Kreuzblütler

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Namensgebung und Bedeutung

Unter dem Namen Kreuzblütler (Cruciferae) oder Kreuzblütlergewächse, oft auch als Brassicaceae benannt, umschliesst sich eine grosse Pflanzenfamilie.[1] Die Familie, die zu einer wichtigen Kulturpflanze geworden ist, umfasst ca. 350 Gattungen und es sind über 3000 Arten bekannt. Als ein auffällig sichtbares Merkmal ist die typische kreuzförmige Anordnung der vier Kronblätter der Blüten zu erwähnen, die wie kleine Kreuze leuchten. Diese Anordnung führte zu ihrer Namensgebung. Als ein charakteristisch spürbares Merkmal ist der meist schärflich, leicht bittere Geschmack, als auch der stechende Geruch hervorzuheben, der von den schwefelhaltigen Senfölglykosiden herrührt. Senfölglykoside dienen nach wissenschaftlicher Forschung vorwiegend der Abwehr von Fressfeinden dieser Pflanze, sind aber auch bekannt für ihre gesundheitlichen Wirkungen beim Menschen.[2]

Als Kultur- oder Zierpflanzen sind die Kreuzblütler aus den Gärten nicht mehr wegzudenken. Die leuchtenden Farben der Blüten, meist zu voluminösen Kissen am Wegrand angelegt schenken den Gärten Plastizität und ein Gefühl von Fülle ( siehe die Fotos von Baumschule Horstman[3]). Es sind in dieser Familie als Kulturpflanzen weniger Pflanzen mit zierlichem Stengel und feingliedriger Blüte zu finden, wie es beispielsweise beim Purpurglöckchen der Steinbrecher Gewächse der Fall ist,[4] sondern kräftige, robuste und sich schnellvermehrende Pflanzen.

Für die Fülle charakteristisch ist ebenfalls, dass die Blüten meist in Trauben vereint sind und üppig auftreten.[5] Kreuzblütler werden durch Insekten, vornehmlich Bienen und Hummeln, als auch Schmetterlingen bestäubt. Die vielen Kulturpflanzen dieser Familie, im Besonderen, wenn sie biologisch wachsen, leisten einen Beitrag für ein gesundes Gleichgewicht der Natur, indem sie den verschiedenen Bestäubern Nahrung bieten und so die Biodiversität fördern.[6]

Erscheinungsbild der Pflanze

Blätter

Die Blätter von Kreuzblütlern sind meist wechselständig am Stängel angeordnet (oder in einer Grundrosette), ohne Nebenblätter, oft behaart (wichtiges Bestimmungsmerkmal) und können ungeteilt oder gefiedert sein. Sie sitzen direkt am Stängel oder haben einen Stiel und kommen in vielen Formen vor, von ganzrandig bis zusammengesetzt.[7] Die Blätter sind saftig oder sogar fleischig, nur in sehr hohen Lagen oder wenn stärkstes Licht vorherrscht formen sie zum feinzipfeligen Fiederblatt.[8] Beispielsweise hat die gewöhnliche Besenrauke (Descurainia sophia), auch Sophienrauke genannt, sehr feingegliederte Fiederblätter und ist in den Berggegenden Graubündens (Schweiz) bis in einer Höhenlage von 2400 Metern und im Tibet auf Höhenlagen von 3000 Metern zu finden.[9] Bild aus Wikipedia

Blüte

Die Blüte von Kreuzblütlern ist vierzählig, mit vier freien, kreuzförmig angeordneten Blütenblättern, vier Kelchblättern und sechs Staubblättern in zwei Kreisen (zwei kurze außen, vier lange innen). Das bedeutet, dass die Blüten der Kreuzblütengewächse disymmetrisch sind, da sie nur zwei Symmetrieebenen haben, eine in der Medianebene und eine in der Transversalebene. Der Fruchtknoten ist oberständig und wird durch eine falsche Scheidewand in zwei Fächer geteilt. Die Blüten können gelb, weiß, rosa oder violett sein.[10][11] Die Blüten sind sehr einfach gebaut. Das Aufblühen zeigt noch keine endgültige Gestalt, da der Blütenstand kräftig weiterwächst. Er bringt immer neue Blüten hervor. Die einzelnen Blüten leben sich schnell aus und gehen gleich ins Fruchtstadium über.[12]

Früchte und Samen

Die typische Frucht bei Kreuzblütlern ist die Schote (eine lange Kapsel) oder das Schötchen (wenn kürzer), die sich zweiklappig entlang einer mittigen, durchscheinenden Scheidewand (Replum) öffnet. Üblicherweise öffnen sich die Schoten bei Fruchtreife von oben nach unten. Die Samen enthalten einen ölhaltigen Keimling.[13] Bei den Kreuzblütlern kommt erst in der Fruchtbildung das individualisierte Wesen hervor, während der systematisierte Botaniker bei anderen Pflanzen schon bei der Blütenbildung die Art erkennen kann.[14]

Wuchs

Kreuzblütler wachsen meist krautig, ein- bis mehrjährig, aber auch verholzende Sträucher oder Lianen kommen vor. Viele Arten bilden Wurzeln (wie Knollen oder Pfahlwurzeln) und sind oft mit borstigen Haaren (Trichomen) besetzt. Ihr Wuchs variiert von kleinen Wildkräutern (Hirtentäschel) bis zu hohen Pflanzen (Raps, Nachtviolen).[15][16]

Verbreitung

Die große Familie der Kreuzblütler ist «kosmopolitisch», also weltweit zu finden. Sie haben ihren Schwerpunkt aber in den gemäßigten Zonen der Nordhalbkugel, besonders im Mittelmeergebiet und in Zentralasien. Sie wachsen wild oder kultiviert in vielfältigen Habitaten, von Äckern und Wegen, wie das Hirteltäschelkraut oder an wasserreichen Stellen, wie die Brunnenkresse oder über Wiesen und Waldsäume bis zu Küsten, wo sich der Meerkohl findet. Viele wichtige Gemüsepflanzen wie Kohl, Raps, Radieschen, Senf usw. gehören dazu. Als Kultur- und Zierpflanzen in den Gärten sind sie durch den Menschen weltweit verbreitet.[17] Sie können Wuchsorte wählen, die «anderen Pflanzenleben Feind sind». Magere Dürrwiesen oder Steppen, Geröll in der Bergwelt, Hochgebirge oder sogar Orte, «wo das lebenshemmende Salz des Meeresstrandes» ist, wie beispielsweise beim Löffelkraut. Die Cruciferen sind jeder Form von Erdenverhältnissen gewachsen.[18] Beispielsweise kann Lepidium latifolium, bekannt als Pfefferkraut, auf einer Höhe 2500 bis 4500 m in der transhimalayischen Region in Ladakh problemlos wachsen.[19] Etwas scheuen sie jedoch, das sind die tropischen Verhältnisse, wo bereits schon von Natur her «mächtiges Aufwuchern vorhanden ist». Beispielsweise hat man im Senegal im tropischen Süden unter den Blütenpflanzen nur 1 % Kreuzblütler gefunden, während in Spitzbergen, einer Inselgruppe im Nordatlantik, die Cruziferen mit 19 % vertreten sind.[20]

Nutzung

Für den Menschen haben Kreuzblütergewächse eine grosse Bedeutung. Wichtige Gemüsesorten, Gewürzpflanzen, aber auch Gründüngungs-, Futter- und Ölpflanzen zählen zur Pflanzenfamilie. Bewohner Nordeuropas kultivierten der Auswertung von Ausgrabungen zufolge bereits im Jahre 8000 v. Chr. den sogenannten Urkohl. Alle hierzulande bekannten Gemüsekohlsorten entstammen diesem mehr flächlich erscheinendem Urkohl. Durch gezielte Züchtung bestimmter Pflanzenteile sind die anderen Gemüsekohlarten entstanden und werden Brassica oleracea benannt.[21] Erwähnenswert innerhalb der Gemüsesorten ist auch die Gattung Raphanus, zu der der Rettich (Raphanus sativus) und als Variante die Radieschen zählen. Diese zeichnen sich durch den scharfen Geschmack aus. Zur Gattung Brassica napus zählt der Raps. Er ist wegen seines schnellen und üppigen Hochwuchs und den ölhaltigen Samen bekannt.

Essbare Nutzpflanzen

Die essbaren Nutzpflanzen lassen sich nach Gattung, Art und Variation wie folgend aufgliedern:

Zu der Gattung der Kohlarten (Brassica) zählen:


1. als Gemüsesorten die Art (Brassica oleracea)


Kopf-Gemüse:

Urkohl (flacher Kopf, erlebt eine Renaissance)

Weisskohl (klassische Kopfkohlsorte)

Blaukohl (klassische Kopfkohlsorte)

Wirsing (gewellte Blätter)


Blattgemüse:

Grünkohl / Federkohl / Braunkohl ( drei Namen je nach Ort anders benannt)

Schwarzkohl (auch als Palmkohl oder "Nero di Toscana" bekannt)

Collard Greens (in Amerika verbreiteter Markstamm Kohl)

Kai-Lan (Chinesischer Brokkoli, bei dem vor allem die Blätter und Stängel genutzt werden)


Blütengemüse:

Blumenkohl  (die essbaren Teile sind die gestauchten Blütenstände)

Romanesco (eine Variante des Blumenkohls mit türmchenförmigen Strukturen)

Brokkoli (verwandt mit Blumenkohl, aber mit grünen, weicheren Knospen)


Spross- und Stängelgemüse

Kohlrabi (die oberirdisch verdickte Sprossachse)

Rosenkohl (die kleinen "Köpfe" sind Seitensprossen oder Achselknospen)


Salatgemüse:

Oftmals werden im Frühjahr Schnittsalate von den jungen Pflanzen der Brassica oleracea geerntet. Noch bevor diese auswachsen und die bekannten Sorten sich in ihrer Form zeigen werden das Grün oder die Stängel geschnitten und zur würzigen Verwendung in den Salat beigemischt oder sogar selbst als heilkräftiger Salat verzehrt.


Entsprechend der Auflistung wird ersichtlich auf welche Teile der Pflanze man sich bei der Züchtungsarbeit von Ur- oder Wildkohl konzentrierte. War die Züchtung mit Fokus auf die Blüte, die Blätter oder auf den Stängel ausgerichtet, so sind dort durch Stauung auch die essbaren Gemüseanteile entstanden.[22]


Näheres zu den Heilwirkungen dieser Art (Brassica oleracea) siehe unter Heilwirkung des Gemüsekohls.


2. als Rübsenkohl die Art (Brassica rapa)


Chinakohl

Pak Choi

Speiserübe, Mairübe, Teltower Rübchen


3. als Raps/Steckrübe die Art (Brassica napus)


Raps

Steckrüben


Zu der Gattung Rettiche (Raphanus)zählen:

Garten Rettich (Raphanus sativus), Radieschen, schwarzer Rettich, Daikon (asiatischer Rettich)


Zu verschiedenen Gattungen als Gewürze zählen:


Meerrettich (Armoracia rusticana)

Wasabi (Eutrema japonicum)

Weißer Senf (Sinapis alba)

Gartenkresse (Lepidium sativum)


Zu verschiedenen Gattungen als Blattsalate und Wildkräuter zählen:


Rucola / Senfrauke (Eruca sativa)

Brunnenkresse (Nasturtium officinale)


Nicht essbare Nutzpflanzen

Viele Zierpflanzen für Gärten entstammen der Familie der Kreuzblütler. Sie werden breit genutzt und sind aufgrund ihren kräftig leuchtenden Farben sehr geschätzt.[23]

Ein weiteres wesentliches Merkmal der Kreuzblütler ist die Besiedlung derjenigen Orte, wo sonst nichts anderes mehr wachsen würde. «Bis an die Grenzen des Lebensmöglichen sind sie Kämpfer der Sonne, des kosmischen Lebens» beschreibt Wilhelm Pelikan aus anthroposophischer Sicht den Nutzen dieser Pflanzen für Flora und Fauna des Planeten Erde.[24]

Etwa die Hälfte der Cruciferen sind sog. Unkräuter und somit nicht gern gesehen, da sie landwirtschaftliche Nutzung erschweren, wie beispielsweise die Acker-Schmalwand, das behaarte Schaumkraut, das Hirtentäschel, Acker Täschel Kraut oder auch Wildsorten des Senfs. Auch gibt es zwei Neophyten aus der Kreuzblütler Familie. Diese bereiten der Natur in Europa Sorge, da sie heimische Flora verdrängen. Orientalische Zackenschote (Bunias orientalis)[25] und Schmalblättriges Greiskraut (Senecio inaequidens).[26]Unkraut ist ein Begriff, den Wilhelm Pelikan aus anthroposophischer Sicht als Unbegriff bezeichnet. Ein besserer Begriff sollte für diese Art von Pflanzen gefunden werden, der zutreffend das beschreibt, was auch einem der Grundprinzipien der Kreuzblütler entspricht. «Es sind besonders lebenskräftige, den schlechtesten Böden Gedeihen abzwingende, äusserst fruchtbare Pflanzen, also sehr vitale Kräuter. Ihre ganze Existenz ist auf trotzige Lebenshaltung gestellt.»[27]


Systematik und Verbreitung

Zur Systematik und Verbreitung, als auch vertiefender Information aller Kreuzblütler wird auf die Auflistung in Wikipedia und anderer Lexiken verwiesen.


Heilwirkungen der Kreuzblütler

Allgemein

Zu den Heilpflanzen der Kreuzblütler zählen im umfassenden Sinne alle Gemüsesorten, als auch Gewürze. Davon erwähnt Wilhelm Pelikan aus anthroposophischer Sicht acht Kreuzblütler, deren Substanzen in der anthroposophischen Medizin direkt als Heilpflanzen eingesetzt werden. Dies sind: Der Meerrettich, die Brunnenkresse, das Löffelkraut, das Hitentäschel, das Hungerblümchen, das Wiesenschaumkraut, der Bauernsenf und der Goldlack.[28]

Da grundsätzlich alle Ernährungspflanzen der Kreuzblütler eine Heilwirkung haben, die weiter unten detailliert beschrieben wird sind alle Gemüsesorten, die sich durch Zucht entwickelt haben erwähnenswert. Sie tragen als Kulturpflanzen durch ihre ernährungswichtige Funktion dem bekannten Zitat von Hippokrates von Kos, der 400 Jahre v. Christus lebte, Rechnung:

«Lass die Nahrung deine Medizin sein und die Medizin deine Nahrung“

Nicht nur in der Naturheilkunde wird vom Heilungswert der Kreuzblütler gesprochen, auch wissenschaftliche Forschung belegt verschiedene Substanzen, die bei Erkrankungen gesundheitlich zum Vorteil gereichen.[29]


Inhaltsstoffe der essbaren Pflanzen mit ihrer Heilwirkung

Senfölglykoside

Als wesentliche Inhaltsstoffe sind die Schwefelölverbindungen zu benennen, die als Glucosinolate (Senfölglykoside) bezeichnet werden und deren Abbauprodukte wie Sulforaphan. Diese Senfölglykoside, die in allen Kreuzblütlern in verschiedenen Formen enthalten sind, werden wissenschaftlich als sog. sekundäre Pflanzenstoffe bezeichnet. Es sind Pflanzenstoffe, die nicht primär dem Wachstum dienen, wie es bei Proteinen, Kohlenhydraten oder Fetten der Fall ist. Es sind Substanzen, die in den Pflanzen Schutzfunktionen innehaben; beispielsweise zum Schutz vor Fressfeinden oder Fäulniserregern, als auch anderen Krankheitserregern. Bei den Kohlgewächsen ist es vornehmlich der leicht herbe, bittere oder pikante, scharfe Geschmack oder auch der stechende Geruch. Dieser kommt jedoch nicht vom Glykosid selbst, sondern vom hydrolisierten Senföl, dass beim Verletzen der Zellwand durch die hinzukommende Myrosinase entsteht. Myrosinase ist ein Enzym, das räumlich getrennt in der Pflanzenzelle gelagert ist und erst bei einem Verletzungsprozess hervor tritt. Dadurch werden die ätherischen Senföle freigesetzt und sind bioaktiv, was dann den spezifisch bekannten Geruch, wie beispielsweise beim Merrettich hervorbringt.[30]

Beim Menschen wirken diese freigesetzten Senföle antibakteriell und antiviral. Sie können das Wachstum von Bakterien und Pilzen hemmen. Ihnen werden auch antientzündliche Fähigkeiten zugeschrieben. Sie helfen bei akuten Entzündungen und bei der Reduktion von bereits chronischen Entzündungsprozessen.[31] Sie schützen ausserdem auch vor Gefässerkrankungen.[32]

Es gibt mehr als 80 verschiedene Senfölglykoside. Die am meisten bekannten Senfölglykoside sind.[33][34]

  • Glucobrassin (bei den meisten Kohlarten in unterschiedlicher Konzentration)
  • Glucoraphanin (in hoher Konzentration in den Sprossen von Brokkoli)
  • Gluconapin (Hauptbestandteil von den Senfölglykosiden im Raps)
  • Sinalbin (gibt dem weissen Senf seine Schärfe)
  • Sinigrin (vor allem im Meerrettich Bild)

Senfölglykoside finden sich kaum in anderen Pflanzenfamilien. Während bei anderen Pflanzenfamilien beispielsweise die Bitterstoffe als wesentliche chemische Abwehrmechanismen fungieren (Solanin bei den Nachtschattengewächsen), um Herbivore wie Insekten, Schnecken oder Säugetiere fernzuhalten,[35] ist bei den Kreuzblütlern die Freisetzung der stechenden Scharfstoffe (Senföle) der hauptsächliche Schutz vor Fressfeinden.[36]

Viele gesundheitliche Wirkungen der Kreuzblütler werden in den Substanzen gesehen, die man als sekundäre Pflanzenstoffe bezeichnet. Im einfachen Sinne zusammengefasst, ist all das was der Pflanze gegen Fäulniserreger, Fressfeinde oder andere Bakterien hilft, auch das was für den menschlichen Körper gesundheitliche Wirkungen bringt. Vornehmlich sind es die Senfölglykoside mit ihrem Schwefelanteil, die man durch Schneiden der Pflanzen und der  Hinzugabe von Essig oder Zitrone bei Rohkost vornehmlich aktiviert.[37]

Kreuzblütler enthalten viel Vitamin C

Vitamin C wird als ein Multitalent unter den Nährstoffen bezeichnet, welches unser Körper unbedingt benötigt. Es stärkt das Immunsystem, fördert die Entgiftung, beschleunigt die Wundheilung und fungiert als potentes Antioxidans. Überdies spielt Vitamin C eine Schlüsselrolle bei der Synthese von Kollagen, unterstützt die Aufnahme von Eisen und ist wichtig für ein gesundes Nervensystem. Dieses wasserlösliche Vitamin senkt Cholesterin und Histamin, kann bestimmte Allergien sowie Asthma und Bluthochdruck lindern und unterstützt die Produktion von Hormonen und Neurotransmittern. Vitamin C wird demnach für Wachstum und Reparatur in fast allen Teilen des Körpers benötigt und es wird ihm eine schützende Wirkung gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zugeschrieben, da es die Blutgefässe stärkt.[38]

Generell gelten Zitrusfrüchte als die klassischen Hauptlieferanten von Vitamin C. Was seltener bekannt ist, ist der hohe Gehalt von Vitamin C bei den Kreuzblütlern. Kohl beispielsweise enthält mehr Vitamin C auf 100 Gramm als Orangen.[39]

Sogleich stellt sich die Frage, warum die Kreuzblütler so reich an Vitamin C sind. Dies hat aus wissenschaftlicher Sicht mit den Senfölglykosiden zu tun. Vitamin C ist ein Co-Faktor für die Myrosinase, das Enzym, das die Senföle zur Entfaltung freisetzt. Ein hoher Gehalt an Senfölglykoside benötigt auch eine grössere Menge an Vitamin C. Vitamin C, als wasserlösliches Vitamin befindet sich im Zellplasma und ist damit ebenfalls getrennt gespeichert von der Myrosinase. Beim Kauen oder Zerstören der Zellstruktur finden alle drei Substanzen (Senfölglykoside, Myrosinase und Vitamin C) zusammen und es entstehen die typischen scharfen flüchtigen Senföle.[40]

Kreuzblütler enthalten viel Vitamin K 1

Vitamin K ist ein für die Blutgerinnung, als auch für die Knochengesundheit wichtiges Vitamin.[41] In allen grünen Kohlarten, Weisskohl, Brokkoli und Rosenkohl findet sich viel Vitamin K, da dieses Vitamin in einem Zusammenhang mit der Photosynthese steht.[42]

Die Rolle des Schwefels in den Senfölglykosiden

Der in den Senfölglykoside enthaltene Schwefel ist für den Eiweisstoffwechsel der Pflanze von Bedeutung. Jede Pflanze benötigt den Mineralstoff Schwefel zum Wachstum, so wie auch für den Körper des Menschen Schwefel essentiel ist. Im Menschen steht der Gehalt an Schwefel auf Platz Nr. 3. Zu den schwefelhaltigen Aminosäuren des Menschen zählen Methionin, Cystein, Cystin, Homocystein, Homocystin und Taurin. Methionin kann der Körper nicht selbst produzieren und wird daher als essentielle Aminosäure bezeichnet. Bei Pflanzen sind es die Aminosäuren Methionin und Cystein, die Schwefel enthalten, die die Pflanze selbst produziert und essenziell für den Eiweißstoffwechsel, die Enzymbildung, Vitamine und die allgemeine Pflanzenqualität sind; Schwefelmangel beeinträchtigt die Eiweisssynthese und Stickstoffverwertung. Pflanzen nehmen Schwefel hauptsächlich als Sulfat (SO₄²⁻) aus dem Boden auf und bauen ihn direkt in diese schwefelhaltigen Aminosäuren ein. Schwefel ist meist in den Vakuolen gespeichert.[43]

Für die Kreuzblütler dienen die Senfölglykoside nicht nur für den Schutz, sondern auch als Speicher für Schwefel. Bei ausreichender Schwefelversorgung können die Pflanzen sowohl die für das Wachstum notwendigen Stoffe bilden, als auch Senfglykoside und diese in den Zellen speichern. Steht der Pflanze in der Wachstumsphase nicht ausreichend Schwefel zur Verfügung, so werden weiterhin die für das Wachstum wichtigen Stoffe gebildet, während die Pflanze die Produktion der Senfölglykoside zurückfährt.[44]

Für den Fall, dass weniger Schwefel vorhanden ist, als für den Eiweisstoffwechsel der Pflanze benötigt wird, belegen Studien, dass bei den Kreuzblütlern eine Rückverwertung des Schwefels aus den Senfölglykosiden stattfindet.[45][46]

Einzelnachweise

  1. Kreuzblütler. In: Science Direkt. Abgerufen am 14.2.2026
  2. Kreuzblütler. In: Baumschule Horstmann. Abgerufen am 14.2.2026.
  3. Fotos Zierpflanzen. In: Baumschule Horstmann Fotos zu den Kreuzblütlern. Abgerufen am 14.2.2026
  4. Purpurglöckchen. In: Pflanzeninfothek. Artikel über das Purpurglöckcken, abgerufen am 14.2.2026.
  5. Kreuzblütler. In: Baumschule Horstmann. Abgerufen am 14.2.2026.
  6. Biodiversität. In: Umwelt im Unterricht. Artikel vom 15.5.2024, abgerufen am 14.2.2026.
  7. Kreuzblütler. In: Baumschule Horstmann. Abgerufen am 14.2.2026.
  8. Wilhelm Pelikan: Heilpflanzenkunde. Band 1. 4. Auflage. Philosophisch-anthroposophischer Verlag, Dornach 1980, ISBN 3-7235-0084-6, S. 131.
  9. Friedrich Markgraf: Familie Cruciferae. S. 114–116. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage, Band IV, Teil 1, Verlag Carl Hanser, München 1958.
  10. Merkmale Kreuzblütler. In: Sofatutor.com. Lerntext zum Thema Kreuzblütler, abgerufen am 14.2.2026
  11. Kreuzblütler. In: Baumschule Horstmann. Abgerufen am 14.2.2026.
  12. Wilhelm Pelikan: Heilpflanzenkunde. Band 1. 4. Auflage. Philosophisch-anthroposophischer Verlag, Dornach 1980, ISBN 3-7235-0084-6, S. 132.
  13. Kreuzblütengewächse. In: Karlsruher Institut für Technologie. PDF zu den Kreuzblütlern von Maron Riemann 2022, abgerufen am 14.2.2026
  14. Wilhelm Pelikan: Heilpflanzenkunde. Band 1. 4. Auflage. Philosophisch-anthroposophischer Verlag, Dornach 1980, ISBN 3-7235-0084-6, S. 131.
  15. Steckbrief Kreuzblütlergewächse. In: Hortica. Abgerufen am 14.2.2026.
  16. Nachtviolen. In: Natura DB. Abgerufen am 14.2.2026.
  17. Kreuzblütengewächse. In: Lexikon Pflanzenforschung.de. Abgerufen am 14.2.2026.
  18. Wilhelm Pelikan: Heilpflanzenkunde. Band 1. 4. Auflage. Philosophisch-anthroposophischer Verlag, Dornach 1980, ISBN 3-7235-0084-6, S. 132.
  19. Fortschritte in der Pflanzen- und Lebensmittelmetabolomik. In: MDPI. Artikel zum Thema der Auswirkungen von Schwefel auf den Glucosinolatstoffwechsel, erschienen am 10.7.2025
  20. Wilhelm Pelikan: Heilpflanzenkunde. Band 1. 4. Auflage. Philosophisch-anthroposophischer Verlag, Dornach 1980, ISBN 3-7235-0084-6, S. 131.
  21. Urkohl: Wie wir die Gene verändert haben. In: Planatura. Artikel von Felix Lill Ergebnis jahrhundertealter Züchtung, abgerufen am 14.2.2026.
  22. Urkohl: Wie wir die Gene verändert haben. In: Planatura. Artikel von Felix Lill Ergebnis jahrhundertealter Züchtung, abgerufen am 14.2.2026.
  23. Kreuzblütler. In: Gardenersworld. Liste der Zierpflanzen, abgerufen am 14.2.2026
  24. Wilhelm Pelikan: Heilpflanzenkunde. Band 1. 4. Auflage. Philosophisch-anthroposophischer Verlag, Dornach 1980, ISBN 3-7235-0084-6, S. 131.
  25. Invasive Neophyten. In: Engadin Nationalparkregion. Pdf, abgerufen am 14.2.2026.
  26. Schmalblättriges Greiskraut. In: neophyt.ch. Liste von Neophyten, abgerufan am 14.2.2026
  27. Wilhelm Pelikan: Heilpflanzenkunde. Band 1. 4. Auflage. Philosophisch-anthroposophischer Verlag, Dornach 1980, ISBN 3-7235-0084-6, S. 134.
  28. Wilhelm Pelikan: Heilpflanzenkunde. Band 1. 4. Auflage. Philosophisch-anthroposophischer Verlag, Dornach 1980, ISBN 3-7235-0084-6, S. 140-147.
  29. Kreuzblütler - Wie Brokkoli und Co. die Gesundheit fördern. In: Zentrum der Gesundheit. Artikel von Steffi Müller vom 9.1.2026, abgerufen am 14.1.2026.
  30. Senfölglykosid. In: Chemie.de. Lexikoneintrag, abgerufen am 14.2.2026
  31. Glucosinolate: Der gesunde Biss in Kohlgemüse. In: Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention. Artikel über sekundäre Pflanzenstoffe, abgerufen am 14.2.2026.
  32. Kreuzblütler schützen vor Gefässerkrankungen. In: Rosenfluh. Artikel über kalzifizierte Ablagerungen, abgerufen am 14.2.2026.
  33. Senfölglykoside. In: Kräuterbuch.de. Artikel von Thorsten Purle vom 10.4.2022, abgerufen am 14.2.2026.
  34. Senfölglykoside. In: Spektrum.de. Eintrag im Lexikon, abgerufen am 14.2.2026.
  35. Glykoalkaloide entpuppen sich als Krebskiller. In: Onkologie Journal. Artikel vom 4.1.2022, abgerufen am 14.2.2026.
  36. Senfölglykoside. In: Pharma-Wiki. Abgerufen am 14.2.2026.
  37. Welche wichtigen sekundären Pflanzenstoffe gibt es? In: A.Vogel. Artikel Teil 2 über sekundäre Pflanzenstoffe, abgerufen am 14.2.206.
  38. Vitamin C: Der unterschätzte Alleskönner. In: Women in Balance. Artikel von Marieke Goethe vom 17.12.2025, abgerufen am 14.2.2026.
  39. In diesen Lebensmitteln steckt am meisten Vitamin C. In: Apotheken-Umschau. Artikel von Dr. Johann Roch vom 7.5.2024, abgerufen am 14.2. 2026.
  40. Scharfmacher mit Profil. In: Pharmazeutische Zeitung. Artikel vom 30.10.2000, abgerufen am 14.2.2026.
  41. Unterschätzt – Warum Vitamin K so wichtig ist. In: Vegavero. Artikel zum Vitamin K, abgerufen am 14.2.2026.
  42. Chemische Struktur von Vitamin K. In: Medical News. Artikel von Dr. Ananya Mandal, MD vom 21.3.2023, abgerufen am 14.2.2026.
  43. Schwefel. In: Nutri Net. Artikel vom 1.7.2025, abgerufen am 14.2.2026.
  44. Wachstum oder Schadensabwehr. In: Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzen Physiologie. Artikel von Dr. Rainer Höfgen vom 24.10.2016, abgerufen am 14.2.2026.
  45. Remobilisierung und Schicksal des Schwefels im Senf. In: National Library of Medicine. Artikel von Ann Bott vom 10.6.2019, abgerufen am 14.2.2026.
  46. Schwefelmangelbedingter Glucosinolat-Katabolismus, der auf zwei β-Glucosidasen, BGLU28 und BGLU30, zurückzuführen ist, ist für die Aufrechterhaltung des Pflanzenwachstums unter Schwefelmangel erforderlich. In: Oxford Academic. Artikel vom 12.2.2020, abgerufen am 14.2.2026.


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