Benutzer:Equiseto/Gerste

Die Gerste (Hordeum vulgare) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Gersten (Hordeum) innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae). Als Kulturgerste ist sie eine der wichtigsten und ältesten Getreide-Arten. Sie kommt als Spelzgerste sowie als Nacktgerste vor und ist weltweit das am meisten verbreitete Getreide.[1] Ihre Bedeutung als stärkendes Nahrungsmittel und in religiöser Hinsicht ist aus vielen Überlieferungen belegt.
Gerste kann man an ihren besonders langen Grannen erkennen, die an sonnigen Tagen das Licht in einem glitzernden Schimmer reflektieren und im Feld eine wogende weiche Oberfläche erzeugen.
Eine Besonderheit ist ihr hoher Gehalt an Kieselsäure, die für die physische Gesundheit bis hin zur Bewusstseins- und spirituellen Entwicklung als zentrales Element beschrieben wird.
Geschichte und Sortenentwicklung


Als Ursprungsgebiet der Gerste gilt der Fruchtbare Halbmond (Wiege der Landwirtschaft) im Nahen Osten und der östliche Balkan (Bulgarien, Rumänien, Griechenland). Sie wurde vor rund 10.000 Jahren ausgehend von der Wildgerste (Hordeum spontaneum) domestiziert, d.h. züchterisch zum besseren Nutzen des Menschen verändert. Als Wildgerste wurde sie jedoch nachweislich bereits um 48 000 vor Christus gesammelt. [1] Bei Wildgerste fallen die reifen Körner aus der Ähre, was die Ernte mühsam macht. Kulturgerste entstand wahrscheinlich durch eine nicht gezielte Auslese der Menschen, die bevorzugt eine Mutation ernteten und pflegten, bei der die reifen Körner in der Ähre blieben.[2]
Die starke Anpassungsfähigkeit der Gerste an verschiedene klimatische Zonen bewirkte einen großen Formenreichtum, der sich darin ausdrückt, dass es 2-, 4- und 6zeilige Gersten gibt. Die Gerste entwickelte diesen Formenreichtum an drei Stellen der Erde und zwar vor allem im Hochland von Erythrea und Abessinien, im Osten Tibets, dem östlichen Himalaja bis Japan hin auslaufend sowie in Westpersien, Armenien und Ostanatolien.[3]
Seit der Jungsteinzeit (5500 v. Chr.) wird auch in Mitteleuropa Gerste angebaut. Hier gedeiht sie am besten im sommerkühlen Klima auf fruchtbaren, mäßig trockenen, basenreichen, neutralen, tiefgründigen Lehmböden mit einer guten Wasserführung.[4]
In verschiedenen Überlieferungen aus den alten Hochkulturen (ab 3100 - 30 v. Chr) in Europa, Ägypten, West- und Mittelasien wird die Gerste erwähnt. Sie wurde hier gezielt als Grundnahrungsmittel gezüchtet. Sie spielte vor allem in der griechischen Kultur eine besondere Rolle. So wurde anfangs auf Attika (das zum Stadtstaat Athen gehörige Land) fast nur Gerste angebaut. Sie wurde im Opferkultus verwendet, Toten als Wegzehrung mitgegeben und es wurde von der «heiligen Gerste» gesprochen. Demeter die Göttin der Fruchtbarkeit wurde neben anderen Namen auch "Gerstenmutter" genannt. In den Gesängen der Ilias ist kein anderes Getreide als nur die Gerste namentlich genannt. Im 11. Gesang wird ein Mahl erwähnt, das aus dem Mehl von heiliger Gerste, Zwiebeln, Honig, Wein und Ziegenkäse bestand. Homer benannte die Gerste auch als das «Mark der Männer», wodurch er ihre kräftigende Wirkung ausdrückte. Aber neben der Stärke ihrer Krieger strebten die Griechen auch nach einer Aktivität im Denken, wie sie in den Philosophenschulen gepflegt wurde. Der Trojanische Krieg beispielsweise wurde durch die Klugheit des Odysseus entschieden. Platon sah in Gerste und Weizen die ideale Nahrung für die Menschen seines «idealen Staates». Und in der Schule des Pythagoras, in der grösste Konzentration und Wachheit erforderlich war, um mathematische Lehrsätze entwickeln zu können, basierte die Ernährung auf strengen Regeln und die Gerste war Grundnahrungsmittel.
Im alten Rom hießen die Gladiatoren «Gerstenmänner», «hordearii». Sie erhielten Gerstenbrot und Gerstenbrei weil man die Gerste als besonders nahrhaft ansah.[3][5]
Im Mittelalter diente die Gerste als ertragreiches Viehfutter und teilweise wichtigstes Grundnahrungsmittel zur Zubereitung von Brei.
Verbreitung
Gerste gedeiht in den verschiedensten klimatischen und geografischen Verhältnissen gut und ist daher über fast alle Länder der Erde verbreitet. Dies ist ihrer besonderen klimatischen Anpassungsfähigkeit zu verdanken. Sie wächst bei 5 bis 10° C Bodenwärme ebensogut wie bei 30° C. Sie verträgt sowohl Trockenheit als auch Frost und sogar salzhaltigen Boden.[4] Von allen Getreidearten wächst sie am weitesten im Norden. Ihre nördlichste Grenze ist deshalb identisch mit der Polargrenze des Getreidebaues insgesamt. Ebensogut gedeiht sie in den Subtropen des östlichen und südlichen Mittelmeergebietes und ist hier sehr stark verbreitet; man findet sie ebenfalls in weiten Gebieten Südrußlands. Sie gedeiht noch auf den Alkaliböden der tief liegenden Wüsten in Ägypten, Turkestan und Australien, sowie auf den Hochebenen Südafrikas und Südamerikas.[4]
An Wasser stellt sie geringe Ansprüche und gedeiht noch bei einem Jahresniederschlag von nur 370 bis 400 mm.
Gerste hat eine sehr kurze Vegetationszeit (mit 110 Tagen die kürzeste Vegetationszeit unter den Getreiden) und kann auch infolge dessen von allen Getreidearten am höchsten in gebirgige Lagen mit ihren kürzeren Vegetationsperioden vordringen. So gedeiht sie in den Alpen bis in Höhen von 1900 m, im Kaukasus bis 2700 m, im Hindukusch bis 3050 m und in Tibet sogar bis in 4700 m Höhe.[6][3]
Beschreibung





Gerste ist ein Dunkelkeimer und einjähriges Gras, das Wuchshöhen von 0,7 bis 1,2 m erreicht. Die Pflanze ist glatt und unbehaart. Der Halm ist aufrecht. Die wechselständig und zweizeilig angeordneten Laubblätter sind einfach und parallelnervig. Die flache Blattspreite weist eine Länge von 20 bis 45 Zentimeter und eine Breite von 8 bis 12 Millimeter auf.[4] Die wichtigsten morphologischen Erkennungsmerkmale sind die zwei langen, unbewimperten Blattöhrchen der Blattscheide, die den Halm vollständig umschließt. Das schmale und leicht gezähnte Blatthäutchen (Ligula) ist 1 bis 2 mm lang. Das Tausendkorngewicht liegt bei 35–50 Gramm.
Der ährige Blütenstand besitzt eine flexible, also nicht zerbrechliche Rhachis (Ähre), darin unterscheidet sie sich von den anderen Hordeum-Arten. Er ist (ohne die Grannen) 6 bis 12 Zentimeter lang und 1 bis 2 Zentimeter breit. Die in Reihen stehenden, ungestielten Ährchen sind alle gleich und fruchtbar (fertil). Die Ährchen enthalten meist nur eine Blüte, selten zwei. Die Hüllspelzen des mittleren Ährchens stehen vor den Blüten; sie sind untereinander gleich, dreinervig, lanzettlich, zugespitzt und in eine 8 bis 12 Millimeter lange Granne auslaufend. Die Deckspelze ist fünfnervig, breit eiförmig und läuft in eine gerade, starre, raue, 8 bis 15 Zentimeter lange Granne aus. Die Vorspelze ist zweinervig und so lang wie die Deckspelze. Die Staubbeutel sind 2 bis 3 Millimeter lang. Die beiden seitlichen Ährchen sind entweder dem mittleren Ährchen gleich und fruchtbar oder die Spelzen sind kleiner oder verkümmert und die Blüten männlich oder steril.[4]
Der ährige Fruchtstand mit langen Grannen ist im reifen Zustand geneigt bis hängend. Ebenso wie beim Weizen und Roggen sind die Körner botanisch betrachtet Karyopsen, also einsamige Schließfrüchte.[7]
Sehr lange Grannen
Gerste hat von allen Getreidearten die längsten Grannen. Diese enthalten sehr viel Kieselsäure, die spitze kieseliege Zellen in Form von scharfen Häkchen an der Grannenoberfläche bildet und die Grannen sehr hart macht. Sie dienen den Getreiden auf mechanische Weise der Abwehr von Fressfeinden, der Verbreitung, indem sie sich an Tierfell oder Gefieder anheften und dazu, dass sich die Samen in die Erde einbohren. Auf physiologische Weise dienen sie der Assimilation von Kohlendioxid und der Aufnahme von Licht und damit der Photosynthese. Über die Grannen kann die Gerste "auch dann noch assimilieren und die Körner füllen, wenn die Blätter bereits anfangen einzurollen und die Assimilation eingestellt haben.[1] Bei Versuchen wurden die Grannen entfernt und in der Folge bildeten sich kleinere Körner aus, welche eine etwas schlechtere Keimfähigkeit hatten. Auch das Angehen und die Entwicklung aller Pflanzen auf einem Feld war ungleichmäßiger.[8]
Der Arzt Udo Renzenbrink beschreibt die Grannen aus anthroposophischer Sicht als "reine Kieselorgane". Er weist darauf hin, dass der Kiesel von großer Bedeutung für die Sinneswahrnehmung ist, indem er den Organismus für Wirksamkeiten der Umwelt aufschließt und das Wahrgenommene in das Innere des Organismus leitet. In diesem Sinne kann man die Grannen als Wahrnehmungsorgane sehen und er vergleicht sie mit "zarten Antennen", "die von der Ähre ausgestreckt werden". Mit diesen nimmt sie aus dem Kosmos Licht und Wärme auf, die "Fruchtbildung und Reifung impulsieren".[9]
Selbstbestäuber
Gerste blüht schon in der Phase des Ährenschiebens. Dies ist das Stadium, in dem der Großteil der Getreidepflanzen eines Feldes ihre Ähren aus der Blattscheide herauszuschieben beginnen. Gerste muss für das Blühen ihre Blüten nicht öffnen. Indem die Befruchtung bereits so früh stattfindet, verkürzt sich die Vegetationszeit um zwei bis drei Wochen. Deshalb, wie schon erwähnt, kann Gerste, selbst wenn sie als Sommergetreide erst im Frühling gesät wird, noch in den höchsten Lagen mit kurzer Vegetationsperiode angebaut werden.[1]
Zwei- und mehrzeilige Formen der Gerste
Gerste wird anhand der unterschiedlichen Ähren in zwei- und mehrzeilige Formen unterschieden. Aufgrund vieler Funde dürfte die sechszeilige Gerste die älteste Form gewesen sein. Die zweizeiligen Formen („Hordeum distichon“) entwickeln pro Ansatzstelle nur ein Korn, das voll und kräftig ausgeprägt ist. Bei den mehrzeiligen Formen von Hordeum vulgare treten drei Körner pro Ansatzstelle auf, die sich schwächer entwickeln. Zweizeilige Gerstensorten (überwiegend Sommergerste) enthalten besonders viel Stärke und wenig Protein. Sie finden vorwiegend bei der Bierherstellung als Braugerste zur Malzherstellung Verwendung und werden auch zu Gerstengraupen verarbeitet. Vier- und sechszeilige Gerstensorten sind überwiegend Wintergerstensorten, die (im Gegensatz zu dem im Frühjahr ausgesäten Sommergetreide) im Herbst gesät werden und eine Vernalisation zum Schossen benötigen. Durch die längere Vegetationsphase und die effektive Nutzung der Winterfeuchtigkeit sind die Erträge höher und die Nährstoffe (höherer Eiweißgehalt im Vergleich zur Sommergerste) günstig für die Verwendung als Futtergerste. Neuere Wintergerstensorten mit hohen Gehalten an Protein und Ballaststoffen werden nur für die menschliche Ernährung angebaut. Sowohl die zweizeilige wie auch die mehrzeiligen Gerstenarten finden sich in bespelzter Form wie auch als nackte Form.[3][5]
Spelzgerste und Nacktgerste
Die Körner der Spelzgerste sind fest mit den Spelzen verwachsen. Vor der Zubereitung für die menschliche Ernährung müssen sie daher entspelzt werden. Dies geschah früher in der Mühle durch einen Gerbgang, heute wird dieser Arbeitsschritt in einer Schälmühle erledigt. Dabei wird vielfach der Keimling beschädigt oder entfernt, wodurch wertvolle Inhaltsstoffe verloren gehen und die Körner auch nicht mehr keimfähig sind.
Bei der Nacktgerste lösen sich die Körner beim Dreschen leicht von den Spelzen und der Keimling bleibt dadurch intakt. In Ägypten ist von den ältesten Zeiten an eine sechszeilige, eine vierzeilige und eine Nacktgerste bekannt.[10]
Der gesundheitswirksame lösliche Ballaststoff Beta-Glucan ist in Gerste anders als beim Hafer nicht in den Randschichten des Korns (Kleie), sondern im hellen Korninneren konzentriert. Gerste enthält Gluten, was bei Personen mit Glutenunverträglichkeit zu gesundheitlichen Problemen führen kann.
Eigenschaften und gesundheitliche Bedeutung
Beta-Glucane und ihre vielfältigen Wirkungen
Gerste hat einen sehr hohen Anteil an wasserlöslichen Ballaststoffen, den sogenannten Beta-Glucanen. Auf 100 g rohe Körner enthält sie etwa 4,8 g (zum Vergleich: Hafer enthält 4,5 g, Weizen 0,8 g und Roggen 2,3 g). Während die Beta-Glucane sich beim Hafer in den äußeren Schichten des Mehlkörpers sowie in den Kornrandschichten befinden, konzentrieren sie sich bei der Gerste im Inneren des Korns (Endosperm).[11] Dies bedeutet, dass auch bei Gerstengraupen und Perlgerste die Beta-Glucane recht gut erhalten bleiben.
Die spezielle Speisegerste, BetaGerste (Waxy-Gerste, wie z.B. beta®Gerste) ist eine neuere gentechnikfreie Züchtung, welche zwischen 4,8 und 6,9 g Beta-Glucane enthält. Diese befinden sich sowohl in der Aleuronschicht (mineralstoff- und vitaminreiche Schicht unterhalb der Kleie) aber primär im Endosperm (Mehlkörper). Bei dieser Gerste sind die Beta-Glucane "die wichtigsten Gerüstsubstanzen der Zellwände des Mehlkörpers (Endosperm) und der Aleuronschichten."[12][13]
Cholesterin senkende Wirkung
Die Beta-Glucane binden Cholesterin und Gallensäure im Darm wo sie mit dem Darminhalt ausgeschieden werden. Dadurch reduziert sich die Menge an Gallensäure, die aus dem Darm rückresorbiert wird. Die Leber muß die Gallensäure daher neu bilden, wofür sie das Cholesterin aus dem Blut verwendet. Der LDL-Cholesterinspiegel im Blut sinkt infolge ab, während HDL- und Triglyzeridwerte unverändert bleiben. Jedoch sind die Verminderungen der Beta-Glucan-Wirkungen durch Verarbeitungsprozesse noch nicht ausreichend erforscht.[14][12]
Eine tägliche Aufnahme von 3 g Beta-Glucanen aus Gerste reduziert nachweislich den Blutcholesterinspiegel.[15] Entsprechend kann für Gerstensorten mit einem hohen Gehalt an Gerstenballaststoffen, insbesondere den löslichen Beta-Glucanen (mehr als 4 g pro 100 g), ein Health Claim ausgelobt werden. Folgende Kennzeichnungen auf verzehrfertigen Lebensmitteln dürfen angegeben werden:[16]
| Nährstoff/Substanz/Lebensmittel | Angabe (VO 432/2012) | Bedingungen für die Verwendung (VO 432/2012) |
|---|---|---|
| Beta-Glucane | „Beta-Glucane tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei“ | Die Angabe darf nur für Lebensmittel verwendet werden, die mindestens 1 g Beta-Glucane aus Hafer, Haferkleie, Gerste oder Gerstenkleie bzw. aus Gemischen dieser Getreide je angegebener Portion enthalten. Damit die Angabe zulässig ist, sind die Verbraucher darüber zu unterrichten, dass sich die positive Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von 3 g Beta-Glucanen aus Hafer, Haferkleie, Gerste oder Gerstenkleie bzw. aus Gemischen dieser Getreide einstellt. |
| Beta-Glucane aus Hafer und Gerste | „Die Aufnahme von Beta-Glucanen aus Hafer oder Gerste als Bestandteil einer Mahlzeit trägt dazu bei, dass der Blutzuckerspiegel nach der Mahlzeit weniger stark ansteigt“ | Die Angabe darf nur für Lebensmittel verwendet werden, die mindestens 4 g Beta-Glucane aus Hafer oder Gerste je 30 g verfügbare Kohlenhydrate in einer angegebenen Portion als Bestandteil der Mahlzeit enthalten. Damit die Angabe zulässig ist, sind die Verbraucher darüber zu unterrichten, dass sich die positive Wirkung einstellt, wenn Beta-Glucane aus Hafer oder Gerste als Bestandteil der Mahlzeit aufgenommen werden. |
Verringerung der glykämischen Reaktion
Beta-Glucane aus Gerste verringern den Anstieg des Blutzuckerspiegels nach den Mahlzeiten. Die Beta-Glucane können große Mengen Wasser binden und zu Gerstenschleim aufquellen. Infolge dieser hohen Viskosität können die Verdauungsenzyme nicht mehr ganz so effektiv arbeiten. Die Verdauung der Stärke wird verlangsamt und die aus der Aufspaltung resultierende Glucose kann nur langsamer resobiert werden. In der Folge steigen die Blutzuckerwerte nach den Mahlzeiten weniger stark an und es muss weniger Insulin ausgeschüttet werden.[11]
Aktivierung von Immunzellen
Beta-Glucane aktivieren die Fresszellen (Makrophagen) in der Dünndarmwand. Diese haben die Aufgabe, einringende Bakterien mittels Phagozytose aufzulösen. "Die Makrophagen verfügen über einen spezifischen Rezeptor, an dem Beta-Glucan-Moleküle des Typs 1,3/1,6 andocken, wodurch die Aktivität der Immunzellen sowie des Immunsystems stimuliert wird."[11]
Günstige Wirkung auf Darm und Mikorbiom
Die wasserlöslichen Beta-Glucane können von den Bakterien im Dickdarm verstoffwechselt werden. Die Beta-Glucane dienen ihnen einerseits als Energiequelle und andererseits wandeln sie diese in kurzkettige Fettsäuren (Acetat, Butyrat und Propionat) um, welche nun auch den Darmwandzellen als Nährstoff dienen. Die natürliche Darmflora wird verbessert und wirkt somit der Entwicklung pathogener Bakterienstämme entgegen. Außerdem ist Butyrat für seine entzündungshemmende Wirkung bekannt, wodurch besonders Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen von der Aufnahme von Beta-Glucanen profitieren.[11]
Beta-Glucane aus anthroposophischer Sicht
Die Beta-Glucane bewirken durch ihre Wasserlöslichkeit und hohe Wasseraufnahmefähigkeit eine Schleimbildung. Gersten- oder auch Haferschleim sind bekannt für ihre heilenden Wirkungen vor allem auf den Magen-Darm-Bereich, aber auch auf andere entzüngliche Vorgänge im Körper. So ist beispielsweise ein traditionelle Heilmittel in England das sogenannte Barleywater, das Gerstenwasser. Es handelt sich dabei um eine leicht sämige Abkochung von Gerstenkörnern die nach Abseihen der Körner zu Heilzwecken getrunken wird. Die besondere Wirkung des Schleims erläutert Dr. Udo Renzenbrink wie folgt:
- „Im Schleim sind die Wirksamkeiten der Gerste voll enthalten; denn eine Pflanze, die Schleim bildet, gibt ihr ganzes Wesen in diesen Schleim hinein.“[3]
Der Gerstenschleim wirkt beruhigend auf Magen- und Darmschleimhautreizungen. Sogar bei Geschwüren und schweren Entzündungen wird der Schleim gut vertragen. Er regt die Darmtätigkeit an und wirkt "entgiftend auf krankhafte Vorgänge". Aber auch auf Entzündungen in den Bronchien und Rachen hat der Gerstenschleim eine lindernde Wirkung. An dieser Stelle erwähnt Udo Renzenbrink auch das Barleywater, "ein geschätztes Volksheilmittel bei Erkältung und Grippe" und erwähnt die "kühlende Wirkung gegen Hitze und Fieber".[3]
Kieselsäure schenkt Stabilität, Elastizität und Sensibilität
Gerste ist reich an Kieselsäure. 100 g ungekochte Gerstenkörner enthalten 233 mg Kieselsäure.[17] Ernährungswissenschaftler schätzen einen Tagesbedarf von 25 bis 50 mg aus der Nahrung.[18]
Wirkung auf Haut, Knochen, Bindegewebe
Die Wirkung der Kieselsäure zeigt sich sowohl an Pflanzen als auch am Menschen. Den Pflanzen schenkt sie Stabilität, Standfestigkeit und Flexibilität zugleich. So kann sich ein Grashalm im Wind bewegen, ohne zu brechen. Ähnlich wirkt Kieselsäure auf die menschliche Haut, Nägel und Haare. "Silizium sorgt für Festigkeit und Dehnbarkeit zugleich, da es die Bildung der Bindegewebsfasern Kollagen und Elastin anregt."[19]Weiterhin fördert es die Elastizität von Bindegewebe und Sehnen, die Knorpelgesundheit und die Knochenbildung, den Zellstoffwechsel und die Wundheilung.[20]
Wirkungen auf die Wahrnehmung und das Denken
Dr. Udo Renzenbrink nennt neben der Stützfunktion für die Bindegewebe aus anthroposophischer Sicht auch die Bedeutung der Kieselsäure für die Wahrnehmungsvorgänge. So bezeichnet er die menschliche Haut als "Kieselmantel", der den Organismus nach außen abschliesst, aber gleichzeitig eine Verbindungen nach außen schafft. Ebenso beschreibt er unsere Organe als von einer "Kieselhülle" umgeben wodurch sie von einander getrennt sind, sich aber durch die Wirkung des Kiesels dennoch gegenseitig wahrnehmen können. Diese einerseits abgenzende und andererseits sensibilisierte Funktion benennt er bei der vegetativen Dystonie als gestört.
Alles Wahrnehmen steht mit dem Nerven-Sinnes-System in Verbindung und er weist weiter darauf hin, dass alle Funktionen im Nervensystem "sich auf feinste Kieselprozesse" stützen und "somit auch das Denken". Bei Ernährungsversuchen mit Gerste bemerkten die Versuchspersonen "fast übereinstimmend als ersten Eindruck eine auffallende Frische im Kopfbereich, Wachheit in den Sinnen und Hebung der Konzentrationsfähigkeit." Sie fühlten sich auch körperlich gestärkt und die übliche Müdigkeit nach dem Essen blieb aus.[3]
Gerste in früheren und ganzheitlichen Sichtweisen
Der griechische Arzt und Lehrer Hippokrates von Kos (460 - 370 v. Chr.) empfahl ein "Gerstenwasser", auf griechisch Ptisane genannt, bei verschiedenen Krankheiten. Die Bezeichnung Ptisane wurde sowohl für einen gestampften Gerstenbrei als auch für eine Abkochung von Gerstenkörnern, deren Sud als Saft getrunken wurde, verwendet. Die Wirkungen wurden sehr differenziert beobachtet und in abführend oder stopfend unterschieden, je nachdem ob als Ausgangsbasis Gerstenkörner mit Spelz oder Nacktgerste verwendet wurde oder ob nur der Saft getrunken wurde oder die ganzen abgekochten Körner. Auch der richtige Zeitpunkt der Gabe im Krankheitsverlauf wurde diskutiert sowie die richtige Qualität der verwendeten Körner.[21]
Hildegard von Bingen hat die Gerste mit folgenden Worten erwähnt:
- „Die Gerste ist kalt, ihr Genuss ist Gesunden und Kranken nicht bekömmlich [...] Wer so schwach ist, dass er kein Brot mehr vertragen kann, der soll sich einen Trank aus gleichen Teilen Hafer und Gerste mit etwas Fenchel bereiten und diesen statt des Brotes genießen. [...] Eine harte und raue Gesichtshaut wird durch Waschen mit Gerstenwasser lind, weich und schön von Farbe.“[22]
In der Traditionellen Chinesischen Medizin TCM wird die Gerste als süß-salzig und kühlend beschrieben. In Form von lange gekochter Gerste (Congee) stärkt sie die Verdauungskraft, welche in der TCM als »die Mitte« bezeichnet wird. Durch das lange Kochen wird die Gerste sehr weich und es entwickelt sich eine cremig-schleimige Konsistenz, die für die Magen- und Darmschleimhaut beruhigend wirkt.
Vor allem bei Hitzezuständen, beispielsweise in der Menopause, aber auch bei "Magenhitze", d.h. Sodbrennen oder Gastritis wirkt Gerstencongee kühlend. Alle Entzündungen und auch Fieber sind nach dieser Einteilung Hitzezustände. Die Wirkung wird folgendermaßen zusammengefasst:
- „Thermik: kühlend, erfrischend
Geschmack: süß, aromatisch
Hitze kühlen. Schleim transformieren. Das YIN und die Säfte stützend. Die „Mitte“ stärkend.“[23]
In der anthroposophischen Betrachtungsweise wird die Gerste über die verschiedenen Heilwirkungen hinaus im Zusammenhang mit den "Formkräften" durch die "Kieselprozesse" der Gerste gesehen.[3] Kiesel hat ein gestaltendes Prinzip, er baut Haut, Nägel, Stützgewebe auf, macht wach und konzentriert das Denken. Die Grannen der Getreide sind auffällig klar geformt, spitz, scharfkantig, hart. Udo Renzenbrink schreibt: "Der Kiesel durchzieht die ganze Pflanze und bestimmt ihre fein durchgestaltete Form. Im Korn findet er sich in den Hüllen und Randschichten."[3] Die Kieselsäure kommt in kristalliner Form mit einer sechseckigen Struktur beispielsweise im Bergkristall vor. Im Menschen und in lebenden Organismen kommt sie überwiegend amorpher, also formlos vor. Weiter oben wurde der Zusammenhang zwischen der Kieselsäure und den Sinneswahrnehmungen aus anthroposophischer Sicht genannt. Wie dies schließlich mit dem Ich des Menschen korrespondiert führt Udo Renzenbrink wie folgt aus:
- „Der Kiesel hat die Tendenz, sechseckige Kristalle zu bilden. Durch die Gegenkraft, die das Ich aufbringen muss, um eine solche stoffliche Verdichtung im Körper zu verhindern, wacht es gewissermassen zur Sinnestätigkeit im leiblichen Bereich auf.“[24]
Bei der vegetativen Dystonie sieht er eine Störung im "Kieselsäureorganismus" im Menschen und weist auf die Möglichkeit hin, über die Ernährung ausgleichend zu wirken. Durch viel künstliche Düngung werden die Pflanzen jedoch ärmer an substantiellem Kiesel und damit auch an den Kieselprozessen, die in ihnen ablaufen.[24]
- „Die Kieselprozesse bedürfen der Anregung durch die Ernährung. Dabei kommt es nicht so sehr auf eine substantielle Zufuhr von Kieselsäure an, sondern auf eine Nahrung, in der dem Menschen ausreichend Kieselprozesse in entsprechenden Pflanzen vermittelt werden.“[24]
Geisteswissenschaftliche Erkenntnisse
Rudolf Steiner hat die Bedeutung der Kieselsäure "mit geistigen Beobachtungen" erforscht. Die Kieselsäure mit ihren Kieselprozessen ermöglicht ein gewisses Abgegrenztsein, ohne das sich ein Organismus nicht bilden könnte, aber bei gleichzeitger Sensibilität und Verbindung, ohne die Leben ebensowenig möglich wäre. Ein Beispiel ist der Geschmackssinn, der ohne den Kiesel nicht existieren würde und über den der Mensch in Verbindung mit der Außenwelt tritt.
- „Hätten wir nicht den Quarzsaft in uns, dann könnten wir zum Beispiel noch soviel Zucker essen - wir hätten niemals einen süssen Geschmack im Mund. Das macht der Quarz, den wir in uns haben, aber nicht durch seine Stofflichkeit, sonderrn durch das, dass der Wille in ihm ist, sechseckig zu werden als Kristall. Das macht es. Darauf kommt es an... Diese Kraft, sechseckige Gestaltungen hervorzubringen, die braucht der Mensch.“[25]
Ebenso sind die Pflanzen über die Kieselsäure mit den kosmischen Einflüssen der Sonne, des Mondes und der Planeten in Verbindung.
- „Das Kieselige schließt auf das Pflanzenwesen in die Weltenweiten hinaus und erweckt die Sinne des Pflanzenwesens so, dass aufgenommen wird aus allem Umkreise des Weltenalls dasjenige, was diese erdenfernen Planeten ausgestalten ...“[26]

Sensibilität
reines, lichtvolles Denken
seelische Stabilität
festigend auf den Bewegungsapparat
entschlackende, reinigende Wirkung auf den Körper,
Gerste kann durch ihre langen Grannen mit ihren vielen Kieselzellen sehr viel Licht aufnehmen. Auch im Korninneren enthält sie eine beachtliche Menge an Kieselsäure. Obwohl Gerste rein mengenmäßig nur etwa halb so viel Kieselsäure enthält wie Hafer, scheint die Kieselsäure dennoch bei ihr das tiefere Wesen zu bezeichnen. Aus seinen geisteswissenschaftlichen Forschungen heraus ordnet Heinz Grill der Gerste als geistige Eigenschaft das "Licht" zu. Auf der seelischn Ebene nennt er die "Sensibilität", ein "reines, lichtvolles Denken" und "seelische Stabilität". Auf der physischen Ebene betont er Eigenschaften wie "festigend auf den Bewegungsapparat", "entschlackende, reinigende Wirkung auf den Körper", sowie als Inhaltsstoffe "viele Kohlenhydrate, Kieselsäure, Mineralien".
Nutzung
noch umformulieren!!!
Da die Gerste aufgrund der fehlenden quellfähigen Klebereiweiße schlechte Backeigenschaften aufweist, diente sie zunehmend weniger zum Backen. Vielmehr war sie ein hochwertiges Futtermittel für Nutzvieh. Auch heute werden etwa 70 Prozent der Ernte als Tierfutter (vorwiegend für die Schweinefütterung) verwendet, insbesondere die Wintergerste, die relativ viel Eiweiß enthält.
Flüssiges Brot Vor allem in Gegenden, in denen kein Wein wächst, schätzte man zunehmend die Gerste zum Bierbrauen. Das anspruchslose Getreide - vor allem die zweizeilige Sommergerste - ließ sich quasi überall anbauen und zu Malz verarbeiten, das die Grundlage für die Biererzeugung darstellt. Im 8. Jahrhundert entstanden erste Klosterbrauereien, die seit dem 12. Jahrhundert dem Bier noch Hopfen zusetzten, wodurch das Bier nicht nur schmackhafter, sondern auch haltbarer wurde.
Neben der weiterhin verbreiteten Braukunst dient Gerste heute noch der Herstellung von Whisky, dem auch meist gemälzte Gerste als Ausgangsstoff zugrunde liegt (Malt Whisky). Gerstenmalz ist außerdem Rohstoff für koffeinfreien Kaffeeersatz (Malzkaffee) und kommt als natürlicher Farb- und Aromastoff beim Brotbacken zum Einsatz.[5]
Sommergerste
Für die menschliche Ernährung kommt überwiegend Sommergerste (Aussaat im Frühjahr) zum Einsatz. Ein großer Anteil davon wird als Braugerste zur Bierherstellung verwendet. Zu diesem Zweck sollte der Rohproteingehalt möglichst niedrig sein, da die Biere sonst zur Trübung bzw. zum Ausflocken neigen. Dies ist nicht schädlich, aber meist optisch unerwünscht.
In nicht gemälzter Form wird Gerste zu Grütze oder Graupen verarbeitet und gelegentlich auch zu Mehl gemahlen. Speziell für die menschliche Ernährung gezüchtete Gerste mit einem Gehalt an Beta-Glucan von mehr als 4 g pro 100 g wird als Korn, als Flocken oder verarbeitet zu Mehl angeboten. Daraus werden auch Gerstenbrote hergestellt.
Wintergerste
Wintergerste wird bereits im Herbst, also noch vor dem Winter ausgesät. Da sie gegenüber der Sommergerste höhere Erträge und mehr Proteine (12–15 %) aufweist, wird sie überwiegend als Tierfutter verwendet (Futtergerste).
Durchschnittliche Zusammensetzung (Gerste, entspelzt, ganzes Korn)
Die Zusammensetzung von Gerste schwankt naturgemäß, sowohl in Abhängigkeit von den Umweltbedingungen (Boden, Klima) als auch von der Anbautechnik (Düngung, Pflanzenschutz).
Angaben je 100 g essbarem Anteil:[27]
| Mineralstoffe | |
|---|---|
| Natrium | 18 mg |
| Kalium | 445 mg |
| Magnesium | 115 mg |
| Calcium | 40 mg |
| Mangan | 1,5 mg |
| Eisen | 2,8 mg |
| Kupfer | 0,42 mg |
| Zink | 2,8 mg |
| Phosphor | 340 mg |
| SelenVorlage:FN | 7 µg |
| Vitamine | |
|---|---|
| Retinol (Vit. A1) | 165 ng |
| Thiamin (Vit. B1) | 430 µg |
| Riboflavin (Vit. B2) | 180 µg |
| Nicotinsäure (Vit. B3) | 4800 µg |
| Pantothensäure (Vit. B5) | 680 µg |
| Vitamin B6 | 560 µg |
| Folsäure | 65 µg |
| Vitamin EVorlage:FN | 670 µg |
| essentielle und semi-essentielle Aminosäuren |
|
|---|---|
| ArgininVorlage:FN | 560 mg |
| HistidinVorlage:FN | 210 mg |
| Isoleucin | 460 mg |
| Leucin | 800 mg |
| Lysin | 380 mg |
| Methionin | 180 mg |
| Phenylalanin | 590 mg |
| Threonin | 430 mg |
| Tryptophan | 150 mg |
| Tyrosin | 390 mg |
| Valin | 580 mg |
1 mg = 1000 µg
1 mg = 1.000.000 ng
Vorlage:FNBox
Der physiologische Brennwert beträgt 1320 kJ je 100 g essbarem Anteil.
Produkte aus geschälten Gerstenkörnern





Nahrungsmittel
- Graupen, auch Rollgerste oder Kochgerste genannt, erhält man durch Schleifen der ganzen Gerstenkörner, wobei auch die Spitzen gerundet werden.
- Perlgraupen oder Perlgerste sind kleiner, da sie aus geschnittenen Gerstenkörner hergestellt und auf Schleifmaschinen bearbeitet werden, bis sie ihre rundliche Form erhalten.[28]
- Gerstengrütze entsteht durch das Schneiden der geschälten Gerstenkörner. Grütze wird in unterschiedlicher Körnung in den Handel gebracht. Gerstengrütze wird u. a. in der traditionellen russischen Küche verwendet, wo diese Grütze einen Eigennamen jatschnewaja hat.[29]
- Gerstenflocken werden aus hydrothermisch behandelten Gerstenkörnern gewalzt.
- Gerstenflockenmehl (von mittelhochdeutsch gërsten mël Gerstenmehl[30]) wird aus den Samen von Hordeum-Arten (vor allem H. vulgare bzw. H. distichon)[31] durch die Vermahlung von Gerstenflocken hergestellt.
- Gerstenpops werden aus den geschälten Gerstenkörnen über das Puffingverfahren erzeugt.[32]
- Gerstenkaffee / Malzkaffee als koffeinfreies Kaffee-Ersatzgetränk.
- Tsampa ist ein Pulver aus gerösteten und gemahlenen Gerstenkörnern, ein tibetisches Grundnahrungsmittel.
Stroh
Je nach Arbeitsgerät kann Gerstenstroh im Vergleich zum Weizenstroh zwar weicher und saugfähiger sein, ist aber als Einstreu nur bedingt verwendbar. Reste von Grannen können bei empfindlichen Tieren (Pferde, Schweine) u. a. zu Reizungen der Atemwege führen.
Gerstengras
Gerstengras wird manchmal in der Tiermast eingesetzt. Es enthält neben den Vitaminen B und C auch Kalzium, Kalium und Eisen in größeren Konzentrationen.
Für den menschlichen Verzehr werden die Blätter der jungen Gerstenpflanze gefriergetrocknet. Dieses Pulver wird in kühlem Wasser aufgelöst und eingenommen. Der Geschmack erinnert ein wenig an verdünnten Spinat.[33]
Anbau
Anbauzyklus und Ernte
Die Gerste zählt zu den Selbstbefruchtern; man unterscheidet zwischen Winter- und Sommergerste. Wintergerste, die im September gesät wird, ist ertragreicher. Ideale Wachstumsbedingungen für die Wintergerste sind Temperaturen unter 10 °C. Bei länger anhaltenden Temperaturen unter −15 °C erfriert die Wintergerste.[34] Die Ausbildung von Nebentrieben (Bestockungstrieben) ist vor dem Winter abgeschlossen. Aus ihnen entwickeln sich im nächsten Frühjahr die Ähren tragenden Halme. Gerste gedeiht am besten auf tiefgründigen, gut durchfeuchteten Böden, aber auch mit ungünstigeren Bedingungen kommt sie zurecht. In der Regel beginnt die alljährliche Getreideernte mit der Wintergerste.
Die Aussaat der Sommergerste erfolgt Ende Februar bis Anfang April. Sie reift in weniger als 100 Tagen heran. Nach den Phasen der Bestockung, des Schossens und des Ährenschiebens folgen Blüte und Ernte.
Die Ernte erfolgt bei Voll- bis Totreife. Wintergerste liefert je nach Standort zwischen 50 und 90 dt/ha, Sommergerste 40–65 dt/ha Fruchtertrag. In Deutschland wird die Wintergerste auf ca. 1,24 Mio. Hektar angebaut, während die Sommergerste auf ca. 0,5 Millionen Hektar angebaut wird.[34]
Krankheiten und Schädlinge
Viren und Pilzkrankheiten
- Das Gelbverzwergungsvirus (Barley yellow dwarf virus) und das Barley stripe mosaic virus sind die bedeutendsten Viruskrankheiten der Gerste.
- Der Echte Mehltau (Blumeria graminis) ist die wirtschaftlich wichtigste Pilzkrankheit der Gerste in Mitteleuropa.
- Schwarzrost (Puccinia graminis)
- Zwergrost (Puccinia hordei)
- Gerstenflugbrand (Ustilago hordei)
- Mutterkorn (Claviceps purpurea)
Schädlinge
- Die Gerste wird von verschiedenen Nematodenarten befallen.
- Wichtige Schädlinge an der Gerste sind Läuse, v. a. als Virusvektoren.
Wirtschaftliche Bedeutung
Gerstenkorn als Grundmaß
Da ein Gerstenkorn eine relativ konstante Größe hat, bildete es früher die Grundlage für einige Maße und Gewichte, z. B. für die arabische Habba und den persischen Dschou, siehe auch Gerstenkorn (Einheit). In Tibet wurde die kleinste Einheit der Goldgewichte nas „Gerstenkorn“ genannt. Das Gerstenkorn bildete früher auch in Europa die Grundlage für die Gewichtseinheit Gran. Sie wurde in der Apotheke als Wiegemaßeinheit für Arzneimittel verwendet. "Dabei entsprachen 1 Pfund (Apothekergewicht) = 12 Unzen = 96 Drachmen = 288 Skrupel = 5760 Gran." Im Geltungsbereich Deutschlands wurde "das Apothekergewicht erst 1872 durch das Gramm ersetzt".[3]
Gerstenkorn als Krankheit
Die Bezeichnung Gerstenkorn wird nicht nur für die Samen der Pflanze verwendet, sondern auch für eine bakterielle Entzündung der Talg- und Schweißdrüsen im Augenlid (Hordeolum). Diese Entzündung ist jedoch weder eine allergische Reaktion auf Gerste noch gibt es sonst einen direkten Zusammenhang mit ihr. Der Name entstand, weil die Form und Größe der bauchigen Schwellung mit spitz auslaufenden Enden am Augenlied an die Form eines Gerstenkornes erinnert. Die Ähnlichkeit ist so deutliche, dass diese Entzündung auch in anderen europäischen Sprachen als Gerstenkorn bezeichnet wird (z. B. grain d’orge (franz.), barleycorn (engl.)).[5]
Literatur
- Vorlage:Deutsches Wörterbuch
- Elisabeth Schiemann: Weizen, Roggen, Gerste. Systematik, Geschichte und Verwendung. Gustav Fischer, Jena 1948.
- information.medien.agrar e. V. (Hrsg.): Pflanzen in der Landwirtschaft. 2004 (ima-agrar.de PDF).
- Vorlage:Literatur
- Chen Shouliang, Zhu Guanghua: Hordeum. In: Vorlage:BibISBN, (flora.huh.harvard.edu PDF, Hordeum vulgare).
Weblinks
- ProPlanta. Das Informationszentrum für die Landwirtschaft (Hrsg.): Infothek Gerste.
- Vorlage:Mercks Warenlexikon
- Alexander Wudtke, Ch. Reichmuth: Entwicklung eines Expertensystems für den Vorratsschutz von Braugerste. 1998, Vorlage:Webarchiv
- Darzau Getreidezüchtungsforschung (Hrsg.): Von Speisegersten, Tsampa, Giotta und Gofio. (Anschauliche Informationen zur Speisegerste.)
- Redaktion Pflanzenforschung.de: Dem Genom der Gerste auf der Spur.
- Redaktion Pflanzenforschung.de: HvCEN-Gen diskriminiert Sommer- und Wintergerste.
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 Gerste. In: Save foundation. FUNDUS AGRI-CULTURA ALPINA. Abgerufen am 24. Januar 2026.
- ↑ Steven Mithen: After the Ice: A Global Human History, 20,000 – 5000 BC. Harvard 2012, ISBN 978-0-7538-1392-8.
- ↑ 3,00 3,01 3,02 3,03 3,04 3,05 3,06 3,07 3,08 3,09 Udo Renzenbrink: Die sieben Getreide. S. 76-79.
- ↑ 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 Hans Joachim Conert: Familie Poaceae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage, Band I, Teil 3, S. 821–827. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1997, ISBN 3-489-52020-3.
- ↑ 5,0 5,1 5,2 5,3 Gerste - Die Älteste. In: Die PTA in der Apotheke. Abgerufen am 27. Januar 2026.
- ↑ Die Gerste in der Geschichte und im Leben der Völker. VON DR. V. BRANDENBURGER. In: Kreisverwaltung Ahrweiler. Abgerufen am 25. Januar 2026
- ↑ Gode Chlond: Kulturpflanzen. Die Älteste. Gerste ist in Deutschland bezogen auf ihre Anbaufläche nach Weizen und Mais die drittwichtigste Kulturpflanze. In: diepta.de. Artikel vom 1. März 2018, abgerufen am 4. Februar 2026.
- ↑ Bau und Funktionen der Grannen unserer Getreidearten. In: Zobodat. Botanisches Centralblatt. Abgerufen am 2. Februar 2026.
- ↑ Udo Renzenbrink: Die sieben Getreide. 2. Auflage. Rudolf Geering Verlag, Dornach 1983, ISBN 3-7235-0303-9, S. 79-81.
- ↑ Die Gerste in der Geschichte und im Leben der Völker. In: Kreisverwaltung Ahrweiler. Die Gerste in der Geschichte und im Leben der Völker. Von Dr. V. Brandenburger. Abgerufen am 31. Januar 2026
- ↑ 11,0 11,1 11,2 11,3 Beta-Glucane: Wunderwaffe der Natur?. In: Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prevention (FET). Abgerufen am 1. Februar 2026.
- ↑ 12,0 12,1 BETA-GLUCAN UND BETAGERSTE. In: Vitaglucan. Abgerufen am 1. Februar 2026.
- ↑ Beta-Glucane in Gerste und Hafer. In: FZE Fachzentrum Ernährung. Dienstleistungszentrum Rheinland-Pfalz. Abgerufen am 1. Februar 2026.
- ↑ β-Glukan als funktionaler Lebensmittelinhaltsstoff. In: MRI Max Rubner-Institut. β-Glukan als funktionaler Lebensmittelinhaltsstoff. Abgerufen am 1. Februar 2026.
- ↑ European Food Safety Authority (EFSA) Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA): Scientific Opinion on the substantia of a health claim related to barley beta-glucans and lowering of blood cholesterol and reduced risk of (coronary) heart disease pursuant to Article 14 of Regulation (EC) No 1924/2006. In: EFSA Journal. 9, Nr. 12, 2011, S. 2470 (efsa.onlinelibrary.wiley.com).
- ↑ Vorlage:EU-Verordnung, siehe Anhang, auf EUR-Lex. Abgerufen am 5. April 2017.
- ↑ Apotheke. Ernährungslexikon. Kieselerde. In: medikamente per klick.de. Abgerufen am 2. Februar 2026.
- ↑ Kieselsäure, Kieselerde oder Silikat? Die beste Silizium-Form. In: Infothek-Gesundheit. Abgerufen am 4. Februar 2026.
- ↑ Was ist ... Kieselerde? Bausubstanz für den Körper. In: reformhaus. Abgerufen am 2. Februar 2026.
- ↑ Wofür ist die Kieselsäure gut? In: Gerolsteiner. Der Mineralienrechner. Abgerufen am 2. Februar 2026.
- ↑ PTISANA. Ein Beitrag zur Kenntnis der antiken Diaetetik. Von Ernst Darmstaedter.h] In: Uni-Gießen.de. ARCHION. ARCHIVIO DI STORIA DELLA SCIENZA. Abgerufen am 3. Februar 2026.
- ↑ Hildegard von Bingen und ihre Lebensweisheiten. In: Bakkelaureatsarbeit in Geschichte der Pflege von Sudy Birgit. Medizinische Universität Graz. Abgerufen am 3. Februar 2026.
- ↑ Gerstencongee aus der TCM. In: Vitalmesszentrum. Mit Gerstencongee gegen Hitze. Abgerufen am 3. Februar 2026.
- ↑ 24,0 24,1 24,2 Udo Renzenbrink: Die sieben Getreide. 2. Auflage. Rudolf Geering Verlag, Dornach 1983, ISBN 3-7235-0303-9, S. 35-36.
- ↑ [Rudolf Steiner: Mensch und Welt. Das Wirken des Geistes in der Natur. Über das Wesen der Bienen. GA 351, 4. Auflage, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1988, S. 169.
- ↑ [Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft. GA 327, 8. Auflage, Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1999, S. 37.
- ↑ Vorlage:Literatur
- ↑ Graupen, Perlgerste, Perlgraupen, Kochgerste, Rollgerste. In: Lebensmittellexikon.de. Wissen, was man isst!. Abgerufen am 1. Januar 2026
- ↑ Vorlage:Literatur
- ↑ Vgl. Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 389 (gerstenmel: Mehl aus den Samen von Hordeum spec., auch girstin mel und lateinisch farina hordei).
- ↑ Jürgen Martin: Die ‚Ulmer Wundarznei‘. Einleitung – Text – Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15. Jahrhunderts. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 52), ISBN 3-88479-801-4 (zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990), S. 131 f.
- ↑ Wiedemann/Wolf: Wunderkorn Gerste, Juli 2024 1. Auflage
- ↑ Vorlage:Internetquelle
- ↑ 34,0 34,1 Süddeutsche Zeitung. 28. Februar 2012 (Nr. 48), S. 2.
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