Resilienz (Psychologie)

Der Begriff Resilienz existiert in verschiedenen Fachbereichen wie der Medizin, der Ökologie, der Soziologie, der Mathematik, der Systemtheorie, aber auch im Bereich der Energie- und Betriebswirtschaft.
Resilienz stammt vom lateinischen Wort resilire ab, das übersetzt „zurückspringen, abprallen, Abstand nehmen, zusammenschrumpfen“ bedeutet.[1]
Die weiteste Verbreitung findet der Begriff in der Psychologie und beschreibt die Widerstandsfähigkeit eines Individuums, sich trotz ungünstiger Lebensumstände und kritischer Lebensereignisse erfolgreich zu entwickeln[2] und schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen.[3]
Neben psychologischen Erklärungsmodellen und Faktoren zur Stärkung der Resilienz hat nach Erkenntnissen der Resilienzforschung die Spiritualität eine Bedeutung zur wesentlichen Steigerung der Resilienz.
Aus geistiger Sicht steht Resilienz mit einer größeren Sinn- und Bedeutungsfrage in Verbindung und kann als Ergebnis einer eigenaktiven, entschlossenen Willensdynamik und tatkräftigen Strebsamkeit zu höheren Idealen und deren Umsetzung durch konkrete Ziele gesehen werden.
Begrifflichkeit
Abgrenzung des Begriffs
Bedeutungsverwandte Ausdrücke sind Ausdauer, Durchhaltewille, Robustheit, Spannkraft, Zähheit, Widerstandsfähigkeit.[4] Das Gegenteil ist Vulnerabilität und bedeutet Verwundbarkeit, Verletzbarkeit.[5]
Resilienz als Eigenschaft
Resilienz wurde zu Beginn der Forschung als natürliche Veranlagung bzw. stabile Persönlichkeitseigenschaft definiert. Diese Sichtweise konnte jedoch keinen substanziellen Beitrag zur genaueren Erforschung des Phänomens der Resilienz leisten.[6]
Resilienz als Prozess
Mittlerweile wird Resilienz daher jedoch weniger als eine Persönlichkeitseigenschaft definiert, sondern beschreibt mehr das Ergebnis eines Anpassungsprozesses bzw. einen dynamischen und lebenslangen Prozess, der zwischen einer Person und ihrer Umwelt stattfindet.[7] Resilienz als Ergebnis wird vermutlich durch eine Vielzahl (neuro-)biologischer, psychologischer und sozialer Ressourcen (Resilienzfaktoren) beeinflusst. In diesem Sinne könnten auch natürliche Prädispositionen bzw. Persönlichkeitseigenschaften als Teil einer Vielzahl von Resilienzfaktoren angesehen werden, welche die Anpassung an Stressoren positiv beeinflussen und Resilienz partiell determinieren.[6]
Forschungsergebnisse zur Resilienz
Der Begriff der Resilienz (ego-resiliency) wurde in den 1950er Jahren vom US-amerikanischen Psychologen Jack Block (1924–2010) geprägt, der an der University of California, Berkeley zusammen mit seiner Frau Jeanne Humphrey Block in einer Langzeitstudie über 30 Jahre zum ersten Mal die Resilienzentwicklung von Kleinkindern bis zur Adoleszenz untersuchte,[8] wobei er unter anderem einen deutlichen Zusammenhang zwischen früher Resilienz und späteren liberalen politischen Anschauungen sowie zwischen früher Vulnerabilität und späterem Konservatismus fand.
Der Schizophrenieforscher und Begründer der Entwicklungspsychopathologie Norman Garmezy (1918–2009), der seit 1961 an der University of Minnesota über die Auswirkungen von Stress auf die kindliche Entwicklung forschte, wird oft als „Großvater der Resilienztheorie“ bezeichnet.[9] Er entdeckte, dass sich viele Kinder schizophrener Eltern zu erfolgreichen, glücklichen Erwachsenen entwickelten. Seine engste Mitarbeiterin Ann Masten führte seine Arbeit an der University of Minnesota weiter. Masten bezeichnete Resilienz als „gewöhnliche Magie“ (ordinary magic) und sagte: „Wir sind in einem Maß reprogrammierbar, wie es sich die Resilienzpioniere nicht einmal vorstellen konnten. Wir sind dynamische Systeme; wir können uns verändern.“[10]
Der Soziologe und Psychologe Glen Elder führte den Resilienzbegriff in die Pädagogik ein. Er forschte über negative und positive Auswirkungen von Armut auf die Entwicklung von Kindern. In seinem wichtigsten Werk aus dem Jahr 1974 Children of the Great Depression (gemeint war die Große Depression, die Wirtschaftskrise der 1930er Jahre)[11] führt er aus, dass sich resiliente Kinder sich nicht als passiv begreifen, sondern als kompetente Akteure ihres eigenen Lebens. Insbesondere Mittelschichtskinder wurden durch Armut zu gefestigten Persönlichkeiten. Auch Garmezy kam zu ähnlichen Aussagen über die Rolle der Armut.[12]
Der Durchbruch des Resilienzbegriffs wird häufig mit dem Namen der US-amerikanischen Forscherin Emmy Werner und dem ihrer Kollegin Ruth Smith verbunden. Werner legte 1971 eine Studie über die Kinder der Insel Kauaʻi vor, die als eine der Pionierstudien zum Thema Resilienz gilt. Im Rahmen dieser Studie wurden 698 Kinder des Jahrgangs 1955 aus schwierigen Verhältnissen von ihrer Geburt an über 40 Jahre beobachtet und getestet. Ein Drittel dieser Kinder wuchs trotz erschwerter Bedingungen zu lebenstüchtigen Erwachsenen heran, wobei die Resilienz sich im Zeitablauf und unter verschiedenen Umweltbedingungen veränderte. Werner zog daraus den Schluss, dass Resilienz erlernbar ist. Ihre Studie war jedoch nicht die erste zum Thema Resilienz. Sie selbst macht in ihrem Buch The children of Kauai bereits auf andere Studien zum gleichen Thema aufmerksam.[13]
Der französische Ethologe, Neurologe und Psychiater Boris Cyrulnik, der kamerunische Erziehungswissenschaftler an der Universität in Hamburg Louis Henri Seukwa, die Schweizer Pädagogin Corina Wustmann, die indische Psychologin an der staatlichen Universität in Arizona Suniya S. Luthar und viele weitere Forscher haben sich intensiv mit Resilienz beschäftigt. Seit etwa 2000 hat das Forschungsthema Resilienz im Zusammenhang mit Migration international an Bedeutung gewonnen.[14] Im Zusammenhang mit ökonomischen und ökologischen Krisen des 21. Jahrhunderts[15] und insbesondere während der COVID-19-Pandemie trat die Untersuchung der Resilienz von Erwachsenen in den Vordergrund.
An der Universität Mainz wurde 2014 das „Deutsche Resilienz-Zentrum“ gegründet, in dem Neurowissenschaftler, Psychologen und Soziologen Strategien entwickeln, wie Menschen mit steigendem Leistungsdruck umgehen. Seit dem 1. Januar 2020 firmiert das DRZ unter dem Namen Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR). Der Entwicklungspsychologe Klaus Fröhlich-Gildhoff gründete im Jahr 2004 das Zentrum für Kinder- und Jugendforschung an der Evangelischen Hochschule Freiburg, das sich mit dem Thema Resilienz befasst.
Resilienzfaktoren
Wesentliche Faktoren, die die Resilienz einer Person beeinflussen, sind personale Faktoren, Umwelteinflüsse und Prozessfaktoren. Zu den positiven, die Resilienz stärkenden Faktoren gehören:
- erfahrene Fürsorge und Bindungsqualität in der Kindheit[16]
- Unterstützung durch die eigene Kultur, die Gemeinschaft, das soziale Umfeld, eigene Netzwerke und die schulische Umgebung[17][16]
- enge Partnerschaft, Liebe[16]
- Personale Faktoren: kognitive Fähigkeiten (z.B. Intelligenz, Fähigkeit, sich selbständig Informationen anzueignen, Entwicklung von Deutungs- und Sinngebungs-Modellen der Realität, Religiosität) wie auch emotionale Fähigkeiten (z.B. Emotions- und Handlungskontrolle), eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung, Toleranz für Ungewissheit, die Fähigkeit, Beziehungen aktiv gestalten zu können oder die positive Einstellung gegenüber Problemen (Problemlösungsorientierung),[18][19] aber auch Humor[16] Ganzheitliche Ansätze beziehen auch den Körper als Quelle für Resilienz mit ein (z. B. gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und Schlaf).[20]
- Prozessfaktoren: die Fähigkeit, in der Krise Chancen und Perspektiven zu erkennen, die Akzeptanz des Unveränderbaren und die Konzentration aller Energien auf das als Nächstes zu Bewältigende und die dabei entwickelten Strategien.[21]
Negative Faktoren:
- Unsichere Bindungen
- geringe kognitive Fertigkeiten
- Geringe Fähigkeit zur Selbstregulation von Anspannung und Entspannung
- Fixierung auf Probleme.
Einflussfaktoren für personen- und gruppenspezifische Resilienz
Armut
Kinder, die in Armut aufwachsen, sind häufiger Risiken und Frustrationen ausgesetzt als ihre besser gestellten Altersgenossen. Folgen davon sind unter anderem schlechtere Schulleistungen, häufigere kriminelle Auffälligkeit oder Drogenabhängigkeit und häufigeres Auftreten von Erkrankungen, wie zum Beispiel ADS (bei Kindern und Erwachsenen) oder Schizophrenie (bei Erwachsenen).
Forscher wie Emmy E. Werner, Dale R. Hawley und Laura DeHaan, A. E. Moriarty und P. Toussieng, K. H. Nuechterlein und Norman Garmezy untersuchten Kinder, die in großer Armut aufwuchsen, und kamen zu dem Ergebnis, dass bei vielen aller arm aufgewachsenen Kinder im Erwachsenenalter große Probleme bestanden. Glen H. Elder gelangte in seiner Studie Children of the Great Depression[22] durch die Langzeitanalyse zweier Kohorten der Geburtsjahrgänge 1920/21 und der späten 1920er Jahre, die während der Weltwirtschaftskrise in Berkeley und Oakland aufgewachsen waren und den Zweiten Weltkrieg miterlebt hatten, zu dem Ergebnis, dass es den meisten in armen Verhältnissen aufgewachsenen Kindern im Erwachsenenalter relativ besser ging als Mittelschichtkindern. Intervenierende Variablen waren dabei u. a. die Heirat und der Zugang zu höherer Bildung. Garmezy fand, dass immerhin eine starke Minderheit der von Armut betroffenen Kinder offenbar bedingt durch diese Erfahrung eine größere Resilienz im Erwachsenenalter zeigten.
Familie
Dale R. Hawley und Laura DeHaan konstatieren, dass seit den 1990er Jahren die Familie ins Zentrum der Definition und Analyse von Resilienz gerückt ist.[23] Die Familien resilienter Kinder unterscheiden sich signifikant von denen nicht resilienter Kinder:
- Eltern resilienter Kinder haben häufiger eine bessere Bildung als Eltern nicht-resilienter Kinder und sind häufiger berufstätig als Eltern nicht-resilienter Kinder; auch schlecht bezahlte Berufstätigkeit der Eltern scheint die Kompetenzen der Kinder zu stärken.
- Resiliente Kinder haben häufig weniger Geschwister als nicht-resiliente Kinder. Sie wachsen aber seltener in Ein-Eltern-Familien auf als nicht-resiliente Kinder. In Ein-Eltern-Familien scheint es im Hinblick auf die Resilienzentwicklung schwieriger zu sein, bei einer alleinerziehenden Mutter aufzuwachsen als bei einem alleinerziehenden Vater, wobei Letzteres deutlich seltener vorkommt. Töchter alleinerziehender Mütter werden häufiger als Teenager schwanger, Söhne werden häufiger kriminell oder drogensüchtig. Ohne Vater aufzuwachsen, scheint für Jungen problematischer zu sein als für Mädchen.
- Eltern resilienter Kinder sind trotz ihrer Probleme meist freundlich, einfühlsam, unterstützend und nehmen Anteil am Leben ihrer Kinder.
Bei aller Vielfalt und Kontextspezifik von Schutzfaktoren zeigt sich, dass eine kontinuierliche, sichere Bindung zu einer Bezugsperson als ein entscheidender Schutzfaktor gewertet werden kann. Wenn eine solche familiäre Bezugsperson nicht vorhanden ist, suchen sich resiliente Kinder oft Bezugspersonen außerhalb der Familie. In diesem Fall verlassen sie nach der Schulzeit oft das negative Milieu ihrer Familie und suchen sich eine „bessere“ Umgebung.[24][25]
Eine Untersuchung zur Resilienz von Lehrkräften in der Zeit der schweren Wirtschaftskrise der 2010er Jahre in Griechenland zeigt, dass ihre Resilienz mit der Bindung an die Familie (sowie mit der an ihre Kollegen) korreliert.[26]
Migration
Im Zuge der Flüchtlingswellen, die seit den 1990er Jahren in Europa, Afrika und Nahost zu verzeichnen sind, spielt neben der Trauma- die Resilienzforschung eine immer größere Rolle, weil sie individuelles und soziales verantwortliches Handeln miteinschließen. Intakte soziale Beziehungen, Gesundheitsvorsorge und Gesundheitsförderung sind für die Resilienz von Bewohnern der Herkunftsländer von großer Bedeutung.[27][28]
Einfluss von Ideologien
Eine resilienzsteigernde Wirkung wird dem ideologischen Commitment junger Israelis zugeschrieben, das ihre mögliche Traumatisierung durch politisch-militärische Unsicherheit verhindert.[29]
Genetische Einflüsse
Die Ergebnisse von drei Zwillingsstudien von 2008, 2012 und 2014 deuten darauf hin, dass Resilienz-Eigenschaften zu 31–52 % genetisch bedingt sein können.[30]
Wird die Resilienz von Personen nicht anhand von Selbstauskünften oder Fremdauskünften bestimmt, sondern werden beide in einem sich ergänzenden Modell berücksichtigt, zeigt sich eine erheblich höhere Erblichkeit. So untersuchte eine Zwillingsstudie die Erblichkeit von Resilienz bei Heranwachsenden anhand der Auskünfte von Müttern, Vätern und der Kinder in über 1300 Familien mit über 2600 Zwillingen. Es zeigte sich, dass Unterschiede in dem zugrunde liegenden Faktor der Resilienz zu 70–77 % durch genetische Faktoren erklärbar sind.[31]
Gen MAO-A
Es gibt Anzeichen dafür, dass die Wahrscheinlichkeit, nach Misshandlungen antisoziale Symptome zu entwickeln, nicht nur durch das Trauma, sondern auch durch genetische Veranlagung beeinflusst werden kann. Jungen mit X-chromosomal vererbter niedriger MAO-A-Aktivität haben nach mehreren Studien eine höhere Wahrscheinlichkeit, infolge traumatischer Erlebnisse im Laufe ihres Lebens Verhaltensstörungen zu entwickeln, als Jungen ohne diese genetische Variante. Die Gen-Umwelt-Interaktion auf diesem Gebiet ist jedoch hochkomplex und (Stand 2020) erst sehr wenig verstanden.[32]
Das Gen für niedrige MAO-A-Aktivität scheint darüber hinaus besonders bei Männern mit hohem Testosteron-Spiegel zu antisozialem Verhalten zu führen; bei Männern mit niedrigem Testosteron-Spiegel ist der Zusammenhang nicht so stark. Bei Männern ohne das Gen führte ein erhöhter Testosteron-Level hingegen nicht zu antisozialem Verhalten (siehe auch: Warrior Gene).[33]
Beispiele für erhöhte gruppenspezifische Resilienz
In der Psychologie, Pädagogik und Soziologie werden nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Bevölkerungsgruppen, die erschwerte Bedingungen ohne Beeinträchtigung durchstehen, als resilient bezeichnet. Im Fokus steht hier die Widerstandskraft bzw. Verwundbarkeit von Gruppen angesichts sozialer und sozialpsychologischer Risikofaktoren, wie z. B. mangelnder Schulbildung, Kinderarmut, zerrütteter Elternhäuser, Heimbetreuung, Migration usw. sowie neuerdings die Diskussion um gezielte Resilienzförderung in Sozialisationseinrichtungen (Zander 2011) und um Präventivangebote, die über das Training der Fähigkeiten des Einzelnen hinausgehen. Dabei spielt die Einbindung in soziale Netzwerke eine große Rolle.[34] Allerdings existieren nur wenige Längsschnittstudien über die langfristige Wirkung dieser Faktoren; die meisten Forschungsprojekte wurden in den USA durchgeführt.
US-Amerikaner japanischer Abstammung
Eine der ersten Arbeiten zu diesem Thema stammt aus dem Jahr 1956 und beschäftigt sich mit US-Amerikanern japanischer Abstammung. William Caudill und George DeVos stellten sich die Frage, wie es diese schafften, mit Rassismus und Vorurteilen in den Schulen umzugehen. Obwohl in der Arbeit das Wort Resilienz nicht gebraucht wird, werden hier schon die Faktoren genannt, die später von der Resilienzforschung thematisiert wurden. Caudill und DeVos stellten eine starke Leistungsmotivation und ein starkes elterliches Engagement fest.[35] Heute werden ihre Arbeiten aus methodischen Gründen kritisiert, jedoch sollten sie hier als Vorläufer genannt werden.[36]
Vietnamesen (Boat People) in den USA


Caplans Hauptinteresse gilt jedoch den Kindern der Boat People. Als „Boat People“ wurden in den 1970er und Anfang der 1980er Jahre vietnamesische Flüchtlinge bekannt, die nach dem Vietnamkrieg aus Angst vor dem neuen kommunistischen Regime[37] (dem Vietcong) mit Booten über das südchinesische Meer flohen. Viele dieser Flüchtlinge suchten eine bessere Zukunft in den USA. Sie schienen chancenlos, besaßen oft nur die Kleidung, in der sie ankamen, und sprachen kein Englisch. Über die Hälfte der Eltern hatte nur fünf Jahre lang oder kürzer die Schule besucht. Diese Flüchtlinge lebten oft in den ärmsten Wohngegenden der großen Städte. Gemäß dem Einkommen der Eltern gingen die Kinder auf die (unterfinanzierten) öffentlichen Schulen. Die Wissenschaft war erstaunt, als die Flüchtlingskinder bei allen Leistungstests besser abschnitten als Kinder aus der Mittelschicht.
Nathan Caplan, Marcella H. Choy und John K. Whitmore suchten nach Gründen dafür. Sie betrachteten eine zufällige Stichprobe von 200 Familien der Boat People. Diese Familien hatten zusammen 536 Kinder im Schulalter. Zuerst wurde getestet, ob die Beobachtung, dass die Kinder der Boat People besonders leistungsstark sind, auch auf diese Kinder zutraf. Die Kinder wurden mit einem Leistungstest, dem CAT (Computergestütztes Adaptives Testverfahren), getestet. Wie erwartet schnitten auch die Kinder dieser Stichprobe in fast allen Bereichen besser ab als Kinder aus der weißen Mittelschicht, besonders im mathematischen Bereich. Lediglich im sprachlichen Bereich schnitten die Kinder etwas schlechter ab als Kinder der weißen Mittelschicht.
Eines der auffälligsten Ergebnisse der Studie war, dass Kinder mit vielen Geschwistern sich als leistungsstärker erwiesen als Kinder mit wenigen Geschwistern oder gar Einzelkinder. Um das zu verstehen, muss man die Rolle verstehen, die die Familie in der vietnamesischen Kultur spielt. Die vietnamesische Kultur ist eher kollektivistisch orientiert geprägt: Die Wünsche des Individuums sind weniger wichtig als die Bedürfnisse der Familie als Gruppe.
Von älteren Geschwistern wird erwartet, dass sie ihren jüngeren Geschwistern bei den Hausaufgaben helfen. Davon profitieren die Kinder gewaltig. Sie lernten von ihren Geschwistern nicht nur Fakten, sondern auch akademische Strategien und Werthaltungen. Oft waren auch jüngere, noch nicht schulpflichtige Kinder anwesend. Auch sie lernten anscheinend spielerisch, indem sie ihre Geschwister beobachteten.
Die Hausaufgaben wurden meist in der Küche am Küchentisch gemacht; ein eigenes Kinderzimmer oder einen eigenen Schreibtisch gab es nur in den wenigsten Fällen. Doch nicht die materiellen Bedingungen, sondern die Liebe zum Lernen scheinen wichtig für die Schullaufbahn zu sein. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Kinder der Boat People pro Tag durchschnittlich drei Stunden und zehn Minuten mit Lernen und Hausaufgaben verbrachten. Im Durchschnitt verbrachten amerikanische Schüler dagegen nur eine Stunde und 30 Minuten pro Tag mit diesen Tätigkeiten.
Es konnte nachgewiesen werden, dass für die Kinder der Boat People Bildung ein wichtigerer Wert war als für die Kinder der weißen Amerikaner. In Vietnam galt Bildung früher als Privileg; nur wenige reiche Familien konnten es sich leisten, ihren Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Laut Caplan, Choy und Whitmore ist dies einer der Gründe für den Erfolg der vietnamesischen Kinder. Obwohl man nicht davon sprechen kann, dass in Amerika die Herkunft bei der Bildung keine Rolle spielen würde, sahen sie hier ihre Chancen. Sie bemerkten, dass sie mehr Chancen hatten als ihre Eltern in Vietnam, und diese wollten sie nutzen. Auch die Eltern, welche in vielen Fällen nicht die Möglichkeit einer guten Bildung gehabt hatten, wünschten, dass es ihre Kinder einmal besser haben würden, so dass sie diese motivierten, da sie die Wichtigkeit guter Bildung erkannt hatten.[38][39][40]
US-amerikanische Mittelschicht in der Zeit der Großen Depression

Glen Elder (1974) untersuchte den Lebenslauf von Kindern aus verschiedenen Schichten, deren Familien durch die Große Depression in Armut geraten waren. Dafür griff er auf Daten einer Längsschnittstudie der University of California, Berkeley zurück. Anscheinend hatte Armut auf Heranwachsende der amerikanischen Mittelschicht eher positive als negative Konsequenzen. Sie schienen daran zu wachsen und ihre Persönlichkeit schien stärker zu werden. Sie waren tendenziell sogar etwas erfolgreicher als Kinder aus nie verarmten Mittelschichtsfamilien. Arbeiterkinder aus verarmten Familien hingegen waren im späteren Leben weniger erfolgreich als Mittelschichtskinder. Auch zeigten sich hier deutliche Auswirkungen der Armut: Zum Beispiel erwarben sie seltener einen Hochschulabschluss als Arbeiterkinder aus nie verarmten Familien. Doch auch unter ihnen gab es viele Sozialaufsteiger. Sowohl unter Männern aus Arbeiterfamilien als auch unter Männern aus Mittelschichtsfamilien lässt sich ein starker Einfluss der Armut auf die Werthaltungen feststellen, der aber nicht unbedingt negativ sein muss. So sind in Armut aufgewachsene Männer etwa Kindern gegenüber positiver eingestellt als Männer, die nie arm waren. Sie haben starke Familienwerte und ein konservatives Familienbild.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Armut zur Zeit der großen Depression hatte erstaunlich wenig negative Auswirkungen auf das Leben dieser Jungen. Clausen macht ähnliche Beobachtungen.[41] Die Gründe dafür sind vielfältig.[42]
Folgende Tabelle vergleicht zwei Gruppen von Männern aus Oakland. Beide Gruppen kommen aus Elternhäusern, die vor der Zeit der Großen Depression zur Mittelschicht gehörten. Durch die Große Depression verarmten Teile der Mittelschicht. Es werden Männer, die wegen der Großen Depression unterhalb des Existenzminimums aufwachsen mussten, mit Männern verglichen, deren Familien niemals arm waren. Es zeigten sich keine negativen Auswirkungen der Armut. Tendenziell scheinen unterhalb des Existenzminimums aufgewachsene Männer beruflich etwas erfolgreicher zu sein.[43]
| niemals arm | unterhalb des Existenzminimums aufgewachsen | |
|---|---|---|
| Alter bei der ersten Heirat in Jahren (Median) | 23,8 | 23,3 |
| Alter bei der Geburt des ersten Kindes (Median) | 26,5 | 26,2 |
| Erreichen eines Universitätsabschlusses | 61 % | 60 % |
| Berufsstatus im Jahre 1958 (1 = hoch, 7 = niedrig) | 2,5 | 2,2 |
| 1958 Angehöriger der oberen Mittelschicht | 39 % | 45 % |
| 1958 Angehöriger der unteren oder mittleren Mittelschicht | 48 % | 45 % |
| 1958 Angehöriger der Arbeiterklasse | 13 % | 10 % |
Kinder armer US-amerikanischer Farmer
In späteren Jahren beschäftigte Elder sich mit den Kindern US-amerikanischer Farmer. In den 1980er Jahren kam es zu einer Krise der amerikanischen Landwirtschaft. Ein Teil der Farmerfamilien musste nun unter der Armutsgrenze leben. Doch deren Kinder meisterten die damit verbundenen Härten. Sie waren sowohl auf akademischen Gebieten erfolgreich als auch sozial gut integriert. Elder und Conger sehen dafür folgende Gründe:
- starke intergenerationale Bindungen,
- Sozialisation in produktive Rollen,
- starkes Engagement der Eltern,
- Engagement der Kirchen, der Schulen und der ländlichen Gemeinschaft.[44]
Traumatisierte Adoptivkinder
Clark und Hanisee untersuchten die Entwicklung von aus Drittweltländern adoptierten Kindern, die unterernährt waren und traumatische Kindheitserfahrungen gemacht hatten. Die Kinder wurden von amerikanischen Familien aus der oberen Mittelschicht adoptiert. Entgegen der Annahme, dass diese Kinder unter schweren Beeinträchtigungen leiden würden, erwiesen sie sich als überdurchschnittlich intelligent und überdurchschnittlich sozial kompetent. Beim Peabody Picture Vocabulary Test erreichten sie einen Intelligenzquotienten (IQ) von 120, auf der Vineland Social Maturity Scale erreichten sie 137 Punkte (100 Punkte gelten als Durchschnitt, 137 als außerordentlich gut). Clark und Hanisee kamen zu dem Ergebnis, dass unterernährte und traumatisierte Kinder sich als erstaunlich resilient erweisen können.[45]
Religion

Beispielsweise wurde festgestellt, dass nach den Verwüstungen durch den Hurricane Katrina in New Orleans die Nachbarschaft rund um die katholische Mary Queen of Viet Nam Church als eine der ersten wieder aufgebaut war. Dabei handelte es sich um eine der ärmsten Nachbarschaften von New Orleans. Die Kirche rief ein Programm namens Mary Queen of Viet Nam Community Development Corporation (MQVN CDC) ins Leben. Nachbarn halfen sich gegenseitig, nach den Verwüstungen ein neues Leben aufzubauen. Es stellte sich die Frage, wie es zu der großen Bereitschaft kam, an diesem Programm teilzunehmen und seinen Nachbarn zu helfen, selbst wenn man keinen direkten Nutzen davon hatte. Nachforschungen ergaben, dass durch den von vielen Nachbarn gelebten gemeinsamen Glauben ein eng geknüpftes soziales Netzwerk mit der Mary Queen of Viet Nam Church als Zentrum bestand.[46] Nach Studien von Caplan, Rumbaut und Ima sowie Bankston und Zhou waren katholische vietnamesischstämmige Amerikaner noch erfolgreicher als vietnamesischstämmige Amerikaner, die einer anderen Religionsgemeinschaft angehörten. Der häufige Besuch der katholischen Kirche führte zu einer stärkeren Einbindung in soziale Netzwerke, die zum einen Unterstützungsleistungen boten und zum anderen auch Werte vermittelten. Dies führte zu einer starken Aufwärtsmobilität.[46]
Spanische Einwanderer in Deutschland
Ein weiteres Beispiel für Resilienz sind die Kinder der spanischen Arbeitsmigranten, die als Gastarbeiter nach Deutschland kamen. Die Frage, ob Migration an sich einen Risikofaktor darstellt, wird meist positiv beantwortet.[47] Erfolgreich bewältigte Migrationsrisiken können jedoch die Resilienz stärken. Wegen der verbreiteten Armut und der Diktatur des Francisco Franco kamen in den 1970er Jahren viele Spanier nach Deutschland, um dort eine bessere Zukunft zu finden. Die Masse der spanischen Einwanderer war relativ ungebildet und stammte aus benachteiligten Gegenden des Landes. Das Franco-Regime hatte das Bildungssystem wenig entwickelt, die Schulen boten nicht ausreichend viele Plätze für die Kinder. Die Kinder der spanischen Migranten hatten mit den typischen Gastarbeiterproblemen zu kämpfen. Heute sind sie in der Mitte der Gesellschaft angekommen und besetzen ähnliche Berufspositionen wie Deutsche. Erklärt werden kann dieser Aufschwung mit der starken Selbstorganisation der spanischen Einwanderer und einer gezielten Bejahung der vollen Integration in das deutsche Schulsystem. Das wurde zum Teil gegen die Behörden durchgesetzt, die Sonderklassen für Migranten bilden wollten.[48] Dies führte zu guten Schulabschlüssen, frühen Erfolgen bei der Vermittlung von Lehrstellen und entsprechenden Berufserfolgen.[49]
Modelle der Resilienz (Auswahl)
Im Folgenden werden zwei Resilienz-Modelle dargestellt, es existieren jedoch weitaus mehr. Die genannten Punkte werden ebenfalls als Resilienzfaktoren beschrieben, durch die Resilienz gefördert wird:[50]
7-Säulen-Modell
Eines der beliebtesten Resilienzmodelle stammt von der Diplompsychologin Ursula Nuber. Es beinhaltet 7 Säulen und wurde von Dr. Franziska Wiebel weiter bearbeitet und zugunsten der Anwendbarkeit in 4 Grundhaltungen sowie 3 Praktiken eingeteilt.[51]
4 Grundhaltungen:[52]
- Akzeptanz – Fähigkeit, unabänderliche Umstände als solche anzunehmen
- Beziehungsgestaltung – Aktive Beziehungsgestaltung als Grundhaltung, Teil einer Gemeinschaft zu sein
- Lösungsorientierung – Orientierung an zielgerichteten Lösungen und nicht am Problem
- Gesunder Optimismus – Bereitschaft, positive Aspekte zu erkennen und diese auch als Möglichkeiten wahrzunehmen
3 Praktiken:[52]
- Selbstwahrnehmung
- Selbstreflexion
- Selbstwirksamkeit
Resilienzzirkel®
Um den Entwicklungsgedanken zu betonen, strukturierte Ella Gabriele Amann ihr Resilienzmodell als Zirkel, in dem die „Kompetenzfelder“ miteinander wirken. Hierbei werden jeweils zwei Aspekte innerhalb des Zirkels zu einem Faktor zusammengefasst:[51]
- Optimismus und Selbsteinschätzung
- Akzeptanz und Realitätsbezug
- Lösungsorientierung und Kreativität
- Selbstregulation und Selbstfürsorge
- Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit
- Beziehungen und Netzwerke
- Zukunftsgestaltung und Visionsentwicklung
- Improvisationsvermögen und Lernbereitschaft
Resilienz und Spiritualität
Ein weiterer Faktor, der laut dem Leibniz-Institut für Resilienzforschung zu einer wesentlichen Steigerung der Resilienz beiträgt, ist Spiritualität. Da diese mit der Sinnhaftigkeit des Lebens verbunden ist, entstehe ein Bedeutungsnetz, das den einzelnen Lebensereignissen einen Sinn verleihe.[53]
Gerhard Sprakties
Der Theologe und Logotherapeut Gerhard Sprakties beschreibt, „[…] dass hinter vielen psychischen Problemen unserer Zeit, wie zum Beispiel Ängsten/Panikattacken, Depressionen, Sinnkrisen, eine spirituelle Krise steht. Wenn der seelisch-geistige Hunger nicht gestillt wird, ist der Mensch in Gefahr, sein inneres Gleichgewicht zu verlieren und an Körper, Seele und Geist zu erkranken.“[54]
In seiner Literatur beruft er sich auf Viktor Frankl und veranschaulicht durch darauf aufbauende Überlegungen Psychotherapeuten und Beratern die Bedeutung von Spiritualität für die Stärkung der persönlichen Resilienz.[55]
Viktor Frankl
„Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie.“
Der österreichische Neurologe und Psychiater Viktor Frankl kam in seinen Forschungen zu dem Punkt, dass ein nach Sinnhaftigkeit strebender Mensch besser mit schwierigen Lebenssituationen umgehen kann als jemand, der die Sinnfrage nicht in die Mitte platziert. Daher wird in seiner Logotherapie und Existenzanalyse – einer Therapieform, die am Geistigen ansetzt – der Sinnfindungs- und Sinnstiftungsprozess zentral gesehen. Für ihn war die Spiritualität als die Suche nach Geistigkeit und wie diese trotz schwieriger Lebensereignisse aufrechterhalten werden kann der wesentliche Faktor für die individuelle psychische Stabilität. Auch wenn Frankl den Begriff der Resilienz nicht explizit erwähnt, wird er auf dem Gebiet der Resilienzforschung als Pionier gesehen.[57]
Heinz Grill

Trikonasana (Heinz Grill)
Der spirituelle Lehrer Heinz Grill erwähnt in seinen Werken ähnlich wie Viktor Frankl den Begriff der Resilienz nicht explizit, viele seiner Forschungsergebnisse beinhalten jedoch implizit Zusammenhänge zur Resilienz. Der Begriff wird in seinem Werk lediglich ein Mal verwendet. Zur Förderung der Resilienz nimmt aus seiner Sicht das Denken einen besonderen Stellenwert ein, da dieses wiederum die Empfindungen des Menschen beeinflusst und damit die Art und Weise, wie sich der Einzelne in Beziehung erlebt. Dabei unterscheidet er das intellektuelle Denken und das Denken im Sinne der Vorstellungskraft:[59]
- „Die Resilienz des Menschen steigert sich erheblich durch die gute Vorstellungsbildung, denn es können die Empfindungen auf natürliche Weise in die Entfaltung gelangen und der Mensch stört nicht mehr durch seinen Intellekt seine Lebenskräfte und seine natürliche Beziehungsempfindung.“[59]
Bewusst getätigte Vorstellungen geben dem Menschen einen Schutz für sein Leben, da diese nicht nur Einbildungen darstellen, sondern diesen begleiten und das Empfinden geben, nicht alleine zu sein. Durch diese lichte Begleitung einer bewussten Vorstellung entsteht einerseits eine Beruhigung in sich selbst, andererseits wird auch ein Schutz nach außen hin erlebbar. Diese sanfte Umhüllung schließt den Menschen jedoch nicht von seiner Umgebung ab, sondern schenkt eine Verbindung nach außen bei gleichzeitiger Ruhe im Inneren.[60]
Darüber hinaus spielt die Raumfrage in Verbindung mit der Atmung eine wesentliche Rolle und damit die Beziehung zur Außenwelt. Wenn die Atmung weit und ungehindert fließen kann, erlebt sich der Mensch in einem In-Beziehung-Stehen mit Anderen und erlebt dadurch eine Stärkung in sich.[61]
- „Die Weite der Atmung spendet Lebenskräfte und offene Möglichkeiten für die Zukunft. Sie erleichtert das beziehungsvolle Interesse und schenkt eine natürliche Spannkraft für Taten und Aktionen. Das sichere Vertrauen in die eigenen Kräfte wächst und die Möglichkeiten, die das Dasein bietet, erscheinen wie selbstverständlich realisierbar.“[61]
Das Empfinden des In-Beziehung-Seins schenkt dem Menschen mehr Selbstvertrauen in die eigenen Möglichkeiten. In dem von Heinz Grill entwickelten Schulungsweg Neuer Yogawille empfiehlt er daher mitunter auch Körperübungen, die diese Ausdehnung nach außen fördern und gleichzeitig ein Zentrum in sich selbst aufweisen. Die Gesten des weiten Herausgreifens drücken das Streben nach Entwicklung, nach Lernen, nach Wachstum und nach einem In-Beziehung-zur-Welt-Stehen aus.[58]
Das Zentrum der Übungen, die die beschriebene Wirkung aufweisen, befindet sich auf der Höhe des Magens und steht physisch mit den aktiven Stoffwechselprozessen in Verbindung. Seelisch gesehen stellt es das individuelle Willenszentrum des Menschen dar. Oft werden die Umsetzungen sinnvoller Planungen für die Zukunft von Ängsten und Depressionen gelähmt und verhindern damit ein Voranschreiten. Daher sieht er einen wesentlichen Ansatz darin, die Willenskraft im Menschen zu fördern, indem Ziele geplant, gedacht und zu konkreten Vorstellungen ausgearbeitet werden, bis sie schließlich in eine praktische Umsetzung gelangen.[62]
Der Mensch gelangt dadurch in eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber den bisherigen Bedingungen und kann auch über das Persönliche hinaus für sein Umfeld eine inspirierende Kraft und Hoffnung für die Zukunft darstellen.[63]
Zukunftsweisende Hypothese
Resilienz im idealen Sinne macht den Menschen nicht nur widerstandsfähiger gegenüber den Herausforderungen des Lebens, sondern fördert ihn in seiner gesamten Persönlichkeitsentwicklung. Wenn die Sinn- und Entwicklungsfrage positiv beantwortet wird, stehen dem Individuum aufbauende Kräfte zur Verfügung, die eine selbstbestimmte Lebensführung ermöglichen und ihn in seiner weiteren Strebsamkeit fördern. Resilienz kann durch die Hinwendung zu Idealen und deren konkrete Umsetzung in Ziele gefördert werden. Indem sich der Mensch auf eine größere Vision ausrichtet, entsteht eine starke innere Regsamkeit, die vor allerlei Fremdeinflüssen schützt.
Literatur
- Viktor E. Frankl: Wer ein Warum zu leben hat: Lebenssinn und Resilienz. 6. Auflage. Beltz Verlag, Weinheim-Basel 2023, ISBN 978-3-407-86492-5.
- Gerhard Sprakties: Spiritualität als Resilienzfaktor in Lebenskrisen. 1. Auflage. Springer Verlag, Berlin 2023, ISBN 978-3-9815855-2-0.
- Heinz Grill: Das große Buch der Heilkraft durch Yogaaktivität. 4., vollständig überarbeitete und erweiterte Neuauflage. Stephan Wunderlich Verlag, Sigmaringen 2025, ISBN 978-3-948803-19-3.
Weblinks
- Artikel Resilienz (Psychologie) in Wikipedia mit weiteren Informationen zum Thema „Kindliche Resilienz“ und „Resilienztraining“
- Leibniz-Institut für Resilienzforschung (LIR)
Einzelnachweise
- ↑ resilire. In: Langenscheidt. Abgerufen am 21. Januar 2026.
- ↑ Resilienz. In: Dorsch Lexikon der Psychologie. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Resilienz. In: Duden. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Resilienz. In: Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Vulnerabilität. In: Duden. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ 6,0 6,1 A. M. Kunzler, D. A. Gilan, R. Kalisch, O. Tüscher, K. Lieb: Aktuelle Konzepte der Resilienzforschung. In: Der Nervenarzt, Ausgabe 7/2018. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Donya A. Gilan, Angela Kunzler, Klaus Lieb: Gesundheitsförderung und Resilienz. In: Thieme PSYCH up2date 2018, 12(02): 155–169. Abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Block, Jack in Dorsch Lexikon der Psychologie
- ↑ Norman Garmezy: Stress-resistant children: The search for protective factors. Recent research in developmental psychopathology, 4 (1985), S. 213–233.
- ↑ Michaela Haas: Stark wie ein Phönix. OW Barth, S. 328.
- ↑ Glen H. Elder: Children Of The Great Depression. Routledge, 1999.
- ↑ Norman Garmezy: Resiliency and vulnerability to adverse developmental outcomes associated with poverty. In: American behavioral scientist, 34(1991)4, S. 416–430.
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