Das Mikrobiom bezeichnet die Gesamtheit aller Mikroorganismen, die Menschen, Tiere, Pflanzen und sogar ganze Ökosysteme besiedeln. Weit über eine bloße Ansammlung von Bakterien hinaus bildet es beispielsweise beim Menschen ein komplexes, hochdynamisches Netzwerk, das unmittelbar mit Verdauung, Immunfunktion, Stoffwechsel, hormonellen Prozessen sowie dem emotionalen und mentalen Befinden des Menschen verknüpft ist.
Das Mikrobiom ist zu einem der bedeutendsten Forschungsfelder der modernen Biologie und Medizin geworden.
Verschiedene Aspekte, die seitens der Ernährung heilsam auf das Mikrobiom wirken, sind im wissenschaftlichen Konsens präbiotische und probiotische Nahrungsmittel. Um ein Ungleichgewicht der Bakterienstämme im Darm zu lösen, wird aus geisteswissenschaftlicher Sicht auch das Milieu mit in die Betrachtung einbezogen. Menschen um uns herum, ihre emotionalen Einflüsse sowie unsere Interaktionen und Willenshandlungen mit ihnen bilden oft die Ursache von Disharmonien im Darmtrakt.
Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Darm-Hirn-Achse belegen, dass die Vorgänge im Darm wesentlich unsere Gefühle und unser Denken beeinflussen. Ergebnisse aus geistiger Forschung zeigen auch eine Wirkung in umgekehrter Richtung: ein klares, bildhaftes, imaginatives[1] Denken kann Ordnung in das mikroorganische Leben des Darms bringen und die Immunlage verbessern.
Das Mikrobiom der Erde umfasst sämtliche Mikroorganismen, die in Erdkruste, Gewässern und Atmosphäre leben.
Der Begriff Mikrobiom (von griechisch μικρός mikrós „klein“ und βίος bíos „Leben“) bezeichnet im weitesten Sinne alle Mikroorganismen, die ein bestimmtes Habitat besiedeln. Ein solches Habitat kann sehr unterschiedliche Ausmaße haben – von kleinen, klar abgegrenzten Bereichen bis hin zu großräumigen Systemen.
So lässt sich etwa die gesamte Erde als ein einziges Habitat betrachten. In dieser Sichtweise umfasst das Mikrobiom der Erde sämtliche Mikroorganismen, die in Erdkruste, Gewässern und Atmosphäre leben.
Der Begriff Mikrobiom bezieht sich dabei auf die Gesamtheit aller Mikroorganismen (Bakterien, Pilze, Viren, Archaeen, Protozoen), die einen Makroorganismus besiedeln.[2]
Allgemeiner Begriffsgebrauch
Wechselwirkungen im Mikrobiom können zwischen Personen unsichtbar stattfinden.
Häufig versteht man unter dem Begriff Mikrobiom die Gesamtheit jener Mikroorganismen, die ein vielzelliges Lebewesen auf natürliche Weise besiedeln, ohne dabei Krankheitssymptome hervorzurufen. Zudem werden auch Teil-Mikrobiome einzelner Körperregionen beschrieben, etwa das Hautmikrobiom oder das Mundmikrobiom.
Ihre Zusammensetzung und die Wechselwirkungen zwischen diesen mikrobiellen Gemeinschaften innerhalb eines Organismus – ebenso wie zwischen verschiedenen Individuen – sind Gegenstand intensiver Forschung. Wechselwirkungen lassen sich nicht nur zwischen Menschen innerhalb desselben Haushalts nachweisen, sondern sogar zwischen Nachbarn und Bewohnern derselben Ortschaft.[3]
Mutualismus im Mikrobiom
Für Lebewesen, die ein eigenes physiologisches Mikrobiom besitzen, gilt in der Regel das Prinzip des Mutualismus. Der Begriff leitet sich vom lateinischen mutuus („gegenseitig, wechselseitig“) ab und beschreibt eine Beziehung, von der sowohl der Wirt als auch die im oder auf ihm lebenden Mikroorganismen profitieren. Man spricht daher von einer typischen Wirt-Gast-Beziehung.[4]
Für die Mikroorganismen bietet der Organismus des Wirts einen geschützten Lebensraum, der Nahrung, stabile Umweltbedingungen und Möglichkeiten zur Vermehrung bereitstellt. Umgekehrt ist ein gesundes und funktionsfähiges Mikrobiom für den Wirt von erheblicher Bedeutung, da zahlreiche Stoffwechselprozesse ohne die Unterstützung dieser Mikroben nicht stattfinden könnten. So findet beim Menschen beispielsweise die Verarbeitung des ständig anfallenden Bilirubins im Darm durch Bakterien statt, nachdem die roten Blutkörperchen in Milz, Leber oder Knochenmark abgebaut wurden. Das durch die Bakterien verarbeitete Produkt Urobilinogen wird zum größten Teil mit dem Stuhl ausgeschieden und verleiht ihm seine typische bräunliche Farbe.[5]
Auch Umwandlungsprozesse im Verdauungstrakt beruhen auf diesem Zusammenwirken: Die vom Menschen ausgeschiedenen Stoffwechselprodukte dienen den Mikroorganismen beispielsweise als Nährstoffquelle. Gleichzeitig verhindert dies, dass sich andere – potenziell schädliche – Keime ansiedeln können. Dieser Schutzmechanismus wird als Kolonisationsresistenz bezeichnet.
Darüber hinaus leisten Mikroorganismen weitere wesentliche Beiträge, etwa die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren (SCFAs) oder bestimmten Vitaminen. Die funktionale Einheit aus Wirt und Mikrobiom wird in der biologischen Forschung als Holobiont bezeichnet.[6]
Mikrobiom von Pflanzen
Auch Pflanzen verfügen über ein eigenes Mikrobiom und werden von einer Vielzahl an Mikroorganismen besiedelt. Diese Kleinstlebewesen – etwa in den Wurzeln, an den Blättern oder sogar in den Samen – beeinflussen maßgeblich das Wachstum, die Entwicklung und die Gesundheit der Pflanze. Seit Langem bekannt ist beispielsweise die Bedeutung der Knöllchenbakterien, die mit Hülsenfrüchten eine Symbiose eingehen: Sie versorgen die Pflanze mit gebundenem Stickstoff und erhalten im Gegenzug Zucker aus dem pflanzlichen Stoffwechsel.[7]
Die wissenschaftliche Erforschung und gezielte Optimierung des Mikrobioms von Nutzpflanzen soll künftig dazu beitragen, den Einsatz von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren und gleichzeitig Erträge sowie die Widerstandskraft der Pflanzen zu steigern. Zudem wirkt das Mikrobiom von Nutzpflanzen und Lebensmitteln auch auf das Mikrobiom und die Gesundheit von Menschen und Tieren ein.[8]
Schale, Fruchtfleisch und Kerne sind beim Apfel in unterschiedlichen Graden von Bakterien besiedelt
Eine Studie der Universität Graz zeigte 2019, dass ein Apfel ein komplexes Mikrobiom mit rund 100 Millionen Bakterien beherbergt. Dieses Mikrobiom variiert je nach Teil des Apfels (Kerne, Fruchtfleisch, Schale), wobei das Fruchtfleisch und die Kerne stärker besiedelt sind als die Schale. Die Wissenschaftler stellten zudem fest, dass ein Teil dieser Mikroorganismen nach dem Verzehr schließlich im Mikrobiom des Menschen nachweisbar war.[9]
Hygienische Maßnahmen wie Desinfektion oder Sterilisation, beispielsweise beim Lagern, können das pflanzliche oder lebensmittelbezogene Mikrobiom stark verändern oder sogar vollständig zerstören. Dadurch gehen bestimmte Mikroorganismen verloren, was sich wiederum auf das Mikrobiom höherer Lebewesen auswirken kann. Beim Menschen wird das vermehrte Auftreten verschiedener Zivilisationskrankheiten – etwa Allergien, Asthma oder Reizdarmsyndrom – unter anderem mit solchen Veränderungen der mikrobiellen Umwelt in Verbindung gebracht.[10]
Mikrobiom des Menschen
Der Mensch verfügt über mehrere individuelle Mikrobiome, die in verschiedenen Körperbereichen existieren, wie im Darm, auf der Haut, in der Lunge, im Mund- und Nasenrachenraum sowie im Urogenitaltrakt. Die größte Population des Mikrobioms des Menschen befindet sich im Darm, da er die idealen Bedingungen für eine große Vielfalt an Mikroorganismen bietet, beispielsweise durch die Zufuhr von Nährstoffen, die beständig von der Nahrung herkommen, oder durch das Vorhandensein zahlreicher Nischen.
Der Darm ist der Hauptort, an dem das Immunsystem mit fremden Stoffen aus der Umwelt interagiert, weshalb eine große und vielfältige Gemeinschaft von Mikroben notwendig ist, um die Verdauung zu unterstützen. Die tägliche Nahrung ist eine kontinuierliche Quelle an Nährstoffen, die für die Bakterien, Pilze, Viren etc. unerlässlich ist. Des Weiteren bietet der Darm eine große Vielfalt von Lebensräumen, die den unterschiedlichsten Mikroorganismen das Überleben ermöglichen und eine Artenvielfalt fördern.[11]
Der Darm ist mit einer Fläche von 300 Quadratmetern nicht nur das größte Organ, sondern auch der Beherberger von ca. 1,5 bis 2 Kilogramm Mikroorganismen, die als Gast des „Makroorganismus Mensch“ für diesen wichtige Funktionen innehaben.[12]
Eine wichtige Funktion hat das Darmmikrobiom für das Immunsystem. Der Darm ist der Ort, an dem das Immunsystem tagtäglich mit einer großen Menge an fremdem Material, wie Bakterien aus der Nahrung und anderen Quellen konfrontiert wird. Unser enormes im Darm beheimatetes Immunsystem sieht sich also dauernd der schwierigen Aufgabe gegenüber, entweder eine Infektion abzuwehren oder sich abzuschalten, um nicht eine Entzündungsreaktion gegenüber harmlosen Bakterien oder der täglichen Nahrung auszulösen. Die ständige Interaktion zwischen dem Immunsystem und den Darmbakterien ist entscheidend für die Entwicklung und das Training des Immunsystems.[13]
Die große Gemeinschaft von unterschiedlichen Mikroorganismen, die alle Nischen des Darms besiedelt und ihren Lebensraum verteidigt, bietet außerdem einen guten Schutz gegen die Besiedelung durch andere, krankmachende Keime.
Des Weiteren zerlegt das Mikrobiom durch Fermentierungsprozesse Ballaststoffe, die der Mensch nicht verdauen kann. Bei diesem Vorgang entstehen kurzkettige Fettsäuren, die Energie liefern und entzündungshemmende Eigenschaften besitzen, die zu einer antioxidativen Wirkung beitragen. Die im Mikrobiom enthaltenen Organismen produzieren bei den unterschiedlichsten Fermentierungsprozessen auch wichtige Vitamine wie Vitamin K und verschiedene B-Vitamine.[14]
Wissenschaftlich wurde in neuester Zeit festgestellt, dass die Darmbakterien wesentlich die Serotoninsynthese in den neuroendokrinen Darmepithelzellen stimulieren.[15]
95 % des Serotonins befindet sich im Darm. Nebst anderen Funktionen beeinflusst Serotonin eine Vielzahl von emotionalen Prozessen, wie Aggression und Angst. Landläufig wird es als Glückshormon bezeichnet. Ein gestörtes Serotonin-Gleichgewicht findet sich u. a. bei psychischen Störungen wie Depressionen, Zwangserkrankungen und Angststörungen.[16]
Damit genügend Serotonin produziert wird, benötigt der Körper die essentielle Aminosäure Tryptophan, die mit der Nahrung aufgenommen werden muss. Walnüsse beispielsweise verfügen über viel Tryptophan. Der Darm spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufnahme und bei der Verstoffwechselung von Tryptophan. Ein gesundes Mikrobiom ist aus diesen Gründen eine Voraussetzung, um eine effiziente Verarbeitung von Tryptophan sicherstellen zu können.[17]
Früher war der Fokus der Darmforschung vor allem auf Verdauung und Ernährung gerichtet. Inzwischen belegen zahlreiche Studien, dass das Darmmikrobiom – als Gast – nicht nur an der Verdauung beteiligt ist, sondern auch bei der Produktion von Vitaminen und kurzkettigen Fettsäuren, bei der Regulation des Immunsystems und sogar bei Prozessen beteiligt sein kann, welche das emotionale Befinden beeinflussen. Aus all diesen Gründen werden dem Mikrobiom umfassende Aufgaben zu gesundheitlichem Befinden zugeschrieben.[18]
Die einzelnen Teile des Darms und deren Bakterienstämme
Der Dickdarm des Menschen mit seinen Abschnitten:
Blinddarm mit Wurmfortsatz
Aufsteigendes Colon
Quercolon
Absteigendes Colon
Colon sigmoideum
Mastdarm
Der Darm schließt an den Magenausgang an und besteht vereinfacht gesagt aus den beiden Hauptteilen, dem Dünndarm und dem Dickdarm. Ersterer lässt sich in Zwölffingerdarm (Duodenum), Leerdarm (Jejunum) und Krummdarm (Ileum) unterteilen. Der Dickdarm untergliedert sich in Blinddarm (Zökum) mit dem Wurmfortsatz (Appendix vermiformis) , Grimmdarm (Kolon) und Mastdarm (Rektum).
Genau genommen beherbergt der Darm eines gesunden Erwachsenen in etwa 100 Billionen Bakterien. Interessanterweise setzt sich diese enorme Zahl nach wissenschaftlichem Konsens aus nur 500–1000 verschiedenen Bakterienarten zusammen, die wiederum nur vier verschiedenen Abteilungen, sogenannten „Phyla“, zugeordnet werden: Firmicutes, Bacteroidetes, Proteobacteria und Actinobacteria.
Entlang des Darmes findet man in den verschiedenen Darmabschnitten unterschiedliche Bakterienstämme.
Dünndarm
Obwohl im Dünndarm nur ein kleiner Teil der gesamten Bakterien des Mikrobioms lebt (über 90 % befinden sich im Dickdarm), findet man hier in wichtigen Funktionen die Lactobazillen, wie z. B. Lactobacillus acidophilus. Sie sorgen durch die Produktion von Milchsäure für eine Stabilisierung des pH-Wertes. Kippt der pH-Wert im Dünndarm, kann dies einen Ausbruch von Pathogenen (beispielsweise von Darmpilzen) zur Folge haben.
Ein weiteres Merkmal vieler Lactobazillen ist deren Umwandlung von Tryptophan-Molekülen in immunologisch wirksame Elemente. Die kleinen Milchsäurebakterien stellen also einen festen Bestandteil eines funktionierenden Immunsystems dar – eine Verdrängung hat schwerwiegende Folgen.[11]
Dickdarm
Der Dickdarm des Menschen kann als ein kleiner Bioreaktor gesehen werden. Billionen von Bakterien fermentieren hier Ballaststoffe zu essentiellen Mikronährstoffen. Das Bifidobacterium Bifidum ist im Grimmdarm ein wichtiges Bakterium. Qualitativ hochwertige Studien belegen eine Rolle von Bifidobacterium Bifidum bei der Prävention des Reizdarmsyndroms und chronisch entzündlicher Darmerkrankungen, bei der Stabilisierung des Cholesterinspiegels, der Linderung von allergischen Symptomen, der Verbesserung des Hautbildes, der Verminderung des psychischen Stressempfindens, als auch beim Schutz vor freien Radikalen. Bifidobacterium Bifidum gehört zusammen mit weiteren wichtigen probiotischen, colonassoziierten Keimen wie z. B. Bifidobacterium Breve, Levilactobacillus brevis, Enterococcus durans oder Lactobacillus Rhamnosus zu den sogenannten „Leitkeimstämmen“. Diese Zuordnung bedeutet, dass sie essentiell am Aufbau einer gesunden und funktionierenden Darmflora beteiligt sind und dafür sorgen können, dass sich auch zahlreiche andere Keime, die für den Stoffwechsel wichtig sind, im Darm vermehren.[11]
Heilsames Einwirken auf das Mikrobiom
Präventiv sowie bei bereits bestehendem Ungleichgewicht bezüglich der Art und Anzahl der Mikroorganismen des Darmes (Dysbiose) empfiehlt sowohl die Wissenschaft als auch die Naturheilkunde eine ballaststoffreiche Ernährung aus Obst, Gemüse und Vollkornprodukten sowie fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Joghurt und Kefir. Ebenso wirken regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und die Vermeidung von Stress heilsam auf die Darmgesundheit.[19]
Präbiotika
Speise mit Getreidebratlingen, Karotten und Salat. Sie ist reich an Ballaststoffen (präbiotisch)
Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Vollkornprodukte beinhalten nebst verwertbaren Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten auch unverdauliche Nahrungsbestandteile, sogenannte Ballaststoffe. Für diese Kohlenhydratketten fehlen dem Menschen die geeigneten Enzyme. In der Fachsprache werden diese unverdaulichen Fasern als Präbiotika (unverdauliche Ballaststoffe) bezeichnet. Sie unterstützen indirekt den Wirt, da sie die Aktivität und das Wachstum von nützlichen Bakterien fördern. Sie sind Nahrung für den Gast, der im Gegenzug das Immunsystem unterstützt, Vitamine und kurzkettige Fettsäuren produziert und durch seine Population krankmachenden Mikroorganismen keinen Raum gewährt. Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass übermäßiger Verzehr von probiotischen Nahrungsmitteln bei manchen Menschen Verdauungsbeschwerden wie Blähungen oder Durchfall verursachen kann.
Fermentierte Produkte und Probiotika
Sauerkrautsalat mit Karotten
Fermentierte Milchprodukte wie Joghurt, Kefir, Buttermilch, Sauermilch, saure Molke, Skyr, Ayran, fermentiertes Gemüse wie Sauerkraut oder allgemein milchsauer eingelegtes Gemüse, Kimchi sowie die aus dem Osten bekannten fermentierten Sojaprodukte wie Miso und Tempeh enthalten lebende Mikroorganismen wie Milchsäurebakterien. Sie bieten, wenn sie in ausreichenden Mengen konsumiert werden, Vorteile für den Wirt. Diese als probiotisch bezeichneten Lebensmittel sind heilsam für das Mikrobiom, da sie die Anzahl der nützlichen Bakterien im Darm erhöhen. Diese hinzugefügten Mikroorganismen können Ungleichgewichte korrigieren und ein gesundes Mikrobiom aufrechterhalten bzw. fördern.[20]
Auch naturtrüber Apfelessig, Kombucha und bestimmte Käsesorten wie Cheddar, Gruyère, Gouda, Mozzarella und Parmesan sind probiotisch, sofern sie nicht pasteurisiert wurden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Probiotika nicht immer vorteilhaft sind und in bestimmten Fällen – wie bei immungeschwächten Personen oder nach einer Antibiotikabehandlung – potenziell schädlich sein können.[21]
Wissenschaftliche Studien zu Probiotika
Betreffend probiotischer Nahrungsmittel und Nahrungsmittelergänzungen mit Probiotika bestehen in der Wissenschaft auch Zweifel. Zum einen sei der Nutzen nicht wissenschaftlich genug gesichert. Zum anderen belegt eine Studie von 2018 aus den USA an 42 Probanden, dass sogar das Gegenteil der Fall sei. Es wurde eine bakterielle Überwucherung im Dünndarm festgestellt, welche übermäßig D-Milchsäure produziere und eine Laktatazidose fördern kann. Der Studie ist zu entnehmen, dass die Probanden Nahrungsmittelergänzung in Form von Probiotika zu sich genommen haben, nicht probiotische Nahrungsmittel.[22]
Ein weiterer Zweifel gegenüber probiotischen Nahrungsmitteln besteht darin, ob die lebendigen Mikroorganismen die Magensäure passieren, ohne zu sterben. Das Ergebnis von vor allem englischsprachigen Studien belegten, dass ein Teil der Milchsäurebakterien aus fermentierten Milchprodukten (einschließlich der Buttermilch) in der Lage ist, die Magensäure unter Verdauungsbedingungen zu überstehen – das Ausmaß des Überlebens hängt aber stark vom Bakterienstamm und vom Produkt ab.[23]
Eine andere Studie hält fest, dass einige Stämme die „Magenstrecke“ recht gut überleben, andere deutlich schlechter; der Nahrungsmatrix „fermentierte Milch“ kommt dabei eine schützende Rolle zu.[24] Bei der Vereinigung für angewandte Mikrobiologie findet sich die Aussage: „Lactobazillen (Milchsäurebakterien) können den niedrigen pH-Wert im Magen tolerieren.“[25]
Zu erwähnen ist, dass bei probiotischen Nahrungsmitteln nicht nur von Bedeutung ist, ob nun die lebendigen Bakterien in den Darm gelangen oder nicht. Wesentlich ist vielmehr der Prozess der Milchsäuregärung und schließlich das Endergebnis, dass in diesen Nahrungsmitteln Milchsäure vorhanden ist. Das Nahrungsmittel ist nicht mehr das Gleiche wie zuvor. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um probiotische Milch-, Bohnen- oder Gemüseprodukte oder um nicht probiotische Nahrungsmittel wie Sauerteig-, Backferment- oder Honig-Salz-Brot handelt.
Michsauervergorene Nahrungsmittel
Backferment-Brot Auch wenn nach dem Backvorgang keine Milchsäurebakterien mehr vorhanden sind, ist die entstandene Milchsäure von wesentlicher Bedeutung für den ph-Wert des Darms und das AcetatBewegung in der Natur wirkt heilsam auf die Darmbewegung
Bei Bildung der Milchsäure wird das Lebensmittel gesäuert. Dies hemmt Verderbniserreger in ihrer Aktivität oder tötet sie ab. Beispielsweise sind bei milchsauervergorenen Gemüsen die produzierten Vitamine bedeutsam, bei Sauerteigbroten die nebst der Milchsäure produzierte Essigsäure (Acetat). Studien zeigen, dass Acetat dazu beiträgt, dass der Blutzuckerspiegel nach dem Essen langsamer und weniger stark ansteigt.[26]
Auch ist die entzündungshemmende Wirkung von Acetat hervorzuheben. Die Fermentation beispielsweise bei einem Backferment-Brot erzeugt zusätzlich andere bioaktive Verbindungen wie phenolische Verbindungen und bioaktive Peptide, die ebenfalls antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften haben. Diese synergistische Kombination bewirkt einen stärkeren Gesamteffekt auf die Hemmung von entzündlichen Reaktionen als reines Acetat, das beispielsweise durch Apfelessig einer Speise zugeführt wird.[27]
Das Endergebnis, die Milchsäure, auch wenn in ihr keine lebenden Mikroorganismen mehr vorhanden sind, ist dennoch von zentraler Bedeutung. Neben dem, dass es eine Art von Vorverdauung ist, sorgt die von Bakterien produzierte Milchsäure für einen günstigen pH-Wert, regt die Darmbewegung an und stärkt die Darmschleimhaut. Die Milchsäure ist aus diesen Gründen für das Mikrobiom äußerst heilsam. Darüber hinaus dient sie der Energiegewinnung in Muskeln, Leber und roten Blutkörperchen.[28]
Bewegung und Entspannung
Nicht nur das, was wir durch Nahrung zu uns nehmen, wirkt nach wissenschaftlicher und naturheilkundlicher Übereinstimmung heilsam auf das Mikrobiom. Auch ein gutes Maß an Bewegung in der Natur, in den Bergen oder allgemein Fitness hat einen förderlichen Einfluss auf die Verdauung und die Peristaltik des Darms, der die zu uns genommene Nahrung über ca. 6 m hinweg kontinuierlich bewegen muss, bis es schließlich zur Ausscheidung kommt.
Entspannt zu sein bzw. die Fähigkeit, sich entspannen zu können, hat ebenfalls einen Einfluss auf die autonom vor sich gehenden Leistungen im Verdauungsapparat. Von wissenschaftlicher und naturheilkundlicher Seite werden Meditation und Yoga sowie auch anderes mentales Training empfohlen.[29]
Darm-Hirn-Achse
Grafik zur Mikrobiom-Verbindung von Darm und Hirn (Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse)
Das Zusammenspiel zwischen Darm und Gehirn – die Mikrobiom-Darm-Hirn-Achse – gilt heute als zentrale Brücke zwischen Verdauung, Immunsystem, Nerven- und Hormonsystemen. Aktiv beteiligt sind Mikroorganismen des Darmtrakts, deren Stoffwechselprodukte sowie Nervensignale über das enterische Nervensystem und den Vagusnerv eine Wirkung entfalten.
Der Mechanismus ist wissenschaftlich wie folgt dargestellt: Darmmikroben produzieren Metabolite wie kurzkettige Fettsäuren (SCFAs), Neurotransmittervorläufer, Hormone und Immunmodulatoren, die in das Blut gelangen oder über Nervenbahnen wirken. Der Darm fungiert über das enterische Nervensystem und den Vagusnerv als „zweites Gehirn“. Das zentrale Nervensystem reguliert über Stressachsen (z. B. HPA-Achse) sowie über autonome Nerven auch die Darmfunktion, Peristaltik und Barrierefunktion, wodurch sich das Mikrobenumfeld verändert.[30]
Der italienische Gastroenterologe Antonio Gasbarrini (Universität Rom, Gemelli Hospital) beschreibt diese Erkenntnis anhand von Tierstudien:
„Wenn man das Mikrobiom einer depressiven Person auf eine Maus überträgt, wird die Maus depressiv.“[31]
Eine Kolonisation mit Candida albicans kann ebenfalls über Toxine und Entzündungen das Nervensystem beeinflussen. Tierstudien zeigen, dass betroffene Mäuse erhöhte Angstreaktionen aufweisen.
Zusammenfassend kann im wissenschaftlichem Konsens festgehalten werden, dass das, was im Mikrobiom vor sich geht, auf unser emotionales Wohlbefinden einen großen Einfluss hat.[32]
Dysbiose und Krankheit
Besteht im Darm eine Dysbiose, kann in der Folge leichter ein Krankheitszustand eintreten. Eine Dysbiose ist ein Ungleichgewicht der Mikrobengemeinschaft im Mikrobiom, bei dem krankheitserregende Keime überhandnehmen, während nützliche Bakterien unterrepräsentiert sind.[33]
Wissenschaftliche Forschung hat über die letzten Jahrzehnte festgestellt, dass bei vielen Krankheiten, nicht nur bei Darmerkrankungen, auch immer eine mehr oder weniger deutliche Dysbiose vorliegt. Ob die Dysbiose die Krankheit auslöst oder umgekehrt, ist derzeit Gegenstand der Forschung.[34][35]
Sicht aus geistiger Forschung
Heinz Grill
Zum Verdauungssystem
Heinz Grill sieht aus geisteswissenschaftlicher Sicht das gesamte Verdauungssystem als „feinstoffliches Kommunikationssystem“. Aus den Kräftewirkungen, die in der Tiefe des Bauchraumes ruhen, entwickelt sich – nach seinen Forschungen – „wohl immer ein zukünftiger vollkommenerer Mensch“.
„In der Tiefe des Bauchraumes ruhen und arbeiten zugleich große, unfassbare Weltenprozesse, und es entwickelt sich aus allen Stoffwechselprozessen, dem Anabolismus und Metabolismus, wohl immer ein zukünftiger, vollkommenerer Mensch. Das tiefe Organsystem erscheint für den geübten Betrachter im Lichte von Planeten und Planetenprozessen, die eine zukunftsweisende Wirkung auf das Leben ausüben. Die menschliche Gestalt trägt in ihren Organen, wie bereits in den bisherigen Ausführungen erwähnt, die Planeten im Inneren. Mit diesen Planeten trägt aber der Mensch nicht materielle Himmelskörper im Inneren, sondern er trägt Kräfte, Kräfteströme oder noch besser gesagt geistige Wirkungsdimensionen, geistige, unsichtbare Energiefelder im Körper, die die sichtbare Manifestation in der Struktur erhalten und die dem Bewusstseinsleben eine präzise Form geben.“[36]
Heinz Grill (2018): Kosmos und Mensch, S.282, Stephan Wunderlich Verlag, ISBN 978-3-9815855-6-8.
In einem anderen Kontext wird erwähnt, was im äusseren Umfeld stattfindet, das „gleitet in die Tiefe des Bauchraumes hinein“. Der Bauchraum ist in diesem Sinne ein „wahrer Empfangsapparat“ des äusseren Milieus. Auf den Dünndarm bezogen weist Heinz Grill auf eine wichtige Zweiheit hin. Einerseits sind Kräfte da, die den Menschen in das karmische Dasein hinunterführen. Andererseits werden ihm aber auch Kräfte zur Verfügung gestellt, die ihn erheben und aus dem karmischen Schicksalsgefüge herausheben wollen.
„Das, was in der Tiefe des Bauchraumes vor sich geht, das ist in gewisser Weise ein Ausdruck der Willenssphäre, die um uns herum gelagert ist. Durch die Art und Weise des gesamten moralischen Umgehens, durch die Kommunikation, durch die verschiedene Art der Bewegung, die Menschen zueinander machen, gibt es tatsächlich unter Menschen eine Willenssphäre. Diese Willenssphäre ist um uns herum gelagert. Sie spiegelt sich genau wider in das Verdauungssystem und bewirkt dort in der Tiefe die Bewegung, dass der Mensch auf der einen Seite Kräfte erhält, und das zeigt wieder die Polarität des Dünndarms an, die ihn zum Erdendasein führen, zum karmischen Dasein und ihm auf der anderen Seite aber auch Kräfte zur Verfügung stellen wollen, die ihn erheben, die ihn herausheben wollen.“[37]
Heinz Grill (2020): Das Wesen der Erschöpfung, S. 16, Synthesia Verlag, ISBN 978-3-941995-96-3.
Hinsichtlich der Ernährung weist Heinz Grill auf die mit der Nahrung verbundenen Toxine hin. Dabei sind nicht die nachweisbaren Toxine gemeint, sondern metaphysisch gesehene Toxine, die mit den Nahrungsmitteln verbunden sind und die den Menschen als freies Individuum in der Folge ungünstig an die Tätigkeiten der irdischen Sphäre binden. Es können sich dann die notwendigen Willenskräfte zur Gesunderhaltung nicht entwickeln. In der Folge entsteht ein Milieu im Darm, in welchem sich krankmachende Mikroorganismen ansiedeln können.
„Gerade im Dünndarm findet diese geheimnisvolle, polare Alchemie statt, dass auf der einen Seite gerade in den Lymphwegen der Weg tiefer hinab in die Materie geschieht, aber durch gesunde und gute Resorptionsleistung, durch Nahrungsaufbereitung der Mensch sich erheben kann in seinem gesamten Selbstgefühl, in seinem Ich-Gefühl und er ein immer gesünderer, denkenderer, reiferer, fühlenderer, lebendigerer, freudigerer Bürger der verschiedensten Welten wird. Die Nahrung selbst muss den Menschen, obwohl sie ihm eine Willensanforderung gibt, erheben. Das, was aber an die Nahrung gebunden ist, was nicht nur nachweisbare Toxine sind, sondern was oftmals ganz geheimnisvolle, aus der fehlenden Moralität kommende Toxine, ganz geheimnisvolle Giftstoffe sind, wird ihm über den Lymphweg zum Verhängnis und über den Lymphweg bindet er sich schließlich an die irdische Sphäre. Die Enteropathie, die entzündliche Neigung des Dünndarms, spricht sich eigentlich geradewegs dahingehend aus, dass das Umfeld des Menschen ungünstigerweise in den Bauchraum hineingespiegelt ist und sich auf diese Weise die Willenskräfte zur wesentlichen Verlebendigung und Gesunderhaltung nicht entwickeln können. Viele Mykosen, die gerade dort auch den Angriffspunkt finden, zeigen an, dass die Seele nicht ausreichend lichterzeugend aktiviert werden kann und somit sich ein Milieu ergibt, das beständig belastende und schwächende Tendenzen auf das Immunsystem bildet.“[38]
Heinz Grill (2020): Das Wesen der Erschöpfung, S. 16, Synthesia Verlag, ISBN 978-3-941995-96-3.
Heilansatz für das Mikrobiom über die Ernährung
Nicht nur das was wir an Nahrungsmitteln zu uns nehmen, vielmehr auch die Art der Zubereitung kann aus geisteswissenschaftlicher Sicht heilsam wirken. Ein Aspekt der weiter oben erwähnten Toxine, die als geheimnisvolle“ Toxine bezeichnet worden sind und das Ideal „frei von den eigenen Körperkräften seine Weisheit“ zu gebrauchen lernen, werden näher umschrieben.
Karotten und ihr Bezug zum Licht bei der Zubereitung eines Salates hervorbringen„Das Feuer des Gasherdes kocht den Reis, das Getreide oder das Gemüse. Das Brot geht durch den Sauerteig oder die Fermentierung auf. Das Aroma von Gewürzen führt die feine Abschmeckung der Speisen während des Kochprozesses oder auch an dessen Ende herbei. Nachdem das Getreide ausreichend das Wasser im Kochtopf aufgenommen hat, quillt es noch einmal und schlüsselt sich dadurch noch besser auf. Alle diese Prozesse laufen in einer geordneten Folge und fügen sich in einer entsprechenden natürlichen Ordnung zueinander. Sie werden durch die dienenden, führenden und gestaltenden Hände des Kochs zur rechten Zeit in Bewegung gesetzt. Die Aufmerksamkeit für die zu verrichtenden Arbeiten ist von gezielten Gedanken und idealen Vorstellungen begleitet. Das Kochen ist eine künstlerische, geführte und doch sehr freie produktive Tätigkeit. Es ist eine Arbeit aus dem Wissen und erfordert die Kraft, die Nahrung, die zubereitet wird, nicht mit den eigenen Emotionen oder einem persönlichen Ergreifen in Besitz zu nehmen. Man sollte frei von den eigenen Körperkräften seine Weisheit gebrauchen lernen. Die Nahrung wird durch die Weisheit gestaltet und im rechten Maße der Hitze und dem Wasser übergeben, so dass die Elemente, die mit den Ätherkräften in Verbindung stehen, für sich arbeiten können und das Essen nicht aus der persönlichen, sondern aus der höheren Weisheit zubereitet wird."[39]
Heinz Grill: Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. Die geistige Bedeutung der Nahrung. S. 159, 9. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-2-0
Wie oben bereits aus Sicht der Wissenschaft dargestellt wurde, nimmt die Milchsäure im Darm eine zentrale Rolle hinsichtlich des ph-Wertes ein. Im Darm sind sowohl die Lactobazillen als auch das Bifidobacterium Bifidum stark vertreten. Beide produzieren Milchsäure. Der Milchsäure räumt Heinz Grill aus geisteswissenschaftlicher Schau in vielerlei Hinsicht eine bedeutsame Rolle ein.
„Die Kieselsäure, die den Lichtstoffwechsel aktiviert, und die Milchsäure, die im inneren menschlichen Organismus eine bedeutsame Rolle einnimmt, gehören in einem gewissen Sinne nahe zusammen. Beide Stoffe besitzen, trotz ihrer großen chemischen Unterschiedlichkeit, eine Affinität oder zumindest eine Art Beziehung zueinander. Diese Beziehung kann auf den ersten Blick vielleicht dahingehend verstanden werden, dass die Milchsäure und die verschiedenen Milchsäurebakterien ein sehr günstiges und gesundes Milieu im Intestinum vorbereiten. Dieses günstige Milieu wirkt auf den ganzen Menschen gesundheitsfördernd und kann ihm eine, wie es der Gesundheit entspricht, schöne lichtvolle Ausstrahlung geben. Fehlt auf der anderen Seite dieses gesunde Niveau im unteren Bauchbereich, dort, wo sich die Verdauung mit einem intensiven Aufbauprozess befindet, so bilden sich die verschiedensten Fäulniserreger und verdunkeln in einer gewissen Weise den gesamten Organismus. ThanksDie Krankheit ist eine häufige Erscheinung eines bestehenden ungünstigen Niveaus in der Dünndarmflora. Durch diesen Zusammenhang lässt sich bereits erstmals erkennen, dass eine Beziehung zwischen der menschlichen Ausstrahlung, die normalerweise hell und kristallklar, das heißt kieselfreudig, sein sollte, und dem innersten Verdauungsniveau, das gesund, kräftig und von einem ausgeglichenen und nicht zu sauren oder gar toxikologischen Niveau getragen sein darf, besteht. Die Milchsäure, obwohl als Säure gegeben, bewirkt im gesamten Organismus nicht unbedingt ein saures Niveau, sondern wirkt im Allgemeinen sehr ausgleichend und antibakteriell.“[40]
Heinz Grill (2020): Die Milchsäure und ihre Bedeutung für die Gesundheit, S.5f., Stephan Wunderlich Verlag.
Entsprechend den Gesichtspunkten des Yoga ist die Lokalisation eines Energiezentrums immer in Verbindung mit den entsprechenden Organen dieser Region. Das zweite Energie Zentrum, das mit Sanskrit Name als svādhişthāna-cakra benennt wird zeichnet die physischen Abläufe des Dünndarms. Durch geistige Schulung werden die seelischen Fähigkeiten, die einem Energiezentrum entsprechen entwickelt und mit spezifischen Übungen bis in das Körperliche hinein ausgestaltet. Von der geisteswissenschaftlichen Sichtweise besteht die Möglichkeit von oben nach unten oder vom Bewusstsein in die leiblichen Regionen hineinzuarbeiten.
Gedrehte Kopf Knie Stellung"Zu der Ausdehnung der Wirbelsäule in die Vorwärtsflexion kommt mit der Drehung eine kontraktive Bewegungsform hinzu. Die untere und mittlere Wirbelsäule muss sich in Folge der Drehung wieder nach unten sammeln, damit sich der Oberkörper frei öffnet." (aus: Kosmos und Mensch)„Das, was im Dünndarm vor sich geht, ist im allereminentesten Sinne mit dem Immunsystem verwandt. Wenn wir den Dünndarm gesund halten können und in einer aufsteigenden Kraftdynamik fördern, dann dürfen wir mit guter Hoffnung davon ausgehen, dass wir eine bessere Immunlage hervorrufen. [...] Wenn das zweite Zentrum anlagebedingt geschwächt ist, dann werden wir in der Regel auch eine Schwächung in dieser gesamten Region des Dünndarms vorfinden. Meistens ist aber über einige Jahre hinweg durch bestimmte allgemeine Ernährungsschwächen, Haltungsschwächen und viele Störungen, die auferlegt sind, die in das Leben hereinbrechen, diese Schwächung immer weiter fortgeschritten, sodass wir diese Schwächung plötzlich dann zu einem Zeitpunkt vorfinden, an dem sie schon wie eine feststehende Anlage erscheint. Wir können aber entsprechend mit naturheilkundlichen Methoden und ganz besonders auch mit den Möglichkeiten, die die Geistschulung bietet, insbesondere mit den Yogaübungen, sehr günstige Resultate erzielen, die die Region dieses zweiten Zentrums beleben. Wenn wir die Übungen ausführen, die dem svādhişthāna-cakra unterliegen und sie sehr sorgfältig nehmen, dann können wir mit Hilfe dieser Einflüsse jene Kräfte erzeugen, die ein lebenskräftiges Fließen darstellen und auf der anderen Seite gleichzeitig wieder eine gesunde Ruhe auf den gesamten Menschen werfen. Wir können förmlich in dieses Gebiet mit Hilfe exakt gewählter Übungen hineinarbeiten, dass wir genau genommen diese Polarität entwickeln, in der Ruhe, Festigkeit, Verbindung und gleichzeitige sinnesfreudige, spürende Dynamik, fließende, lebendige Durchgestaltung gefördert werden.“[41]
Heinz Grill (2020): Das Wesen der Erschöpfung, S. 17f., Synthesia Verlag, ISBN 978-3-941995-96-3.
Rudolf Steiner
Einfluss des Denkens auf den Verdauungsbereich
Aus geisteswissenschaftlicher Sicht wird seitens Rudolf Steiners beschrieben wie Denken und Darm im Zusammenhang stehen. Die ordnende Kraft der Imagination wird hierbei erwähnt. In mehreren Vortragsreihen beschreibt er, dass der Mensch über seine bewusste, schöpferische Denktätigkeit in lebendiger Beziehung zu den organischen Kräften seines Leibes steht. Geistig-seelische Aktivität – besonders bildhaft-imaginatives Denken – wirkt nicht nur im Gehirn, sondern reicht in den sogenannten Ätherleib hinein, der Träger aller Lebensprozesse ist.
„Das Denken, wenn es lebendig gepflegt wird, ist nicht bloß ein Spiegelbild der Welt, sondern eine Kraft, die in den Ätherleib des Menschen hineinbildet und dort ordnend wirkt.“[42]
— Rudolf Steiner, Anthroposophie, Psychosophie, Pneumatosophie (GA 78, Vortrag vom 5. Dezember 1911)
Nach Rudolf Steiner wirken Gedankenformen, die klar, ruhig und bildhaft gefasst sind, harmonisierend auf den Stoffwechsel- und Verdauungsbereich, während unklare, zersplitterte Gedanken den inneren Rhythmus stören. Der Mensch sei seinem Körpergeschehen daher nicht ausgeliefert, sondern könne durch bewusstes, geistvolles Denken in seine physiologische Ordnung eingreifen.
„Das Denken, wenn es innerlich aktiv gehalten wird, wirkt bis in den Stoffwechsel hinein. Die chaotischen Kräfte des Stoffwechsels werden durch das klare Denken geordnet.“[43]
— Rudolf Steiner, Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft (GA 293, 1907)
Diese Vorstellung entspricht – wie dies auch in der Literatur von Heinz Grill ersichtlich ist – einer umgekehrten Richtung der Darm-Hirn-Achse: Während die Biowissenschaft bislang sehr umfänglich ausgearbeitet hat, dass der Darm das Gehirn beeinflusst, beschreibt Rudolf Steiner, wie auch der umgekehrte Weg vor sich gehen kann – klares Denken wirkt gesundend auf die vegetativen Prozesse. Das Denken sei „eine Art seelisch-geistige Verdauung“, durch die das Bewusstsein die Kräfte des Körpers durchlichtet und formt.
„Wenn der Mensch nicht denkend tätig ist, überlässt er sich dem vegetativen Leben. Indem er im Denken wach bleibt, durchdringt er den Leib mit dem ordnenden Lichte seines Ich.“[44]
— Rudolf Steiner, Geisteswissenschaftliche Menschenkunde und Pädagogik (GA 312, Vortrag vom 24. August 1920)
In diesem Sinne entsteht ein ganzheitliches Bild: Nicht nur der Darm beeinflusst das Gehirn, sondern der Mensch kann durch bewusstes Denken, Imagination und moralisch-geistige Aktivität von oben her auf die Lebensprozesse des Stoffwechsels einwirken.
Neuere Studien belegen, dass geistige Zustände wie Achtsamkeit, Meditation oder imaginatives Vorstellungsvermögen tatsächlich neurovegetative und immunologische Prozesse beeinflussen können, etwa über den Vagusnerv und die Regulation der Darmbarriere.[45]
Einzelnachweise
↑„Das Wort Imagination bedeutet nicht Einbildung und hat auch nicht sehr viel mit Phantasie zu tun. Rudolf Steiner prägte den Begriff für eine Form des Denkens, das bildhaft ist und in lebendigem seelischen Zusammenhang steht. Dieses bildhafte Denken ist nicht nur typischerweise intellektuell, sondern beziehungsfreudig und schließt seelische und geistige Wahrheiten in die Betrachtung mit ein. Imaginationen stellen deshalb seelisch reale, inhaltliche Darstellungen zur Verfügung.“ Heinz Grill: Übungen für die Seele. 3., erweiterte Auflage. Synergia Verlag, 2022, ISBN 978-3-906873-33-6, S. 182.
↑Mikrobiom. In: DocCheck Flexikon. Abgerufen am 23. November 2025.
↑Heinz Grill (2018): Kosmos und Mensch, S.282, Stephan Wunderlich Verlag, ISBN 978-3-9815855-6-8
↑Heinz Grill (2020): Das Wesen der Erschöpfung, S. 16, Synthesia Verlag, ISBN 978-3-941995-96-3
↑Heinz Grill (2020): Das Wesen der Erschöpfung, S. 16, Synthesia Verlag, ISBN 978-3-941995-96-3
↑Heinz Grill: Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. Die geistige Bedeutung der Nahrung. S. 159, 9. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-2-0
↑Heinz Grill (2020): Die Milchsäure und ihre Bedeutung für die Gesundheit, S.5f., Stephan Wunderlich Verlag
↑Heinz Grill (2020): Das Wesen der Erschöpfung, S. 17f., Synthesia Verlag, ISBN 978-3-941995-96-3
↑Rudolf Steiner, Anthroposophie, Psychosophie, Pneumatosophie (GA 78, Vortrag vom 5. Dezember 1911)
↑Rudolf Steiner, Die Erziehung des Kindes vom Gesichtspunkte der Geisteswissenschaft (GA 293, 1907)
↑Rudolf Steiner, Geisteswissenschaftliche Menschenkunde und Pädagogik (GA 312, Vortrag vom 24. August 1920)