Ahriman

Angra Mainyu („böser, destruktiver Geist“[1]) ist ein avestischer Begriff, der in der zoroastrischen Theologie die Zerstörung bzw. das Zerstörerische repräsentiert.
In den mittelpersischen Texten der zoroastrischen Tradition erscheint der Name erstmals als Ahriman. Als Personifikation des mit Hilfe des weiblichen Dämons Dschahi (mittelpersisch Dschēh)[2] erweckten Ahriman findet sich auch die Bezeichnung Schwarzer Diw.
Wortbedeutung
Angra ist das Gegenteil von Spenta (auch Sepanta), weshalb die Übersetzung von Angra Mainyu stark abhängig von der Übersetzung von Spenta Mainyu ist. Mainyu bedeutet in etwa „Geist, Gedanke, Vorstellung“; Spenta wird unter anderem als „aufbauend, freigebig, heilig“ übersetzt.
Spenta Mainyu ist somit der Geist der Vermehrung und Angra Mainyu der Geist des Widerstands. Diese Ur-Geister (als Vergegenwärtigung der freien Entscheidungskraft des Gewissens und des Gedankens ansehbar) wählen gemäß Yasna (30,3-5) frei zwischen einander entgegengesetzten Prinzipien, so zwischen Ascha (asha-) und Drudsch (druj-), Ordnung und Nicht-Ordnung, Leben und Nicht-Leben. Ursprünglich stand Angra Mainyu dem Spenta Mainyu gegenüber.[3]
Als Antonym könnte Angra Mainyu somit als „zerstörerischer Geist“ übersetzt werden. Dies ist auch häufig der Fall, denn die Idee des Zerstörerischen steht stellvertretend für einen Aspekt der Kernphilosophie des Zoroastrismus: die Verwicklung des Universums in einen Kampf zwischen ascha („Wahrheit, Ordnung, Sein, Existenz“) und drudsch („Lüge, Chaos, Zerstörung des Seins“).
Sprachentwicklungsbedingt wandelte sich das avestische Angra Mainyu zu mittelpersisch Ahriman (mittelpersisch ʾhlmn' Ahreman).
Wesensmerkmale
Ahriman setzt jeder Schöpfung eine negative Gegenschöpfung entgegen. Er ist die Verkörperung alles Bösen und Erreger der 9999 Krankheiten. Sein Wohnort ist die Unterwelt, aus der er Finsternis, Tod und Unheil in die Welt bringt. Durch Ahrimans Wirken verdunkelt sich dem Menschen der Einblick in die geistige Welt, so dass er nur mehr die materielle Außenwelt sieht. Die Materie ist das Reich Ahrimans. Er bringt die Todeskräfte in die Welt. Ahriman verführt den Menschen zu Irrtum und Lüge, die zum Keim für Krankheitsursachen in späteren Inkarnationen werden - und er ist der Herr des Intellekts.
Ahriman - Es sind aus der Finsterniß, mit der weißen Farbe der Kälte, alle Farben des Lichts und des Feuers entsprungen, und selbst der böse Ariman, die ewige geistige Finsterniß, soll die Farben ausgeströmt haben.[4]
Ahriman, das böse Wesen in der Religion der Perser, der Gegner des guten, Ormuzd, dem er mit seinen dienenden Geistern, den Dews, feindselig entgegenwirkt; er schuf alle schädlichen Pflanzen und Thiere und verführte auch die Menschen zum Abfalle von Ormuzd. Am Ende der Zeit aber wird er sammt den Dews besiegt und mit Ormudzd versöhnt und verschwindet mit demselben im allgemeinen Weltuntergange, wo nur das Urwesen, aus dem alles hervorgegangen, Zeruane Akarene, übrig bleibt.[5]
Im Avesta
In den Gathas
In den Gathas, dem ältesten Teil des Avesta, kommt der Begriff Angra Mainyu nur ein einziges Mal vor. An dieser Stelle, in Yasna 45.2, ist der Begriff, wie die meisten anderen Begriffe der Gathas auch, nur ein reguläres Adjektiv-Nomen-Paar. Hier wird „angra mainyu“ vom „Freigiebigen der beiden“ (Spenta Mainyu) als Widersacher in allen Belangen deklariert.
Ein ähnlicher Ausdruck erscheint auch an anderer Stelle in den Gathas, aber dort ist nicht angra mainyu, sondern aka mainyu („böser Geist“) der Widersacher Spenta Mainyus. An weiteren Stellen wird vom akem manah „böses Denken“ und vom daebaaman „Betrüger“ gesprochen.
Im jüngeren Avesta
Erst im jüngeren Avesta ist Angra Mainyu eindeutig Stellvertreter des Zerstörerischen.
Während in den älteren Texten des jüngeren Avesta noch Angra Mainyu und Spenta Mainyu sich bekriegen, wandelt sich die Situation schlagartig in der Vendidâd. In diesen sehr späten Texten der Vendidâd 1 (4. Jahrhundert v. Chr. wird allgemein angenommen) wird der Kampf nicht mehr von Angra Mainyu und Spenta Mainyu ausgetragen, sondern von Angra Mainyu und lichten Gott Ormuzd (Ahura Mazdao).[6] Dies belegt ein Zitat des Aristoteles bei Diogenes Laertios (1.6), in dem die Widersacher Ariemanios und Oromazdes genannt werden.
In der Tradition
Im Zurvanismus

Der Zurvanismus, eine ausgestorbene Form des Zoroastrismus, basierte auf einer Zwillingsbrüder-Doktrin, nach der Ahura Mazdao und Angra Mainyu tatsächliche Zwillingssöhne des „Vaters“ Zurvan („Zeit“) waren.
Obwohl der Zurvanismus spätestens im 10. Jahrhundert ausstarb, waren die anti-zurvanistischen Polemiken die ersten, die den Westen erreichten, und prägten somit maßgeblich das Verständnis des Zoroastrismus. Dieser Zustand setzte sich fort, und obwohl akademisch längst überholt, prägt er bis heute das Allgemeinbild des Zoroastrismus, unter anderem die fixe Idee, dass der Zoroastrismus zwei Götter habe oder dass Ahura Mazdao und Angra Mainyu direkte Widersacher seien.
Dem Gebot des Ahriman sind alle anderen bösen Geister untertan und die „schlechten Geschöpfe“ – Giftschlangen, Raubtiere, Ratten, Mäuse, Ungeziefer – wurden von ihm geschaffen.
In den Religionsbüchern des 9./10. Jh.
Nach den Angaben der mittelpersischen Religionsbücher des 9./10. Jh., wozu aber die Grundlagen schon im Avesta und in den Berichten der Griechen gegeben sind, verläuft die Weltgeschichte in vier Zyklen von je 3000 Jahren. Mit dem dritten Zyklus beginnt der Kampf zwischen Ahriman und den Geschöpfen des guten Geistes, der 6000 Jahre andauert. Dann wird Ahriman vernichtet und eine neue unvergängliche und glanzvolle Welt geschaffen werden.
Islamisch-persische Periode
In der persischen Literatur der islamischen Epoche fungiert Ahriman als Personifikation des (absoluten) Bösen. Seine Existenz wird jedoch seitens der Muslime abgesprochen.[7] Das Böse könne nicht ohne das Gute existieren und erfülle deshalb immer einen höheren Zweck. Wenn es Ahriman gebe, so müsse er noch immer einem höheren Prinzip, was für die Muslime Allah ist, unterstehen, der schlussendlich Gut und Böse erschaffen habe.[8] Manche Muslime halten zwar die Existenz der bösen Geister (Diw) für möglich, doch seien sie ebenfalls von Allah erschaffen und vor der Erschaffung der Welt der Menschen verbannt worden, damit sie ihnen kein Übel tun.[9]
In der Anthroposophie

Die Anthroposophie sieht in Ahriman ein Geistwesen, das dem Menschen strukturierende, materialisierende Kräfte verleiht, als Gegenpol zu den auflösenden, bewegenden Kräften Luzifers. Ahriman sei von einer durchdringenden, kalten Intelligenz, die er jedoch begierig in sich verschließe. Im Gegensatz zu Luzifer erscheine er daher als „Fürst der Finsternis“, welcher der Menschenseele den Zugang zur geistigen Welt verunmöglichen wolle.[10]
1919 sprach Rudolf Steiner in einem Vortrag davon, dass sich Ahriman im dritten Jahrtausend nach der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus in einem Menschen inkarnieren müsse.[11]
Aus der esoterischen Betrachtungen von Rudolf Steiner, die in einem Manuskript in drei Vorträgen vom November 1914 festgehalten wurde, geht hervor, dass der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman ist. Er beschreibt, dass fortwährend ein notwendiger Kampf zwischen Luzifer und Ahriman stattfindet. Luzifer kommt von links her an den Körper heran, und Ahriman von der rechten Seite, wodurch die räumliche Gestalt des Menschen zustande kommt. Denn dazwischen muss der Mensch das rechte Gleichgewicht finden, was er unbewusst in der Wahrnehmung tut. Die Fläche, wo der Mensch sein eigenes seelisches Leben entwickeln kann, ist da, wo Luzifer und Ahriman gegeneinander abprallen. Das rechte Gleichgewicht zu finden ist oben im Kopfe am ehesten möglich, denn weiter unten gelingt es nur sehr schwer.[12]
Der Mensch hat überhaupt nur die Möglichkeit zwischen diesen beiden Kräften in der Mitte zu Sein. „[…] Und unsere Lebenskunst besteht darin, daß wir das rechte Gleichgewicht finden.“[13]
Wenn Luzifer und Ahrmian in der Richtung links-rechts kämpfen, dann tun sie es vorzugsweise durch die Gedanken. Wenn die Gedanken von links und von rechts herüber schwirren, dann berühren sie sich in dieser Fläche. «Es sind kosmische Gedankenbildungen, die da aneinanderstoßen und sich in der menschlichen Mittenfläche berühren".[14]
Die von links und rechts kommenden Wirkungen bezeichnet Rudolf Steiner als Gedankengeschosse.[15]
ZEICHNUNG VON MIR vom Rechts-Links-Menschen
Gleichzeitig ist der Mensch auch in dem Feld von vorn und hinten in ein Kampffeld hineingestellt. Ahriman stößt von rückwärts und von vorne entsendet Luzifer seine „Pfeile“. Allerdings berühren sie sich gegenseitig nicht in einer Fläche, „sondern es bleibt zwischen ihnen in der Mitte ein Zwischenraum, in welchem hin und her des Menschen Gefühlsleben wogt. Denn Ahriman kommt von hinten nur bis zum Rückgrat mit seiner Tätigkeit und Luzifer von vorne nur bis dahin, wo die Rippen an das Brustbein anstoßen. Der Mensch steht zwischen diesem Kampf von Luzifer und Ahriman drinnen. Sie führen den Kampf mehr durch die Gefühle.“ Die von vorne und hinten kommenden Wirkungen bezeichnet Rudolf Steine als „Gefühlsgeschosse“.[16]
ZEICHNUNG VON MIR von vorne und hinten
Es gibt noch eine dritte Richtung, aus der sich Luzifer und Ahriman am Menschen wirksam zeigen. Luzifer spielt von oben herunter und Ahriman von unten herauf. Auch hier wurden von guten Göttern Barrieren errichtet. Die luziferischen Wirkungen von oben nach unten werden von einer unsichtbaren horizontalen Fläche aufgehalten, wenn der Mensch sich in die Mitte hineinstellt. Diese horizontale Linie liegt auf der Höhe, wo der Schädel auf der Halswirbelsäule aufsitzt.[17]
ZEICHNUNG VON MIR von oben und unten
Aber auch hier hat der Mensch einen eigenen Spielraum in der Mitte. Denn gegen den von unten nach oben dringenden Ahriman wird das Zwerchfell als Barrikade gesetzt. Die von oben nach unten und von unten herauf kommenden Wirkungen bezeichnet Rudolf Steiner als „Willensgeschosse“.
Die Götter haben hier Verschanzungen gegen die Geschosse Luzifers und Ahrimans aufgerichtet. „[…] Dazwischen ist der Raum, in dem Luzifer und Ahriman gegeneinander stoßen, aber in dem auch die Ursprungsgottheit wirken kann. So ist also der Mensch ein Erzeugnis widerstrebender und ausgleichender Kräfte. Sein eigentliches Wesen liegt an den Grenzen der Fläche und dem Raume, der sich in der Mitte ergibt. Jahves Zauberhauch im Menschen.“
Wird der Blick auf die gesamte menschliche Natur gerichtet, sieht man eben den physischen Menschen, zu dem auch das durchdrungen sein mit Atemluft gehört. Denn der Mensch besteht nicht bloß aus Muskeln und Knochen, als ein Fleisch- und Knochenmensch, sondern er ist auch über das Ein- und Ausströmen des Atems, von außen nach innen und wieder nach außen, ein Atemmensch. Dieser steht fortwährend mit dem zirkulierenden Blut in einem Zusammenhang. Der andere Pol ist der Nervenmensch, der wie getrennte vom Atemmenschen liegt. Es ist nur eine Art äußeres Zusammenkommen zwischen dem Nervenmenschen und dem Blutmenschen. Nun gibt es diejenigen Ätherkräfte, die nach dem Luziferischen hintendieren und durch das Atmen leicht an das Blutsystem und so an den Menschen herankommen können. Es gibt aber auch Ätherkräfte, die zu dem Ahrimanischen hintendieren und über das Nervensystem an den Menschen herankommen können. „Ahriman ist es versagt in das Blut unterzutauchen, weil er nicht an die Wärme des Blutes heran kann. Will er aber eine Beziehung zur Menschennatur hin entwickeln, dann wird er lechzen müssen nach einem Tröpfchen Blut, weil er so schwer herankommen kann an das Blut. […] Will er an den Menschen herankommen, an das, was im Menschen lebt, will er mit dem Menschen in Verbindung treten, dann wird er gewahr, dass das Menschliche in dem Blute lebt. Er muss nach dem Blute trachten.“[18]
Das ahrimanische Motiv besteht darin, dass wir fortwährend der Gefahr ausgesetzt sind, ihm zu verfallen und uns nicht mehr losreißen können von ihm. Da empfindet der Mensch etwas, das er sich verschreiben muss, etwas, dem er verfallen muss. Je nachdem in welchem Prozess der Mensch lebt, sei es im Atmungs- und Blutprozess oder im Nervenprozess, wird der andere Prozess für einen gesunden Ausgleich sorgen. Deshalb zeigt es sich hier im Grunde, dass Luzifer und Ahriman, wenn sie an ihrem richtigen Orte segensreich wirken, für ein Gleichgewicht im Menschen sorgen.[19]
Die luziferische Tätigkeit macht das Wollen im Menschen jung. Wenn dieses luziferische in unserer Seelentätigkeit überwiegt und Luzifer seine Kräfte geltend macht, dann überwiegt das Wollen. Dieser wirkt auf den Gesamtstrom der Seelentätigkeit des Menschen verjüngend. Die ahrimanische Tätigkeit äußert sich in unserer Seelentätigkeit verhärtend und alternd auf das Denken. Dieses Denken – das Gedanken-haben – ist eine Äußerung der Kräfte des Ahriman. Es ist im gewöhnlichen Leben kein Auskommen ohne das Wirken von Ahriman und Luzifer im Ätherleib. Denn würde Luzifer sich ganz zurückziehen, dann würde dem Menschen das luziferische Feuer zum Wollen fehlen. Würde Ahrmian sich ganz zurückziehen aus dem Seelenleben, dann würde der Mensch niemals die Kühle des Denkens entwickeln können.
Es gibt eine Region in der Mitte, zwischen den beiden spielenden Tätigkeiten von Luzifer und Ahriman, in der sie sich durch das Kämpfen durchdringen. Diese Region, ist die Region des Fühlens. Der menschliche Ätherleib erscheint tatsächlich so, dass man in ihm das luziferische Licht und die ahrimanische Härte wahrnehmen kann. Es wird also nicht nur die Form des physischen Leibes gestört durch das Ineinanderspielen der ahrimanischen und luziferischen Kräfte, sondern sie spielen auch im ganz Ätherleib ineinander. Es drückt sich das Denken aus, wenn die ahrimanischen Kräfte die Überhand haben. Haben die luziferischen Kräfte die Überhand, dann ist das ein Ausdruck des Wollens. Wenn sie sich gegenseitig raufen, so könnte man sagen, dann ist das ein Ausdruck des Fühlens. Diese Kräfte müssen also da sein, denn durch das hinzukommen von ahrimanischen und luziferischen Kräften in der fortschreitenden Weltevolution, kam der Mensch über die Wahrnehmungen in seinem physischen Leibe hinaus. Er kann Gedanken haben, durch den ahrimanischen Einfluss auf seinen Ätherleib. Die Willensimpulse hat der Mensch dadurch, dass die luziferischen Kräfte auf seinen Ätherleib Einfluss gewinnen können.[20]
Im Wachzustand sind wir gewöhnlich zu stark an die äußere Welt hingegeben, weil wir unter dem starken Einfluss, unter der Übermacht des Ahriman leben. Im Schlafzustand tun wir alles für unsere Entwicklung, für uns selbst und sind so stark in uns, dass alles Bewusstsein ausgelöscht wird. „Im Schlafbewußtsein hat Luzifer die Oberhand.“ Sie halten das Gleichgewicht nur, wenn wir träumen. Da werden die Vorstellungen, die von Ahriman im Tagesbewußtesein hervorgerufen sind, durch den Einfluss von Luzifer aufgelöst und wieder zum Verschwinden gebracht. Es wird alles zu Bildern, indem Luzifer diese nicht zu festen Vorstellungen erstarren lässt. Es ist so wie bei einer Waage, bei der durch die gleichmäßige Belastung beider Seiten ein Gleichgewicht entsteht, „so haben wir es auch im Menschenleben nicht mit einer Ruhe, sondern mit einem Gleichgewichte zu tun. Und die beiden Kräfte, die sich da die Wage halten, von denen die eine oder die andere zeitweise das Übergewicht hat, sind Luzifer und Ahriman.“[21]
Ahriman im Schāhnāme

Im Schāhnāme, dem Lebenswerk des persischen Dichters Abū ʾl-Qāsim Firdausī (940/41–1020) und gleichzeitig dem Nationalepos der persischsprachigen Welt, bildet Ahriman den Gegenspieler und Feind der Könige und Helden. Er gebietet über eine Schar dienstbarer Geister, Dewen oder Diws genannt.
Der zentralen Bedeutung Ahrimans als dem Repräsentanten des Bösen entsprechend führt Firdausi ihn bereits in der ersten Sage von Schahname über w:Gayomarth ein:
„Kein Feind lebt’ ihm auf der Erdenflur
Als heimlich ein arger Ahriman nur.“[22]
Firdausi spricht ohne Umschweife den Grundkonflikt der iranischen Mythologie zwischen Gut und Böse an, vertreten durch den Schah und Ahriman. Ahrimans Sohn will den Sohn des Schahs, Sijamak, töten, um sich so der Herrschaft über die Welt zu bemächtigen:
„Schwarz war die Welt vor des Dewsohns Blick
Über des Schahs und Sijamak's Glück.
...
Des Schahsohns Leib warf er auf den Grund,
Und macht ihm mit Klauen die Weichen wund.
Vom grimmigen Feind war des Lebens beraubt
Sijamek, und das Volk ohne Haupt.“[23]
Am Ende gelingt es Huschang, dem Sohn von Sijamak, den Vater zu rächen, den Sohn Ahrimans zu töten und sich Herrschaft und Thron in Iran zu sichern:
„Die Hand schwang wie ein Löw Hoscheng,
Die Welt macht' er dem Dewen eng.
Er zog ihm von Kopf zu Fuß in den Riem,
Abschnitt er das Haupt ohn' gleichen ihm;
Warf ihn zu Boden und trat in kraus,
Sein Fell war zerrissen, mit ihm war's aus.[24]
Nach dieser Niederlage Ahrimans verschwindet das Böse allerdings nicht aus der Welt. Auch in den folgenden Sagen wird Ahriman seine niederträchtigen Pläne umzusetzen versuchen.
Ahriman aus yogischer Sicht
Ahriman ist das, was in der Bibel als Satan bezeichnet wird. In der Parsi-Mythologie, dem Zoroastrismus, ist es der Geist der Finsternis, der sich als Widersacher dem Licht-Gott Ahura Mazda entgegenstellt. Ahriman und Ahura Mazda sind eines der großen Gegensatzpaare, das Schlechte gegen das Gute. Dieser Dualismus zwischen gut und schlecht hat sich vom Parsismus, vom Zoroastrismus weiter ausgebreitet, wurde dann im Judentum stark, später auch im Christentum und im Islam. Dieser Dualismus von gut gegen böse hat viel Schlimmes bewirkt in dieser Welt. Es führte zu dem Glauben, dass die ganze Welt ein Kampf des Guten gegen das Böse ist und dass das Gute gegen das Böse, gegen die Manifestation von Ahriman, kämpfen und es vernichten muss. Aus dem Wunsch, den Ahriman zu vernichten ist soviel Schlimmes getan worden. Kein Mensch würde sagen, dass er des Teufels ist, er das Böse will und grundlegend böse ist. Auch die Evolutionsbiologie sagt, jeder Mensch hat grundsätzlich gute Anliegen. Damit jemand Schlimmes tut, muss er selbst Schlimmes erlebt haben. In diesem Sinne hat die Vorstellung von dem ewig guten Ahura Mazda und dem ewig schlechten Ahriman viel Leid über die Menscheit gebracht. Glücklicherweise gibt es heute große Strömungen in allen Weltreligionen und insbesondere auch in der liberalen Philosophie und der Aufklärung, dass es Böse an sich gar nicht gibt.
Vermeintlicher Kampf zwischen Gut und Böse
Aber kein Mensch empfindet sich selbst als jemand, der dem Bösen dient. Jeder denkt, er dient dem Guten und will andere bekämpfen, die eben das Böse sind. Und im Namen der Bekämpfung des Bösen ist dann so viel Schlimmes getan worden. Die Christen haben im Namen der Bekämpfung des Bösen ganze Religionen und Völker ausgerottet. Sie haben die Inquisition entwickelt und haben die Religionskriege überhaupt erst entwickelt. Auch hat das Böse in sich selbst zu bekämpfen dazu geführt, dass sich Generationen von Aspiranten selbst bekämpft haben. Letztlich führt das Böse in sich zu bekämpfen, nicht wirklich zum Guten. Denn Kampf selbst führt eben nicht zum Aufhören des Kampfes. Man kann es der modernen Psychoanalyse, der modernen Psychotherapie und Psychologie und vielleicht auch der Evolutionsbiologie verdanken, erkannt zu haben, dass es eben nicht DAS Böse gibt. Sondern alles was man als Böse bezeichnen kann, hat ursprünglich eine gute Seite. Eifersucht beispielsweise ist nicht notwendigerweise böse, sondern wirkt stabilisierend in der Beziehung. Aggression ist nicht notwendigerweise böse, sondern der Mensch muss sich auch manchmal zur Wehr setzen und sich verteidigen. Auch Hass ist nicht nur böse, sondern war evolutionsbiologisch sinnvoll in manchen Kontexten.
Evolutionsbiologische Sicht
Die Evolutionsbiologie hat eben gezeigt, dass alles menschliche Verhalten in irgendeinem Kontext sinnvoll ist und dass es nicht DAS Böse gibt. Und dass es nicht Ahriman und Ahrimanische Wesen gibt, die mit irgendwelchen guten Wesen um die Seele des Menschen ringen und um die Herrschaft auf diesem Planeten. So sind die älteren Legenden zum Beispiel auch um die Asuras in Indien ja nicht geprägt davon, dass da etwas ewig Böses ist, dass gegen die Guten, die Davas kämpft, wie es in moderner Interpretation oft gedeutet wird. Sondern die Asuras sind zum Teil andere Herrscher Geschlechte. Solche, die spirituelle Praktiken gemacht haben, aber dann Versuchungen zum Opfer gefallen und vorübergehend auf Abwege gekommen sind. Vorübergehend der Gier nach Macht und Reichtum zugeneigt waren, bis sie schließlich auch wieder zur Gottverwirklichung kommen. Man könnte auch sagen, Asuras sind nicht böse an sich, sondern solche, die auf Abwege gekommen sind, um dann wieder zurück auf den spirituellen Weg zu kommen. In den indischen Schriften werden die Asuras auch meistens beschrieben als solche, die auch die Gottverwirklichung erreichen. So sollte man vorsichtig sein mit dem Begriff „das Böse“ an sich und „Kampf zwischen Gut und Böse“ oder auch den „Kampf zwischen Ahriman und Ahura Mazda“
Klare Ethik aus yogischer Sicht
Natürlich kann man das Ganze auch anders begreifen und der Zoroastrismus war ja eben nicht gekennzeichnet durch Religionskriege. Man könnte schon sagen, in bestimmten Kontexten sind bestimmte Vorgehensweisen nicht gut und andere sind gut. Daher gibt es auch im Yoga eine klare Ethik, wie es sie in den fünf Yamas oder auch in den Sattwa Regeln, gibt. Ahimsa, bedeutet nicht verletzen. Satya, Wahrhaftigkeit, Astea nicht stehlen, Bramacharya ist die Vermeidung sexuellen Fehlverhaltens und auch Aparigraha, Unbestechlichkeit zählen dazu. All dies sind wichtige ethische Prinzipien. Zusammen gefasst könnte man die inneren Kräfte, die einen davon abhalten, die Ethik zu beachten als Ahriman beschreiben. Dennoch sind sie nicht grundsätzlich etwas Schlechtes, sondern sind evolutionsbiologisch sinnvoll. Es sind Anteile in uns, die in anderen Zusammenhängen vielleicht sogar gut wären. Entscheidet man sich für Ethik, dann gibt es diese Gegenkräfte. Die es eigentlich gut meinen, jedoch eher Versuchungen darstellen, jedoch nicht Anfechtungen des Bösen. Letztlich steht hinter allem eine einzige göttliche Wirklichkeit.
Ahrimanische Kultur im Westen
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In der Vergangenheit spielte Luzifer eine wichtige, der weisen Weltenlenkung entsprechende und heute immer noch nachwirkende Rolle bei der Entwicklung der Kultur. Eine ebenso wichtige Aufgabe kommt jetzt und in der weiteren Zukunft Ahriman zu. Dieses ahrimanische Element in die Kultur einzuführen, ist die Aufgabe des Westlichen Welt, namentlich Amerikas.Vorlage:GZ
Schutz vor Ahriman
„a:Auf welche Weise kann man sich vor Ahriman schützen? Indem man zufrieden ist mit dem, was einem beschieden ist:
Siehe auch
- ...
Literatur
- Ulrich Hannemann (Hrsg.): Das Zend-Avesta. Band 1: Allgemeiner Teil. Überarbeitete Neuauflage der Ausgabe von 1776. Weißensee-Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-89998-199-5.
- Firdausi: Geschichten aus dem Schahnameh (= Diederichs Taschenausgaben. 21.) Ausgewählt und übertragen von Uta von Witzleben]. Eugen Diederichs, Düsseldorf u. a. 1960, S. 13 ff. (zu Ahriman).
Einzelnachweise
- ↑ Angra Mainyu. In: Britannica. Abgerufen am 12, Dezember 2025.
- ↑ Antonio Panaino: Religionen im antiken Iran. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 27.
- ↑ Antonio Panaino: Religionen im antiken Iran. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 26 f.
- ↑ Goethe Wörterbuch, WA N51,393,8 Fl Nachtr [Kanne], abgerufen am 11.12.25 über https://woerterbuchnetz.de/
- ↑ Herders Konversations-Lexikon (1. Auflage, 1854-1857), abgerufen am 11.12.25 über https://woerterbuchnetz.de/
- ↑ Vgl. auch Antonio Panaino: Religionen im antiken Iran. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 27 f.
- ↑ Irfan Asghar: The Notion of Evil in the Qur'an and Islamic Mystical Thought. Dissertation, The University of Western Ontario (Canada), 2021.
- ↑ Rustom, Mohammed. "Devil’s advocate: ʿAyn al-Quḍāt’s defence of Iblis in context." Studia Islamica 115.1 (2020): 65-100
- ↑ Abedinifard, Mostafa; Azadibougar, Omid; Vafa, Amirhossein, eds. (2021). Persian Literature as World Literature. Literatures as World Literature. USA: Bloomsbury Publishing. S. 40–43.
- ↑ Walther Bühler: Anthroposophie als Forderung unserer Zeit. Eine Einführung auf der Grundlage einer spirituellen Naturanschauung. Novalis-Verlag, Schaffhausen 1987, ISBN 3-7214-0589-7, Kapitel 10: Das Rätsel des Bösen: Luzifer und Ahriman., S. 137 ff.
- ↑ 11. Vortrag vom 1. November 1919. In: Rudolf Steiner: Soziales Verständnis aus geisteswissenschaftlicher Erkenntnis. Fünfzehn Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 3. Oktober und 15. November 1919. 3. Auflage, photomechanischer Nachdruck. Rudolf-Steiner-Verlag, Dornach 1989, ISBN 3-7274-1910-5.
- ↑ II. Vortrag im November 1914. In: Rudolf Steiner: Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz).
- ↑ II. Vortrag im November 1914. In: Rudolf Steiner: Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz), S. 21.
- ↑ II. Vortrag im November 1914. In: Rudolf Steiner: Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz), S. 24.
- ↑ II. Vortrag im November 1914. In: Rudolf Steiner: Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz), S. 25.
- ↑ II. Vortrag im November 1914. In: Rudolf Steiner: Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz).
- ↑ II. Vortrag im November 1914. In: Rudolf Steiner: Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz).
- ↑ I. Vortrag im November 1914. In: Rudolf Steiner: Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz), S. 8.
- ↑ I. Vortrag im November 1914. In: Rudolf Steiner: Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz), S. 11–12.
- ↑ III. Vortrag im November 1914. In: Rudolf Steiner: Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz), S.34–35.
- ↑ III. Vortrag im November 1914. In: Rudolf Steiner: Der Mensch ein Ergebnis des Zusammenwirkens von Luzifer und Ahriman. Drei Vorträge, gehalten in Dornach zwischen dem 20. Und 22. November 1914.Nach einer vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschrift als Neudruck herausgegeben von MARIE STEINER, 1948 Philosophisch-Anthroposophischer Verlag am Goetheanum Dornach (Schweiz),S. 40-41.
- ↑ Friedrich Rückert (Übersetzer): Firdosi’s Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII. Georg Reimer, Berlin 1890, S. 4.
- ↑ Friedrich Rückert (Übersetzer): Firdosi's Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII. Georg Reimer, Berlin 1890, S. 4 f.
- ↑ Friedrich Rückert (Übersetzer): Firdosi's Königsbuch (Schahname). Sage I–XIII. Georg Reimer, Berlin 1890, S. 7.
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