Gerste: Unterschied zwischen den Versionen

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Seit der Jungsteinzeit (5500&nbsp;v.&nbsp;Chr.) wird auch in Mitteleuropa Gerste angebaut. Hier gedeiht sie am besten im sommerkühlen Klima auf fruchtbaren, mäßig trockenen, basenreichen, neutralen, tiefgründigen Lehmböden mit einer guten Wasserführung.<ref name="Conert1997" />
Seit der Jungsteinzeit (5500&nbsp;v.&nbsp;Chr.) wird auch in Mitteleuropa Gerste angebaut. Hier gedeiht sie am besten im sommerkühlen Klima auf fruchtbaren, mäßig trockenen, basenreichen, neutralen, tiefgründigen Lehmböden mit einer guten Wasserführung.<ref name="Conert1997" />


In verschiedenen Überlieferungen aus den alten Hochkulturen (ab 3100 - 30 v. Chr) in Europa, Ägypten und West- und Mittelasien wird die Gerste erwähnt und sie wurde hier gezielt als Grundnahrungsmittel gezüchtet. Sie spielte vor allem in der griechischen Kultur eine besondere Rolle. So wurde anfangs auf Attika (das zum Stadtstaat Athen gehörige Land) fast nur Gerste angebaut. Sie wurde im Opferkultus verwendet, Toten als Wegzehrung mitgegeben und es wurde von der «heiligen Gerste» gesprochen. In den Gesängen von Ilias ist kein anderes Getreide als nur die Gerste namentlich genannt. Im 11. Gesang wird ein Mahl erwähnt, das aus dem Mehl von heiliger Gerste, Zwiebeln, Honig, Wein und Ziegenkäse bestand. Homer benannte die Gerste auch als das «Mark der Männer», wodurch er ihre kräftigende Wirkung ausdrückte. Aber neben der Stärke ihrer Krieger strebten die Griechen auch nach einer Aktivität im Denken, wie sie in den Philosophenschulen gepflegt wurde. Der Trojanische Krieg beispielsweise wurde durch die Klugheit des Odysseus entschieden. Platon sah in Gerste und Weizen die ideale Nahrung für die Menschen seines «idealen Staates». Auch in der Schule des Pythagoras, in der grösste Konzentration und Wachheit notwendig war, um mathematische Lehrsätze entwickeln zu können, basierte die Ernährung auf strengen Regeln und die Gerste war Grundnahrungsmittel. Im alten Rom hießen die Gladiatoren «Gerstenmänner», «hordearii». Die Gerste förderte sie in Kraft, Mut und Ausdauer.<ref name=":UR" /><ref name=":PTA">[https://www.diepta.de/news/die-aelteste ''Gerste - Die Älteste.''] In: ''Die PTA in der Apotheke.'' Abgerufen am 27. Januar 2026.<ref/>
In verschiedenen Überlieferungen aus den alten Hochkulturen (ab 3100 - 30 v. Chr) in Europa, Ägypten und West- und Mittelasien wird die Gerste erwähnt und sie wurde hier gezielt als Grundnahrungsmittel gezüchtet. Sie spielte vor allem in der griechischen Kultur eine besondere Rolle. So wurde anfangs auf Attika (das zum Stadtstaat Athen gehörige Land) fast nur Gerste angebaut. Sie wurde im Opferkultus verwendet, Toten als Wegzehrung mitgegeben und es wurde von der «heiligen Gerste» gesprochen. In den Gesängen von Ilias ist kein anderes Getreide als nur die Gerste namentlich genannt. Im 11. Gesang wird ein Mahl erwähnt, das aus dem Mehl von heiliger Gerste, Zwiebeln, Honig, Wein und Ziegenkäse bestand. Homer benannte die Gerste auch als das «Mark der Männer», wodurch er ihre kräftigende Wirkung ausdrückte. Aber neben der Stärke ihrer Krieger strebten die Griechen auch nach einer Aktivität im Denken, wie sie in den Philosophenschulen gepflegt wurde. Der Trojanische Krieg beispielsweise wurde durch die Klugheit des Odysseus entschieden. Platon sah in Gerste und Weizen die ideale Nahrung für die Menschen seines «idealen Staates». Auch in der Schule des Pythagoras, in der grösste Konzentration und Wachheit notwendig war, um mathematische Lehrsätze entwickeln zu können, basierte die Ernährung auf strengen Regeln und die Gerste war Grundnahrungsmittel. Im alten Rom hießen die Gladiatoren «Gerstenmänner», «hordearii». Die Gerste förderte sie in Kraft, Mut und Ausdauer.<ref name=":UR" /><ref name=":PTA">[https://www.diepta.de/news/die-aelteste ''Gerste - Die Älteste.''] In: ''Die PTA in der Apotheke.'' Abgerufen am 27. Januar 2026.</ref>





Version vom 27. Januar 2026, 19:33 Uhr

Blattscheide mit Öhrchen
Blühende Ähre (4-zeilig)
Ährchen
Die langen Grannen der Gerste scheinen im Gegenlicht zu leuchten. Gerstenfeld im Mai
Gerstenähren (6-zeilig)
Reifende Gerstenähren

Die Gerste (Hordeum vulgare) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Gersten (Hordeum) innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae). Als Kulturgerste ist sie eine der wichtigsten und ältesten Getreide-Arten. Sie kommt als Spelzgerste sowie als Nacktgerste vor und ist weltweit das am meisten verbreitete Getreide.[1]

Die Grannen der Gerste sind meist deutlich länger als bei Roggen und Weizen. Durch die Lichtbrechung der Grannen liegt über Gerstenfeldern besonders im Gegenlicht ein Schimmer, der sich wieder verliert, wenn die Reife eintritt und die Ähren sich nach unten senken.

Die Bezeichnung Gerstenkorn wird nicht nur für die Samen der Pflanze verwendet, sondern auch für eine Form der Augenlidentzündung (Hordeolum).


Geschichte und Sortenentwicklung

Als Ursprungsgebiet der Gerste gilt der Fruchtbare Halbmond (Wiege der Landwirtschaft) im Nahen Osten und der östliche Balkan (Bulgarien, Rumänien, Griechenland). Sie wurde vor rund 10.000 Jahren ausgehend von der Wildgerste (Hordeum spontaneum) domestiziert, d.h. züchterisch zum besseren Nutzen des Menschen verändert. Als Wildgerste wurde sie jedoch nachweislich bereits um 48 000 vor Christus gesammelt. [1] Bei Wildgerste fallen die reifen Körner aus der Ähre, was die Ernte mühsam macht. Kulturgerste entstand wahrscheinlich durch eine nicht gezielte Auslese der Menschen, die bevorzugt eine Mutation ernteten und pflegten, bei der die reifen Körner in der Ähre blieben.[2]

Die starke Anpassungsfähigkeit der Gerste an verschiedene klimatische Zonen bewirkte einen großen Formenreichtum, der sich darin ausdrückt, dass es 2-, 4- und 6zeilige Gersten gibt. Die Gerste entwickelte diesen Formenreichtum an drei Stellen der Erde und zwar vor allem im Hochland von Erythrea und Abessinien, im Osten Tibets, dem östlichen Himalaja bis Japan hin auslaufend sowie in Westpersien, Armenien und Ostanatolien.[3]

Seit der Jungsteinzeit (5500 v. Chr.) wird auch in Mitteleuropa Gerste angebaut. Hier gedeiht sie am besten im sommerkühlen Klima auf fruchtbaren, mäßig trockenen, basenreichen, neutralen, tiefgründigen Lehmböden mit einer guten Wasserführung.[4]

In verschiedenen Überlieferungen aus den alten Hochkulturen (ab 3100 - 30 v. Chr) in Europa, Ägypten und West- und Mittelasien wird die Gerste erwähnt und sie wurde hier gezielt als Grundnahrungsmittel gezüchtet. Sie spielte vor allem in der griechischen Kultur eine besondere Rolle. So wurde anfangs auf Attika (das zum Stadtstaat Athen gehörige Land) fast nur Gerste angebaut. Sie wurde im Opferkultus verwendet, Toten als Wegzehrung mitgegeben und es wurde von der «heiligen Gerste» gesprochen. In den Gesängen von Ilias ist kein anderes Getreide als nur die Gerste namentlich genannt. Im 11. Gesang wird ein Mahl erwähnt, das aus dem Mehl von heiliger Gerste, Zwiebeln, Honig, Wein und Ziegenkäse bestand. Homer benannte die Gerste auch als das «Mark der Männer», wodurch er ihre kräftigende Wirkung ausdrückte. Aber neben der Stärke ihrer Krieger strebten die Griechen auch nach einer Aktivität im Denken, wie sie in den Philosophenschulen gepflegt wurde. Der Trojanische Krieg beispielsweise wurde durch die Klugheit des Odysseus entschieden. Platon sah in Gerste und Weizen die ideale Nahrung für die Menschen seines «idealen Staates». Auch in der Schule des Pythagoras, in der grösste Konzentration und Wachheit notwendig war, um mathematische Lehrsätze entwickeln zu können, basierte die Ernährung auf strengen Regeln und die Gerste war Grundnahrungsmittel. Im alten Rom hießen die Gladiatoren «Gerstenmänner», «hordearii». Die Gerste förderte sie in Kraft, Mut und Ausdauer.[3][5]


Als klassisches Getreide der Antike (800  v. Chr. - 600 n. Chr.)

Im Mittelalter diente die Gerste als ertragreiches Viehfutter und teilweise wichtigstes Grundnahrungsmittel zur Zubereitung von Brei. Durch Züchtung anspruchsloser Sorten können die Erträge an manchen Standorten mit denen von Weizen konkurrieren. Neben der Qualitätssteigerung versuchte die Züchtung, auch eine technisch besser handhabbare grannenlose Gerste zu erzeugen. Dies ist mit Sorten wie Ogra und Nudinka zwar gelungen. Diese haben jedoch keine weite Verbreitung gefunden. Da auch die Grannen zur Photosynthese beitragen, haben sie möglicherweise einen Einfluss auf den Ertrag. Auch die sogenannte Kapuzengerste (engl. hooded barley) hat nur kurze Fortsätze und keine Grannen.[6]

Verbreitung

Infolge ihrer klimatischen Anpassungsfähigkeit, sie verträgt sowohl Trockenheit als auch Frost und sogar salzhaltigen Boden,[4] gedeiht Gerste in den verschiedensten klimatischen und geografischen Verhältnissen gut und ist daher über fast alle Länder der Erde verbreitet. Sie gedeiht noch auf den Alkaliböden der tief liegenden Wüsten in Ägypten, Turkestan und Australien sowie auf den Hochebenen Südafrikas und Südamerikas.[4] Sie wächst bei 5 bis 10° C Bodenwärme ebensogut wie bei 30° C. Von allen Getreidearten wächst sie am weitesten im Norden. Ihre nördlichste Grenze ist deshalb identisch mit der Polargrenze des Getreidebaues insgesamt. Ebensogut gedeiht sie in den Subtropen des östlichen und südlichen Mittelmeergebietes und ist hier sehr stark verbreitet; man findet sie ebenfalls in weiten Gebieten Südrußlands.
An Wasser stellt sie geringe Ansprüche und gedeiht noch bei einem Jahresniederschlag von nur 370 bis 400 mm.
Gerste hat eine sehr kurze Vegetationszeit (mit 110 Tagen die kürzeste Vegetationszeit unter den Getreiden) und kann auch deshalb von allen Getreidearten am höchsten in gebirgige Lagen mit ihren kürzeren Vegetationsperioden vordringen. So gedeiht sie in den Alpen bis in Höhen von 1900 m, im Kaukasus bis 2700 m, im Hindukusch bis 3050 m und in Tibet sogar bis in 4700 m Höhe.[7][3]

Beschreibung

Gerste ist ein Dunkelkeimer und einjähriges Gras, das Wuchshöhen von 0,7 bis 1,2 m erreicht. Die Pflanze ist glatt und unbehaart. Der Halm ist aufrecht. Die wechselständig und zweizeilig (distich) angeordneten Laubblätter sind einfach und parallelnervig. Die flache Blattspreite weist eine Länge von 20 bis 45 Zentimeter und eine Breite von 8 bis 12 Millimeter auf.[4] Die wichtigsten morphologischen Erkennungsmerkmale sind die zwei langen, unbewimperten Blattöhrchen der Blattscheide, die den Halm vollständig umschließt. Das schmale und leicht gezähnte Blatthäutchen (Ligula) ist 1 bis 2 mm lang. Das Tausendkorngewicht liegt bei 35–50 Gramm.

Der ährige Blütenstand besitzt eine flexible, also nicht zerbrechliche Rhachis, darin unterscheidet sie sich von den anderen Hordeum-Arten. Er ist (ohne die Grannen) 6 bis 12 Zentimeter lang und 1 bis 2 Zentimeter breit.[4] Die in Reihen stehenden, ungestielten Ährchen sind alle gleich und fertil. Die Ährchen enthalten meist nur eine Blüte, selten zwei. Die Hüllspelzen des mittleren Ährchens stehen vor den Blüten; sie sind untereinander gleich, dreinervig, lanzettlich, zugespitzt und in eine 8 bis 12 Millimeter lange Granne auslaufend.[4] Die Deckspelze ist fünfnervig, breit eiförmig und läuft in eine gerade, starre, raue, 8 bis 15 Zentimeter lange Granne aus.[4] Die Vorspelze ist zweinervig und so lang wie die Deckspelze. Die Staubbeutel sind 2 bis 3 Millimeter lang. Die beiden seitlichen Ährchen sind entweder dem mittleren Ährchen gleich und fruchtbar oder die Spelzen sind kleiner oder verkümmert und die Blüten männlich oder steril.[4]

Der ährige Fruchtstand mit langen Grannen ist im reifen Zustand geneigt bis hängend. Ebenso wie beim Weizen und Roggen sind die Körner botanisch betrachtet Karyopsen, also einsamige Schließfrüchte.[6]

Gerste wird anhand der unterschiedlichen Ähren in zwei- und mehrzeilige Formen unterschieden. Die zweizeiligen Formen („Hordeum distichon“) entwickeln pro Ansatzstelle nur ein Korn, das voll und kräftig ausgeprägt ist. Bei den mehrzeiligen Formen von Hordeum vulgare treten drei Körner pro Ansatzstelle auf, die sich schwächer entwickeln.[6] Zweizeilige Gerstensorten (überwiegend Sommergerste) enthalten besonders viel Stärke und wenig Protein. Sie finden vorwiegend bei der Bierherstellung als Braugerste Verwendung (Malz) und werden zu Gerstengraupen verarbeitet. Vier- und sechszeilige Gerstensorten sind überwiegend Wintergerstensorten, die (im Gegensatz zu dem im Frühjahr ausgesäten Sommergetreide) im Herbst gesät werden und eine Vernalisation zum Schossen benötigen. Durch die längere Vegetationsphase und die effektive Nutzung der Winterfeuchtigkeit sind die Erträge höher und die Nährstoffe günstig für die Verwendung als Futtergerste. Neuere Wintergerstensorten mit hohen Gehalten an Protein und Ballaststoffen werden nur für die menschliche Ernährung angebaut.


Unterarten und Varietäten

Vorlage:Belege fehlen

  • Wildgerste (Hordeum vulgare subsp. spontaneum (K.Koch) Asch. & Graebn.)
  • Kulturgerste (Hordeum vulgare subsp. vulgare):
    • Zweizeilige Gerste (Hordeum vulgare f. distichon)
    • Mehrzeilige Gerste:
      • Hordeum vulgare f. hexastichon
      • Hordeum vulgare f. agriocrithon
  • Hordeum vulgare var. coeleste L.
  • Hordeum vulgare var. trifurcatum

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für die Vierzeilige Saat-Gerste (Hordeum vulgare L. subsp. vulgare): Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).[8]

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für die Sechszeilige Saat-Gerste (Hordeum vulgare subsp. hexastichon (L.) Čelak.): Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3+ (unter-montan und ober-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).[8]

Nutzung

noch umformulieren!!! Da die Gerste aufgrund der fehlenden quellfähigen Klebereiweiße schlechte Backeigenschaften aufweist, diente sie zunehmend weniger zum Backen. Vielmehr war sie ein hochwertiges Futtermittel für Nutzvieh. Auch heute werden etwa 70 Prozent der Ernte als Tierfutter (vorwiegend für die Schweinefütterung) verwendet, insbesondere die Wintergerste, die relativ viel Eiweiß enthält.

Flüssiges Brot Vor allem in Gegenden, in denen kein Wein wächst, schätzte man zunehmend die Gerste zum Bierbrauen. Das anspruchslose Getreide - vor allem die zweizeilige Sommergerste - ließ sich quasi überall anbauen und zu Malz verarbeiten, das die Grundlage für die Biererzeugung darstellt. Im 8. Jahrhundert entstanden erste Klosterbrauereien, die seit dem 12. Jahrhundert dem Bier noch Hopfen zusetzten, wodurch das Bier nicht nur schmackhafter, sondern auch haltbarer wurde.

Neben der weiterhin verbreiteten Braukunst dient Gerste heute noch der Herstellung von Whisky, dem auch meist gemälzte Gerste als Ausgangsstoff zugrunde liegt (Malt Whisky). Gerstenmalz ist außerdem Rohstoff für koffeinfreien Kaffeeersatz (Malzkaffee) und kommt als natürlicher Farb- und Aromastoff beim Brotbacken zum Einsatz.

Sommergerste

Für die menschliche Ernährung kommt überwiegend Sommergerste (Aussaat im Frühjahr) zum Einsatz. Ein großer Anteil davon wird als Braugerste zur Bierherstellung verwendet. Zu diesem Zweck sollte der Rohproteingehalt möglichst niedrig sein, da die Biere sonst zur Trübung bzw. zum Ausflocken neigen. Dies ist nicht schädlich, aber meist optisch unerwünscht.

In nicht gemälzter Form wird Gerste zu Grütze oder Graupen verarbeitet und gelegentlich auch zu Mehl gemahlen. Speziell für die menschliche Ernährung gezüchtete Gerste mit einem Gehalt an Beta-Glucan von mehr als 4 g pro 100 g wird als Korn, als Flocken oder verarbeitet zu Mehl angeboten. Daraus werden auch Gerstenbrote hergestellt.

Wintergerste

Wintergerste wird bereits im Herbst, also noch vor dem Winter ausgesät. Da sie gegenüber der Sommergerste höhere Erträge und mehr Proteine (12–15 %) aufweist, wird sie überwiegend als Tierfutter verwendet (Futtergerste).

Health Claims (Gesundheitsbehauptungen)

Der Gerste werden auch Heilwirkungen zugesprochen. Gestampfte Gerste (Ptisane) wird schon von Hippokrates von Kos ausführlich beschrieben. Medizinisch interessant sind die löslichen Gerstenballaststoffe. Gerstensorten mit hohem Gehalt an Beta-Glucanen (β-Glucanen) werden zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels angeboten. Beta-Glucane werden von den Darmbakterien als Energiequelle genutzt. Beta-Glucane aus Gerste verringern den Anstieg des Blutzuckerspiegels nach den Mahlzeiten. Eine tägliche Aufnahme von 3 g Beta-Glucanen aus Gerste reduziert nachweislich den Blutcholesterinspiegel.[9] Entsprechend kann für Gerstensorten mit einem hohen Gehalt an Gerstenballaststoffen, insbesondere den löslichen Beta-Glucanen (mehr als 4 g pro 100 g), ein Health Claim ausgelobt werden. Folgende Kennzeichnungen auf verzehrfertigen Lebensmitteln dürfen angegeben werden:[10]

Nährstoff/Substanz/Lebensmittel Angabe (VO 432/2012) Bedingungen für die Verwendung (VO 432/2012)
Beta-Glucane „Beta-Glucane tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels im Blut bei“ Die Angabe darf nur für Lebensmittel verwendet werden, die mindestens 1 g Beta-Glucane aus Hafer, Haferkleie, Gerste oder Gerstenkleie bzw. aus Gemischen dieser Getreide je angegebener Portion enthalten. Damit die Angabe zulässig ist, sind die Verbraucher darüber zu unterrichten, dass sich die positive Wirkung bei einer täglichen Aufnahme von 3 g Beta-Glucanen aus Hafer, Haferkleie, Gerste oder Gerstenkleie bzw. aus Gemischen dieser Getreide einstellt.
Beta-Glucane aus Hafer und Gerste „Die Aufnahme von Beta-Glucanen aus Hafer oder Gerste als Bestandteil einer Mahlzeit trägt dazu bei, dass der Blutzuckerspiegel nach der Mahlzeit weniger stark ansteigt“ Die Angabe darf nur für Lebensmittel verwendet werden, die mindestens 4 g Beta-Glucane aus Hafer oder Gerste je 30 g verfügbare Kohlenhydrate in einer angegebenen Portion als Bestandteil der Mahlzeit enthalten. Damit die Angabe zulässig ist, sind die Verbraucher darüber zu unterrichten, dass sich die positive Wirkung einstellt, wenn Beta-Glucane aus Hafer oder Gerste als Bestandteil der Mahlzeit aufgenommen werden.

Als nachwachsender Rohstoff wird Gerste kaum genutzt. Die Körner könnten als Quelle für Stärke genutzt werden. Durch Züchtung konnte bei sogenannten „waxy Gersten“ der für technische Nutzungen interessante Anteil verzweigtkettiger Stärke Amylopektin auf über 95 % der Gesamtstärke erhöht werden.[11] Waxy Gersten enthalten rund 50 % mehr Beta-Glucan als Brau- und Futtergersten.

Früchte

Aufbau der Körner

Die Körner sind, außer bei der Nacktgerste, fest mit den Spelzen verwachsen. Vor der Zubereitung für die menschliche Ernährung müssen sie daher entspelzt werden. Dies geschah früher in der Mühle durch einen Gerbgang, heute wird dieser Arbeitsschritt in einer Schälmühle erledigt. Der gesundheitswirksame lösliche Ballaststoff Beta-Glucan ist in Gerste anders als beim Hafer nicht in den Randschichten des Korns (Kleie), sondern im hellen Korninneren konzentriert. Gerste enthält Gluten, was bei Personen mit Glutenunverträglichkeit zu gesundheitlichen Problemen führen kann.

Durchschnittliche Zusammensetzung (Gerste, entspelzt, ganzes Korn)

Die Zusammensetzung von Gerste schwankt naturgemäß, sowohl in Abhängigkeit von den Umweltbedingungen (Boden, Klima) als auch von der Anbautechnik (Düngung, Pflanzenschutz).

Angaben je 100 g essbarem Anteil:[12]

Bestandteile
Wasser 12,7 g
EiweißVorlage:FN 9,8 g
Fett 2,1 g
KohlenhydrateVorlage:FN 63,3 g
Ballaststoffe 9,8 g
Mineralstoffe 2,3 g
Mineralstoffe
Natrium 18 mg
Kalium 445 mg
Magnesium 115 mg
Calcium 40 mg
Mangan 1,5 mg
Eisen 2,8 mg
Kupfer 0,42 mg
Zink 2,8 mg
Phosphor 340 mg
SelenVorlage:FN 7 µg
Vitamine
Retinol (Vit. A1) 165 ng
Thiamin (Vit. B1) 430 µg
Riboflavin (Vit. B2) 180 µg
Nicotinsäure (Vit. B3) 4800 µg
Pantothensäure (Vit. B5) 680 µg
Vitamin B6 560 µg
Folsäure 65 µg
Vitamin EVorlage:FN 670 µg
essentielle
und semi-essentielle
Aminosäuren
ArgininVorlage:FN 560 mg
HistidinVorlage:FN 210 mg
Isoleucin 460 mg
Leucin 800 mg
Lysin 380 mg
Methionin 180 mg
Phenylalanin 590 mg
Threonin 430 mg
Tryptophan 150 mg
Tyrosin 390 mg
Valin 580 mg

1 mg = 1000 µg
1 mg = 1.000.000 ng
Vorlage:FNBox

Der physiologische Brennwert beträgt 1320 kJ je 100 g essbarem Anteil.

Produkte aus geschälten Gerstenkörnern

  • Gerstengrütze. Hierfür werden die geschälten Gerstenkörner zu Grütze geschnitten. Grütze wird in unterschiedlicher Körnung in den Handel gebracht. Gerstengrütze wird u. a. in der traditionellen russischen Küche verwendet, wo diese Grütze einen Eigennamen jatschnewaja (Vorlage:RuS) hat.[13]
  • Graupen (Rollgerste oder Kochgerste) erhält man durch Schleifen der Gerstenkörner, wobei auch die Spitzen gerundet werden. Am bekanntesten sind die „Perlgraupen“. Dazu wird Grütze auf Schleifmaschinen bearbeitet, bis sie ihre rundliche Form erhalten.
  • Gerstenflocken werden aus hydrothermisch behandelten Gerstenkörnern gewalzt.
  • Gerstenflockenmehl (von mittelhochdeutsch gërsten mël Gerstenmehl[14]) wird aus den Samen von Hordeum-Arten (vor allem H. vulgare bzw. H. distichon)[15] durch die Vermahlung von Gerstenflocken hergestellt.
  • Gerstenpops werden aus den geschälten Gerstenkörnen über das Puffingverfahren erzeugt.[16]
  • Gerstenkaffee / Malzkaffee als koffeinfreies Kaffee-Ersatzgetränk.
  • Tsampa ist ein Pulver aus gerösteten und gemahlenen Gerstenkörnern, ein tibetisches Grundnahrungsmittel.
  • Bestimmte Gerstensorten haben einen hohen Gehalt an dem löslichen Ballaststoff Beta-Glucan (mehr als 4 g pro 100 g).

Stroh

Je nach Arbeitsgerät kann Gerstenstroh im Vergleich zum Weizenstroh zwar weicher und saugfähiger sein, ist aber als Einstreu nur bedingt verwendbar. Reste von Grannen können bei empfindlichen Tieren (Pferde, Schweine) u. a. zu Reizungen der Atemwege führen.

Gerstengras

Gerstengras wird manchmal in der Tiermast eingesetzt. Es enthält neben den Vitaminen B und C auch Kalzium, Kalium und Eisen in größeren Konzentrationen.

Für den menschlichen Verzehr werden die Blätter der jungen Gerstenpflanze gefriergetrocknet. Dieses Pulver wird in kühlem Wasser aufgelöst und eingenommen. Der Geschmack erinnert ein wenig an verdünnten Spinat.[17]

Gerstenkorn als Grundmaß

Da ein Gerstenkorn eine relativ konstante Größe hat, bildete es früher die Grundlage für einige Maße und Gewichte, z. B. für die arabische Habba und den persischen Dschou, siehe auch Gerstenkorn (Einheit).

Anbau

Anbauzyklus und Ernte

Die Gerste zählt zu den Selbstbefruchtern; man unterscheidet zwischen Winter- und Sommergerste. Wintergerste, die im September gesät wird, ist ertragreicher. Ideale Wachstumsbedingungen für die Wintergerste sind Temperaturen unter 10 °C. Bei länger anhaltenden Temperaturen unter −15 °C erfriert die Wintergerste.[18] Die Ausbildung von Nebentrieben (Bestockungstrieben) ist vor dem Winter abgeschlossen. Aus ihnen entwickeln sich im nächsten Frühjahr die Ähren tragenden Halme. Gerste gedeiht am besten auf tiefgründigen, gut durchfeuchteten Böden, aber auch mit ungünstigeren Bedingungen kommt sie zurecht. In der Regel beginnt die alljährliche Getreideernte mit der Wintergerste.

Die Aussaat der Sommergerste erfolgt Ende Februar bis Anfang April. Sie reift in weniger als 100 Tagen heran. Nach den Phasen der Bestockung, des Schossens und des Ährenschiebens folgen Blüte und Ernte.

Die Ernte erfolgt bei Voll- bis Totreife. Wintergerste liefert je nach Standort zwischen 50 und 90 dt/ha, Sommergerste 40–65 dt/ha Fruchtertrag. In Deutschland wird die Wintergerste auf ca. 1,24 Mio. Hektar angebaut, während die Sommergerste auf ca. 0,5 Millionen Hektar angebaut wird.[18]

Krankheiten und Schädlinge

Viren und Pilzkrankheiten

Schädlinge

  • Die Gerste wird von verschiedenen Nematodenarten befallen.
  • Wichtige Schädlinge an der Gerste sind Läuse, v. a. als Virusvektoren.

Lagerung

Gerstenkörner

Wie alle Getreidearten muss auch Gerste vor der Einlagerung auf Feuchtigkeit überprüft werden, da ansonsten Schimmelbefall droht (Mykotoxingefahr). Die Obergrenze der Kornfeuchte liegt für die Einlagerung bei 15 %.

Wirtschaftliche Bedeutung

Literatur

Weblinks

Commons: Gerste (Hordeum vulgare) – Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema

Vorlage:Wiktionary

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Gerste. In: Save foundation. FUNDUS AGRI-CULTURA ALPINA. Abgerufen am 24. Januar 2026.
  2. Steven Mithen: After the Ice: A Global Human History, 20,000 – 5000 BC. Harvard 2012, ISBN 978-0-7538-1392-8.
  3. 3,0 3,1 3,2 Udo Renzenbrink: Die sieben Getreide. S. 76-79.
  4. 4,0 4,1 4,2 4,3 4,4 4,5 4,6 4,7 Hans Joachim Conert: Familie Poaceae. In Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage, Band I, Teil 3, S. 821–827. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1997, ISBN 3-489-52020-3.
  5. Gerste - Die Älteste. In: Die PTA in der Apotheke. Abgerufen am 27. Januar 2026.
  6. 6,0 6,1 6,2 Referenzfehler: Es ist ein ungültiger <ref>-Tag vorhanden: Für die Referenz namens chlond wurde kein Text angegeben.
  7. Die Gerste in der Geschichte und im Leben der Völker. VON DR. V. BRANDENBURGER. In: Kreisverwaltung Ahrweiler. Abgerufen am 25. Januar 2026
  8. 8,0 8,1 Vorlage:InfoFlora
  9. European Food Safety Authority (EFSA) Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA): Scientific Opinion on the substantia of a health claim related to barley beta-glucans and lowering of blood cholesterol and reduced risk of (coronary) heart disease pursuant to Article 14 of Regulation (EC) No 1924/2006. In: EFSA Journal. 9, Nr. 12, 2011, S. 2470 (efsa.onlinelibrary.wiley.com).
  10. Vorlage:EU-Verordnung, siehe Anhang, auf EUR-Lex. Abgerufen am 5. April 2017.
  11. Gerlinde Nachtigall: Verbund aus Wissenschaft und Wirtschaft erforscht stoffliche Anwendungen für waxyGerste. Julius Kühn-Institut 2009, Pressemitteilung.
  12. Vorlage:Literatur
  13. Vorlage:Literatur
  14. Vgl. Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 389 (gerstenmel: Mehl aus den Samen von Hordeum spec., auch girstin mel und lateinisch farina hordei).
  15. Jürgen Martin: Die ‚Ulmer Wundarznei‘. Einleitung – Text – Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15. Jahrhunderts. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 52), ISBN 3-88479-801-4 (zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990), S. 131 f.
  16. Wiedemann/Wolf: Wunderkorn Gerste, Juli 2024 1. Auflage
  17. Vorlage:Internetquelle
  18. 18,0 18,1 Süddeutsche Zeitung. 28. Februar 2012 (Nr. 48), S. 2.

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