Ernährung aus ganzheitlicher Sicht

Ernährung aus ganzheitlicher Sicht oder Ganzheitliche Ernährung, auch Holistische Ernährung, findet man in verschiedenen modernen Ernährungskonzepten, meist verbunden mit einer Beratung zu gesundheitlichen Fragen.[2] Traditionelle Ernährungslehren wie beispielsweise der indischen Heilkunst Ayurveda oder die Makrobiotik verfolgen ebenfalls einen ganzheitlichen Ansatz.
In dem ganzheitlichen Ernährungsansatz wird sowohl der Mensch als auch die Nahrung als ein Ganzes betrachtet. Dabei ist das Ziel, den Menschen in seiner Ganzheit von Körper, Seele und Geist wahrzunehmen und diese drei Ebenen in Balance zu bringen. Die Nahrung wird nicht mehr nur bezogen auf die Wirkung einzelner Nährstoffe, sondern in ihrer Gesamtheit gesehen, d. h. auch die Herkunft, die Qualität sowie die Zubereitung und mögliche Kombinationen finden eine Berücksichtigung.[3]
Die Geisteswissenschaft erweitert dieses Verständnis, indem sie die Aufgabe des Menschen darin sieht, sich durch vertiefte Auseinandersetzung den metaphysischen Wirkungen der einzelnen Nahrungsmittel anzunähern. Auf diese Weise wird das Essen sowohl ein aktiver Bewusstseinsprozess als auch Gegenstand geistiger Forschungsarbeit.[4]
Etymologie des Wortes Ganzheitlichkeit
Der Begriff Ganzheitlichkeit ist vom althochdeutschen Adjektiv ganz abgeleitet, das „heil“, „unversehrt“, „vollständig“ oder „gesamt“ bedeutet. Er wird heutzutage in verschiedenen Kontexten gebraucht wie beispielsweise in der Ernährung, in der Medizin oder im Menschenbild.[5]
Ganzheitlichkeit in verschiedenen Ernährungslehren
Trotz mancher Unterschiede zwischen traditionellen und modernen ganzheitlichen Ernährungskonzepten ist eine wesentliche Gemeinsamkeit das Bestreben, ein bestehendes Ungleichgewicht im Menschen in ein besseres Gleichgewicht zu führen.
Traditionelle Ernährungslehren
Makrobiotik
Das Wort Makrobiotik (von altgriechisch μακρός makros „groß“, und βιοτικός biotikos „das Leben betreffend“) entstand in der Antike und bezeichnet eine Lebensweise, die zu einem gesunden, langen Leben führen soll.
Der Begriff makróbios (μακρόβιος) wurde schon von Herodot und Hippokrates von Kos verwendet.[6] Sie bezeichneten damit Menschen, die gesund sind und sehr alt werden. Aristoteles und andere klassische Autoren beschrieben einen Lebensstil als Makrobiotik, der auf einer einfachen Ernährungsweise fußt und Gesundheit und ein langes Leben verspricht. Im deutschen Sprachraum taucht die Bezeichnung 1796 in Christoph Wilhelm Hufelands Hauptwerk „Die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern“ auf. Die neuzeitliche Makrobiotik als „Lehre von einem langen Leben“ wurde maßgeblich durch dieses Werk von Hufeland geprägt.[7]

Eine neuere Form von Makrobiotik entwickelte der Japaner Georges Ohsawa. Sie ist eine auf taoistischen Lehren und asiatischen Traditionen basierende Ernährungs- und Lebensweise, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen der New-Age-Bewegung auch in der westlichen Welt zahlreiche Anhänger fand. Nach dem Tod von Ohsawa wurde seine Lehre von einigen seiner Schüler modifiziert und weiterentwickelt.
Georges Ohsawa zufolge gibt es nur eine wirkliche Krankheit:
„[…] die ursprüngliche Sünde, ein Verspotten der Naturgesetze, eine Verleugnung der Wahrheit durch nichts als Unwissenheit oder nichts als Eigensinn, ein Auflehnen des eigenen Ich gegen die unveränderliche, uranfängliche Ordnung des Universums.“
Für ihn wird „jede Krankheit durch ein Ungleichgewicht von Yin und Yang verursacht“.[8] Ein ausgewogenes Verhältnis in der Nahrung führt zu einem ausgeglichenen Zustand des Qi im Körper. Alle Lebensmittel werden nach den Yin-und-Yang-Prinzipien entsprechend ihrer energetischen Eigenschaft eingeteilt in Yin (ausdehnend), Yang (zusammenziehend) oder völlig ausgewogen. Wichtigste Nahrungsgrundlage der Makrobiotik ist generell das ganze Korn verschiedener Getreidearten, vor allem Reis. Nach makrobiotischer Auffassung führt eine Yang-betonte Ernährung zu inneren Verspannungen, eine Yin-betonte Ernährung dagegen zu Konzentrationsmangel und Gedächtnisschwäche.[9]
Ayurveda
Ayurveda oder Ayurweda (Sanskrit आयुर्वेद, IAST āyurveda, deutsch „Wissen vom Leben“, von veda „Wissen“) ist eine traditionelle indische Heilkunst, die viele Anwender in Indien, Nepal und Sri Lanka hat.
In der Typologie spricht man von drei unterschiedlichen Lebensenergien, den sogenannten Doshas:[10]
- Vata (Wind, Luft und Äther), das Bewegungsprinzip
- Pitta (Feuer und Wasser), das Feuer- bzw. Stoffwechselprinzip
- Kapha (Erde und Wasser), das Strukturprinzip
Dosha (oder Doscha) bedeutet wörtlich übersetzt „Fehler(potential)“. Diese kommen nach ayurvedischer Vorstellung in jedem Organismus vor, da sie gemeinsam alle Vorgänge des Organismus ermöglichen. In einem gesunden Organismus sollten sich diese „Energien“ in einem harmonischen Gleichgewicht befinden, da sie sonst Fehler im System hervorrufen. Im Gesamteindruck gibt es bei jedem Individuum ein oder zwei generell vorherrschende Doshas, seltener sind alle drei gleich stark ausgeprägt.
Ausgehend von den drei Doshas und wie sie im Individuum ausgeprägt und wirksam sind, ergibt sich ein individueller Konstitutionstyp des Menschen. Danach richtet sich die Ernährungsempfehlung, die wiederum nicht nur die Auswahl, sondern darüber hinaus die Art der Zubereitung mit einbezieht.[11]
Moderne Konzepte als Antwort auf gesundheitliche Fragen

„Deine Nahrung sei deine erste Arznei.“
– Hippokrates im 5. Jh. v. Chr.[3]
Aufgrund der Zunahme gesundheitlicher Probleme durch einen ungesunden Lebensstil scheint das Thema der ganzheitlichen Ernährung aktueller denn je. Laut einer Studie ist jeder fünfte Todesfall pro Jahr auf eine mangelhafte Ernährung zurückzuführen.[2]
Empfehlungen zu einer gesünderen, ganzheitlichen Ernährungsweise finden sich bei Krankenkassen,[2] Ernährungsberatungsstellen[12] und Gesundheitskonzernen.[3]
Diese sprechen vom Menschen als einer Einheit von Körper, Seele und Geist und haben als Ziel, diese drei Ebenen in ein gesundes Gleichgewicht zu führen. Dabei geht es um eine differenzierte Betrachtung des Individuums, seiner Lebensumstände, Gewohnheiten, Vorerkrankungen, seelischer Probleme und anderer äußerer Einflüsse, die für die Entwicklung einer adäquaten Ernährungsweise zu berücksichtigen sind:
- „Ernährung kann erst einen positiven Einfluss auf die Gesundheit und das Wohlbefinden haben, wenn sie auf die jeweilige Person und ihre Umstände zugeschnitten ist.“[2]
Grundsätzlich wird von ganzheitlichen Ernährungskonzepten geraten, regionale, saisonale und unbehandelte, biologische Lebensmittel zu verwenden und bei den Mahlzeiten auf eine ruhige Umgebung und ein bewusstes und langsames Essen zu achten.
Erweiterung aus geisteswissenschaftlicher Sicht
Angelus Silesius geht davon aus, dass nicht die physische Substanz den Menschen nährt, sondern das, was diese als Lebenskraft, als geistige Substanz in sich trägt:
„Das Brot ernährt dich nicht:
Was dich im Brote speist,
Ist Gottes ew′ges Wort,
Ist Leben und ist Geist.“
Angelus Silesius weist auf eine Dimension der Nahrung hin, die sich unserer materiell-sinnlichen Wahrnehmung entzieht. Auch Heinz Grill beschreibt die Ernährung als eine den ganzen Menschen umfassende Thematik, der das einzelne Individuum neben der äußeren Wirklichkeit auf einer seelisch-geistigen Ebene begegnet:
- „Eine ganzheitliche Betrachtung der Ernährung bleibt nicht bei der physischen Nahrungssubstanz stehen, sondern schließt die menschliche Natur mit ihrem Wissen und ihren Beziehungsmöglichkeiten ein, denn der Mensch begegnet einmal der physischen Seite der Nahrung, das heißt zum Beispiel den Mineralien, Fetten, Kohlehydraten und Proteinen, aber er begegnet dieser nicht nur in der äußeren Wirklichkeit, sondern auch auf einer Seelenebene und auf einer Geistebene. Die Ernährung im ganzheitlichen Sinne betrachtet deshalb die physische Seite, die die offensichtlichste und am leichtesten erkennbare ist, im Lichte der Begegnung mit einem Bewusstsein über ein existentes Seelen- und Geistesleben.“[4]
Mit Berücksichtigung der seelisch-geistigen Ebene des Menschen ist gleichzeitig dessen Entwicklung angesprochen. Rudolf Steiner bezeichnet dementsprechend die Ernährung des menschlichen Körpers als etwas, das dieser Entwicklung nicht im Wege stehen soll:
- „[…] der Mensch kann dadurch, dass er sich mit der Erkenntnis des geistigen Lebens durchdringt, danach trachten, dass er frei und unabhängig sei, so dass ihn dasjenige, was er isst, nicht hindert, dasjenige zu sein und zu werden, was ein Mensch werden kann.“[14]
Drei wesentliche Bereiche einer ganzheitlichen Ernährung
Eine Ernährung aus ganzheitlicher Sicht umfasst nach geistigen Gesichtspunkten die Auswahl der Nahrung, die Art der Zubereitung und das Essen an sich. Auch die Esskultur und die Art und Weise, wie der Mensch dem Essen begegnet, erscheinen von diesem Standpunkt als sehr wesentliche Aspekte.[15]
Auswahl der Lebensmittel

Die Auswahl von Lebensmitteln wird am heftigsten diskutiert und es stehen sich zahlreiche Gegensätze gegenüber: Aufgrund eines Anstiegs gesundheitlicher Probleme, mit bedingt durch eine mangelnde oder einseitige Ernährungsweise, gibt es die Ansicht, wieder zurück zu einer Art „Ur-Nahrung“ kommen zu müssen. Ein Beispiel ist die Paleo-Diät, die sich auf die angenommenen Nahrungsmittel der Steinzeitmenschen beschränkt und in der Fleisch einen großen Raum einnimmt. Menschen wiederum, die sich viel mit Umweltbelastungen und dem Wohl der Tiere auseinandersetzen, propagieren eine vegetarische oder vegane Ernährung, die teilweise oder ganz auf tierische Produkte verzichtet.[16]
Institute, die sich der Überprüfung der Lebensmittelqualität auf materieller Ebene widmen, sind beispielsweise die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) oder das Fraunhofer IME, das die Lebensmittelqualität folgendermaßen definiert:
- „Lebensmittelqualität definiert sich über verschiedene Parameter. Ein gutes Lebensmittel soll sowohl optisch als auch sensorisch ansprechend als auch von konstanter Qualität sein. Darüber hinaus soll es möglichst ressourceneffizient produziert werden.“[17]
Gedanken aus geistiger Forschung erweitern auch die Kriterien zur Lebensmittelauswahl. Sie bringen das Kriterium ein, nicht nur das Gesundwerden des physischen Körpers oder die Einteilung der Lebensmittel in die Kategorien „gesund“ und „ungesund“ zu beachten, sondern auch ihre seelische und geistige Wirkung mit berücksichtigen. Um zu tieferen Einsichten in die vielschichtigen Wirkungen eines Nahrungsmittels zu gelangen, bedarf es einer Auseinandersetzung, die sowohl materielle Gesichtspunkte berücksichtigt als auch Aussagen von Geistforschern über metaphysische Charakteristiken mit einbezieht.[18]
Einige allgemeine Kriterien zur Lebensmittelauswahl

- Welche und wie viele Nährstoffe (Proteine, Kohlenhydrate, Fette etc.) soll das Essen enthalten? Ist das Essen für gesunde oder für kranke Menschen bestimmt? Geht es um die Zubereitung eines Essen für körperlich Arbeitende oder für Menschen, die eine Denkleistung vollbringen?
- Da die Nährstoffe in einigen Nahrungsmitteln vom menschlichen Körper nur bedingt aufgenommen werden können oder schwer verdaulich sind, bedarf es eventuell sinnvoller Kombinationen von Nahrungsmitteln oder Gewürzen.
- Die Energie, die die Nahrungspflanzen dem Menschen zur Verfügung stellen, bildet ebenfalls einen bedeutsamen Aspekt bei der Nahrungsauswahl. Die Lebenskräfte, auch Ätherkräfte genannt, werden durch die kosmischen Kräfte herangebildet, die während der Wachstumsphase an der Pflanze wirken. Diese Ätherkräfte können mehr oder weniger vorhanden sein und sind entscheidend für die Qualität eines Nahrungsmittels.
- Jedes Nahrungsmittel hat eine andere Wirkung auf den Menschen, sei es auf den physischen Körper, auf die Verdauung oder auf die Bewusstseinsprozesse, die der Mensch jeden Tag leistet.[20]
Beispiel: Auswahlkriterium Eiweiß
Eiweiß (Protein) gilt als lebensnotwendiger Energielieferant. Der Mensch kann sich nun mit verschiedenen Fragestellungen der Auswahl des Eiweiß annähern: Bevorzugt er ein pflanzliches Eiweiß wie das in Hülsenfrüchten oder Nüssen und Saaten (essbare Samen von Pflanzen) oder ein tierisches Protein? Wie viel Eiweiß enthält das Nahrungsmittel und wie kann der menschliche Organismus dieses verwerten? Was ist dementsprechend eine adäquate Menge? Und nicht zuletzt: Wie ist die Wirkung der verschiedenen Eiweißlieferanten auf das Bewusstsein des Menschen? Zu letztgenannter Frage existieren verschiedene Aussagen, denen man sich wiederum forschend und beobachtend annähern kann:[21]
Pflanzliches Eiweiß, wie dasjenige der Sojabohne, unterscheidet sich in seiner Charakteristik wesentlich vom Milcheiweiß. Rudolf Steiner beschreibt beispielsweise die Milch als etwas, das den Menschen in eine nahe Beziehung zur Erde bringt:
- „Alles das, was durch die Milchnahrung dem menschlichen Organismus zugeführt wird, das bereitet ihn dazu, ein menschliches Erdengeschöpf zu sein, bringt ihn zusammen mit den Verhältnissen der Erde, aber es fesselt ihn nicht eigentlich an die Erde. Es macht ihn zum Erdenbürger und hindert ihn nicht, ein Bürger des ganzen Sonnensystems zu sein.“ [22]
-
Reife Sojabohnen
Sojaeiweiß findet oft in der asiatischen Küche eine Verwendung. Heinz Grill beschreibt die Wirkung dieser Eiweißart als „zentrierend“ auf den menschlichen Organismus. Diese zentrierende Wirkung kann dem häufig in der heutigen Zeit zu beobachtenden Konzentrationsmangel entgegenwirken.[21]
Die Kunst der Zubereitung


Im Prozess der Zubereitung ist der einzelne Mensch aktiv gestaltend tätig. Er muss sich Gedanken machen, wie er beispielsweise das Gemüse schneidet, ob er es als Rohkost oder als gekochtes Gemüse serviert oder wie er das Gesamtgericht zusammenstellt.
In der ayurvedischen Ernährung legt man große Sorgfalt auf einen bewusst gestalteten Kochprozess, da davon ausgegangen wird, dass die Haltung des Menschen diesen wesentlich beeinflusst. Es macht einen großen Unterschied, ob man ein Gericht gewohnheitsmäßig, in Eile oder zufällig erstellt oder sich die Zeit nimmt, sich bewusst ein Gericht vorzunehmen und dieses empathisch und in bewusster Wahrnehmung zubereitet.[25]
Zusätzlich zu jenen Lebenskräften, auch Ätherkräfte genannt, die in jedem Nahrungsmittel auf unterschiedliche Weise angelegt sind, besitzt der Mensch die Fähigkeit, durch bewusste Auseinandersetzung selbst Ätherkräfte zu erzeugen und durch die Art der Zubereitung die gesundheitliche Wirkung eines Essens wesentlich zu steigern. Nach den Forschungen von Heinz Grill schafft der Mensch Ätherkräfte, indem er gedanklich tätig wird und die Idee, die Vorstellung eines Gerichtes denkt sowie auch den ganzen Kochprozess gedanklich aktiv begleitet. Auf diese Art schafft er immaterielle „Wärmeätherkräfte“, die bei der Nahrungsaufnahme dem Menschen heilsam zur Verfügung stehen.
- „Je weisheitsvoller jemand mit den Nahrungsmitteln umgeht und diese in den Dienst der Menschheit bringt, desto mehr erschafft er für andere Menschen Ätherkräfte zusätzlich zu jenen in der Natur.“[15]
Ein weiterer Aspekt, der das Kochen zu einer Kunst werden lässt, ist der Schönheitssinn. Farben und Formen, mit Interesse und der Frage nach der günstigsten harmonischen Zusammenstellung kreiert, wirken ansprechend auf die menschlichen Sinne und fördern eine freudige und gesunde Beziehungsaufnahme des Menschen.[15]
Essen und Beziehung

Das gemeinsame Essen spielt in den verschiedenen Kulturen seit jeher eine wichtige Rolle. Neben dem sozialen Element wird auch die Beziehung zur Nahrung als wesentlich betrachtet. Ausdruck dafür ist beispielsweise das Tischgebet oder ähnliche Andachtsformen, die das Essen würdigen. Ein Innehalten vor dem Essen ermöglicht es, den Essensprozess bewusster zu gestalten. Bereits das Nachdenken über das Essen, das Riechen einer Speise oder das Betrachten eines Gerichts bereitet den Körper auf die Nahrungsaufnahme vor.
- „Durch Achtsamkeit fördern wir die Aktivierung des parasympathischen Nervensystems […] Dadurch verbessern wir die Funktion des Verdauungstrakts: die Peristaltik, die Ausschüttung von Verdauungsenzymen, Hormonen und Magensäure sowie die Nährstoffaufnahme.“[26]
In den traditionellen Ernährungslehren wird eine bewusste Haltung des Menschen gegenüber dem Essen als wesentlich gesehen. Im Ayurveda wird empfohlen, auf eine ruhige, harmonische Atmosphäre zu achten, während des Essens nicht zu lesen oder fernzusehen und sich mit der Aufmerksamkeit ganz der zubereiteten Nahrung zu widmen. Das langsame Essen und lange Kauen wirkt sich ebenfalls positiv auf die Verdauung aus. Hingegen wird davon abgeraten, bei Müdigkeit oder Stress zu essen, da das sogenannte Verdauungsfeuer (Agni) geschwächt ist.[25] In dieser ganzheitlichen Sichtweise macht es also einen Unterschied, in welchem Bewusstseinszustand der Mensch Nahrung zu sich nimmt.
Ein bewusstes Wahrnehmen der Speisen vor und während dem Essen fördert eine konkrete Beziehung. Diese kann durch verschiedene Fragestellungen angeregt werden, beispielsweise wer bei der Herstellung des Nahrungsmittels beteiligt war, mit welchen Gedanken der Koch, die Köchin den Kochprozess begleiteten oder welche kosmischen Kräfte an der Pflanze während ihres Wachstums gewirkt haben. Mit diesen verschiedenen Aspekten, die alle in dem Gericht leben, kommt der Mensch durch das Essen in Berührung und durch eine Auseinandersetzung damit wächst die Wertschätzung und Bewusstheit für die Nahrung. In diesem Sinne ist das Essen kein Konsum, sondern wirkliche Begegnung, entsprechend der menschlichen seelischen Kapazität, die etwas für die Welt und die Mitmenschen erschaffen möchte. Das Essen ist Geben.[15]
Literatur
- Petra Kühne: Ernährungssprechstunde. 1. Auflage. Verlag Urachhaus, Stuttgart 1993, ISBN 3-87838-983-3.
- Adiraja Dasa: Vedische Kochkunst. 1. Auflage. The Bhaktivedanta Book Trust International 1987, ISBN 91-7149-087-6.
- Rudolf Steiner, Kurt Theodor Willmann (Hrsg.): Naturgrundlagen der Ernährung: Ernährung des Menschen Teil 1. 9 Vorträge. Freies Geistesleben, 2008, ISBN 3772521061.
- Rudolf Steiner, Kurt Theodor Willmann (Hrsg.): Ernährung & Bewusstsein. Die Ernährung des Menschen II. In: realpeacework-akademie.info (PDF).
- Rudolf Steiner: Ernährung und Bewusstsein. 4. Auflage. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1993, ISBN 3-7725-0077-3.
- Gerhard Schmidt: Dynamische Ernährungslehre. 2. Band. 1. Auflage. Proteus Verlag, St. Gallen (Schweiz) 1979.
- Dr. Jörg Zittlau, Dr. Norbert Kriegisch: Das große Buch der gesunden Ernährung. Südwest, ISBN 3-517-01882-1.
- Heinz Grill: Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. Die geistige Bedeutung der Nahrung. 9. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-2-0.
- Heinz Grill: Impulse für eine neue Ernährungskultur. Mensch und Karma. 1. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2019, ISBN 978-3-9819041-6-1.
- Michio Kushi: Natürliche Heilung mit Makrobiotik. Verlag Bruno Martin, Werbeln 1981, ISBN 3-921786-26-6.
- Udo Renzenbrink: Ernährungskunde aus anthroposophischer Erkenntnis. Rudolf Geering Verlag, Dornach/ Schweiz 1979, ISBN 3-7235-0214-8.
Siehe auch
Weblinks
- Ernährung. Artikel in AnthroWiki mit vielen Zitaten von Rudolf Steiner zum Thema.
- Ernährung. Artikel in Yogawiki, u. a. mit Gedanken von Swami Sivananda zur Ernährung.
- Arbeitskreis für Ernährungsforschung. Der Arbeitskreis für Ernährungsforschung (AKE) ist ein unabhängiger, gemeinnütziger Verein, der über die Grundlagen ganzheitlicher, ökologischer Ernährung forscht.
Einzelnachweise
- ↑ Rudolf Steiner: Natur- und Geistwesen – ihr Wirken in unserer sichtbaren Welt. GA 22. 2. Auflage. Rudolf Steiner Verlag, Dornach 1996, ISBN 3-7274-0980-0, S. 22–23. (Online)
- ↑ 2,0 2,1 2,2 2,3 Holistic Food: Jeder Mensch is(s)t anders. In: TK. Die Techniker. Abgerufen am 26. Juni 2025.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 Holistische Ernährung: Definition, Grundsätze, Vorteile. In: supersmart.com. Abgerufen am 26. Juni 2025.
- ↑ 4,0 4,1 Heinz Grill: Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. Die geistige Bedeutung der Nahrung. 9. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-2-0, S. 11–14.
- ↑ Ganzheit. In: DWDS. Abgerufen am 26. Juni 2025.
- ↑ Herodot Historien 3,23.114; Corpus Hippocraticum De aeribus 4.7, Epidemien 2,6,1, De diaeta 32
- ↑ Josef N. Neumann: Makrobiotik. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 885 f.
- ↑ 8,0 8,1 Georges Ohsawa: Auch Sie sind Sanpaku: Einführung in die makrobiotische Denkweise. Mahajiva 1992, ISBN 978-3-92484-520-9. S. 69–75.
- ↑ Claus Leitzmann u. a.: Alternative Ernährungsformen. 1999, S. 81–91.
- ↑ Vagbhata: Ashtanga Hrdayam. Translated by Prof. K. R. Srikantha Murty. Sutrasthana. Chowkhamba Krishnadas Academy, Varanasi.
- ↑ Heilsam Kochen mit Ayurveda: Eine Reise in die Welt der gesunden Ernährung. In: kochsensation.de. Abgerufen am 26. Juni 2025.
- ↑ Holistische Ernährungsberatung – Dein Schlüssel zu ganzheitlicher Gesundheit und mehr Lebensenergie. In: the-blue-zone.com. Abgerufen am 26. Juni 2025.
- ↑ Das Brot ernährt dich nicht. Spruchgedicht von Angelus Silesius. In: Die deutsche Gedichtebibliothek. Abgerufen am 26. Juni 2025.
- ↑ Rudolf Steiner: Ernährung und Bewusstsein. 4. Auflage. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1993, ISBN 3-7725-0077-3, S. 24.
- ↑ 15,0 15,1 15,2 15,3 Heinz Grill: Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. 9. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-2-0, S. 17–21.
- ↑ Otto Wolff: Was essen wir eigentlich? 1. Auflage der Neuausgabe. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-7725-2612-1, S. 9.
- ↑ Lebensmittelsicherheit, Lebensmittelqualität und Verbraucherschutz. In: Fraunhofer IME. Abgerufen am 26. Juni 2025.
- ↑ Gerhard Schmidt: Dynamische Ernährungslehre. 2. Band. 1. Auflage. Proteus Verlag, St. Gallen (Schweiz) 1979, S. 9.
- ↑ Udo Renzenbrink: Die sieben Getreide. 1. Auflage. Rudolf Geering-Verlag, Dornach (Schweiz) 1981, ISBN 3-7235-0303-9, S. 109.
- ↑ Heinz Grill: Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. 9. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-2-0, S. 28–29.
- ↑ 21,0 21,1 Heinz Grill: Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. 9. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-2-0, S. 87–91.
- ↑ Rudolf Steiner: Ernährung und Bewusstsein 4. Auflage. Verlag Freies Geistesleben, Stuttgart 1993, ISBN 3-7725-0077-3, S. 53.
- ↑ Rudolf Hauschka: Ernährungslehre. 9. Auflage. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 1951, ISBN 3-465-01871-0, S. 32.
- ↑ 24,0 24,1 Heinz Grill: Ernährung und die gebende Kraft des Menschen. Die geistige Bedeutung der Nahrung 9. Auflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2015, ISBN 978-3-9815855-2-0, S. 31–33.
- ↑ 25,0 25,1 Nicky Sitaram Sabnis: Das große Ayurveda-Kochbuch 1. Auflage. AT Verlag, Baden und München 2004, ISBN 3-85502-986-5, S. 28.
- ↑ Durch achtsames Essen zu einer besseren Verdauung. In: donat.com. Abgerufen am 28. Juni 2025.
Dieser Artikel basiert teilweise auf den Artikeln Makrobiotik sowie Ayurveda aus der deutschen freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International. Es ist in Wikipedia jeweils eine Liste von Autoren für die Artikel Makrobiotik und Ayurveda einsehbar.
| Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen! |
| ↑ zurück nach oben |
