Petersilie

Die Petersilie (Petroselinum crispum) ist krautige Pflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Ursprünglich ist die Petersilie im mediterranen Raum beheimatet, von wo sie sich in alle Welt verbreitete. Sie wird aufgrund ihrer aromatischen Geschmacksaromen als beliebtes Küchengewürz eingesetzt.
Es gibt hauptsächlich zwei bekannte Sorten von der Petersilie, die glatte Petersilie (Petroselinum crispum var. neapolitanum) und die krause Petersilie (Petroselinum crispum var. crispum).
Als Arzneipflanze wurde die Petersilie bereits in der Antike von Hippokrates und später von Albertus Magnus als Diuretikum (harntreibendes Mittel) angewendet. Sie galt in der Antike als Symbol der Freude und der Festlichkeit.
Aus geistiger Sicht wirkt die Petersilie formgebend auf das Herz.
Botanische Einordnung und Merkmale

Die Petersilie (Petroselinum crispum) gehört botanisch zur Ordnung der Apiales und ist eine Pflanzenart aus der Gattung Petroselinum innerhalb der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Typisch für diese Pflanzenfamilie ist der zusammengesetzte Blütenstand, die sogenannte Doppeldolde. Bei einer Doppeldolde gehen von der Hauptachse Seitenachsen aus, die mit kleinen Dolden, den sogenannten Döldchen, abschließen. Doldenblütler, auch „Umbelliferen“ genannt, sind überwiegend Kräuter oder Stauden.
Wilhelm Pelikan beschreibt aus goetheanistischer Anschauungsweise als besonderes Merkmal der Familie der Doldenblütler den Gestaltungsreichtum der Blätter. Gekerbte, gezähnte oder zerteilte Blätter entwickeln die schatten- und feuchtigkeitsliebende Waldkräuter, wie z. B. der Wald-Sanikel oder die Sterndolde (Astrantia). Doppelt und dreifach gliedern sich die Blätter der Wiesenpflanzen dieser Familie auf, z. B. beim Wiesen-Kerbel, beim Gefleckten Schierling und bei der Petersilie. Beim Fenchel und Dill wiederum zeigt sich das Blätterwerk luftig aufgliedert und faden-fein.[1]
Die Vertreter dieser Familie zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an ätherischen Ölen aus, die vor allem in den Früchten vorkommen. In allen Pflanzenteilen finden sich schizogene Sekretgänge, die ätherisches Öl und auch Gummiharze speichern.[2]
Viele Arten der Doldenblütler werden als Gewürz- und Arzneipflanzen verwendet.[3]
Beschreibung und Lebenszyklus
Vegetatives Wachstum

Die Petersilie ist zweijährig oder mehrjährig und wächst vor allem in gemäßigten Klimazonen mit ausgeprägten Jahreszeiten. Nach dem Keimen bildet die Pflanze im ersten Jahr je nach Sortenwahl Blattrosetten mit glatten oder krausen Blättern, welche doppelt- bis dreifach-fiederteilig und im Umriss dreieckig gestaltet sind. Es zeigen sich wechselnde Paare großer und kleiner grüner Blättchen. Die Blattscheiden umhüllen schützend die Sprossachse.[4]
Eine Behaarung ist weder bei den Blättern noch bei den kahlen und aufrechten Stängeln entwickelt. [5] Die Petersilie bildet je nach Exemplar meist mehrere Stängel, die stielrund bis leicht gerillt sowie häufig röhrig sind. Die Grundblätter und die unteren Stängelblätter sind gestielt, die oberen Stängelblätter umgeben mit breiten, weißen Blattscheiden.
Die beste Zeit für die Aussaat der Petersilie im Freiland ist der Mai, in Vorkultur, z. B. in Blumentöpfen auf der Fensterbank, kann sie kann zwischen März und April erfolgen.[5] Die Samen müssen mit Erde bedeckt sein, da die Petersilie zu den Dunkelkeimern gehört.[6]
Bis sich das erste Keimblatt entwickelt, können nach der Aussaat bis zu vier Wochen vergehen.
Die Petersilie benötigt für ihr Wachstum einen nährstoffreichen, feuchten, aber wasserdurchlässigen Boden. Die Aussaat sollte nicht an Vorjahresstandorten und an Standorten anderer Doldengewächse, wie Möhre, Sellerie oder Dill erfolgen. Als gute Vorkulturen eignen sich Porree oder Zwiebeln.[7]
Im Freiland ist die Erntezeit der Petersilie je nach Lage von Juni bis November. Wird die Pflanze im Glashaus gezogen, ist sie ganzjährig verfügbar. Die Wurzelpetersilie wird ab Oktober/November geerntet.[8]
Blüte

Im zweiten Jahr entwickelt sich der Blütenstand der Petersilie aus vielen kleinen Döldchen (kleinen Blütenständen), die jeweils aus winzigen weißen Blüten und gelblich-grünen, oft rötlich überlaufenen sehr kleinen Kronblättern bestehen. Der doppeldoldige Blütenstand besteht aus 8 bis zu 20 etwa gleich langen Doldenstielen, auch Doldenstrahlen genannt, die von einem zentralen Punkt ausgehen und den charakteristischen Blütenstand formen. Die Blüte ist von ein bis drei Hüllblättern umgeben, die lanzettlich und zur Spitze hin sehr schmal sind. Die kleinen Blütenstände sind von sechs bis acht schmalen linealischen bis pfriemlichen Hüllchenblättern umgeben.[9]
Wenn die Petersilie ins Blühen kommt, entwickelt sie giftige Eigenschaften, da sie mit der Entwicklung der Doldenblüten Apiol anreichert, vor allem in den Samen. „Apiol ist der Hauptbestandteil des ätherischen Öls in den Petersilienfrüchten und wird auch Petersilienkampfer genannt. Es wirkt anregend auf die Nieren, Magen und Darm. Bei geringer Dosierung kann die harntreibende und verdauungsfördernde Wirkung durchaus positiv sein. In höheren Dosen kann Apiol aber Frühgeburten, Leberschäden und zentrale Lähmungen auslösen.“[10]
Frucht

Die kleinen, dunkelbraunen bis gräulichen Früchte, die in den Blütenständen der Petersilienpflanze in Form von nussähnlichen Schließfrüchten heranreifen, sind an einer Seite verbreitert und weisen eine längsgerippte Oberfläche auf. Während des Reifeprozesses verwächst die Samenschale mit der Fruchtwand und zerfällt im reifen Stadium entlang der Naht in 2 Teilfrüchte, die noch einige Zeit an einem zweischenkeligen Karpophor (Fruchträger) hängen bleiben. Die Form dieser Teilfrüchte wird auch als Merkmal für die Bestimmungen einzelner Gattungen und Arten herangezogen.[11]

Der Querschnitt durch einen Samen bzw. eine Teilfrucht zeigt eine Gliederung durch zwei Rand- und drei Rückenrippen sowie einer Mittenfuge. Zwischen den Rippen befinden sich die Sekretgänge, die sogenannten Ölstriemen, in denen das ätherische Öl gespeichert wird.[12]
Die Früchte (Fructus petroselini) werden geerntet, indem die gesamte Dolde abgeschnitten wird. Die Ernte erfolgt im August bis September.[13]
Die gereiften Petersilienfrüchte (synonym: Peterleinsamen, Petersiliensamen, Petroselinum crispum Früchte) haben ein charakteristisch petersilienartiges, würziges Aroma und werden als Saatgut zur Vermehrung und auch in geringer Menge in pflanzlichen Teemischungen verwendet.[14]
Varietäten der Petersilie

In Europa, Nordafrika und auf den Kanaren sind fünf Arten der Petersilie verzeichnet. Die Blätter von Petroselinum crispum werden als Gewürz (Blattpetersilie) verwendet. Einige Formen dienen auch als Gemüse. z. B. die Wurzelpetersilie oder die Neapolitanische Petersilie.[15]
Die Petersilie wird nach ihrer Blattform primär in glatte und krause Sorten unterschieden:
- Glatte Petersilie
Die glatte Petersilie entwickelt flächige Blätter. Die Blattzipfel sind im Umriss fiederschnittig oder gelappt. Ihre Blattstiele können Wuchshöhen von bis 40 cm erreichen.
- Krause Petersilie
Ein charakteristisches Merkmal der krausen Petersilie ist – wie der Name ausdrückt – die stark gekräuselte, wellige Form der Blätter. Sie wird bis zu 30 cm hoch. Die krause Petersilie wirkt in ihrem äußeren Erscheinungsbild kompakter und buschiger als die glatte Petersiliensorte.
Diese botanischen Unterschiede beeinflussen nicht nur das Aussehen, sondern auch Geschmack, Aroma und Verwendungsmöglichkeiten der beiden Petersilienvarianten. Das Aroma der glatten Petersilie ist beispielsweise intensiver und ausgeprägter als jenes der krausen Form.[16]
- Neapolitanische Petersilie
Diese Sorte ist auch bekannt als italienische Petersilie „Gigante di Napoli“ oder „Gigante d'Italia“. Sie bildet größere, gewellte Blätter an festen Stielen und kann eine Höhe von bis zu 50 cm erreichen und entwickelt ein kräftig intensives Aroma.[17]
- Wurzelpetersilie oder Knollenpetersilie
Die verdickte und spitz endende Wurzel oder Rübe der Wurzelpetersilie ist außen gelblich weiß bis hellbraun gefärbt und weist deutlich dunklere, quer verlaufenden Ringstreifen auf. Im Inneren der Wurzel zeigt sich eine weiße bis hellbraune Färbung. Die Wurzel entwickelt einen aromatisch würzigen Petersiliengeschmack und behält diesen auch bei längerem Kochen bei.[18]
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Krause Petersilie
(Petroselinum crispum var. Crispum) -
Neapolitanische Petersilie
(Petroselinum crispum Gigante d'Italia) -
Wurzelpetersilie
(Petroselinum crispum subsp. tuberosum)
Verwechslungsgefahr

Eine Verwechslung von Petersilie ist mit der giftigen Hundspetersilie (Aethusa cynapium) möglich. Diese unterscheidet sich von der echten Petersilie durch ihren unangenehmen Geruch, der besonders beim Zerreiben der Pflanze hervortritt. Die Hundspetersilie hat im Gegensatz zu den grünlichen Blüten der Gartenpetersilie weiße Blüten mit charakteristischen, nach außen gerichteten Hüllblättchen.[19] Diese kleinen Hüllblättchen sind zur Blütezeit das eindeutigste Bestimmungsmerkmal der Hundspetersilie.
Zu den gefährlichen Giftpflanzen der Familie zählen auch der Gefleckte Schierling (Conium maculatum) und der verwandte Wasserschierling (Cicuta virosa).
Der gefleckte Schierling ist an seinem unangenehmen, dem Mäuseharn ähnlichen Geruch und an dem rötlich gefleckten Stängel erkennbar. Er enthält das Nervensystem lähmende Alkaloid Coniin, das eine ähnliche Wirkungsweise wie das Pfeilgift Curare hat und zu tödlichen Vergiftungen führen kann.[20] Bei den alten Griechen war die Hinrichtung durch den Schierlingsbecher üblich. Der Begriff „Schierlingsbecher“ ist vor allem durch die Hinrichtung des griechischen Philosophen Sokrates im Jahre 399 v. Chr. bekannt geworden. Der Tod durch das Gift des Gefleckten Schierlings erfolgt bei klarem Bewusstsein durch Atemlähmung.[21]
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Rötlich gefleckter Stängel
des Gefleckten Schierlings -
Der Tod des Sokrates durch den Schierlingsbecher
(Gemälde von Jaques-Louis David, 1787) -
Wasserschierling
Ursprung und Verbreitung in andere Länder

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Petersilie ist Nordwestafrika und die Balkanhalbinsel.
Die Pflanze wurde jedoch in zahlreiche Länder und Regionen verbreitet und gelangte so in europäische, afrikanische, amerikanische und asiatische Staaten sowie Inselgruppen.[22]
Karl der Große führte im 9. Jh. die Petersilie unter der Bezeichnung petreslinum in seiner Landgüterverordnung Capitulare de Villis im Kapitel 70 auf,[23] in dem insgesamt 89 Pflanzen und Heilkräuter aufgelistet sind. Diese sollten die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung im Frankenreich verbessern. Das Vorbild für diese Pflanzensammlung im Capitulare de villis waren die Kräutergärten der Klöster.[24]
Etymologie
Das DWDS gibt zur Petersilie folgende etymologische Angaben:
Der Name für das aus Südeuropa stammende, als Küchengewürz dienende Doldengewächs althochdeutsch petarseli (10. Jh.), mittelhochdeutsch pētersilje, spätmittelhochdeutsch pētersil gelangt nach Abschluss der hochdeutschen Lautverschiebung ins Deutsche.
Schon früh erfolgt die Anlehnung an den Eigennamen Peter, vgl. althochdeutsch petirlīn (12. Jh.), mittelhochdeutsch pēterlīn, neuhochdeutsch Peterle, Peterling, Peterchen. Der Name ist wie mittelneudeutsch pettercillige, pētersilie, altenglisch petersilie, niederländisch peterselie, pieterselie, schwedisch persilja eine Entlehnung aus dem gleichbedeutenden mittellateinischen petrosilium, petrosillum.
Voraus geht lateinisch petroselīnum, petroselīnon, aus griechisch petrosélīnon (πετροσέλινον), „Felsen-, Steineppich“, ein in Makedonien an steilen Felshängen wachsendes Doldengewächs, vielleicht Petersilie; vergleiche griechisch pétros (πέτρος) „Stein, Felsblock“ und sélīnon (σέλινον) „Eppich“.[25]
Die Petersilie heißt im Englischen parsley, im Französischen persil, im Italienischen prezzemolo und im Spanischen perejil.
Einzelnachweise
- ↑ Wilhelm Pelikan: Heilpflanzenkunde. Band 1. 4. Auflage. Philosophisch-anthroposophischer Verlag, Dornach 1980, ISBN 3-7235-0084-6, S. 64.
- ↑ Sekretbehälter. In: spektrum.de. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
- ↑ Focko Weberling, Hans Otto Schwantes: Pflanzensystematik. 7. Auflage. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-8252-0062-0, S. 175.
- ↑ Ernst F. Welle: Kleines Repetitorium der Botanik. 15. Auflage. Verlag Handwerk und Technik, Hamburg 2011, ISBN 978-3-582-04159-3, S. 28, 36 und 108.
- ↑ 5,0 5,1 Petersilie. In: Kräuterbuch. Abgerufen am 8. Oktober 2025.
- ↑ Ist die Petersilie einer der Lichtkeimer? In: Pflanzenschule. Abgerufen am 8. Oktober 2025.
- ↑ Petroselinum crispum (Mill.) Nym. ex A.W.Hill. In: biozac.de. Abgerufen am 8. Oktober 2025.
- ↑ Glatte Petersilie. In: obst-gemuese.at. Abgerufen am 8. Oktober 2025.
- ↑ Albert Thellung: Umbelliferae. S. 1155–1161. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 2. Verlag Carl Hanser, München 1965.
- ↑ Petersilie ist Giftpflanze des Jahres 2023. In: iva.de. Abgerufen am 8. Oktober 2025.
- ↑ Weberling, Schwantes: Pflanzensystematik. S. 173.
- ↑ Welle: Kleines Repetitorium der Botanik. S. 182.
- ↑ Wolfgang Hensel: Das Kosmos Kräuterbuch. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart 1994, ISBN 3-440-06785-8, S. 88.
- ↑ Dietrich Frohne, Uwe Jensen: Systematik des Pflanzenreichs. Unter besonderer Berücksichtigung chemischer Merkmale und pflanzlicher Drogen. 5. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart 1998, ISBN 3-8047-1584-2, S. 273.
- ↑ Wörterbücher der Biologie: Morphologie und Systematik der Pflanzen. Teil 2: (L–Z). Gustav Fischer Verlag, Jena 1990, S. 557.
- ↑ Krause vs. glatte Petersilie: Untersuchung der Unterschiede. In: samen.de. Abgerufen am 8. Oktober 2025.
- ↑ Glatte Petersilie 'Gigante d' Italia'. In: seebauer.de. Abgerufen am 8. Oktober 2025.
- ↑ Petersilwurzel. In: gesundheit.gv.at. Abgerufen am 8. Oktober 2025.
- ↑ Werner Rauh, Karlheinz Senghas: Flora von Deutschland und seinen angrenzenden Gebieten. Ein Buch zum Bestimmen der wildwachsenden und häufig kultivierten Gefäßpflanzen. 88. durchgesehene Auflage. Quelle & Meyer, Heidelberg 1988, ISBN 3-494-01166-4, S. 250.
- ↑ Frohne, Jensen: Systematik des Pflanzenreichs. S. 275.
- ↑ Gefleckter Schierling. In: naturadb.de. Abgerufen am 9. Oktober 2025.
- ↑ Petroselinum crispum (Mill.) Fuss. In: powo.science.kew.org. Abgerufen am 9. Oktober 2025.
- ↑ Die Kapitel des Capitulare de villis. Kapitel 70. In: biozac.de. Abgerufen am 9. Oktober 2025.
- ↑ Karl der Große. Die Verordnung “Capitulare de villis“. In: planet-wissen.de. Abgerufen am 9. Oktober 2025.
- ↑ Petersilie. In: DWDS. Abgerufen am 9. Oktober 2025.
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