Jnana-Yoga

Jnana-Yoga bedeutet „Weg des Wissens“ oder „Weg der Selbsterkenntnis“, das durch die Aktivität von Hingabe (Bhakti) und Studium zu einem ausgewählten Objekt als tiefe, empfindsame Erfahrung erlebt wird. Er ist einer der drei Yogawege, die in der Bhagavad Gita beschrieben werden und von Krishna zu Arjuna gelehrt wurden. Durch die bewusste, empfindsame Erfahrung erlebt sich der Übende mit den, für die Sinne unsichtbaren, universalen, kosmisch-geistigen Kräften verbunden. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden teilweise bei den Menschen noch intuitiv vorhanden gewesen war, ist im Laufe der Zeit verloren gegangen.
In den traditionellen Yoga-Wegen wird Jnana-Yoga geübt, um die Einheit des persönlichen Selbst (Atman) mit dem universalen Selbst (Brahman) wiederzufinden. Erweitert gesehen können aber auch durch ein intensives, wissenschaftliches Studium und auch durch ausdauernde Hingabe und Studium der spirituellen Schriften tiefere Empfindungen und Erkenntnisse entstehen, die den Studierenden die inneliegende geistige Kraft in den Objekten der irdischen Welt empfindsam erkennen lassen. Dieser Erkenntnisvorgang wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder in der Anthroposophie auch als “Herzdenken” bezeichnet.
Etymologie
Jnana, manchmal auch als gyaan oder gnan transkribiert, bedeutet im Sanskrit „Wissen “. Die Wurzel jna- ist verwandt mit dem englischen Wort know sowie mit dem griechischen γνώ- (wie in γνῶσις gnosis ). Ihr Antonym ist ajnana „Unwissenheit“.
Definition
Jnana ist Wissen und bezeichnet jedes kognitive Ereignis, das sich über die Zeit als richtig und wahr erweist. Es bezieht sich insbesondere auf Wissen, das untrennbar mit der Gesamterfahrung seines Gegenstandes verbunden ist, insbesondere über die Realität (nicht-theistische Schulen) oder ein höchstes Wesen (theistische Schulen). Im Hinduismus ist es das Wissen, das Moksha, die spirituelle Befreiung, zu Lebzeiten (Jivanmukti) oder nach dem Tod (Videhamukti), ermöglicht. Von den drei verschiedenen Wegen zur Befreiung (Jnana- , Bhakti- und Karma) sind Jnana-Marga und Karma-Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen.
Das intuitive Erleben und Wissen in der Zeit der Veden
Die in vedischem Sanskrit verfassten Texte bilden die älteste Schicht der Sanskritliteratur und die ältesten Schriften des Hinduismus. Sie gelten als Offenbarung der göttlichen Schau die ursprünglich mündlich (sruti) weitergegeben wurde. Erst ca. 1000 bis 500 Jahre vor Christus wurden sie niedergeschrieben. Es gibt vier Veden: den Rigveda, den Yajurveda, den Samaveda und den Atharvaveda .
Da die Zeit der Verkündigung der Veden weit zurückreicht, kann man davon ausgehen, dass zu dieser Zeit das Bewusstsein des Menschen und das Erleben seines Umfeldes noch anders waren. Hierzu schreibt aus geisteswissenschaftlicher Sicht Heinz Grill (geb. 1960, Begründer des neuen Yogawillens), dass es eine Zeit der kosmischen Mystik war, die den Menschen das Gefühl des Einsseins mit dem Kosmos noch natürlich erleben ließ:
- „Es war eine Zeit der kosmischen Mystik, in der sich der Einzelne sehr stark als Teil eines Ganzen empfand. Er fühlte den Kosmos als seine Heimat und das irdische Dasein immer und unaufhörlich von kosmischen Impulsen getragen und geführt. Die Welt der Sinne war für ihn nur eine Wiederspiegelung eines kosmischen Einflusses. … Die Überlieferungen aus dieser Zeit des Veda sind auf unpersönliche Weise geschehen. … Nicht ganz zu Unrecht kann man deshalb diese Zeit als eine Zeit des unpersönlichen und intuitiv lebendigen Wissens bezeichnen. Das Wort Veda leitet sich von vid, von Wissen ab. Es ist wie der wissende Weltenatem, der weisheitsvoll in der altindischen Kultur die Menschenseele belebte und ihr das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ganzen bestätigte.“
Rudolf Steiner benennt das Erleben der Welt bei den Menschen zur Zeit der Veden als „uraltes Hellsehen“:
- „Wir müssen uns klar sein darüber, dass so, wie uns die Vedenphilosophie und so, wie uns die Sankhyaphilosophie entgegentritt, sie uns nur entgegentreten können, weil sie ausgestaltet sind in jenen alten Zeiten, in denen es noch ein uraltes Hellsehen gegeben hat, wenigsten bis zu einem gewissen Grade. … Die Veden beruhen durchaus auf einer ursprünglichen, noch wie eine Naturanlage in der Urmenschheit vorhandenen Inspiration, waren eingegeben, ohne dass sozusagen der Mensch etwas anderes dazu tat, als dass er sich vorbereitete in seiner ganzen Wesenheit, die von selbst kommende göttliche Inspiration ruhig und gelassen in seinem Inneren zu empfangen.“
Die Wissensgesellschaft in der modernen Zeit
In den Sozialwissenschaften wird häufig mit Bezug auf den Begriff der Wissensgesellschaft die These vertreten, dass sich die gesellschaftliche und ökonomische Rolle von Wissen im 20. Jahrhundert grundsätzlich verändert habe. So erklärt etwa Meinhard Miegel, dass die Entwicklung zur Wissensgesellschaft als der „dritte gewaltige Paradigmenwechsel in der Geschichte der Menschheit“ zu betrachten sei. Nach der Entwicklung von Agrar- zu Industriegesellschaften sei nun der Übergang von Industrie- zu Wissensgesellschaften zu beobachten.
Eine derartige Transformation mache sich zunächst in der Wirtschafts- und Arbeitswelt bemerkbar, so beschreibt etwa Sigrid Nolda, „dass das Konzept der Wissensgesellschaft allgemein von der wachsenden Bedeutung des Wissens als Ressource und Basis sozialen Handelns ausgehe. Arbeit sei seit den 1970er Jahren wesentlich durch ihren kognitiven Wert, also Wissen gekennzeichnet.“ Neben der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung von Wissen ändere sich jedoch auch die Verfügbarkeit von Wissen durch neue Informations- und Kommunikationstechniken und eine veränderte Bildungspolitik.
Eine derartige Begriffsbestimmung bleibt vage, da die gesellschaftliche und ökonomische Bedeutung von Wissen kein exklusives Merkmal von Wissensgesellschaften ist. Grundsätzlich setzt jede Arbeit verschiedene Formen des Wissens voraus, zudem ist auch bereits in antiken Gesellschaften die Verteilung von Wissen ein wesentliches Merkmal gesellschaftlicher Unterschiede. In diesem Sinne erklärt etwa der UNESCO World Report Towards Knowledge Societies, dass jede Gesellschaft als Wissensgesellschaft zu betrachten sei.
In seinem Buch „Haben oder Sein“ unterscheidet Erich Fromm sehr eindrücklich das von ihm sogenannte „Ich habe Wissen“, das sich nach seiner Sichtweise hauptsächlich auf Informationen und übernommenes intellektuelles Wissen als Habenwissen bezieht, von einem „Ich weiß“, das nach Erich Fromm ein tieferes Wissen durch eigenständige Annäherung des Menschen zur Wahrheit anstrebt:
- „Wissen bedeutet nicht, im Besitz von Wahrheit zu sein, sondern durch die Oberfläche zu dringen und kritisch und tätig nach größerer Annäherung an die Wahrheit zu streben. … Das höchste Ziel der Existenzweise des Seins ist tieferes Wissen, in der Existensweise des Habens jedoch mehr Wissen. … Unser Bildungssystem ist im allgemeinen bemüht, Menschen mit Wissen als Besitz auszustatten, entsprechend etwa dem Eigentum oder dem sozialen Prestige, über das sie vermutlich im späteren Leben verfügen werden. Das Minimalwissen, das sie erhalten, ist die Informationsmenge, die sie brauchen, um in ihrer Arbeit zu funktionieren. … Von indischer Philosophie und Kunst bis zum Existentialismus und Surrealismus wird ein riesiges „Smörgasbord“ angeboten, aus dem sich jeder Stundent da und dort etwas herauspickt; um seine Spontanität und Freiheit nicht einzuengen, drängt man ihn nicht, sich auf ein Thema zu konzentrieren, ja nicht einmal, je ein Buch zu Ende zu lesen.“
Der einzelne Mensch ist aufgefordert nach der Wahrheit zu suchen und mit eigenen Fragen tiefer in eine Sache einzudringen. Er kann sie nicht einfach und bequem von Büchern und Informationen übernehmen. Johann Wolfgang von Goethe warnte vor dem Gefühl sich „wohl und behaglich“ mit den bereits vorherrschenden Meinungen und niedergeschriebenen Ergebnissen zu begnügen:
- „ Man muß das Wahre immer wiederholen, weil auch der Irrtum um uns her immer wieder gepredigt wird, und zwar nicht von einzelnen, sondern von der Masse. In Zeitungen und Enzyklopädien, auf Schulen und Universitäten, überall ist der Irrtum oben auf, und es ist ihm wohl und behaglich, im Gefühl der Majorität, die auf seiner Seite ist.“
Naturwissenschaftliches Forschen und Wissen
Das „uralte Hellsehen“, wie Rudolf Steiner es nannte, ist in unserer Zeit nicht oder kaum mehr möglich. Der moderne Mensch lernt und erlebt die Welt mehr aus einem intellektuellen, von fertigen Begriffen geprägten Denken. Die Begriffe oder die Namen aber sind erst einmal nur wie äußere Hüllen. Sie umhüllen die Substanz oder die eigentliche lebendige Kraft, die hinter den äußeren Erscheinungen ruht. Diese geheimnisvolle, verborgene Seite können wir allein mit dem sog. intellektuellen Denken nicht erschließen. Für Sri Aurobindo ist das Wissen, das aus solcher Art des Denkens entsteht, trügerisch:
- „Was der Mensch Wissen nennt, ist nichts anderes als die Hinnahme trügerischer Erscheinungsformen durch den Verstand. Weisheit blickt hinter den Schleier und schaut. Der Verstand erfaßt Einzelheiten und wägt sie gegeneinander ab. Er trennt die Gegensätze, die die Weisheit in harmonischer Ehe vereint.“
Dringen wir aber tiefer mit unserem Wahrnehmen und Denken in die Materie ein, so können mit der Zeit, durch die Hingabebereitschaft des Forschers an die Sache, tiefere Einsichten, weisheitsvolle Empfindungen und religiöse Erfahrungen entstehen. Albert Einstein kam im Laufe seines Forscherlebens zu folgender Einsicht:
- „Wenn die Gebiete von Religion und Wissenschaft an sich sauber getrennt sind, so bestehen doch zwischen beiden starke Wechselbeziehungen und Abhängigkeiten. Wenn die Religion es ist, die Ziele setzt, so hat sie doch von der Wissenschaft im weitesten Sinn erfahren, welche Mittel zur Erreichung der von ihr gesetzten Ziele beitragen können. Wissenschaft aber kann nur geschaffen werden von Menschen, die ganz erfüllt sind von dem Streben nach Wahrheiten und Begreifen. Diese Gefühlsbasis aber entstammt der religiösen Sphäre. Hierher gehört auch das Vertrauen in die Möglichkeit, die in der Welt des Seienden geltenden Gesetzmäßigkeiten seien vernünftig, das heißt durch die Vernunft begreifbar. Ohne solchen tiefen Glauben kann ich mir einen wirklichen Forscher nicht vorstellen. Man kann den Sachverhalt durch ein Bild ausdrücken: Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft ist blind.“
Das Streben nach Wissen und Erkenntnis aus Liebe zur Weisheit in der Philosophie
Die Philosophiepraxis zeichnet sich durch mehrere allgemeine Merkmale aus: Sie ist eine Form rationaler Untersuchung, sie strebt nach Systematik und reflektiert kritisch ihre eigenen Methoden und Annahmen. Sie erfordert ein aufmerksames und sorgfältiges Nachdenken über die provokanten, quälenden und beständigen Probleme, die für die menschliche Existenz zentral sind.
Das philosophische Streben nach Weisheit beinhaltet das Stellen allgemeiner und grundlegender Fragen. Es führt oft nicht zu einfachen Antworten, kann aber dazu beitragen, ein Thema besser zu verstehen, das eigene Leben zu reflektieren, Verwirrung zu beseitigen und Vorurteile sowie trügerische Vorstellungen, die mit dem gesunden Menschenverstand einhergehen, zu überwinden. Sokrates beispielsweise sagte: „ Ein Leben ohne Selbstreflexion ist nicht lebenswert “, um die Bedeutung philosophischer Betrachtungen für das Verständnis der eigenen Existenz hervorzuheben. Und Bertrand Russell zufolge „verbringt der Mensch, der keine Ahnung von Philosophie hat, sein Leben gefangen in den Vorurteilen, die aus dem gesunden Menschenverstand, den gewohnten Überzeugungen seiner Zeit oder Nation und aus Überzeugungen stammen, die in seinem Geist ohne das Zutun oder die Zustimmung seiner Vernunft entstanden sind.“
Als Disziplin zielt die Philosophiegeschichte darauf ab, philosophische Konzepte und Lehren systematisch und chronologisch darzustellen. Einige Theoretiker sehen sie als Teil der Geistesgeschichte, doch sie untersucht auch Fragen, die von der Geistesgeschichte nicht behandelt werden, etwa ob die Theorien vergangener Philosophen wahr sind und philosophisch relevant geblieben sind. Die Philosophiegeschichte befasst sich primär mit Theorien, die auf rationaler Untersuchung und Argumentation beruhen; manche Historiker verstehen sie in einem weiteren Sinne, der auch Mythen, religiöse Lehren und Sprichwörter einschließt.
Zu den einflussreichen Traditionen in der Geschichte der Philosophie zählen die westliche , die arabisch-persische , die indische und die chinesische Philosophie. Weitere philosophische Traditionen sind die japanische, die lateinamerikanische und die afrikanische Philosophie.
In seinem Buch „Erkenntnisgrundlagen zur Bhagavad Gita“ erläutert Heinz Grill, dass Thomas von Aquin, mit methodisch dialektischer Vorgehensweise, die zur Zeit der Scholastik (ca. 11.-14. Jh.) üblich war, die Einheit des Menschen mit den geistigen Welten erkannt hat und aufzeigen konnte:
- „Nun gibt es auch im Westen großartige philosophisch-theologische Schilderungen und Abhandlungen, wie etwa von Thomas von Aquin als einem herausragenden Beispiel der Scholastik. Er lehnte sich an die Philsosophie von Aristoteles sehr nahe an und brachte den rein geistigen Realismus von Platon, der noch ganz in der übergeordneten Wirklichkeit lebte, zu einer bereits konkreteren und praktischen philsosophischen Argumentation. … Er bemerkte durch seine sich entwickelnde Argumentation, dass der Funke Gottes überall in jeder Zelle des Leibes ist, und dass er auch in jedem Atemzug des Bewusstseins lebt. Es erkannte dieser heilige Philosoph die göttliche Immanenz und gleichzeitige Transzendenz, also das, was inniglich ist, geheimnisvoll inniglich, und das was jenseitig, unendlich, aber auch wieder in allem vorhanden ist. Er erkannte es im Körper, im Bewusstsein und überall im ganzen Universum. So realisierte er auf eine methodisch dialektische Weise das Wirken des Geistes, das der sensible Betrachter als die Gnadengabe des Christentums erahnt. Thomas von Aquin konnte somit eine Einheit von Leib, Seele und Geist unmittelbar charakterisieren und definieren.“
Dieser Erkenntnisprozess, den Thomas von Aquin leistete, wird in der geistigen Schulung als die Entwicklung des Herzzentrums oder Herzchakras genannt.
Das Herz als Erkenntnisorgan - das Herzdenken
Für die Zukunft wird das Herzzentrum (Herzcakra) das Organ sein, das den Menschen wieder ein Fühlen der Verbindung zu den geistigen Welten schenkt. Rudolf Steiner benennt die Entwicklung von tieferen Wahrheitsempfindungen auch mit dem Begriff „Herzdenken“:
- „In der Zukunft wird der Mensch in einem viel intimeren Zusammenhange mit der Weltgesetzlichkeit stehen als gegenwärtig. Und der Geheimschüler nimmt diese Intimität in der Entwickelung voraus. Der Kopf mit dem Gehirn ist nur ein Übergangsorgan der Erkenntnis. Das Organ, welches die eigentlich tiefen und zugleich machtvollen Blicke in die Welt tun wird hat seine Anlage in dem gegenwärtigen Herzen. Aber wohlgemerkt: die Anlage zu diesem Organ ist im heutigen Herzen. Um Erkenntnisorgan zu werden, muß sich das Herz noch in der mannigfaltigsten Weise umbilden. Aber dieses Herz ist der Quell und Born zur Menschheitsstufe der Zukunft. Die Erkenntnis wird dann, wenn das Herz ihr Organ sein wird, warm und innig sein, wie heute nur die Gefühle der Liebe und des Mitleids sind. Aber diese Gefühle werden aus der Dumpfheit und Dunkelheit, in der sie heute nur tasten, sich zu der Helligkeit und Klarheit hindurchringen, welche heute erst die feinsten, logischen Begriffe des Kopfes haben.“
Man könnte das Herzdenken irrtümlicherweise mit einem rein emotionalen Denken verwechseln. Aber der Erkenntnisprozess beginnt zuerst mit einem konkreten und objektbezogenen Wahrnehmen und logischen Denken im Kopf.
Rudolf Steiner schreibt in seiner «Philosophie der Freiheit»:
- „Der Weg zum Herzen geht durch den Kopf.“
und weiterhin:
- „So notwendig es ist - das ist ja schon betont worden - , daß man zuerst durch die Schulung eines guten, vernünftigen Denkens hindurchgeht, wo man erst die Dinge begreifen gelernt hat, bevor man aufsteigt zu höheren Welten, so notwendig ist es, daß man über dieses gewöhnliche Denken sich wiederum erhebt zu einem unmittelbaren Erfassen. Und gerade weil das so notwendig ist, daß man unmittelbar erfassen lernt in der höheren Welt, muß man auf der andern Seite jene logische Grundlegung vornehmen. Man muß sie aus dem Grunde vornehmen, weil man sonst mit seinen Gefühlen und Empfindungen ganz sicher irren würde. Man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man das gewöhnliche verstandesmäßige Denken da hinaufträgt; man ist nicht fähig, in der höheren Welt zu urteilen, wenn man nicht erst in der physischen Welt ausgebildet hat das verstandesmäßige Denken. Es finden manche Menschen allerdings vielleicht einen Grund, aus der Eigentümlichkeit des höheren Denkens, des Herzdenkens heraus, sich der gewöhnlichen Logik überhaupt ganz zu entschlagen. Sie sagen, da man die gewöhnliche Logik des physischen Planes doch wieder vergessen müsse, so brauche man sie ja nicht erst zu lernen. - Dabei wird aber außer acht gelassen, daß man ein anderer Mensch wird, wenn man das logische Denken auf dem physischen Plan als Schulung, als Übung durchgemacht hat. Nicht um mit diesem Denken die höheren Welten zu begreifen, macht man es durch, sondern um aus sich selber einen anderen Menschen zu machen. Man erlebt ja auch an dem logischen Denken etwas. Man erlebt an dem logischen Denken vor allen Dingen eine Art von Gewissen. Es gibt eine Art logischen Gewissens, und wenn man dieses ausbildet, dann bekommt man in seiner Seele ein gewisses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit, und ohne dieses Verantwortungsgefühl gegenüber Wahrheit und Unwahrheit ist nicht viel anzufangen in den höheren Welten.“
Wie Rudolf Steiner es ausdrückte, ist es von besonderer Wichtigkeit, sich im logischen Denken zu schulen. Es schützt vor emotionalen Verirrungen und bereitet die Entwicklung von wahren Empfindungen und Wissen vor. Das Erkennen der Logik, die einer Schrift inneliegt, trainiert bei einem selbst das logische Denken und führt zu einem tieferen und freieren Wahrnehmen gegenüber dem vorliegenden Werk. Doch erfordert das Lesen, Denken und Reflektieren eine gewisse Disziplin, die geübt werden will. In der sog. Seelenübung: “Die Arbeit mit dem Wort und der Aufbau von Ätherkräften” von Heinz Grill, finden sich für das Studium von spirituellen und anspruchsvollen Schriften, Beschreibungen über die Bedeutung des aktiven Lesens, weiterhin über das stille Beziehungsverhältnis des Lesers zur Seele des Autors und einen methodischen Aufbau zur Vorgehensweise beim Studieren von Schriften. Er führt den Leser zur sog. “Kunst des Lesens”, die lebenskräfteerbauend ist:
- „Die Arbeit mit Wort und Text in einem anregenden und stärkenden Sinn kann als eine große, sogenannte Äther erzeugende, das heißt Lebenskraft spendende Kunst betrachtet werden.”
Für die praktische Vorgehensweise ist es, so beschreibt es der Autor, gut, einige wenige Absätze zu lesen und nach einer kurzen Zeit die zentralen Gedanken wieder in einer besinnlichen Rückschau zu rekonstruieren um dann die Frage nach der Logik des Textes hinzuzunehmen:
- „Nehmen Sie die wesentlichen Gedanken sehr sorgfältig in die vorstellende Bewusstheit. … Lesen Sie erneut die gleichen Absätze und überprüfen Sie ihre Erinnerung nach der Richtigkeit. Welche Gedankenlogik lebt in der Schrift? … Bilden Sie sich eine Vorstellung in möglichst genauer Anlehnung an die zentralen Gedanken des Textes und stellen Sie sich die Frage: Was will der Autor mit diesen Sätzen aussagen? Was bildet den Hauptgedanken? Wie sind die Gedanken aneinandergereiht? Befinden sie sich in einer Logik? … Überprüfen Sie durch sorgfältige Innen- und Außenschau Ihre Eindrücke und horchen Sie bewusst auf die stille Kommunikation, die mit den Gedanken entsteht. … Lässt sich das Motiv, das der Autor im Text ausdrückt, einigermaßen erfassen? … Die Absicht, die den Worten zugrunde liegt, spricht sich meist in jener Art aus, wie die Sätze in ihrer Logik aufgebaut sind. … Auf diese Weise können Sie ein anspruchsvolles Werk abschnittweise erarbeiten, die Motive des Autors ergründen, sie in ihrem Wert akzeptieren oder sie im Bedarfsfall, wenn nötig, zurückweisen. … Es kann eine Empathie und ein freies Erleben des Wortes mit der Arbeit an Texten entstehen und wenn Sie sich wirklich in der Anschauung der geschriebenen Worte üben, so werden Sie in jedem Fall freischaffend wirken und ein Taktgefühl entwickeln. Sie werden über das Lesen und Arbeiten mit Texten Ätherkräfte erzeugen.”
Yoga
siehe auch dazu den Artikel Bhakti-Yoga: „Yoga“
Yoga kann man allgemein als eine Bemühung um Hingabe (Bhakti-Yoga), Erkenntnis (Jnana-Yoga) und die Realisation (Karma-Yoga) eines höheren universalen Zieles benennen.
Jnana -Yoga
Jnana -Yoga ( IAST : Jñāna Yoga ), auch bekannt als Jnana -Marga ( Jñāna Mārga ), ist einer der drei klassischen Wege ( Margas ) zur Moksha (Befreiung) in der Bhagavad Gita, die den „Weg des Wissens“ oder den „Weg der Selbsterkenntnis“ betont. Die beiden anderen Wege sind Karma -Yoga (Weg des Handelns, Karma-Mārga ) und Bhakti -Yoga (Weg der liebevollen Hingabe an einen persönlichen Gott, Bhakti-Mārga ). In modernen Klassifikationen wird der Raja-Yoga der als sog. klassischer Yoga benannt wird, als vierte Art aufgeführt; diese Erweiterung wurde von Swami Vivekananda eingeführt.
Jnana-Yoga ist eine spirituelle Praxis, die durch Fragen wie „Wer bin ich?“ und „Was bin ich?“ nach Erkenntnis strebt. Der Praktizierende studiert üblicherweise unter Anleitung eines Gurus, meditiert, reflektiert und erlangt befreiende Einsichten über das Wesen des eigenen Selbst (Atman, Seele) und dessen Beziehung zum metaphysischen Konzept Brahman im Hinduismus. Die Ideen des Jnana-Marga werden in alten und mittelalterlichen hinduistischen Schriften und Texten wie den Upanishaden und der Bhagavad Gita erörtert.
Laut Jones und Ryan ist Jnana im Kontext des Jnana-Yoga besser als „Erkenntnis“ oder „Gnosis“ zu verstehen und bezeichnet einen „Studienweg“, auf dem man die Einheit zwischen dem Selbst und der höchsten Wirklichkeit, im Hinduismus Brahman genannt, erkennt. Diese Erklärung findet sich in den alten Upanishaden und der Bhagavad Gita. Dies ist typisch für den Advaita Vedanta, wo Jnana die Erkenntnis der Identität von Jivatman und Brahman beinhaltet. Laut Bimal Matilal umfasst Jnana-Yoga im Advaita Vedanta sowohl die primäre als auch die sekundäre Bedeutung, nämlich „Selbstbewusstsein, Gewahrsein“ im absoluten Sinne und „intellektuelles Verständnis“ im relativen Sinne. Während der zeitgenössische Advaita Vedanta und der Neo-Vedanta Meditation einbeziehen, stützte sich Adi Shankara allein auf die Einsicht, basierend auf dem Mahavakya. (Ein Mahavakya (Sanskrit महावाक्य mahāvākya n. „großer Ausspruch“) ist ein Lehrsatz in der vedischen Literatur oder eines Sehers. Darunter werden besonders vier Mahavakyas hervorgehoben, die das Einssein des Selbst mit dem Einen (brahman) betonen.
Von den drei verschiedenen Wegen zur Befreiung sind Jnana Marga und Karma Marga die älteren und lassen sich bis in die vedische Literatur zurückverfolgen. Alle drei Wege stehen jedem Suchenden offen; die Wahl hängt von Neigung, Begabung und persönlicher Präferenz ab. Typischerweise praktizieren viele Hindus Elemente aller drei Wege in unterschiedlichem Maße.
Der Weg der Erkenntnis ist für diejenigen bestimmt, die philosophische Reflexion bevorzugen, und er erfordert Studium und Meditation.
Beiträge aus geisteswissenschaftlicher Forschung
Das äußere intellektuelle Wissen, von Sri Aurobindo als „niederes Wissen“ bezeichnet, bleibt an der sinnlichen Oberfläche und kann noch nicht zum „höheren Wissen“, wie es der Yoga anstrebt, führen. Sri Aurobindo beschreibt, dass zum Erreichen einer tieferen Erkenntnis, „der vollen Schau“, die Meditation als Weg notwendig ist:
- „Bisher war all unser Bemühen unwissendes, unvollkommenes Streben und Suchen danach. Darum trennt uns der Yoga zuerst von der Betätigung und Methode des niederen Wissens. Während dieses niedere Wissen sich Gott indirekt und von außen her nähert und nie in seinen verborgenen Bereich eintreten kann, ruft uns der Yoga in unserer Inneres, wo wir uns ihm direkt nahen können. Während jenes ihn durch den Intellekt sucht und seiner nur als dessen bewußt wird, der hinter dem Vorhang bleibt, sucht der Yoga ihn durch Erkenntnis, hebt den Vorhang empor und erlangt volle Schau. Wo jenes nur die Gegenwart und den Einfluß fühlt, tritt der Yoga in die Gegenwart ein und erlangt dort direkt die Fülle des Einflusses. Während jenes niedere Wissen nur des äußeren Wirkens bewußt wird und daduch einen flüchtigen Blick für die Wirklichkeit erlangt, macht der Yoga unser inneres Wesen mit der Wirklichkeit identisch und betrachtet ihr Wirken von dort aus. Darum sind die Methoden des Yoga von denen des niederen Wissens verschieden.“
Ein Wissen, das sich als tiefe Empfindung im Herzen gründet, unterscheidet sich vom rein intellektuellen übernommenen Wissen, da es als persönliche Erfahrung unmittelbar erlebt wird. Die Meditation (Bhakti), von Rudolf Steiner „mit dem andächtigen Aufblicken“ zu den geistigen Welten bezeichnet, führt zu Jnana und eröffnet dem Menschen wieder die Erkenntnisse zu den tiefen Geheimnissen des Lebens:
- „Damit du aber dieses Seelisch-Geistige selber erleben kannst, damit du dieses Seelisch-Geistige in dir und um dich und vereint mit dir empfinden und erleben kannst, mußt du die schlummernden Kräfte in deiner Seele entwickeln, mußt du dich hingeben dem Yoga, der beginnt mit dem andächtigen Aufblicken zu dem seelisch-geistigen Element des Daseins und der durch Anwendung bestimmter Übungen hinführt zur Entwicklung der schlummernden Kräfte, so daß der Schüler von Stufe zu Stufe durch den Yoga aufsteigt. Andächtiges Verehren des Geistig-Seelischen, das ist der andere Weg, der die Seele selber vorwärts leitet; zu dem leitet, was als Geistiges hinter den wandelnden Formen in Einheit lebt, was einstmals der Veda verkündigt hat durch gnadenvolle Erleuchtung, was die Seele wiederfinden wird durch den Yoga als das, was hinter allem Wandel der Formen zu suchen ist.“
Somit ist Jnana-Yoga ein Ergebnis von Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium. Aus dieser Aktivität entsteht mit der Zeit, wie Heinz Grill es beschreibt, durch tiefe Empfindungen eine Verwandlung des Herzens:
- „Jnana-Yoga ist das Wissen als Resultat aus der Hingabe und dem Studium oder die Verwandlung des Herzens mit seinen äußeren Gefühlen zu tiefen universalen Empfindungen.“
Zur Entwicklung des Herzzentrums als empfindsames Erkenntnisorgan benötigt der Studierende Ausdauer im Studium mit universalen Gedanken und die wiederholte Hinwendung zum Objekt. Der Gedanke wird in seiner Originalität konkret gedacht, sodass darauf folgend die tiefe Empfindung dieser universalen Kraft entsteht und zur seelischen Mitte des Studierenden wird. Ein kosmischer Rhythmus, so beschreibt es Heinz Grill, liegt diesem seelischen Vorgang inne:
„Der Gedanke wird gedacht
im Glauben inniglich bewahrt
in konsequentem Rhythmus zart
12 Tage bleibe ich in des Gedankens Gegenwart
Nach drei Tagen erwacht ein neues Fühlen
Nach sechs Tagen erstrahlt eine verstehende Sonnenliebe
Nach zwölf Tagen weiß mein Herz
Ich bin nun der Gedanke selbst“
Bhagavad Gita
siehe dazu auch bei Bhakti-Yoga: Bhagavad Gita
In der Bhagavad Gita wird Jnana Yoga auch als Buddhi Yoga bezeichnet, und sein Ziel ist die Selbsterkenntnis. Der Text betrachtet Jnana Marga als den schwierigsten, langsamsten und verwirrendsten Weg für diejenigen, die ihn bevorzugen, da er sich mit der „formlosen Wirklichkeit“ befasst. Es ist der Weg, den intellektuell orientierte Menschen tendenziell bevorzugen.
Das vierte Kapitel der Bhagavad Gita ist der allgemeinen Darlegung des Jnana-Yoga gewidmet, während die Kapitel 7 und 16 seine theologischen und axiologischen Aspekte behandeln. Krishna sagt, dass Jnana das Reinste sei und die Entdeckung des eigenen Atman.
“Nichts in der Welt ist an Reinheit der Erkenntnis gleich. Der Mensch, der im Yoga zur Vollkommenheit gelangt ist, findet sie im Verlauf der Zeit von selbst im Selbst.”
— Bhagavad Gita 4.38
Upanishaden
In den Upanishaden zielt Jnana Yoga auf die Erkenntnis der Einheit des individuellen Selbst (Atman) und des höchsten Selbst (Brahman) ab. Diese Lehren finden sich in den frühen Upanishaden. Laut Chambliss behandeln die mystischen Lehren dieser Upanishaden den „Weg der Selbsterkenntnis“, eine Vereinigung, die Erkenntnis, dass das Selbst (Atman) und Brahman logisch sind.
Die Lehren der Upanishaden wurden auf verschiedene Weise interpretiert, von nicht-theistischem Monismus bis hin zu theistischem Dualismus. Im ersteren Fall sind Rituale nicht notwendig, und der Weg der Selbstreflexion und Meditation wird für die korrekte Selbsterkenntnis ( Jnana ) betont. Im letzteren Fall steht die vollständige und korrekte Erkenntnis eines Vishnu-Avatars, Shivas oder Shaktis (Göttin) im Vordergrund. In all ihren verschiedenen Interpretationen schließen sich die Wege nicht zwangsläufig gegenseitig aus. Ein Jnana-Yogi kann auch Karma-Yoga oder Bhakti-Yoga oder beides praktizieren und dabei unterschiedliche Schwerpunkte setzen.
Laut Robert Roeser wurden die Lehren des Jnana Yoga im Hinduismus wahrscheinlich um 500 v. Chr. systematisiert, also früher als Karma Yoga und Bhakti Yoga.
Traditionen
Der Advaita -Philosoph Adi Shankara maß dem Jñāna-Yoga aufgrund der „Erkenntnis des Absoluten“ ( Brahman ) höchste Bedeutung bei, während der Vishishtadvaita- Kommentator Ramanujar Wissen lediglich als Bedingung der Hingabe betrachtete.
Klassisches Advaita Vedanta
Verhaltensweisen
Der klassische Advaita Vedanta betont den Weg des Jnana Yoga zur Erlangung von Moksha. Er besteht aus vierfachen Haltungen oder Verhaltensqualifikationen:
- Unterscheidung (Nityānitya Vastu Viveka (नित्यानित्य वस्तु विवेकम् ) oder einfach Viveka ) – Die Fähigkeit, richtig zwischen dem Unveränderlichen, Dauerhaften, Ewigen (nitya ) und das Veränderliche, Vergängliche, Vorübergehende (anitya ).
- Leidenschaftslosigkeit der Früchte (Ihāmutrārtha phala bhoga virāga (इहाऽमुत्रार्थ फल भोगविरागम्) oder einfach Vairagya ) – Der Leidenschaftslose Gleichgültigkeit (Vairagya ) gegenüber den Früchten, dem Genuss von Objekten (Artha Phala Bhoga) oder gegenüber den anderen Welten (Amutra ) nach der Wiedergeburt.
- Sechs Tugenden (Śamādi ṣatka sampatti (शमादि षट्क सम्पत्ति), oder einfach satsampat ) –
- Śama , Mäßigung des Geistes
- Dama, Mäßigung der Sinnesorgane (freiwillige Selbstbeherrschung)
- Uparati , Rückzug des Geistes von Sinnesobjekten
- Titikṣa , Nachsicht
- Śraddhā , Glaube
- Samādhāna , Konzentration des Geistes
- Antrieb, Sehnsucht (Mumukṣutva (मुमुक्षुत्वम्)) – intensive Sehnsucht nach Moksha aus dem Zustand der Unwissenheit
Praktiken
Jnanayoga für Advaitins besteht aus drei Übungen: Sravana (Hören), Manana (Denken) und Nididhyasana (Meditation). Diese dreistufige Methodik hat ihre Wurzeln in den Lehren von Kapitel 4 der Brihadaranyaka Upanishad :
- Sravana bedeutet wörtlich Hören und bezeichnet im weitesten Sinne Wahrnehmung und Beobachtung, die typischerweise von einem Berater oder Lehrer ( Guru ) unterstützt werden, wobei der Advaitin zuhört und die Ideen, Konzepte, Fragen und Antworten bespricht.
- Manana bezeichnet das Nachdenken über diese Diskussionen und das Nachdenken über die verschiedenen Ideen, die auf Svadhyaya und Sravana basieren.
- Nididhyāsana bezeichnet Meditation, die Erkenntnis und die daraus resultierende Überzeugung von den Wahrheiten, der Nicht-Dualität und einen Zustand, in dem Denken und Handeln, Wissen und Sein verschmelzen.
- Man glaubt, dass diese Praktiken, unter Anleitung eines Gurus, zu korrektem Wissen führen, welches Avidya, also psychologische und wahrnehmungstechnische Irrtümer in Bezug auf Atman und Brahman, beseitigt.
Shivaismus
Sowohl der theistische als auch der monistische Zweig des Shivaismus beinhalten Ideen des Jnana-Yoga, ebenso wie jene des Karma-Yoga und, im Falle des Saiva Siddhanta, jene des Bhakti-Yoga. Die shivaitischen Traditionen sehen Entsagung nicht als Voraussetzung für die Praxis des Jnana-Yoga an, sodass ein asketischer Yogi-Lebensstil optional ist. Spiritualität kann laut shivaitischer Tradition parallel zum aktiven Leben ( Karma ) praktiziert werden, und dies beeinträchtigt nicht den Weg zur Selbsterkenntnis (zur Erkenntnis Shivas in uns). Die Traditionen betonen diese Integration von Karma-Yoga und Jnana-Yoga, indem sie beispielsweise freiwilliges und nicht notwendiges tägliches Verhalten und Handeln spirituell höher einstufen als impulsives oder erzwungenes.
Die dem Advaita Vedanta ähnlichen Methoden von Sravana, Manana und Nididhyasana finden sich auch in verschiedenen Traditionen des Shaivismus. In der Shaiva-Methodik wird jedoch manchmal Nistha oder Samadhi hinzugefügt. Die meditativen Aspekte des Shaivismus konzentrieren sich auf die Nirguna -Form der Höchsten Realität (Shiva).
Die Pancharatra- Texte ( Agama ) des Vishnuismus sind zusammen mit seiner Bhagavata-Tradition (Krishna, Rama, Vishnu) stark von den Jnana-Yoga- Ideen der Upanishaden beeinflusst. Der Vishnuismus integriert jedoch auch Bhakti-Yoga-Konzepte der liebevollen Hingabe an das vom Gläubigen persönlich gewählte höchste Göttliche in Form eines Saguna, sowohl in stiller Meditation als auch in musikalischen Ausdrucksformen.
Das Ziel des Jnana Yoga im Vishnuismus unterscheidet sich von dem anderer Schulen. Advaita beispielsweise betrachtet Jnana Yoga als den Weg zur nichtdualen Selbsterkenntnis und zur Moksha. Der Vishnuismus hingegen sieht darin eine Bedingung der Hingabe.
Shaktismus
Die shakeskatologische Literatur über die Göttin, wie beispielsweise das Kularnava Tantra, hebt den Weg des Jnana ( Erkenntnisweg ) als wichtig für die Befreiung hervor. Sie unterscheidet zwischen zwei Arten von Jnana: Wissen aus den Agama-Texten und Viveka (Einsicht). Die shakeskatologische Literatur fügt hinzu, dass beide zur Erkenntnis Brahmans führen, wobei Jnana in Form von Klang ( Shabdabrahman ) vorliegt, während die innere Einsicht die höchste Wahrheit (Parabrahman) darstellt.
Einige Shakta-Texte, wie die Sita Upanishad, verbinden Yoga der Handlung und des Wissens als Weg zur Befreiung. Die Devi Gita, ein klassischer Text des Shaktismus, widmet Kapitel 4 dem Jnana Yoga und erklärt, dass ein Jnana Yogi versteht und erkennt, dass es keinen Unterschied zwischen der individuellen Seele und sich selbst als dem höchsten Selbst gibt. Die Diskussion über Jnana Yoga wird in den späteren Kapiteln der Devi Gita fortgesetzt.
Zukunftsweisende Hypothese
Hingabe (Bhakti-Yoga) und Studium, führen zu Jnana-Yoga, dem wahren Wissen. Das Bewusstsein von der Verbindung zwischen Geist, Kosmos und irdischer Welt befreit den Menschen aus dem Erleben des Getrenntseins. Dieses Wissen, das zur Zeit der Veden noch intuitiv zugänglich war, ist jetzt für den Menschen eine bewusste Erfahrung oder Erkenntnis, die er kommunizieren und auch in seinen Arbeiten zum Ausdruck bringen kann. Die Entwicklung des Herzzentrums, die mit dem Erkenntnisvorgang einhergeht, wird für die Zukunft eine große Bedeutung für den Menschen haben.
Einzelnachweise
Dieser Artikel basiert teilweise auf dem Artikel Jñāna yoga aus der freien Enzyklopädie en.wikipedia.org und steht dort unter der Lizenz Creative-Commons Namensnennung-ShareAlike 4.0 International. In Wikipedia ist eine Liste der Autoren einsehbar.
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