Heilwirkungen des Gemüsekohls

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Weißkohl (Brassica oleracea)
Feld mit gekräuseltem Kohl
Romanesco

Die Heilwirkungen des Gemüsekohls (Brassica oleracea), der zur Familie der Kreuzblütler gehört, gründen sich auf den reichhaltigen Inhaltstoffen, wie Vitamine, Mineralien und den speziellen, den Kreuzblütlern (Brassicaceae) eigenen Senfölen. Viele Zuchtformen wurden über Jahrhunderte hinweg aus dem ursprünglichen Wildkohl (Brassica oleracea), hin zu den verschiedenen Sorten des essbaren Gemüsekohls erschaffen. Lange Zeit war Kohl kaum in der feineren Küche anzutreffen und galt als das sogenannte „Arme-Leute-Essen“. Für einen Großteil der Bevölkerung bildete er in Notzeiten und in der kalten Winterzeit die Grundlage ihrer Versorgung.[1]

Schon seit dem 18. Jahrhundert ist bekannt, dass Kohl in der Form von Sauerkraut die gefürchtete Krankheit Skorbut bei den Seefahrern überwinden half.

Seit den 60er Jahren wurde die Bedeutung der Senfölglycoside, die in allen Pflanzen der Familie der Kreuzblütler vorkommen, zunehmend erforscht und in ihrer Bedeutung für ihre antioxidative und immunstärkende Wirkung bekannt gemacht. Inzwischen gibt es eine beträchtliche Anzahl von Studien innerhalb der Krebsforschung und Krebsvorsorge im Hinblick auf die antikanzerogene Wirkung der Senfölglycoside.

Bei einigen Kohlsorten, wie z. B. dem Rosenkohl[2] und Grünkohl[3] wurde diese gesund­heitliche Wirkung explizit erforscht und in der Gegenwart rückt sie weiter in den Fokus.[4]

In der anthroposophischen Forschung wird die dynamische Kraft der Stoffbildung und Stoffverwandlung dieser Pflanzenart erwähnt: „Viel Stoff- und wenig Formtrieb!“

Aus geistiger Forschung besitzt der Kohl eine Heilwirkung auf die Seelenkraft des Willens. Mit dem Verzehr von Kohlgemüse nimmt der Mensch eine lebenskräftige Substanz zu sich und belebt damit die Wertschätzung zu allen praktischen Fähigkeiten und Arbeiten im Leben.

Beschreibung

Wildkohl im Blütenstand

Gemüsekohl (Brassica oleracea) ist eine Pflanzenart der Gattung Kohl (Brassica) in der Familie der Kreuzblütlergewächse (Brassicaceae oder Cruciferae). Alle heutigen, essbaren Sorten sind aus der Wildform (Brassica oleracea) entstanden. Der Wildkohl selbst kommt innerhalb des deutschen Raumes nur in Helgoland vor, da er ein feuchtes, ozeanisch geprägtes Klima bevorzugt.[5]

Die Kohlpflanzen gedeihen in schnell aufeinanderfolgenden Wachstumsphasen.[6] Vom ersten Keimen bis zur reifen Kopfbildung dauert es nur ca. 75 bis 100 Tage. Die meisten Kohlsorten werden im ersten Wachstumsjahr zum Verzehr geerntet und kommen erst im zweiten Jahr zur Blüte. Bei ihnen bilden die Blätter und Stängel die essbaren Anteile. Dagegen blühen der Blumenkohl und Brokkoli bereits im ersten Jahr und werden noch vor dem Erblühen, mit geschlossenen Knospen geerntet.

Überfrorener Grünkohl im Winter

Einige Kohlpflanzen, wie der Grünkohl, Rosenkohl und Wirsing, vertragen Frost. Um sie als Wintergemüse frisch verwenden zu können, werden sie in der Zeit von Mai bis Juni ausgesät und gepflanzt und können bis in den Spätherbst oder Winter hinein geerntet werden. Mit ihrem hohen Anteil an Vitaminen spenden sie in der kalten Zeit einen wesentlichen Beitrag für die gesunde Ernährung.[7]

Überall wo die Kreuzblütler zur Nahrungspflanze gezüchtet sind, zeigen sie stets runde Formen in verschiedenster Ausprägung. Vorübergehendes Stauen und Anschwellen im Blattbereich kennzeichnet ihren Wachstumsprozess.[6] Die starken, plastisch wirkenden Kräfte, die in dieser Kohlfamilie angelegt sind, eignen sich wie kaum bei einer anderen Pflanzenart für eine formenreiche Züchtungsarbeit. Wie aus einer Pflanzenart eine Vielzahl an Sorten entstanden ist, dafür dient gerade der Kohl oft als Modell für die Evolutionsforschung in Schule und Unterricht.[8]

Zuchtformen (Auswahl)

Blumenkohl
Wirsing
  • Blumenkohl und Romanesco (Brassica oleracea var. botrytis)
  • Brokkoli (Brassica oleracea var. italica)
  • Grünkohl (Brassica oleracea var. sabellica)
  • Kohlrabi (Brassica oleracea var. gongylo)
  • Rotkohl (Brassica oleracea convar. capitata var. rubra)
  • Rosenkohl (Brassica oleracea var. gemmifera)
  • Spitzkohl (Brassica oleracea var. capitata fo. alba subfo. conica)
  • Weißkohl (Brassica oleracea convar. capitata var. alba)
  • Wirsing (Brassica oleracea convar. capitata var. sabaud)

Merkmale

Der Gemüsekohl ist eine ein- bis zweijährige (Kulturformen) oder ausdauernde, krautige Pflanze, die im höheren Alter verholzt sein kann. Die Wuchshöhen betragen meist 50 bis 100 (40 bis 120) Zentimeter.[9] Der Stängel ist abstehend-sparrig, jedoch wenig verzweigt und aufrecht.

Bei den heutigen Gemüsekohlarten gibt es verschiedene Blattarten. Glatte und ovale Blätter finden sich beim Weißkohl, Rotkohl und Blumenkohl, während der Grünkohl und Wirsing stark gekräuselte und blasige Blätter aufweisen.

Wie der Name Kreuzblütler aussagt, zeigen die 4 Kronblätter eine kreuzartige Form, „zweimal übers Kreuz stehende, getrennte Kelchblätter“ in leuchtendem Schwefelgelb. Die Kelchblätter und die Staubblätter stehen aufrecht.[10] Die Blütezeit geht von Mai bis September. Bestäubt wird die Pflanze von Insekten oder durch Selbstbestäubung.

Die Früchte wachsen in Schoten. Die Samen verbreiten sich über Wind, durch Selbstausbreitung oder über den Menschen.[11]

Inhaltsstoffe und deren Wirkungen

Alle Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütler sind reich an den kohltypischen Senfölen. Diese wurden im 19. Jahrhundert wissenschaftlich isoliert, jedoch gelang ihre präzise Strukturaufklärung erst Mitte des 20. Jahrhunderts.[12] Senfölglycoside, auch Glucosinate geannt, sind schwefelhaltige, chemische Verbindungen. Sie wirken entzündungshemmend und besitzen eine starke antibakterielle und antivirale Wirkung. Es ist in einigen Studien nachgewiesen, dass Glucosinolate eine antikanzerogene Wirkung ausüben.[13]

Kohlgemüse sind reich an Vitamin A, Vitamin C und Vitamin K. Aus medizinischer Sicht wirken diese immunstärkend und entzündungshemmend.[7]

Ein wesentlicher Inhaltsstoff der Kohlgemüse ist die Folsäure. Sie ist ein wichtiges B-Vitamin, das verantwortlich ist für das Wachstum und die Vermehrung von Zellen, wie z. B. der roten und weißen Blutkörperchen. Dieses Vitamin kann der menschliche Körper nicht selbst herstellen und muss deshalb über die Nahrung aufgenommen werden.[14]

Die Kreuzblütlerpflanzen bieten allgemein wichtige Mineralien wie Calcium, Kalium und Magnesium.[15] Diese stärken den Knochenaufbau, die Muskel- und Herzaktivität und den Nerven und Energiestoffwechsel.[16]

Vertikal geschnittener Rotkohl
Foto: Friedrich Haag

Anthocyane oder Flavonoide kommen im Rotkohl und allgemein in blauen, violetten oder roten Gemüsearten vor. Sie besitzen antioxidative und immunstärkende Eigenschaften.[17]

Alle Gemüsekohlarten sind reich an Ballaststoffen und tragen deshalb zur Darmregulierung und Darmgesundung bei.[18] Wegen seiner vielen Ballaststoffe wird bei Diabestes der Verzehr von Gemüsekohlpflanzen angeraten. Diese helfen bei der Kontrolle des Blutzuckerspiegels, indem sie die Verdauung verlangsamen und dadurch den Spiegel des Blutzuckers stabilisieren können. Kohl besitzt einen niedrigen glykämischen Index (GI), wodurch der Blutzuckerspiegel verlangsamt ansteigt.[19]

Goitrogene Substanzen sind Stoffe, die die Schilddrüse beeinflussen können. Dazu gehören auch die Senfölglykoside (Glucosinolate). Sie können den Stoffwechsel der Schilddrüse stören und werden deshalb zu den goitrogenen Lebensmitteln gezählt. Jedoch muss ein übermäßig hoher Verzehr der entsprechenden Lebensmittel angesetzt sein, um schädliche Wirkungen zu entfalten.[20]

Medizinische Forschungen zu Senfölglycosiden

Senfölglycoside oder Glucosinolate sind sekundäre Pflanzenstoffe, die nicht dem Aufbau der Pflanze dienen, sondern ihrem Schutz vor Fraßfeinden, Krankheiten und Mikroorganismen. Sie sorgen auch für Farbe, Duft und Geschmack. Zunächst liegen sie inaktiv in der Pflanzenzelle vor und werden dann wirksam, sobald sie auf das Enzym Myrosinase treffen. Dies geschieht bei Anfressen durch Schädlinge oder Anschneiden der Kohlpflanzen.[21]

Spitzkohl auf dem Feld
Kohlpflanzen enthalten den sekundären Pflanzenstoff Glucosinolat, der für Farbe, Duft und Geschmack der Pflanze sorgt.

Die Senfölglycoside bilden den typischen Geschmack von Kohlpflanzen und der Schärfe von manchen Kreuzblütlern wie Radieschen oder Meerrettich. Sie zeigen deutliche Wirkungen gegen Viren, Bakterien, Pilzen und bei der Senkung des Cholesterinspiegels.[22]

Glucosinolate werden im Körper zu den bioaktiven Isothiocyanaten umgewandelt, die gesundheitliche Wirkungen auf zellulärer Ebene entfachen.[23] Insbesondere weisen sie antioxidative und immunstärkende Eigenschaften auf und fördern die Aktivierung von antikanzerogenen Effekten bei der Tumorbildung. Antioxidantien schützen den Körper, indem sie freie Radikale neutralisieren, vor einem sogenannten „oxidativen Stress“. Dieser kann z. B. durch Fremdeinwirkungen wie Rauchen, Umweltgifte usw. verursacht sein. Im weiteren Verlauf führt er zu Zellschädigungen, zu Erkrankungen des Herz-Kreislauf­systems, zu Krebsdisposition, Altersabbau und weiteren Krankheitsmechanismen.[24]

Es gibt bereits mehrere Studien zu Herzkreislauf- und Stoffwechselerkrankungen in Bezug auf die Anwendung von Senfölglycosiden. Bei vielen Probanden wurde eine positive, gesundheitliche Wirksamkeit bei vermehrten Verzehr von Gemüsekohl nachgewiesen.[25]

Andere medizinische Studien zu den Glucosinaten konnten bei Tierversuchen eine hemmende Wirkung der Tumorbildung in den Bereichen Magen, Brust, Leber und Lunge aufzeigen. Weitere Forschungen und Erkenntnisse weisen darauf hin, dass sich bei Personen durch erhöhten Verzehr von Kreuzblütlerpflanzen das Krebsrisiko verringert.[26] Das phytochemische Sulforaphan (SFN), das als sekundärer Pflanzenstoff in Kreuzblütengewächsen vorkommt, ist bekannt für seine Anti-Krebs-Eigenschaften. Eine Studie von 2017 hat nachgewiesen, „dass SFN die Lebensfähigkeit, Migration und Rohrbildung von HUVEC-Zellen verringerte, was alle wichtige Schritte in der Angiogenese sind.“[27]

Bedeutung von milchsauervergorenem Kraut

Geschichte

Geschnittener Weißkohl
Durch Milchsäuregärung kann Weißkohl zu Sauerkraut weiterverarbeitet werden.

Von den Chinesen ist bekannt, dass sie vor über 2000 Jahren die Milchsäuregärung für Kohlgemüse und andere Gemüsesorten anwandten.[28] Der griechische Arzt und Philosoph Hippokrates (um 460 v. Chr. – um 370 v. Chr.) kannte das Sauerkraut als Heilmittel und gesundes Lebensmittel.[29] Kaiser Tiberirus (42 v. Chr. – 37 n. Chr.) versorgte seine Soldaten während der Feldzüge mit Sauerkraut. Durch die Mitnahme von Sauerkraut als Nahrungs­mittel konnte James Cook im 18. Jahrhundert seine Schiffs­mannschaft vor der gefürchteten Krankheit Skorbut schützen.[30]

Wie sich das Sauerkraut in Europa verbreitete ist ungeklärt. Aufgrund seines hohen Gehalts an Vitmanin C und der einfachen Konservierungsmethode war es für einen Großteil der Bevölkerung ein wichtiges Lebensmittel. Dies ganz besonders in den Wintermonaten und Zeiten von Krieg. [31]

Gesundheitliche Aspekte

Weißkohl und Rotkohl, im Weckglas zu Sauerkraut fermentiert

Milchsauervergorenes Gemüse, darunter auch besonders das Sauerkraut, wird in der anthroposophischen Heilkunde als Diätetik bei der Krebserkrankung eingesetzt. Udo Renzenbrink (1913–1994), anthroposophischer Arzt und Ernährungsforscher, sagt zu den Wirkungen der Milchsäure, dass sie innerhalb der Zelle jene chemischen Aufbauprozesse fördere, die in der Krebskrankheit die gestörte Zellatmung wieder aktiviere und den Weg zu einer normalen Zellatmung schaffe.[32]

Der Sauerkrautsaft gilt in der Naturmedizin aufgrund der Milchsäuregärung allgemein als ein empfohlenes Mittel für Heilkuren und Diäten.[33]

Nach der geistigen Forschung von Heinz Grill ist das durch Milchsäurebakterien vergorene Weißkraut eines der besten Nahrungsmittel der Familie der Kreuzblütler. Metaphysisch zeigen bei einem gut durchsäuerten Kraut folgende Ätherstrahlungen:

„Betrachtet man das gut durchgesäuerte Kraut von der Kraft des Äthers, so zeigt es hellbläuliche Lichtätherdurchstrahlungen, verbunden auch mit kräftigeren bläulichen Wärmeätherstrahlungen.“[34]

Standpunkte zu den Heilwirkungen des Gemüsekohls

Ayurveda

Nach dem Ayurveda beeinträchtigt Kohl das Vata Dosha. Deswegen wird geraten, dass sich Menschen, bei denen der Vata-Anteil groß ist, beim Verzehr von Kohl zurückhalten. Durch verschiedene Gewürze kann man die Verdaulichkeit verbessern.[35]

Hildegard von Bingen

Die Heilkunde der Hildegard von Bingen (1089–1179) beruht auf dem antiken 4-Säfte-Lehre und daraus folgend auf der Lehre eines relativen Säfte-Gleichgewichtes. Die 4 Säfte bilden das Blut, der Schleim, die gelbe und die schwarze Galle. Darauf basierend enthalten aus ihrer Sicht die Kohlgemüse keine Heilwirkungen:

„Die Kohlarten sind von feuchter Natur und ihr Saft ist eher unnütz und in den Menschen werden Krankheiten von ihnen erzeugt und schwache Eingeweide werden verletzt.“[36]

Anthroposophische Ernährungsforschung

Nach Rudolf Hauschka (Foto) bewirken die Kreuzblütler eine „Beschleunigung und Durchfeuerung des Gesamtstoffwechsels“.

Rudolf Hauschka (1891–1969), Chemiker und Begründer der anthroposophisch ausgerichteten WALA Heilmittel GmbH erwähnt die dynamische Kraft der Stoffbildung und Stoffverwandlung dieser Pflanzenart, an welcher der Schwefelprozess stark beteiligt ist. Einerseits sei eine starke Substanzkraft in der Pflanze vorhanden und andererseits eine lebendige Verwandlungsfähigkeit, die den Züchtungen der Gemüsekohlarten über Jahrhunderte viele Möglichkeiten zur Formgestaltung eröffnet hat.

„Im Ganzen weißt also diese Pflanzenfamilie durch die ihre innewohnende Verwandlungskraft in Form und Stoff auf die plastischen und chemischen Aktivitäten hin, die vorzugsweise in der Leber lokalisiert sind. Sie begünstigen auf der einen Seite die Substanzbildung und Substanzablagerung, sie beschweren gewissermaßen das Leben mit Materie, aber sie tun das in der Wärme des sulfurischen Elements und bewirken daher andererseits auch die Beschleunigung und Durchfeuerung des Gesamtstoffwechsels. Beide Tendenzen sind in den Gliedern dieser Kreuzblütler vertreten, je nachdem in ihnen mehr das plastische oder das chemische Element vorherrscht.“[37]

Wilhelm Pelikan (1893–1981), Chemiker, anthroposophischer Heilmittelforscher und Mitbegründer der Weleda AG charakterisiert als Kennzeichen zur Familie der Kreuzblütler:

„Viel Stoff- und wenig Formtrieb!“[6]

Er beschreibt weiter, dass die Gattung der Cruciferen an allen Stellen ihres Wachstums eine so starke „ätherische Polsterung“ hätten, dass nirgends ein Durchbruch der astralen Wirkungssphären in das Physische erfolgen können. Es seien also „ätherstarke, derbe, kerngesunde Gewächse“, die keine wesentlichen Giftpflanzen bilden. „Wohl aber schenken sie manche wichtige Nährpflanze und Würzpflanze.“[38]

Wilhelm Pelikan hebt für alle Pflanzen der Familie der Kreuzblütler hervor, dass innerhalb ihrer Lebensprozesse die Vitaminbildung eine wichtige Rolle einnimmt. Besonders das C-Vitamin der Gemüsekohle gebe dem Menschen in den kargen, kalten Monaten eine wichtige Ernährungsgrundlage. „Dies ist als Antiskorbuta den Seeleuten und Polarreisenden seit langem bekannt.“[39]

Geistige Forschung

Rotkohl
„Wenn man viel Kohl isst, fördert man die Bereitschaft, mit beiden Händen anzupacken, sich dem praktischen Leben zu widmen.“
(Heinz Grill)

Heinz Grill, Schriftsteller, anthroposophischer Heilpraktiker und spiritueller Lehrer, geht von dem Standpunkt aus, dass die Materie als das letzte Glied von vorhergehenden, feineren Kräftewirkungen zu ihrer spezifischen Formung und sichtbaren Ausgestaltung gelangt. Dementsprechend findet bei der Erforschung der Kohlpflanze das Wirken des Kosmos an der Pflanze und ihrer physische Erscheinung eine Beachtung. Als Heilwirkung hebt Heinz Grill die Stärkung der menschlichen Willenskraft hervor.:

„Wenn man Kohl isst, so nimmt man damit eine sehr intensive Substanz mit großer Ätherkraft in sich auf. Diese Ätherkraft spiegelt sich bereits äußerlich in der Üppigkeit und auch in den sich rundenden formen wider. Mit den Kohlblättern führt man dem Körper eine kräftigende Nahrungssubstanz zu. Das Kraut trägt aber auch infolge seiner starken Äthertendenz Lichtkräfte in sich, doch sind diese durch die Schwere der Pflanzennatur nicht für die sensible Durchgestaltung der menschlichen Seelenkräfte ausreichend geeignet. In der Verdauung wird der Kohl abgebaut und durch ein Stadium der vollkommenen Auflösung geführt. Sehr viel Ätherkraft aus den Natursphären, die in den Blättern organisiert ist, verwandelt sich im Inneren des Stoffwechsels und der einzelne Mensch muss durchaus einige Energie aufbringen, um diese Nahrungs­pflanzen ohne größere Schwerebelastung zu verdauen. Das Willensleben wird durch diesen Einsatz gestärkt, wodurch der Mensch mehr praktischen Bezug zum Leben entwickeln kann. Der Kohl ist der Handwerker oder der dem Irdischen zugeneigte Praktiker unter den Gemüsesorten. Wenn man viel Kohl isst, fördert man die Bereitschaft, mit beiden Händen anzupacken, sich dem praktischen Leben zu widmen.“[40]

Nutzungsgeschichte

Kohlrabi, Aquarell von Claire Felloni

Wann und wo die Wildformen des Gemüsekohls in Kultur genommen wurden, lässt sich nicht nachvollziehen. Noch 1980 wurde etwa auf Samos die dort wild vorkommende Brassica cretica von den Einheimischen auf den Äckern kultiviert. Alle Wildformen und Kulturformen sind miteinander kreuzbar. Der Grüne Krauskohl lässt sich zumindest für das Griechenland des 3. Jahrhunderts v. Chr. nachweisen, ebenso für Italien.

In Deutschland findet er sich in den Kräuterbüchern des 16. und 17. Jahrhunderts. Kohlrabi und Markstammkohl werden von Plinius dem Älteren erwähnt, in Deutschland lässt er sich ab dem 16. Jahrhundert nachweisen. Die festen Kohlköpfe sind auch erst aus dieser Zeit nachgewiesen, dürften aber schon zur Zeit Hildegards von Bingen im 11. Jahrhundert existiert haben. Die Deutung von lateinisch strucium bzw. strutium (bzw. caulis agrestis) für Wildkohl als Brassica-Art ist wohl spekulativ.[41]

Brokkoli und Blumenkohl dürften aus Südgriechenland stammen. Über Genua (um 1490) dürften sie nach Frankreich, Flandern und Deutschland gekommen sein. Die ersten Abbildungen stammen von 1542. Der Rosenkohl wurde im 15. Jahrhundert in den spanischen Niederlanden beschrieben. In der mittelalterlichen Heilkunde wurde im deutschsprachigen Raum insbesondere der Gemüsekohl verwendet.[42]

Siehe auch

Literatur

  • Udelgard Körber-Grohne: Nutzpflanzen in Deutschland von der Vorgeschichte bis heute. Nikol, Hamburg 1995, ISBN 3-933203-40-6 (Lizenzausgabe).
  • Friedrich Markgraf: Familie Cruciferae. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage, Band IV, Teil 1. Verlag Carl Hanser, München 1958.
  • Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel (Hrsg.): Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Begründet von Werner Rothmaler. 13. Auflage. Band 2: Gefäßpflanzen. Volk und Wissen, Berlin (DDR) 1987, ISBN 3-06-012539-2.
  • Heinz Grill: Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. Die geistige Bedeutung der Nahrung. 9. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-2-0.
  • Wilhelm Pelikan: Heilpflanzenkunde I. 6. Auflage. Verlag am Goetheanum, Dornach 1999, ISBN 3-7235-1066-3

Weblinks

Commons: Gemüsekohl (Brassica oleracea) – Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema
  • Gemüsekohl – Artikel in Wikipedia
  • Kohl – Überblick über die verschiedenen Kohlarten, Artikel in Wikipedia
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Einzelnachweise

  1. Kohlgemüse. In: Planet Wissen. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
  2. Dr. Gisela Olias: Verzehr von Rosenkohl schützt weiße Blutkörperchen vor schädlichen Substanzen aus gegrilltem Fleisch. In: idw – Informationsdienst Wissenschaft. Abgerufen am 8. Dezember 2025.
  3. Anti-Krebs-Gemüse: Grünkohl wirkt vorbeugend gegen Krebserkrankung. In: mt-portal.de. Abgerufen am 8. Dezember 2025.
  4. Senfölglykoside. In: Zentrum der Gesundheit. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
  5. Deutsche Kohlsorten von A-Z. Liste mit über 50 Kohlarten. Kohlgemüse. In: Hortica. Abgerufen am 8. Dezember 2025.
  6. 6,0 6,1 6,2 Wilhelm Pelikan: Heilpflanzenkunde I. 6. Auflage. Verlag am Goetheanum, Dornach 1999, ISBN 3-7235-1066-3, S. 131.
  7. 7,0 7,1 AKE Tipp im Februar: Wirsingkohl. In: Arbeitskreis für Ernährung. Abgerufen am 10. November 2025.
  8. Metamorphosen des Pflanzenkörpers als Resultat von Auslese und Züchtung am Beispiel der Zuchtformen des Kohls. In: BIOkybernetisches Zentrum AAChen. Abgerufen am 12. Dezember 2025.
  9. Ihsan A. Al-Shehbaz: Datenblatt Brassica oleracea. 2012. In: Jepson Jepson Herbarium. Abgerufen am 17. Dezember 2025.
  10. Wilhelm Pelikan: Heilpflanzenkunde I. S. 132.
  11. Friedrich Markgraf: Familie Cruciferae. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage, Band IV, Teil 1. Verlag Carl Hanser, München 1958, S. 439–454.
  12. Bedeutung von Senföl. In: Wisdom Library. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
  13. Cruciferous vegetables: cancer protective mechanisms of glucosinolate hydrolysis products and selenium. In: National Library of Medicine. Abgerufen am 10. November 2025 (englisch).
  14. Astrid Daling: Folsäure und Folsäuremangel. In: gesundheit.de. Abgerufen am 10. November 2025.
  15. Nutritional benefits of cruciferous vegetables. In: HRI. Abgerufen am 17. Dezember 2025 (englisch).
  16. Mineralstoffreiche Ernährung. In: gesundheit.de. Abgerufen am 10. November 2025.
  17. Sekundäre Pflanzenstoffe und ihre Wirkung auf die Gesundheit. In: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. Abgerufen am 10. November 2025.
  18. Mit Gewürzen Blähungen durch Kohl vermeiden. In: ndr.de. Abgerufen am 17. November 2025.
  19. Wintergemüse Kohl – Warum er bestens für Diabetiker geeignet ist. In: ambulanzzentrum-schweinfurt.de. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
  20. Soja und andere Goitrogene – verboten oder erlaubt? In: Schilddrüsenunterfunktion, Hashimoto und Hormone. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
  21. Senfoele. Senföle, Glucosinolate. In: paracelsus.de. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
  22. Sekundäre Pflanzenstoffe. Wichtig für Pflanzen – gesund für Menschen. In: Bundeszentrum für Ernährung. Abgerufen am 9. Dezember 2025.
  23. Jan Oliver Fricke: Glucosinolate. In: Vitaes Gesundheits Magazin. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
  24. Antioxidantien neutralisieren freie Radikale. In: AOK. Gesundheitsmagazin. Abgerufen am 10. November 2025.
  25. Mechanisms Underlying Biological Effects of Cruciferous Glucosinolate-Derived Isothiocyanates/Indoles: A Focus on Metabolic Syndrome. In: frontiersin.org. Abgerufen am 14. Dezember 2025 (englisch).
  26. Glucosinolate: Der gesunde Biss in Kohlgemüse. In: Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET). Abgerufen am 12. Dezember 2025.
  27. P. Liu, S.J. Atkinson, S.E. Akbareian et al.: Sulforaphan übt Anti-Angiogenese-Wirkungen gegen hepatozelluläres Karzinom durch Hemmung der STAT3/HIF-1α/VEGF-Signalgebung aus. Sci Rep 7, 12651 (2017). In: scientific reports. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
  28. Gemüse: Durch milde Säure haltbar. In: UGB. Vereine für unabhängige Gesundheitsberatung. Abgerufen am 19. Dezember 2025.
  29. Sauerkraut. In: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft. Abgerufen am 19. Dezember 2025.
  30. Skorbut. In: Planet Wissen. Abgerufen am 19. Dezember 2025.
  31. Sauerkraut. In: Planet Wissen. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
  32. Udo Renzenbrink: Diät bei Krebs. Was tun zur Vorsorge? 4. Auflage. Druckerei Schwerdtner GmbH, Stuttgart 1991, ISBN 3-922290-30-2, S. 38–39.
  33. Sauerkrautsaft: Diese Gesundheitsvorteile lassen sich erwarten. In: heilpraxisnet.de. Abgerufen am 10. November 2025.
  34. Heinz Grill: Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. Die geistige Bedeutung der Nahrung. 9. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-2-0, S. 113.
  35. Indischer Kohlsalat. In: praxis-pandya.de. Abgerufen am 19. Dezember 2025.
  36. Gemüse. In: hildegardvonbingen.info. Archivlink, abgerufen am 19. Dezember 2025.
  37. Rudolf Hauschka: Ernährungslehre. Zum Verständnis der Verdauung und der ponderablen und imponderablen Qualitäten der Nahrungsstoffe. 9. Auflage. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 1951, ISBN 3-465-01871-0, S. 129.
  38. Wilhelm Pelikan: Heilpflanzenkunde I. S. 134.
  39. Wilhelm Pelikan: Heilpflanzenkunde I. S. 140.
  40. Heinz Grill: Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. S. 111–112.
  41. Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 229 („Strucium – wiltkol, ungeplanzet kol, caulis agrestis […] est cauliculus agrestis“).
  42. Vgl. Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes).
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