Therapie

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Asklepios, der griechische Gott der Heilkunst mit einem Stab, um den sich eine Schlange windet. Der Äskulapstab wird heute noch als Symbol für die Medizin verwendet.

Therapie (altgriechisch θεραπεία therapeia „Dienst, Pflege, Heilung, Behandlung“, von θεραπεύειν therapeuein „heilen, dienen“) oder Behandlung bezeichnet alle Maßnahmen, die darauf abzielen, Behinderungen, Krankheiten und Verletzungen oder seelische Traumata positiv zu beeinflussen. Die Voraussetzung für Therapie und die Anwendung von Heilverfahren ist eine zuvor erlangte Diagnose. Ziel eines Therapeuten ist es, eine Heilung zu ermöglichen oder zu beschleunigen, zumindest aber die Symptome zu lindern oder zu beseitigen und körperliche oder psychische Funktionen wiederherzustellen.

Um eine entsprechende Therapie empfehlen zu können, muss zunächst eine Diagnostik vorgenommen werden. Dazu werden Beschwerden, Anamnese und verschiedene Untersuchungsbefunde beurteilt und eingeordnet. Die eigentliche Therapie besteht dann aus Maßnahmen zur Behebung der Beschwerden oder vorzugsweise der Krankheitsursache. Wenn eine Therapie angemessen zur Behandlung eines Krankheitsbilds ist, spricht man von einer Indikation (dem „Angezeigtsein“ einer bestimmten Behandlung).

Vom Standpunkt der entwicklungsorientierten Therapie, die sowohl die körperliche als auch die seelische und geistige Ebene einbezieht, ist je nach Person und Krankheitsbild auch ein Zusammenwirken der unterschiedlichen Therapiemaßnahmen aus Schulmedizin, Psychotherapie, Naturheilkunde sowie Entwicklungsorientierung angezeigt.

Therapeutik

Die Therapeutik (altgriechisch θεραπευτική (τέχνη) therapeutikē (technē) „Heilkunst“) hatte ursprünglich (im Verständnis der Humoralpathologie) die Harmonisierung eines entgleisten Säftegleichgewichts im Organismus zum Ziel.[1] In moderner Auffassung ist sie die Lehre von den Heilverfahren, die sich mit Therapieformen und Therapiemethoden, ihrer Wirkungsweise sowie ihrem Anwendungsspektrum beschäftigt.

Historisches Verständnis von Therapie

Im alten Ägypten und Griechenland bestanden Mysterienkulte mit durch Einweihung und Schulung ausgebildeten Priesterärzten. Krankheit und Gesundheit wurden in der Antike auf das Wirken von Gott und von Geistern zurückgeführt. Erkrankungen wurden beispielsweise in den griechischen Tempelstätten des Heilgottes Asklepios therapiert. Heilmittel aus Pflanzen oder anderen Substanzen entfalteten aus damaliger Sicht ihre Wirkung nicht aufgrund der in ihnen enthaltenen Stoffe, sondern aufgrund der in ihnen wirksamen geistigen und göttlichen Kräfte. Ein wichtiger Teil der Therapie war der sogenannte Tempelschlaf, bei dem der Kranke durch einen Trank in einen Heilschlaf versetzt wurde. Dies ging mit einem veränderten Bewusstseinszustand einher, der den Erkrankten für die geistige Welt empfänglich machte. Der Träumende hatte Visionen, in denen ihm der Heilgott erschien, ihm die Ursache seines Leidens offenlegte und Anweisungen zu dessen Heilung gab. So kam der Kranke zu der Erkenntnis, durch welche Veränderungen in der Lebensführung, die sämtliche Bereiche des Daseins einbezog, er die Krankheit selbstverantwortlich überwinden konnte. Weiterhin gab es ein komplexes musisches Therapiesystem mit bildender Kunst, Tanz und Theater, das oft als wichtiger gewertet wurde, als die Verabreichung von Arzneien. Diese Art der Therapie war bis in die Zeit des Hippokrates die übliche Form der Krankenbehandlung.[2]

Mit dem griechischen Arzt und Lehrer Hippokrates von Kos (ca. 460 – ca. 370 v. Chr.) wurde ein großer Wandel der Heilkunst eingeleitet. Er gilt als der berühmteste Arzt der Antike. Hippokrates war Abkömmling einer Arztfamilie aus einem Geschlecht der Asklepiaden, die sich selbst von dem Heilgott Asklepios ableiteten. Er beherrschte die damals übliche Form der Therapie und war in ägyptischen Mysterienschulen ausgebildet worden. Aus seiner Schule entsprang die Humoralpathologie, welche die Entstehung von Krankheiten aus dem Ungleichgewicht von vier Körpersäften (Blut, Schleim, Gelbe und Schwarze Galle) erklärt. Damit war in der Therapie ein geistiger Umbruch vollzogen, denn jetzt galten nicht mehr Götter und Geister als Ursache einer Krankheit, sondern die menschliche Natur.[3] Es wurden Lebensumstellung, Diät und Bewegungstherapie als therapeutische Maßnahmen verordnet, pflanzliche Arzneimittel verabreicht und Operationen durchgeführt. Gemäß der Vier-Säfte-Lehre wurden mithilfe von Aderlass, Schröpfen und Verabreichung von Abführmitteln schädliche und überflüssige Säfte ausgeleitet. Weiterhin wurde seither ärztliches Handeln über die Wirkungskraft priesterlicher Worte gestellt und einem hohen ethischen Verantwortungsbewusstsein unterstellt. Hippokrates legte die Grundlagen für die Medizin als rationale Wissenschaft, insbesondere als Erfahrungswissenschaft, die sich auf umfangreiche Beobachtungen und systematische Beschreibung von Krankheitssymptomen gründet. Über die nächsten 2000 Jahre kam im Prinzip zu den therapeutischen Ansätzen nichts wesentlich Neues hinzu[4].

Im 15. Jh., mit dem Ende des Mittelalters und dem Beginn der Renaissance, gab es einen radikalen Umbruch. Der Mensch strebte nun nicht mehr nach Gottgefälligkeit, sondern wollte die Geheimnisse des Lebens lüften. Es wurden nun intensive anatomische Studien betrieben, neben den Organen wurden bald auch die komplexen Stoffwechselvorgänge entdeckt und die Natur wurde zunehmend entmystifiziert.[5]

Einer der bedeutendsten Ärzte der beginnenden Renaissance war Paracelsus (1493-1541). Er war nicht nur Arzt, sondern auch Naturforscher, Mystiker, Philosoph und Alchimist und prägte die abendländische Medizin in erheblichem Ausmaß. Paracelsus begründete die Iatrochemie, das ist die Anwendung chemischer Kenntnisse zur Herstellung von Arzneimitteln, und war damit ein Vorreiter der heutigen Arzneimittelherstellung.[6] Die in der damaligen Ärzteschaft weit verbreitete dogmatisierte Anwendung der Humoralpathologie (Vier-Säfte-Lehre) kritisierte er scharf. Das von ihm vertretene therapeutische Konzept basiert auf der eigenständigen Forschungstätigkeit des Therapeuten in der Natur. Aus Büchern übernommenes Wissen, wie es damals sehr gebräuchlich war, ist seiner Ansicht nach nicht ausreichend. Weiterhin ging Paracelsus davon aus, dass die Welt von unsichtbaren, nicht messbaren geistigen und kosmischen Kräften belebt und durchdrungen ist und somit jede Krankheit letztlich eine geistige Ursache hat und mit einer Aufforderung zu geistiger Entwicklung verbunden ist. Dies entspricht altem Mysterienwissen.[7]

„Das sollen wir wissen, dass Gott am Anfang und bei der Schöpfung von allen Dingen keinen einzigen Körper ohne Geist geschaffen hat, den der Körper verborgen in sich führt.“ (Paracelsus III/239)[8]

Das Ziel der paracelsischen Therapie war es, die geistige Ursache, die sich in der Symptomatik offenbart, zu entschlüsseln, indem man konkrete Bezüge zu den kosmischen Kräftewirkungen der Planeten herstellt. Der Mensch als Mikrokosmos und der Makrokosmos stehen demnach in einer Verbindung.[9]

„Denn der Himmel ist der Mensch und der Mensch ist der Himmel und alle Menschen ein Himmel und der Himmel nur ein Mensch.“ (Paracelsus I/370)[10]

Die Behandlung erfolgte mit therapeutischen Mitteln, die die gleichen geistigen oder kosmischen Kräftewirkungen in sich tragen. Diese Ähnlichkeiten können auf der Grundlage von Signaturen wie Form, Farbe, Geschmack wahrgenommen werden, wenn man einen inneren Sinn dafür entwickelt hat.[11] Arzneien wurden beispielsweise aus dementsprechenden Pflanzen oder Metallen hergestellt, indem mithilfe alchimistischer Prozesse (Destillation, Kalzination etc.) die geistige Wirkungskraft aus dem physischen Anteil herausgelöst wurde und somit um ein Vielfaches intensiver wirken konnte.[12] Es handelt sich hierbei um die von Paracelsus propagierte sympathische Form des Heilens, bei der Gleiches mit Gleichem behandelt wird, im Unterschied zu der damals und bis heute vorherrschenden Form der antipathischen Behandlung, oder anders bezeichnet Allopathie, bei der ein Symptom immer gegenteilig behandelt wird, z. B. ausdehnend mit zusammenziehend, wässernd mit austrocknend, etc. Paracelsus sah hier die Gefahr, dass die Krankheit nur unterdrückt wird und zu einem späteren Zeitpunkt in schwerwiegenderer Form wieder auftaucht.[13]

„Alle geheimnisvollen Kräfte der Dinge heilen […] die betreffenden Krankheiten auf dieselbe Weise, wie diese entstanden sind“ (I/78).[14] „Nur das Gleichartige soll für das Zugehörige verwendet werden. Kaltes überwindet nicht das Heiße, auch das Heiße nicht das Kalte bei den entstehenden Krankheiten. Die Behandlung muss mit dem vorgenommen werden, was die Krankheit erzeugt hat.“ (Paracelsus I/640)[15]

Paracelsus war aufgrund seiner großen therapeutischen Erfolge in ganz Europa berühmt, aber wegen seiner scharfen Kritik an der etablierten Medizin wurde er auch sehr bekämpft.[16]

Indessen schritt der Prozess einer völligen Entmystifizierung der Natur hin zu einem unbeseelten Kosmos über die nächsten Jahrhunderte fort. Im 17. Jh. verlautbarte der Arzt Hermann Boerhaave (1668-1738): „Es ist eine Tatsache, dass der menschliche Körper eine Maschine ist.“[17] Allem Unlösbaren sprach man das Existenzrecht ab. 1805 wurde schließlich im Opium der erste Wirkstoff entdeckt: das Morphium. Dies bahnte den Weg zur heute weit verbreiteten synthetischen Herstellung von Arzneien auf Basis von Einzelwirkstoffen. Die Therapie basiert damit auf dem Prinzip, dass es der Stoff ist, der heilt.[18]

Therapie

Ein wichtiger Teil der meisten Therapien ist die Kommunikation zwischen Therapeut und Patient. Sie trägt dazu bei, dass die Behandlung den individuellen Bedürfnissen des Patienten gerecht wird und verbessert die Möglichkeiten des Patienten, selbst auf einen günstigen Krankheitsverlauf hinzuwirken. Die psychiatrische Therapie stützt sich sogar vorrangig auf Methoden systematischer Kommunikation.

Therapie beruht auf einer direkten oder indirekten Einwirkung des Therapeuten auf den Patienten. Die Möglichkeiten der Einwirkung sind dabei vielfältig:

Schulmedizinischer Therapieansatz

Schulmedizin, universitäre Medizin, wissenschaftliche Medizin und Hochschulmedizin sind Bezeichnungen für die an Universitäten und ihnen gleichgestellten wissenschaftlichen Hochschulen in aller Welt gelehrte und allgemein anerkannte Medizin.[19]

Die Schulmedizin gründet sich seit etwa 1845 zunehmend auf naturwissenschaftlicher Forschung (u. a. Physik, Biologie, Chemie) und auf experimenteller Analyse von Stoffen.[20] Somit stützt sie sich auf das Sichtbare und Messbare des Körpers. Sie orientiert sich mit ihren Forschungen an der Stofflichkeit und erklärt die Krankheiten aus dieser heraus. Für die Therapie werden primär physische Mittel und pharmazeutisch hergestellte Medikamente eingesetzt, die ebenfalls konkret in die Stofflichkeit eingreifen.

Der schulmedizinische Therapieansatz bewegt sich innerhalb der physischen Welt und zielt auf eine Heilung oder zumindest Verbesserung der Symptome innerhalb der physischen Seite.

Psychische Erkrankungen fallen unter das Fachgebiet der Psychiatrie und Psychotherapie.

Einige Beispiele schulmedizinischer Therapie:

  • In der Chirurgie wird der Körper des Patienten mit Werkzeugen manipuliert (Operation).
  • Die Innere Medizin stützt sich vorwiegend auf die Verabreichung von Medikamenten (Pharmakotherapie, Chemotherapie) oder die Entfernung von pathologischen Flüssigkeiten (Punktion von Aszites oder eines Pleuraergusses). Ferner gibt es Strahlentherapien (Radiotherapien) mit ionisierender Strahlung (v. a. gegen bösartige Tumore) oder mit einzunehmenden oder. eingebrachten, strahlenden Substanzen (Radiojodtherapie gegen einige Geschwülste der Schilddrüse, Kontaktbestrahlung von inoperablen Tumoren mittels implantierter Kapseln). Es werden aber auch Lichttherapien bei Hautkrankheiten oder Depressionen oder die Elektrokonvulsionstherapie unter Narkose zur Durchbrechung einer schweren Depression eingesetzt.
  • Die Physiotherapie bedient sich physikalischer Mittel wie Strom, Wärme- bzw. Kältetherapie, Behandlungen im Wasser, der Heilgymnastik und der Manuellen Therapie. Sie wird großteils im Bereich der Heilung des Bewegungsapparates angewendet.[21]
  • Die Psychiatrie setzt einerseits Psychopharmaka ein und andererseits psychotherapeutische Maßnahmen.

Die Psychosomatische Medizin, ein Teilgebiet der Psychiatrie, beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen von Psyche und Körper und bildet somit ein Bindeglied zwischen Innerer Medizin und Psychiatrie. Aufgrund der Aufgliederung in viele einzelne Fachgebiete der Medizin wird die Psyche bei körperlichen Erkrankungen kaum einbezogen.

Psychotherapeutischer Therapieansatz

Psychotherapie umfasst die Behandlung psychischer Störungen mit psychologischen Mitteln.[22] Sie dient der Behandlung psychisch, emotional und psychosomatisch bedingter Krankheiten, Leidenszustände oder Verhaltensstörungen mit Hilfe verschiedener Formen verbaler und nonverbaler Kommunikation. Dazu zählen tiefenpsychologische und verhaltenstherapeutische Ansätze ebenso wie Künstlerische Therapien (Kunsttherapie, Theatertherapie, Musiktherapie, Tanztherapie) und neuerdings Formen der virtuellen Rehabilitation.

Physische Erkrankungen, bei denen psychische Faktoren eine Rolle spielen, gehören zu den psychosomatischen Erkrankungen. Der Psychotherapie fällt hier die Aufgabe zu, die zugrunde liegenden psychischen Probleme zu behandeln, um das psycho-physische Leibverhältnis zu korrigieren.[23]

Naturheilkundlicher Therapieansatz

Die Kneippkur ist ein Naturheilverfahren, entwickelt von Sebastian Kneipp

Die Naturheilkunde betrachtet den Menschen von verschiedenen, zusammenhängenden Systemen aus und zielt mit der Therapie auf die Heilung des gesamten Organismus aus sich selbst heraus.

Hauptziel der naturheilkundlichen Therapie ist die Förderung und Erhaltung der Selbstheilungskräfte.

Zu den klassischen Naturheilverfahren zählen Therapien, die im Körper natürliche Reaktionen anregen sollen und in der Natur vorkommende Mittel wie z. B. Wärme, Kälte, Erde, Wasser, Luft, Licht, Nahrung und Pflanzen anwenden.[24] Es werden diätetische und physikalische Heilmittel, sowie Pflanzenheilmittel eingesetzt. Auf pharmazeutische Arzneimittel wird weitgehend verzichtet. Allgemein wird eine naturgemäße Lebensweise angeregt.[25]

Mit der Förderung von verschiedenen stoffwechselaktiven Aufbauleistungen, die der Organismus benötigt, lehnt sich die naturheilkundliche Therapie an die Stofflichkeit und somit sehr nahe an die materielle Ebene an. Teilweise benützt sie aber bis heute überlieferte Heilmittel, die ehemals aus einer übersinnlichen Schau interpretiert wurden.

Als ganzheitlich im Sinne eines Einbeziehens aller drei Dimensionen von Körper, Seele und Geist kann die naturheilkundliche Therapie noch nicht bezeichnet werden. Denn die Biologie, die Lehre vom organischen Leben, auf welche sich die Naturheilkunde maßgeblich stützt, berücksichtigt heute kaum die ätherischen Gesetzmäßigkeiten, die allem Leben aus dem Geiste zugrunde liegen.[26]

Entwicklungsorientierter Therapieansatz

Die Eröffnung eines freien Raumes durch den entwicklungsorientierten Arzt oder Therapeuten führt beim Patienten unmittelbar zu einem Erkraften des Selbstwertgefühls und der Lebenskräfte, da der Patient ein Stück weit aus den Verwicklungen in seine Probleme und Krankheitssymptome heraustreten kann.

Der entwicklungsorientierte Therapieansatz setzt ganz im schöpferischen Aktivsein des Menschen und somit in seinem individuellen, geistigen Wesenskern an. Er berücksichtigt den Menschen sowohl von Seiten einer sterblichen, körperlichen und weltlichen Realität als auch von einer unsterblichen, seelisch-geistigen Dimension. Die Krankheit stellt diesbezüglich einerseits eine Bedrängnis für den Körper und die Psyche dar, andererseits eröffnet sie die Möglichkeit eines Neuanfangs in größerer Freiheit.[27]

Die entwicklungsorientierte Therapie hat zum Ziel, dem Patienten einen freien Raum, der unabhängig und unberührt von der Krankheit und den körperlichen Bedingungen ist, zu eröffnen. Dieser freie Raum ermöglicht dem Patienten, der Individualität entsprechende Entwicklungsschritte aufzugreifen sowie auch neue, sinngebende Zielperspektiven für das Leben zu entwickeln und diese mittels seiner schöpferischen Bewusstseinskräfte des Denkens, Fühlens und Wollens nach und nach in eine praktische Umsetzung zu bringen. Dahingehend wird er vom Therapeuten unterstützt und begleitet. Es entsteht damit eine günstigere Ordnung im Leib-Seele-Verhältnis, wodurch gebundene Lebenskräfte (Ätherkräfte) wieder frei verfügbar werden bzw. missgeleitete Lebenskräfte wieder an der richtigen Stelle und im richtigen Umfang zum Einsatz kommen. Die Aktivierung der geistigen Schöpferkräfte ist nicht nur mit der Steigerung eines gesunden Selbstwertgefühls verbunden, sondern lässt auch neue Lebenskräfte entstehen. Es wird die Körperlichkeit mit neuen, ordnenden und aufbauenden Kräften versorgt und somit die Gesundung gefördert. Die Anregung der Selbstheilungskräfte erfolgt hier, anders als im Verständnis der Naturheilkunde, nicht durch die Zufuhr eines äußeren Mittels, sondern durch die schöpferische Bewusstseinsaktivität des Menschen selbst.[28] Je nach Krankheitssituation und Verfasstheit des Patienten sind ebenfalls mehr oder weniger schulmedizinische, naturheilkundliche und/oder psychologische Maßnahmen angezeigt.[29]

Der anthroposophische Heilpraktiker und geistige Forscher Heinz Grill drückt diesen Zusammenhang folgendermaßen aus:

„Nicht Übungen und neue Lebenskonzepte heilen den Menschen, sondern sein Werdeprozess, wie er zu den Übungen eine Beziehung ausgestaltet und wie er aufgrund seines geschulten Denkens, Fühlens und Wollens in eine wachsende Aktivität findet. Es wäre wohl nicht erstrebenswert, wenn es ein yogisches Allheilmittel geben würde oder materielle Medikamente, die in jedem Falle Wunder bewirken könnten. Die Selbstaktivität und die Frage nach der physischen, seelischen und geistigen Entwicklung bilden das Kernstück eines jeden Heilprozesses.“[30]

Die Anthroposophische Medizin, welche von Rudolf Steiner Anfang des 20. Jahrhunderts v. a. für Ärzte begründet wurde,[31] verfolgt einen entwicklungsorientierten Therapieansatz. Sie basiert maßgeblich auf der Einbeziehung der seelischen und der geistigen Ebene neben der körperlichen als einer Realität mit realen Gesetzmäßigkeiten und nicht nur als Ebenen mit rein intellektuellen oder mystisch bleibenden Begrifflichkeiten.[32] Die Anthroposophische Medizin wendet die wissenschaftliche Herangehensweise, durch die in der Schulmedizin viele wertvolle Erkenntnisse bezüglich des Körpers gewonnen werden konnten, auf die Seele und den Geist an. Sie möchte die Schulmedizin, die sich hauptsächlich auf Naturwissenschaft gründet, mit der Erweiterung durch die Geisteswissenschaft zu einer den ganzen Menschen umfassenden, wissenschaftlich gegründeten Medizin führen.[33]

Therapieformen

Bei einer Therapie kann man unterscheiden zwischen der „allgemeinen“ Therapie, die sich am Gesamtzustand des Patienten orientiert und der „speziellen“ Therapie, die auf konkrete Details der Symptomatik eingeht.

Je nach Ziel und Zweck stellt man dem Wort Therapie weitere Adjektive hinzu:

Darstellung von chirurgischen Instrumenten an der Rückwand des Tempels zu Kom Ombo,
Ägypten (331–304 v. Chr.)
  • kausal, wenn sie die krankheitserregende Ursache beseitigt oder dies zumindest anstrebt (also z. B. die verantwortlichen Bakterien einer bakteriellen Lungenentzündung direkt antibiotisch bekämpft)
  • symptomatisch, wenn sie sich lediglich auf das Lindern vorhandener Beschwerden und nicht auf die auslösende Ursache richtet (z. B. schleimlösende Hustenmittel bei akuter Bronchitis, Asthmaspray im Asthmaanfall, nicht-medikamentöse Therapie bei Demenz).
  • kurativ, wenn sie die Genesung des Patienten (von mindestens einer definierten Krankheit) zum Ziel hat
  • palliativ, wenn sie lediglich Symptome lindert oder Komplikationen vorbeugt, ohne gegen das Grundleiden selbst zu wirken (z. B. operatives Wiederaufweiten der bösartig zugewucherten Atemwege bei Bronchialkarzinom zur besseren Atmung).
  • konservativ, wenn sie mit Hilfe von Medikamenten und/oder physikalischen Maßnahmen erfolgt.
  • operativ, wenn sie auf die chirurgische Behandlung mittels Operation eines Krankheitszustandes abzielt.
  • supportiv (oder unscharf adjuvant), wenn die unerwünschten Nebenwirkungen einer (meist antitumorösen) Behandlung behandelt werden (z. B. Brechreiz lindernde Medikamente bei Übelkeit durch zytostatische Chemotherapie)
  • kalkuliert, wenn es aus Erfahrung (z. B. unverhältnismäßiger Aufwand in der Allgemeinmedizin oder bei akuter Lebensgefahr) nicht praktikabel ist, eine gesicherte Diagnose abzuwarten und man bereits auf Verdacht beginnt zu behandeln (z. B. sofortige Gabe von Antibiotika bei Verdacht auf eine bakterielle Hirnhautentzündung)
  • elektiv, wenn der Zeitpunkt des Eingriffs relativ frei bestimmt werden kann (wie bei vielen ambulanten Operationen)
  • frustran, wenn sie vergeblich ist (z. B. frustrane Wiederbelebung)
  • präventiv, wenn es die vorsorgliche Behandlung einer noch nicht ausgebrochenen, aber wahrscheinlich zukünftig auftretenden Erkrankung ist (z. B. eine spezielle Diät schon vor Auftreten erster Symptome bei gewissen, in Routineuntersuchungen festgestellten angeborenen Stoffwechselkrankheiten: siehe Screening).
  • Prophylaxe (Zahnmedizin) im Sinne der Therapie potentiell Zahnerkrankungen auslösender Faktoren.

Therapieresistenz

Von einer Therapieresistenz wird gesprochen, wenn ein kranker Mensch nicht (mehr) auf Behandlungen anspricht. Die Behandlung wurde dabei nach aktuellem Wissensstand fachlich korrekt durchgeführt und hätte im Regelfall mindestens zu einer Besserung der Symptomatik oder im günstigsten Fall zu einer Heilung führen müssen. Ist dies nicht gegeben, wird der Zustand als therapieresistent (oder therapierefraktär) bezeichnet. Dann muss über alternative Therapieverfahren nachgedacht werden.

Möglich ist jedoch auch, dass der Patient, vor allem in der Schulmedizin, als austherapiert eingestuft wird und die weitere Behandlung keinen heilenden (kurativen) Anspruch mehr hat. Diese sehr schwerwiegende Diagnose blendet jedoch aus, dass es durchaus andere Therapiemöglichkeiten geben kann, die zu einer Heilung führen können.[34]

Aus einer geistigen Sichtweise kann nie ausgeschlossen werden, dass durch Entwicklungsmöglichkeiten neue Heilungsprozesse angestoßen werden können. Mit der Einstufung austherapiert wird für den Patienten ein Endpunkt gesetzt, der die für eine Heilung sehr wesentlichen Schöpferkräfte blockieren kann. Es gibt eine sehr große Anzahl an verschiedensten sinnvollen therapeutischen Maßnahmen. Gerade bei chronischen Erkrankungen sollte der Therapeut den Patienten dabei unterstützen, auch andere Behandlungsmöglichkeiten von anderen Therapeuten zu nutzen, wenn er selbst ihm nicht weiterhelfen kann.[34]

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Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Heinrich Schipperges: Gesundheit. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 486.
  2. Olaf Rippe, Margret Madejsky: Die Kräuterkunde des Paracelsus. Therapie mit Heilpflanzen nach abendländischer Tradition. Naturphilosophie, Signaturenlehre, Astrologie der Heilkräuter, Alchimie und Spagirik, Magie mit Heilpflanzen, Heilpraxis. AT Verlag, 2006, ISBN 3-03800-313-1, S. 23 f.
  3. Rippe, Madejsky: Die Kräuterkunde des Paracelsus, S. 24.
  4. Rippe, Madejsky: Die Kräuterkunde des Paracelsus, S. 25.
  5. Rippe, Madejsky: Die Kräuterkunde des Paracelsus, S. 28 ff.
  6. Rippe, Madejsky: Die Kräuterkunde des Paracelsus, S. 15.
  7. Olaf Rippe, Margret Madejsky, Max Amann, Patricia Ochsner, Christian Rätsch: Paracelsusmedizin. Altes Wissen in der Heilkunst von heute. Philosophie, Astrologie, Alchimie, Therapiekonzepte. AT Verlag, 2002, ISBN 3-85502-692-0, S. 18 ff.
  8. Rippe, Madejsky: Die Kräuterkunde des Paracelsus, S. 43.
  9. Rippe, Madejsky, Amann, Ochsner, Rätsch: Paracelsusmedizin, S. 34.
  10. Rippe, Madejsky: Die Kräuterkunde des Paracelsus, S. 20.
  11. Rippe, Madejsky: Die Kräuterkunde des Paracelsus, S. 18.
  12. Rippe, Madejsky, Amann, Ochsner, Rätsch: Paracelsusmedizin, S. 238 ff.
  13. Rippe, Madejsky, Amann, Ochsner, Rätsch: Paracelsusmedizin, S. 28 ff.
  14. Rippe, Madejsky, Amann, Ochsner, Rätsch: Paracelsusmedizin, S. 29.
  15. Rippe, Madejsky, Amann, Ochsner, Rätsch: Paracelsusmedizin, S. 29.
  16. Rippe, Madejsky, Amann, Ochsner, Rätsch: Paracelsusmedizin, S. 12 f.
  17. Rippe, Madejsky: Die Kräuterkunde des Paracelsus, S. 31.
  18. Rippe, Madejsky: Die Kräuterkunde des Paracelsus, S. 31 f.
  19. Klaus Dietrich Bock: Wissenschaftliche und alternative Medizin: Paradigmen—Praxis—Perspektiven. Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 1993, S. 1.
  20. Axel W. Bauer: Medizin, naturwissenschaftliche (1850–1900). In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 938–942, hier: S. 938.
  21. Arnd Krüger: Geschichte der Bewegungstherapie. In: Präventivmedizin. Springer, Heidelberg, Loseblatt Sammlung 1999, 07.06, 1–22.
  22. Psychotherapie. In: Dorsch – Lexikon der Psychologie (Enzyklopädie für Psychologie). Archivlink, abgerufen am 29. Juli 2025
  23. Bundesärztekammer. (Muster-)Weiterbildungsordnung 2018. Gebiet Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. In: bundesaerztekammer.de (PDF). Abgerufen am 29. Juli 2025.
  24. Naturheilverfahren: Definition, Klassifizierung und Wirkprinzipien. In: viamedici.thieme.de. Abgerufen am 27. Juli 2025.
  25. Vgl. Meyers Enzyklopädisches Lexikon. XVI, S. 812.
  26. Heinz Grill: Erklärung, Prophylaxe, Therapie der Krebskrankheit aus ganzheitlicher medizinischer und spiritueller Sicht. Lammers-Koll Verlag, 2001, ISBN 3-935925-67-0, S. 96.
  27. Heinz Grill: Erklärung, Prophylaxe, Therapie der Krebskrankheit aus ganzheitlicher medizinischer und spiritueller Sicht. Lammers-Koll Verlag, 2001, ISBN 3-935925-67-0, S. 102.
  28. Heinz Grill: Bewusstsein und Immunsystem. Beiträge zur anthroposophischen Heilkunde. Stephan Wunderlich Verlag, 2021, ISBN ‎978-3-948803-05-6, S. 84 ff.
  29. Heinz Grill: Bewusstsein und Immunsystem. Beiträge zur anthroposophischen Heilkunde. Stephan Wunderlich Verlag, 2021, ISBN ‎978-3-948803-05-6, S. 48.
  30. Gesundheit durch gezielte selbstbestimmte Aktivität. Logik und Gesetze der Gesundheit. In: Beiträge zu einem Neuen Yogawillen. Artikel vom 2. Mai 2024, abgerufen am 28. Juli 2025.
  31. Stefan und Natalie Rosenhauer von Löwensprung: Anthroposophische Medizin in der Naturheilpraxis. Karl F. Haug Verlag, 2013, ISBN 978-3-8304-7599-6, S. 16.
  32. Friedrich Husemann / Otto Wolff: Das Bild des Menschen als Grundlage der Heilkunst. Entwurf einer geisteswissenschaftlich orientierten Medizin. Band I: Zur Anatomie und Physiologie. Kapitel: Geisteswissenschaftliche Natur- und Menschenkunde. Verlag Freies Geistesleben, 2003, ISBN 3-7725-0529-5, S. 27 ff.
  33. Friedrich Husemann / Otto Wolff: Das Bild des Menschen als Grundlage der Heilkunst. Entwurf einer geisteswissenschaftlich orientierten Medizin. Band I: Zur Anatomie und Physiologie. Verlag Freies Geistesleben, 2003, ISBN 3-7725-0529-5, S. 16 ff.
  34. 34,0 34,1 Dr. Marc Werner: AUSTHERAPIERT aus dem ärztlichen Wortschatz streichen. In: de.linkedin.com. Abgerufen am 30. Juli 2025.

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