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| [[Datei:Secale cereale MHNT.BOT.2015.2.40.jpg|mini|''Secale cereale'']]
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| [[Datei:Getreidefeld mit Roggen - Secale cereale 1.jpg|mini|Roggenfeld]]
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| '''Roggen''' (''Secale cereale'') ist eine in den [[Gemäßigte Breiten|gemäßigten Breiten]] verbreitete [[Getreide]]art aus der [[w:Familie (Biologie)|Familie]] der [[w:Süßgräser|Süßgräser]] (Poaceae).
| | * [[Benutzer:Equiseto/Roggen|Roggen]] |
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| Der Name Roggen stammt vom althochdeutschen ''roggo'' bzw. mittelhochdeutschen ''rocke, rogge'' ab.>ref>[https://www.dwds.de/wb/Roggen; Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache''] In: ''dwds.'' Abgerufen am 24. Februar 2026</ref>
| | [[Kategorie:Benutzerseite]] |
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| == Beschreibung ==
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| [[Datei:Roggenblüte2.jpg|mini|Roggenblüte]]
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| [[Datei:Roggenkoerner.jpg|mini|Roggenkörner]]
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| [[Datei:Secale cereale shock (aka).jpg|mini|Winterroggengarben]]
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| === Vegetative Merkmale ===
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| Der Roggen ist eine einjährige Pflanze, die meist in Büscheln wächst und 1 bis 1,5 (bis 3) Meter hoch wird.<ref name="Conert1997" /> Jeder Halm trägt 4 bis 5 (bis 8) kahle Knoten.<ref name="Conert1997" /> Die Blattscheiden sind bis zum Grund offen, glatt und kahl oder zerstreut behaart.<ref name="Conert1997" /> Die Ligula ist ein 0,5 bis 1 Millimeter hoher kahler, kragenförmiger, häutiger Saum.<ref name="Conert1997" /> Die Blattspreiten sind 10 bis 30 Zentimeter lang und 5 bis 10 Millimeter breit.<ref name="Conert1997" /> Die Blattspreite hat am Grunde 2 schmale, den Halm umgreifende Öhrchen.<ref name="Conert1997" />
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| === Generative Merkmale ===
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| Der Roggen besitzt eine 5 bis 20 Zentimeter lange (ohne [[Granne|Grannen]] gemessen), etwa 10 Millimeter breite, vierkantige, zur Blütezeit leicht überhängende [[Ähre]].<ref name="Conert1997" /> Sie trägt 2 Reihen von einzeln und wechselständig an den Knoten der Ährenspindel angeordneten, sitzenden Ährchen. Die Ährchen sind zweiblütig und mit einem Achsenfortsatz über dem oberen Blütchen.<ref name="Conert1997" /> Die Ährchen sind (ohne die Grannen) 10 bis 16 Millimeter lang.<ref name="Conert1997" /> Die Hüllspelzen sind einnervig, untereinander gleich und 8 bis 12 Millimeter lang, gekielt, spitz oder in eine 3 Millimeter lange Granne auslaufend.<ref name="Conert1997" /> Die Deckspelzen sind 5-nervig, 8 bis 15 Millimeter lang und laufen in eine bis 10 Zentimeter lange, gerade und raue Granne aus.<ref name="Conert1997" /> Sie sind auf dem Kiel mit kurzen steifen, kammartig abstehenden Haaren besetzt.<ref name="Conert1997" /> Die zweinervigen Vorspelzen sind fast so lang wie die Deckspelzen.<ref name="Conert1997" /> Die 3 Staubblätter haben Staubbeutel, die 10 bis 12 Millimeter lang sind.<ref name="Conert1997" /> Die [[Tausendkornmasse]] (Masse von 1000 Körnern) beträgt bei Roggen 28 bis 50 Gramm.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.bundessortenamt.de/bsa/media/Files/BSL/bsl_getreide_2021.pdf |titel=Informationen zu Roggen |werk=bundessortenamt.de |sprache=de |abruf=2022-05-20}}</ref>
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| Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14.<ref name="Conert1997" />
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| == Ökologie ==
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| Der Roggen ist einjährig, meist winterhart (Winterroggen), seltener sommer[[annuell]] (Sommerroggen) und eine [[Langtagpflanze]]. Er ist ein [[Intensivwurzler]], seine Wurzeln reichen bis 1 Meter tief. Bei einer frei stehenden Pflanze können die Wurzeln eine Länge von 80 Meter und die Wurzelhaare eine Oberfläche von 400 Quadratmetern erreichen. Niedergedrückte Halme können sich durch einseitiges Wachstum eines Knotens schnell wieder aufrichten.
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| Blütenbiologisch handelt es sich um einen [[windblütig]]en „Langstaubfädigen Typ“. Der [[Pollen]] ist relativ groß und schwer. Die [[Blüte]]n werden durch einen Anstieg des [[Turgor]]s in den Schwellkörpern geöffnet und danach innerhalb einer halben Stunde durch ein Absinken des Turgors wieder geschlossen. Oft öffnen sich viele Blüten gleichzeitig, d. h. in „Pulsen“. Durch sehr schnelles Wachstum schieben sich zunächst die [[Staubblatt|Staubfäden]] und nach Öffnung der [[Staubbeutel]] dann auch die federigen [[Narbe (Botanik)|Narben]] aus der Blüte heraus. Die Blüten sind [[Selbststerilität|selbststeril]], aber Nachbarbestäubung ist möglich. Die [[Phänologie|Blütezeit]] liegt zwischen Mai und Juli.<ref name="Düll">{{BibISBN|9783494014241}}</ref>
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| Der Roggen ist eine [[Allergie]]pflanze: Roggenpollen gelten als die stärksten Allergieauslöser unter den heimischen Gräsern.<ref name="Düll">{{BibISBN|9783494014241}}</ref>
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| Die [[Früchte]] sind [[Karyopse]]n, Samen und Fruchtschale sind miteinander verwachsen. Das Roggenkorn ist nicht fest von den [[Spelze|Spelzen]] umschlossen, bei alten Sorten ist die Gefahr groß, dass die Körner zur Reifezeit bei leichter Berührung aus den Ähren fallen. [[Fruchtreife]] ist von Juli bis August. Die Zeit von der Samenkeimung bis zur Fruchtreife beträgt beim Winterroggen etwa 280 bis 320 Tage.<ref name="Düll">{{BibISBN|9783494014241}}</ref>
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| == Systematik ==
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| Es können zwei Unterarten unterschieden werden:<ref name="Euro+Med" />
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| * ''Secale cereale'' subsp. ''cereale''
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| * ''Secale cereale'' subsp. ''ancestrale'' {{Person|Zhuk.}}
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| == Schädlinge ==
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| [[Datei:Roggen mit Mutterkorn.jpg|mini|Roggen mit [[Mutterkorn]] verunreinigt]]
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| Von den Getreidearten wird der Roggen am meisten von dem stark giftigen Mutterkornpilz ''[[Claviceps purpurea]]'' befallen. Nach der Infektion der Blüten entsteht an Stelle eines Getreidekorns in der Roggenähre die als [[Mutterkorn]] bezeichnete längliche, kornähnliche und bis zu vier (bis sechs) Zentimeter lange Dauerform ([[Sklerotium]]) des [[Mutterkornpilz]]es.
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| Schädlich können auch Nematoden (z. B. das [[Stängelälchen]] ''Ditylenchus dipsaci'') sein. Sie rufen die Stockkrankheit hervor. Dabei bilden sich keine Halme oder Ähren. [[Fritfliege]] (''Oscinella frit'') und [[Gelbe Weizen-Halmfliege]] (''Chlorops pumilionis'') sind weitere Schädlinge.<ref name="Conert1997" /> Oft treten auch Schneeschimmel (''Griphosphaeria nivalis'') und Getreide-Mehltau (''Erysiphe graminis'') auf.<ref name="Conert1997" /> Wirtschaftlich bedeutende Schäden werden durch [[Gelbrost]] (''Puccinia striiformis''), Braunrost (''Puccinia triticina'') und [[Schwarzrost]] (''Puccinia graminis'') hervorgerufen.<ref name="Conert1997" /> Der [[Roggenstängelbrand]] (''Urocystis occulta'') erzeugt Längsstreifen auf Halmen, Blättern und Spelzen.<ref name="Conert1997" /> Seltener kommt die Halmbruchkrankheit vor, hervorgerufen durch ''Cyclosporella herpotrichoides''.<ref name="Conert1997" />
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| == Geschichte ==
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| Nach [[Hans Joachim Conert]] wird ''Secale vavilovii'' als unmittelbarer Vorfahre des Roggens angenommen. Diese Art ist ein Selbstbefruchter. Als sie in Gebiete gebracht wurde, wo auch ''Secale montanum'' vorkommt, kam es zu einer Introgression und so könnte der einjährige, zähspindelige, fremdbefruchtende Roggen (''Secale cereale'' subsp. ''cereale'') entstanden sein.<ref name="Conert1997" />
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| Der Roggen war im Orient ein [[Gras|Wildgras]]. Seine Samen wurden in die [[Weizen]]- und [[Gerste]]nfelder [[Samenausbreitung|eingeschleppt]] ([[Anemochorie|Wind]], [[Zoochorie|Tiere]]) und [[Speirochorie|breiteten]] sich allmählich im Saatgut aus.<ref>Gordon Hillman: ''[https://www.jstor.org/stable/3642748 On the origins of domestic rye: Secale cereale: the finds from Aceramic Can Hasan III in Turkey]''. In: ''Anatolian Studies'', Band 28, 1978, S. 157–174 </ref>
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| In den 1970er Jahren wurden Roggenkörner und -ährenspindeln an zwei Stellen in [[steinzeit]]lichen Schichten (ca. 6600 v. Chr.) in Nordsyrien ([[Tell Abu Hureyra]]) nachgewiesen.<ref name="Hillmann2001">{{Literatur |Autor=Gordon Hillmann |Titel=New evidence of Lateglacial cereal cultivation at Abu Hureyra on the Euphrates |Sammelwerk=[[The Holocene]] |Band=11 |Nummer=4 |Datum=2016 |Seiten=383–393 |DOI=10.1191/095968301678302823}}</ref> Ansonsten fehlen Hinweise auf die Nutzung von Roggen aber fast völlig, bis er in archäologischen Funden in Europa, die aus der Zeit von ca. 1800–1500 v. Chr. stammen, wieder erscheint. Möglicherweise wurde er als Verunreinigung im [[Weizen]]-Saatgut nach Europa eingeschleppt und erst hier gezielt kultiviert (siehe auch [[Sekundärgetreide]]).<ref>Daniel Zohary, Maria Hopf: ''Domestication of plants in the Old World.'' 3. Auflage. University Press, Oxford 2000, S. 75.</ref> In Deutschland tauchen Roggenkörner in archäologischen Ausgrabungen erst im 6.–5. Jahrhundert v. Chr. (also in der [[Hallstattzeit]]) auf<ref>Udelgard Körber-Grohne: ''Nutzpflanzen in Deutschland: Kulturgeschichte und Biologie.'' Verlag Theiss, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0481-0.</ref> und damit erst 3000–3500 Jahre nach dem Beginn der Ackerbaukultur ([[Linearbandkeramische Kultur|Bandkeramik]]). Die Römer kannten Roggen, [[Plinius der Ältere]] bezeichnet ihn aber in seiner um 79 n. Chr. verfassten [[Naturalis historia]] (Buch 18, Stichwort 40) als minderwertig und magenschädlich, nur geeignet, um in Notzeiten den Hungertod abzuwehren.
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| Weil ihm Winterfröste, Krankheiten, Trockenheit und Nährstoffmangel weniger anhaben können als dem anspruchsvollen Weizen, hat sich der Roggen im rauen Klima Mittel- und Nordeuropas durchgesetzt und wurde zum einzigen Brotgetreide der Slawen, Kelten und Germanen. Über 1200 Jahre war der Roggen in Deutschland die wichtigste Brotfrucht und wurde oft schlicht „das Korn“ genannt.<ref>{{Literatur |Autor=Thomas Miedaner |Titel=Roggen: Vom Unkraut zur Volksnahrung |Sammelwerk= |Band= |Nummer= |Auflage= |Verlag=DLG-Verlag |Ort=Frankfurt |Datum=1997 |ISBN=3-7690-0540-6 |Seiten=5}}</ref> Die lateinische Bezeichnung des Roggens bzw. des Roggenkorns<ref>Vgl. etwa [[Otto Beßler]]: ''Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart.'' Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 225 („Siligo – ruckenkorn, germanum, tyfa, sytus, silighyh“ = Secale cereale L., „anscheinend auch andere Nährgräser“).</ref> war ''Siligo''.
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| Da Roggen nicht nur Kälte und Feuchtigkeit besser widersteht als Weizen, sondern zudem auch kein mühsames Entfernen der Spelze nötig ist („Nacktgetreide“), stellte der Wiener Historiker [[Michael Mitterauer]] die These auf, dass der zunehmende Roggenanbau seit der Eisenzeit maßgeblich zum langfristigen Aufstieg des nordalpinen Europa beitrug, insbesondere nachdem in der [[Spätantike]] die Importe aus dem Mittelmeerraum zeitweise kollabierten. Da Roggen sich kaum zu Brei verarbeiten lässt, führte dies auch zum Aufstieg des Brots als Grundnahrungsmittel. Die zum Mahlen des Roggens beständig nötige Energie habe, so die These, im Mittelalter den Ausbau von Mühlen vorangetrieben, wovon auch die Entwicklung anderer Gewerbe profitiert habe. Für die schweren, feuchten Böden des nördlichen Europa seien wiederum schwerere Pflüge und kräftigeres Vieh nötig gewesen, die wiederum Verkehr (Zugtiere) und Großgüterwirtschaft befördert hätten. Mitterauer sieht damit im Roggen mittelbar einen wesentlichen Faktor für den „Sonderweg Europas“, der später zu dessen weltweiter Vorherrschaft führte.<ref>Berthold Seewald: ''[https://www.welt.de/geschichte/article132096283/Kulturgeschichte-Erst-der-Roggen-machte-Europa-zum-Abendland.html Erst der Roggen machte Europa zum Abendland]''. In: ''Welt'', 22.02.2021. Artikel bezieht sich v. a. auf: Michael Mitterauer: ''Warum Europa? Mittelalterliche Grundlagen eines Sonderwegs''. 4. Aufl., Beck, München 2004; sowie: Hansjörg Küster: ''Am Anfang war das Korn. Eine andere Geschichte der Menschheit''. Beck, München 2013.</ref> Auch jüngere Forschungsergebnisse betonen, dass Roggen im mittelalterlichen Mitteleuropa eine der wichtigsten Kulturpflanzen war und dass die Ausweitung des Roggenanbaus durch Düngung eine Rolle in gesellschaftlichen Veränderungen gespielt haben könnte. Die weniger risikobehaftete Ernährung kann wachsende soziale Hierarchien und Ungleichheiten im Mittelalter begünstigt haben. Die Praxis der Düngung trug zudem zum Übergang von kleinen Einzelgehöften zu größeren Dorfgemeinschaften und Städten bei, vor allem auf Geestlandschaften Norddeutschlands.<ref>{{Internetquelle |autor=Frank Schlütz, Felix Bittmann, Susanne Jahns, Sonja König, Lyudmila Shumilovskikh, Michael Baumecker, Wiebke Kirleis |url=https://www.biorxiv.org/content/10.1101/2024.08.12.607590v1.full |titel=Stable isotope analysis (δ13C, δ15N, δ34S) reveal divers manuring practices of rye (Secale cereale) in northern Europe since 1500 years |datum=2024-08-13 |sprache=en |abruf=2025-01-31}}</ref>
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| Neben seiner Bedeutung für die Brotherstellung wurde das zähe Stroh des Roggens in großem Umfang zur Herstellung von [[Weller (Baustoff)|Wellerhölzern]] verwendet, die als Bauelemente in traditionellen Fachwerkhäusern eingesetzt werden.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.roots-compass.org/welcome?project=11 |titel=ROOTS Compass! |werk=roots-compass.org |sprache=de |abruf=2025-01-31}}</ref><ref>{{Literatur |Autor=Sofia Filatova, Benjamin Claassen, Guillermo Torres, Ben Krause-Kyora, Eva Holtgrewe Stukenbrock, Wiebke Kirleis |Titel=Toward an Investigation of Diversity and Cultivation of Rye (Secale cereale ssp. cereale L.) in Germany: Methodological Insights and First Results from Early Modern Plant Material |Sammelwerk=Agronomy |Band=11 |Nummer=12 |Datum=2021-12 |ISSN=2073-4395 |DOI=10.3390/agronomy11122451 |Seiten=2451 |Online=https://www.mdpi.com/2073-4395/11/12/2451 |Abruf=2025-01-31}}</ref>
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| Seit den 1980er Jahren werden neben den klassischen [[Population (Biologie)|Populationssorten]] auch [[Pflanzenzüchtung#Hybridzüchtung|Hybridsorten]] gezüchtet, die eine bessere Krankheitsresistenz, höhere Erträge ([[Heterosis-Effekt]]) und eine geringere [[Auswuchs]]neigung aufweisen. Frühe [[Hybride|Hybridsorten]] waren durchweg wegen der geringeren Pollenausschüttung anfälliger für [[Mutterkorn]]. Mittlerweile ist diese Eigenschaft sehr stark sortenabhängig, und die Züchter haben die Pollenausschüttung von Hybridsorten stark verbessert, so dass nicht mehr gesagt werden kann, dass Hybridsorten anfälliger gegen Mutterkorn seien als Populationssorten.
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| Eine moderne Kreuzung aus Weizen und Roggen, die [[Triticale]], vereint mehrere positive Eigenschaften beider Arten.
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| == Anbau ==
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| {{Belege fehlen}}
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| [[Datei:Secale cereale - ear (aka).jpg|mini|Roggenähre]]
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| Es gibt Sommer- und Winterroggen, wobei in Mitteleuropa fast ausschließlich Winterroggen angebaut wird. Winterroggen ist die winterhärteste Getreidesorte, die Wintertemperaturen bis −25 °C übersteht, er kann die Winterfeuchtigkeit besser nutzen, übersteht eine Frühjahrstrockenheit leichter und ist deshalb im Kornertrag der Sommerform weit überlegen. Die Sommerform wird nur in Lagen mit Spätfrostgefahr und auf exponierten Berglagen angebaut.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.landwirtschaft.de/landwirtschaft-verstehen/haetten-sies-gewusst/pflanzenbau/was-ist-der-unterschied-zwischen-winter-und-sommergetreide |titel=Bundesinformationszentrum Landwirtschaft: Was ist der Unterschied zwischen Winter- und Sommergetreide? |abruf=2022-12-08}}</ref>
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| Winterroggen wird in Deutschland zwischen Mitte September und Mitte Oktober ausgesät, er benötigt zur Überwindung der Schosshemmung, wie alle [[Getreide|Wintergetreidearten]], eine [[Vernalisation]]. Um von der vegetativen Wachstumsphase in die generative Phase zu gelangen, ist ein Kältereiz notwendig. Bei Temperaturen von 0 bis +5 °C wird die erfolgreiche Vernalisation nach 30 bis 50 Tagen erreicht. Bis zur Reife benötigt Roggen eine Wärmesumme von ungefähr 1800 °C. (Wärmesumme = Anzahl der Wachstumstage × Temperaturtagesmittel). Nach der Abreife auf dem [[Süßgräser#Halme und Blätter|Halm]] hat der Roggen nur eine sehr kurze [[Keimruhe]]. Die Ernte erfolgt in Deutschland ab Mitte Juli bis Ende August. Bei einer regnerischen Erntezeit besteht die Gefahr, dass die Körner schon in der Ähre [[Embryo (Pflanze)|auskeimen]] und die Ernte nur noch als Futtergetreide verwendet werden kann.
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| Roggen ist besser an kühle und trockene [[Klima]]te angepasst als der ertragsstarke [[Weizen]] und ist deshalb das Getreide der Regionen mit verbreiteten [[Sandboden|Sandböden]].<ref name=":1">{{Literatur |Autor=L. Neye |Titel=die Pflanzenbaulehre |TitelErg=ein Lehrbuch für angehende und fortgeschrittene Bauern und Landwirte |Auflage=12. |Verlag=Langensalza |Datum=1938 |Seiten=9-14}}</ref> In den Alpen liegt die Höchstgrenze für den Roggenanbau zwischen 1400 und 1850 m.<ref name="Holzgerlingen" /> Er gedeiht am besten auf frischen bis mäßig frischen, meist basenarmen, neutralen bis wenig sauren, sandigen Lehmböden oder auf lehmigem Sand.<ref name="Conert1997" /> Er kann auch auf Moorböden angebaut werden.<ref name="Conert1997" />
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| '''Zeigerwerte nach Ellenberg noch nachschauen!!!'''
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| Die ökologischen [[Zeigerwerte]] nach [[Elias Landolt (Botaniker)|Landolt]] [[et al.]] 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+w (frisch aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 5 (sehr hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 5 (kontinental).<ref name="InfoFlora" />
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| Roggen ist ein [[Lichtkeimer]] und stellt deshalb besondere Anforderungen an [[Saat]], [[Saatbett]] und Säzeitpunkt. Männliche Pollen und weibliche Blüte werden zu unterschiedlichen Zeitpunkten aktiv, daher ist Roggen in aller Regel, anders als die [[Selbstbefruchtung|selbstbefruchtenden]] Getreidearten Weizen und Gerste, ein [[Fremdbefruchtung|Fremdbefruchter]].<ref name="UniHohenheim" />
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| === Züchtung ===
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| Gezüchtet werden [[Hybridsorte]]n und Populationssorten, wobei Hybridroggen einen Anbauanteil von 70–75 % besitzt.<ref name="UniHohenheim">{{Webarchiv | url=http://www.uni-hohenheim.de/ipspwww/720/index.htm | wayback=20070813001434 | text=''Rye and Hybrid Rye Breeding.''}} Informationen zur Hybridroggenzüchtung, Universität Hohenheim, englisch, abgerufen am 22. März 2010.</ref><ref>{{Internetquelle |url=http://www.kws.de/aw/Roggen/Zuechtung/Ertragsfortschritt/~fwpx/ |titel=KWS SAAT SE – Ertragsfortschritt |werk=kws.de |sprache=de |archiv-url=https://web.archive.org/web/20070813001434/http://www.uni-hohenheim.de/ipspwww/720/index.htm |archiv-datum=2007-08-13 |zugriff=2016-09-27}} </ref> Markergestützte Selektion, Zellkulturtechniken und genomische Selektion werden als moderne Züchtungsmethoden eingesetzt und ausgebaut. Genetische Marker ermöglichen beispielsweise Ausprägungen von Merkmalen der Sorte aus der DNA abzulesen. Diese Analysemethode ist zum einen unabhängig von äußeren Einflüssen, wie dem Wetter, und zum anderen lässt sich so der Zuchtwert einer Sorte bereits frühzeitig bestimmen.<ref name=":0">{{Literatur |Autor=Wulf Diepenbrock, Frank Ellmer, Jens Léon |Hrsg= |Titel=Ackerbau, Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung |Auflage=2 |Verlag=UTB Ulmer |Ort=Stuttgart |Datum=2009 |ISBN=978-3-8252-2629-9 |Seiten=}}</ref> Züchtungsfortschritte konzentrieren sich auf Krankheiten, Stresstoleranz und vor allem auf Qualität und Ertrag.<ref>{{Literatur |Hrsg=KWS Lochow GmbH |Titel=BLICKPUNKT |Datum=2012-05}}</ref> Ein besonderes Augenmerk liegt in der Züchtung auf Hybridsorten, da diese durch den Heterosiseffekt eine bessere Ausprägung gewünschter Merkmale, zum Beispiel hohe Erträge, zulassen.<ref>{{Literatur |Hrsg=KWS Lochow GmbH |Titel=BLICKPUNKT. Sonderausgabe Roggen |Datum=2015-04}}</ref> Als Fremdbefruchter stark in der Hybridzüchtung vertreten sind Mais, Roggen und Zuckerrübe.<ref name=":0" />
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| === Fruchtfolge ===
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| Roggen ist eine [[Ewiger Roggenbau|selbstverträgliche]], anspruchslose, abtragende, krankheitsresistente Frucht, die in alle Richtungen der [[Fruchtfolge]] variieren kann. Roggen hinterlässt einen garen, gut durchlüfteten [[Kulturboden|Boden]].
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| Gute Vorfrüchte sind: Alle Kleearten, Hülsenfrüchte, Hackfrüchte.<ref name=":1" />
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| === Düngung ===
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| Düngung mit Stallmist sollte mindestens drei Wochen zuvor erfolgen, damit sich dieser zersetzen kann. Jauche ist aufgrund ihres Kali- und Stickstoffgehalts sehr wertvoll für Roggen, sollte aufgrund der Verfügbarkeit des Stickstoffs direkt auf die junge Saat ausgebracht werden. Gründüngung sollte vor allem auf sandigem Boden genutzt werden, auf anderen [[Bodenform]]en profitieren Alternativsaaten stärker. Im Herbst sollte nur auf undurchlässigem Boden gedüngt werden, sonst verflüchtigen sich die Inhaltsstoffe bis zur Aussaat. Falls der Boden nicht zu trocken ist, zeigen künstliche Stickstoffdüngungen gute Ergebnisse. Phosphorsäure sichert die Wirkung des Stickstoffs und verbessert die Körnerbeschaffenheit. Kali empfiehlt sich vor allem auf leichten Böden und im Moor, auch auf mittleren Böden, wenn kein Stallmist gedüngt wurde. Kalkdüngung empfiehlt sich in Abhängigkeit vom Kalkgehalt im Boden, Überkalkung ist zu vermeiden, ohne Kalk gedeiht er nicht. Untersuchungen haben gezeigt, dass Roggen circa 50 % der Düngung im Boden im ersten Monat (bis Ende April), zur Zeit des Schossens aufnimmt.<ref name=":1" />
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| === Gründüngung ===
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| Winterroggen kann auch als [[Gründüngung]] eingesetzt werden.
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| == Wirtschaftliche Bedeutung ==
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| === Die größten Roggenproduzenten ===
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| {{Anker|Die größten Roggenproduzenten}}
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| Im Jahr 2022 wurden laut [[Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation|Food and Agriculture Organization]] (FAO) weltweit 13.143.055 t Roggen von etwa 4,0 Millionen Hektar Land geerntet. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die 10 größten Produzenten von Roggen weltweit, die zusammen 83,8 % der Gesamtmenge ernteten. Die Werte für Österreich und die Schweiz sind zum Vergleich angegeben.<ref name="faostat" />
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| {| class="wikitable zebra" style="text-align:right"
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| |+ Größte Roggenproduzenten (2022)<ref name="faostat">{{Internetquelle |url=https://www.fao.org/faostat/en/#data/QCL |titel=Produktionsstatistik der FAO 2022 |werk=fao.org |hrsg= |sprache=en |abruf=2024-03-05}}</ref>
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| |-
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| ! Rang
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| ! Land
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| ! Menge<br />(in [[Tonne (Einheit)|t]])
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| |-
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| | 1 || style="text-align:left" | {{DEU}} || 3.132.300
| |
| |-
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| | 2 || style="text-align:left" | {{POL}} || 2.337.130
| |
| |-
| |
| | 3 || style="text-align:left" | {{RUS}} || 2.178.808
| |
| |-
| |
| | 4 || style="text-align:left" | {{BLR}} || 750.000
| |
| |-
| |
| | 5 || style="text-align:left" | {{DEN}} || 691.470
| |
| |-
| |
| | 6 || style="text-align:left" | {{CAN}} || 520.177
| |
| |-
| |
| | 7 || style="text-align:left" | {{CHN}} || 500.767
| |
| |-
| |
| | 8 || style="text-align:left" | {{UKR}} || 314.030
| |
| |-
| |
| | 9 || style="text-align:left" | {{USA}} || 312.460
| |
| |-
| |
| | 10 || style="text-align:left" | {{TUR}} || 273.000
| |
| |-
| |
| | … ||| ''Top Ten'' || ''11.010.142''
| |
| |-
| |
| | || ''restliche Länder'' || style="text-align:right" |''2.132.913''
| |
| |}
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| Die Erntemenge in Österreich betrug im gleichen Jahr 169.590 Tonnen, die in der Schweiz 10.485 Tonnen.
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| === Deutschland ===
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| [[Datei:Roggenrentenbank AG 1923.jpg|mini|Roggenrentenbrief der Roggenrentenbank AG vom April 1923]]
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| [[Datei:Direktion der Hannoverschen Landeskreditbank Roggenschein 10 Pfund Roggen 23. Oktober 1923 J. C. König & Ebhard Vorderseite.jpg|mini|1923: [[Schuldverschreibung]] der [[Hannoversche Landeskreditanstalt|Hannoverschen Landeskreditanstalt]] auf Roggenbasis zur Zeit der [[Deutsche Inflation 1914 bis 1923|Deutschen Hyperinflation]]]]
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| Zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielte der Handel mit Roggen auf den Weltbörsen eine Rolle wie heute noch der mit Weizen, Kakao oder Sojabohnen. Ihren Höhepunkt hatten die ''Rye Loans'' (Roggenanleihen) mit der Gründung einer Roggenrentenbank 1922 und zur Zeit der [[Deutsche Inflation 1914 bis 1923|Hyperinflation 1923]]. Die Roggenrentenbank diente der Finanzierung landwirtschaftlicher Grundstücke durch die Aufnahme von Roggen- und [[Gold#Wertanlage und Währung|Feingold]][[hypothek]]en. Unter den [[Nationalsozialismus|Nationalsozialisten]] wurden die Roggenanleihen 1934 in [[Reichsmark]]anleihen umgewandelt.<ref>[[Gerhard Merk]], in [https://www.direktbroker.de/lexikon/r/ direktbroker.de], Universität Siegen, abgerufen am 2. Mai 2014.</ref>
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| In Deutschland wurde im Jahr 2022 auf 588.500 [[Hektar|ha]] Roggen angebaut. Dies liegt weit unter dem früheren Niveau von über 1 Mio. ha im Jahr 1990. In Deutschland wurden im Jahr 2022 rund 3 Mio. Tonnen Roggen geerntet. Der durchschnittliche Hektarertrag lag 2022 in Deutschland bei etwa 53 dt/ha (1990 knapp 38 dt/ha).<ref name="faostat" />
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| === Schweiz ===
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| Heute spielt der Roggen in der Schweiz nur eine kleine Rolle. In den Bergregionen [[Kanton Wallis|Wallis]], [[Tessin]], [[Graubünden]] wurde er früher bis in hohe Lagen häufig angebaut. Im Kanton Wallis ist der Roggenanbau als immaterielles Kulturerbe anerkannt.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.wikiwallis.ch/index.php/Roggenanbau_und_Roggenbrot_backen/ |titel=Roggenanbau und Roggenbrot backen – Wikiwallis |werk=wikiwallis.ch |sprache=de |abruf=2022-05-20 |archiv-url=https://web.archive.org/web/20220526013657/https://www.wikiwallis.ch/index.php/Roggenanbau_und_Roggenbrot_backen/ |archiv-datum=2022-05-26 |offline=ja |archiv-bot=2024-04-28 09:02:45 InternetArchiveBot }}</ref> Das Roggenbrot hat hier eine [[Geschützte Ursprungsbezeichnung|AOC-Anerkennung]] und wird seither vermehrt verkauft.
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| == Nutzung ==
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| === Nahrungsmittel ===
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| Roggen wird vor allem für die [[Brot]]herstellung angebaut. Roggen galt ehemals als Hauptbrotfrucht. Er wird in [[Deutschland]] im Norden, in den [[Mittelgebirge]]sregionen und in den [[Alpen]]regionen, sowie in [[Mitteleuropa|Mittel-]] und [[Osteuropa]] als Brotgetreide für [[Roggenbrot]], Roggen-[[Mischbrot]] oder Roggen-[[Vollkornbrot]] verwendet. Aus Roggengrieß können auch Teigwaren hergestellt werden. Darüber hinaus ist diese Getreideart aber kaum verbreitet, so dass ihr Anteil an der Weltgetreideerzeugung bei nur einem Prozent liegt.
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| Roggen findet jedoch auch Verwendung zur Branntweingewinnung (z. B. [[Kornbrand|Doppelkorn]]) und als Futtergetreide.<ref name="Holzgerlingen">{{Internetquelle |autor=Heinz Lüdemann |url=https://www.heimatmuseum-holzgerlingen.de/files/Landwirtschaft-in-frueheren-Zeiten.pdf- |titel=Landwirtschaft in früheren Zeiten - Beiträge aus dem Heimatmuseum der Stadt Holzgerlingen |datum=2013 |abruf=2022-10-31 |offline=ja }}</ref>
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| ==== Inhaltsstoffe des Roggens ====
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| Die Zusammensetzung von Roggen schwankt naturgemäß, sowohl in Abhängigkeit von den Umweltbedingungen (Boden, Klima) als auch von der Anbautechnik (Düngung, Pflanzenschutz).
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| Angaben je 100 [[Gramm|g]] essbarem Anteil:<ref name="Souci">{{Literatur |Autor=S. W. Souci, W. Fachmann, H. Kraut |Hrsg=[[Deutsche Forschungsanstalt für Lebensmittelchemie]] (DFA), Garching |Titel=Lebensmitteltabelle für die Praxis |Auflage=4. |Verlag=Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft |Ort=Stuttgart |Datum=2009 |ISBN=978-3-8047-2541-6 |Seiten=234}}</ref>
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| |- style="vertical-align:top"
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| {| class="wikitable"
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| |- class="hintergrundfarbe5"
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| ! width="60%"|Bestandteile!! width="40%" |
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| |-
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| | [[Wasser]] ||style="text-align:right"|13,7 g
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| |-
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| | [[Protein|Eiweiß]] ||style="text-align:right"|8,8 g
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| |-
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| | [[Fette|Fett]] ||style="text-align:right"|1,7 g
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| |-
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| | [[Kohlenhydrate]]{{FN|1}} ||style="text-align:right"|60,7 g
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| |-
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| | [[Ballaststoffe]] ||style="text-align:right"|13,2 g
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| |-
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| | [[Mineralstoff]]e ||style="text-align:right"|1,9 g
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| |-
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| |}
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| {| class="wikitable"
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| |- class="hintergrundfarbe5"
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| ! width="60%"|Mineralstoffe!!width="40%" |
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| |-
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| | [[Natrium]] ||style="text-align:right"|4 mg
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| |-
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| | [[Kalium]] ||style="text-align:right"|510 mg
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| |-
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| | [[Magnesium]] ||style="text-align:right"|90 mg
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| |-
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| | [[Calcium]] ||style="text-align:right"|35 mg
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| |-
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| | [[Mangan]] ||style="text-align:right"|2,9 mg
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| |-
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| | [[Eisen]] ||style="text-align:right"|2,8 mg
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| |-
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| | [[Kupfer]] ||style="text-align:right"|0,39 mg
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| |-
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| | [[Zink]] ||style="text-align:right"|2,9 mg
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| |-
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| | [[Phosphor]] ||style="text-align:right"|335 mg
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| |-
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| | [[Selen]] ||style="text-align:right"|0,002 mg
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| |-
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| |}
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| {| class="wikitable"
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| |- class="hintergrundfarbe5"
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| ! width="60%"|[[Vitamine]]!!width="40%" |
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| |-
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| | [[Thiamin]] (Vit. B<sub>1</sub>) ||style="text-align:right"|360 µg
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| |-
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| | [[Riboflavin]] (Vit. B<sub>2</sub>) ||style="text-align:right"|170 µg
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| |-
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| | [[Nicotinsäure]] (Vit. B<sub>3</sub>) ||style="text-align:right"|1800 µg
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| |-
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| | [[Pantothensäure]] (Vit. B<sub>5</sub>) ||style="text-align:right"|1500 µg
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| |-
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| | [[Vitamin B6|Vitamin B<sub>6</sub>]] ||style="text-align:right"|235 µg
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| |-
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| | [[Folsäure]] ||style="text-align:right"|145 µg
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| |-
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| | [[Vitamin E]] ||style="text-align:right"|2000 µg
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| |-
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| |}
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| {| class="wikitable"
| |
| |- class="hintergrundfarbe5"
| |
| ! width="60%"|[[Aminosäure]]n!!width="40%" |
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| |-
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| | [[Tryptophan]] ||style="text-align:right"|110 mg
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| |-
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| | [[Threonin]] ||style="text-align:right"|360 mg
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| |-
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| | [[Isoleucin]] ||style="text-align:right"|390 mg
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| |-
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| | [[Leucin]] ||style="text-align:right"|370 mg
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| |-
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| | [[Lysin]] ||style="text-align:right"|400 mg
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| |-
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| | [[Methionin]] ||style="text-align:right"|140 mg
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| |-
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| | [[Valin]] ||style="text-align:right"|530 mg
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| |-
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| | [[Phenylalanin]] ||style="text-align:right"|470 mg
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| |-
| |
| | [[Tyrosin]] ||style="text-align:right"|230 mg
| |
| |-
| |
| | [[Arginin]]{{FN|2}} ||style="text-align:right"|490 mg
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| |-
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| | [[Histidin]]{{FN|2}} ||style="text-align:right"|190 mg
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| |-
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| |}
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| |}
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| {{FNBox|
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| {{FNZ|1|Differenzberechnung}}
| |
| {{FNZ|2|semi-essentiell}}
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| }}
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| 1 mg = 1000 µg<br />
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| Brennwert 1244 [[Joule|kJ]], 293 [[kcal]]
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| ==== Backeigenschaften ====
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| Die Backeigenschaften des [[Roggenmehl]]s unterscheiden sich grundsätzlich von denen des Weizenmehls. Dies liegt hauptsächlich daran, dass im Roggenteig das [[Gluten]] (Klebereiweiß) durch die Anwesenheit von [[Pentosane]]n (Schleimstoffe) kein Klebergerüst zur Gashaltung aufbauen kann. Diese Schleimstoffe haben beim Roggen etwa die gleiche Funktion wie der Kleber beim Weizen. Sie sind wichtig für das Wasserbindungs- und Wasserhaltungsvermögen der Mehle während der [[Teigführung]] und des Backvorgangs.<ref name="reiner">Ludwig Reiner u. a.: ''Winterroggen aktuell.'' DLG Verlag, 1979, ISBN 3-7690-0346-2.</ref> Roggengebäcke zeichnen sich, im Gegensatz zu Weizengebäcken, durch einen dunkleren, festen und aromatischen Teig aus.
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| Ein Roggenbrot besteht hauptsächlich aus verkleisterter Stärke; seine [[Krume (Backware)|Krume]] ist dichter und enthält kleinere Poren, daher ist es weniger gelockert als ein Weizenbrot. Reine Roggenmehl-Teige müssen auf jeden Fall gesäuert werden, was bedeutet, sie einer [[Sauerteig]]-Führung zu unterwerfen.
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| Die westfälische Brotsorte [[Pumpernickel]] (Schwarzbrot) wird aus Roggenschrot hergestellt und mehr gedämpft als gebacken. Oft werden aus Roggenmehl daher [[Mischbrot]]e und Brote aus [[Vollkorn]] hergestellt.
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| In feuchten [[Erntejahr]]en kann [[Auswuchs]] wegen der starken [[Amylase]]-Aktivität unter Umständen Probleme bei der Roggenbrotherstellung mit sich bringen.
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| ==== Nährwert ====
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| {{Belege fehlen}}
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| Wegen des vergleichsweise hohen Gehalts an der Aminosäure [[Lysin]] kann Roggen ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung sein. [[Ernährungsphysiologie|Ernährungsphysiologisch]] und backtechnisch interessant ist Roggen in der [[Ernährung des Menschen|menschlichen Ernährung]] vor allem durch die [[Pentosane]] (vgl. [[Hemicellulose]]). Verschiedenen, z. T. widersprüchlichen Untersuchungen zufolge soll die durch den Pentosangehalt verlängerte Verweildauer des Nahrungsbreis im Verdauungsapparat eine [[Karzinogen|antikarzinogene]] Wirkung haben.
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| Die Pentosane (z. B. Arabinoxylate) stellen ein Problem bei der [[Schweinemast|Schweinefütterung]] dar. Neben ihnen enthält der Roggen weitere, relativ hohe Anteile an solchen „Nicht-Stärke-[[Polysaccharid]]en (NSP)“, wie [[Zellulose]], [[Glucane|Beta-Glucan]], [[Pektin]]e usw. Die Pentosane quellen und stören den Nahrungstransport. Erst im [[Dickdarm]] werden diese „NSP-Substanzen“ durch dort ansässige [[Mikroben]] gespalten, was aber nicht mehr zur Energieversorgung des [[Schwein]]es beiträgt, sondern zu erhöhtem [[Flatus|Gasausstoß]] führt.
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| === Genussmittel ===
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| Roggen wird seit langem auch zur [[Alkoholisches Getränk|Alkoholherstellung]] verwendet. Beispielsweise werden die besseren [[Wodka]]-Sorten aus ihm hergestellt. Der in Norddeutschland häufig getrunkene [[Kornbrand|Korn]] wird ebenfalls meistens aus Roggen hergestellt. Aus dem Getreide wird dafür zunächst die [[Maische]] hergestellt, die nach dem [[Vergärung]]svorgang in [[Brennerei]]en [[Destillation|destilliert]] ([[Brennen (Spirituose)|gebrannt]]) wird. Früher wurde Roggen verbreitet auch zur [[Bierbrauen|Bierherstellung]] verwendet, was dann aber verboten wurde, um den wertvollen Roggen zum Brotbacken aufzusparen. Erst seit Anfang der 1990er Jahre ist in Deutschland wieder kommerziell hergestelltes [[Roggenbier]] erhältlich. Bis zur Zeit der Prohibition war Whiskey aus Roggen, [[Rye Whiskey]], der vorherrschende Whiskey in den USA und Kanada und wurde erst nach der Prohibition durch [[Bourbon Whiskey]] aus Mais abgelöst.
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| === Futtermittel ===
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| Sowohl das Korn als auch die ganze, grün geerntete Roggenpflanze ([[Grünroggen]]) kann frisch oder siliert ([[Ganzpflanzensilage]]) als [[Futtermittel]] dienen. Grünroggen ist das erste [[Grünfutter]] in Rinderhaltungsbetrieben im Frühling.
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| Der Futterwert von Roggenkorn liegt in der Regel zwischen Weizen/Triticale und Gerste. Begrenzend für seine Eignung als Futtermittel ist ein hoher Anteil an schwer verdaulichen Nicht-Stärke-[[Polysaccharide]]n. Zudem weist Roggen eine recht niedrige [[Verdaulichkeit]] im [[Dünndarm]] der [[Essentielle Aminosäure|essentiellen Aminosäuren]] [[Threonin]], [[Tryptophan]], [[Lysin]] und [[Methionin]] auf. Roggenrationen sollten daher mit Aminosäuren ergänzt werden.<ref name="DLG2006">[[Deutsche Landwirtschaftsgesellschaft]] (DLG) 2006: {{Webarchiv | url=http://www.dlg.org/fileadmin/downloads/fachinfos/futtermittel/Roggen_Fuetterung.pdf | wayback=20101230161757 | text=Zum Einsatz von Roggen in der Fütterung}}</ref>
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| === Nachwachsender Rohstoff ===
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| Roggenkorn und -pflanze sind [[Nachwachsender Rohstoff|nachwachsende Rohstoffe]], die in verschiedenen Einsatzgebieten, wie der Herstellung von [[Bioethanol]], [[Biogas]], [[Dämmstoff]] und anderen Werkstoffen, sowie anderen Bereichen verwendet werden.
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| Roggen ähnelt in seinen Eigenschaften anderen Getreidearten, so dass oft der geringere Preis für Roggen ein wichtiges Verwendungskriterium ist.
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| Seit 2004/05 wird Roggen auch als Energieträger angebaut. Im Getreidewirtschaftjahr 2006/07 wurden in Deutschland ca. 500.000 t zu [[Bioethanol]] verarbeitet.
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| Ein weiterer stark boomender Bereich ist die Verwendung als [[Substrat (Biogasanlage)|Biogassubstrat]]. Hauptsächlich wird Roggen hier als ganze Pflanze in silierter Form ([[Ganzpflanzensilage]] (GPS)) eingesetzt. Aber auch als geschrotete Körnern wird er in den [[Fermenter]]n der [[Biogasanlage]]n verwendet. Vorteile sind vor allem der kostengünstige Anbau, die hohen Trockenmasseerträge pro Hektar und die hohe Ertragssicherheit. Die [[Methan]]ausbeute bei Einsatz von Roggenkörnern als Biogassubstrat liegt, je nach Ertragsniveau, bei 1.400 bis knapp 2.200 m³ je Hektar.<ref name="KTBL2009">[[Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft]] (KTBL): ''Faustzahlen Biogas.'' 2. Auflage. 2009, ISBN 978-3-941583-28-3.</ref>
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| {{Belege fehlen}}
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| Die stoffliche Nutzung von Roggen ist vielfältig. Vor allem als Rohstoff für den Werkstoff- und [[Baustoff]]bereich oder als Grundstoff für diverse Vorprodukte, beispielsweise der chemischen Industrie, wird er genutzt. Relativ neu ist die Entwicklung einer [[Dämmstoff]]schüttung aus Roggen, die auch alle [[bauaufsicht]]lichen Vorschriften (bauaufsichtliche Zulassung als Dämmstoff durch das [[Deutsches Institut für Bautechnik|Deutsche Institut für Bautechnik]] (DIBT)), als auch die Anforderungen an einen [[Naturbaustoff]] ([[natureplus]]-Prüfung) erfüllen. Bislang wird dieser Baustoff jedoch nicht produziert.
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| === Heilpflanze ===
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| Trockenextrakte aus unter anderem dem Roggen[[pollen]] (''Secale cereale'') werden eingesetzt in der Behandlung von Harnentleerungsbeschwerden ([[Miktion]]sbeschwerden) bei [[Benigne Prostatahyperplasie|gutartiger Prostatavergrößerung]] und der Behandlung der chronischen nichtbakteriellen [[Prostatitis|Prostataentzündung]]. Wie auch andere pflanzliche Prostatamittel lindern Roggenpollen nur die Beschwerden, ohne die Vergrößerung der [[Prostata]] selbst zu beheben.<ref name="Schönfelder">Ingrid und [[Peter Schönfelder]]: ''Das neue Buch der Heilpflanzen'' Franckh-Kosmos Verlag, 2011, ISBN 978-3-440-12932-6.</ref>
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| Als Wirkstoffe sind in den Roggenpollen [[Sterole]], [[Aminosäuren]] und [[Fettsäuren]] enthalten.<ref name="Schönfelder">Ingrid und [[Peter Schönfelder]]: ''Das neue Buch der Heilpflanzen'' Franckh-Kosmos Verlag, 2011, ISBN 978-3-440-12932-6.</ref>
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| An einem acetonischen Trockenextrakt von Gräserpollen aus Roggen, [[Mais]] und [[Wiesen-Lieschgras]] wurden ''[[in vitro]]'' anti[[Zellproliferation|proliferative]] und [[antiphlogistisch]]e Wirkungen gemessen, ferner wurden anti[[Blutandrang|kongestive]] und krampflösende ([[spasmolytisch]]e) Effekte festgestellt.<ref>Fachinformation Pollstimol, Stand April 2015.</ref>
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| == Siehe auch ==
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| * [[Roggenmuhme (Korndämon)]]
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| == Weblinks ==
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| {{Commonscat|Secale cereale|Roggen (''Secale cereale'')}}
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| {{Wiktionary}}
| |
| * [https://www.proplanta.de/Roggen ''proplanta.de – Das Informationszentrum für die Landwirtschaft''], Wissenswertes zum Thema Roggen
| |
| * {{Webarchiv | url=https://www.uni-hohenheim.de/ipspwww/720/index.htm | wayback=20140902152606 | text=''Rye and Hybrid Rye Breeding''}}, T. Miedaner, State Plant Breeding Institute, Universität Hohenheim, umfassende Informationen zu Roggen und Hybridroggen
| |
| * [https://www.rye-gene-map.de/ ''GENES, MARKERS AND LINKAGE DATA OF RYE (Secale cereale L.)'', Rolf Schlegel, Gatersleben, Germany]
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| == Literatur ==
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| * Thomas Miedaner: ''Roggen – Getreide mit Zukunft'' Erstauflage. DLG-Verlag, Frankfurt 2007, ISBN 978-3-7690-0687-2.
| |
| * [[Ernst Klapp (Agrarwissenschaftler)|Ernst Klapp]]: ''Lehrbuch des Acker- und Pflanzenbaus.'' 5. Auflage. Berlin 1958.
| |
| * Ludwig Reiner u. a.: ''Winterroggen aktuell.'' DLG Verlag, 1979, ISBN 3-7690-0346-2.
| |
| * [[Elisabeth Schiemann]]: ''[[Weizen]], Roggen, [[Gerste]]. Systematik, Geschichte und Verwendung.'' 1948.
| |
| * [[Rolf Schlegel]]: ''Rye (Secale cereale L.) – a younger crop plant with bright future.'' In: R. J. Sing, P. Jauhar (Hrsg.): [https://www.routledge.com/Genetic-Resources-Chromosome-Engineering-and-Crop-Improvement-Cereals/Singh-Jauhar/p/book/9780849314322# ''Genetic Resources, Chromosome Engineering, and Crop Improvement.''] Vol. II: ''Cereals.'' CRC Press, Boca Raton, USA 2006, ISBN 0-8493-1430-5, S. 365–394.
| |
| * Rolf Schlegel: ''Rye – Genetics, Breeding & Cultivation.'' CRC Press, Boca Raton 2013, ISBN 978-1-4665-6143-4, S. 385.
| |
| * {{Literatur
| |
| |Hrsg=Wilfried Seibel
| |
| |Titel=Warenkunde Getreide – Inhaltsstoffe, Analytik, Reinigung, Trocknung, Lagerung, Vermarktung, Verarbeitung
| |
| |Verlag=Agrimedia
| |
| |Datum=2005
| |
| |ISBN=3-86037-257-2}}
| |
| | |
| == Einzelnachweise ==
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| <references>
| |
| <ref name="Conert1997">[[Hans Joachim Conert]]: ''Familie Poaceae.'' In [[Gustav Hegi]]: ''Illustrierte Flora von Mitteleuropa.'' 3. Auflage, Band I, Teil 3, S. 828–830. Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1997, ISBN 3-489-52020-3.</ref>
| |
| <ref name="InfoFlora">
| |
| {{InfoFlora|ID=1042710|WissName=Secale cereale L.|Abruf=2023-08-29}}</ref>
| |
| <ref name="Euro+Med">
| |
| B.Valdés, H.Scholz; with contributions from [[Eckhard von Raab-Straube]] & G.Parolly (2009+): ''Poaceae (pro parte majore). '' [https://www.europlusmed.org/cdm_dataportal/taxon/ebe54b41-ae96-4fe7-90f5-bfdabbdec146 Datenblatt ''Secale cereale'' In: ''Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity''.] </ref>
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| </references>
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| {{Gesundheitshinweis}}
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| {{Normdaten|TYP=s|GND=4178338-4}}
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| [[Kategorie:Süßgräser]]
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| [[Kategorie:Getreideart]]
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| [[Kategorie:Naturdämmstoff]]
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| [[Kategorie:Kieler Archäologie]] | |