Anantasana

Anantasana (Sanskrit अनन्तासन, IAST anantāsana), deutsch Liegendes Dreieck, englisch Sleeping Vishnu Pose oder Eternal One's Pose, ist eine Körperübung des Yoga und gehört zur Kategorie der liegenden Stellungen. Der Sanskritname bildet sich aus den Wörtern ananta „ewig, unendlich“[1] und āsana „Sitz“ oder allgemeiner übersetzt „Körperhaltung“.[2]
Vorbemerkung
In der Hathapradipika (verfasst im 14. Jhd.) und der Gherandasamhita (verfasst im 17. Jhd.) ist Anantasana nicht aufgeführt.[3][4]
Ebenfalls wird die Übung bei André Van Lysebeth, Erling Petersen, Swami Sivananda, Selvarajan Yesudian sowie im Bikram-Yoga und Ananda-Yoga, gegründet von Swami Kriyananda, nicht erwähnt.[5][6][7][8][9][10]
Sie ist auch nicht Teil der traditionellen 4 Serien im Ashtanga Vinyasa Yoga.[11]
Mythologischer Hintergrund

In seiner Anleitung zu Anantasana stellt B. K. S. Iyengar folgenden Hintergrund nach hinduistischer Mythologie voran:
- „Ananta ist ein Name für Vishnu, aber auch für seine Lagerstätte, die Schlange Shesha, der tausendköpfigen Schlange. Nach der Hindu-Mythologie schläft Vishnu im Urmeer auf seiner Lagerstätte Shesha, der tausendköpfigen Schlange. Während seines Schlafs wächst ein Lotos aus seinem Nabel. Ihm entsteigt der Schöpfer Brahmā, der die Welt erschaffen hat. Nach der Schöpfung erwacht Vishnu, um im höchsten Himmel, Vaikuntha, die Herrschaft anzutreten. Die Stellung ist in einem Tempel zu sehen, der dem Herrn Ananta Padmanābha (padma = Lotos; nābha = Nabel) in Trivandrum in Südindien gewidmet ist.“[12]
Heinz Grill, Begründer des Neuen Yogawillens, schreibt, dass Anantasana so viel wie „die unendliche asana“ heißt und der frühere Yogin den Kosmos als den unendlichen Raum bezeichnete und diesen als seine Heimat suchte.[13]
Körperliche Ausführung

Bei B. K. S. Iyengar dreht sich der Übende aus der ruhenden Rückenlage mit der Ausatmung auf die Seite. In gleicher Linie zum Körper wird der Arm gebeugt und der Kopf oberhalb des Ohres auf die Handfläche gestützt. Nach einigen Sekunden in dieser Haltung bei natürlicher Atmung fasst man mit dem Daumen, Zeige- und Mittelfinger den großen Zeh, dazu kann das Knie zuerst gebeugt werden. Jetzt folgt bei der nächsten Ausatmung die Streckung von Arm und Bein gleichzeitig und bei normaler Atmung wird die Stellung 15 bis 20 Sekunden gehalten. Nach dem Zurückrollen auf den Rücken wiederholt man die Übung auf der anderen Seite.[14]
In der Yogarichtung Yoga im täglichen Leben, gegründet von Swami Maheshwarananda, trägt diese Ausführung von Anantasana nach Iyengar den Namen Meru Akaranasana.[15] Auch die Bihar School of Yoga, gegründet von Swami Satyananda Saraswati, praktiziert diese Form, allerdings unter dem leicht veränderten Namen Meru Akarshanasana.[16]
Im Unterschied zu Iyengar wird bei Heinz Grill der Kopf nicht auf dem gebeugten Arm abgelegt, sondern er ruht auf dem gestreckt am Boden liegenden Arm. Das obere Bein wird nach oben geführt und am Fuß oder Schienbein mit der Hand gefasst. Ein wichtiger Hinweis, um nicht mit dem Becken nach hinten zu kippen, ist die intensive Streckung hinein in beide Beine. Der Oberkörper sollte entspannt bleiben.[17]
Yoga im täglichen Leben kennt diese Ausführung mit dem getreckten Arm, auf dem der Kopf aufliegt, unter dem Namen Hasta Padangusthasana,[18] die Bihar School of Yoga unter Hasta Pada Angushthasana.[19]
Variationen
Yoga Vidya kennt eine Variation, bei der beide Beine in geschlossener Position seitlich angehoben werden und die Handfläche des oberen Arms diese „Kraftübung“ vor dem Bauch auf dem Boden unterstützt.[20]
Eine relativ anspruchsvolle Position entwickelt sich, wenn die liegende Dreiecksposition in eine stehende Form abgewandelt wird. Während sich die Beine auch hier dynamisch aufrichten, können sich im Stehen beide Schulterblätter seitlich ausdehnen, wobei ein Arm gebeugt wird und die Finger die Schlüsselbeine berühren.[21]
Eine leichtere Variation entwickelt sich, wenn das Knie des obenliegenden Beines hochgestellt und der Fuß auf den Oberschenkel des liegenden Beines platziert wird.[22]
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Anantasana als Variation im Stehen
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Leichtere Variation mit angewinkeltem Knie und abgestelltem Fuß
Seelische Bedeutung der Übung
Die Imagination[23] zur seelischen Bedeutung von Anantasana formuliert Heinz Grill aus geistiger Forschung mit folgenden Worten:
- „Bei allen Übungen und insbesondere bei dieser am Boden liegenden Dreiecksform entwickelt der Übende eine sorgfältige Gliederung in drei verschiedene Abschnitte. Er markiert das Willenszentrum in den Gliedern mit einer ausströmenden und einsetzenden Dynamik, erlebt die entspannten Partien des Körpers im freien und beschaulichen Licht des Gedankens und schließlich empfindet er die Mitte der Gefühle wie in einem verbindenden und zusammenführenden Zentrum. Drei verschiedene Regionen, die in einer Übung zusammenwirken, werden auf gegliederte Weise erlebt.
- Dieses Erleben der Gliederung bezogen auf den Körper führt in der Folge zu einem natürlichen, empfindsamen Raumbewusstsein, so als ob sich der Raum als eine universale und schützende Dimension mit seiner Höhe, Breite und Tiefe öffnet. Er gewinnt eine wahre empfindungsfreudige Gestalt, wird weit und erfahrbar. Der Raum ist ein Kennzeichen für die irdische Wirklichkeit und nun aber beginnt er zu leben und sich für die empfindsame Seele mit Freude und Ausdehnung zu gebärden. In diesem Raumerleben aus der Gliederung des menschlichen Seelenlebens entsteht eine entgegenkommende Offenheit und Freiheit für andere Menschen.“[24]
Gesundheitliche Aspekte
Diese Übung ist wertvoll für den Beckenboden und für die Kniesehnen, auch verhindert sie Leistenbrüche und bessert Rückenschmerzen, kann man bei B. K. S. Iyengar zu den Wirkungen von Anantasana lesen.[25]
Neben der Bedeutung als kräftigende Übung für die Leistenbänder, Beinmuskulatur und Beweglichkeit im Hüftgelenk verweist Heinz Grill auf die Erweiterung des Atemvolumens: „Die Ausdehnung der Arme aus der Rückenregion, ganz besonders zwischen den Schulterblättern, begünstigt das Atemvolumen und entstaut zu einem gewissen Grade die Interkostalmuskulatur.“[26]
Auch bei Yoga Vidya wird diese Übung der Kategorie zugeschrieben, die sowohl Muskelkraft stärkend als auch dehnend sein können. Die Variation mit beiden Beinen – richtig ausgeführt mit den Beinen nicht nach vorne, sondern möglichst weit nach hinten gehalten – stärkt auch die Tiefenabduktoren im Gesäß und vermeidet so Schmerzen in der Hüftkreuzbeingelenkgegend. Siehe Weblinks.
Siehe auch
- Liste aller Asana in AuroraWiki in der Kategorie: Asana
Weblinks
- Anantasana. Beschreibung von Anantasana und Variationen bei Yoga Vidya.
- „Yoga im täglichen Leben“
- hasta-padangushthasana. In:„Yoga im täglichen Leben“
- meru-akaranasana.“ In:„Yoga im täglichen Leben“
- „Swami Satyananda Saraswati“
- Hasta Pada Angushthasana
- Meru Akarshanasana
Einzelnachweise
- ↑ ananta. In: Wilson Sanskrit-English Dictionary. Abgerufen am 15. Februar 2026.
- ↑ Suchergebnisse für „Asana“. In: learnsanskrit.cc. Abgerufen am 15. Februar 2026.
- ↑ Hathapradipika. Hamsah-Verlag, 1992, ISBN 3-923713-35-5.
- ↑ Gheranda Samhita. Sanskrit-English. Sri Satguru Publications, SSP Edition, Delhi 1979.
- ↑ André van Lysebeth: Yoga für Menschen von heute. Mosaik Verlag, TB Ausgabe Nr. 1690, ISBN 3-442-16164-9.
- ↑ Erling Petersen: Das Yoga Übungsbuch. 4. Auflage. Heyne Ratgeber 08/9299, ISBN 3-453-04104-6.
- ↑ Swami Sivananda: Hatha Yoga. 2. Auflage. Heinrich Schwab Verlag, Gelnhausen.
- ↑ Selvarajan Yesudian: Hatha-Yoga Übungsbuch. 3. Auflage. Drei Eichen Verlag, München – Engelberg/Schweiz, ISBN 3-7699-0363-3.
- ↑ Bikram Choudhury & Bonnie Jones Reynolds: Bikram Yoga. Das Praxisbuch. 1. Auflage. Lotos Verlag (TB), 2005, ISBN 3-7787-8179-0.
- ↑ Jayadev Jaerschky: Yoga des Yogananda, Klassische Texte und Übungen für heute. 1. Auflage. Verlag Via Nova, Petersberg 2019, ISBN 978-3-86616-442-0.
- ↑ Traditionelle Übungsserien: Alle Übungsserien des traditionellen Ashtanga Yoga. In: AYI. Abgerufen am 14. Mai 2026.
- ↑ B. K. S. Iyengar: Licht auf Yoga. 7. Auflage. Nikol Verlag, Hamburg 2017, ISBN 978-3-86820-175-8, S. 224.
- ↑ Heinz Grill: Das große Buch der Heilkraft durch Yogaaktivität. 4. vollständig überarbeitete und erweiterte Neuauflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2025, ISBN 978-3-948803-19-3, S. 68.
- ↑ B. K. S. Iyengar: Licht auf Yoga. 7. Auflage. Nikol Verlag, Hamburg 2017, ISBN 978-3-86820-175-8, S. 224–226.
- ↑ Meru Akaranasana. In: yogaindailylife.org. Abgerufen am 14. Mai 2026.
- ↑ Swami Satyananda Saraswati: Asana Pranayama Mudra Bandha. Yoga Publications Trust, 2015, ISBN 978-81-86336-14-4, S. 246. Online: Meru Akarshanasana. In: hathajoga.lt. Abgerufen am 14. Mai 2026.
- ↑ Heinz Grill: Das große Buch der Heilkraft durch Yogaaktivität. 4. vollständig überarbeitete und erweiterte Neuauflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2025, ISBN 978-3-948803-19-3, S. 68.
- ↑ Hasta Padangushthasana. In: yogaindailylife.org. Abgerufen am 14. Mai 2026.
- ↑ Swami Satyananda Saraswati: Asana Pranayama Mudra Bandha. Yoga Publications Trust, 2015, ISBN 978-81-86336-14-4, S. 244. Online: Hasta Pada Angushthasana. In: hathajoga.lt. Abgerufen am 14. Mai 2026.
- ↑ Anantasana. In: yoga-vidya.de. Abgerufen am 14. Mai 2026.
- ↑ Heinz Grill: Das große Buch der Heilkraft durch Yogaaktivität. 4. vollständig überarbeitete und erweiterte Neuauflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2025, ISBN 978-3-948803-19-3, S. 73.
- ↑ Heinz Grill: Die Seelendimension des Yoga. 7., unveränderte Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2022, ISBN 978-3-948193-00-3, S. 186.
- ↑ „Das Wort Imagination bedeutet nicht Einbildung und hat auch nicht sehr viel mit Phantasie zu tun. Rudolf Steiner prägte den Begriff für eine Form des Denkens, das bildhaft ist und in lebendigem seelischen Zusammenhang steht. Dieses bildhafte Denken ist nicht nur typischerweise intellektuell, sondern beziehungsfreudig und schließt seelische und geistige Wahrheiten in die Betrachtung mit ein. Imaginationen stellen deshalb seelisch reale, inhaltliche Darstellungen zur Verfügung.“
Heinz Grill: Übungen für die Seele. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 182. - ↑ Heinz Grill: Die Seelendimension des Yoga. 5. erweiterte Auflage. Lammers-Koll-Verlag, ISBN 978-3-941995-48-2, S. 184.
- ↑ B. K. S. Iyengar: Licht auf Yoga. O.W. Barth Verlag, Neuausgabe 2010, ISBN 978-3-426-29143-6, S.226.
- ↑ Heinz Grill: Das große Buch der Heilkraft durch Yogaaktivität. 4. vollständig überarbeitete und erweiterte Neuauflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2025, ISBN 978-3-948803-19-3, S. 70.
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