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In Kärnten ist für die Unterart ''Avena sativa var. orientalis'' der Name Fahnenhafer überliefert.<ref name="Pritzel">[[Georg August Pritzel]], [[Carl Jessen]]: ''Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze.'' Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 53, [http://archive.org/stream/diedeutschenvol00pritgoog#page/n73/mode/2up online.]</ref> Für die Unterart ''Avena sativa var. vulgaris'' sind die Trivialnamen Biven/Biwen (Ostfriesland), Evena/Evina (mittelhochdeutsch), Flöder (Graubünden), Habaro/Haberr/Habir (althochdeutsch), Habbern/Haberen/Hafern/Haffern (mittelhochdeutsch), Haber (mittelhochdeutsch; Schweiz, Österreich, Süddeutschland<ref>[https://www.duden.de/rechtschreibung/Haber Duden].</ref>), Haffer (Frankfurt), Haowr´r (Altmark), Havern (mittelniederdeutsch), Hawer/Hawerkorn (Mecklenburg, Waldeck, Unterweser), Heberin/Hebrein Brod (mittelhochdeutsch), Huever [Siebenbürgen), Hyllmann (Schwaben), Koorn (Münsterland) und Rispenhafer.<ref name="Pritzel" /><ref>Vgl. auch [[Otto Beßler]]: ''Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart.'' Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 160 („Avena – habbern […] Egilops […] – haver“: Avena sativa L.)</ref> | In Kärnten ist für die Unterart ''Avena sativa var. orientalis'' der Name Fahnenhafer überliefert.<ref name="Pritzel">[[Georg August Pritzel]], [[Carl Jessen]]: ''Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze.'' Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 53, [http://archive.org/stream/diedeutschenvol00pritgoog#page/n73/mode/2up online.]</ref> Für die Unterart ''Avena sativa var. vulgaris'' sind die Trivialnamen Biven/Biwen (Ostfriesland), Evena/Evina (mittelhochdeutsch), Flöder (Graubünden), Habaro/Haberr/Habir (althochdeutsch), Habbern/Haberen/Hafern/Haffern (mittelhochdeutsch), Haber (mittelhochdeutsch; Schweiz, Österreich, Süddeutschland<ref>[https://www.duden.de/rechtschreibung/Haber Duden].</ref>), Haffer (Frankfurt), Haowr´r (Altmark), Havern (mittelniederdeutsch), Hawer/Hawerkorn (Mecklenburg, Waldeck, Unterweser), Heberin/Hebrein Brod (mittelhochdeutsch), Huever [Siebenbürgen), Hyllmann (Schwaben), Koorn (Münsterland) und Rispenhafer.<ref name="Pritzel" /><ref>Vgl. auch [[Otto Beßler]]: ''Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart.'' Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 160 („Avena – habbern […] Egilops […] – haver“: Avena sativa L.)</ref> | ||
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Version vom 9. Dezember 2025, 21:39 Uhr
Echter Hafer oder Saat-Hafer (Avena sativa) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Hafer (Avena) innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae). Er zählt zu den sieben echten Getreiden. Es werden Spelzhafer (Avena sattiva) und Nackthafer (Avena nudisattiva)[1] unterschieden.
Hafer wird ernährungsphysiologisch als eine der gesündesten Getreidearten bezeichnet und wurde 2017 wegen seiner heilsamen Eigenschaften zur Arzneipflanze des Jahres gewählt.[2]
Die in vergangenen Zeiten teils sehr hohen Anbau- und Erntemengen von Hafer spiegeln jedoch nicht den realen Verbrauch für die menschliche Ernährung wider, denn Hafer wurde größtenteils als kräftiges Futter für Rinder, Geflügel und vor allem für Pferde (als Arbeits- und Zugtiere) verwendet.
Geschichte
Es wird angenommen, dass Hafer zunächst mehr als Begleitgras auf Weizen- und Gerstenfeldern wuchs, da immer nur kleine Mengen von Haferkörnern in Funden aus dem Altertum enthalten waren. Die ersten Nachweise für die Nutzung von Hafer finden sich vor etwa 7000 Jahren (5000 v. Chr.) und zwar in Polen sowie in den heutigen Ländern Rumänien, Moldawien und Ungarn.
Die ersten Belege für eine Nutzung in Mitteleuropa finden sich um 2200 v. Chr.. Der früheste Nachweis für Haferanbau stammt aus den Pfahlbausiedlungen der Bronzezeit (ca. 2200 - 800 v. Chr. ) in der Schweiz.[3][4] Im Historischen Lexikon der Schweiz schreibt Stefanie Jacomet:
- "Hafer beginnt in Europa – auch in der Schweiz – ab der Bronzezeit regelmässig aufzutreten. Zumeist handelt es sich dabei um Wildhafer. Eindeutige Funde von Kulturhafer gibt es erst seit der Eisenzeit [Anm.: etwa um 800 v. Chr.]. In der Römerzeit [Anm.: 200 v. Chr. - 480 n. Chr.[5]] sind dann auch aus der Schweiz Vorratsfunde bekannt. Insbesondere für das hohe und späte Mittelalter [Anm.: 1050 – 1500 n. Chr.] ist Hafer zum Teil in grossen Mengen nachweisbar. Er war das im schweizerischen Mittelland und in der Nordwestschweiz vorherrschende Sommergetreide im Rotationssystem der Dreizelgenwirtschaft."[6]
Auch die Germanen [Anm.: ca. 100 v. Chr. - 500 n. Chr.[7]] schätzten den Hafer. Dies spiegelt sich auch in dem Ausdruck "Haferfresser", den die Römer für die Germanen verächtlich gebrauchten.
Bis ins Mittelalter [Anm.: 600 n. Chr.] war der Haferanbau auf das Gebiet nördlich des Mains beschränkt. Ab dem Hochmittelalter [Anm.: 1050 n. Chr.] ist Hafer in Mittelgebirgslagen eine bedeutende Feldfrucht, die erst durch die Einführung der Kartoffel [Anm.: 18. Jhr.] ihre Stellung verlor. Die Bedeutung des Hafers wird auch darin deutlich, dass er in deutschen Familiennamen vorkommt, z. B. Haferkamp (= Hafer-Feld). Ab dem Mittelalter findet man die Nutzung von Hafer auch im Süden Europas.[8]
Bis in die Neuzeit [Anm.: ab 1500 n. Chr.] wurde Hafer in klimatisch wenig günstigen Gegenden Deutschlands häufig angebaut, da er bei ungünstigen Witterungsbedingungen (Staunässe, Trockenheit, mangelnde Bodenqualität) und schlechter Nährstoffversorgung stabilere Erträge liefert als zum Beispiel Sommergerste. Noch 1939 rangierte Hafer in der weltweiten Bedeutung nach Weizen und Mais an dritter Stelle der Getreidearten. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Anbau zurückgegangen, zum Teil wegen der Motorisierung, die Zugpferde (als Haferkonsumenten) mehr und mehr überflüssig machte und damit die Nachfrage senkte.
- "Hafer war der Treibstoff vor der Motorisierung. Als Futter für Transport- und Militärpferde war er unerlässlich."[9]
In Deutschland war Hafer noch bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts nach Roggen die wichtigste Getreideart. Heute ist der Haferanbau sowohl in Deutschland[10] als auch weltweit[11] gegenüber den anderen Getreidearten von untergeordneter Bedeutung und die Erntemengen sind tendenziell fallend.
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Saat-Hafer ist eine einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 0,6 bis 1,5 Meter erreicht. Die Halme sind aufrecht oder gekniet-aufsteigend, glatt und kahl und haben 4 bis 8 Knoten. Die Ligula ist eine 3 bis 5 Millimeter langer häutiger Saum. Die Blattspreiten sind 5 bis 15 (bis 20) Millimeter breit und werden bis 45 Zentimeter lang.[12]
Generative Merkmale
Dieses Rispengras hat einen 15 bis 30 Zentimeter langen, allseitswendigen rispigen Blütenstand, der zum Teil wiederum verzweigte Rispen trägt, die sich sanft nach unten neigen. Am oberen Ende tragen die Rispen Ährchen mit zwei bis drei Blüten, von denen meist nur zwei fruchtbar sind. Die Ährchenachse zerfällt bei der Reife nicht. Die Ährchen sind anfangs aufrecht, später überhängend. Die Hüllspelzen sind bei einer Länge von 20 bis 30 Millimetern untereinander fast gleich, sieben- bis neunnervig, lanzettlich, dünnhäutig mit breiten, weißlich durchsichtigen Rändern. Die Deckspelzen sind siebennervig, 12 bis 24 Millimeter lang, am oberen Ende eingekerbt mit zwei kurzen, spitzen Seitenlappen und auf dem Rücken in der Mitte begrannt oder unbegrannt. Die Vorspelzen sind 10 bis 20 Millimeter lang und auf den Kielen kurz und dicht bewimpert. Die Staubblätter sind 2,5 bis 4 Millimeter lang.[13] Die spindelförmigen Körner sind bei der Reife mit der kurzbegrannten Deckspelze und der Vorspelze fest verwachsen. Die Spelzen umgeben das eigentliche Korn.
Einer 2023 veröffentlichten Studie zufolge ergab sich nach DNA-Sequenzierung folgendes Ergebnis: Die Entwicklungslinien von Nackt-Hafer und Saat-Hafer (Avena sativa) haben sich vor ca. 51.000 Jahren getrennt. Beide Arten wurden offenbar unabhängig voneinander domestiziert.[14]
Eigenschaften und gesundheitliche Bedeutung
Saat-Hafer wird als die hochwertigste Getreideart, die in Mitteleuropa angebaut wird, bezeichnet.[15] Aufgrund der vielfältigen Anwendungen und Wirkungen wurde der Saat-Hafer von einer Arbeitsgruppe der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2017 gewählt.[16]
Hervorzuheben sind folgende Inhaltsstoffe mit ihren entsprechenden Wirkungen auf den menschlichen Organismus:
Besondere Qualität der Kohlenhydrate
Zu den Kohlenhydraten in einer Pflanze zählen Stärke, süße Stoffe, die Ballaststoffe und sogar verholzte Teile. Obwohl die Ballaststoffe im Dünndarm weder aufgenommen noch verdaut werden können, sind sie dennoch bedeutungsvoll für die Gesundheit.
100 g Hafer enthalten etwa 10 g Ballaststoffe (zum Vergleich: Weizen und Roggen enthalten ca. 13,2 g). Jedoch sind beim Hafer etwa die Hälfte (ca. 4,5 g) sogenannte Beta-Glucane, welche eine besondere gesundheitlich Wirkung entfalten (Gerste enthält sogar ca. 4,8 g Beta-Glucane, Roggen 2,3 g und Weizen nur 0,8 g).[17] Diese Ballaststoffe kommen im Haferkorn überwiegend in der äußeren Schicht des Mehlkörpers, der Subaleuronschicht, vor.
Entzündungshemmend für Darm, prebiotisch – besseres Gleichgewicht die Darmflora
Wie alle Ballaststoffe können auch die Beta-Glucane nicht direkt von uns im Darm verdaut werden, jedoch sind sie im Gegensatz zu den übrigen Ballaststoffen wasserlöslich und können so von den Bakterien im Dickdarm (Mikrobiota/Darmflora) verdaut, d. h. von diesen zu kurzkettigen Fettsäuren wie Butyrat, Acetat und Propionat fermentiert werden. Diese Stoffe bewirken eine Senkung des pH-Wertes, das Darmmilieu wird also sauerer und so verhindern sie insbesondere die Fehlbesiedlung des Dickdarms durch krankmachende Keime (da diese in der leicht sauren Umgebung absterben).[18] Zudem gedeihen die diese Stoffe bildenden Darmbakterien am besten in dem von ihnen selbst geschaffenen leicht sauren Milieu. Auch andere milchsäure bildende Darmbakterien benötigen das saure Milieu sowie die Beta-Glucane als "Futter".
Kurzkettige Fettsäuren sind darüber hinaus wichtige Regulatoren für einen gesunden Stoffwechsel. Butyrat dient als wichtigster Nährstoff für die Darmschleimhautzellen und wirkt entzündungshemmend.[19][20]
Regulierung des Blutzuckerspiegels – Bedeutung bei Diabetes
Beta-Glucane aus Getreide machen bei einer ausreichend hohen Konzentration in der Nahrung den Speisebrei im Magen-Darm-Trakt zähflüssiger.[21] Sie verzögern so den Abbau der Nährstoffe, insbesondere den Aufschluss von Kohlenhydraten zu Zucker und die Resorption ins Blut. Der Verzehr von Hafer- und Gerstenprodukten mit einem hohen Beta-Glucan-Gehalt führt so zu einem geringeren und zeitverzögerten Anstieg des Blutzuckerspiegels nach den Mahlzeiten und in der Folge zu einer verringerten Insulinausschüttung. Das gilt für Diabetiker und Nicht-Diabetiker gleichermaßen.[22] Ein solcher Effekt auf Blutzucker und Insulinspiegel ist für Beta-Glucane aus Hafer und aus Gerste nachgewiesen; ob dies auch für Fertigprodukte mit unter Hochdruck gegartem Hafer gilt, ist nicht nachgewiesen.[23]
Laut dem anthroposophischen Arzt Dr. Udo Renzenbrink gibt es im Hafer noch eine weitere Art von Kohlenhydraten, die für den Diabetiker von Bedeutung ist, da sie sich vom "Fruchtzucker ableiten" und daher ohne Beteiligung von Insulin verwertet werden können.[24]
- "Hafer-Tage" (nach Carl von Noorden) in der Diabetestherapie: Mediziner, Diabetologen und Diabetesberater wenden zum Teil die sogenannten Hafertage an. Dabei handelt es sich um eine spezielle haferbetonte Kost, die über zwei bis maximal drei Tage eingenommen wird. Sie stellt eine besondere und sehr intensive Form der diätetischen Intervention in der Behandlung der Insulinresistenz bei Diabetes mellitus Typ 2 dar. Ziel ist es, mit einer einfachen Methode Blutzuckerwerte zu verbessern, die Insulinresistenz zu verringern und somit die Insulinsensitivität zu erhöhen. Dadurch wird weniger Insulin für die Verarbeitung der Glucose benötigt. Wissenschaftliche Studien und Erfahrungen aus der Praxis bestätigen die Reduzierung der Insulinzufuhr nach dieser Anwendung.[25][26]
Absenkung des Cholesterinspiegels im Blut
Zudem verringern Beta-Glucane aus Hafer[27] und Gerste[28] den Cholesteringehalt im Blut. Sie binden nämlich Gallensäure und Cholesterin im Darm.
- “Die gebundenen Substanzen werden zusammen mit den unverdaulichen Ballaststoffen ausgeschieden, wodurch die Rückresorption der Gallensäuren aus dem unteren Darmabschnitt (Ileum) reduziert wird. Dadurch wird die Leber angeregt, aus dem im Blut befindlichen Cholesterin neue Gallensäuren zu synthetisieren. In der Folge verbleibt insgesamt weniger Cholesterin im Blut und der Gesamt- sowie der LDL-Cholesterinspiegel sinken. HDL-Cholesterinwerte und Triglyceride bleiben indes unverändert.“[29]
Die EU-Verordnung zu nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben sieht vor, dass verzehrsfertige Lebensmittel, die mindestens ein Gramm Hafer-Beta-Glucan pro Verzehrportion enthalten, mit dem cholesterinsenkenden Effekt ausgelobt werden dürfen. Dazu müssen sie den Hinweis tragen, dass insgesamt drei Gramm Hafer-Beta-Glucan pro Tag erforderlich sind. Mit vier Esslöffeln Haferkleie (40 Gramm) sind 3,2 Gramm Beta-Glucan erreicht.[30]
Günstige Wirkung bei Entzündungen in Magen und Darm
Die Beta-Glucane sind, wie oben beschrieben, verantwortlich für die Schleimbildung (zähflüssige Konsistenz) bei gekochtem Hafer und Gerste. Dieser Schleim kleidet die gereizte bzw. entzündete Magen- oder Darmschleimhaut gelartig aus und wirkt beruhigend und schützend, weil die Magensäure oder andere reizende Substanzen die Schleimhaut nicht mehr so leicht erreichen.[31] Die stark quellfähigen Beta-Glucane können zudem überschüssige Magensäure binden wodurch die Reizungen im Magen zusätzlich reduziert werden.[32]
Gute Sättigung
Da die Beta-Glucane große Wassermengen binden können, erhöhen sie das Volumen der aufgenommenen Nahrung. Die Magenentleerung verzögert sich und es tritt schneller eine Sättigung ein.
Hochwertiges Eiweiß
Das Hafereiweiß wird als sehr ausgewogen bezeichnet. Wie andere Getreide enthält er alle acht essenziellen Aminosäuren, aber beim Hafer sind sie besonders vollständig. Der Verzehr von 100 g Hafer deckt den Tagesbedarf von sechs essentiellen Aminosäuren. (100 g Weizen oder Mais decken nur den Tagesbedarf von einer essentiellen Aminosäure.) Nur Lysin und Methionin, bleiben beim Hafer etwas unter dem Tagesbedarf, wobei er im Vergleich zu den anderen echten Getreiden dennoch den höchsten Lysingehalt aufweist.
Die Angaben in der Tabelle beziehen sich auf 100 g essbaren Mehlanteil.[33]
Zusätzlich sind diese Prolamine in den Getreidearten strukturell unterschiedlich, d. h. sie haben etwas verschiedene Proteinsequenzen. Beim Hafer heißt dieses Prolamin Avenin (beim Weizen Gliadin, beim Roggen Secalin und bei Gerste Hordein). Avenin im Hafer löst weniger immunologische Reaktionen als das Gliadin im Weizen aus. Zöliakie und AllergienFür viele Allergiker und Betroffene von Zöliakie sowie chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Reizdarmsyndrom, Kurzdarmsyndrom) ist nur Gliadin, nicht aber zugleich auch jedes andere Gluten unverträglich. Die in dieser Weise Betroffenen müssen deshalb zwar die klassischen Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Triticale, und ihre botanischen Vorläufer) meiden, können aber Hafer und Haferprodukte je nach Empfindlichkeit gegebenenfalls vertragen. Es muss hier aber sichergestellt sein, dass der Hafer beim lebensmitteltechnologischen Behandlungsprozess nicht mit Weizen usw. kontaminiert wurde. Wie sehr eine gluten-freie Diät eine einseitige Ernährung mit Mangelerscheinungen begünstigt, darauf weist die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft hin. In der von ihr genannten Studie wird Hafer als bedeutende Alternative zur Verbesserung für die tägliche Ernährung vorgeschlagen.
Hafer als KIndernahrung
ÖkologieDer Saat-Hafer ist überwiegend einjährig und meist eine Sommerfrucht (wird also im Frühjahr gesät – Winterhafer wird selten angebaut). Wie bei allen Getreide-Arten richten sich aufgrund von Sturm usw. niederliegende Halme durch ihr unterseits stärkeres Wachstum wieder auf. Der Wachstumsvorgang wird negativ gravitrop eingeleitet, also durch die Erdanziehung ausgelöst. Blütenbiologisch handelt es sich um den „Langstaubfädigen Typ“ mit Windbestäubung. Die homogamen, selbstfertilen Blüten öffnen sich erst nachmittags, bei Trockenheit in Anpassung an das Steppenklima sogar erst ab 18 Uhr. Bei nasser Witterung bleiben die Blüten geschlossen, also kleistogam und es erfolgt Selbstbestäubung. Beim Saat-Hafer zerfallen die meist zwei- bis dreiblütigen Ährchen zur Reife nicht. Bei den oberen Blüten oder evtl. auch bei allen Blüten fehlen die Grannen. Wegen der Luft zwischen den Spelzen sind diese spindelförmigen Gebilde von geringerer Dichte. Es gibt für sie viele Ausbreitungsmöglichkeiten: Die Früchte können durch den Wind (beispielsweise als Bodenroller) ausgebreitet werden, oder als Regenschwemmlinge, oder mittels der hygroskopischen Grannen als Klettfrüchte. Die Haare der Grannen bewirken, dass die Körner sogar hüpfende Bewegungen ausführen können, was eine Selbstausbreitung als Bodenkriecher ermöglicht. Die Früchte können sich im Tierfell oder im Boden einbohren; solche Bohrfrüchte sind gleichzeitig ausbreitungshemmende Gebilde, wie sie für Trockengebiete typisch sind. Daneben ist eine Ausbreitung als Wasserhafter (durch Anhaften an feuchten Oberflächen) möglich. Fruchtreife ist von August bis Oktober.[36] AnbauHafer wird weltweit angebaut.[37] Hafer gedeiht am besten bei gemäßigtem Klima mit hohen Niederschlägen. Er wird in den Mittelgebirgen, im Alpenvorland und in den Küstenregionen angebaut. In den Alpen wird er bis zu einer Höhenlage von 1700 Metern angebaut.[38] Seine Ansprüche an den Boden sind gering. Hafer wird als Sommergetreide angebaut und ab Mitte August geerntet. Unter den Getreidearten gilt Hafer als "Gesundungsfrucht".
Weiterhin hat Hafer ein starkes Vermögen auf natürliche Weise Unkraut zu unterdrücken, da seine relativ breiten Blätter den Boden gut beschatten, er sich intensiv bestockt (aus einem Korn wachsen viele Haferpflanzen) und schließlich über seine Wurzeln Substanzen in den Boden abgibt, die hemmend auf das Wachstum von Unkräutern wirken. Indem Hafer sich kräftig verwurzelt, sowohl in die Tiefe (bis zu 195 cm), als auch seitwärts ("Eine Besonderheit der Haferwurzel sind die vielen waagerecht streichenden Seitenwurzeln. [...] So wird eine außergewöhnlich intensive Durchwurzelung des Bodens erreicht. ") bildet er gegenüber Unkräutern zusätzlich eine starke Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe. [40] Nutzung und VerarbeitungIn Deutschland wächst die Nachfrage nach Hafer. Im Vergleich zum Vorjahr hat die Anbaufläche im Jahr 2025 und 18 % zugenommen.[41] Überwiegend wird Spelzhafer verwendet. Da die Körner des Spelzhafer sich beim Dreschen nicht von den Spelzen trennen lassen, bedarf es einer aufwändigen Verarbeitung. Wegen seiner größeren Erträge im Vergleich zum Nackthafer (die Körner liegen lose in der Spelze), wird vorwiegend Spelzhafer angebaut. Nach dem Reinigen und Sieben werden die Haferkörner bei etwa 80° – 90° gedarrt. Dieser Trockenvorgang bewirkt, dass sich die Spelzen nun leichter vom Korn lösen lassen. Der Schälvorgang findet in einem "Prallschäler" statt, in dem die Haferkörner durch Rotation auf einen sogenannten Prallring geschleudert werden und die Spelzen sich dabei lösen. Der Trockenvorgang bewirkt ausserdem die Deaktivierung der Fett spaltenden Enzym, was bei dem hohen Fettgehalt (etwa 7 %) des Hafers notwendig ist, damit die Haferprodukte nicht ranzig werden und eine längere Haltbarkeit gewährleistet ist. Während des Darrvorganges wird zudem die Haferstärke teilweise aufgeschlossen wodurch die Haferprodukte leichter verdaubar und bekömmlicher werden und sich das typische nussartige Aroma bildet. Nahrungsmittel aus HaferDer überwiegende Teil des entspelzten Hafers wird nun zu Haferflocken verarbeitet. Um die Körner weicher und elastischer zu machen werden sie heiß bedampft und dann zu Flocken gewalzt.[42][43] Bei Haferflocken gibt es in drei Varianten: Die kernigen oder Großblattflocken werden aus den ganzen Körnern gewalzt. Für feinere oder Kleinblattflocken werden die Haferkerne vor dem Walzen in kleine Stücke – die sogenannte Grütze – geschnitten. Die Instant- oder Schmelzflocken werden aus Hafermehl in einem besonderen Verfahren hergestellt und zu Flocken gepresst.[44] Des weiteren gibt es die sogenannten Cerealien (Gesamtheit der Müslis, Flakes und andere knusprigen Getreideerzeugnisse) aus Hafer, die in unterschiedlichen Herstellungsverfahren entstehen: Für extrudierte Hafer-Cerealien (Knusperprodukte) wird ein wasserhaltiger Teig aus Hafervollkornmehl und weiteren Zutaten unter Druck in eine Verdichtungsschnecke (vergleichbar mit einem Fleischwolf) gepresst. Beim Pressen kann der Teig durch Einsatz von Matrizen unterschiedlich geformt werden. Beim Austritt verdampft das Wasser, das Produkt verfestigt sich. Anschließend wird es geröstet. Je nach Sorte werden sie dann mit Kakao, Zucker, Honig oder Nüssen, usw. überzogen. Manche Produkte enthalten auch Cremefüllungen in bestimmten Geschmacksrichtungen. Für gepuffte Cerealienprodukte werden ganze Haferkörner Dampf und Druck ausgesetzt. Durch plötzlichen Druckabfall verdampft das enthaltene Wasser und die Stärke wandelt sich um. Die Körner blähen sich auf und erstarren.[45] Für „Hafermilch“ wird Hafer mit Wasser vermahlen, homogenisiert und in der Regel durch Fermentation unter Zusatz von Enzymen die Stärke im Hafer in Malzzucker umgewandelt. Deshalb schmeckt Hafermilch leicht süß. Da pflanzliche Milch in der EU nicht mit der Bezeichnung Milch in Verkehr gebracht werden darf,[46] sind Umschreibungen wie Hafergetränk oder Haferdrink gängig. Bei Nackthafer liegen die Körner lose in den Spelzen und können so beim Dreschen leicht von den Spelzen getrennt werden. Seine Erträge sind jedoch viel geringer als beim Spelzhafer.
Die Verwendung des Haferkrautes und des Haferstrohs in der NaturheilkundeIn der mittelalterlichen Medizin wurden[48] und in Naturheilkunde werden das grüne Haferkraut (Herba avenae) und das Haferstroh (Stramentum avenae, auch „Haberstroh“) verwendet. Stramentum avenae wird vor allem für Haferstrohbäder verwendet. Diese sollen bei Hautverletzungen helfen und Juckreiz stillen.[49] Das grüne Haferkraut wird als Tee verwendet. Zu den volkstümlichen Anwendungsgebieten zählen nervöse Einschlafstörungen, Harngrieß und rheumatische Erkrankungen. Manche Medikamente gegen nervöse Unruhe enthalten Haferextrakte.[49] Für die in Avena sativa enthaltenen Avenanthramide konnten im Versuch reizmildernde, entzündungshemmende und juckreizstillende Effekte beschrieben werden.[50]
Hafer in der KosmetikEinige Kosmetikartikel enthalten Hafer zur Beruhigung trockener und gereizter Haut, auch Haarpflegeprodukte zur Stärkung der Haarstruktur sind auf dem Markt. Hafer als ViehfutterDer größte Teil des Hafers wird als Viehfutter verwendet. Neben Mais stellt er das wichtigste Körnerfutter für Geflügel und Pferde dar. Auch das Haferstroh dient für Pferde und Esel als nahrhaftes Futter. Durchschnittliche ZusammensetzungDie Zusammensetzung von Hafer schwankt naturgemäß, sowohl in Abhängigkeit von der Hafersorte und den Umweltbedingungen (Boden, Klima) als auch von der Anbautechnik (Düngung, Pflanzenschutz). Angaben je 100 g essbarem Anteil, entspelzt, ganzes Korn (1 mg = 1000 µg):[51]
TrivialnamenAls weitere deutschsprachige Trivialnamen für den Hafer als Pflanze bzw. für deren Same werden bzw. wurden, zum Teil nur regional, auch die nachfolgenden Bezeichnungen verwandt: In Kärnten ist für die Unterart Avena sativa var. orientalis der Name Fahnenhafer überliefert.[52] Für die Unterart Avena sativa var. vulgaris sind die Trivialnamen Biven/Biwen (Ostfriesland), Evena/Evina (mittelhochdeutsch), Flöder (Graubünden), Habaro/Haberr/Habir (althochdeutsch), Habbern/Haberen/Hafern/Haffern (mittelhochdeutsch), Haber (mittelhochdeutsch; Schweiz, Österreich, Süddeutschland[53]), Haffer (Frankfurt), Haowr´r (Altmark), Havern (mittelniederdeutsch), Hawer/Hawerkorn (Mecklenburg, Waldeck, Unterweser), Heberin/Hebrein Brod (mittelhochdeutsch), Huever [Siebenbürgen), Hyllmann (Schwaben), Koorn (Münsterland) und Rispenhafer.[52][54] Historische Abbildungen
LiteraturWeblinks
Einzelnachweise
Referenzfehler: Das in Dieser Artikel basiert teilweise auf den Artikeln Saat-Hafer sowie Hafer aus der deutschen freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International. Es ist in Wikipedia jeweils eine Liste von Autoren für die Artikel Saat-Hafer und Hafer einsehbar.
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