Suggestion

Der Begriff Suggestion wurde im 17./18. Jahrhundert eingeführt und bezeichnet die manipulative Beeinflussung einer Vorstellung oder Empfindung mit der Folge, dass die Manipulation nicht wahrgenommen wird oder zumindest zeitweise für das Bewusstsein nicht abrufbereit ist.
Etymologisch ist er zurückführbar auf das lateinische Substantiv suggestio, -onis, was so viel bedeutet wie „Hinzufügung“, „Eingebung“ oder „Einflüsterung“, oder auf das lateinische Verb suggerĕre, deutsch „zuführen“ oder „unterschieben“.
Die Psychologie versteht unter Suggestion – der Begriff wurde erstmals von James Braid (1795–1860) verwendet – eine Beeinflussungsform von Fühlen, Denken und Handeln. Abgrenzungen oder Unterschiede zu Nachbarbereichen werden dabei allerdings kaum thematisiert. Es wird unterschieden zwischen der Autosuggestion und der Heterosuggestion, also der Beeinflussung durch sich selbst oder durch andere.
Im Themengebiet der Hypnose stellen Suggestionen unmittelbar wirkende Eingebungen durch den Hypnotisierenden dar. Posthypnotische Suggestionen wirken hingegen erst nach der Hypnose, meist auf einen vorher festgelegten Hinweisreiz, zum Beispiel ein Wort oder eine Geste.
Das Wirken von Suggestionen kann als Erklärungsansatz für den Placebo-Effekt, für eine selbsterfüllende Prophezeiung und für die Wirkung von Werbung dienen.
Nach geistiger Forschung beeinflussen suggestive Methoden die unbewussten Gefühle und den Willen des angesprochenen Menschen, während eine logische, freilassende Darstellung das Gedankenleben des Anderen anspricht und somit die Gefühle sowie den Willen freilässt.
Unterscheidung zu Suggestibilität und Suggestivität
Zu unterscheiden ist zwischen Suggestion als Akt bzw. Ergebnis, Suggestibilität als Bereitschaft jener Person, der suggeriert werden soll, und Suggestivität als Potenzial, eine Suggestion platzieren zu können. In diesem Verständnis von Suggestivität kann Suggestibilität dann auch als Auto-Suggestivität – freilich anhand eines äußeren Reizes – verstanden werden.
Die Begriffe „Suggestion“ und insbesondere die „Suggestibilität“ werden oft auch verwendet als Synonyme für Willensbeeinflussung, Machtausübung, Gutgläubigkeit, Beeinflussbarkeit und Willensschwäche.
Suggestivtherapie
Bereits vor Entwicklung der Psychoanalyse nutzte Josef Breuer (1842–1925) Suggestionen, um Hysterie zu heilen. Die Symptome werden in dieser Technik durch Auflegen einer Suggestion bekämpft, wobei die Wirkung im Laufe der Zeit verblasst und die Behandlung erneuert werden muss. Auch zur Behandlung vegetativer Störungen[2] und sogenannter Kriegsneurosen[3] wurden in der Suggestionsbehandlung Suggestionsverfahren eingesetzt.
Suggestivfrage
Entsprechend der Bedeutung der Unterschiebung wird der Begriff Suggestion auch bei der so genannten Suggestivfrage verwendet. Dabei ist das Ziel des Fragenden, den Inhalt der Antwort direkt beim Befragten zu beeinflussen. (Beispiel: Sie waren doch am Tatort? – was beim Gegenüber eher die Antwort ja hervorrufen kann.) Diese Beeinflussung kann bereits über Mimik und Gestik, aber auch den verbalen Ausdruck geschehen. Beispielsweise gibt es unter Kellnern einen alten Trick, nach dem der Gast bei der Frage, ob man ihm nachschenken solle, durch ein leichtes Kopfnicken bzw. Kopfschütteln beeinflusst werden kann.
Autosuggestion und Heterosuggestion
Autosuggestion ist eine psychologische Methode, bei der man sich selbst beeinflusst, meistens durch Wiederholung positiver Affirmationen bzw. Sätze, um das Unterbewusstsein positiv zu verändern.
Ein Beispielsatz für eine Autosuggestion von Ellen Andersen lautet:
- „Ich trete heute selbstbewusst auf.“
Damit sich diese Worte ihren Weg in das Unterbewusstsein bahnen können, wiederholst man sie nach Ellen Anderson regelmäßig, bis man sie sicher verinnerlicht hat.[4]
Die Wirkung der Autosuggestion auf die Gesundheit
Die Autosuggestion kann zur Heilung von Krankheiten beitragen. So kann sich ein Patient wiederholt eine Vorstellung machen, wie das eigene Immunsystem gut arbeitet, um eine Infektion zu bekämpfen. Wenn ein Patient an Krebs erkrankt ist, kann er sich auch eine Vorstellung aneignen, wie der Tumor immer kleiner wird und wie das Immunsystem den Tumor auflöst. Dabei wiederholt er diese Vorstellung täglich und sehr genau.
Sehr guten Erfolg bei der psychologischen Unterstützung gegen Metastasen und auch gegen schwerwiegende Nebenwirkungen von Chemotherapeutika brachten verschiedene Techniken der Autosuggestion nach Dr. Carl Simonton (1942–2009). Simonton war Facharzt für Strahlenheilkunde und Onkologie. Er leitete in Kalifornien ein Tumorzentrum und gilt als einer der Pioniere der Psychoonkologie. Er entwickelte für seine Tumorpatienten ein Entspannungsverfahren in Kombination mit Imaginationsübungen. Laut Simonton ist es möglich, über die Beruhigung des Nervensystems (körperliche Entspannung) und das Erzeugen von (symbolhaften) inneren Bildern und Szenen mittels unserer Vorstellungskraft, einen Einfluss auf Schmerzen zu nehmen, zur Ruhe zu finden, positive Emotionen zu erleben. Hierdurch können Ressourcen, über die jeder Mensch verfügt, aktiviert werden, Selbstheilungskräfte aktiviert werden. Sein Motto ist:
- „Wenn Sie sich besser fühlen wollen, müssen Sie gesünder denken“![5]
Heterosuggestion
Heterosuggestion ist die Beeinflussung von außen, z. B. durch Werbung, Nachrichten, andere Menschen und auch durch Hypnose.
Autogenes Training
Das autogene Training ist eine Methode zur körperlichen und geistigen Entspannung, bei der Autosuggestionen verwendet werden. Der Begriff „autogen“ bedeutet so viel wie „aus sich selbst heraus“, denn im Zentrum des autogenen Trainings steht eine Art Selbsthypnose. Die ausübende Person spricht sich im Kopf bestimmte Formeln vor, die sich auf den eigenen Körper beziehen – beispielsweise „Mein Herz schlägt ruhig und gleichmäßig“. Durch eine Abfolge bestimmter Übungen und Formeln wird im Idealfall eine Entspannung im gesamten Körper erreicht, was sich auch günstig auf die Gesundheit auswirken kann.[6]
Suggestion und Hypnose
Der Begriff Hypnose leitet sich von dem altgriechischen Wort ὕπνος hýpnos ab. Die deutsche Übersetzung lautet „Schlaf“. Ein Mensch ist in der Hypnose in einem Trancezustand, der dem Schlaf ähnlich ist. Die älteste Überlieferung der Hypnose stammt aus Ägypten und wurde bereits 1500 Jahre v. Chr. verfasst.[7] Darin wird der so genannte „Tempelschlaf“ beschrieben.
In der heutigen Zeit wird die Hypnose für Therapiezwecke eingesetzt. Es wird ein Patient in einen Trancezustand versetzt, um ihm verbale Anweisungen, sogenannte Suggestionen zu geben, die direkt auf das Unbewusste wirken sollen. Es sollen laut Dipl. Biologin Sabine Jacob folgende Heilerfolge erzielt werden:[8]
- schwierige Erlebnisse zu verarbeiten und loszulassen
- ernste körperliche und psychische Erkrankungen zu lindern
- störende oder ungesunde Gewohnheiten zu verändern
- wieder Ziele und Sinn für Ihren Alltag zu finden
- Glaubenssätze und unbewusste Haltungen zu verändern, die blockieren
Auswirkungen von Suggestion

Axel Burkart (* 1951), deutscher Buchautor und Anthroposoph, beschreibt die Auswirkungen von Suggestionen in einem Vortrag von 2018 mit dem Titel Suggestion im Gegensatz zum eigenen Denken. Menschen nehmen oft die Worte von Autoritätspersonen ungefiltert in sich auf. Enthaltene Aussagen und Suggestionen, die nicht durch eigenständige Prüfung und eigenständiges Denken erkannt werden, können Konflikte beim Zuhörer entstehen.
Vor allem Kinder, die noch gar nicht Kapazität haben, suggestive Aussagen zu reflektieren, kommen in einen Zwiespalt, wenn sie Aussagen ausgesetzt sind, z. B. von Lehrern, die sie nicht logisch und wahr sind. Axel Burkart nennt hierfür ein Beispiel:
Die Kinder bekommen in der Schule vom Biologielehrer gesagt: „Du bist ein höheres Säugetier, du stammst vom Affen ab.“ Im Religionsunterricht hingegen wird den Kindern zugetragen: „Du stammst von Gott ab.“ Diese unterschiedlichen Darstellungen bewirken im Kind einen Konflikt.[9]
Placeboeffekt und Noceboeffekt
Ein Placebo ist eine Substanz, die keinen Arzneistoff beinhaltet. Sie wird auch als ein Scheinmedikament bezeichnet und kann als eine Zuckerpille oder eine Kochsalzlösung verabreicht werden. Man spricht von einem Placeboeffekt, wenn eine Person nach der Verabreichung eines Placebos eine Verbesserung ihres Zustands oder der Krankheit empfindet. Nicht nur ein Medikament, sondern auch eine Scheinoperation kann als Placebo-Effekt bezeichnet werden.
Axel Burkart nennt als Beispiel, dass einer Frau vom Chirurgen gesagt wurde: „Das Knie wurde operiert.“ In Wirklichkeit hatte der Chirurg das Knie nur aufgeschnitten und wieder zugenäht. Es wurde am Knie kein operativer Eingriff vorgenommen. Die Knieschmerzen der Patientin waren aber verschwunden.[10]
Der Nocebo-Effekt ist das Gegenstück des Placebo-Effekts. Beim Nocebo-Effekt können durch negative Suggestionen Krankheiten oder Angst ausgelöst werden. Bekannt ist z. B. die Angst, die durch die Vorstellung ausgelöst wird, dass ein gefährlicher Virus die Menschen befällt. Aber auch negative gesundheitliche Symptome oder Nebenwirkungen von Medikamenten können auftreten, ohne dass eine direkte physische Ursache vorliegt. Dies kann z. B. durch ein Arzt-Patienten-Gespräch im Rahmen einer medizinischen Behandlung verursacht werden.
Krankmachende Wirkung
Die krankmachende Wirkung von Suggestion beruht auf der unkritischen Übernahme von Aussagen, Gefühlen oder Willensimpulsen, die das Denken, Fühlen und Handeln einer Person manipulativ beeinflussen. Außerdem können Suggestionen, wie schon im Noceboeffekt beschrieben, psychosomatische Störungen hervorrufen, bei denen psychische Inhalte in körperliche Symptome umgesetzt werden.
Ein Patient kann z. B. durch unbewusstes Aufnehmen von Aussagen aus den Medien, die auf die Gefühle wirken, eine Krankheit in sich erzeugen:
- „Beispielsweise suggeriert manche Werbung, dass Verbraucher eine schlechte Verdauung haben und mittels des beworbenen Artikels diese suggerierten Beschwerden erfolgreich behandeln könnten. Der Effekt ist, dass Konsumenten der Werbung durch die Suggestion tatsächlich subjektiv Verdauungsbeschwerden bekommen und durch den Kauf des Artikels diese auch erfolgreich behandeln können.“[11]
Psychologische Sicht
Erich Fromm (1900–1980) war ein deutsch-US-amerikanischer Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe. Er beschreibt, wie die Menschheit durch Suggestionen in eine gleiche Richtung getrieben und vereinheitlicht werden sollen und spricht von einer „nicht-Individualisierten Gleichheit“.[12] Damit können Menschen reibungslos funktionieren und den gleichen Anweisungen folgen. Die Suggestionen, die sie von außen unbewusst aufnehmen, veranlassen, dass der Mensch überzeugt davon ist, das zu tun, was er will.
Eine Standardisierung des Menschen konnte man im 2. Weltkrieg bei den Deutschen beobachten. Sie kann als Gleichheit bezeichnet werden. Diese Gleichheit in der Gesellschaft zählt als normal. Wer von dem von der Gesellschaft favorisierten Persönlichkeitstyp abweicht, wird vom System als seelisch krank bezeichnet.
Laut Erich Fromm verfolgt das Gesundheitswesen im Bereich von Psychiatrie und Psychotherapie das Ziel, den Einzelnen auf das Niveau des Durchschnittsmenschen zu bringen.[13]
Die Reaktion der Menschen könnte auch in einer Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit bestehen, dass sie mit ihren schöpferischen Impulsen eine bessere Gesellschaft aufbauen.
Ein anderer Aspekt in der psychologischen Sicht zeigt sich in der Manipulation der Grundbedürfnisse. Durch Suggestion wird es in der Gesellschaft möglich, bestimmte Grundbedürfnisse des Menschen zu fördern oder zu unterdrücken. Es können auch psychische Defekte durch die Suggestion hervorgebracht werden. Da nun die Mehrheit der Menschen an gewissen Defekten leidet, werden diese als Normalität wahrgenommen. Der Einzelne ist mit diesen Defekten zufrieden, um einem Außenseitertum aus dem Weg zu gehen:
- „Was an innerem Reichtum und an echtem Glücksgefühl verlorengegangen sein mag, wird durch die Sicherheit kompensiert, die das Gefühl gibt, zur übrigen Menschheit zu passen – so wie er sie kennt.“[14]
Wenn sich der Mensch anpasst, was durch suggestive Einflüsse geschieht, scheint er in der Gesellschaft als Normal, und scheint erst mal nicht krank. Wer sich nicht anpasst, entwickelt evtl. körperliche oder psychische Symptome, da er sich gegen der Einfluss in der Gesellschaft innerlich wehrt. Er schaut äußerlich krank aus, obwohl er eigentlich der innerlich der Gesündere ist. Diesen Zusammenhang erläutert Erich Fromm im folgenden kurzen Video:
Suggestion aus geistiger Sicht

Rudolf Steiner (1861–1925), österreichischer Philosoph, Geistesforscher und Begründer Anthroposophie, beschäftigte sich ebenfalls mit Suggestionen, da diese vor über 100 Jahren die Menschen genauso beeinflussten, wie es heute der Fall ist:
- „Die Suggestionen wirken in unserem öffentlichen Leben so ungeheuer, dass man einfach sehen kann, wie in großen Versammlungen, die mit Tausenden von Menschen stattfinden, auf die Zuhörer nicht das wirkt, was man freie Überzeugung nennt, sondern einfach das, was der Redner durch Suggestion an sie heranbringt. Und die, welche zugehört haben, tragen die Suggestion weiter, so dass vieles, was heute getan wird, unter der Macht einer Suggestion zustande gekommen ist.“[15]
Die Beeinflussung der Menschen kann beim Einzelnen zu Illusionen führen. Illusionsfähig bezeichnet man jemanden, der eine Sinnestäuschung erzeugt oder sich selbst täuschen lässt. Diese Illusionen können sogar zu Ablehnung der geistigen Welt führen. In einer materialistischen Zeit wird bei vielen Menschen die Existenz der geistigen Welt abgelehnt. Ein Großteil der Menschen erkennt nur die physischen Dinge und Gegebenheiten als real an. Diese Einsichten und Gedanken über die geistigen Welten abzulehnen, kann laut Rudolf Steiner suggeriert sein:
- „So liegt, wenn man bei einer Seele ein Stück Illusionsfähigkeit findet, schon irgendwie der Grund zu dieser Illusionsfähigkeit in einem Haß oder einer Abneigung vor der geistigen Welt; es braucht nicht in der Seele, die illusioniert ist, selber zu liegen, sondern es kann suggeriert sein. Denn auf geistigen Gebieten ist die Ansteckungskraft viel größer als auf irgendeinem physischen Gebiete.“[16]
Nach den geistigen Forschungen von Heinz Grill (* 1960), Buchautor und Begründer des Schulungsweges Neuer Yogawille, entstehen Suggestionen, wenn Angaben in der Öffentlichkeit erfolgen, die undifferenziert, unreflektiert, einseitig, ohne Vergleiche sowie ohne die Schilderung von ausreichenden Zusammenhängen und Hintergründen sind. Eine günstige Basis für suggestive Wirkungen kann ebenfalls eine kollektiv bestehende emotionale Angst geben.[17]
2018 schrieb Heinz Grill ein Gedicht über die Suggestion, in dem er sie als Gestalt sprechen lässt:[18]
Die Suggestionsgestalt
Hüte dich du kleiner Menschengeist
und bleibe gläubig blind in meinem Geleit.
Ich bin die hehre Suggestionsgestalt,
die lebt durch deinen unbewussten Halt.
Ich regiere und beherrsche dich,
obwohl du geistig größer bist als ich.
Meine Waffe ist die Manipulation,
zu kompensieren meine mindere Position.
Zuletzt wirst du tragen meine Schuld,
bitter ist er, dieser moderne Kult.
Oh weh, wie faszinierend genial,
Suggestion ist nicht trivial.
Überwindung von Suggestionen
Durch klare Gedankenbildung
Suggestive Methoden gegenüber Dritte, richten sich an die unbewussten Gefühle und beeinflussen den Willen. Der Schreiber eines Artikels kann suggestiv und mit dem Motiv wirken, den anderen von etwas überzeugen zu wollen. Er kann aber auch den Leser frei lassen und die Inhalte in eine tatsächliche anschauliche und wahrnehmbare Form führen. Er kann die Inhalte logisch aufbauen, mit realen Vergleichen und Zusammenhängen arbeiten, und so formulieren, dass der Leser freigelassen wird. Dann kann sich der Leser ein selbständiges Urteil über die beschriebene Ausführung bilden. Aus geistiger Sicht von Grill lässt diese Form den Leser frei: „Das Willens- und Gefühlsleben des Lesers wird durch die konkrete, zusammenhängende und logische Darstellung nicht unbewusst beeinflusst, sondern durch das Bewusstsein erst in der Folge der gedanklich konkreten Wirklichkeit angesprochen und erbaut.“ Die durch Suggestion üblichen willentlichen Beeinflussungen weichen durch die logisch gehaltenen Darstellungen und es kann sich ein gesunder und freier Willen entwickeln.[19]
Suggestionen nutzen zu einem größeren Aufbau
Eine Auseinandersetzung mit dem Negativen in der Welt kann nach geistiger Forschung zur gesundheitlichen Stärkung und einem Aufrichten führen. Auch das Immunsystem braucht eine Auseinandersetzung mit dem Negativen und muss sich so weit sammeln lernen, dass es diesen psychischen Kräften der Zeit etwas entgegenzusetzen hat. Wenn nun der Einzelne sich längere Zeit in einer Anschauung übt, z. B. mit der Frage: „Was ist wirklich die gesamte Angstmacherei in dieser Welt?“, dann beginnt er, diese Anschauung von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Er gewinnt die Fähigkeit, das ganze suggestive Potential, das ihn überschwemmen und überfremden möchte, von innen nach außen zu führen. Eine gute Auseinandersetzung mit negativen Kräften kann zu dem Sprichwort führen: „Wenn die Gefahr erkannt ist, ist sie bereits gebannt.“ Das, was den Menschen unbewusst aufsaugt und besetzt, wird laut Heinz Grill durch die gute Vorstellungsbildung, durch die Anschauungsentwicklung und durch richtige Schulung zur Erkenntnis mit eingehendster Wahrnehmungsfähigkeit von innen nach außen gebracht.[20]
Die Immunreaktion folgt diesem gleichen Weg. Die Lügen der Zeit und die unverdaubaren Suggestionen besetzen nicht länger den Menschen, sondern sie werden im Moment nur eingeatmet und mit der erarbeiteten Urteilsbildung und Erkenntnis auf freie Weise ausgeatmet.[20]
Erkenntnissuche
Die Überwindung der Suggestion erfolgt laut Axel Burkart durch die Überwindung der Denkfaulheit und des Autoritätsglaubens. Sie entsteht durch das Einsetzen der eigenen Logik. Die Logik ist uns gegeben, um damit Meinungen auf ihre Wahrheit zu überprüfen. Denn in der Logik bilden wir die Naturgesetze in uns ab, die der Mensch logisch durchdenken und damit in sich simulieren kann. Die Logik beschreibt Burkart als ein 100 %ig verlässliches Instrument. Sie ist durch das eigene selbständige Denken des Menschen möglich. Denkfaul beschreibt Burkart den Mensch von Natur aus und einer Autorität zu glauben, sei leicht. Selber zu denken ist für den Mensch anstrengend und unbequem. Das Schulsystem, die Politik, die Medien oder die Wissenschaft haben laut Axel Burkart nur die Fähigkeit zu manipulieren, wenn der Mensch nicht selber denkt.[21]
Das eigene Denken und Forschen nach Erkenntnis wird laut Axel Burkart im Sinne des Erkennens der Wahrheit auch im Johannesevangelium 8,31–32 beschrieben:
- „Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen“ (Joh 8,31–32)[22]

Ölgemälde von Joseph Karl Stieler (1828)
Johann Wolfgang von Goethe (1749–1882) sah die Wichtigkeit in dem Erkennen seiner selbst, um dadurch auch andere Menschen erkennen zu können:
- „Das Höchste, wozu der Mensch gelangen kann, ist das Bewusstsein eigener Gesinnungen und Gedanken, das Erkennen seiner selbst, welches ihm die Einleitung gibt, auch fremde Gemütsarten innig zu erkennen.“ [23]
Laut Rudolf Steiner muss die Erkenntnisarbeit völlig unabhängig von äußeren Einflüssen sein:
- „Erst derjenige, der die Weltzusammenhänge so durchschaut, daß sein Urteil völlig unabhängig wird von jeglichem äußeren Einflüsse, erhebt seinen Vorstellungsinhalt über eine Summe von Suggestionen.“[24]
Auch nach Erich Fromm muss das Bewusstsein bei der Erkenntnisarbeit die eigenen Befindlichkeiten verlassen, um ganz zum Gegenüber hinüberzufinden. Der Übende muss seine Projektionen aufgeben und den anderen oder eine Situation so wahrnehmen, als wäre er ein unabhängiger Zeuge:
- „Die Erkenntnis, die ein Aspekt der Liebe ist, bleibt nicht an der Oberfläche, sondern dringt zum Kern vor. Sie ist nur möglich, wenn ich mein eigenes Interesse transzendiere und den anderen so sehe, wie er wirklich ist.“[25]
Gemäß den Forschungen von Heinz Grill gibt es keinen Grund, die Taten eines anderen Menschen mit „Beleidigung, Spott oder Arroganz zu verurteilen.“ Klassifizierungen, Abwertungen und verdammenden Urteile über bestimme Personen oder Personengruppen sind „eigentlich immer der Ausdruck einer eigenen Schwäche und lassen eventuell einen eigenen mangelnden inneren Stand erkennen.“ Es ist ratsam, sich nicht gleich in schnelle Bewertungen zu stürzen. Die ersten Urteile, die man über einen anderen Menschen erwirbt, sollten niemals in Bewertungen von Gut und Böse, sondern vielmehr darin bestehen, wie der andere in Beziehung zu der Außenwelt und zu seinen Mitmenschen steht. „Die Fähigkeit zur Anschauung und intensiven Ansicht anderer ist eine großartige persönliche Stärke, die dem Menschen Würde verleiht.“[26]

Hierfür entwickelte Heinz Grill die Seelenübung „Das rechte Urteil“ und zeigt folgende methodische Schritte auf, um eine Person objektiv erkennen zu lernen:[26]
- Wahrnehmung der Person über die Sinne
- Wie ist das Aussehen, die Körperhaltung, das Auftreten, der Blick, die Gestik?
- Entscheidung, was ergründet werden soll
- Möchte man eine medizinische, eine pädagogische, eine juristische, eine künstlerische, eine anthropologische oder eine soziale Wahrheit ergründen?
- Konkrete Fragestellung (folgend einige Beispiele)
- Wie steht der zu betrachtende Mensch in Beziehung zu der Außenwelt und zu seinen Mitmenschen? Prägt er diese Beziehung bewusst oder intuitiv?
- Unterliegt die zu betrachtende Person mehr den Emotionen oder führt er bereits mit Gedanken die Begegnungen?
- Spricht die Person authentisch oder äußert sie etwas anderes, als sie eigentlich denkt?
- Wie ist das Motiv der Person?
- Reflektierende Erinnerungstätigkeit
- Nachdem die Person etwa 10 Minuten mit einer Frage betrachtet wurde, mit geschlossenen Augen ihre Gestalt noch einmal rekonstruieren.
Durch wiederholte Hinwendung in dieser Form kann eine objektive Erkenntnis zu der Person und damit ein rechtes Urteil entstehen.
Zukunftsweisende Hypothese
Das passive unbewusste Glauben und Hinnehmen von Suggestionen kann zu psychischen und körperlichen Krankheiten führen. Die eigenständige Auseinandersetzung mit einem Thema oder einer Person führt zu eigener Bewusstseinsbildung, Klarheit und Wahrheit. Ein „Rechtes Urteil“ über einen Sachverhalt zu entwickeln ist zeitaufwändig. Es bedarf einer mehrfachen Wiederholung der Anschauung. Wenn sich die Anschauung der Richtigkeit nähert, tritt eine Ruhe in der Psyche ein. Eine gesundheitliche Verbesserung kann im physischen Leib und in der Psyche entstehen.
Siehe auch
Weblinks
- Suggestion, Artikel in AnthroWiki mit vielen Zitaten von Rudolf Steiner zum Thema
- Autosuggestion, Artikel in Wikipedia
- Autogenes Training, Artikel in Wikipedia
Literatur
- James Braid: Die Suggestion und ihre Heilwirkung. Übersetzt von Sigmund Freud, Leipzig und Wien 1882.
- Heinz Grill: Erklärung, Prophylaxe, Therapie der Krebskrankheit aus ganzheitlicher medizinischer und spiritueller Sicht. Lammers-Koll Verlag, 2001, ISBN 3-935925-67-0.
- Heinz Grill: Übungen für die Seele. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6.
- Erich Fromm: Die Kunst des Liebens. Heyne Verlag, ISBN 3-453-19929-4-8.
- Erich Fromm: Die Pathologie der Normalität. ISBN (ePUB) 9783959121217.
- Erich Fromm Buch: Wege aus einer kranken Gesellschaft. ISBN (ePUB) 9783959120319.
- Rudolf Steiner: Ursprung und Ziel des Menschen. Grundbegriffe der Geisteswissenschaft. GA 53. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1986, ISBN 3-7274-0532-5. (Online)
- Rudolf Steiner: Bausteine zu einer Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha. Kosmische und menschliche Metamorphose. GA 175. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1996, ISBN 3-7274-1750-1. (Online)
- Rudolf Steiner: Methodische Grundlagen der Anthroposophie. Gesammelte Aufsätze zur Philosophie, Naturwissenschaft, Ästhetik und Seelenkunde. GA 30. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, ISBN 3-7274-0300-4. (Online)
Einzelnachweise
- ↑ Rudolf Steiner: Ursprungsimpulse der Geisteswissenschaft. GA 96. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, ISBN 3-7274-0961-4, S. 78–79. (Online)
- ↑ Günter Clauser: Vegetative Störungen und klinische Psychotherapie. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 1218–1297, hier: S. 1288 f. (Die Suggestivtherapie).
- ↑ Max Nonne: Über erfolgreiche Suggestivbehandlung der hysteriformen Störungen bei Kriegsneurosen. In: Zeitschrift für die gesamte Neurologie und Psychiatrie. Band 37, 1917, S. 191–218.
- ↑ Ellen Andresen: Mit Autosuggestion motiviert, selbstbewusst und glücklich durchs Leben. In: greator.com. Abgerufen am 15. Januar 2026.
- ↑ Dr. Carl Simonton: Simontontraining. Habichtswald Reha-Klinik. Abgerufen am 15. März 2026.
- ↑ Autogenes Training: Wie es wirkt und wie man es erlernt. In: aok.de. Abgerufen am 25. Januar. 2026.
- ↑ David Reeves: Hypnosis in History: How Ancient Civilizations Used Hypnosis. In: Cuya Institute. Abgerufen am 4. März 2026 (englisch).
- ↑ Hypnose & Psychotherapie in Nürnberg. In: hypnose-als-therapie.de. Abgerufen am 1. März 2026.
- ↑ Vortrag Axel Burkart – Teil 2, Tagung „Suggestion im Gegensatz zum eigenen Denken“, Michaelitag 2018 (15:36–17:36). In: systemfreie Spiritualität (YouTube-Kanal). Abgerufen am 3. März 2026.
- ↑ Vortrag Axel Burkart – Teil 2, Tagung „Suggestion im Gegensatz zum eigenen Denken“, Michaelitag 2018 (9:34–10:35). In: systemfreie Spiritualität (YouTube-Kanal). Abgerufen am 3. März 2026.
- ↑ Suggestion. In: DocCheckFlexikon. Abgerufen am 27. März 2026.
- ↑ Erich Fromm: Die Kunst des Liebens. Kapitel: Die Theorie der Liebe. Liebe als Antwort auf das Problem der menschlichen Existenz. 8. Auflage. Wilhelm Heyne Verlag München ISBN 3-453-19929-4, S. 26.
- ↑ Erich Fromm: Die Pathologie der Normalität. Kapitel: Die Pathologie der Normalität des heutigen Menschen. Kapitel 1.a): Was ist seelische Gesundheit? ISBN (ePUB) 9783959121217. Abgerufen am 22. Dezember 2025.
- ↑ Erich Fromm: Wege aus einer Kranken Gesellschaft. Kapitel 2: Kann eine Gesellschaft krank sein? ISBN (ePUB) 9783959120319. Abgerufen am 22. Dezember 2025.
- ↑ Rudolf Steiner: Ursprung und Ziel des Menschen. Grundbegriffe der Geisteswissenschaft. GA 53. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1986, ISBN 3-7274-0532-5, S. 463. (Online)
- ↑ Rudolf Steiner: Bausteine zu einer Erkenntnis des Mysteriums von Golgatha. Kosmische und menschliche Metamorphose. GA 175. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1996, ISBN 3-7274-1750-1, S. 50. (Online)
- ↑ Heinz Grill: Die geistige Ursache von Suggestionen. In: Beiträge zu einem neuen Yogawillen. Abgerufen am 19. Februar 2026.
- ↑ Heinz Grill: Die Suggestionsgestalt. In: Beiträge zu einem Neuen Yogawillen. Artikel vom 28. Juli 2018, abgerufen am 15. Dezember 2025.
- ↑ Heinz Grill: Suggestionen (4. Absatz). In: Beiträge zu einem Neuen Yogawillen. Abgerufen am 2. Februar 2026.
- ↑ 20,0 20,1 Heinz Grill: Der Coronavirus: Die Auseinandersetzung mit den Ängsten und Suggestionen stärkt die Abwehrkraft. In: Beiträge zu einem Neuen Yogawillen. Abgerufen am 2. Februar 2026.
- ↑ Vortrag Axel Burkart – Teil 3, Tagung „Suggestion im Gegensatz zum eigenen Denken“, Michaelitag 2018. (0:30–23:27). In: systemfreie Spiritualität (YouTube-Kanal). Abgerufen am 27. März 2026.
- ↑ Johannes 8. In: Deutsche Bibelgesellschaft. Abgerufen am 27. März 2026.
- ↑ Johann Wolfgang von Goethe: Berliner Ausgabe. Kunsttheoretische Schriften und Übersetzungen. Band 18, Berlin 1960 ff, S. 147. (Online)
- ↑ Rudolf Steiner: Methodische Grundlagen der Anthroposophie. Gesammelte Aufsätze zur Philosophie, Naturwissenschaft, Ästhetik und Seelenkunde. GA 30. 3. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1989, ISBN 3-7274-0300-4, S. 339. (Online)
- ↑ Erich Fromm Buch: Die Kunst des Liebens. Kapitel: Die Theorie der Liebe, Liebe als Antwort auf das Problem der menschlichen Existenz. 8. Auflage. ISBN 3-453-19929-4, S. 40.
- ↑ 26,0 26,1 Heinz Grill Buch: Übungen für die Seele. Kapitel: Das Rechte Urteil. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 111–119.
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