Übersäuerung des Bindegewebes: Unterschied zwischen den Versionen
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=== pH-Wert und Wasserstoff === | === pH-Wert und Wasserstoff === | ||
Version vom 17. September 2025, 01:15 Uhr

Die Übersäuerung des Bindegewebes wird auch als Gewebsazidose bezeichnet. Azidose, auch Acidose (von lateinisch acidus „sauer“), heißt „Übersäuerung“.
Das eher flüssig, fasrige Bindegewebe umhüllt und verbindet im ganzen Körper alle Organe und verfeinert sich bis an die Berührung der einzelnen Zellen. Es ist der Vermittler zwischen dem Blut und den Zellen. Eine Überlastung des Blutes von Säuren betrifft dieses Grundbindegewebe als erstes. Wenn dann die Regulation des Säure-Basen-Gleichgewichts ungenügend erfolgt, tritt eine Übersäuerung des Bindegewebes oder Teilbereichen davon ein.
Im Bereich der Schulmedizin ist das Krankheitsbild der Azidose streng an die Abweichung des pH-Werts des Blutes gekoppelt. Eine Gewebsazidose wird eher nicht anerkannt. Im Bereich der Naturheilkunde, der biologischen, komplementären oder alternativen Medizin wird unter Übersäuerung oder latenter Übersäuerung eine Störung benannt, bei welcher der pH-Wert des Blutes im Normbereich liegt, aber das Bindegewebe übersäuert und die Mineralpufferreserve angegriffen ist.
Der pH-Wert ist die Maßeinheit für den Säure- und Basengehalt im menschlichen Körper.[1] Im Körper bestehen in den verschiedenen Organen unterschiedliche pH-Bereiche. Am strengsten wird das Blut in einem leicht basischen Bereich gehalten.
Aus geisteswissenschaftlicher Forschung drücken sich in Säuren und Basen weiterreichende Prozesse des Menschseins aus. Die innerleiblichen Säure-Basen-Differenzen müssen ausgeglichen und die über die Außenwelt hereinkommenden Säuren und Basen, z. B. der Nahrung, bewältigt werden. Dies geschieht über eine weise abgestimmte Regulation durch das Blut, die Lunge, die Nieren und die Knochen. Säuren entstehen im Körper bei Belastungen und vielfach über die Verdauung.
Die Milieustörung durch Säureüberlastung im Bindegewebe kann Auswirkungen auf unterschiedliche Bereiche haben. Die Symptome zeigen sich auch im psychischen Bereich. Eine spezielle Diagnostik ist entwickelt worden.
Die Ernährung ist ein wesentlicher Ansatzpunkt der Behandlung. Aus geisteswissenschaftlicher Sicht ist es ausschlaggebend, in welchem Verhältnis das Bewusstsein zur Ernährung steht und diese günstig gestalten kann.
Grundlegendes zum Säure-Basen-Haushalt des Menschen

pH-Wert und Wasserstoff
Säure lässt sich im Lebendigen nicht von Base trennen, da ein beständiger Übergang stattfindet. Der Säure- und Basengehalt in den Körperflüssigkeiten wird mit der Messeinheit pH angegeben, dem negativen dekadischen Logarithmus der Wasserstoffionen-Konzentration. pH kommt von potentia Hydrogenii, der „Wirkungskraft des Wasserstoffs“. Eine Substanz, die Wasserstoff (chemisches Zeichen: H) abgibt, wird als Säure bezeichnet, diejenige die H aufnimmt, als Base. Der Wasserstoff, genauer das Hyon H plus (H+), ist ein sehr reaktionsfreudiges Element.
Auf der pH-Skala bedeutet ein Wert von 7 Neutralität, über 7 ist basisch oder alkalisch und unter 7 ist sauer.[2]
Säure-Basen-Verhältnisse im menschlichen Körper
Innen,den unbewussten Stoffwechselprozessen – basisch[3]
Das Blut wird sehr streng in einem eng begrenzten pH-Bereich gehalten. Dieser ist nicht neutral, sondern leicht alkalisch innerhalb eines pH-Wertes von 7,43–7,37. Ein Abweichen würde zu folgenschweren Struktur- und Funktionsveränderungen von Eiweiß führen, mit welchem der Wasserstoff leicht reagiert.[2]
Nicht jede einzelne Körperzelle wird von einem eigenen Blutgefäß ver- und entsorgt. Diese Verbindung geschieht über das Bindegewebe, in dem sich Blut und auch die Lymphe mit ihren Endstromgebieten bis hin zu den Zellen verströmen – und umgekehrt. Das Bindegewebe, in diesem Zusammenhang auch Matrix oder Grundgewebe genannt, wirkt mit den darin enthaltenen Nerven wie ein Kommunikationssystem, das die Verbindung übernimmt sowie als Austauschmedium und Filter wirkt. Die Lymphe liegt wie das Blut im pH-Bereich 7,4–7,3. Die Zelle selber tendiert zum neutral-sauren Bereich mit einem pH-Wert von ca 6,9. Das Bindegewebe liegt dazwischen.[4][5]
Die verschiedenen Organe des Körpers arbeiten in unterschiedlichen pH-Milieus. Ihr pH-Bereich ist oft breiter eingestellt als beim Blut, je nach Funktion und Einfluss. Beispielsweise schwankt der pH-Wert bei der eher alkalisch eingestellten Galle oder der eher sauer eingestellten Blase, gemäß dem Prozess der Verdauungsstoffwechselleistung, die gerade erbracht wird.[4]
Geisteswissenschaftliche Aspekte des Säure-Basen-Wirkens im Menschen
Der anthroposophische Arzt Dr. Otto Wolff beschreibt in seinem Buch Grundlagen einer geisteswissenschaftlich erweiterten Biochemie die Wirkungen von Laugen und Säuren in ihrer Polarität und stellt daraus Bezüge zu dem Äther- oder Lebensbildekräfteleib und dem Astralleib, vereinfacht dem Bewusstsein des Menschen her:
- „Die Extreme von Lauge oder Säure sind – wie alle Extreme – lebensfeindlich. Aufschlussreich ist in diesem Sinne ihr Verhalten gegenüber gesundem Gewebe: Eine starke Lauge bewirkt eine Kolliquationsnekrose, eine Säure aber eine Koagulationsnekrose. Das besagt, dass die Lauge das geformte Gewebe quellen lässt, auflöst, verflüssigt, während die Säure das Eiweiß verfestigt, denaturiert, koaguliert: Eigenschaften wie sie grundsätzlich für den aufbauenden Ätherleib und den abbauenden Astralleib nötig sind, deren Wirken man in der Substanz somit erkennen kann. Im übrigen zeigt sich die Polarisierung bereits am Geschmack: Alkalisches schmeckt dumpf, fade, langweilig, während Saures anregend und attraktiv schmeckt und wirkt.“[6]
Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie, suchte bei seinen Forschungen zu den Lebensvorgängen des Menschen immer nach deren geistiger Grundlage. In einem Vortrag vor Medizinern über Säure-Base und Möglichkeiten der Therapie drückt er aus, dass das Basische jene Wirkungen des Menschen unterstützt die von „vorne nach hinten verlaufen“ und das Saure jene, die von „hinten nach vorne verlaufen“. Das Salzige hingegen wirkt von „oben nach unten“:
- „Da wird man finden, daß alles Basische eine Tendenz hat, zu unterstützen jene Wirkungen des Menschen, welche beginnen, sagen wir, im Munde und in der Verdauung sich fortsetzen, von vorn nach rückwärts; ebenso haben alle anderen Prozesse damit zu tun, welche von vorn nach rückwärts verlaufen. Basen haben mit dieser Richtung von vorn nach rückwärts etwas zu tun, Säuren mit der umgekehrten. Nur dann, wenn man den Gegensatz des Vorne-Menschen und des rückwärtigen Menschen ins Auge faßt, kommt man eigentlich auf den Gegensatz zwischen dem Basischen und dem Säurehaften. Dazu verhält sich das Salzhafte als zur Erde sich hin richtend, senkrecht stehend auf den beiden. Alle diejenigen Wirkungen, die von oben nach unten verlaufen, sind dasjenige, in das sich das Salzige hineinwirft. […] Da haben Sie auch die ganze Verwandtschaft des Salzigen mit der Erde gegeben, und da haben Sie das Ganze gegeben, was das Basische und das Säurehafte hat, das man etwa so schematisch zeichnen könnte: wenn hier Erde ist, hat das Salzige die Tendenz zur Erde hin und das Basische und das Säurehafte die Tendenz, im Kreise um die Erde herumzulaufen. Und damit hängt es wieder zusammen, daß einfach dadurch, daß man in gewisser Weise mit den im Organismus gegebenen Richtungen des Funktionierens sich bekannt macht, man auch wiederum eingreifen kann in diese Richtungen des Funktionierens.“[7]
Ausgleichsregulation und Säurequellen
Das Säure-Basen-Verhältnis welches in der von außen aufgenommenen Nahrung besteht, impulsiert sofort Ausgleichsprozesse in und mit dem innerleiblichen Säure-Basen-Milieu.
Balanciert oder reguliert wird der Säure-Basen-Haushalt maßgeblich durch
- das Blut – über Bindung an Puffer wie das /-System, das Hämoglobin oder an Mineralien. Dies wirkt sofort, unmittelbar.
- die Lunge – durch Abatmung von Kohlendioxid. Diese Wirkung tritt innerhalb von Minuten bis Stunden ein.
- die Nieren – einmal durch Ausscheidung von Wasser mit schnellem Wirkungseintritt und zum anderen durch Ausscheidung von Bicarbonat oder dessen Wiederaufnahme, letzteres ist mit Ausscheidung von Wasserstoff gekoppelt. Diese Regulation benötigt Stunden bis Tage.[2]
- die Knochen - als Mineralspeicher
Der körpereigene Energiestoffwechsel von Kohlenhydraten, Fetten und Aminosäuren ist die Hauptquelle für Säuren.
Ein grundlegendes, hier vereinfachtes Beispiel für die wechselseitigen Prozessabläufe, die in der pH-Ausgleichsregulation stattfinden:
Im Abbau von Kohlenhydraten und Fetten entsteht Kohlendioxid, das sich im Blut mit Wasser zu Kohlensäure verbindet. Diese trennt sich in Wasserstoff und Bicarbonat. Der Wasserstoff bindet sich an das Hämoglobin, den roten Blutfarbstoff, gelangt in die Lunge, wo in einer Umkehrreaktion schlussendlich Kohlendioxid und Wasser entsteht. Das Kohlendioxid wird abgeatmet. Das Wasser wird über die Niere ausgeschieden:
+ ⇔ ⇔
Wasserstoff plus Bicarbonat ⇔ Kohlensäure ⇔ Kohlendioxid plus Wasser
und umgekehrt in wechselseitiger Balance.[2]
Dieses System des Zusammenwirkens aus und ist der wichtigste chemische Puffer im Blut. Danach folgt das Hämoglobin der roten Blutkörperchen und dann andere Phosphate und Proteine sowie ein Austausch durch Mineralien.
Bei Säureüberlastung werden die Mineralien des Knochen zu einem wichtigen Puffer. Knochen setzen im Austausch für zunächst Natriumhydrogenkarbonat und Kaliumbikarbonat frei. Besteht die Übersäuerung länger, setzen sie dann Kalziumkarbonat und -phosphat frei. Eine anhaltende Übersäuerung kann daher zu Demineralisation und Osteoporose beitragen.[2]
Weitere Säurequellen sind:
Die folgenden Arten der Säurebelastung können nicht abgeatmet werden und werden durch die Nieren ausgeschieden:
Schwefelsäure aus schwefelhaltigen Aminosäuren
Pathologie
Örtlich spielt sich die latente Übersäuerung im Bindegewebe ab. Dort ist das Austauschmilieu zwischen den Zellen, dem Blut, der Lymphe, den Nerven, den Immunzellen und somit dem Gesamtorganismus. Dieses Phänomen geriet im letzten Jahrhundert zunehmend in den Fokus der Erforschung und wird als Grundgewebe oder Matrix bezeichnet. Zum Beispiel erforschte und erarbeitete Prof.Dr. Hartmut Heine (1941–2014) neben Alfred Pischinger und Ernst P. Hauss das System der Grundregulation. Sie entdeckten die Gewebsazidose als eine wesentlich dort wurzelnde Störung, die sie dann lebenslang weiter erforschten mit folgenden Ergebnissen:
Bei erhöhter oder länger anhaltender Säureanflutung im Blut kann diese nicht schnell genug abgepuffert werden und wird zur Aufrechterhaltung des Blut-pH-Werts in die Matrix des Bindegewebes eingeschleust. Dort reagieren die Säuren mit Mineralien sowie Eiweißen und lagern sich ab, bis sie durch die zunehmende Alkalisierung unter Mineralverbrauch des Blutes wieder ausgewaschen, neutralisiert werden. Wenn dies aber sehr oft oder sehr lange geschieht, verschlackt und versauert das Bindegewebe immer mehr.
In der Folge stagniert die Zirkulation. Daraufhin werden die Zellen weniger versorgt und auch der Abtransport von Blutgasen und Stoffwechselprodukten vermindert sich. Als Reaktion treten immunologische, entzündliche Prozesse auf, die eine Reizkarzinogenese, also Bedingungen für Krebsentstehung fördern. Nerven reagieren im sauren Milieu verstärkt mit Schmerzreizen. Die Veränderungen der elastischen und kollagenen Fasern durch Säure, z. B. Aufquellen oder Verfestigung machen Gewebe verletzbarer, dichter und mürber. Bei langer Säurebelastung mit verstärktem Mineralpufferbedarf kommt es zu Demineralisation von Knochen und Osteoporose.[8][9]
Ursachen oder Verstärker einer Übersäuerung
Die Ursachen einer Übersäuerung liegen nicht nur in der Ernährung und können sich gegenseitig beeinflussen oder verstärken.
Endogene Ursachen (von innen kommend)
- gestörte Darmfunktion und/oder Darmflora (Säure durch Gärung oder Fäulnis)
- Störungen der Nieren, z. B. durch altersbedingte Nierenfunktionseinschränkung
- Störung des Atemverhaltens (zu flacher oder gepresster Atem) oder Störungen der Lunge
- Unterfunktion der Belegzellen des Magens mit der Folge, dass sich die regelmäßig zur Entlastung stattfindenden Basenfluten verringern
Exogene Ursachen (von außen kommend)
- Bei einem Übermaß an Zufuhr säurebildender Nahrung (Fleisch, Fisch, Wurst, Softgetränke, Zusatz- und Konservierungsstoffe, Zucker, Kaffee, Schwarztee) werden durch Bildung von Phosphaten und Sulfaten Alkalien entzogen
- Zu wenig Mineralien (Vollkornprodukte, Gemüse, Obst, Nüsse usw.)
- Zu wenig Flüssigkeit, das bedeutet weniger Ausscheidung über die Niere und weniger Schwitzen
- Nikotin, Alkohol
Andere Faktoren
- Stress
- Fasten, Hunger
- Entzündungsprozesse
- Fieber
- Schwere körperliche Belastung
- Bestimmte Medikamente
- Fehlende körperliche Bewegung (weniger Abatmen von Säuren, weniger Schwitzen)
Symptome

Die Symptome sind körperlich gesehen eher unscharf und nicht so spezifisch benennbar, wie z. B. Kopfschmerzen. Eine Schmerzhaftigkeit des Gewebes oder eine Verdichtung mit Elastizitätsverlust kann ein Hinweis sein. Ebenso Veränderungen der Nägel mit Brüchigkeit oder stumpfes und sprödes Haar. Auch Hautunreinheiten, Zungenbeläge, Mundgeruch, Magen-Darm-Reizungen und Stuhlunregelmäßigkeiten sind zu nennen. Eine Verschlimmerung schon bestehender Beschwerden am Bewegungsapparat, den Gelenke, der Wirbelsäule, Rheuma oder Migräne können Zeichen sein. Langfristig gesehen gibt es Zusammenhänge mit degenerativen Erkrankungen wie KHK, Bluthochdruck oder Osteoporose mit Knochenbrüchen.[10]
Diagnostik der Gewebsazidose
Dr. Michael Worlitschek war in Praxis und Theorie ein maßgeblicher Pionier einer rationellen Diagnostik, die den dynamischen Verhältnissen der pH-Regulation entspricht, die er wie folgt beschreibt:
- „Im Stoffwechsel des Menschen besteht ein Säure-Basen-Gleichgewicht. Durch eine Säure-Basen-Flut ähnlich den Gezeiten der Meere kann der Körper dieses Gleichgewicht aufrechterhalten.“[4]
Im Urin
pH-Profil des Urins
3- bis 5-mal am Tag über 3 Tage wird der pH-Wert des Urins gemessen. Nur ein Mehrtagesprofil des Urins ist aussagekräftig zur Beurteilung der Säureausscheidung der Nieren bzw. des „dahinter“ liegenden Bindegewebes. Normal ist ein Morgentief des pH-Wertes (etwa 5) – die Folge der nächtlichen parasympathischen Säureausscheidung –, nach dem Frühstück eine Basenausschüttung mit einem pH-Anstieg auf 6–7 und nach dem Mittagessen eine noch stärkere Reaktion mit einem pH-Wert bis über 7. Spätabends ist der Urin basisch. Pathologisch ist eine Regulationsstarre (pH-Wert gleichbleibend bei 5).[8]
Provokationstest
Morgens werden auf nüchternen Magen 5 Basentabletten oder 2 Teelöffel Basenpulver mit 2 Gläsern Wasser eingenommen. Eine pH-Wert-Messung im Urin findet nach 1–2 Stunden statt. Wenn der pH-Wert von 5 nur unwesentlich verändert ist, kann von einem erheblichen Basenmangel ausgegangen werden.[8]
Urintitration nach Sander
Es wird eine Titration gebundener saurer bzw. basischer Anteile im Urin durchgeführt und der mittlere Aziditätsquotient, einer Messzahl für die Säurebelastung des Körpers, errechnet.[8]
Bestimmung des Intrazellulärpuffers im Blut
Der Intrazellulärpuffer errechnet sich aus der Differenz zwischen dem Vollblutpuffer abzüglich dem Plasmapuffer. Plasma wird die Blutflüssigkeit ohne Blutzellen, d. h. ohne Hämoglobin genannt. Diese Differenz lässt einen Rückschluss auf den Säurezustand des Gewebes zu. Normwert des Intracellularpuffers > 20 mmol/l[11]
Therapie

Am einfachsten und effektivsten ist die Ernährungsumstellung auf verstärkte Anteile von Gemüse, Kräuter und Obst sowie Nüsse und Saaten. Diese sind alle reich an Mineralien wie Kalium, Magnesium und Calcium und wirken so im Stoffwechsel basenbildend. Eine Überdosierung kann nicht stattfinden. Daneben sollten Säurebildner wie Fleisch, Wurst, Fisch, Eier, Käse, Zucker, Fertigprodukte, Softgetränke, Kaffee und Alkohol reduziert werden. Milchsauer vergorene Lebensmittel sowie Backferment- statt Hefebackwaren, die den Darm ansäuern, sind ebenfalls zu empfehlen. Ist das Darmmilieu leicht säuerlich, haben es krankmachende Bakterien und Pilze schwerer, sich im Darm anzusiedeln. Reines Wasser und Kräutertees wirken verdünnend und ausschwemmend.[10]
Bei ausgeprägten Befunden können auch vorübergehend Minerale substituiert werden. Während in der Nahrung die Mineralien Teil eines ganzen, gewachsenen Lebensmittels sind, handelt es sich bei den zahlreichen Basenmitteln oder Mineralpräparaten um isolierte, extrahierte Stoffe, die auch Nebenwirkungen haben können. Beispielsweise kann Calcium, wenn es der Mensch in zu hohen Dosen zu sich nimmt, Herz und Gefäße belasten.[10]
Körperliche Bewegung, ideal an der frischen Luft, fördert die Atmung, die Zirkulation und die Verdauung. Ein freierer Atem kann herangebildet werden. Schwitzen wirkt entsäuernd und deshalb ist körperliche, kräftige Bewegung ein aktiver, Sauna ein passiver Ansatz.
Ursache und Behandlung aus geistiger Sicht

Heinz Grill, spiritueller Lehrer und anthroposophischer Heilpraktiker, sieht das Thema der Übersäuerung in Hinblick auf eine Entwicklungsfrage. Er beschreibt wie das Bewusstsein bei Belastungen, Stress, Einseitigkeiten, Über- und auch Unterforderung oder Extremen nicht mehr frei in Beziehung ist, sondern bedrängt von Angst, Zwang, Müdigkeit usw..Das Bewusstsein fällt aus seinen Außenbezügen heraus. Dadurch entsteht eine Missstimmung, auch zum Körper. Eine Störung des Leib - Seele Verhältnisses, eine Dissoziation zeigt sich. In der Folge oder als Antwort darauf entsteht die Übersäuerung.
- „Wichtig aber erscheint es, den Zusammenhang, der nicht nur ein sogenannter psychosomatischer, sondern ein viel größerer, ein wirklicher Leib-Seele-Zusammenhang ist, zu erkennen. […] Die Übersäuerung ist eine Erscheinung, die sehr viele Gesichter besitzt und dennoch in ihrer Bedeutung immer auf den gleichen Zusammenhang stößt und das ist jener, dass das Bewusstsein aus seinem kosmischen Eingebundensein herausfällt, und somit die Beziehungsverhältnisse zu den Mitmenschen, oder auch zu den verschiedenen Objekten der Welt nicht mehr ausreichend geordnet und natürlich stattfinden können.“[13]
Weiter führt er aus, dass der Mensch lernen kann unabhängig von den Bedrängnissen der Ereignisse das Bewusstsein nach Außen zu lenken.Und dieser Krafteinsatz fördert auch die Verdauungskraft.
- „Damit Getreide verdaut und wirklich harmonisch verwertet werden kann und die Eiweiße, Fette, Kohlenhydrate, Mineralien und Spurenelemente zu einer geeigneten gesunden Aufbauleistung im Organismus beitragen, ist gleichzeitig die Aktivität in einem Ich-geführten Bewusstsein oder in einem bewussten Hinwenden zu größeren philosophischen und geistigen Fragen im Leben notwendig.“[12]
Ein immer wieder eigenständige Herstellen einer guten Balance, also nicht Unter- aber auch nicht Überforderung sieht Heinz Grill als eine entwicklungsförderliche, also therapeutische Option. Eine angemessene Anforderung bei der Nahrung wären zum Beispiel eine eventuelle einseitige Fixierung, wie auch eine ängstliche Vermeidung mal in Ruhe zu lassen und Einzutreten in den interessierte Sinnesprozess der Wahrnehmung, der Beziehungsaufnahme.
- „Auch mit der Ernährung nimmt der Mensch an der Außenwelt teil. Über die Sinne wird ihm dieser Prozess bewusst, wenn er z.B. die Nahrung schmeckt, sie riecht und die Farben und Formen wahrnimmt. Diese bewusste Sinneswahrnehmung ist wie der Kreuzpunkt der Lemniskate, der zwischen der Außen- und Innenwelt liegt. In der lebendigen Auseinandersetzung mit den Nahrungsmitteln bewegt sich der Mensch in einem rhythmischen Wechselspiel zwischen Außen und Innen. Er nimmt nicht nur physische Nahrung in sich hinein, sondern „beseelt“ den Prozess durch sein aktives Sinnesleben wie in einem Kreuz- oder Berührungspunkt. Der Sinnesprozess ist immer wie ein feinster Berührungspunkt.“[14]
Literatur
- Michael Worlitschek: Praxis des Säure-Basen-Haushalts. Karl F. Haug Verlag, 2008, ISBN 978-3-8304-7217-9.
- Hartmut Heine: Lehrbuch der biologischen Medizin. Karl F. Haug Verlag, 2014, ISBN 978-3-8304-75446.
- Alfred Pischinger, Hartmut Heine: Das System der Grundregulation. 13. Auflage. Thieme Verlag, ISBN 978-3-13-244338-9.
- Heinz Grill: Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. 9. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-2-0.
- Hans Konrad Biesalski, Stephan C. Bischoff, Christoph Puchstein (alle Herausgeber): Ernährungsmedizin. 4. Auflage. Georg Thieme Verlag, 2010, ISBN 978-3131002945.
Siehe auch
Weblinks
- Nahrungsmitteltabelle. In: Säure-Basen Forum. Tabelle zu säure- und basenhaltigen Lebensmitteln.
- Übersäuerung aus Sicht der Wissenschaft. In: Zentrum der Gesundheit. Chronologische Liste von Studien.
- Azidose. Artikel in Wikipedia mit ausführlicher Darstellung der schulmedizinischen Sichtweise zur Azidose (auf Blut bezogen).
Einzelnachweise
- ↑ Bedeutung von pH. In: etymonline.com. Abgerufen am 14. September 2025.
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 Säure-Basen-Regulation. In: MSD Manual. Abgerufen am 14. September 2025.
- ↑ Rudolf Hauschka: Ernährungslehre. 10. Auflage. Vittorio Klostermann Verlag, 1999, ISBN 978-3-465-03021-8, S. 209
- ↑ 4,0 4,1 4,2 Michael Worlitschek: Praxis des Säure-Basen-Haushalts. Leseausschnitt (PDF). In: narayana-verlag.de. Abgerufen am 14. September 2025.
- ↑ Der pH-Wert (Wasserstoffionenkonzentration) – Erklärung und Beispiele. In: ib-rauch.de. Abgerufen am 14. September 2025.
- ↑ Otto Wolff: Grundlagen einer geisteswissenschaftlich erweiterten Biochemie. 1. Auflage. Verlag Freies Geistesleben, 1998, ISBN 377251734X, S. 65.
- ↑ Rudolf Steiner: Geisteswissenschaft und Medizin. GA 312. 7. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1999, ISBN 3-7274-3120-2, S. 244–245. (Online)
- ↑ 8,0 8,1 8,2 8,3 8,4 8,5 8,6 Dr. Michael Worlitschek: Die Bedeutung des Säure-Basen-Haushalts in der komplementären Schmerztherapie. In: Die Naturheilkunde. Sonderdruck aus Ausgabe 3/2012. Abgerufen am 15. September 2025.
- ↑ Übersäuerung des Magens: Ursachen & Hilfe. In: gesundheit.de. Abgerufen am 15. September 2025.
- ↑ 10,0 10,1 10,2 Übersäuerung – Mythos oder echtes Problem? In: Netzwerk Frauengesundheit. Abgerufen am 15. September 2025.
- ↑ Dr. Michael Worlitschek: Säure-Basen-Haushalt und Tumorgeschehen – Eine praxisorientierte Betrachtung. In: Forum Medizin. Abgerufen am 15. September 2025.
- ↑ 12,0 12,1 Heinz Grill: Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. Die geistige Bedeutung der Nahrung. 9. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-2-0, S. 174.
- ↑ Grill: Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. S. 172.
- ↑ Grill: Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. S. 175.
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