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* Pratyahara
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'''Pratyahara''' ist die 5. Stufe oder Glied der insgesamt acht Stufen des Ashtanga Yoga oder [[w:Raja Yoga|Raja Yoga]] (achtgliedriges Yoga), wie dies von [[w:Patanjali|Patanjali]] in einem der ältesten überlieferten Werke über Yoga, dem Yoga-Sutra beschrieben wurde. Es folgt auf das [[w:Pranayama|Pranayama]] (4. Stufe, die Beherrschung des Atems) und führt zum [[w:Dharana|Dharana]] (6. Stufe, Konzentration) und [[w:Dhyana|Dhyana]] (7. Stufe, Meditation). Es geht um die [[w:Disziplinierung|Disziplinierung]] der [[w:Sinne|Sinne]] (Indriya, „Fühler“), wie Geschmack, Sehen, Hören, Riechen, Fühlen und des Geistes durch ein Sich-nach-innen-Richten.<ref>[[B. K. S. Iyengar|Bellur Krishnamachar Sundararaja Iyengar]]: ''Licht auf Yoga. Das grundlegende Lehrbuch des Hathha-Yoga.'' Nikol-Verlag, Hamburgh 2013, ISBN 978-3-86820-175-8, S.&nbsp;39–41</ref>
Durch diese Internalisierung des [[w:Bewusstseins|Bewusstseins]] sollen Sinneseindrücke allgemein bewusster und kontrollierbarer werden. Durch regelmäßiges Üben wird so die Durchführung weiterer Stufen erleichtert. Es handelt sich aber nicht um eine Beschränkung der Sinne, im Gegenteil soll der Geist zur Wahrnehmung von Feinheiten geschult werden, die den Sinnen sonst verborgen blieben.
Auf fortgeschrittenem Niveau wird auch gelehrt, wie die Aktivität der [[w:unwillkürlichen Muskulatur|unwillkürlichen Muskulatur]] beeinflusst werden kann. Diese Techniken gehen fließend in das Pranayama über. Eine andere Technik des Pratyahara ist die Konzentration auf den Punkt zwischen den Augenbrauen, das Ajna-Chakra ([[w:drittes Auge|drittes Auge]]).
Aus geistiger Sicht hat das Üben von Pratyahara nicht nur Auswirkungen auf das Bewusstsein des Übenden, sondern wirkt gleichzeitig befreiend auf das Betrachtungsobjekt, sodass sich dieses immer mehr in seiner wahren Gestalt offenbaren kann. (…)
== Definition und Herkunft von Pratyahara ==
Pratyahara ([[y:Sanskrit|Sanskrit]]: प्रत्याहार pratyāhāra m.) Zurückziehung (der Truppen aus der Schlacht), Rückzug; Auflösung, Vernichtung (des Geschaffenen); Zurückziehen der Sinne (Indriya) von ihren Objekten ([[y:Vishaya|Vishaya]]), fünftes Glied des [[y:Ashtanga Yoga|Ashtanga Yoga]] ([[y:Raja Yoga|Raja Yoga]]) Systems; das "Zurückhalten des Mondnektars" (im [[y:Goraksha Shataka|Goraksha Shataka]]).
Pratyahara ist ein Begriff aus dem klassischen [[y:Raja Yoga|Raja Yoga]] und bezeichnet den Rückzug der Sinne. Im [[y:Yoga Sutra von Patanjali|Yoga Sutra von Patanjali]], einem der ältesten Texte des [[y:Yoga|Yoga]], wird Pratyahara als fünfter Schritt auf dem achtgliedrigen Pfad beschrieben. Es geht darum, die Aufmerksamkeit von den äußeren Sinneseindrücken abzuziehen und bewusst nach innen zu lenken.
[[Datei:African_helmeted_turtle_(Pelomedusa_subrufa).jpg|alternativtext=|rechts|513x513px|„Wer die Sinne von den Gegenständen der Sinne zurückzieht, so wie die Schildkröte ihre Glieder in ihren Panzer einzieht,- dessen Einsicht ruht auf starkem Fundament in der Weisheit.“<ref>Sri Aurobindo: ''Bhagavadgita.'' 4. Auflage. Verlag Hinder + Deelmann, Gladenbach (Hessen) 2005, ISBN 3-87348-163-4, S. 20.</ref>]]
Raja Yoga, der „königliche Yogaweg“, umfasst acht Stufen, die dich Schritt für Schritt zur Meisterschaft über den Geist führen. Neben ethischen Grundlagen ([[y:Yamas|Yamas]] und [[y:Niyamas|Niyamas]]), körperlichen Übungen ([[y:Asanas|Asanas]]) und Atemtechniken ([[y:Pranayama|Pranayama]]) gehört Pratyahara zu den entscheidenden Schritten, um in die [[Meditation]] einzutauchen.
Patanjali schreibt:
:„Wenn die Sinne nicht in Kontakt mit den Objekten treten, und gleichsam in die Natur des Geistes eingehen, dann entsteht Pratyahara – Zurückziehen der Sinne. So entsteht die höchste Meisterschaft über die Sinne.“
== Die Entwicklung der Sinnesorgane ==
Die Sinnesorgane dienen dem Wahrnehmen und der Orientierung in der Außenwelt und entwickeln sich sowohl pränatal als auch in den ersten Lebensjahren:
:„Auch wenn gesunde Kinder bereits mit einem voll entwickelten Sinnessystem auf die Welt kommen: Seine Funktionsfähigkeit wird erst durch die ständige Inanspruchnahme verbessert. Die Verbindung mehrerer Sinneserfahrungen zu einem umfassenden Eindruck kommt durch tägliches Üben zustande.“<ref>[https://www.herder.de/kk/fachwissen/sinnliche-wahrnehmung/ ''Sinnliche Wahrnehmung U3.''] In: Kleinstkinder in Kita und Tagespflege.'' Abgerufen am 11. November 2025.</ref>
Über die körperlichen Sinnesorgane nimmt der Mensch die physisch-sinnliche Welt wahr. Aus einer geistigen Sichtweise ist der Mensch nicht nur Teil der physischen, sondern gleichzeitig einer seelischen und geistigen Welt. Will er diese, den äußeren Sinnen unsichtbaren Welten wahrnehmen, so bedarf es nach Rudolf Steiner der Ausbildung seelisch-geistiger Wahrnehmungsorgane:
:„Wie im Leibe Auge und Ohr als Wahrnehmungs-Organe, als Sinne für die körperlichen Vorgänge sich entwickeln, so vermag der Mensch in sich seelische und geistige Wahrnehmungsorgane auszubilden, durch die ihm die Seelen- und die Geisteswelt erschlossen werden. Für denjenigen, der solche höhere Sinne nicht hat, sind diese Welten «finster und stumm», wie für ein Wesen ohne Ohr und Auge die Körperwelt «finster und stumm» ist.“<ref>Rudolf Steiner: ''Theosophie – Einführung in übersinnliche Weltanschauung und Menschenbestimmung.'' 6. Auflage. Rudolf-Steiner-Verlag, Dornach, Schweiz 1987, ISBN 3-7274-0090-0, S. 77.</ref>
Im Unterschied zur Entwicklung der physischen Sinnesorgane, die i.d.R. ganz natürlich vonstatten geht, muss der Mensch die Ausprägung feinerer Wahrnehmungsorgane selbst vollbringen:
:„Allerdings ist das Verhältnis des Menschen zu diesen höheren Sinnen etwas anders als zu den körperlichen. Daß diese letzteren in ihm vollkommen ausgebildet werden, dafür sorgt in der Regel die gütige Mutter Natur. Sie kommen ohne sein Zutun zustande. An der Entwickelung seiner höheren Sinne muß er selbst arbeiten. Er muß Seele und Geist ausbilden, wenn er die Seelen- und Geisteswelt wahrnehmen will, wie die Natur seinen Leib ausgebildet hat, damit er seine körperliche Umwelt wahrnehmen und sich in ihr orientieren könne.“<ref>Rudolf Steiner: ''Theosophie – Einführung in übersinnliche Weltanschauung und Menschenbestimmung.'' 6. Auflage. Rudolf-Steiner-Verlag, Dornach, Schweiz 1987, ISBN 3-7274-0090-0, S. 77.</ref>
Hierfür ist es notwendig, dass der Mensch sich selbst als geistiges Wesen begreift und seinen Körper als relativ nimmt. Der Körper spiegelt allerlei Begehrensformen, jedoch zeigt der Körper im Grunde nur den Hunger nach dem Geiste:
:„Man muß sich mit einem seelischen Ruck aus dem Körper heben, um das Verlangen, das der Körper erzeugt, im Geiste zu befriedigen“<ref>Rudolf Steiner: ''Der Goetheanum-Gedanke inmitten der Kulturkrisis der Gegenwart.'' 6. Auflage. Verlag der Rudolf Steiner-Nachlassverwaltung, Dornach, Schweiz 1961, ISBN 3-7274-0360-8, S. 74f..</ref>
Verzicht im Irdischen ist Voraussetzung für Geist-Erleben. Wenn der Mensch zu stark an das Irdische gebunden ist, ist es ihm im Weg auf der Suche nach dem Geistigen. In diesem Sinne kann Pratyahara als ein Element gesehen werden, die physischen Sinne in ihrer Dominanz  zum Zurückweichen zu bringen und ein feineres Wahrnehmen zu entwickeln.
== Verschiedene Aspekte von Pratyahara ==
Pratyahara, die Lenkung der Sinne kann unterschiedlich interpretiert und praktiziert werden. Ebenso gibt es verschiedene Aspekte und Ausarbeitungen, die von der Entwicklung des einzelnen Menschen bis hin zu einem zukünftigen Wissenschaftsverständnis reichen.
=== Sukadev über Pratyahara und seine Anwendung im Alltag ===
Pratyahara heißt wörtlich „Rückzug“. Pratyahara hat tatsächlich verschiedene Bedeutungen.
Im Militärischen ist der Rückzug der Truppen Pratyahara. Man könnte fast sagen, Pratyahara ist so etwas wie ein militärischer Rückzug, ein Ausdruck daraus.
Pratyahara bedeutet auch dass man sich zum Beispiel aus dem Leben zurückzieht, so etwas wie ein Retreat. Retreat ist ja ein englisches Wort, und heißt auch „Rückzug“. Retreat ist im Englischen ähnlich doppeldeutig, wie Pratyahara, der Rückzug der Truppen heißt nämlich auch Retreat. Und eine Zeit lang intensiv zu praktizieren, und vielleicht zu schweigen, mindestens nicht in Kontakt zu treten mit der Außenwelt, ist Pratyahara, ist ein Retreat. So ist Pratyahara auch eine Zeit des Rückzugs, wo man nicht in Kontakt tritt mit Außenobjekten.
Pratyahara ist aber konkret auch der Rückzug der Sinne. Das heißt, die Fähigkeit, seine Sinne abzuziehen vom Außen.
• Normalerweise wollen die Augen etwas sehen.
• Normalerweise wollen die Ohren etwas hören.
• Die Nase will etwas Angenehmes riechen.
• Der Mund will etwas Angenehmes schmecken.
• Die Haut will eine angenehme Berührung haben,
• seien es angenehme Temperaturen,
• sei es angenehme Kleidung,
• ein schönes Bett,
• Zärtlichkeit usw.
Die fünf Sinne wollen das. Viele Menschen haben dort Reiz-Reaktions-Mechanismen. Man geht irgendwo vorbei, man riecht etwas Gutes, was gut schmeckt, rennt hin und isst es. Man hört irgendetwas, was man nicht mag – es ändert die Stimmung. Man sieht etwas, und will es gleich haben. Man fühlt, es ist kalt, rennt zum Fenster und schließt es. Letztlich ist das alles ein würdeloses Betragen. Irgendwelche Knöpfe werden gedrückt, und Mensch rennt gleich. Pratyahara hat hier erstmal eine Ähnlichkeit mit Tapas, und mit Santosha: Santosha, Zufriedenheit, und Tapas eben Askese. Das ist schon mal wichtig. Und auch wie Asana: Eine Haltung, sich nicht so schnell beeinflussen zu lassen.
Jetzt könnte man aber fragen: Wozu überhaupt noch Pratyahara?
Pratyahara hat noch eine weitere Bedeutung. Pratyahara bedeutet auch, seinen Geist in eine meditative Stimmung zu versetzen, wo der Kontakt der Sinne zur Außenwelt nicht mehr von Bedeutung ist. Was schreibt Patanjali dazu tatsächlich? „Wenn die Sinne nicht in Kontakt mit den Objekten treten, gleichsam in die Natur des Geistes eingehen, entsteht Pratyahara.“
Sukadev benennt zwei Techniken für den Alltag, um die Reiz-Reaktions-Mechanismen zu durchbrechen, denen der Mensch meist unterliegt:
Wenn durch einen Außenreiz ein Wunsch, ein Begehren oder auch Ablehnung geweckt werden, kann man
1) … seinen Geist auf etwas Anderes richten, auf etwas Spirituelles, beispielsweise ein Mantra und so die Aufmerksamkeit bewusst führen.
2) … die Sinneswahrnehmung so zu lenken, dass man die Aufmerksamkeit in das Sinnesobjekt selbst zurückzieht. Wenn also eine Störung durch das Sehen entsteht, soll man sich auf die Augen konzentrieren. So zieht man die Energie des Sehorgans zurück in das Auge selbst.
Ziel ist, dass kein Frust entsteht, sich selbst einen Wunsch zu untersagen, sondern frei vom Wunsch selbst zu werden.
Als weitere Form des Rückzugs der Sinne nennt Sukadev die Tiefenentspannung. Im Alltag verausgabt sich der Mensch oft mit den verschiedenen Sinnesreizen, die auf ihn einströmen. Das Gehirn hat hohe Beta-Wellen, der Sympathikus ist aktiviert, Stresshormone (Adrenalin) werden ausgeschüttet usw. Die entgegengesetzte Reaktion, Pratyahara, Rückzug, ist dann die Entspannungsreaktion, erzeugt durch Tiefenentspannungstechniken. (…) Und diese Tiefenentspannung ist so wichtig, auch wichtig, um dann im Alltag seine Sinne wieder gut nutzen zu können.
Sukadev beschreibt weiterhin, wie man einen meditativen Gemütszustand in der Meditation erzeugen kann, den er ebenfalls mit pratyahara gleichsetzt. Laut ihm sind diese drei Stufen für Meditation notwendig:
• Asana: die ruhige Sitzhaltung
• Pranayama: Pranaregulierung durch Atmung
• Pratyahara: den Geist hineinversetzen in eine meditative Stimmung, sodass die Sinne nicht nach außen gehen
Die Sinne gehen nach außen in einem bestimmten Modus des Geistes, und das ist der Alltagsmodus. Aber zum Beispiel im Tiefschlaf gehen die Sinne nicht nach außen. Du hast im Tiefschlaf keinen Hunger, du hast im Tiefschlaf keinen Durst. (Angenommen du fastest, und du bist vielleicht am dritten Tag des Fastens - für ungeübte Fastende oft der Tag, wo du doch ein bisschen frustriert bist, dass du mehr essen willst, dass du Fantasien hast, was du gerne essen willst…- aber wenn du im Tiefschlaf bist, nicht mehr.) Im Tiefschlaf bist du in einem Modus, wo die Sinne nicht nach außen gehen.) Aber diesen Modus, dass die Sinne nicht nach außen gehen, gibt es eben nicht nur im Tiefschlaf. Das geht ja auch im Alltag, wenn du gerade absorbiert bist in deine Arbeit. Dort spürst du weder die Temperatur, noch den Geruch, noch Hunger, noch stört dich die Autobahn, noch stören dich irgendwelche Computergeräusche. (Du wirst sogar etwaige Fiepser und Piepser deines Computers oder des Smartphones deines Kollegen nicht hören.) In bestimmten Modi des Geistes geht der Geist also nicht zu den Sinnen hin. Der Geist hat verschiedene Modi, man könnte sagen: Funktionszustände, und nur in einem konkreten gehen die Sinne nach außen. Und so ist Pratyahara das Erzeugen eines Gemütszustandes, in dem die Sinne keine Bedeutung mehr haben.
Zum Erzeugen des Pratyahara, des meditativen Gemütszustandes nennt er folgende mögliche Mittel:
• Gebet: Zu Anfang der Meditation kannst du dich an Gott wenden mit einem Gebet.
• Visualisierungen: Du kannst dir vorstellen, das Licht in dich hineinströmt, dass du Licht zu allen Wesen schickst. Du kannst dir ein spirituelles Symbol vergegenwärtigen, oder du kannst dir vorstellen, dein Meister sitzt oder steht vor dir oder über dir, und segnet dich mit Licht.
• Positive Affirmationen: Du kannst dir bewusst werden, wofür Meditation gut ist.
• Bodyscan: Du kannst durch deinen Körper hindurchgehen, von unten nach oben.
• Tiefenentspannung üben zu Anfang der Meditation

Aktuelle Version vom 22. April 2026, 13:06 Uhr

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