legged pigeon pose. In: Yoga class plan. Abgerufen am 21. Mai 2026 (englisch).
  19. Charles Victor Daremberg und Friedrich Anton Reuß (1810–1868): S. Hildegardis Abbatissae Subtilitatum Diversarum Naturarum Creaturarum Libri Novem. Physica, Buch VI (De avibus), Kapitel 30: Columba. Kapitel 31: Turtur. Migne, Paris 1855. Sp. 1299. Übersetzung: Marie-Louise-Portmann, Basel 1991: Von der Taube.(…) Und weil sie Feuchtigkeit nicht hat und ihre Lebensweise nicht nach verschiedenen (Richtungen) (ab)stellt, kann Galle in ihr nicht wachsen, wie das im Menschen der Fall ist. Wer guten Willen hat, in dem kann die Galle nicht wachsen, sondern sie nimmt in ihm ab. Und wenn er einen verbrecherischen Sinn hat, nimmt die Galle in ihm zu.
  20. Taube, Feuer, Wind. In: katholisch.de. Artikel vom 14. Mai 2016, abgerufen am 26. Mai 2026.
  21. Die Taube - Symbolik und Bedeutung. In: Vivat Magazin. Abgerufen am 26. Mai 2026.
  22. Heinz Grill: Die Vergeistigung des Leibes. 2. Auflage. Lammers-Koll Verlag, Niefern-Öschelbronn 204, ISBN 3-935925-93-X, S. 161.
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