Hafer: Unterschied zwischen den Versionen
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Es wird angenommen, dass Hafer zunächst mehr als Begleitgras auf Weizen- und Gerstenfeldern wuchs, da immer nur kleine Mengen von Haferkörnern in Funden aus dem Altertum enthalten waren. Die ersten Nachweise für die Nutzung von Hafer finden sich vor etwa 7000 Jahren (5000 v. Chr.) und zwar in Polen sowie in den heutigen Ländern Rumänien, Moldawien und Ungarn. | Es wird angenommen, dass Hafer zunächst mehr als Begleitgras auf Weizen- und Gerstenfeldern wuchs, da immer nur kleine Mengen von Haferkörnern in Funden aus dem Altertum enthalten waren. Die ersten Nachweise für die Nutzung von Hafer finden sich vor etwa 7000 Jahren (5000 v. Chr.) und zwar in Polen sowie in den heutigen Ländern Rumänien, Moldawien und Ungarn. | ||
Die ersten Belege für eine Nutzung in Mitteleuropa finden sich um 2200 v. Chr | Die ersten Belege für eine Nutzung in Mitteleuropa finden sich um 2200 v. Chr. Der früheste Nachweis für Haferanbau stammt aus den Pfahlbausiedlungen der Bronzezeit (ca. 2200 - 800 v. Chr. ) in der Schweiz.<ref>[https://agrar-woerlitz.de/lernen-detail/hafer.html ''Zum Thema Hafer''] In: ''Agrargenossenschaft Wörlitz e.G..'' Abgerufen am 30. November 2025.</ref><ref>[https://www.researchgate.net/publication/320622360_Kulturpflanzen_in_der_Schweiz_-_Hafer ''Kulturpflanzen in der Schweiz – Hafer''] In: ''Research Gate.'' Abgerufen am 30. November 2025.</ref> Im Historischen Lexikon der Schweiz schreibt Stefanie Jacomet: | ||
:"Hafer beginnt in Europa – auch in der Schweiz – ab der Bronzezeit regelmässig aufzutreten. Zumeist handelt es sich dabei um Wildhafer. Eindeutige Funde von Kulturhafer gibt es erst seit der Eisenzeit [Anm.: etwa um 800 v. Chr.]. In der Römerzeit [Anm.: 200 v. Chr. - 480 n. Chr.<ref>[https://www.roemer.nrw/das-roemische-reich ''Das Römische Reich''] In: ''Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.'' Abgerufen am 30. November 2025.</ref>] sind dann auch aus der Schweiz Vorratsfunde bekannt. Insbesondere für das hohe und späte Mittelalter [Anm.: 1050 – 1500 n. Chr.] ist Hafer zum Teil in grossen Mengen nachweisbar. Er war das im schweizerischen Mittelland und in der Nordwestschweiz vorherrschende Sommergetreide im Rotationssystem der Dreizelgenwirtschaft."<ref>[https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/027663/2007-11-20/ ''Historisches Lexikon Schweiz - Hafer''] In: ''Historisches Lexikon der Schweiz HLS – Hafer.'' Abgerufen am 30. November 2025.</ref> | :"Hafer beginnt in Europa – auch in der Schweiz – ab der Bronzezeit regelmässig aufzutreten. Zumeist handelt es sich dabei um Wildhafer. Eindeutige Funde von Kulturhafer gibt es erst seit der Eisenzeit [Anm.: etwa um 800 v. Chr.]. In der Römerzeit [Anm.: 200 v. Chr. - 480 n. Chr.<ref>[https://www.roemer.nrw/das-roemische-reich ''Das Römische Reich''] In: ''Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen.'' Abgerufen am 30. November 2025.</ref>] sind dann auch aus der Schweiz Vorratsfunde bekannt. Insbesondere für das hohe und späte Mittelalter [Anm.: 1050 – 1500 n. Chr.] ist Hafer zum Teil in grossen Mengen nachweisbar. Er war das im schweizerischen Mittelland und in der Nordwestschweiz vorherrschende Sommergetreide im Rotationssystem der Dreizelgenwirtschaft."<ref>[https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/027663/2007-11-20/ ''Historisches Lexikon Schweiz - Hafer''] In: ''Historisches Lexikon der Schweiz HLS – Hafer.'' Abgerufen am 30. November 2025.</ref> | ||
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Bis in die Neuzeit [Anm.: ab 1500 n. Chr.] wurde Hafer in klimatisch wenig günstigen Gegenden Deutschlands häufig angebaut, da er bei ungünstigen Witterungsbedingungen (Staunässe, Trockenheit, mangelnde Bodenqualität) und schlechter Nährstoffversorgung stabilere Erträge liefert als zum Beispiel Sommergerste. | Bis in die Neuzeit [Anm.: ab 1500 n. Chr.] wurde Hafer in klimatisch wenig günstigen Gegenden Deutschlands häufig angebaut, da er bei ungünstigen Witterungsbedingungen (Staunässe, Trockenheit, mangelnde Bodenqualität) und schlechter Nährstoffversorgung stabilere Erträge liefert als zum Beispiel Sommergerste. | ||
Noch 1939 rangierte Hafer in der weltweiten Bedeutung nach Weizen und Mais an dritter Stelle der Getreidearten. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Anbau zurückgegangen, zum Teil wegen der Motorisierung, die Zugpferde (als Haferkonsumenten) mehr und mehr überflüssig machte und damit die Nachfrage senkte. | Noch 1939 rangierte Hafer in der weltweiten Bedeutung nach Weizen und Mais an dritter Stelle der Getreidearten. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Anbau zurückgegangen, zum Teil wegen der Motorisierung, die Zugpferde (als Haferkonsumenten) mehr und mehr überflüssig machte und damit die Nachfrage senkte. | ||
:"Hafer war der Treibstoff vor der Motorisierung. Als Futter für Transport- und Militärpferde war er unerlässlich."<ref>[https://agrar-woerlitz.de/lernen-detail/hafer.html ''Zum Thema Hafer''] In: ''Agrargenossenschaft Wörlitz e.G..'' Abgerufen am 30. November 2025.</ref> | :"Hafer war der Treibstoff vor der Motorisierung. Als Futter für Transport- und Militärpferde war er unerlässlich."<ref>[https://agrar-woerlitz.de/lernen-detail/hafer.html ''Zum Thema Hafer''] In: ''Agrargenossenschaft Wörlitz e.G..'' Abgerufen am 30. November 2025.</ref> | ||
In Deutschland war Hafer noch bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts nach Roggen die wichtigste Getreideart. Heute ist der Haferanbau sowohl in Deutschland<ref>[https://www.hafer-die-alleskoerner.de/landwirtschaft/haferanbau-wissen/daten-zum-haferanbau ''Haferanbau und Haferernte''] In: ''Hafer Die Alleskörner - Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft VGMS e.V., Berlin.'' Abgerufen am 30. November 2025.</ref> als auch weltweit<ref>[https://www.proplanta.de/statistik/hafer-ertrag-weltweit-uebersicht_chart1643714546.html ''Ertrag von Hafer: Weltweite Entwicklung von 1961-2021''] In: ''Proplanta - Informationszentrum für die Landwirschaft.'' Abgerufen am 30. November 2025.</ref> gegenüber den anderen Getreidearten von untergeordneter Bedeutung und die Erntemengen sind tendenziell fallend. | In Deutschland war Hafer noch bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts nach Roggen die wichtigste Getreideart. Heute ist der Haferanbau sowohl in Deutschland<ref>[https://www.hafer-die-alleskoerner.de/landwirtschaft/haferanbau-wissen/daten-zum-haferanbau ''Haferanbau und Haferernte''] In: ''Hafer Die Alleskörner - Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft VGMS e.V., Berlin.'' Abgerufen am 30. November 2025.</ref> als auch weltweit<ref>[https://www.proplanta.de/statistik/hafer-ertrag-weltweit-uebersicht_chart1643714546.html ''Ertrag von Hafer: Weltweite Entwicklung von 1961-2021''] In: ''Proplanta - Informationszentrum für die Landwirschaft.'' Abgerufen am 30. November 2025.</ref> gegenüber den anderen Getreidearten von untergeordneter Bedeutung und die Erntemengen sind tendenziell fallend. | ||
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[[Datei:Haver_Avena_sativa_ligula2.jpg|200px|mini|right|Ligula - Blatthäutchen am Übergang von Blattspreite zur Blattscheide]] | [[Datei:Haver_Avena_sativa_ligula2.jpg|200px|mini|right|Ligula - Blatthäutchen am Übergang von Blattspreite zur Blattscheide]] | ||
[[Datei:Oats-3783831 1920 Foto di Annette Meyer da Pixabay.jpg|300px|mini|right|Rispe des Hafer mit unbegrannten Ährchen]] | [[Datei:Oats-3783831 1920 Foto di Annette Meyer da Pixabay.jpg|300px|mini|right|Rispe des Hafer mit unbegrannten Ährchen]] | ||
=== Vegetative Merkmale === | === Vegetative Merkmale === | ||
Saat-Hafer ist eine einjährige [[w:krautige Pflanze|krautige Pflanze]], die Wuchshöhen von 0,6 bis 1,5 Meter erreicht. Die Halme sind aufrecht oder gekniet-aufsteigend, glatt und kahl und haben 4 bis 8 Knoten. Die Ligula ist eine 3 bis 5 Millimeter langer häutiger Saum. Die Blattspreiten sind 5 bis 15 (bis 20) Millimeter breit und werden bis 45 Zentimeter lang.<ref>Hans Joachim Conert:''Familie Poaceae.'' In: Gustav Hegi: '' Illustrierte Flora von Mitteleuropa.'' 3. Auflage, Band I, Teil 3, Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1985, ISBN 3-489-52020-3, S. 218–220.</ref> | Saat-Hafer ist eine einjährige [[w:krautige Pflanze|krautige Pflanze]], die Wuchshöhen von 0,6 bis 1,5 Meter erreicht. Die Halme sind aufrecht oder gekniet-aufsteigend, glatt und kahl und haben 4 bis 8 Knoten. Die Ligula ist eine 3 bis 5 Millimeter langer häutiger Saum. Die Blattspreiten sind 5 bis 15 (bis 20) Millimeter breit und werden bis 45 Zentimeter lang.<ref>Hans Joachim Conert:''Familie Poaceae.'' In: Gustav Hegi: '' Illustrierte Flora von Mitteleuropa.'' 3. Auflage, Band I, Teil 3, Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1985, ISBN 3-489-52020-3, S. 218–220.</ref> | ||
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== Eigenschaften und gesundheitliche Bedeutung == | == Eigenschaften und gesundheitliche Bedeutung == | ||
Saat-Hafer gilt als die hochwertigste Getreideart, die in Mitteleuropa angebaut wird.<ref>[https://www.bvaeb.at/cdscontent/?contentid=10007.840580&portal=bvaebbportal ''Heilender Hafer - das hochwertigste Getreide Mitteleuropas''] In: ''bvaeb – Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau.'' Abgerufen am 3. Dezember 2025.</ref> Er wird auch als [[w:Phytopharmakon|Phytopharmakon]] bezeichnet. | Saat-Hafer gilt als die hochwertigste Getreideart, die in Mitteleuropa angebaut wird.<ref>[https://www.bvaeb.at/cdscontent/?contentid=10007.840580&portal=bvaebbportal ''Heilender Hafer - das hochwertigste Getreide Mitteleuropas''] In: ''bvaeb – Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau.'' Abgerufen am 3. Dezember 2025.</ref> Er wird auch als [[w:Phytopharmakon|Phytopharmakon]] bezeichnet. | ||
:"Bei Phytopharmaka handelt es sich um Wirkstoffe rein pflanzlicher Herkunft, die seit Menschengedenken zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden. Wie alle Phytopharmaka ist auch der Hafer ein Vielstoffgemisch, [ | |||
Aufgrund der vielfältigen Anwendungen und Wirkungen wurde der Saat-Hafer von einer Arbeitsgruppe der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2017 gewählt.<ref>[https://www.uni-muenster.de/Chemie.pb/institut/garten/AdJ2017.html ''Arzneipflanze des Jahres 2017''] In: ''IPBP - Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie - Universität Münster.'' Abgerufen am 7. Dezember 2025.</ref> | :"Bei Phytopharmaka handelt es sich um Wirkstoffe rein pflanzlicher Herkunft, die seit Menschengedenken zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden. Wie alle Phytopharmaka ist auch der Hafer ein Vielstoffgemisch, […] Es unterscheidet sich von anderen Getreiden insbesondere durch seine hohe Konzentration spezifischer funktioneller Bestandteile [...]"<ref>[https://sportaerztezeitung.com/rubriken/ernaehrung/19698/hafer-und-herzgesundheit/ ''Ernährung - Hafer und Herzgesundheit - Instrument zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen''] In: ''sportärztezeitung.'' Abgerufen am 10. Dezember 2025.</ref> | ||
Aufgrund der vielfältigen Anwendungen und Wirkungen wurde der Saat-Hafer von einer Arbeitsgruppe der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2017 gewählt.<ref>[https://www.uni-muenster.de/Chemie.pb/institut/garten/AdJ2017.html ''Arzneipflanze des Jahres 2017''] In: ''IPBP - Institut für Pharmazeutische Biologie und Phytochemie - Universität Münster.'' Abgerufen am 7. Dezember 2025.</ref> | |||
Hervorzuheben sind folgende Inhaltsstoffe mit ihren entsprechenden Wirkungen auf den menschlichen Organismus: | Hervorzuheben sind folgende Inhaltsstoffe mit ihren entsprechenden Wirkungen auf den menschlichen Organismus: | ||
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100 g Hafer enthalten etwa 10 g Ballaststoffe (zum Vergleich: Weizen und Roggen enthalten ca. 13,2 g). Jedoch sind beim Hafer etwa die Hälfte (ca. 4,5 g) sogenannte Beta-Glucane, welche eine besondere gesundheitlich Wirkung entfalten (Gerste enthält sogar ca. 4,8 g Beta-Glucane, Roggen 2,3 g und Weizen nur 0,8 g).<ref>[https://www.receptura.de/magazin/Beta-Glucane-die-Immunbooster-3477 ''β-Glucane – die Immunbooster''] In: ''Receptura Apotheke.'' Abgerufen am 3. Dezember 2025.</ref> Diese Ballaststoffe kommen im Haferkorn überwiegend in der äußeren Schicht des Mehlkörpers, der Subaleuronschicht, vor. | 100 g Hafer enthalten etwa 10 g Ballaststoffe (zum Vergleich: Weizen und Roggen enthalten ca. 13,2 g). Jedoch sind beim Hafer etwa die Hälfte (ca. 4,5 g) sogenannte Beta-Glucane, welche eine besondere gesundheitlich Wirkung entfalten (Gerste enthält sogar ca. 4,8 g Beta-Glucane, Roggen 2,3 g und Weizen nur 0,8 g).<ref>[https://www.receptura.de/magazin/Beta-Glucane-die-Immunbooster-3477 ''β-Glucane – die Immunbooster''] In: ''Receptura Apotheke.'' Abgerufen am 3. Dezember 2025.</ref> Diese Ballaststoffe kommen im Haferkorn überwiegend in der äußeren Schicht des Mehlkörpers, der Subaleuronschicht, vor. | ||
Wie alle Ballaststoffe können auch die Beta-Glucane nicht direkt von uns im Darm verdaut werden, jedoch sind sie im Gegensatz zu den übrigen Ballaststoffen wasserlöslich und können so von den Bakterien im Dickdarm (Mikrobiota/Darmflora) verdaut, d. h. von diesen zu kurzkettigen Fettsäuren wie Butyrat, Acetat und Propionat fermentiert werden. Diese Stoffe bewirken eine Senkung des pH-Wertes, das Darmmilieu wird also sauerer und so verhindern sie insbesondere die Fehlbesiedlung des Dickdarms durch krankmachende Keime (da diese in der leicht sauren Umgebung absterben).<ref>H. Kasper: ''Ernährungsmedizin und Diätetik''. Urban & Fischer Verlag. München/Jena 2000, Kapitel 1, S. 76–85 (2.1.).</ref> Zudem gedeihen die diese Stoffe bildenden Darmbakterien am besten in dem von ihnen selbst geschaffenen leicht sauren Milieu. Auch andere | ==== Entzündungshemmend für Darm, prebiotisch – besseres Gleichgewicht die Darmflora ==== | ||
Wie alle Ballaststoffe können auch die Beta-Glucane nicht direkt von uns im Darm verdaut werden, jedoch sind sie im Gegensatz zu den übrigen Ballaststoffen wasserlöslich und können so von den Bakterien im Dickdarm (Mikrobiota/Darmflora) verdaut, d. h. von diesen zu kurzkettigen Fettsäuren wie Butyrat, Acetat und Propionat fermentiert werden. Diese Stoffe bewirken eine Senkung des pH-Wertes, das Darmmilieu wird also sauerer und so verhindern sie insbesondere die Fehlbesiedlung des Dickdarms durch krankmachende Keime (da diese in der leicht sauren Umgebung absterben).<ref>H. Kasper: ''Ernährungsmedizin und Diätetik''. Urban & Fischer Verlag. München/Jena 2000, Kapitel 1, S. 76–85 (2.1.).</ref> Zudem gedeihen die diese Stoffe bildenden Darmbakterien am besten in dem von ihnen selbst geschaffenen leicht sauren Milieu. Auch andere Milchsäure bildende Darmbakterien benötigen das saure Milieu sowie die Beta-Glucane als "Futter". | |||
Kurzkettige Fettsäuren sind darüber hinaus wichtige Regulatoren für einen gesunden Stoffwechsel. Butyrat dient als wichtigster Nährstoff für die Darmschleimhautzellen und wirkt entzündungshemmend.<ref>Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e. V. (2013): ''Ballaststoffe neu betrachtet''. DGEinfo. 08: 114-118.</ref><ref>[https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/ballaststoffe/ ''Ballaststoffe''] In: ''DGE – Deutsche Gesellschaft für Ernährung.'' Abgerufen am 3. Dezember 2025.</ref> | Kurzkettige Fettsäuren sind darüber hinaus wichtige Regulatoren für einen gesunden Stoffwechsel. Butyrat dient als wichtigster Nährstoff für die Darmschleimhautzellen und wirkt entzündungshemmend.<ref>Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) e. V. (2013): ''Ballaststoffe neu betrachtet''. DGEinfo. 08: 114-118.</ref><ref>[https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/ballaststoffe/ ''Ballaststoffe''] In: ''DGE – Deutsche Gesellschaft für Ernährung.'' Abgerufen am 3. Dezember 2025.</ref> | ||
==== Regulierung des Blutzuckerspiegels – Bedeutung bei Diabetes ==== | |||
Beta-Glucane aus Getreide machen bei einer ausreichend hohen Konzentration in der Nahrung den Speisebrei im Magen-Darm-Trakt zähflüssiger.<ref>H. Anttila, T. Sontag-Strohm, H. Salovaara: ''Viscosity of beta-glucan in oat products.'' In: ''Agricultural and Food Science.'' Band 13, 2004, S. 80–87.</ref> Sie verzögern so den Abbau der Nährstoffe, insbesondere den Aufschluss von Kohlenhydraten zu Zucker und die Resorption ins Blut. Der Verzehr von Hafer- und Gerstenprodukten mit einem hohen Beta-Glucan-Gehalt führt so zu einem geringeren und zeitverzögerten Anstieg des Blutzuckerspiegels nach den Mahlzeiten und in der Folge zu einer verringerten Insulinausschüttung. Das gilt für Diabetiker und Nicht-Diabetiker gleichermaßen.<ref>Andreea Zurbau, Jarvis C. Noronha, Tauseef A. Khan, John L. Sievenpiper & Thomas M. S. Wolever : „The effect of oat β-glucan on postprandial blood glucose and insulin responses: a systematic review and meta-analysis.“ In: European Journal of Clinical Nutrition, Band 75, Nummer 11, S. 1540–1554, 2021, PMID 33608654, PMC 8563417, DOI 10.1038/s41430-021-00875-9</ref> Ein solcher Effekt auf Blutzucker und Insulinspiegel ist für Beta-Glucane aus Hafer und aus Gerste nachgewiesen; ob dies auch für Fertigprodukte mit unter Hochdruck gegartem Hafer gilt, ist nicht nachgewiesen.<ref>[https://www.efsa.europa.eu/en/supporting/pub/en-7170 ''Beta-glucans from oats and/or barley in a ready-to-eat cereal manufactured via pressure cooking''] In: ''efsa-Journal - Europäische Behörde zur Lebensmittelsicherheit.'' Abgerufen am 3. Dezember 2025.</ref> | Beta-Glucane aus Getreide machen bei einer ausreichend hohen Konzentration in der Nahrung den Speisebrei im Magen-Darm-Trakt zähflüssiger.<ref>H. Anttila, T. Sontag-Strohm, H. Salovaara: ''Viscosity of beta-glucan in oat products.'' In: ''Agricultural and Food Science.'' Band 13, 2004, S. 80–87.</ref> Sie verzögern so den Abbau der Nährstoffe, insbesondere den Aufschluss von Kohlenhydraten zu Zucker und die Resorption ins Blut. Der Verzehr von Hafer- und Gerstenprodukten mit einem hohen Beta-Glucan-Gehalt führt so zu einem geringeren und zeitverzögerten Anstieg des Blutzuckerspiegels nach den Mahlzeiten und in der Folge zu einer verringerten Insulinausschüttung. Das gilt für Diabetiker und Nicht-Diabetiker gleichermaßen.<ref>Andreea Zurbau, Jarvis C. Noronha, Tauseef A. Khan, John L. Sievenpiper & Thomas M. S. Wolever : „The effect of oat β-glucan on postprandial blood glucose and insulin responses: a systematic review and meta-analysis.“ In: European Journal of Clinical Nutrition, Band 75, Nummer 11, S. 1540–1554, 2021, PMID 33608654, PMC 8563417, DOI 10.1038/s41430-021-00875-9</ref> Ein solcher Effekt auf Blutzucker und Insulinspiegel ist für Beta-Glucane aus Hafer und aus Gerste nachgewiesen; ob dies auch für Fertigprodukte mit unter Hochdruck gegartem Hafer gilt, ist nicht nachgewiesen.<ref>[https://www.efsa.europa.eu/en/supporting/pub/en-7170 ''Beta-glucans from oats and/or barley in a ready-to-eat cereal manufactured via pressure cooking''] In: ''efsa-Journal - Europäische Behörde zur Lebensmittelsicherheit.'' Abgerufen am 3. Dezember 2025.</ref> | ||
Laut dem anthroposophischen Arzt Dr. [[a:Udo Renzenbrink|Udo Renzenbrink]] gibt es im Hafer noch eine weitere Art von Kohlenhydraten, die für den Diabetiker von Bedeutung ist, da sie sich vom "Fruchtzucker ableiten" und daher ohne Beteiligung von Insulin verwertet werden können.<ref>Udo Renzenbrink: „Die sieben Getreide“, 2. Auflage. Rudolf Geering Verlag, Dornach/Schweiz, 1983, ISBN 3-7235-0303-9, S. 118.</ref> | Laut dem anthroposophischen Arzt Dr. [[a:Udo Renzenbrink|Udo Renzenbrink]] gibt es im Hafer noch eine weitere Art von Kohlenhydraten, die für den Diabetiker von Bedeutung ist, da sie sich vom "Fruchtzucker ableiten" und daher ohne Beteiligung von Insulin verwertet werden können.<ref>Udo Renzenbrink: „Die sieben Getreide“, 2. Auflage. Rudolf Geering Verlag, Dornach/Schweiz, 1983, ISBN 3-7235-0303-9, S. 118.</ref> | ||
:„Hafer-Tage“ (nach [[w:Carl von Noorden (Mediziner)|Carl von Noorden]]) in der Diabetestherapie: Mediziner, Diabetologen und Diabetesberater wenden zum Teil die sogenannten Hafertage an. Dabei handelt es sich um eine spezielle haferbetonte Kost, die über zwei bis maximal drei Tage eingenommen wird. Sie stellt eine besondere und sehr intensive Form der diätetischen Intervention in der Behandlung der Insulinresistenz bei Diabetes mellitus Typ 2 dar. Ziel ist es, mit einer einfachen Methode Blutzuckerwerte zu verbessern, die Insulinresistenz zu verringern und somit die Insulinsensitivität zu erhöhen. Dadurch wird weniger Insulin für die Verarbeitung der Glucose benötigt. Wissenschaftliche Studien und Erfahrungen aus der Praxis bestätigen die Reduzierung der Insulinzufuhr nach dieser Anwendung.<ref>A. Lammert: ''Clinical Benefit of a Short Term Dietary Oatmeal Intervention in Patients with Type 2 Diabetes and Severe Insulin Resistance: A Pilot Study.'' 2007. [[doi:10.1055/s-2007-984456]]</ref><ref>[https://www.abendblatt.de/ratgeber/gesundheit/article107846810/Haferkur-senkt-Insulinbedarf.html ''Haferkur senkt Insulinbedarf''] In: ''Hamburger Abendblatt.'', 3. September 2010. Abgerufen am 3. Dezember 2025.</ref> | |||
Zudem verringern Beta-Glucane aus Hafer<ref>[https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2011:296:0026:0028:DE:PDF ''Verordnung über die Zulassung bzw. Nichtzulassung bestimmter gesundheitsbezogener Angaben über | |||
Lebensmittel betreffend die Verringerung eines Krankheitsrisikos''] In: ''Amtsblatt der Europäischen Union - VERORDNUNG (EU) Nr. 1160/2011 DER KOMMISSION vom 14. November 2011.'' Abgerufen am 3. Dezember 2025.</ref> und Gerste<ref>[https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32012R1048 ''Verordnung zur Zulassung einer gesundheitsbezogenen Angabe über Lebensmittel betreffend die Verringerung | ==== Absenkung des Cholesterinspiegels im Blut ==== | ||
eines Krankheitsrisikos''] In: ''Amtsblatt der Europäischen Union - Verordnung (EU) Nr. 1048/2012 Der Kommission vom 8. November 2012.'' Abgerufen am 3. Dezember 2025.</ref> den Cholesteringehalt im Blut. Sie binden nämlich Gallensäure und Cholesterin im Darm. | Zudem verringern Beta-Glucane aus Hafer<ref>[https://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2011:296:0026:0028:DE:PDF ''Verordnung über die Zulassung bzw. Nichtzulassung bestimmter gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel betreffend die Verringerung eines Krankheitsrisikos''] In: ''Amtsblatt der Europäischen Union - VERORDNUNG (EU) Nr. 1160/2011 DER KOMMISSION vom 14. November 2011.'' Abgerufen am 3. Dezember 2025.</ref> und Gerste<ref>[https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32012R1048 ''Verordnung zur Zulassung einer gesundheitsbezogenen Angabe über Lebensmittel betreffend die Verringerung eines Krankheitsrisikos''] In: ''Amtsblatt der Europäischen Union - Verordnung (EU) Nr. 1048/2012 Der Kommission vom 8. November 2012.'' Abgerufen am 3. Dezember 2025.</ref> den Cholesteringehalt im Blut. Sie binden nämlich Gallensäure und Cholesterin im Darm. | ||
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:„Die gebundenen Substanzen werden zusammen mit den unverdaulichen Ballaststoffen ausgeschieden, wodurch die Rückresorption der Gallensäuren aus dem unteren Darmabschnitt (Ileum) reduziert wird. Dadurch wird die Leber angeregt, aus dem im Blut befindlichen Cholesterin neue Gallensäuren zu synthetisieren. In der Folge verbleibt insgesamt weniger Cholesterin im Blut und der Gesamt- sowie der LDL-Cholesterinspiegel sinken. HDL-Cholesterinwerte und Triglyceride bleiben indes unverändert.“<ref>[https://fet-ev.eu/beta-glucane/ ''Beta-Glucane: Wunderwaffe der Natur?''] In: ''Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention – FEP.'' Abgerufen am 3. Dezember 2025.</ref> | |||
Die EU-Verordnung zu nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben sieht vor, dass verzehrsfertige Lebensmittel, die mindestens ein Gramm Hafer-Beta-[[w:Glucan|Glucan]] pro Verzehrportion enthalten, mit dem cholesterinsenkenden Effekt ausgelobt werden dürfen. Dazu müssen sie den Hinweis tragen, dass insgesamt drei Gramm Hafer-Beta-Glucan pro Tag erforderlich sind. Mit einer Portion von 40 - 50 g Haferflocken sind 3 Gramm Beta-Glucane erreicht.<ref>[https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32011R1160&from=PL ''Verordnung vom 14. November 2011 über die Zulassung bzw. Nichtzulassung bestimmter gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel betreffend die Verringerung eines Krankheitsrisikos''] In: ''Amtsblatt der Europäischen Union.'' Abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref><ref>[https://sportaerztezeitung.com/rubriken/ernaehrung/19698/hafer-und-herzgesundheit/ ''Ernährung - Hafer und Herzgesundheit - Instrument zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen''] In: ''sportärztezeitung.'' Abgerufen am 10. Dezember 2025.</ref> | Die EU-Verordnung zu nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben sieht vor, dass verzehrsfertige Lebensmittel, die mindestens ein Gramm Hafer-Beta-[[w:Glucan|Glucan]] pro Verzehrportion enthalten, mit dem cholesterinsenkenden Effekt ausgelobt werden dürfen. Dazu müssen sie den Hinweis tragen, dass insgesamt drei Gramm Hafer-Beta-Glucan pro Tag erforderlich sind. Mit einer Portion von 40 - 50 g Haferflocken sind 3 Gramm Beta-Glucane erreicht.<ref>[https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32011R1160&from=PL ''Verordnung vom 14. November 2011 über die Zulassung bzw. Nichtzulassung bestimmter gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel betreffend die Verringerung eines Krankheitsrisikos''] In: ''Amtsblatt der Europäischen Union.'' Abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref><ref>[https://sportaerztezeitung.com/rubriken/ernaehrung/19698/hafer-und-herzgesundheit/ ''Ernährung - Hafer und Herzgesundheit - Instrument zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen''] In: ''sportärztezeitung.'' Abgerufen am 10. Dezember 2025.</ref> | ||
==== Günstige Wirkung bei Entzündungen in Magen und Darm ==== | |||
Die Beta-Glucane sind, wie oben beschrieben, verantwortlich für die Schleimbildung (zähflüssige Konsistenz) bei gekochtem Hafer und Gerste. Dieser Schleim kleidet die gereizte bzw. entzündete Magen- oder Darmschleimhaut gelartig aus und wirkt beruhigend und schützend, weil die Magensäure oder andere reizende Substanzen die Schleimhaut nicht mehr so leicht erreichen.<ref>[https://www.deine-gesundheitswelt.de/balance-ernaehrung/haferflocken#:~:text=Bestehen%20Magen%2D%20und%20Darmbeschwerden%20ist,sie%20sch%C3%BCtzt%20somit%20die%20Schleimhaut. ''Die gesunden Getreideflocken sind mehr als nur Frühstück''] In: ''AOK – Gesundheitswelt der AOK Sachsen.'' Abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref> Die stark quellfähigen Beta-Glucane können zudem überschüssige Magensäure binden wodurch die Reizungen im Magen zusätzlich reduziert werden.<ref>[https://www.dkv.com/gesundheit-themenwelt-innere-organe-sodbrennen-ursachen-und-behandlung.html#:~:text=Bei%20akutem%20Sodbrennen%20tut%20Haferschleim,zerkaut%20oder%20als%20Haferschleim%20gekocht. ''Wie lässt sich Sodbrennen kurzfristig lindern?''] In: ''DKV – Deutsche Krankenversicherung.'' Abgerufen am 5. Dezember.</ref> | Die Beta-Glucane sind, wie oben beschrieben, verantwortlich für die Schleimbildung (zähflüssige Konsistenz) bei gekochtem Hafer und Gerste. Dieser Schleim kleidet die gereizte bzw. entzündete Magen- oder Darmschleimhaut gelartig aus und wirkt beruhigend und schützend, weil die Magensäure oder andere reizende Substanzen die Schleimhaut nicht mehr so leicht erreichen.<ref>[https://www.deine-gesundheitswelt.de/balance-ernaehrung/haferflocken#:~:text=Bestehen%20Magen%2D%20und%20Darmbeschwerden%20ist,sie%20sch%C3%BCtzt%20somit%20die%20Schleimhaut. ''Die gesunden Getreideflocken sind mehr als nur Frühstück''] In: ''AOK – Gesundheitswelt der AOK Sachsen.'' Abgerufen am 5. Dezember 2025.</ref> Die stark quellfähigen Beta-Glucane können zudem überschüssige Magensäure binden wodurch die Reizungen im Magen zusätzlich reduziert werden.<ref>[https://www.dkv.com/gesundheit-themenwelt-innere-organe-sodbrennen-ursachen-und-behandlung.html#:~:text=Bei%20akutem%20Sodbrennen%20tut%20Haferschleim,zerkaut%20oder%20als%20Haferschleim%20gekocht. ''Wie lässt sich Sodbrennen kurzfristig lindern?''] In: ''DKV – Deutsche Krankenversicherung.'' Abgerufen am 5. Dezember.</ref> | ||
==== Gute Sättigung ==== | |||
Da die Beta-Glucane große Wassermengen binden können, erhöhen sie das Volumen der aufgenommenen Nahrung. Die Magenentleerung verzögert sich und es tritt schneller eine Sättigung ein. | Da die Beta-Glucane große Wassermengen binden können, erhöhen sie das Volumen der aufgenommenen Nahrung. Die Magenentleerung verzögert sich und es tritt schneller eine Sättigung ein. | ||
=== Sehr hochwertiges Eiweiß === | === Sehr hochwertiges Eiweiß === | ||
Das | Das [[Eiweiß]] des Hafers wird als besonders ausgewogen bezeichnet. Hafer enthält alle acht essenziellen Aminosäuren (lebensnotwendig, da unser Körper sie nicht selbst herstellen kann). Auch andere Getreide enthalten alle acht essenziellen Aminosäuren, jedoch sind sie beim Hafer besonders vollständig. Der Verzehr von 100 g Hafer deckt den Tagesbedarf von sechs essentiellen Aminosäuren. (Im Vergleich dazu decken 100 g Weizen oder Mais den Tagesbedarf von jeweils nur einer essentiellen Aminosäure.) Nur die beiden Amminosäuren Lysin und Methionin, bleiben beim Hafer etwas unter dem Tagesbedarf und dennoch weist er den höchsten Lysingehalt aller Getreide auf. | ||
Die Angaben in der Tabelle beziehen sich auf 100 g essbaren Mehlanteil.<ref>[https://publishup.uni-potsdam.de/opus4-ubp/frontdoor/deliver/index/docId/521/file/drzikova.pdf ''Haferprodukte mit modifiziertem Gehalt an β-Glucanen und resistenter Stärke und ihre Effekte auf den Gastrointestinaltrakt unter ''In-vitro-'' und ''In-vivo-''Bedingungen''] In: ''Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades "doctor rerum naturalium" (Dr. rer. nat.) von Barbora Držíková in der Wissenschaftsdisziplin "Physiologie der Ernährung" - eingereicht an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, 30. Mai 2005.'' Abgerufen am 6. Dezember 2025.</ref> | Die Angaben in der Tabelle beziehen sich auf 100 g essbaren Mehlanteil.<ref>[https://publishup.uni-potsdam.de/opus4-ubp/frontdoor/deliver/index/docId/521/file/drzikova.pdf ''Haferprodukte mit modifiziertem Gehalt an β-Glucanen und resistenter Stärke und ihre Effekte auf den Gastrointestinaltrakt unter ''In-vitro-'' und ''In-vivo-''Bedingungen''] In: ''Dissertation zur Erlangung des akademischen Grades "doctor rerum naturalium" (Dr. rer. nat.) von Barbora Držíková in der Wissenschaftsdisziplin "Physiologie der Ernährung" - eingereicht an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, 30. Mai 2005.'' Abgerufen am 6. Dezember 2025.</ref> | ||
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| Lysin||style="text-align:right"|0,55 mg||style="text-align:right"|0,80 mg | | Lysin||style="text-align:right"|0,55 mg||style="text-align:right"|0,80 mg | ||
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Trotz dem hohen Eiweißgehalt enthält Hafer nur eine geringe Menge der für Zöliakie und Glutenallergien auslösenden [[w:Prolamine|Prolamine]]. Diese sogenannten Proteinfraktionen sind in unterschiedlicher Menge in den Getreiden enthalten: Hafer enthält mit 10-15% vergleichsweise wenig Prolamine, Weizen 40-50%, Roggen 30-50% und Gerste 35-45%.<ref>[https://www.drschaer.com/de/institute/n/hafer-der-glutenfreien-ernaehrung ''Hafer in der glutenfreien Ernährung''] In: ''Dr. Schär Institute.'' Abgerufen am 6. Dezember 2025.</ref> | |||
Trotz dem hohen Eiweißgehalt enthält Hafer nur eine geringe Menge der für Zöliakie und Glutenallergien auslösenden [[w:Prolamine|Prolamine]]. Diese | |||
Zusätzlich sind diese Prolamine in den Getreidearten strukturell unterschiedlich, d. h. sie haben etwas verschiedene Proteinsequenzen. Beim Hafer heißt dieses Prolamin ''Avenin'' (beim Weizen ''Gliadin'', beim Roggen ''Secalin'' und bei Gerste ''Hordein''). Wegen der unterschiedlichen Proteinstruktur löst das Avenin im Hafer grundsätzlich weniger immunologische Reaktionen als das Gliadin im Weizen aus. | Zusätzlich sind diese Prolamine in den Getreidearten strukturell unterschiedlich, d. h. sie haben etwas verschiedene Proteinsequenzen. Beim Hafer heißt dieses Prolamin ''Avenin'' (beim Weizen ''Gliadin'', beim Roggen ''Secalin'' und bei Gerste ''Hordein''). Wegen der unterschiedlichen Proteinstruktur löst das Avenin im Hafer grundsätzlich weniger immunologische Reaktionen als das Gliadin im Weizen aus. | ||
==== Zöliakie und Allergien ==== | |||
Für viele Allergiker und Betroffene von [[w:Zöliakie|Zöliakie]] sowie chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ([[w:Morbus Crohn|Morbus Crohn]], [[w:Colitis ulcerosa|Colitis ulcerosa]], [[w:Reizdarmsyndrom|Reizdarmsyndrom]], [[w:Kurzdarmsyndrom|Kurzdarmsyndrom]]) ist nur [[w:Gliadin|Gliadin]], nicht aber zugleich auch jedes andere [[w:Gluten|Gluten]] unverträglich. Die in dieser Weise Betroffenen müssen deshalb zwar die klassischen Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Triticale, und ihre botanischen Vorläufer) meiden, können aber Hafer und Haferprodukte je nach Empfindlichkeit gegebenenfalls vertragen. Es muss hier aber sichergestellt sein, dass der Hafer beim lebensmitteltechnologischen Behandlungsprozess nicht mit Weizen usw. kontaminiert wurde. | Für viele Allergiker und Betroffene von [[w:Zöliakie|Zöliakie]] sowie chronisch entzündlichen Darmerkrankungen ([[w:Morbus Crohn|Morbus Crohn]], [[w:Colitis ulcerosa|Colitis ulcerosa]], [[w:Reizdarmsyndrom|Reizdarmsyndrom]], [[w:Kurzdarmsyndrom|Kurzdarmsyndrom]]) ist nur [[w:Gliadin|Gliadin]], nicht aber zugleich auch jedes andere [[w:Gluten|Gluten]] unverträglich. Die in dieser Weise Betroffenen müssen deshalb zwar die klassischen Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Triticale, und ihre botanischen Vorläufer) meiden, können aber Hafer und Haferprodukte je nach Empfindlichkeit gegebenenfalls vertragen. Es muss hier aber sichergestellt sein, dass der Hafer beim lebensmitteltechnologischen Behandlungsprozess nicht mit Weizen usw. kontaminiert wurde. | ||
Wie sehr eine gluten-freie Diät eine einseitige Ernährung mit Mangelerscheinungen begünstigt, darauf weist die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft hin. In der von ihr genannten Studie wird Hafer deshalb als bedeutende Alternative zur Verbesserung der täglichen Ernährung vorgeschlagen. | Wie sehr eine gluten-freie Diät eine einseitige Ernährung mit Mangelerscheinungen begünstigt, darauf weist die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft hin. In der von ihr genannten Studie wird Hafer deshalb als bedeutende Alternative zur Verbesserung der täglichen Ernährung vorgeschlagen. | ||
: | :„Eine amerikanische Studie (2021) untersuchte die Makro- und Mikronährstoffversorgung bei erwachsenen Zöliakie-Betroffenen nach einer glutenfreien Diät. Die Ernährungsmuster zeichneten sich durch eine geringe komplexe Kohlenhydrat- und Ballaststoffzufuhr sowie einer hohen Fett- und Zuckeraufnahme aus. Ursächlich seien glutenfreie Produkte und dessen Nährstoffzusammensetzung in Kombination mit einer insgesamt unausgewogenen Ernährungsweise. Außerdem konnten Mängel in der Mikronährstoffversorgung festgestellt werden: In der Regel fehlt es an Eisen, Calcium und Magnesium sowie Vitamin D, E und einigen B-Vitaminen. Solche Mangelerscheinungen könnten das zukünftige Risiko von Krankheiten wie Diabetes, Osteoporose und Anämie erhöhen – Krankheiten, die bei Zöliakie-Betroffenen bereits häufiger vorkommen. Für Personen mit Zöliakie ist eine glutenfreie Ernährung derzeit die einzig wirksame Therapieoption, um eine Regeneration des Darmschleimhaut und des intestinalen Ökosystems ermöglichen zu können. Um das Risiko einer Mangelversorgung zu senken, könnte (glutenfreier) Hafer als Alternative eine wichtige Rolle in der täglichen Ernährung spielen […].“<ref>[https://www.kern.bayern.de/wissenschaft/309208/index.php ''Faktenübersicht - Hafer in der glutenfreien Ernährung''] In: ''KErn - Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft.'' Abgerufen am 7. Dezember 2025.</ref> | ||
=== Hoher Anteil ungesättigter Fettsäuren === | === Hoher Anteil ungesättigter Fettsäuren === | ||
Hafer ist das Getreide mit dem höchsten Fettgehalt | Hafer ist das Getreide mit dem höchsten Fettgehalt. 100 g enthalten durchschnittlich 7 g Fett (Weizen hat ca. 2 g). Etwa 5 g des Fettes besteht aus ungesättigten Fettsäuren. Die zweifach ungesättigte Linolsäure (Omega 6) hat mit 2,4 g den größten Anteil.<ref>[https://www.hafer-die-alleskoerner.de/ernaehrungsberatung/hafer-wissen/naehrwerttabelle ''Nährwerttabellen für Haferflocken, Haferkleie und Haferdrink''] In: ''Hafer der Alleskörner.'' Abgerufen am 10. Dezember 2025.</ref> Dr. [[a:Udo Renzenbrink|Udo Renzenbrink]] weist auf diese Bedeutung hin: | ||
Dr. [[ | |||
=== Ernährungsphysiologisch wertvolle Mineralstoffe | :„Dieser Wert gewinnt bei dem hohen Rohfettanteil des Hafers besondere Bedeutung; denn das Fett von 100 Gramm Hafer oder Haferflocken vermag allein ein Drittel des Tagesbedarfs des Menschen an essentiellen Fettsäuren zu decken.<br> Die Fette des Hafers sind so zusammengesetzt, dass sie den Cholesterinstoffwechsel im Menschen entlasten, Herz und Kreislauf schützen und helfen, die Arteriosklerose zu verhüten. Schliesslich ist als Bestandteil des Rohfettes eine Gruppe «hafer-spezifischer» Wachse zu erwähnen. Sie sind für den Nährwert des Hafers wesentlich, weil sie «oxydationsverhindernde» Schutzfunktionen gegenüber den sauerstoffempfindlichen hoch-ungesättigten Fettsäuren, speziell der Linolsäure im Hafer, ausüben. Sie verhindern dadurch die Entstehung von ranzig schmeckenden Oxydationsprodukten der Haferfette. <br> Das Rohfett des Hafers kann somit vom Kleinkind und Erwachsenen auch in der Diätetik ausgezeichnet vertagen und vollständig verwertet werden.“<ref>Udo Renzenbrink: ''Die sieben Getreide''. 2. Auflage. Rudolf Geering Verlag, Dornach/Schweiz, 1983, ISBN 3-7235-0303-9, S. 118-119.</ref> | ||
=== Ernährungsphysiologisch wertvolle Mineralstoffe und Vitamine === | |||
Die Angaben in der Tabelle beziehen sich auf 100 g Haferflocken. | Die Angaben in der Tabelle beziehen sich auf 100 g Haferflocken. | ||
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| Kupfer||style="text-align:right"|0,53 mg||style="text-align:right"|1 mg | | Kupfer||style="text-align:right"|0,53 mg||style="text-align:right"|1 mg | ||
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Folgende Vitamine sind noch zu erwähnen: | Folgende Vitamine sind noch zu erwähnen: | ||
In 100 g Haferflocken sind 0,59 mg Vitamin B<sub>1</sub> (Tagesbedarf: 1,1 mg), 87 μg Folat (Tagesbedarf 200 μg) und 63 μg Vitamin K (Tagesbedarf 75 μg) enthalten. | In 100 g Haferflocken sind 0,59 mg Vitamin B<sub>1</sub> (Tagesbedarf: 1,1 mg), 87 μg Folat (Tagesbedarf 200 μg) und 63 μg Vitamin K (Tagesbedarf 75 μg) enthalten. | ||
Dr. Udo Renzenbrink erwähnt als besonders bedeutungsvoll das Vitamin B<sub>1</sub> | Dr. Udo Renzenbrink erwähnt als besonders bedeutungsvoll das Vitamin B<sub>1</sub>: | ||
: | :„Es ist […] für den Stoffwechsel der Nervenzelle von lebenswichtiger Bedeutung, besonders in unserer Zeit mit ihrer hohen Beanspruchung der Nerven- und Sinnesfunktionen.“<ref>Udo Renzenbrink: „Die sieben Getreide“, 2. Auflage. Rudolf Geering Verlag, Dornach/Schweiz, 1983, ISBN 3-7235-0303-9, S. 120.</ref> | ||
=== Hormonartiger Stoff mit antriebssteigernder Wirkung === | === Hormonartiger Stoff mit antriebssteigernder Wirkung === | ||
Neben der stärkenden Wirkung des Hafers erwähnt Dr. Renzenbrink einen hormonartigen Stoff im Hafer. | Neben der stärkenden Wirkung des Hafers erwähnt Dr. Renzenbrink einen hormonartigen Stoff im Hafer. | ||
: | :„Die bekannte emotionell anregende Wirkung des Hafers kann auch auf eine bestimmte Substanz bezogen werden. Es ist gelungen, im Hafer einen hormonartigen Stoff mit deutlich belebender, antriebssteigernder Potenz zu isolieren. Man spricht von einem »psychotropen« Stoff.“<ref>Udo Renzenbrink: „Die sieben Getreide“, 2. Auflage. Rudolf Geering Verlag, Dornach/Schweiz, 1983, ISBN 3-7235-0303-9, S. 120.</ref> | ||
=== Einzigartige Antioxidantien im Hafer === | === Einzigartige Antioxidantien im Hafer === | ||
: | :„Hafer enthält einzigartige Antioxidantien, sogenannten Avenanthramide, die entzündungshemmende und vasoprotektive Eigenschaften besitzen. Avenanthramide sind spezifische Polyphenole im Hafer, die besonders potente Wirkungen auf vaskuläre Endothelzellen entfalten.“<ref>[https://sportaerztezeitung.com/rubriken/ernaehrung/19698/hafer-und-herzgesundheit/ ''Ernährung - Hafer und Herzgesundheit - Instrument zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen''] In: ''sportärztezeitung.'' Abgerufen am 10. Dezember 2025.</ref> | ||
== Berichte über die leistungssteigernde Wirkung des Hafers == | == Berichte über die leistungssteigernde Wirkung des Hafers == | ||
Dr. Udo Renzenbrink erwähnt mehrere Expeditionen sowie sportliche Aktivitäten, bei denen die Teilnehmer den leistungssteigernden Effekt des Hafer in der Ernährung, der seit alters her bekannt ist, erneut bestätigten. | Dr. Udo Renzenbrink erwähnt mehrere Expeditionen sowie sportliche Aktivitäten, bei denen die Teilnehmer den leistungssteigernden Effekt des Hafer in der Ernährung, der seit alters her bekannt ist, erneut bestätigten. | ||
: | :„Die Leistungssteigerung äußert sich, den Berichten zufolge, in verbessertem Durchhaltevermögen, geringerer Ermüdbarkeit und erhöhter Widerstandskraft gegenüber schwierigen klimatischen Einflüssen. Diese Erfahrungen wurden vor allem von Teilnehmern an Forschungsexpeditionen gemacht, so zum Beispiel bei der Afrika-Expedition des Zoologischen Forschungsinstitutes Bonn 1967, der 3. Sudan-Expedition der Leni-Riefenstahl-Produktion 1968-1969, der Sahara-West-Ost-Durchquerung Dr. Keller 1969, der Hindukusch-Rundfahrt 1970 und der Zagros-Expedition 1970 des Deutschen Alpenvereins sowie der deutschen Anden-Expedition 1974.<sup>49</sup><br> Auch bei sportlichen Dauerleistungen hat sich die Haferkost in Form des mit Milch und Obstsäften gemischten Haferschleims oder als Flockengetränk bewährt. Das wurde neuerdings bestätigt von deutschen Teilnehmern der Kanu-Slalom-Weltmeisterschaften 1975.<br> Der leistungssteigernde Effekt der Haferkost beruht auf einer direkten Einwirkung auf die Muskulatur. Die Stärke des Hafers ist leicht im Organismus in sofort verwertbare und resorptionsfähige Bestandteile abzubauen. Hinzu kommen dann die hochwertigen Eiweissverbindungen und Mineralien, die gleichfalls an der Leistungssteigerung beteiligt sind.“<ref>Udo Renzenbrink: „Die sieben Getreide“, 2. Auflage. Rudolf Geering Verlag, Dornach/Schweiz, 1983, ISBN 3-7235-0303-9, S. 121.</ref> | ||
== Ganzheitliche Zusammenhänge und geistige Betrachtung == | == Ganzheitliche Zusammenhänge und geistige Betrachtung == | ||
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:„Hafer sorgt für einen guten Geschmacks- und Geruchssinn. Er fördert ein fröhliches Gemüt und eine reine helle Aufgeschlossenheit. Die Haut wird schön und das Fleisch kernig gesund. Kranken taugt Hafer nicht viel zur Nahrung, weil er in seinem Magen verklumpt und zu Verschleimung führt.“<ref>[https://www.st-hildegard.com/de/impressum.html ''Hildegard Diät – Einzelheiten''] In: ''St. Hildegard – Stiftung.'' Abgerufen am 13. Dezember 2025.''</ref> | :„Hafer sorgt für einen guten Geschmacks- und Geruchssinn. Er fördert ein fröhliches Gemüt und eine reine helle Aufgeschlossenheit. Die Haut wird schön und das Fleisch kernig gesund. Kranken taugt Hafer nicht viel zur Nahrung, weil er in seinem Magen verklumpt und zu Verschleimung führt.“<ref>[https://www.st-hildegard.com/de/impressum.html ''Hildegard Diät – Einzelheiten''] In: ''St. Hildegard – Stiftung.'' Abgerufen am 13. Dezember 2025.''</ref> | ||
Dr. [[w:Rudolf Hauschka|Rudolf Hauschka]] untersuchte aus naturwissenschaftlicher und anthroposophischer Sicht die Größe der Stärkekörner bei Kartoffeln und den verschiedenen Getreiden und stellte fest, dass die Kartoffel als Frucht des Westens die größten Stärkekörner und der Reis als Frucht des Ostens die kleinsten besitzt. Weizen, Roggen, Gerste und Hafer als Getreide der Mitte liegen dazwischen, wobei der Hafer am meisten in Richtung den Reisstärkekörner tendiert. So schreibt er zu den vier Getreiden der Mitte: | Dr. [[w:Rudolf Hauschka|Rudolf Hauschka]] untersuchte aus naturwissenschaftlicher und anthroposophischer Sicht die Größe der Stärkekörner bei Kartoffeln und den verschiedenen Getreiden und stellte fest, dass die [[Kartoffel]] als Frucht des Westens die größten Stärkekörner und der Reis als Frucht des Ostens die kleinsten besitzt. Weizen, Roggen, Gerste und Hafer als Getreide der Mitte liegen dazwischen, wobei der Hafer am meisten in Richtung den Reisstärkekörner tendiert. So schreibt er zu den vier Getreiden der Mitte: | ||
:“Der Weizen hat die kompakteste Gestalt, während der Hafer mit seinem gelösten Fruchtstand und seinen kleinen strahlenförmig aufgelockerten Stärkekörnern sich dem Reis nähert.“<ref>Rudolf Hauschka: ''Ernährungslehre.'' 9. Auflage 1989, Klostermann Verlag, Frankfurt am Main, ISBN 3-465-01871-0, S. 116-117.</ref> | :“Der Weizen hat die kompakteste Gestalt, während der Hafer mit seinem gelösten Fruchtstand und seinen kleinen strahlenförmig aufgelockerten Stärkekörnern sich dem Reis nähert.“<ref>Rudolf Hauschka: ''Ernährungslehre.'' 9. Auflage 1989, Klostermann Verlag, Frankfurt am Main, ISBN 3-465-01871-0, S. 116-117.</ref> | ||
Weiterhin stellt er eine Beziehung der Getreide zu den Temperamenten her und empfiehlt für den in sich gekehrten Melancholiker den Hafer. Nur von der Breiform rät er ab, da diese wiederum das phlegmatische Element fördert. | Weiterhin stellt er eine Beziehung der Getreide zu den Temperamenten her und empfiehlt für den in sich gekehrten Melancholiker den Hafer. Nur von der Breiform rät er ab, da diese wiederum das phlegmatische Element fördert. | ||
: | |||
:„So wird sich der Melancholiker gern durch Haferkost befeuern lassen. Hafer macht hitzig, sagt der Pferdekenner, und wenn sich ein Mensch nicht nur gelöst und unbefangen sondern geradezu ausgelassen benimmt, so sagt der Volksmund: »Den sticht der Hafer«. Und dieser Hafer steht heute in guten Nährmittelformen zur Verfügung: Als Flocken, als Grütze, als Mehl; als Zubereitungsformen sind abgesehen vom Brei, der ja noch eine recht phlegmatische Angelegenheit ist (als Breiform), zahlreiche Gerichte sehr zeitgemäß.“<ref>Rudolf Hauschka: ''Ernährungslehre.'' 9. Auflage 1989, Klostermann Verlag, Frankfurt am Main, ISBN 3-465-01871-0, S. 118.</ref> | |||
[[Datei:Oats-left-4312752 1920 Foto di Goran Horvat da Pixabay.jpg|300px|mini|right|Die luftige Haferrispe im Vergleich zu den streng am Halm angeordneten Körnern bei Weizen und Gerste]] | [[Datei:Oats-left-4312752 1920 Foto di Goran Horvat da Pixabay.jpg|300px|mini|right|Die luftige Haferrispe im Vergleich zu den streng am Halm angeordneten Körnern bei Weizen und Gerste]] | ||
[[Datei:Hafer grüne Stiele.jpg|300px|mini|right|Goldener Hafer mit noch grünen Halmen]] | [[Datei:Hafer grüne Stiele.jpg|300px|mini|right|Goldener Hafer mit noch grünen Halmen]] | ||
In ganzheitlich-bildhaftem Sinne beschreibt [[a:Udo Renzenbrink|Udo Renzenbrink]] das äußere Erscheinungsbild des Hafers in seinem gänzlich anderen Ausdruck verglichen mit Weizen, Roggen und Gerste. Die einzelnen Ährchen sitzen nicht eng und in Reihen streng geordnet am Halm, sondern sind „an feinsten Trägern aufgehängt und bewegen sich anmutig schon bei zartestem Windhauch“.<ref>Udo Renzenbrink: „Die sieben Getreide“, 2. Auflage. Rudolf Geering Verlag, Dornach/Schweiz, 1983, ISBN 3-7235-0303-9, S. 116.</ref> Wie sehr das äußere Erscheinungsbild unmittelbar auf das Erleben und Empfinden des Menschen wirkt, findet sich in dem Märchen »Buchweizen« von [[w:Hans Christian Anders|Christian Anders]]. | In ganzheitlich-bildhaftem Sinne beschreibt [[a:Udo Renzenbrink|Udo Renzenbrink]] das äußere Erscheinungsbild des Hafers in seinem gänzlich anderen Ausdruck verglichen mit Weizen, Roggen und Gerste. Die einzelnen Ährchen sitzen nicht eng und in Reihen streng geordnet am Halm, sondern sind „an feinsten Trägern aufgehängt und bewegen sich anmutig schon bei zartestem Windhauch“.<ref>Udo Renzenbrink: „Die sieben Getreide“, 2. Auflage. Rudolf Geering Verlag, Dornach/Schweiz, 1983, ISBN 3-7235-0303-9, S. 116.</ref> Wie sehr das äußere Erscheinungsbild unmittelbar auf das Erleben und Empfinden des Menschen wirkt, findet sich in dem Märchen »Buchweizen« von [[w:Hans Christian Anders|Christian Anders]]. | ||
Auch das Blühen und Reifen unterscheidet sich beim Hafer von den anderen Getreiden und es drückt sich | :„Auf allen Feldern rings umher wuchs Getreide, nicht blos Roggen und Gerste, sondern auch Hafer, ja, der herrliche Hafer, der, wenn er reif ist, gerade wie eine Menge kleiner gelber Kanarienvögel auf einem Zweige aussieht.“<ref>[https://maerchen.com/andersen/der-buchweizen.php ''Hans Christian Anders''] In: ''Märchen.com.'' Abgerufen am 13. Dezember 2025.</ref> | ||
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Auch das Blühen und Reifen unterscheidet sich beim Hafer von den anderen Getreiden und es drückt sich nach Udo Renzenbrink darin „etwas von seinem Wesen aus“. | |||
:„Er ist ganz den Lichtkräften hingegeben, die aus dem Umkreis einstrahlen. Und so beginnt er von der Peripherie her zu blühen und zu reifen. Erst heben die oberen und äusseren Ährchen an und dann setzt sich der Vorgang nach unten und zum Zentrum hin fort. […] Zum Schaft hin bleiben die Rispen noch länger grün.“<ref>Udo Renzenbrink: „Die sieben Getreide“, 2. Auflage. Rudolf Geering Verlag, Dornach/Schweiz, 1983, ISBN 3-7235-0303-9, S. 116.</ref> | |||
Weiterhin beschreibt er die Wirkungen des Hafers auf die sogenannten Seelenkräften des Menschen, die in der Anthroposophie in Denken, Fühlen und Willen untergliedert werden. Je nachdem, wie diese Seelenkräfte entwickelt sind bzw. ob sie in einem geordneten oder ungeordneten Verhältnis zueinander stehen, drückt sich dies in den alltäglichen Handlungen des Menschen aus. So unterscheidet Udo Renzenbrink die rein physisch und substantiell aufbauende Wirkung des Hafers von der belebenden und befeuernden Wirkung auf die Willenskräfte des Menschen. | Weiterhin beschreibt er die Wirkungen des Hafers auf die sogenannten Seelenkräften des Menschen, die in der Anthroposophie in Denken, Fühlen und Willen untergliedert werden. Je nachdem, wie diese Seelenkräfte entwickelt sind bzw. ob sie in einem geordneten oder ungeordneten Verhältnis zueinander stehen, drückt sich dies in den alltäglichen Handlungen des Menschen aus. So unterscheidet Udo Renzenbrink die rein physisch und substantiell aufbauende Wirkung des Hafers von der belebenden und befeuernden Wirkung auf die Willenskräfte des Menschen. | ||
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:„Im Vergleich zu den anderen Getreiden lebt im Hafer ein besonders aufbauendes, kräftigendes Element. Darin kommt ihm nur der Reis gleich, dem aber die anfeuernde Komponente fehlt.<br> In diesem Sinne liegt der Schwerpunkt des Hafers im Stoffwechselbereich, dem Willenspol des Menschen. Hier greift seine anregende Wirkung ein. Diese ist als emotionale Komponente deutlich von dem rein kräftigenden Effekt zu unterscheiden. Sie kam zunächst bei Versuchstieren in Draufgängertum und Übermut zum Ausdruck und wurde auch beim Menschen nachgewiesen. Man bezeichnete die Wirkung als »pervitinartig« oder antidepressiv. Sie äußerte sich in einer gehobenen, heiteren und unternehmungslustigen Stimmung mit Aktivitätsdrang.<br> Für die Bewusstseinsentwicklung vermittelt der Hafer gleich dem Reis eine schwächere Stütze gegenüber Weizen, Roggen und Gerste. Daher wird man ihn nicht als einzige Getreideart wählen. Aber er ist oft hilfreich, wenn einem Menschen die Lebenskraft für sein Tagwerk fehlt und er auch zu wenig Antrieb verspürt. Denn er wirkt auf den Lebens- und Empfindungsbereich des menschlichen Organismus.“<ref>Udo Renzenbrink: „Die sieben Getreide“, 2. Auflage. Rudolf Geering Verlag, Dornach/Schweiz, 1983, ISBN 3-7235-0303-9, S. 121-122.</ref> | |||
[[Datei:Lockere Rispe des Hafer.jpg|mini|<center>Liebe<br><br>schöpferische Kraft<br>Zärtlichkeit<br>Sinn für Harmonie und Schönheit<br>weibliche Anmut<br>innere Wärme<br>körperliche Kraft, Ausdauer<br><br>Eiweiße, Kalzium, Mineralien, Fette, B-Vitamine,</center>]] | [[Datei:Lockere Rispe des Hafer.jpg|mini|<center>Liebe<br><br>schöpferische Kraft<br>Zärtlichkeit<br>Sinn für Harmonie und Schönheit<br>weibliche Anmut<br>innere Wärme<br>körperliche Kraft, Ausdauer<br><br>Eiweiße, Kalzium, Mineralien, Fette, B-Vitamine,</center>]] | ||
Aus geistiger Forschungsarbeit hat [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] den Hafer mit verschiedenen Eigenschaften, Bildern und Begriffen charakterisiert. Als „geistige Eigenschaft“ nennt er die Liebe. Diese versteht er nicht als emotionale oder schwärmerische Form der Liebe, sondern als eine reine universale Kraft. Auf der seelischen Ebene benennt er „schöpferische Kraft“, „Zärtlichkeit“ und „Sinn für Harmonie und Schönheit“, sowie „weibliche Anmut“ und „innere Wärme“. Für den physischen Bereich nennt er als Qualitäten „körperliche Kraft“ und „Ausdauer“ und hebt die physischen Inhaltsstoffe „Eiweiße, Kalzium, Mineralien, Fette, B-Vitamine“ hervor.<ref>Heinz Grill: ''Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. Die geistige Bedeutung der Nahrung.'' 9. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-2-0, S. | Aus geistiger Forschungsarbeit hat [[a:Heinz Grill|Heinz Grill]] den Hafer mit verschiedenen Eigenschaften, Bildern und Begriffen charakterisiert. Als „geistige Eigenschaft“ nennt er die Liebe. Diese versteht er nicht als emotionale oder schwärmerische Form der Liebe, sondern als eine reine universale Kraft. Auf der seelischen Ebene benennt er „schöpferische Kraft“, „Zärtlichkeit“ und „Sinn für Harmonie und Schönheit“, sowie „weibliche Anmut“ und „innere Wärme“. Für den physischen Bereich nennt er als Qualitäten „körperliche Kraft“ und „Ausdauer“ und hebt die physischen Inhaltsstoffe „Eiweiße, Kalzium, Mineralien, Fette, B-Vitamine“ hervor.<ref>Heinz Grill: ''Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. Die geistige Bedeutung der Nahrung.'' 9. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-2-0, S. 184–185.</ref> | ||
Die Beschreibungen dieser feineren geistigen und seelischen Seite lassen sich nicht mit dem gewöhnlichen, intellektuellen Denken erfassen sondern bilden einen Ausgangspunkt für eine meditative Annäherung an diese unsichtbaren Vorgänge. Heinz Grill weist auf die Veränderungen im Bewusstsein und Denken des Menschen über die Jahrtausende hinweg hin. | Die Beschreibungen dieser feineren geistigen und seelischen Seite lassen sich nicht mit dem gewöhnlichen, intellektuellen Denken erfassen sondern bilden einen Ausgangspunkt für eine meditative Annäherung an diese unsichtbaren Vorgänge. Heinz Grill weist auf die Veränderungen im Bewusstsein und Denken des Menschen über die Jahrtausende hinweg hin. | ||
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:„In den früheren Zeiten stand man jedoch bewusstseinsmäßig den irdischen Dingen und Geschehnissen noch ganz anders gegenüber. Die intellektuellen Fähigkeiten, die die gegenwärtige Epoche zeichnen, waren vor wenigen tausend Jahren noch gar nicht vorhanden. Vor 2000 bis 3000 Jahren besaß man ein sehr instinktives Wissen und ein natürliches Gemeinschaftsempfinden oder sogar menschliches Gruppenempfinden. Mit dem kosmischen Leben und dem Weltenrhythmus war man auf innigere Weise in Verbindung und es war selbstverständlich, dass der Mensch mehr aus dem Kosmos als aus den irdischen Verhältnissen lebt. Im Laufe der Entwicklung jedoch, und ganz besonders die letzten beiden Jahrhunderte, verlor der Mensch diesen restlichen kosmischen Weltenbezug und wurde immer mehr ein sogenannter irdischer Einsiedler. Mit dem Verlust des kosmischen Gefühls einhergehend prägten sich vorwiegend die intellektuellen Fähigkeiten des Menschen aus. Doch allein mit dem Verstand kann das Bewusstsein die Welt und das Leben noch nicht begreifen, denn das Denken ist im Intellektualismus aus dem lebendigen Zusammenhang gerissen und überschattet das eigentliche geistige wie auch kosmische Sein in der Seele. Der einseitige Intellektualismus verhindert damit die Öffnung für ein tieferes Gedankenleben und auch für das in der Folge entstehende seelische Erleben. Das menschliche Bewusstsein besitzt heute nur noch eine sehr dumpfe Ahnung von den höheren Welten. Anstelle dieses kosmischen Gefühls ist aber sein Bewusstsein für die irdische Welt auf einer sehr hohen Stufe angelangt.<br><br>Um das Denken und Fühlen des Menschen wieder lebendiger werden zu lassen, muss man alle Erscheinungen der Natur mit tieferen Augen und bewusst gedachten Ideen betrachten lernen.“<ref>Heinz Grill: ''Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. Die geistige Bedeutung der Nahrung.'' 9. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-2-0, S. 60.</ref> | |||
== Ökologie == | == Ökologie == | ||
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Hafer wird weltweit angebaut.<ref>[https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:391732-1 ''Distribution''] In: ''Royal Botanic Gardens - Kew - Plants of the World online.'' Abgerufen am 8. Dezember 2025.</ref> Hafer gedeiht am besten bei gemäßigtem Klima mit hohen Niederschlägen. Er wird in den Mittelgebirgen, im Alpenvorland und in den Küstenregionen angebaut. In den Alpen wird er bis zu einer Höhenlage von 1700 Metern angebaut.<ref>Hans Joachim Conert:''Familie Poaceae.'' In: Gustav Hegi: '' Illustrierte Flora von Mitteleuropa.'' 3. Auflage, Band I, Teil 3, Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1985, ISBN 3-489-52020-3, S. 218–220.</ref> Seine Ansprüche an den Boden sind gering. Hafer wird als [[w:Sommergetreide|Sommergetreide]] angebaut und ab Mitte August geerntet. | Hafer wird weltweit angebaut.<ref>[https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:391732-1 ''Distribution''] In: ''Royal Botanic Gardens - Kew - Plants of the World online.'' Abgerufen am 8. Dezember 2025.</ref> Hafer gedeiht am besten bei gemäßigtem Klima mit hohen Niederschlägen. Er wird in den Mittelgebirgen, im Alpenvorland und in den Küstenregionen angebaut. In den Alpen wird er bis zu einer Höhenlage von 1700 Metern angebaut.<ref>Hans Joachim Conert:''Familie Poaceae.'' In: Gustav Hegi: '' Illustrierte Flora von Mitteleuropa.'' 3. Auflage, Band I, Teil 3, Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1985, ISBN 3-489-52020-3, S. 218–220.</ref> Seine Ansprüche an den Boden sind gering. Hafer wird als [[w:Sommergetreide|Sommergetreide]] angebaut und ab Mitte August geerntet. | ||
Unter den Getreidearten gilt Hafer als | Unter den Getreidearten gilt Hafer als „Gesundungsfrucht“. | ||
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Weiterhin hat Hafer ein starkes Vermögen auf natürliche Weise Unkraut zu unterdrücken, da seine relativ breiten Blätter den Boden gut beschatten, er sich intensiv bestockt (aus einem Korn wachsen viele Haferpflanzen) und schließlich über seine Wurzeln Substanzen in den Boden abgibt, die hemmend auf das Wachstum von Unkräutern wirken. Indem Hafer sich kräftig verwurzelt, sowohl in die Tiefe (bis zu 195 cm), als auch seitwärts ( | :„Auf dem Acker gilt Hafer als Gesundungsfrucht: Er wird von sonst wichtigen Fußkrankheiten des Getreides wie Schwarzbeinigkeit und Halmbruch nicht befallen und kann daher Infektionszyklen unterbrechen. Verantwortlich für diesen Vorteil ist der haferspezifische Inhaltsstoff Avenacin aus der Familie der Saponine. Avenacin wird in den Wurzeln des Hafers gebildet, es wirkt wie ein pflanzliches Antibiotikum. Die Kornerträge von Weizen und Gerste nach Hafer sind durchweg deutlich höher als nach anderen Getreidearten.“<ref>[https://www.saaten-union.de/data/documents/Download-Center/SU_Haferprospekt-dt%20NAchdruck%202023.pdf ''Hafer – der Allrounder in der modernen Ernährung''] In: ''Saaten Union - Züchtung ist Zukunft.'' Abgerufen am 8. Dezember 2025.</ref> | ||
der Haferwurzel sind die vielen waagerecht | |||
streichenden Seitenwurzeln. [ | Weiterhin hat Hafer ein starkes Vermögen auf natürliche Weise Unkraut zu unterdrücken, da seine relativ breiten Blätter den Boden gut beschatten, er sich intensiv bestockt (aus einem Korn wachsen viele Haferpflanzen) und schließlich über seine Wurzeln Substanzen in den Boden abgibt, die hemmend auf das Wachstum von Unkräutern wirken. Indem Hafer sich kräftig verwurzelt, sowohl in die Tiefe (bis zu 195 cm), als auch seitwärts („Eine Besonderheit der Haferwurzel sind die vielen waagerecht streichenden Seitenwurzeln. […] So wird eine außergewöhnlich intensive Durchwurzelung des Bodens erreicht.“) bildet er gegenüber Unkräutern zusätzlich eine starke Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe.<ref>[https://www.saaten-union.de/data/documents/Download-Center/SU_Haferprospekt-dt%20NAchdruck%202023.pdf ''Hafer – der Allrounder in der modernen Ernährung''] In: ''Saaten Union - Züchtung ist Zukunft.'' Abgerufen am 8. Dezember 2025.</ref> | ||
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== Nutzung und Verarbeitung == | == Nutzung und Verarbeitung == | ||
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Überwiegend wird Spelzhafer verwendet. Da die Körner des Spelzhafer sich beim [[w:Dreschen|Dreschen]] nicht von den [[w:Spelzen|Spelzen]] trennen lassen, bedarf es einer aufwändigen Verarbeitung. Wegen seiner größeren Erträge im Vergleich zum Nackthafer (die Körner liegen lose in der Spelze), wird vorwiegend Spelzhafer angebaut. Nach dem Reinigen und Sieben werden die Haferkörner bei etwa 80° – 90° gedarrt. Dieser Trockenvorgang bewirkt, dass sich die Spelzen nun leichter vom Korn lösen lassen. Der Schälvorgang findet in einem "Prallschäler" statt, in dem die Haferkörner durch Rotation auf einen sogenannten Prallring geschleudert werden und die Spelzen sich dabei lösen. | Überwiegend wird Spelzhafer verwendet. Da die Körner des Spelzhafer sich beim [[w:Dreschen|Dreschen]] nicht von den [[w:Spelzen|Spelzen]] trennen lassen, bedarf es einer aufwändigen Verarbeitung. Wegen seiner größeren Erträge im Vergleich zum Nackthafer (die Körner liegen lose in der Spelze), wird vorwiegend Spelzhafer angebaut. Nach dem Reinigen und Sieben werden die Haferkörner bei etwa 80° – 90° gedarrt. Dieser Trockenvorgang bewirkt, dass sich die Spelzen nun leichter vom Korn lösen lassen. Der Schälvorgang findet in einem "Prallschäler" statt, in dem die Haferkörner durch Rotation auf einen sogenannten Prallring geschleudert werden und die Spelzen sich dabei lösen. | ||
Der Trockenvorgang bewirkt ausserdem die Deaktivierung der Fett spaltenden Enzym, was bei dem hohen Fettgehalt (etwa 7 %) des Hafers notwendig ist, damit die Haferprodukte nicht ranzig werden und eine längere Haltbarkeit gewährleistet ist. | Der Trockenvorgang bewirkt ausserdem die Deaktivierung der Fett spaltenden Enzym, was bei dem hohen Fettgehalt (etwa 7 %) des Hafers notwendig ist, damit die Haferprodukte nicht ranzig werden und eine längere Haltbarkeit gewährleistet ist. | ||
Während des Darrvorganges wird zudem die Haferstärke teilweise aufgeschlossen wodurch die Haferprodukte leichter verdaubar und bekömmlicher werden und sich das typische nussartige Aroma bildet. | Während des Darrvorganges wird zudem die Haferstärke teilweise aufgeschlossen wodurch die Haferprodukte leichter verdaubar und bekömmlicher werden und sich das typische nussartige Aroma bildet. | ||
==== Nahrungsmittel aus Hafer ==== | ==== Nahrungsmittel aus Hafer ==== | ||
Der überwiegende Teil des entspelzten Hafers wird nun zu [[w:Haferflocken|Haferflocken]] verarbeitet. Um die Körner weicher und elastischer zu machen werden sie heiß bedampft und dann zu Flocken gewalzt.<ref>[https://www.ugb.de/lebensmittel-zubereitung/warenkunde-hafer/ ''Hafer: Primus unter den Körnern''] In: ''UGB – Verein für unabhängige Gesundheitsberatung.'' Abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref><ref>[https://www.einfach-clever-essen.de/rund-um-lebensmittel/verarbeitung/herstellung-haferflocken/ ''Herstellung von Haferflocken''] In: ''Ernährung lehren und lernen.'' Abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref> | Der überwiegende Teil des entspelzten Hafers wird nun zu [[w:Haferflocken|Haferflocken]] verarbeitet. Um die Körner weicher und elastischer zu machen werden sie heiß bedampft und dann zu Flocken gewalzt.<ref>[https://www.ugb.de/lebensmittel-zubereitung/warenkunde-hafer/ ''Hafer: Primus unter den Körnern''] In: ''UGB – Verein für unabhängige Gesundheitsberatung.'' Abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref><ref>[https://www.einfach-clever-essen.de/rund-um-lebensmittel/verarbeitung/herstellung-haferflocken/ ''Herstellung von Haferflocken''] In: ''Ernährung lehren und lernen.'' Abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref> | ||
Bei Haferflocken gibt es in drei Varianten: Die kernigen oder Großblattflocken werden aus den ganzen Körnern gewalzt. Für feinere oder Kleinblattflocken werden die Haferkerne vor dem Walzen in kleine Stücke – die sogenannte [[w:Grütze|Grütze]] – geschnitten. Die Instant- oder Schmelzflocken werden aus Hafermehl in einem besonderen Verfahren hergestellt und zu Flocken gepresst.<ref>[https://patents.google.com/patent/WO2007020059A1/de ''Process for preparing an instant oat cereal''] In: ''Google Patents.'' Abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref> | Bei Haferflocken gibt es in drei Varianten: Die kernigen oder Großblattflocken werden aus den ganzen Körnern gewalzt. Für feinere oder Kleinblattflocken werden die Haferkerne vor dem Walzen in kleine Stücke – die sogenannte [[w:Grütze|Grütze]] – geschnitten. Die Instant- oder Schmelzflocken werden aus Hafermehl in einem besonderen Verfahren hergestellt und zu Flocken gepresst.<ref>[https://patents.google.com/patent/WO2007020059A1/de ''Process for preparing an instant oat cereal''] In: ''Google Patents.'' Abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref> | ||
Des weiteren gibt es die sogenannten Cerealien (Gesamtheit der Müslis, Flakes und andere knusprigen Getreideerzeugnisse) aus Hafer, die in unterschiedlichen Herstellungsverfahren entstehen: | Des weiteren gibt es die sogenannten Cerealien (Gesamtheit der Müslis, Flakes und andere knusprigen Getreideerzeugnisse) aus Hafer, die in unterschiedlichen Herstellungsverfahren entstehen: | ||
Für extrudierte Hafer-Cerealien (Knusperprodukte) wird ein wasserhaltiger Teig aus Hafervollkornmehl und weiteren Zutaten unter Druck in eine Verdichtungsschnecke (vergleichbar mit einem Fleischwolf) gepresst. Beim Pressen kann der Teig durch Einsatz von Matrizen unterschiedlich geformt werden. Beim Austritt verdampft das Wasser, das Produkt verfestigt sich. Anschließend wird es geröstet. Je nach Sorte werden sie dann mit Kakao, Zucker, Honig oder Nüssen, usw. überzogen. Manche Produkte enthalten auch Cremefüllungen in bestimmten Geschmacksrichtungen. | Für extrudierte Hafer-Cerealien (Knusperprodukte) wird ein wasserhaltiger Teig aus Hafervollkornmehl und weiteren Zutaten unter Druck in eine Verdichtungsschnecke (vergleichbar mit einem Fleischwolf) gepresst. Beim Pressen kann der Teig durch Einsatz von Matrizen unterschiedlich geformt werden. Beim Austritt verdampft das Wasser, das Produkt verfestigt sich. Anschließend wird es geröstet. Je nach Sorte werden sie dann mit Kakao, Zucker, Honig oder Nüssen, usw. überzogen. Manche Produkte enthalten auch Cremefüllungen in bestimmten Geschmacksrichtungen. | ||
Für gepuffte Cerealienprodukte werden ganze Haferkörner Dampf und Druck ausgesetzt. Durch plötzlichen Druckabfall verdampft das enthaltene Wasser und die Stärke wandelt sich um. Die Körner blähen sich auf und erstarren.<ref>[https://www.vgms.de/fileadmin/vgms/Dateien/Downloads/Veroeffentlichungen/VGMS-Information_190219_Cerealien_final.pdf ''Fragen und Antworten zur Ernährung mit Frühstückscerealien, Berlin, 19. Februar 2019''] In: ''Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft VGMS e. V.'' Abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref> | Für gepuffte Cerealienprodukte werden ganze Haferkörner Dampf und Druck ausgesetzt. Durch plötzlichen Druckabfall verdampft das enthaltene Wasser und die Stärke wandelt sich um. Die Körner blähen sich auf und erstarren.<ref>[https://www.vgms.de/fileadmin/vgms/Dateien/Downloads/Veroeffentlichungen/VGMS-Information_190219_Cerealien_final.pdf ''Fragen und Antworten zur Ernährung mit Frühstückscerealien, Berlin, 19. Februar 2019''] In: ''Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft VGMS e. V.'' Abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref> | ||
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Da pflanzliche Milch in der EU nicht mit der Bezeichnung ''Milch'' in Verkehr gebracht werden darf,<ref>[[https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=celex:31987R1898 ''Verordnung (EWG) Nr. 1898/87 des Rates vom 2. Juli 1987 über den Schutz der Bezeichnung der Milch und Milcherzeugnisse bei ihrer Vermarktung.'' In: 'European Union - EUR-Lex.'' Abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref> sind Umschreibungen wie ''Hafergetränk'' oder ''Haferdrink'' gängig. | Da pflanzliche Milch in der EU nicht mit der Bezeichnung ''Milch'' in Verkehr gebracht werden darf,<ref>[[https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=celex:31987R1898 ''Verordnung (EWG) Nr. 1898/87 des Rates vom 2. Juli 1987 über den Schutz der Bezeichnung der Milch und Milcherzeugnisse bei ihrer Vermarktung.'' In: 'European Union - EUR-Lex.'' Abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref> sind Umschreibungen wie ''Hafergetränk'' oder ''Haferdrink'' gängig. | ||
Bei Nackthafer liegen die Körner lose in den Spelzen und können so beim Dreschen leicht von den Spelzen getrennt werden. Seine Erträge sind jedoch viel geringer als beim Spelzhafer. | Bei Nackthafer liegen die Körner lose in den Spelzen und können so beim Dreschen leicht von den Spelzen getrennt werden. Seine Erträge sind jedoch viel geringer als beim Spelzhafer. | ||
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:„Allerdings liegt der Nährwert bei dem “nackten” Getreide um Einiges höher, denn das Entspelzen der Getreidekörner bedeutet unweigerlich auch einen Nährstoffverlust.“<ref>[https://www.getreide.org/hafer.html ''Hafer''] In: ''Getreide.org.'' Abgerufen am 9. Dezember 2025.</ref> | |||
==== Die Verwendung des Haferkrautes und des Haferstrohs in der Naturheilkunde ==== | ==== Die Verwendung des Haferkrautes und des Haferstrohs in der Naturheilkunde ==== | ||
In der mittelalterlichen Medizin wurden<ref>Johannes Jühling: ''Die Tiere in der deutschen Volksmedizin alter und neuer Zeit nach den in der kgl. öffentlichen Bibliothek zu Dresden vorhandenen gedruckten und ungedruckten Quellen. Mit einem Anhange von Segen und einem Geleitworte von M. Höfler.'' Polytechnische Buchhandlung R. Schulze, Mittweida 1900, S. 128 und 131 f.</ref> und in Naturheilkunde werden das grüne Haferkraut (''Herba avenae'') und das Haferstroh (''Stramentum avenae'', auch „Haberstroh“) verwendet. ''Stramentum avenae'' wird vor allem für Haferstrohbäder verwendet. Diese sollen bei Hautverletzungen helfen und Juckreiz stillen.<ref name="schöni">Ingrid Schönfelder, Peter Schönfelder: ''Das neue Handbuch der Heilpflanzen'' Franckh-Kosmos, Stuttgart 2004, ISBN 3-440-09387-5.</ref> Das grüne Haferkraut wird als Tee verwendet. Zu den volkstümlichen Anwendungsgebieten zählen nervöse Einschlafstörungen, [[w:Harngrieß|Harngrieß]] und rheumatische Erkrankungen. Manche Medikamente gegen nervöse Unruhe enthalten Haferextrakte.<ref name="schöni" /> | In der mittelalterlichen Medizin wurden<ref>Johannes Jühling: ''Die Tiere in der deutschen Volksmedizin alter und neuer Zeit nach den in der kgl. öffentlichen Bibliothek zu Dresden vorhandenen gedruckten und ungedruckten Quellen. Mit einem Anhange von Segen und einem Geleitworte von M. Höfler.'' Polytechnische Buchhandlung R. Schulze, Mittweida 1900, S. 128 und 131 f.</ref> und in Naturheilkunde werden das grüne Haferkraut (''Herba avenae'') und das Haferstroh (''Stramentum avenae'', auch „Haberstroh“) verwendet. ''Stramentum avenae'' wird vor allem für Haferstrohbäder verwendet. Diese sollen bei Hautverletzungen helfen und Juckreiz stillen.<ref name="schöni">Ingrid Schönfelder, Peter Schönfelder: ''Das neue Handbuch der Heilpflanzen'' Franckh-Kosmos, Stuttgart 2004, ISBN 3-440-09387-5.</ref> Das grüne Haferkraut wird als Tee verwendet. Zu den volkstümlichen Anwendungsgebieten zählen nervöse Einschlafstörungen, [[w:Harngrieß|Harngrieß]] und rheumatische Erkrankungen. Manche Medikamente gegen nervöse Unruhe enthalten Haferextrakte.<ref name="schöni" /> | ||
Für die in ''Avena sativa'' enthaltenen Avenanthramide konnten im Versuch reizmildernde, entzündungshemmende und juckreizstillende Effekte beschrieben werden.<ref name="epiapopt">R. Sur, A. Nigam, D. Grote, F. Liebel, M. D. Southall: ''Avenanthramides, polyphenols from oats, exhibit anti-inflammatory and anti-itch activity.'' In: ''Archives of dermatological research'' Band 300, Nummer 10, November 2008, {{ISSN|1432-069X}}, S. 569–574, [[doi:10.1007/s00403-008-0858-x]], PMID 18461339.</ref> | Für die in ''Avena sativa'' enthaltenen Avenanthramide konnten im Versuch reizmildernde, entzündungshemmende und juckreizstillende Effekte beschrieben werden.<ref name="epiapopt">R. Sur, A. Nigam, D. Grote, F. Liebel, M. D. Southall: ''Avenanthramides, polyphenols from oats, exhibit anti-inflammatory and anti-itch activity.'' In: ''Archives of dermatological research'' Band 300, Nummer 10, November 2008, {{ISSN|1432-069X}}, S. 569–574, [[doi:10.1007/s00403-008-0858-x]], PMID 18461339.</ref> | ||
{{Gesundheitshinweis}} | {{Gesundheitshinweis}} | ||
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In Kärnten ist für die Unterart ''Avena sativa var. orientalis'' der Name Fahnenhafer überliefert.<ref name="Pritzel">[[Georg August Pritzel]], [[Carl Jessen]]: ''Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze.'' Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 53, [http://archive.org/stream/diedeutschenvol00pritgoog#page/n73/mode/2up online.]</ref> Für die Unterart ''Avena sativa var. vulgaris'' sind die Trivialnamen Biven/Biwen (Ostfriesland), Evena/Evina (mittelhochdeutsch), Flöder (Graubünden), Habaro/Haberr/Habir (althochdeutsch), Habbern/Haberen/Hafern/Haffern (mittelhochdeutsch), Haber (mittelhochdeutsch; Schweiz, Österreich, Süddeutschland<ref>[https://www.duden.de/rechtschreibung/Haber Duden].</ref>), Haffer (Frankfurt), Haowr´r (Altmark), Havern (mittelniederdeutsch), Hawer/Hawerkorn (Mecklenburg, Waldeck, Unterweser), Heberin/Hebrein Brod (mittelhochdeutsch), Huever [Siebenbürgen), Hyllmann (Schwaben), Koorn (Münsterland) und Rispenhafer.<ref name="Pritzel" /><ref>Vgl. auch [[Otto Beßler]]: ''Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart.'' Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 160 („Avena – habbern […] Egilops […] – haver“: Avena sativa L.)</ref> | In Kärnten ist für die Unterart ''Avena sativa var. orientalis'' der Name Fahnenhafer überliefert.<ref name="Pritzel">[[Georg August Pritzel]], [[Carl Jessen]]: ''Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze.'' Philipp Cohen, Hannover 1882, Seite 53, [http://archive.org/stream/diedeutschenvol00pritgoog#page/n73/mode/2up online.]</ref> Für die Unterart ''Avena sativa var. vulgaris'' sind die Trivialnamen Biven/Biwen (Ostfriesland), Evena/Evina (mittelhochdeutsch), Flöder (Graubünden), Habaro/Haberr/Habir (althochdeutsch), Habbern/Haberen/Hafern/Haffern (mittelhochdeutsch), Haber (mittelhochdeutsch; Schweiz, Österreich, Süddeutschland<ref>[https://www.duden.de/rechtschreibung/Haber Duden].</ref>), Haffer (Frankfurt), Haowr´r (Altmark), Havern (mittelniederdeutsch), Hawer/Hawerkorn (Mecklenburg, Waldeck, Unterweser), Heberin/Hebrein Brod (mittelhochdeutsch), Huever [Siebenbürgen), Hyllmann (Schwaben), Koorn (Münsterland) und Rispenhafer.<ref name="Pritzel" /><ref>Vgl. auch [[Otto Beßler]]: ''Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart.'' Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 160 („Avena – habbern […] Egilops […] – haver“: Avena sativa L.)</ref> | ||
=== Historische Abbildungen === | === Historische Abbildungen === | ||
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== Literatur == | == Literatur == | ||
* | * Meinolf Lindhauer, Klaus Lösche, Thomas Miedaner (Hrsg.): ''Warenkunde Getreide – Inhaltsstoffe, Analytik, Reinigung, Trocknung, Lagerung, Vermarktung, Verarbeitung.'' 7. Auflage. Agrimedia, Clenze 2017, ISBN 978-3-86263-003-5. | ||
* | * Peer Schilperoord: [https://www.berggetreide.ch/doi/10.22014/97839524176-e9.html ''Kulturpflanzen in der Schweiz – Hafer.''] In: ''berggetreide.ch.'' Verein für alpine Kulturpflanzen, Alvaneu 2017. | ||
== Weblinks == | == Weblinks == | ||
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== Einzelnachweise == | == Einzelnachweise == | ||
<references /> | |||
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<small>Dieser Artikel basiert teilweise auf den Artikeln [https://de.wikipedia.org/wiki/Saat-Hafer Saat-Hafer] sowie [https://de.wikipedia.org/wiki/Hafer Hafer] aus der deutschen freien Enzyklopädie [https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite Wikipedia] und steht unter der Lizenz [https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/ Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International.] Es ist in Wikipedia jeweils eine Liste von Autoren für die Artikel [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Saat-Hafer&action=history Saat-Hafer] und [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hafer&action=history Hafer] einsehbar.</small> | <small>Dieser Artikel basiert teilweise auf den Artikeln [https://de.wikipedia.org/wiki/Saat-Hafer Saat-Hafer] sowie [https://de.wikipedia.org/wiki/Hafer Hafer] aus der deutschen freien Enzyklopädie [https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Hauptseite Wikipedia] und steht unter der Lizenz [https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0/ Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International.] Es ist in Wikipedia jeweils eine Liste von Autoren für die Artikel [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Saat-Hafer&action=history Saat-Hafer] und [https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hafer&action=history Hafer] einsehbar.</small> | ||
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Version vom 14. Dezember 2025, 08:40 Uhr
Echter Hafer oder Saat-Hafer (Avena sativa) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Hafer (Avena) innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae). Er zählt zu den sieben echten Getreiden. Es werden Spelzhafer (Avena sattiva) und Nackthafer (Avena nudisattiva)[1] unterschieden.
Hafer wird ernährungsphysiologisch als eine der gesündesten Getreidearten bezeichnet und wurde 2017 wegen seiner heilsamen Eigenschaften zur Arzneipflanze des Jahres gewählt.[2] Er wird auch als Phytopharmakon bezeichnet
Die in vergangenen Zeiten teils sehr hohen Anbau- und Erntemengen von Hafer spiegeln jedoch nicht den realen Verbrauch für die menschliche Ernährung wider, denn Hafer wurde größtenteils als kräftiges Futter für Rinder, Geflügel und vor allem für Pferde (als Arbeits- und Zugtiere) verwendet. Erst in neuerer Zeit findet er wieder mehr Beachtung in seinem Wert für die menschliche Ernährung.
Neben seinen aufbauenden körperlichen Wirkungen wird er auch im Hinblick auf seine seelisch aktivierende Kraft beschrieben. Aus geistiger Sicht werden ihm Qualitäten wie Liebe, schöpferische Kraft, innere Wärme zugeordnet.
Geschichte


Es wird angenommen, dass Hafer zunächst mehr als Begleitgras auf Weizen- und Gerstenfeldern wuchs, da immer nur kleine Mengen von Haferkörnern in Funden aus dem Altertum enthalten waren. Die ersten Nachweise für die Nutzung von Hafer finden sich vor etwa 7000 Jahren (5000 v. Chr.) und zwar in Polen sowie in den heutigen Ländern Rumänien, Moldawien und Ungarn.
Die ersten Belege für eine Nutzung in Mitteleuropa finden sich um 2200 v. Chr. Der früheste Nachweis für Haferanbau stammt aus den Pfahlbausiedlungen der Bronzezeit (ca. 2200 - 800 v. Chr. ) in der Schweiz.[3][4] Im Historischen Lexikon der Schweiz schreibt Stefanie Jacomet:
- "Hafer beginnt in Europa – auch in der Schweiz – ab der Bronzezeit regelmässig aufzutreten. Zumeist handelt es sich dabei um Wildhafer. Eindeutige Funde von Kulturhafer gibt es erst seit der Eisenzeit [Anm.: etwa um 800 v. Chr.]. In der Römerzeit [Anm.: 200 v. Chr. - 480 n. Chr.[5]] sind dann auch aus der Schweiz Vorratsfunde bekannt. Insbesondere für das hohe und späte Mittelalter [Anm.: 1050 – 1500 n. Chr.] ist Hafer zum Teil in grossen Mengen nachweisbar. Er war das im schweizerischen Mittelland und in der Nordwestschweiz vorherrschende Sommergetreide im Rotationssystem der Dreizelgenwirtschaft."[6]
Auch die Germanen [Anm.: ca. 100 v. Chr. - 500 n. Chr.[7]] schätzten den Hafer. Dies spiegelt sich auch in dem Ausdruck "Haferfresser", den die Römer für die Germanen verächtlich gebrauchten.
Bis ins Mittelalter [Anm.: 600 n. Chr.] war der Haferanbau auf das Gebiet nördlich des Mains beschränkt. Ab dem Hochmittelalter [Anm.: 1050 n. Chr.] ist Hafer in Mittelgebirgslagen eine bedeutende Feldfrucht, die erst durch die Einführung der Kartoffel [Anm.: 18. Jhr.] ihre Stellung verlor. Die Bedeutung des Hafers wird auch darin deutlich, dass er in deutschen Familiennamen vorkommt, z. B. Haferkamp (= Hafer-Feld). Ab dem Mittelalter findet man die Nutzung von Hafer auch im Süden Europas.[8]
Bis in die Neuzeit [Anm.: ab 1500 n. Chr.] wurde Hafer in klimatisch wenig günstigen Gegenden Deutschlands häufig angebaut, da er bei ungünstigen Witterungsbedingungen (Staunässe, Trockenheit, mangelnde Bodenqualität) und schlechter Nährstoffversorgung stabilere Erträge liefert als zum Beispiel Sommergerste. Noch 1939 rangierte Hafer in der weltweiten Bedeutung nach Weizen und Mais an dritter Stelle der Getreidearten. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Anbau zurückgegangen, zum Teil wegen der Motorisierung, die Zugpferde (als Haferkonsumenten) mehr und mehr überflüssig machte und damit die Nachfrage senkte.
- "Hafer war der Treibstoff vor der Motorisierung. Als Futter für Transport- und Militärpferde war er unerlässlich."[9]
In Deutschland war Hafer noch bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts nach Roggen die wichtigste Getreideart. Heute ist der Haferanbau sowohl in Deutschland[10] als auch weltweit[11] gegenüber den anderen Getreidearten von untergeordneter Bedeutung und die Erntemengen sind tendenziell fallend.
Beschreibung

Vegetative Merkmale
Saat-Hafer ist eine einjährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 0,6 bis 1,5 Meter erreicht. Die Halme sind aufrecht oder gekniet-aufsteigend, glatt und kahl und haben 4 bis 8 Knoten. Die Ligula ist eine 3 bis 5 Millimeter langer häutiger Saum. Die Blattspreiten sind 5 bis 15 (bis 20) Millimeter breit und werden bis 45 Zentimeter lang.[12]
Generative Merkmale
Dieses Rispengras hat einen 15 bis 30 Zentimeter langen, allseitswendigen rispigen Blütenstand, der zum Teil wiederum verzweigte Rispen trägt, die sich sanft nach unten neigen. Am oberen Ende tragen die Rispen Ährchen mit zwei bis drei Blüten, von denen meist nur zwei fruchtbar sind. Die Ährchenachse zerfällt bei der Reife nicht. Die Ährchen sind anfangs aufrecht, später überhängend. Die Hüllspelzen sind bei einer Länge von 20 bis 30 Millimetern untereinander fast gleich, sieben- bis neunnervig, lanzettlich, dünnhäutig mit breiten, weißlich durchsichtigen Rändern. Die Deckspelzen sind siebennervig, 12 bis 24 Millimeter lang, am oberen Ende eingekerbt mit zwei kurzen, spitzen Seitenlappen und auf dem Rücken in der Mitte begrannt oder unbegrannt. Die Vorspelzen sind 10 bis 20 Millimeter lang und auf den Kielen kurz und dicht bewimpert. Die Staubblätter sind 2,5 bis 4 Millimeter lang.[13] Die spindelförmigen Körner sind bei der Reife mit der kurzbegrannten Deckspelze und der Vorspelze fest verwachsen. Die Spelzen umgeben das eigentliche Korn.
Einer 2023 veröffentlichten Studie zufolge ergab sich nach DNA-Sequenzierung folgendes Ergebnis: Die Entwicklungslinien von Nackt-Hafer und Saat-Hafer (Avena sativa) haben sich vor ca. 51.000 Jahren getrennt. Beide Arten wurden offenbar unabhängig voneinander domestiziert.[14]
Eigenschaften und gesundheitliche Bedeutung
Saat-Hafer gilt als die hochwertigste Getreideart, die in Mitteleuropa angebaut wird.[15] Er wird auch als Phytopharmakon bezeichnet.
- "Bei Phytopharmaka handelt es sich um Wirkstoffe rein pflanzlicher Herkunft, die seit Menschengedenken zur Behandlung von Krankheiten eingesetzt werden. Wie alle Phytopharmaka ist auch der Hafer ein Vielstoffgemisch, […] Es unterscheidet sich von anderen Getreiden insbesondere durch seine hohe Konzentration spezifischer funktioneller Bestandteile [...]"[16]
Aufgrund der vielfältigen Anwendungen und Wirkungen wurde der Saat-Hafer von einer Arbeitsgruppe der Universität Würzburg zur Arzneipflanze des Jahres 2017 gewählt.[17]
Hervorzuheben sind folgende Inhaltsstoffe mit ihren entsprechenden Wirkungen auf den menschlichen Organismus:
Besondere Qualität der Kohlenhydrate
Zu den Kohlenhydraten in einer Pflanze zählen Stärke, süße Stoffe, die Ballaststoffe und sogar verholzte Teile. Obwohl die Ballaststoffe im Dünndarm weder aufgenommen noch verdaut werden können, sind sie dennoch bedeutungsvoll für die Gesundheit.
100 g Hafer enthalten etwa 10 g Ballaststoffe (zum Vergleich: Weizen und Roggen enthalten ca. 13,2 g). Jedoch sind beim Hafer etwa die Hälfte (ca. 4,5 g) sogenannte Beta-Glucane, welche eine besondere gesundheitlich Wirkung entfalten (Gerste enthält sogar ca. 4,8 g Beta-Glucane, Roggen 2,3 g und Weizen nur 0,8 g).[18] Diese Ballaststoffe kommen im Haferkorn überwiegend in der äußeren Schicht des Mehlkörpers, der Subaleuronschicht, vor.
Entzündungshemmend für Darm, prebiotisch – besseres Gleichgewicht die Darmflora
Wie alle Ballaststoffe können auch die Beta-Glucane nicht direkt von uns im Darm verdaut werden, jedoch sind sie im Gegensatz zu den übrigen Ballaststoffen wasserlöslich und können so von den Bakterien im Dickdarm (Mikrobiota/Darmflora) verdaut, d. h. von diesen zu kurzkettigen Fettsäuren wie Butyrat, Acetat und Propionat fermentiert werden. Diese Stoffe bewirken eine Senkung des pH-Wertes, das Darmmilieu wird also sauerer und so verhindern sie insbesondere die Fehlbesiedlung des Dickdarms durch krankmachende Keime (da diese in der leicht sauren Umgebung absterben).[19] Zudem gedeihen die diese Stoffe bildenden Darmbakterien am besten in dem von ihnen selbst geschaffenen leicht sauren Milieu. Auch andere Milchsäure bildende Darmbakterien benötigen das saure Milieu sowie die Beta-Glucane als "Futter".
Kurzkettige Fettsäuren sind darüber hinaus wichtige Regulatoren für einen gesunden Stoffwechsel. Butyrat dient als wichtigster Nährstoff für die Darmschleimhautzellen und wirkt entzündungshemmend.[20][21]
Regulierung des Blutzuckerspiegels – Bedeutung bei Diabetes
Beta-Glucane aus Getreide machen bei einer ausreichend hohen Konzentration in der Nahrung den Speisebrei im Magen-Darm-Trakt zähflüssiger.[22] Sie verzögern so den Abbau der Nährstoffe, insbesondere den Aufschluss von Kohlenhydraten zu Zucker und die Resorption ins Blut. Der Verzehr von Hafer- und Gerstenprodukten mit einem hohen Beta-Glucan-Gehalt führt so zu einem geringeren und zeitverzögerten Anstieg des Blutzuckerspiegels nach den Mahlzeiten und in der Folge zu einer verringerten Insulinausschüttung. Das gilt für Diabetiker und Nicht-Diabetiker gleichermaßen.[23] Ein solcher Effekt auf Blutzucker und Insulinspiegel ist für Beta-Glucane aus Hafer und aus Gerste nachgewiesen; ob dies auch für Fertigprodukte mit unter Hochdruck gegartem Hafer gilt, ist nicht nachgewiesen.[24]
Laut dem anthroposophischen Arzt Dr. Udo Renzenbrink gibt es im Hafer noch eine weitere Art von Kohlenhydraten, die für den Diabetiker von Bedeutung ist, da sie sich vom "Fruchtzucker ableiten" und daher ohne Beteiligung von Insulin verwertet werden können.[25]
- „Hafer-Tage“ (nach Carl von Noorden) in der Diabetestherapie: Mediziner, Diabetologen und Diabetesberater wenden zum Teil die sogenannten Hafertage an. Dabei handelt es sich um eine spezielle haferbetonte Kost, die über zwei bis maximal drei Tage eingenommen wird. Sie stellt eine besondere und sehr intensive Form der diätetischen Intervention in der Behandlung der Insulinresistenz bei Diabetes mellitus Typ 2 dar. Ziel ist es, mit einer einfachen Methode Blutzuckerwerte zu verbessern, die Insulinresistenz zu verringern und somit die Insulinsensitivität zu erhöhen. Dadurch wird weniger Insulin für die Verarbeitung der Glucose benötigt. Wissenschaftliche Studien und Erfahrungen aus der Praxis bestätigen die Reduzierung der Insulinzufuhr nach dieser Anwendung.[26][27]
Absenkung des Cholesterinspiegels im Blut
Zudem verringern Beta-Glucane aus Hafer[28] und Gerste[29] den Cholesteringehalt im Blut. Sie binden nämlich Gallensäure und Cholesterin im Darm.
- „Die gebundenen Substanzen werden zusammen mit den unverdaulichen Ballaststoffen ausgeschieden, wodurch die Rückresorption der Gallensäuren aus dem unteren Darmabschnitt (Ileum) reduziert wird. Dadurch wird die Leber angeregt, aus dem im Blut befindlichen Cholesterin neue Gallensäuren zu synthetisieren. In der Folge verbleibt insgesamt weniger Cholesterin im Blut und der Gesamt- sowie der LDL-Cholesterinspiegel sinken. HDL-Cholesterinwerte und Triglyceride bleiben indes unverändert.“[30]
Die EU-Verordnung zu nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben sieht vor, dass verzehrsfertige Lebensmittel, die mindestens ein Gramm Hafer-Beta-Glucan pro Verzehrportion enthalten, mit dem cholesterinsenkenden Effekt ausgelobt werden dürfen. Dazu müssen sie den Hinweis tragen, dass insgesamt drei Gramm Hafer-Beta-Glucan pro Tag erforderlich sind. Mit einer Portion von 40 - 50 g Haferflocken sind 3 Gramm Beta-Glucane erreicht.[31][32]
Günstige Wirkung bei Entzündungen in Magen und Darm
Die Beta-Glucane sind, wie oben beschrieben, verantwortlich für die Schleimbildung (zähflüssige Konsistenz) bei gekochtem Hafer und Gerste. Dieser Schleim kleidet die gereizte bzw. entzündete Magen- oder Darmschleimhaut gelartig aus und wirkt beruhigend und schützend, weil die Magensäure oder andere reizende Substanzen die Schleimhaut nicht mehr so leicht erreichen.[33] Die stark quellfähigen Beta-Glucane können zudem überschüssige Magensäure binden wodurch die Reizungen im Magen zusätzlich reduziert werden.[34]
Gute Sättigung
Da die Beta-Glucane große Wassermengen binden können, erhöhen sie das Volumen der aufgenommenen Nahrung. Die Magenentleerung verzögert sich und es tritt schneller eine Sättigung ein.
Sehr hochwertiges Eiweiß
Das Eiweiß des Hafers wird als besonders ausgewogen bezeichnet. Hafer enthält alle acht essenziellen Aminosäuren (lebensnotwendig, da unser Körper sie nicht selbst herstellen kann). Auch andere Getreide enthalten alle acht essenziellen Aminosäuren, jedoch sind sie beim Hafer besonders vollständig. Der Verzehr von 100 g Hafer deckt den Tagesbedarf von sechs essentiellen Aminosäuren. (Im Vergleich dazu decken 100 g Weizen oder Mais den Tagesbedarf von jeweils nur einer essentiellen Aminosäure.) Nur die beiden Amminosäuren Lysin und Methionin, bleiben beim Hafer etwas unter dem Tagesbedarf und dennoch weist er den höchsten Lysingehalt aller Getreide auf.
Die Angaben in der Tabelle beziehen sich auf 100 g essbaren Mehlanteil.[35]
Trotz dem hohen Eiweißgehalt enthält Hafer nur eine geringe Menge der für Zöliakie und Glutenallergien auslösenden Prolamine. Diese sogenannten Proteinfraktionen sind in unterschiedlicher Menge in den Getreiden enthalten: Hafer enthält mit 10-15% vergleichsweise wenig Prolamine, Weizen 40-50%, Roggen 30-50% und Gerste 35-45%.[36] Zusätzlich sind diese Prolamine in den Getreidearten strukturell unterschiedlich, d. h. sie haben etwas verschiedene Proteinsequenzen. Beim Hafer heißt dieses Prolamin Avenin (beim Weizen Gliadin, beim Roggen Secalin und bei Gerste Hordein). Wegen der unterschiedlichen Proteinstruktur löst das Avenin im Hafer grundsätzlich weniger immunologische Reaktionen als das Gliadin im Weizen aus. Zöliakie und AllergienFür viele Allergiker und Betroffene von Zöliakie sowie chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Reizdarmsyndrom, Kurzdarmsyndrom) ist nur Gliadin, nicht aber zugleich auch jedes andere Gluten unverträglich. Die in dieser Weise Betroffenen müssen deshalb zwar die klassischen Getreide (Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel, Triticale, und ihre botanischen Vorläufer) meiden, können aber Hafer und Haferprodukte je nach Empfindlichkeit gegebenenfalls vertragen. Es muss hier aber sichergestellt sein, dass der Hafer beim lebensmitteltechnologischen Behandlungsprozess nicht mit Weizen usw. kontaminiert wurde. Wie sehr eine gluten-freie Diät eine einseitige Ernährung mit Mangelerscheinungen begünstigt, darauf weist die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft hin. In der von ihr genannten Studie wird Hafer deshalb als bedeutende Alternative zur Verbesserung der täglichen Ernährung vorgeschlagen.
Hoher Anteil ungesättigter FettsäurenHafer ist das Getreide mit dem höchsten Fettgehalt. 100 g enthalten durchschnittlich 7 g Fett (Weizen hat ca. 2 g). Etwa 5 g des Fettes besteht aus ungesättigten Fettsäuren. Die zweifach ungesättigte Linolsäure (Omega 6) hat mit 2,4 g den größten Anteil.[38] Dr. Udo Renzenbrink weist auf diese Bedeutung hin:
Ernährungsphysiologisch wertvolle Mineralstoffe und VitamineDie Angaben in der Tabelle beziehen sich auf 100 g Haferflocken.
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